Desire vs Duty - Eine verbotene Liebe [Sirath & Marien]

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    • Desire vs Duty - Eine verbotene Liebe [Sirath & Marien]

      Desire vs Duty - Eine verbotene Liebe

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      X kennt nichts anderes als das Leben eines Sklaven, während Y in Prunk und Reichtum hat aufwachsen dürfen. Dank ihres hübschen Antlitzes konnte sich die junge Adlige auch nie über zu wenige Verherer beklagen, ein Umstand der ihr heute Sorgen bereitet. Natürlich hat ihr hochgestellter Vater nicht lange gezögert, bevor er einen passenden Kandidaten für seine nun siebzehnjährige Tochter heraussuchte. Kandidaten haben sich immerhin genug beworben. Doch sonderlich glücklich ist Y über diese Entscheidung nicht, sie möchte lieber selbst ihre Liebe wählen und bestimmen...
      Doch X kann noch weniger über sein Leben entscheiden. Nach dem Tod seines bisherigen Herrens wurde er sofort auf dem Sklavenmarkt weiterverkauft. Sein neuer Herr ist Y's Vater und so treffen beide schon sehr bald aufeinander. Irgendetwas an dem neuen jungen Mann am Hof weckt dabei das interesse der jungen Adligen und so fängt sie an, sich immer häufiger auf dem Hof mit ihm zu unterhalten. Bald schon wächst aus dem anfänglichen Interesse mehr und in beiden werden Gefühle wach, die zwischen ihnen niemals hätten entstehen dürfen. X versucht gegen dieses innere Verlangen anzukämpfen und vergräbt sich in seiner Arbeit, doch Y lässt es sich nicht nähmen, immer wieder zu ihm zu kommen, bis die Mauer zwischen ihnen gänzlich zerbarst.
      Eine verbotene Liebe erwacht, die keines falls an die Öffentlichkeit gelangen darf. Aber wird das überhaupt möglich sein...?


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    • Merinda Seymor


      8a8af58dbc74620bf7cbd8d176fde380.jpg"Okay, Deril, du hast alles verstanden?"
      Der kleine Rotschopf vor ihr nickte eifrig, während ein helles Leuchten in die himmelblauen Augen trat, welche die junge Frau musterten. "Sobald Sir Ferrers nach Euch fragt, werde ich ihm sagen, dass Ihr einen Ausflug in die Stadt gemacht habt und niemand weiß, wann ihr wieder kommen werdet."
      Ein zufriedenes Lächeln trat auf Merindas Lippen, während ihre Finger zufrieden die lockigen Haare des kleinen Jungen vor ihr durchwühlten. Deril war der Sohn einer im Schloss angestellten Hofmagdt und übernahm mit seiner Mutter ab und an auch gemeinsam Arbeiten. Dazu zählte auch der Empfang von Gästen. "Ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann", stellte Merinda noch immer lächelnd fest, während auch auf die vollen Lippen des kleinen Jungen ein breites Grinsen trat.
      "Nur..." Nachdem sie ihre Finger aus seinen Haaren genommen und sich wieder gerade aufgerichtet hatte, trat Neugierde in die aufmerksamen Augen des Rotschopfes. "Gibt es einen bestimmten Grund, warum Ihr Euch nicht mit Sir Ferrers treffen wollt? Ist er denn nicht Euer Verlobter."
      Alleine diese Bezeichnung sorgte für Unwohlsein in ihrem Geist und sie wendete den Blick ab, um die weichen Wolkenformationen am Himmel zu beobachten. "Ich habe ihn nie gewählt..." Ihre Worte traten kaum vernehmbar über ihre Lippen und glichen mehr einem leisen Seufzen, als einer wirklichen Antwort. Kein Wunder also, dass Deril fragend den Kopf zur Seite legte, als er nicht verstand. Sie saugte einmal laut die Luft in ihre Lungen, bevor sie ihre Schultern straffte und entschuldigend auf den Jungen hinabsah. "Ich habe meine Gründe, Deril. Aber das soll nun nicht weiter wichtig sein, so lange du nur deine Aufgabe erfüllst." Ein feines Lächeln fand zurück auf ihre hellen Lippen, doch die übliche Strahlkraft und Freude hatte es verloren.
