The Animals of Hawthorn Valley

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    • The Animals of Hawthorn Valley

      Vorstellung

      Schon seit Tagen wurde Hawthorn Valley von Regen heimgesucht. Mal schüttete es wie aus Eimern, mal war es nur ein leichtes Dribbeln. Die Nacht zuvor ist ein Gewitter aufgezogen, das bis zum Morgengrauen gewütet hatte. Erst in der Früh verzog sich das Unwetter, nachdem es sich mit einem letzten Schauer verabschiedete. Eine Herde dicker, grauer Wolken ließ sich jedoch nicht vom Wind vertreiben und blieb weiterhin stur am Himmel, die Sonne verschleiernd.

      Pater Winters betrachtete sie schweigend, kratzte dabei mit einem Federkiel geistesabwesend in einem in Leder eingebundenem Buch herum. Die kleine Kammer, die ihm als Arbeitszimmer diente, war etwas unterkühlt, was ihm aufgrund seines dichten Fells jedoch kaum auffiel. Hinter dem Fenster heulte der Wind.

      Er fokussierte seine Aufmerksamkeit wieder auf das Buch. Die Geschichte von Hawthorn Valley. Noch nie hatte es ein Werk gegeben, in dem die historische Ereignisse dieses Ortes vollständig und chronologisch niedergeschrieben worden sind. Erst er hatte sich an die Aufgabe gemacht, jede einzelne verbliebene Quelle zu analysieren und ein großes Gesamtwerk aus ihnen zu machen. Eine Lebensaufgabe. Doch er hatte noch Zeit. Zum Glück, denn vor ihm lag eine Menge Arbeit. Allein schon, weil sich die Stadt vor seinen Augen- vor den Augen aller- bald sehr verändern würde. Und irgendjemand musste schließlich zur Stelle sein, um es zu dokumentieren.

      Jedoch nicht zu jenem Augenblick, denn er hatte eine Messe zu leiten.

      ---

      Als Dolly aus dem Wald zurückkehrte, mit einem großen Korb voller Beeren und einem Kopf voller Blumen, war es im Dorf immernoch still. Die wenigsten waren zu dieser Zeit an einem Wochenendtag schon auf den Beinen, doch die junge Frau wachte meist auf, wenn alle anderen noch in Morpheus´ Armen lagen. Auch an jenem Tag ist sie noch vor den ersten Sonnenstrahlen aus dem Bett gestiegen und hatte sich auf in den Forst gemacht, den sie so gut kannte wie ihr eigenes zuhause. Wie erwartet ist es ruhig gewesen, und niemand anderer ist ihr über den Weg gelaufen. In aller ruhe konnte sie die üblichen Plätze absuchen, an denen normalerweise die meisten Leckereien wuchsen. Auch dieses Mal wurde sie nicht enttäuscht.

      Und nun schritt sie durch hochgewachsenes, nasses Gras das, sich am Geruch der feuchten Erde erfreuend. Löwenzähne, von denen die weiten Wiesen übersät waren, schienen ihr die zotteligen Köpfchen entgegenzustrecken, streiften an ihrem Kleid. Sie pflückte einige davon im Gehen und steckte sie sich in den Mund, summend vor Genuss. Sie musste irgendwann später unbedingt wieder zurückkehren, um einen ganzen Bund von ihnen zu pflücken. Daraus könnte man einen hervorragenden Salat zubereiten. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf trödelte sie noch eine Weile rum, beobachtete ein paar Käfer, die sich nach dem Regenguss wieder aus ihren Verstecken herausgetraut hatten, und machte sich schließlich auf den Heimweg, einen schmalen Trampelpfad entlang. Den kleinen Hügel hinab und bald schon vorbei an den vielen dicht beieinander stehenden Häusern und Läden. Ein alter Dachs, der sich mit Pfeife in der Hand aus dem Fenster gelehnt hatte, grüßte sie freundlich. Sie grüßte zurück.

