Tamarien - The witches curse [Countess&Heaven]

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    • Tamarien - The witches curse [Countess&Heaven]

      Tamarien - The witches curse


      @Countess Auf ein wundervolles RPG meine Liebe und danke, dass Aaron wieder zum Leben erwachen darf <3



      Kalter Wind fegte über die Stadt und kündigte das baldige Ende des Sommers an. Trotz der warmen Tage wurden die Nächte spürbar kälter, schickten die eisigen Nordlandreiche doch ihre kühle Fracht gen Süden des Kontinents. Die Luft trug einen Hauch von Regenduft mit sich, sollte dieser doch in den folgenden Tagen die Boden tränken. Die Fackeln entlang der prunkvollen Wänden der Villen und Stadtmauern konnten die Dunkelheit nur spärlich erleuchten. Es war die Zeit der Schatten, einzig unterbrochen von dem flackernden, jämmerlichen Versuch des Lichtes. Doch eben jener Schatten war es, der sein Mantel war. Sein Freund und ständiger Begleiter, bewegte er sich doch lieber in der Dunkelheit; Ungesehen, ungehört. Der Mann, gänzlich in schwarzer Kluft gekleidet, die Kapuze tief in sein Gesicht gezogen, lehnte in der Dunkelheit an einer Mauer eines Turmes. Die Höhe war schwindelerregend, der Wind zog hier oben noch stärker als er es unten auf den steinernen Plateau würde. Doch das machte nichts, er musste lediglich die Windrichtung beachten und ihn nutzen für sein Vorhaben. Der hochgewachsene Mann lauschte regungslos, nahm die Geräusche seiner Umwelt in sich auf. Aus der Ferne hörte man einige grölende Stimmen betrunkener Tavernenbesucher, die durch die Straßen torkelten. Betrunken im Versuch ihr Leben zu vergessen, dass sie Tagein und Tagaus fristen mussten. Einige wilde Katzen stritten sich, hallte ihr Fauchen und ihre kreischenden Laute bis hoch zu ihm. Unter ihm konnte er einige Schritte vernehmen, gepanzert von schwerer Rüstung. Langsam und gemächlich, lediglich eine Wache die ihre Runden zog. Die Adligen waren so leichtsinnig. Sie fühlten sich hinter ihren dicken Mauern sicher, terrorisierten das kleine Volk, das vor der Stadtmauer in heruntergekommenen Baracken hausten und sich an ihren Feldern versuchten, die von der Sonne verbrannt wurden. Die Ernten dieses Jahr waren schlecht, der Sommer zu heiß und die Nächte des letzten Mondes zu kalt. Die Bauern nagten wie so oft am Hungertuch während die Adligen sich in ihren Villen und Palästen mit edlen Weinen und Fleisch die Mägen vollschlugen. Doch war es nicht an ihm, darüber zu urteilen. Das Leid anderer ging ihn nichts an, einzig seine Mission war von Wichtigkeit in diesem Moment.
      Kurz fuhren seine Augen über die stillen Bauwerke. Der Mond versuchte durch die aufkommende Wolkendecke zu brechen und für einen kurzen Moment schaffte er es. Gold flackerten die Augen des verhüllten Mannes auf, ehe die Wolken wieder die Oberhand gewannen und ihn erneut verbargen. Nicht, dass ihn hier jemand sehen oder gar erwarten würde. Niemand blickte gen Himmel zu einem verlassenen Wachturm. Warum auch? Die Reichen fühlten sich unantastbar. Hatten vergessen, dass sie jederzeit die Lämmer auf seiner Schlachtbank sein konnten.

      Endlich. Er hörte kleine, hastige Schritte. Sein Blick fuhr nach unten auf das Plateau, folgten der edel gekleideten Dame, die sich hektisch nach allen Seiten umblickte. Offenbar in der Furcht, jemand möge sie entdecken. Der Verhüllte schnaubte leise. Diese verbotenen Liebschaften, langsam wurde es eintönig wie ein neu aufgelegtes Theaterstück. Kopfschüttelnd veränderte er seine Position, eine Hand in der Innenseite seines Mantels verborgen. Die Frau, von seiner Position aus kaum im Detail auszumachen, blieb schließlich unter dem Licht einer Fackel stehen. Wie zuvorkommend… Ihr Name war Gloria, eine junge Adlige mit vielversprechender Schönheit und dennoch war sie naiv und verdorben, nahezu dumm zu glauben, sie würde nicht entdeckt werden. Doch wartete er noch einen Moment, lauschte und sah zu wie ein Mann in eben gleicher, heimlichtuerischen Manier wie die Frau das Plateau von einem anderen Eingang aus betrat. Da war er, der verbotene Liebhaber. Zufrieden, dass alles nach Plan verlaufen war, wartete der Jäger den richtigen Moment ab. Er konnte die Frau von vorne sehen, der Mann stand in einiger Entfernung und kramte nach etwas in seinen Taschen. Womöglich der gefälschte Brief, den er den beiden hatte zukommen lassen. Ein Brief über eine wichtige Angelegenheit, die sie alleine und ungestört klären mussten. Dass beide darauf hineingefallen waren und der Mann als ihr Kammerdiener nicht einmal auf die Idee gekommen war, dem nachzugehen war schon lächerlich naiv. Aber das sollte ihm nur recht sein. Der Verhüllte zückte einen schmalen, langen Dolch aus dem Inneren seiner Kluft und erhob seinen Arm. Er wartete noch einen Moment, zielte- dabei den Wind einberechnend- und schon rauschte die Klinge durch die Lüfte gen Boden. Einen Moment lang geschah nichts, doch dann brach die Frau zusammen. Der Dolch hatte sie in der Brust getroffen, war knapp an ihrem Liebhaber vorbeigerauscht und nun durfte er mit ansehen, wie seine Geliebte starb. Nicht nur irgendeine Geliebte, sie war die Tochter des Fürsten Gunar. Sein einziges Kind, dem Fürsten Haedrig aus Whavia versprochen. Und trotzdem hatte sie sich den albernen Liebesgedanken hingegeben, die nun mit einem Röcheln beendet wurden. Der Schrei des Kammerdieners hallte durch die Nacht, als er neben ihr auf die Knie fiel und versuchte den Dolch zu entfernen. Beinahe hätte der Mörder freudlos aufgelacht. Es lief noch besser als erwartet, war der Kammerdiener doch jetzt besudelt in dem Blut einer Adligen. Ein Bild, welches die Wachen zu einem eindeutigen Schluss kommen ließ, die auf den Schauort des Geschehens zueilten. Sein Auftrag war damit erfüllt. Er wandte sich von den schmerzlichen Trauerschreien des Mannes ab und verschwand im Inneren des Turms, um sich in seine Quartiere zurück schleichen. Untreue wurde nun einmal bestraft. Ihr hätte klar sein müssen, dass ihre stümperhaften Versuche es zu vertuschen nicht ungesehen blieben. Aber womit die Adlige wohl nicht gerechnet hatte war, dass jemand ihr dafür nach dem Leben trachten würde und er geschickt wurde. Seiner Klinge entkam niemand egal wie weit er oder sie zu rennen vermochte; Aaron würde sie finden und nicht ruhen, bis ihre Körper erkaltet auf dem staubigen Boden landeten.


      “Ich bitte nochmals um Verzeihung, Graf Lucidas. Mein Herr Gunar ist noch von dem Schock über den Verlust mitgenommen, weshalb er Euch nicht persönlich verabschieden kann…” Der Diener verneigte sich tief mit reuevollen Gesicht vor den in edlen Gewändern gehüllten Mann. Der Angesprochene lächelte mitfühlend und seine goldenen Augen lagen verständnisvoll auf dem Diener.
      “Nicht doch. Es ist grausam, was geschehen ist. Seine Tochter war noch so jung… Und so kurz vor der Vermählung…” Lucidas seufzte und schüttelte den Kopf, sodass einige dunkelbraunen Strähnen in sein Gesicht fielen. Der Diener nickte bekümmert.
      “Es ist ein Skandal, dass sie eine Affäre hatte. Auch noch mit ihrem Kammerdiener… Er wird noch heute Mittag für seine Tat gehängt. Er ist wie ein Irrer und behauptet, er wäre unschuldig. Doch der Dolch in seiner Hand und das Blut an seinen Händen spricht eindeutig für sich.” Der Diener mit schütterem, grauen Haar schüttelte sich ein wenig.
      “Wollt ihr der Hinrichtung nicht noch beiwohnen, Graf Lucidas? Es wäre mit Sicherheit ein Spektakel.”, versuchte er erneut, den grafen zum Bleiben zu bewegen. Doch dieser schüttelte nur den Kopf und ein charmantes Lächeln bildete sich auf seinen vom leichten Bart umgebenden Lippen.
      “Ich bedaure ablehnen zu müssen, doch warten noch wichtige Angelegenheiten in Whavia auf mich. Ich werde euch leider verlassen müssen, meine Kutsche ist bereits auf dem Weg.”, eröffnete er.
      “Aber entrichtet Gunar doch bitte mein herzliches Beileid und die besten Grüße. Sobald ich wieder geschäftlich in Nazar unterwegs bin werde ich ihm sicherlich bei einem Glas Wein erneut Gesellschaft leisten. Lebt wohl.” Damit nickte Lucidas dem Diener und den dahinterstehenden Wachen zu, ehe er sich umdrehte und die Villa durch das Tor verließ. Gerade im rechten Moment, fuhr mit knarrenden Rädern doch bereits die Kutsche vor. Die angespannten, braunen Rappen schnauften kurz, als sie ihren Trab beendeten und der Braunhaarige stieg in die Kutsche, dessen Vorhänge zugezogen waren, leichtfüßig ein. Im Inneren verschwand der warme Ausdruck in den goldbraunen Augen und das Lächeln wich einer ausdruckslosen Fassade.
      “Gloria ist tot, ihr Liebhaber wird heute noch gehängt.”, waren die leisen, tonlosen Worte die er an den Mann ihm gegenüber richtete. Dieser lachte kehlig auf.
      “Gut, etwas anderes habe ich auch nicht von dir erwartet, Assassine. Es stimmt wohl was man über dich hört.” Vergnügt lehnte sich der beleibte Mann in edlem Zwirn zurück und rieb sich freudig die speckigen Hände.
      “Den Skandal meiner Verlobten werde ich gut zu nutzen wissen, um Gunar auszuquetschen. Die Ländereien sind so gut wie mein!” Die Freude war dem Fettsack bereits anzusehen. Es war Fürst Haedrig, jener Adlige, der ihn mit dem Mord beauftragt hatte.
      “Die Belohnung.”, kam es nur knapp von Aaron und auffordernd zog er eine Braue nach oben, während die holprige Fahrt durch die Straßen der Stadt begonnen hatte.
      “Aber sicher. Zweihundert Goldstücken und… Ich war nicht untätig. Ich habe den angeblichen Standort der Hexe herausgefunden, nachdem wir einigen kleineren Leuten etwas… Druck gemacht haben.” Dabei zierte ein boshaftes Lächeln das unrasierte Gesicht Haedrig’s. Aaron nickte, nahm das Säckchen mit Gold entgegen und wog es prüfend in der Hand. Die Anzahl müsste stimmen, weshalb er es verstaute.
      “Und du bist sicher, dass sie sich dort aufhält und nicht irgendeine Hexe ist?” - “Laut meinen Informanten ist sie es, die du suchst, Assassine. Sie befindet sich im südlichsten Teil Tamariens, in einem Sumpfgebiet. Aber du solltest aufpassen. Die Sümpfe sind heimtückisch und man weiß nie, ob sie Besucher zu schätzen weiß.”, kam es eindringlich von Haedrig. Aaron wank lediglich mit seiner behandschuhten Hand ab.
      “Lass dies meine Sorge sein. Wir sind hier fertig.”, entgegnete der Assassine schroff. Haedrig nickte lediglich und sah kurz aus dem Spalt der Vorhänge hinaus.
      “Sicher, dass wir dich nicht noch bis zur nächsten Stadt mitnehmen sollen? Sehe es als einen freundschaftlichen Dienst meinerseits, ich hoffe doch wir bleiben im guten...Kontakt zueinander?” Natürlich. Dieser Adlige hatte ebenso große Angst, eines Tages auf Aarons Auftragsliste zu stehen. Doch kümmerte er sich nicht um diese geheuchelte Freundlichkeit und schüttelte den Kopf.
      “Bis zum Waldrand, von dort an trennen sich unsere Wege Haedrig.”, entgegnete er kühl. Der Adlige nickte lediglich, gab seinem Kutscher Anweisungen und tupfte sich leicht den Schweiß von der Stirn.
      “Gut, dann wünsche ich viel Erfolg. Werdet ihr die Hexe hinrichten? Oder sie der Verbrennung übergeben?” Kaum gesagt funkelten die Augen nahezu begeistert. Es war nahezu widerlich, wie sehr es Menschen erfreute, den Gestank von brennendem Fleisch der Frauen, die als Hexen gebrandmarkt wurden, einzuatmen.
      “Das hat dich nichts zu interessieren, Haedrig.” Langsam nervte es Aaron wirklich, mit dieser Person in einer Kutsche zu sitzen. Er hatte kein Interesse an dem Geschwafel der Reichen, die Freundschaft heuchelten in der Hoffnung, ihren gewinn daraus zu schlagen. Umso erleichterter war der Dunkelhaarige, dass er die Kutsche nach einer Weile verlassen konnte. Mit sicherem Schritt verschwand er ohne Wort des Abschieds im Dickicht des Waldes, wartete doch sein treuer Freund auf ihn zwischen den alten Eichenstämmen. Nocturne, ein stattliches, schwarzes Pferd, begrüßte ihn mit einem erfreuten Schnauben und kam ihm entgegen. Sanft tätschelte Aaron das Tier, strich ihm über den Hals zur Begrüßung.
      “Wir können los, sobald ich mich umgezogen habe. Wer auch immer freiwillig diese Stoffe trägt hat keinen Sinn für Komfort.”, seufzte Aaron leise zu seinem Tier und machte sich an den Satteltaschen zu schaffen. Dieser enge Zwirn war unangenehm, seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt und er hasste dieses Gefühl.


      ~*~


      Die vermuteten Regenschauer ließen nicht lange auf sich warten. Eine Tagesreise später prasselte das kalte Nass stark auf die Erde nieder und schwemmte die Böden, ließen sie schlammig werden und füllte die Flüsse. Es hinderte Aaron nicht an seinem Ziel, folgte er der kürzesten Route zu den Sümpfen, die bei diesem Wetter wohl einem Seereich gleichen mussten. Die lederne Kapuze seines Mantels hielt den Großteil des Regens ab, doch hingen ihm einige lose Strähnen seines Haares nass ins Gesicht. Es störte den Auftragsmörder nicht sonderlich, waren solche Regengüsse in den Herbstmonaten normal. Wenngleich sie dieses Jahr etwas früher als sonst kamen. Seine Reise führte ihn durch die gewundenen Pfade dichter Wälder und vorbei an den abgeernteten Feldern der Bauern. Wenige Dörfer passierten er und Nocturne, trabten durch den Unrat der Wege vorbei an mageren Kindern und deren Eltern. Sie streckten die Hände flehend zu ihm aus, doch ignorierte Aaron dies. Sie würden den harten Winter ohnehin nicht überleben, dessen war er sich sicher.
      Seine Gedanken schweiften ab, während er Tage, sogar zwei ganze Monde sich auf dem Weg zur Hexe befand. Es war nicht irgendeine Hexe. Jene Frauen waren verabscheut von den alten greisen der Magiergilde, die der Meinung waren, einzig sie wären dem Geschenk der magischen Begabung würdig. Eine einfache Wald- und Wiesenhexe war es nicht, die er suchte. Sein Meister, der Mörder des ehemaligen Kaisers Thran, hatte ihn damit beauftragt. Diesmal sollte kein Mord erfolgen, wie Aaron es gewohnt war. Nein, diese Hexe hatte angeblich Mächte, die sich von den anderen sehr unterschieden. Aaron selbst glaubte wenig an Götter oder Prophezeiungen, doch sein Meister schien an letzterem festzuhalten, war die Rede von einer Schattenmagierin mit unvergleichlicher Macht. Einer Macht, die selbst die der Magiergilde weit in den Schatten zu stellen vermochte. Der Assassine sollte sie lebend in das kalte Reich Elhelsyan bringen. Sie ausfindig zu machen war nicht leicht, da es sich mehr um ein Gerücht handelte, dass jene Frau existierte. Es hatte ihn Monde gekostet, seine Kontakte und Informanten auszusenden nach einem Grashalm, den er ergreifen konnte. Haedrig war schließlich ein vielversprechender Anlaufspunkt gewesen, hatte er von einer verstoßenen Hexe aus Nazar gehört. Dass ihn jedoch dieser alte Dreckssack gleich für einen Auftrag anheuern würde, um die Informationen zu teilen, hatte Aaron einige Tage zurückgeworfen. Ärgerlich, aber es war die beste Spur die er hatte, besaß er immerhin keinen Namen und keine weiteren Anlaufspunkte. Ebensowenig wusste er, was sein Meister sich von dieser Hexe erhoffte. Vielleicht wollte er ihre Macht nutzen, sie sich zu eigen machen und diese Hexe als Waffe nutzen. Wer wusste es schon. Sein Meister wurde alt, war nicht mehr der junge und starke Mann von früher. Aaron war es, der sein Nachfolger als Anführer der Assassinengilde werden sollte. Er war der Gefährlichste seiner Art und mit Abstand der tödlichste. Wobei seine Methoden nicht der rohen Gewalt entsprachen. Der beste Mord war noch immer ein Unfall oder eine tragische Liebesgeschichte, wie er sie in der Hauptstadt Nazars simuliert hatte. Bei dieser Form würde niemand die Gilde damit in Verbindung bringen, wussten die Menschen zwar um ihre Existenz aber glichen die Assassinen mehr den Schatten, geboren aus den Albträumen. Und so sollte es Aaron’s Meinung nach auch bleiben. Sie agierten im Schatten und nicht im hellen Licht.
      Er selbst hatte die bizarre Hoffnung - allein das Wort löste ein seltsames Gefühl in dem sonst so kalten Mann aus- dass jene Hexe ihm bei einer privaten Angelegenheit zu helfen vermochte. Ein Gift - oder gar ein Fluch, wer wusste dies schon? - zerfraß den jungen Mann innerlich mit jedem Monat mehr. Es breitete sich wie schwarze Schlieren in seinem Körper aus, sorgte für Krampfanfälle und heftige Fieberschübe, die den selbst stärksten Mann in die Knie zwingen würden. Aaron wusste nicht, wie viel Zeit ihm noch blieb. Es geschah im letzten Winter, bei der Feierlichkeit zu Ehren von Thran’s Fall und der Beendigung des Kaiserreichs durch ihren Anführer. Und einzig eine toxische Kräutermischung vermochte es, dem Braunhaarigen mehr Zeit zu geben. Dennoch war dies kein Gewähr, vermochte das Elixier ihn zwar drei Monde von den Anfällen zu befreien, doch kehrten diese darauf noch heftiger und stärker zurück. Aaron war am Ende mit seiner Weisheit, selbst Magier vermochten nicht zu sagen was es ist und Kräuter halfen nicht mehr. Aber eine Hexe mit enormer Kraft wäre zumindest eine letzte Idee, ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren. Er war nicht bereit jetzt schon mit seinem Ableben Frieden zu schließen. Seine Zukunft als Gildenmeister war ihm wichtiger, seine Aufgaben sein Leben und noch war er nicht fertig mit seinen Taten. Nie hätte er gedacht an seinem Leben zu hängen, wusste er doch um die Risiken seines Daseins. Und dennoch wollte er jetzt nicht aufgeben und erhoffte sich ein Heilmittel. Danach würde er jenen, der es gewagt hatte ihn zu vergiften, ausfindig machen und ihm zeigen, wie schmerzvoll ein langsamer Tod sein konnte.



      Die Wälder und Dörfer hatte er hinter sich gelassen. Vor ihm erstreckte sich die Sumpflandschaft, ein Ort, an dem er zu Fuß weiter musste. Nocturne führte er an den Zügeln vorwärts, langsam und bedächtig, waren die Moraste unsicher und nicht immer ersichtlich. Er musste vorsichtig sein, sich an den wuchernden Sträuchern und den skelettartigen Bäumen orientieren, die ihn begrüßten. Er fand seinen Weg durch die weitläufige Landschaft, begleitet von den Insekten die über den Mooren ihre Kreise zogen und in der Ferne hörte man einige Krähen singen. Für manche ein schauriger Ort, waren nicht wenige den Sümpfen zum Opfer gefallen. Er wollte gar nicht wissen wie viele Leichen die Moraste verschluckt hatten. Aaron fand einen halbwegs zuverlässigen Pfad, über den er sein Tier führen konnte und hielt Augen und Ohren offen nach jeder Art von seltsamen Vorkommnissen. Die Sümpfe mochten friedlich erscheinen, doch lauerten selbst hier einige monströse Kreaturen, die sich im schlammigen Untergrund verbargen. Es glich beinahe einem Klischee, dass er eine Hexe hier suchen musste. Je tiefer er eindrang, desto näher kam er seinem Ziel. Natürlich würde er ihr nicht sagen, wer er wirklich war. Aaron war ein begnadeter Maskenträger, wenngleich er das Erste Mal zum Teil ehrlich mit ihr umgehen musste, wenn er sich Hilfe erhoffte.

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.

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    • Eutheria saß mit Würde an der viel zu langen Holztafel, dessen Länge sich durch einen ganzen Raum erstreckte. Aufrecht und stolz blickte sie in die fassungslosen und zugleich angewiderten Gesichter ihrer Familie die um die lange Holztafel herum saßen, während ihre Handflächen auf der Tischplatte ruhten. Sie wirkte fast unbeteiligt - soweit eine Frau unbeteiligt sein konnte, der der Prozess gemacht wurde. Einige Verwandte meinten später, ihre Reglosigkeit habe ausgesehen wie Verachtung für den laufenden Prozess; andere wiederum meinten, sie habe lediglich ihre Furcht vor der drohenden Verurteilung überspielt. Jedenfalls machte Eutheria keine Anstalten, ihre Miene auch nur ein bisschen zu verziehen. Sie trug ein langes, prachtvolles Gewand, dessen Ärmel mit Nelken und Chrysanthemen dekoriert waren, die beide jeweils mit dem Herbst assoziiert wurden. Der obere Teil des Gewandes, der ihre Schultern, Brust und den Rücken bedeckte, wurde mit sich überlagernden Kreisen mit stilisierten Blumen, Blättern sowie Wellen aus prachtvollen Farben bestückt. Die langen Ärmel symbolisierten dabei den Wohlstand der Trägerin - ganz so, wie es sich für eine Adlige gehörte. Trotz allem, was sich gerade vor ihr abspielte, ließ die Schwarzhaarige dennoch nicht aus der Ruhe bringen, was auf ein Höchstmaß an Körperbeherrschung schließen ließ. Eutheria hatte ein glattes, relativ markantes Gesicht; die Haare trug sie hochgesteckt mit verzierten, edlen Haarklammern, sodass Schädelform und Halsmuskulatur sich deutlich abzeichneten. Als die Anklage verlesen wurde, blickten ihre glasigen, dunklen Augen starr gen Himmel und sie schien gänzlich unberührt.
      Die lange Holztafel war bis auf den letzten Platz von Familienangehörigen besetzt und dennoch; der ganze Saal wies keine der sonst herrschenden Karnevalsstimmung auf. Im Gegenteil: alle, die hier zusammengekommen waren, machten einen seltsam bedrückenden und nachdenklichen Eindruck. Man konnte meinen, der Anlass gab allen Grund dazu - doch Eutheria wurde bereits seit Längerem nicht mehr als vollwertiges Adelsmitglied geachtet. Ihre Eltern hatten alles daran gesetzt, ihre Interessen und Talente vor den Anderen zu vertuschen; allerdings ohne Erfolg. Ihre Tochter war das Gesprächsthema ohnehin und als sich zu allem Überfluss der oberste Rat einmischte, endete die Geheimnistuerei. Das Schicksal der jungen Frau war besiegelt und es war lediglich eine Frage der Zeit, wann sie verstoßen werden sollte. Mit dem Gedanken daran hatte Eutheria sich längst angefreundet, immerhin war die Vorstellung, sich an einem weit entfernten Ort ein neues Leben aufzubauen durchaus angenehmer, als im Reich der Adligen weiterhin als Schandfleck betrachtet zu werden. Am öffentlichen Leben in Nazar durfte die Schwarzhaarige ohnehin nicht mehr teilnehmen und soziale Kontakte wurden ihr ebenfalls nicht gestattet. Schließlich hätte sie diese verderben oder mit ihrer Magie verfluchen können. Der oberste Rat beriet sich nun seit Wochen darüber, was mit Eutheria passieren sollte. Ihre Eltern wurden in den Prozess allerdings nicht mit einbezogen und hatten zusätzlich auch keinerlei Entscheidungsrechte. Aus diesem Grunde bekamen ihre Eltern erst nach Prozessende mitgeteilt, was die Mehrheit entschieden hatte und dieses Ende fand genau am heutigen Tage statt. Die vorigen Worte, die ihre Familie untereinander austauschte, interessierten die junge Frau nicht. Sie war mit den Gedanken woanders und genauer genommen nur körperlich anwesend, bis die Entscheidung endlich verkündet werden sollte. Als es dann endlich soweit war, senkte sie den Kopf, verschränkte die Finger ineinander und ließ ihren Blick auf den Lippen ihres Vaters ruhen, der diese für einen kurzen Moment zusammenpresste, bevor er zum Reden ansetzte. Seine Finger verkrampften sich, während er sich zunächst ein "Zu Beginn möchte ich mich für euer zahlreiches Erscheinen bedanken" erzwang, bevor ein Seufzer den zweiten Teil mit "Die Entscheidung, die ich gleich verkünden werde, tut uns von Herzen weh - doch es lag nicht in unserer Macht, etwas daran zu ändern", einleitete. Eutheria schmunzelte. Den Umständen entsprechend zwar nicht angemessen, insgeheim hatte sie diesem Tag jedoch entgegengefiebert. Endlich war der Tag gekommen, an dem sich ihr ganzes Leben auf den Kopf stellte. Der Tag, der all die Freiheiten einläutete, die ihr vorher nie gestattet wurden und der Tag, an dem sie endlich Herr über sich selbst sein durfte. Das Einzige, was ihr Kopfschmerzen bereitete, war der Verlust all des Hab und Guts ihrer Eltern, welches ihr bis zum heutigen Tage an ein durchaus angenehmes Leben im Wohlstand ermöglichten. Sie räusperte sich, bevor ihre Aufmerksamkeit sich abermals ihrem Vater widmete, der abschließend und mit ernstem Tonfall seine Tochter anblickte: "Vom heutigen Tage an wirst du nicht länger Mitglied der Gilde der Adligen sein. Allgemein wirst du nicht länger als Adlige betitelt werden und auch kein Familienmitglied mehr darstellen. Es ist dir nicht länger gestattet, unseren Nachnamen zu benutzen oder gar preiszugeben. Zusätzlich wirst du als Hexe gebrandmarkt und solltest du es dich wagen nach dem heutigen Tage jemals einen Fuß in dieses Reich zu setzen, werden unsere Wachen dich in Gewahrsam nehmen und auf dem Scheiterhaufen vor Augen aller verbrennen". Ihr Vater machte eine Pause und anhand seines angespannten Kiefers konnte Eutheria erkennen, wie sehr er litt. Nachdem er sich räusperte fügte er noch hinzu: "Dir ist es ebenfalls nicht gestattet, etwas aus diesem Reich bei dir zu führen. Deshalb bist du dazu gezwungen dich zu erheben und auf direktem Wege durch das Haupttor zu verschwinden. Alles andere könnte dir zum Verhängnis werden. Lebe Wohl". Nachdem er alles sagte, was es zu sagen gab, wendete er den Blick ab und machte keine Anstalten noch ein letztes Wort mit seiner Tochter unter vier Augen wechseln zu wollen. Deshalb erhob Eutheria sich wie aufgetragen, musterte jeden einzelnen Gast ein letztes Mal und machte sich mit der Erkenntnis, dass der Alkohol den sie genüsslich im Glas hin und herschwenkten sowieso einen höheren Wert hatte, davon. Draußen angekommen wehte ihr eine kühle Brise die einzelnen Haarsträhnen aus dem Gesicht, mittlerweile dämmerte es bereits. Ziemlich nett, die Schwarzhaarige am Abend verbannt zu haben. Kopfschüttelnd strich sie sich die Strähnen hinters Ohr und hob ihr Gewand an, um vernünftig laufen zu können. Wohlmöglich wäre es klüger gewesen, ein leichteres Outfit zu tragen. Allerdings war es ihr sowieso nicht gestattet gewesen, sich umzuziehen. Die Wachen am Tor traten zur Seite und standen kerzengerade da, um Eutheria passieren zu lassen. Sie winkte mit der rechten Hand ab und spürte, wie Gänsehaut sich an ihrem gesamten Körper breit machte, als sie mit dem Gang aus dem Tor die letzte Hürde zur Freiheit überwunden hatte.


      "Als unsere Lebens Mitte ich erklommen,
      Befand ich mich in einem dunklen Wald,
      Da ich vom rechten Wege abgekommen"
      - DANTE

      Mit dem Alter bereut man die Sünden, die man nicht begangen hat. So oder so ähnlich trichterten ihre Eltern es ihr in jungen Jahren ein. Kaum zu glauben, dass genau dieses Zitat mittlerweile ihr Leben auf den Punkt genau beschrieb. Selbst, wenn sie anfangs nicht zu verstehen vermochte, ließ es nicht lang auf sich warten bis die Anderen hinter vorgehaltener Hand über sie sprachen, sie als Teufelsbrut verschrien und einige sogar glaubten, sie ließ sich auf einen Pakt mit Beelzebub höchstpersönlich ein. Zum damaligen Zeitpunkt schmerzte es sie zwar schon zu wissen, der Außenseiter zu sein, der sie nie werden wollte. Mittlerweile konnte sie jedoch darüber schmunzeln. Abgesehen von dem Reichtum über den sie nicht länger verfügte, fehlte ihr nichts weiter. Ein ansehnliches Gemach im wohl prachtvollsten Reich hatte schon gewisse Vorzüge - war mit einem ganzen Gebiet über das sie nun mehr oder weniger alleinig verfügte aber nicht zu vergleichen. Die Umgebung war für einige vielleicht nicht besonders schön anzusehen; Eutheria selbst war jedoch gänzlich zufrieden. Vor allem in Momenten wie diesen, wenn sie einfach nur die kühle, nächtliche Luft verspürte, gen Himmel blickte der hinter riesigen, prachtvollen Bäumen verdeckt lag und die angenehme Ruhe genießen konnte. Niemand war dort, der ihre Ruhe zu unterbrechen wagte. Es gab einzig und allein die Schwarzhaarige und ihren Raben, der aufmerksam seine Runden drehte. Eutheria entfernte sich ein wenig von ihrer nach außen hin heruntergekommen wirkenden Hütte und folgte dem einzig zugänglichen Pfad. Alle anderen Pfade waren zu dicht bewachsen, was der Hexe jedoch ganz Recht war. So konnte sie immerhin sichergehen, dass unerwünschte Besucher, sofern sie es überhaupt so weit durch das Sumpfgebiet geschafft haben, lediglich über einen Pfad auf sie stoßen konnten. Ihre Fähigkeit zur Einsetzung einer Barriere war noch nicht vollends ausgereift und heute hatte sie bis zum Umfallen geübt, wodurch die Erschöpfung an ihren Kräften zerrte. Doch meistens hatte sie sowieso keinen Grund ihre Macht einzusetzen, da eine potentielle Gefahr in diesem Gebiet eher eine Seltenheit darstellte. Trotzdem war die Schwarzhaarige niemals unvorsichtig und hatte stets einen Ausweichplan parat. Auf dem Weg durch den Pfad erblickte sie allerlei Blumen, die langsam zu blühen begannen. Sie versuchte sich die Stellen einzuprägen um bei Tag nochmal vorbeizuschauen und ihre Bestände auffüllen zu können. In der letzten Zeit drehten sich ihre Gedanken eher darum, ihre Fähigkeiten auszureifen - als ein Auge auf ihre Vorräte zu haben. Dementsprechend war ihr zu spät aufgefallen, dass sie langsam aber sicher kaum mehr etwas da hatte. Eigentlich wollte Eutheria bereits den Rückweg anstreben, denn der Erschöpfung folgte die Müdigkeit und es überkam sie ein Gähner nach dem anderen. Aber vorher rief sie ihren Raben zu sich und schickte diesen sogleich dazu los, die Umgebung abzusichern. Die letzten zwei Tage hatte sie dies vergessen und wer wusste, ob nicht bereits unerwarteter Besuch da draußen lauerte. Sich streckend taumelte sie gleichzeitig noch ein wenig weiter in die Tiefen des Sumpfgebietes und begann singenderweise die Vorzüge ihres scheinbar perfekten Lebens zu genießen. Frei von all den Bürden, die vorher auf ihren Schultern lasteten und dem Zwang, jeden Tag aufs Neue die perfekte Tochter gespielt haben zu müssen. Alles nur aufgrund eines Titels, mit dem sie sich sowieso nie identifizieren konnte.
      Gerade als Eutheria sich auf einem von Moos befallenen Baumstamm niederlassen wollte um auf die Rückkehr ihres Raben zu warten, hallte ein kratzendes und krächzendes Geräusch durch die Wälder. Dieses Geräusch vernahm sie seit Langem nicht mehr und es erschütterte sie bis aufs Knochenmark. Abrupt richtete sie sich auf, rief ihren Raben schnellstmöglich zurück und nahm seine Informationen in sich auf. "Ugh...", wäre sie die letzten zwei Tage nicht so unaufmerksam gewesen, hätte sie schon eher Wind davon bekommen, dass ein Mann mitsamt seinem Pferd in ihr Territorium eingedrungen ist. Sie erfuhr zudem das Aussehen des Mannes woraus sich schließen ließ, dass es sich bei ihm nicht um jemanden aus der Gilde der Adligen handeln konnte. Natürlich war es nicht schwer, mit Kleidung zu vertuschen woher man wirklich kam - doch in all den Jahren hatte sie sich die Erscheinung, den Charakter sowie Verhaltensweisen und Gangarten der Anhänger verschiedener Gilden einverleibt und konnte relativ gut einschätzen, woher ihr Gegenüber stammte. Schnellstmöglich trat Eutheria also endlich den Rückweg an. Denn laut ihrem Raben befand sich der geheimnisvolle Besucher bereits ganz in der Nähe und wenn dieser auf nichts Gutes aus war, hatte die Schwarzhaarige schlechte Karten.
      Vor ihrer Hütte angekommen ging sie in die Hocke und ließ ihren linken Zeigefinger durch den matschigen Boden gleiten. Währenddessen kontrollierte sie ihre Atmung und Symbole zeichneten sich auf der matschigen Oberfläche ab. Ihre Pupille sowie die Iris verschwanden allmählich und hinterließen ein kräftig leuchtendes weiß, während ihre Lippen stumm einzelne Worte formten. All ihre noch zur Verfügung stehende Kraft ließ sie konzentriert in die Beschwörung einer Barriere fließen, auch wenn es nicht viel war und diese Barriere höchstens eine halbe Stunde aufrecht erhalten werden konnte. Doch mit Glück reichte diese halbe Stunde aus um den Besucher zur Rückkehr zu animieren. Denn wenn er nicht weiterkam, gab er möglicherweise auf. Jedenfalls hoffte Eutheria dies innigst. Nachdem der Beschwörungszauber erfolgreich abgeschlossen war, errichtete sich im Umkreis von zehn Kilometern um ihren Standort herum eine Barriere, die auf den ersten Anschein nicht erkennbar war. Sie fiel einem nur dann auf, wenn man ganz genau hinsah oder eben dummerweise nichtsahnend dagegen krachte. Das Berühren der Barriere ließ denjenigen keine Schmerzen erfahren, aber egal was man versuchte - das Passieren war unmöglich. Höchstens Anhänger der Magiergilde vermochten zu wissen, wie man eine solche Barriere umgehen konnte. Zufrieden mit ihrem vollbrachten Werk erhob die junge Frau sich und begab sich zu einem Steg, der sich im See hinter ihrer Hütte befand. Auf diesem ließ sie sich eher unfreiwillig nieder; denn diese Beschwörung hatte ihr den letzten übrig gebliebenen Funken Kraft ausgesaugt. Die bessere Variante wäre gewesen, bis zum Abklingen der Barriere abzuwarten. Eutheria konnte sich jedoch beim besten Willen nicht noch länger wachhalten und so fielen der ausgelaugten Hexe die Lider zu um sie wieder zu Kräften zu bringen.
      my review on life so far:

      ★ ★ ★ ☆ ☆

    • Die Sümpfe schienen sich endlos dahinzuziehen. Je tiefer der Assassine vordrang desto reichhaltiger wurde die Vegetation. Dichte Sträucher, Wildkräuter und farbenfrohe Blumen zierten den Pfad, einige Ranken wucherten abseits des Weges und versperrten jede Möglichkeit, auf anderem Wege zu seinem Ziel zu gelangen. Die zuvor noch skelettartigen Bäume wurden kräftiger, größer und von dichten Blattwerk geküsst, welches ein wenig die regnerische Last von ihm abhielt. Trotz der Idylle, die man unerwartet in den Sümpfen fand, blieb Aaron langsam, ruhig und beinahe bedächtig in seinem Schritt. Seine goldenen Iriden suchten den Pfad vor sich ab, war dieser offenbar der einzige wirklich betretbare Weg in diesem Labyrinth aus Wasserarmen und Morasten. Zumindest ließ sich damit ein direkter Weg zur Hexe erahnen, von der er hoffte, sie wäre jene die er suchte. Es gab nicht mehr viele freilaufenden Hexen. Die meisten dieser Frauen wurden von der Magiergilde oder den Adligen gejagt, nur wenige hatten es geschafft der Exekution zu entgehen und zu fliehen. Was Aaron’s Suche zwar eingrenzte, aber dennoch erschwerte. Wenn jene Frau die am Ende des Pfades auf ihn wartete die falsche Hexe wäre, so müsste er von Vorne mit seiner Suche beginnen. Ein leises Seufzen entkam dem Braunhaarigen. Selbst wenn es nicht die gesuchte Person wäre, so hoffte er dennoch auf ein Heilmittel für sein Problem. Es war abzusehen, dass der nächste Anfall nicht mehr lange auf sich warten ließ, war der letzte jetzt fast drei Monate her. Sein Körper fühlte sich bereits schwer an, was er jedoch stur auf die lange Reise und die nur spärlichen Rastmöglichkeiten schieben wollte. Leider wusste er, dass dies lediglich ein Vorbote des Fiebers war und missmutig presste er die Lippen zusammen. Er hatte vielleicht noch ein paar Tage… Umso wichtiger war es, dieses Weibsbild noch heute zu finden. Er wollte sich ungern die Blöße geben und vor einer fremden Frau der Schwäche erliegen. Nein, das ließ sein Stolz und sein Argwohn nicht zu. Sich die Haare aus der Stirn streichend lief er weiter, vorbei an einigen sonderbaren Gesteinsformationen, die wie gezackte Zähne aus dem Sumpf stachen, ähnlich wie das große Skelett eines gefährlichen Tieres. Kurz hing sein Blick an dieser Formation, fragte er sich unwillkürlich wie diese zustande kam, ehe er gegen ein Hindernis stieß. Nur sachte, hatte er ein langsames Tempo an den Tag gelegt. Dennoch, er kam nicht weiter.
      Irritiert löste er seinen Blick von den Steinen und sah vor sich. Seltsam, der Weg war frei. Einzig einige tiefe Äste des nahestehenden Weidebaumes hingen über den Pfad und küssten das Moor. Aaron zog leicht seine Brauen zusammen und streckte seine Hand nach vorne aus, bis diese auf einen Widerstand stieß. Es fühlte sich befremdlich an. Nicht wie eine kalte Steinmauer, eher wie ein dichtes, verwobenes Netz in der Luft welches seine Hand vom Vordringen hinderte. Er blinzelte kurz und scannte die Umgebung vor sich genauer ab. Ein leichtes Flimmern lag in der Luft und er meinte, etwas, was silbernen Fäden zu gleichen schien in der Luft zu sehen. Eine Barriere? Er hatte von diesen gelesen, Schutzschilde der Magier um sich vor Angriffen zu schützen oder Dinge ungesehen zu machen.
      Nocturne schnaubte hinter ihm und warf ungeduldig den Kopf zurück. Das Pferd verstand den plötzlichen Stillstand nicht und schien die Magie zu spüren, die in der Luft vibrierte. Verärgert schnalzte der Assassine leicht mit der Zunge, versuchte etwas mehr Kraft in seine Hand zu legen, doch drang diese nicht hindurch. Als wäre die Luft selbst dicker geworden, ließ die Barriere ihn nicht durch.

      Offensichtlich wollte jemand keinen unerwarteten Besuch. Wie ärgerlich, diese Hexe schien misstrauisch und vorsichtig zu sein. Es würde das Gespräch mit ihr erschweren, dessen war er sich sicher. Resigniert verschränkte er die Arme vor der Brust, ließ Nocturnes Zügel dabei los und der Hengst senkte seinen Kopf um sich an dem wuchernden gras gütlich zu tun. Zumindest einer von ihnen freute sich über die ungewollte Pause. Aaron selbst war eher missmutig gestimmt, wusste er nicht, wie lange diese Barriere anhalten würde. Tage? Nein, Tage hatte er nicht mehr. Und soweit sein theoretisches Wissen über Magie ausreichte, so galten Barrieren als komplizierte Zauber die nur im Notfall angewandt wurden. Wenn er Glück war hielt sie einige Stunden, vielleicht noch bis Einbruch der Dunkelheit. Dennoch würde er warten bis sie sich auflöste. Er war nicht so weit gekommen um jetzt umzukehren und einen anderen Weg gab es nicht, zumal diese zweifellos ebenso von der Barriere abgeschnitten wurden. Aaron lehnte sich leicht gegen sein Pferd und sah auf das silberne Netz. Beinahe hätte man es mit einfachen, in der Luft schwebenden Spinnennetzen verwechseln können. Ein unaufmerksamer Beobachter hätte es wohl gar nicht bemerkt. Er versuchte gar nicht erst, etwas mit einer Waffe auszurichten. Zum einen wäre dieses Unterfangen sinnlos, zum anderen könnte es die Hexe erzürnen und sie von vorne herein noch misstrauischer stimmen, als sie womöglich ohnehin schon war. Er sollte behutsam vorgehen, er wusste nicht welcher Mensch ihn hier erwartete. Eine ältere Dame gleich den Hexen der schaurigen Kindergeschichten? Nein, das war albern. Zumeist sahen sie wie gewöhnliche Frauen aus, man konnte den Unterschied nur anhand ihrer Fähigkeiten ausmachen. Sicherlich gab es Bürger und Bürgerinnen, welche besonders schönen Frauen der Hexenkunst bezichtigen. Schlicht und ergreifend aus Neid über ein schönes Gesicht oder schönes Haar, ein begehrter Liebhaber oder Weiteres. Ganze Familien waren auseinandergerissen worden, als die Hexenverfolgung begann. Unschuldige, selbst nicht-magische Frauen waren verbrannt worden, weil sie etwas besaßen was ein anderer wünschte. Neid war eine gefährliche Sünde, die zu unmoralischen Taten und rachsüchtigem Verhalten führte. Manches mal fragte Aaron sich wirklich, ob nicht jene Leute, die solche Unschuldige auf dem Gewissen hatten, die wahren Diener des Bösen waren. Dieser gesamte Kontinent schrie nach Ungerechtigkeiten, nach Hass und stank nach Angst. Ein erbärmliches Abbild der Meisten, waren sie nicht in der Lage ihre Emotionen zu kontrollieren, wie er es tat. In den kalten Nordlandreichen wurde einem schon von Kleinauf beigebracht, dass man nichts fühlen durfte, nur dann frei war, wenn das Herz frei von Emotionen blieb. Und mittlerweile wusste Aaron, wie Recht seine damaligen Ausbilder hatten. Nicht solchen Schwächen zu erliegen war ein Segen. Er sah von Außen auf jede Situation, war unbefangen und ungerührt von dem Leid anderer. Ihm selbst erging es gut, er hatte seinen Reichtum dank der Aufträge, hatte seine Gilde und Nocturne. Mehr brauchte es nicht um sein Leben angenehm zu gestalten. Wobei er nicht wirklich jemand war, der ruhen konnte. Seine Pflichten waren mit dem Alter des Anführers gestiegen, übernahm er jetzt einige seiner Aufgaben.


      Mittlerweile hatte sich Aaron auf einer ausgebreiteten Decke, die etwas vor der Feuchtigkeit schützen sollte, niedergelassen. Er nahm etwas seines Proviants zu sich, wenn er schon einmal zu einer Pause gezwungen wurde. Trockenfleisch, etwas Obst ebenso wie ein Laib Brot fanden sich in seinem Rationsbeutel. Nocturne hob den Kopf als Aaron einen Apfel aus der Tasche holte. Für den Bruchteil einer Sekunde huschte der Anflug eines Lächelns - es war kaum mehr als ein leichtes Zucken seiner Mundwinkel - über sein unrasiertes Gesicht. Nocturne liebte die saftigen Äpfel, bettelte förmlich jedes Mal um einen der süßen Köstlichkeiten. Bereitwillig streckte Aaron seinen Arm aus und sah dabei zu, wie sein treuer Freund erfreut sich an der Gabe gütlich tat. Knirschend zerbiss er den Apfel, peitschte ein wenig mit seinem Schweif und ein dankbares Schnauben entkam dem schwarzen Friesen. Nocturne war schon lange an Aarons Seite. Seit knappen zehn Jahren begleitete das Pferd ihn nun schon. Er hatte es großgezogen, als es noch ein Junges war. Und mittlerweile verstanden die beiden sich auf einer anderen Ebene blind. Nocturne war zu einem kräftigen und schnellen Hengst herangewachsen, absolut loyal und sanftmütig. Damals das schwächste Junges und nun eines der schnellsten und ausdauerndsten Pferde seiner Gilde. Aaron hatte nicht aufgegeben, das schmächtige Fohlen zu pflegen und großzuziehen. Mit Spott seitens einiger Gildenkollegen, doch letztendlich beneideten sie ihn um Nocturne. Der Hengst war zu stur und zu stolz, um sich von jemand anderen als Aaron reiten zu lassen, was durchaus für das ein oder andere Amüsement gesorgt hatte, wenn es jemand versucht hatte. Sanft tätschelte er die Schnauze des Tieres, ehe der Braunhaarige abermals zu der Barriere sah. Sie schien schwächer zu werden, zumindest flackerte sie ab und an. Noch ein wenig warten und er würde seinen Weg fortsetzen können. Zufrieden damit, wenngleich ihn die Verzögerung noch immer wurmte, lehnte er sich nochmals mit verschränkten Armen zurück und warf testweise einen Stein. Noch prallte er ab. Nun gut, dann würde er weiter warten…

      Es dauerte noch eine kleine Weile, doch schließlich setzten Reiter und sein Pferd den Weg fort, nachdem die Barriere mit einem letzten Aufflackern schließlich verschwunden war. Es dürfte nun nicht mehr weit sein bis zu seinen Ziel. Zu Aarons Erleichterung hatte die Barriere nichts unerwünschtes vor ihm verborgen. Der Pfad lag ebenso ruhig da wie zuvor, nur dass es nun etwas lichter wurde und mehr Blumen ihren Weg durch das Gras fanden. Die dornigen Ranken wichen in das Unterholz aus, weg aus seinem Sichtfeld. Der Pfad wurde bei den letzten Abschnitten des Weges breiter und grüner, ehe er eine kleine Lichtung preisgab. Befreit von den Morasten fand sich eine einsame, etwas heruntergekommene Hütte hier wieder. Aaron blieb kurz stehen und begutachtete die Umgebung. Niemand war zu sehen, auch keine wilden Tiere oder ähnliches. Die gesamte Lichtung schien ruhig, beinahe als würde sie schlafen. Testweise kickte er einen kleinen Stein nach vorne um zu sehen, ob vielleicht eine weitere Barriere oder gar eine Illusion hier herrschte. Doch dem war nicht so, weshalb er langsamen und leichten Schrittes auf die Hütte zutrat. Die Emotionslosigkeit seines Gesichtes schwand rasch und machte der erleichternden und etwas erschöpften Maske eines Reisenden platz. Ein Abenteurer, der nach einem Heilmittel suchte, war bisweilen die beste Farce die er für diesen Anlass sich ausgedacht hatte. Sie war nicht zur Gänze gelogen und die beste Chance, sich der Hexe zu nähern oder sonderbar großes Aufsehen oder Misstrauen zu erwecken. Vor der hölzernen Tür angekommen erhob er einmal seine behandschuhte Hand und klopfte taktvoll dagegen, darauf wartend, dass ihm geöffnet wurde, nachdem der dumpfe Hall verklang. Die Kapuze zog er sich aus dem Gesicht, um ihr ein Gefühl der Sicherheit zu geben, wenn sie ihn direkt ansehen konnte, wenn er mit ihr sprach.

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.
    • Eutheria trat auf den weichen Rasen und konnte spüren, wie die biegsamen Halme unter ihren nackten Fußsohlen nachgaben. In den Beeten zu denen sie blickte, wuchsen scharlachrote Rosen und über ihr wölbte sich ein gewaltiger Baldachin, von dem unzählige hell leuchtende Lampions hingen. Auf der riesigen Terrasse vor ihr befanden sich drei runde, weiße Marmorspringbrunnen, dessen Wasserfontänen hoch in die Luft spritzten. Alles war elegant, schön und irgendwie vertraut. Eine innere Stimme wies sie daraufhin, dass es sich bei diesem Ort um Nazars Palast handelte. Doch als sie das letzte Mal dort gewesen war, hatte es auf dem Rasen nur so vor lachenden, tanzenden Gästen gewimmelt. Sie waren fort, aber die Spuren ihrer Anwesenheit waren nicht zu übersehen: Leere Gläser standen auf dem Tisch am Rande des Rasens herum; ein seidenes Hemd war über den Stuhl geworfen und ein einsamer, hochhackiger Schuh lag auf einem der Springbrunnenbassins. Ein klares Licht leuchtete über allem und ein voller weißer Mond wanderte gelassen über den Himmel.
      Ein Wispern hinter ihr, eine Bewegung und die Schwarzhaarige begriff, dass sie nicht allein war. Aus dem Schatten trat plötzlich eine dunkle Gestalt hervor und kam auf sie zu. Regen, der Geist des Ortes, machte unaufhaltsam und leise alles zunichte, was Menschen zustande gebracht hatten. Dichter Nebel, undurchdringlich wie Watte legte sich langsam über den Schauplatz und der unbewegliche weiße Dunst trieb in dünnen Schwaden über dem Boden. In ihrer Brust zog sich etwas schmerzhaft zusammen. Sie erinnerte sich vage an diesen Moment und wusste zwar, dass sie vermutlich träumte - doch das ganze sich vor ihr abspielende Szenario fühlte sich unglaublich realistisch an. Die geheimnisvolle Gestalt begab sich langsam in Richtung des Lichtkegels, sodass für Eutheria einzelne Merkmale wie sein strahlend graues Haar oder sein blasses, eingefallenes Gesicht erkennbar wurden. Es handelte sich um einen älteren Mann, dessen Bewegungen grazil wirkten. Sein prächtiges Gewand ließ darauf schließen, dass er ein Mitglied der Adelsgilde war - wohlmöglich sogar einen höheren Posten vertrat. Seine Lippen hielt er verschlossen und seine Schritte begaben sich geradewegs in ihre Richtung. Panik erfüllte ihren Körper der wie versteinert einfach nur dastand. Die zu dem Zeitpunkt noch Zehnjährige konnte sich nicht rühren, auch wenn ihr nach Rennen zumute war. Es war keine Menschenseele in der Nähe; Niemand, der in diesem Moment Acht auf sie geben konnte und was sollte ein älterer Mann der scheinbar genau nach ihr suchte und keinen Ton von sich gab, schon für gute Absichten gehabt haben? Blässe stieg ihr ins Gesicht während sie zitternd den Mut dazu aufbrachte, dem älteren Herrn in die Augen zu blicken. Seine Augen waren blau, früher vermutlich strahlender - in diesem Moment allerdings wiesen seine Augen nichts auf, abgesehen von tiefer Leere und dem Blick eines Kriegsveteranen. "W-Wer bist d-du?" entgegnete das junge Mädchen dem angsteinflößenden Herrn, während dieser seine Mundwinkel zu einem leichten Lächeln verzog. "Keine Sorge, ich mache es kurz und schmerzlos Teufelsbrut" gab der derweil kichernde Mann von sich und zwang das kleine Mädchen somit in die Knie. Teufelsbrut...? Eutheria verstand nicht, was er damit meinte. Sie hatte nichts Unrechtes getan und auch vorher wurde sie mit diesem Begriff nicht konfrontiert. Abgesehen von abwertenden Blicken, dessen Bedeutung sie nie verstand, führte sie ein ganz normales, langweiliges Leben wie jeder andere hier. Sie wollte den Mann damit konfrontieren, was er sich erlaubte, so mit ihr zu reden. In dem Moment spürte sie allerdings schon einen festen Griff am Handgelenk, wodurch sich Schmerzen durch ihren gesamten Arm zogen. "Aua! Lass los, was soll das?!" schrie sie den Mann an, der kein Interesse daran zeigte den Griff zu lockern. Stattdessen zückte er einen scharfen Dolch aus der Innenseite seines rechten Ärmels und fuchtelte damit vor Eutherias Nase herum. Die Panik die sie vorher verspürte wandelte sich allmählich in tiefen Hass um, den sie nicht länger zu zügeln schaffte. Ein unbeschreiblich wohliges Gefühl durchzog sie von den Finger- bis hin zu den Zehenspitzen und im nächsten Moment schrie der alte Mann vor Schmerz auf. Von der Haut seiner Handfläche breitete sich eine spürbare Hitze aus, während die dünne Hautschicht nach und nach abblätterte. War ich das? Unverständlich dessen, was gerade passiert war, nutzte das Mädchen die Gelegenheit die sich ihr bot und rannte schnellstmöglich davon.


      Als um Mitternacht ermüdet ich das düstre Haus gehütet
      Über manchem Buch voll Weisheit, alt und ohne Wiederkehr,
      Als ich schon mehr schlief als wachte, war mir, eh ich's mich noch bedachte,
      So, als klopfte jemand sachte, sachte an die Zimmertür -
      >> Irgendein Besucher << murrt' ich, >> klopft vielleicht an meine Tür,
      Das wird's sein, nichts weiter mehr. <<


      Eutheria riss die Augen auf. Wie durch einen Nebel stellte sie fest, dass sie auf dem Steg eingeschlafen war und ihr riesiger Rabe mit ausgebreiteten Flügeln sowie unausstehlichem Krächzen versuchte sie aus ihrem Traum zu reißen. Sie richtete sich auf und blickte in Richtung ihrer Hütte. Ein verregnetes, windschiefes Gebiet war das, geduckt und vermodert, die Bretter ihrer Holzhütte ausgebleicht und verwittert, die Dachrinnen zu stumpfem Orangerot verrostet. Die langen abschüssigen Hänge am Rand des Sees waren breit hingelagert und trostlos kahl; an fast allen Tagen gurgelten Regenbäche. Noch waren ihre Kräfte nicht ganz zurückgekehrt, dafür hatte sie noch zu wenig geschlafen. Doch immerhin fühlte sie sich nicht mehr so schwächlich wie zuvor. Eutheria warf sich das Haar über die Schulter und blickte verdutzt in Richtung ihres Raben, der ungestört sein Krächzen fortführte. Verdammtes Ding.. "Was hast du denn?". Nun hielt der Rabe inne und begab sich in die Höhe, nur um über Eutherias Hütte Halt zu machen und dort in kreisenden Bewegungen umherzufliegen. Dann fiel es der Schwarzhaarigen wie Schuppen von den Augen: Die Barriere musste wohl schon längst wieder außer Kraft gesetzt sein und dem Anschein nach zu urteilen hatte sie nicht gereicht, den ungebetenen Gast fernzuhalten. Sie legte den Kopf ein wenig schief und lugte um die Ecke. Tatsächlich; vor ihrer Tür stand jemand. Ein Mann mitsamt Pferd, genau so, wie ihr Rabe es vorhergesagt hatte. Eher ungewöhnlich dass sich jemand bei diesen eng bewachsenen Pfaden mit einem Pferd den Weg durchs Dickicht erkämpfte. Zumal man in dieser Gegend aufpassen musste wo man hintrat. Andernfalls sank man im Boden ein und sich daraus zu befreien war schier unmöglich. Er zog sich die Kapuze aus dem Gesicht und legte den Blick auf sein dunkles Haar frei. Eutheria konnte nicht leugnen dass der Fremde gutaussehend war: Das Gesicht von der Sonne geküsst, strahlende Augen die sich stark von seiner sonstigen eher dunklen Erscheinung abhoben und markante Gesichtszüge. Sein Körperbau ließ darauf schließen, dass er ständig in Bewegung war und vermutlich einer fordernden Tätigkeit nachging; jedenfalls war er in bester Form. Sie erschrak kurz, als der Besucher seine Hand erhob um gegen die massive Holztür zu klopfen und fragte sich, ob er wirklich gezielt nach ihr suchte oder lediglich auf der Durchreise war. Seufzend zwang die Schwarzhaarige sich zum Bewegen. Jetzt war es ohnehin zu spät ihn abzuwimmeln.. warum musste sie auch einschlafen? Darauf achtend, nicht versehentlich auf einen Ast oder sonstige Hölzer zu treten, die Geräusche verursachen konnten, schlenderte sie in Richtung der abgenutzten Hütte. Eigentlich genoss die junge Frau es, dass Besucher mittlerweile eine Seltenheit darstellten. Sollte sich so wie jetzt gerade dennoch jemand zu ihr verirren, blieb ihr nichts anderes übrig, als deren Anliegen über sich ergehen zu lassen. Wäre Eutheria bei Kräften gewesen, hätte sie dem ganzen noch aus dem Weg gehen können - bei diesem mysteriösen Mann allerdings zog sie es vor, sich seiner Sorgen anzunehmen. Irgendwas an diesem Unbekannten weckte ihr Interesse und mit etwas Glück sprang für sie eventuell auch etwas dabei raus. Die junge Frau befand sich nun unmittelbar hinter dem seltsamen Mann und musterte diesen gründlichst, bevor sie mit der Zunge schnalzte um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken: "Nicht gerade die feine englische Art, während so einer Uhrzeit an die Tür einer vielbeschäftigten Frau zu klopfen!" machte sie den Unbekannten an und verschränkte indes ihre Arme. Im nächsten Moment stolzierte die zierliche Frau an dem Besucher vorbei in die Hütte, wobei sie diesem mit einer winkenden Handbewegung Platz auf einem tiefen, mit Samt überzogenen Sessel anbot. Eutheria selbst flegelte sich auf einen hölzernen Stuhl, den sie mit dem Fuß verkehrtherum zu sich zog. Das Kinn in die Hand stützend musterte sie den Fremdling abermals, bevor sie die Lippen spitzte: "Nur damit das klar ist - ich bin kein Fan von Überraschungsbesuchen und Höflichkeit liegt mir nicht. Deshalb machen wir es kurz und schmerzlos: Was verschlägt dich hier hierher zu mir?".
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    • Nachdem der dumpfe Hall seines Klopfens verklungen war begrüßte ihn Stille. Im Haus selbst schien sich nichts zu rühren und kurz kam Aaron der Gedanke, die Hexe wäre nicht hier. Jedoch nur kurz, spürte er wie sich ihm jemand näherte. Leise, nahezu lautlos kamen leichtfüßige Schritte auf ihn zu. Schließlich nahm er die Präsenz hinter ihm war, konnte den leichten Geruch verschiedener Kräuter, ebenso ein Hauch von Feuerholz und Tau wahrnehmen. Jemand, der nicht geschult war, hätte sich wohl zu Tode erschreckt, die Hexe hinter sich zu bemerken als sie Schnalzte und so auf sich aufmerksam machte. Der Assassine hingegen verdiente mit seiner eigenen Lautlosigkeit sein Gold und war geschult, jemanden zu merken noch ehe dieser Aaron erreichte.
      "Nicht gerade die feine englische Art, während so einer Uhrzeit an die Tür einer vielbeschäftigten Frau zu klopfen!", tönte ihre helle Stimme. Aaron drehte sich langsam herum und schenkte der Fremden ein Lächeln. Sie schien nicht wirklich begeistert zu sein, jemanden bei ihrer Hütte zu sehen. Doch dies war absehbar, hatte ihre Barriere bereits für sich gesprochen, dass Besuch nicht erwünscht war. Stören tat der Braunhaarige sich daran nicht, nutzte den kurzen Moment um die überraschend junge Frau zu mustern. Sie war vielleicht einige Winter jünger als er selbst, trug schwarze Locken von der Nacht geküsst und dunkle Augen, die mehr Tiefe und Geheimnisse zu verbergen schienen. Ihre Haut war überraschend hell, dafür dass sie bereits seit einiger Zeit in den Sümpfen am südlichen Rand Tamariens hauste. Aber wenn seine Informationen stimmten und sie wirklich aus Nazar kam, so war die beinahe vornehmliche Blässe leicht zu erklären. Ihre Arme waren verschränkt, deutlich als Ablehnung seiner Anwesenheit, doch stolzierte sie an ihm vorbei und betrat die Hütte, noch bevor er etwas sagen konnte. Aaron nickte Nocturne zu und gab ihm damit zu verstehen, dass der Hengst sich frei bewegen durfte, solange er in der Nähe blieb. Vorsicht war trotz allem geboten, auch wenn er eine Frau vor sich hatte, bedeutete dies nicht, dass sie harmlos war. Der schwarze Friese setzte sich gemächlich in Bewegung und begann ein wenig zu grasen, die Ohren jedoch aufmerksam aufgestellt und zuckend, bei jedem Laut. Zufrieden damit wandte der dunkle Wanderer seinen Blick von seinem Tier ab und sah dem schwarzen Schopf hinterher, der im Dunkeln der Hütte verschwand. Der Abend breitete sich bereits über der Lichtung aus und das Licht schwand rasch, während die kühle Nachtluft über die Baumwipfel kroch.
      Er folgte dem Wink, ihr zu folgen, ohne zu zögern und betrat das Heim der Hexe. Einen flüchtigen Blick durch das Innere, was sie sich tatsächlich recht gemütlich eingerichtet hatte, später wandte er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Fremde vor sich. Während er in dem ihm dargebotenem Sessel platznahm, setzte sie sich rittlings auf einen Stuhl und musterte ihn, ehe die helle Stimme abermals die Stille zerbrach.

      "Nur damit das klar ist - ich bin kein Fan von Überraschungsbesuchen und Höflichkeit liegt mir nicht. Deshalb machen wir es kurz und schmerzlos: Was verschlägt dich hier hierher zu mir?" Beinahe hätte der Assassine gelacht. Ein wenig direkt für eine feine Dame, nicht? Aber gut, dann müsste er sich nicht damit abmühen, ihr Honig ums Maul zu schmieren. Er schüttelte den Kopf, das Lächeln blieb bestehen, ehe er ihr in diese dunklen Augen blickte. Amüsant.
      “Damit wären wir schon zwei, ich bin froh, die überflüssige Höflichkeit nicht anwenden zu müssen. Das liegt mir nicht sonderlich und auf meinen Reisen ist es auch nicht notwendig, also komme ich direkt zum Punkt, Miss.”, entgegnete er zunächst gelassen, lehnte sich leicht in das Polster zurück die Hände locker auf den Armlehnen abgelegt. Natürlich hatte er sich die Rolle des Abenteurers und Monsterjägers zurechtgelegt. Diese gab es unzählige in Tamarien. Seien es Banditen und Wegelagerer, die sie jagten oder einige wenige, die ihr Glück im Kampf gegen monströse Bestien versuchten. Da er selbst bewaffnet war passte diese Rolle zu ihm besser als die des Grafen, welche er unter den Adligen nutzte.
      “ Mein Name ist Aaron, das Pferd vor deiner Tür ist Nocturne, mein treuer Begleiter. Ich bin hier weil ich Hilfe ersuche. Ich habe Gerüchte über eine sehr mächtige Hexe vernommen. Ich bin nicht hier um sie zu jagen oder ähnliches, wie die reichen Snobs und Magier es befehlen. Ich bin kein Söldner, ich jage lediglich Banditen oder Monster und verdiene damit mein Gold.”, gab er ihr zu verstehen, dass sie keine Furcht haben müsste, dass er für ihren Kopf hier war.
      “Ich bin lediglich auf der Suche nach ihr aufgrund eines… Problems, mit dem ich zu kämpfen habe. Mir läuft die Zeit davon, da ein Gift - oder ein Fluch, genau kann ich es nicht sagen- mich auf meiner Reise heimsuchte und meinen Körper langsam in des Todes Arme treibt. Deswegen auch mein später Besuch, ich war zuletzt in Izar unterwegs, in der Hoffnung einige Duplonen für die Köpfe einiger Bestien zu erhaschen, als es begann. Und die Reise zu dir hat...nun, um einiges länger gedauert als gedacht. Aber ich sehe von einer Nacht inmitten der Sümpfe ab, ich denke ich muss dir nicht erklären weshalb. Ich hatte lediglich die Hoffnung, du könntest mir bei meiner Suche behilflich sein. Deine Barriere war beeindruckend, beinahe kaum sichtlich, das hat mich überrascht.” Letzteres sprach Aaron mit Anerkennung in seiner Stimme, um ihr ein wenig zu schmeicheln. gelogen war es nicht, diese Barriere hatte ihn wirklich überrascht, allerdings in einem lästigen Sinne. Dies musste er ihr jedoch nicht mitteilen, hatte es sie nicht zu interessieren was er wirklich dachte. Seine Fassade war perfekt, seine Worte überzeugend ehrlich ausgesprochen und seine goldenen Augen wichen keine Sekunde von den ihren.

      “Oder habe ich jene mächtige Hexe schon gefunden, die mich heilen könnte?”, fragte er mit hochgezogenen Brauen und einem leichten Grinsen nach. Er hoffte, dass sie es war. Damit wäre seine Suche beendet und seine Heilung sicher, allerdings hatte er weder den Namen noch ein Bild von der Hexe, die sein Meister begehrte. Und augenscheinlich war jene Dame vor ihm zwar hübsch anzusehen, aber er spürte keine Macht. Tatsächlich wirkte sie eher erschöpft, gar müde obwohl ihre Seelenspiegel wach und aufmerksam blieben. Sie schien mit einem gesunden Misstrauen ihm gegenüber zu stehen. Als Hexe, welche in ganz Tamarien gejagt wurden, war dies auch besser so wenn sie am Leben bleiben wollte. Doch ob es wirklich die berüchtigte Magierin war, welche seine Gilde suchte, blieb fraglich. Selbst wenn sie es nicht war, so konnte sie Aaron vielleicht dennoch helfen indem sie ihm sagte, wo er eine solche Frau finden könnte. Immerhin standen einige Hexen im Kontakt miteinander und sicherlich hatte man von der ein oder anderen Schwester gehört.

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.
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      Die Schwarzhaarige ließ ihre Hände auf den Oberschenkeln ruhen und versuchte die Fassung beim Vernehmen der Worte des angeblichen Monsterjägers nicht zu verlieren. Das Anliegen, welches ihn hierher verschlug galt also ihr und diese Tatsache passte der Magierin keineswegs. Besonders nicht, wenn sie sich all die Monate über krampfhaft darum bemüht hatte unterzutauchen, um jeglicher Menschenseele aus dem Weg zu gehen. Einerseits freute die junge Frau sich darüber, dass ihr Name noch immer von verschiedensten Reichen in den Mund genommen wurde, andrerseits wusste sie, dass sie niemandem trauen durfte und von einigen dieser Reiche nur zu gern für deren maliziöse Taten missbraucht werden würde. Unsicher blickte sie an dem Fremden vorbei hinaus zum Fenster. Zufällig entstandene Zedernreihen säumten die Pfade, die sich im Schatten der Bäume an den farndurchsetzten Sümpfen entlangschlängelten. Kennzeichnend für das Gebiet war allerdings auch ein leuchtendes Grün von besonderer Schönheit, das Eutheria stets poetisch stimmte. Zum jetzigen Zeitpunkt war von ihrer poetischen Stimmung jedoch kaum etwas übrig, stattdessen befand die Schwarzhaarige sich in einer Zwickmühle. Sie hatte die Wahl zwischen der Wahrheit, mit der sie sich verwundbar machte - oder einer Lüge, die sie nicht für immer aufrecht halten konnte, aber zumindest so lang, um ihre Kräfte auszuweiten. Sie wandte ihren Blick vom Fenster ab und sah dem Fremden tief in die Augen. Hinter den strahlend gelben Augen lag eine feste Entschlossenheit, welche Eutheria nicht zu deuten wusste. Sie wusste nicht, ob er sie strafend, schmerzerfüllt oder hoffnungsvoll angesehen hatte. Doch auch die Magierin entgegnete dem Monsterjäger mit einem ernsten Blick. Dieser war nicht ausdrücklich abweisend oder voll Hass gewesen, aber ihre Distanziertheit sollte der Mann trotzdem deutlich spüren. Das Einzige, was die junge Frau stutzig machte, war die Erwähnung des Giftes, welches sich angeblich in seinem Körper ausbreiten sollte und tatsächlich konnte sie spüren, wie etwas mit dem Fremden, der gelassen in seinem Sessel saß, nicht stimmte. "Oder habe ich jene mächtige Hexe schon gefunden, die mich heilen könnte?" fragte er sie mit einem Lächeln, in dem Eutheria am liebsten versunken wäre. Tatsächlich hatte er diese Hexe bereits vor sich, aber sie entschloss sich dazu, im dies nicht zu verraten sondern ihm eine Lüge aufzutischen um der Verwundbarkeit aus dem Weg zu gehen. Ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem kurzen Lächeln: "Ich bin erstaunt, dass du es geschafft hast, bis hierher vorzudringen und ich wünschte, deine Reise hätte sich gelohnt. Allerdings muss ich dich enttäuschen." Seufzend faltete sie ihre Hände zusammen und blickte kurzzeitig zu Boden, bevor sie den Fremden abermals musterte: "Ich bin nur eine einfache Hexe mit keinerlei übermäßigen Kräften. Aber du hast Recht. Ich hörte von einer solchen Hexe und habe selbst gehofft, sie eines Tages zu treffen um mich weiterzuentwickeln und ihren Titel irgendwann übernehmen zu können." Nach Beendigung ihrer Worte erhob die Magierin sich von ihrem Stuhl, schob ihn zurück an seinen ursprünglichen Platz und nahm auf der Lehne auf der zuvor die Hände des Monsterjägers ruhten, Platz. Eigentlich wollte sie den Mann umgehenden dazu bewegen, die Rückreise anzutreten und sie wusste selbst nicht so genau, was ihn so interessant für sie machte - doch nach seiner Erwähnung bezüglich des Giftes war sie gefesselt und wollte alles darüber wissen. Schließlich tischte sie ihm eine Lüge auf, obwohl sie insgeheim wusste dass sie die Einzige war, die ihm helfen konnte. Da der Fremde auf sie jedoch keinerlei Anzeichen machte, von einem Gift beeinträchtigt zu werden wollte sie herausfinden, ob er ihr ebenfalls nur eine Lüge aufgetischt hatte, um an sie heranzukommen. Seine Tracht verbarg bedauerlicherweise die meiste Sicht auf seine wunderschöne, gebräunte Haut. Deshalb nahm Eutheria lediglich die vereinzelten, freigelegten Stellen seines Körpers in Augenschein - sah aber auch an diesen keinerlei äußerliche Anzeichen eines Giftes. Sobald sich Gift im Körper eines Menschen ausbreitete, war dies nach gar nicht allzu langer Zeit an der Haut des Betroffenen nachzuweisen - jedenfalls bei den typischen Giften, mit denen sich jede Hexe auszukennen hatte. "Verzeih die Frage und ich hoffe, ich bedränge dich nicht - aber woher weißt du, dass du mit einem Gift infiziert wurdest? Hat es dir jemand bewusst injiziert oder gibt es äußerliche Anzeichen, die ich sehen kann? Möglicherweise unter deiner Tracht, die mir die Sicht versperrt?" zwinkerte sie kokett, bevor sie sich räusperte nachdem sie bemerkte, wie billig das klingen musste. Sie sollte sich zusammenreißen und misstrauisch bleiben, auch wenn ihr dies in seiner Anwesenheit teilweise schwer fiel. Nicht aber, weil er sie mit seiner Attraktivität die nicht zu leugnen war verunsicherte, sondern vielmehr weil er ihr Interesse durch Informationen weckte, an die sie gelangen musste, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Er war quasi wie ein Versuchskaninchen, an dem sie ihre Kräfte messen und gegebenenfalls erweitern konnte. Wenn das garantiert war, hätte Eutheria alles getan, damit er sie an ihr rumexperimentieren ließ. Wahrscheinlich hatte sie sich diese Chance aber verspielt, indem sie ihn anlog. Schließlich würde er mit Sicherheit keine dahergelaufene Hexe an sich ranlassen, wenn er gezielt nach der Einen suchte. Die Magierin biss sich auf die Lippen und vernahm den Duft von Zedernholz, der an dem Fremden haftete. Es war ein vertrauter Duft, den jeder trug, der längere Zeit in diesem Gebiet verweilte. Doch auch wenn der Duft ihr vertraut war, war der Fremde der diesen trug es nicht. Die ganze Geschichte mit dem Monsterjäger machte sie stutzig, denn von dieser Gruppe hatte sie bereits viele auf ihren Reisen gesehen und keiner von ihnen ähnelte dem Mann vor ihr auch nur ansatzweise. Allein die Kleidung die er trug unterschied sich extrem von der, die Monsterjäger normalerweise trugen und eigentlich war die Schwarzhaarige sich sicher, dass deren Mitglieder von Zeit zu Zeit immer weniger wurden. Zudem waren Monsterjäger nicht sonderlich begabt und es gab niemanden, dessen Namen öfter auftauchte, weshalb sie sich wunderte, dass es bei dem Namen Aaron nicht bei ihr klingelte. Immerhin ließ seine gesamte Erscheinung darauf schließen, dass er ein großartiger Monsterjäger war, sofern diese Geschichte der Wahrheit entsprach. Seine Geschichte zu widerlegen oder eben zu belegen nahm jedoch Zeit in Anspruch, da weder Eutheria ihm vertraute, noch andersrum. Die Schwarzhaarige sammelte ihre Gedanken: "Ich habe allerdings einen Vorschlag. Sowohl du als auch ich sind auf der Suche nach derselben Person, nicht? Ich könnte dir helfen und zeitgleich versuchen, die Ausbreitung deines Giftes zu mindern oder gar aufzuhalten. Vorausgesetzt, du erzählst mir den Ursprung dessen." Zufrieden lächelnd erhob sie sich von der Lehne des Sessels und schlenderte hinüber zu ihrem viel zu großen Bücherregal, welches eine gesamte Wandlänge des Raumes einnahm. Auf den meisten Büchern lag bereits eine dicke Staubschicht. Denn Putzen gehörte zu ihrer meistgehassten Tätigkeit und außerdem kannte sie die Bücher mehr oder weniger auswendig. Allerdings versuchte sie mit dem Bild was der Fremde nun von ihr vernahm, zusätzlich zu ihrem Kommentar: "Vielleicht hast du sogar Glück und ich habe hier genau das Richtige" - Eindruck zu schinden, sodass Aaron leichter redete.
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      Aaron erwiderte ruhig den Blick der Hexe. Ihre dunklen Augen waren ernst und aufmerksam. Sie war kein naives Ding, das stand fest. Und vielleicht war es zu ihrem eigenen Wohl, dass sie ihm nicht zur Gänze traute. Hexen waren immerhin in Tamarien nicht gern gesehen, nahezu gejagt. Und doch gab es auch erschreckend naive Schwestern der Hexenkunst, welche sich leicht in die Irre führen ließen. Vielleicht lag es an der behüteten Kindheit, vielleicht auch an dem Umfeld. Sonderlich interessieren tat es Aaron nicht, immerhin war es für ihn nur vom Vorteil, wenn sein Gegenüber das Misstrauen rasch fallen ließ. Meist half ihm dabei eine gewisse Prise Charme und eine passende Identität. Bei der jungen Hexe vor ihm schien dies jedoch nicht der Fall zu sein. Ihr Verstand war um einiges schärfer. Zumindest hatte es den Anschein, fiel sie nicht gänzlich auf seine Maske herein. Aber gut, es war nur eine Frage der Zeit, bis er sie überzeugen würde. Doch dann kamen jene Worte über die vollen Lippen, welche er befürchtet hatte. Seine Reise war vergebens... Natürlich, er hatte es geahnt. Es wäre auch zu leicht gewesen, die besagte Hexe zu finden. Innerlich fluchte Aaron. Der Aufenthalt in Nazar war umsonst, der vermaledeite Auftrag ein dämliches Hindernis, dass in eine Sackgasse geführt hatte. Nach Außen hin sah man ihm die Enttäuschung nicht an. Und doch wurde er der Suche langsam überdrüssig. Hatte sein Meister nicht etwas präzisere Informationen mit ihm teilen können? Es wurde langsam lästig, von Land zu Land zu ziehen um eine einzelne Hexe zu suchen. Die dämliche Prophezeiung stimmte wahrscheinlich ohnehin nicht und war nicht mehr als ein paranoides Bauerngerücht. Diese glaubten ohnehin jede Form von Aberglauben. Und nun hielt selbst sein Meister an solchen Dingen fest, es war beinahe lächerlich für einen so großen Krieger der Assassinen. Ein leises Seufzen konnte Aaron sich nicht verkneifen.
      "Ich hatte es befürchtet.", gab er ehrlicherweise zu. Selbst die Frau vor ihm senkte kurz den Blick, ehe sie fortfuhr und ihn abermals aufblicken ließ, hatte er sich bereits Gedanken gemacht wie er nun fortfuhr.
      "Ich bin nur eine einfache Hexe mit keinerlei übermäßigen Kräften. Aber du hast Recht. Ich hörte von einer solchen Hexe und habe selbst gehofft, sie eines Tages zu treffen um mich weiterzuentwickeln und ihren Titel irgendwann übernehmen zu können." , sagte die Dunkelhaarige. Etwas überrascht hob Aaron eine Braue. Sie wollte den Titel irgendwann übernehmen? Gab es solche Rangfolgen auch unter den hexen, dass man solche Fähigkeiten weitergeben konnte? Das überraschte ihn nun doch. Wobei es nicht verwunderlich wäre, immerhin hatte er sich nur oberflächlich mit Hexen befasst und war nicht tiefer in die Materie der verfolgten Magierinnen eingetaucht. Bislang war es auch nicht von Nöten gewesen, wenn er ehrlich war. Die Hexe vor ihm erhob sich und fand sich nach einem kurzen Moment direkt zu seiner Linken auf der Lehne des Sessels wieder. Eigentlich eine Geste der Vertrautheit oder die von jemanden, der etwas begehrte. Was es war sollte sie Aaron im nächsten Moment offenbaren. Ihr Blick lag nun um einiges wacher und interessierter auf ihm.
      "Verzeih die Frage und ich hoffe, ich bedränge dich nicht - aber woher weißt du, dass du mit einem Gift infiziert wurdest? Hat es dir jemand bewusst injiziert oder gibt es äußerliche Anzeichen, die ich sehen kann? Möglicherweise unter deiner Tracht, die mir die Sicht versperrt?" Über den plötzlichen Wechsel zwischen Ernsthaftigkeit und Kokettieren schnaubte er innerlich nur, doch setzte er ein leichtes Grinsen auf. Worauf war dieses Weibsbild nun aus? Wobei, ihren Kommentar konnte er ebenso für sich benutzen.
      "Ich kenne mich mit Giften aus. Meine Klingen sind meist in Gift getränkt, welches dem Monster am meisten zu schaden vermag. Ein wenig Alchemie hat mir auf meinen Reisen schon oft geholfen, auch für die Selbstheilung.", antwortete er gelassen, ehe sein Grinsen eine leichte Spur breiter wurde. Nicht zu aggressiv, wollte er sie nicht gleich vergraulen.
      Auf ihren folgenden Vorschlag nickte er wohlwollend. Es lief besser als gedacht, immerhin würde eine Hexe an seiner Seite nicht schaden, wenn sie einen besseren Weg fand, dem Gift Einhalt zu gebieten. Und sollte sie ihm zur Last fallen könnte er sie jederzeit beseitigen, demnach war es für ihn nur ein Gewinn.
      "Deinen Vorschlag nehme ich gerne an, da ich wirklich etwas Hilfe gebrauchen könnte. Natürlich werde ich für deine Sicherheit sorgen auf der Suche nach der Hexe. Ich werde dafür sorgen, dass dir kein Leid geschieht, egal von wem wenn du mir hilfst. Nocturne dürfte stark genug sein um uns beide zu tragen, allerdings würde ich vorschlagen, abseits der Wege zu reisen. Ich kenne die Menschen gut genug um zu wissen, wie sie einer Hexe gegenüberstehen und um solche sollten wir einen Bogen machen. Natürlich werde ich dich auch entlohnen für deine Mühen. An Gold soll es nicht scheitern und wer weiß, vielleicht finden wir entlang des Weges auch nützliche Utensilien für dich.", erwiderte er auf ihren Vorschlag einer vorübergehenden Partnerschaft. Natürlich würde er sie beschützen solange sie ihm von Nutzen war, selbst vor Adligen oder gar der Magiergilde, wenn sie ihm wirklich weiterhelfen konnte. Er unterstrich seine Aussage mit einem festen, entschlossenen Blick aus goldenen Augen um ihr zu signalisieren, dass er nicht mit leeren Versprechungen daherkam. Und in Geschäften abzuschließen war er nicht der Schlechteste, immerhin galt es für beide etwas dabei zu gewinnen.

      Schließlich räusperte er sich selbst und lehnte sich wieder etwas zurück, hatte er sich etwas aufgerichtet um die Bedingungen abzuschließen.
      "Ich vermute das Gift - wenn es ein solches ist- wurde mir verabreicht auf einer Feierlichkeit für die erfolgreiche Schlachtung eines Waldschrats. Aber ich kann es nicht zuordnen, es ist kein mir bekanntes Gift. Es gibt tatsächlich Anzeichen unter meiner Tracht...-", dabei grinste er leicht und zog neckend seine Brauen hoch auf ihre vorherige Anspielung, "-... allerdings variiert die Stärke mit den Krämpfen und den Anfällen. Ich halte es momentan halbwegs im Zaum mit einer selbst gemischten Tinktur um den Fieberkrämpfen entgegenzuwirken, die dadurch ausgelöst werden. Und leider wird der nächste nicht lange auf sich warten lassen, dabei sind die schwarzen Spuren am sichtbarsten.", antwortete er. Der Großteils entsprach der Wahrheit, auch wenn er bei der Verabreichung seine falsche Identität vorschob. Er konnte ihr schlecht offenbaren, dass er es womöglich bei dem Fest zum Tode Thran's von einem Assassinen verabreicht bekommen hatte. Es gefiel ihm nicht, so offen von den Schwächen zu sprechen. Und noch weniger zugeben zu müssen, dass er in den nächsten Tagen ein solches Leid erneut erfahren musste. Kurz suchte er in seinen ledernen Taschen, ehe er eine gläserne Phiole herausholte und diese vorsichtig auf den Tisch abstellte.
      "Das ist mein provisorisches Behelfsmittel. Allerdings hoffe ich, dass du einen besseren Weg kennst...", nickte er zu dem Elixier, welches eine leicht rötliche Farbe aufwies.
      "Es breitet sich wie ein schwarzes Netz aus über meinen Körper. Beginnend hier..." - er legte seine Hand auf die Stelle seines Herzens- "...und momentan nimmt es nur einen Teil meines Oberkörpers ein. Mein Elixier scheint halbwegs zu funktionieren, doch ist es auf Dauer nicht sonderlich förderlich, habe ich selbst einige Toxine beigemischt um dem Ganzen entgegenzuwirken. Du kannst die Spuren gerne untersuchen, wenn du es möchtest." Diesmal war seine Stimme ernst und ohne jegliche geheuchelte Anspielung. Wenn es ihr half etwas zu finden dürfte sie ihn untersuchen. Auch wenn er es nicht sonderlich mochte, von Fremden berührt zu werden, wenn es sich nicht gerade um einen Auftrag handelte, indem es Bestand war jemanden zu...überzeugen.

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.
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      Die Enttäuschung war Aaron deutlich ins Gesicht gemeißelt und auch Eutheria haderte ein wenig mit sich selbst. Ihr wahres Wesen vor dem Unbekannten zu verbergen hätte durchaus nach hinten losgehen können, indem er ihr den Rücken gekehrt und in den dunklen Schatten der Dunkelheit verschwunden wäre. Doch Aaron blieb und schien von dem Vorschlag der Hexe angetan zu sein. Zwar wurden die Zweifel, ihre Fassade nicht auf ewig aufrecht erhalten zu können, größer - aber bis dahin blieb der Schwarzhaarigen noch genug Zeit, ein weiteres Netz aus Lügen zu spannen. Die junge Frau legte auf Aarons Worte hin die Stirn in Falten und schnaubte beleidigt: "Rührend, wie du dich um mich sorgst. Zwar bin ich nicht die Hexe, die du suchst, aber dennoch bin ich fabelhaft in dem, was ich tue. Also solltest du unterwegs womöglich mehr Acht auf dich selbst, als auf mich geben.". Wenn es eine Sache gab, die Eutheria nicht auszustehen vermochte - dann war es der zwanghafte Drang anderer, sich als Beschützer aufspielen zu müssen. Jeder andere hätte dies vermutlich als nette Geste aufgefasst und ohne jegliche Wiederworte akzeptiert - nicht aber die junge Hexe. Seit ihrer Verbannung kam sie nie in den Genuss, fremde Hilfe zu erfahren. All die Hürden, die ihren Weg erschwerten, räumte sie allein aus dem Weg und genau das war es, was Eutheria so stark machte. Aus diesem Grunde fing die Hexe gar nicht erst damit an, sich entspannt zurückzulehnen und die Arbeit dem Monsterjäger zu überlassen. Im Gegenteil: Er sollte lieber froh sein, eine grandiose Anwenderin der Magie an seiner Seite haben zu dürfen. Wer von beiden wirklich auf den anderen achtete, sollte sich also erst noch herausstellen. Zufrieden lächelnd zog sie ein gänzlich verstaubtes, viel zu dickes Buch hervor und nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie die sich darauf befindende Staubschicht hinabblas und sich im Anschluss einen kurzen Nieser entlockte. Ich sollte öfter putzen. Sie räusperte sich, bevor sie ihren Zeigefinger mit der Zungenspitze befeuchtete und sogleich anfing, in dem dicken Schinken herumzublättern. Bei dem Buch handelte es sich um eine Art Enzyklopädie, welches Eutheria bereits in ihrer Kindheit aus der Bibliothek ihres Heimatreichs mitgehen ließ. Schon zu dem Zeitpunkt lag es einsam und verstaubt in der hintersten Ecke, also dachte die junge Hexe sich, dass es sowieso niemand vermissen würde. Werke, die in Verbindung mit anderen Reichen gebracht wurden, gehörten eigentlich sogar verboten - daher wunderte es Eutheria umso mehr, was dieses Buch in der Bibliothek suchte. Dennoch hörte sie nie jemanden ein Wort über das Buch verlieren, also konnte die Entwendung dessen keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. Während die Schwarzhaarige wie wild umherblätterte, schenkte sie Aarons Worten Gehör, die von seinem selbst zubereiteten Trank berichteten. Somit wollte auch er sich wahrscheinlich nicht auf die Hilfe anderer verlassen, sondern sein Problem eigenhändig in den Griff bekommen. Er konnte Glück haben und auf diesem Wege tatsächlich eine dauerhafte Beeinträchtigung des Giftes erreicht haben, was die ständige, regelmäßige Einnahme seiner Tinktur voraussetzte - andrerseits konnte er Pech gehabt haben und die gegenteilige Wirkung erzielt haben. Für den Moment kam es einem dann so vor, als hätten die Auswirkungen des Giftes nachgelassen oder würden abschwächen, doch in Wahrheit verschlimmerte sich die Ausbreitung des Gifts unbemerkt.
      Aarons kokette Bemerkung brachte die Schwarzhaarige kurzzeitig aus der Fassung, was Eutheria durch ein merklich lautes Räuspern zu kaschieren versuchte. Sie wollte etwas dazu sagen, entschloss sich dann jedoch dazu, es dabei zu belassen und ihn weitererzählen zu lassen, bis sie die richtige Seite in ihrem Buch fand und mit dem Zeigefinger die Zeilen entlangfuhr. Verabreichung mit Flüssigkeit, Fieberträume, wechselnde Stärkegrade dessen und schwarze Spuren. Indes hatte Eutheria von sowas bereits gehört und "Patienten" da gehabt, die dieselben oder ähnliche Symptome aufwiesen. Um aber sicher zu sein, prägte sie sich die Zeilen des Buches erneut ein und blickte mit eindringlicher Miene zurück zu Aaron: "Ich hatte gehofft, dass ich mich irre - aber dem ist nicht so. Es gab hier bereits ein paar andere Leute, die Rat bei mir ersuchten und dieselben Anzeichen wie du aufwiesen. Allerdings nicht in dem Ausmaß, denn bei dir ist die Ausbreitung scheinbar ziemlich weit vorangeschritten. Es gibt nur eine einzige Pflanze, die dazu imstande ist, sowas hervorzurufen - Bricriu, besser bekannt als >>die vergiftete Zunge<<. Bereits ein aufgelöstes Blütenblatt dieser Pflanze reicht aus um solche Symptome wie bei dir hervorzurufen.". Eutheria stoppte für einen Augenblick, um die Phiole, die Aaron auf dem Tisch platzierte zu begutachten. Allem Anschein nach musste er bereits an verschiedenste Orte gereist sein, da die Inhaltsstoffe der in der Phiole enthaltenden Pflanzen, die Eutheria mit bloßem Auge erkannte, ziemlich rar waren und nur an bestimmten Orten wuchsen. Für einige dieser Pflanzen wollte selbst die junge Hexe sich bereits auf den Weg machen. "Das Drüsensekret der Nesta, die du in deiner Tinktur verwendet hast, ist dafür verantwortlich, dass du dich kurzzeitig besser fühlst. Allerdings solltest du wissen, dass das Sekret der Nesta sich in deinem Körper mit den Teilchen der Bricriu bindet und auf lange Sicht hin keine Wirkung mehr erzielen wird." Eutheria platzierte das Buch an dessen ursprünglichen Platz und drehte sich mit verschränkten Armen in Aarons Richtung um ihn strafend zu mustern. Er sagte, er war ein Monsterjäger der verschiedene Gifte an den Klingen benutzte, um die passende Schwäche verschiedenster Wesen auszunutzen. Gerade deshalb sollte er es doch besser wissen und ein umfangreiches Wissen an Wechselwirkungen besitzen - oder nahm er dies möglicherweise absichtlich in Kauf, Hauptsache die Symptome linderten sich? Die junge Frau wollte Aaron Glauben schenken, schließlich konnte es ihr egal sein, was für einen Beruf er ausübte - solange es ihr nicht schadete. Dennoch machte sie an der ganzen Geschichte mit dem Monsterjäger etwas stutzig und ließ ihr keine Ruhe. Sichtlich genervt von diesem störenden Gedanken nahm sie Aarons Phiole abermals in die Hand und schwenkte den Inhalt vorsichtig umher: "Sobald jemandem Bricriu verabreicht wird, dringt die höchstgiftige Flüssigkeit der Blütenblätter in die Blutbahnen und nistet sich zunächst im Herzen ein. Es dauert eine Weile, bis man davon überhaupt etwas mitbekommt. Wenn diese Flüssigkeit allerdings damit beginnt, vom Herzen aus den Körper langsam zu vergiften, treten die schwarzen Spuren auf, von denen du erzählt hast. Je weiter die Vergiftung vorangeschritten ist, desto intensiver wird die Schwärze der Spuren. Der Körper erkennt natürlich, dass etwas nicht stimmt und kämpft dagegen an. Deine Temperatur erhöht sich und dadurch kommt es zu den Fieberträumen. Das Problem ist nur: Der Körper ist nicht dazu in der Lage, das Gift allein abzubauen und da Bricriu sich bereits im Herzen eingenistet hat, wird die Flüssigkeit stetig in die Blutbahnen gepumpt. Die Temperatur des Körpers schießt dabei permanent in die Höhe, gewöhnt sich allerdings mit der Zeit daran - weshalb die Fieberträume nicht andauernd auftreten. Irgendwann ist der eigene Körper durch den pausenlosen Kampf gegen das Gift jedoch so geschwächt, dass es zu einem letzten, unbeschreiblich schmerzhaften Krampfanfall kommt, der sich je nach Stärke des Menschen über Stunden hinweg ziehen kann, bis man einen qualvollen Tod erleidet." Eutheria nahm einen tiefen Atemzug und klopfte sich für den Vortrag selbst auf die linke Schulter. Die Verabreichung von Bricriu war tückisch - gerade weil die ersten Symptome lange auf sich warten ließen. Zudem war Bricriu eine Pflanze, die zwar in verschiedenen Gebieten aufzufinden war, aber keinen festen Standort besaß. Ihr Vorkommen variierte, weshalb ein klares Aufspüren der Pflanze unmöglich war, sofern man kein Besitzer großen Glücks war. Nachdenklich stütze sie das Kinn in die Hand und wippte mit dem rechten Bein auf und ab. "Die schlechte Nachricht ist: Briciu kann man nicht so einfach finden. Es gibt keinen klaren Standort, man muss genauer gesagt einfach Glück haben, der Pflanze über den Weg zu laufen. Das bedeutet, wenn wir sowieso auf der Suche nach deiner mysteriösen Hexe sind, müssen wir Ausschau halten und hoffen, dass du bis dahin durchhältst. Denn nur eine erneute Verabreichung mit Bricriu selbst kann dir helfen. Für den Anfang überarbeite ich deine Tinktur so, dass Bricriu sich mit keinem der Inhaltsstoffe bindet und der Prozess reibungslos verlangsamt wird." Im nächsten Atemzug erinnerte Eutheria sich an die Worte ihres Gegenübers. Sie hatte die Erlaubnis, seine Spuren zu untersuchen, was ihr höchstwahrscheinlich verriet, in welchem Stadium Aaron sich befand. Auch, wenn keinerlei Intention dahinter steckte, seinen Körper zu untersuchen, konnte die junge Hexe die Hitze die ihr beim Gedanken daran in die Wangen schoss, nicht leugnen. Leicht verlegen machte Eutheria ein paar Schritte auf ihren Gegenüber zu und fokussierte dabei dessen Oberkörper. Bevor er sich seines Oberteils entledigen sollte, kniete die Schwarzhaarige sich vor ihm nieder und legte ihre Handflächen währenddessen behutsam auf die Stelle, unter der sein Herz schlug. Selbst wenn die schwarzen Spuren noch verdeckt waren, war die Kraft die von ihnen ausging deutlich zu spüren. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, bereits mit Magie etwas dagegen zu tun - gleichzeitig würde sie dadurch jedoch ihre wahre Stärke verraten, weshalb sie sich die Geschichte ausdachte, nur mit Bricriu selbst etwas dagegen tun zu können. Sollte diese Lügengeschichte seinen Tod bedeuten, wäre das schade gewesen, für Eutheria aber sicherer, als aufzufliegen. "Würdest du dich dann bitte obenrum frei machen?" fragte sie schelmisch, den Blick von seiner Brust nicht abwendend.
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      Eines musste der Assassine der Hexe lassen; Sie wusste was sie tat und war wohl informiert über ihr Handwerk. Es imponierte ihm tatsächlich ein wenig, dass sie offensichtlich wusste, wie sie ihm helfen konnte. Bricriu also? Nun, er hatte davon gehört. Allerdings wusste Aaron, dass diese Pflanze nur sehr selten auftrat. Gerüchten zufolge besaß der Kopf der Diebesgilde einen kleinen Vorrat, doch mit dieser Person hatte er ja wenig zu schaffen. Aaron hatte bislang noch nicht das Vergnügen den Kopf der Bettler kennenzulernen. Die Späher und Informanten waren dafür seine Quellen während seiner Aufträge, doch wüsste er nicht, warum die Diebesgilde ihn damit vergiften sollte. Nein, das war der falsche Ansatz... Hatte einer seiner Ordensbrüder etwas aufgekauft und ihm verabreicht? Bricriu war geschmackslos und die Wirkung setzte erst sehr viel später ein. Aarons Gesicht verdüsterte sich leicht als er über die Möglichkeiten nachdachte. Dass die Bettler dieses kraut besaßen war auch nicht mehr als ein Gerücht und ohne Gewähr, dass dem auch so war. Wobei es vielleicht ein Ansatz wäre, was jedoch die Suche nach einem Heilmittel erheblich schwerer machte. Aufmerksam lauschte er der Hexe und nickte ab und an. Sein Blick hing kurz an dem Buch in ihrer Hand, ehe er sein eigenes Elixier begutachtete, welches er auf gut Glück hergestellt hatte. Er hatte gewusst, dass es nur eine Notlösung war, doch die Aufzählungen der Wirkungen seitens der Schwarzhaarigen waren dann doch beunruhigend. Wer auch immer ihm dieses vermaledeite Gift verabreicht hatte würde dafür einen langsamen und qualvollen Tod erleiden. Aaron würde nicht eher ruhen bis er diesen Verräter gefasst hatte, auch wenn es jemand seiner eigenen Sippe war.
      Nachdem die hexe geendet hatte legte der braunhaarige die Hände aneinander und stützte sein Kinn auf diesen nachdenklich ab. Dass Bricriu nur mit sich selbst aufgehoben werden konnte war ihm neu. Allerdings hatte er auch weniger Erfahrung mit dieser Pflanze, da er bislang nicht in den Genuss kam, sie zu verwenden. Und ihm blieb nichts anderes übrig als den Aufzeichnungen dieser Frau zu vertrauen. Etwas anderes blieb ihm fürs Erste nicht übrig. Zumindest war eine Lösung in Sicht, wenngleich sie keine leichte war. Sie würde sich solange um eine Verzögerung kümmern, die besser wirken würde als sein Tonikum. Noch immer nachdenklich musterte er die Hexe von oben bis unten. Er kannte noch immer nicht den Namen der Frau. Nicht, dass es ihn sonderlich stören würde, doch wenn sie gemeinsam reisten wäre es recht praktisch ihren Namen zu erfahren. Seine goldfarbenen Augen bohrten sich für einen Moment in ihre dunklen, versuchend zu erkennen, ob es an ihrer Hilfe irgendeinen Hacken gäbe. Doch erkannte er in ihren Augen lediglich eine verborgene Faszination, ebenso die Ernsthaftigkeit, mit der sie dahinterstand. Gut, er würde ihr fürs Erste trauen. Zumindest in dieser Hinsicht, dass er auf der Acht bleiben würde stand gar nicht erst zur Debatte. Aaron traute niemanden und ihm selbst sollte man ebenso wenig trauen, war sein Lebensweg mit den Leichen seiner Opfer gepflastert.

      "Gut, ich verlasse mich auf deine Hilfe. Ich habe vielleicht eine Ahnung, wo genau wir Bricriu finden könnten, dafür muss ich jedoch vorher noch mit einem Bekannten meinerseits sprechen, ob meine Vermutung stimmt. Dazu aber später mehr." Damit meinte er seinen besten Informanten der Bettler. Vielleicht ließen sie mit sich reden. Aber diesen Informanten zu finden würde dauern. Zuletzt war er in Brers gesichtet worden auf dem Schwarzmarkt der Anderlinge. Ein grausamer Ort an dem Elfen und andere Anderlinge als Sklaven verkauft wurden oder zur Belustigung der Bevölkerung als Narren und Jahrmarktattraktionen herhalten mussten. Dort wurde er zuletzt gesichtet, hatte er sich als Händler ausgegeben soweit Aaron wusste. Aber dies war einige Monde her, ob er noch immer dort verweilte und seine Geschäfte machte war fraglich. Aber ein Versuch wäre es wert... Im Kopf ging Aaron bereits die nächsten Schritte durch. Zunächst sollte er seinen Proviant aufstocken, war er nun immerhin nicht alleine auf seinen Reisen. Und er musste pfade abseits der Straße finden um sie nicht der Hexenfandung auszusetzen... Er brauchte diese Frau lebend bis er die legendäre Hexe gefunden hätte...

      Aaron legte sich seine Schritte zurecht und sah erst auf, als die Hexe vor ihm stehen blieb. Ihr Blick war auf seinen Brustkörper gerichtet, die Aufforderung sich zu entkleiden kam mit einem neckenden Unterton von ihren Lippen. Aaron setzte ein Grinsen auf und seine Augen blitzten kurz. Sie schien zumindest nicht zu der schüchternen Sorte Frau zu gehören. Er hoffte lediglich sie würde Anweisungen befolgen, wenn er ihr welche auf ihrer Reise geben musste.
      "Ich kenne noch nicht einmal deinen Namen und du verlangst von mir, mich zu entkleiden?" Er verlieh seiner tiefen Stimme einen provokanten Ton und grinste leicht. Dennoch folgte er ihrer Aufforderung und löste die ledernen Riemen seiner Rüstung, um sie abzulegen ehe er das dunkle Leinenhemd öffnete. Sein trainierter, gebräunter Körper kam zum Vorschein. Eigentlich makellos, wäre da nicht das netzartige schwarze Muster, welches sich auf seiner Brust ausgebreitet hatte. Noch war es nicht weit vorangeschritten und war lediglich Handgroß, aber Aaron befürchtete, dass dieser Umstand nicht lange bleiben würde.
      "Meinen Namen und den meines Pferdes kennst du ja bereits. Ich würde dich ungern mit Hexe oder Weib rufen." Damit zog er fordernd seine Brauen nach oben und blieb gelassen in dem Sessel sitzen, darauf wartend dass sie ihre Identität preisgab und ihn untersuchte. Wobei letzteres eher gegen seinen Willen war.

      Es tut weh fallen gelassen zu werden, ohne zu wissen warum. Aber letztendlich weiß man anschließend, was man jenen Personen überhaupt bedeutet hat.