      Auch wenn Deril diesen Untershied zu bemerken schien, ließ er sich nichts anmerken und nickte stattdessen pflichtbewusst. "Ich werde Euch nicht enttäuschen."
      "Das weiß ich doch." Erneut fuhr ihre Hand durch die weichen Harschopf und entlockte dem Jungen ein mildes Lachen.
      Tatsächlich war der Kleine nicht offiziell am Schloss ihres Vaters eingestellt, aber er übernahm dutzende Aufgaben, um seine noch junge Mutter zu entlasten. Merindas Vater hatte daher auch Einsicht geziegt und angefangen, Deril ebenso einen Lohn auszuzahlen, schließlich machte der Junge trotz seines noch geringem Alters einen guten Eindruck auf Gäste, mit guten Umgangsformen und höflichen Begrüßungen. Somit war er Merindas erste Anlaufstelle gewesen, als man sie heute Morgen über den Besuch ihres Verlobten unterrichtete. Es waren gerade einmal zwei Tage vergangen, seitdem ihr Vater ihr mitteilen ließ, dass er sie einem älteren Mann versprochen hat. Sir Ferrers. Sie hatte den Mann aus dem Hochadel schon auf mehreren höfischen Banketten und Festen treffen dürfen und natürlich war er ebenso freundlich mit ihr umgegangen, wie all die anderen Männer die sie bisher zu solchen Anlässen getroffen hatte. Aber er war mindestens zehn Jahre älter als die junge Adelsdame und auch nicht sonderlich interessant. Wenn er sich nicht über das Wetter unterhielt, versuchte er ihr mit seinen Erfolgen bei der Jagdt oder seinen Talenten am Klavier zu imponieren. Dabei hatte er noch nie nach ihren Interessen gefragt, sondern sie maximal für ihre Schönheit gelobt. Und dieser Mann sollte ihr zukünftiger Ehepartner werden?
      Mit einem kurzen Nicken verabschiedete sie sich von Deril. Er würde seine Aufgabe zu ihrer vollsten Zufriedenheit erfüllen. Sir Ferrers konnte sicherlich nicht genug Geduld aufbringen, um stundenlang auf sie im Emfangsraum zu warten, bis sie vom angeblichen Ausflug zurückkehrte. Und sollte er sie in der Stadt suchen wollen, könnte er sie dort niemals finden. Natürlich würde ihr Vater wütend werden, sobald er hiervon erfuhr, aber im Moment war er außerhalb der Stadt, um - wie er es sagte - "Kontakte zu pflegen". Eine Freschheit, dass er Merinda nie zu solchen Treffen mitnehmen wollte, aber heute würde dieser Ausflug verhindern, dass er von ihrer kleinen Flucht vor dem eigenen Verlobten erfuhr. Natürlich würde ihr das nur eine geringe Galgenfrist einbringen, doch umso länger sie diesem unangenehmen Treffen aus dem Weg gehen konnte, desto besser.
      Da sie nicht wusste, ob eines der Dienstmädchen sie eventuell verraten würde, verzichtete Merinda darauf, in ihre Gemächer zurück zu kehren. Stattdessen huschte sie durch die mit hochwertigen Wandteppischen verzierten Flure des Schlosses. Ihre Augen hatten sich bereits an der Schönheit des Silberstucks und der glänzenden Vasen sattgesehen, nur die gelben und dunkelroten Rosen in ihnen bewunderte sie jedes Mal aufs neue und strich sanft mit ihren Fingern über die weichen Blütenblätter, inhalierte den zarten Duft der Blumen. Das auslandende Gewächshaus hinter dem Schloss war einmal der ganze Stolz ihrer Mutter gewesen und auch Merinda teilte die Liebe zu diesen zauberhaften Pflanzen... Seitdem Tod ihrer geehrten Mutter vor fünf Jahren nur noch umso mehr.
