The writer and the maid [Amalia&Caili]

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    • The writer and the maid [Amalia&Caili]

      James Phoenix
      Es war bereits früher Morgen, als ich das nächste Mal meine Augen öffnete und war im ersten Moment vollkommen verwirrt von dem Sonnenschein, welcher ungeschützt in mein Schlafzimmer, welches deutlich mehr nach einem Arbeitszimmer aussah, für welches es auch ausgenutzt wurde, auch wenn ich genug Räume für ein eigenes Arbeitszimmer hätte... aber wer hatte schon die Zeit sich eines zusammenstellen, wenn man auch schreiben konnte?
      Ich tastete nach meiner Brille, was eher ein Reflex war, als ein nötiges Übel, da ich auch ohne diese ganz gut sehen konnte. Alleine für das Lesen von kleinen Buchstaben brauchte ich dieses, was eigentlich ebenfalls rund um die Uhr der Fall war. Wenn ich nicht schrieb, dann las ich und wenn ich nicht las, dann schrieb ich. Ein Traumleben, nicht wahr?
      Wie auch immer, ich bemerkte langsam, dass die Stimme, die ich hörte, nicht meiner nörgelnden Mutter gehörte – die hätte ich sicher nicht hier rein gelassen – sondern einem guten Freund namens Simon, welcher so freundlich war hin und wieder nach mir zu sehen, seitdem ich hier eingezogen war. Obwohl ich persönlich das nicht so fand, geschweige denn zugeben würde, lebte ich alles andere als ein gesundes Leben, aber ich hatte nie mehr gewollt, als zu schreiben.
      „Hast du dieses Bett überhaupt einmal benutzt?“, seufzte Simon und schüttelte dabei den Kopf, während ich mich orientierte und mich aufsetzte.
      Ich bemerkte, dass ich auf dem Boden, ich musste wohl irgendwann während meiner kreativen Phase eingeschlafen sein.
      Ich seufzte melancholisch auf. Es war Fluch und Segen zugleich, eine menschliche Kreatur zu sein, wie schon viele Philosophen vor mir gesagt hatten. Auch wenn mir in diesem Moment keine Namen einfielen, erst einmal brauchte ich meinen Kaffee.
      „Wie bist du überhaupt rein gekommen?“, erkundigte ich mich und ignorierte den Rest, während ich mich erhob und den Staub von meiner Hose wischte, wobei mir auffiel, dass ich nur noch eine Socke trug. Wo war die andere hin? Hatte ich überhaupt eine andere getragen? Egal, Kaffee.
      „Die Tür war nicht abgeschlossen, viel mehr war sie sogar ein stückweit offen. Ein Wunder, dass du noch nicht ausgeraubt wurdest... nicht, dass es hier mehr als Bücher zu holen gebe.“, stellte er mit einem Blick durch das Zimmer fest, in welchem sich die Bücher aufgrund des fehlenden Regals auf dem Boden stapelten. Simon musste fürchten, dass er sich alleine keines holen würde und er selber war eindeutig zu beschäftigt für solch eine Aufgabe.
      „Bist du nur hier, um zu nörgeln?“, erkundigte ich mich, während ich mich auf dem Weg in die Küche machte, wo sich das Geschirr auch schon seit längerem stapelte. Die Suche nach einer sauberen Tasse scheiterte – eigentlich hätte ich mir diese sparen können, hatte ich doch noch nicht einmal mein Geschirr gespült – und griff nach wahllos nach einer und spülte diese kurz etwas aus, ehe ich mich daran machte eine neue Tasse Kaffee aufzubrühen.
      Ich musste gähnen und auch meine Augenringe sprachen Bände, nicht, dass ich jemals anders ausgesehen hatte, seitdem ich mit dem schreiben begonnen hatte.
      Wäre ich kein solches Talent gewesen, hätte man mir es sicher schon längst um meiner eigenen Gesundheit wegen verboten.
      „... so kann das doch nicht weiter gehen, James. Mir ist durchaus bewusst, dass Idioten sich nicht erkälten, aber wenn das so weiter geht, wirst du noch krank. Wann hast du überhaupt das letzte Mal etwas anständiges gegessen?“, kommentierte Simon und ich wies dabei kurz auf einen Leib Brot, neben welchem ein großes Stück Käse stand. Die Äpfel hatte ich bereits aufgegessen.
