~The dream of existence [Yasacura & Daisy]

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    • ~The dream of existence [Yasacura & Daisy]

      Für den mitternachtsgehauchten Schmetterling symbolisierte die von der Majorität der Schulpflichtigen als freizeitraubende und "Hierarchie geprägte" deklarierte Institution für Bildungsaufträge eine seit Jahren schmerzlich ersehnte Freiheit ganz trivialer Lebensweise. Innert einer solidarisch orientierten Kollektive, die ohne einen direkten interfamilär ausgebübten Überwachungsstaat funktionierte und sie überdies, trotz initialer Problematiken, perfekt zu integrieren gewusst hatte, lernte das junge Geschöpf ihr unscheinbares Dasein fast sogar zu genießen. Zwar wurde auch hier eine gewisse Verhaltensnorm gefordert, welche aber bei Weitem keine so repressive und development-beeinträchtigende Wirkung entfaltete wie bei ihrem Bruderschaftsregime. Sie liebte es einfach, sich an den Schönheiten des Lebens - ihrem Leben - außerhalb jeglichen verwandtschaftlichen Kontrollzwangs, erfreuen zu dürfen. Da halfen Masoto auch keine trügerischen, unter einem Tobsuchtanfall völlig irrationaler Sorge von ihr erzwungene Versprechungen. Sein eigens entwickeltes Sicherheitskonzept befand sich seit den neusten Entwicklungsdynamiken jenseits seines Wirk,- und Einflußbereichs. Und wie wollte er - hinsichtlich der fehlenden Kameras - auch nachweisen, mit wem sie sich traf, wann sie nach Hause kam, welche, in seiner abwertenden Auffassung "Modeentgleisung", sie sich widmete und wo sie sich zu biorhythmischen Unzeiten aufhielt? Richtig! Gar nicht. Deswegen erwies sich genau diese Sicherheitslücke als passabler Umstand für ihre ungestillte, enthusiastische Abenteuerlust. Dabei bezog sich Miyus naive Neugierde, um den subtilen Ursprung einer logischen Konsequenz zu umgehen, schlichtweg auf das Alltagsgeschehen. Zumindest repräsentierte die ungesunde Einstellung der Schwarzhaarigen, wie ein Tonus der ganz normalen Gesellschaft auszusehen hatte, ihr zunehmend nachteilig, argloses Gedankengut - denn die Unterwelt, in die sie nachts hinabzusteigen wagte, befand sich weit ennet eines humanen Grundsatz' und hätte dem normalen Verständnis der Mittelschicht mutmaßlich eine unter Fassungslosigkeit erschütterte Aversion entlockt. Dass die Haut der obsidianen Blüte manchmal vor blauen Flecken den Nachthimmel zu erhellen fürchtete, konnte Miyu tatsächlich nachweislich mit dem Selbstverteidigungstraining rechtfertigen - obschon sie noch immer das Misstrauen am Wahrheitsgehalt ihrer Rechtfertigungsstrategie oberhalb manch besorgter Iriden aufzuschimmern erkennen glaubte. Solange niemand würde unentwegt Nachforschungen anstellen, wollte sie sich auf ihre weibliche Intuition verlassen. Oder eher: Auf die über die Jahre teuer erstandene Beratungsresistenz. Wenngleich der Eintritt kostenfrei gewesen ist; so könne das unbedarfte Seelchen doch jederzeit mit ihrem Leben bezahlen. Aber welcher Narr würde seine unlängst errungene Freiheit adrenalinverzauberter Sinne gegen die Monotonieunumschränkter Sicherheit verhandeln wollen?