      Doch der Rosengarten war nicht ihr heutiges Ziel. Beinahe lautlos flüchtete sie aus einem der Seiteneingänge des Schlosses und hob den Saum ihres bestickten Kleides mit der Farbe eines strahlenden Bergsees, auf dass sie schneller und unerkannt hinter den Büschen am Rande des Innenhofes huschen konnte. Bald schon konnte sie leises Wiehern und Hufgetrappel hören. Die Ställe ihres Vaters waren ausladend und boten genug Platz für insgesamt zwanzig Pferde. Alle aus angesehenden Zuchten, womit jedes hier geborene Fohlen später einmal einen strammen Preis am Markt erzielte. Eine der Haupteinahmequellen ihres Vaters, neben den weiten Länderreien und Anbauflächen natürlich. In den ausladenden Ställen würde man sicherlich nicht nach Merinda suchen. Abgesehen vom Stallmeister und seiner Stallknechte arbeitete hier vor allem Sklaven und hielten die Ställe sauber, fütterten die Tiere und kümmerten sich um ihre Wohl. Natürlich war es ihnen nicht gestattet, die edlen Rösser auszureiten, vor allem da viele von ihnen auch noch weitere Pflichten am Hof zu erledigen hatten. Alles Arbeiten niederster Natur... Merinda konnte nicht verstehen, wie ihr Vater zum einen so gut zu einem Jungen sein konnte, der nicht einmal hier angestellt war und dennoch einen guten Lohn bezahlt bekam, während die armen Sklaven auf dem Hof nicht einmal vernünftige Kleidung geschweige denn Geld erhielten. Zumindest gehörte ihr Vater nicht zu den Gutsherren, die ihre Leibeignenen bei der kleinsten Verfehlen verprügeln ließ und er sollte ihnen auch angemessene Pausen- und Malzeiten gönnen, doch ihr wollte dennoch nicht in den Kopf gehen, wie man andere Menschen nur so unendlich ausbeuten konnte, ohne mit dem eigenen Gewissen in Konflikt zu geraten.
      Doch egal wie oft sie ihren alten Herrn darauf auch angesprochen hatte, er wollte ihr kein offenes Ohr schenken. Zumindest würde sie von diesen Menschen niemand verraten, sollte sie unerlaubter Wiese durch die Ställe wandern und so schlüpfte sie durch das breite Holztor und wurde umgehend vom unverkennbaren Geruch nach Pferdeschweiß und -äpfeln eingehüllt, nur um in der nächsten Sekunde von einem lauten Schnauben bergrüßt zu werden. "Na mein Großer", sofort war ihr breites Lächeln zurück, als sie ihre Hand über die weichen und dunklen Nüstern eines großen Rappens Fahren ließ, der direkt bei ihrer Ankunft den Kopf aus seiner Box gehoben hatte. Sie war mit diesem schwarzen Hengst aufgewachsen und hatte schon dutzende Ausritte mit ihm unternommen. Kein wunder also, dass er nun seine Nase bereitwillig gegen ihr Gesicht drückte. "Lass das Nebulo", lachte sie amüsiert. "Heute kann ich dich leider nicht ausreiten."