      In kürzester Zeit hatte sie ihr Ziel erreicht; stand vor einer alten Glastür mit Holzrahmen, zu deren rechten ein großes Schaufenster mit diverser Auswahl an Damenbekleidung zu sehen war. Kleider und Hauben aus Samt, Seidenstrümpfe, Unterröcke und Schürzen, sowohl schlicht als auch aufwendig mit Spitze verziert. Alle von ihnen bestückt mit Schildchen, an denen in akkurater Handschrift Preise geschrieben standen. Und weiter oben, über der Vitrine, war ein goldener, geschwungener Schriftzug vorzufinden:

      WOOL'S KLEIDERSTUBE


      Die Tür war, wie Dolly es erwartet hatte, trotz des "Zurzeit geschlossen" Schildes nicht abgeriegelt. Sie wischte sich die Hufen an der Fußmatte unter ihr ab und betrat den Laden, wobei ein sanftes Glöckchen ertönte. Niemand kam ihr entgegen, denn ihre Familie befand sich zurzeit wohl auf dem zweiten Stock.

      Zackig trappelte sie den Treppengang hoch, der sich hinter der Kasse befand, und wurde sogleich begrüßt von einem süßen Duft, der sie in die Küche lockte. Dort fand sie ihre Mutter vor. Leise singend, während sie über den Herd gebeugt etwas zubereitete, was sich bei näherem Betrachten als Pfannkuchen erwies. Sie schien völlig in Gedanken versunken zu sein- und doch zuckte sie nicht einmal, als Dolly sich neben sie stellte und ihr einen guten Morgen wünschte.

      "Guten Morgen", gab Olivia warm zurück, während sie einen fertigen Pfannkuchen auf einen Teller stapelte. "Wieder so früh schon unterwegs? Und die Wolle voller Blumen..."

      Sie schüttelte den Kopf, aber man merkte ihr an, dass sie überhaupt nicht böse war.

      "Wie lange bist du denn schon wach?"

      Dolly zuckte mit den Schultern.

      "Weiß ich garnicht. Als ich mich aufgemacht habe, war es noch etwas dunkel."

      "Im dunkeln raus! Und du hast keine Angst?"

      "Nein, wovor denn auch?", lachte das jüngere Schaf und hielt ihrer Mutter stolz den vollen Korb hin. "Schau doch mal! Ich sage ja, dass ich die besten Plätze kenne. Da lohnt es sich, früh rauszugehen, damit man die guten Beeren als erster sammelt."

      Olivia betrachtete den Fund, nickte beeindruckt und sprach:

      "Das hast du schön gemacht! Ich kann dir und Edgar zu Abend einen Kuchen backen. Und den Rest für Konfitüre verwenden... ihr könnt sie auch jetzt mit den Pfannkuchen essen. Apropos, weck doch bitte deinen Bruder für mich auf. Ich habe ihn schon zwei mal gerufen, aber er steckt wohl immernoch in den Federn. Sag ihm, dass Frühstück fertig ist."

      Dolly legte sofort ihren Korb auf dem Tisch ab und lief den Flur entlang zur Zimmertür ihres Geschwisterkindes, an der sie mehrmals laut klopfte. Nachdem sie auch beim vierten mal keine Antwort bekam, öffnete sie sie mit einem Seufzen, fand dabei ein völlig dunkles Schlafzimmer vor, mit zugezogenen Vorhängen und einer ausgebrannten Öllampe. Bücher und Papiere, die auf dem Schreibtisch und Boden verstreut herumlagen, und inmitten des Chaos befand sich wie immer Edgar, der- den Kopf auf die offen Seiten eines Lexikons gelehnt- vor sich hin schnarchte.

      "Edgar...", flüstere das Schaf, rüttelte ihn dabei ein wenig. "Edgar... Edgar!!"



      Der Junge schreckte hoch, rieb sich sogleich mit einem gequälten Murren die Augen. Er brauchte eine Weile, um im hier und jetzt anzukommen, blinzelte seine Schwester dabei unzufrieden an.

      "Was is' denn..."

      "Guten Morgen, zu aller erst. Mutter sagt, du sollst aufstehen. Frühstück ist fertig."

      Edgar grummelte etwas unverständliches, legte den Kopf wieder auf sein Lexikon.

