Wild Spirits. [Taru & Aiden]

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    • Wild Spirits. [Taru & Aiden]

      Wild Spirits.



      Nerdanel Adair


      Die Sonne schien golden vom Himmel, als die Autotür hinter ihr geschlossen wurde, und das Licht abblockte. Langsam strich sie ihren Rock glatt, bevor sie sich anschnalte und noch wenige Sekunden darauf wartete, dass der Fahrer das Auto umrundete und vorne Einstieg.
      Der Motor startete, und die stille Fahrt in die Schule ging los. Sie war jeden Morgen still, und Nerdanel begrüßte dies jeden Morgen aufs Neue. Der ganze Trubel begann ohnehin, sobald sie die Schule betrat, denn überall liefen Leute herum, die ihren Mund niemals halten konnten, oder wollten. Manchmal war es schwer seine Gedanken zu ordnen, was Nerdanel an manchen Tagen ohnehin schon schwer fiel.
      Heute würde es ohnehin schlimmer sein als an anderen Tagen, denn es war der zweite Tag des neuen - und ihren letzten- Schuljahres. Alle hatten sich noch sehr viel zu erzählen, die neuen Schüler suchten ihre Wege in dem Gebäudekomplex, das nicht unbedingt klein war und aus mehreren Gebäuden bestand. Nerdanel hatte am Anfang auch wirklich Schwierigkeiten gehabt sich gut zurecht zu finden, mittlerweile kannte sie es aber wie ihr eigenes Zuhause. Ob sie traurig sein würde, wenn sie nicht mehr hier her kommen musste? Bestimmt. Es war ihr ganz vertraut geworden, all die Jahre in denen sie fast jeden Tag hier her musste. Diese Routine verschaffte ihr meisten mehr Zuversicht und Mut, den ihre ganze Familie ihr so gar nicht geben konnte. Nerdanel wollte wirklich nicht, dass sich so etwas großes in ihren Leben einfach änderte. Veränderungen beinhalteten immer Dinge mit denen niemanden rechnen konnte, und dass sie keine Kontrolle über diese hatte, lies sie jetzt schon etwas nervös werden.
      Um sich selbst etwas zu beruhigen, strich das junge Mädchen über ihren Rock, selbst wenn es überhaupt nichts zu richten gab. Sie war recht pingelig was ihre Klamotten und ihr Auftreten anbelang. Es war nicht nur wichtig, weil sie schön sein wollte - das war eher ein Nebeneffekt- sondern weil jeder Fehler den sie machte, auf ihre Familie abfärbte und die Leute sich dann nicht nur über sie das Maul zerreißen würden.
      Das Auto hielt langsam bei der Auffahrt der Akademie, und Nerdanel sah noch eine kurze Weile hinaus, bevor sie sich dazu entschied auszusteigen. Sobald die Autotüt geöffnet war, konnte man das Stimmengewirr in einer Lautstärke wahrnehmen, die sich nicht für so eine Schule gehören sollte. Aber es war nunmal eine große Schule mit hunderten an Schülern, und keinen von ihnen konnte man den Mund verbieten. Alleine deswegen schon nicht, weil die meisten Eltern mehr als genügend Geld hatten, und es der Schule zahlten um ihre Kinder zu unterrichten.
      "Danke fürs Fahren", meinte sie dann zu ihrem Fahrer Jeffrey, welcher ihr leicht zu nickte. "Ist mir immer ein Vergnügen, Miss Adair."
      Als die Türe wieder geschlossen war, und Nerdanel ihre Tasche genommen hatte, fuhr das Auto auch schon wieder los, und das Mädchen bahnte sich einen Weg in das Gebäude, das früher mal ein herrliches Schloss gewesen war. Nun war es seit gut 100 Jahren nur noch eine Schule, und hatte seinen Glanz - zumindest von außen hin- verloren. Von innen erinnerten die Böden und die Verzierungen der Bögen und Fenster, noch immer herrlich. Nerdanel störte es oft, wenn Kunstwerke oder Plakate an die Wände gehangen wurden, um die Projekte der Schüler zu zeigen. Als wären sie noch im Kindergarten, und schon damals hatte Nerdanel es nie sonderlich gemocht, ihre Sachen allen und jedem zu zeigen, der Lust darauf hatte.
      Bevor das dunkelhaarige Mädchen weiter in ihren trüben Gedanken versinken konnte, wurde sie angesprochen.
      "Nerdanel!", rief die Blonde, als sie auf sie zu lief. Dabei hob sie ihre Hand und wirkte mehr als überschwenglich. Nerdanel schenkte ihr ein Lächeln, hob jedoch nicht die Hand, sie hatte das Gefühl dadurch etwas affig zu wirken.
      "Alys", erwiderte Nerdanel als sie vor ihr stehen blieb. Die beiden teilten die meisten Kurse miteinander, in jedem Jahr, auch wenn Nerdanel nicht wusste wie das genau sein konnte. Es störte sie aber auch nicht, eher im Gegenteil. In Alys hatte sie eine recht gute Freundin gefunden, mit der es angenehm war sich in den Pausen zu unterhalten. Außerdem konnte sich Nerdanel auf sie verlassen, und die beiden lernten auch oft mit einander.
      "Zeig mal deinen Stundenplan, ich hab dich gestern gar nicht mehr gesehen um danach zu Fragen", grinste sie über beide Ohren.
      Alys war ein wirklich hübsches Mädchen, und ihr Lächeln war ansteckend, nicht nur für Nerdanel.
      Sie öffnete dann ihre Tasche und griff nach ihren Notizbuch, in dem sie auf der zweiten Seite fein säuberlich ihren Stundenplan aufgeschrieben hatte. Auch Alys griff nach ihren Stundenplan und die beiden Mädchen hielten ihn sich voreinander hin.
      "Wir haben wirklich Glück.", begann Nerdanel dann, " Wir haben wieder fast alle Kurse gemeinsam."
      "Außer Mittwoch, da haben wir gar keinen", meinte sie dann und deutete auf die mittlere Spalte. Gestern war Mittwoch gewesen, also kein Wunder dass die beiden sich nicht darüber austauschen hatten können.
      "Aber das überleben wir, wir sehen uns doch in der Mittagspause."

      Vorstellung
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane Gray

      Die Campbell Academie. Hier war der Ort, der sein letztes Schuljahr begleiten würde, an dem er noch einen zusätzlich Abschlussbonus erwerben könnte. Mit einem solchem Diplom an der Wand, würde er sich bei den zukünftigen Kunden einen noch größeren Bekanntheitsgrad anreden lassen. Es war eine gute Wahl gewesen, diese Academie aufzusuchen. In jener, die er zuvor besuchte, schien man ihm nicht den nötigen Glanz verpassen zu können. Und kaum sind ein paar Gelder geflossen, und der ein oder andere Klunker über einen Expressversand verschickt worden, flatterte auch schon förmlich eine Bettelbitte in den Briefkasten, Zane möge doch bitte unbedingt an dieser Schule seinen Abschluss machen. Natürlich würde das gleichermaßen auch bedeuten, das jeder der später in seinen Juwelier käme, unweigerlich auch das eingerahmte Zeugnis bewundern würde. Gäbe es eine bessere Werbung, als reichen Leuten förmlich den Erfolg und den Geldsegen bei einem reichen Juwelier unter die Nase zu halten, als anderswo? Jeder der es auch wollte, schickte demnach seine Kinder auch hier her. Sofern man sie denn zulassen würde. Aufnahmeprüfungen konnten mit Noten oder sicher auch mit Geld aufgewogen werden.
      Für Zane der ganz normale geschliffene Alltag. Doch wo war er, der ungeschliffene? Gab es so einen überhaupt? Ein lustiges Abenteuer wäre doch mal was. Nicht immer derselbe triste Tagesablauf. Aufstehen, lernen, sich auf seinen zukünftigen Jobvorzubereiten und in der Freizeit am besten auch noch die Seele damit peitschen. Und dann ging man zu Bett um sich auf den nächsten Tag zu freuen ... der genau dasselbe brachte.
      Er seufzte. "Hmmmfff, noch ein Jahr, dann ist es soweit. Fahrer? Wie weit noch?", fragte er noch den Fahrer der Hotel Limousine, der mit seinem Schnauzer, dem Hut und dem pechschwarzen Anzug, der sich mit schneeweißen Handschuhen paarte, perfekt in seine Arbeit eingeschmolzen hatte.
      "Noch fünf Minuten, Sir. Soll ich etwas schneller fahren?" "Nein. Fahren sie mich einfach nur zur Schule. Und wenn es geht, halten sie nicht direkt vor dem Tor. Die letzten Meter geh ich lieber zu Fuß."
      "Sehr wohl, Sir."
      Soweit käme es noch. Er würde an dieser Schule doch nicht gleich zum Gesprächsthema Nummer Eins aufsteigen. Da sind zwar eine Menge betuchter Schüler anwesend, da das schließlich auch eine teure Academie war, aber man würde sicher nicht so einen Aufriss veranstallten. Man hörte nur Gutes. Selbst unter den Schülern sollte es doch recht friedlich ablaufen. Vermutlich so friedlich, das sich alle mit gespielter Höflichkeit und Etikette den ganzen Tag über ihre Schulangelegenheit unterhielten, und Tee tranken. Er würde sich spielend eingliedern und bereits nach drei Tagen als völliger Normalo wirken, der nicht weiter auffällt. Hauptsache die Damen dort schnüffelten nicht wieder in seinen Geldangelegenheiten herum und machten ihm gleich Angebote. Ein Juwelier nimmt schließlich nicht jeden Stein an, um daraus ein perfekt geschliffenen Edelstein zu machen.

      Kurz darauf hielt der Fahrer die Limousine auf einen nahgelegenen öffentlichen Parkplatz an, damit der Herr Gray wie gewünscht den letzten Abschnitt zu Fuß gehen konnte. Er stieg aus und begab sich zur rechten Hintertür, öffnete diese und Zane stieg aus.
      "Halten sie heute Mittag auch hier. Außer es regnet. Dann fahren sie direkt zum Tor."
      "Wie sie wünschen, Master Gray. Viel Erfolg bei ihrem ersten Schultag übrigens. Ich bin mir sicher, das sie dieses Jahr nicht bereuen werden."
      Zane lächelte. "Vielen Dank. Ich bin mir auch sicher, dass das hier ein Jackpot sein wird. 365 Tage werden am Ende wie im Fluge vergehen. Und am Tage der Abschlussfeier werde ich hier in diesem Wagen eine kleine Feier abhalten. Machen sie sich schon mal Gedanken um Getränke.", sagte Zane , hob den Daumen und marschierte dann los. Der Fahrer nickte noch, schloss die Tür und fuhr kurz darauf wieder zurück zum Hotel.

      Zane Schritt lässig des Weges, fand weitere Schüler auf dem Weg vor, hielt sich aber noch fern. Bloß nicht einfach irgendwen an die Backe bekommen. Man sagt, manche können derart nervig sein, das man sie nicht mal mit Selbstschussanlagen fernhalten könnte. So einen wollte er sich nicht als Schulkumpel. Er sah auf. Da fuhr noch ein dicker Schlitten vorbei. Dann noch eine noble Karre.
      "Ja ist das denn ...?"
      Von wegen auffallen. Das war hier wohl der alltäglichen Adelsauflauf. Und selbst wer nicht unter den Reichsten war, fuhr zumindestens ein teures Fahrzeug, auch wenn es möglicherweise nur Leihgabe war.
      Er seufzte erneut. Irgendwie beruhigend, sollte er sich direkt vorfahren lassen. Es würde wohl nur kurz auffallen, weil er neu war. Eine Woche später würde ihn keiner mehr kennen, und eher als den gewohnten Schüler betrachten.
      Tatsächlich geschah weiter nichts. Er erreichten das Tor und betrat nun endlich den heiligen Boden. Eine Schar aus Leuten tummelte sich hier und da, alle sprachen über irgendwas und verschwanden nach und nach im Gebäude.
      "Ein altes Schloss? Sieht zumindestens so aus. Hoffentlich sind die Lehrer nicht auch so alt."
      Erstaunt und neugierig blickte er sich noch etwas um. Dabei verlor er mehr und mehr die Zeit aus den Augen und war dann im Gebäude angelangt und um irgendeine Ecke gebogen. Lauter Türen, ein paar Gänge und Treppen. Er ging ein Stück. Verschiedene Räume versteckten sich hinter edlem Holz. Ob das Clubräume waren?
      "Ach verdammt, die erste Stunde fängt gleich an. Ich muss noch zum Unterrichtsraum."
      Er drehte sich um. Lauter Türen, ein paar Gänge und Treppen.
      "Was zum Geier ... wo kam ich her? Ene mene Muh ... links."
      Nach 20 Meter erreichte er eine Wand. Er seufzte, kratzte sich am Kopf und drehte sich um. Er war nach links gegangen, also kam er von rechts und musste jetzt wieder ... rechts? Nein, links. Er war doch jetzt wieder umgedreht. Oder doch rechts? Sein Orientierungssinn machte sich bemerkbar. Alle neuen Gegenden verwirrten ihn.
      Tatsächlich schaffte er es sich auf einen Gangkreuzung dreimal in dieselben Wegen zu verlaufen, bevor er wieder am Haupteingang an kam. Da war auch ein Gebäudeplan, den er kurz studierte. Ein wenig unübersichtlich. Die Schüler waren auch schon in den Klassenräumen, und er war alleine.