      Plötzlich wurde sie aus ihrem erfreulichen Treffen, mit ihrem Lieblingsrappen gerissen, als ein helles Klirren von Metalleimern in ihre Rücken sie umfahren ließ. Im nächsten Moment begegnete sie hellen blauen Augen, die sie an die strahlende Farbe ihres Kleides erinnerten und selbst im Schatten des weiten Stallgebäudes zu funkeln schienen. "Du hast mich erschreckt", beschwerte sie sich mit mit einer Hand auf der Brust, unter welcher ihr Herz panisch gegen ihre Rippen klopfte. Erst dann begann sie damit den Neuankömmling genauer zu mustern. Blondes kurz geschnittenes Haar, braun-graue Kleidungsfetzen, die einen dünnen drahtischen Körper verbargen. Das Gesicht war verdreckt und wirkte mager, aber sie konnte dennoch erkennen, dass er in etwa so alt sein musste, wie sie. Aber sie hatte ihn hier noch nie gesehen. "Du bist neu hier, richtig?" Ein letztes Mal wanderten ihre neugierigen Augen über sein Antlitz. Irgendetwas sagte ihr, dass unter dem Schmutz ein hübsches Gesicht steckte, doch alleine diese Kleidung, die sie maximal als Lumpen bezeichnen konnte, waren ein eindeutiges Zeichen darauf, dass es sich bei dem jungen Mann um einen weiteren Sklaven dieses Hofes handeln musste. Als sie vor etwa drei Tagen das letzte Mal hier gewesen war, hatte sie ihn jedoch noch nicht sehen können. "Wie lautete dein Name?" Ihr Vater hatte ihr verboten, mit den Sklaven auf dem Hof zu sprechen, dabei wusste er genau, dass er die eigensinnige Frau niemals davon würde abhalten können. Und Merinda wollte keine Menschen ignorieren, die einen beträchtlichen und wichtigen Teil der Arbeiten auf dem Schloss übernahmen. "Mein Name ist im Übrigen Merinde Seymor", stellte sie sich selbst vor und machte einen geübten und feinen Hofknicks, schenkte ihm sogar ein kurzes Lächeln. "Wir kennen uns zwar kaum, aber darf ich dich dennoch um etwas bitten... Bitte sag niemandan, dass du mich heute hier gesehen hast, ja?"
    • Silvain
      Nun war er schon ein paar Tage hier, an Arbeit mangelte es nicht. Seit seiner Ankunft hatte er kaum Zeit gehabt, um durch zu atmen. Doch Silvain beschwerte sich nicht. Das Leben am solch einem Hofe schien ihm besser als sein früheres Leben. Ihm wurde immer noch schlecht, wenn er an die Schläge und sonstigen Demütigungen dachte…
      Dabei war es reiner Zufall, dass er hier landete. Sein früherer Herr verstarb nach langem Leidensweg- es war nicht so, dass Silvain ihm nachtrauerte- doch danach war er sozusagen Freiwild. Bis er wieder auf dem Sklavenmarkt landete. Und dann erblickte ihn sein neuer Herr und kaufte ihn. Klar hatte der junge Mann vor ein paar Tagen noch gedacht, es wäre wie damals, nur Schläge, Beschimpfungen und Schmach, doch so war es nicht. Im Vergleich zu früher wurde er sogar recht gut behandelt- sofern man es als „gut“ bezeichnen konnte. Aber es war wie schon erwähnt besser als zuvor.
      Sein Tag begann heute wie schon die letzten Tage recht früh. Schon vor Sonnenaufgang mussten die Tiere versorgt werden. Danach folgten etwaige andere Tätigkeiten, so, wie er es schon von seinem letzten Herrn gewohnt war. Zum Markt einkaufen gehen, Ställe ausmisten, Räume putzen…
      Nun kümmerte sich Silvain gerade um die Pferde. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der Sklave stellte den Eimer mit frischem Wasser kurz auf dem Boden ab, atmete tief durch, dann hob er den Eimer wieder auf und ging weiter. Auf einmal erklangen Geräusche aus einer der Boxen. Verwundert hob er den Blick, sah zu der Box und trat ein wenig neugierig näher.
      Als er die Person- eine wunderschöne, junge Frau- erblickte, erstarrte er. Sein Herz schlug schneller, ihm wurde warm und kalt zugleich. Was waren das für Gefühle? Schnell verdrängte er sie. Auch, wenn sie schön waren, sie waren fehl am Platz. Aufmerksam musterte er die Fremde. Elegante Kleidung, gepflegte Haut. Ganz eindeutig eine Adelige. Vielleicht sogar die Tochter seines Herrn? Würde vom Alter her zumindest passen; Er zögerte, dann erhob er die Stimme. Sie klang ein wenig rau, er war es nicht gewohnt, zu sprechen. Als Sklave erhielt er nur Befehle, unterhalten wollte sich selten jemand mit ihm.
      „Verzeiht, My Lady.“ Er verneigte sich vor ihr. „Es lag nicht in meinem Interesse, Euch zu erschrecken. Mein Name ist Silvain.“ Fügte er auf ihre Frage hin hinzu. Dann neigte er ein wenig den Kopf, für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Es war, als würde ein Blitz ihn durchzucken, schnell senkte er den Blick. „Ich werde Euch nicht verraten, versprochen.“ Schwor er noch, dann trat er zu dem Eimer, der immer noch am Boden stand, und hob ihn mit beiden Händen hoch. Silvain war keineswegs ein Schwächling, doch Wasser hatte nun mal ziemlich viel Gewicht.
      Der Sklave warf Merinde einen Blick zu, dann wandte er sich ab, um weiter zu arbeiten. Die Schmetterlinge im Bauch versuchte er, zu ignorieren. Als er ihren Blick noch spürte, gab er der Versuchung nach und sah wieder zu ihr. „Darf ich? Euer Ross braucht Wasser.“
      Er versuchte, gelassen zu klingen, seine Unsicherheit und Verlegenheit zu überspielen. Ob es ihm gelang wusste er nicht.
    • Merinda Seymor


      8a8af58dbc74620bf7cbd8d176fde380.jpgSie staunte nicht schlecht, als er ihr mit höficher Manier antwortete und sich sogar gekonnt vor ihr verneigte. Die meisten Sklaven, die hier her kamen, waren es nicht gewohnt viel mit anderen und vor allem höher gestellten zu reden. Stattdessen hielten sie den Kopf stets gesenkt und wichen den Blicken ihrer Mitmenschen aus. Merinda hatte es sich natürlich trotzdem nie nehmen lassen, diese Leute anzusprechen und ihnen etwas Mut zu machen. Aber bei diesem jungen Mann schien das nicht einmal nötig zu sein. Er erwiderte sogar ihren Blick eine Zeit lang, bevor er den Kopf senkte und auch seine Worte waren klar und fest, lange nicht so eingeschüchtert und nervös, wie sie es von anderen Sklaven gewöhnt war. Interessant.

      "Danke, Silvain", meinte sie mit breitem Lächeln, als er versprach ihrer Bitte nachzukommen. "Und freut mich, dich kennen zu lernen."
      Sie beobachtete ihn einfach dabei, wie er den schweren Wassereimer vom Boden hievte und langsam auf sie zukam. Viel zu spät realisierte sie, was sein eigntliches Ziel war und huschte dann schnell beiseite, als er sie darum bat. "Tut mir leid, ich wollte dir nicht im Weg stehen", meinte sie hastig und trat vom hölzernen Tor der Pferdebox zurück. Als sie jedoch realisierte, dass Silvain mit dem Eimer in der Hand wohl schwer die Tür würde öffnen können, machte sie sich kurzer Hand selbst daran, den Riegel zu öffnen und die Box zu öffnen. Im nächsten Moment, wurde der junge Mann auch schon mit einem hellen Wiehern, bevor Nebulo begeistert, aber sanft, an seinen kurzen Haaren knabberte. Beinahe als würde er sich für die Wasserlieferung bedanken wollen. Bei dem Anblick entglitt Merinda ein hohes und heiteres Lachen, während auch sie sich in die Box schob und die Hände über das Ebenholzschwarze Fell am Hals ihres Rappen gleiten ließ. "Obwohl du erst seit kurzem hier arbeitest, scheint Nebulo bereits Gefallen an dir gefunden zu haben." Mit einem tiefen Schauben, schien ihr der Hengst zustimmen zu wollen, vielleicht wollte er sich damit aber auch nur für ihre Streicheleinheit bedanken. Ihr Blick wanderte vom dunklen Ross zurück zum dünnen Sklavenjungen, beobachtete ihn dabei, wie er den Wassereimer abstellte. Schweiß rann über seinen freien Nacken und versickerte in dem dünnen und verdreckten Leinenstoff seines ausgeleirten Hemdes... Wann hatte er wohl das letzte Mal seine Kleidung wechseln können? "Woher stammst du eigentlich Silvain? Hast du zuvor an einem anderen