      „... vor dem Umzug, nehme ich also an.“, seufzte Simon ein weiteres Mal und mir fiel auf, dass er das besonders oft tat. Ob ihm irgendwas auf dem Herzen lag? Nun, natürlich könnte ich ihn fragen... aber ich könnte mir die Zeit auch sparen und zurück an meine Schreibmaschine gehen. Was war noch mal die letzte Szene, an welcher ich gesessen war? Achja... dabei war es doch gerade interessant geworden.
      „Hörst du überhaupt zu?“, wurde ich von meinem Freund aus den Gedanken gerissen und erst jetzt bemerkte ich die Zeitung, welcher er mir vors Gesicht hielt und Instinktiv nahm ich diese, ohne zu wissen, was er damit wollte.
      „Und was soll ich jetzt damit?“, wandte ich meinen Blick wieder auf Simon, welcher wieder diese Sorgenfalte zwischen der Stirn hatte. Es musste die Arbeit sein.
      „Ich war so frei in deinem Namen eine Stellenanzeige für eine Haushälterin in die Zeitung zu setzten.“ - „Was?! Eine Haushälterin?!“, starrte ich den Mann mit dem schwarzen Haar ungläubig an und war mit einem Mal wacher, als ich es in Monaten gewesen war.
      Wie als Bestätigung hallte das Klopfen an einer Tür durch das Haus und Simon lächelte zufrieden.
      „Wie es scheint, hast du gleich dein erstes Vorstellungsgespräch. Vergeig das nicht, ja? Wenn es nach meiner Geschäftsreise hier immernoch aussieht wie im Schweinestall, sorge ich dafür, dass Ms. Evans Nachmittags bei dir vorbei kommt. Jeden Tag.“, sprach mein Gesicht, welches ich daraufhin machte, Bände, ehe mir auffiel, dass Simon mir wohl bei den Vorstellungsgesprächen nicht behilflich sein würde, wenn er eine Geschäftsreise hatte.
      „Aber, wie-?!“ - „Versuch es einfach, okay?“, seufzte Simon auf, „Jedenfalls muss ich jetzt los und den nächsten Zug erwischen. Und mach dich etwas frisch, bevor du die Tür öffnest. Du sollst doch nicht nach mehr Arbeit aussehen, als du eigentlich bist.“
      Mit diesen Worten öffnete mein treuer Freund - welchen ich gerade verfluchte für das, was er mir da aufgebrummt hatte – die Tür, hob höflich seinen Hut, um die Dame auf der anderen Seite zu begrüßen und was er noch sagte, hörte ich schon gar nicht mehr.
      Ich ließ einen genervten Seufzer von mir, genoss endlich einen Schluck Kaffee, während ich vor den Spiegel im Flur trat und versuchte zu retten, was in dieser kurzen Zeit zu retten war.
      Dann wohl auf ins Gefecht...
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      @Amalia
    • Alice Roseworth

      "Pass gut auf dich auf, wir wünschen dir viel Glück." Ich sah in das besorgte Gesicht meiner Mutter und schaffte es noch gerade so, ein Seufzen zu unterdrücken. Ich war schon längst kein kleines Kind mehr und konnte gut auf mich selber aufpassen, jedoch versuchte ich mich ausnahmsweise mal daran, die Sorge einer Mutter zu verstehen. Denn scheinbar war diese größer, als das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Unter normalen Umständen hätte mich diese Aussage vielleicht sogar ein wenig gekränkt, aber nicht heute. Immerhin hatte ich heute mein erstes Vorstellungsgespräch und dann auch noch gleich für den Job eines Dienstmädchens. Immer mal wieder hörte man allerlei kuriose Gerüchte über irgendwelche Hausherren- oder Damen, die ihr Personal schlecht behandelten. Jedoch kam es noch nie zu einer Gerichtsverhandlung diesbezüglich, geschweige denn zu einem Urteil. Wer würde es sich auch erlauben, Menschen mit Geld und Macht zu verurteilen? Dieser Job war demnach also nicht meine erste Wahl, jedoch war es die einzige Möglichkeit, mich vor einer Zwangsheirat mit irgend so einem Schnösel zu retten, den meine Eltern für mich ausgesucht hatten. Ich müsste also mein Bestes geben, um diese Arbeit zu bekommen.
