Go on, burn a while [Aiden.Nesmilas & Amalia]

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    • Go on, burn a while [Aiden.Nesmilas & Amalia]

      ~Story~

      Y ist die Tochter einer einfachen Magd, die Dank des neuen Mannes ihrer Mutter ein scheinbar sorgenfreies und luxuriöses Leben führen kann. Nachdem Y's Vater an einer schweren Krankheit verstarb, mussten sie und ihre Mutter sehen, wie sie über die Runden kamen. Lange Zeit ertrugen die beiden Hunger und ernährten sich von Abfällen, die sie auf den Straßen ihres Landes fanden, bevor Y's Mutter einen Job als Hausmädchen bei einer Adelsfamilie ergatterte. Ihre Mutter nahm sie mit in die Villa des Grafen und die damals 5-Jährige Y half ihrer Mutter nach bestem Gewissen bei den Arbeiten.
      Drei Jahre später geschah es, dass sich ihre Mutter in einen Freund der Familie verliebte und drei Jahre später geschah es, dass sie den Mann heiratete und so einen gesellschaftlichen wie finanziellen Aufschwung erreichte. Als hätte so schön werden können, wären da nicht die leiblichen Kinder ihres neuen Vaters. Der älteste Sohn der Familie, sowie die jüngere Tochter des Herzogs waren alles andere als angetan von ihrer neuen Schwester, da sie glaubten, dass es Y und ihre Mutter wären, die Schande über die Familie brachten. Sie konnten beim besten Willen nicht verstehen, warum sich ihr Vater für eine derart schäbige Frau -und dazu noch mit Kind!- entschieden hatte.
      Y's neue Geschwister taten alles daran, sie und ihre Mutter aus der Familie zu ekeln. Doch das Leben auf der Straße hatte die beiden abgehärtet. Sie waren schlimmeres gewohnt, als abfällige Blicke und spitze Bemerkungen. Doch vor allem Y wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Die Jahre der Obdachlosigkeit hatten ihre Spuren hinterlassen und ließen das junge Mädchen gleichgültig und berechnend werden. Sie hatte einen überdurchschnittlichen Überlebensinstinkt entwickelt und wusste nun besser als jeder andere, wie sie sich anzupassen hatte.
      Mit der Zeit wurde die Spannung zwischen den Geschwistern immer intensiver und sie hatten nichts weiter als Hass für einander übrig. Die beiden leiblichen Kinder des Grafes ertrugen Y's Anblick nicht mehr und beschlossen alles dafür zu tun, dass Y aus ihrem Leben verschwand. Doch meistens war Y ihnen einen Schritt voraus und konnte das schlimmste verhindern, bevor sie selbst austeilte und ihre Geschwister regelmäßig bloßstellte.
      Jeder Tag wurde zum Kampf und Y befand sich innerlich im Krieg. Dies ließ sie zu einem Monster werden und sie machte es sich selbst zur Aufgabe, diese Familie zu beseitigen.

      Während Y und ihre Geschwister tagtäglich aneinander gerieten, liefen die Geschäfte der Adligen normal weiter. Y's jüngere Schwester sollte an den X, den Prinzen des Landes verheiratet werden. Ihre Ehe wurde vor ihrer Geburt arrangiert und wenn das Mädchen Erwachsen wurde, sollte es soweit sein. Doch Y hatte nicht vor, ihrer Schwester diesen "Sieg" zu überlassen. Mit allen Mitteln würde Y versuchen, diese Ehe zu verhindern und den Absturz ihrer Schwester zu besiegeln.
      Doch würde sie damit überhaupt Erfolg haben? Wer war der Prinz eigentlich? Liebte er Y's jüngere Schwester oder hatte er sich vielleicht sogar in Y selbst verliebt? War er ein Herzensguter junger Mann oder war sein Charakter genauso verdorben wie Y's?




      Steckbriefe: Go on, burn a while [Aiden.Nesmilas & Amalia] - Vorstellung - ღAnime-Rpg-Cityღ

      @Aiden.Nesmilas
      @Amalia
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava
      Es war die erste Nacht seit langem, in der ich so gemütlich schlafen hätte können. Dabei lag die Betonung auf diesem 'hätte können'. Meine letzte Bestrafung hatte darin gelegen, dass mir mein Bett für eine gewisse Zeit genommen wurde, und Gestern erst hatte ich es zurück erhalten. Und dennoch war meine Nacht ruhelos gewesen. Immer wenn ich gerade etwas eingeschlafen war, schreckte ich schon wieder hoch, aus der Angst heraus, dass ich verschlafen würde.
      Irgendwann entschloss ich mich dann dafür, einfach aufzustehen, und solange der Rest des Haushalts noch schlief, wagte ich es mich auch in die Bibliothek zu schleichen. Nur um ein wenig zu lesen, bevor die Arbeit begann. Es war mir trotz allem wichtig geblieben, halbwegs gebildet zu sein, denn die Hoffnung, dass ich irgendwann doch noch anerkannt werden könnte, war noch nicht ganz gestorben. Am Ende war das wohl nicht die beste Entscheidung die ich hätte treffen können. Am Ende musste mich eine andere Bedienstete aufsuchen und ich konnte nichts anders als mich zu ärgern, und das Gefühl in meinen Magen zu unterdrücken. Ich hatte keine Zeit für diese schwere Übelkeit, immerhin gab es viel zu tun. Es gab immer viel zu tun, und so lange ich der obersten Zofe nicht begegnete, würde alles gut bleiben.
      Ich war gerade dabei den Esstisch zu decken, für das Frühstück der Familie. Jeder Teller musste auf seinen Platz sein, und jede Gabel, jedes Messer, jeder Löffel ebenfalls. Ich brauchte etwas länger als andere gebraucht hätten, da ich wirklich versuchte auf den Milimeter genau zu arbeiten. Nichts durfte schief sein, auf dem Silber kein Wasserfleck und ein Staubkorn wollte ich auch nirgendwo entdecken. Es wäre schlimm wenn es so wäre, es war immer schlimm wenn etwas so kleines den Alltag der Familie stören sollte. Dabei konnte ich nicht einmal sicher sein, ob den anderen so etwas auffallen würde. Es war besser, wenn ich es erledigte.
      Gerade als ich das letzte Gedeck perfektioniert hatte, wurde die Türe zum Esszimmer geöffnet. Sie quietschte unangenehm, und wenn ich später Zeit finden würde, musste ich wohl einmal die Schaniere ölen.
      Erst als die Person sich räusperte blickte ich auf. Und mir blieb die Luft weg. Ein leichter Schwindel erfasste mich, als ich die oberste Zofe erkannte. Ihre Frisur war zu einem strengen Dutt gebunden, nur wenige Strähnchen hatten ihren Weg daraus gefunden, was mir sagte, dass sie wohl wieder einmal mit dem Butler in der Besenkammer verschwunden sein musste. Leider brachte mir dieses Wissen über ihr kleines Geheimnis nicht sehr viel. Die Leute schenkten mir in den seltesten Fällen glauben, vor allem weil meine Halbgeschwister mich nicht ausstehen konnten.
      Schnell machte ich einen knappen Knicks, um nicht noch mehr ärger auf mich zu ziehen. "Was kann ich für Sie tun?", fragte ich dann vorsichtig nach, und merkte das meine Stimme recht belegt war. Sehr viel hatte ich heute auch noch nicht geredet, wenn ich so darüber nachdachte. Aber das war ohnehin selten der Fall. Ich hatte nicht viel zu sagen, und Gespräche sollten auch nur in meiner Freizeit stattfinden.
      "Anna ist krank, ich möchte dass du dich heute um Miss Rosalia kümmerst."
      Beinahe hätte ich gelacht, doch ich konnte es gerade noch verhindern. Also nickte ich, knickste noch einmal und machte mich schnell auf den weg in das obere Geschoss des Hauses. Anna ist krank. Das konnte ich nicht glauben. Seitdem sie die Zofe von der neuen Miss wurde, hatten gewisse Personen es auf sie abgesehen... Meine Vermutung war viel eher, dass man ihr etwas in ihr Essen gemischt hatte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Anna schnell wieder gesund werden würde. Warum denn auch? Man wollte sie hier nicht mehr sehen, und hatte keinen Grund gefunden sie zu feuern.
      Meine Hand war ganz schwitzig geworden, weswegen ich diese an meiner Schürze abwischte, bevor ich an der Tür der Miss anklopfte. Dann wartete ich die angebrachte Zeit bevor ich eintrat.
      "Ich bin Ava, da Anna krank ist soll ich euch heute zu diensten sein. Soll ich euch beim Einkleiden helfen?", stellte ich mich schnell vor und stellte auch schnell die Frage, bevor irgendwelche beschwerden kommen würden. Ich versuchte sie nicht anzusehen, oder mich umzusehen, denn immer wenn ich mich hier aufhielt, erfasste mein Herz ein leichter Stich.


      Zacharias Atlas von Havenport

      Als ich heute morgen aufgestanden war, hatte ich nicht unbedingt hunger gehabt, weshalb ich mich entschieden hatte, es heute einfach ausfallen zu lassen. Mein Morgen schien insgesamt recht unspektakulär, keine Termine oder Ereignisse an denen ich hätte unbedingt Teilnehmen müssen. Erst heute Nachmittag, hatte ich einen Besuch geplant. Einen den ich vermutlich schon etwas länger aus dem Weg gegangen war, als ich es hätte sollen. Aber dort wurde von mir immer erwartet, dass ich mich ganz anders verhielt als sonst. Wärmer, vielleicht wurde auch erwartet, dass ich mich verhielt wie ein verliebter Narr aus Romanen die Frauen zu gerne lasen. Um es kurz zu fassen, ich fühlte mich einfach nicht wohl, doch es gehörte dazu. Die Verlobung war vielleicht noch nicht offiziel gemacht worden und dennoch musste ich mich darum kümmern.
      Es war eine Wichtigkeit, dass ich wichtige Verbindungen einging, die das Land förderten. Und für eine royale Familie galten Hochzeiten genau dazu, um so eine Verbindung zu stärken.
      Ich war gerade dabei mein Pferd noch ein wenig zu striegeln, als der Stallbursche mit dem Sattelzeug kam. "Leg es dort hin", ich deutete ihn leicht mit einen nicken an, das er einfach gehen sollte. Ich wusste das er etwas erwidern sollte, doch ich schüttelte nur leicht den Kopf. Ich wollte keine Diskussionen führen, ich hatte ohnehin nur selten Zeit für mich, da musste nicht ein Stallbursche dazwischen funken.
      Das schütteln meines Kopfes schien zu wirken, und der Stallbursche legte das Zaumzeug hin. Zumindest schon einmal eine Sache. Ein kleiner Ausritt bevor ich mich fertig machen musste um die Grafenfamilie zu besuchen, würde mir gewiss gut tun.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      Wie so oft war ich auch diesen Morgen früher wach und entschied mich dazu, ein Buch zu lesen, bevor eine der Zofen mich einkleiden und zum Frühstück bringen würde. Das gemeinsame Essen mit meiner "Familie" gehörte aktuell zu den schlimmsten Ereignissen an diesen Tagen. Meine Stiefgeschwister Liosa und Elliot würden keine Chance verpassen, um mir eine rein zu würgen und mich vor der gesamte Familie sowie Dienerschaft bloßzustellen. Glücklicherweise gelang es ihnen in diesen Tagen weniger als damals. Ich hatte mir viel neues Wissen anlernen müssen, um soweit zukommen, die richtige Etikette war nur eine von wenigen Dingen.
      Die Sonne war bereits aufgegangen, als ich ein Klopfen an der Tür vernahm. "Herein", sprach ich und legte mein Buch auf das weiche Polster der Couch ab, auf welcher ich bis gerade noch saß. Ich erhob mich und erkannte Ava, welche ins Zimmer trat und mir von dem Umstand berichtete, dass Anna erkrankt war. Ein Umstand der mich nicht sonderlich verwunderte
      . Anna war meine einzige Zofe gewesen und ohne ihre Hilfe würde es mir im Hause Rosewind schwerfallen, mich zurechtzufinden. Zumindest glaubten das Liosa und Elliot. Außerdem würde Liosa wie ein gutes Mädchen dastehen, wenn sie so "lieb" war und mir eine ihrer Zofen abgab. Viel mehr noch. Die Zofe die sie mir "auslieh" war Ava. Ein Schandfleck in Liosas Augen und somit hatte sie gleichzeitig zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie wurde Ava los und galt auch noch als großzügiges Mädchen. Kein schlechter Schachzug, allerdings hatte meine Stiefschwester nicht die leiseste Ahnung davon, dass es von Anfang an mein Plan gewesen war, Ava unter meine Fittiche zu holen. Denn entweder würde mich dieses Mädchen abgrundtief hassen oder sie würde sich leicht um den Fingerwickeln lassen und eine starke Verbündete werden können. Es war für mich also äußerst wichtig, Ava nah bei mir zu behalten, um ihre wahren Gefühle mir gegenüber herauszufinden.
      "Ich verstehe", sprach ich und klang dabei leicht bedauernd. "Ich hoffe Anna wird sich bald erholen. Die Kosten für einen Arzt sind in diesen Tagen sehr teuer. Ich mache mir Sorgen, dass Anna nicht das nötige Geld dazu hat, einen aufzusuchen", klang ich Sorgevoll und ging zu meinem Schminktisch, wo ich aus einer kleinen Schublade ein Säckchen mit Silberstücken herausholte. Ich ging damit zu Ava und ließ das kleine Säckchen in ihrer Schürzentasche verschwinden. "Ich möchte, dass du einen Arzt zu ihr schickst und ihn mit diesem Geld bezahlst. Außerdem sollst du ihn damit beauftragen, eine Salbe gegen blaue Flecken und Schwellungen herzustellen", erklärte ich ihr. Die Salbe würde ich ihr geben. Es sollte ein Geschenk sein, um mir nach und nach ihr Vertrauen zu erkaufen. Ich wollte, nein ich musste, sie auf meine Seite ziehen. Außerdem sollte sie den Eindruck bekommen, ich würde mich um mein Personal sorgen und es gut behandeln. Auf diese Art und Weise könnte ich sie genauso um den Finger wickeln, wie es bei Anna der Fall war.
      "Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir beim Einkleiden und meiner Haare helfen könntest", lächelte ich sie warm an.