Hof gearbeitet?" Ein Sklave in seinem Alter, war entweder so aufgewachsen, oder man hatte ihn als Kreigsgefangener auf den Sklavenmarkt geschleppt. Doch in diesem Land herrschte schon seit mehreren Jahren Frieden, weswegen sie sich nicht vorstellen konnte, dass Silvain tatsächlich ein gefangener Soldat sein sollte. Außerdem machte er den Eindruck, als würde er schon seit langer Zeit solche Arbeiten erledigen müssen... Ihr missviel natürlich die Vorstellung, dass er als Sklave aufgewachsen war, aber das war nun einmal die Realität dieser Welt. Er war längst nicht der einzige Sklavenjunge, wobei viele nicht einmal so alt wurden, wie er es heute war... "Wie gefällt es dir hier auf Vaters Hof?" Sie wusste selbst, dass diese Frage zynisch war. Was sollte er schon antworten? Dass er das Leben hier hasste? Dass er das Leben als Sklave hasste und sie und ihres Gleichen dafür verabscheute, dass sie sich über das Leben anderer stellten? Eigentlich erhoffte sie sich von seiner Antwort doch nur zu erfahren, ob es stimmte, was man über ihren Vater sagte? War er wirklich "gütig" zu den Sklaven auf seinem Hof? Ging es Silvain hier besser, als bei seinem alten Besitzer? Oder hatte sich seine Lage etwa verschlechtert? "Keine Sorge, du darfst offen und ehrlich zu mir sprechen. Ich werde dich für deine Worte nicht bestrafen."
    • Silvain

      Verwundert sah der junge Sklave wieder zu Merinda. Sie freute sich…ihn kennen zu lernen? Erstaunt weiteten sich seine Augen. Das war ihm neu; vollkommen neu. „Alles in Ordnung.“ Versicherte er ihr und lächelte ein wenig. Sein Lächeln erreichte jedoch seine Augen nicht. Er wirkte immer noch verunsichert und nervös, gab sich jedoch gelassen. Immer noch täuschte er den entspannten Sklaven vor.
      „Danke.“ Er verneigte sich erneut und trat dann in die Box. Als Nebulo an seinen Haaren knabberte, konnte er ein leises Lachen nicht unterdrücken. „Hey, lass das!“ protestierte er sanft, dann wandte er sich wieder zu Merinda. Er überlegte, wie er am Besten antwortete. Woher er tatsächlich stammte, wusste er selbst nicht. Er hatte aufgehört, zu zählen, wie viele Herren er gehabt hatte.
      Die nächste Frage war leichter zu beantworten. Kurz zögerte er. Noch nie zuvor hatte er mit jemanden über seine Herkunft gesprochen. Doch er vertraute der jungen Frau aus irgendeinem Grund- etwas, dass sehr selten so schnell vorkam.
      „Woher ich stamme…“ begann er gedehnt. „Ich weiß es nicht so wirklich. Ich wurde wohl schon als Sklave geboren. Seit ich denken kann, habe ich immer nur gedient.“ Dann nickte er. „Ja, ich habe oft bei Adeligen als Sklave gearbeitet.“
      Er atmete tief durch, als die Erinnerungen an seine Vergangenheit über ihn kamen. Er verdrängte die Gedanken. „Nun…ich bin noch nicht lange hier, doch ich wurde zumindest noch nicht geschlagen oder so. Also ist es besser.“
    • Merinda Seymor


      8a8af58dbc74620bf7cbd8d176fde380.jpgAuch wenn sein Lächeln sein Gesicht etwas erhellen konnte, schien es nicht völlig aufrichtig zu sein. Tatsächlich bereitet es Merinda kurz sogar etwas Unbehagen, da sie glaubte, dass sich der Junge Mann zu eben diesem Gesichtsausdruck gezwungen hatte, anstatt ihr eine ehrliche Emotion zu zeigen. Verdenken konnte sie es ihm gewiss nicht, aber der Ausdruck in seinen Augen schmerzte sie dennoch ein wenig. Sie ließ es sich allerdings nicht anmerken und spiegelte sein Lächeln, mit dem Unterschied, dass ihres deutlich ehrlicher erschien und auch ihre grünen Augen erstrahlen ließ.
      "Du solltest stolz auf dich sein. Dieser sture Hengst schenkt nicht jedem so schnell sein Vertrauen. In der Vergangenheit hat es sogar den ein oder anderen Unfall gegeben, bei dem er das Hofpersonal getreten und aus seiner Box gestoßen hat. Dass er dich auf diese Weise akzeptiert, bedeutet also, dass du etwas richtig gemacht haben musst." Kaum hatte Silvain den Wassereimer abgestellt, ließ der Rappe endlich von den Haaren des Sklaven ab und senkte den Kopf zum Saufen. Währenddess fixierte die Adelsdame weiterhin den jungen Mann vor sich und lauschte seiner nachdenklichen Antwort. Wie erwartet war er wirklich als Sklave großgeworden, ein Umstand der ihr Gesicht kurz mit Trauer erfüllte, aber den sie schnell akzeptierte. Sie konnte nichts an Silvains Vergangenheit ändern, stattdessen würde sie lieber sein Leben hier etwas angenehmer gestalten. "Es ist also besser...", meinte sie letztendlich nachdenkling und lehnte sich gegen die Holzverkleidung der Pferdebox. Die Balken knarzten unter ihrem Gewicht, während Merindas schmale Finger einige verirrte Haarsträhnen aus ihrem Gesicht zupften und sie behelfsmäßig versuchten in ihren Dutt zu schieben. Welch schaurige Erlebnisse mochte Silvain wohl in seiner Vergangenheit schon durchgemacht haben...? Wie hatten sie seine bisherigen Besitzer behandelt? Wurde er wirklich so oft geschlagen? Beinahe automatisch glitt ihr Blick auf das dünne Leinenhemd... auf den Rücken, der sich hinter dem verdreckten Stoff verbarg. Sie hatte schon ein paar Sklaven kennen gelernt. Tatsächlich befanden sich gemeinsam mit Silvain insgesamt sieben von ihnen auf diesem Hof, auch mit den anderen hatte sie sich schon das eine oder andere Mal unterhalten. Ab und an hatte sie dabei dunkle Schatten von alten Narben gesehen, die sich unter dem weiten Kragen entdecken ließen... Ob Silvains Rücken ähnlich mishandelt aussah? Sie wollte es sich eigentlich gar nicht vorstellen und hob die Augen wieder zu seinem Gesicht und zwang sich zu einem aufmunternden Lächeln. "Nun... Sollte sich jemand auf diesem Hof erlauben, dich schlagen zu können oder dich in irgendeiner Weise schlecht behandeln, dann brauchst du mir nur bescheid geben. Ich werde mich darum kümmern." Tatsächlich hatte sie das auch den anderen angestellten Sklaven gesagt, allerdings hatte noch keiner von ihnen ihr Angebot wahrgenommen. Sie wusste nicht, ob es daran lag, dass sie wirklich gut behandelt wurden, oder weil sie der Adelsdame nicht geglaubt hatten. "Mein Vater darf bloß nichts davon mitbekommen." Sie stieß ein leises Seufzen aus und hob den Kopf zur Stalldecke, betrachtete die Querbalken über ihr, die dem Holzdach Stabilität schenkten. "Ihm wird es nicht gefallen, dass ich mit einem weiteren Sklaven geredet habe, nachdem er es mir so ausdrücklich verboten hat."


    • Silvain

      Verwundert warf er dem stolzen Hengst einen Blick zu. War es eine solche Ehre, von ihm akzeptiert zu werden? Silvain kam eigentlich ganz gut mit Tieren klar, wenn er so darüber nachdachte. Seine Augen weiteten sich ein wenig, als Merinda ihm ihre Hilfe mehr oder weniger offen anbot. "Ich..." er unterbrach sich selbst. "Also...danke. Wenn ich in so eine Lage komme, komme ich darauf zurück." versprach er dann. Ihm war klar, dass dies ihr kleines Geheimnis bleiben musste, er wollte sie nicht in Schwierigkeiten bringen. "Euer Vater wird nichts von Eurem Versprechen erfahren- es wird sein, als hättet Ihr mich nicht angesprochen." versicherte er ihr und es gelang ihm, ein ehrliches Lächeln hervorzuzaubern.
