Albions Schatten [Cirdan & Daisy]

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    • Albions Schatten [Cirdan & Daisy]

      Albions Schatten

      Delores
      Warum nur? Was hatten sie nur verbrochen? Wie konnten sie diese grausame Strafe rückgängig machen?
      Als die Sonne der Menschheit den Rücken kehrte, klangen die Wehgesänge so unerträglich laut. Wie ein verstimmter Canon ohne Dirigent. Die Menschen fürchteten sich und beschworen namenlose, wie auch übermächtige Gottheiten ihrer Wahl; man hätte sie verärgert.
      Die Industrie sei schuld.
      Nein, es war die Gotteslästerung!
      Unsinn, das Königshaus trug die Konsequenzen für ihr Fehlhandeln.

      Was man denn rede, das jüngste Gericht traf ein - nun würden alle für ihre Sünden gestraft.
      Ein schauriges Gewitter aus Klagen und Vorwürfen sprangen den Menschen von den Lippen und brannten sich in die Geschichtserzählung. Jeder erinnerte sich an die gequälten Rufe der Verurteilten. Selbst Neugeborene vernahmen noch ihr Echo in der Nacht. Dutzende starben mit der einen Frage in ihrem aufgebrachten Sein;
      warum? Warum? Warum?
      Ein schauriger Ruf der geplagten Menschen.
      Warum? Warum?
      Lange Zeit verbrannte diese Frage einen Leichenhaufen nach dem nächsten. Die knisternden Flammenzungen zerfraßen die Leiber und verschluckten ihre Rufe.

      Doch irgendwann kehrte Stille ein. Es war diese Art der Ruhe, die einen stets daran erinnerte, dass man alleine gewesen ist. Bald schon ist niemand mehr übrig gewesen, der noch fragen konnte. Niemand, der hoffte ein allmächtiger Gott hielte seine schützende Hand unter seinen Geschöpfen und verfolgte einen Plan. Nein, es überlebten die, denen klar gewesen ist, dass sie alleine waren. Dass es keinen Grund gab. Dass Dinge geschahen und man an nichts festhalten durfte außer seinem Willen zu überleben. Dass man nichts zurückbringen konnte, was lange fort gewesen ist. Sodass die Wehklagen nur noch Erinnerungen gewesen sind an eine weniger raue Zeit. An eine Zeit, die die Menschen aus dem Schatten als die Kindheit der Welt bezeichneten.

      Für Delores hat es nie ein anderes Zeitalter gegeben. In tiefer Schwärze, nur bedingt erleuchtet von einer alten Gaslampe, hantierte sie hinter dem Haus ihres Großvaters. Leise fluchend machte sie sich an den Wasserfilter zu schaffen. Das war das siebte Mal diese Woche. Das alte Gerät war inzwischen verrostet, musste dauernd nachgezogen werden, sie hat schon endlose Male Teile ersetzt oder geölt. "Gib mir die Zange dort drüben!", forderte sie hochkonzentriert und streckte ihre Hand aus zu der jungen Dame, die ebenfalls bei ihr stand um die Lampe zu halten. Elise verdrehte die Augen. "Was wollt ihr überhaupt noch mit dem Ding, Dotty? Keiner der anderen hat mehr einen Wasserfilter. Die Dinger halten doch sowieso nicht und noch ist keiner von uns krank geworden von dem Regenwasser." Schnaubend richtete die Brünette sich auf und funkelte ihre Freundin an. Ihre Hand noch immer ausgestreckt. "Gib mir bitte die Zange, Elise." Es war aussichtslos. Delores wollte nichts davon hören. Sie wird diesen Filter reparieren, bis er ihr auseinander fiel oder sich auflöste. Das Regenwasser, das sie auffingen war sicherlich nicht lebensbedrohlich. Doch ihrem Großvater ging es schlecht genug und wenn auch niemand ihr Glauben schenken wollte, das saubere Wasser machte es besser. Zumindest ein kleines bisschen. Und ganz gleich wie gering das Resultat gewesen ist, solange es eins gab würde sie auch keine Mühen scheuen.
      Das junge Mädchen lieferte sich mit ihrer Freundin einen trotzigen Kampf, in dem sie beide sich in die Augen blickten, beide überzeugt von ihren eigenen Ansichten, bis Elise nun endlich klein bei gab. "Fein! Hier hast du!", stampfte sie mit dem Fuß auf und gab Delores endlich ihr dummes Werkzeug. Die Tüftlerin nickte nur und machte sich wieder ans Werk, während Elise sich, die Lampe noch immer haltend, von ihr wegdrehte und auf die Felder herabblickte. Es war noch tiefste Nacht, was bedeutete, dass keine natürliche Lichtquelle auf sie herabschien. Doch die Häuser des kleinen Dorfes waren umhüllt von vereinzelten Lampen, die ihnen Schutz bringen sollten. Es war ein einsamer Anblick die wenigen kleinen Lichter in dem Meer aus Schwärze zu sehen. Instinktiv musste man sich fragen, wann die Dunkelheut auch diese kleinen Funken verschlucken würde.
      "Hah! Hab ich dich!", rief Delores plötzlich triumphierend aus, ihre Freundin aus den Gedanken reißend. "Entschuldige, aber ich kann mich darüber nicht mehr freuen, so oft wie das Ding kaputt geht!", seufzte diese und drückte ihr die Lampe wieder in die Hand. Die kleine Filteranlage war angeschaltet und fing ratternd wieder an zu arbeiten und beförderte gesäubertes Wasser in einen Tank der Familie. "Ja, ja! Trotzdem, danke, dass du vorbei gekommen bist", winkte Delores ab und nahm sich alles, was sie gebraucht hatte.
      "Soll ich dich nach Hause begleiten?", hakte die Brünette nach, worauf Elise nur lachte. "Bloß nicht! Am Ende fällt dir an meinem Haus auf, dass das Ding wieder aufgehört hat zu brummen und du schleppst mich wieder zurück!" Das Mädchen grinste frech und streckte ihrer Freundin die Zunge raus. "Bleib du mal schön hier. Wir sehen uns dann sicherlich morgen." Delores nickte. "Dann bis morgen. Ich komme dann vorbei um beim Pflügen zu helfen." Elise winkte ihr noch zu, ehe sie in der Schwärze verschwand.

      Delores selbst trat wieder ins Haus und schlüpfte aus ihren staubigen Schuhen und der Jacke, nachdem sie einige Zeit im Dreck gelegen hat. Sie nahm ihre Lederhandschuhe ab und platzierte die Lampe auf dem Tisch, ehe sie die Gaszufuhr erhöhte und somit die Flamme genährt anwuchs, um den Raum besser erleuchten zu können. Aufmerksam lauschte die junge Frau und der Filter arbeitete noch. Sie befüllte eine Karaffe mit dem Wasser aus dem Tank und schüttete sich einen Becher davon ein. Nachdenklich schaute sie in die Flüssigkeit. Wasser war so wichtig. Der Körper musste oft gereinigt werden, darin widersprach ihr niemand. Alle kannten die Auswirkungen schlechter Hygiene. Doch wieso ist sie so allein mit der Ansicht gewesen, dass man den Körper auch von innen reinigen musste? Sie verstand nichts von Medizin. Jemand schlaues könnte sie vielleicht irgendwann davon überzeugen, dass sie falsch lag. Doch bis dahin hörte sie auf ihr Bauchgefühl... und immerhin konnte sie damit zumindest eine Sache tun, die tatsächlich in ihrer Macht stand.
      Ein Ächzen in dem kleinen Haus, ließ sie sofort den Kopf nach oben reißen. "Großvater?" Sie stellte das Glas ab und eilte in die Stube, wo der erschöpfte Körper des Mannes unter einer Menge Decken begraben lag. Er ächzte verächtlich und keuchte beim Atmen, als würde er keine Luft bekommen. Sein ergrautes Haar klebte in seiner Stirn vor Schweiß und gequält wandte er sich hin und her. "Großvater", sagte sie noch einmal sehr sanft und kniete sich vor der einzigen Familie, die ihr geblieben war. Ihre Finger voller Schrammen und kleinen Narben strichen ihm über die Stirn. "Ich bin hier, es ist alles in Ordnung. Es ist nur ein Alptraum, ich-..." Sie verstummte sofort, als der Mann seine Augen aufriss und eine seiner Hände an seine Brust griff. Erschrocken stolperte Delores zurück. Mit Terror in den Augen sah sie mit an, wie er am ganzen Leibe zitterte, sich die Brust hielt und in einer Mischung aus Keuchen und Husten erbebte. Sein Husten wurde brutaler und bald schon erkannte Delores in dem sanften Licht der Lampe das Rot auf seinen Händen. Er hustete schon wieder Blut.
      Sofort begann ihr Körper zu handeln. Sie sprang auf die Beine und stürmte heraus. Barfuß rannte sie wie eine wahnsinnige zu Elises Haus und erwischte das Mädchen sogar noch, wie sie gerade bei Ihrer Tür ankam. "Dotty?! Sag mir nicht der dumme Filter ist schon wieder-" Delores rannte an ihr vorbei ins Heim, keuchend, außer Atem stürzte sie in das Schlafzimmer der einzigen Medizinerin ihres Dorfes. "Lavita! Lavita, bitte! Großvater spukt wieder Blut", zerrte sie an der schlafenden Frau, die sofort senkrecht im Bett stand. "Ach du liebe Zeit. Delores!" Sie schaute sich ganz erschrocken um, erkannte ihre Tochter im Türrahmen stehen. "Bitte! Du musst mit kommen, ich flehe dich an!" Lavita seufzte schwer und warf sich etwas über, bevor das aufgebrachte Mädchen sie einfach mit sich zog und sogar Huckepack nahm, als die Dame mit ihrem Gehstock einfach zu langsam gewesen ist. Elise war ebenfalls sogleich zur Stelle und trug die Tasche mit allerlei Mitteln, die ihre Mutter zur Verfügung hatte. "Ach du liebe Zeit...", nuschelte die Heilerin, als sie in die Stube trat. Der Geruch von Schweiß und Krankheit trat ihr in die Nase und der Mann war von seinem Deckenberg gefallen und litt unter schrecklichen Krämpfen. "Elise, lasse meine Tasche hier und bring Delores in die Küche." - "Nein! Ich kann helfen! Ich kann etwas tun! Schick mich nicht weg, ich möchte bleiben!", weigerte sie sich, doch ihre Freundin ließ nicht mit sich reden und führte den Wunsch ihrer Mutter aus, wenn es auch mit Gewalt sein musste. "Deine Angst und deine Panik hilft niemandem!", tadelte sie die Brünette, während sie noch verzweifelt versuchte zu ihrem Großvater zu linsen. Ihr ganz Körper war angespannt, ihr Herz hämmerte wie wild und kalter Schweiß benetzte ihren Körper. Ihre Brust schmerzte von der Anstrengung und die Verzweiflung wog wirklich schwerer als Blei und lastete an ihr.
      "Elise was ist denn nur mit ihm? Es war doch gestern Abend wieder ein bisschen besser!", fand sie das Wort wieder, als sie anfing in der Küche auf und ab zu laufen, sich immer wieder die Haare raufend. "Was passiert da nur mit ihm? Was hat er sich eingefangen?" Ihre Gedanken rasten vor ihr davon und übernahmen gänzlich die Kontrolle über ihren Verstand. "Er ist krank, er ist alt. Dotty, wenn er stirbt, so hat er dennoch länger durchgehalten als viele andere", seufzte die junge Elise. Diese Worte brachten Delores dazu inne zu halten und mit Tränen in den Augen sah sie zu ihrer jüngeren Freundin. "Aber warum er...?" Schneller, als eine der beiden Mädchen schauen konnte, war Elise aufgesprungen und schlug Delores mit der flachen Hand ins Gesicht. Erschrocken blinzelte diese und hielt sich die Wange. "Du bist kein Kind mehr, Dotty! Du bist zu alt, um nach einem Grund zu fragen! Wenn er stirbt, sei froh, dass er so lange durchgehalten hat." Die Stimme des jüngeren Mädchens war eiskalt geworden, sodass es Delores schauderte. Sie hatte recht. Sie wusste, sie musste recht haben. Und doch... Und doch wollte es ihr nicht gelingen diesen Gedanken abzustreifen. Sie musste doch etwas tun können!
      Es vergingen Stunden. Der Tag brach ein und hüllte das Land in eine sehr bedeckte Helligkeit. Es war möglich ein wenig des Weges voran zu sehen, was bedeutete, dass die Menschen zu arbeiten anfingen. Seufzend blickte Elise hinaus aus dem Fenster. Sie müsste auf dem Feld sein, anstatt hier zu sitzen. Ihre Augen schweiften zu Delores. Ihre Freundin saß komplett in sich zusammengesackt in ihrem Stuhl. Der Kopf hing in ihren Händen. Sie war das Ebenbild einer Emotionalität, die in Elise Abscheu hervor rief. Sie würde enden wie ihr Vater, schoss es dem jungen Geschöpf in den Sinn und sie wendete den Blick wieder ab.
      Erst, als Lavita wieder eintrat blickte das Mädchen hoch und Delores stand sofort bei ihr. "Und? Wie geht es ihm? Ist alles in Ordnung?" Sie versuchte an der Frau vorbei zu sehen, doch diese schloss schnell hinter sich die Tür. "Er schläft jetzt wieder. Diese Nacht hat er überstanden... Aber Delores, ich kann mit meinen Mitteln nichts mehr für ihn tun. Den nächsten Anfall wird er nicht mehr überstehen. Wir haben keine Medizin wie die Albioner. Mit unseren Mitteln wird er nur noch leiden, anstatt zu heilen." Das traf das Mädchen in einem Ausmaß, dass sie das Gefühl hatte zu stürzen. Ohne ihr zutun schüttelte sie den Kopf, wie mechanisch trat sie von der Frau und dessen Tochter weg. "Nein", verneinte sie. "Nein." - "Delores, wir können nichts mehr tun!", versuchte es nun Elise, doch Delores fing an zu schreien. "Nein! Ich... ich kann etwas tun! Es gibt noch eine Möglichkeit. Die Albioner. Du hast gesagt sie können etwas tun richtig?" Lavita fiel alles aus dem Gesicht. "Ich weiß es nicht. Die Albioner haben bessere Medizin und... Kind, wo willst du hin?!" Das war alles was sie hören musste. Wenn Delores nach Albion kommen musste, um ihrem Großvater zu helfen, dann würde sie das tun. Sie stürzte in ihr Zimmer und nahm alles mit, was sie für nützlich erachtete. Sie packte sich eine kleine Tasche mit all ihren eigenartigen Geräten und Utensilien für die Jagd. Sie zog die festen Stiefel über und verschwand ohne ein Wort zu sagen, die Heilerin mit ihrer Tochter zurücklassend. Lavita schaute besorgt zu ihrer Tochter. "Was hat sie denn nur vor?" Elise schaffte es nicht auch nur einen Funken Mitgefühl zu empfinden. Ihre Augen waren kalt und erbarmungslos, ihre Stimme gleichgültig. "Sie folgt wahrscheinlich ihrem Vater."
    • Verlassen.
      Von Gott? Von Göttern?
      Wer weiß.
      Dem Schicksal?
      Vielleicht.
      Opfer der eigenen Hybris?
      Inakzeptabel.

      Schatten, Kälte und Gift, alles zerfiel zu Asche.
      Keine höhere Macht, die eine Hand schützende Hand über ihre Schäfchen legte.
      Stille und Tod die einzige Antwort auf verzweifelte Hilferufe.
      "Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich."
      Leere Worte einer verlorenen Zeit.

      "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott."
      Das letzte gültige Credo.
      Doch Gott auch hier enthielt sich jede göttliche Fügung.
      Von selbst erhob sich der Phönix aus der Asche,
      einsamer Herrscher über Himmel und Erde.
      König einer neuen Welt.


      Evan

      Mit einem entspannten Seufzen wandte er seinen Blick ab von dem strahlenden Himmel, der sich über ihm erstreckte. Es versprach wieder einmal ein wortwörtlich blendender Tag zu werden, so wie die meiste Zeit in diesen luftigen Höhen. Es kam vor, dass sich Gewitterwolken so hoch auftürmten, dass es selbst in Albion zu Sturm und Regen kam, doch dieser Morgen ließ das genaue Gegenteil vermuten. Warum also nicht in vollem Müßiggang etwas Ruhe genießen. Das Frühstück hatte er bereits hinter sich gebracht, doch es gab keinen Grund an einem so schönen Tag schon aufzubrechen, oder sich etwas vorzunehmen. Es war Wochenende, somit keine Universität, und andere Verpflichtungen standen nicht an. Zumindest nichts, das ihn zu plötzlichen Bewegungen, oder gar Anstrengung anspornen würde.
      So saß er also unter dem schattenspendenden Dache eines Pavillons im Garten, die Füße auf dem Tisch, der zuvor noch von Bediensteten abgeräumt worden dar, und sinnierte vor sich hin, was er mit seiner freien Zeit überhaupt anfangen sollte. Wenn es nach ihm ginge, dann würde ihn so schnell nichts von hier wegbringen. Ein Glas voller eisgekühltem Saft stand neben ihm und gedankenverloren ließ er seine Finger über dessen Oberfläche streichen, an der sich erfrischende Tautropfen gebildet hatten. Für ihn völlige Normalität über die er noch nicht einmal einen Gedanken verlor, doch auch für einige Albioner der reine Luxus. Ganz zu schweigen davon, wie unvorstellbar etwas Derartiges für jeden war, der sein Dasein im Schatten fristete.
      Eine Welt, die für ihn so fremd war, dass sie sich genauso gut auf einem anderen Planeten hätte befinden können. Natürlich lernte schon jedes Kind, was es darüber zu wissen gab und selbstverständlich sah man die Schattenmenschen in den Kämpfen, die stets abgehalten und ausgestrahlt wurden. Aber auch dafür hatte er sich nie begeistern können. Seine Heimat war der Himmel und der ewige Ozean aus Wolken. Wozu sich also großartig mit dem beschäftigen was unter ihm lag? Man grübelte doch auch nicht über Käfer nach, die unter einem Stein lebten. Evan verachtete die Schattenbewohner nicht, wie es manche seiner Landsleute und Freunde taten und sah auch keinen Spaß darin mit diesen herumzuspielen. In seinen Augen gab es einfach keinen Grund dafür, sich mit ihnen zu beschäftigen. Das was die Erde noch an Ressourcen zu bieten hatte, ja, das war von Interesse, aber mehr auch nicht. Die Oberfläche, ihre alte Heimat, das war Vergangenheit. Um vorwärtszuschreiten, durfte man seinen Blick nicht nach unten richten. Hier in den Lüften war das wahre Leben und oben in der Ferne funkelte in der Nacht die Zukunft. Wie viel höher würden sie wohl eines Tages noch aufsteigen können?
      All das waren Gedanken, die Evan in diesem Moment nicht durch den Kopf gingen, als er das Glas mit einem Zug genüsslich austrank. "Haach ja, so sollte es ruhig öfter sein." Einfach ein angenehmer Morgen, ohne dass Pflichten auf ihn warteten, oder man etwas von ihm wollte. Und vor allem niemand, der ihm befahl, wie er sich zu verhalten hatte. Der Blondhaarige wollte sich gerade schon noch weiter in seinem ausladenden Sessel bequemer machen, als sein Blick auf eine Person fiel, die zackig und in perfekter Körperhaltung über den Rasen auf ihn zu kam. In der makellosen, von zahlreichen Orden geschmückten Uniform sah der Mann aus wie ein General auf einem alten Gemälde, oder Geschichtsbuch. Immerhin war er ja auch genau das. Zumindest was Ersteres betraf. Für Geschichtsbücher war er noch weit zu lebendig und auf Gemälde und Kunst hatte er nie etwas gegeben.
      Innerlich fluchend nahm Evan die Füße sofort vom Tisch, nahm eine aufrechte Haltung an und setzte ein neutrales Lächeln auf. Natürlich alles zu spät. Missbilligende Falten durchfurchten die Stirn des Generals für einen Moment, als ob er es nicht schon gewohnt war, dass der junge Mann sich nur zu gerne locker verhielt.
      "Vater, was für eine Überraschung euch hier so spät noch anzutreffen." begrüßte ihn Evan und versuchte so zu klingen, als ob er erfreut darüber war. Ein ungehaltenes Schnauben war die einzige Antwort, die er darauf erhielt. Genauso wenig neu, wie unerwartet. Dass sein Sohn um diese Tageszeit nicht schon längst unterwegs war, um in irgendeiner Form produktiv zu sein, schien der General ein ums andere Mal als persönliche Beleidigung aufzufassen. "Und nicht gerade eine Überraschung, dass du noch immer hier bist." erwiderte Aston kopfschüttelnd, unterließ es jedoch weitere Kommentare über den Lebensstil seines Sohnes abzugeben. "Schon gehört? Der Kämpfer der Knights hat bereits den fünfzehnten Kampf erfolgreich bestanden, so weit hat es seit vielen Jahren niemand mehr geschafft."
      Natürlich musste es schon wieder um die Arena gehen. "Ja, kann sein, dass ich davon am Rande etwas mitbekommen habe." Antwortete Evan ausweichend. Nicht schon wieder dieses leidige Thema. Jeder Albioner und jede Familie, die das Geld hatte und etwas auf sich hielt, kaufte sich bei den Wettkämpfen ein. Etwas, das er selbst bis jetzt vermieden hatte, schließlich konnte er sich weit bessere Zeitvertreibe vorstellen. "Und wie sieht es mit deinem Schattenkämpfer aus?" stellte der General die Frage, von der sie beide die Antwort nur zu gut kannten und funkelte ihn an.
      "So wie die letzten Jahre auch." meinte Evan nur mit einem Schulterzucken, wobei ihm die kleine Ader nicht entging, die an der Schläfe seines Vaters wieder einmal begonnen hatte zu pochen. "Kriecht vermutlich irgendwo durch den Staub und blutet ganz sicher nicht wie die anderen Narren in der Arena aus. Leider ein kleines Spielzeug weniger für euch... Vater." fuhr er mit einem süffisanten Lächeln fort und lehnte sich etwas zurück, während er in das rot werdende Gesicht Astons aufblickte. Die plötzlich folgende Reaktion, ließ ihn jedoch zusammenzucken.
      "Genug! Ich habe genug von deinen Albernheiten! Du wirst mich nicht weiter zum Narren halten!" Fauchte der General und schlug mit der Hand auf den Tisch, was das leere Glas klirrend springen ließ. Jede spitze Bemerkung, die Evan vielleicht noch auf der Zunge gelegen hatte, war wie verschluckt. So einen Ausbruch hatte er auf keinen Fall erwartet. "Es gibt Grenzen! Mein Sohn wird diese Familie nicht noch länger zum Gespött machen!" Aston griff mit einer Hand in die Innentasche seiner Uniformjacke und warf einen prallen Umschlag auf den Tisch. "Wenn bis zum Abend auch nur irgendein Schein in diesem Umschlag übrig ist, und du nicht als Sponsor zurückkommst, dann kannst du von allem hier," mit ausladenden Handbewegungen fuchtelte sein Vater wütend um sich. "Abschied nehmen. Unter meinem Haus lebt entweder ein richtiger Albioner, oder niemand!" Mit diesen letzten, gebrüllten Worten drehte er sich schnaubend um und marschierte denselben Weg zurück, den er gekommen war und ließ Evan in fassungsloser Stille zurück.

      Dass er die Grenzen immer wieder ausgelotet hatte und seinen Vater nur allzu oft auf die Palme brachte, das war ihm stets bewusst gewesen. Doch so wütend hatte er diesen schon lange nicht mehr erlebt. War etwas geschehen, das diesen Ausbruch ausgelöst hatte, oder hatte er es einfach nur geschafft das Fass zum Überlaufen zu bringen. Was auch immer es war, spielte nun keine Rolle mehr, es blieb ihm keine andere Wahl als genau das zu tun, was ihm soeben befohlen worden war. Evan räusperte sich und versuchte das mulmige Gefühl, das sich ihn ihm ausgebreitet hatte, wieder herunterzuschlucken. Er hatte es noch nie geschafft seinem Vater Stirn an Stirn Paroli zu bieten, stets knickte er nur wieder ein und duckte sich. Ja, er widersetze sich nur zu gerne den ganzen lästigen Etiketten und Dekorum, aber es war doch nichts anderes als der Zwang seinen Eltern und indirekt der Gesellschaft auf die Nerven zu gehen. In einer direkten Konfrontation gab er ja doch klein bei und das wusste er genau. Zähneknirschend und voller Wut nahm er den Umschlag vom Tisch. Er war noch nicht einmal allzu erzürnt über seinen Vater, der ihn in diese Situation gezwungen hatte, vielmehr auf sich selbst, darüber, wie er schweigend und tatenlos dagesessen hatte, als er die Tirade ertragen musste.
      Ein Blick auf das, was er in der Hand hielt, war gar nicht nötig. Auch so konnte er sagen, dass er eine Menge Geld in der Hand hielt. Mit Sicherheit genug, um sich jeden beliebigen freien Kämpfer anzueignen, der ihm gefiel. Kurz war er versucht es einfach zu verprassen, doch er wusste, dass sein Vater keine hohle Drohung ausgesprochen hatte. Das tat der General nie. Er hatte also keine Wahl. Evan würde sich wohl oder übel in die Reihen der anderen Albioner einreihen, ein braver Bürger werden und auch endlich Schattenmenschen in den Tod führen. Kurz gesagt, Zeit sich einen Menschen zu kaufen.
    • Delores
      Vor Delores erstreckte sich ein Bild der Trostlosigkeit. Eine staubige Wüste aus verlassenem, vertrocknetem Boden lag zu ihren Füßen. Vor langer Zeit waren die Spuren menschlichen Lebens von diesem Fleck gewichen und es blieb nichts als Ödland. Die junge Frau war lange durch den Dreck vergangener Zeiten gelaufen. Zielstrebig mit den Augen auf die Ferne gerichtet, bis sie auf einer Erhöhung angekommen ist, von der niemand mehr ahnte, ob sie natürlichen Ursprunges gewesen ist oder nicht. Der Tag war beinahe an seinem Höhepunkt angelangt und hüllte die Schatten in ein kaltes, gedimmtes Licht. Die gelegentlichen Winde waren das einzige, das die junge Frau daran erinnerten, dass sie während ihres überstürzten Marsches nicht schlafwandelte. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, schoss es ihr nun endlich in den Sinn, als sie sich mit Sack und Pack in den Staub fallen ließ und in die Ferne blickte. Wie eine überhebliche, unnatürlich groteske und brennend strahlende Krone erhob sich das Tor zu den Albionern in weniger Entfernung. Das Ziel ihrer Verzweiflung. Die Arena war ein monströses Gebilde, einzig errichtet, um die Macht der Himmelsbewohner zu demonstrieren. Sie wurde geflutet von Licht und große Anlagen um das moderne Kolosseum herum trieben diese dekadente Demonstration von Wohlstand und Verschwendung mit Surren, Fauchen und Quietschen an.
      Es war das Tor zu den Albionern. Keineswegs nach New Albion selbst. In dieser Arena konnten man lediglich um sein Leben kämpfen und damit die gesichtslosen Gestalten dort oben zum zufriedenen Nicken bewegen. Wenn alles gut ging waren sie unterhalten und warfen den neuen Nutztieren einige Krümel zu und erfreuten sich daran, wie sie gelobt und gepriesen wurden. Delores vergrub ihr Gesicht in den Händen. War es wirklich der einzige Weg gewesen? Bis zu diesem Moment hatte die junge Frau es akribisch vermieden über ihre Entscheidung nachzudenken. Doch nun, da die Arena in Sicht gewesen ist, blieb ihr nichts anderes übrig, als einen Moment inne zu halten. Es war ein wahnsinniges Unterfangen. Wie lange hatte keine Frau mehr teilgenommen? Delores runzelte die Stirn. Hatte jemals eine Frau teilgenommen? Ein paar Männer aus ihrem Dorf waren Kämpfer für die Albioner. Man mied sie wie die Pest. Es war ein unausgesprochenes Gesetz, dass man nicht mehr zur Gemeinschaft gehörte, sobald man gesponsort wurde. Niemand hatte Interesse daran von diesen fliegenden Augen auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden und der Neid um die üppigen Rationen tat sein Übriges. Das war auch schon alles, was Delores darüber wusste. Und alles was sie gedanklich aufzählte war ihr die Medikamente, die sie auf diesem Wege bekommen könnte wert. Was nutzte ihr eine Freundschaft zu Elise oder Lavita, wenn ihr Großvater auf diese Art gehen würde. Voller Schmerzen und Qualen. Wie könnte sie weiterleben in dem Wissen nicht alles für ihn getan zu haben, was in ihrer Macht gestanden hätte? Und was sollte sie dann überhaupt tun? Einen Mann finden und Kinder bekommen? Sich an die nächsten Existenzen klammern, die ihr jeden Augenblick unter den Händen wegsterben konnten bis es ihr irgendwann egal werden würde? Die Einstellung ihrer Dorfbewohner verinnerlichen, bis ihr nichts mehr wichtig erschien außer ihr eigenes Leben und ein Dasein fristen wie ein Tier in seiner Höhle? Oder doch lieber den Verstand verlieren wie ihr Vater es getan hat und in das weite Unbekannte laufen, um bei lebendigem Leibe davon verschluckt zu werden? "Scheiße...", nuschelte sie in die Stille hinein und raufte sich mit beiden Händen ihre Haare. So oder so, sie musste etwas tun. Mehr tun. Alles tun was ihr möglich... was nötig gewesen ist.

      Entschlossen, getrieben, gezwungen erhob sie sich aus dem Staub und machte nicht mehr Halt, bis sie an den großen Toren ankam. Anscheinend war ein Kampf in Gange, sie hörte bereits von weitem sonderbar mechanisch klingende Stimmen, die unnatürlich laut erschienen und gelegentliche Schreie von Männern. Zwei Wachen der Albioner versperrten ihr den Weg. Sie trugen Masken und Helme, es war unmöglich ihr Gesicht zu erkennen. Doch sie trugen Uniformen, die nur aus der Himmelstadt kommen konnten. "Sieh einer an!", lachte der eine auf mit einer Stimme, die in Delores Ohren sehr fremdartig klang. "Dass sich also auch Frauen dieser Geschöpfe so weit raus verirren!" - "Dreh um.", befahl ihr der zweite, der anscheinend weniger Spaß an der Situation hatte. Die Brünette schaute von einem zum anderen und wendete sich dann an den ernsten Mann mit dem scharfen Ton. "Ich möchte mich als Kämpfer melden.", deklarierte sie ohne einen Funken Unsicherheit in ihren Worten. Für solcherlei war kein Platz mehr. Unsicherheiten hatte sie auf ihrem Hügel empfunden und sich dafür entschieden sie zu ignorieren. Jetzt gab es kein zurück mehr. Erneut fing der eine Albioner an zu lachen. "Was? Du? Hast du irgendwelche giftigen Pflanzen zu tief eingeatmet? Mädchen, du-...", er hob seine Hand um Delores an der Schulter zu berühren, doch diese riss ihren Arm hoch und schlug seine Finger mit dem Unterarm weg. "Au!", schrie er entsetzt auf. "Was zum...?!" Er hielt sich die Hand und wedelte leicht mit dieser herum. Unter ihren Ärmeln versteckte die junge Frau zwei Schlagstöcke, die sie selbst angefertigt, geschleift und verstärkt hatte, dass sie perfekt unter ihre Kleidung und an ihren Körper passten. Doch sie würde die Verwirrung des Mannes nicht aufklären, sondern blickte einfach wieder zu dem anderen Wachposten, der sich nicht zu rühren schien. "Du kleine dreckige Made!", schrie der Mann sie an, den sie eben noch abgeblockt hatte. "Verschwinde, bevor ich ungemütlich werde!" Delores ignorierte den aufgebrachten Soldaten. Sie ahnte, dass nicht er derjenige gewesen ist, der sie reinbringen würde. "Wie alt bist du?", fragte nun endlich der stillere Herr, der seinen Kollegen mit einer Hand zurückhielt und ihn daran hinderte eine Waffe zu ziehen. "Ich bin dreiundzwanzig." - "Und möchtest du sterben?"
      Die Frage kam so schnell herausgeschossen, dass Delores ahnte, dass ihr Alter dabei irrelevant gewesen ist. "Nein." - "Warum bist du dann hier?" Die Frau rang immens mit ihrer Geduld. Sie sprach mit einem Albioner und dieser Gedanke allein würde ihr schon reichen um in Abscheu zu verfallen. Doch dass er nur der erste von vielen dieser abscheulichen Rasse gewesen ist von dessen Urteil sie abhängig gewesen ist, machte es beim besten Willen nicht unbedingt besser. "Ich bin hier, weil ich überleben will. Wie die Männer in dieser Arena. Da ihr es nicht seid, denen ich gegenüber stehen muss, verstehe ich nicht weshalb ihr euch darum fürchten solltet mir diese Gelegenheit zu geben." - "Diese kleine, respektlose Göre", knurrte der erste der beiden Männer erneut. Und Delores würde nicht widersprechen. Sie war eine respektlose Göre. Vielleicht nicht unbedingt klein. Doch das konnte sie nun wirklich nicht mehr herunter schlucken. Der ruhige Mann ließ einen Ton verlauten, den Delores als kehliges, kurzes Auflachen beschreiben musste. "Hochmut kommt vor dem Fall, Kleines. Kennst du diese Redewendung?" - "Nein", gab Delores offen zu. "Doch wenn ich es bin, die fallen wird, sehe ich nicht in wie fern es Euch betreffen sollte. Lasst mich vorbei, wenn ihr ohnehin mit meinem Sturz rechnet." Es herrschte kurz Stille zwischen den beiden und langsam klinkte der zweite Soldat sich aus. Er verstand nicht, warum sein Kamerad sich mit diesem Wesen unterhielt und genauso wenig begriff er den regelrecht verstörenden Fakt, dass dieses niedere Individuum genug Verstand zu besitzen schien um noch etwas zu sagen zu wissen.

      "Meinst du, du kannst eine Show bieten?", fragte der Soldat schließlich mit seiner harten Ruhe, die Delores nicht einzuschüchtern vermochte. "Wenn Ihr zuseht." Wieder ließ er dieses auflachen verlauten. Delores nutzte diese Interaktion. So sehr es vielleicht an ihrem Stolz kratzte; einen Albioner zum lachen zu bringen wird ihr sehr wahrscheinlich einmal das Leben retten. "Ist gut, Ikarus." Er machte eine einladende Handbewegung. "Es werden einige deinen Fall bewundern. Sieh zu, dass du dabei eine gute Figur machst." - "Du lässt sie wirklich durch?!" Delores entwich ein überhebliches Lächeln. "Bis später." Die Mauern um sie herum überragten die Größe ihres Hauses um ein Vielfaches, doch sie verschwendete keine Zeit drauf sich umzusehen. Wie durch ein Labyrinth bahnte sie sich den Weg voran, immer den Rufen und Stimmen nach. Als sie durch einen Durchgang schritt erkannte sie entsetzt, dass viele der Rufe keine simplen Übertragungen gewesen sind. Menschen aus dem Schatten saßen auf den Tribünen. Sie riefen, jubelten und gaben irgendwelche verworrenen Anweisungen. Delores hat nicht gewusst, dass auch ihre Leute hierher kamen... Waren das die Familien der Kämpfer? Der Ring des Kampfes ist unten gewesen auf einer freien Fläche und die junge Frau schritt langsam zu der hüfthohen Absperrung. Überall flogen die mechanischen Augen mit Propellern umher und durch Lautsprecher drang knackend die sonderbare Stimme eines Albioners und erfüllte die ganze Arena, so laut ist sie gewesen. Noch nie hat Delores sich in einem Szenario mit solchem Lärm befunden. Es war unangenehm, schlichtweg zu viel und ablenkend. Die beiden Männer, die soeben kämpften schrien oft. Nicht einmal vor Schmerz. Müsste die junge Frau es benennen, würde Delores es als Kampfgebrüll beschreiben. Sie legte ihre Stirn etwas in Falten. Warum taten sie das? War es für sie? Wollten sie Tiere sehen, also verhielten sie sich wie Tiere? Delores musste einige tiefe Atemzüge nehmen, um sich zur Ruhe zu bewegen. Die Kämpfer waren bullig. Doch hatte nichts von diesem Kampf irgendwas mit Können zu tun. Sie schlugen sinnlos aufeinander ein. Und da stürzte einer der Männer und unterbrach ihre Überlegung. Das Publikum jubelte und auch die knackende Stimme aus der Ferne schien einen begeisterten Ausruf zum Besten zu geben. "Und das war er! Der sechzehnte Kampf in Folge, den unsere stolze Nummer 32 für sich entscheidet! Er ist eine nicht aufhaltsame Bestie! Wer wagt es als nächstes gegen unseren Goliath in die Arena zu steigen?" Seine Stimme klang voller Begeisterung und Delores ließ ihren Rucksack über das Geländer fallen, ehe sie selbst herüber kletterte. Das war dann wohl ihr Stichwort. "Ich mach das!", rief sie so laut sie konnte herunter und wagte dann ebenfalls den Sprung.

      Der bullige Mann drehte sich zu ihr herum und zwei der Albioner schleiften den K.O. gegangenen Mann vom Feld. "Ohhh was haben wir denn da? Meine Herren, ein freiwilliger Kämpfer! Es ist..." Eines der fliegenden Augen sauste auf sie zu und hielt direkt vor ihrem Gesicht. "Eine Frau?!", kreischte die männliche Stimme und Delores drückte die Kamera einfach von sich weg. Ihre Tasche ließ sie liegen. Sie würde nichts brauchen, was sie nicht bereits am Körper trug. Den Unglauben in der Stimme des Ansagers erkannte die Dame auch in den Augen ihres Kontrahenten. "Was willst du denn hier?!" Delores blieb in einigem Abstand vor ihm stehen. "Ich möchte eine Kämpferin werden." - "Bist du wahnsinnig geworden?!", brüllte er sie an. In der Hand hielt er eine große Axt, die er nun fester umschloss. Sie war stumpf. Er nutzte sie eher für Hiebe, als für Zerstückelungen... Nicht, dass ihr das nicht trotzdem den Kopf zertrümmern könnte. "Meine Herren, eine noch nie da gewesene Szenerie erstreckt sich vor unseren Augen. So eben hat eine Frau den bisherigen Champion zu einem Kampf herausgefordert! Anscheinend schaffen die Männer aus dem Schatten es nicht mehr ihre Damen unter Kontrolle zu halten!", lachte ein gesichtsloser Albioner, was Delores zum schnauben brachte. "Verschwinde, so lange du noch kannst! Du weißt nicht, worauf du dich einlässt", presste der Mann mit der Axt zwischen seinen Zähnen hervor. "Ich kann nicht. Es tut mir leid, ich muss das tun." Ein Knurren entwich ihrem Gegenüber. "Dann muss ich das tun." Er hob seine Waffe und baute sich erbost vor ihr auf. Schweiß stand auf seiner Stirn von seinem vorherigen Kampf. Sie könnte das schaffen. Ihre Chance ist nicht unbedingt sehr hoch gewesen. Doch nicht gleich null. Sie hatte ihre Schlagstöcke und ein Seil, das sie an ihrer Hüfte trug. Wenn sie es sehr geschickt und er sehr ungeschickt machte würde alles gut gehen.
      Sie warteten auf ein Signal, dass es losgehen konnte. Anscheinend gab man dem anderen Kämpfer die Chance vernünftig zu Atem zu kommen, bevor es loslegen konnte. Wie nett für ihn. Der Ansager redete noch ein wenig vor sich hin, was Delores ignorierte. Sie blendete die fliegenden Augen und die Menschen aus. Sie musste es nur machen wie bei der Jagd. Immer wieder ging sie im Kopf ihre Möglichkeiten durch wie ein Mantra. Ihr Herz hämmerte heftig und schmerzvoll in ihrer Brust. Sie dachte zuvor hat es kein Zurück mehr gegeben. Dass sie aber durchaus noch hätte umdrehen können, als sie vor den Wachen stand, wurde ihr nun mit aller Deutlichkeit bewusst. "Bereit? Meine Herren, der Kampf zwischen Nummer 32 und unserer Nummernlosen Herausforderin beginnt... jetzt!" Ähnlich wie zuvor schrie der Kämpfer auf und stürmte mit erhobener Axt auf Delores zu. Sie tat es ihm gleich und rannte auf ihn zu. Er war groß, schwer und langsam. Man sah für einen Moment die Überraschung in seinen Augen, als Delores sich auf den Boden warf und zwischen seinen Beinen entlang schlitterte. Dabei zückte sie ihr Seil und spannte es um seine Füße, um den Riesen kreischend zu Fall zu bringen. Er stürzte mit dem Gesicht voran in den Staub und schlug seine Axt in den Boden. Schnell kam Delores hinter ihm wieder hoch und zog ihr Seil zu sich zurück. Keinen Moment zu früh. Nur um einen Hauch verfehlte sein Griff das Ende ihres kleinen Hilfsmittel. Der Ansager fing wieder an zu sprechen und zu kommentieren, doch das Blut und Adrenalin rauschte zu laut durch Delores Kopf, um ihm zuzuhören. "Du dreckige Hure!", bellte der Mann sie an. Er kam wieder auf die Beine und versuchte seine Axt aus dem Boden zu ziehen, was ihn einige Versuche kostete. In dieser Zeit zog die Dame einen der Stöcke aus ihrem Ärmeln und stellte diesen zur Schau. Sie umfasste den Griff, der perfekte für ihre Hände ausgelegt gewesen ist und wartete zittrig durchatmend auf ihren Kontrahenten, der mit einem Knurren endlich seine Waffe aus dem Boden riss. Er ging erneut auf sie los. Lernfähig hielt er seine Axt nicht mehr über seinem Kopf sondern nutzt sie als Verlängerung seines Armes, um Delores damit zu erwischen. Sie wich seinen Schlägen so gut sie konnte aus, machte große Sätze zurück, schaffte es einige Male nur knapp und stolperte bei einem der Schläge über ihre Füße und wich mit einem Sturz in den Staub nur knapp dem zum Knüppel umfunktionierten Monstrum aus. Der Kämpfer begann bereits schäbig zu lachen. Delores nahm sich eine Hand voll Staub und warf ihm diesen direkt in die Augen, als er sich über sie beugte.

      Bereits an dem vorherigen Gegner ist klar gewesen, dass er keinen kurzen Prozess machte. Er schrie auf und stolperte ein Wenig zurück, sich mit dem Arm über die Augen reibend. Delores kam wieder auf die Beine nahm ihren Stock wie einen Schläger und rannte auf ihn zu, dabei ihren Schlagstock schwingend, um mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte gegen eine seiner Kniescheiben zu schlagen. Erneut schrie der Mann auf. Die junge Frau hörte es deutlich knacken und es ging ihr durch Mark und Bein. Vor Schmerzen ging der Kämpfer auf das unversehrte Knie und nutzte seine Axt, um sich darauf zu stützen. Noch immer rieb er sich die Augen und riss sich von einer Seite auf die andere, inzwischen die Gefahr, die von dieser Frau ausgehen konnte ernst nehmend. Diese stand mit ordentlichem Abstand hinter dem Mann. Ihre Atmung ging schwer. Ihr Herz hämmerte. Ihre Finger zitterten. Sie nahm ihr Seil und ging auf den knienden Mann zu. Er begann seine Umgebung wieder deutlicher zu sehen, doch da legte sie bereits das Seil wie eine Schlinge um seinen Hals. Sie zog es fest und drückte mit ihrem Fuß seinen Oberkörper zwischen den Schulterblättern herunter. Der Mann konnte nicht mehr schreien. Er keuchte panisch auf. Der Griff um seine Axt löste sich sofort und seine Hände legten sich in blanker Panik um das Seil. Er zappelte wild und versuchte seine Angreiferin abzuschütteln, was den Griff nur enger machte. Sein Gesicht verfärbte sich. Delores drückte fester zu und blieb erbarmungslos, bis sie merkte, dass er sein Bewusstsein verlor. Wie sie es bei der Jagd tat wartete sie diesen einen Moment ab, an dem sein Körper schlapp wurde und löste sich dann sofort von ihm. Sie wollte ihn nicht umbringen. Wenn sie es auch vielleicht besser getan hätte. Selbst außer Atem stieg sie von dem Mann herunter und nahm sich seine Axt, um sie weit von ihm entfernt liegen zu lassen. Für einen Moment herrschte Stille. Nichts als Stille. Selbst der schreckliche Moderator schwieg. Alle Augen, mechanisch und menschlich waren auf sie gerichtet. Sie breitete ihre Arme aus, um sich zu präsentieren. "Mein Name ist Delores und ich melde mich offiziell als Kämpferin der Arena!", rief sie mit dem Blick in den Himmel. Durch die Wolken konnte man stets sacht das Licht der Wolkenstadt erkennen. "Ihr sagt unsere Männer hätten mich nicht unter Kontrolle! Meint ihr dass Ihr es könnt?!" Sie hatte eine entsetzlich große Klappe dafür, dass sie lediglich ein leichtes Spiel hatte, weil niemand so etwas wie eine Strategie erwartete bei diesen Kämpfen. Dass dies nur das erste Mal der Fall sein würde, war ihr schmerzlich bewusst.
    • Evan

      Die Hände in den Taschen stapfte der junge Mann zielstrebig und missmutig durch die hell gepflasterten Straßen seines Viertels. Seiner Umgebung schenkte er kaum Beachtung, obwohl diese selbst für Albioner Verhältnisse nicht mehr viel geschmackvoller und einladender hätte sein können. Bäume zierten in regelmäßigen Abständen den Straßenrand und spendeten an einem Tag wie diesem wohltuenden Schatten. Rings um ihn herum ragten Gebäude in den unterschiedlichsten Größen gen Himmel und bildeten das unvergleichliche Panorama seiner Heimat. Alles war im Stil der alten Architektur gehalten und der weiße Stein, dem Albion seinen Namen verdankte, strahlte hell in der Sonne. So gut es ging war hier versucht worden die zahllosen Rohre, metallenen Aperate und Anlagen zu verbergen und so wenig wie möglich in den Vordergrund zu rücken. Sie waren absolut essentiell für das Fortbestehen der Stadt, transportierten sie doch Energie, Wärme, Wasser und noch vieles mehr, wie ein System aus Adern durch die gesamte Stadt. Doch jeder hier legte großen Wert auf Ästhetik und so waren große Anstrengungen unternommen wurden um auch ja alles Unansehnliche so gut es ging verschwinden zu lassen. Schließlich wollte niemand in den dreckigen Industrievierteln hausen, in denen es stets nach Rauch, Metall und Feuer stank und das Donnern von Maschinen die Atmosphäre verpestete. Nein, so etwas gab es in Evans Umfeld nicht. Hier lebte der Traum Albions, der sich hier protzend zur Schau stellte. All das ließ den Blonden Mann jedoch völlig kalt. Kannte er doch gar nichts anderes. Für ihn war Luxus alltäglich und er rümpfte so wie jeder andere die Nase, falls man an einem schlechten Tag die Rauschwaden der niederen Stadteile am Himmel sah. Doch selbst für die Arbeiter und die ärmere Bevölkerung war das Leid dem man im Schatten ausgesetzt eine abstrakte Vorstellung und etwas, das auch sie nur aus den übertragenen Kämpfen kannten. Jeder in Albion, vom Handlanger im Stahlwerk, bis hin zum höchsten Würdenträger unterhielten sich mit diesem Sport, wenn auch nur ein begrenzter Kreis es war, der Geld darin investierte.
      Und genau dazu würde sich nun auch bald Evan zählen müssen, der noch immer innerlich über sein Los lamentierte. Der Befehl seines Vaters tat ihm nicht im Geringsten weh, oder verlangte ihm auch nur im geringsten Anstrengung ab. Doch er wollte sich ganz einfach nie an den Spielen beteiligen und dass er es nun doch musste, stieß dem verwöhnten Adligen mehr als sauer auf. "Wenn ich Glück habe, dann stirbt mir der Kerl einfach sofort wieder weg und die Farce ist beendet." murmelte er hoffnungsvoll zu sich selbst, als er vor einer dunkel lackierten Holztür anhielt. Darüber prangte in großen Lettern der Name des Hauses, Caledonia. Es war einer wenigen alten Gentlemen's Clubs und jeder Mann der etwas auf sich hielt war Mitglied in einem von ihnen. Ob man die Lokalitäten nun oft frequentierte, oder sich nur ab und an blicken ließ war dabei unerheblich. Tradition war Tradition und man würde sich in gehobenen Kreisen sozial sofort isolieren, sollte man kein Teil davon sein.
      So war selbstverständlich auch Evan Teil eines solchen Clubs, was ihm durchaus gefiel. Er mochte vielleicht kein großer Anhänger der Spiele sein, doch andere Teile der gesellschaftlichen Verpflichtungen bereiteten ihm durchaus Freude. Hier konnte man gemütlich Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und sich bei angenehmer Atmosphäre über Neuigkeiten austauschen, oder sich schlichtweg betrinken. Mit Stil versteht sich.
      Mit Schwung trat er in den wohl bekannten Club. Wie auch schon die Türe, war das Mobiliar aus dunklem Holz gehalten, das sich mit rotem Samt und goldenen Verzierungen vermischte und dem Ganzen eine warme und gemütliche Atmosphäre verlieh. Wenn man dem alten Vorsitzenden des Clubs glauben konnte, und das war unwahrscheinlich, dann war manches der Einrichtung sogar aus echtem Holz gefertigt. Eine Seltenheit, die selbst für Evans Verhältnisse wahren Luxus bedeutete.
      Im Inneren war nicht allzu viel los um diese Zeit und vor allem bei diesem Wetter hatten die meisten wohl Besseres zu tun. Nur ein paar Leute, die Evan gerade einmal flüchtig kannte hatten es sich bequem gemacht, unterhielten sich animiert und sahen sich interessiert den Kampf an, der wohl gerade dem Ende zuging. Auf einer Seite waren mehrere Bildschirme in die Wand eingelassen, welche flimmernd die Kämpfe übertrugen und die Stimme des Kommentators blechern in den Raum tönten. Evan hatte noch nie wirklich darauf geachtet, und setzte sich auch nie in die Nähe der Geräte, wenn er nicht gerade mit einer Gruppe unterwegs war, die sich selbstredend die Spiele ansehen wollte. Aber er hatte keine Wahl, also besser schnell das Ganze hinter sich bringen und einfach den Erstbesten Hohlkopf erwählen, der frei war. Also ließ auch er sich in einen weichen Ledersessel fallen, die einzeln und in Gruppen im Raum standen. Schon allein, dass er sich direkt zu den Bildschirmen setze, brachte ihm einige Blicke mit erhobenen Augenbrauen von den anderen Gästen und dem Barkeeper ein. Besonders hier wusste so ziemlich jeder, dass der Blondhaarige normalerweise nie auf die Idee kommen würde alleine die Übertragungen zu verfolgen. "Was?!" fuhr Evan den Barkeeper an, dessen Miene sofort wieder einen neutralen Ausdruck annahm und sich wieder daran machte geflissentlich Gläser zu polieren. "Einmal das Übliche." rief er diesem noch zu, ohne ihn anzusehen, ehe er sich endgültig zurücklehnte und in dem weichen Material versank. Evan liebte die diese Sessel und es hätte so schön sein können, wenn er nur nicht dabei zusehen musste, wie sich irgendwelche Schattenbewohner die Schädel einschlugen.

      Ohne die Bedienung wirklich wahrzunehmen, die ihm sein Getränk gebracht hatte, griff er nach dem Glas, dass auf einem kleinen Beistelltisch neben ihm abgestellt worden war. Verköstigung war hier im Mitgliedsbeitrag inbegriffen, somit musste man sich nie Gedanken darum machen, was man konsumierte. "Also gut Vater, du bekommst deinen Willen." murrte Evan vor sich hin und starrte auf das bewegte Bild an der Wand vor ihm. 16 Siege hatte dieser Goliath nun schon erreicht? Das musste wohl der sein, den sein Vater vorhin erwähnt hatte. Ein wahrer Berg von einem Mann, kein Wunder, dass er einen Gegner nach dem anderen erledigte. "Was für ein Glück ich doch habe." dachte er sich sarkastisch. So würde er doch nie dazu kommen, das Geld seines Vaters für einen der Kampfsklaven auszugeben, denn mit Sicherheit würde jeder der gegen dieses Monster antrat zu Brei geschlagen werden. Aber was blieb ihm anderes übrig als zu hoffen, dass Goliath einfach irgendwann ausgewechselt werden würde. Schließlich konnte er nicht mit leeren Händen nach Hause kommen.
      Über sein schweres Los den Kopf schütteln, wollte er schon einen Schluck von seinem Whiskey nehmen, als der Kommentator den Herausforderer des Kolosses vorstellte. Oder besser gesagt die Herausforderin. Im gesamten Club wurde es still und es waren einige ungläubige Münder zu sehen, deren Kinnladen offenstanden. Evan verschluckte sich beinahe, als er prustend auflachte. Was bei allen Himmeln war denn das für eine Wahnsinnige? Es stimmte wohl, dass die Schattenkriecher nicht mehr richtig im Kopf waren. Wie konnte eine Frau nur auf eine solche Idee kommen und gegen jemanden wie Goliath kämpfen wollen? Kaum dass der erste Schock überwunden war, brachen auch schon sofort lebhafte Gespräche zwischen den Gästen aus und selbst die Angestellten hatten von ihren Aufgaben abgelassen und innegehalten.
      Lediglich Evan stützte gelangweilt seinen Kopf auf eine Hand, nachdem sein erster Anfall von Amüsement abgeklungen war. Jetzt würde er sich also nicht einmal ansehen müssen wie zwei Kerle sich prügelten, nein. Es würde noch ereignisloser sein als das. Der Kampf würde beginnen und das Gehirn der Frau sich über den verdreckten Boden verteilen. Ganz spannend...
      Doch es kam völlig anders als gedacht. Der erste Schlag zertrümmerte ihr nicht wie erwartet den Schädel, sondern verfehlte sie komplett. Die folgenden Minuten wurden von Evan und den Anwesenden mit immer weiterwachsender Spanndung und Interesse verfolgt. Etwas, wovon er nie gedacht hätte, dass er mit dem Sport in Verbindung bringen würde. Ein ums andere Mal schaffte die junge Frau es, dem Riesen auszuweichen und ihn mit Tricks immer weiter zu verwirren und in die Enge zu treiben. Ein Kampf, der von Anfang an verloren schien, hatte sich völlig gewendet und während einige Gäste ihrem Unglauben und Unmut lauthals Luft machten, schließlich konnte es doch nicht sein, dass irgendeine dahergelaufene Frau dem Champion so zusetzte, ertappte sich Evan dabei, wie er gebannt nach vorne gebeugt den Bildschirm anstarrte. Verrückt, was hier geschah war genauso verrückt wie die Frau selbst. Da brach Goliath doch tatsächlich zusammen, gefällt von dieser, im Vergleich zu ihm, schmächtig wirkenden Frau, die nun auch noch die Unverschämtheit besaß, ihren Namen wie eine Herausforderung herauszubrüllen. Und... hatte sie es eben tatsächlich gewagt mit spitzer Zunge über Albion zu sprechen? Evans Lachen wurde von wütendem Gemurmel beinahe übertönt, als er aufsprang und schnellen Schrittes zur bar marschierte. "Gebt denen da unten Bescheid, ich kaufe diese Delores auf der Stelle!" rief er dem entsetzten Barkeeper grinsend entgegen. Eine bessere Wahl hätte er nicht treffen können. "Bitte schön Vater, du bekommst deinen Willen."

    • Delores
      Komplette Stille legte sich über das Stadion. Ihr Herz hämmerte und das Blut rauschte in ihren Ohren. Die Brust hob und senkte sich im verzweifelten Versuch wieder zu Atem zu kommen. Die Lichter brannten auf sie herab und die Propeller der fliegenden Augen surrten, während sie auf die junge Frau gerichtet gewesen sind. Von Seiten der Zuschauer schien der Unglaube noch zu laut, um sich zu rühren und für einen Moment schien tatsächlich die Zeit stillzustehen. Doch jeder Wimpernschlag, der unbeweglich zwischen ihr und der Wolkenstadt dahin ging, schien sie mit doppelter Geschwindigkeit einzuholen. Albioner tauchten auf in den selben Uniformen, wie auch die Wachen am Eingang und schleppten den großen Mann am Boden an den Händen davon. Ein weiterer stieß Delores etwas stumpfes in den Rücken. "Komm Ikarus, die Vorstellung ist vorbei", raunte er ihr zu und trieb sie regelrecht vom Platz. Sie hatte es geschafft, oder? Das hat gereicht, nicht wahr? Jetzt würde sie einen Sponsor bekommen und Medizin für ihren Großvater. Delores versuchte sich zu dem Wachen umzudrehen, doch er drückte ihr wieder ein Gewehr gegen die Schulter, wie sie jetzt feststellte, um sie davon abzuhalten. "Was soll das?", fand sie endlich die Sprache wieder. "Ich habe gewonnen, oder etwa nicht?!" Warum behandelte man sie wie einen Hund. "Du hast auf jeden Fall für Aufruhr gesorgt...", knirschte der Mann zwischen den Zähnen hervor. Es dauerte einen langen Moment, bis Delores seinen Unmut verstand. Er war es, der sie eingelassen hat wie eine einfache Fliege, die in kürzester Zeit schon noch an der Wand enden sollte. Doch stattdessen ist sie es gewesen, die die Klatsche überlistete. Hatte sie ihn oder die anderen Albioner damit blamiert?
      Eine sehr tiefsitzende Freude über diesen Gedanken legte sich über sie. Direkt gefolgt von Furcht. Sie war abhängig von der Gunst dieser schrecklichen Menschen. Sie hatten die Macht alle Lebewesen aus dem Schatten leben, genauso aber auch sterben zu lassen. Konnten sie dann nicht auch einem Mädchen den Strick drehen, das sie blamierte. "Ich... ich hab doch alles richtig gemacht! Ich bin hin und habe..." Die Waffe in ihrem Rücken drückte sich schmerzhaft zwischen ihre Schulterblätter. "Verliere jetzt bloß nicht deine große Klappe. Du hast zu verantworten was auch immer mit dir passieren wird. Vielleicht ist man gnädig zu dir."
      Seine strenge, unnachgiebige Stimme, die zuvor noch so schrecklich fremdartig erschien, täuschte Delores nun vor das einzig vertraute in dieser Arena zu sein. Sie atmete zittrig durch, konnte allerdings nicht verstecken, dass ihr die Furcht in Mark und Bein schlich. Die Wache hatte recht, es war zu spät sich nun zu fürchten und Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Von Anfang an ist der Tod eine äußerst realistische Option gewesen. Und was könnte man ihr schlimmeres antun...? Das Mädchen wurde durch einen langen Gang geführt, vorbei an mehreren offenen Türen, aus denen sie von anderen Kämpfern mit giftigen Blicken gestraft wurde. Da hatte sie sich wohl mehr als nur einen Feind gemacht. "Weiter!", trieb der Albioner sie, als sie ihren Gang unbewusst zügelte. Der Gang krönte in einem runden Zimmer mit einem großen Schreibtisch. Dahinter verdeckte ein großer Bildschirm die Wand und kaum hatte die Wache die Tür hinter ihnen beiden geschlossen, ertönte ein lautes Knacken. "So, du bist also unsere kleine Maus, die es geschafft hat unseren Spitzenkandidat zu besiegen." Delores erkannte die männliche Stimme gleich als die Stimme des Moderator, der dauernd in der Arena dazwischen geredet hat. Es wurde eine der Kameras aus dem Schreibtisch gefahren. Sie öffnete ihr gläsernes Auge und der Propeller fing an zu rotieren, um sich zu erheben und direkt vor dem Mädchen halt zu machen. Instinktiv wollte sich zurückweichen, doch ihr stiller Wachposten ließ sie nicht. Das Ding machte einmal eine Runde und besah sich Delores von beiden Seiten, oben wie unten. Erst danach machte die Kamera wieder an ihrem Gesicht halt. "Du siehst schäbig aus.", war anscheinend das Resultat des Fremden, was die Dame beinahe zum knurren brachte. "Spielt es eine Rolle wie ich aussehe?!" Jetzt wurde sie wieder pampig. Nicht mehr umgeben von den Menschen und den Lichtern gewann sie sichtlich an Mut und verschränkte ihre Arme vor der Brust.
      "Durchaus. Aber das wirst du auch noch merken, du törichte Göre. Du hast Glück. Trotz deines unansehnlichen Äußeren scheint einer unserer Gentlemen Interesse an dir zu haben. Du sollst einen Sponsor und eine Nummer erhalten. Damit qualifizierst du dich offiziell als einer unserer Kämpfer. Die Unannehmlichkeiten, die du verursacht hast, werden deinem Vormund in Rechnung gestellt. Also würde ich mir an deiner Stelle besondere Mühe geben ihn zufrieden zu stellen, Nummer Achtundzwanzig." Delores schnaubte verächtlich. "Achtundzwanzig? Warum kann ich nicht Delores bleiben?" - "Robert!" Die Frau erhielt auf Kommando einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf, der sie für einen Moment Sterne sehen ließ. "Sei froh, dass du eine Nummer bekommst! In Zukunft wirst du so oder so sein, was dein Sponsor von dir verlangt. Ich hoffe, dass du das schnell verinnerlichst." Murrend rieb sie sich den Hinterkopf. Was für ein Schwachsinn. Sie funkelte zu dem Mann mit Helm rauf. Was für ein Scherz. Er durfte einen Namen haben, weil er Albioner gewesen ist und sie nicht? Das war doch nur um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Delores hasste den Haufen jetzt schon. "Und wer ist es? Wer ist mein Sponsor? Wie funktioniert das alles? Ich brauche-..."
      "Robert!" Dieses Mal duckte Delores sich und sprang einen guten Satz von dem Wachposten weg, doch er verpasste ihr dafür eine in die Rippen, was sie nun doch zum erschrockenen keuchen verleitete, doch jeden weiteren Ausdruck von Schmerz verbiss sie sich. Die Blöße wollte sie sich nicht geben. "Du sprichst zu viel. Das gewöhnst du dir besser schnell ab. Du sprichst nur, wenn du gefragt wirst." Verfluchter Mistkerl, hätte sie ihm am liebsten entgegen geschrien. Jeder konnte mutig sein, wenn man sein Gesicht nicht zeigte und im Schoße der Mutter Albion saß! Zu gern würde sie wissen wie eingeschnappt er noch wäre, wenn sie ihm die Augen auskratzen könnte. "Robert, bring sie in den Übertragungsraum. Sie soll sich dort bereit machen für den Fall, dass ihr Sponsor sie sprechen möchte. Anschließend bereite alles für die privaten Übertragungen vor." Private Übertragungen? Da schaltete sich die Kamera schon wieder ab und fuhr zurück in den Schreibtisch. "Private Übertragungen? Was für private Übertragungen?", wirbelte sie sofort zum Wachposten herum, der sie wieder heraus drängte. "Was hast du denn gedacht? Du bist nun privates Eigentum deines Herrn. Dadurch bekommt er auch das Recht dich immer und zu jedem Zeitpunkt zu bewachen." Immer? Überall? "Moment, Ihr meint bei mir zu Hause?" - "Wenn du eins hast." Jetzt wurde Delores doch blass. Die Albioner wollten in ihr Haus? Sie würden zu ihrem Großvater gehen? Jetzt gleich? Sie hatte keine Zeit mehr ihrer Panik Ausdruck zu verleihen, da wurde sie auch schon in einem anderen, sehr kleinen Raum auf einen Stuhl gezwungen. Vor ihr ein deutlich kleinerer Bildschirm, doch auch hier wandelten überall die Augen durch die Luft. Delores wusste gar nicht wie ihr geschah, als der Mann neben ihr sich ihren Fuß griff. "Hey!" Schneller, als sie darüber nachdenken konnte verpasste sie ihm einen Tritt gegen den Kopf. "Was soll das?!" - "Du nichtsnutzige Göre! Du wolltest doch unbedingt zu den Kämpfern gehören! Jetzt lass dir auch deine Fußkette anlegen!" - "Oh nein, nein, nein! Auf keinen Fall! Nein! Ich hab nein gesagt!" Die beiden lieferten sich ein nicht gerade gewaltfreies Gefecht. Delores ahnte nicht, dass die Kameras bereits angewesen sind, noch interessierte es sie.
    • Evan

      "Also, einfach nur noch hier unterschreiben, und damit wären alle Formalitäten erledigt." erklärte ihm Samuel, der Name des Barkeepers, der seine Verblüffung schnell wieder hatte verschwinden lassen und sein Gesicht hinter einer Maske aus Professionalität versteckte. Mit Sicherheit, war er noch immer halb entsetzt über den Kauf, den der junge Mann getätigt hatte. So wie der Rest des Clubs, der hinter seinem Rücken seit dem Ende des Kampfes rege vor sich hin tuschelte. Mit Sicherheit ein Freudentag für die Gerüchteküche. Goliath war geschlagen worden, und zu allem Elend von einer zierlichen, mageren Frau, die sogleich auch noch von einer der einflussreichsten Familien aufgekauft wurde.
      Aber all das berührte Evan wenig, nichts anderes war zu erwarten gewesen. Mit Schwung setzte er seine verschnörkelte Unterschrift auf das blütenweiße Papier, das vor ihm am Tresen lag. Damit war es nun also offiziell, er hatte das Ultimatum seines Vaters erfüllt. Und ganz egal wie wütend dieser sein würde, sobald er davon erfuhr. Er würde seinen Sohn nicht vor die Tür setzen, denn wenn man eines über den General sagen konnte, dann dass er zu seinem Wort stand. Ganz abgesehen davon, dass diese Delores den Champion der Knights ausgeschaltet hatte. Eine Familie, mit der sie schon seit ewigen Zeiten eine kleine private Fehde führten, dabei hatte Evan schon lange vergessen, worum es dabei überhaupt ging. Jedenfalls war auch das etwas, das den Zorn seines Vaters etwas beschwichtigen würde. Zumindest hoffte er das.
      "Hier, bitteschön," sagte der Blonde und schob dem Barkeeper den Vertrag zurück. Bezahlt hatte er bereits. Er hatte einfach den gesamten Umschlag voller Geld überreicht. Wie viel sich darin befand wusste er nicht und es kümmerte Evan auch nicht im geringsten. Es würde in jedem Fall für den Kauf ausreichen und alles überschüssige wurde ihm gut geschrieben um alle zukünftigen Kosten abzudecken. Sollte dieses Budget eines Tages erschöpft sein, dann würden die Rechnungen wieder direkt an ihn, oder besser gesagt seinen Vater ausgestellt werden. So oder so, Geld war nichts worüber man sich den Kopf zerbrechen musste.
      "Vielen Dank." antwortete Samuel mit einer angedeuteten Verbeugung. "Wenn ihr wollt, dann könntet ihr auch jetzt schon mit eurem neuen Eigentum in Kontakt treten. Wir haben, wie ihr sicher wisst, direkt neben an, einen kleinen privaten Raum für genau solche Fälle eingerichtet. Alles weitere wird in diesem Moment bereits erledigt. Techniker sind zu eurem Anwesen unterwegs und installieren alle benötigten Dinge, sodass ihr auch in eurem Heim jederzeit zugriff auf eure... Kämpferin habt." Evan zuckte einfach nur mit den Schultern. "Ach, warum auch nicht? Ist ja nicht so, dass ich etwas besseres zu tun hätte." erwiderte er mit einem Kopfnicken, woraufhin der Barkeeper den Weg wies. Warum sollte er von diesem Service auch keinen Gebrauch machen, schließlich wollte er schon wissen, für wen er denn nun wirklich bezahlt hatte.
      Der Raum in den er geführt wurde, war nicht allzu groß, allerdings geschmackvoll in Holzoptik getäfelt und in der Mitte stand die Selbe Art von Ledersessel, wie man ihn auch im Rest des Clubs finden konnte und daneben der dazugehörige Beistelltisch. Das einzige wirklich besondere, war der großflächige Bildschirm und die Kamera, die in die Wand eingelassen war, sollte man ebenfalls eine Übertragung von sich selbst nach unten in die Schatten senden wollten. Selbstverständlich gehörte dazu ebenfalls ein Mikrofon um Befehle zu erteilen, oder was man auch immer sonst zu seinen Kämpfern zu sagen hatte. "Ich werde ihnen nun ihre Privatsphäre geben. Läuten sie einfach, wenn etwas sein sollte." Mit diesen Worten verabschiedete sich der Bedienstete auch schon wieder und ließ Evan alleine zurück. Etwas unschlüssig stand dieser anfangs herum und wusste nicht so recht, was er nun tun sollte, da fielen ihm Knöpfe auf, die in den Tisch eingelassen waren. "Mikrofon, Kamera, Bildschirm," las er laut die Beschriftungen vor. Nun, das machte alles schon etwas klarer. "Na dann, mal sehen..." murmelte er und ließ sich in den bequemen Sessel fallen.
      Ohne weiter zu zögern, drückte er auf den mit 'Bildschirm' beschrifteten Schalter und sogleich ertönte ein leises surren, als sich das Gerät vor ihm an der Wand langsam in Betrieb versetzte. Anfängliches Flimmern, wich schnell einer Kameraaufnahme, welche durch den bekannten, grünlichen Schleier getrübt wurde. Doch das änderte nichts daran, dass das Bild gestochen scharf war und ihm offenbarte, was unter seinen Füßen vor sich ging. Verwirrt blinzelte Evan und starrte den Bildschirm an, unsicher darüber, was er hier zu Gesicht bekam. Er hatte erwartet, das Gesicht der Kämpferin vor sich zu haben, wütend, verwirrt, oder in welcher Emotion auch immer, doch das hier mit Sicherheit nicht. Zwei Gestalten rangen am Boden miteinander und es war nicht einmal genau auszumachen, welche Personen er vor sich hatte. Erst als die Kamera näher an den Kampf heran flog, dämmerte ihm langsam was geschah. Ein Mann in Uniform und eine Frau lieferten sich einen verbissenen Kampf um die Fußfessel, die jedem Kämpfer angelegt werden musste. "Oh nein..." stöhnte Evan nur auf. So ging das also schon los? Diese irre akzeptierte noch nicht einmal die einfachsten Regeln? Da hatte er sich ja etwas eingebrockt... Der junge Mann wusste nicht so ganz, ob er einfach auflachen, oder Kopfschmerzen bekommen sollte. Aber schließlich gewann dann doch die Absurdität der ganzen Szenerie und er konnte nur glucksend den Kopf schütteln. Mit einer Handbewegung aktivierte er ebenfalls die beiden weiteren Schalter, um sowohl sein eigenes Bild, als ein seine Worte übertragen zu können.
      "Und ich habe schon gedacht, der Arenakampf ist vorbei," erklang seine amüsierte Stimme aus den Lautsprechern im Raum der zwei Kontrahenten.
    • Delores
      Von dem beherrschten Mann vor den Toren der Arena ist nichts mehr übrig gewesen. Delores muss seine Geduld mit ihrem Verhalten deutlich ausgereizt haben. Er richtete nicht mehr seine Waffe auf sie. Konnte er auch gar nicht, bei der Entfernung trat Delores das Gewehr immer wieder fort, sodass ihm nichts anderes übrig blieb, als die Frau niederzuringen, die Fußfessel dabei noch immer in der Hand versuchend ihr Bein zu fassen zu bekommen. "Du hast dich doch auf das alles eingelassen! Wie oft hast du jetzt gehört, dass du nicht wusstest worauf du dich einlässt?! Du wolltest doch nicht hören!" Delores trat wieder nach ihm. "Wieso solltet ihr mich fesseln wollen?! Ich will doch was von euch! Bin ich jetzt sowas wie eine Gefangene? Das ist doch Schwachsinn!" Robert zog an ihren Haaren und pinnte nun ihre Arme fest, was ihm erneut einen Tritt in die Magengegend einbrachte. Da fing regelrecht der Raum an zu surren. Erst jetzt bemerkte die junge Frau die Kameras, die sie umkreisten. Doch wirklich ihre Aufmerksamkeit zog der Bildschirm auf sich als, er plötzlich den Raum erhellte und ein Mann auf sie herabsah. Mit großen Augen blickte sie zu dem übertragenen Bild. Der erste Albioner, der sich traute sein Gesicht zu zeigen! Sein Haar war... hell. Heller als die vielen Schöpfe, die Delores schon einmal gesehen hat. Ihre eigenen Haare waren braun so wie die der allermeisten Schattenbewohner. Manche hatten noch eine schwarze Pracht doch hell... Es erinnerte sie an das Licht einer Glühbirne. Lag das vielleicht daran, dass er mit Sonnenlicht in Verbindung kam? Ihr gingen viele Dinge auf einmal durch den Kopf bei dem Anblick des jungen Mannes. Er sah sehr anders aus als jeder im Schatten.
      Klack. Erschrocken fuhr sie hoch und sah noch mit an, wie Robert den Schlüssel herumdrehte. "Nein!", beschwerte sie sich sogleich und zog das Bein zu sich und rutschte ordentlich von ihm weg. Ihre Finger legten sich um das massive Metall und sie zog etwas daran. Der Soldat erhob sich nun und war ein bisschen außer Atem von diesem Gefecht. Er nickte in Richtung der Kameras fast wie zum Dank, dass jemand anderes sich dieses Mädchens nun annehmen musste und verschwand ohne einen weiteren Ton zu sagen. Delores schaute sich um und suchte etwas, was sie ihm noch an den Kopf werfen konnte, doch sie hatte ihre Tasche unten im Stadion vergessen. Unzufrieden schnaubte sie und setzte sich langsam wieder auf den Stuhl im Raum und saß nun diesem Mann gegenüber. Seine Stimme klang... deutlich lebendiger als die der Soldaten oder dem Kommentator sobald sie mit ihr gesprochen haben. Unwissend was sie sagen sollte räusperte sie sich. "Das dachte ich auch!", meinte sie dann einfach. "Dass die Arenakämpfe vorbei sind... Aber wie es aussieht", demonstrativ hob sie ihre Fußfessel in die Kamera, "enden die Kämpfe nicht." Sie hätte gerne gemeckert, doch war ihr nicht bewusst was sie sich wirklich alles erlauben konnte bei diesem Herrn. Oder besser gesagt bei ihrem Herrn. Sie war angespannt und es Nervosität wanderten ihre Finger oft zu der Fessel. Auch wenn sie nicht bedenklich enganliegend gewesen ist, fühlte Delores sich von ihr eingeengt. "Ich... schätze... danke, dass Ihr mich... erworben habt? Ich bin Delores.", nickte sie und wurde nun etwas ruhiger. Dass die Albioner nicht mehr gesichtslose Gestalten weit außerhalb ihrer Reichweite gewesen sind, erschwerte ihr etwas die Kommunikation. "Ich möchte nicht drängen, aber ich brauche bitte dringend Medizin! Nicht für mich - ich bin gesund!", fügte sie schnell hinzu. Er sollte nicht denken, dass er eine schlechte Wahl getroffen hat. "Aber ich brauche Medizin für meinen Großvater. Deswegen bin ich hier... B-bitte..." Delores hasste diese Situation. Sie hasste es ein Bittsteller zu sein, nicht zu wissen was sie sagen sollte und vor allem; sich Gedanken darüber zu machen wie das was sie von sich gab auch tatsächlich auf den Mann ihr gegenüber wirkte.
    • Evan

      Belustigt hob er eine Augenbraue, als die junge Frau ihn anstarrte, als hätte sie einen Geist gesehen. Habe ich irgendwas im Gesicht? Unsinn. Er verwarf den Gedanken sofort wieder, das konnte er sich nicht vorstellen. Doch ihre verblüffte Reaktion verstand er nicht. Im Grunde war es aber auch egal, was kümmerten ihn schon die merkwürdigen Verhaltensweisen die man dort unten vielleicht pflegte. Doch wenigstens hatte sein Erscheinen genügt um sie lange genug abzulenken. Endlich war der sinnlose Kampf vorbei und die Erleichterung stand dem Soldaten ins Gesicht geschrieben.
      Evan stützte einen Ellbogen auf die Lehne des Sessels und legte den Kopf in seine Hand, als er sie dabei beobachtete, wie ihr langsam endlich dämmerte, dass sie aus dieser Situation nicht mehr herauskam, ganz egal wie sie sich wehrte. Mit dieser Fessel war sie nun offiziell sein Eigentum. Eine Vorstellung, die ihn nicht im geringsten befremdete. Er mochte bis jetzt nie Teil dieses absurden Spiels gewesen sein, doch der Gedanke, andere Menschen zu besitzen, der erschien jedem in seinem Stand völlig normal. Der natürliche Lauf der Dinge. Wofür war denn Geld und macht gut, wenn man damit nicht tun und lassen konnte was man wollte?
      Die Zeit bis sie sich endlich einigermaßen zivilisiert auf ihrem Stuhl niederließ, nutzte er um sie von oben bis unten zu mustern. Von nahem konnte man erst so richtig sehen wie verhärmt und verdreckt sie aussah. Nichts anderes war zu erwarten gewesen bei jemandem aus den Schatten, doch was ihn überraschte, war dass unter all dem Dreck ein mehr als ansehnliches Gesicht erkennbar war. Evan hatte erwartet, dass dort unten jeder in irgendeiner Form grobschlächtig oder entstellt sein musste, so wie die Kämpfer welche er bis in den Übertragungen gesehen hatte. Doch wenn man Delores herausputzen würde, dann wäre sie selbst in Albion als hübsch zu bezeichnen. Eine Vorstellung so absurd, dass er nur schnauben konnte und sich ein Lachen verkniff. Also ob es jemals dazu kommen würde.
      Doch ehe er sich noch weiter über seine eigenen Gedanken belustigen konnte, wurde er auch schon von einem Räuspern aus selbigen gerissen.
      "Natürlich enden die Kämpfe nicht, was hast du denn erwartet?" antwortete er glucksend. "Und ja, richtig geraten, habe dich gekauft. Deinen Namen kenne ich schon... ich denke jeder der dich vorhin gesehen hat, kennt ihn." Ihr Geschrei war nun auch wirklich nicht zu überhören gewesen. "Du kannst mich Evan nennen," fuhr er fort und hob in einer gelangweilten Bewegung grüßend die Hand. Und nun? Was sollte er jetzt noch groß zu ihr sagen? Doch sie kam ihm zuvor und nahm ihm das Problem ab. "Medizin?" Das ging ja schnell, kaum kennen gelernt, schon wollte sie irgendetwas von ihm haben. Wobei, das war wohl bei jedem anderen Kämpfer genauso. Nachdenklich blies er die Wangen auf. Sie wollte noch nicht einmal etwas für sich selbst? Nicht dass es ihn kümmerte, Medizin zu vergeben, doch er wollte in keinem Fall damit anfangen für jeden entfernten Verwandten und Freund in den Schatten Almosen zu verteilen. Das würde nie ein Ende nehmen. Aber er wollte ihr zumindest in diesem Fall etwas entgegen kommen, vor allem weil es für ihn persönlich völlig unerheblich war, ob er dafür bezahlte, oder nicht. Also zuckte er einfach nur mit den Schultern und wandte sich wieder an sie. "Ach was solls, warum auch nicht... Gib den Zuständigen bescheid was du genau brauchst und es wird dir nach unten geschickt." stimmte er locker zu. Ein wenig Medizin war kein großes Thema. "Aber... wenn du auf die Idee kommst meine Großzügigkeit auszunützen und anfängst dort unten anfängst auch an Andere zu verteilen... Nun ja, ich würde dir auf jeden Fall besser davon abraten." warnte er sie in weiterhin heiterem Tonfall.
    • Delores
      Dieser Mann ist für Delores entsetzlich schwer einzuschätzen gewesen. Sie wusste, dass die Albioner anders gewesen sind als die Menschen, die in ihrer Umgebung wandelten. Doch wenn sie ehrlich gewesen ist, hat sie immer ein bisschen dem Gerede und den Gerüchten geglaubt, dass die Menschen aus Albion alle eigenartig aufgesetzt und seltsam gewesen sind. Viele - gerade die Kinder - erzählten sich, dass die Menschen dort oben aussahen wie Frösche oder nicht mehr laufen konnten, weil keiner von ihnen arbeiten oder sich bewegen musste, Doch Evan saß mit einer solchen Erhabenheit vor ihr, dass sie es wahrscheinlich sofort geglaubt hätte, wenn er ihr jetzt offenbart hätte er wäre der Prinz von Albion... Gab es überhaupt einen König dort oben? Gut, eigentlich ist es auch egal gewesen. Sie war nur nervös und deswegen radelten ihre Gedanken auch in seltsame Richtungen, um sie abzulenken, während er über ihre Bitte nachdachte. Dass sie dabei ihre Luft angehalten hatte merkte sie erst, als sein Urteil über sie einbrach. "Ach was solls, warum auch nicht... Gib den Zuständigen bescheid was du genau brauchst und es wird dir nach unten geschickt." Sie atmete erleichtert auf. Auf einen Schlag schienen ihre Muskeln sich zu entspannen und sie sackte etwas zusammen und ein Lächeln bahnte sich unkontrolliert auf ihre Lippen. Seine Warnung nahm sie noch auf, allerdings sprang sie bereits auf die Beine uns nickte. Nein, sie schüttelte den Kopf, genau das war besser. "Nein, nein, sonst nichts. Also niemand. Nur mein Großvater! Danke!" Damit stürmte sie komplett gedanken- und kopflos aus der Tür. "Robert!", rief sie noch laut in den Flur, bevor die Tür hinter ihr zu fiel. Es war absurd wie schnell alles ging. Sie überfiel Robert, verlangte von ihm ihr alles zu erklären was die Versorgungen anbelangte, fischte sich noch schnell ihren Rucksack aus der Arena und machte dann Halt bei der Versorgungsstation. "Hallo! Medizin bitte!", kündigte sie übereifrig an und wurde dabei angesehen als wäre sie eine Geisteskranke, sowohl von den Albionern, als auch von den Schattenbewohnern. "Was?!" - "Ach ja, ich bin Nummer Achtundzwanzig und ich habe einen Sponsor. Und ich brauche Medizin." Sie beschrieb die Symptome ihres Großvaters und jedes Wort, das ihre Lippen verließ sorgte für unglaubliche Verwirrung. Als man ihr im ersten Moment nicht glauben wollte zeigte Delores ihre Fußfessel vor und wurde ungeduldig. "Kommt schon! Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit! Ich bin Kämpferin, ich bin gesponsort und mein Sponsor hat gesagt ich bekomme die Medizin die ich möchte! Ich hole Robert, wenn ihr mir nicht glaubt." - "Robert? Unser Robert?!" Aha, da wurden sie also hellhörig. "Mir egal wem er gehört. Aber er hat mir das Ding dran gemacht. Ihm werdet ihr doch glauben, oder?"
      Die Angelegenheit wurde überprüft. Die Soldaten an der Versorgung bekamen von den übertragenen Spielen nichts mit, doch als sie ihre Geschichte von mehreren Instanzen bestätigt bekamen blieb nicht einmal den Albionern etwas anderes übrig. Und unter normalen Bedingungen hätte es Delores schrecklich die Nerven gekostet das Affentheater mitzumachen. Doch sie war zu ungeduldig, zu stolz auf ihren Erfolg und zu hoffnungsfroh, dass sie ihrem geliebten Großvater tatsächlich das Leben gerettet haben könnte. Man sagte ihr sie solle später wieder kommen, doch sie blieb direkt. Die Soldaten warteten ein wenig darauf, dass das Mädchen auch noch mehr verlangen würde. Essen, Kleidung, irgendwas, was sie normalerweise täglich zu hören bekamen. Doch nein, sie war gänzlich zufrieden damit ihre Medikamente zu bekommen, nichts anderes stand ihr im Sinn und als sie den großen Container sah, der herunter kam sprang sie sofort auf. Sie musste niemandem mehr sagen wer sie war oder worauf sie wartete. Einfach um sie schnell los zu werden händigte man ihr als erstes ein braunes Paket aus. Sie bedankte sich und verschwand schneller, als jemand gucken konnte. Die Medikamente sahen anders aus, als sie es sich vorgestellt hätte, fiel Delores auf, als sie zu Hause gewesen ist. Sie hat mit Kräutern gerechnet oder irgendwas in der Richtung. Nicht mit Flaschen voller bunter Flüssigkeiten und irgendwelchen Zugaben für das Essen. In der Stube auf dem Boden sitzend hatte sie das Päckchen ausgepackt und ein Ding nach dem anderen gegen das Licht gehalten. Die gläsernen Behälter waren unglaublich schön in ihren Augen.
      Sie waren strahlend sauber, hatten keine Kratzer und waren mit Korken dicht verschlossen. Für Delores fühlte das allein sich wirklich an wie ein Reichtum, den sie kaum beschreiben konnte. Den Medikamenten lagen Anleitungen bei, doch das Mädchen konnte nicht lesen. Sie verließ sich auf die kleinen Bildchen, die auf einem Zettel an den Fläschchen hingen, auf denen kleine Symbole gewesen sind, die den Abend oder den Morgen verdeutlichen sollten und entschied sich dafür ihrem Großvater jeden Tag etwas von dem Mittel zugeben zu dem Zeitpunkt, den sie dafür entschlüsselte. Ihr Großvater reagierte anfänglich sehr beschwerlich darauf und weigerte sich die unbekannten Flüssigkeiten zu trinken in seinem Zustand des Deliriums. Doch mit Geduld und einem Dickschädel wie der von Delores beruhigte er sich bald. Zunächst fiel dem Mädchen auf, dass er die Nacht durchschlief. Jeder Mucks und jedes noch so kleine Geräusch weckte Delores aus ihrem Schlaf. Doch kein einziger Anfall kam. Morgens fing er an etwas die Augen zu öffnen und schaffte es sich mit ein wenig Brei füttern zu lassen. Eine Verbesserung, mit der niemand im Dorf mehr gerechnet hat. Vier Tage lang hatte Delores sich nach den Kämpfen komplett zurückgezogen. Sie hatte nicht versucht mit Elise oder sonst jemandem zu sprechen. Die Kameras in ihrem Haus, die überall gelegentlich herumflogen und surrten interessierten sie kaum und den kleinen Bildschirm, den man ihr aufgestellt hatte fand sie zwar höchst interessant, doch immer, wenn sie daran herumspielen und ihn auseinander nehmen wollte durchfuhr sie ein Schmerz in ihrem Bein, ausgehend von ihrer Fußfessel, der sie stets mit der Zunge schnalzend wegzucken ließ. Die nächsten Kämpfe würden in einigen Tagen stattfinden und sie wusste inzwischen, dass sie immer zu allen Übertragungen anwesend in der Arena sein musste. Der Gedanke ließ sie stets ein wenig erschaudern, wenn sie am Abend über ihren Basteleien hing. Mit einer Brille auf ihrer Nase war sie über ihren Schreibtisch gebeugt und bastelte mit Kleinstteilen an einer neuen kleinen Erfindung. Die Idee dafür war ihr lange im Kopf herum geschwirrt, doch in Anbetracht ihrer Situation beeilte sie sich schnell die alten Konzepte aufzuschlüsseln. Prüfend hielt sie ihr rundes Spielzeug ins Licht und prüfte den Mechanismus, der es auf und zu schnacken ließ. "Du wirst mir vielleicht das Leben retten, Kleines", sprach sie mit einem seufzen zu dem schimmernden Bällchen. Sie hatte alle Teile noch einmal poliert und sogar besondere Schätze von sich mit eingebaut. Dieses Mal musste sie sich mehr Mühe geben. Mit einem Seil und zwei Stöcken konnte sie schließlich nicht immer gewinnen.
    • Evan

      Mit einem Seufzen betrat er sein Zimmer und stellte eine lederne Tasche neben der Tür ab, ehe er sich streckte. Damit wäre wieder einmal ein Block an seiner Universität geschafft und die nächsten freien Tage warteten genauso auf ihn wie neue Kämpfe auf Delores. Erschöpft ließ er sich auf das übergroße Himmelbett fallen, das eine Wand seines Zimmers dominierte und sank in die weiche Matratze.
      Seit er in diese verdammten Kämpfe eingestiegen war, schien jeder Kampf nervtötender als der andere. Wie zu erwarten, war die Gerüchteküche übergekocht und es war kein Tag vergangen, an dem er nicht mit Fragen und sinnleerem Gelaber bombardiert wurde. Wie sollte er auch eine befriedigende Antwort geben, warum bei allen Himmeln er diese Frau gewählt hatte. Dass ihn sein Vater gezwungen hatte und er diesem nur eins auswischen wollte, würde er niemals zugeben, doch das war nun einmal nicht gerade das, was seine Mitstudenten hören wollten. Er hatte sich dazu entschieden einfach nur mit den Schultern zu zucken und zu versuchen die Leute abzuwimmeln, was selbstverständlich dem Ganzen alles andere als einen Dämpfer verpasste. Für die einen war er einfach nur ein Idiot, andere wiederum meinten er hatte wohl ein ungesundes... Interesse an verhärmten Mädchen aus den Schatten und manche fanden die ganze Situation einfach nur unterhaltsam. Das waren nur wenige der Theorien, die herumschwirrten und schon beinahe die Tatsache überschatteten, dass sie den Champion besiegt hatte. Evan hoffte einfach nur, dass das ganze Theater nach ein wenig Zeit wieder abflauen würde und sich alle wieder anderen Dingen zuwandten, so wie es sonst auch immer war. Er hatte besseres zu tun, als ständig genervt zu werden.
      Doch das war es wert gewesen. Mit einem Lächeln erinnerte er sich an das Gesicht seines Vaters, als er vor ein paar Tagen aus dem Club zurückgekehrt war. Wie nicht anders zu erwarten hatte der General sofort Wind davon bekommen, wofür er dessen Geld verwendet hatte. Mit erzürntem Blick hatte ihn Aston schon vor den Stufen zu ihrem Anwesen erwartet, die Hände voll verhaltenem Zorn geballt. "Wie ich höre hast du dir also endlich einen Kämpfer gekauft..." empfing ihn sein Vater. "Kämpferin, um genau zu sein." erwiderte Evan mit einem süffisanten Lächeln. "Ganz so wie ihr es wolltet Vater." Dass dieses Ergebnis mit Sicherheit nicht auch nur annähernd das war, was sich der General erwartet hatte, musste er gar nicht erst aussprechen. "Und sie hat es in ihrem ersten Kampf bereits geschafft Goliath von seinem Thron zu werfen, eine beachtliche Leistung, wenn ich das so sagen darf." fuhr er fort, bevor sein Gegenüber erneut das Wort ergreifen konnte. "Das ist auch euer beider Glück," grollte Aston und marschierte an Evan vorbei. Mit Sicherheit hatte er besseres zu tun, als lange mit seinem Nichtsnutzigen Sohn zu streiten. "Du solltest besser hoffen, dass diese Glückssträhne anhält, bevor du diese Familie noch weiter beschämst." waren die letzten Worte, ehe der Blondhaarige aufatmen konnte. So wie es aussah, war er noch einmal davongekommen. Ganz egal wie sauer seine Entscheidung seinem Vater aufstieß, er hatte damit einer anderen Familie eins ausgewischt, was in dem intriganten Sumpf, der Albion nun einmal war, doch einiges wert war. So gesehen konnte sein Vater durchaus zufrieden sein, wenn er nur einmal über sein ständiges Temperament und Unzufriedenheit hinwegsehen würde.

      "Du wirst schon noch sehen..." murmelte Evan zu sich selbst und erhob sich langsam wieder von seinem Bett. Hätte ihm jemand noch vor einer Woche gesagt, dass er einmal an den Arenakämpfen und ihrem Ausgang interessiert sein würde, dann hätte er denjenigen ausgelacht. Doch mittlerweile musste er zugeben, dass dem tatsächlich so war. Wenngleich auch nur um allen eins auszuwischen und seine absurde Wahl einer Kämpferin siegen zu sehen. Was in den sonstigen Kämpfen geschah, das war ihm nach wie vor völlig egal. Was machte diese Delores gerade überhaupt? Der Albioner hatte noch nie einen Gedanken daran verschwendet wie die Schattenmenschen ihren Tag verbrachten, aber jetzt hatte er schließlich eine direkte Verbindung nach unten. Kaum, dass er sich registriert hatte, waren Techniker zu ihm geschickt worden, die den Bildschirm in seinem Zimmer mit allen nötigen Verbindungen und zusätzlichen Extras ausgestattet hatten. An dem Gerät selbst hatte sich wenig verändert, es war nach wie vor auf der gegenüberliegenden Seite seines Bettes an einer Wand befestigt. Doch nun befand sich auch bei ihm eine Kamera, sowie ein eingebautes Mikrofon, nicht unähnlich dem was im Hinterzimmer des Clubs angebracht war. Mit dem Unterschied, dass alle Schalter, die dort an einem Tisch angebracht worden waren, sich nun auf einer handlichen Fernbedienung befanden, zusammen mit einem extra Knopf, der die kleine zusätzliche Funktion ihrer Fußfessel aktivieren konnte.
      Bis jetzt hatte diese unberührt auf seinem Schreibtisch gelegen, eher er sie sich nun nahm und es sich auf seinem Bett bequem machte. "Mal sehen, wie es bei dir so aussieht." Ein Knopfdruck genügte und schon erwachten die Geräte leise summend zum Leben. Der Blondhaarige fand es noch nicht einmal befremdlich, einfach so in die Privatsphäre eines anderen Menschen einzudringen. Schließlich war das doch sein gutes Recht.
      Das erste was er sah war ein heilloses Durcheinander, was in seinem Haus dank Dienstboten noch nicht einmal möglich wäre, selbst wenn er es versuchen sollte. Überall Metall, Kabel und Teile von undefinierbaren Überbleibseln. Kurz gesagt Schrott. Wie konnte man denn nur an so einem Ort leben? Anfänglich fand er sich überhaupt nicht zurecht, doch endlich schien auch bei den Kameras angekommen zu sein, dass er eingeschaltet hatte, und sofort machten sich diese daran Delores ins Bild zu bekommen.
      Es schien als würde sie an irgendetwas arbeiten, auch wenn er weder sehen konnte was es war noch konnte er sich vorstellen, wie man aus dem ganzen Müll hier irgendetwas brauchbares schaffen wollte. Sie war voll und ganz auf ihr Projekt konzentriert, dem sie mit konzentriertem Blick und Funkeln in den Augen ihre ganze Aufmerksamkeit widmete. Einen Moment betrachtete er die junge Frau nur stumm. Er wusste nicht was, aber so etwas hatte er dann doch nicht erwartet, als er die Verbindung hergestellt hatte. "Du siehst ja recht beschäftigt aus..." meinte er und hielt einen Knopf gedrückt damit sie ihn hören konnte. "Vertreibt man sich so bei euch dort unten die Zeit?" fragte er neugierig mit hochgezogener Augenbraue.