Per aspera ad astra [Din & Aiden]

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    • Per aspera ad astra [Din & Aiden]

      PER ASPERA AD ASTRA



      Ide

      Der Morgen war grau, und als Ide die Fenster zum lüften öffnete, konnte man den drohenden Regen schon riechen. Ide sehnte sich wirklich in den Sommer zurück, in dem sie sich keine Sorgen machen musste, ob sie das Geld das ihnen zu verfügung stand, lieber für Holz oder für Nahrung ausgeben sollte. Nur sehr ungerne erinnerte sich das junge Mädchen an den Winter vor zwei Jahren, in dem es sich vorne und hinten nicht ausgehen wollte. Um die Gänsehaut zu vertreiben, die sich bei dem Gedanken auf ihren Armen bildete, strich sie sich darüber.
      Für ein paar Momente starrte Ide noch aus dem Fenster, in der Hoffnung, dass sie ihren Bruder vielleicht entdecken würde. Es war einer dieser Nächte gewesen, in denen er nicht nachhause gekommen war, und sie ihren Abend mit ihren Vermieter hatte verbringen müssen. Und auch wenn dies im ersten Moment vielleicht selbstsüchtig wirken mochte, wünschte sie sich wirklich, dass ihr Bruder bald zuhause sein würde. Umso weniger Zeit musste sie mit diesen unangenehmen Personen kümmern.
      Der zweite Gedanke den Ide hatte, was ihren Bruder betraf, war es, dass sie hoffte das er sich nichts getan hatte. In ihren Gedanken war er einfach sehr tollpatschig, auch wenn ihr recht bewusst war, das seine Verletzungen sicherlich nicht alle daher rühren konnten. Es war unwahrscheinlich, und auch ihre Ohren waren nicht taub gegen all die Gerüchte, die es gegen Hexer gab. Ide hatte schon viele Dinge gehört, und eines schlimmer als das andere, doch sie konnte es einfach nicht glauben. Immerhin war Idrees ein Hexer, und sie kannte ihren Bruder zu gut, als dass sie glauben könnte, das auch er so schlimme Dinge tun könnte. Menschen und Tiere opfern, sich selbst verstümmeln, Dämonen anbeten, und Wälderabfackeln. Das alles klang nach Dingen, die ihr Bruder so niemals tun würde. Wie sollte ein Mann auch so etwas tun können, wenn er ein Kind ihr halbes Leben lang großgezogen hatte? Idrees hatte sich immer so gut um Ide gekümmert, und sich immer die größte Mühe gegeben, dass es ihnen beiden gut ging.
      Ide wurde erst wieder aus ihren Gedanken gerissen, als ihre Katze ihren Kopf gegen ihre Beine stieß. Ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Idrees hatte sie ihr geschenkt. Kurz kniete sie sich zu der Katze herunter und streichelte sie so lange, bis sie begann zu schnurren. "Niemand der böse ist könnte so eine liebe Katze nachhause bringen", murmelte sie dann, bevor sie sich wieder aufrichtete. Sie hatte noch einiges zu tun, vor allem falls ihr Bruder heute Abend, oder hoffentlich früher, nachhause kam.
      Zunächst kümmerte Ide sich darum, dass das Bettzeug frisch ausgeschüttelt war, dann musste gefegt werden, und das Feuer zündete sie schon einmal an. Dann würde es heute Nachmittag schön warm sein, und Abends nicht zu kalt. Falls ihr Bruder nachhause kam, konnte sie das Feuer dann noch einmal nachschürren. Etwas vom gestrigen Essen war auch noch übrig, also musste Ide sich darum erst einmal keinen Kopf machen. Aber Ide machte sich dennoch einen Kopf. Essen von Gestern war nicht gut genug für ihren Bruder. Es war besser, wenn sie einkaufen ging, dann konnte sie ihm später etwas besseres machen. Und vielleicht bekam sie noch etwas Kuchen für ihn? Und Mehl, Mehl wäre wundervoll. Wenn sie genug Mehl hatte, konnte sie über den Winter selbst backen, und sie musste nicht das teure Brot kaufen. Aber Mehl war immer so schnell ausverkauft, es war nicht einfach daran zu kommen.
      Leise seufzte Ide dann, bevor sie sich ihren Korb schnappte. Einen versuch war es wert, immerhin konnte sie so oder so nichts damit verlieren. Noch einmal winkte sie ihrer Katze zu, und machte sich dann schnell auf den Weg, vergaß dabei sich selbt aber wärmer anzuziehen. Da konnte Ide am Ende des Tages nur froh sein, dass sie sich nicht so schnell erkältete wie manch anderer.


      Dorian

      Dorian hätte eigentlich viel zu tun gehabt, doch seine Routine störte ihn sich direkt an seine Arbeit zu setzten. Immerhin hatte er Besuch, und musste dabei ein gewisses Bild waren. Nicht nur was sein Aussehen anging, das ohnehin immer perfekt war, egal wie sehr er sich vorbereitete oder nicht. Nein, alles musste perfekt sein.
      Deswegen war Dorian strenger was seine Bediensteten anging, und er war strenger was seinen kleinen Bruder anging. Auch wenn er diesen nicht unbedingt als einen echten Verwandten ansah. Nicht mit so einer Mutter. Allein der Gedanke an ihn nervte Dorian, so sehr, dass sich seine Laune etwas verschlechterte.
      Er saß nun bereits am Frühstückstisch, der reichlich gedeckt war. Extra um den Reichtum zu demonstrieren, denn Dorian in Laufe der letzten Jahre für seinen Vater, und in einigen Jahren auch für sich selbst, angehäuft hatte. Einen Reichtum den die Schlampe seines Vaters immer zu gerne ausgab. Sobald sein vater Tod war, würde er sie verteiben. Selbst wenn Remy etwas erben sollte, er würde sie ausweiden lassen, dass sie am Ende nichts mehr hatten, und sich wünschten niemals geboren zu werden.
      Dorians Augen funkelten vor Zorn, das selbst die Mägde sich abwenden mussten. Sie schienen sehr schnell in Angst zu geraten, noch schneller seitdem Dorian einen Hexer beschäftigte. Die Gerüchte die es um diese Leute gab, verliehen denjenigen die einen anstellten noch mehr Furcht. Und noch mehr Macht. Sein Einfluss hatte dadurch erheblich zu genommen, und der Blonde konnte nicht behaupten, dass er keinen Gefallen daran fand.
      "Tee", verlangte er dann, und eine der Dienstmägde, mit zitternden Händen, schenkte ihn einen frischen Tee ein, der leicht dampfte. Unwillkürlich musste Dorian etwas lächeln. Es war schön, wenn die Leute unter ihn den nötigen Respekt so offen zeigten.