      "Nanu, wer steht mir da im Weg?", hörte er es plötzlich leicht verärgert. Er drehte sich um, niemand da. "Hallo. Hallooooo ... hier unten."
      Er sah runter, ein kleines Mädchen. Oder eine Frau? Sie sah jedenfalls jung aus. Vielleicht 1,50 m kurz.
      "Ähm, Miss ... verzeihung. Ja, ähm, ja ich bin neu hier und habe mich wohl etwas verirrt. Mein Name ist Zane Gray und ich soll ab heute in Klasse 12 unterrichtet werden. Das Abschluss Jahr. Kannst du mir den Weg zeigen?", und versuchte nicht all zu verlegen zu grinsen.
      Die junge Dame sah ihn nahezu ausdruckslos an. "Nö."
      Dann schritt sie an ihm vorbei fort, und ein mit Fragezeichen umzingelter Zane blieb zurück. Was war das denn für eine? War das eine Lehrerin? Eine Professorin? Oder eine lausige Schülerin?
      "Vielen Dank auch ... Miss!", knirschte er zwischen den Zähnen hervor.
      Ihm blieb keine Wahl. Er studierte den Plan, fand bald heraus wo Raum 12 war, und machte sich auf den Weg. Kurz darauf stand er vor der Tür.
      "Verdammt. Erster Eindruck. Ein zu spät kommer. Bekannt wie der bunte Hund in Oxford."
      Er straffte sich. Er würde sich da schon rausreden. Vorteil Neuling. Außerdem hatte er ja nachgefragt. Die kleine Bitch. Wenn die mal ne Frage an ihn hätte, würde er auch eiskalt einfach Nö sagen. Und sie dann stehen lassen.
      Dann klopfte er an und trat ein.
      "Entschuldigen sie bitte die ver .... hää?"
      Der Unterricht war bereits angelaufen, und die Lehrerin hatte gerade die Anwesendheit geprüft. Sie sah minimal überrascht, leicht grimmig zur Tür, und Zane sah sehr überrascht zurück. Es war der kleine Meterfünfzig Bitch vom Eingangsbereich. Sie war hier wohl die Lehrerin. Die Klassenlehrerin.
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      Erste Schulstunde beginnbt doch immer mit der Klassenlehrerin. Hätte ihn ja wenigstens gleich mitnehmen können.
      Ein fantastischer erster Schultag.
      "Ah, Herr Gray nehme ich an. Zuerst in der Eingangshalle rumlungern, und dann noch zu spät zum Unterricht erscheinen. Soetwas sehe ich hier nicht gern. Kommen sie rein, setzten sie sich. Es sind noch drei Plätze frei."
      "Ähm, danke. Sofort."
      "Gut. Passiert das nochmal, zeige ich keine Gnade mehr. Die Strafen sind hart."
      "J-jawohl."
      Zane schritt in Richtung hintere Reihen. Die Augen der Anwesenden schienen ihn zu durchbohren. Er sah schmunzelne Gesichter. Hörte leises Getuschel. Ja, der Bunte Hund in Oxford ....
      Er nahm Platz und war nun Sitznachbar von Nerdanel Adair.
    • Nerdanel Adair

      In der ersten Stunde trentten sich Nedanels und Alys erste Stunde, aber in der zweiten würden sie sich wieder sehen, wenn der Englisch Unterricht begann, und sie über das Buch reden würden, dass sie über die Sommerferien über lesen hatten müssen. Nerdanels Eltern waren über die Buch Auswahl nicht sehr begeistert, aber da es für die Schule war, hatten sie nicht sehr viel dagegen sagen können.
      Nerdanel hatte keinen Grund sich zu stressen, als sie sich auf dem Weg zu ihren Klassenraum machte, sie hatte genug Zeit, und ihr Platz war beinahe jedes Jahr derselbe. Kein anderer kam eigentlich auf die Idee sich dort hinzusetzten, was nicht an Nerdanel lag. Eher an einer anderen Person, doch diese hatte sie schon gestern nicht gesehen. Vermutlich hatten seine Eltern mit ihrem Geld seine Ferien um eine Woche verlängert, oder er schwänzte einfach. Nerdanel hoffte, das es heute auch so bleiben würde. Es gab ihr mehr Ruhe, zumindest für die Augenblicke und den Unterricht über.
      Sie setzte sich also auf ihren Platz, einer der ersten, die meisten sprachen sie nicht an, da sie -zumindest was die Schulbelange anging- doch unter ihr standen. Ihre Eltern und Großeltern waren große Sponsoren der Schule, und das ihr Vater einen Adelstitel trug, welchen er ihr automatisch übertragen hatte, bedeutete auf dieser Schule mehr als ihr lieb sein sollte.
      Nach und nach nahmen alle ihren Platz ein, selbst wenn Miss Khan noch nicht den Raum betreten hatte. Sie war immer recht streng, und keiner wollte auf ihrer schlechten Seite landen. Schon gar nicht in der ersten Stunde des Jahres, das war ein Fehler, denn man nicht wieder ausbügeln konnte. Vor allem da viele von hier mehr als nur Mathe mir ihr zusammen hatten. Das galt auch für Nerdanel, sie hatte auch noch ihren Französisch Unterricht mit ihr.
      Sie kam ein paar Minuten zu spät, nicht viel, und schon gar kein grund das sich hier irgendemand beschwert hätte.
      Sobald die Tür sich hinter ihr geschlossen hatte, und sie sich vor den Lehrertisch gestellt hatte, dahinter ging sie manchmal schon fast unter, begrüßten alle Schüler sie in einen seltsamen Sprechchor der Nerdanel immer etwas unangenehm war. Nicht alle Lehrer bestanden auf diese Art von Begrüßung aber sie schien es zu mögen, alle hier wie Kinder zu behandeln, über die sie die Kontrolle hatte.
      Nach der Begrüßung, und während die Lehrerin kontrollierte wer alles da war, packte das braunhaarige Mädchen ihr Mathebuch heraus, und ihren Collegeblock und den beinahe leeren Ordner, der grün war. Sie hätte sich persönlich eine andere Farbe ausgesucht, aber darüber hatte sie nicht wirklich die Wahl gehabt.
      Gerade wollte sie schon an die Tafel gehen, um mit dem Unterricht zu beginnen, als es an der Tür klopfte.
      Nerdanel hob kurz ihre Augenbrauen und fragte sich wirklich wer denn so mutig war. Wenn jemand zu spät kam, war es besser wenn er gleich ganz fern blieb. Zumindest hätte Nerdanel zu viel Angst dann noch hier herein zu kommen. Sie konnte sich glücklich schätzen kein Probelm damit zu haben, was ihre Pünktlichkeit betraf. Das hatte man ihr schon eingebläut da konnte sie noch nicht einmal richtig reden. Damals war sie noch stolz gewesen, dass sie vor allen anderen die Uhr hatte lesen können, nun war es nichts besonderes mehr.
      Ohne es wirklich zu wollen, starrte sie dann auf den Schüler der nun eintrat. Sie kannte ihn gar nicht. Nerdanel hatte nicht aufgepasst als die Lehrerin die Namen aufgezählt hatte, deswegen war ihr auch nicht bewusst gewesen, dass es einen neuen Namen gab.
      Als ihr jedoch auffiel, dass sie ihn viel zu lange ansah, wandte sie ihren Blick wieder ab. Es war unhöflich jemanden anzustarren, und ihn würde es bestimmt nicht gut gehen, wenn er bei Miss Khans Unterricht einfach zu spät kam. Keiner der Schüler würde es ihm Übel nehmen, er konnte sich hier ja auch gar nicht auskennen. Nerdanel erinnerte sich nicht mehr genau daran, wie es war, als sie hier das erste mal ihren Weg finden musste, doch einfach war es ganz sicher nicht. Nich bei drei Gebäuden, und alleine hier im Hauptgebäude gab es mehrere Flügel und Stockwerke, und Gänge und Treppen die ins nichts führten.
      Als er auf sie zu kam, und sie noch die strengen Worte der Lehrerin hörte, konnte sie nicht anders, als ihm ein leicht aufmunterndes Lächeln zu schenken. Miss Khan würde das hier sicher nicht vergessen, und keiner konnte etwas dagegen machen, aber zumindest konnte sie freundlich sein.
      Nerdanel war etwas verwundert als er sich auf den Platz neben ihr setzte, doch sie sagte nichts. Es war nicht ihre Entscheidung, und sie wusste auch nicht wie sie das höflich ansprechen sollte, ohne jemanden wirklich negativ zu betiteln, also lies sie es. Das getuschel wurde nur etwas größer, und Miss Khan gefiel es nicht. Mit einen lauten Geräusch, einen Buch auf dem Lehrerpult, zog sie die Aufmerksamkeit wieder auf sich. Das war vielleicht auch besser fürs erste.
      Langsam schlug sie dann das Buch auf, auf der letzten Seite die sie vor den Ferien bearbeiteten hatten, und schob es so hin, dass auch der Neue sehen konnte welche Seite. Er würde das Buch selbst haben, und wenn nicht konnte er so auch genug von der Seite erkennen.
      Vorsichtig, und vor allem, leise wandte sie sich dann an ihn, und reichte ihm die Hand. "Nerdanel", stellte sie sich dann vor. Leise genug, das ihre Worte sicherlich kaum bis an die Tafel reichen konnten. Und selbst wenn, sie wollte zumindest so höflich sein und ihren neuen Sitznachbarn ihren Namen verraten. Sie würde sich hassen, wenn sie es nicht tun würde.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane

      Wer hätte das gedacht, das er sich gleich bei der Klassenlehrerin ins Gedächnis brannte. Das Getuschel verebbte schnell, als etwas am Pult knallte. Ein Buch, das mit Wucht die Aufmerksamkeit erzwang. Ein Mathebuch. Also hatten sie sogleich in der ersten Stunde das Vergnügen mit Zahlen zu jonglieren.
      Er nahm Platz und stellte erstmal seine Tasche ab. Gut das man schon vor Antritt an der Academie mit allen notwendigen Büchern ausgerüstet wurde. Er öffnete die Tasche und fing an darin rumzuwühlen, als er plötzlich von der Seite angesprochen wurde.
      Die Lehrerin war bereits damit beschäftigt ein paar Sätze zur Begrüßung in den Raum wehen zu lassen, stellte sich mit ihrem Namen vor, begrüßte alle nochmals zum Schulbeginn und duldete kein anderes Endergebnis als ein erfolgreiches Jahr mit Abschluss dem man die Hand küssen möchte.
      Das klang eher wie ein Befehl.
      Das Mädchen, das am Tisch neben ihm saß, hielt ihre Hand in seine Richtung und stellte sich namentlich vor. Natürlich flüsternd, damit die Zicke an der Front nichts mitbekam. Zane rieb sich kurz den Kopf, ergriff dann ihre Hand. "Freut mich. Ähm, Zane Gray.", grinste er und sprach wohl etwas zu laut. Zusätzlich drückte er auch noch etwas zu fest Nerdanels Hand, was ihr ein leichtes fiepen entlockte.
      Einige aus der Klasse spähten sofort in die Richtung des Geräusches.
      Khan war gerade dabei, die Tafel herzurichten und setzt die Kreide an, zuckte und brach ein Stück von der Spitze ab.
      Zane wollte sich gerade bei dem Mädchen entschuldigen, als seine Aufmerksamkeit wieder nach vorn gerichtet wurde. Miss Khan drehte sich, holte aus und warf das abgebrochene Stück Kreide mit allgöttlicher Macht in seine Richtung.
      Es zischte ( ssschhhiiieefffff...) während die Lehrerin tobte.
      "AHHR ZANE GRAY! HÖREN SIE AUF IHRE MITSCHÜLERIN WÄHREND DES UNTERRICHTES ZU BETATSCHEN! MÄßIGEN SIE SICH!"
      Dann traf die Kreide ihm am Kopf, und er klappte mit dem Stuhl nach hinten weg, konnte sich aber gerade noch am Tisch festhalten, schüttelte den Kopf und richtete sie straff auf, während die Stirn einen rötlichen Fleck erscheinen ließ - mit etwas weißer Kreide. "Uuaaaahhhhh..., v-verzeihung, sie hat sich nur vorgestellt. Ich nehme die volle Schuld auf mich!"
      "Natürlich sind sie schuld. Ihr Verhalten ist äußerst unangemessen. Sie kommen nach dem Unterricht umgehend zu mir ins Lehrerzimmer! Und sie auch!"
      Sie zeigte auf Nerdanel. "Höflichkeiten können sie auch in den Pausen austauschen. Konzentrieren sie sich auf den Unterricht. Sie alle haben möglicherweise nur noch dieses eine Jahr auf einen guten Abschluss. Jede Minute die sie durch Störungen solcher Art vergeuden, wird ihnen später noch zum Verhängnis werden. HABEN DAS ALLE VERSTANDEN?"
      Alle antwortenen im Chor. Khan seufzte, blickte noch grimmig in die Reihen, besonders grimmig bei Zane und Nerdanel und wandte sich das als wäre nichts gewesen wieder ihrem Unterrichtsplan zu.
      Sie fing an erste Formeln auf die Tafel zu kritzeln.
      Zane knirrschte mit den Zähnen. Verdammt. Jetzt hatte er schon eine Mitschülerin in den sich auftuenden Abgrund gerissen.
      "Verzeihung ... ich werde das schon irgendwie wieder richten!", flüsterte er quer in ihre Richtung.
      Er schlug das Buch auf und spähte noch zu ihr rüber, um die entsprechende Seite aufzuschlagen. Kurz darauf hatte Khan schon vier Aufgaben an die Tafel geschrieben, wandte sich der Klasse zu, und blickte sich forschend um.
      "Herr Henly, Lösen sie Aufgabe eins. Frau Pender Aufgabe zwei. Frau Adair Aufgabe drei. Und Herr Gray Aufgabe vier! Sobald sie fertig sind werden sie aufstehen und der Reihe nach das Ergebnis laut vorlesen. Sie alle haben exakt eine Minute zeit! Das gilt auch stillschweigend für den Rest der Klasse. LOS!"
      Auf dem Pult stand eine Uhr, die sie nun einschaltete. Ein Sekundenzeiger begann mit einem leicht hörbarem Ticktack seine Rundreise und die Aufgaben hatten es in sich, das merkte Zane. Khan spähte in die Klasse und alle machten sich daran, irgendwie noch die Formel abzuschreiben, sofern sie nicht schon von Anfang an mitgeschrieben hatten, was für alle vier sicher schon 40 Sekunden in Anspruch nahm, auch wenn sie kurz waren. Blieben noch fünf Sekunden pro Aufgabe für das Ausrechnen. Zane musste auch alle vier lösen, und seine zugeteilte Aufgabe danach vortragen. Prima, dann würde er diese jedenfalls zuerst lösen. Kompliziert. Die Dame verschwendete wohl keine Zeit. Jede Störung wurde sofort terminiert. Alle Aufgaben unterlagen vermutlich hohem Zeitdruck. Was wenn das Ergebnis nicht stimmte?
      Außerdem vermutete er, das gerade er als Störenfried zuerst dran war, und die Nerdanel dank ihm auch noch stramm stehen durfte. Er schien sich ja schnell keine Frende zu schaffen. Sie war bestimmt sauer. Hier tat sie noch auf freundliche Sitznachbarin, aber in der Pause würde sie ihm sicher ihren Dank vortragen.
      Verdammt, er kam nicht auf die Lösung. Verflucht, was waren das für Aufgaben? Er überflog sie, und merkte sofort, worum es ging. Die Lösung der ersten Aufgabe benötigte man um die Zweite zu lösen, denn dort gab es zwei Lücken. Er musste also alle vier lösen, um am Ende noch etwas brauchbares zum Unterricht beifügen zu können. Er fing an zu schwitzen. Mathe ... etwas was mit Zahlen zu tun hatte. Das benötigte er auch in seinem Berufsbereich, den er bald voll ausschöpfen würde.
      Also gut, packen wir es an. Er konzentrierte sich und schrieb was das Zeug her gab. Der Stift flog förmlich über den Zettel, nebenbei rechnete er schon die erste Aufgabe aus. Leichter als er es zuerst vermutet hatte.
      Die Uhr tickt ....
    • Nerdanel Adair

      In der ersten Schulwoche lief der Unterricht eigentlich immer gleich ab. Immer dieselben Begrüßungen, immer wurde wiederholt was im Jahr zuvor gemacht wurde. Miss Khan war was das alles anging zwar etwas strenger, aber es war nun nichts, wo Nerdanel besonders hätte aufpassen müssen.
      Sie vermied es auch immer sich mit ihren Nachnamen vorzustellen. Leute die nicht an diese Schule gingen, konnten mit den Familien Namen ihres Vaters nicht besonders viel anfangen, doch die Leute hier an der Schule wussten wer er war, und wen er geheiratet hatte. Sie genoss deswegen genug Vorteile, dass sie es nicht auch noch benötigte, einen Neuen direkt zu verschrecken.
      Als er dann jedoch nach ihrer Hand griff, und etwas zu fest zu drückte, war sie selbst darüber etwas zu überrascht. Sie hatte sich für einen Moment nicht unter Kontrolle und war dann wohl auch etwas zu laut. Ihre andere Hand hielt sie direkt vor ihren Mund. So war das alles wirklich nicht geplant gewesen, doch nun konnte sie es auch nicht mehr ändern.
      Da Nerdanel etwas erahnen konnte, was passieren würde - auch wenn sie nicht unbedingt mit der Kreide gerechnet hatte- bekam sie es so gut wie möglich hin, deswegen nicht zusammen zu zucken. Jetzt wo alle Augen hier lagen, konnte sie sich das unmöglich leisten, so die Fassung zu verlieren. Es war eine Sache, wenn Leute außerhalb etwas aufschnappten, doch wenn etwas hier in der Schule passierte, war es unmöglich das vor ihren Großeltern und somit auch ihren Eltern zu verbergen.
      Das unbehagliche Gefühl dass in ihr aufstieg kämpfte sie schnell wieder nieder, während die Lehrerin ihre Standpauke hielt.
      Erst als der Neue sich bei ihr entschuldigte, hörte sie wieder richtig hin. Sie wank leicht ab. "Alles in Ordnung", meinte sie nur leise.
      Die Lehrerin konnte ihr vielleicht härtere Aufgaben stellen, oder eine Strafarbeit geben, aber mehr Ärger würde es nicht geben. Das würde sie sich wohl kaum wagen, nicht wegen so einer Kleinigkeit. Manche Schüler waren zu wichtig, um der Schule wirklich Geld einzubringen, als dass sie viel machen konnte. Und härtere Aufgaben war nichts, das Nerdanel nicht hinbekommen würde.
      Wie es zu erwarten war, wurden die beiden auch gleich vorgeführt. Mit den anderen beiden hatte sie bestimmt noch eine Rechnung von letzten Jahr offen, oder ihr gefielen einfach deren Haare nicht. Irgendeine Kleinigkeit würde sich immer finden lassen.
      Es war eine Art der Aufgaben, die weiterführend zum Thema vom letzten Jahr war. Nicht komplett fremd also, das würde sie wohl irgendwie hinbekommen. Mathe war zwar nicht ihr bestes Fach, aber ihre Familie duldete keine andere Note als eine eins, weswegen sie immer versuchte vor zu lernen, und mehr zu machen, als es eigentlich nötig war.
      In der kurzen Zeit war es Nerdanel nicht möglich die Aufgaben ordentlich aufzuschreiben, und dass die Zahlen nicht alle in ihren eigenen Kästchen standen, brachte Nerdanel mehr durcheinander als die eigentliche Rechnung. Sie würde ihre Matheaufgaben heute wohl noch einmal komplett abschreiben müssen, wenn sie nicht komplett um den Schlaf gebracht werden wollte. Für einen Moment kam ihr der Gedanke, dass das vielleicht etwas zwanghaft war, doch bevor sie ihn weiter führen konnte, gab die Uhr am Pult einen schrillen Ton vor sich.
      Gerne hätte Nerdanel jetzt geflucht, sie war mitten in ihrer Aufgabe, eigentlich fehlte nur eine Zahl, aber durch das Chaos in ihren Kopf, wollte die letzte Ziffer nicht auf ihr Blatt. Aber sie wusste sie. Sie musste sie wissen. Sie hatte auch noch 10 Sekunden Zeit bevor die anderen beiden ihre Antworten gegeben hatten. Kurz musste sie sich beruhigen, als die anderen beiden schon aufstanden und sie es ihnen dann gleich tat. Ihre Hände faltete sie leicht, damit sie nicht zitterten.
      Nicht nur, dass ihre Gleichungen unmöglich aussahen, sie mochte es auch nicht sehr gerne vor anderen zu sprechen, vor allem wenn es mehr als vier Leute waren. Das konnte sie zwar, aber das hieß nicht, dass es keinen innerlichen Kampf gab.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Die Minute schien schneller zu laufen als der schnellste Sportler des Universums, und kaum auf die Aufgaben konzentriert, gab es auch schon einen schrillen Ton, der an einen Retro Wecker erinnerte. Die Zeit war rum. Gray schwitzte. Der Unterricht lief nach der Begrüßungsansprache quasi auch erst eine Minute und schon ratterte sein Gehirn in den hintersten Winkeln. Die Frau wusste, wie man Staub wischt. Abgesehen von der Störung vorher und der Kreiderakete, die ihn voll am Kopf erwischt hatte, spürte er den Treffer schon gar nicht mehr. So stark war er schon länger nicht mehr auf eine Aufgabe konzentriert gewesen. Ob die anndere auch alles geschafft hatten? Zugegeben, die Schrift sah furchtbar aus, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ob Nerdanel auch alles fertig hatte? Sie musste es ja nur bis zur Dritten Aufgabe schaffen. Allerdings würde Frau Khan sicher auch die vierte Aufgabe kontrollieren.
      Ihre Stimme zerriss die Aura der Kontzentration.
      "Gut. Alle Schüler legen ihren Stift nieder. Henly, Pender, Adair, Gray, aufstehen und das Ergebnis vortragen. Wenn es richtig ist, dürft ihr euch setzen. Der Rest der Klasse, ist euer Ergebnis falsch oder wurde es nicht geschafft, so steht derjenige ebenfalls auf."
      Alles klar, wer falsch lag musste sich präsentieren. Sie würde sich Notizen machen und die Ursache ergründen. Vielleicht war jemand zu langsam, oder hatte Probleme beim Rechnen. Oder verstand es erst gar nicht. Dann gäbe es sicher noch Nachholbedarf.
      Das erste Ergebnis stimmte. Nur zwei Schüler standen auf. Khan grinste grimmig. War die erste Aufgabe falsch, waren es automatisch auch die anderen drei, denn das Ergebnis der Ersten war die fehlende Zahl in der Folgenden. Henly nahm wieder Platz und atmete erstmal auf.
      Das zweite Ergebnis war falsch. Frau Pender musste stehen bleiben. Drei weitere Schüler standen auf. Plötzlich stand auch wieder Henly. Er hatte einen Fehler gemacht. Tja, so schnell konnte es gehen. Zanes Ergebnis war korrekt.
      Dann musste Nerdanel ihr Ergebnis vortragen.
      Zane spähte mit den Augen so weit seitlich wie es ging. Sie wirkte nervös. Aber dann nannte sie eine Zahl. Selbst wenn sie noch nicht auf dem Papier stand, wusste sie das Ergebnis vielleicht. Und darauf kam es an. Ein guter Kopfrechner hätte gar nichts schreiben brauchen, er hätte nur die korrekte Antwort gegeben.
      "Sehr gut, Frau Adair. Und jetzt sie, Herr Gray."
      Er stand auf und schluckte. Bisher stimmte alles. Die halbe Klasse stand bis jetzt. Es war vermutlich zu viel Druck für die Meisten. Er trug sein Ergebnis vor und Khan grinste. "Sehr gut. Sie scheinen ja doch etwas zu können, als nur zu spät zu kommen, den Unterricht zu stören und mit jungen Damen Händchen zu halten, während ich euch versuche etwas beizubringen."
      Händchen halten? Er hätte jetzt Gelächter erwartet, aber niemand versuchte sich zu äußern. Dreiviertel der Klasse stand nun, während er sich setzte.
      Tatsächlich fing ein Schüler plötzlich an zu lachen. Ein trocker Witz und es war um ihn geschehen.
      "HERR CANNY, gefällt ihnen mein Unterricht?"
      Sofort war er still und stand straff wie ein Soldat. "J-ja, mam. Ich bin hoch erfreut, von ihnen unterrichtet zu werden!"
      Khan verzog eine Augenbraue. "Ist das so? AN DIE TAFEL! Die siebte Aufgabe aus dem Buch hier. Du hast zwei Minuten. LOS!"
      Sofort sprintete der Schüler los, stieß sich den Oberschenkel an der Tischkante, schluckte den Schmerz und Sekunden später hielt er das Buch in Händen und fing an an der Tafel zu schreiben. Miss Khan wandte sich an die Klasse. Da so viele Schüler standen, erhielten sie eine schöne Belehrung. Man sollte sich mehr Mühe geben. Zusammen mit Canny, der eine der Erkläraufgaben an der Tafel ausrechnete, erklärte sie nochmals allen die Grundrechrenschritte zu den Gleichungen. Cannys Schrift verwackelte förmlich. Er fühlte sich als wäre er der Lehrer der es allen zeigen sollte. Die Lehrerin ignorierte das und sprach weiter zur Klasse.
      So ging das noch die ganze Unterrichtsstunde weiter. Kurze Erklärungen. Aufgaben Stellungen, irgendwer musste zur Tafel kriechen, andere wurden unter Zeitdruck per Uhr zu schnellem Rechnen gezwungen. Immer wieder stand ein Großteil der Klasse, während andere sitzen konnten. Selbst Gray stand zwei mal.
      Dann endlich ertönte die Erlösende Pausenglocke. Man hörte das erleichterte Aufatmen. Einige hielten sich den Kopf, lagen mit dem Oberkörper auf dem Tisch. Fehlte noch eine Dampfwolke die aus ihren Ohren aufstieg. Sie waren fix und fertig.
      Zane wollte auch schon den Klassenrauum verlassen und sich irgendwo aus einem Automaten oder Trinkspender, die er gesehen hatte, ein Schluck Wasser besorgen. Dann ertönte sein Name. Auch der von Adair und einigen weiteren Schülern, fünf an der Zahl. Sie alle mussten nochmals antreten. Miss Khan tadelte alle noch für ihr Verhalten und man möge gefälligst mehr Disziplin und Anstand wahren. Einer hatte ständig alles falsch. Er war so oft aufgestanden, das er sportlich Kniebeugen hätte machen können.
      Dann noch das schlampige Auftreten einer der Damen, die viel zu viel Schminke im Gesicht hatte. Der Dritte hatte sein Hemd besudelt, mit einem gewaltigen Kaffeefleck auf der Brust. Und natürlich Herr Gray, der mit Miss Adair auf Tuchfühlung ging. Flirten könnten sie auch in ihrer Freizeit. Bis zum Freitag sollten sie alle ein vier Seitigen Aufsatz schreiben, wie man sich in der Schule zu benehmen hat. Unter der Berücksichtigung des eigenen Fehlverhaltens. Seine Fehler erkennen. Abzugeben im Lehrerzimmer am Freitag zum Schulbeginn.
      Dann endlich wurden sie erlöst. Zane lehnte sich draußen im Gang an die Tür und atmete erstmal durch. "Meine Fresse, was geht denn hier ab? Die ist ja strenger als der Geruch von verschwitzten Socken."
      Er wuselte sich durch die Haare.
      Was er noch nicht wusste, gleich hatten sie Französisch. Heute sogar zwei Stunden. Er sprach nicht ein Wort Französisch. Vielleicht noch Merci. Aber das war es dann auch schon.
      Ob er jetzt auch noch von dieser Nerdanel die Ohren langezogen bekäme? Er hatte ihr die Suppe schließlich eingebrockt.
    • Nerdanel Adair

      Ihren Zustand, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Rechnung richtig war, konnte man am besten mit erleichtert beschreiben. Sie war froh es nicht vergeigt zu haben, und schon in der ersten Stunde zu versagen. Vorgeführt war sie ohnehin schon durch ihre eigene Dummheint geworden. Sie hätte wirklich einfach warten sollen, dann wäre Miss Khan sicherlich auch niemals auf die Idee gekommen, dass der Neue Nerdanel betatscht hatte, oder sonst etwas in diese Richtung. Der Gedanke war dem Mädchen doch recht unangenehm, immerhin kannte sie Zane überhaupt nicht. Sie wusste nichts von ihm, uns sie wollte demnach auch nichts von ihm. Was sollten die Leute nur über sie denken, wenn sich sowas verbreiten würde? Die meisten konnten Sarkasmus nicht vom puren Ernst unterscheiden.
      Als ihr neuer Sitznachbar dann seine Aufgabe richtig beantwortete, und die Lehrerin schon wieder mit dem Thema anfing, lief Nerdanel vor Scham rot an. So war das sicherlich nicht gewesen, die beiden hatten nicht Händchen gehalten!
      Doch um irgendetwas gegen die Röte in ihren Gesicht zu tun,hatte sie nicht wirklich keine Zeit. Die Lehrerin war schneller darin noch mehr warnende Worte zu sprechen, und andere Aufgaben zu erteilen, dass Nerdanel mehr als genug abgelenkt war. Vor allem lenkte sie die paar schiefen Zahlen auf ihren Blättern ab. Es war schrecklich für sie anzusehen, und einige Aufgaben konnte sie kum erfüllen, weil sie ständig an all das denken musste, was es bedeuten würde, wenn sie die Zahlen so lies.
      Als es nach dieser grausamen Stunde endlich klingelte, blieb Nerdanel noch sitzen, um ihre Aufzeichnungen auszubessern. Alle würde sie nicht schaffen, aber wenn sie das nun in jeder Pause machte... Doch da musste sie schon an den Lehrerpult.
      Vier Seiten. Sie wusste noch nicht wann sie das in ihren ganzen Terminkalender einplanen sollte. Noch schlimmer war, das mittlerweile aus betatscht werden, flirten geworden ist. SO war das nicht!
      Doch was sollte Nerdanel dazu sagen? Es würde nur schlimmer für sie enden, wenn sie etwas sagte. Wenn sie jedoch nicht bald damit aufhören würde, würde sie mit ihren Großeltern darüber reden müssen. Und wenn die davon erfuhren was diese Lehrerin mit ihren Ruf anstellen wollte... Nun, Nerdanel dachte nicht weiter darüber nach, sondern nickte nur leicht. Schnell ging sie dann wieder zu ihren Platz, und packte ihre Sachen zusammen.
      Ein paar andere Schüler die sich auch langsam erholt hatten taten dasselbe. Die zwölfte Klasse war so groß, dass die Klasse in mehrere Teile aufgeteilt war. Es rotierten immer wieder Schüler, einige hatten nun Englisch, andere Französisch, und soweit Nerdanel wusste, gab es auch noch einen Lateinkurs. Sie wusste nicht alle Fächer sehr genau, sie hatte auch nicht mit allen Schülern aus ihren Jahrgang Kontakt.
      Leise seufzend verlies sie dann das Klassenzimmer, wo sie noch Zane sah. Für einen kurzen Moment überlegte sie einfach an ihm vorbei zu gehen, um diese blöden Sprüche im Keim zu ersticken. Leider war da wieder ihre Erziehung. Er war neu, und sie hatte ihn in große Schwierigkeiten an seinen ersten Tag und direkt in seiner ersten Stunde gebracht. Sie hätte es besser wissen müssen.
      Also blieb sie kurz stehen.
      "Tut mir leid für die Schwierigkeiten", meinte sie dann, und bei dem Versuch ihn anzusehen musste sie ihren Kopf beinahe in den Nacken legen. Wie groß konnte man nur sein?
      Kurz zog sie sich ihre Tasche wieder zurecht, dass der Riemen ordentlich auf ihrer Schulter lag.
      "S'amuser avec le français", wünschte sie ihm noch viel Spaß mit französisch, bevor sie ihre Hand hob und weiter ging. Sonst würde sie zu ihren nächsten Unterricht zu spät kommen, und das war etwas das sie nicht wollte. Der Tag würde so heute nur noch schlimmer werden, als er schon war. Das würde sie nicht ertragen, alleine wenn sie an die Matheaufgaben dachte.



      Tony O'Briain

      In seiner ersten Stunde hatte Tony wirklich Glück. Kein Mathe bei Miss Khan. Das hatte er die letzten Jahre ertragen müssen, und auch wenn seine Mathe Note nie schlechter als eine eins war, war der Unterricht trotz allem auch für ihn anstrengend. In der zweiten Stunde hatte er nicht so viel Glück, denn es ging nun doch noch zu Miss Khan, aber mit Französisch. Tony wusste nicht genau was schlimmer war bei ihr? Mathe oder Französisch? Mathe konnte man noch irgendwie überleben, aber Französisch? Eine falsche Aussprache, oder eine falsche Form und die Nägel der Lehrerin gingen über die Tafel.
      Und dann musste man auch noch den ganzen Unterricht über auf Französisch reden. Es war auf jeden Fall eine Herausforderung, aber nichts dessen Tony sich nicht gewachsen fühlen würde. Er mochte Herausforderungen schon immer, und die bekam er jeden Tag seitdem er an dieser Schule unterrichtet wurde. An seiner alten Schule hatte Tony sich immer nur gelangweilt, natürlich gab es hier auch viele Nachteile... Die ganze Situation mit der Hirachie der Schüler. Es war nicht einfach hier einen Anschluss zu finden.
      Tony bog gerade um die Ecke ging, sah er gerade noch wie das Adair Mädchen sich auf französisch von einen Typen verabschiedete. Und Tony kannte den Typen nicht. Das musste ein Neuer sein. Nerdanel ging an ihn vorbei, und er überlegte sich schon wie er sich am besten bei dem Neuen beliebt machen konnte, bevor die Korruption der Schule bei ihm einsetzte.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane Gray

      Sie kam und Zane schluckte. Er wollte noch selbst eine Entschuldigung vortragen, aber die Dame kam ihm zuvor. Sie selbst entschuldigte sich und schien auch nicht großes Interesse an einem längerem Gespräch zu haben. Sie war auch klein, aber noch größer als der Mini Khan. Zane nickte. Er dachte sich, belassen wir es lieber dabei, ehe hier jeder noch in Rechtfertigungen unterging. Ein anderesmal würde sich vielleicht noch ein Gespräch ergeben.
      Dann sagte diese Nerdanel noch irgendetwas auf Französisch zu ihm, was ihm nur einen fragenden Blick ins Gesicht zaubverte. Was mochte sie gesagt haben? So eine Art Lass mich in Zukunft in Ruhe? Oder Tschüss? Er sprach ja kein Französisch, hatte auch nie den Drang dazu oder beruflich irgendwie ein Muss, soetwas zu können. Hier benötigte man das wohl. Und er war blutiger Anfänger. Davon war auch nie die Rede, als er hierher versetzt wurde. Lernte man sowas nicht von Anfangan, und nicht einfach mittendrin? Das konnte ja lustig werden.
      "Ja, also ... bis dann.", sagte er noch und rieb sich den Kopf. Er brauchte erstmal ein Schluck Wasser.
      Während er zum nächsten Spender ging beobachtete er die Leute hier. Seltsame Vögel waren derunter. Und wieder das Getuschel. -- Guck mal, der Neue. Hat im Unterricht nen Mädel begrabscht.--
      Jaja, redet nur ihr Besserwisser. Ihr werdet schon bald angekrochen kommen, wenn ihr hört, das er etwas mit edlem Schmuck zu tun hat. Elite Schüler und besonders die Tuscheldamen stehen doch auf so ein Zeug. Das gibt Preisaufschlag für alle seine Missgönner.
      Dann sah er ein anderes Mädel, sehr edel gekleidet.
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      ( Name: Daisy McBride - Irische Prinzessin und Tochter des irischen Großherzoges Victor McBride und seiner Gemahlin Rose McBride)

      Sie solzierte über den Hofweg und lachte mit vorgehaltener Hand. "Hooo ho ho ho ho .... Hoooo ho ho ho ...!"
      Zwei weitere Mädels folgten ihr. Eine hielt einen Schirm, die andere trug wohl die Schultasche der Little Miss Princess. Alle machten ihr Platz und Zane vernahm tatsächlich das Wort Prinzessin. Schien wohl eine Adelige Dame zu sein, deren Arroganz vermutlich noch ihren Kontostand übertrumpfte. Wo war er hier bloß hingeraten? Verrückte Lehrer, engebildete Schüler aus jedem Winkel Irrlands und Englands, die sich in Noten, Herkunft, Reichtum und Titel maßen.
      Er schüttelte den Kopf, holte sich ein Becher Wasser, das auch nur nach Plastik schmeckte, und ging dann wieder zurück zur Klasse. Gleich begann der nächste Unterricht. Ein Teil der Klasse war bereits woanders untergekommen. Und neue Schüler strömten zum Französisch Unterricht. Und warum zum Teufel war er dabei? Warum hatte er jetzt nicht Unterricht für jene Fächer, die er auch tatsächlich brauchen könnte?
      Er nahm wieder Platz und sah zum Tisch hinüber, wo vorher noch Nerdanel saß. Und gegenüber saß ein Junge, der zuvor nicht anwesend war. Hm, prima, gleich mal ausfragen. Könnte ja nicht schaden, hier erstmal paar Infos zu erhalten. Er straffte sich und hielt die Hand hin. Noch war Pause und Kreide würde wohl nicht durch den Raum fliegen, nur weil man höflich war.
      "Hallo, ich bin Zane Gray und komme aus England. Mit wem hab ich die Ehre?"
      Der andere stellte sich auch vor, und Zane nickte. Dann fragte er, wie denn so der Unterricht hier gestaltet wurde. Und er erwähnte nebenbei, das er kein Wort Französisch sprach, lediglich englisch konnte. Ob das hier möglicherweise ein Problem war, oder gab es weitere Anfänger, die von Miss Khan seperat belehrt werden würden?
      Bevor der andere es erklären konnte, wurde Zanes Aufmerksamkeit kurz erregt. Wieder dieses "Hooo ho ho ho ... Hoooo ho ho ho ...!", und die edle Dame stolzierte in die Klasse, als käme sie gerade in ihr eigenes Heim. Vorne, genau in der Mitte, gab es einen freien Tisch, direkt daneben zwei weitere, von dem sich all fern hielten. Bis auf einer. Ein Typ hatte sich wohl an den Tisch gesetzt, wo eine der Begleitdamen der Prinzessin sitzen würde. Sofort ging eine etwas schneller und sprach den Typen an, der nur gelangweilt aufsah und irgendwas von mir doch wurst. Die Tisch gehören allen Schülern und er könnte es sich ja aussuchen von wo er den Unterricht verfolgt.
      Drei Sekunden später lag er am Boden und winselte. Sein Arm auf dem Rücken verdreht, das Knie der Dame in seinem Nacken geparkt, gab es nach verzweifelter Gegenwehr auf, und räumte das Feld. Die Prinzessin lachte wieder und nahm Platz, fächerte sich Luft zu, so auch die beiden anderen - zuvor jedoch wurden Tische und Stühle noch mit Duftspray und Desinfektionsmittel gesäubert. Keine fremden Keime - keine fremden Gerüche. Ein Bild wurde aufgestellt, das wohl irgendwem vom Adel präsentierte. War das hier ein Büro oder was? Der Typ der da vertrieben wurde, war inzwischen irgendwo in den hinteren Reihen verschwunden und wischte sich die Tränen aus den Augen, während er langsam wieder Gefühl in seinen ledierten Arm erhielt.
      "Was zum Teufel ist das denn für eine?", fragte Zane den Jungen, der sich als Tony O`Briain vorgestellt hatte.


      Kurz unterhielten sich die beiden noch über Schule und gewisse Personen, da läutete die Glocke schon das Ende der Pause an. Zane wurde etwas angespannter. Man hörte bereits das unheilige Klacken von Miss Khans Schuhen, das mit jedem Schritt lauter wurde, während mit jedem Schritt die Klasse leiser wurde, bis alle ganz still da saßen, als wäre der General der Armee vor seine Truppe marschiert.
      Die Tür knallte energisch zu und kurz darauf stand ihre Tasche auf dem Pult, wo sie flink einige Unterlagen hervor holte und kurz den Blick über dire Klasse schweifen ließ, bevor sie auf französisch grüßte und alle brav antworteten. Zane wiederholte auch einfach das Hallo der Lehrerin. Würde schon passen.
      Dann prüfte sie mit der Klassenliste die Anwesenden und machte einen Eintrag, bevor sie zur Tafel ging und etwas in französisch aufschrieb und dazu in französisch sprach. Sofort wurden Bücher aufgeschlagen und die entsprechenden seiten aufgesucht. Verdammt, er hatte weder Ahnung, was sie sagte und wollte, noch hatte er ein Buch. War er hier überhaupt korrekt eingetragen wurden, oder hatte er womöglich woanders gerade Unterricht bekommen müssen? Er fing an zu schwitzen. Dann drehte sich Khan um und starrte Zane direkt an.
      "Ich nehme an, sie haben nicht den geringsten Plan vom Unterricht und ohnehin kein Arbeitsmaterial und sprechen auch sonst kein Französisch?", fragte sie Zane, und das sogar auf englisch. Neugierige Augen wanderten in seine Richtung. Er nickte. "Ja, das stimmt. Bin ich hier überhaupt richtig?"
      "Selbstverständlich. Ihre Familie wollte, das sie eine Fremdsprache erlernen. Steht alles in ihrer Anmeldung. Tja, dann haben sie jetzt wohl ein Problem. Sie haben bis zum ende der zeiten Schulwoche Zeit alle Vokabeln zu lernen. Sie erhalten von mir dann einen gesonderten Test den ich mit Note eins bewerten möchte. Also halten sie sich ran! Folgen sie unterdessen dem Unterricht so gut es geht und schreiben sie brav mit. In drei Wochen folgt ein Test zum aktuellen Thema. Auch dort möchte ich höchst Noten sehen. Geben sie sich also noch mehr Mühe! Herr O`Briain, sie werden ihm dabei helfen. Ich werde ihre Unterstützung extra bewerten. Geben sie sich ebenfalls Mühe!"
      Was? Zwei Wochen um alle französischen Vokabeln auswendig zu lernen, und dann damit noch eine Woche herauszufinden, worum es im Unterricht ging, um dann damit alle Notizen durchzugehen und eine Woche später dann einen Test mit überdurchschnittlich guten Noten aus dem Arm zu schütteln? Gehts noch? Sie Augen starrten wie erfrohren nach vorn. "Ähm, ja Mam. Ich werde mir Mühe geben."
      Sie nickte und wechselte wieder zum Französisch.
      Zum Glück konnte er bei Tony mit ins Buch schauen. Und er würde von ihm Hilfe bekommen. Und wenn er versagen würde, dann ... hätte er Tony auch in die Scheisse gerissen. Zuerst Nerdanel, jetzt noch einen weiteren Schüler. Und jedesmal auf Anordnung Miss Khans!
    • Tony O'Briain

      Es war ihm wirklich eine angenehme Abwechslung das er einfach mit jemanden sprechen konnte. Er wusste eindeutig noch nicht wie genau es hier an der Schule vor sich ging, doch er würde es sicherlich noch schnell genug mitbekommen. Tony fühlte sich sogar ein bisschen verpflichtet es ihm zu erzählen.
      Doch bevor er wirklich dazu kam, hörte er schon die Schritte von Miss Khan. Da war es besser wenn man einfach still blieb und gar nichts sagte, sonst bekam man direkten Ärger. Tony war vielleicht noch nicht so lange an dieser Schule, wie manch andere, doch er hatte bereits schmerzhafte Erfahrungen mit Miss Khan machen dürfen. Es machte für sie keinen Unterschied ob man gut war im Unterricht oder nicht, sobald ihr etwas nicht in den Kram passte, war man dran. Manchmal hatte Tony sogar das Gefühl um so besser man war, und umso weniger Fehler man machte, desto weniger mochte Miss Khan einen. Seiner Meinung nach, konnte das nur daran liegen, weil sie diejenigen dann einfach nicht bestrafen konnte. Tony hatte es sich deswegen zur Regel gemacht alle zwei, oder drei Wochen mal einen Fehler zu machen, um nicht ein noch größeres Ziel für sie zu werden. Hin und wieder mal eine kleine Strafe war besser, als einmal im Jahr eine riesige. Zu oft durfte man natürlich auch nicht, dann wurde es von mal zu mal nur schlimmer.
      Der Unterricht begann dann auch schon bald, und Tony war schnell dabei sein Buch aufzuschlagen. Es ging genau ein Kapitel weiter, nachdem was wir in den Sommerferien lernen sollten. Eigentlich durfte man offiziel keine Hausaufgaben geben, aber Miss Khan hatte es ihnen ausdrücklich empfohlen. Und es war immer besser wenn man ihren Empehlungen folgte.
      Bevor sie jedoch richtig anfangen konnte, fixierte sie schon den Neuen, mit einen Blick den Tony niemals auf sich haben wollte. Da schauerte es sogar ihn, und er hatte die Lehrerin schon mit vielen bösen Blicken gesehen, aber dieser hier war doch ganz neu. Man konnte für Zane wohl nur noch beten, wenn man daran überhaupt glaubte.
      Leider blieb es nicht nur bei einen Blick, oder einen kleinen Strafe für ihn. Das ganze hatte viel größere Auswirkungen, und in dem Fall war wohl Tony einfach am falschen Ort und zur falschen Zeit. Oder vielleicht war derjenige der am falschen Ort war doch eher Zane. Tony konnte nicht glauben, dass Zane so eine Aufgabe jemals hinbekommen würde. Wer schaffte es denn schon innerhalb von zwei Wochen, alle Vokabeln aus 12 Jahren Schulzeit zu erlernen? Und dann musste er auch noch dabei helfen, und wenn das schief ging?
      "Oui Madame", murmelte er darauf hin nur leise. Es machte keinen Sinn sich dagegen aufzulehnen. Er musste dabei alles geben, denn wenn Zane das verkacken würde, würde er auch Ärger bekommen.
      Ein seufzen verkniff er sich, und machte sich schon einen Plan, während er dem Unterricht folgte und Zane jetzt schon versuchte das ein oder andere Wort beizubringen. Sprechen würde er es sicherlich schneller können, als lesen und schreiben. Immerhin wurden viele Wörter ganz nders ausgesprochen und geschrieben. Vielleicht war es besser, wenn er einfach nur die Wörter lernte und sie nicht aussprechen konnte...? Tony fand es jedoch leichter Vokabeln zu lernen, wenn er sie direkt benutzen konnte. Und bei dem Test in drei Wochen würde Zane auch Grammatik können musste, und irgendwie hatte Zane die befürchtung, dass er dafür auch herhalten musste.
      Der restliche Unterricht glich wieder einmal einer Folter. Immer wenn jemand etwas falsch Aussprach oder nicht die richtige Grammtik kannte, musste er sich in eine Ecke des Klassenzimmers stellen, waren alle besetzt, ging es für fünf Minuten vors Klassenzimmer. Das war weit aus die größere Strafe, denn innerhalb dieser fünf Minuten brachte einen Miss Khan so viel bei, dass man es nur schwer alleine nach holen konnte. Und alles baute auf einander auf, es war demnach auch schwer den Rest des Unterrichts zu folgen.
      Alleine nach der ersten Stunde hatte Tony 10 Blätter auf der Vorder und Rückseite beschrieben. Es war nicht gerade ordentlich aber er konnte es lesen und das reichte auch. Er war in dieser Hinsicht auch etwas faul, denn es nochmal aufzuschreiben würde er sicherlich nicht. Das war bei so viel geschriebenen auch sicherlich nochmal zwei Stunden arbeit, die er sich auch ganz einfach fürs lernen aufsparen könnte.
      In der fünf Minuten Pause zwischen der Doppelstunde waren alle so erledigt, dass sie froh waren wenn sie überhaupt dazu kamen etwas zu trinken, um die Kopfschmerzen ein wenig vorzubeugen. Es war ein Übel an dieser Schule, das kaum jemand entgehen konnte. Am Ende des Tages rauchten einen immer die Köpfe und viele bekamen Kopfschmerzen. Für die meisten endete der Tag jedoch nicht nach dem letzten Klingeln, vor allem weil es Pflicht war sich an außerschulischen Aktivitäten zu beteiligen. Sie alle wurden am Ende des Jahres am Zeugnis aufgeführt, und besonders im letzten Jahr war es wichtig, einen guten Eindruck zu schinden, für all die Elite Universitäten die einen hiernach offen standen. Tony wusste jedoch nicht genau, was manch eine AG einen später noch nutzen würde. Das konnte aber sicherlich gut dran liegen, das er nie zu der Elite gehörte, denen so etwas wirklich wichtig war.
      Die zweite Stunde verlief genauso wie die erste, und alle waren erleichtert, dass es endlich vorrüber war. Die Pause nach der dritten Stunde war etwas länger. Angenehm für eine kurze Erfolung.
      "Welchen Unterricht hast du als nächstes?", fragte Tony den Neuen dann. Vielleicht hatte er Glück und konnte in den Klassenzimmer bleiben, wenn nicht würde er bestimmt ein wenig Hilfe gebrauchen. Von den meisten anderen würde er diese vermutlich nicht bekommen. Und es war wohl auch das letzte gute was Tony ihn tun konnte.
      "Wenn du wo anders hin musst, kann ich dich hinbringen. Aber danach... Wäre es besser wenn du dich nicht mehr so oft mit mir ab gibst." Tony fuhr sich etwas nervös durch die Haare.
      "Nicht, weil du ein schlechter Kerl bist. Aber an dieser Schule gelten ein paar andere Regeln." Er deutete mit einer Bewegung zu Daisy und ihren zwei Hofdamen Clover und Poppy.
      "Das vorhin war noch nichts vergleichsweise. Umso bekannter dein Name, desto besser für deinen Sozialenstand hier. Ich bin nur ein Stipendiat."
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane

      Wenn es eine Hölle auf Erden gab, so war Zane sich sicher, man hatte ihm einen Freischein für diese besorgt und nun saß er hier fest. Für min. ein Jahr, oder vielleicht noch länger. Der anfängliche Gedanke, hier mal eben einen kleinen Bonus zu erwirtschaften, welcher später für zusätzliche Einnahmen und Kundenwerbung sorgen würde, erlosch mit jeder Sekunde mehr, die Zane über gewisse Leute hier nachdenken ließen. Wie streng musste man eigentlich sein, um jemanden zum Lernen zu animieren? Ging das nicht auch mit freundlicher Überzeugung? Wir sind doch hier nicht in der Fremdenlegion wo irgendein Feldwebel seinen letzten Seelenfrust trällert.
      Und zu allem Überfluss musste er jetzt noch verdammt viel Stoff nach holen. Und dafür hatte er zwei Wochen zeit. Zwei Wochen um eine ganze Menge Vokabeln zu erlernen, damit er zumindestens schon wusste, um was es sich in so manchem Text eigentlich handelte. Und schon eine Woche später gab es einen Test. Er hatte also gleich zwei Tests und einen davon musste er mit Note 1 bestehen. Herzlichen Glückwunsch.
      Nachdem beide Folterstunden rum waren, atmete Zane erschöpft aus. Er hatte auch viele Seiten vollgekritzelt, mit denen er dann eigentlich den Stoff nachträglich noch mal durchgehen und erlernen sollte. Davon kam sicher was im Test vor. Aber erstmal pochte sein Schädel. Sein Hirn schien Flickflacks zu schlagen und er holte sich erstmal ein Becher Wasser, den er auf einem Zug leerte.
      Und das beste kam ja noch. Er hatte soeben wieder einen Kameraden, oder Klassenkumpel, wie auch immer, in seine Angelegenheite mit reingezogen. Er musste Zane dabei unterstützen.
      "Verflucht, ich ziehe hier jeden mit ins Boot. Jetzt musst du mir auch noch helfen. Das kostet dich sicher wertvolle Zeit.", murrte Zane, und warf den Becher in den Müll.
      Der Stundenplan, er hatte von einen Schülern Gesprächsfetzen vernommen. Offenbar hatten sie jetzt Kunst und Wirtschaftsunterricht in den nächsten beiden Stunden. Zane erwähnte, das er zur entsprechende Klasse musste. Dieser Lehrer hatte wohl einen entsprechenden Lehrraum den er für beides Nutzte. Eine Trennwand teilte üblichen Raum mit Sitzbänken und Tischen und einen Kunstraum, der auch Stühle und Tische besaß, aber auch allerhand Werkmaterial. Mehrere Lagerräume angeschlossen mit Türen getrennt sollten jederzeit viele Materialien zur Verfügung stellen. Für Zane eine willkommende Abwechslung. Kunst ist für seinen Beruf sicher auch von Bedeutung. Formen für Schmuck, Farben. Alles das musste noch verfeinert werden. Da würde Zane sicher auf andere Gedanken kommen.
      Er rieb sich den Kopf. "Ja, hehe, ich bin etwas orientierungsschwach. Hab mich gleich vor der ersten Stunde verlaufen und kam zu spät. Die Gänge sehen alle gleich aus. Wäre echt nett, wenn du mich zum Kunstraum bringen würdest. Einmal abgelaufen finde ich den Weg dann von selbst."
      Tony zeigte auf drei gewisse Damen, die wieder hochnäsig durch den Gang stolzierten. "Hooo ho ho ho...", machte es wieder, und diese Daisy hielt verstohlen die Hand vor den Mund, während die beiden anderen ihr folgten. Die eine schien ja echt brutal zu sein. Die machte bestimmt Kampfsport, so flink und elegant wie sie den Typen vorhin zu Boden warf und ihm die Aufgabe erzwang. Ob er auch neu hier war? Nochmals würde er sicher nicht wiedersprechen. Und die andere schien eher etwas ruhiger zu sein. Das treue Hündchen an der Leine. Die war bestimmt für dienliche Arbeiten zuständig. Tisch abwischen, Türen öffnen, Tasche tragen, Schirm tragen, und vielleicht sogar noch zum Windeln wechseln. Zane hatte fast losgelacht, verkniff es sich aber.
      "Hm, so ist das also. Wer hier mit dem dicksten Portemonaie oder dem höchsten Stand aufmarschiert, der genießt Narrenfreiheit, und der Rest kriecht am Boden? Was würde diese feine Dame wohl sagen, wenn ich mit den teuersten Edelsteinen der Welt zu tun hätte? Ganz sicher würde ihr das Lachen im Halsd stecken bleiben, hehehe."
      Zane sah zu Tony. "Und bei dir? Nur Stipendiat? Wer hierr einen Platz ergattert, müsste doch reichlich Kohle haben. Oder zählt man dich unter den Ärmsten im Hofe? Ich mach mir da jedenfalls nichts draus. Ich baue auf deine Unterstützung und leiste im Gegenzu Gesellschaft!", grinste Zane. Auch wenn es eher nach Ausbeute klang. Aber er hatte wohl vor, sich mit Tony abzugeben. Vielleicht aus Protest gegen das System hier.
      Jetzt müsste er sich nur noch mit der Dame, wie hieß sie noch gleich, Neredail? Nerzdame? Verflucht, er hatte ihren Namen vergessen. Später würde er nochmal vorsichtig nachfragen.

      Die Pause war schon fast um, und Tony führte Zane zur entsprechenden Räumlichkeit. Zane betrat den Raum und suchte sich möglichst vorn einern Platz. Hier wollte er aufjedenfall auffallen. Neue Gesichter wurden gern auch mal angesprochen. Wirtschaftliches und künstlerischen Interesse war vorhanden. Es sollte keine Probleme geben.
      Die Schulklingel läutete zum Unterrichtsbeginn und alle nahmen möglichst schnell Platz.
      Es folgten Sekunden der Stille. Zane hatte sich noch nicht umgesehen, ob bereits weitere bekannte Gesichter anwesend waren. Aber Tony erwähnte, das er Kunst als ein Lieblingsfach ansah. Khan war hier jedenfalls nicht die Lehrerin. Ein göttlicher Segen. Dachte Zane zuminddestens. Als die Tür Sekunden später aufschwang, stand ein Riese in ihr, betrat den Raum, schloss die Tür mit einem --ROMMMS-- und schritt zum Pult nach vorn. Unterwegs blieb diese Hünengestallt immer wieder stehen und hatte wohl etwas auszusetzen.
      "OWEN, ihr Hemd sitzt nicht richtig. Achten sie auf ihr Erscheinungsbild." "Jawohl, Herr Lehrer!"
      "Fräulein Jill, ihr Parfüm ist etwas zu intensiv. Sie stören damit den Unterrichtsfluss. Reduzieren sie ihn um mindestens 60 Prozent."
      "Jawohl, Herr Lehrer!"
      "Carter, wenn ich sie nochmal dabei erwische, wenn sie den Damen beim Treppensteigen unter den Rock spionieren, werde ich mit ihnen den Fußboden in der Sporthalle wischen. Haben sie mich verstanden?" "J-jawohl, Herr Lehrer!
      Dann kam er bei Zane vorbei, der ihn ein wenig fragend angrinste. Das verging Zane aber recht zügig. "Ah, der neue zu spät Kommer, der für reichlich Missstände und Ärger sorgt. Mäßigen sie sich lieber, bevor sie richtigen Ärger bekommen. Ich erwarte hier vollen Einsatz in der nächsten Stunde. Und auch in der Stunde danach. Anderenfalls werde ich sie zur Rechenschaft ziehen."
      Zane schluckte. "Jawohl ... Herr Lehrer."
      Na super. Kaum im Unterricht und schon steigt der Druck wieder bis unters Dach. Aber der wird sich wundern. Zane Gray gab immer 100 Prozent!
      Der Unterricht begann. Zunächst würde Versace erstmal in wenig in der aktuellen Weltwirtschaft plaudern und Fragen stellen, welche die Schüler beantworten sollten. Zane aber wurde voerst wohl ignoriert. Aber es schien so, als würde jeder einmal in der Stunde was sagen müssen.
    • Tony O'Briain
      Tony war ein wenig verwirrt, als Zane meinte, das er ihn nun auch mit ins Boot gezogen hatte. Wen hatte er denn noch zu einer Strafarbeit verdonnert? Einmal abgesehen davon, das Tony glaubte das er überhaupt etwas verbrochen hatte.
      "Ach, alles in Ordnung. Die beste Methode zu lernen, ist es jemand anderen etwas beizubringen. Französisch ist auch eines meiner Lieblingsfächer, also kann ich dir hoffentlich gut helfen. Und am Ende werde ich vielleicht noch besser in dem Fach. Wir können uns heute Nachmittag ja in der Schulbibliothek treffen und schon einmal anfangen", er grinste etwas. Er war so schon eigentlich recht gut in Französisch. Er war in den meisten Fächern sehr gut, sonst wäre er sicherlich niemals auf diese Schule gekommen. Tony zählte zu den schlausten dieses Landes und das wollte sich keine Schule wirklich entgehen lassen. Er hatte vor ein paar Jahren einige Stipendien Angebote bekommen, und letztendlich hatte er sich für diese Schule hier entschieden. Damals hatte er nicht ahnen können, wie es hier tatsächlich zu sich ging. Es war nur Nahe an seinen Zuhause und die Colleges die sich für diese Schule hier interessierten waren sehr renomiert. Im Grunde hatte alles gepasst und nun musste er sein Dasein damit fristen, ignoriert zu werden und von oben herab angesehen zu werden. Die meisten Schlägen konnte er recht gut aus dem Weg gehen, aber selbst davon war er nicht ganz verschont geblieben.
      "Die Schule ist auch riesig, und hat noch zwei Nebengebäude. Selbst wenn du einen guten Orientierungssinn hättest, wäre es bestimmt schwer sich hier zurecht zu finden. Da hast du echt Glück an mich geraten zu sein. Nicht jeder ist so nett und hilft jemanden anderen hier durch die Schule zu kommen. Ich hab zuhause auch noch einen Plan vom Gelände, wenn du möchtest kann ich ihn dir geben, vielleicht hilft dir das ja?"
      Egal wie sich Zane entscheiden würde, Tony würde ihn diesen Plan wohl mitbringen. Mehr als das er diesen am Ende nicht benutzt konnte ja nicht passieren. Und wenn er ihn benutzt konnte es ihm doch schon gut helfen. Je länger er darüber nachdachte, desto fester wurde er auch in seinen Beschluss.
      Tony zeigte nur kurz auf Daisy, denn er wusste wenn er es zu lange tun würde, würde sein Finger sicherlich gebrochen werden. Und auch wenn er seinen Finger vielleicht nicht unbedingt brauchte, war ihm dieser Finger genug wert. Außerdem hatte er keine Zeit um ins Krankenhaus zu fahren, vor allem wenn er jetzt auch noch Zane Französisch beibringen sollte. Vielleicht sollte Tony sowas öfter tun und dafür Geld verlangen?
      "Hast du denn mit solchen Edelsteinen zu tun?", fragte er dann vorsichtig nach. Nicht das es für Tony einen unterschied machen würde, aber es war sicherlich gut zu wissen mit wem genau er es zu tun hatte. So konnte er auch besser einschätzten, in was für einen Ärger er sich hier überhaupt brachte. Es war sicherlich insgesamt kein geringer. Tony wusste einfach, dass er sich nicht mit Zane anfreunden sollte, doch er mochte es mehr Gesellschaft zu haaben, mehr Freunde zu haben... Eigentlich sollte es einen nicht schaden, aber an dieser Schule hier war es nun doch ein bisschen anders.
      "So ist es bei mir nicht, ich bin nur ziemlich schlau, deswegen zahlt die Schule meine Kosten hier. Meine Familie könnte sich diese Schule niemals leisten. Uns gehts nicht schlecht oder so, aber das hier ist doch etwas über unserer Einkommensklasse. Allein die Uniform zu zahlen, aye, ich sags dir das war mein Geburtstags und Weihnachtsgeschenk als ich hier her gekommen bin. Deswegen werde ich tatsächlich von den meisten hier gemieden, und ich meins nur gut. Ich will dir hier nicht die Chancen vermasseln, nicht das ich nicht gerne mit dir befreundet wäre!"
      Tony legte seine Hand in den Nacken und musste aber Grinsen.
      "Aber ich helfe dir trotzdem gerne, ich hab dich gewarnt mehr kann ich ja auch nicht machen."
      Tony konnte ohne Punkt und Komma sprechen, weswegen der restliche Weg auch nicht besonders Still war. Er erzählte einfach ein wenig etwas über die Schule, ein paar Lehrer und wo welcher Klassenraum war. Es gab immer viele Gerüchte an der Schule. Von wer mit wem etwas hatte, bis zu Gerüchten das jemand für die Mafia arbeitete. Nicht das es nur eine Mafia gab, sondern mehrere und deswegen verstanden sich einige Schüler auch angeblich nicht miteinander. Aber Tony wusste nie so ganz genau was davon stimmte und was nicht, er hörte aber mehr als genug.


      Nerdanel Adair

      Englisch war eines der entspannteren Fächer, was vor allem daran lag, dass die Lehrerin die freundlichste war, die es in der Schule gab. Es war immer eine angenehme Abwechslung, vor allem wenn man Miss Khan betrachtete. Auch andere Lehrer standen nicht sehr hoch im Kurs, immerhin waren die meisten unnötig streng. Als könnten sie sich nicht auf irgendeine andere Art und Weise durchsetzten. Vermutlich waren die meisten nur etwas neidisch darauf, dass es ander Schule Schüler gab, die in ihren Leben mehr Geld hatten, als diese jemals wirklich verdienen konnten.
      Leider konnte Nerdanel nicht für immer Englisch haben, auch wenn es schön gewesen wäre. Manchmal fragte sich das Mädchen ob es so an einer öffentliche Schule immer war? Leicht schüttelte sie den Kopf, während sie auf den Weg zum nächsten Unterricht war. Sie konnte sich eine öffentliche Schule nur sehr unhygienisch vorstellen, doch woher diese Vorstellung genau kam, konnte Nerdanel auch nicht sagen.
      Alys lief neben Nerdanel her, und erzählte irgendetwas von ihren Ferien. Sie war auf Hawaii gewesen, und meinte irgendwie war es langweilig gewesen. Lieber wäre sie zuhause geblieben und hätte mehr für die Schule getan. Hier passierte zumindest immer irgendtewas spannendes. Und leider wurde mittlerweile das Gerücht, dass Nerdanel befummelt worden war, durch die ganze Schule getragen. Immer wieder wenn sie die Leute hinter sich tuscheln hörte, war ihr nur zum Seufzen zumute.
      Es wurde nicht unbedingt besser als Nerdanel dann auch noch Owen über den Weg lief. Eigentlich hatte sie gehofft, dass sie ihn diese Woche noch nicht hätte sehen müssen. Aber so einfach war es wohl nicht. Nicht einmal in den Ferien hatte sie wirklich eine Ruhe gehabt, denn ihre Familien waren schon seit langer Zeit befreundet, schon seit ein paar Generationen, so meinte es zumindest ihre Großmutter. Wie weit zurück diese Freundschaft wirklich lag interessierte Nerdanel auch nicht wirklich. Sie bestand jetzt, und sie würde daran nichts ändern konnte.
      Im nächsten Kurs saß sie dann neben ihn und Alys, und sie hätte sich wirklich schöneres Vorstellen können, als immer wieder Owens genervtes Seufzen zu hören, oder ein nicht billigendes Zungenschnalzen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane

      Aus einem Beispielsatz den Zane über Daisy meinte, wurde unfreiwillig schon eine Art Outing zu seinem Stand. Er erzählte Tony, der seine Familie eine Juwelierkette in England unterhielt, und das recht erfolgreich. Und er selbst hatte auch schon die ein oder andere Variante an Schmuckstücken kreiert und in den Verkauf gebracht. Einer der Gründe warum er auch den Kunst Unterricht entgegen sah. Hier konnte man sich wohl ein wenig mehr entfalten, als in den anderen Bereichen. Und er selbst wäre ja hier, weil er mit dem Abschluss an solch einer Academy sicher noch mehr Gesprächsstoff und Kundenfang in den Kundenreihen erzeugen könnte. Wer bei ihm einkaufte, hatte ohnehin etwas in höheren Kreisen zu tun. Zane aber wollte auch für den Autonormal Kunden ebensoviel Arbeit leisten.
      Tony erzählte dann, wie er hergefunden hatte. Er hatte weder Geld noch einen besonderen Stand vorzuweisen. Er war also nur ein schlaues Kerlchen. Ein Normalo. Vermutlich der einzige Normale neben Zane hier an dieser Schule. Das stimmte Zane schon fast positiv.
      "Keine Sorge, ich schau nicht auf den Stand oder Zahlen auf irgendeinem Konto. Wenn die Schule dich hier haben will, weil sie mit irgendetwas von dir Glänzen will, dann hat das durchaus einen Sinn und sicher auch einen Nutzen. Und ich häng lieber mit dir hier ein Jahr rum, als mit diesem gepökelten Lachschinken mit Puderkruste und Beilage."
      Er zeigte mit dem Daumen über die Schulter auf besagte Prinzessin.
      Dann erreichten sie den Unterrichtsraum und der Unterricht begann. Bis auf diesen großen Riesen, der irgendwie eine Menge wusste, schien der Unterricht jedoch mal friedlich abzulaufen. Auch wenn Zane so ein merkwürdiges Gefühl im Nacken hatte. Beide Stunden vergingen jedoch gefühlt wie im Fluge und es blieb nicht mehr viel vom Schultag übrig. Noch einmal zwei Stunden nach der Mittagspause und dann war die eigentlich Zeit vorbei und jeder könnte frei Schnaute Heim gehen oder sich anders beschäftigen. Mancha hatte auch nach der Schule hier ihre Aktivitäten. Sogenannte AG`s. Zane war noch niergendwo eingetragen, geschweige an irgendeiner AG interessiert. Er wollte sich auch erstmal umhören.
      Wenn er später ins Hotel fahren würde, könnte er sich reichlich Luxus und Verwöhnzeiten gönnen. Aber irgendwie wäre das auf Dauer auch langweilig. Zudem gab es da ja noch das Problem mit Frau Khan.
      Heute Nachmittag nach der Schule ging es also eh erstmal in die Bibliothek um mit Tony Französisch zu büffeln. Er würde ihm einiges einhämmern müssen.
      Bis dahin jedoch trennten sich die Wege, da beide in unterschiedlichen Räumen die letzten Stunden verbringen würden. Zane würde noch den passenden Unterricht für sich genießen, der jedoch in einer Art Selbststudium betrieben wurde. Und dreimal durfte er Raten, welche Lehrkraft dieses überwachte. Natürlich Miss Khan. Sie würde die Endergebnisse das Tages erhalten und bewerten. Dieses würde ihm dann am nächsten Tag mitgeteilt werden. Aber hier war er sich sicher, ohne ständig beobachtet zu werden sich frei entfalten zu können. Und die zornige Dame würde schon bald zu Kreuze kriechen. Haha.

      Ab in die Mensa. Zeit, mal das Essen der Academy zu kosten. Schließlich sollte man bei gewissen Schülern die hier vertreten sind auch erwarten können, entsprechend hochwertige Mahlzeiten zu erhalten. Zumindestens erfuhr er von einem Schüler, das hier Spitzenköche ihren Dienst verrichteten. Ansonsten war es hier wesentlich gemütlicher und besser ausgestattet als in einer gewöhnlichen Mensa, aber mehr Unterschiede gab es auch nicht. Selbst das Prinzesschen hatte ein Tablet. Aber da befand sich wohl nur vollgesunde FDH Kost drauf. Hier gab es ja einiges zur Wahl. Und der heutige Tag trug drei wählbare Hauptmahlzeiten und dazu noch eine Auswahl an der Selbstbedienung. Reichlich Salat. Fritiertes, und Soßen.
      Zane entschied sich für ein Hauptmenü. Jägerschnitzel mit Süßkartoffelpommes a la perfection. Wohl eine französische Variante. Irgendwie lief da auch ein dicker Koch mit zwei spitzen, abstehenden Schnauzern und einer großen Kelle durch die Küche, die im hinteren Abteil ein wenig einsehbar war. Er faselte irgendwas auf Franze, küste Hand mit Finger und hüpfte auf Zehnspitzen über Wieslein und Bächlein zwischen Hönig und Bienen umher. Genau so stellte er sich das vor.
      Mit fertigem Tablet begab er sich zu den Tischen. Es gab lange Reihen aber auch kleine Tischecken. Fast wie ein Restaurante mit Bankett.
      Alles reichlich voll und belegt. Aber er fand eine freie Stelle und setzte sich erstmal. Zunächst sah er nur unbekannte Gesichter, jene die ihn auch nicht kannten. Als er dann nach vorn blickte, um zu erfahren, wer sein Gegenüber war, fand er Nerdanel vor, die in Begleitung einer weiteren Dame war. Eine Blondine. Beide waren zuerst in ein Gespräch und mit dem Essen vertieft, so das sie nicht bemerkt hatten, wer sich am selben Tisch befand. Die Blonde bemerkte dann allerdings den Blick von Zane, der zu Nerdanel gaffte.
      Ertappt rieb er sich den Hinterkopf.
      "Ähm, hallo. Ist ziemlich voll hier, was? Haha. Was dagegen wenn ich hier esse? Ich will auch ganz sicher keinen belästigen oder sonst irgendwelchen Ärger verursachen."
      In der nähe wurde schon wieder getuschelt. ".... der Typ von heute Morgen?...." "... ja, der der eine Schülerin befummelt hat. Der muss ja viel Druck haben, wenn der es keine Stunde ohne aushält ..." ".... und dann noch vor den Augen der Lehrerin,wiederlich ..." "...habt ihr gesehen, wie er gerade das Mädchen angegafft hat? Ist sie das? ..."
      Tuscheltuscheltuschel .....
      Mürrisch schnitt Zane sich etwas vom Schnitzel ab, versuchte alles drum herum zu ignorieren und schob sich den Bissen in den Mund. Qualität, Zartheit und Saftigkeit schienen aromatisch auf der Zunge zu verlaufen. während die knusprige Panade leicht zwischen den Zähnen knirschte. Er wettete mit sich selbst, das beide Damen sogleich ihren Appetit verlieren und verschwinden würden. Der Pranger warf bereits einen viel zu großen Schatten.
    • Nerdanel Adair

      Die nächsten Unterrichtsstunden waren Nerdanel wirklich unangenehm, immer wenn der Lehrer nicht ganz her sah, lehnte er sich etwas zu nah an sie heran. Es war nichts was auffällig wäre, er kam auch nicht so nah das jemand anderes als ablenkend empfinden würde, aber Nerdanel bemerkte es. Sie bemerkte es weil es eben Owen war und er schon seit einigen Jahren diese Spielchen trieb. Gerne hätte sie etwas gesagt, doch sie erinnerte sich nur daran, wie ihre Großeltern sie schon früher dargestellt hatten als wäre Nerdanel einfach zu empfindlich... Vielleicht war sie das auch, der Vorfall in der ersten Stunde würde auf jedenfall für diese Annahme sprechen. Und auch wenn sie es rational betrachtete, konnte Nerdanel es nicht verhindern, dass es sie einfach störte.
      Nach den Unterricht in diesem Klassenzimmer begleitete Owen sie sogar noch zu ihren anderen Klassenraum, Alys fand das immer sehr nett von ihm, und sie schwärmte manchmal auch ein wenig für ihn. Nerdanel war nur froh, dass die Themen zwischen der Blonden und ihr, selten wirklich um private Themen gingen. Small Talk, und Schule und vielleicht wenn man etwas wirklich aufregendes erlebte. Nach der ersten Ferienwoche würde sich das auch eher legen.

      Den restlichen Unterricht bis hin zur Mittagspause konnte Nerdanel beruhigt angehen. Owen sah sie bis dahin nicht mehr und auch die Gesprächsthemen gingen vor allem um den Unterricht. Was hatten sie letztes Jahr in dem Fach besprochen, wie würde die erste Klausur in den verschiedenen Fächern aussehen und all dies. Aber lange sollte Nerdanel nicht ihre Ruhe behalten.
      Denn schon in der Mensa, hörte sie einiges von dem Getuschel, vor allem als sie mit Alys anstand um sich etwas zu Essen zu besorgen. Es wurde jedoch auch wieder ruhiger, als sie sich an ihren üblichen Tisch setzten. Zunächst saßen die beiden dort nur zu zweit, in den letzten Jahren hatte es sich ergeben, das nicht nur Nerdanel und Alys zusammen zu Mittag aßen, nein meisten setzte sich noch Owen dazu, und zwei von seinen Handlangern.
      Nerdanel empfand sich selbst als glücklich, das diese noch nicht da waren, und auch noch nicht in Sicht waren als sie begann ihr essen langsam zu essen.
      "Heute Nachmittag haben wir schon unseren Debattierclub", erwähnte Alys zwischen ihren bissen.
      "Ja, es wird vermutlich erst einmal nur die Besprechung der Themen der nächsten Wochen geben. Ich bin schon recht gespannt wofür man sich entschieden hat."
      Vor den Ferien durfte jedes Mitglied einige Vorschläge einreichen, und der Clubleiter, zusammen mit den zuständigen Lehrer hatten sich über die Ferien beraten was sich wirklich eignen würde. Es war die erste Sitzung der AG die sie haben würden, und da passierte nicht sehr viel, um Neuen das ganze Schmackhaft zu machen.
      "Glaubst du hat mal wieder jemand das Thema Schuluniform übermittelt?"
      Das blonde Mädchen zupfte dabei leicht an ihren Blaser und lächelte etwas. Das Thema wurde die letzten Jahre immer und immer wieder vorgeschlagen, doch es war -zumindest für die Schüler des letzten Jahrgangs- nur noch ein ausgelutschtes Thema.
      "Ich hoffe nicht, ich würde es nicht noch einmal aushalten einen ganzen Argumentationverlauf über dieses Thema zu führen", erwiderte Nerdanel recht gelassen. Alys stimmte ihr mit einen nicken zu, während sie noch einen Bissen nahm.
      "Ich hoffe sie nehmen eines meiner Themen mit hinein", überlegte Alys dann als sie herunter geschluckt hatte.
      "Welche Themen hast du denn eingereicht?", wollte Nerdanel dann interessiert wissen. Vielleicht hatte Alys es vor den Ferien schon einmal erwähnt, aber seitdem waren auch wieder zwei Monate vergangen und bis heute hatte es nicht unbedingt zu Nerdanels Prioritäten gehört, weswegen sie es sich hätte merken müssen.
      Alys holte gerade Luft um Nerdanel eine Antwort zu geben, als sich jemand zu ihnen setzte. Nerdanel wollte als erstes gar nicht hinsehen, denn sie vermutete, dass es vielleicht Owen wäre. Diese Annahme wurde jedoch schnell zerschlagen als sie die Stimme hörte. Ohne Zweifel war das der Neue den sie begrüßt hatte und weswegen sie beide Ärger bekommen hatten. Das Getuschel das bis jetzt verstummt war begann von vorne, doch Alys schien das gar nicht mitzubekommen.
      "Gerne, ist gar kein Thema! Du bist doch der Neue, richtig? Nerdanel hatte von dir kurz erzählt... Gray, oder?"
      Alys schenkte dem Neuen ein strahlendes Lächeln, man konnte annehmen das sie mehr als nur ein bisschen Naiv war.
      "Warum wechselt du denn im letzten Jahr zu uns? Was machen deine Eltern so? Wo bist du früher zur Schule gegangen?", stellte sie ihn gleich einen Haufen fragen, und schien beinahe schon vergessen zu haben, dass sie selbst noch Essen am Teller hatte.
      Nerdanel räusperte sich nur kurz.
      "Es ist unhöflich jemanden so viele Fragen während des Essens zu stellen, vor allem wenn man sich selbst noch gar nicht vorgestellt hatte", machte die Braunhaarige ihre Freundin darauf aufmerksam. Sie selbst wollte auch nicht unbedingt viel über das Privatleben ihrer Mitschüler wissen, umso ferner sie sich davon halten konnte, desto lieber war es ihr eigentlich.
      "Oh, tut mir leid! Stört dich das? Ich bin übrigens Alys McElroy."
      Gerade als sich Alys vorgestellt hatte, bemerkte Nerdanel wie Owen mit seinen beiden Freunden die Mensa betrat, und schnell auch ihren Blick fand. Sie wandte ihn zwar schnell wieder ab, aber das er den neuen Schüler übersehen haben könnte, kam wohl kaum in Frage.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane

      Er hatte schlimmeres erwartet, aber stattdessen wurde er tatsächlich von einer weiteren Schülerin mit einem Lächeln begrüßt. Das es hier noch sowas gab schien fast wie ein Fehler zu sein. Aber die blonde Dame schien es ernst zu meinen. Sie hatte nichts dagegen, das er hier saß und sein Essen konsumieren wollte. Eigentlich stand es eh jedem frei da zu sitzen, wo er wollte, aber Gruppen bildeten sich eh immer selbstständig und oft mied man ganz bewusst gewisse Leute.
      Es dauerte auch nur einen Moment, bis diese Dame, ihr Name war Alys, Zane auch schon mit einer Reihe Fragen bombardierte. Nerdanel schien das etwas zu stören und tadelte die Kleine, was Zane etwas grinsen ließ.
      "Schon okay, ich bin hier niemanden böse, wenn er Fragen über mich hat. Obwohl das schon etwas aufdringlich ist."
      Verlegen rieb sich Alys am Hinterkopf, aber ihr Lächeln blieb. Zane säufzte. "Der Schulwechsel hatte schon einen gewissen Grund, welcher in der alten Schule nicht so erfolgreich umgesetzt werden könnte, wie hier. Zum einem wird er mir mal sehr Hilfreich sein. Wer sich ein Abschlusszeugnis von dieser Academy an die Wand nageln kann, steht schon mit einem Bein in den Herzen der Oberschichtler. Ich sehe es als Gewinnoptimierung an. Meine Eltern haben eine Juwelierkette, und ich werde bald selbst meinen eigenen Laden eröffnen und bin quasi schon Geschäftsführer. Allerdings, ... diese Academy, .... es wirkt alles irgendwie ein wenig seltsam."
      Alys nickte eifrig und bekam strahlende Augen. "Juwelierkette? Geschätrfsfüher? Das wäre doch mal was für die Schülerzeitung! Kannst du mir vielleicht mal was von deiner Arbeit zeigen?", funkelte sie ihn sogleich an. Der Hintergedanke war, ggf. ein kleines Schmuckstück für Umsonst zu ergattern und dabei auch noch was für die Schülerzeitung zu tun. Wer hier schon so offen über sein Leben plauderte, gab sich nocht mehr Senf zur Bratwurst als nötig. Aber Zane lehnte das Angebot ab. "Nein danke. Über mich zerreissen sich die Leute hier eh schon den Kopf. Ich will lieber versuchen nicht weiter groß aufzufallen und verschwinde lieber in der Versenkung. Sofern das möglich ist."
      Alys konnte das zwar nicht nachvollziehen und schien entwas enttäuscht zu sein, und auch Nerdanel tadelte die Dame mal wieder, die sicher wieder einen Schritt zu weit gegangen war.
      Das Unheil, es hieß Owen in Begleitung, näherte sich bereits. Sein Blick traf immer wieder Nerdanel, die versuchte ihn zu ignorieren. Ob dieser komische Typ etwas damit zu tun hatte, welcher die Frechheit besaß, dort gegenüber dieser Schönheit am Tisch zu sitzen und sie zu beschwatzen? Sollte er sich an den Tisch begeben und sich den Gesprächen anschließen, oder zur Sicherheit erstmal die Lage sondieren? Gegenüber war der Tisch soeben frei geworden. Dort könnte er sie ja belauschen. Und Nerdanel im Auge behalten.

      Zane fragte die beiden, worüber sie gesprochen hatten. Damit hoffte er von sich ablenken zu können. Die Rede war von den Club Aktivitäten des Debattier Clubs. Ein Thema, das oft genug durchgekaut wurde und nie ein dauerhaftes Endergebnis erreichte. Schuluniform an der Academy. Zane lachte kurz auf. "Das hatten wir in meiner letzten Schule. Hat sicher Vorteile, wenn man nicht schon anhand von Kleidung in eine Gruppe geschoben wird, die man herablassend behandeln könnte. Würde auch etwas Ordnung schaffen, aber dann fehlte auch wieder die Individualität, die jeden ausmacht."
      Alys schien sich Notizen zu machen. Zane beäugte das kritisch, und fragte was sie aufschrieb. Alys meinte, das sie das eventuell mal bei dem Thema erwähnen könnte. Und vielleicht würde Zane ja gern selbst dem Club beitreten? Dann könnte er ja fleissig mitdiskutieren.
      Aber auch das lehnte er dezent ab.

      Owens Blick fiel immer wieder zum anderen Tisch. Auch seine Handlanger horchten mit. Wollte Alys diesen Lappen etwa in den Debattierclub einladen? Sein Glück, das er abgelehnt hat. Der Typ hatte nichts in der Nähe von Nerdanel zu suchen. Möge er sein Mittagessen genießen. Später würde er noch mit ihm darüber sprechen, wo er sich NICHT hinzusetzen hätte. Schon schlimm genug, das dieser Vogel hier für eine mieße Gerüchteküche gesorgt hat, welche einen Schmutzfleck auf Nerdanel hinterlassen könnte. Unerhört. Er würde schon bald merken, wer hier oben steht, und wer unten die Füße leckt.


      Das Gespräch wendete zu den letzten Ereignissen des Tages. Zane fragte auch die Beiden wegen der Lehrer und der Umgangstöne hier aus. Er hat ja recht schnell Miss Khan auf 180 gebracht, und sich ein Fettnapf nach dem anderen geleistet, wenn auch nicht mit Absicht. Und jetzt durfte er auf Anfrage Nerdanels, wie der französisch Unterricht gelaufen sei, auch noch binnen kürzester Zeit französisch aneignen, um eine gute Note zu präsentieren. Er meinte, das ein Schüler namens Tony O`Briain ihm dabei helfen durfte. Miss Khan hatte ihn dazu verdonnert. Er würde also den Nachmittag in der Bibliothek verbringen und erste Vokabeln pauken.
      Dann kam auch noch kurz die Sache mit dem Aufsatz auf den Tisch. Nerdanel musste ja auch einen verfassen, und sie hatten nur wenige Tage Zeit dafür. Und das alles nur wegen einer freundlichen Begrüßung. Zane schlug vor, das in den nächsten Tagen wieder gut zu machen.

      Der Rest der Mittagsmahlzeit verging tatsächlich ohne weitere Probleme. Die meisten hatten ja auch schon gegessen, so das nur noch ein Viertel der Schüler anwesend war, und Zane hatte schnell gegessen und gemeinsam mit den beiden Damen die Mensa verlassen und sich dann verabschiedet.
      "So, wo geht es denn jetzt zur Bibliothek? Verdammt, ich hätte sie fragen können.", fluchte er und blickte sich um. Mehrere Gebäude. Nichts das so auffällig war, das man sofort sagte, yeah, das ist sie! Vielleicht sollte er jemanden fragen.
      Da kamen ein paar Schüler. Zane versuchte ein Pokerface. Bloß nicht anmerken lassen, das er hier der gesuchte Verbrecher war. "Jo, könnt ihr mir vielleicht helfen? Ich suche die Bibliothek. Ich bin neu hier und kenne mich noch nicht sonderlich gut aus. Ich bin übrigens Zane Gray. Freut mich.", grinste er, und blickte Owen erwartungsvoll ins Gesicht.
    • Nerdanel Adair

      Nerdanel war sich sicher das Alys auch ohne Zanes Zustimmung einen Artikel über ihn veröffentlichen würde. Sie kannte ihre Freundin gut genug um das zu wissen, und ebenfalls um zu wissen, dass sie es nicht böse meinen würde. Sie würde ihr später noch erklären, das Zane sich sicher freuen würde, wenn man was nettes über ihn und seine Familie in der Schülerzeitung schrieb und alle anderen hatten dann auch keinen Grund mehr nachzufragen warum weshalb wieso.
      Das junge Mädchen sah auch keinen weiteren Sinn dahinter ihre Freundin wirklich zu tadeln. Alys würde ihre Art deswegen auch nicht weiter ändern, weswegen Nerdanel einfach beschloss die meiste Zeit recht stumm daneben zu sitzten und zu essen. Es kam selten vor, dass sie sich so wenig unterhalten musste während der Mittagspause, weswegen ihr das heute doch ganz gelegen kam.
      Weiterhin ignorierte Nerdanel Owen. Sie war sogar etwas erstaunt darüber, dass er nicht einfach hier her kam und seinen Platz für sich beanspruchte. Nerdanel schien nicht unbedingt die einzige zu sein, die es bemerkte. Die Blicke der anderen Schüler wechselten immer wieder zwischen den zwei Tischen hin und her.
      "Falls du dir es mit dem Debattierclub anders überlegst, es gibt immer mal wieder Schnupperstunden in denen man vorbei schauen kann. Es ist verfplichtend mindestens einer AG an dieser Schule beizutreten", erwähnte Nerdanel nebenher. Nicht das er dachte er könnte sich nach der Schule auf die faule Haut legen. Sowas gab es an dieser Schule eher weniger. Und bei Nerdanel zuhause sowieso nicht, es galt wohl als eine Schwäche wenn man sich mal ein bisschen Zeit für sich nehmen wollte, deswegen nutzte Nerdanel auch genau die Zeit die sie nicht reden musste.
      Das Mittagessen war jedoch auch schnell wieder vorbei. So war es immer wenn man ein wenig frieden fand. Es gab nie genug zeit um Ruhe zu genießen, nicht das sie den Speißesaal als einen ruhigen Ort empfinden würde. Auf seinen Vorschlag hin das wieder gut zu machen, zuckte sie leicht mit den Schultern. "Es ist in Ordnung, ich hätte es besser wissen müssen. Pass nur auf dass du nicht noch mehr Strafen abbekommst", sie schenkte ihm dabei ein leichtes Lächeln.
      "Falls du einen richtigen Nachhilfelehrer willst, ich kann dir meinen alten Privatlehrer empfehlen", schlug Nerdanel noch vor bevor sich ihre Wege wirklich trennten.



      Owen MacGearailt

      Sein Gemüt war auf 180, schon die ganze Zeit über und es schien nicht wirklich wieder runterfahren zu wollen. Owen würde sich so ein unangemessenes Verhalten nicht gefallen lassen. Der Neue hätte sich von den O'Briain Typen mal erklären lassen sollen, was er hier auf keinen Fall hätte tun dürfen. Und einer dieser Punkte war es eindeutig sich mit Owen anzulegen.
      Zane schien auch beinahe das perfekte Opfer zu sein, denn er bot sich ihm quasi an als er ihn so bereitwillig nach dem Weg fragte.
      Ein kühles Grinsen bildete sich auf seinen Lippen. Mit einer kleinen Kopfbewegung gab er seinen Freunden bescheid den Typen zu packen und ins nächste leere Klassenzimmer zu zerren. Owen brauchte einen ruhigen Ort dafür, denn die Lehrer würden nur etwas tun, wenn sie es auch sehen würden. Wenn sie die Jungs nur hörten würden sie es einfach ignorieren. Das war dann nicht mehr ihre Sache, und ersparrte ihnen auch einiges an Papierkramund Gespräche mit Eltern denen es egal war was ihre Kinder eigentlich taten.
      Es war recht schnell ein Raum gefunden, den Owen hinter sich dann verschließen konnte, bevor er sich wieder an Zane wandte. Der Ausdruck in seinem Gesicht war einfach zu köstlich, aber was sollte er denn schon alleine gegen nen Haufen von Typen anrichten, die sich schon mit Typen geprügelt hatten die um einiges stärker waren als Zane.
      Bevor Owen überhaupt erläuterte was los war, oder warum er das hier tat, schlug er ihn mit genügend Kraft in den Magen.
      "Du kennst deinen Platz noch nicht, ich werde ihn dir zeigen."
      Als Owen das sagte, bemerkte er wie sich der Griss seiner Jungs um seine Arme verhärtete. Ein weiterer schlag folgte.
      "Du solltest dich von den Dingen fernhalten, die mir gehören."


      Tony O'Briain

      Tony war immer einer der ersten der im Speißesaal war, und auch einer der ersten der ihn wieder verlies. Er wollte niemals das Risiko eingehen, dass er sich auf einen falschen Platzt setzte... Und jeder Platz konnte der Falsche sein, wenn es voll wurde. Ein schräger Blick reichte meistens aus, um genug Ärger zu bekommen.
      Deswegen war Tony auch immer innerhalb von 20 Minuten wieder weg, und so lange wartete er dann auch schon auf Zane. Immer wieder wanderte sein Blick zu der Uhr, und als er auch noch 10 Minuten nach der Mittagspause nicht auftauchte, beschloss Tony ihn einmal suchen zu gehen. Immerhin hatte Zane gemeint sein Orientierungssinn war nicht zu gebrauchen, die Wahrscheinlichkeit das er sich verlaufen hatte war also recht groß. Als erstes würde Tony sich einfach ein wenig in der Nähe der Cafetaria umsehen, vermutlich würde er sich dort noch irgendwo herumtreiben.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane

      Das sich eine einfache Frage nach dem Weg in eine schlagfeste Antwort verwandeln würde, damit hatte Zane garantiert nicht gerechnet. Obwohl, eigentlich fehlte das an dieser Schule noch. Die Leute hier scheinen zum gewissen Anteil einen an der Murmel zu haben. Da suchte man ja förmlich nach dem berühmten Schlägertypen, der ganz mutig in einer Gruppe auf Einzelgänger los geht, um auch ja nicht selber eine verpasst zu bekommen.
      Der Typ hatte ihm heftig in den Magen geboxt, und Zane meinte, das ihm das Essen ein Stück wieder die Speiseröhre hochgeschoben wurde. Die Gehilfen des Mutigen hielten Zane fester, während der Mutigste erneut zuschlug - untere Bauchregion, um das Gedärm auch noch zu verknoten. Ein herrlicher Schmerz der sich da wohlig warm im ganzen Bauchraum verteilte. Direkt in die Schnauze war vermutlich zu gefährlich. Könnte ja bemerkt werden wenn er morgen mit entsprechendes Aussehen zur Schule käme. Eine blaue Flecken usw. die sich am Bauch befanden, sah man nicht unter der Kleidung.
      Zane beliebte zu scherzen. "Sorry man...., das ich dir dein Essen geklaut habe. Aber wenn du willst ... kann ich es dir gerne vor die Füße kotzen. Kannst ... es dann ja auflecken. he ..hehh...!", grinste Zane. Er würde hier doch keine Schwäche zeigen, und erntete daraufhin große Dankbarkeit in Form von drei weiteren Schlägen, ehe man ihn los ließ und es für ausreichend befand. Owen meinte trocken, das er Zane ohnehin schon viel zu häufig angefasst hätte, und er jetzt erstmal die Hände waschen müsste. Unrat sollte ein JEMAND nämlich eigentlich nur von Bediensteten entfernen lassen. Manchmal war es aber auch nötig selbst Hand anzulegen.
      Mit einer letzten Warnung sagte er Zane, das er sich besser von Nerdanel fernhalten sollte, ehe sie noch mehr Schwierigkeiten bekäme.
      Die beiden Helfer kicherten und entfernten sich mit Owen aus dem Klassenzimmer. Außerdem sollte Zane ihn ab sofort mit gebührendem Respekt gegenübertreten. Und wenn er noch mehr Ärger verursachen würde, könnte man dieses Gespräch gern solange wiederholen, bis er es begriffen hätte. Er war ein Nichts. Ein Jammerlappen und absolut Überflüssig.
      Dann fiel die Tür zu und Zane war allein. Er lag am Boden, etwas zerknittern, spähte zur Decke, die sich drehte als sitze er in einem Karussell, und hielt eine Hand auf dem Bauch, während die andere seitlich am Boden lag.
      "Ufff.... hat er sich jetzt als Jammerlappen betitelt , oder wie hat er das gemeint ...", murmelte er. Ganze 10 Minuten blieb er noch liegen, ehe er der Meinung war, wieder gerade stehen zu können ohne kotzen zu müssen. Sein Bauch fühlte sich an, als hätte er nen mords Muskelkater nach der ersten Drilleinheit.
      Irgendwie fand er kurz darauf zu den Toiletten und wusch sich am Waschbecken erstmal mit kalten Wasser den Kopf, und starrte in den Spiegel. "Was für ein Tag. Sind alles Schulen in Irland so interessant wie diese, oder bin ich so ne Art Lotto Gewinner?"
      Für heute hatte er die Schnauze voll. Er würde nichts mehr lernen sondern sich baldmöglichst abholen lassen und sich in sein Hotelzimmer verkriechen. Und morgen würde er erstmal ergründen, was diesen Kerl so sauer gemacht hatte. Saß er auf seinem Stuhl? Hatte er das letzte Schnitzel bekommen? Der Platz am Tisch? Er erwähnte Nerdanel. Ob es vielleicht um sie ging? Ob die verwandt sind?

      Mit dem Handy rief er beim Hotel an, die sofort seinen zuständigen Fahrer losschickten. Etwa eine halbe Stunde später fiel er wie ein nasser Sack auf die Rückbank des Wagens.
      "Ist alles Inordnung, Sir?", fragte der Fahrer, und blickte in den Rückspiegel. Zane hob die Hand. "Alles gut. Fahren sie zum Hotel. Das Essen heute war sehr schlagfertig. Nen beutel Eis für die Verdauung soll in mein Zimmer bereit gestellt werden."
      "Sehr wohl, Sir. Ihr erster Schultag war also ein voller Erfolg?"
      "Oh ja. Es hätte kaum besser laufen können. Man merkt, welch gehobener Stand dort vorherrscht.", grinste Zane schief und seufzte. Der Fahrer rümpfte den Schnauzer und fuhr zum Hotel, wo Zane sich fix in seinem Zimmer verkroch.


      Der nächste Schultag

      Genau wie am ersten Tag ließ sich Zane bis kurz vor die Schule fahren, um den Rest des Weges dann zu Fuß zu gehen. Anders als beim Erstenmal fanden sich schnell Blicke in seine Richtung. Getuschel und Gemurmel ließen Wortfetzen des ersten Schultages verlauten. Ja, der Bunte Hund in Oxford war wieder unterwegs. Seht alle her und bildet euch eure arrogante Meinung.
      Er seufzte. Ob Tony auch sauer war? Ohne Abmeldung war Zane gestern abgehauen. Sein Magen hatte sich wieder regeneriert und die Schmerztabletten besänftigten den Prügelkater.
      Wenig später saß er wieder in seiner Hauptklasse und freute sich auf die ersten Unterrichtsstunden mit Miss Khan. Zum Glück kein Französich, dafür durften wieder Zahlen kombiniert werden. Es dauerte noch ein paar Minuten, bis der Unterricht beginnen würde. Zane ließ sich nichts anmerken, als Nerdanel den Raum betrat und sich zu ihrem Sitzplatz begab. Er hob kurz die Hand und sagte: "Morgen! Endlich wieder spannender Unterricht bei der Furie, was?, hehe.", scherzte er.
      Dann zuckte er kurz zusammen, als hätre ihm jemand mit dem Finger in die Seite gepiekst und er wäre furchtbar kitzelig. Ein leises Zischen verließ seine Mundwinkel, dann straffte er sich wieder. Noch 7 Minuten bis zum Unterrichtsbeginn. der Klassenraum füllte sich bereits.
    • Tony

      Tony hatte schon beinahe die halbe Schule abgesucht als er beschloss aufzugeben. Es musste ihm was dazwischen gekommen sein, da konnte er wohl nicht mehr viel tun. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die beiden Nummern ausgetauscht hätten, dann hätte Zane ihm zumindest bescheid geben können.
      Wenn Tony ihn morgen sehen würde, würde er ihm einfach seine Nummer geben. Hoffentlich würde dieser eine Tag nicht der sein, der ausschlaggebend für Zanes Note sein würde. Langsam begann sich Tony darüber ein wenig mehr Sorgen zu machen. Immerhin ging es hierbei nicht nur um Zanes Noten sondern auch um die von Tony. Und er konnte sich sicherlich nicht erlauben, eine schlechte Note zu bekommen. Das bedeutete nur, dass sein Stipendium ins wanken geriet und wie sollte er dennd ann jemals an das College kommen, von dem er schon träumte seitdem er ein Kind war?
      Anstatt den Nachmittag dann damit zu verbringen Zane etwas beizubringen, lernte Tony für sich selbst, und arbeitete in einigen Fächern schon etwas vor. Das half ein wenig gegen die Ängste zu bestehen, die er sonst eher verdrängte.
      Am nächsten Tag ging es ihn auch schon wieder besser, und auch wenn er sich nicht auf seine Schulkollegen freute, freute er sich auf die Schule selbt.

      Nerdanel

      Im Vergleich zu manch anderen Schülern ging ihr tag recht friedlich vorrüber, auch wenn er gut bis zwei Uhr morgens ging. Sie wollte alle ihre Mathe Notizen erneut aufschreiben bis sie perfekt waren, und es war ich auch lieb wenn sie ihre Strafarbeit direkt erledigt hatte. Eine Nacht die deswegen kürzer war als ihre üblichen, nahm sie deswegen wirklich gerne in Kauf.
      Am nächsten Morgen musste sie nur darauf achten, dass ihre Augenringe nicht zu sehen waren, und darin war sie eine Meisterin. Nicht einmal ihre Großeltern bemerkten etwas, und diese waren auch ihre größten Kritiker.
      In der Schule angekomen traf sie Alys noch kurz in der Eingangshalle, und für ein paar Momente unterhielten sie sich nochmal über die gestrige Ag, bevor sich ihre Wege trennten, und Nerdanel sich auch schon auf den Weg machte zu dem Klassenzimmer in welches sie heute musste. Wieder einmal Mathe, und sie wusste noch nicht genau wie sie damit umgehen sollte. Wenn Miss Khan noch mehr unangebrachte Kommentare wegen Gestern brachte, oder was wäre wenn Owen ebenfalls diesen Kurs hatte und am vorherigen Tag nur geschwänzt hatte.
      Bei all den Gedanken wurde ihr etwas schwindelig, doch sie lies sich nichts anmerken. Wenn das jemand bemerken würde, wenn jemand diese kleine Schwäche sehen würde, wäre sie gefundenes Fressen. Meistens bewahrte ihr Status sie vor den Schlimmsten, und den Rest regelte im Grunde Owens Anwesenheit, doch in so einer Angelegenheit konnte ihr nichts und niemand helfen. Es war immer ein fataler Fehler wenn man Schwäche durscheinen lies, jeder würde es ausnutzen.
      Bevor Nerdarnel den Klassenraum betrat atmete sie noch einmal tief durch, und dieser minimale Hauch an Hoffnung, das keiner da war, weil Miss Khan sich vielleicht erkältet hätte, verschwand gänzlich.
      Mit erhobenen Kopf, und sehr darauf bedacht elegant zu wirken, unangreifbar, machte sie sich auf den Weg zu ihren üblichen Sitzplatz.
      Als Zane sie dann ansprach nickte sie ihm zu und lächelte etwas auf seine Bemerkung.
      "Sie hat Augen und Ohren in den Wänden, du musst vorsichtig sein was du sagst", versuchte sie dann auch zu scherzen, doch meistens gelang es ihr nicht wirklich. Langsam setzte sie sich dann und holte ihre Aufzeichnungen heraus, die im Gegensatz zu gestern aussahen als hätte man sie gedruckt. "Hast du schon angefangen mit der Strafarbeit?", fragte sie dann beiläufig um jetzt keine zu unangenehme Stille aufkommen zu lassen. Immerhin reichte es schon, wenn die anderen Klassenkameraden immer wieder her schauten, und dann etwas kicherten. Immer wenn jemand zu lange starrte, schenkte sie der Person ein lächeln, was diese direkt wegschauen lies. Den meisten war es unangenehm wenn man sie zu deutlich bemerkte.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Zane

      Er rieb sich verlegen den Hinterkopf. "Hehehe, naja, das Essen gestern hat mir doch ganz schon auf den Magen geschlagen. Mit Lernen oder irgendwelchen Strafarbeiten bin ich leider noch nicht ins reine gekommen. Ich wollte gestern ursprünglich ja noch mit Tony Französisch lernen. Im Auftrag von Miss Khan. Hehe.."
      Sein Blick fiel auf Nerdanels Arbeiten. "Eine sehr schöne Handschrift. Wirklich. Alles sehr ordentlich. Ich hoffe ich kann da mithalten.", meinte er noch, bevor die Tuschelruhe in der Klasse mal wieder gestört wurde. Die üblichen Verdächtigen marschierten ein.
      "AUS DEM WEG, DU LAPPEN!", keifte es, und eine der Begleitdamen der Prinzessin Daisy McBride sorgte dafür, das einer der Schüler nicht im Wege stand. Mit einem Aufschrei - "Waahhh...!" - stolperte er ein Stück voran, ehe er auf alle Viere zu Boden ging. Etwas Schulmaterial verteilte sich polternd am Boden. Einige Schüler lachten, andere versuchte lieber so zu tun, als hätten sie nichts gesehen.
      "Hooo ho ho ho ho .... Hoooo ho ho ho ...!" Bei Daisy war man sich nie sicher, ob sie ebenfalls darüber lachte, oder eben ganz normal ihre Präsens bekundete. Und wieder dasselbe Spiel. Drei Tische schienen reserviert und wurden mal wieder desinfiziert und mit Duftsprays erträglich gemacht, erneut gesellte sich ein Foto auf Daisys Tisch, das bei genauer Betrachtung Daisy selbst zeigte. Zane bekam das Kotzen. Neben Arroganz trug sie noch das Gewicht einer Narzisstin bei sich. Ekelhaft. Mehr konnte er von hier auf dem Bild aber nicht erkennen. Und das war verdammt gut so.
      Das bedeutete aber auch, das jetzt gleich der Unterricht begann und Miss Khan ebenfalls den Raum stürmen würde.
      Die Klingel ertönte und läutete zum Unterrichtsbeginn. Die letzten Schüler waren gerade noch so zu ihrem Platz gesprungen, als die Tür auch schon wieder ruckartig aufgerissen wurde, und Miss Khan klackend mit ihren Schuhen zum Pult marschierte. Es klang wie der Beat einen bereits toten Technoband, die ihr Unheil verkündeten. Dann stellte sie überraschend sanft ihre Tasche auf dem Pult ab, und mit einem kurzen Ruck und scharfen Augen starrte sie direkt in die Klasse.
      "Guten Morgen, Klasse 12!"
      "Guten Morgen, Miss Khan!", folgte es von allen simultan. Als wäre man in einer Militärschule saßen alle extrem gerade und aufmerksam mit Blick nach vorn an ihren Tischen. Aber man spürte sie, die Unsicherheit, die Anspannung, die Furcht und das zu erwartene Grauen. Zane selbst bekam dieses Karme förmlich in den Nacken gehustet. Wie ein kalter Schauer rutschte es langsam den Rücken runter. Es kribbelte etwas. Momentmal, es kribbelte wirklich. Zane griff nach hinten und spürte einen Faden. Einen ... Spinnenfaden? Hatte sich da etwa gerade eine Spinne in sein Hemd abgeseilt?

      "Also, Schüler, ich hoffe ihr habt gut ges...!?"
      "AHHHHHRR, verfluchtes Biest ... verschwinde und ..., oh.", schrie Zane, stand auf und schüttelte sich, zog alle Aufmerksamkeit auf sich, die er im Raum finden konnte. Miss Khans Mundwinkel bebten, verzogen sich und man meinte einen Vampirzahn zu erspähen, während der Störenfried endlich begriff, was er da gerade getan hatte.
      "Hhmmmmmmrrrrrppffff..... MR. GRAY! Ich hoffe doch sehr für sie, das sie damit nicht mich meinten. Also, ... WARUM ZUM TEUFEL STÖREN SIE SCHON WIEDER DEN UNTERRICHTSBEGINN?", keifte sie ihn an, und nicht nur er zuckte dabei zusammen. Nur die drei Damen vom Grill saßen unbekümmert vorn in der ersten Reihe. Daisy fächerte sich Luft zu und genoss den Frontalangriff auf diesen Pflegel.
      Zane stand auf und war gerader als eine Kerze nach Maßanfertigung.
      "Ähm, Mam, ich, ähm, ich weiß es nicht! Es ist ja keine Absicht gewesen, sondern da war eine Spinne, und die hat sich in mein Hemd verirrt. Ich habe wohl etwas übertrieben und entschuldige mich dafür!"
      "So, eine Spinne? Mäßigen sie sich zukünftig. So ein lächerliches Insekt sollte einen Mann nicht aufschrecken lassen. Gehen sie sofort nach draußen und entsorgen sie diese Kreatur. ABMARSCH!"
      "J-jawohl, Mam!"
      Zane stürmte schneller aus dem Raum als die meisten gucken konnten. Die Spinne war bereits aus seinem Hemd verschwunden und krabbelte schon woanders herum - an Nerdanels Bein empor. Khan unterdessen atmete einmal kurz durch und wiederholte ihre Begrüßung.
      Mittendrin wurde sie von Nerdanel unterbrochen, die plötzlich aufschrie .....
      Innerlich explodierte Miss Khan bereits. Was zur Hölle ist mit diesen beiden Schülern los? Reicht die erste Strafe noch nicht aus?