      Silvain fiel auf, wie entspannt er war. Selten hatte er sich mit einem seiner Besitzer so friedlich unterhalten. Meist bestanden die einzigen Gespräche mit seinen Herrn aus Beleidigungen und Beschimpfungen.
      Aufmerksam betrachtete der junge Sklave Merinda. Die schlanke Gestalt, die langen Haare, die grünen Augen....sie war wirklich atemberaubend schön. Die elegante Kleidung, die Merinda trug, machte den Anblick perfekt. Silvain war sprachlos. Er suchte verzweifelt nach Worten, wollte ihr Aussehen loben, doch wie sagte man jemanden, dass man ihn- in dem Fall sie- hübsch fand? Verlegen und unsicher senkte der Sklave den Blick.
      Silvain fiel auf, dass sie sich recht nahe waren. Irritiert von dieser Erkenntnis wich er zurück. "Verzeiht." sagte er leise. "Es stand mir nicht zu, Euch so nahe zu sein." Es war, als würde eine Mauer zwischen ihnen entstehen. Er biss sich auf die Unterlippe. Es war so ungerecht. Wäre er ein Adeliger, wäre diese Nähe okay gewesen?
    • Merinda Seymor


      8a8af58dbc74620bf7cbd8d176fde380.jpgEs war amüsant zu beobachten, wie der junge Mann offenbar etwas von Merindas Art überrascht wurde und beinahe ins stottern geriet. Zugleich musste er sich wohl alle Mühe geben, um ruhig zu bleiben, um sich nichts anmerken zu lassen. Und dann zauberte er dieses Lächeln hervor, dass seine müden Gesichtszüge jünger und deutlich schöner machte. Ein Lächeln, dass die junge Frau für mehrere Sekunden in ihren Bann zog und zum Staunen brachte... Wie er wohl in edlen und sauberen Kleidern ausschauen mochte. Gereinigt und besser genährt. Sicherlich würde er die Blicke dutzender Adelsdamen auf sich ziehen und den ein oder anderen hochgeborenen Burschen vor Neid erblassen lassen. Umgehend wanderten auch ihre Mundwinkel ein Stück weiter in die Höhe, bevor sie andächtig nickte. "Sehr gut, ich vertraue dir", meinte sie zufrieden und schritt etwas auf ihn zu, nur um letztendlich die langen Finger in die Mähne ihres Hengstes zu schieben, der sich umgehend gegen ihre sanfte Hand lehnte und um Streicheleinheiten bettelte. Natürlich kam sie Nebulos Bitte umgehend nach und kraulte das weiche Fell des Pferdes.
      Doch lange hielt die angenheme Ruhe im Stall nicht an, als der junge Sklave plötzlich einen weiten Schritt zurück machte und sich entschuldigte. Etwas erschrocken, über sein plötzliches Verhalten, starrte sie ihn verwundert an. Nach wie vor ruhte ihre Rechte Hand, auf dem breiten Hals des Hengstes, während sie sich mit dem Körper zu Silvain drehte und ihn nachdenklich musterte. "Habe ich etwa den Anschein erweckt, ich hätte etwas gegen deine Nähe?", fragte sie mit gespielter Empörung und einem sanften Schmunzeln auf den Lippen. "Ich war diejenige die in deinen Weg und in deine Nähe getreten ist, es gibt also nichts, für dass du dich entschuldigen müsstest." Ihrer Finger begannen erneut damit Nebulo zu verwöhnen. "Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie wirklich verstehen können, warum Menschen so eine dicke Mauer zwischen sich erbauen, nur weil sie sich für etwas besseres halten. Du bist ein Mensch wie ich es bin, nur hattest du etwas weniger Glück im Leben. Doch davon abgesehen, mag ich unsere kleine Unterredung hier zwischen uns. Aber wenn du dich so weit von mir fern hältst, kann ich nicht mehr so gut mit der reden. Also..." Sie winkte ihn mit der linken Hand wieder näher heran. "Ich habe noch etwas Zeit zu vertrödeln, bevor ich mich aus diesem kleinen Versteck wagen darf. Magst du mir also dabei helfen, Nebulo etwas zu striegeln und zu säubern?"