      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Remy
      Wenn sie Besuch hatten, musste Remy sich wenigstens einmal kurz sehen lassen. Egal, wie wenig ihm selbst oder allen anderen Anwesenden eigentlich der Sinn danach stand. Manchmal war sich Remy fast unsicher, ob sein Vater überhaupt ganz genau wusste, wer er eigentlich war.
      Seine Kleidung war dunkelgrün und schwarz, und um den Hals trug der Junge eine Kette mit dem Emblem der Religion, welcher die meisten Bewohner des Landes angehörten, genau wie sein Lehrer. Einigermaßen schlicht, zumindest für Remys Verhältnisse. Bevor er den Raum betrat, strich er sich die Kleidung glatt und zupfte sich den Kragen etwas zurecht.
      „Entschuldigt, ich bin etwas verspätet, wie mir scheint...habt ihr schon lange angefangen? Vater, Mutter, ich freue mich, euch hier begrüßen zu dürfen. Guten Morgen, Dorian.“
      Seine Mutter winkte Remy mit einer Handbewegung zu sich, und als er zu ihr trat, streichelte sie ihm für einen Augenblick mit ihrer Hand über die Wange. Manchmal behandelte sie ihn noch wie ein wirklich kleines Kind, und was sein Bruder davon hielt, darüber dachte er lieber nicht genau nach.
      Trotzdem konnte Remy nicht umhin, zu lächeln. In letzter Zeit benutzte seine Mutter immer Puder, der etwas zu hell für ihre Gesichtsfarbe war, was sie etwas geisterhaft und fast kränklich wirken ließ. Aber trotzdem war sie eine sehr schöne Frau. Vom Frühstück hatte sie scheinbar wenig angerührt. Doch natürlich sprach er sie nicht darauf an. Seine Freude sie zu sehen wurde getrübt davon, dass sie beim Essen niemals frei reden konnten, und wahrscheinlich würde er von ihrem Besuch überhaupt nichts haben, wenn er den gesamten Morgen bis zum Abend in einer stickigen Kammer sitzen und lernen musste.
      „Wir haben noch nicht lange angefangen. Komm, willst du dich nicht noch etwas zu uns setzen?“, erwiderte seine Mutter mit einem sanften Lächeln, und Remy hätte fast den Kopf geschüttelt, konnte sich aber dann noch zurückhalten.
      Er hatte nicht viel Interesse, länger zu bleiben, und trotz des gut gedeckten Tisches hatte er auch wenig Hunger. Es gab ihm nur noch mehr Chancen, sich in den Augen seines Bruders daneben zu benehmen, so sah er das zumindest. Als ob man genussvoll essen konnte, wenn jemand dabei war, der konstant wirkte, als ob er einen am liebsten erwürgen würde. Da blieb einem doch jeder Bissen im Hals stecken. Lieber würde Remy sich auf dem Weg etwas auf dem Markt kaufen. Selbst ein Stück altes Brot bei seinem unheimlichen Lehrer schien verlockender als dieses Familienessen.
      Unschlüssig blieb er neben seinem Stuhl stehen, ohne sich zu setzen. Remy legte die Hand auf die Lehne, als wollte ihr ihn zurückziehen, aber sah stattdessen fragend zu Dorian. „Wie ihr wisst, beginnt mein Unterricht recht früh. Gern würde ich noch etwas bleiben, jedoch will ich meinen Lehrer auch ungern warten lassen, und der Weg ist nicht gerade kurz...“, sagte Remy und seufzte.
    • Dorian

      Für einige Minuten konnte Dorian etwas Ruhe genießen bevor er die Gesichter seiner Eltern ertragen musste. Das seines Vaters konnte er vielleicht noch hinnehmen, aber dieses dreckige Miststück, dass sein Vater hatte heiraten müssen. Und dennoch musste er gute Miene zum bösen Spiel machen. Ein wenig oberflächliche Konversation führen, die Diener ihre Zeit damit verschwenden lassen, das es ihnen gut ging... Was tat man nicht alles dafür, um das Erbe seines Vaters antreten zu können. Er wünschte wirklich, dass er es nicht tun müsste, aber sein Vater legte auf sowas nunmal einen besonderen Wert.
      Als dann auch noch sein ... Halbbruder eintraf war die Tragodie komplett. Damit er ihn nicht grüßen musste, nahm er einen Schluck Tee. Auch wenn dieser schon nicht mehr so heiß war, wie er eigentlich hätte sein sollen. Mit einen wink lies er dann neuen Tee aufsetzten.
      Nur ungerne sah er zu Remy als dieser begann zu sprechen.
      "Du musst nicht laufen, ich habe die Kutsche herrichten lassen. Setzt dich."
      Seinetwegen sollte er am Frühstück ertsicken. Die Kutsche schenkte ihm ganze zehn Minuten in denen er sich um die Gesellschaft seiner Mutter bemühen konnte. Es waren zehn Minuten in denen er nicht mit ihr reden musste. Sie war wirklich anstrengend und konnte ihren Mund einfach nicht halten. Alleine wie sie sich benahm, und das vor den Bediensteten. Dorian wurde deswegen schlecht, weswegen er schon nichts Essen konnte und sich so auf seinen Tee fixierte. Vielleicht konnte das noch etwas retten...
      Zu Mittag würde er einfach vortäuschen keine Zeit zu haben, zugedeckt mit arbeit zu sein. Es wäre nur eine halbe Lüge, und dennoch konnte etwas schief gehen.
      "Vater wollte wissen, wie es mit deiner Ausbildung läuft", gab er Remy dann ein Thema vor, über das er reden sollte. Nerviges Geschwätz, über seine liebsten Klamotten mit seiner Mutter, das konnte Dorian sicherlich nicht ertragen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Remy:
      „Wie überaus aufmerksam von euch.“
      Eigentlich sollten Geschwister nicht so eine distanzierte Beziehung haben, zumindest kannte er wenig Menschen, die ihre älteren Brüder siezen mussten. Dieses scheußliche Mädchen, welches bei seinem Lehrer im Haus wohnte, siezte ihren beispielsweise nicht. Remy war nicht unbedingt neidisch darauf, aber es war wohl zugegebenermaßen sehr viel angenehmer im Leben, wenn der eigene Bruder nicht so ein rachsüchtiger, pedantischer Mistkerl war.
      Remy setzte sich widerwillig, denn nun hatte er keine gute Ausrede mehr.
      „Mein Lehrer sagt, ich mache gute Fortschritte und lerne angemessen schnell. Bald können wir mit einer neuen Lektion anfangen, wenn ich mich weiter anstrenge. Vielleicht können wir sogar heute beginnen.“
      Es war schwer für ihn, nicht stolz darauf zu sein, auch wenn er wusste, dass Dorian es nie gerne hörte, wenn es ihm etwas zu gut gelang. Vielleicht sollte er noch etwas hinzufügen, damit es nicht ganz nach Selbstbeweihräucherung klang. „Aber es ist noch ein weiter Weg, bis ich alles gelernt habe, was er mir beibringen kann. Er ist ein sehr gelehrter Mann, der schon viele Länder bereist hat.“
      Weil man am Gesicht seines Vaters immer kaum eine Reaktion ablesen könnte, und Dorian eben Dorian war, sah Remy beim reden immer wieder zu seiner Mutter, die ihm aufmunternd zunickte. Er rührte weder den Tee noch etwas von dem Essen an.
      „Denkt ihr, ich könnte auch irgendwann eine Reise unternehmen...um meine praktischen Erfahrungen zu vertiefen, Vater? In ein anderes Land?“
      Darüber hatte Remy bis jetzt selbst noch nicht eingehend nachgedacht, es war nur eine Idee, die ihm eben gekommen war. Es klang auf jeden Fall nicht schlecht.
    • Dorian