      Vincent Wardhive

      Ich hatte mich in den frühen Morgenstunden bereits mit meinen Kollegen auf dem Trainingsplatz versammelt, um zu trainieren. Heute stand nicht sehr viel an, außer Zacharias Eskorte zur Villa Rosewind. Da wir allerdings erst Vormittags aufbrechen würden, hätte ich jetzt noch genügend Zeit, um mich körperlich ein wenig zu verausgaben. Immerhin hatte ich einen Ruf zu wahren. Momentan war ich noch der Beste unter den jüngeren Soldaten, doch dies konnte sich schnell ändern, sollte ich mich zu sehr auf meinen Lorbeeren ausruhen. Und genau das würde ich mit allen Mitteln zu verhindern wissen.
      Einige Stunden waren bereits vergangen und ich beschloss, dass es fürs erste mit dem Training gewesen sein sollte. Ich würde heute noch einmal hierher zurückkehren, sobald Zacharias und ich zum Schloss zurückkehrten. Also ging ich auf mein Zimmer im Schloss, säuberte mich und zog mir frische Kleidung über, ehe ich nach draußen an die frische Luft ging. Ich streckte mich einmal ausgiebig und genoss den Wind, der sanft durch meine Haare wehte.
      Ich wollte gerade den königlichen Hof verlassen und ein wenig in die Stadt gehen, als ich Zacharias bei den Ställen entdeckte und beschloss, ihm einen kleinen Besuch zu erstatten. "Wenn das mal nicht Eure Majestät höchstpersönlich ist", grinste ich und machte aus Spaß eine tiefe Verbeugung, mit der rechten Hand auf meinem Herz und der linken Faust auf meinem Rücken. "Du versuchst dich doch nicht etwa vor dem heutigen Treffen zu drücken, oder?", spielte ich auf den Sattel an. Natürlich würde er das nicht tun. Dafür war Zacharias einfach viel zu pflichtbewusst und höflich erzogen worden, anstatt dass er kurzfristig der Einladung einer Lady absagen würde. Doch war mir durchaus klar, dass er auf diese Verlobung wohl lieber verzichten würde.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Nachdem Rosalia zu sprechen begann, konnte ich nicht anders als sie doch anzusehen. Ich musste sie mustern, und auch ihre Umgebung. Dabei blieb mir das Buch auf der Couch natürlich nicht unbemerkt. Noch konnte ich nicht genau sagen, was für ein Buch es war, aber von der größe her, konnte ich einige schon ausschließen. Vorrausgesetzt es war eines der Bücher aus der Bibliothek des Hauses. Rosalia standen mehr Möglichkeiten als mir offen, wenn es darum ging an Lesematerial zu gelangen.
      Ich verlies das Anwesen ohnehin nicht sonderlich häufig, meine Geschwister legten einen großen Wert darauf und auch mein Vater wollte es sehr ungerne. Sie sagten es zwar nicht, doch der Scham der sich in ihren Augen abzeichnete, wenn Besuch eintraf, verriet mir gut genug warum es so war. "Leider Miss, wenn Anna auch nicht zur Arbeit erscheinen kann, wird ihr Gehalt auch gekürzt", meinte ich dann leichthin. Es war normal, dass jemand der nicht arbeitete auch kein Gehalt bekam. Vermutlich war es nicht so gut, wenn man es jedoch der Familie sagte, die dafür verantwortlich war. Innerlich zuckte ich zusammen und mein Magen drehte sich um, als ich realisierte, wass ich gerade gesagt hatte. Mein Blick fiel wieder auf den Boden. Hoffentlich würde die oberste Zofe oder der Butler davon keinen Wind bekommen, denn dann war ich mein Bett sicherlich schnell wieder los.
      Ich hörte dann ihren Anweisungen genau zu, und auch wenn die Ärzte in letzter Zeit teurer geworden sind, fühlte sich das Geld zu viel an. Aber was wusste ich schon, ich hatte das Geld nicht gezählt und konnte es nur einschätzten. "Das werde ich machen, Miss Rosalia."
      Verwundert war ich dennoch ein wenig darüber. Wozu brauchte sie diese Salbe? Mir schossen einige Vermutungen durch den Kopf, ich kannte das verhalten von der restlichen Familie mir gegenüber... Aber sie hatte doch eine Mutter, die sogar mit den Grafen verheiratet war. Doch mir blieb im Moment nicht viel Zeit um weiter darüber nach zu denken, ich würde später noch genug Zeit haben um heraus zu finden, was genau das alles bedeuten sollte.
      "Habt Ihr irgendetwas spezielles in Sinne?", stellte ich dann die Frage. Ich hätte natürlich auch für sie aussuchen können, aber ich kannte Rosalia noch nicht gut genug um sagen zu können was in ihrem Sinne stand und was nicht. Mir waren zwar schon einzelene Essgewohnheiten aufgefallen, aber da Anna sich bisher immer darum gekümmert hatte, hatte ich diese Pflicht wohl schleifen lassen. "Heute soll Besuch eintreffen, gegen Nachmittags, ich kann auch zwei Kleider bereit machen."
      Während ich überlegte welche Farbe ihr besonders stehen würde, ich konnte nicht anders, überlegte ich auch schon was ich mit ihren Haaren tun konnte. Sie hatte schöne lange Haare, und auch wenn sie schon wach war, hatte sich noch keiner darum gekümmert... und dennoch sahen sie recht gepflegt aus. Es würde also einfach werden damit zu arbeiten. Und ich musste zugeben, auch wenn es sich um Rosalia handelte, freute ich mich ein wenig darauf. Ich hatte schon lange niemanden mehr die Haare gemacht, und dabei hatte ich immer so viel geübt.


      Zacharias Atlas von Havenport

      Ich hatte mein Pferd dann fertig gestriegelt, und streichelte es noch kurz bei den Nüstern. "Wir werden heute einen schönen Ausflug machen, Abrosius", murmelte ich leise vor mich hin, bevor ich dann meinen Hengst begann zu satteln. Ich tat es nicht oft selbst, aber es war auch nicht wirklich etwas, das ich als schwer beurteilen würde.
      Es fehlte am Ende nur noch der Sattel selbst, als ich wieder unterbrochen wurde. Beinahe hätte ich die Augen verdreht, wenn ich nicht genau gewusst hätte wer es war. Vincent. Auch wenn ich ihn gerne hatte, und es nicht unangenehm war sich mit ihm zu unterhalten, hätte ich mir wirklich gewünscht, dass er mir nicht über den Weg gelaufen wäre. Wie sollte ich ihn denn davon überzeugen, dass ich alleine sein wollte? Ich konnte mich selbst doch schon kaum überzeugen, immerhin war ich ein Prinz. Ich war der Prinz, der später einmal das Land regieren würde. Und es gab sicherlich genug Leute die etwas gegen mich hatten, und selbst wenn es nur im verborgenen war.
      "Ich würde mich niemals vor einen Treffen drücken, Vincent. Ich bin wahrlich schockiert über solche Vorwürfe", meinte ich dann, auch wenn es mehr ein Scherz war. Leider brachte ich Scherze und Witze oft nicht so gut rüber, wie es Vincent oft tat. Manchmal war ich deswegen etwas neidisch, bis ich mich erinnerte dass es nicht nötig war. Es war besser, wenn die Leute mich nicht für humorvoll hielten, denn sonst wurden viele Dinge am Ende ins lächerliche gezogen.
      "Nein, ich wollte nur einen kleinen Ausritt machen, bevor ich mich dem Besuch stelle. Im geheimen ein charmantes Lächeln üben."
      Der zweite Teil war mehr eine Ausrede, als dass ich es wirklich vorhattte. Obwohl es mir sicherlich nicht schlecht tun würde.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      "Da hast du recht. Bitte lasse Anna eine Nachricht von mir zukommen, dass ich mich um ihr Gehalt kümmern werde. Ich würde dich nur bitten, den anderen nichts davon zu erzählen. Sie sollen nicht denken, ich würde mich den Befehlen meines Vaters widersetzen. Das würde ich mir niemals erlauben, aber manchmal lassen Taten viel Raum für Spekulationen", lächelte ich Ava entgegen und sah über ihre unverschämte Äußerung hinweg. Jeder andere hätte sie vermutlich geschlagen oder gar entlassen, für eine solche Antwort. Doch mir war es egal. Es interessierte mich nicht, wie die Leute in meiner Umgebung sprachen, solange sie mir von Nutzen waren und Ava würde früher oder später ein wertvolles Werkzeug für mich darstellen.
      "Ich danke dir", lächelte ich. Als sie mich dann aber fragte, ob ich irgendetwas spezielles im Kopf hatte, schüttelte ich den Kopf. "Nein. Es soll nur sehr schlicht aussehen. Ich möchte nach Möglichkeit nicht auffallen. Immerhin ist das heute Liosas Tag. Die Aufmerksamkeit soll auf ihr und ihrem Verlobten liegen. Es reicht, wenn du mir ein Kleid zurecht legst." So ein Schwachsinn. Der einzige Grund, weshalb ich ein einfaches Kleid haben wollte, ist dass die Leute mich für bescheiden halten sollten. Liosa und Elliot hatten bereits einige üble Gerüchte über mich verbreitet und ich müsste sie nun eigenhändig aus der Welt schaffen. Welch eine Zeitverschwendung. Ich hatte wirklich besseres zu tun, als den Adel von mir zu überzeugen. Leider war aber genau dies nötig, um zu überleben und das Haus Rosewind zu Fall zu bringen.

      "Wir werden nach dem Frühstück einen Ausflug in die Stadt machen. Gib dem Stallburschen bitte später Bescheid, dass er die Pferde und die Kutsche vorbereiten soll", sprach ich, während wir mit dem einkleiden begannen. Sie hatte einen guten Geschmack was Kleidung betraf. Sie schien als Zofe also schon mal nützlich zu sein. "Ava, du hast so schön geflochtenes Haar. Hast du dich heute Morgen alleine fertig gemacht?", wollte ich von ihr wissen. Liosa war so sehr mit ihrem Hass gegenüber Ava beschäftigt, dass sie nicht die Fähigkeiten ihrer Halbschwester erkannte. Ihre Haare würden schöner aussehen, hätte sie sie Ava machen lassen, statt es einem anderen Dienstmädchen aufzutragen.
      Nachdem wir mit dem Ankleiden fertig waren, setzte ich mich auf den Stuhl vor dem Schminktisch und ließ Ava meine Haare machen. "Überrasch mich. Ich lasse dir freie Wahl bei der Gestaltung meiner Frisur", lächelte ich.


      Vincent Wardhive

      "Zumindest nicht vor einem Treffen, welches bereits vereinbart wurde. Aber jeder andere im Schloss hatte den Eindruck, dass du diese Verabredung so lang wie möglich aufgeschoben hast", erinnerte ich ihn. Er wusste nur selbst zu gut, dass was ich sagte stimmte. "Verübeln kann ich es dir nicht, wer hat schon Lust, sich in unserem Alter an eine Ehefrau zu binden?" Also ich sicher nicht. Frauen waren für mich sehr reizende Geschöpfe und ich unterhielt mich gerne mit ihnen, aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, jetzt schon heiraten zu müssen und dann noch eine Frau, die ich mir nicht selbst ausgesucht hatte.
      Bei Zacharias letzten Worten musste ich wieder grinsen. "Immerhin erkennst du deine eigenen Schwächen", neckte ich ihn. Er war tatsächlich nicht unbedingt das, was man einen Charmeur nannte. Aber bei der strengen Erziehung, die er genossen hatte, war das auch nicht weiter verwunderlich. In den meisten Ländern war es Gang und Gebe, dass Prinzen und Prinzessinnen zu gefügsamen Dienern ihres eigenen Landes erzogen wurden. Wenn man es so betrachtete, hatte ich wirklich Mitleid mit Zacharias. Er würde niemals in den Genuss kommen, was wahre Freiheit bedeutete. Vielleicht hing er gerade deswegen so sehr an seinem Pferd und versuchte jede freie Minute bei Abrosius zu sein. "Nun, dann werde ich dich nicht weiter aufhalten. Genießt den Ausritt, Eure Majestät", grinste ich und verbeugte mich erneut vor meinem Freund, ehe ich mich umdrehte und den Stall verließ.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Verwundert musste ich blinzeln, als Rosalia meinte sie würde sich um das Gehalt der fehlenden Zofe kümmern. Das ergab für mich gar keinen Sinn, es glich eher einer Geldverschwendung, der Vater niemals zustimmen würde. Das würde kein Mann machen, der halbwegs bei verstand war. Natürlich hatte ich solche Dinge schon einmal gelesen, in Büchern in meiner Kindheit, als ich mich noch nicht auf die wichtigen Dinge konzentriert hatte. Doch soetwas war erfunden, genau wie eine Beziehung zwischen einer Dienstmagd und einen Adeligen erfunden war.
      "Ich werde ihr die Nachricht persönlich überbringen, damit es nicht zu unliebsamen Abweichungen kommt", meinte ich dann. Ich würde heute viel das Haus verlassen können, ich sollte es etwas ausnutzen. Außerdem, war es besser wenn kein anderer davon erfuhr. Ich wusste genau wie unschön es Enden konnte, wenn man meinen Halbgeschwistern falsch kam. Ein leichter Schauder erfasste mich bei den Gedanken an vergangene Strafen. Aber davon durfte ich mich nicht beeinflussen lassen. Wenn ich weiter gute Arbeit machte, vielleicht durfte ich irgendwann auch in einen schönen Zimmer leben, und mit den anderen essen. Ich wollte auch keine Kleider, oder sonst etwas, auch ein reicher Ehemann konnte mir ehrlich gesagt gestohlen bleiben, ich wollte nur... dazu gehören. Beinahe hätte ich geseufzt, doch ich lies es bleiben, konnte es mir zurück halten. Es interessierte hier ohnehin keinen.
      "... etwas schlichtes", wiederholte ich leise. Mir selbst schien das unpassend, immerhin kam ein Prinz zu Besuch. Es war wichtig, das man dabei gut aussah. Aber ich konnte mich der Anweisung meiner Dienstherrin auch nicht zu offen wiedersetzten. Deswegen suchte ich ihr zwar ein schlichtes Kleid heraus, das jedoch auch ohne viel drum und dran Edel genug wirkte. Sie wollte am Ende nicht gescholten werden, das Rosalia nicht schick genug für den hohen Besuch angezogen war.
      "Ich werde mich um alles kümmern. Werden wir lange Unterwegs sein? Sonst packe ich noch einen kleinen Lunch zusammen, oder etwas Gebäck."
      Eine Lady sollte nicht alleine irgendwo essen gehen, und ich war sicherlich nicht die richtige Gesellschaft um so etwas zu tun. Es war eher angebracht, wenn ich etwas riechten würde, was schnell gegessen werden konnte, falls Rosalia hunger bekommen sollte. Es sollte keine großen Probleme darstellen, auch wenn die Zeit sicherlich knapp werden würde.
      "Ich muss an jemanden üben, meine Haare sind lang genug, und wenn es nicht klappt, habe ich keinen anderen damit verunstaltet."
      Ich konnte es mir nicht leisten, dass mir andere Leute die Haare machten. Jedoch, bekam ich ein kleines Gehalt dafür das ich es tat. Mein gehalt war nicht hoch, da ich hier auch wohnte und somit Kost und Logie in meinen Gehalt mit eingerechnet war. Vielleicht würde ich mir bei einen der kommenden Straßenfesten doch auch einmal die Haare machen lassen... Oder ich besuchte einen Kurs um die neuesten Frisuren zu erlernen. Das wäre sinnvoller.
      Mir wurde dann freie Hand gelassen, doch nun konnte ich auch gut vermuten, dass sie sicherlich etwas schlichteres haben wollte. Aber das konnte ich auch nicht ganz geschehen lassen, weswegen ich in die frisur kleine Glaskristalle einarbeitete, die passend zum Kleid waren. In ihren dunklen Haar fielen sie kaum auf, außer das Licht schien genau darauf. Es war also schlicht, aber Edel genug, auch wenn sie das Haus verlies oder den Prinzen traf. Halb oben, und halb unten, dass das Haar schön ihr Gesicht umrahmen konnte.
      Es dauerte ein wenig bis alles so saß wie es sollte, und ich sicher sein konnte, dass es auch den ganzen Tag über halten würde.
      "Fertig, Miss Rosalia. Ihr seht wunderschön aus."
      Und das tat sie wirklich, auch wenn ich, zugegeben, neidisch auf ihre Position war.


      Zacharias Atlas von Havenport

      "Es gab einfach wichtigeres zu tun, ich konnte die Deligation des Nachbarlandes wohl kaum ignorieren in de kurzen Zeit in der sie hier war. Die Rosewinds werden nicht weglaufen." Und das meinte ich wirklich ernst. Es gab wichtigeres als mich darum zu kümmern. Vor allem seitdem es diese unangenehmen Gerüchte gab, da der Graf meinte eine einfache Frau heiraten zu müssen. Es war schwer, und wenn der Einfluss nicht dennoch groß genug wäre, und das Geld nicht da wäre, welches die royale Familie als Unterstützung benötigte, wären wohl auch meine Eltern gegen diese Verbindung gewesen. Ich hatte einfach gehofft, dass diese Gerüchte verschwinden würden, aber sie hielten sich hartnäckiger als Gedacht. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als mich selbst zu vergewissern, das es besser wurde. Und zu zeigen, dass die Königsfamilie noch immer zu ihnen stand.
      "Ich habe nichts gegen eine Ehefrau. Das Problem ist eher, dass sie von mir Dinge erwartet die ich ihr nicht geben kann."
      Eine leidenschaftliche Liebe, und sie im Sturm zu erobern? Das klang in meinen Ohren furchtbar. Nicht dass Liosa ein schrecklicher Mensch war, im Gegenteil, ich hatte nichts gegen sie. Aber das alles konnte ich nicht tun. Die Leute würden sich nur noch mehr lustig über ihre Familie und mich machen.
      "Danke, wir werden und später sehen", meinte ich nur noch und blickte Vincent noch kurz hinterher, bevor ich auch noch den Sattel auf Ambrosius lud, und aufstieg. Ich wünschte nur ich könnte meine Gedanken auch so einfach ausblenden, wie viele andere Dinge, aber nach dem Gespräch konnte ich kaum anders, als an das treffen zu denken. Was war, wenn ich uns beide am Ende nur unglücklich machen würde?
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      "Ich denke nicht, dass das nötig sein wird. Aber ich danke dir für deine Fürsorge", lächelte ich Ava warm entgegen. Ich hatte nicht vor, allzu lang unterwegs zu sein, immerhin müsste ich genug Zeit für den Rückweg einplanen, damit ich am Nachmittag nicht zu spät für den Besuch ankam. Ich konnte es mir in meiner Position nicht erlauben, meinen Vater oder den Prinzen zu verärgern. Viel mehr musste ich das Wohlwollen dieser beiden Menschen gewinnen.
      "Ich verstehe", sagte ich, als sie mir die Sache mit ihren Haaren erklärte. Ich beobachtete sie durch den Spiegel hindurch und erkannte ihr Geschick und Talent, sowie ihren guten Geschmack. Ava hatte mehr als jeder andere in diesem Haus zu kämpfen, dadurch hatte sie einen starken Charakter. Ich fragte mich also, wie lange es dauern würde, sie um den Finger zu wickeln oder gar komplett zu brechen. Ich hatte nicht vor, ihr weh zu tun. Aber ich würde sie beseitigen müssen, sollte sie eine Bedrohung für mich darstellen.
      "Vielen Dank, Ava. Du hast gute Arbeit geleistet", lobte ich sie, nachdem ich meine Frisur etwas genauer im Spiegel betrachtet hatte. "Ich werde jetzt dem Frühstück meiner Familie beiwohnen. Ich möchte, dass du in dieser Zeit alles für unseren Ausflug organisierst. Wir treffen uns dann bei der Kutsche, sobald ich fertig mit speisen bin", wies ich sie an, während ich mich von meinem Stuhl erhob und das Zimmer verließ.
      Ich kam im Speisezimmer an und nahm direkt auf dem Stuhl neben meiner Mutter platz, direkt gegenüber von Liosa. Wenn ich ehrlich war, wurde mir jedes mal schlecht, wenn ich ihre hässliche Fratze zu Gesicht bekam. Doch solange ich an schöne Dinge dachte, schaffte ich es, in ihrer Gegenwart zu essen, ohne es direkt wieder auszukotzen.
      "Ich wünsche einen guten Morgen", begrüßte ich die Anwesenden, während uns das Frühstück serviert wurde. Ich nahm einen Schluck von dem Tee und als ich die Tasse gerade abstellen wollte, wanderte mein Blick auf das Muster, welches auf die Tasse gemalt wurde. Liosa bemerkte meinen Blick und nutzte die Gelegenheit, um mir unterschwellig einen Seitenhieb zu verpassen. "Ah, dieses Teeservice. Es stammt von dem Maler Lewis Bernhold. Er war bekannt für seine Liebe zum Detail und seine präzise Arbeit." Ich unterdrückte mir ein gehässiges Lächeln. "Liosa, meine Liebe, wenn du genau hinschaust kannst du erkennen, dass das Blütenblatt der mittleren Rose, das der rechten berührt. Es wurde zweifellos präzise gearbeitet. Allerdings entspricht es nicht ganz dem Stil von Lewis Bernhold. Jedoch ist es bekannt, dass Herr Bernholds jüngerer Bruder ein großer Freund von geschlossenen Elementen war. Demnach gehe ich davon aus, dass dieses Teeservice nicht aus einer Kollektion von Lewis Bernhold stammt, sondern von seinem jüngeren Bruder, Rainer Bernhold", berichtigte ich sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Liosa verlor für einen Augenblick die Kontrolle über ihre Gesichtszüge, ehe sie sich auf die Lippen biss. Vater räusperte sich. "Liosa es ist beachtlich, wie viel du bereits über die Künstler unserer Zeit weißt. Du musst fleißig gelernt haben", versuchte unser Vater sie aufzumuntern, während ich zufrieden einen Schluck von meinem Tee nahm. Mich zu unterschätzen wird dein größter Fehler werden, Liosa.
      Nachdem Frühstück ging ich wie vereinbart nach draußen zur Kutsche, um gemeinsam mit Ava in die Stadt zu fahren.


      Vincent Wardhive

      "Das Leben auf dem Schloss kann so langweilig werden", seufzte ich, während ich über den Hof schlenderte. Zacharias hatte keine Zeit für mich und das Training hatte ich gerade eben beendet. Was also konnte ich tun? Ich spielte mit dem Gedanken einen Ausflug in die Stadt zu machen. Hier im Schloss würde sich ohnehin nichts ereignisreiches abspielen, dass meiner Langeweile ein Ende bereiten würde. "Vielleicht sollte ich das wirklich tun", meinte ich leicht nachdenklich. Ich brauchte zwar nichts bestimmtes, aber ich könnte als Ausrede nehmen, dass ich in der Stadt nachdem Rechten sehen wollte. Immerhin trieben sich vermehrt Diebe und andere Kleinkriminelle in der Stadt herum und tyrannisierten das die Bewohner. Das Schloss hatte seit einigen Monaten vermehrt Soldaten in die Stadt geschickt, um dieses Gesindel los zu werden. Aber aus irgendeinem Grund stieg die Kriminalrate im vergangenen halben Jahr drastisch an. Man konnte zwar nach wie vor in Ruhe sein Leben leben und es kam bisher noch zu keinen schlimmeren Vorfällen, aber Zacharias müsste auf jeden Fall ein Auge auf die Stadt haben. Immerhin stellte es ihn in ein schlechtes Licht, wenn es der Stadt nicht gut ging und es vermehrt zu unangenehmen Vorfällen kam. Die Bürger würden ihn für einen unfähigen König halten und genau das konnte er gerade am aller wenigsten gebrauchen.
      Ohne groß nachzudenken, ging ich zu den Ställen, in denen die Pferde der Soldaten gehalten wurden und schnappte mir direkt eines, welches ich säuberte und sattelte. Anschließend stieg ich auf und galoppierte mit dem Pferd in Richtung Innenstatt. Vielleicht gab es dort einen Auftrag, mit dem ich mir die Langeweile vertreiben konnte, oder wenigstens ein süßes Mädchen, dass meine Hilfe bräuchte.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Aus Höflichkeit lächelte ich etwas, über das Kompliment, welches mir Rosalia gab. Es war nicht unbedingt so, als müsste sie es sagen, und sie tat es trotzdem. Wenn ich bedachte wie es bei anderen war, fühlte sich das hier einfach falsch machen.
      "Ich gebe mir mühe", meinte ich dann nur recht kurz. Es waren zu viele Komplimente in so kurzer Zeit. Dabei musste sie um mich wissen, es war schwerlich zu übersehen.
      "Ich wünsche dann einen guten Apettit", sprach ich während ich knickste. Ich wartete dann bis sie ihr Zimmer verlassen hatte, bevor ich mich hier erst einmal um die wichtigsten Sachen kümmerte. Das bett machen, lüften und den Rest wieder ordentlich machen. Später mussten die anderen dann nur noch wischen. Vielleicht konnte sie auch noch eine der Anderen darum bitten frische Blumen zu holen, diese hier begannen schon langsam ihre Köpfe hängen zu lassen.
      Leise seufzte ich. Ich konnte nicht anders als mir bei all dem hier Mühe zu geben, selbst wenn ich nicht ewig hier sein würde, und es nicht meine Hauptaufgabe werden würde, mich um Rosalia zu kümmern. Hatten sie deswegen beschlossen, das ausgerechnet ich hier her sollte? Weil sie wussten, dass es mir unangenehm werden würde? Vielleicht sollte ich mir deswegen doch extra mühe geben. Das bedeutete, frische Blumen mussten wirklich dringend her.
      Aber nun musste ich mich erst einmal um die Kutsche kümmern, und zur Sicherheit war es besser, wenn trotz allem etwas Gebäck eingepackt wurde. Wie peinlich wäre es, wenn Rosalias Magen zu knurren begann, wenn sie mit ihrer Familie zusammen den Prinzen willkommen hieß. Mir wurde ganz kalt bei den Gedanken, das ich dafür am Ende den Ärger bekommen würde.
      Auf den Weg zu den stellen, machte ich also halt in der Küche, beauftragte den Koch ein wenig etwas zusammen zu packen, es stand ein Ausflug mit Lady Rosalia bevor.
      In den Ställen trug ich den Stallburschen auf, die gesundesten Pferde einzuspannen, damit auch hierbei nichts schief gehen konnte.
      "Aber die schlichtere Kutsche, vielleicht kannst du noch ein paar Kissen auftreiben, die es bequemer machen."
      Wenn ich die Möglichkeit hätte, hätte ich die Polster in der Kutsche auch neu überziehen lassen, aber es stand mir nun einmal nicht zu als eine einfache Zofe. Und während dies alles vorbereitet wurde, lieh ich mir selbst ein Pferd. Ich war noch nicht oft geritten, aber das meiste Wissen hatte ich mir abgesehen. Ich musste noch den Arzt beauftragen, nach Anna zu sehen, und wegen der Salbe. Und auf den Rückweg konnte ich bei Anna vorbeisehen, wegen der Nachricht die sie erhalten sollte.
      Und so ging es dann auch, selbst wenn ich für all das nicht viel Zeit hatte. Etwas gestresst kam ich dann wieder am Anwesen an, das Geld war wirklich zu viel, und ich würde es Rosalia zurück geben.
      Bevor ich selbst zur Kutsche konnte, sammelte ich noch das Essen ein, und einen Umhang, falls sie irgendwo hin wollte, ohne erkannt zu werden. Oder falls es frischer wurde als erwartet. Man musste für jeden Fall bereit sein.
      Ich kam bei der Kustche an, als Rosalia dort schon stand. Wieder knickste ich, mit dem Korb in der einen Hand. Ein unglücklicher umstand, der das alles etwas komplizierter gestaltete.
      "Bitte verzeiht die Verspätung, die Vorbereitungen haben etwas länger gedauert", murmelte ich nur leise, bevor ich ihr auch beim Einsteigen behilflich war. Nach einen kurzen Klopfen an die Kutsche, nachdem wir saßen fuhr die Kutsche auch los.
      "Ihr habt mir zu viel Geld wegen des Arztes gegeben, und die Salbe sollte bis zum Wochenende geliefert werden", berichtete ich dann kurz, und kramte im Korb nach dem Beutel und der schriftlichen Nachricht von Anna. Beides überreichte ich ihr anschließend.



      Zacharias Atlas von Havenport

      Als ich weit genug weg war vom Schloss, und allen Personen die mir hätten sagen können, was es noch zu erledigen gab, lies ich Ambrosius langsamer werden, bis er am Waldrand nur noch einen bequemen trab drauf hatte. Noch ein wenig weiter, in den königlichen Wald, dort würde man mich auch nicht so einfach entdecken können.
      Auf einer Lichtung lies ich mein Pferd halten, und stieg ab. Hier konnten wir beide eine Pause einlegen, selbst wenn sie nicht ewig wären würde. Auch wenn meine Gedanken immer wieder zu verschiedenen Misständen schlichen.
      Erst nachdem ich ein paar Kaninnchen entdeckte, und diese eine Weile beobachten konnte, fand ich tatsächlich einige Momente Ruhe. Doch die Ruhe war recht kurz, denn ich wusste das ich bald zurück müsste. Ich müsste noch mit meiner Mutter sprechen, und dann gab es noch einige Vorbereitungen zu treffen. Ein paar Wachen, und welche Kutsche. Ein kleines Geschenk musste ich aussuchen, und andere Gewänder anziehen. Denn wenn ich zu Besuch kam, durfte ich nicht zu dick auftragen, aber zu wenig ginge auch nicht.
      Da es viel zu tun gab, machte ich mich kurze Zeit später auch schon wieder auf den Rückweg.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      Ich sagte vorerst nichts zu der Tatsache, dass Ava sich verspätet hatte. Darauf könnte ich gleich in aller Ruhe zurückkommen. Wir beide stiegen ein und die Kutsche setzte sich in Bewegung. Wenig später überreichte mir Ava das übrig gebliebene Geld und einen Brief, jedoch nahm ich nur diesen entgegen und winkte bei dem Geld ab. "Du kannst das Geld vorerst verwalten. In der Stadt werden sicher die ein oder anderen Ausgaben auf uns warten", erklärte ich ihr und ließ den Brief vorerst in meiner Kleidertasche verschwinden. "Übrigens Ava... Ich mag es nicht, wenn man sich meinen Befehlen widersetzt. Da dies heute dein erster Arbeitstag als meine Zofe ist, werde ich ausnahmsweise darüber hinwegsehen. Doch ich rate dir, dass dies kein zweites mal vorkommt", mahnte ich sie. Ich hatte die Süßigkeiten in dem Korb bereits bemerkt und es ärgerte mich, dass sie dieses Zeug entgegen meiner Befehle doch eingepackt hatte. Ich würde gut zu ihr sein und sie besser behandeln, als es Liosa tat, dennoch würde ich ihr nicht gestatten, ihren eigenen Kopf durchzusetzen.
      Die restliche Fahrt verlief ruhig und war kamen nach ungefähr 20 Minuten in der Hauptstadt an. Die Kutsche hielt vor dem ersten Laden an und der Fahrer half mir als erste aus der Kutsche. Ich entschied mich dagegen, den Mantel anzuziehen, den mir Ava mit eingepackt hatte. Stattdessen wies ich sie an, ihn selbst zu tragen und ihre Haare unter der Kapuze zu verbergen.
      Wir traten in den ersten Laden und ich wurde direkt herzlich von dem Besitzer empfangen. "Ich brauche ein neues Kleid für meine Zofe, sowie einen passenden Hut. Außerdem würde ich mir gerne Ihre Schmuckstücke ansehen", kam ich gleich zur Sache. Der Ladenbesitzer musterte mich kurz verwundert, ehe er verstand und hastig nickte. "Bitte kommen sie hier entlang, die Damen", meinte er und führte uns beide in einen Raum, für seine Kunden. "Du kannst den Mantel jetzt ablegen. Die Damen in diesem Laden werden deine Maße nehmen. Schwebt dir eine bestimmte Farbe für dein neues Kleid im Kopf? Ich würde zu hellblau tendieren", sagte ich und sah mir Ava einmal von oben bis unten an. "Ja, hellblau mit weißen Details könnte für dich funktionieren", sprach ich, während der Ladenbesitzer nickte.
      Während die Angestellten Avas Maße nahmen, hatte ich an dem runden Tisch im Zimmer platz genommen und ließ meine Augen über einige Schmuckstücke wandern. Das könnte alles passen.

      Vincent Wardhive

      Entspannt ritt ich mit dem Pferd durch die Straßen der Hauptstadt, während ich mich immer mal wieder umsah und ein wachsames Auge behielt. Es schien bisher ziemlich friedlich in der Stadt zuzugehen und es gab keinerlei Anzeichen auf irgendwelche Unruhestifter. Einerseits gut, da ich nicht wollte, dass jemand zu Schaden kam, andererseits würde ich für ein wenig Aktion sterben. Es war wirklich todlangweilig. Ich hätte echt noch etwas länger trainieren sollen. Mir kam es gerade so vor, als würde ich meine Zeit mit etwas komplett sinnlosen vergeuden. Ich seufzte leise bei dem Gedanken, schüttelte dann aber den Kopf. Ich würde heute sicherlich noch in den Geschmack eines guten Kampfes kommen, auch wenn es erst heute Abend beim Training sein sollte.
      "Huh? Ist das nicht die Kutsche der Familie Rosewind?", sprach ich leise aus, als ein mir nur allzu bekanntes Wappen ins Auge fiel. Kein Zweifel. Die Rose auf der Kutsche gehörte zur Familie Rosewind. Interessant. Vielleicht würde ich hier einen Blick auf die Verlobte von Zacharias erhaschen können. Ich hätte niemals damit gerechnet, jemandem der Familie an diesem Tag in der Stadt zu begegnen. Jede andere Person wäre damit beschäftigt gewesen, sich für den Prinzen herauszuputzen und die letzten Vorbereitungen für sein Kommen zu beenden. Wenn ich so darüber nachdachte, handelte es sich vermutlich nicht um Liosa Rosewind. Es könnte ihr Bruder oder ihre andere Schwester sein. Da es nicht die Hauptkutsche der Familie war, schließ ich aus, dass es sich dabei um die Oberhäupter der Familie handelte. Gleichzeitig war die Kutsche aber zu prunkvoll um nur von den Zofen und Butlern des Hauses für ein paar Erledigungen benutzt zu werden.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Ich lies die Mahnung gerne über mich ergehen, die Sache war nur, dass ich mir lieber ihre Strafen antun würde, als die Strafen der anderen, wenn ich meine Arbeit nicht richtig ausübte. Und auch wenn ich kein offizielles Mitglied der Familie war, konnte ich mir gut vorstellen, dass meine Bestrafungen für bestimmte Leute vorbehalten waren.
      "Natürlich, Miss. Ich mache mir nur sorgen um eure Gesundheit."
      Wir wussten immerhin alle was mit Anna passiert war. Ich konnte mir, vor allem nachdem ich sie gesehen hatte, nicht vorstellen, dass es sich nur um eine einfache Erkältung handeln sollte. Rosalia schien auch zu wissen, dass ich wohl länger bei ihr bleiben würde, außer den wenigen Tagen in denen sich Anna krank gemeldet hatte, so konnte ich gut annehmen, dass sie auch mehr als nur bescheid wusste. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Rosalia so verblendet sein konnte. Nicht einmal Liosa war es, selbst wenn ihre Arroganz sie schon oft genug geblendet hatte.
      Die restliche fahrt blieb ich still. Was gab es schon, was ich großartig sagen könnte? Und selbst wenn ich mit Rosalia alleine war, konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, das jeden Fehler den ich machte, mir schwer nachhängen würde. Das hier war keine einfache Aufgabe die ich einfach erledigen konnte. Die Augen meiner Halbgeschwister würde auf uns liegen, alleine deswegen weil sie Rosalia auch nicht ausstehen konnten. Ich wusste nur noch nicht ganz, ob sie wollten das ich scheiterte, oder ob sie mich damit quälen wollten? Sie hatten wohl nicht verstanden wie gleichgültig mir langsam alles wurde, und mich dem auszusetzten, was mir noch schmerzen könnte, würde auch das noch vertreiben.
      Als ich dann den Umhang überziehen sollte, musste ich ein wenig zögern. Es war nicht richtig, dass ich ihn überzog, am Ende tat ich es jedoch schon. Alleine weil ich wusste, dass auch Vater es besser finden würde, wenn meine Erscheinung nicht zu auffällig auftreten würde. Auch wenn man es nicht glauben konnte, war ich wohl ein größeres Geheimnis, denn es gab zwar Gerrüchte über mich, doch ohne wirkliche Beweise, konnte man viele Dinge einfach nur als ein Gerrücht abstempeln.
      Erst im Laden und nachdem Rosalia meinte ich könnte den Umhang abnehmen tat ich es. Maße nehmen. Farben. Das waren Dinge über die ich mir sonst bei anderen oft Gedanken machte, aber nie für mich. Es gab auch keinen Grund dafür, ich besaß nicht das Geld um mir schöne Kleider zu leisten, und benutzen konnte ich Kleider außerhalb meiner Uniform auch eher selten.
      "Miss Rosalia, der Graf sieht es sicherlich nicht gerne, wenn Ihr mir ein neues Kleid machen lasst", versuchte ich mein Glück dieses ganze Unglück zu verhindern. Er würde sicherlich schrecklich reagieren. Und Liosas Reaktion wollte ich mir noch weniger vorstellen. Vor anderen benahm sie sich immer wie eine Lady, aber ich wusste genau dass sie auch anders konnte, wenn sich die Türen hinter ihr geschlossen hatten. Meine Hände begannen bei der Vorstellung leicht zu zittern, weswegen ich mich etwas mehr an meiner Schürze festklammerte als es nötig wäre.
      Trotz meiner Einwürfe, wurden meine Maße genommen, die weiterhin auch nichts spezielles waren. Wenn es ein neues Kleid hätte sein müssen, hätte auch eines von der Stange gerreicht, da war ich mir sicher.



      Zacharias Atlas von Havenport




      Ein schweres Gefühl, welches auf meinen Schultern zu lasten schien, kehrte direkt wieder zu mir, sobald ich meinen Hengst im Stall untergebracht hatte und ihn versorgen lies. Es wollte mich dazu zwingen die Schultern hängen zu lassen, doch stattdessen drückte ich sie nur noch ein wenig mehr durch.
      Ich würde mich einfach kurz frisch machen, und dann würde ich meiner Mutter einen kurzen Besuch abstatten. Ich wusste nicht genau, wass sie von mir wollen würde, doch ich konnte mir gut vorstellen, dass es mit dem Besuch zu tun hatte, den ich am frühen nachmittag abhalten würde.
      Einige Zeit später war ich bei dem kleinen Schloss meiner Mutter angekommen. Meine Eltern lebten schon seit langen nicht mehr zusammen, sie hatten sich auseinander gelebt, das wusste ich, doch was sie der Außenwelt zeigten war nur, dass sie sich auf die Anglegenehieten des Reiches konzentrierten. Es gab nur fünf Wochen im Jahr, die die beiden zusammen verbrachten, und es waren wohl auch die unruhigsten die die beiden hatten.
      Am Eingang erwartete mich bereits die oberste Kammerzofe meiner Mutter, sie war eine junge Herzogin aus einen Land unserer Verbündeten. Soweit ich wusste, waren die beiden auch enge Vertraute, weswegen mich es etwas wunderte, dass ausgerechnet sie die Aufgabe übernahm mich in Empfang zu nehmen, nur um mich dann in die privaten Räumlichkeiten meiner Mutter zu bringen.
      "Ich habe heute Morgen deinen Lieblingskuchen backen lassen, erst gestern sind firsche Mandarinen eingetroffen", begrüßte mich meine Mutter und deutete mir an mich ihr gegenüber hin zu setzten, was ich auch gerne tat. Nachdem mir Tee und Kuchen serviert wurden, entlies meine Mutter auch die restlichen Angestellten, dass wir alleine sein konnten. Es war nicht unbedint etwas ungewöhnliches, aber heute fühlte es sich irgendwie speziell an.
      "Mutter, was brennt Euch auf der Seele?", fragte ich dann vorsichtig nach, nachdem ich einen Bissen gegessen hatte und die üblichen Höflichkeiten ausgteuascht worden waren.
      "Du kennst mich zu gut", meinte sie dann lächelnd, bevor sie ihre Tasse auf den Tisch stellte.
      "Es geht um die Rosewinds. Seitdem der Graf... diese Frau geheiratet hat, gibt es viel Getuschel. Du hast es auch mitbekommen, ich weiß es."
      "Ich hatte gehofft es würde irgendwann wieder verklingen, wenn man dem ganzen nur Zeit lässt."
      Die Königin schüttelte den Kopf.
      "Das ist die falsche Einstellung, wie du zweifellos bemerkt hast. Ich möchte, dass du dich ab heute aktiv ansetzt dagegen. Wir können die royale Familie nicht zum gespott der Gesellschaft machen."
      Ich ahnte was nun folgen würde, und mir gefiel nicht wirklich in welche Richtung diese Unterredung führen sollte.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      "Denkst du wirklich, dass es den Grafen interessiert, ob die Zofen neue Kleider bekommen? Auch Anna hatte damals ein neues bekommen, als sie bei mir angefangen hat. Es hat ihn damals schon nicht interessiert. Der Graf ist ein vielbeschäftigter Geschäftsmann, der sich von Kleinigkeiten nicht ablenken lässt, also mach dir keine Sorgen darum. Ich werde mich um alles kümmern, also versuch es zu genießen und dich darüber zu freuen", meinte ich beschwichtigend. Natürlich war mir bewusst, dass der Graf es alles andere als gerne sah, wenn Ava Aufmerksamkeit geschenkt wurde und sie besser als die anderen Zofen behandelt wurde. Allerdings stand sie von nun an unter meinem Schutz und ich würde es nicht mehr zulassen, dass man sie derart misshandelte. Dafür war sie zu wichtig für mich. "Außerdem werde ich veranlassen, dass du in das Zimmer am Ende des Flures ziehst. Es ist in der Nähe von meinem und von den anderen Zofen und Familienmitgliedern weiter entfernt. Das tue ich natürlich nur, weil im Notfall jemand in meiner Nähe sein muss, den ich schnell erreichen kann", erklärte ich ihr direkt, wie ich das ganze vor dem Grafen begründen würde. Tatsächlich waren seit jeher die Frauen für die Häuser zuständig. Egal ob es dabei nun um die Einrichtung oder die Raumverteilung ging und da es sich bei der Gräfin um meine Mutter handelte, brauchte ich mir bezüglich des Umzugs keine Sorgen machen. Es würde niemand etwas sagen oder es für komisch erachten, wenn ich meine Zofen in meiner Nähe haben wollte. So war es in fast jedem Haus Gang und Gebe -vorausgesetzt die Zofen bezogen ein Zimmer im Haus und lebten nicht außerhalb, so wie es bei Anna der Fall war.
      Für mich war dieses Thema damit geklärt und ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder auf die Juwelen vor mir. Ich überlegte ein wenig, bis ich mich schließlich für eine goldfarbene Brosche mit einem weißen Diamanten entschied. Zusätzlich kaufte ich etwas schlichteren Schmuck und einen weißen Hut, mit einer blauen Schleife dran. Er passte perfekt zu den Kleidern, die ich für Ava angefertigt hatte.
      "Bitte schicken sie die Sachen an das Haus Rosewind. Der Name ist Rosalia", erklärte ich dem Ladenbesitzer, welcher sofort nickte. "Selbstverständlich, Lady Rosalia." "Ava, kümmere dich bitte um die Bezahlung des Herren. Ich gehe schon einmal zurück in die Kutsche. Und vergiss nicht den Mantel überzuziehen", befahl ich ihr und verließ damit schon einmal den Laden. Der Fahrer der Kutsche wartete geduldig öffnete mir bereits die Tür, ehe ich einstieg und Platz nahm.


      Vincent Wardhive

      Gerade als ich mich dazu entschlossen hatte, wieder umzukehren, öffnete sich die Ladentür und eine junge Frau mit schwarzen, hochgesteckten Haaren kam heraus. Sie war elegant gekleidet, jedoch recht schlicht für eine Adelsdame. Es musste sich dabei um Rosalia Rosewind handeln. Ich erinnerte mich an einige Gerüchte, die besagten, dass die neue Gräfin eine schwarzhaarige Hexe ins Haus brachte, die auf den Reichtum des Grafen aus war und all sein Geld ausgab. Allerdings kursierten in der Oberschicht allerhand komische Gerüchte über den ein oder anderen, vor allem wenn man sich sein Geld nicht selbst erarbeitet hatte, sondern in eine reiche Familie heiratete. Diese Menschen wurden bereits von der Gesellschaft verurteilt, bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatten, sich zu beweisen. Aus diesem Grund gab ich nicht viel auf Gerüchte und bildete mir lieber meine eigene Meinung über einen Menschen.
      Ich schüttelte meinen Kopf. Ich würde sicherlich später eine bessere Gelegenheit bekommen, diese Frau unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, ob sie wirklich so schlimm war, wie man sagte. Andererseits interessierte es mich auch nicht wirklich -jedenfalls so lange, wie es Zacharias nicht schaden würde. Sollte ihr schlechtes Image auf ihn abfärben und er unbeliebt bei den Bürgern werden, müsste ich eingreifen und sie beseitigen. Aber ich wollte nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Vielleicht war sie genauso durchschnittlich, wie jeder anderer auch, aus der Unterschicht.
      "Ich sollte zurück gehen. Vielleicht braucht Zacharias meine Hilfe bei einigen Vorbereitungen", überlegte ich und gab meinem Pferd dann einen leichten Tritt in die Seite, damit es sich wieder in Bewegung setzte. Gemeinsam kehrten wir zum Schloss zurück, wo ich den Hengst anband und wieder absattelte.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Ich biss mir auf die Zunge um nicht noch etwas zu sagen. Sie wusste sicherlich genau, dass es bei mir etwas anderes sein würde, als wenn sie Anna neu einkleidete, oder irgendeine andere Zofe. Ich wusste es, und alle anderen in dem Haushalt ebenfalls.
      Doch ich musste wohl durch das ganze hindurch? Entweder ich bekam von ihr ärger, weil ich mich widersetzte oder ich bekam ärger von den anderen, wenn ich es nicht tat. Vermutlich war es genau das, was meine Familie vor hatte. Mich in eine Zwickmühle bringen, die mir auch die nächsten Nächte über den Schlaf rauben sollte. Das würde es unweigerlich tun, das wusste ich jetzt schon. Dafür kannte ich mich einfach gut genug... Trotzdem hoffte ich nun noch mehr, das Anna einfach gesund werden würde, bevor alles auffiel.
      Doch Rosalias nächste Aussage brachte mich nun auch zum zweifeln, ob mir das noch helfen würde. Sollte ich das wirklich tun, dann würde ich wohl auch noch bei ihr bleiben, wenn Anna zurück kam. Es war sowieso unüblich, dass sie bisher nur eine Zofe hatte, aber solange diese nicht krank war, war es den anderen egal gewesen nun nicht mehr. Doch ich nickte nur statt etwas zu sagen.
      Das musste wohl eines der vielen Hindernisse sein, das ich überwinden musste, bis ich meinen kleinen Traum erfüllen konnte, dann würde ich es hinnehmen müssen. Solche Dinge waren nur immer einfacher gesagt als getan.
      Es kam mir ohnehin schon so vor, als wäre es viel zu lange so. Ein wenig Bewegung in das ganze zu bringen, könnte vielleicht sogar helfen. Dass ich das ganz so positiv sehen konnte, war für mich selbst etwas überraschend. Das war bestimmt ein neuer Schutmechanismus, den ich annahm.
      Ich war froh, als das alles fertig war, und ich am Ende nur noch bezahlen musste. Damit hatte ich auch kein Problem, das war das wenig schlimmste was ich heute hatte tun müssen.
      "Ihr habt eine sehr gnädige Lady."
      "Ja, ich kann mich glücklich schätzen", antwortete ich dem Herren. Auch wenn ich mich nicht glücklich schätzte. Der Mann konnte nicht wissen, was das alles für mich bedeuten müsste. Es war klar, das jede andere Zofe einen wirklich Glücksfall mit Rosalia hätte, aber ich?
      Ich zog dann wieder den Mantel an, und die Kapuze über meinen Kopf. Man konnte immerhin nicht ausschließen, das es zumindest außerhalb des Ladens eine Person gab, die zumindest erkennen könnte wem ich ähnlich sah.
      Ich verlies dann auch den Laden, und sah noch einen Pferd hinterher, das gerade einen Galopp einlegte, bevor ich mich ebenfalls wieder in die Kutsche begab.
      "Habt Ihr noch etwas vor?", fragte ich dann vorsichtig nach, als ich wieder Platz genommen hatte. Ich hatte nicht Lust, dass noch mehr solche Überraschungen auf mich warteten. Und ich war mich sicher das es im Haushalt noch genug zu tun gab, um das ich mich auch kümmern sollte.




      Zacharias Atlas von Havenport


      Meine Stimmung war wahrlich im Keller, als ich das Zuhause meiner Mutter wieder verlies. Ich hatte noch nie viel von Intrigen gehalten, und versuchte oft einfach an ihnen vorbei zusehen, oder es jemand anderen zur Aufgabe machte sich darum zu kümmern. Dieses mal stand diese Auswahl nicht zur Verfügung. Diesesmal und vor allem in dieser Angelegenheit musste ich mich selbst darum kümmern.
      Aber die Königin hatte nie gesagt, dass ich dabei alleine vorgehen musste. Ich konnte mir ruhig einen Vertrauten zur Seite nehmen, der mir bei dieser Aufgabe half, die doch sehr... anstrengend werden dürfte.
      Gerüchte zu erfinden war einfach, aber sie aus der Welt zu schaffen, das war etwas ganz anderes.
      Zumindest hatte ich schon ein paar Ansätze die man verfolgen könnte.
      Ich war dann wieder zurück, und in wurde in meinen Gemächern neu eingekleidet für den Besuch den ich bald abstatten musste. Gleich musste auch noch der Händler vorbei kommen, dass ich mich für ein paar Geschenke bemühen konnte. Ich hatte keine Ahnung was Liosa gefallen könnte. Und noch weniger konnte ich mir vorstellen, was der anderen Tochter des Hauses gefallen konnte. Es wäre zu unhöflich, wenn sie überhaupt nichts bekommen würde... Vielleicht einfache Blumen? Ich musste mir dabei nicht zu viel Mühe geben.
      Wo war Vincent wenn ich ihn mal gebrauchen konnte? Er kannte sich besser mit Frauen und dieser Art von Kommunikation aus als ich. Ich konnte einschätzen was angebracht war, aber sicherlich nicht was wirklich gefallen würde.


      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      Ich starrte eine Zeit lang aus dem Fenster der Kutsche und betrachtete das Leben auf den Straßen. Als Kind war ich oft durch die Gassen dieser Stadt gerannt und hatte mich aus den Herrenhäusern gestohlen, in denen meinte Mutter bis vor ein paar Jahren noch gearbeitet hatte. Die Blicke der Anwesenden waren für mich nur schwer zu ertragen und auch die Stimmung in solchen Häusern war häufig sehr angespannt. Damals hätte ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen ausgemalt, dass ich eines Tages ein solches Leben leben würde. Es war schön, dass ich mir um Finanzen nun keine Sorgen mehr machen musste, jedoch fiel es mir lange Zeit schwer, mich mit meiner neuen Rolle anzufreunden und mir die schelmischen Blicke und Bosheiten meiner Stiefgeschwister und des Adels nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Es hatte einige Zeit gedauert die naive und kindliche Rosalia abzulegen und selbst zu einer Schurkin zu werden, doch von nun an würde meine Zukunft mehr zu bieten haben, als meine Vergangenheit. Haus Rosewind wird eines Tages fallen und ich werde der Grund dafür sein.
      Ich richtete meine Aufmerksamkeit auch dann noch auf die Straßen der Stadt, als Ava die Kutsche betrat und mich fragte, ob ich noch etwas vor hätte. "Nein. Wir können zurück", meinte ich ruhig. Ich hatte noch vorgehabt, in die Bücherei zu fahren, jedoch hatten wir beim Schneider mehr Zeit verbracht, als anfangs geplant, weshalb wir das nun verschieben müssten. Schade eigentlich. Ich war schon lange nicht mehr da gewesen, alleine schon weil das Anwesen über mehr Bücher verfügte, als ich in einem Leben lesen könnte. Außerdem wollte ich das Nervenkostüm meines Vaters nicht unnötig überstrapazieren. Er würde nur wütend werden, wenn wir beide kurz vor knapp zurückkamen und er mich nicht mehr darüber unterrichten könnte, wie ich mich dem Prinzen gegenüber zu verhalten hätte. Ich lebte zwar seit einer ganzen Weile in diesem Anwesen und hatte mittlerweile viel dazu gelernt, aber in seine Augen würde ich wohl immer eine unzivilisierte Göre bleiben. Sollte mir recht sein. Auf diese Weise würde er mich immer unterschätzen und es machte das ganze noch einfacher, ihn zu Fall zu bringen.


      Vincent Wardhive

      Nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass das Pferd gut versorgt war, betrat ich das Schloss und lief schnurstracks zu Zacharias Zimmer. Vielleicht hatte ich ja Glück und er wäre von seinem Ausflug wieder zurück -zumindest hoffte ich das. Wenn er nicht bald auftauchte würde es nach hinten heraus ziemlich knapp werden und ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass wir zu spät kamen, immerhin würde das Zacharias in ein schlechtes Bild rücken und es war meine Aufgabe, genau das zu verhindern. Immerhin waren viele der Adligen ohnehin nicht gut auf die Königsfamilie zu sprechen, daher war es umso wichtiger, sie nicht zu verärgern, so konnten wir sie am Besten klein halten. Eine Adelsfamilie mochte dem König zwar nicht gefährlich werden, aber es gibt mittlerweile immer mehr von ihnen und wenn sie sich alle gegen den König stellen, könnte das ziemlich unangenehm werden. Darum kam Zacharias erst zu der schweren Bürde, Liosa Rosewind zu heiraten. Ich hätte ihm gewünscht, dass er seine Entscheidung selbst treffen könnte, jedoch war das von Anfang sein vorherbestimmtes Schicksal. Wer auch immer in die Königsfamilie hineingeboren wurde, hatte das Recht auf ein eigenes Leben verwirkt.
      Mein Zacharias Zimmer angekommen klopfte ich ein paar Mal gegen die Zimmertür, ehe ich diese öffnete. "Gut, dass du schon zurück bist. Ich hatte schon Sorge, dass du dich aus dem Staub machst", scherzte ich, nachdem ich das Zimmer betreten hatte. "Aufgeregt?", wollte ich von ihm wissen, nachdem ich mich einfach auf einem der Stühle im Raum gesetzt hatte und meinem alten Freund dabei zu sah, wie man die letzten Feinschliffe an seiner Kleidung tätigte. "Lady Liosa wird dir mit Sicherheit direkt verfallen", zwinkerte ich meinem Freund zu. Dann aber klopfte es an der Tür und ich drehte meinen Kopf wieder zur Seite. "Herein", sagte ich völlig schamlos, als sei dies mein eigenes Zimmer. "Ah, Sie sind es nur", meinte ich, als ich den Händler und seine Angestellten sah, die ein paar Geschenke vorbei brachten. "Hast du dir schon ein paar Gedanken bezüglich der Geschenke gemacht?", fragte ich Zacharias und sah dann zu ihm auf.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Leicht nickte ich, als ich die Antwort von Rosalia bekam. Es ging also nirgends mehr hin, nicht das es einen größeren Unterschied gemacht hätte. Ich hätte ohnehin ein schlechtes Gewissen, weil ich bei den Vorbereitungen nicht helfen konnte, und der ganze Ausflug würde mir am Ende sicherlich mehr als genug Ärger einbringen.
      Ich gab ein leichtes Klopfzeichen, worauf hin der Kutschfahrer die Pferde antrieb. Es gab ein paar verschiedene Zeichen, die für die wichtigsten Orte standen. Am einfachsten war immer dieses um Nachhause zu kommen.
      Ein wenig driftete ich in meinen Gedanken ab, bevor ich mich wieder fangen konnte, und mich leicht räusperte.
      "Ich wollte mich noch einmal für Eure Großzügigkeit bedanken, Miss", meinte ich dann recht leise, und lies meinen Blick auf den Boden gesenkt. Es war ohnehin nicht angebracht - von jemanden wie mir- die feinen Herrschaften direkt anzusehen. Manchmal konnte ich mich davon nicht abhalten, aber in solchen Momenten war es wirklich wichtig, dass ich mich daran hielt. Es zeigte von Demüt und Bescheidenheit, Dinge die ich mein ganzes Leben über gelernt hatte.
      Und trotz allem, hatte ich meine Neugier nie ganz unter Kontrolle bekommen. Und so brannte mir auch im Moment eine Frage auf der Zunge, die ich vermutlich nicht stellen sollte. Doch was konnte ich eigentlich verlieren? Mein Leben konnte ohnehin nicht schlechter werden, und die schlimmsten Strafen hatte ich alle schon einmal durchgestanden. Das Einzige was hätte schlimmer werden können, wäre es wenn mein Vater mich aus den Anwesen warf. Das würde er jedoch kaum zu lassen, meine Ähnlichkeit zu ihm, war dafür viel zu gefährlich. Viel zu gefährlich für die Familie.
      "Seid ihr schon aufgeregt... oder neugierig auf den Prinzen?", beschloss ich dann schlussendlich doch die Frage zu stellen. Die Ruhe gefiel mir so nicht, vor allem weil Rosalia manchmal so wirkte, als würde sie etwas planen. Vielleicht wollte ich sie einfach für den Moment von ihren eigenen Gedanken ablenken. Vielleicht, auch wenn ich mich kaum wagte mir das vorzustellen, ging es ihr in gewisser Weise ähnlich wie mir. Immerhin wusste ich, dass meine Geschwister auch nicht sonderlich liebreizend zu ihr waren. Doch sie hatte es gut, sie hatte eine Mutter die sie vor dem schlimmsten bewahren konnte.



      Zacharias Atlas von Havenport

      Als es an der Tür klopfte, glaubte ich zuerst es sei der Händler er endlich eingetroffen war. Doch es war nur Vincent. Wenn man vom Teufel sprach, oder in dem Fall, an ihn dachte. Ich hatte ihn zwar nicht eingelassen, aber ich konnte über manche seiner Aktionen hinweg sehen. Es war nicht so, dass ich ihn misstraute. Im Gegenteil er genoss mein Vertrauen, und vielleicht war ich auch deshalb zu weich mit ihm.
      "Ich würde mich niemals vor meinen Pflichten drücken", meinte ich etwas trocken, vielleicht auch steif. Das bedeutete jedoch nicht, dass ich niemals daran dachte. Weglaufen wäre einfach, und feige. Und das war vielleicht einer der Sachen die ich niemals sein könnte. Wie auch? Das ganze Land verlies sich auf mich, und schon jetzt lagen viele Leben in meiner Hand, die ich beschützen musste. Das konnte ich jedoch nur tun, wenn auch die Arsitrokraten auf meiner Seite waren. Ein Aufstand konnte schnell zum Untergang einer Familie führen... Meiner Familie und meinen Freunden. Aus dem Augenwinkel betrachtete ich Vincent. Er wusste vermutlich mehr als genau, dass viele Leben auf den Spiel standen, wenn ich mich einfach aus den Staub machen würde.
      "Vielleicht ist es besser, wenn sie das tut", meinte ich, und als auch das letzte bisschen so saß wie es sollte, sah ich für einen Moment in en Spiegel. Es war besser wenn ich es kontrollierte. Dabei achtete ich jedoch nur auf die Kleidung, und nicht darauf wie mein Gesicht aussah. Wenn ich es sehen würde, würde ich mich nur darüber ärgern, dass ich zu grimmig drein sah.
      Ein weiteres Mal klopfte es, und dieses Mal konnte es wirklich nur der Händler sein. Leise seufzte ich.
      "Ja, ich habe mir Gedanken gemacht, für ein Geschenk für Lady Liosa. Aber ich bin mir unsicher ob ich Lady Rosalia auch etwas mitbringen soll und wenn ja... was? Es gehört sich nicht wenn man ein Haus mit zwei unverheirateten Töchtern besucht, nur eine zu beschenken. Es sollte aber auch klar werden, dass ich der einen den Hof mache. Ich wollte dich um Rat fragen, du kennst dich in solchen Dingen besser aus", während ich sprach breitete der Händler seine Waren aus und ich begann sie zu betrachten.
      "Diese Kette ist recht hübsch", meinte ich und deutete auf eine mit einen schönen Edelstein als Anhänger. Verziert dass er eine Blume darstellte.
      "Oh, ihr habt ein gutes Auge, eure Hoheit!", begann der Händler und erzählte mir etwas über das Schmuckstück und woher es kam, und wie es gemacht wurde. Nichts das mich grundsätzlich interessierte, es sollte nur demMädchen gefallen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      Die Kutsche hatte sich in Bewegung gesetzt, während Stille zwischen Ava und mir herrschte. Scheinbar kam die junge Frau damit weniger zurecht, als ich und begann direkt ein neues Gespräch. Ihre Frage hatte sie vorsichtig geäußert, fast so, als wüsste sie bereits, dass es sich für eine Zofe nicht ziemte, nach solchen Dingen zu fragen. "Aufgeregt... oder neugierig...?", wiederholte ich ihre Worte, während ich aus dem Fenster blickte, anschließend fixierten meine Augen die ihren. "Er ist Liosas Verlobter. Natürlich habe ich ein Interesse an dem Mann, der meine Schwester zur Frau nehmen soll. Ich möchte, dass für sie gut gesorgt ist. Immerhin ist sie meine Schwester und ich wünsche ihr nur das Beste", lächelte ich Ava lieb entgegen. Seit wann gingen mir Lügen so einfach von den Lippen? Konnte ich das schon immer so gut? Es war wichtig, dass ich von Außen den Eindruck einer liebenden älteren Schwester abgab. Aber wenn ich ehrlich war, würde ich dieses Miststück am liebsten von einer Klippe schmeißen, genauso wie ihren Vater und ihren Bruder. Da ich allerdings nicht vor hatte, meine Zukunft für diese Familie zu verschwenden, würde ich das Haus Rosewind auf -mehr oder weniger- legalen Wegen zu Fall bringen. Als erstes müsste ich dafür Liosas Hochzeit mit dem Kronprinzen verhindern und das ging am besten, indem ich ihn ihr ausspannte oder dafür sorgte, dass es in der feinen Gesellschafft eine heiratswillige Dame, mit einem besseren Hintergrund und mehr Macht als Liosa selbst gab. Ich hatte genügend Möglichkeiten, diese Verlobung zu sabotieren.
      "Ava, es ist wichtig, dass du heute Abend eines der neuen Kleider anziehst, die ich dir heute gekauft habe. Da wir hohen Besuch haben, solltest du dich ebenso rausputzen, wie du es bei mir getan hattest", lächelte ich ihr entgegen. Tatsächlich sollte sie sich das Kleid nur anziehen, um sich von den anderen abzuheben. Zum einen wollte ich, dass der Kronprinz sah, wie viel besser ich mit meinen Hausmädchen umging, als Liosa es tat und zum anderen wollte ich, dass die Mädchen es selbst bemerkten, wie viele Vorteile es ihnen verschaffte, wenn sie für mich arbeiteten.


      Vincent Wardhive

      Ich überlegte kurz bei den Worten meines Freundes. "Ja, vermutlich wäre es besser, wenn du auch Lady Rosalia eine Kleinigkeit schenkst", meinte ich leicht nachdenklich, während ich meinen Daumen und Zeigefinger an mein Kinn legte. Zacharias würde auf jeden Fall einen besseren Eindruck bei der Familie hinterlassen, wenn er das tat. Nicht, dass es ihn interessieren müsste, was die anderen von ihm dachten. Aber es lebte sich doch deutlich besser, wenn man einen guten Ruf hatte. Außerdem schien es ihm schon immer wichtig gewesen zu sein, alle Menschen um sich herum mit Respekt und Anstand zu behandeln, sicher etwas, dass man seiner strengen Erziehung zuschreiben konnte. "Ich habe gehört, dass die ältere Tochter eine große Freude an Blumen empfindet. Angeblich habe sie den Garten des Grafen komplett umgestaltet und für eine angenehmere Atomsphäre gesorgt. Darum sind Einladungen zum Tee im Hause Rosewind wohl recht begehrt bei den Damen, der höheren Gesellschaft", erzählte ich ihm. "Wäre ich also du, würde ich einfach einen schönen Blumenstrauß binden lassen und ihn ihr mitbringen. Es ist kein teures Geschenk, dass Raum für Gerüchte und Spekulationen lässt und gleichzeitig ist es aufmerksam genug und wird Lady Rosalia sicher erfreuen."
      Ich lehnte mich in dem Stuhl zurück, während mein Blick auf die Kette fiel. "Wenn du ihr eine Kette schenkst, wirst du sicher damit konfrontiert, sie ihr anlegen zu müssen. Damit das einfacher funktioniert, musst du dir die Handschuhe ausziehen und je nachdem, was für ein Kleid sie trägt, könnte es zu Hautkontakt kommen. Wenn du kein Problem damit hast, ist alles gut, wenn doch, solltest du ihr vielleicht Ohrringe oder eine Brosche schenken", überlegte ich. "Aber egal wofür du dich entschiedest, du solltest dich beeilen. Wir haben nicht mehr viel Zeit übrig."
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Durch meine Bemerkung doch etwas nervös geworden, blickte ich Rosalia doch an, und als ihr Blick meinen traf, durchfuhr mich ein kleiner Schauder. Das rot ihrer Augen machte mir die Sache noch ein wenig unangenehmer, denn es war vollkommen anders, als die Blicke die ich sonst gewohnt war.
      Ich wollte nichts in diese ganze Situation hinein interpretieren, doch fiel es mir wirklich schwer meine eigenen Gedanken im Zaum zu halten. Mir war durchaus bewusst, wie es in der Familie Rosewind von statten ging, immerhin hatte ich mein ganzes Leben mit ihnen verbracht. Es gab keine klare Erinnerung meiner Kindheit die sich nicht in diesem Anwesen abgespielt hätten.
      Da ich mit meiner Frage nach ihren Interesse ohnehin schon zu weit gegangen war, nickte ich deswegen nur leicht auf ihre Antwort. Es spielte keine Rolle was ich annahm, und vermutlich spielte es auch keine Rolle was sie wirklich denken sollte. Das was sie gesagt hatte, sollte für uns alle an erster Stelle stehen, egal was wer auch immer insgeheimen für Gefühle gegen die anderen hegte.
      Ob Liosa mit einer arrangierten Ehe denn überhaupt glücklich werden konnte? Für sie hatte es niemals etwas anderes gegeben, keine andere Aussicht und darum beneidete ich meine... die junge Dame des Hauses auch nicht. Es war wohl einer der wenigen Vorteile, wenn man unbedeutend geboren wurde, dass man sich doch irgendwie selbst aussuchen konnte, wen man heiratete.
      "Ja, Miss Rosalia."
      Ich wollte mich zwar nicht extra herausputzen, und eigentlich war ich mir auch sehr sicher, das es niemand anders in diesem Haushalt wollte, doch ich konnte schwer noch mehr dazu sagen. Ich hatte mir heute schon genug Widerworte geleistet, und auch meine Ansicht, dass es den Grafen nicht unbedingt gefallen würde, hatte ich mit ihr geteilt. Sie schien für alles eine Begründung zu haben, und ihre Argumente konnte man ihr durchgehen lassen - vor allem weil sie nicht in der Rolle einer Grafentochter geboren war- und doch wusste ich es. Es war egal wie logisch alles wirkte, selbst der Adel war nicht in der Lage seine Gefühle zu unterdrücken. Sie konnten diese überspielen, doch an ihrer Existenz bestand kein Zweifel. Ich kannte meine Familie auch schon lange genug, um selbst die kleinsten Nuancen in ihren Gesichtern und Gesten deuten zu können.
      Diese Fähigkeit sollte ich mir wohl auch bei Rosalia aneignen, denn bisher hatte ich keinen Einblick darüber, wie sie sich wirklich fühlte. Was hinter ihren Worten steckte, denen ich aus reinem Menschenverstand wenig glauben schenken konnte. Es konnte natürlich auch nur sein, dass ich dem Ganzen wenig glauben schenken konnte, da meine eigenen Gefühle mit hinein spielten. Im Zweifel sollte ich ihr doch diesen Zuspruch machen, und zuerst mehr beobachten. Mehr beobachten und weniger reden.
      Die zwanzig Minuten die wir in die Stadt gebraucht hatten, brauchten wir auch wieder zurück und dieses Mal konnte ich Rosalia auch beim Aussteigen behilflich sein.


      Zacharias Atlas von Havenport

      Ich hatte mir schon gedacht, dass es einen besseren Eindruck machen würde. Es war einfach etwas logisches dem man nachgehen musste, dabei hatte ich doch ein wenig meine Zweifel. Man hörte immerhin allerlei von der anderen Tochter, und dabei war nicht viel Gutes. Zudem war sie auch nur angeheiratet. Das machte es mir auch noch einmal schwerer für diese Situation das Richtige auszuwählen.
      "Das klingt nach einer guten Idee", stimmte ich dann dem Blumenstrauß zu, und mit einer Handbewgung forderte ich den Butler auf sich darum zu kümmern. Die Blumen klangen zwar nach einer guten Idee, den Rest den Vincent mir jedoch erzählt hatte, eher weniger. Es klang nach einer Geldverschwendung so viel umbauen zu müssen, aber was taten Eltern nicht alles für das Wohl ihrer Kinder.
      "Dann können wir uns ja auch glücklich schätzen, den Garten heute mit eigenen Augen betrachgten zu können", es war mehr eine Floskel die mir entfloh als eine ernsthafte Bekundung meines Glückes. Das konnte man wohl schon alleine daran ausmachen, dass ich nicht sonderbar begeistert klang. Eher abgelenkt, den ich betrachtete noch weiterhin die Schmuckstücke. Die Entscheidung war noch nicht ganz getroffen, und auf die Aussagen des Händlers legte ich in dem Fall nicht viel Wert. Er wollte seine Ware verkaufen, und das war sein gutes Recht, half mir persönlich aber sehr wenig.
      "Du hast Recht, es könnte falsch verstanden werden."
      Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass man vielleicht darauf bestehen könnte, dass ich ihr die Kette persönlich anlegen sollte. Soetwas war nicht unbedingt mein Aufgabengebiet, weswegen ich es wohl außer acht gelassen hatte. Sowas konnte ich mir leisten, wenn alles etwas weiter vorran geschritten war.
      "Dann werden es eben Ohrringe. Ich nehme diese."
      Das eine Paar sagte mir am ehesten zu, und der Händler begann von deren großen Qualität zu sprechen, und was für besondere Eigenheiten damit verbunden waren. Dass der Goldschmied der sie angefertigt hatte, sehr beliebt war bei den jungen Frauen, und sich kaum vor Bestellungen retten konnte und wie schwer es doch war an solch ein Exemplar zu kommen.
      Kurze Zeit später hatte der Händler den Raum auch schon wieder verlassen, und damit auch das meiste Wissen, dass er mir über diese Ohrringe verraten hatte.
      "Dann können wir bald los. Du musst dir also keine Sorge um die Abreise machen oder irgendwelche Verzögerungen."
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      Ava wagte es sich dieses mal nicht, Widersprüche zu geben, was mich irgendwo erleichterte. Ich hatte keine Lust, wieder mit ihr diskutieren zu müssen, da ich es als Zeitverschwendung ansah. Sie durfte mir zwar ihre Sorgen äußern, aber letztendlich müsste sie doch das tun, was ich ihr sagte. Welch ein Jammer. Hätte die junge Frau eine andere Mutter gehabt, würde ihr Leben nun ganz anders aussehen. Sie wäre Liosa und Elliot ebenbürtig, während sich der ganze Hass der beiden Geschwister nur gegen mich richten würde, doch stattdessen saß Ava in einem Zofenkleid mir gegenüber und musste sich im mein Wohlbefinden kümmern. Ihr Schicksal war aufgrund ihrer Herkunft schon besiegelt, bevor sie das Licht der Welt erblicken durfte. Schicksal...? So ein Schwachsinn. Ich glaubte weder an das Schicksal, noch an Zufälle. Ava hätte die Möglichkeit, dem Grafen und seiner furchtbaren Familie zu entkommen, doch irgendetwas schien sie daran zu hindern. Vermutlich war es die Angst vor Bestrafung oder Ablehnung, aber ganz sicher konnte ich mir da noch nicht sein. Vielleicht hatte die Blondhaarige es noch nicht einmal in Betracht gezogen, sich aus dem Staub zu machen und sich auf die Suche nach ihrem eigenen Glück zu gehen. Was auch immer sie davon abhielt, mir sollte es recht sein. Sie könnte eine starke Verbündete im Kampf gegen das Haus Rosewind werden und sie würde mir in Zukunft sicher noch nützlich sein. Doch vorerst müsste ich mich erst mal auf das Eintreffen des Kronprinzen konzentrieren. Es wäre das erste Mal, dass wir beide aufeinander trafen und ich müsste einen guten Eindruck hinterlassen. Ich musste ihn irgendwie davon überzeugen, dass Liosa nicht die war, für die sie sich ausgab und dass sie der Krone gefährlich werden könnte. Wer wollte schon jemanden zur Frau nehmen, der nur für Ärger und Skandale sorgte? Aufgrund meiner Herkunft glaubte ich nicht, dass er sich stattdessen für mich entscheiden würde, aber solange er jemand anderes als Liosa heiratete, sollte mir alles recht sein. Ich freute mich schon auf den Gesichtsausdruck dieses Miststücks, wenn der Prinz die Heirat annullierte und sie ihr Gesicht innerhalb der feinen Gesellschaft verlor. Sie würde leiden und ich wäre der Grund dafür.
      Die Fahrt war schneller vorbei als erwartet. Ich nahm Avas Hilfe an und stieg aus der Kutsche. Gemeinsam gingen wir zurück in mein Zimmer, wo ich Ava meinen Mantel gab, damit sie diesen wegräumen konnte. "Du bist fürs erste entlassen. Geh und mach dich für die Ankunft des Kronprinzen fertig", meinte ich, nachdem ich mich auf dem Sofa im Zimmer niedergelassen hatte und das Buch nahm, welches auf dem Tisch vor der Couch lag.


      Vincent Wardhive

      Er wirkte etwas abgelenkt, weshalb ich Zacharias Aussage bezüglich des Gartens nicht wirklich ernst nahm. Er hatte sich noch nie groß für Reichtümer interessiert. Auch nicht weiter verwunderlich wenn man bedachte, dass er mit einem Goldlöffel im Mund geboren wurde. Niemand in diesem Königreich war reicher als die Königsfamilie und nach all den Jahren, die er in Wohlstand gelebt hatte, hatte er sich an diesen Dingen vermutlich längst satt gesehen. Juwelen, teure Kleidung, Geld und all das was dazu gehörte, war nichts besonderes mehr, wenn man diese Besitztümer in hohen Mengen besaß. Darum glaubte ich, dass kaum einer Zacharias ein gutes Geschenk machen könnte. Immerhin besaß der Prinz alles, was man sich wünschen könnte. Zumindest materiell gesehen. Niemand konnte hinter Zacharias Fassade sehen. Er war nie der Typ Mensch, der groß viele Emotionen zeigte, daher war es auch so schwierig, ihn zu lesen. Niemand wusste, was er sich wünschte oder was er verabscheute. Dazu kam noch, dass er so gut wie nie über sich sprach. Eins stand fest: Lady Liosa würde ein Leben in Wohlstand leben, mit einem Mann an ihrer Seite, der sie vermutlich niemals so lieben würde, wie sich ein so junges Mädchen es wünschen würde. Sie war 16 Jahre alt, fast 17 und sobald sie 18 wurde, würden die beiden heiraten. Es würde also nicht mehr lange bis zur Hochzeit dauern. Ein Jahr und ein paar Monate, wenns hoch kam. Hoffentlich hätte sie bis dahin gelernt, was es wirklich bedeutete, die Frau eines Königs zu sein. Bisher hatte ich nichts von ihr gehört, dass sie großartig von den anderen Nobeldamen unterschied, mal abgesehen von ihrer Herkunft. Sie gehörte zu den einflussreichsten Familien dieses Landes, aber das wars dann auch schon. Doch vielleicht tat ich ihr unrecht und sie war in Wirklichkeit viel klüger und einsichtiger, als die meisten Mädchen in ihrem Alter.
      "Gut, dann können wir ja endlich los", meinte ich und erhob mich von meinem Stuhl. Ich nahm Zacharias die Geschenke ab und wir gingen gemeinsam zur Kutsche, die bereits auf uns beide wartete. Ich hielt meinem Kindheitsfreund die Tür auf und ließ ihn einstiegen, ehe ich ebenso in der Kutsche platznahm und dem Fahrer ein Zeichen gab, los zu fahren.
      "Was glaubt du, was dich dort erwarten wird?", fragte ich den Prinzen nach einer Weile. "Was denkst du, wie Lady Liosa so ist?"
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Ava

      Während wir durch das Anwesen liefen, in Richtung Rosalias Zimmer, kam ich kaum umhin zu bemerken, dass die meisten Vorkehrungen bis jetzt getroffen waren. Ein schlechtes Gewissen beschlich mich, da ich nicht wirklich geholfen hatte. Es war ein seltsames Pflichgefühl das mich ergriff, immerhin war das hier das was meinem Zuhause am nähesten kam, und es sollte meine Aufgabe sein es für so hohen Besuch hübsch zu machen.
      Im Geiste tadelte ich mich dafür selbst, es war eigentlich nur meine Plficht zu gehorchen, und das hatte ich auch getan. Ich brauchte kein schlechtes Gewissen haben. Und egal was die oberste Zofe oder der Butler sagen würden, das würde erst passieren wenn der Prinz wieder fort war. Bis dahin war ich in einer kleiner sicheren Blase in der es den anderen schwer fallen würde mich irgendeiner Bestrafung auszusetzten.
      Rosalia reichte mir dann ihren Mantel den ich auch gewissenhaft versorgte. Es war etwas das ich vermutlich schon automatisch tat. Ich wollte gar nicht erst, dass irgendetwas vernachlässigt werden könnte. Der Gedanke grauste mir.
      "Wenn ihr nichts mehr braucht, sehr gerne, Miss Rosalia."
      Noch immer zauderte ich, ich wollte wirklich nicht unangenehm auffallen. Dabei ging es nicht einmal besonders um unseren Besuch, sondern viel mehr um den Haushalt.
      "Miss? Es tut mir leid Sie noch einmal behelligen zu müssen, aber soll ich schon mit dem Umzug in das andere Zimmer beginnen?"
      Ich hatte zwar nicht viele Dinge, aber ein paar Gegenstände konnte ich dennoch mein Eigen nennen. Es war mir auch nie so wichtig gewesen, mir viele Dinge anzueignen, immerhin hatte ich hier Zugang zu all den Dingen die ich benötigte.



      Zacharias Atlas von Havenport


      Es war immer wieder eine angenehme Überraschung das alles so scheinbar mühelos von statten ging. Egal wie viel zu früh oder zu spät ich unterwegs war, alles wartete bereits auf mich. Alles war vorbereitet und lief wie am Schnürrchen. Das war eine der Sachen, weswegen ich auf meine Gefolge recht stolz war. Ich konnte nur annehmen, das es bei anderen Adeligen nicht ganz so ablief, nicht ganz so perfekt wie es das hier tat. Die Güteklasse eines Angestellten im königlischen Schlosse konnte man auch nur schwer überbieten.
      Für mich bestand demnach auch kein Zweifel, dass ich den Bediensteten einmal wieder eine Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte. Kuchen für alle oder eine dieser Kleinigkeiten.
      Ich machte es mir in der Kutsche so gemütlich wie es ging. Es war für mich immer etwas schwer in einer Kutsche Ruhe zu finden, da es nicht mehr in meiner Macht lag wie die Fahrt verlief. Wenn ich selbst Ausritt hatte ich zumindest alles unter Kontrolle und konnte Unanehmlichkeiten eher abschätzen.
      "Eine Freundliche Begrüßung wird mich dort erwarten. Ich hoffe sehr dass sie angemessen ist, und die Rosewinds nicht übertreiben."
      Eine Übertreibung wär mir wirklich unangenehm, vor allem wenn man betrachtete weswegen ich überhaupt dort hin fuhr. Der Grund meines Besuches war nämlich mehr ein Auftrag der Königin.
      "Ich möchte mir keine Meinung über Lady Liosa erlauben, solange ich sie noch nicht kenne. Ich habe nicht viele Geschichten von ihr gehört, aber in den meisten wird sie als angenehme junge Dame beschrieben."
      Das ich gewisse Erwartungen und Hoffnungen hatte war natürlich etwas ganz anderes. Ich hoffte, dass sie erwachsener für ihr Alter war, als manch Andere. Auch hoffte ich sehr dass man an ihrer Bildung nicht gegeizt hatte, und sich auch ansonsten eine höhere Intelligenz durchsetzte. Aber wie sie wirklich war, das konnte ich nicht wissen.
      "Hast du etwa etwas gehört?", fragte ich dann etwas misstraurisch nach. Ansonsten konnte ich mir die Frage nicht ganz erklären.






      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Rosalia Rosewind

      Ich sah von dem Buch auf, als ich Avas Frage hörte. "Ja, du kannst gerne schon beginnen. Achte darauf, dass du dich nicht verletzt", meinte ich und warf ihr ein Lächeln zu, ehe sich mein Augenmerk wieder auf das Buch in meinen Händen legte. Ich wollte die kurze Ruhephase damit verbringen, ein wenig runter zu kommen und mir Pläne für den heutigen Abend zurechtzulegen. Ich dürfte dem Prinzen nicht unangenehm auffallen, dass würde ihn nur weiter in die Arme von Liosa treiben. Außerdem konnte ich es mir nicht erlauben, einen solch mächtigen Feind wie die Kaiserfamilie zu haben. Das könnte meinen Tod bedeuten. Es waren schon mehr als genug Leute über meine bloße Existenz empört, da sollte ich ihnen nicht noch mehr Gründe geben, mich zu hassen. Es war schon schwierig genug, die beiden Geschwister des Hauses unter Kontrolle zu halten.
      Es vergingen zwei Stunden, als plötzlich die Tür zu meinem Zimmer aufgerissen wurde. Ich sah von meinem Buch auf und erblickte das aufgeregte Gesicht meiner Mutter. "Rosa, beeil dich! Die Kutsche des Kronprinzen ist gerade vorgefahren!", sagte sie stürmisch. Ich seufzte leise und nickte, ehe ich das Buch über Finanzen und Wirtschaft beiseite legte und mich von meinem Platz erhob. Ich folgte meiner Mutter aus dem Raum und wir gingen gemeinsam die große Treppe hinunter in die Eingangshalle. Allerdings blieben wir nicht dort sondern gingen direkt hinaus auf den Hof, um den Kronprinzen zu begrüßen, immerhin war er kein einfacher Gast. Der Graf stand ganz vorne, während meine Mutter und meine Stiefgeschwister hinter ihm in einer Reihe standen. Alle Bediensteten des Hauses versammelten sich in der Eingangshalle und standen sich in zwei Reihen gegenüber, auch Ava würde dort ihren Platz finden, immerhin wurde der Auftakt Wochenlang geübt, um sicher zu stellen, dass auch alles reibungslos verlief. Hoffentlich verlief der heutige Abend ohne größere Probleme.


      Vincent Wardhive

      "Wie könnten sie nicht übertreiben? Immerhin besucht sie niemand geringeres als der Kronprinz", rief ich ihm ins Gedächtnis. Manchmal hatte der Kerl die Bescheidenheit eines Bürgerlichen. Es war zwar nichts falsch daran, bescheiden zu sein, aber hin und wieder dürfte auch Zacharias sich seinem Wert bewusst werden. Außerdem sollte er nicht die Macht und den Einfluss unterschätzen, den er besaß. Das würde nur schief gehen. "Das ehrt dich, aber du solltest dich trotzdem ein wenig über die Frau informieren, die in Zukunft an deiner Seite sein wird und dir mit den Entscheidungen bezüglich des Königreiches beiseite steht. Sie wird eine sehr wichtige Position übernehmen. Man kann zwar viele Dinge lernen, aber es vereinfacht doch einiges, wenn man jemanden zur Seite gestellt bekommt, der die richtige Einstellung hat", rief ich ihm ins Gedächtnis. Doch als Zacharias mich dann fragte, ob ich andere Dinge über Lady Liosa gehört hätte, schüttelte ich den Kopf. "Nicht wirklich. Es gehen einige Gerüchte um, dass sie von ihrer Stiefschwester gequält wird, allerdings glaube ich nicht, dass da viel dran ist. Lady Rosalia hat mit vielen Gerüchten zu kämpfen, die mit ihrer Person zu tun haben, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die alle wahr sein sollen", meinte ich leicht nachdenklich. Immerhin hatte sie nun ein deutlich komfortableres Leben als zuvor, warum sollte sie all dies also riskieren, nur um ihre jüngere Stiefschwester zu schicksanieren? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie so dumm war.

      Nach fast zwei Stunden kamen wir endlich an dem Anwesen des Hauses an. Als die Kutsche zum Stehen kam, öffnete der Kutschfahrer die Tür und half Zacharias als erstes hinaus, ehe auch ich den Wagen verließ. Ich stellte mich hinter meinen Herren und begutachtete die Familie Rosewind, die sich die Mühe gemacht hatte, uns bereits draußen zu empfangen. Der Graf ging direkt auf Zacharias zu und schüttelte ihm die Hand. "Eure Majestät, es ist und eine Ehre, Euch in dem Haus Rosewind begrüßen zu dürfen", begrüßte er ihn, während sich der Rest der Familie verbeugte oder einen Knicks machte. Dabei wanderte mein Blick besonders zwischen Rosalia und Liosa hin und her. Das dürfte sicherlich noch interessant werden.
      Ich unterdrückte ein kleines Grinsen, ehe sich mein Blick wieder auf den Grafen richtete. "Ich hoffe Ihr hattet eine angenehme Fahrt?", fragte er ihn. "Wir sollten in den Garten gehen, die Dienstmädchen haben bereits etwas zum Speisen angerichtet, damit Ihr Euch von der Fahrt erholen könnt."
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • Zacharias Atlas von Havenport


      Ein leichtes Lächeln schlich sich auf meine Lippen.
      "Ich sagte übertreiben, nicht dass sie mich nicht meines Standes gemäß behandeln."
      Ich machte mir wirklich mehr Sorgen darum, dass sie wirklich übertrieben, weil sie mich beeindrucken wollten. Mit Geld Protzen das an anderen Ecken besser eingesetzt werden könnte. Der Wirtschaft so zuführen, das es gut investiert war, war nur eine der wenigen Dinge die sinnvoller wären, denn wenn Zacherias ein Band mit dieser Familie schloss, wäre es vorteilhaft, wenn sie eben über diese Vorteile verfügten. Es würde am Ende ein besseres Bild abgeben. Eine starke Verbindung um Aufstände in naher Zukunft auf Eis zu legen, weil die Aristrokraten sich dachten, dass auch sie auf einer ebene mit der royalen Familie stehen könnten. Und das wäre nur der Fall wenn sie über die selben Mittel verfügten. Deswegen stand auch Liosa als seine Verlobte fest, und nicht die Tochter eines Herzoges, ob aus unseren oder einen anderen Land. Die Rosewinds kamen dem Einfluss der royalen Familie noch am nähesten.
      Die andere Sache die man mit dem Geld tun könnte, wäre es für wohltätige Zwecke zu verwenden. Nicht nur um ein gutes Bild dem Volk gegenüber zu wahren, sondern auch weil es die Pflicht eines jeden Adeligen war, den weniger Glücklichen zu helfen. Förderer zu sein. Neben der ganzen Prestige Sache, war mir das wohl meines Volkes tatsächlich wichtig. Mir war durchaus bewusst, dass ich ohne meine Untertanen bestimmt nicht dort wäre, wo ich gerade war.
      "Ich weiß das wichtigste über sie. Ich kenne ihren Stammbaum, und habe ein Potrait von ihr gesehen. Den Berichten nach gibt es auch keine unangenehmen Auffälligkeiten. Und für den Rest... nun dafür ist doch dieser Besuch gedacht, nicht? Noch ist nichts offiziell, selbst wenn es schon lange geplant ist."
      Es war immer ungünstig sich ein Bild über andere Menschen zu machen, über das hörensagen. Das meiste waren am Ende des Tages dennoch nur Gerüchte. Und Gerüchte konnten so schnell in Umlauf geraten, und bekamen dann Ausmaße, und hielten sich hartnäckig wie Unkraut. Deswegen war es mir auch so wichtig, dass ich jederzeit ein gutes Auftreten hatte. Ich wollte mich erst gar nicht damit herum schlagen, gegen so eine Art Aufruhr anzutreten.
      "Wir werden ja sehen was an dem Ganzen dran ist. Obwohl es sicherlich schwierig wird das ganze zu beurteilen von nur einem Treffen. Vielleicht...", mir fiel es wirklich schwer das ganze überhaupt auszusprechen, und dass ich in der Lage war über soetwas nachzudenken, erschreckte mich ein wenig, "... sollten wir jemanden in die Dienerschaft einschleußen. Ich möchte niemanden an meiner Seite haben der vom zweifelhaften Charakter ist, oder dessen Familie dem Reich am Ende noch zum Verhängnis werden könnte. Es ist eine Sache was die Adeligen machen, wenn sie keinen engen Kontakt zu meiner Familie haben, aber etwas anderes wenn man diese kaum noch erwähnen kann ohne auch die royale Familie damit in Verbindung zu bringen."
      Ich versuchte mich zu rechtfertigen, auch wenn ich dies gar nicht müsste. Vielleicht tat ich es auch nur, weil ich Vincent schon so lange kannte und erst gar keine Einwende oder Hinterfragungen meines Charakters hören wollte. Meine Mutter verlangte das hier von mir, und am Ende würde es mir nur helfen in der Zukunft ein besserer König zu werden. Außerdem hinterlies es in mir das Gefühl, dass ich über diese Situation etwas mehr Kontrolle hätte.

      Die Fahrt - die auch wenn ich nicht ganz zu Ruhe kam, sehr angenehm war- nahm sein Ende, und gegen meiner Erwartung war ich nicht wirklich nervös oder aufgeregt. Ich hätte es sein sollen in anbetracht der Tatsache, dass ich meine Verlobte heute wirklich kennenlernen würde. Die Frau die ich heiraten sollte. Auch als Prinz kam man schwer um die ganzen Klischees herum die eine Heirat betrafen, selbst wenn es für mich eine ganz andere Grundlage hatte als für jeden anderen. Man konnte sich wünschen in seine Frau verliebt zu sein, doch es gab keine Garantie. Andere Faktoren waren wichtiger.
      Es war also eher ernüchternd für mich, als ich aus der Kutsche ausstieg, und mein erster Blick auf die Familie viel, und der zweite genauere Blick dann auf Liosa. Ich hatte mehr erwartet. Nicht von ihr, aber von dem was ich eigentlich hätte fühlen sollen.
      "Ich bin höchst erfreut euch diesen Besuch abstatten zu können, Graf Rosewind", erwiderte ich dann gelassen seine Begrüßung. Es war für ihn mit Sicherheit eine große Ehre, und auch für den Rest seiner Familie. Es kam immerhin nicht sehr häufg vor, dass ich solche Besuche tätigte. Die ganzen Floskeln die dabei entstanden langweilten mich auch eher, was gut dazu geführt haben könnte, dass ich bei dem ganzen nicht so leicht beeindruckt werden konnte.
      "Eine sehr angenehme Fahrt, eine kleine Erfrischung wäre dennoch sehr erfreulich. Es ist egal wie angenehm solche Fahrten sind, am Ende braucht man doch immer eine kleine Stärkung", ergab ich mich dann den ganzen Höflichkeiten. Die Geschenke die ich dabei hatte, konnte ich auch noch darbieten, sobald wir uns alle hingesetzt hatten. Das ich welche dabei hatte stand ohnehin außer Frage.
      Ich trat dann am Grafen vorbei zu seiner Familie, um auch diese einzeln zu begrüßen, angefangen bei seiner Frau, weiter zu seinem Sohn und seiner Tochter und dann seiner Stieftochter. Wobei ich extra ein wenig länger bei Liosa verbrachte. Es galt dem Anstand. Dann lies ich mich sehr gerne in den Garten führen.



      Ava

      Ich nickte leicht, auch wenn Rosalia schon nicht mehr zu mir blickte. Es war nun wirklichnicht so, dass ich mich schnell verletzte. Im Gegenteil, an Unfällen im Haushalt selbst, hatte ich mich bisher noch nie verletzt. Vielleicht war ich wirklich geboren worden, um als Dienstmädchen zu agieren. Das Glück in der Hinsicht war mir zumindest hold.
      Ich drehte mich dann um und schloss die Türe leise hinter mir. Ich wollte Rosalia ungerne noch einmal davon abhalten ihr Buch weiter zu lesen. Auch wenn ich nicht ganz wusste, wozu sie das Wissen benötigte. Sie würde es wohl eher nicht anwenden können, aber vielleicht hatten wir etwas gemeinsam. Dass sie sich für diese Familie einfach soweit bilden wollte, wie sie konnte. Wobei sie wohl mehr bedacht auf diese praktischen Dinge legte.
      Der Weg zu meinem Zimmer, von dem Rosalias aus, war wirklich keine ungemein kurze Strecke. Es gab bestimmt einen Vorteil, wenn ich ein anderes Zimmer bezog, es war eine gewaltige Ersparnis der Zeit. Fürs erste packte ich nur meine Dinge in ein paar Kisten, darauf bedacht, erst einmal nur das wichtigste in mein neues Zimmer zu bringen. Vor allem das was ich brauchte um mich zurecht zu machen. Den Rest konnte ich nachher noch erledigen, und auch dann wenn der Prinz sich wieder verabschiedet hatte. Bis dahin hatte ich sicherlich auch die Courage zusammen gebracht, die es benötigte mich der obersten Zofe zu stellen, und dem Butler. Im Moment wurde mir bei dem Gedanken noch ganz anders, und eigentlich zweifelte ich an, dass es sich ändern würde.
      Einen Teil der Zeit bis der Prinz eintraf verbrachte ich also mit gewissen Vorbereitungen für den Umzug, und die andere Zeit damit, mich zu richten. Dabei wollte ich auf keinen Fall zu viel tun. Ich frischte meine Firsur etwas auf, gab mir ein wenig mehr mühe damit, und als die Kleider ihren Weg zu mir fanden, zog ich eines davon über. In meinen neuen Zimmer gab es auch einen Spiegel und ich kam kaum davon, nicht etwas hinein zu starren. Ich hatte noch nie so etwas schönes angehabt, und auch wenn ich es bewunderte und bewunderte wie es an mir aussah, fühlte ich mich wirklich unwohl. Ich konnte jetzt schon kaum den Gedanken daran ertragen, wie mich die anderen ansehen würden, weswegen ich es so lange hinauszögerte das Zimmer zu verlassen. Selbst wenn das bedeutete, dass ich nicht bei den letzten Vorbereitungen helfen konnte. Heute war das auch gar nicht meine Aufgabe, versuchte ich mich zu beruhigen.

      Als der Prinz dann eintraf, und sich alle versammeln sollten, kam ich diesen natürlich nach. Und die Blicke der anderen waren noch schlimmer als ich es erwartet hatte. Das Getuschel was hiernach herrschen würde, konnte ich mir kaum vorstellen, ich war nur froh darüber das im Moment keiner Zeit hatte, es wirklich zu tun. Die Aufregung wegen des Kronprinzen war einfach zu groß, für jeden der Anwesenden, denn man bekam ihn eher selten zu Gesicht. Es hieß er war ein sehr beschäftigter und ehrgeiziger junger Mann.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "