Rise & Fall [Attari & SunWukongIV]

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    • Rise & Fall [Attari & SunWukongIV]

      Vorstellung: Rise & Fall [Attari & SunWukongIV]
      Schreiber:
      @Attari
      @SunWukongIV

      Die Geschichte beginnt ...

      Die Kaiserstadt war eigentlich zwei Städte, eine kleinere befestigte Stadt voller Luxus und Bürokratie, dessen einziger Zweck es war den Bedürfnissen einer Familie nachzugehen, umgeben von einer größeren lebhaften Metropole voller Händler, Handwerker und allem was das Leben so brauchte. Fellian hatte bisher noch keine Stadt gesehen, welche mit der Größe dieses Ortes mitziehen konnte oder der Vielzahl an Waren aus aller Welt. Doch selbst an einem Ort wie diesem erregte es Aufsehen wenn ein bekannter Pirat mit seiner Mannschaft einmarschierte und an der inneren Mauer Einlass verlangte.
      Da die Kaiserstadt keinen eigenen Hafen besaß, hatte Fellian sein Schiff an einem vier Meilen entfernten Binnenhafen angelegt und war dann mit einem ausgewählten Teil seiner Crew hierher marschiert, stets unter dem besorgten Blick der einfachen Bürger und Stadtwachen, nicht dass ihn dies sonderlich interessierte aber es war dennoch merklich und das Gesicht des kaiserlichen Gardisten am Tor war besonders unterhaltsam, zeigte es doch eine Mischung aus Verwirrung, Angst und Wut als sich Fellian vor ihm aufbaute.
      "Öffne das Tor Soldat, dein Kaiser hat nach mir verlangt und ich war so großzügig zu kommen also müssen wir dort hinein!", warf der Pirat dem Soldaten gelassen entgegen, wobei er gleichzeitig den brief mit dem kaiserlichen Siegel vorzeigte, welcher ihn erreicht hatte, denn sein Wort alleine würde ihn wohl nicht gewaltlos hier hinein bringen.
      "Öffnet das Tor!", rief die Wache zu einem Turm hinauf und kurz darauf setzen sich die schweren, stahlbeschlagenen Tore in Bewegung, gezogen von Eisenketten. Offensichtlich war dies kein häufiges Geschehen, denn die Schaulustigen, welche zuvor Fellian und seine Mannschaft beäugt hatten, wechselten nun vollständig ihren Fokus auf das Tor. Als es sich dann vollständig geöffnet hatte stand dort bereits ein schmächtiger Mann mittleren Alters in einer langen Robe, welcher sich leicht verbäugte.
      "Willkommen. Der Kaiser erwartet euch bereits, folgt mir damit wir euch vorbereiten können auf das Treffen und ihr eure Sachen dort ablegen könnt.", erklärte der Mann bevor er kehrt machte und losging, was Fellian dazu veranlasste ihm erstmal zu folgen.

      Der berobte Mann, welcher wohl eine Art Hofbeamter oder ähnliches zu sein schien hatte Fellian und seine Leute in ein prunkvolles Gebäude geführt, eine Art Halle gefüllt mit einem Stühlen und Tischen, sowie mehr als genug Erfrischungen und essbaren Kleinigkeiten fü alle. Es dauerte nur einen Moment bis es sich alle bequem gemacht hatten, Piraten waren gut darin sich schnell zuhause zu fühlen, insbesondere an so einem Ort. Dem Beamten jedoch war es nun ein Anliegen sich an Fellian direkt zu wenden und er begann mit einer Erklärung, "Wenn ihr vor den Kaiser tretet so werdet ihr euch zuerst Verbeugen und euch erst wieder erheben, wenn dieser es gestattet. Sprecht erst wenn ihr angesprochen werdet und natürlich versteht es sich von selbst, dass ihr keine Waffen oder Rüstung vor dem Kaiser tragt, da ihr nicht Teil seines Armeestabs oder seiner Garde seit!"
      Fellian verdrehte die Augen und verschränkte die Arme, "Dein Herr bestellt mich her und ich soll mich an all diese Regeln halten, ich denke nicht das mir das gefällt, besonders eine Trennung von meinen Waffen. Vielleicht sollte ich einfach wieder gehen, wichtig war es bestimmt nicht."
      Kalter Zorn war in den Augen des Beamten zu sehen, "Seine Majestät der Kaiser erlaubt euch eine Audienz, eine Ehre die nur wenige erhalten, also werdet ihr euch an die Regeln halten oder die garde wirft euch vor das Tor!"
      Da er zu neugierig war entschied sich Fellian keine weiteren Wiederworte mehr von sich zu geben und entgurtete seine Schwerter, welche er zusammen mit seinem Krakenhelm an seinen ersten Offizier weiter gab, welcher Sie mit einem Nicken entgegen nahm, "Bringt mich zu dem Kaiser."
      "Folgt mir Pirat.", kam es abfällig von dem Mann, "Ihr werdet im Vorraum warten bis die anderen Personen eintreffen, dann werdet ihr die Audienz gemeinsam beginnen."
      Fellian knackte kurz mit seinen Fäusten, dann ging er dem Mann hinterher, hoffentlich würde er nicht lange warten müssen und es würde eine kurze Audienz werden, vorzugsweise eine aus der er auch noch einen eigenen Vorteil ziehen konnte, damit er den Weg nicht umsonst gesegelt war.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Über die Steppen hinweg zog ein kalter Wind, eines der wenigen Zeichen für den nahenden Winter auf den Weiten der Madan-Ebene. Das Land war ganz jährlich von gemäßigten Temperaturen bis hin zu eisigen Graden geprägt. Es bot sich kein angenehmes Bild, verließ man die Stadt Khor Mahi, und machte sich auf in die kargen Steinwüsten und mageren Steppen.
      Der Himmel an jenem Tag war ein dunkler. Tief graue Wolken hingen über der Landschaft und verschluckten die Spitzen des Hillazgebirges im Westen. Sein Blick wanderte über jenes Bild… Das Leben war verschloschen. Wo im Frühjahr unzählige Blüten und weites Grün die Felder schmückten, sah sich nun nicht mehr als ein verdorrter Halm. In wenigen Wochen würde alles vereist sein. Reisen in jener Zeit war unmöglich. Die Nomaden der Tuva schlugen ihre Winterlager auf und machten sich auf einen gnadenlosen Winter gefasst. Einzig in Khor Mahi wurde das Leben fortgesetzt… Hier blüten die neuerfundenen Taditionen der Nomaden auf und auch wenn der Handel eher karg ausfiel, so erfreute sich doch jede gestrandete Seele dem bunten Treiben.
      Unter der grauen Wolkendecke zogen zwei kleine Schatten ihre Kreise mit dem aufkommenden Wind. Ihre Schreie in der Ferne verhallend, vermochte nur geschultes Ohr jene zu verstehen. Die beiden Falken flogen ihrem Herrn nach… Nun schon eine Weile bewegte sich eine einzelne Gestalt über die trockenen Böden der Steppe hinweg. Mal langsam und bedacht wie am heutigen Tag und mal schnell. Immer dem hellsten Stern nach gen Norden - Wo die Hauptstadt des Kaiserreiches lag!
      Die Klauen seines Reittieres fanden guten Halt auf den Böden, setzte es langsam eines der Beine vor das nächste. Die vermummten Gestalt auf dem Rücken jener ließen die Blicke schweifen. Die Zügel lagen locker am Halse des Tieres, er hatte es naht nötig sein Tier mit diesen zu lenken. Eine seid Generation betriebene Praxis…
      Er war auf dem Rücken dieser Kreaturen aufgewachsen. Ihr Vertrauen stärker als das so mancher Geschwister. Es gehorchte wie ein eigenes Körperteil, ganz so als seien sie durch ihre Gedanken verbunden.
      Ein neuer Wind kam auf, hob die Partikel der Wüste auf und trug sie auf die Gestalt zu. Er hob dem Winde entgegen die Hand zum Mund, einen lauten Pfiff erklingen lassend. Die Antwort ertönte in der Ferne… die Falken kreischten, zur Antwort gebend, dass sie zurück kamen… Wildes flattern ertönte in seinen Ohren, bevor sich das Gewicht auf seinen Schultern niederließ. Zu seiner linken Azrael, ein aufgeweckter Vogel welchen ihm einst sein Onkel geschenkt hatte. Auf der rechten Schulter hatte Surushi Platz genommen. Einst der treue Begleiter seiner Meisterin. Nun nach ihrem ableben nur noch dem Schüler treu.
      „ Ich wünschte ich könnte fliegen, mich erheben wie ein Vogel… hoch hinauf in die Lüfte… Die Winde würden mich tragen weit hinfort…“, summte er und warf einen Blick auf die rechte Schulter. Der Vogel begann zu krächzen, als wollene den Gesang der Ballade begleiten. Ein heiteres Lachen entfuhr ihm, ehe er selbst wieder einsetze
      „… Und wie ich würde fliegen, über endlose weiten, so wäre ich nicht länger gebunden an kalten Boden. Neue Sichten würd ich erlangen…“ , fuhr er mit seiner wachen Stimme fort. Auch Azrael begann zu krächzen.
      „… Ach wäre ich nicht gebunden, hätte ich meine Schwingen. Doch mehr als ein feiner Traum, welcher wie im Winde verweht, wird mein Wunsch doch niemals sein...“, die Klarheit seiner Worte verlor sich letztlich in einem summen. Er genoss die Reise, auch wenn er sein Ziel nicht herbeisehnte…
      Die Himmelsstadt und Sitz der kaiserlichen Dynastie von Kavash. Vor 300 Jahren schon hatte der Kaiser nach den grausamsten Verbrechern schicken lassen… Die einfallenden Dämonen auf zu halten war ihre Aufgabe.
      Alwaid Palla‘hayz war einer von ihnen gewesen. Der gefürchtete Anführer der geeinten Tuva-Stämme. In Monaten drang er bis an die Mauern der Grenzstadt Peshawar vor - Wäre jene gefallen, hätte es nichts mehr zwischen ihm und der Hauptstadt gegeben. Doch Alwaid wurde an den Hof bestellt und seine bedrohende Armee sollte das Reich retten und es nicht noch weiter in die Enge treiben.
      Peshawar lag nun schon seid Tagen hinter seinem Rücken. Die dürren Landschaften hatten sich in reiche Felder und grüne Wälder gewandelt. Gleich den überlieferten Erzählungen der Soldaten, welche Alwaid begleitet hatten. Sein Blick wanderte nun häufiger hin und her. Seine Falken entsendete er sich ein genaueres Bild zu machen, Flussläufe und Dörfer sollten sie ihm melden, so wie sie es sonst mit seiner Jagdbeute taten.
      Seinen Madan hielt er inzwischen am kurzen Zügel. Das Tier war aufgeregt und wann immer ein anderes Lebewesen ihren Weg kreuzte, wurde es intensiver. Inzwischen war er die Blicke der Wegekreuzer gewöhnt. Sie starrten - mancher mit Verwunderung und anderer mit Angst. Wesen wie Madane gab es hier nicht. Im Kaiserreich präferierten man Nutztiere, die pflegeleichter waren… leichter zu kontrollieren und leichter aufzuziehen.
      Als es auf die Hauptstadt zu ging, verhielt sich das gefiederte Geschöpf wesentlich ruhiger. Seine Sinne hatten sich inzwischen an die Neuen Eindrücke gewöhnt. Im Trab trotteten sie auf das erste Tor zu…
      Die Wachen hier waren erstaunt über den Madan, jedoch hielten sie sich nicht lange damit auf. Durch die ersten Tore mussten allerhand seltsame Gestalten in die Hauptstadt kommen. Den hinter jenen tummelten sich Menschen aus allen Ecken des Kaiserreiches. Händler und Handwerker… Wachsam ließ der Reiter seinen Blick über die Menschen gleiten, welche ihm automatisch auswichen. Immer wieder glitt der ein oder andere zu Seite, den Blick auf dem Madan lassen. Der gefiederte A‘Himar blieb ruhig, trottete gemütlich gen Zentrum, wo der Kaiser residierte…
      Die Wachen vor dem befestigten Tor rissen ihre Augen auf, als A‘Himar sich nährte. Ohne ein Geräusch des Reiters hielt die mächtige Kreatur vor den Wachen an, während einer der Falken sich schon auf die Schulter des Reiters setzte, flog der zweite über die Mauer hinweg… Noch immer von dem Geschöpf, welches man sonst nur im Zirkus sah oder auf Gemälden bewundern konnte, im Bann gehalten, brauchten die Wachen länger um den hervor genommenen Brief mit dem kaiserlichen Siegel in der Hand des Reiters zu entdecken. Sie warfen ihren Kopf hinauf und riefen: „Öffnet das Tor!“ Ohne ein Wort gesprochen zu haben, setzte sich das Tier mitsamt seines Reiters in Bewegung und zog an den Wachen vorbei. Hinter ihnen fiel das Tor wieder zu, was die Gefährten allerdings kalt ließ. In der Ferne tauchte eine in feine Roben gehüllte Gestalt auf. Scheinbar aus der Puste und überrascht über die Ankunft des Reiters. Der Mann mittleren Alters hielt inne und nahm eine argwöhnische Pose am Rande der ersten Treppen an. Mit strengem Blick musterte er den Reiter und seine Kreatur, welcher auch diesem den kaiserlichen Brief vorzeigte.
      „ Seid Ihr etwa allein gekommen?!“, rief er aus.
      Der Reiter nickte stumm. „ Ich komme meinen Klan auf Geheiß des Patriarchen am kaiserlichen Hofe zu vertreten!“, sprach er mit fester Stimme, ehe er den Schleier von seinem Gesicht nahm und jene dem berobten Mann offenbarte. Er war ein junger Mann der Tuva. Wie in den Schriften beschrieben war sein Teint dunkler, sein Gesicht von anmutsvollen Zügen, die kein Mensch in der Hauptstadt besäße. Von dichten schwarzen Wimpern umrahmt stachen dem Mann die goldbraunen Augen ins Gesicht. Von der Sonne angestrahlten wirken sie wie Feuer, ähnlich eindringlich wie jene des Falken, welcher auf deiner Schulter saß.
      So wurde auch einst Alwaid Palla‘hayz in den Memoiren des Kaisers beschrieben. Ein stechender Blick und berechnetes Auftreten waren das einzige, was ihn als Kriegsherren kennzeichnete. Er soll seltsam klein, gar von femininer Statur gewesen sein…
      „ Mein Name ist Etamin Palla‘hayz!“, fügte der junge Mann vom Rücken seines Gefährten aus an. Jenes Geschöpf schnaubte, ehe es einen leichten Druck auf der Flanke als Zeichen wahr nahm die endlosen Stufen hinauf zum Palast zu erklimmen. Mit einem Satz überwand A‘Himar die ersten, bis hin zum Podest, auf welchem der Mann in Robe stand.
      Etamins Blick lag noch immer auf ihm, abwartend ob jener die Führung übernehmen wollte oder noch weiter den Fremden anstarren wollte.
      Schließlich fasste er sich. „ Folgen sie mir!“ Bis er vor den Türen eines Gebäudes anhielt, verlor er kein Wort darüber, dass Etamin A‘Himars Rücken zu verlassen hatte. Erst dort räusperte er sich und weiß ihn mit einem Nicken an seinen Gefährten hier zurück zu lassen. Mit misstrauischem Blick schwang der Reiter sich von seinem Tier. Sicher neben diesem auf seinen Beinen landend. A‘Himar die Hand auf den Hals legend, schritt er an dem Madan vorbei auf den Mann in Robe zu. Hinter ihm ließ die mächtige Kreatur sich auf den Boden sinken, andeutend nur hier auf seinen Herrn zu warten!
      Sichtlich unglücklich über diesen Umstand erhob der Mann die Stimme. Ein schriller Ton der Zurechtweisung: „ Entfernen Sie dieses Ungetüm sofort aus dem Blick seiner Majestät!“ Etamins Blick wanderte hinauf zum Hauptgebäude des Palastes. Ein rotes Symbol der absoluten Macht über Kavash… Er blickte den Mann vor sich an. „ Tuk-Tuk!“, schnalzte er schließlich und drehte sich weiter zur Türe, die direkte Bahn zwischen A‘Himar und dem Beamten freigebend. Der Madan hatte sich erhoben und ein paar Schritte getätigt. Sein Maul klappte auf, ehe ein helles kreischen jenes verließ. A’Himar hielt den Ton Sekunden lang, mit allen Augen den Beamten fixierend. Der Mann in Robe machte sich instinktiv klein und obwohl er zögerte - wohl um den Anstand zu wahren - hielt er sich letztlich die Ohren zu.
      A‘Himar verstummte wieder, ließ den Mann allerdings fixiert. Etamin drehte sich zurück und blickte beide an. „ Ich denke nicht, dass der Anblick A‘Himars den Kaiser stören würde… Wenn er spricht, wäre ich mir da allerdings nicht mehr so sicher…?!“ Etamin grinste leicht.
      Der Beamte gab sich geschlagen. Mit lediglich einem Nicken genehmigte er die Anwesenheit letztlich. Er richtete seine Kleidung und stolzierte zur Tür. Er musste glauben, dass Etamin wieder Respekt vor ihm haben würde, wenn er sich so verhielt. Die Nase hoch gezogen, öffnete er die Türen und ließ den Reiter und Surushi auf dessen Schulter eintreten. Ruhigen Schrittes folgten jene ihm, ihre Blicke über die reich bemalten Wände wandern lassend. Szenen einer Mythologie, mit welcher Etamin nicht vertraut war, schmückten jene. Eindrucksvolle Bilder von skurrilen Kreaturen und bizarren Gestalten.
      Der Mann in Robe öffnete eine Türe und ließ den Tuva eintreten. Etamin sah sich in dem unnötig großen Raum nur kurz um. Ein reich gedeckter Tisch voller Speisen und Getränke lud sich zum setzen ein. Jedoch folgte er jener unausgesprochenen Einladung nicht. Surushi war der einzige, welchen das Essen anlockte. Mit kräftigen Schlägen hob der Vogel ab und machte sich über die gerichteten Speisen her.
      Die Robe verlor erneut kurz die Fassung, als er beobachten musste, wie der Vogel über die Platten und Dekorationen stolzierte und nach dem feinsten Bissen Ausschau hielt. Er schüttelte seinen Kopf und wandte sich an Etamin.
      „ Legt eure Waffen hier ab! In der Gegenwart seiner Majestät des Kaisers ist es niemandem erlaubt eine Waffe zu führen, die seinen Heiligen Körper verletzen könnte!“, er klang sichtlich kontrollierter las zu vor. Wortlos nickte Etamin. Er legte Bogen und Pfeile ab, sowie die offensichtlichen Messer, welche er mit sich führte. Im Moment trug er nicht seine gesamte Ausrüstung bei sich, weshalb wohl nichts darauf hindeutete, dass er diverse schnelle Zauber auf den Armen mit sich führte - und somit ein Magier war.
      Etamin ließ sich von dem Mann umrunden, ehe jener nickte. „ Ich werde euch nun zur Audienz geleiten!“ Bevor er sich in Bewegung setzte, pfiff Etamin seinen Vogel zu sich. Doch anstelle auf seiner Schulter Platz zu nehmen, flog Surushi über ihre Köpfe hinweg in den Flur hinein. Die beiden Männer folgten im gemäßigtem Gang.
      Ihre Schritte kamen vor einer weiteren Tür zum Halt. Hier wurde Etamin gebeten zu warten. Der Mann in Robe ließ den Mann mit Vogel auf der Schulter eintreten. In jenem Raum wartete schon jemand. Ein weiterer Mann, dessen Alter Etamin nicht einzuschätzen vermochte. Die Gesichter außerhalb der Tuva waren ihm fremd und machten eine Einschätzung für ungeschulte Augen schwer. Ebenso wie die meisten der Tuva für jene Menschen gleich aussahen…
      Ein leichtes Nicken zur Begrüßung, nahm Etamin in höflichem Abstand Platz. Seine Aufmerksamkeit galt Surushi auf seiner Schulter, welcher seinen Blick nicht Bond dem Fremden ließ. Der Tuva kraulte den Vogel etwas, völlige Ruhe und Gelassenheit ausstrahlend.
    • Fellian musste nicht lanage warten, kaum zehn Minuten vergingen bis ein weiterer Beamter kam und durch eine Tür einen jungen Mann mit einem Falken hinein führte. Der Fremde hatte dunkle Haut und einige Tätowierungen, dessen Bedeutung der Pirat nicht kannte, und er wirkte an diesem Ort genauso so Fehl am Platz wie Fellian selbst. Einen Moment des Nachdenkens später hatte sich in ihm die Vermutung breit gemacht, dass der Fremde wohl ein Tuva oder ähnliches war, denn dies würde sein Aussehen erklären und warum er hier war, warum Sie beide gemeinsam hier waren.
      "Ich bin Fell ...", weiter kam er mit seiner Vorstellung nicht, denn die große Flügeltür im Raum wurde aufgestoßen und ein Mann in einer reich verzierten schweren Rüstung und mit einem weitem roten Umhang trat herein zu ihnen und ergriff sofort das Wort.
      "Ich bin Crassus, General der ersten Armee und persönlicher Berater seiner Majestät des Kaisers! Folgt mir.", der Befehlston des Mannes lies klar durchklingen, dass er es nicht gewohnt war eine Ansage zweimal zu machen und schulterzuckend setzte Fellian dazu an ihm zu folgen.

      Der General führte Sie durch einen langen Gang gesäumt von Säulen aus hellem Marmor und behangen mit purpurnen Bannern, welche das kaiserliche Siegel in verschiedenen Varianten zeigten. Jede der Säulen wurde von einem Gardisten bewacht, der in Prunkrüstung und mit einer Hellebarde ausgerüstet nahezu regungslos darstand. Fellian musste sich ein Lachen vermeiden wenn er daran dachte, dass diese Männer im prinzip einen leeren Gang und Steinsäulen bewachten, als ob jemand Interesse daran hätte diese anzugreifen. Am Ende des Ganges schwang die Flügeltür auf als Sie sich näherten und gaben jedoch den Blick in den gewaltigen Thronraum frei.
      Gewaltige bahnen aus Seide hüllten jede Wand ein und wehten sacht in einem luftzug, was dem Raum etwas unwirkliches verlieh, während eine ganze Kompanie Wachen sich reium vor eben diesen platziert hatte und ebenso regunslos da standen wie ihre Kameraden im Gang davor, doch das wahrhaft große im raum war der Thron. Er stand auf einem zwei Meter hohen Steinpodest zu dem ringsherum Stufen heraufführten und wahr augenscheinlich aus teurem Holz, Gold und anderen Edelmetallen gefertigt, zwei mannshohe Löwenstatuen aus Gold mit Augen aus feuerroten Edelsteinen flankierten den Thron auf dem ein alternder Mann mit langem gepflegtem Bart und teuerster Kleidung saß, eine einfache schmuckvolle Krone auf seinem Haupt. Wenn es Fenster im raum gab, so wurden diese von den Seidenbahnen verdeckt, doch ein dutzend Kronleuchter beleuchteten den hohen Raum zusammen mit zwei Feuerschalen, welche rauchlos vor sich hinbrannten, möglicherweise durch Zauberei.
      Außer ihnen, dem Kaiser und seinen Gardisten gab es im Raum noch eine Horde bereitstehender Bediensteter, sowie einen berobten Mann und eine Frau, welche vor den Feuerschalen hockten mit einem halter von Schriftrollen und Kalligrafischen Utensielien vor sich, welche fein säuberlich bereitlagen und in einer Ordnung, die sich wohl jedem entzog, der Sie nicht gestaltet hatte. Zuerst dachte Fellian, hier Hofschreiber zu sehen, doch dann vermutete er weiter, dass die beiden sicherlich auch die Hofmagier sein konnten, welche hier bereitsaßen um jene Bedrohungen zu unterbinden, gegen die die Gardisten nichts ausrichten konnten.
      Nach nur wenigen metern in dem Raum lief General Crassus verbäugt weiter bis er vor den Stufen des Throns angekommen war und dort neiderkniete, den Blick auf den Boden gerichtet. Fellian folgte ihm, machte aber keine Anstalten sich zu verbäugen sondern marschierte einfach gerade drauf los, den Blick auf den Kaiser gerichtet, bis er kurz hinter Crassus zum Stehen kam. Es war nciht nötig sich umzusehen um sich klar zu machen, wie wohl die übrigen Umstehenden reagierten und im Moment war Fellians Blick ohnehin direkt auf den Kaiser gerichtet.

      "Erhebt euch!", verkündete der Kaiser als Sie alle drei vor dem Thron angekommen waren. Der Blick des Herrschers zeigte keinerlei Regung auf das Schauspiel seiner Gäste, stattdessen begann er zu sprechen, "Vor langer Zeit brachte die Führung meines Vorfahren fünf Leute dazu besser zu werden und das Reich zu retten, heute haben nur zwei ihrer Nachfahren es für nötig befunden meinem Ruf zu folgen, doch der Eid ist noch nicht erfüllt."
      Es folgte eine Augenblick der Stille, dann hallte seine Stimmer wieder vom Thron zu ihnen hinab, "Eure Vorfahren waren Verbrecher, Feinde des Kaiserhauses und der Bewohner dieses Reiches, doch die Vernichtung der Dämonen gab ihnen Rehabilitation und einen Preis. Die Dämonen jedoch sind nicht vernichtet, Sie kommen zurück und ich verlange von euch den Schwur eurer Ahnen zu erfüllen!"
      Fellian hatte verschiedene Ideen ob des Briefes gehabt, welcher ihn hierher geholt hatte, doch eine Rückkehr der Dämonen, dieser Wesen aus Legenden, hatte er nicht erwartet. Er kannte nur Geschichten, verzerrt durch die vergangene Zeit und er war sich nicht sicher was er von der Situation halten sollte, dennoch lies er sich keine Unsicherheit ansehen und fokussierte sich erst einmal auf den Moment.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Alte Schriften beschrieben die nomadischen Stämme der Tuva als grausames und barbarisches Volk. Von Jenseits der Hillaz-Gebirge stammend, unterschieden sie sich grundlegend von den Menschen aus dem Kaiserreich. Ihre Kultur, ihre Sprache…
      Der Gelehrte Gaius Nemeriamus beschrieb einst den Einfall Alwaid Palla‘hayz‘ und seiner Armee in die kleine Stadt Arkuts vor Peshawar mit folgenden Worten:
      „ Gleich dem unvorhergesehenen Platzregen an einem lieblichen Tage im Sommermonat, fielen sie ein. Geschützt durch die Dämmerung hörte niemand sie kommen… Wo doch der Boden eigentlich durch die Klauen ihrer Ungeheuer erbeben müsste. Und schon als unsere Augen den Schrecken erblickten, regnete es unzählige Pfeile auf uns hinab…“
      Der Beamte, welcher Etamin Palla‘hayz durch die Gänge des Palastes führte war vertraut mit jenen Schriften und Erzählungen von vor 300 Jahren. Als ihm die Aufgabe überstellt wurde die Tuva, welche dem Geheiß des Kaisers Folge leisteten, in Empfang zu nehmen, sah er sich in der Pflicht einiges über dieses Volk zu lernen…
      An den Wänden, welche sie passierten waren Teppiche aufgehängt, anstelle der reichen Malereien. Hier prunkten keine mythischen Gestalten und Szenen aus Legenden, sondern historisch anmutende Bildnisse. Darstellungen von einfallenden Dämonen und den Siegen der Armee über jene. Nachbildungen der Ereignisse von vor 300 Jahren. Ein wachsamer Blich wanderte über die diversen Szenen. Von Soldaten des Kaiserreichs, welche Lanze und Schwert im Feinde begruben, bis hin zu Bildern jener alten Helden. Der 5 Verbrecher, welche der Kaiser an seinen Hof beordert hatte. Etamin kannte sich zwar nicht mit der genössischen Kunst aus, war sich aber sicher, dass diese Bildnisse kaum der Wahrheit entsprechen könnten. Es sollten Zeugnisse sein, dass der Kaiser nicht nur die Dämonen, sondern auch die 5 Helden unterworfen hatte. Eine Verhöhnung der Wahrheit…
      Der Vorraum hingegen war von schlichter Gestalt. Die Wände lediglich mit einfachen Mustern aus Schwarz und Gold verziert. Der Blick des Jungen Tuva war schnell fertig und seine Aufmerksamkeit galt dem Vogel auf seiner Schulter. Sein Gegenüber war im Moment noch nicht von Interesse. Gesprochenes Wort des Mannes ging im Kreischen des Falken und im knarzen der Türe unter.
      Etamins Hand sank von der Kehle des Vogels zurück in den Schoß. Drei paar Augen fixierten den Eingetretenen - zwei davon Golden wie die morgendliche Sonne. Der Mann trug eine reich verzierte Rüstung und einen rötlichen Umhang. Seine kleidung sprach mehr von Protz und Luxus als von tatsächlichem Nutzen. Pures Imponiergehabe - wie ein Madan, welcher in der Paarungszeit das schönste Federkleid trug, nur um sich zu beweisen.
      „ Hey! Ich kann es mir leisten diesen unnötigen Prunk zu besitzen!“ Einen Madan allerdings könnte Etamin einschätzen. Bei dem Mann vor sich war er sich nicht sicher. Konnte er dieser Rüstung gerecht werden, oder war es nur Gehabe?
      "Ich bin Crassus, General der ersten Armee und persönlicher Berater seiner Majestät des Kaisers! Folgt mir."
      Seine Stimme erklang im gleichen Ton wie die Knappen Operationsbefehle eines Tuva-Kommandanten. Etamin erhob sich wortlos und setzte sich ohne eine Reaktion zu zeigen in Bewegung.
      Elaborierte Bildnisse der Mythologie und Geschichte des Kaiserreichs wichen einem hellen Marmor und Bannern voller Symbole der Dynastie. Der Gang war lang, jede der weißen Säulen gesäumt mit einem schmückenden Gardisten. Erneut mehr Show als tatsächliche Funktionalität. Die Hellebarde als Hauptwaffe für einen solchen Gang zu wählen kam dem Tuva wie eine törichte Entscheidung vor. Ganz so als würde niemand erwarten, dass diese Gardisten eines Tages mal Gebrauch von ihren Waffen machen müssten. Wo ein anderer Belustigung empfand, schloss Etamin sich an. Diese Aufmachung war lächerlich und stände keinem Angriff stand!
      Die Türe am Ende war einfacher Natur. Ein simpler Rammbock und 8 Mann würde jene aufgestoßen bekommen… Oder wohl auch ein wohl sitzender Tritt A‘Himars. Der Thronraum dahinter wirkte wie ein Bild aus einer fremden Welt. Seide und Gold schmähten sich wohin das Auge blickte. Etamins Gedanken schossen an die Thronkammer in Khor Mahi, welche sein Bruder besaß. Sie besaß weder Seide noch Gold, sprach nicht mit visuellem Prunk von der angeblichen Größe des Mannes auf dem Thron. Es war allein die Präsenz Alrakis Palla‘hayz‘, welche jenen Raum zu dem machte, was er sein sollte!
      Der von Löwenstatuen flankierte Mann war wohl der Kaiser. Der angeblich mächtigste Mann hier zu Lande in Kavash. Der Alternde wirkte allerdings verloren zwischen Löwen und Prunk. Etamin zweifelte, dass jemals ein Mann ihm folgen würde, nur weil er mit Präsenz und Wort zu überzeugen wusste.
      Der Blick des Tuva wanderte über alle Anwesenden. Jeder, obgleich Bediensteter oder Gardist war in feinste Kleidung gehüllt und passte ganz zum Kaiser. Er blickte wieder nach vorn, General Crassus folgend, welcher schon bald den Kopf absenkte und gebeugt bis zur ersten Stufe Schritt. Der fremde Mann folgte, jedoch ohne einen Funken von Respekt gegenüber diesem Mann auf dem Thron zu vermitteln.
      Etamin hielt einen Moment inne. Er blieb 5 Meter vor der ersten Stufe stehen, einen direkten Blick auf den Kaiser gerichtet, ehe er eine einfache Begrüßung vollzog. Dieser Mann dort hatte keinen Respekt mehr von ihm verdient als der Händler auf dem Markt oder die Waschfrau am Fluss. Er war ein Mensch, nicht mehr!
      Letztlich schritt auch der Tuva weiter und bezog links neben Crassus Stellung.
      „Erhebt euch!"
      Des Kaisers Stimme erklang rau und alt. Passend dem Bild, welches er abgab. Er zeigte keine Reaktion auf die Anstalten, welche seine Gäste abgezogen hatten. Er fuhr fort in seinem Wort und erfüllte Etamins Ahnung über die Art und Weise, wie die Ereignisse vor 300 Jahren hier gedeutet wurden.
      Die Führung seines Vorfahren? Schwur der Ahnen? Generationen Treue?
      Etamin setzte einen Fuß auf die erste Stufe und warf seinen Blick hinauf zum Kaiser. Seine Geste nahmen die umstehenden nun als Bedrohung und Empörung wahr. Lanzen wurden fester umgriffen und eine Unruhe flog durch die Reihen von Bediensteten.
      General Crassus neben Etamin stand der Schock ins Gesicht geschrieben, doch bevor der den Jungen Mann zurecht weisen konnte und um Gande bitten wollte, erhob der Tuva seine Stimme.
      „ Mich schickte Alrakis Palla‘hayz eurem Ersuchen nachzugehen, ich kam in seiner Vertretung!“, die Stimme des jungen Tuva war klar und erklang ohne jeden Vorwurf in sich. Jener fand erst Einzug, als er weiter fuhr in seinem Wort: „ Weder Alwaid Palla‘hayz noch ein anderer meiner Vorfahren hat einen solchen Schwur gegenüber eurer Dynastie geleistet, mein Körper würde dessen Zeugnis tragen!“
      Etamin trat zurück, seinen Blick allerdings nicht vom Kaiser nehmen, welcher über die Worte des Tuva nachzudenken schien. Die Tätowierung am Körper der Tuva würden einen solchen Eid auch über Generationen vermerken. Allerdings wusste Etamin von keiner solchen Tätowierungen an seinem Körper. Immerhin müsste er sie vom Tage seiner Geburt an getragen haben!
      Der alte Kaiser wahrte Fassung, während er die Hand hob und einen der Anwesenden aufforderte eine erhellende Erklärung zu liefern. In kleiner Stimme erklärte einer der Beamten : „ Die Bräuche der nomadischen Stämme der Tuva beinhalten die Tätowierungen der Individuen im Anlass von speziellen Ereignissen, wie ein Generationen-Eid der Treue gegenüber der Silanus-Dynastie es einer wäre… ´mein Körper würde dessen Zeugnis tragen‘ verweist darauf, dass dieser junge Mann als Nachfahre kein Wissen über einen solchen Eid besitzt, welcher… welcher ihn zu Gehorsam verpflichten würde…“
      Der Mann hatte sich gebückt gehalten und ein leichtes Zittern durchfuhr seine Arme, während er dem regungslosen Kaiser erklärte, worum es ging. Die letzten Worte stotterte der Beamte, vermutlich fürchtend, dass der Kaiser jene als Beleidigung sehen würde und anstelle von Etamin, er selbst dafür bestraft werden würde. Wie konnte er in den Mund nehmen, dass jemand dem Kaiser keine Treue gegenüber bringen würde?!
    • Fellian konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, der ihm Fremde schien nicht gerade diplomatisches oder gar irgendeine Form von angebrachtem Taktgefühl für die Situation hier zu haben und hatte sich mit einem direkten Auftreten hier weiter gewagt, als der Pirat selbst es getan hätte. Der Piratenfürst mochte im Herzen ein Aufrührer und Rebell sein, aber er sah keinen Sinn darin sich alleine in einem Raum mit den Elitewachen des Kaisers soviel herauszunehmen, dass jemand die Lunte zu kurz brannte, dennoch fühlte er einen gewissen Respekt für das was der Tuva hier versuchte, war es doch mehr Unterhaltung als er sich erhofft hatte.
      Während Fellian jedoch sich noch das Lachen verkniff erhob sich ruhig der Kaiser von seinem Thron und befahl seinem Beamten mit einer kaum merklichen Handbewegung zu schweigen, "Diese Traditionen interessieren mich nicht und Unwissen ändert nichts an der Verpflichtung an ein eidgeschworenes Edikt der Kaiserdynastie, meiner Dynastie!"
      Der Mann hatte eine erstaunliche kraft und Härte in der Stimme, sowie eine Austrahlung die klar machte das hier kein einfacher Mann stand, etwas das nicht ablies als er weitersprach nachdem sein erster Satz durch die große Halle gerollt war.
      "Ihr seit nicht hier für eine Frage des Rechts, es ist so, egal ob irgendein Körper davon Zeugnis trägt oder nicht und ich habe nicht den Willen mit Wilden und Verbrechern zu diskutieren. Unterstellt ihr euch meinem Wort erneut und führt die Aufgabe eurer Vorväter weiter so besteht euer Anrecht weiter, tut ihr es nicht so verwirkt ihr das Recht auf das Land von einst und die Freiheiten die ihr so lange genossen habt."
      In Gedanken ging Fellian das gesagte durch und kam recht schnell zu einem Schluss. Er bezweifelte sehr stark das der Kaiser irgendein taktisches oder wirtschaftliches Interesse an der Madan-Ebene oder dem Toccar-Archipel hatte aber soweit er es mitbekommen hatte war der derzeitige Kaiser ein Mann mit Prinzipien und in seiner Position hatte er die Macht aus Prinzip zu handeln. Über die Situation der Tuva wusste er nicht viel aber auch wenn er und seine Leute sicherlich eine Weile gegen die kaiserliche Flotte bestehen können würden, so würden Sie solch eine Konfrontation nicht gewinnen können auf Dauer und die Armee des Kaiserreiches war seiner Flotte definitiv noch einmal voraus. Wohl hätte Fellian nein sagen können aber seine Heimat war nuneinmal seine Heimat und er hatte Sie liebgewonnen, zumal es ihn reizte einmal einem Dämonen gegenüber zu stehen.

      "Eure Majestät.", begann Fellian nun laut zu sprechen, den Blick klar auf den Kaiser gerichtet, "In Ermangelung einer Alterantive, welche mich zufrieden stimmen würde, akzeptiere ich was ihr von mir verlangt."
      Zu gern hatte er Bedingungen gestellt aber er war sich sicher, dass dieser Mann kein Interesse hatte sich die Wünsche eines Piraten anzuhören und außerdem war Fellian zu klug um nicht irgendeine Form von Vorteil aus der Situation ziehen zu können. Letztlich, so hatte er es schon immer gemacht, bat er lieber um Verzeihung als um Erlaubnis.
      "Kluge Worte Pirat, doch sofern ihr mir dies nicht unter Eid schwört, sind es hohle Worte!", merkte der Kaiser an. Eigentlich war ein Schwur ja nur eine Formalität, vorallem mit jemandem wie Fellian, der davon sowieso wenig hielt aber er wollte den Gepflogenheiten hier ja nicht in den Rücken fallen, zumindest nicht wenn er sonst nicht lebend hier raus kam.
      "Ich Fellian Tiefenherz, schwöre auif meinen Namen und auf die Ehre des Tiefenherz-Klans das Edikt eurer Majestät zu erfüllen und zu tun wie es mein Vorfahr tat, gegen die Dämonen zu kämpfen zum Schutze des Kaiserreiches!", rezitierte Fellian die Worte herunter. Da die Ehre des Tiefenherzklans, das wohl wertloseste war, was Fellians Familie besaß war es ein leichter Schwur aber manche Dinge wusste ja auch ein Kaiser nicht. Die Frage blieb nun nur was dieser Tuva tun würde und warum nur Sie zwei hier waren, wenn es ja ursprünglich fünf Helden gab, hatten diese die Order des Kaisers einfach ignoriert?
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Einem wahrlich Gelehrtem würde Angstschweiß auf die Stirn schießen, würde er diese Szene betrachten, welche mit Leichtigkeit zu einem unbenötigten Krieg werden könnte. Vor 300 Jahren hielt einzig die befestigte Grenze bei Peshawar Alwaid Palla‘hayz von seinem gnadenlosen Feldzug gegen das Kaiserreich ab. Keiner konnte sagen, wie lange jene die Festungsstadt noch belagert hätten, wäre der Anführer damals nicht direkt an den Hof beordert worden… Den Arroganten erfreute es, wie der Kaiser ihn um Hilfe bat und die Gefährlichkeit seiner Armee gegen die Dämonen einsetzen wollte. Die Länder, welche er nie kontrolliert hatte - und wohl auch gar nicht zu bewirten wusste - fielen daraufhin in die Hände der Nomanden… Eine angestammte Heimat!
      Etamin Palla‘hayz legte eigentlich großen Wert auf die fachliche Richtigkeit in solchen Momenten. Den Tuva war ein Eid heilig, wenn er richtig vollzogen war. Seine persönlichen Belangen hätte er nach hinten gestellt, hätte er tatsächlich eine solche Tätowierungen getragen. Sein Volk glaubte an den Willen der Ahnen und das ihre Entscheidungen die Ewigkeit überstanden!
      Sein Bild des Kaisers änderte sich nicht, als jener sich ruhig erhob und die Jahrhunderte alten Traditionen mit Füßen trat. Mehr noch verlor der alte Mann gerade den grundlegenden Respekt des jungen Mannes. Schon von Kindheit an hatte man ihn gelehrt Respekt vor jedem Menschen und jedem Lebewesen zu haben…
      Surushi auf der Schulter bemerkte die Angespanntheit im Körper von Etamin, welcher sich entschloss zu schweigen. Vernunft brachte gegenüber diesem Mann nichts…
      Der Falke krächzte laut aus.
      Während beleidigende Worte über die Lippen des Kaisers quollen und die Anwesenden, auf deren Kraft er sich letztlich verließ, nieder machte zu Wilden und Verbrechern. Der Tuva empfand nichts mehr als Wahnsinn für die Worte des Mannes auf dem Podest. Er profitierte selbst davon in Frieden zu koexistieren und nun riskierte er willig die Feindschaft mit jedem, der von den ehemaligen 5 abstammte?!
      Etamins Blick wanderte hinüber zu dem Fremden, welcher klein bei gab und einwilligte den Eid zu schwören. Er wirkte nicht wie jemand, der einen großen Wert auf Worte legte. Ob er anders entschieden hätte, wenn seine Situation es erlaubte?
      Der Kaiser hatte offensichtliche Dämonenprobleme. Er würde wohl kaum nach den 5 schicken, wenn die Lage nicht ernst war. Ganz gleich wie sehr sie die Geschichte manipulieren würden, jene die es miterlebten, erzählten von dem, was sie sahen. Von der Heimat enttäuscht wurden eben jene Fremden und Verbrecher zu Helden!
      Etamin verkniff sich ein leichtes Lachen, als er den Kopf wieder anhob und dem Kaiser einen neutralen Blick schenkte. Er nahm zum ersten Mal eine offizielle Pose an.
      Der Kaiser blickte mit Spot auf ihn herab. Kroch er nun doch klein zu Kreuze?
      „ Ich, Etamin Palla‘hayz, schwöre Euch entsprechend den Gesetzen der Silanus-Dynastie, eurem Edikt nachzukommen und alles in meiner Macht stehende zu tun euer heut gesprochenes Verlangen zu erfüllen!“
      Etamin hob seinen Kopf erneut und nahm eine neutrale Haltung an. Dem Thronenden erschien dieses Verhalten seltsam. Der Tuva war viel zu ruhig und obwohl er einen Kampf um dessen Treue erwartet hätte, bekam er sie einfach ohne weiteres. Des Kaisers Augenbrauen zogen sich zusammen.
      General Crassus’ Blick wanderte von Fellian hinüber zu Etamin.
      „ Halt!“, sprach er aus. „ Ihr erlaubt eure Majestät…“ respektvoll senkte er den Kopf vor seinem Kaiser, welcher ihm stumm die Erlaubnis erteilte fortzufahren. General Crassus blickte in die goldenen Augen des Falken, welcher den Kopf zu ihm gedreht hatte und ein abwartendes krächzen von sich stieß.
      „ Wer seid ihr, Tuva?!“, fragte der General schließlich.
      Ruhig betrachtete der Kaiser das Geschehen.
      „ Etamin Palla‘hayz, Nachfahr des Alwaid Palla‘hayz…“ Im Blick des Tuva fand sich Spot wieder, welchen nur jemand zu erkennen vermochte, der wusste, was gerade von statten ging.
      Der Kaiser beendete die Stille zwischen den beiden Männern.
      „ Das genügt! Euer Eid ist geleistet, Tuva!“ , in seiner Stimme klang Zufriedenheit mit. Zwei der fünf waren hier versammelt und hatten ihm die Treue geschworen!
    • Einem kurzem Moment der Stille folgte wohl das Einsehen und der Tuva, welcher sich als Etamin nun vorgestellt hatte, leistete, wenn auch nicht sehr willig, zumindest wirkte es so auf Fellian, der das Ganze beobachtete, seinen Schwur. Der Korsar war sich nicht sicher ob hier eine List, Verdruss oder aber der Wille das Volk der Tuva nicht in die Vernichtung zu führen, die Zunge geführt hatte aber eine Anspannung, welche bis eben durch den Raum geisterte fiel ein wenig ab und das gesicht des Kaisers zeigte einen Funken Genugtuung. Es war dieser einfache Gesichtsausdruck der Fellian verriet, dass der Kaiser vermutlich wirklich einen Krieg gegen die Tuva geführt hätte und er wirkte so selbstsicher, dass er ihn vermutlich auch gewonnen hätte. Zwar hatte er selbst den Eid direkt geleistet aber er hätte sich gut vorstellen können, dass die Verweigerung des Tuva auch als Ausrede gegen ihn hätte eingesetzt werden können, doch nun war zumindest Zeit gewonnen.
      Der Kaiser, der nicht den Eindruck machte als wolle er noch mehr Zeit mit diesen für ihn Fremden verschwenden vollführte eine Handgeste des Davonwischens, "Ihr dürft gehen. Die Annehmlichkeiten meiner Stadt stehen euch bis zum morgigen Sonnenuntergang zur Verfügung. Ihr werdet Aufzeichnungen mit allen Informationen bekommen, General Crassus wird dafür sorgen!"
      Eine Pause des Schweigens nach dem Satz machte dem raum klar, das diese Audienz nicht weiter geführt werden würde, womit Sie wohl nicht mehr als eine Formalität war, ein politisches Schauspiel das Fellian und Etamin bereits verloren hatten, Sie waren hergekommen was Sie in der Hierarchie unter den Kaiser stellte und es war gesehen worden. Innerlich seufzte Fellian nur und beließ es dabei, Politik war ein Spiel über ihm und am besten lebte er damit einfach ein anderes Spiel zu spielen. Ein leichtes Nicken zum Abschied, dann machte er kehrt und marschierte in Richtung des Ausganges zum Thronraum.

      Zurück durch den Säulenbesetzen Gang mit den großen Bannern, dann in den Vorraum und schließlich aus dem Gebäude heraus fand Fellian seinen Weg an die frische Luft. Der Thronraum war seltsam stickig gewesen, nicht nur was die Luft anging sondern auch die gesamte Atmosphäre, denn auf dem Raum lastete das Gewicht von Millionen Bürgern, eine geradezu absurde Vorstellung, wenn man so darüber nachdachte.
      Nun jedoch muisste er planen, denn selbst wenn er nicht gegen diese Dämonen kämpfen wollte, musste er zumindest einen Weg finden eben jene Illusion aufrecht zu erhalten, das er dies tat und seine Mannschaft musste davon erfahren, was vermutlich gemischte Gefühle zur Folge haben dürfte.
      Um ihn herum sah er einige Beamte, Gardisten udn Diener herumlaufen, doch niemand schien sich auffällig für ihn zu interessieren, noch ihn ernsthaft im Auge zu behalten. Nicht das er hier hätte wirklich großen Ärger anrichten können, zumindest keinen der in seinem Ableben geendet wäre aber so wusste er zumindest wie die Dinge standen. Nach einem Moment des Umblickens erblickte er jedoch den Tuva, welcher mit ihm im Thronsaal gewesen war, Etamin Palla'hayz.
      "Du hast mit dem Leben des Volkes gespielt und es glücklicherweise nochmal rumgerissen, beeindruckend aber auch gefährlich.", wandte er sich unverblühmt an den Mann, schließlich wollte er zumindest ehrlich gegenüber der Person sein die in der gleichen Situation gefangen war wie er eben auch, "Wir stecken beide in einem gefährlichem Spiel, nur leider als Spielsteine und nicht als Spieler wie mir scheint."
      Auf eine Vorstellung verzichtete er, denn schließlich hatten Sie beide den Namen des anderen gehört und übermäßige Etikette war wohl nicht angebracht, denn immerhin war der Mann vor ihm der Nachfahre eines barbarischen Kriegsherren und er selbst der Sproß einer Dynastie von ehrlosen Piraten. Der Kaiser hatte weder Sie noch ihre Vorfahren rufen lassen, weil seine Armeen schwach waren, sondern weil es den Verstand einer Ratte brauchte um eine Ratte zu fangen, ein Monster um ein Monster zu erlegen. Sie waren hier weil der Kaiser rein und ehrlich war und weil Sie dies eben nicht waren.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Als „ungemütlich“ und „eng“ hätte wohl jeder Tuva diesen Thronsaal beschrieben. Die stickige Luft und dämmerige Atmosphäre trugen nur mehr zum Bild eines Kerkers bei, in welchem der Kaiser seine Gäste empfing. Ein Steppennomade kannte den Wind in seinem Haar, welchem er auf dem Rücken eines Madans , nach jagen würde. Es gab keine Mauern, die sie in den unendlichen Weiten irgendwo hielten und keine unnötigen Zwänge einer irrsinnigen und auf Material basierenden Hierarchie, welcher sie gehorsam zu leisten hatten.
      Den endlosen langen Gang, welcher gefüllt war mit Statuen gleichen Gardisten, welche sich seit ihrem ersten Weg hinein nicht bewegt zu haben schienen, endlich wieder verlassen, atmete er durch. Trotz der Mauern, welche die Stadt umgaben und endlosen Dächer, welche seine Sicht verdeckten, fühlte Etamin sich unter freiem Himmel auf einmal unheimlich leicht. Das drückende Ambiente jenes Raumes hatte auch dem Falken auf seiner Schulter nicht gefallen.
      Während der junge Tuva einen Seufzer schwerer Natur von sich gab, erfreute der Vogel sich an den Strahlen der Sonne, was jener so gleich mit einem flattern seiner Flügel preisgab.
      Die prunkvollen und marmorierten Böden vor dem Palast glänzten unnatürlich unter der im Zenit stehenden Sonne. Die Hauptstadt von Kavash war unheimlich warm. Kein Vergleich zu den eisigen Temperaturen, welche die Madan-Ebene nun beherrschten. Der Winter würde noch brauchen, bis er auch hier an käme…
      Surushi kreischte aufgeregt, als er Azrael kreisend am Himmel erblickte. Der Jungspund von Falke war wesentlich ungestümer als sein älterer Kumpane. Im Vergleich zu jenem wäre Azrael das Gefühl von Gefangenschaft im Thronsaal zu viel geworden. Gepaart mit der Angespanntheit seines erneuten, hätte er jene noch zum Anlass genommen auf den Kaiser einzufallen.
      Etamin strich seinem Falken beruhigend über das Gefieder, während er den anderen auf dem Arm in Empfang nahm.
      „ Einer von euch beiden wird nach Khor Mahi fliegen müssen! Mein werter Bruder muss wissen, was hier geschehen ist…“, sprach er zu den Vögeln. Azrael hüpfte den Arm Etamins bis zur Schulter hinauf, wo er verweilte, während der junge Mann einen Zettel aus einer Tasche zog und in knappen Worten schrieb, was geschehen war. Sein Blick blieb ernst, während er Zeichen um Zeichen auf dem Papier verewigte.
      Zwar wusste er noch nichts näheres, aber sein Volk müsste sich rüsten! Nicht zu letzt für einen eventuellen Angriff des Kaisers. Jener hatte das Treuegelübde des Tuva zwar anerkannt, aber noch nicht realisiert, was Crassus erkannt hatte. Ob und wann der General seinen Kaiser davon in Kenntnis setzen würde, wusste Etamin nicht. Der Alternde wirkte nicht wie jemand, der das Spiel des Jüngeren spielen würde, solange er die Befehlsgewalt über eine Armee hatte!
      Vorsichtig schob er den Zettel unter einen Riemen am Bein des Falken, ehe er Surushi in die Augen blickte. Der ältere Falke war was das verschicken von Nachrichten anging verlässlicher und schneller als Azrael es war. Somit würde er diese Aufgabe übernehmen.
      Etamin nahm den Vogel auf seinen Arm, strich noch einmal über dessen Gefieder, ehe er ihn mit einem simplen Befehl in die Lüfte entließ und beobachtete, wie jener Aufstieg und über die Dächer der Stadt hinfort in Richtung des Hillaz-Gebirges zog. Noch immer in den Himmel blickend, nutzte Azrael Surushis Abwesenheit dazu seinem Herrn ins Ohr zu zwicken und seinen Unmut über die Behandlung des Anderen auszudrücken.
      „ Ahh -“
      Etamin blickte den nach Aufmerksamkeit dürstenden Vogel an, während er die Stelle am Ohr rieb. Er seufzte erneut, ehe er auch dem anderen Falken eine Streicheleinheit gab.
      „ Zufrieden?“, fragte er mit leichtem Vorwurf in der Stimme, während Azrael sich genussvoll die Kehle kraulen ließ. Der Vogel antwortete mit einem leichten kreischen. Jetzt müsste nur noch A‘Himar ankommen und auch eine Liebkosung fordern… Bei dem Gedanken, wie der riesige Madan über die Treppen ankommen würde und unachtsam die sich hier tummelnden Beamten über den Haufen rennen würde, ließ den jungen Tuva amüsiert lachen.
      Doch A‘Himar ließ sich nicht blicken. Vermutlich döste er irgendwo träge in der Mittagshitze vor Sicht und wartete brav und geduldig auf die Rückkehr seines Herrn.
      Etamin beschloss sich ihn nicht länger warten zu lassen. Auch seinen Waffen wollte er wieder an sich nehmen und in Sicherheit wissen…
      Doch bevor er die Treppe hätte hinab schreiten können, vernahm er eine scheinbar an ihn gerichtete Stimme. Er drehte sich um und ein kurzer Blick bestätigte die Ahnung, dass es sich um den anderen Mann handelte, der im Thronsaal gewesen war. Auch der Nachfahr eines der 5 Helden. Wirklich gut kannte Etamin sich nicht mit den Ereignissen von vor 300 Jahren aus. Sein Wissen reichte allerdings zu erkennen, dass es sich um den Mann handelte, dessen Vorfahr eine Inselkette erhalten hatte, deren Name ihm gerade entfallen war.
      Die unverblümte Natur, in welcher er ihn ansprach, gefiel Etamin nicht sonderlich. Sein Ausdruck blieb kühl, während der andere aussprach, was er eben gedacht haben musste. Beeindruckend aber auch gefährlich nannte er jenen Zug aus dem Thronsaal. Etamin lachte abfällig über dessen Bemerkung.
      „ Im recht!“, entgegnete er simpel, während er die Hand von Azraels Kehle zog und sich dem Mann nun gänzlich zu wandte. „ Wer hier wirklich spielt, wird sich zeigen, wenn das Spiel begonnen hat! Selbst wer glaubt die Spielsteine zu bewegen, mag am Ende selbst nur einer sein…“ Er zeigte ein leichtes Lächeln von Geringachtung auf den Lippen ehe jenes verschwand und einem wesentlich einladenderen Ausdruck wich.
      Die waren beide vom gleichen Schlag. Der Nachfahre eines skrupellosen Kriegsherren, stammend aus einer Sippe von Barbaren und der Sproß eines Piraten, dessen einziges Ziel der eigene materielle Reichtum war… Wer würde wohl noch gut im diese Runde passen?
      Ein wenig amüsiert über die Unverfrorenheit seines Gegenübers lächelte Etamin erneut.
      „ Unsere Vorfahren haben das Schlachtfeld miteinander geteilt, vielleicht wollen wir den Tisch teilen? Mir ist danach die Einladung des Kaisers auszukosten und die Staatskassen von Kavash ein wenig zu lehren…“, sprach er.
    • Die Reaktion überraschte Fellian, der junge Tuva hielt sich anscheinend für weiser als der Korsar ihn einschätzte, doch ein Glückskeksspruch war selten ein gutes Zeichen dafür, dass dies auch wahr sein würde und eine Diskussion mit jemandem der glaubte das er Recht hatte würde wohl kaum etwas bringen und der Tuva war vorerst ein Verbündeter, den es nicht allzusehr zu verärgern galt. Da sein Gegenüber auch selbst ein Kenen lernen vorschlug, wollte Fellian daher nicht ablehnen auch wenn ers tark bezweifelte, dass Sie gemeinsam selbst in einem furtchtbar ausgehungertem Zustand der kaiserlichen Schatzkammer einen Schaden zufügen würden, der überhaupt aufallen würde, doch in vielen Situationen war es ja der Gedanke der zählte also konnte man zumindest mit dieser Denkweise an die Sache herangehen und sich den Bauch vollschlagen.
      "Kaiserliches Brot ist hier umsonst es wäre also dumm es hart werden zu lassen.", antwortete Fellian ehrlich. Ob ihre Vorfahren Freunde gewesen waren wusste er nicht, vermutlich eher erzwungene Partner als alles andere aber ein gemeinsamer Feind erstickte die meisten Animositäten und die restlichen Bewohner der Kaiserstadt waren wahrscheinlich keine sonderlich gute Gesellschaft, zumindest nicht für Leute wie Sie, "Wir werden sowieso warten müssen, denn dieso Aufzeichnungen wird uns niemand quer durch das Kaiserreich liefern."
      Bedachte man die Größe des Kaiserreiches, welches sich über drei Klimazonen erstreckte, so brauchte es im besten Fall Wochen, meist eher Monate es einmal zu durchqueren und eine einzelne Person aufzuspüren war nahezub unmöglich, wenn es in kurzer Zeit passieren sollte. Fellian selbst hatte nur einen Bruchteil des gewaltigen Reiches gesehen und dieser Teil war immer jener am Wasser, das Inland selbst war ihm völlig unbekannt.
      "Kommt, meine Leute warten auf mich.", Fellian ging los, sein Ziel war das Gebäude in welchem seine Leute untergekommen waren und indem es hoffentlich noch einiges an Essen und Erfrischungen gab, die die Piraten nicht bereits in sich hinein geschlungen hatten.

      Der Weg zu dem Gebäude war nicht lang, nur eine einzige Abzweigung brauchte es bis er vor der Halle stand, welche als eines von vielen Bauwerken dieses Zentrum der kaiserlichen Herrschaft zierte. Wie bei allem hier zeigte jeder Stein und jeder Ziegel die Spuren der Arbeit eine Meisterhandwerkers, nichts hier war einfach nur was es darstellte, sondern ein Kunstwerk geschaffen von Männern und Frauen, welche Jahrzehnte lang daraufhin gearbeitet hatten die Besten ihres Faches zu werden. Obwohl diese Begebenheit vorallem den gewaltigen Reichtum eines Herrschers darstellte, zeigte Sie auch seine tatsächliche Macht, denn es war ein Zeichen dafür dass die Besten der Besten in den Diensten des Kaisers standen. Die Gebäude zeugten vielleicht nur von Steinmetzen und Zimmerleuten aber es war leicht den Gedankensprung hin zu Kriegern, Magiern und anderen Dingen zu machen.
      Als er das Gebäude durch die breite Tür betrat bemerkte Fellian jedoch schnell wie leicht selbst dieses so opulente Bild zu beflecken war. Die Mannschaft der Kharybdis war diszipliniert wenn es darauf ankam, aber da Sie hier nicht auf See waren oder in unmittelbarer Gefahr, waren Sie vorallem gelangweilt und handelten entsprechend. Bei ihrer Ankunft war hier alles noch ordentlich und nun standen odr lagen die Hälfte aller Stühle im Raum herum, Wandteppiche hingen nur noch halb heruntern oder waren in Ecken zusammengeworfen, während das Essen auf verschiedenen Tellern verteilt stand. Einer von Fellians Korsaren hatte sich aus Bannern und Wandteppichen eine Liege gebastelt und lag darauf herum während er von einem voll gehäuftem Teller aß, während ein anderer die Holzvertäfelung einer Wand für Messerwurfübungen verwendete.
      "Da bin ich mal kurz weg für eine Unterhaltung mit dem mächtigsten Mann der Welt und ihr dekoriert seine Gasthalle zu einer Hafenkneipe um!", lachte Fellian als er das Chaos begutachtete, woraufhin er eine Reihe schallender Lacher als Antwort erntete. Zadara, seine zweite Offizieren, eine atlethische aber schmale Frau in Fellians Alter, deren Kopf bis auf einen einzigen Pferdeschwanz kahlgeschoren war, legte ihre Repetierarmbrust beiseite, welche Sie bis eben eingeölt hatte, und stand auf wobei Sie Fellians Krakenhelm vom Tisch neben sich nahm. Als Sie etwa drei Meter an ihrem Kapitän herangetreten war warf Sie ihm das Objekt entgegen, welches Fellian fing.
      "Dein neuer Freund der Kaiser hat nicht gerade gute Getränke aber sein Essen ist definitv einen Aufenthalt wert.", meinte Sie mit einem verschmitzten Lächeln, "Also worum geht es hier? Warum wurdest du hergerufen und was steht als nächstes an?"
      Fellians gut gelaunte Miene wurde ernster und er griff den Helm in seinen Händen fester bevor er zu sprechen begann, "Wir wurden nicht als einzige herberufen aber wie es scheint haben wir ein Problem der fernen Vergangenheit zu lösen sofern wir keinen Krieg mit der kaiserlichen Flotte wollen."
      Die Aussage lies die ausgelassene Stimmung der Mannschaft ebenfalls ernster werden, jedoch blieb eine gewissene ausgelassene Grundstimmung bestehen.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Ob die Welt vor 300 Jahren eine andere war?
      Der ganze Palastkomplex war alt. Hier zeigte sich die Spuren der verschiedenen Kaiser, welche seid dem Mann, welcher ihre Vorfahren zusammengerufen hatte, von hier aus regierten. In der Architektur erkannte selbst ein ungeschultes Auge wie das des Tuva signifikante Unterschiede, welche auf Erneuerung der Gebäude verwiesen. Sein Blick wanderte über die aus massivem Gestein erbauten Hallen und Pagoden. Verbunden mit zumeist überdachten Gängen, welche die umherschwirrenden Beamten und Bediensteten vor der sengenden Sonne schützte.
      Ein Machtapparat, der funktionierte. Diese Tatsache erstaunte den Tuva doch. Selbst in den entferntesten Regionen wie Peshawar bemerkte man doch noch den Einfluss der kaiserlichen Präsenz. Nicht so, wie man jene hier in der Hauptstadt vernahm, aber noch immer erschreckend stark…
      Die nahezu autonome Madan-Ebene und die dort lebenden Menschen, ganz gleich ob Tuva oder Siedler, waren unabhängig von diesem Einfluss. Einzig in Khor Mahi, dem Zentrum einer ebenso weiten wie lebensfeindlichen Gegend, bemerkte man ihn. In Khor Mahi traf man mehr Beamte und Gesandte des kaiserlichen Hofes oder von Universitäten und anderen Einrichtungen, als man erwarteten würde. Und obwohl der Einfluss der Tuva, welche Khor Mahi erbaut hatten die Stadt dominierte, ließ sich der Einfluss nicht abstreiten. Einen in der Steppe lebenden Nomaden wie Etamin, der die Stadt nur alle paar Jahre besuchte, kam es jedes Mal doch seltsam vor. Der Kaiser hatte es ihm selbst bewiesen, dass die Traditionen der Tuva und die Werte des Reiches nicht vereinbar waren…
      "Kaiserliches Brot ist hier umsonst, es wäre also dumm es hart werden zu lassen."
      Der Tuva blickte den Kosaren an. Aus seinen Gedanken gerissen und ein wenig perplex nickte er letztlich leicht. „ Wenn wir schon geladen sind, warum nicht auskosten…“
      Fellian Tiefenherz wirkte vom Äußeren her wie jemand aus dem Zentralraum des Kaiserreichs. Die hochgewachsene und schlanke Gestalt, das edel wirkende Gesicht und die doch sehr gepflegt wirkende Erscheinung… Allein sein Verhalten sagte aus, dass er in keiner Welt wie dieser aufgewachsen sein konnte. Seine Vorfahren konnten tatsächlich von hier stammen, immerhin war das Meer angeblich nicht allzu weit entfernt.
      Mit den Worten des Mannes erinnerte er sich selbst an die Größe des Reiches zurück und die vielen Orte und Landschaften, die den Anblick seiner Reise schmückten. Fellian musste aus der genau entgegengesetzten Richtung hergekommen sein. Wo Felder und Wälder Etamin geleiteten, mussten seine Augen Strände, Klippen und Flussläufe erblickt haben. Das Meer hatte Etamin noch nie gesehen und allein sich dessen Erscheinung vor zustellen, kam ihm komisch vor. Etwas soweit wie die Steppe, nur aus Wasser bestehendes…
      Weiter in Gedanken versunken folgte Etamin dem Kosaren zurück zum Gebäude, wo er seine Waffen zurück gelassen hatte. Vermutlich war es dem schnurstracksen Gang des Piraten und der Versunkenheit in Gedanken zu verschulden, dass Etamin am Eingang nicht darauf achtete, ob A‘Himar dort war.
      In dem Flur angekommen, zeigten sich erneut die Bilder der Mythologie. Feinste Kunst gemalt auf feinsten Stein. Etamin hielt inne, betrachtete die Bildnisse, bis er ein ihm Vertrautes entdeckte. Noch einen Blick auf den Piraten werfend, welcher weiter dem Gang folgte, verschwand der Junge Tuva schnell in dem Zimmer, in welchem er seine Waffen zurück gelassen hatte. Mehr als diese zu ergreifen und sogleich wieder zu dem anderen Mann aufschließen, geschah hier nicht.
      Sich ein paar Schritte hinter Fellian befindend, war die Türe zu einem anderen Raum schon geöffnet, als Etamin neben dem Korsaren Posten bezog. Das Bild, welches sich ihm hier bot war ein anders als in dem Raum, aus welchem er seine Waffen geholt hatte. Zwar erinnerte er sich nur an ein paar Dinge, aber die Empfangshalle war sauber und geordnet gewesen. Reich geschmückt und voll mit sauber eingedecktem und drapierten Essen, welches nur durch Surushi etwas zerstört worden war.
      Hier allerdings…
      Die Männer und Frauen, welche ihren Captain begleitet hatten lagen oder hingen irgendwo im Raum. Das Essen auf dem Tisch war verstreut worden und an jeder schön her gerichteten Skulptur aus Essen fehlte etwas, falls sie nicht schon in sich eingefallen war.
      Die Worte des Piraten fassten gut zusammen, was Etamin hier erblickte. Zu seinem Erstaunen allerdings fand sein Falke das Gelache und die Unordnung einladend, während sein Herr nicht recht wusste, was er denken sollte. Umgehend hob Azrael von seiner Schulter ab und zischte durch den Raum. Als wäre es seine Beute ließ er sich im spielerischen Gemüt auf den Teller des Mannes fallen, welcher sich eine Hängematte aus den Wandteppichen gebaut hatte. Der Falke ergriff sich den erstbesten Schenkel von irgendeinem Tier von dem Aufgehäuftem und machte sich damit zur Aufhängung der Matte auf, wo er sich niederließ und zu speisen begann.
      Gut, dass wenigstens der Vogel herpasste…
      Eine bewaffnete Frau mit fast kahl geschorenem Kopf trat an sie heran, dem Mann neben dem Tuva einen goldenen Krakenhelm zu werfend.
      Der Jüngere blieb still und verfolgte ihr Gespräch. Im Gegensatz zu ihm, der allein gekommen war, hielt sich hier die Mannschaft Fellians auf, oder zumindest ein Teil davon.
      Das Thema ihrer Anreise ließ die Stimmung ein wenig ernster werden, was man gut in den Gesichtern der Leute ablesen konnte. Wo eben noch die Ruhe weg war, lag nun eine doch bemerkbare Anspannung. Der erste Teil seines Satzes ließ die Mannschaft einmal zu Etamin herüber blicken. Dieses Mal genauer, als sie es zuvor getan hatten. Egal ob sie nun wussten, wer er war oder nicht, mit Sicherheit erkannte jeder, dass auch er eine nicht gerade kurze Reise hinter sich hatte.
      Gerade die junge Frau blickte länger in die goldbraunen Augen des Tuva. Sie sah aus, als wäre sie schlau genug zu erkennen, welchem Volk er angehörte und somit musste sie auch erkennen können, dass er ein Nachfahre war.
      „ Eyy!!“
      Ein lauter Ruf einer tiefen Stimme ließ Etamin seinen Blick von der Frau nehmen und nach hinten werfen. Azrael hatte sich die Dreistigkeit erlaubt auf dem Bein des Korsaren zu landen und weiteres Essen von dessen Teller zu mopsen. Dieses Mal allerdings ohne danach das weite zu suchen. Der Vogel kreischte inzwischen und flatterte aufgeregt mit den Flügeln, ohne seinen Platz zu verlassen.
      Ohne es zu wollen, musste Etamin prusten und konnte sich danach ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
    • Fellian konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen als der Vogel, welchen der Tuva mit sich herum führte, freimütig damit begann einen seiner Leute zu belästigen. Der Korsar kam nicht umhin beindruckt zu sein von der Verbindung, welche der Mann gegenüber seinem Tier hatte. Falknerei war ihm nicht unbekannt aber die Falkner und Bestienmeister die er kannte sahen ihre Tiere als Diener und Haustiere im besten Fall, nicht als Freunde so wie es hier der Fall zu sein schien. Wäre die Situation eine andere gewesen, so hätte er vermutlich versucht mehr über das Ganze zu erfahren, doch momentan waren noch genug andere Gedanken in seinem Kopf, die bedacht werden mussten.
      "Das hier ist Etamin von den Tuva, einer der Nachfahren der Fünf.", stellte Fellian seinen Begleiter vor bevor er zum Tisch ging und sich in einen Stuhl fallen lies, "Wie es scheint sind Dämonen wieder aufgetaucht und der Kaiser will die Tat seines eigenen Vorfahren wiederholen und da kommen wir ins Spiel."
      Während er seine Erklärung auf den raum wirken lies schichtete er sich Brot, Käse, etwas Braten und einige Früchte auf einen Teller. Bereits nach einem Bissen konnte er Zadara zustimmen, die Köche des Kaisers waren definitv beeindruckend womit dieser seltsame Tag zumindest einige gute Sache mit sich brachte.
      "Kapitän was heißt das für unsere weitere Planung? Wohin segeln wir als nächstes und folgen wir den Worten des Kaisers überhaupt?", Manann, sein zweiter Offizier hatte das Wort ergriffen. Der Mann war bereits unter Fellians Vater Schiffsjunge gewesen und vermutlich der erfahrenste Korsar in seiner Mannschaft, ein breiter Mann mit wildem Haar, dessen Gesicht die Erfahrung von über zwei Jahrzehnten auf See zeigte. Seine Worte brachten dei Gedanken zurück die Fellian sich bereits zuvor gemacht hatte, was waren die nächsten Schritte und wie würde er sich entscheiden.
      "Wir bekommen alle Informationen heute oder morgen gebracht von irgendeinem kaiserlichen Lakaien dann erwartet der große Mann wohl das wir handeln. Ich habe keine Ahnung wo es hingehen wird, wenn ich es wüsste wäre das sicher einfacher.", erklärte Fellian ruhig und schob sich dann ein Stück Brot in den Mund, welches er in eine dicke Soße getunkt hatte, welche sich als überraschend scharf herausstellte.
      Die Erwähnung der Dämonen und der ungewissen Situation hatte erstaunlicherweise wenig Einfluss auf die allgemeine Stimmung, ob man darin ein Vertrauen der Mannschaft in Fellian oder einfach außergewöhnlichen Mut oder Wahnsinn erkennen konnte, wusste wohl niemand so genau. Fellians Blick richtete sich auf den Tuva, welcher vermutlich im selben Boot saß wie er selbst auch, "Was hast du jetzt vor? Sobald jemand diese Dokumente bringt werden wir wohl kaum weiter hier sitzen können und unsere Zeit mit Völlerei und Langeweile verplämpern richtig?"
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Azrael machte sich einen sichtlichen Spaß daraus nachdem Mann zu picken und zu hacken. An den Bewegungen seines Vogels erkannte Etamin, dass dieser nicht mehr tat als zu spielen, weshalb er es für unnötig hielt einzugreifen. Erst als der Pirat aufgab und dem Falken seinen Willen ließ, nahm der junge Mann seinen Blick von dem Begleiter.
      Während der Vogel über seine Beute her fiel und neue Freundschaft mit dem Piraten schloss, wandte Etamin seine Aufmerksamkeit zurück zu Fellian und der jungen Frau, welche ihm noch keiner vorgestellt hatte.
      Die Vorstellung aus dem Mund des Korsaren fiel kurz aus und diente mehr dem Zweck, als der Höflichkeit dem Tuva gegenüber. Jener hätte es stumm billigen können, stellte sich selbst aber noch einmal richtig vor, besonders bei der jungen Dame, welche ihm nach Fellians Gang zum Tisch am nächsten stand.
      „ Etamin Palla‘hayz… Nahrfahr von Alwaid Palla‘hayz.“
      Fellian hing auf einem der noch stehenden Stühlen, während er von der Rückkehr der Dämonen berichtete und damit den Grund ihrer Herbeorderung offenbarte. Bewusst von ihm inziniert entstand danach erst einmal eine Stille im Raum. Noch bedrückender als jene die Azrael unterbrochen hatte. In den Dienste des Kaisers gezwungen zu werden war wohl eine Sache, aber die Rückkehr der Dämonen eine völlig andere. Immerhin handelte es sich um die Monster, welche vor 300 Jahren signifikant die Lande verwüstet hatten.
      Jene Stille nutzte auch Etamin zu einem Stuhl zu gehen und sich zu setzen. Sein Blick wanderte nur kurz über das Essen, ehe er sich dagegen entschied. Ihm war in diesem Moment nicht danach eine Speise zu genießen.
      Einer der Korsaren stellte die Frage, welche ihnen allen ins Gesicht geschrieben stand.
      Wohin sollte es nun gehen?
      Da ihr Captain sich hier aufhielt und dem Kaiser sein Wort gegeben hatte, musste die Zukunft für die Piraten feststehen. Etamin glaubte kaum, dass eine Mannschaft ihrem Captain den Rücken kehren würde… Völlig egal in welche Lage er sie brachte.
      Etamin war allein. Er müsste nur auf Antwort aus Khor Mahi warten. Auch wenn sein Bruder wohl kaum die ganze Armee mobilisieren würde, um den Kaiser zu verteidigen. Viel mehr würde er die Madan-Ebene sichern und die Nomaden gen Norden Richtung Gebirge schicken. Was alles Leben abschreckte, würde auch ein Dämon nur mit Aufwand überwinden können!
      Doch die Mannschaft blieb ruhig. Ihr Vertrauen in den Captain unerschüttert. Auch die Stimmung nahm nach ein bisschen des Schweigens wieder Fahrt auf.
      Als Fellian sich wieder an Etamin wandte, war jener nun doch dabei sich etwas zu essen zu nehmen. Irgendwo war die Stimmung dieser Truppe ansteckend und nahm auch dem Jungen Tuva die Scheu sich einfach zu entspannen.
      Er schluckte, ehe er seinem neuen Genossen eine Antwort schenkte.
      „ Vermutlich A‘Himar suchen…“, entgegnete er sorglos. Das Tier würde schon klar kommen. Die Sorge müsste weniger A‘Himar als den Leuten, welche er einfach über den Haufen rennen würde. Der junge Tuva schnalzet mit der Zunge, was seinen Falken aufblicken ließ. Azrael krächzte im Protest gegen den Befehl, welchen Etamin noch nicht einmal ausgesprochen hatte.
      „ A‘Himar ni taai“, sagte er nur mit fester Stimme. Der Falke hob doch ohne weiteren Protest ab, zog eine Runde durch den Raum, ehe er durch eines der Fenster verschwand. Der Tuva lehnte sich zurück und blickte in die Runde, ehe er wieder zu Fellian blickte.
      „ Ihr seid also auch der Meinung, dass wir uns dieser Sache gemeinsam annehmen sollten?“, fragte er.
    • Fellian schnitt sich in aller Ruhe ein Stück Braten ab und schob es sich in den Mund bevor er nach vollendetem Kauen beschloss dem Tuva zu antworten, "Ich wünschte ich könnte die Sache einfach alleine erledigen aber unsere Vorfahren schafften es kaum zu fünft und wir müssen uns die Frage stellen ob wir ihnen überhaupt ebenbürtig sind. Alleine besteht hier keine Chance."
      Fellian kannte nur über die Jarhunderte verwässerte und mystifizierte Geschichten über Balian Tiefenherz, den Mann der seine Blutlinie begründet hatte. Glaubte man jeder dieser Geschichte war der Piratenfürst von einst mehr ein ungestümer Gott der See als ein Sterblicher gewesen. Vermutlich waren das meiste nur Geschichten, doch selbst dann war sich Fellian nicht sicher, seinem Urahnen ebenbürtig sein zu können und er wusste nicht genug über Etamin oder dessen Ahnen, um einen Vergleich für den Tuva ziehen zu können. Letztlich, und das war wohl der entscheidenste Punkt, waren nur Fellian und Etamin überhaupt gekommen, es fehlten also drei an ihrer Seite, welche aus ihm unbekannten Gründen entschieden hatten den Zorn des Kaisers zu riskieren, sofern ihre Blutlinien überhaupt noch existierten. Sofern die Dämonen über die Jahrhunderte nicht nachgelassen hatten, sah Fellian kaum eine Chance für ihren Erfolg aber er entschied sich diesen Gedanken unausgesprochen zu lassen.
      "Unsere Situation ist nicht gerade gut von daher könnte dies hier auch sehr gut unsere Henkersmahlzeit sein.", lamentierte er mit seelenruhiger Stimme nach dem Abschluss seiner Gedanken und ein kurzes ruhiges Nicken ging durch seine Mannschaft.
      "Darauf trinken wir!", rief einer der Korsaren Lautstark und riss einen Krug nach oben, mit solcher Innbrunst das etwas von der roten Flüssigkeit überschwappte und sich auf seiner Hand und dem Außenrand des Bechers verteilte. Es dauerte keine Sekunde bis der Rest der Mannschaft mit einstimmte und ebenfalls Krüge hochgerissen wurden was der Geräuschkulisse jegliche Stille nahm. Fellian blickte auf, da hatte man ihm auch schon einen Krug in die Hand gedrückt, der bis zum Rand mit Wein gefüllt war, dessen süßlicher Duft die Luft erfüllte.
      "Dann machen wir uns wohl bereit in die Unterwelt zu segeln und den Krieg zu diesen Dämonen zu führen. Huaaa!", er riss den Arm in die Höhe dann setzte er den Krug an und leerte den Wein in einem langen gierigen Zug. Der süße Wein hatte nicht die Stärke des Alkohols aus der Heimat und anstatt eines belebenden Brennens, spürte er eher eine klebrige Kehle doch die Geste zählte und seine Mannschaft zog gleich, zumindest auf ihre Loyalität war aboluter Verlass, nun durfte er diese nur nicht enttäuschen.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • In des Jungen Tuvas Hand lag ein Stück des Fleisches. Er vermochte nicht genau zu sagen, um was für ein Tier es sich einst gehandelt hatte. Konsistenz und Geschmack kamen ihm allerdings nicht bekannt vor, was ihn vermuten ließ, dass es sich um eine eher lokale Spezialität handeln musste. Auch die würzige Note des Stückes war etwas untypisches für seinen Gaumen. Nachdem das erste Stück verspeist war fiel die Entscheidung doch auf das Fleisch eines anderen Tellers.
      Etamin war eigentlich nicht sonderlich wählerisch, was die Nahrung betraf. Zumindest in seiner Heimat. Aber die Tuva und allgemein die Region um die Madan-Ebene schien nicht gerade für die Vielfalt der lokalen Küche bekannt zu sein. Die wenigen Gerichte die es dort gab, gab es das ganze Jahr in mehr oder weniger gleich bleibenden Formen. Es war also nicht wirklich schwer dort als unwählerisch bezüglich des Geschmacks zu gelten. Allein hier auf dem Tisch standen über 18 Arten unterschiedlich zubereitetem Fleisch, neben diversen anderen Speisen, an welche sich der Tuva aufgrund von deren aussehen noch nicht heran getraut hatte.
      Seine neue Wahl besaß einen deutlich milderen Geschmack und mundete ihm wesentlich besser. Die Verkostung beendete er damit fürs erste und konzentrierte sich auf die handlichen Stücke jenes Tellers, während seine Aufmerksamkeit wieder den Piraten galt, welcher ihm antwortete.
      Fellian sprach Etamin in diesem Punkt von der Seele. Nicht das die Korsaren ihm sonderlich unsympathisch waren und wie miese Verbündete wirkten. Es lag einfach in der Natur seines Volkes eher unter sich zu bleiben und die Art wie er aufgewachsen war hatte nicht viel Kontakt zu fremden Menschen aus anderen Regionen zu gelassen. Doch glaubte der Nachfahre offener gegenüber Fremden zu sein, als andere Tuva es waren. Viele hätten vermutlich nicht einmal diese Reise gemacht…
      „ Und wir sind lediglich zwei von Fünfen…“, entgegnete er.
      Die Geschichte über die Schlachten gegen die Dämonen war keine sonderlich oft erzählte unter den Normaden. Etamin vermochte sich nicht einmal an die Namen der anderen 5 zu erinnern, oder warum sie damals als Verbrecher galten. Die einzige Person über die er einiges zu sagen vermochte war sein eigener Vorfahr über den Mann allerdings hauptsächlich sagte, was für ein ausgezeichneter Anführer und Feldherr er gewesen sein soll. Geschichten wie er die Tuva-Stämme einte und das Volk auf einen gemeinsamen Pfad leitete. Weniger Geschichten über seine Zeit im Kaiserreich und die dort passierten Ereignisse.
      Sein Volk maßte sich nicht an Alwaid Palla‘hayz zu einem Gott zu erheben oder anderweitig mystifizierte Geschichten über seine Person zu erzählen. Doch schwang ein gewisser Respekt für den großen Vereiniger in jedem heute lebenden Tuva mit.
      Die Dämonen waren viel mehr einer Verzerrung verfallen. Verschiedene Quellen erzählte unterschiedlich von jener seltsamen Rasse. Es war also schwer ein genaues Bild jener Kreaturen zu bekommen…
      Fellian blieb wie die anderen Mitglieder seiner Mannschaft ruhig. Den Sinn sich aufzuregen erkannte niemand in diesem Raum und ein kühler Kopf würde ihnen auch sicherlich helfen die Dokumente zu sichten, welche sie erhalten sollten.
      "Darauf trinken wir!"
      Die Stimme eines der Piraten erfüllte den Raum. Sie gehörte zu einem hochgewachsenen und breiten Mann. Mit vollem Schwung hob er seinen Krug an, sodass der Wein über die Ränder schwappte. Nach und nach folgten ihm die anderen Piraten und immer mehr Wein schwappte und platschte auf den Boden. Wie dem Captain reichte man auch Etamin einen Krug. Ein wenig zögerlich erhob letztlich auch der junge Mann den Becher in die Luft, ließ aber das grölen dabei aus, was einige der Piraten getan hatten.
      "Dann machen wir uns wohl bereit in die Unterwelt zu segeln und den Krieg zu diesen Dämonen zu führen. Huaaa!"
      Fellians Spruch fand Einstimmung bei seiner Mannschaft, welche es ihm gleich taten und den Krug leerten. Der Mann, welchen sein Falke des Essens beraubt hatte, hatte sich inzwischen in eine aufrechte Position bequemt und hing nicht mehr in seiner selbst erbauten Matte. Wie die Anderen leerte auch er den Krug in einem Zug und gab einen erforschten Ton von sich, als er den Becher triumphierend von seinem Mund entfernte. Dem folgen ertönte das krächzen Azraels, welcher durch das Fenster schoss. Etamin ließ umgehend von seinem Becher ab, erhob sich von seinem Stuhl und streckte einen Arm in die Lüfte seinen Vogel in Empfang nehmend. Ziel sicher landete der Falke auf dem mit einer Lederschiene bedeckten Arm des Tuva.
      Der Falke schüttelte seinen Kopf, ehe er seine goldenen Augen auf Etamin richtete. Bevor jener einen Ton von sich geben konnte und sagten konnte, was er seinem Herrn mitteilen wollte, schob sich das Unheil schon in Form eines Kopfes durch die Türe - Ein mit braunem und schwarzem Gefieder bedeckter Kopf und 2 Paar grünlichen Augen. Der Madan nahm die Lautstärke zum Anlass selbst mit einzusteigen.
      Das helle kreischen der Kreatur durchbrach die eher tiefen und ausgelassenen Stimmen der Piraten…
      Der Tuva ließ den Arm mit dem Falken darauf etwas sinken, ehe er seinen Blick gänzlich auf den Madan richtete. Inzwischen hatte jener sich etwas weiter durch die hohe Türe in den großen Raum geschoben.
    • Nach dem Beginn des ausgelassenen Anstoßens, was einen Anstieg der guten Lauen und Wildheit zur Folge hatte, blieb Fellian nicht viel Zeit, denn schon kurz darauf wurde sein Blick zur Tür gezogen. Hinein stolzierte ein Geschöpf bei dem sich der Pirat nicht sicher war ob er es als Anmutig oder Absurd bezeichnen sollte. Es war gefiedert mit einem Schnabel und Füßen die einem Vogel glichen, bewegte sich aber auf vier Beinen fort, eher wie ein Hund oder ähnliches. Auf den ersten blick wirkte es wie die Schöpfung eines wahnsinnigen Gottes auf ihn, doch nachdem er feststellte das der Tuva die Kreatur ansah ordneten sich seine Gedanken. Die Tuva waren ein Reitervolk, soviel wusste Fellian gerade noch und vermutlich war das eines ihrer Reittiere oder aber ein weiterer Tiergefährte, vermutlich beides.
      Warum die Tuva solch ein Geschöpf gezähmt hatten wusste er nicht aber vermutlich gab es dafür irgendeinen guten Grund, der sich noch zeigen mochte. Exotische Tiere und besonders der Handel mit diesen war nichts ungewöhnliches im Toccar-Archipel aber soetwas hatte er dort definitv noch nicht gesehen und wahrscheinlich hätte man mit dem Biest einen guten Preis auf dem Bestienmarkt erzielt, nicht das Fellian dies ernsthaft in Erwägung zog. Der Pirat vermochte zu reiten doch er tat es selten und dann auch nicht sonderlich gerne, Schiffe waren im Lieber, wenngleich die See sicherlich gefährlicher war als jede Reitstrecke.
      "Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage das ist dieser Akhimar nach dem ihr suchen wolltet oder?", fragte Fellian in die Richtung von Etamin, welcher nicht unweit von ihm ebenfalls an dem Tisch saß, "Entweder hat der uns gefunden oder der Vogel ihn."
      Ein Teil der anwesenden Mannschaft betrachtete den tierischen Neuankömmling Neugierig, der Rest schien ihn entweder nicht zu bemerken oder der Madan war ihnen egal. Wahrscheinlich hätte Fellian die Kreatur einfach für irgendein kaiserliches Haustier gehalten, wäre der Tuva nicht hier gewesen und die Kaiserstadt selbst war seltsam genug, das man hier viele Dinge schnell zu glauben begann, vorallem die absurden.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Dem kalten Wind schutzlos ausgeliefert stand ein Junge im schon welken Gras der Ebene. Ihm war eine Mischung aus Angst und Respekt auf das Gesicht gemalt, denn vor ihm stand eine mächtige Kreatur, welche ihren Kopf zu ihm hinab gesenkt hatte. Die vier grünlichen Augen fixierten das Kind nicht allein - ein weiterer strenger Blick lag auf ihm. Von einer Anhöhe aus beobachtete ein älterer Mann das Kind.
      Für Minuten starrten sich die beiden einfach nur an. Einzig regen tat sich das Haar des Kindes und das Gefieder des Madan. Eine wunderschöne Musterung aus schwarzen und braunen Federn. Über den Augen wuchsen ihm ein paar hellere Feder, welche sich bis in den Nacken hinab zogen. Schon lange spannte es seine Muskeln nicht mehr an und schien nur darauf zu warten, dass das Kind es ihm gleich tat…
      Ein paar Augen, das noch niemals einen Madan erblickt hatte, musste die Kreatur für Äußerst skurril halten. Wie ein Vogel waren sie gefiedert. Allerdings ohne Flügel und mit vier beklauten Füßen versehen. Unter den vier Augen der Kreatur saß ein gräulicher Schnabel, würde der Madan sein Maul aufklappen, könnte man Zähne in diesem finden.
      Es gab nirgends im Kaiserreich eine vergleichbare Rasse. Dies mochte verschiedene Gründe haben. Aber am wahrscheinlichsten war wohl die Schwierigkeiten, welche sich in der Aufzucht Jener fand und die Tatsache, dass diese Tiere nicht sonderlich zahm waren…
      A‘Himar schob sich weiter in den Raum, streckte den Kopf in die Lüfte und schüttelte sein Federkleid am Halse durch. Dabei rasselten einige der eisernen Ketten an seinem Geschirr. Eine einfache Ausführung, zum größten Teil aus Leder bestehend, welche sich mit dem bräunlichem rotem ton von den matten Farben des Gefieders absetzte. Der Madan kam weiter, warf einen Blick über die verstummte Runde, welcher letztlich bei Azrael auf Etamins Arm hängen blieb. Der Reiter erkannte die leichte Wut und Empörung in der Haltung seines Gefährten und konnte nur ahnen, wie Azrael die Aufmerksamkeit des Großen auf sich gelenkt hatte, damit er ihm hier her folgen würde.
      Er seufzte leise und antwortete zunächst dem Piraten. „Ja, dies ist A‘Himar… und der Vogel hat ihn eher verärgert…“, bei den letzten Worten verzog der Tuva ein wenig das Gesicht und warf einen Blick auf den Falken, dessen ungestüme Natur ihm sicherlich eines Tages nochmal Probleme machen würde.
      „ A‘Himar!“, er griff nach etwas von dem Fleisch und warf es in die Luft, sodass der Madan es fangen könnte. „ Tuk Tuk“ Tatsächlich bäumte das Tier sich auf und nahm die Gabe seines Meisters an. Für gewöhnlich aßen Madane nur etwa einmal im Monat besonders ausgiebig. Aber zu einem Snack sagte normal niemand nein.
      Der Tuva entließ Azrael wieder in die Lüfte, als A‘Himar näher kam und sich über das Essen her machen wollte. Wäre der Vogel nicht weg, hätte er noch den gefressen. Doch die reichen Speisen stellten ihn zufrieden.
      „ Er tut normal niemandem etwas…“, erklärte er und ließ sich auf den Stuhl zurück fallen. Sein Blick wanderte zu Fellian.
      Azrael zog unterdessen eine Runde unter der Decke, ehe er seinen alten Freund den Korsaren besuchte, dem er schon einmal das Essen geklaut hatte.
    • Das kurze Ereignis der Fütterung des Madan war erstaunlich und spektakulär, weshalb die kurze wenige Aufmerksamkeit, welche die Ankunft des Tieres bekommen hatte, sich bereits wieder auflöste. Letztlich saßen Sie ja ohnehin nur herum und warteten auf den nächsten Schritt, weshalb keine Unterhaltung lange ihren Reiz behalten würde in Anbetracht dessen was die Zukunft bringen würde.
      "Nun allzu gefährlich wirkt das Tier auch nicht, eher seltsam als hätte jemand ein Huhn mit einem Pferd gekreuzt, aber vermutlich denkt ihr ähnlich über so manche Tiere die für andere normal wären.", merkte Fellian an nachdem Etamin ihm erklärt hatte, dass das Tier normaler harmlos war und niemandem etwas tat. Da er keinerlei Bild der Tuva heimat im Kopf hatte wusste er weder wie dort das Wetter war noch welche seltsamen Tiere es dort wohl noch geben würde, möglicherweise viel Seltsameres noch als den Madan, welcher bereits außergewöhnlicher war als er es hätte erwarten können. Während er sprach bediente er sich weiter am Essen, wobei er versuchte möglichst verschiedene Kombinationen und Speisen auszuprobieren, davon ausgehend, das er wohl nicht so oft in den Genuss kaiserlicher Küche kommen würde.

      DIe Zeit in der Halle schien gerade zu lächerlich langsam zu verstreichen und zugleich schienen die Unmengen an Essen nur unwesentlich weniger zu werden. Die Mannschaft war entsprechend gelangweilt und auch Fellian merkte langsam wie sehr in dieser Ort bereits langweilte, das Warten, dass Sie jetzt bereits einige Zeit hier festhielt nagte an den Nerven. Normalerweise war man auf See das Warteng ewohnt, doch hier war eine ungewohnte Umgebung und eine Ziellosigkeit Teil der Gleichung, welche sich zeigte.
      "Bei den Göttern!", die Augen des dicklichen kleinen Mannes in den Roben eines beamten wurden groß als er den Raum betrat und das Chaos sah, jedoch konnte er sich den Schock und die Überraschung schnell wieder von dem aufgedunsenen vom schnellen Gang roten Gesicht wischen und er drückte die Sammlung aus zwei Büchern und drei Schriftrollen fester an sich als er weiter in den Raum hinein schritt. Während sich im ersten moment noch alle Blicke im Raum noch auf den Mann gerichtet hatten, wanderten sie jetzt tiefer auf seine Fracht, welche er nach einigen schweren Schritten auf einer sauberen Stelle der großen Tafel ablegte. Mit einem feinen Taschentuch tupfte er sich etwas Schweiß von der Stirn und den Wangen, bevor er sich an die Anwesenden wandte, "Ich bringe die Dokumente und Aufzeichnungen, welche wir über diese Dämonen gesammelt haben im Auftrag von General Crassus."
      Die Worte sorgtend afür, dass sich Fellian aufrechter hinsetzte und verdrängte die bis zuvor vorherrschende Langeweile, der Mann derweil schnappte sich einen sauberen becher, füllte ihn mit etwas Wein, welchen er dann mit Wasser verdünnte und stürzte das Gemisch hinunter, als wäre er zwei Tage durstig durch die Wüste gewandert, dann patschte er auf eines der Bücher und setzte zu einer Erklärung an, "Die Bücher enthalten die gesammelten Berichte von Spähern, Überlebenden und Zeugen sowie einige historische Berichte von vor dreihundert Jahren, zusammengetragen von den besten Archivaren der Kaiserstadt, die Schriftrollen sind eine Karte des nördlichen Kaissereichs, sowie des Landes jenseits der Grenzen dort, sowie eine kleinere örtliche Karte des Gebietes wo der Komet zu Boden stürzte. Wir haben die Orte von Angriffen bereits eintragen lassen."
      Mit einem Geschick, welches man seinen etwas schwitzigen Wurstfingern kaum zutraute entrollte der Mann, dann die dritte Schriftrolle, hielt Sie hoch und zeigte den Inhalt allen Anwesenden. es handelte sich um eine Zeichnung, offensichtlich angefertigt von einem äußerst talentierten Maler, die eine mannhafte Kreatur mit spitzen Zähnen, Rauptierhaften Beinen und langen hornartig gekrümmten Fortsätzen am Kopf zeigte, eine lange gerade Klinge lag in seiner Hand und aus dem Maul kam eine schlangenartige Zunge, "Der Hofmaler Aurastin fertigte dieses Abbild eines Dämon an nach den Worten eines Schäfers, der Sie sah als Sie sein Dorf angriffen!"
      Gebannt sah Fellian auf die Zeichnung, er hatte zwar Geschichten und Beschreibungen von Dämonen gehört aber anscheinend waren Sie allesamt falsch, manche schlimmer, andere harmloser als das was hier zu Papier gebracht wurde. Nachdem er sich wieder gefangen hatte stand er auf und entnahm dem Mann die Zeichnung um Sie sich noch genauer anzuschauen.
      "Eine faszinierende Kreatur, außerweltlich und doch ziemlich gewöhnlich.", sein Blick wanderte erneut die Linien auf dem Papier entlang, ein wenig gebannt davon nun ein Abbild von etwas vormals Formlosen zu haben, bevor er die zeichnung Etamin wortlos hinhielt. Die Ankunft des Beamten hatte den Raum ruhig werden lassen und die gesamte Mannschaft war etwas näher an den großen Tisch gerückt.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • „ Ein Huhn und ein Pferd? Kommt ihr euch lustig vor, meinen Gefährten derartig zu beschreiben?“
      Etamins Stimme war völlig ruhig und zeigte keine wirklichen Anzeichen von Empörung. Er erkannte die Worte des Piraten eher als Scherz und glaubte nicht, dass jener sie ernst meinte. Fellian wirkte nicht wie jemand der etwas unterschätzte, nur weil es nicht den Standards seiner eigenen Welt entsprach. Aber tatsächlich behielt er in einem Punkt recht. Viele der Tiere des Kaiserreichs sahen in den Augen des Tuva bizarrer aus, als der eigene Gefährte…
      A‘Himar fraß noch eine Weile, ehe er sich in Richtung einer Wand auf machte und sich dort vor einem der noch hängenden Teppiche niederließ. Die Kreatur legte den Kopf in die überkreuzten Beine und schloss die Augen, ehe sie einmal mehr zu dösen begann.
      Auch Etamin genoss die Langeweile. Seine Mahlzeit inzwischen beendet, lauschte er den Piraten, welche ein ihm unbekanntes Lied vor sich hin trällerten, nachdem sie ein wenig mit Azrael um Essen gekämpft hatten. Der Vogel schien zumindest ein paar der Leute zu unterhalten. Nicht zu letzt war seine dreiste Art doch ein wenig niedlich.
      Glücklich war jener auch mit in das Lied der Piraten eingestimmt…
      Der Kopf des Tuva senkte sich schließlich auf die if der Tischplatte ruhenden und verschränkten Arme. Ein wenig müde war er nun doch geworden, sodass er selbst etwas vor sich hin döste…
      "Bei den Göttern!"
      Der Ausruf riss Etamin zurück in die Gegenwart und auch A‘Himar schreckte kurz auf. Ein Fünfkirchen Mann in spannenden Unterroben stand in der Türe und ließ einen entsetzten Blick über den Raum wandern. Die sich hier zeigenden Szene dürfte einem feinen und peniblen Blick gar nicht gefallen. Die Hafenkneipen-Ästhetik, der an der Wand ruhende Federball und die ramponierte Kunst…
      Er trug Bücher und Schriften bei sich, welche er erst einmal ablegte. Daraufhin richtete er Kleidung und das Schweißproblem auf seiner Stirn, ehe er in seinem Wort fortfuhr. Er brachte die Dokumente, welche der General ihnen versprochen hatte.
      Wie auch Fellian nahm der Tuva Haltung an und blickte die Bücher an. Die Erklärung des Mannes um was genau es sich handelte, ließ er unbeachtet. Stattdessen wollte er sich eines der Bücher greifen, doch bevor er dazu kam, entrollte der Mann die letzte Schriftrolle und erklärte, was man dort sah. Von seiner Position aus erkannte der Tuva allerdings nur Schemen der Zeichnung, weshalb er seinen Blick wieder davon abwandte und die Reaktionen der Anwesenden registrierte. Jeder, der einen direkten Blick auf jenes Bildnis warf, zeigte eine Spur von Verstörung auf dem Gesicht. Entweder gepaart mit Faszination oder Entsetzen.
      Dem Captain ließ sich ersteres zu ordnen. Regelrecht in den Bann gezogen schien er von Jenem Ding…
      "Eine faszinierende Kreatur, außerweltlich und doch ziemlich gewöhnlich."
      Die Worte des Korsaren sackten noch nach, als jenes Hand dem Tuva die Zeichnung hin hielt. Er machte keine Anstalten danach zu greifen oder die Schriftrolle an sich zu nehmen. In seinen goldenen Augen zeichnete sich ein Entsetzen ab, dass kein anderer gezeigt hatte. Seine Zähne knirschten leise, als er sie auf einander presste. Nicht weil er die Erscheinung des Dämonen für unwirklich hielt, sondern weil ihm dieses Abbild erschreckend bekannt vor kam.
      „ Verdammnis…“, wich es ihm kaum vernehmbar über die Lippen, als er seine Hand nun doch an hob und über seinen Arm fuhr. Die Ärmel seiner Tunika und Lederschienen der Rüstung bedeckten seine Tätowierungen und so auch jene, welche ihn so stark an das Abbild vor seinem Auge erinnerte. Die Hörner, dieses Gesicht - Augen und Mund. Doch nur schemenhaft… aber gleich.
      Etamin bemerkte, wie ein paar Blicke zu ihm wanderten. Schnell fasste er sich wieder und setzte einen gequälten Ausdruck auf sein Gesicht.
      „ Wir haben ähnliche Bildnisse an den Wänden des Palastes in Khor Mahi…“, sagte er dann und hoffte, dass damit seine Reaktion erklärt sein würde. „ Man mag es kaum glauben, aber selbst mein Volk benutzt diese Biester als Material für gruselige Geschichten, die den Kindern erzählt werden…“
      Er nahm seine Hand von dem Arm und blickte zurück zu den Büchern, von welchem er das erste ergriff und es aufschlug.
    • Man mag es kaum glauben, aber selbst mein Volk benutzt diese Biester als Material für gruselige Geschichten, die den Kindern erzählt werden…“, die Worte schallten Fellian im Kopf herum. Für den Piraten war es eine obskure zeichnung gewesen, ein Bild das er noch nie in seinem Leben gesehen hatte, doch während seine Vorfahren das meiste Wissen über diesen Teil der Vergangenheit anscheinend kaum verlässlich in einfachen Geschichten gesammelt hatten, hatten die Tuva den verlässlichen Weg gewählt und Bildnisse angefertigt. Glücklicherweise war dies auch eine Form der Bestätigung, denn die Ähnlichkeit würde sicher kein Zufall sein und damit war es wohl ein verlässliches Abbild.
      Während Etamin in seiner Nähe bereits nach einem der Bücher griff, einem ledergebundenem Stück mit edlen Metallstutzen an den Ecken, welches vermutlich durchaus wertvoll sein durfte, schnappte sich Fellian bereits die beiden anderen Schriftrollen, nachdem er das Bild offen auf den Tisch gelegt hatte, da der Tuva es ihm nicht abnehmen hatte wollen. Die erste Rolle, welche er aufrollte war eine Karte der Örtlichkeiten bei der der Beamte etwas von einem Kometen gesagt hatte. Irgendein Kartograph hatte Ereignisse und Informationen mit geschickter Hand eingetragen und Fellian konnte sieben Einträge erkennen, welche für einen Angriff der Dämonen standen. Da ihm diese Karte keine guten hinwiese lieferte wo der Ort, welchen Sie abbildete den eigentlich war, schob er Sie ein Stück beiseite und öffnete auch die Zweite, welche sehr viel mehr des Kaiserreiches zeigte. Mit dem rechten Zeigefinger begann er einige Linien auf dem Pergament abzufahren bevor er die Hand hob und eine heranwinkende Bewegung vollführte, "Manann, Zadara ich brauche eure Augen."
      Die beiden Schiffsoffiziere kamen schnellen Schrittes zu ihm und stellten sich rechts und links von ihm auf, wobei Sie ihren Blick auf die Karte richteten, während Fellian bereits wieder damit begann die Linien abzufahren. Es dauerte einen Augenblick, dann hatte Fellian eine längere Linie zu Ende gefahren, "Wenn ich das richtig sehe ist das hier der Ratay bevor er weiter südlich in den großen Fluss Orda fließt."
      Manann zog die Karte in seine Richtung und betrachtete das Ganze in Ruhe, "Ja das müsste der Ratay sein allerdings haben wir nur Flusskarten für seinen Anfang, nicht weiter, wir könnten auf Sandbänke und ähnliches stoßen und stecken bleiben. Das Gebirge scheinen die Nordberge zu sein, vielleicht können wir die Küste anch Norden hochsegeln, dort anlegen und dann länger landeinwärts wandert, die Gewässer kennen wir besser aber der Landweg wäre defintiv ein längerer."
      "Die Küste hochsegeln ist vermutlich schneller als den Fluss gegen den Strom zu befahren.", merkte Zadara an, "Aber wenn wir den Kurs berechnen wollen brauchen wir unsere Karten nicht allein diese hier."
      "Nun meine Arbeit hier ist getan.", kommentierte der dicke Beamte ohne das es jemanden zu kümmern schien. Er gab ein unglückliches Schnauben von sich und marschierte, fast beleidigt dreinschauend davon. Fellian ignorierte das Schauspiel völlig, seine Gedanken waren bereits bei den Karten und der Planung eines potenziellen Weges. Natürlich hatte Zadara Recht und er benötigte seine echten Karten aber zumindest einige Details machten sich bereits in seinem Kopf breit.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Das ledernere Buch in seiner Hand blickte der Tuva für einen Moment wortlos an, ehe seine Augen heimlich gen Bildnis des Dämonen wanderten und wieder hinab auf seinen Arm. Verdeckt unter seiner Kleidung ruhte dort noch immer was ihn beunruhigte.
      Neben der Frage, warum ihm eine Ähnlichkeit nicht eher aufgefallen war, fragte er sich auch, ob er es anmerken sollte. Täte es etwas zur Sache?
      Während sich die Piraten über die Karten hermachten, welche dem Tuva ohnehin unbekanntes Gelände waren, schlug er das Buch auf seinem Schoß auf. Der Titel, in feiner schnörkeliger Handschrift auf die erste Seite geschrieben, lautete „Über die Verbrecher und ihre Nachfahren“. Jenes entziffert, war Etamins Interesse geweckt. Sie hatten Aufzeichnungen geführt, über die 5 Helden von damals… All die Jahre lang, bis heute…?! Vielleicht würde dies ihr Problem lösen und aus den zweien, welche hergekommen waren wieder 5 machen…
      Er blätterte die Seiten durch, die ganze erste Sektion war Balian Tiefenherz und seinen Nachfahren gewidmet. Von keinem großen Interesse in diesem Moment. Dessen Nachfahr Fellian Tiefenherz war immerhin dem kaiserlichen Edikt gefolgt. Obwohl er es eigentlich auch hätte überspringen sollen, hielt ihn die folgende Sektion davon ab. „Alwaid Palla‘hayz von den Nomandenstämmen der Tuva und seine Nachfahren“, las er auf einer der Seiten. Das Blättern wurde langsamer. Nach dem großen Vereiniger kamen noch zwei Generationen mit detaillierten Aufzeichnungen über die Mitglieder, welche dann allerdings endeten. Der Tuva zog eine Augenbraue hoch und blätterte weiter. Während die Kinder von Alwaid noch alle aufgezählt worden waren, folgten auf den nächsten Seiten lediglich die in Khor Mahi residierenden Anführer und detaillierte Informationen über diese. Nachdem er die Seite der Mutter überwunden hatte, endete die Sektion auch schon mit der Auflistung seines Bruders Alrakis. Viel stand dort nicht über ihn… Ein wenig enttäuscht sich selbst nicht gefunden zu haben, blätterte er weiter.
      „Illimias“, lautete der nächste Name. Etamin blätterte weiter, bis zur letzten Seite von dessen Sektion. Er brauchte eine Weile, bis er gelesen hatte, was dort stand.
      Der Tuva blickte auf zu den Piraten, welche zwar verstummt waren, aber noch immer angestrengt auf die Karte blickten.
      Der Tuva erhob sich und machte sich auf zu den Korsaren. Tatsächlich sagte ihm die Karte nicht sonderlich viel aus, weshalb er das Buch aufgeschlagen daneben legte. „ Sie haben Aufzeichnungen über fast jeden Nachfahren, welcher heute noch lebt…“, erklärte er kurz, ehe er auf die Karten nickte. „ Ihr plant die Route?“, fragte er dann und legte den Kopf ein wenig schief. Zwar war er der Meinung, dass eine Beziehung freundschaftlicher Natur zu den Piraten gut wäre, aber für den Moment fehlte ihm die Klarheit auf eine solche Verbindung mit der Planung für die Beseitigung der Dämonen aufzubauen. Er seufzte leise und nahm sich zusammen.
      „ Kann ich davon ausgehen, dass wir uns als Partner definieren können?“, fragte er dann.