      Er hörte nur halbherzig hin. Das tat Dorian auch nur deswegen, um sicher zu gehen, dass Remy nichts sagte was ihm Schwierigkeiten einbringen könnte. Es war auch das was er regelmäßig von diesem Spinner von Lehrer gesagt bekam. Hin und wieder traf ein Brief von diesen ein, doch nur selten machte Dorian sich die Mühe den Brief auf wirklich zu lesen.
      Der Blonde war absolut nicht beeindruckt von dem was sein Bruder tat. Er selbst hatte in diesem Alter schon weit aus mehr vollbracht. Seine Lernzeit war viel kürzer gewesen, und schon damals hatte er sich um die ersten Geschäfte der Grafschaft gekümmert. Aber darüber würde Remy sich nie Sorgen machen müssen, dafür würde Dorian sorgen. Denn sobald der Sohn dieses Abschaums Land erbte, würde er sich darum kümmern, dass er es sehr schnell wieder los werden würde. Dorian verlor nicht gerne das, was seins war.
      Als er jedoch seine nächste Aussage hörte, verschluckte sich Dorian beinahe am Tee. Er wollte was? Praktische Erfahrung vertiefen?
      Das er dabei nicht lachte war ein Wunder! Dieser Bengel konnte sich nicht einmal alleine die Schuhe zu binden, und dann wollte er das Geld schnorren, um eine Reise zu machen, mit was? Fünfzig Bediensteten die sich um ihn kümmerten?
      Das waren Ausgaben die Dorian nicht unterstützen wollte. Nicht für so ein Blag, das ohnehin schon das halbe Vermögen verschleuderte, das sein vater angesammelt hatte.
      "Oh, das klingt nach einer wundervollen Idee!", war Remys Mutter direkt dabei und Dorian konnte es nicht verkneifen, die Augen zu verdrehen. "Was hälst du davon, Schatz?"
      Kosenamen. Als wäre ihm nicht schon genug schlecht.
      "Ich weiß nicht, ich würde gerne mit seinen Lehrer reden. Dorian, dein Bruder lebt bei dir, wie schätzt du die Sache ein?"
      Es war logisch das sein Vater das ganze wieder auf Dorian abwälzte.
      "Die Welt ist Gefährlich...", mehr musste er nicht sagen, denn erkannte schon die leichte Panik in den Augen der Gräfin. Sie wollte sicherlich nicht, dass ihrem geliebten Kind etwas passierte.
      "Und wenn er dann ganz allein ist? Ich will nicht das er in irgendeiner Absteige unterkommen muss."
      Obwohl, genau das war es was Dorian wollte. Am besten würde ausgeraubt und abgestochen, dann hätte er kein Problem mehr.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Remy
      Am liebsten hätte Remy die Augen verdreht, als Dorian so anfing. Es war vollkommen übertrieben.
      Schließlich wollte er nicht auf die Insel der Elfen, und dort Wilde in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Remy wollte nur ein ganz normales, zivilisiertes Land besuchen, um seine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Was sollte daran so viel gefährlicher sein, als durch die Viertel dieser Stadt zu laufen, was er bereits andauernd tat, ganz allein? Remy war sofort klar, was sein Bruder vorhatte. Nur würde die Argumentation, dass sein normales Leben auch ungeahnte Gefahren bot wahrscheinlich eher das Gegenteil davon erreichen, was Remy wollte, deswegen musste er sich diesen Kommentar verkneifen.
      Seine Mutter sich jetzt schon Sorgen, dabei war das das Letzte, was Remy wollte. Sie war schon über fürsorglich genug, und auch wenn der Junge sie aus tiefstem Herzen liebte, hatte er die nicht ganz unbegründete Befürchtung, dass sie Freiheiten mehr einschränken würde, wenn sie jemand sie nur auf diese Idee brachte.
      „Vielleicht hat Dorian Recht, andere Länder haben oft sehr unterschiedliche Sitten, die uns barbarisch erscheinen, Remy. Für so einen Jungen wie dich könnte das gefährlich werden, ich will nicht, dass jemand deine Unerfahrenheit ausnutzt, und dir etwas passiert. Du weisst noch nicht, wie grausam Menschen sein können.“, antwortete seine Mutter dann auch tatsächlich, und sah Remy so besorgt an, als wäre r ein kleines Kind, dem zum ersten Mal offenbart werden sollte, dass es nicht nur gute Menschen auf der Welt gab.
      „Ich müsste ja nicht allein reisen...vielleicht könnte mein Lehrer mich begleiten, und ich würde nirgendwo allein hingehen? Er kennt sich mit der Kultur aus, weiß um die Gepflogenheiten anderer Länder, und spricht mehrere Sprachen.“, versuchte Remy nochmal, das Gespräch wieder zu seinen Gunsten zu wenden. Obwohl er eigentlich, wenn man es genau betrachtete wenig Lust hatte, mit seinem Lehrer zu verreisen. Denn der war jemand, der einem jeglichen Spaß verbot, da war der Junge sich ziemlich sicher.
      Trotzdem, jetzt, wo er den Gedanken von einer Reise schon mal gehabt hatte, wollte Remy nicht kampflos aufgeben.
    • Dorian

      Zufrieden beobachtete er, wie die Angst sich in der Frau des Grafen breit machte, und sie sogleich ihre Besorgnis kund tat. Es war manchmal so einfach, so schlichte Geister in die Richtung zu bewegen, die Dorian wollte. Und mit schlichte Geister, meinte er einfach, in seinen Augen dumm. Es gab keinen Grund warum er sich das irgendwie schön denken musste.
      Doch Remy schien noch immer keinen Frieden geben zu wollen. Wer war er überhaupt um irgendwelche Forderungen zu stellen? Er konnte froh sein, das er ihm ermöglichte in der Stadt zu leben, und nicht auf den langweiligen Landsitz unseres Vaters. Und das Dorian es ihm ermöglichte überhaupt zu seinen Lehrer zu gehen. Dorian wusste zwar nicht wirklich was für eine Person er war, er hatte ihn nie gesehen, aber er hatte Dinge gehört die er so schon als äußerst unangenehm betrachtete.
      Der Graf schien weiterhin kein Interesse zu haben, und wollte es auch nicht vortäuschen, als er einen Bissen von seinen Essen nahm, und dann begann in der Zeitung zu blättern. Dorian wäre es durchaus angenehmer gewesen, wenn sein Vater dem ganzen ein Ende setzten könnte. Es wäre entgültig und lies immer weniger Diskussionen offen, als wenn Dorian etwas sagte.
      Wenn er seinen Vater so betrachtete, würde das ohnehin nicht mehr lange gehen. Er war alt. Bald wäre er tot und Dorian wäre der Graf. Dann würde es keiner mehr wagen etwas gegen ihn zu sagen.
      "Dein Lehrer hat viel zu tun, es war schon schwer einen Platz bei ihm zu finden. Warum sollte er sich also Zeit für dich nehmen, wenn er all diese Dinge schon gesehen haben soll? Das wäre dumm."
      Dorian bekam ohnehin langsam das Gefühl als wollte Remy nur seinen Willen durchsetzten, egal was es ihn oder seinen Bruder kostete.
      Etwas klangvoller stellte er seine Tasse ab, und erhob sich dann.
      "Ich entschuldige mich, ich habe heute noch einiges zu erledigen. Wichtiges."
      Dorian hätte auch wichtigeres sagen können, denn alles war wichtiger als diese sinnlose Diskussion auf die er schon gestern keine Lust hatte. Obwohl er da noch nicht einmal von ihr wusste. Und morgen, oder die nächsten Tage hätte er sicherlich auch keine Lust um mit ihm, oder den anderen solche sinnlosen Gespräche zu führen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Remy:
      Als Dorian sich plötzlich erhob und verkündete, dass er noch einiges zu erledigen hatte, hielt Remy inne. Noch bevor er überhaupt dazu gekommen war, lang und breit zu erläutern warum sein Lehrer vielleicht doch Lust haben könnte, ihn mit auf die Reise zu begleiten. Das war plötzlich. Ob er mit seiner Forderung ein wenig zu weit gegangen war? Man konnte Remy ansehen, dass ihm der Gedanke daran nicht sehr behagte. Er murmelte kurz eine Verabschiedung, traute sich aber nicht, seinem Bruder dabei direkt in die Augen zu sehen.
      Mit dem verfrühten Abschied Dorians war auch jede Möglichkeit verstrichen, weiter über eine mögliche Reise zu diskutieren. Seinen Vater interessierte das Thema eindeutig weitaus weniger als seine Zeitung. Und Remys Mutter hatte nicht genug zu sagen, um die beiden Männer zu überstimmen. Außerdem sorgte sie sich jetzt. Ein anderes Mal vielleicht... Vermutlich sollte der Junge sein Glück auch nicht zu sehr überstrapazieren. Aber anstatt sich darüber und über die Befindlichkeiten seines Bruders noch große Gedanken zu machen, widmete sich Remy dann doch dem Frühstück. Wer wusste schon, was in Dorians gestörten Kopf genau vorging.
      Nachdem Remy sich noch zehn Minuten mit seiner Mutter über dies und das unterhalten und dabei etwas gegessen hatte, musste er sich auch schon wieder auf den Weg machen. Diese Art von Besuchen waren komplett sinnlos. Wenn, dann sollte er auch den restlichen Tag freibekommen. Sollte Dorian sich seinetwegen um seine äußerst wichtigen Angelegenheiten kümmern, doch Remy sah nicht ein, warum so zwingend nötig war, dass er selbst nicht eine seiner Unterrichtsstunden verpasste.
      Bei seinem Abschied sah sein Vater nicht einmal richtig von seiner Zeitung auf.
      Kurz überlegte Remy, ob ein Stück Kuchen für die Schwester von Dorians Hexer in ein Stofftaschentuch tun sollte. Es gab ja genug. Doch dann entschied er sich rasch dagegen. Ide war vielleicht nicht einmal Zuhause. Außerdem hatte sie es garantiert nicht verdient. Und dankbar war dieses Mädchen eh nie. Aber es war sehr edel und großzügig gewesen, überhaupt auf diesen abwegigen Gedanken zu kommen, dachte Remy, als er sich auf den Weg zur Kutsche machte.
      Mit dem Kutscher wechselte er kaum je ein Wort, er konnte sich nicht mal an den Namen des Mannes erinnern, der ihn schon oft irgendwohin gefahren hatte. Sein Kopf war zu voll mit unterschiedlichsten Gedanken, als das er für die kurze Fahrt noch einmal hätte schlafen können.
      Inzwischen schätzte Remy an den meisten Tagen den Fußweg mehr, und wenn Dorian die Kutsche nicht bestellt hätte, hätte er garantiert nicht danach gefragt. Es gab so viel zu sehen in der Stadt, und Athanasius akzeptierte eigentlich immer die Entschuldigung, dass es zu voll gewesen war, um rechtzeitig anzukommen. Solange Remy nicht Stunden vertrödelt hatte, verstand sich. Wenn er mit der Kutsche ankam, sah sein Lehrer immer direkt vom Fenster aus, dass er angekommen war. Dann konnte man nicht mehr zögern, Remy musste direkt zu ihm hinauf gehen, ohne noch ein wenig Zeit zu schinden. Nun, es wurde sowieso langsam kälter draußen, und während er aus der Kutsche stieg, fühlte er, dass es zu nieseln begann.
    • Ide

      Wenn der Weg zum Markt sich schon lange angefühlt hatte, und er war auch nicht gerade kurz gewesen, fühlte sich der Rückweg noch viel länger an. Das lag zum einen bestimmt an den schweren Korb den sie trug, zum anderen daran, dass es allmählich zu nieseln und dann leicht zu regnen begonnen hatte. Am Anfang hatten sich Ides locken nur noch mehr eingedreht, mittlerweile hingen sie nur noch nass über ihre Schultern.
      Wenn sie sich beeilen würde, wäre sie zumindest nicht bis zu ihren Knochen nass, und die Gefahr das sie sich unbeabsichtig erkältete blieb geringer. Ide hätte einfach nicht ihren Umhang vergessen sollen. Es war wirklich dumm, und nun konnte sie sich nicht einmal darüber beschweren. Immerhin hätte sie auch einfach daran denken können. Ihren Bruder ermahnte sie immer alles mit zu nehmen, doch bei sich passierte es öfter das sie das ein oder andere vergaß. Meistens war es bei Ide auch nicht so schlimm, sie tat sich am Ende nichts schlimmeres. Hin und wieder eine kleine Demütigung oder ein geringer Ärger waren schon auszuhalten.
      Ide beschleunigte etwas ihr Tempo in der Hoffnung es noch halbwegs trocken nachhause zu schaffen, sich dann vors Feuer zu setzten und sich langsam um den Rest der noch anstand zu kümmern... Und wenn sie damit fertig war konnte sie noch probieren ein wenig zu lesen. Bei dem Gedanken daran wurde ihr aber etwas anders. Sie konnte sich jetzt schon die Kopfschmerzen vorstellen die sie davon bekommen würde, und darauf hatte sie keine Lust. Vor allem wenn ihr Bruder heute Abend nachhause kommen würde! Dann würde sie sich lieber in Ruhe anhören was er alles getrieben hatte, ob er neue Leute kennengelernt hatte?
      Bei den Gedanken an den schönen Abend den Ide verbringen konnte, kam ihr das letzte Stückchen des Weges doch erstaunlich kürzer vor. Der Regen hatte auch ein klein wenig nach gelassen und war nun wieder nur ein seichtes Nieseln. Als könnte sich der Himmel nicht wirklich entscheiden, ob es wirklich regnen sollte. Ide wäre es ohnehin lieber wenn es aufklären würde und etwas Sonne heraus kommen würde... Wenn es morgen schön wäre, könnte sie die Wäsche waschen und sie dann aufhängen. Es war immer angenehmer wenn sie an der Sonne trockneten.
      Ides halbwegs gute Laune wurde etwas getrübt, als sie die Kutsche dort stehen sah, die nur auf eine Person wartete. Schon bevor sie Remy wirklich sehen oder hören konnte, verdrehte Ide ihre Augen. Hoffentlich würde ihr Bruder früh genug zuhause ankommen, dann musste sie weder mit ihrem Vermieter noch mit Remy eine Sekunde verschwenden.


      Enya

      Enya war schon wach gewesen, bevor die Sonne den Horizont erreicht hatte, und hatte sich um die wichtigsten Dinge gekümmert. Das es schön warm in der Hütte war, und ein Frühstück auf dem Tisch stand sobald Siri wach werden würde. Sie hatte vor ihn heute etwas länger schlafen zu lassen, er hatte die letzten Tage hart genug gearbeitet um sich diese kleine Belohnung zu verdienen.
      Außerdem war es einfacher ein paar Druiden zu unterrichten, wenn sie nicht immer aufpassen musste, wohin Siri lief und was er alles anfasste oder sich gar in den Mund stecken musste. Noch war er nicht weit genug, um bei jedem Unterricht mit dabei sein zu können. Die Geheimnisse der Druiden waren groß und schwer, und durften nur an die wenigsten weitergegeben werden. Enya war damals wirklich froh gewesen, zu sehen das Siri zu einen von diesen gehörte.
      Auch wenn sie den Kleinen - nun zumindest war körperlich nicht so klein- erst seit zwei Jahren kennte, konnte sie nicht anders als zu behaupten, dass sie in schon tief ins Herz geschlossen hatte.
      Nachdem die Sonne aufgegangen war, und sie zwei jungen Druiden eine wichtige Lektion erteilt hatte, kam Enya wieder zurück. Als sie die Lektion gegeben hatte, hatte sie etwas entdeckt was sie Siri gerne zeigen würde. Es kam selten vor, dass man soetwas erleben konnte, umso wichtiger war es, dass sie es mit dem Elfen zusammen erleben konnte.
      "Siri, beeil dich, wir müssen los", sagte sie dann recht kühl. Enya war immer recht kühl, selbst wenn sie die meisten Dinge nicht ganz so meinte. Auch das hier war nicht unbedingt so gemeint, selbst wenn sie wirklich keine Lust hatte, dass der Elf nun zu trödeln begann.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Remy:
      Obwohl er schon so oft hier gewesen war, gefiel Remy die karge Wohnung seines Lehrers immer noch überhaupt nicht.
      Es roch einfach seltsam, nach einer Mischung aus Weihrauch und Knoblauch oder etwas ähnlichem. Sobald sein Lehrer das Fenster aufmachte wurde in der Wohnung jedoch eiskalt, weil Athanasius selten heizte, also bat Remy trotzdem nie darum. Jetzt bearbeitete er die langweiligen Aufgaben, übersetzte irgendwelche uralten Sätze von einer Sprache in die andere. Manchmal durfte er sogar kurze Texte selbst schreiben, aber das mochte Remy nicht, denn sobald er sich einmal nicht so anstrengte, strich Athanasius das Geschriebene mit seiner Feder wieder durch und befahl ihm, nochmal ganz von vorne anzufangen. Selbst, wenn sein Lehrer häufig abgelenkt wirken mochte, und Remy wusste auch genau warum, jeden Fehler bemerkte er sofort.
      „Wie stürzt man sich in ein Schwert? Ich meine, würde man nicht... zögern oder das Schwert nicht richtig halten können?“
      „Da diese Männer Krieger waren, zögerten sie nicht. Meist hält jemand anderes hält das Schwert, in welches man sich stürzt, oder man vergräbt den Knauf im Boden, wenn man allein ist.“, antwortete sein Lehrer im knapp.
      Obwohl er Ide schon vor längerer Zeit nachhause hatte kommen hören, machte Athanasius doch keine Anstalten, aufzustehen um nach dem Mädchen zu sehen. Remy wusste aber, dass er bestimmt gerne wollte. Allein wie er sie immer ansah, oder ihr manchmal die Hand auf die Schulter legte, so offensichtlich, dass es selbst der Junge bemerkte. Es war ein wenig unheimlich, aber auch unglaublich amüsant, wenn man sich vorstellte, wie sehr sie sich innerlich darüber aufregen musste.
      Wenn Remy Pech hatte, zum Beispiel wenn sein Lehrer morgens schon mit Ide geredet hatte, dann stellte Athanasius ihm nur irgendwann einen Becher Wasser und einen Apfel oder ein Stück Brot hin, und dann ging der Unterricht nahtlos bis zum Abend weiter. Heute hatte er allerdings Glück. Plötzlich stand sein Lehrer auf, nahm ihm die Schreibfeder aus der Hand und legte sie zur Seite. „Remerus, willst du nicht eine Pause machen?“ Rasch nickte Remy, und stand auf, da auch Athanasius aufgestanden war. Dann würden sie wohl Ide besuchen gehen.
      Nachdem sie vor der Tür zu ihrer und Idrees verkommener Wohnung angekommen waren, klopfte sein Lehrer einmal, und trat dann einen Schritt von der Tür zurück. „Ide, seid ihr Zuhause? Wir wollen eure Gastfreundschaft nicht überstrapazieren, aber ich dachte mir, etwas Gesellschaft könnte euch auch ganz gut tun."
      Er sah so hager aus, wie er da an der Tür stand und wartete, dass das Mädchen ihm öffnete. Fast wie ein Skelett. Remy hielt sich etwas im Hintergrund, weil Athanasius sonst ihm vielleicht die Hand auf die Schulter legen würde, und das wollte doch nun wirklich niemand. Der Junge konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, und das musste er auch nicht, weil sein Lehrer eh nur noch Augen für Ide haben und nicht mehr auf ihn achten würde, sobald diese ihnen die Tür öffnete. „Einen schönen guten Tag von mir, Ide.“
    • Ide

      Ide war so froh, als sie endlich die Tür hinter sich schließen konnte und die Wärme der Wohnung sie umschloss. Das machte ihr jedoch wegen der Nassen Kleidung die nun an ihren Körper klebte nur eine Gänsehaut.
      Das erste was Ide dann machte, war das Feuer etwas anheitzen, und dann auch im kleinen Herd noch etwas Feuer zu machen um darauf Teewasser zu kochen und das Essen von Vortag zu erwärmen. Es dauerte etwas, bis es ordentlich brannte, aber der Rest funktionierte sehr Schnell. Dann musste Ide sich nur eben etwas umziehen, und ihre Haare abtrocknen. Sie wollte wirklich nicht krank werden, sie wusste nicht genau ob sie sich einen Arzt leisten könnten, und sich selbst pflegen und sich um den Rest kümmern würde anstrengend werden. Das musste sie sich nicht unbedingt aufbrummen.
      Nachdem sie gerade etwas ihr Haar gebürstet hatte, dass es später nicht aussah wie das Nest eines Vogels nachdem es nicht mehr gebracht wurde, klopfte es an ihrer Türe. Leise seufzte sie, sie wusste genau wer es war, und zumindest konnte sie dankbar sein, dass er gewartet hatte bis sie sich zumindest umziehen konnte. Trotzdem wollte sie ihm nicht aufmachen. Sie wäre viel lieber alleine geblieben, und hätte schon die ersten vorbereitungen für den Winter getroffen.
      Kurz verräumte Ide noch ihre Bürste und die paar Sachen die herum lagen, bevor sie langsam zu Tür ging. Athanasius behauptete immer das er Ides Gastfreundschaft nicht ausnutzen oder überstrapazieren wollte, aber das ganze war schon vor Jahren passiert. Doch was sollte sie schon dagegen tun? Er war ihr Vermieter und drückte immer wieder ein Auge zu, wenn die Miete erst verspätet eintraf, da musste sie doch nett sein. Immerhin hatte sie das Gefühl, das nichts anderes ihn davon abhielt sie und Idrees vor die Türe zu setzten.
      "Guten Tag, Herr Berengard", lächelte sie ihn dann - mit einen einstudierten- Lächeln an.
      "Ich freue mich doch immer über Eure Gesellschaft und die von meiner... meinen Freund Remy. Ihr habt Glück, ich bin vorhin erst vom Markt zurück, und das Teewasser kocht schon."
      Die gespielte Freundlichkeit, und die Sorgfältig gewählten Worte hingen Ide manchmal zum Hals hinaus, vor allem wenn sie diesen beiden Typen galten. Denn wen Ide noch weniger leiden konnte als ihren Vermieter, das war Remy. Ein aufgeblasener, Pfosten, der sich öfter wei eine Flasche verhielt, als es ihr lieb wäre. Nämlich vom Hals an aufwärts recht hohl.
      Ide trat dann zur Seite, um die beiden eintreten zu lassen, und danach die Tür wieder hinter ihnen zu schließen.
      "Ihr wollt doch einen Tee oder? Das Wetter draußen ist kalt, und das tut der Gesundheit doch immer recht gut", Ide konnte es leider auch nicht ablegen sich über so etwas Gedanken zu machen. Sie ertränkte ihren Bruder auch immer mit jeder Menge Tee und Kräutern im Essen, von denen sie gehört hatte, dass sie Erkältungen vermeiden konnten.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Remy:
      Er wusste sofort, was Ide eigentlich hatte sagen wollen, denn solche Anspielungen machte sie andauernd, schon seitdem sie sich zum ersten Mal gesehen hatte. Er verzog für einen kurzen Augenblick das Gesicht, fing sich aber schnell wieder. Dieser Scherz war noch nie lustig gewesen und würde es auch niemals werden, trotzdem fing dieses Mädchen immer wieder damit an. Remy ging an ihr vorbei, setzte sich auf die Küchenbank. Das hier konnte ewig dauern, und so war es ihm ganz recht, aber Ide wohl weniger.
      „Meinetwegen gern. Mach ruhig Tee.“
      Eigentlich wollte er ihre Brühe nicht unbedingt trinken. Wer wusste schon, ob sie heimlich rein spuckte, wenn man mal nicht hinsah, oder ob ihr Hexenbruder die Teeblätter vorher benutzte um damit zu wahrsagen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Tee wohl auch nur höchstens mittelmäßige Qualität haben würde. Vielleicht könnte er einfach abwarten, bis er kalt war und die volle Tasse auf dem Tisch stehen lassen. Sein Lehrer würde annehmen, da war Remy sich sicher, und dann musste er leider auch, wenn er nicht unhöflich wirken wollte. „Tu aber Honig rein, wenn du überhaupt welchen hast...bitte.“, fügte er so rasch hinzu, dass sein Lehrer ihm einen tadelnden Blick zu warf.
      „Für mich ebenfalls, solange es keine Umstände macht.“ Remy hatte das Gefühl, dass diese Worte für Athanasius eher eine Floskel waren. Allein, dass die Beiden hier waren, war für Ide Umstand genug, das wusste der Junge, auch wenn sie sich zu einem Lächeln zwang. Ob sein Lehrer das wirklich nicht sah?
      Zumindest suchte er immer wieder ihre Nähe. Auch jetzt setzte er sich nicht zu Remy, sondern blieb direkt neben Ide stehen, jede ihrer Bewegungen genau beobachtend. "„Ich hoffe, ihr seid bei diesem unsäglichen Wetter nicht allzu nass geworden. Hattet ihr Besorgungen zu erledigen? Falls ihr oder euer..Bruder irgendetwas benötigt, zögert nicht, mich darum zu bitten.“ Die kurze Pause, als Athanasius über Idrees redete sorgte dafür, dass Remy leicht grinsen musste.


      Siri
      Siri hatte meist einen recht tiefen Schlaf...wenn die gelegentlichen Alpträume nur nicht wären. Als er erwachte, war Enya bereits gegangen, und er hatte nicht einmal gemerkt, dass sie aufgestanden war. Doch das war nichts ungewöhnliches, auch wenn es nicht jeden Tag vorkam, also machte er sich keine Sorgen. Eher war er dankbar, dass sie ihm so erlaubt hatte auszuschlafen. Nur einmal, irgendwann wollte Siri selbst mal früher aufstehen und Frühstück für sie machen. Aber das schaffte er nie. Sie wurde immer entweder von ihm geweckt wenn er vorher aufstehen wollte, und meistens verschlief er sowieso, bis Enya ihn wach machte.
      Nachdem Siri gegessen hatte, räumte er alles ordentlich auf, machte auch das Bett und begann dann sich anzuziehen. Bestimmt hatten sie heute viel zu tun, denn es gab immer irgendetwas zu tun. Und so viele Sachen, die er noch lernen musste. Zum Glück war Enya sehr geduldig, auch wenn sie manchmal etwas schroff wirken mochte.
      Hastig schloss er die letzten Knöpfe an seinem Hemd, und sah dann neugierig zu ihr, als sie ihn ansprach. „Ich bin schon fast so fertig, ich brauche nur noch Schuhe.“, erwiderte er und lächelte schüchtern. „Wohin gehen wir denn? Willst du es nicht sagen?“
    • Ide

      Als beide in die kleine Wohnküche getreten waren, ging Ide schon zu dem kleinen Ofen auf dem die Teekanne stand, und nahm drei von den hängenden Bechern herab. Sie war sich dem Vermieter der an ihrer Seite stand durch aus bewusst, und sein Blick auf ihren Händen brannte ihr unangenehm. Am liebsten hätte sie ihre Hände unter ihrer Schürze versteckt, sie hätte sich am liebsten ganz versteckt, denn egal wie viel sie trug und was sie über warf, Athanasius würde sie wohl immer betrachten. Merkte er denn wirklich nicht wie unangenehm ihr das ganze war?
      "Ich habe leider keinen Honig hier, ich habe ihn letzte Woche verbracht als ich gekocht habe. Den nächsten bekomme ich frühestens im Frühling", das stimmte nicht ganz. Ide hatte sogar noch einen halben Topf voll mit Honig, aber sie wollte weder Remy noch Athanasius welchen geben. Es war etwas teures, und eine der wenigen süßen Sachen die Ide sich gelegentlich gönnte. Wie lecker ein frisches Brot mit Butter und etwas Honig war! Und der Rest war für Idrees. Kuchen schmeckten zwar besser mit Zucker, aber das war etwas von dem Ide nur träumen konnte. Zucker war nur etwas für diejenigen die unendlich viel Geld hatten, und das Mädchen hatte so im Gefühl, dass sie dort niemals dazu gehören würde. Ganz selten konnte Ide ein Stück Kuchen kaufen, das mit Zucker gebacken worden war, aber das war meistens auch für Idrees. Er gab sich immer so viel Mühe, und arbeitete jeden Tag hart. Manchmal war er -wie auch gerade- sogar mehrere Tage unterwegs, nur um für die beiden ein Leben finanzieren zu können. Ide wünschte sich sie könnte mehr tun, als ihn nur hin und wieder etwas leckeres zu besorgen.
      Ide schenkte dann den Tee in die Becher.
      "Das ist wirklich großzügig von Euch, aber Ihr tut doch schon genug für meinen Bruder und mich. Nehmt doch Platz", sie deutete hinüber zur Küchenbank, und hielt ihn dann die zwei Becher Tee hin. Einen davon konnte er Remy ruhig mitgeben. Andere Mädchen hätten es vielleicht ausgenutzt, wenn man ihnen soetwas anbot, doch Ide war ganz und gar nicht wohl bei dem Gedanken. Der Vermieter könnte auf ganz komische Gedanken kommen, wenn sie seine Hilfe oder Geschenke annahm. Sie wollte so einen Mann auf keinen Fall etwas schuldig bleiben, der Gedanke grauste ihr. Selbst wenn Athanasius ihr nie etwas getan hatte.
      Sie nahm sich dann eine eigene Tasse und setzte sich auf den einzigen Stuhl der hier stand. So konnte sie von den beiden genug Abstand halten.
      "Wie verläuft der Unterricht?", fragte sie dann vorsichtig nach, einfach weil sie keine peinliche Stille aufkommen lassen wollte. Die Situation war ihr schon unangenehm genug.



      Enya

      Die Druidin blieb im Türrahmen stehen, und verschränkte die Arme als Siri meinte, dass er sich nur noch seine Schuhe anziehen müsste. Das hätte er alles schon erledigt haben können, doch Siri gehörte zu der gemütlicheren Seite. Zumindest war das Enyas Ansicht, denn sie verstand auch nicht, wie man so lange im Bett bleiben konnte, und dabei die ersten Sonnenstrahlen verpassen konnte. Das war ein Wunder der Welt, dass sie jeden Tag aufs Neue erleben durften, weil ihnen das Leben dafür geschenkt worden war.
      "Du wirst sehen wohin wir gehen. Es wird ein kleines Wunder geschehen, dass ich dir zeigen möchte. Und es wird dir sicherlich auch bei deiner Bildung helfen können. Wenn du jedoch so weiter trödelst, wirst du es verpassen. Und ich auch."
      Enya wollte das ganze nicht verpassen, denn selbst für sie war es eher eine Besonderheit, die sie nicht immer zu Gesicht bekam. Vor allem weil es nicht ihr Aufgabenbereich war. Dennoch war es jedes mal wieder schön, wenn sie es erleben durfte.
      Dafür mussten sie gleich ein ganzes Stückchen in den Wald hineinwandern.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Siridean
      Rasch, ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren zog er sich seine Schuhe an. Was auch immer es für ein Ereignis sein würde, Siri wollte es wirklich nicht verpassen. Und noch weniger wollte er, dass Enya es wegen ihm verpasste, nur weil er immer so trödeln musste. Dann hätte er ein unglaublich schlechtes Gewissen gehabt.
      „Manchmal kann man denken, die Götter wollen ihre Wunder nicht mit Sterblichen teilen, so kurz, wie sie sie uns manchmal offenbaren.“
      Als er gähnen musste, hielt er sich rasch die Hand vor den Mund und wandte sein Gesicht leicht von seiner Mentorin ab, damit Enya nicht so sah, wie müde er immer noch war. Sie selbst schien nie unter so etwas zu leiden. Siri arbeitete daran, so gut wie er konnte.
      Er trat an Enya vorbei nach draußen vor die kleine Hütte, und atmete einmal tief durch.
      „In den Wald...?“, fragte er, und gestikulierte wage in die Richtung. Die Wälder hier waren ganz anders als bei ihm Zuhause, und sie gefielen Siri auch bedeutend mehr. Die meiste Zeit des Tages waren sie ruhig und friedlich. Man brauchte sich nicht dauernd vor etwas in acht zu nehmen was einen fressen könnte, obwohl man natürlich trotzdem immer achtsam sein sollte, weil die Natur trügerisch sein konnte. Und der Elf noch nicht ganz so mit ihr in Einklang war, wie zum Beispiel Enya.


      Remy
      „Macht euch keine Gedanken um den Honig, ich bevorzuge meinen Tee ohnehin ohne solchen Schnickschnack. Und der Junge isst schon genug Süßes, er wird es ebenfalls verschmerzen können.“, erwiderte sein Lehrer Ide, als diese sagte, dass sie natürlich keinen Honig hatte, weil sie und ihr Bruder unfassbar arme Gossenkinder waren, die sich nicht einmal so etwas leisten konnten. Wie um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, nahm er auch gleich einen Schluck. Ob der Tee nicht noch viel zu heiß war? Wenn das so war, ließ sein Lehrer sich zumindest nichts anmerken, sein Gesicht zeigte den gleichen nichtssagenden Ausdruck wie immer und er verlor sogar ein paar lobende Worte. Als ob es ein Wunder wäre, Tee kochen zu können. Remy selbst hingegen schob den vollen Becher nur auf dem Tisch hin und her.
      „Remerus kommt gut voran. Meistens jedenfalls. Er neigt jedoch dazu, sich die Dinge zu einfach zu machen, also könnte er besser sein, wenn er sich nur ordentlich anstrengen würde.“, erwiderte Athanasius auf Ides Frage, und listete dann eine Menge Details auf, über die Bücher, die er mit ihm lesen musste, oder bestimmte Texte, die sie durchnahmen. Wahrscheinlich verstand nicht einmal die Hälfte von dem, was sein Lehrer da redete.
      Es hörte sich so an, als ob zwei Erwachsene über ein Kind reden würden, und dieser Gedanke gefiel Remy überhaupt nicht. Ide war schließlich auch nicht älter als er, und auch nicht erwachsener, auch wenn sich Athanasius das wohl sehr gerne so vorstellte.
      „Athanasius lehrt mich vieles über die Welt, und wenn ich gut lerne, lässt mein Vater mich vielleicht irgendwann eine Reise machen, damit ich mein Sprachwissen auch anwenden kann.“, mischte Remy sich ein. „Ide, wie steht es denn um deine Zukunft? Wäre es nicht schade, wenn so ein...intelligentes Mädchen wie du ewig Haushälterin für ihren großen Bruder sein müsste? Oder kümmert sich Idrees bereits um eine Ausbildung für dich?“
    • Ide

      Ganz artig bedankte sich Ide für die lobenden Worte ihres Vermieters. Auch wenn sie sehr gut ohne diese leben hätte können, es wäre besser gewesen, wenn er es gelassen hätte. Dann hätte sie nicht mit Höflichkeit reagieren müssen, und vielleicht würden diese Besuche dann endlich weniger werden. Wie sehr sich Ide wünschte, dass sie den Vermieter vielleicht einmal eine Woche nicht über den Weg laufen musste. Hatte Herr Berengard eigentlich nichts besseres zu tun?
      Ide unterdrückte ein Seufzen, als der alte Mann hier begann lange aufzuzählen welche Texte und Bücher sie alle lasen. Wenn sie ehrlich war, kannte sie keinen der Titel. Sie hatte keinen Plan und das verletzte sie in ihren Stolz, der zugegeben sicherlich etwas zu groß war für jemanden ihres Standes.
      "Das klingt alles wirklich interessant", begann Ide bevor sich allerdings auch Remy einschaltete und meinte noch ein bisschen auf ihren verletzten Stolz herum zu hacken. Jedoch schnitt sich der Klotz gewaltig, daran, dass Ide das hier auf sich sitzen lassen würde. Vor allem, wenn er auch noch mit ihren Bruder anfing. Das junge Mädchen setzte demnach ihr süßestes und unschuldigstes Lächeln auf, und blickte als erstes Remy und dann den Vermieter an.
      "Ich verstehe nicht ganz? Ist es falsch für eine Frau sich um ihre Familie zu kümmern?", die Frage stellte sie extra an Athanasius, setzte auf sein pflichtgefühl, und die konservative Ader die Ide in seiner Religion sah. Sie hatte zwar nicht viel Ahnung von der Religion ihres Landes, ihr Bruder kam dabei nicht so gut weg, deswegen konnte sie gar nicht stimmen.
      "Aber ich verstehe schon, Remy macht sich nur Sorgen um mich. Dabei muss er das gar nicht, mein Bruder ist wirklich liebevoll, und hat meine Ausbildung übernommen. Ich lese gerade dieses Buch", meinte Ide dann und deutete hinüber zu dem kleinen Regal as über einer Kommode hing auf dem eine ganze Reihe von Büchern stand. "Das mit dem roten Einband. Wir haben leider nicht so viele Bücher, aber mein Bruder ist ein schlauer Mann."
      Und das meinte Ide wirklich ernst. Ihr Bruder war sehr schlau, und sowet sie es wusste hatte er viele Freunde und Arbeitskollegen, die ebenfalls sehr schlau sein mussten. Das würde reichen um ihr das wichtigste beizubringen. Und rechnen und feilschen hatte sie sich selbst beigebracht. Das konnte Ide wirklich gut... Das Lesen und Schreiben fiel ihr zwar sehr schwer, aber das würde sie Remy sicherlich nicht unter die Nase reiben wollen. Vor allem weil er das allen anschein nach gut konnte, das war aber auch schon das einzige.


      Enya

      "Die Götter zeigen die Wunder der Welt nur denjenigen die sich als würdig erweisen. Und dazu gehören manche entbehrungen eben dazu. Kein Lebewesen kann alles haben, alle müssen auf gewisse Feinheiten verzichten, wenn sie ein erfülltes Leben führen wollen. Der reichste Mann auf Erden, mit einen liebevollen Partnern und genügend Nachwuchs, wird mit seinen Leben niemals zufrieden sein."
      Enya nutzte gerne jede Möglichkeit dem jungen etwas Moral einzubläuen. Ein Leben bestand nuneinmal aus schweren Aufgaben, die sich immer lohnten.
      Als Siri jedoch gähnte, musste sie ein wenig die Augen verdrehen, verkniff es sich aber etwas zu sagen. Immerhin war er schon wach und hatte nun auch endlich seine Schuhe an. Enya konnte nicht anders, als diesen Jungen zu verwöhnen.
      Mit einen recht starren Gesichtsausdruck sah sie zu ihm auf und nickte.
      "In den Wald. Dort passieren doch die meisten Wunder", meinte sie recht kühl, schlss die Türe noch hinter sich bevor sie dann auch vorlief. Sie mussten ein ganzes Stückchen laufen, um genau zu sein beinahe eine ganze Stunde, bevor sie an einer kleinen Lichtung ankamen.
      Ruhig blieb Enya dort stehen, und wartete noch einen Moment. Doch lange mussten sie nicht mehr warten, den kurz nach ihnen betrat ein Reh die Lichtung. Es war sehr offensichtlich trächtig, und die beiden durften dem Wunder dieser Geburt beiwohnen. Es war ein noch größeres Wunder als ohnehin, denn Enya wusste sehr genau, dass dieses Reh zwei Jünglinge bekommen würde, weswegen es Hilfe brauchte.
      Leicht verneigte sich Enya und deutete dann auch Siri an es zu tun, bevor sie sich hinkniete. Sie wollte so wenig wie möglich bedrohlich auf das Tier wirken. Aus ihrer Tasche packte sie einige Werkzeuge aus, die bei dem ganzen Behilflich sein konnten, und Siri würde ihr dabei helfen können. Und auch ein paar Dinge lernen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "