belladonna [Daisy & medusa]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Willkommen zurück!
    Wir freuen uns riesig wieder online zu sein. :) Leider kam es bei der Aktualisierung einiger Komponenten zu größeren Inkompatibilitäten, welche in Handarbeit einzeln behoben werden mussten.
    Damit hat sich für die Nutzung des Forum folgendes verändert:
    Bisherige Links zu Beiträgen sind nicht mehr gültig, da sich die Link-Struktur geändert hat. Wir arbeiten daran, dass auch alte Links wieder funktionieren, können aber noch nichts versprechen.

    Liebe Grüße
    Euer ARC-Team

    Hinweis: Solltet ihr Probleme haben Seiten im Forum aufzurufen (Fehler 404 z.B.), aktualisiert die Seite! Ihr habt noch die alte Version zwischengespeichert.

    • belladonna [Daisy & medusa]


      lovers are lunatics.

      _______________________________________________________________________________________________________________________
      ,, Daffi”, erklang die begeisterte Stimme, ,, was ist Liebe?”
      Die Rothaarige seufzte laut auf, nachdem sie diese Frage wahrnahm. Es gab nur eine Person in ihrem Leben, die sie mit diesem Spitznamen ansprach und solche absurde Fragen stellte - ihre Schwester Clara.
      ,, Woher soll ich es denn wissen?”, entgegnete sie entnervt. Sie wollte einfach die Ruhe unter diesem hellen Himmel genießen, ohne stets durch ihre Bemerkungen abgelenkt zu werden. Ihre Augen wanderten zu ihr. Auch wenn ihre jüngere Schwester es sich nicht anmerken ließ, konnte sie genau an ihrem Gesicht erkennen, dass sie ihr unbedingt etwas mitteilen wollte. Sie war immer so leicht zu lesen. Natürlich war sie es. Schließlich hatte sie es kein einziges Mal nötig gehabt, ihre Gefühle hinter einer gleichgültigen Fassade zu verbergen. Sollte sie traurig sein, konnte Clara weinen, ohne dabei von ihrer Mutter angefahren zu werden. Genauso wurde es ihr nicht vorgeworfen, wenn sie gestand, etwas Bestimmtes nicht zu mögen. Sie durfte sich wie ein kleines Kind verhalten, das von jedem in diesem Anwesen verwöhnt wurde. Etwas, was bei weitem nicht auf die Rothaarige zutraf. Sie war nicht der Mittelpunkt, denn alles drehte sich nur um Clara. ,, Ich weiß nicht, was Liebe ist”, fügte sie ein weiteres Mal hinzu, nachdem sie bemerkte, dass sie zu grob zu ihr gewesen war, ,, aber wenn man verliebt ist, dann sind die Gedanken stets bei diesem einen Menschen, man möchte immer in seiner Nähe sein und von ihm gemocht werden.” Ihre Erklärungen waren womöglich nichtssagend, ihr fielen jedoch keine bessere Beschreibungen ein.
      ,, Ich glaube, ich bin verliebt”, redete Clara in einer beinahe zitternden Stimme dazwischen. Dieses Geständnis sollte sie eigentlich nicht überraschen, es kam aber trotzdem unerwartet. ,, In Damian”, ergänzte ihre Schwester, bevor sie selbst nachfragen konnte.
      Ihre Augen engten sich zusammen. Dieses plötzliche Bekenntnis musste die Rothaarige auch nicht erstaunen. Es schmerzte dennoch, das zu hören.
      ,, Bist du dir sich-”, bevor sie die Möglichkeit bekam, ihre Frage zu Ende zu sprechen, redete Clara aufgeregt dazwischen. ,, Ja, natürlich!”
      Daphne wandte ihren Blick ab und starrte lieber wieder den Himmel an. Sie wünschte sich, sie hätte es nicht erfahren.
      ,, Ich weiß, wir haben uns nur einige Male gesehen aber ich kann nicht anders, als stets an ihn zu denken.”
      Ein bitterer Geschmack erfasste ihren Mund. Sie hoffte innerlich, ihre Schwester würde endlich ihren verfluchten Mund halten. ,, Glaubst du, ich werde ihm gefallen, Daffi?”, erklang ihre unsichere Stimme. Ohne es kontrollieren zu können, schaute die Rothaarige erneut zu ihr. Daphne mochte es nicht mit diesem Spitznamen angesprochen zu werden. Ihre Schwester schien es nicht verstehen zu wollen, unabhängig davon, wie oft sie es ihr vorwarf.
      Sie blickte ihn ihre große blaue Augen, in welche sich sogar sie selbst verlor.
      ,, Natürlich wirst du es”, erwiderte sie ihr ruhig, während sich ihre Lippen zu einem warmen Lächeln zusammenzogen. Es schmerzte mehr, diese Wörter aussprechen zu müssen.
      ,, Er muss blind sein, falls du ihm nicht gefallen solltest.” Schon wieder dieses Spektakel. Sie ertrug es nicht mehr, ständig die Belanglose zu spielen.
      Aber die Rothaarige musste ebenfalls eingestehen, dass sie recht hatte. Clara, die Strahlende und Schöne. Man könnte sogar meinen, dass dieser Name genau für sie erschaffen wurde. Sie war die Verkörperung dessen gewesen. Sie war ein bildschönes Mädchen mit blonden Haaren und diesen meerestiefen Augen, die von dichten Wimpern umgeben wurden. Sie strahlte, im wahrsten Sinne des Wortes. Es war offensichtlich, dass sie zu einer Augenweide heranwachsen würde und Damian keine andere Möglichkeit hätte, als ihren Reizen zu verfallen. Was hatte sie im Vergleich zu ihr zu bieten? Nichts. Sogar ihr Name bedeutete nur Lorbeer. Ein ideales Leben - das war etwas, was Clara hatte und erwartete. Die perfekte Ehefrau an der Seite eines perfekten Mannes - ein Paar, das von allen geliebt wurde.
      ,, Woher wusstest du eigentlich, wie es ist, verliebt zu sein?”, fragte ihre jüngere Schwester neugierig nach.
      ,, Einfach so”, erwiderte ihr die Rothaarige gefühllos, ,, ich hatte gehört, wie die Dienerinnen darüber reden.” Eine naive Lüge.
      Clara ging auf diese Bemerkung nicht weiter ein, sondern begann über Damian zu reden - wie schlau, nett und nobel er war.
      Daphne hörte dem nicht mehr zu, drehte ihren Kopf zurück und starrte gedankenlos den Himmel an. Dieser Ausblick gefiel ihr nicht mehr. Sie brauchte diesen dämlichen Beschreibungen ihrer Schwester nicht zuzuhören.
      Schließlich wusste sie es selbst - wie großmütig Damian war. Doch die Rothaarige verstand auch, dass es von Anfang ihr Fehler gewesen war. Sie hätte sich nicht etwas wünschen sollen, was nicht für sie bestimmt war.

      ,, Lady Daphne?”
      Ihre Augen blinzelten einige Male und sie brauchte einen Augenblick, bevor sie verstand, dass sie angesprochen wurde. Ihr Blick erhob sich und landete auf einem bekannten Gesicht, welches sie in diesem Ort nicht antreffen wollte.
      ,, Geht es Ihnen gut?”
      Sie stellte lautlos ihre Tasse ab.
      Es war eine ungewohnte Erinnerung an ihre Schwester gewesen, die vor kurzem in ihrem Verstand aufgetaucht war. Sie war überhaupt nicht die Person, die zu solchen Tagträumereien neigte. ,, Ja, es geht mir gut, Mrs. Harrison”, erwiderte die Rothaarige mit einem bescheidenen Lächeln. ,, Wolltest du mir etwas mitteilen?”, fragte sie die ältere Frau aus. Ihre Augen blickten in das Gesicht, welches von deutlichen Falten geprägt war. Sie hatte sich seit dem heutigen Morgen in ihrem Wintergarten zurückgezogen, um in dieser Grüne ihrem Verstand eine gewisse Ruhe zu erlauben. Eigentlich wagte es niemand, sie in diesem Ort zu stören. Jeder in diesem Anwesen wusste, ihre Distanz einzuhalten, wenn sie sich im Glashaus erholte. Zumindest alle, bis auf diese alte Schachtel. Daphne war es schon gewöhnt, dass diese Schlange jedes Mal aus dem Nichts auftauchte. Eigentlich müsste sie sich damit zufriedenstellen, doch es nervte sie in schöner Regelmäßigkeit. Es lag womöglich an ihrer hohen Stellung als die Hausdame1, weswegen sie sich eine solches Verhalten erlaubte.
      Aus dem Augenwinkel konnte die Rothaarige eine weitere Gestalt erkennen, die nicht weit entfernt hinter dieser Schabracke stand. Daphne beachtete sie nicht groß.
      ,, Ich wollte Ihnen Ihre neue persönliche Dienerin vorstellen”, gestand die ältere Frau mit einer genauso ruhigen Stimme.
      Sie nahm wieder die Tasse entgegen und trank von den angenehm warmen Lindenblütentee, der angeblich beruhigend wirken sollte.
      ,, Wo ist sie dann?”, fragte sie schlicht nach, während sich ihr Blick ein weiteres Mal erhob. Sie verfolgte, wie sich die Hausdame zur Seite stellte, wodurch sie genauer die zweite Gestalt bemerkte. Daphne hatte vermutet, sie würde irgendein Stubenmädchen sein. Sie musste für eine kurze Weile das neue Gesicht anstarren, bevor sie realisierte, dass sie die neue Dienerin sein musste. Sie?


      __________________________________
      1Eine Hausdame ist praktisch die Leiterin der weiblichen Dienerschaft und für organisatorische Aufgaben zuständig. Weibliche Version zum Butler könnte man sagen.

      @Daisy
    • Isolde
      Der Tag hatte für Isolde wie immer sehr früh begonnen. Das Tageslicht war noch nicht angebrochen, da wurde sie bereits durch die geschäftige Bewegung auf den Gängen aus dem ohnehin sehr leichten Schlaf gerissen. Sie schlug die Augen auf und erkannte, dass das Mädchen im anderen Bett bereits eine Kerze entzündete. "Guten Morgen", krächzte das junge Ding mit ihrer immer heißeren Stimme. In Gegenwart der Herrschaften ist es ihr nicht erlaubt gewesen zu sprechen, da es kein angenehmer Klang gewesen ist. Isolde kam es so vor, dass es manchmal durch das viele Schweigen sogar noch schlimmer wurde. "Guten Morgen", erwiderte sie den Gruß. Die Tür flog auf und einer der Stallburschen lugte herein um die Mädchen zu wecken, verschwand allerdings sofort wieder, als er erkannte, dass sie bereits auf waren. "Na der hat es eilig", lachte Isoldes Mitbewohnerin und beide fingen an sich anzukleiden und ihre schnelle Morgentoilette zu erledigen. Seit knapp einem Monat müsste die dunkel-haarige nun schon in diesem Haushalt sein. Sie ist als (angeblich) entfernte Verwandte von Lady Claras Lehrer angeheuert worden. Und seither lebte sie einfach das gängige Leben an der Seite der anderen Bediensteten. Sie wurde nicht unbedingt gemocht allerdings auch nicht verachtet. Genau genommen interessierte sich kaum jemand für sie, was für Isolde der idealste Fall in dieser Situation gewesen ist. Es hatte sich in ihrer kurzen Anwesenheit hier eingependelt, dass sie morgens der Mamsell in der Küche half und ihrem Onkel das Frühstück brachte. Mr. Alcott war wie immer schon auf, doch anstatt sie in seinem Zimmer zu erwarten wie sonst auch, erkannte Isolde ihn auf dem Flur zusammen mit der Hausdame Mrs. Harrison. Isolde ist bereits in der Bewegung gewesen umzukehren, um die beiden nicht zu stören, als sie aufgehalten wurde.
      "Nein, nein, Isolde, du kommst gerade recht!", rief der Lehrer sie zu sich und innerhalb eines Atemzuges bereitete das junge Geschöpf sich bereits auf eine neue Aufgabe vor. Sie kehrte wieder um und verneigte sich zum Gruß vor ihren beiden Vorgesetzten, das Tablet noch immer in ihren Händen. "Ich verbürge mich für ihre Fähigkeiten, meine Teure." Der Herr stützte sich auf seinen Gehstock den er in Wahrheit nicht brauchte. Doch in diesem Haushalt war er für sein lahmes Bein bekannt. Isolde betrachtete schweigend den metallenen Griff des Stockes und folgte mit den Augen allen Verzierungen unter seinen Fingern, bis der Mann zwei Mal mit dem Daumen darauf tippte und Isolde sich sogleich wieder aufrichtete und sich dem prüfenden Blick der Hausdame aussetzte. "Sie hat bereits ihren Bruder ganz hervorragend gepflegt. Ihr Vater ist Apotheker in der Gegend gewesen, bevor ihn leider das zeitliche segnete. Und seither hat sie allein seine Obhut übernommen."
      Isolde hatte nie Geschwister gehabt. Geschweige denn von einem Apotheker als Vater. Noch immer schwieg sie. Sie war kein Teil dieser Konversation, bis sie dazu gemacht wurde. "Stimmt das, Isolde?", richtete Mrs. Harrison nach einer sehr skeptischen Musterung an sie. "Jawohl, Mrs. Harrison. So ist es." - "Wie lange hast du deinen Bruder denn gepflegt?" Mr. Alcott verlagerte sein Gewicht auf dem Stock und räusperte sich leicht. "Sechs Jahre, Ma'am", verstand sie sogleich die Anweisung und die Hausdame ergab sich mit einem schweren Seufzen. "Na fein. So soll es dann sein." Sie nickte dem Mann zu, der äußerst erfreut zu lächeln begann. Isolde verstand nichts von dem, was gerade passierte, doch sie ließ es einfach zu, dass man über ihren Kopf hinweg irgendwelche Verhandlungen besprach. Nach einigen Worten zu einer erhöhten Bezahlung, wie sie verstand, war das Thema schließlich erledigt. "Gut! Komm, zieh dich um und wasch dich, zieh dir das Beste an was du hast.", befahl die Hausdame sogleich und nahm sie mit sich, nachdem Isolde noch das Frühstück für den Lehrer abstellte. Der Mann wechselte noch einen kurzen, bedeutungsschweren Blick mit dem Mädchen und das erste Mal seit langem ließ die Brünette die stumme Maske kurz fallen und erlaubte der Verwunderung Eintritt in ihre dunklen Augen. Doch der Herr mit dem blonden Haar gab ihr lediglich zu verstehen, dass sie es gut machen sollte und verschwand dann in seinem Zimmer, um ein Frühstück einzunehmen. Isolde seufzte. Gut, es war ohnehin sicherer für sie so wenig wie möglich zu wissen über die Aufträge für die sie in Frage kam. Dafür hatte sie vollstes Verständnis. Und doch ärgerte es sie ein klein wenig dermaßen ins Ungewisse zu wandern. Im Trakt für die Angestellten zog sie sich um. Selbst ihr bestes Kleid ist immer noch das eines Mädchens ohne Mittel gewesen. Sie trug es, wenn sie in die Stadt für Besorgungen musste. Nicht ahnend ob sie ausgehen würde oder nicht zog sie ihr weißes Spitzenhäubchen über und trat dann wieder zu Mrs. Harrison. Diese seufzte bei ihrem Anblick. "Nun ja, es wird schon gehen. Du bist nicht für deine Schönheit eingestellt."
      Isolde wollte instinktiv eine Augenbraue hochziehen, verbiss es sich allerdings so gut sie konnte, sondern hüstelte dafür in einem kurzen Räuspern und fing sich wieder. Schweigend führte die Dame sie in den Garten und das Mädchen folgte mit einem gewissen Abstand. Von den Fenstern konnte sie genau spüren, dass die anderen Dienstmädchen neugierig beobachteten was vor sich ging so lange sie konnten. Bald schon betraten sie nämlich den Trakt für die Herrschaften und Isolde wurde plötzlich ein wenig besorgt unter den Augen der Reichen und Schönen zu wandeln. Ihr Platz war im Schatten, nicht mitten unter dem Licht der Sonne. Doch es würde für sie noch schlimmer kommen, wie sie bald feststellen musste. Mrs. Harrison blieb vor Lady Daphne stehen. Eine schöne, wenn auch ein wenig harte Frau. Isolde selbst hat sie in ihrer Zeit in diesem Hausstand etwa 3 Mal zu Gesicht bekommen, wenn auch sehr flüchtig. Isolde folgte unauffällig der kurzen Unterhaltung und nun wurden selbst ihre Augen groß. Sie war bitte was? Mrs. Harrison trat zur Seite und machte den Blick auf ihr Mündel frei, doch Isolde sah sie in leichtem Entsetzen an, ehe sie einen Schritt nach vorne stolperte, beinahe mechanisch und einen tiefen knicks machte, den Blick natürlich gesenkt. "Ich wünsche einen guten Morgen, Lady Daphne.", grüßte sie ihre neue Herrin. Das Herz schlug ein wenig schneller in ihrer Brust. Persönliche Dienerin?! Nun dämmerte es ihr. Deswegen die Geschichte mit dem kranken Bruder. Sie sollte die neue Wache der Dame werden. Die Dienstboten hatten sich ab und an mal über diesen sehr spezifischen Posten unterhalten und es wurden unsinnige Dinge über die Verfassung der jungen Herrin gemunkelt. Doch alle sind sich einig gewesen, dass die persönliche Dienerin schlichtweg Mrs. Harrisons Spionin gewesen ist, um die junge Frau zu bewachen. Was für ein schlechter Scherz...
      I want to be a flower in your garden.
      The prettiest of them all. A sight for your sore eyes.