      Über die mohnblütenzarten Lippen der siebzehnjährigen huschte ein flüchtiges Lächeln, als sie ihren Blick halb gedankenverloren in die onyxgetauchten Seelengewässer Tsubaki's tauchen ließ. "Irgendwann werde ich dem Gefängnis in meinem Kopf entkommen... Und dann werde ich die Tür zu meinem Herzen öffnen und den Schlüssel wegwerfen, damit niemand mehr das Schloss verriegeln können wird." murmelte das zierliche Stimmchen des jungen Fräuleins wie aus einer weltfremden Trance heraus, während die filigranen Linien schneezarter Farbnuancen den Anschein erweckten, im Abyss wehmütiger Klarheit verloren gegangen zu sein. Seufzend schüttelte Miyu den Kopf. Eigentlich erwartete sie nicht mal eine Antwort darauf. Allenfalls war es eine unbewusste Floskel gewesen, die einem die Interpretationsvielfalt dafür nutzen ließ, sich ein (einvernehmliches) Ende, unabhängig von (un)bekannten Variablen, auszudenken, wofür es weder Blicke noch Worte brauchte. Selbst wenn es nur in der Neer resignierter Wunschvorstellung münden würde. Dennoch... Den Unterkiefer bereits einer leichten Distanz unterzogen, hielt der kirstallschwarzgesäte Falter plötzlich inne, noch bevor ihre Worte überhaupt im Kleide der Melodie hätten ertönen können, und begann mit einer Mischung aus Nervosität und Vergnügen zu lachen. "Du guckst wie ein abgeknicktes Blümchen, Tsubaki. (wie auch immer ein abgenicktes Blümchen dreinschaut, lel) Stimmt etwas nicht?" Nicht, dass sie nicht um die Reaktion ihrer Freundin - womöglich hatte diese ja nicht mal ihr gegolten - verwundert gewesen wäre, hätte sie bei einer solch kryptischen Aussage wohl nahezu identisch reagiert, doch innerlich ängstigte sie daran zu verzweifeln, von ihrer vorherigen, und vor allem unbedachten Plattitüde ablenken zu können, wo sie schließlich dazu erzogen wurde, stets auf ihr Wortwahl zu achten. "Jedenfalls bin ich dir sehr dankbar, dass du mir mit Englisch helfen möchtest. I mean I really hate that stupid language..." versuchte Miyu ihre Freundin - und vor allem sich selbst - auf ein anderes Thema zu fokussieren, ehe sie gänzlich wahnsinnig würde. Wahnsinnig, weil die fahle Angst, ihr Bruder könnte auf Grund ungeahnter Gegebenheiten schon wieder Zuhause eingetroffen sein, kalte Finger um ihre Fibrillen schließen ließ. Glücklicherweise verfehlte die Befürchtung der Siebzehnjährigen ihre Bestätigung, wie sie spürbar unsicher über die Türschwelle ins Haus huschte und absolute Stille vorfand. Masoto vertrug sich schlichtweg nicht mit ihrer Philosophie der Freiheit. Und der Fakt, dass sie jemand Unangemeldetes sein Imperium betreten ließ, führe bei ertappter Grenzüberschreitung sicherlich zu einem Monat Hausarrest, ein nachhaltiges Traumata Tsubaki's mit anschließender Therapie <--- wenn sie Glück hatte, und einem für sie - falls ebenso großzügig - Bewegungsradius von der Kinderstube bis ins Bad. Und laut ihrer Rechnung dürfte Maso aller frühestens in zwei, jedoch maximal 4 Stunden ihren Sinn für Autonomie abermals infrage stellen. "Du kannst deine Schuhe gerne hier vorne abstellen und schon mal in die Stube gehen. Ich hole nur noch kurz etwas zu trinken." zwinkerte Miyu der Brünette fast ein bisschen zu erleichtert entgegen und entschwand die Kellertreppe hinab. In diesem Moment vernahm sie, wie die Haustür aufglitt und ein nicht vollendetes "Ciao Rumpelkäppchen, sono a ca..-" die Winkel des Hauses zu durchringen ansetzte, bevor es am Grunde unheilvoller Atmosphäre, und damit auch Miyu's Lichtblick, zu erstarben schien.




      Das Beste am Job - der Feierabend, wie er ganz stumpfsinnig befand. Neben der Bezahlung, versteht sich. Wenngleich er auf Grund des Einkaufs immer noch dreißig Minuten später Zuhause eintraf, so war er dennoch dreieinhalb Stunden früher als ursprünglich kalkuliert Daheim - hatte ein Kollege seine "Freundlichkeit" bekundet, den frühmorgendlichen Asbest-Vorsorge Termin wegen "gesundheitlicher Probleme" abzusagen und ihm somit ein Vorziehen ermöglicht. Sein heute fast unheimlich anmutendes, ausgeglichenes Gemüt hatte sich die letzten Stunden besonders auf den restlich verbleibenden Tag gefreut, in dessen freie Zeit er sich um seine kleine Schwester kümmern, und sie auf ihr bevorstehendes Examen vorbereiten wollte. "Ciao Rumpelkäppchen, sono a ca...-" Doch noch während er über die Türschwelle trat, - diese nicht Mal gänzlich überwunden - hielt der junge Mann in seiner Bewegung inne, als wäre die Zeit innerhalb maskuliner Todeszone plötzlich vereist, und inspizierte mit aufzüngelnder Verdrossenheit das fremde Exemplar Schuhe, das sich so unverschämt am Eingang seines Platzes erdreistet hatte. "Miyu! Di chi sono queste scarpe!?" schallte es erzürnt, wie tiefe unsichtbare Kratzer unterschwelligen Kontrollverlusts, der die bittere Enttäuschung Miyu's Wortbruchs zu untermalen versuchte, aber schließlich doch nur in eiskalter Wut aufflammend endete, an den Wänden entlang. Wie hatte sie es wagen können, ohne Absprache, und noch dazu eine ausnahmelos unbekannte Person in sein Revier zu schleusen? Ganz langsam, nahezu bedrohlich ließ der Dunkelhaarige den Einkaufskorb sinken; und offenbarte eine lebendige Gänze schussbereiter, verbal brennender Pfeile, die die dahinterliegende Missbilligung Tsubaki's Anwesenheit unter einem tödlichen Funkeln, innert zweier winterstürmischer Iriden, zu unterstreichen vermochte. Glich das Wohnzimmer zuvor noch einer geborgenen, zweisamen Idylle, erweckte seine Präsenz plötzlich die Alarmbereitschaft, einem Ein-Mann-Rudel blutlechzender Panther gegenüberzustehen. "Wär bischt du?" knurrte Maso so abweisend, dass man seiner gutturalen Resonanz beinahe mörderische Tendenzen hätte nachsagen können, "Los, sprich deine Name!" schloss er fordernd anbei, - und wären die Worte des Enthemmungsspezialisten reell mit einer Eisschicht überzogen gewesen, hätte man das arme, völlig überrumpelte Geschöpf sicherlich mit einem Gefrierbrand der Stufe zwei ins Krankenhaus einliefern lassen müssen. Die Schritte des Mannes hatten zwischenzeitlich, unter einer kraftvoll, aber nicht weniger geschmeidig anmutenden Schrittfolge begonnen, die Distanz zur der jungen Frau aufzuschließen; wie sein Schatten sich langsam am Körper der zierlichen Rose zu erheben drohte, als würde er jedes einzelne Gliedmaß ihrer zarten Haut mit lichtbeschatteten Händen fühlen wollen, leise und lauernd, um ihre Angst tief in seinem dominanten Ego aufnehmen zu können, glich seine Gestalt einem manifestierten Omen der Ungnade. "Sparisci, prima che diventi cattiva, Bella Donna." verwehte sich der Temperatursturz splitternder Eiszapfen gefährlich nahe um ihre Ohrhärchen, ehe Masoto Tsubaki's Handgelenk grob zu umschließen, und und ihren Korpus grob in die Höhe zu zerren begann.


      @Daisy
    • Morimoto Tsubaki
      My god my heart beats faster
      And my mind is racing
      Could it be...
      Could it be, that you've come back to life...?

      Tsubaki hat die Anwesenheit ihrer neuen Klassenkameradin sehr schnell zu schätzen gelernt. Das mysteriöse Mädchen mit dem hübschen Gesicht ist gar wunderbar für die träumerische Japanerin. Immer wieder in den Momenten der Stille und dem Einklang, wandern ihre Gedanken fort. Normalerweise schwirren in ihrem Kopf oft die all die Erledigungen herum, die sie noch zu erledigen hatte. Die Wäsche, die sie noch raushängen musste. Einkaufen, da nun der Schlussverkauf gewesen ist. Essen für ihre Eltern musste hergerichtet werden. Immer, wenn sie nichts zu tu hatte, sah sie die Notwendigkeit, fast so etwas wie einen sanften Zwang, an die nächsten Verpflichtungen zu denken. Doch wenn sie bei Miyu gewesen ist und derzeitig nur bei ihr, fühlte sie die mächtige Güte einer Erlaubnis. Sie sah sich nicht gezwungen einem Gespräch zu folgen, genauso wenig wie eins aufrecht zu erhalten. Wenn sie ihr folgte, um ihr zu helfen, tat sie nicht nichts, sondern war auf dem Weg zu der unmittelbarsten Aufgabe, die sie erledigen durfte an diesem Tag. Warum also nicht dahin treiben?

      I know those eyes, following me
      Dark and familiar, and deep as the sea
      I know that face, strange though it seems
      Younger and kinder, it haunts all my dreams

      Sie sah sich selbst in einem wunderschönen Kleid auf einer Bühne, alle Scheinwerfer beleuchteten ihr Leid, ihre Pein und ihre Hoffnung. Eine große Gestalt, ein Mann ohne Gesicht, mehr ein Phantom oder eine Silhouette baute sich vor ihr auf. Die Musik wurde härter, gröber und ergriff ihr wimmerndes Herz und immer, wen sie die Stimme erhob mischten sich die sanften Klänge einer Harfe in diese Tragödie. Zwei Leben so unwiederbringlich miteinander verbunden und doch lagen diese Existenzen zerbrochen und zerstört voreinander und schrien nach dem anderen. Tsubakis Herz flatterte und wie von selbst fing sie an das Echo in ihrem Kopf im Takt ihrer Schritte widerzugeben. Sie-
      "Irgendwann werde ich dem Gefängnis in meinem Kopf entkommen... Und dann werde ich die Tür zu meinem Herzen öffnen und den Schlüssel wegwerfen, damit niemand mehr das Schloss verriegeln können wird.", riss Miyu sie poetisch, wie nicht zum ersten Mal aus ihren Träumereien. Die schwarz-haarige zuckte leicht zusammen, beinahe ein wenig ertappt und schaute zu ihrer Freundin herüber. Was sagte sie da? Sie brauchte einen Moment, um das Gesagte zu verarbeiten. Ihre Gedanken hielten sie gefangen wie ein Gefängnis und irgendwann wollte sie ausbrechen, um zu ihrem Herzen zu finden? War das... auch bei Tsubaki der Fall? Hat sie sich ihr Gefängnis so gemütlich eingerichtet, dass sie nicht mehr wahrnahm, dass sie sich selbst wegsperrte? Verschloss sie ihr Herz, indem sie lieber fremde Herzen miterlebte? Eine tiefe, kerbende Unsicherheit ergriff die junge Frau bei diesem Anstoß. Miyu hatte es sicherlich nicht auf sie bezogen. Nie und nimmer. Sie war lieblich in ihrer sonderbaren Art. Dennoch hatte sie mit diesen Worten ausgelöst, dass ihre Freundin sich fühlte wie festgeschnallt vor einem Richter. So viel tat sie für ihre Eltern, für ihre Freunde, sogar für ihre Lehrer. Doch am Ende des Tages; tat sie da irgendwas für sich selbst? Sie träumte von explosiven, wunderschönen und dramatischen Romanzen. Emotionen, die die Ewigkeit überdauern konnten. Doch wenn sie so darüber nachdachte, war das vielleicht ein leerer Wunsch dessen Erfüllung ihr so unmöglich schien, dass sie sich darauf ausruhen konnte?
      "Du guckst wie ein abgeknicktes Blümchen, Tsubaki. Stimmt etwas nicht?" Erneut fuhr die Dame zusammen und dieses Mal bildete sich vor Schreck sofort ein Lächeln auf ihren Lippen, das die Frage sogleich als nichtig beantworten wollte. "Oh, nein, ich... Entschuldige mir... ging nur eine Passage eines Liedes durch den Kopf und..." Sie räusperte sich und winkte ab. "Mach dir keine Sorgen." So hilfsbereit das junge Mädchen auch gewesen ist, von anderen nahm sie ungern Unterstützung an. Gleich welcher Natur. Dankbar nahm sie allerdings den Themenwechsel auf die dem Mädchen verhassten Fremdsprache an. Tsubaki lachte auf. "Come on. Give it a chance. It's not that bad." Sie schubste ihrer Freundin sanft gegen den Arm in der Manier, dass sie sich einen Ruck geben sollte, ehe sie beiden auch schon bei Miyus Heim ankamen.

      Ein großes und vor allem schönes Haus. Deutlich beeindruckender als das kleine Häuschen ihrer Eltern. Doch Tsubaki empfand keinen Neid. Im Gegenteil. Immer wieder, wenn sie daran dachte, dass sie viel Arbeit zu Hause hatte, sah sie die Villen ihrer Freunde und begriff wie machbar ihr Pensum doch gewesen ist. Wie von der Gastgeberin gewünscht stellte sie ordentlich ihre Schuhe zur Seite und ließ sich in ein geräumiges Wohnzimmer führen. "Alles klar, tue dir keine Hast an. Ich lauf nicht weg!", rief sie Miyu nach, ehe sie sich einfach ihrer japanischen Erziehung entsprechend aufrecht an den Couchtisch vor das Sofa kniete. Höflich war sie. Neugierig allerdings auch. Sie ließ es sich nicht nehmen den Blick ein wenig schweifen zu lassen. Das Haus war schön - überhaupt keine Frage. Und äußerst stilvoll eingerichtet. Es hatte etwas modernes. Allerdings damit verbunden wirkte es auch ein wenig steril. Dieses Zimmer wirkte nicht ständig bewohnt, wie es in ihrem Elternhaus der Fall gewesen ist. Tsubaki vermisste ein bisschen die Familienfotos an den Schränken, irgendwelche Souvenirs, die man nicht wegschmeißen wollte, Überbleibsel von Hobbies oder Interessen, die verstrichen sind, aber bereits genug dafür eingekauft wurde.
      Die Dame konnte auf eine große Terrasse blicken, erkannte aber keinen Grill oder vielleicht Liegestühle, um die Sonne zu genießen. Nicht selten lag das Mädchen sogar im Regen auf diesen Plätzen und sammelte Erinnerungen, die ihr irgendwann die Nostalgie in den Leib treiben werden. Alles das fehlte ihr hier. Irgendwie mangelt es Miyus zuhause an Familienleben? Schnell schüttelte sie den Kopf und klapste sich leicht auf die Wangen. Eine solche Wertung stand ihr nicht zu. Vielleicht war es hier einfach ein bisschen anders. Immerhin war Miyu selbst auch eine geheimnisvolle Schönheit. Wieso sollte ihre Familie das nicht ebenfalls sein? Eine Tür fiel zu und Tsubaki blickte auf, erwartete sie schließlich, dass ihre Freundin mit Getränken wiederkehrte. Doch stattdessen erschien ein fremder Mann im Türrahmen und er wirkte alles andere als erfreut darüber sie zu sehen. Er fuhr sie sogleich mit gebrochenem Japanisch an, verlangte ihren Namen zu wissen und ging sie sogleich wieder in einer Sprache an, die sie nicht verstand. Tsubaki keuchte erschrocken auf, als er einfach ihren Arm packte und stemmte sich automatisch entgegen von ihm. "Au...", murmelte sie, als sie versuchte sich aus seinem Griff rauszuziehen. Sie sah komplett verwirrt und mit einem deutlichen Ausdruck von Angst in ihren Augen zu diesem Menschen. Zuerst schoss ihr direkt in den Sinn, dass es sich um einen Einbrecher handeln könnte. Doch dann realisierte sie, dass er seine Schuhe ebenfalls ausgezogen haben schien und einen Rucksack bei sich hatte. War das Miyus Vater? "Miyu?", rief sie in die Richtung, in der das Mädchen verschwunden war. "Kommst du mal...? Ich weiß nicht ganz was los ist aber hier ist ein Mann und ich glaube er bricht mir gleich den Arm!"
    • "Let the globe, if nothing else, say this is true:
      that even as we grieved, we grew
      that even as we hurt, we hoped
      that even as we tired, we tried

      "Du guckst wie ein abgeknicktes Blümchen, Tsubaki. Stimmt etwas nicht?"
      "Oh, nein, ich... Entschuldige mir... ging nur eine Passage eines Liedes durch den Kopf und... Mach dir keine Sorgen."

      Mach dir keine Sorgen...
      Miyu hatte eine ganze Weile - zwar mochte sie gegenwärtig kaum dem Erscheinungsbild ihres Inneren gleichkommen, und vielleicht realisierte gerade dieser Umstand die häufigsten aller Gründe, weshalb sie kaum nach ihrem Befinden gefragt wurde, aber was hätte sie angesichts ihrer Lage, ohne ihren Bruder dadurch systematisch ins Verderben zu stürzen, auch sagen sollen? -, über Tsubaki's Reaktion nachgedacht. Das zarte Pflänzchen konnte nur schwer mit den sensiblen Gefühlen Anderer in einem der Verhaltensnorm entsprechenden moralischen Maßstäben balancieren; so schwer fiel es ihr, einerseits ein akzeptables, erfüllbares Zentrum für die Erwartung der gesellschaftlich anerkannte Umgangsform zu finden, wie auch für sie selbst eine verhältnismäßig wichtige Erfahrung zu erleben, wo der jungen Frau möglicherweise ein Ausbruch aus den Leitfäden brüderlicher Erziehungsmuster gelungen wäre. Dennoch, so verquer es auch erscheinen mochte, desto fester verankerte sich der Effekt umgekehrter Psychologie in ihrem verwirrten Gedankenfluss. Wenn man etwas nicht tun sollte - egal, auf welcher Basis das Verbot oder die Bitte beruhte - dann wollte man es doch gerade erst recht. Präzisierter: Man tat es möglicherweise umso gewissenhafter. Allerdings hatte Masoto eine seiner dominanten Belehrung wirklich in ihre Erziehung zu verfestigen gewusst: Man ließ es dabei bewenden, wenn der Gegenüber abwinkte. Warum eigentlich? Man tat es ganz einfach nicht. Logisch, wenn sie potentiell eskalierenden Streit mit ihrem Bruder (oder sonstigen Menschen) präventiv umgehen wollte. Aber bestand diese Grundfeste sozialer Muster auch gleichermaßen in der Außenwelt? Miyu hätte so gerne nachgefragt, schlussendlich war über die abendscheingehauchten Lippen des mitternachtsschwarzen Falters aber nichts weiter als ein leises, betrübtes Seufzen gehuscht. Tsubaki, das stets freundliche, ruhige Mädchen, das die Lehrer allem Anschein nach präferiert für soziale Dienste arrangierten, da sie durch ihre zuverlässige und bemühte Art eine perfekte Assistenz zu verkörpern brilliert, wurde von vielen geschätzt- ja sogar manchmal verehrt. Andererseits hatte Tsubi - zumindest bisweilen kaum mit ihr - über ihre Wünsche, Träume oder Sehnsüchte gesprochen. Manchmal glaubte Miyu, die autoritären Reaktionäre wie auch einige ihrer Mitschüler, empfanden Tsubi der Funktion eines Roboters gleich, von welchem man instinktiv zu erwarten schien, dass ihnen Gehorsam, und kein Widerspruch gezollt werden müsse. Miyus gegenwärtiges Resümee beruhte jedoch ganz allein auf ihrem Eindruck und gänzlich auszuschließen, dass diese Empfindung fälschlicherweise in einem Irrtum mündete, konnte sie natürlich nicht, obschon sie sich es eigentlich wünschte. Würde ihre Vermutung einen reellen Wahrheitsgehalt inne wahren, dann müsste das Leben Tsubaki's... ziemlich mühsam sein und allenfalls sogar irgendwo in einer Neer aus Einsamkeit gründen... Oder? Ach, nein, sie dachte wieder nur zu viel nach. Gen Ende könne sie mit ihrem Untalent zu helfen ohnehin wieder kaum weniger als ein bisschen mehr wie "Nichts" ausrichten. Also hatte Miyu die Aussage Tsubaki's schlussendlich fügsam mit einem Nicken quittiert. Das junge Ding wurde aus ihren wirren Gedanken gerissen, in denen sie sich vor lauter Grübelei fast verloren, und ferner ihre Rückkehr hinauf ins obere Geschoss vergessen hätte, als ihr zur Flucht alarmierter Gehörsinn ein verdächtiges - mehr noch: unheilvolles, das Selbstbewusstsein verblassenes Klicken im Haustürschloss vernehmen musste, das die fahlen, bleichen Finger der Angst tief in ihre starren Glieder zu treiben beherrschte. "Alles klar, tue dir keine Hast an. Ich lauf nicht weg!" Doch, bitte lauf; lauf ganz schnell weg...-
      Harsche, gletscherkalbende Worte, welche selbst die feurige Leidenschaft zweier melodischer pulsierender Liebesherzen zu gefrieren vermochte hätte, kratzten wie hungrige Krallen an den kühlen Betonwänden entlang und trieben der Schwarzhaarigen die Unfähigkeit jeglicher Intervention in die Fasern. "Miyu? Kommst du mal...? Ich weiß nicht ganz was los ist aber hier ist ein Mann und ich glaube er bricht mir gleich den Arm!"
      Die blitzartige Panik, deren Wirkung längst auf der falschen Grenze zu echter Verzweiflung herangewachsen war, ließ unsichtbare Ketten der Lähmung um ihre Beine sprießen; während der vertraute Klang einer liebevollen - seit jenem nebelverhangenem Tag fortgeweht, doch nie vergessenen Stimme - ihr zuflüsterte, dass sie den herannahenden Tobsuchtanfall ihres Bruder zum Schutze ihrer Freundin unweigerlich aufhalten müsse, bevor er seine fauststarke Argumentation hätte tatsächlich verwirklichen können. Aber sie hatte Angst; so viel Furcht, dass sie bangte, der schlafummantelten Wirkung stummer Ohnmacht verfallen zu müssen. Dann schüttelte Miyu die obsidiangetönten Kaskaden dunkler Zweifel aus ihrem Kopf und stürzte entschlossen die Treppe hinauf. Es war ihr egal, ob er sie nachträglich an die Heizung kettete, in den Keller oder ihr Zimmer sperrte, oder sie alsbald auf ein Internat schickte, doch keinesfalls dürfte Tsubi unter ihren Fehlern leiden.


      That we will forever be tied together, victorious.
      Not because we will never again know defeat,
      but because we will never again sow division"


      Die Mundwinkel des Mannes umspielte für ein schneeflockenzarter Augenblick das sanfte teuflische Lächeln eines Höllenfürsten, der sich im Licht seines Triumph bereits zu wähnen wog und intensivierte den Druck des Griffs nur noch umso vergnügter, je stärker sich das arme Geschöpf gegen ihn zu erwehren erdreistete. "Zwecklos, Belladonna. Isch möchte deine Name wissen, ora!" verlangte Masoto nochmals brüsk, während die herbststürmischen Iriden des schwarzen Panthers die Seelenspiegel der zierlichen Sprosse aufsuchten; um sich am Grunde jener verborgenen Geschichte ihrer Angst zu versichern, und - wollte man den Umstand sadistisch angehauchter Mundwinkel analytisch betrachten, hätte man es möglicherweise sogar ergänzend als eine Art verwerflichen Genuss zur Aufwertung des eigenen "Machtkonsums" werten können. Gewiss, ihm oblag keinerlei absichtliche Verwundung pfirsichfarbener Haut, noch ein gewollt herausfordertes Traumata unschuldigen Jungbluts, dennoch intendierte er mit der groben Behandlung fremder Besucher vor allem Miyu auf unkonventionelle, aber unleugbar masotoische Weise ihre Missachtung seiner aufgestellten Manier-Regelungen zu verdeutlichen. Seine Schwester würde nie wieder unangekündigt Freunde oder gar Fremde in sein Territorium eindringen lassen. Gut, mit dieser Ausgangsposition hätte er ihr Verhalten hoffentlich für alle Zeit zufriedenstellend berichtigt. "Maso! Hast du nicht mehr alle Pollen auf der Blüte, lass sofort Tsubaki los!" Nicht minder über den frechen, ihm Anweisung zu erteilen wollenden Tonfall erstaunt, löste Masoto den Griff aus einer graziösen, fast fließenden Bewegung heraus, nur um sich im derselbigen Schritt neben das spätpubertätierende, dem Herrschaftsverhältnis aufbegehrende Schwänchen zu gesellen und jene ins Schwanken geratene Rangordnung unverzüglich (s)einer disziplinären Maßnahme zu unterziehen. "Bada a come parli, signorina!" fauchte der deutlich Ältere gänzlich verständnislos, ehe er das zierliche Handgelenk seiner Schwester zu umschließen begann, die Siebzehnjährige unter einem missbilligenden, halb enttäuschten Knurren zu sich riss und eine verbale Salve gefrierbrandheißer Pfeile auf das eingeschüchterte Ding hinabstürzen ließ. "Miyu! Isch chabe dir verbote Leute einzuladen, und du tust disch darr'über chinwegsetzen! È un atteggiamento che non posso assolutamente tollerare!" "D-du tust mir weh, Masoto..." wimmerte das rußbestäubte Entlein zaghaft auf, hatte sie doch verstanden, vor allem jedoch aufgegeben, sich aus seinem erbarmungslosen Griff herauswinden zu können, respektive: zu wollen. Längst durfte sein Schwesterherz zu begreifen gewagt haben, dass ihre (nutzlose) Gegenwehr höchstens in einer verzögerten, wenngleich vielleicht mutigen Niederlage enden möge; denn es würde keinen realisierbaren Erfolg geben, der sich reell zu hoffen gelohnt hätte. "Mi dispiace..." hauchte sie leise - ihre Stimme kaum mehr als ein erstarbtes Flüstern - und blickte mit schier verzweifeltem Blick zu den Feuerglut lodernden Pupillen ihres Bruders hinauf, obgleich sie am liebsten dieses - darauf verließ sich Masoto sogar - unerträgliche Spannungsfeld zwischen Kontrollzwang und rabiater Maßregelung verlassen hätte. "Va bene." seufzte der Schwarzhaarige über eine derartige,- insbesondere aber leichtsinnige Unvernunft, löste die Finger um Miyu's inzwischen leicht gerötetes Handgelenk letztlich nur mehr kopfschüttelnd als wütend und beäugte die seiner Meinung nach noch immer Schutzbedürftige unter einem erleichtert anmutenden Seufzer, ehe Maso seine Aufmerksamkeit schließlich Tsubaki widmete. "So, du bischt also ihre Freundin, no?" spielte er der Anthrazithaarigen nach einigen Minuten inspizierender Körpersprachen-Musterung leicht misstrauische Worte zu, "Was wollte Miyu dir zeigen, und wieso bischt du über'aupt chier?" Masoto schien hinter der Stirn des jungen Pflänzchen auf so etwas wie Verständnis zu hoffen, und letztlich gehörte diese Art der Erwartung sogar zu einer seiner Grundvoraussetzungen, welche seine Gäste, bzw Freunde, - wenn er denn in den Genuss irgendeiner Zugehörigkeit gekommen wäre - zu erfüllen sowie sich unterzuordnen hatten. "Derzeit tuen viele Menschen auf ungeklärte Weise verschwind'n, eine negative Kriminalitätswandel scheinen im Umbruch zu sein. Miyu sollte das eigentlisch wissen." versuchte der Mann diesmal in ruhigem, sachlichen Ton zu erläutern, "Nondimeno, wissen deine Eltern, dass du 'ier bischt?" Zwar befand er die Ausstrahlung Tsuabki's nicht wirklich als Bedrohung, - der Auffassung seiner kleinen Schwester und ihrer Freundin nach zu urteilen, stellte er von allen Anwesenden möglicherweise ohnehin die größte Gefahr dar - dennoch mochte er nicht zu tolerieren fähig sein, dass sie seine Abwesenheit derart schamlos ausgenutzt hatte. Gerade dieser Vertrauensbruch erschütterte die jahrelange Grundfeste seiner eigenst erbauten Vertrauens,- und Kontrollbasis. Aber genauso wenig wollte er den Eindruck eines Monster hinterlassen. Jedenfalls nicht bei dem Ersten und Letzten Besucher seiner Räumlichkeiten. "Isch werde gleich Essen zubereiten. Du kannscht zum Essen bleibe, aber danach gehscht du bitte nach Hause. Wissen deine Eltern, dass du 'ier bischt?"

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Yasacura ()