      "Ich komm' gleich... später. Wenn das Essen etwas abgekühlt ist. Bin noch müde."

      "Nichts da! Wer isst schon kalte Pfannkuchen? Und müde bist du, weil du wieder die ganze Nacht aufgeblieben bist und die Nase in Bücher gesteckt hast, statt zu schlafen. Du weißt doch, dass das nicht gesund ist!"

      "Ich arbeite", gab der Hirschbock stur zurück und verschränkte die Arme. "Ich schreibe eine Forschungsarbeit, über die saisonale Flora in unserer Umgebung."

      "Nachts schreibt man nicht, nachts schläft man."

      Edgar war kurz davor, sich geschlagen zu geben. Er wusste dass es sinnlos war, sich mit seiner Schwester zu streiten. Oft hatte er versucht, ihr seine wissenschaftlichen Arbeitsweisen näher zu bringen, aber sie schien weder Verständnis, noch besonderes Interesse daran zu haben. Ihr flauschiger Kopf war stets in den Wolken und beschäftigt mit irgendwelchen Schwärmereien, für Biologie konnte sie sich genauso wenig begeistern, wie ein Gelehrter für das Schneiderhandwerk.

      "Wenn ich einmal an die Universität gehe, werde ich auch lange aufbleiben müssen", versuchte er es ein letztes mal.

      "Jetzt gehst du dich aber erstmal waschen und dann frühstücken!"

      Damit war die Sache erledigt, und Edgar erhob sich seufzend, um mit gebeugter Haltung ins Bad zu schlendern.

      Nach einiger Zeit saß die ganze Familie am Tisch und verzehrte Pfannkuchen mit Himbeeren, wobei Edgar so aussah, als würde er jederzeit nach vorne umkippen und sich die Stirn an der Tischkante anschlagen. Als alle fertig waren, half Dolly ihrer Mutter beim Geschirrputzen. Frau Wools sah sich die übriggebliebenen Leckereien an und meinte:

      "Schau, wie viel noch da ist. Warum nimmst du nicht welche mit und bringst sie einer deiner Freundinnen? Heute ist Feiertag, bestimmt sind sie alle zu hause."

      Dem jüngeren Schaf war das nur recht. Sie hatte sowieso vorgehabt, einer bestimmten Person einen Überraschungsbesuch abzustatten, und hatte nichts dagegen, ihr eine kleine Freude zu machen. Sie packte die Pfannkuchen in etwas Papier ein und legte sie in ihren Korb, umarmte ihre Mutter herzig und streckte Edgar die Zunge raus. Sekunden später war sie die Treppe heruntergeeilt und hatte die Schneiderei verlassen.

      "Wie könnt ihr zwei so früh am Morgen so viel Tatendrang haben?", murmelte ihr Bruder ungläubig. Frau Wools kicherte nur.


      ---

      Eines der vielen Dinge, die Dolly an Hawthorn Valley liebte war die Tatsache, dass es ein kleines, dörfliches Städtchen war. Um den ganzen Ort vom Anfang bis zum Ende der Hauptstraße zu durchqueren brauchte man lediglich circa eine halbe Stunde. Das bedeutete nicht nur, dass praktisch jeder jeden kannte und es innerhalb der Gemeinschaft keine Fremden gab, sondern auch, dass man nie weit voneinander entfernt war. Egal, was man brauchte- Gemüse, Fisch, einen Bäcker oder einen Tischler, alles war stets mehr oder weniger um die Ecke. So auch all ihre Freunde.

      Sie lächelte voller Vorfreude, als sie das große Haus sah, in dem ihre Freundin wohnte. Im Vorhof konnte sie niemanden entdecken, weswegen es ein leichtes war, sich um das Gebäude herum zu schleichen, bis sie das richtige Fenster gefunden hatte. Sich auf die Zehenspitzen stellend lugte Dolly in dieses hinein und klopfte vorsichtig am Glas.

      "Heather! Bist du wach?"
      How bad me be?
    • Heathers Tag fing früher an, als erwartet. Die Nacht über hatte ein Gewitter gewütet und anstatt sich unter den Decken zu verstecken, war Heather auf den alten Dachboden geklettert. Die junge Füchsin liebte das Toben und Tosen, das Donnern und die schweren Regentropfen, die gegen die Dachfenster platschten. Sobald es Mitternacht gewesen war, hatte sie sich in ihrem Pyjama unter eines der Fenster gelegt, ein alter Ottomane unter ihr und ihre Augen geheftet auf die unnachgiebigen Blitze. Ihre Ziehgeschwister würden wohl tief und fest schlafen, aber Heather hatte nicht gekonnt, solange dieses Naturschauspiel aufgeführt wurde. Sie wusste, dass sie nicht das einzige Publikum war, aber für einen Moment hatte es sich angefühlt, als würde das Gewitter nur für sie spielen. Die Füchsin erinnerte sich vage daran, dass es auch mal eine Zeit gegeben hatte, da hatte das Gewitter nicht nur für sie gespielt. Warme Arme hatten sie umschlossen, doch das Gesicht dazu ... es wurde immer undeutlicher.

      Unten hatte sie früh morgens beschäftigtes Treiben gehört. Ihre Küchenangestellten bereiteten das Frühstück vor und Heather war zusammengezuckt. Ihre Tante wäre bestimmt wütend, wenn jemand sie schon wieder auf dem Dachboden erwischte. Nicht, dass Heather eingesperrt gewesen wäre, aber ihre Tante sorgte sich um den Wildfang, der ständig Unsinn im Kopf hatte und der Dachboden war kein sicherer Ort für dickköpfige Füchse. Langsam war Heather vom Ottomane gerutscht und hatte versucht ihre Pfoten so lautlos wie möglich aufzusetzen. Ihre Ohren waren gespitzt gewesen, während sie den Weg vom Dachboden zurück zu ihrem Zimmer geschlichen war. Es war im Erdgeschoss und so hatte Heather des Öfteren erstarren gemusst und gewartet, bis sie unentdeckt in ihr Zimmer schlüpfen konnte.

      Und gerade weil ihre Nacht so kurz gewesen war, hatte Heather nicht gedacht, dass ihr Morgen auch so früh begann. Gerade war sie in ihr Bett gefallen, mit ausgebreiteten Armen und einem müden Knurren in der Kehle, als sie die wohlbekannte Stimme ihrer Freundin hörte. Heather hob den Kopf ein Stück und fletschte müde die Zähne. "Ich bin immer noch wach", stellte sie fest und richtete sich auf ihrem Bett ganz auf. Sie schüttelte einmal den Kopf, sodass ihre großen Ohren durch die Luft flogen und sie durch das Geräusch immerhin etwas wacher machten. Die Füchsin ging zu ihrem Fenster und zog es auf, lächelte Dolly müde entgegen. "Und du bist schon wach, huh? Lass mich raten, du hast Blümchen gesammelt?", fragte sie grinsend und zupfte eines der Blumen aus Dollys Wolle.
    • Edward

      Edward wachte auf. Er war lange wach gewesen am Vorabend. Heute hatte er so gar keine Lust zu arbeiten aber er musste sich auch seinen Unterhalt verdienen. Er stand auf kratzte sich seinen Rücken an der Wand seiner Kleinen Hütte. DIe Holzbalken hielten dem Geweicht des Bären grade noch so stand. Dann kratzte er das letzte bisschen Honig aus einem Glas. Es war schon spät. Er packte die am Vortag gefanngen Fische in einen Beutel und ging zu seinem kleinen stand au dem Markt. Dort setzte er sich hin und stützte seinen Kop mit seiner Hand ab wärend er auf Kundschaft wartete.
    • Wie immer war Benjamin recht früh wach, dies lag daran, dass er so gut wie jeden Tag zu seiner Arbeit musste. Der Buntmarder war nämlich ein Bäcker -oder besser gesagt er war noch in der Ausbildung zum Bäcker- und als solcher musste man recht früh aufstehen damit man den Bewohnern des Dorfes frisches Gebäck bieten konnte, welches besonders für das Frühstück recht beliebt war. Er musste zugeben das heute allerdings wieder ein recht mühsamer Tag war, um aus den Federn zu kommen, trotz der Sache das er seine Arbeit mochte, war es halt oft doch recht angenehm einfach im Bett zu liegen, besonders wenn man in der Nacht wegen des Gewitters kaum ein Auge zu bekommen hatte.
      Als er es aber schaffte sich endlich zu erheben, machte sich der junge Marder frisch, mit dem Wasser, das er sich in seinem Zimmer bereitgestellt hatte und zog sich seine Klamotten für den Tag an, um sich kurz darauf auf den Weg zur Küche zu machen und sich eine Kleinigkeit zum Essen mitzunehmen, welches er unterwegs zu sich nehmen würde.
      Dies machte er mit sehr viel bedacht, er wollte nicht allzu viele Geräusche machen da er nicht alleine in diesem Haus lebte. Seine Eltern waren auch noch ein Teil davon und er wollte diese nicht wecken, da diese erst später anfangen mussten zu arbeiten und den etwas längeren Schlaf noch gebrauchen konnten.
      Als er schließlich das Haus ohne ein lautes Geräusch verlassen hatte ,ging er zu der Bäckerei, wo er arbeitete und aß währenddessen das Stückchen Brot, das er aus der Küche mitgenommen hatte. Dieses hatte Benjamin ebenfalls selbst gebacken.

      Lange dauerte es nicht bis er das Gebäude erreichte, höchstens 15 Minuten und es auch schon betrat. Dort erwarteten ihn noch ein anderer Lehrling, ein Eichhörnchen namens Frederik -welches recht frisch seine Lehre begonnen hatte- und der Bäckermeister selber, ein Stier namens Toro Perez, welchen Benjamin jedoch einfach bei seinem Vornamen nennen durfte.
      "Guten Morgen, Benjamin. Ich hoffe du hast wenigstens etwas schlafen können trotz des Gewitters, das vor kurzem noch gewütet hat." begrüßte ihn der Stier freundlich und Benjamin nickte "Guten Morgen, ein wenig Schlaf habe ich bekommen, aber das Gewitter war trotzdem recht heftig...ich frage mich was zurzeit nur los ist.." antwortete er diesem und zog sich seine Schürze über, damit er mit dem backen beginnen konnte. "Ich bin mir sicher, dass es bald wieder besser wird." meldete sich Frederik, recht positiv zu Wort worauf der Marder noch mit einem "Ich hoffe es." darauf reagierte und sich an die Arbeit machte.
      Die Zeit verging recht schnell und in dieser hatten sie einiges an frisches Gebäck fertig bekommen, wodurch sie ohne Probleme den Laden öffnen konnten. Die erste Kundschaft ließ dabei nicht lange auf sich warten und so betraten auch schon die ersten Kunden die Bäckerei, dies waren wie immer die Stammkunden, die fast jeden Tag hier herkamen und sich etwas zum Frühstück holten. Von diesen wusste man auch schon was sie gerne haben wollten und konnte ihnen somit entgegenkommen.
      Benjamin war gespannt, ob heute nicht doch noch jemand vorbeisehen würde der nicht so oft zu ihnen kam.
    • Dolly

      "Und die Beeren erst! So viele auf einmal, Heather, du glaubst es nicht. Da war ein versteckter Strauch mit einer ganzen Familie aus Heidelbeeren. Es wundert nicht, dass die noch keiner aufgesammelt hat. Hier, übrigens."

      Mit einem verträumten Lächeln stellte Dolly ihren Korb voller Pfannkuchen auf der Fensterbank ab.

      "Die hat Mutter gemacht. Nimm dir so viele, wie du willst. Wie geht es dir? Die Nacht nicht geschlafen? Da seid ihr und Edgar euch ja ähnlich. Man könnte meinen, ihr wärt Eulen. Hat sich irgendein Verehrer bei dir gemeldet?"

      Das Schaf kicherte und beugte sich näher zu ihrer Freundin heran.

      "Sag es keinem weiter, aber ich habe gehört, Dagmar der Dachs soll dich sehr hübsch finden. Du weißt schon, der Enkel unseres Schmuckhändlers. Seine Schwester hat es ausgeplaudert, als sie mit uns Mädchen gesprochen hat. Wie süß! Und wo wir davon sprechen, weißt du schon über Marigold Bescheid? Ihre Cousine ist ja vor kurzem in die Stadt gezogen, zu der Familie ihres Verlobten. Sie wird diesen Monat heiraten. Marigold ist bei uns gewesen und hat ein Kleid für die Feier bestellt. Mutter und ich haben es letztens fertiggestellt..."

      Munter erzählte Dolly der Füchsin den neuesten Tratsch, der aktuell umherging. Schließlich war kaum einer so informiert, wie sie, die Nachrichten auffing wie mit einem Fischernetz. Das Wollknäuel war stets überall dabei, pflegte viele Kontakte und leihte jedem interessiert das Ohr, der bereit war, etwas zu erzählen. Im Zuhören war sie nämlich genauso gut, wie im Plaudern, was die Leute zu schätzen wussten. Und wenn man etwas Trost oder Mitgefühl benötigte, so ging man entweder in die Kirche- oder eben zu Dolly.

      Während sie vor sich hin erzählte, kroch allmählich die Sonne faul am Himmel hoch, immernoch umhüllt von einer leichten Wolkendecke. Regen würde es wohl wieder geben, doch die Temperatur war angenehm und die verschwommen, schläfrig-grauen Farben, in die das Dorf getaucht war, hatten etwas angenehmes an sich. Ließen niemanden auch nur erahnen, was auf sie zukam.

      Edgar

      Der Rehbock hatte noch eine Weile am Frühstückstisch vor sich hingedöst, bist Mutter Wools ihm sanft mit einem Kochlöffel über die Nase gestrichen und angedeutet hatte, dass er doch vielleicht auch mal wieder raus könne. Edgar war einverstanden; tatsächlich hatte er selber sowieso vorgehabt, sich in den Wald aufzumachen, um die dortige Ameisenpopulation zu untersuchen. Dies war nämlich Teil seiner Forschungsarbeit, mit der er schon letztes Jahr begonnen hatte.

      Also packte er seine Siebensachen zusammen und verließ gegen Mittag das Haus. Ging mit einer wichtigen Miene den Boulevard entlang, denn er fühlte sich bereits wie ein Professor, der kurz davor war, eine unglaublich wichtige Entdeckung zu machen. Auf dem Weg in den Wald fiel ihm ein, dass es nicht dumm wäre, sich etwas Proviant anzueignen. Schließlich würde er wahrscheinlich wieder bis in die Abendstunden im Wald sitzen und dabei irgendwann hungrig werden. Also bog er ab Richtung Bäckerei, deren Vitrine mit süßen und deftigen Teilchen lockte.

      Als er sie betrat, verlor er sich jedoch ein wenig. Mit Fremden zu sprechen fiel ihm immernoch etwas schwer.

      "Ein- also ähm, ich hätte gerne eine..."

      Edgar sortierte schnell seine Gedanken, zwang sich, den Kopf zu heben und bog den Rücken grade.

      "Drei von denen, bitte."

      Mit dem Finger deutete er auf die Stücke, die ihm besonders gefielen, und war froh, als ihm diese zügig genug übergeben wurden. Er bezahlte, und lief mit einem gemurmelten 'Dankeschön' hastig aus dem Gebäude.

      Auf dem Weg wickelte er die Backwaren in ein Leinentuch ein und verstaute sie in seinem Rucksack. Den Wald erreichte er dann in kurzer Zeit.

      Wie Dolly auch we sagt hatte, er war leer. Edgar konnte keinen anderen Einwohner entdecken, worüber er nur froh war. Wenn niemand da war, würde ihn auch keiner bei seiner Arbeit stören.


      Schnell fand er die Stelle, die für ihn von Relevanz war, einen kleinen Fleck Erde umgeben von wenig Gras und feuchtem Boden. Ein beträchtlicher Ameisenhaufen ragte über die gebogenen Halme empor. Seine Bewohner krabbelten unermüdlich auf und ab, schenkten Edgar keine Beachtung. Der Hirschbock stellte seine Tasche ab, holte ein Notizbuch, einen Stift und ein Vergrößerungsglas hervor, durch welches er auf die Ameisen blickte. Als er niederkniete gelang die Regennasse Erde an seine Strümpfe und Schuhe, doch das war nur ein kleines Opfer im Namen der Wissenschaft.

      Er notierte:
      -Population scheint sich im Vergleich zum Vorjahr verringert zu haben. Migration?
      -Bei genauerer Betrachtung leichte Verfärbung am Unterleib der Insekten sichtbar


      Nachdem er sich nochmals umgeblickt hatte, fügte er hinzu:

      -Verminderter Wuchs von Pflanzen um den Ameisenhügel herum (verglichen mit dem Vorjahr)

      Aha. Nicht nur die Anzahl an Ameisen auf dieser Ebene ist gesunken, sondern auch die der Pflanzen. Aber warum? Und wie hing es zusammen? Und weshalb wirkte sich dies auf das Aussehen der Insekten aus?

      Mit dieser Frage beschäftigte Edgar sich intensiv, blätterte in den Nachschlagewerke rum, die er mitgebracht hatte, und verbrachte Stunden damit, die Umgebung zu untersuchen. Irgendwann meldete sich jedoch sein Magen, weshalb er beschloss, eine Pause einzulegen. Ein umgekippter, morscher Baumstamm erwies sich als recht komfortable Sitzmöglichkeit, und Edgar begann in aller Ruhe, sein Mittagessen zu vertilgen. Während er an den Teilchen knabberte und mit den Beinen wippte, stellte er im Kopf Theorien zu seiner neuen Entdeckung auf. Doch ein plötzliches Geräusch riss ihn prompt aus seinen Gedanken, ließ ihn aufschrecken, dass ihm das Gebäck aus der Hand fiel.

      Es kam von irgendwo aus dem Dickicht. Edgar konnte sich später nicht daran erinnern, wie es sich genau angehört hatte. Aber es war tief, es war langanhaltend und es ließ ihn erzittern bis ins Mark. Eine Mischung aus einem Heulen, Stöhnen und Ächzen...

      Ohren und Schweif des Rehbocks stellten sich auf, er selbst sprang vom Baumstamm und drehte sich um. Alles, was sich vor seinen Augen erstreckte, war der unendlich scheinenden Wald.

      Er wartete angespannt, fühlte sein Herz rasen. Blickte in die Richtung, in der er die Quelle des Geräusches vermutete, ging dabei ein wenig auf Abstand. Räusperte sich.

      "Verzeihung?"

      Keine Reaktion.

      "Ist jemand da?"

      Als Antwort blies ihm nur der kühle Wind entgegen, und mit i
      hm fuhr ein Schauer durch seine Knochen. Er hatte das Gefühl, dort drin, nur wenige Meter von ihm entfernt, lauerte etwas furchtbares. Wartete nur darauf, bis er ihm erneut den Rücken zuwandte. Beobachtete ihn aufmerksam mit scharfen Augen. Zwar konnte dies nicht möglich sein- wie oft war er schließlich schon an diesem Ort gewesen, und überhaupt, solche Dinge passierten einfach nicht. Nicht in Hawthorn Valley. Doch woher kam dann diese paralysierende Furcht? Warum zitterten seine Beine so sehr? Weshalb betitelte jede Faser seines Körpers ihn darum an, die Flucht zu ergreifen?

      Edgar befreite sich aus seiner Schockstarre. Er griff nach dem Rucksack, stopfte hastig jegliches Werkzeug und Bücher hinein und sprintete davon. Über dichtes Grün nasses Gras, geschwind zurück ins Dorf, auf die Straßen, unter die Leute. Als er sich endlich sicher fühlte, war er verschwitzt und völlig außer Atem. Er beschloss, sich in die kleine Bäckerei zu setzen, bis er etwas Kraft zurückerlangt hatte. Und in das zu verarbeiten, was soeben geschehen war.
      How bad me be?