      "Bis Bald", verabschiedete ich mich von meiner Mutter, nachdem diese mich noch einmal herzlich an ihre Brust gedrückt hatte. Ausnahmsweise erwiderte ich diese liebevolle Geste, bevor ich meinen Koffer schnappte und ihr und dem Haus den Rücken zukehrte. Hoffentlich würde ich nicht zu bald hierher zurückkehren.
      Die Anreise in die Stadt, hatte einige Stunden in Anspruch genommen, da unser Familienhaus etwas weiter entfernt und ländlicher lag, war es gar nicht mal so einfach, hierher zu kommen. Die Anbindungen waren schlecht und ich konnte wohl Glück reden, dass unser Nachbar ebenso hierherkommen musste, um die geschneiderten Kleider seiner Frau auf dem Markt zu verkaufen. Damit konnte ich mir schon mal die Reisekosten ersparen, sollte ich abgelehnt werden.
      Etwas verloren lief ich Mittags durch die lauten Straßen der Stadt. In meinen Händen mein Koffer und die Zeitung mit der Anzeige. Immer wieder wanderten meine Augen von dem Papier zu den Straßenschildern, in der Hoffnung irgendetwas erkennen zu können. Die hätten ruhig etwas mehr Geld in der Beschilderung der Straßen investieren können! Wie sollte man hier denn überhaupt etwas finden können?
      Ein wenig verärgert über diese Tatsache, fand ich schließlich doch noch den angegebenen Ort und klopfte schließlich an die Haustür. Im selben Moment ging diese schon auf und ein Mädchen kam über die Türschwelle getreten. Sie sah niedergeschlagen aus und ich konnte mir direkt denken warum. Entweder wurde sie abgelehnt weil sie bereits jemanden gefunden hatten, der als Maid arbeiten würde, oder aber sie hatte nicht die nötigen Fähigkeiten und Qualifikationen für diesen Job. Ich hoffte auf letzteres, ansonsten wären die letzten vergangenen Stunden absolut verschwendet gewesen.
      Das Mädchen ging niedergeschlagen an mir vorbei und ließ dabei die Haustür offen. Ich räusperte mich kurz, ehe erneut gegen das Holz klopfte. "Entschuldigung, ich bin wegen der Anzeige hier. Suchen Sie noch jemanden?", fragte ich und lugte schon einmal vorsichtig in das Haus hinein, während ich vor der Tür stehen blieb. Immerhin wollte ich nicht ohne Erlaubnis einfach so eintreten. Hoffentlich wäre dieser Typ kein perverser, alter Knacker. Ich würde mich nur schwer zurückhalten können und ihm sonst eine Scheuern, was wiederum Ärger mit dem Gesetz geben würde. Dabei hatte ich meiner Familie versprochen, so ruhig wie möglich zu bleiben und erst dann handgreiflich zu werden, wenn es absolut nötig wäre. Es war nicht so, als würde ich durch die Gegend laufen und irgendwelche Adligen verprügeln -auch wenn dieser Gedanke sehr verlockend war- aber es wäre mir vermutlich schon zutraubar, in Ärger verwickelt zu sein. Ich hatte jedoch nicht vor, den guten Ruf meiner Familie zu ruinieren, weshalb ich mich zurückhalten würde. Zumindest fürs Erste.
      "Darf ich eintreten?"
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • James Phoenix

      Mir entfuhr ein genervter Seufzer, während die Frau die Wohnung verließ. Enthusiasmus war ja schön und gut, aber die Unterhaltung hatte sich eher wie ein Verkupplungsversuch seiner Eltern angehört, als ein Gespräch über die Arbeit und das konnte ich beim besten Willen nicht gebrauchen.
      Die wie vielte war das denn nun schon?
      Ich konnte keine Anfängerin gebrauchen, nicht bei der ganzen Arbeit, die sich bereits aufgetürmt hatte und entweder machte man mir deutlich, dass man auf mehr, als nur eine Arbeit aus war, oder floh vor der Unordnung des Hauses.
      Selbst eine alte Frau mit vielen Jahren an Erfahrung, hatte mir auf genervt-höfliche Art und Weise den Tipp gegeben, erst einmal selber etwas Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
      Mir war durchaus bewusst, dass ich eine geeignete Kandidatin finden musste, bevor Simon wieder zurück war... aber das war deutlich schwerer, als ich zuerst gedacht hatte.
      „Hm? Oh, klar doch, nur rein, nur rein.“, machte ich eine wegwerfende Handbewegung in Richtung der Tür, ohne mich von meinem Platz vom Wohnzimmertisch zu erheben, welchen man vom Eingang aus sehen konnte. Selbst wenn ich wert auf Höflichkeiten gelegt hätte, gab ich es langsam auf, noch jemanden zu finden, der sich tatsächlich auf eine Stelle wie diese einlassen würde.
      War er denn wirklich so viel Arbeit? Wirklich?
      „Wie sie wahrscheinlich der Zeitung entnommen haben, bin ich James Phoenix. Und nein, der Name ist kein Scherz. Wieso fangen sie nicht mit ihren Kompetenzen an? Oder wollen sie sich zunächst im Haus umsehen und gleich fliehen?“, hörte man mir meine Müdigkeit wohl deutlich an, was nicht nur daran lag, dass ich tatsächlich übermüdet war.
    • Alice Roseworth

      Der Braunhaarige Mann winkte mich zu sich ins Haus hinein und ich tat wie mir befohlen. Ich schloss hinter mir die Tür und ging direkt ins Wohnzimmer, wo ich meinen Mantel auszog und diesen über die Lehne legte, ehe ich gegenüber von dem Herren mit den zerzausten Haaren Platz nahm. Seine begrüßenden Worte ließen mich eine Augenbraue anheben. Ich musterte ihn gründlich, um mir ein besseres Bild von ihm machen zu können. Ganz klar Workaholic.
      "Vermutlich wäre an erster Stelle angebracht, Ihnen einen Kaffee zu machen. Da ich allerdings noch nicht über die nötige Befugnis verfüge, werden wir das wohl auf später verschieben müssen", sagte ich ernst, wenn auch ruhig. "Mein Name ist Alice Roseworth und ich bin 19 Jahre alt. Meine Stärken liegen im Kochen, Schneidern, Unterrichten und Fechten", stellte ich mich kurz und knapp vor. "Dieses Haus sieht auf dem ersten Blick tatsächlich nach viel Arbeit aus, allerdings wird das nie wieder der Fall sein, sobald ich erst einmal angefangen habe -sollte ich denn eingestellt werden. Diese Unordnung hier wird eine einmalige Sache sein, daher scheue ich mich nicht, dieser Aufgabe entgegen zu treten", lächelte ich süß. Ich würde es ihm nicht gestatten, noch mal einen solchen Schweinestall zu hinterlassen. Es würde hier nie wieder so aussehen, sollte ich erst einmal angefangen haben.
      "Wenn Sie mich einstellen, werde ich ein Zimmer in diesem Haus beziehen, im Gegenzug können Sie mir ein niedrigeres Gehalt als den Damen aus der Umgebung zahlen. Ich kann Ihnen drei Mahlzeiten täglich zubereiten, so wie ein bis zwei Zwischenmahlzweiten. Ich wasche die Wäsche -flicke sie auch, wenn nötig, erledige Ihre Einkäufe und Besorgungen und kümmere mich um den restlichen Haushalt. Extra Leistungen müssen extra vergütet werden. Was sagen Sie? Deal?", fragte ich ihn und überschlug meine Beine, ehe ich meine Arme vor der Brust verschränkte und ihn eindringlich musterte.
      Ich mochte mich gerade auf ziemlich dünnen Eis bewegen, so mit meinem eventuell künftigen Arbeitgeber zu reden. Allerdings glaubte ich nicht, dass er groß eine andere Wahl hätte, als mich einzustellen. Dem Schweinestall zu urteilen würde sich so schnell kein anderes Dienstmädchen finden lassen, dass diese Aufgabe freiwillig übernehmen würde. Auch ich würde eine gute Weile damit beschäftigt sein, hier sauber zu machen. Doch wenn ich zwischen diesem Drecksloch und einer Zwangsheirat wählen müsste, würde ich mich wohl für ersteres entscheiden. Außerdem war es wirklich eine einmalige Sache, hier alles zu reinigen. Wenn ich fleißig genug wäre, würde so schnell erst mal kein neue Dreck anfallen.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • James Phoenix

      „Sie müssen ziemlich von sich selbst überzeugt sein, um sowas sagen zu können.“, gab ich von mir und lehnte mich in meinem Stuhl zurück, nachdem die junge Frau meinte, mir zunächst einen Kaffee machen zu müssen. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihr dafür Plus- oder Minuspunkte geben müsste – Simon wüsste das sicher, aber leider war er nicht hier, zu meinem Leidwesen. Er würde sich sicher Wochen lang anhören müssen, wie nervig und ermüdend die ganzen Vorstellungsgespräche waren, sobald er wieder zurück war – aber einen Kaffee konnte ich tatsächlich gebrauchen. Wie viele waren das heute nun schon? Wenn ich richtig gezählt hatte, dann war Alice Roseworth wohl die Dritte.
      Fragen und mit einer Spur von Ungläubigkeit hob ich die rechte Augenbraue, nachdem die junge Dame vor mir Fechten als eine ihrer Stärken aufzählte. Das war wirklich ungewöhnlich, soweit ich wusste, aber mein nächster Gedanke war, dass ich damit wohl keine Angst vor Einbrechern haben müsste, nicht, dass ich das ernst meinte.
      Jap, ich hatte mich nicht getäuscht, Ms. Roseworth hatte eindeutig eine Menge Selbstbewusstsein und ich sollte mich eigentlich freuen, dass jemand tatsächlich bereit zu sein schien, sich durch das Chaos, welches ich mein Haus nannte, zu kämpfen.
      Nachdenklich musterte ich die junge Frau, während ich über ihr Angebot nachdachte, ehe ich die Augen schloss, um ihre Worte besser durchgehen zu können.
      „... Deal.“, gab ich dann jedoch letztendlich von mir, erhob mich und hielt ihr die Hand entgegen, wie man es auch beim Verlag machte, wenn man eine Vereinbarung getroffen hatte, auch wenn ich normalerweise nicht derjenige war, welcher verhandeln musste und man hier auch nicht wirklich von einer Verhandlung sprechen konnte, aber ich hatte keinerlei Probleme mit ihren Bedingungen.
      Leerstehende Räume gab es genug, ich hatte sogar ein Zimmer mit Bett und Kommode, welches für den ehemaligen Besitzer als Gästezimmer gedient hatte, erinnerte ich mich.
      „Wann möchten sie denn anfangen? Ich könnte bis morgen einen Vertrag aufsetzen lassen. Ich hoffe doch, dass das in ihrem Sinne wäre.“, erkundigte ich mich. Es war eine eher neumodische Idee, Hausangestellte unter Vertrag zu stellen, aber es bot sowohl Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber gewisse Sicherheiten.
      „Ich nehme an sie haben nichts gegen eine Probewoche, immerhin will ich mir sicher sein, dass sie ihre Arbeit auch gewissenhaft machen. Natürlich werden sie für diese Woche auch bezahlt, das bedeutet nur, dass ich sie jederzeit kündigen kann, selbstverständlich können sich auch aufhören, wenn es doch zu viel für sie wird. Bei der Regelkündigungsfrist können wir von einem oder zwei Monate sprechen, was sagen sie dazu?“, führte ich mein Angebot aus.
    • Alice Roseworth

      Er ging auf meine Forderungen und Bedingungen ein, weshalb ich mich nun ebenso von meinem Platz erhob und seine Hand nahm, welche ich schüttelte. Damit schien es wohl besiegelt zu sein. Ich hatte den Job und schaffte es somit auch, mich einer Zwangsheirat zu entziehen -zumindest fürs erste. Bei seiner Frage, wann ich anfangen würde, legte ich fragend den Kopf beiseite. "Ich dachte die Stelle sei für sofort ausgeschrieben, darum habe ich bereits einige Sachen gepackt", meinte ich, nachdem sich unsere Hände wieder voneinander gelöst hatten. "Ich würde zumindest gerne sofort anfangen, wenn das möglich wäre. Je eher dieses Chaos beseitigt wird, desto besser", meinte ich. Es würde nur schlimmer werden, sollte ich allzu lange mit dem Putzen warten. Wer wusste schon, wie viel Dreck dieser Mann an einem einzigen Tag produzieren konnte. Es würde mich nicht einmal wundern, sollte in der Küche kein sauberes Geschirr mehr übrig sein, um ihm später sein Essen zu kochen. Um im Zeitplan zu bleiben, sollte ich mir vielleicht sogar als erstes die Küche vornehmen und diese auf Vordermann bringen, damit er später problemlos seine Mahlzeiten einnehmen konnte. Die Sachen die hier im Wohnzimmer herum lagen, lagen vermutlich schon etwas länger hier, darum würde das auch noch ein wenig warten können. Die paar Stunden machten nun auch keinen Unterschied mehr.
      "Ist es nicht ein wenig ungewöhnlich, einen Arbeitsvertrag aufzusetzen?", fragte ich ihn, zuckte dann aber mit den Schultern. "Soll mir recht sein. Es kommt schließlich uns beiden zugunsten. Ich bin auch mit der Probezeit einverstanden, auch wenn ich nicht vor habe aus eigenem Interesse zu kündigen. Aber hier geht es ja nicht nur um mich", stellte ich fest. Ich glaubte nicht daran, dass er mit meinen Leistungen unzufrieden wäre, jedoch konnte es durchaus passieren, dass er von meinem Verhalten genervt wäre. Ich war selbstbewusst und den meisten Männern vermutlich auch zu dominant. Wie oft hatte mir meine Mutter bereits sagen müssen, dass ich mich in Gegenwart von anderen Menschen ein wenig zügeln sollte?
      "Gibt es denn hier ein Zimmer, welches ich beziehen könnte?", wollte ich von ihm wissen. "Und haben Sie Allergien oder Abneigungen bezüglich einiger Speisen?" Immerhin wollte ich meinen Chef nicht schon an meinem ersten Arbeitstag vergiften. Das käme erst am zweiten und auch nur, wenn er garstig zu mir war.
      "Ist es Ihnen recht, wenn ich zuerst in der Küche beginne oder gibt es einen Raum der unbedingt als erstes gesäubert werden muss und ist sonst noch etwas während meiner Zeit hier zu beobachten? Irgendwelche Regeln?" Immerhin wollte ich nicht aus Versehen seine Privatsphäre gefährden und irgendwelche unangenehme Situationen herbei führen.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • James Phoenix

      „Hm? Sofort...?“, gab ich überrascht von mir, ehe ich nach der Zeitung in meiner Hosentasche griff und einen Blick auf die von Simon ausgestellte Anzeige richtete. Tatsächlich. Er hätte sich wenigstens die Zeit nehmen sollen, mir das zu sagen, fand ich, aber egal, dann war es nun mal so.
      Ob heute oder morgen, machte nun wirklich keinen großen Unterschied.
      „Gut, dann ab sofort.“, seufzte ich und schob mir meine Lesebrille hoch, um mir den Nasenrücken mit den Fingern zu massieren. Vielleicht sollte ich doch ein paar Stunden schlafen gehen... auf der anderen Seite, könnte ich vorher noch ein paar Seiten schreiben, yup, das klang doch gut.
      „Ungewöhnlich? Vielleicht, aber dem Trend nach verlangen immer mehr Arbeitnehmer Verträge, damit man sie nicht einfach raus schmeißen kann oder so... irgendwie sowas, so genau kenn ich mich zwar auch nicht aus, aber ich hab schon die ein oder andere Geschichte gehört.“, erklärte ich kurz. Dabei dachte ich, dass es heutzutage gar nicht mehr so ungewöhnlich war, oder hatte ich mich etwa geirrt?
      „Ein Zimmer... ja, ja, ich glaube das war hier...“, meinte ich und gab die Richtung vor und öffnete eine Tür neben den Treppen, in welches ich zunächst prüfend hinein blickte. Es war vielleicht etwas staubig, aber ich hatte mich nicht geirrt. Ein Bett, ein Schreibtisch, sogar eine kleine Kommode... das musste das alte Gästezimmer sein.
      „Sie können ihr Zimmer gerne gestalten, wie es ihnen beliebt.“, erklärte ich, nachdem ich den Kopf wieder raus gesteckt hatte.
      „Allergien... habe ich keine.“, meinte ich nach kurzem überlegen, „Sie können gerne anfangen, wo auch immer so möchten, aber sie sollten heute wohl noch einkaufen gehen, wenn das Abendessen nicht alleine aus Brot und Käse bestehen soll. Ich leg ihnen später das Geld auf den Wohnzimmertisch. Was Regeln an geht... stören sie mich nicht, während ich an meiner Schreibmaschine sitze. Ich glaube das habe ich noch gar nicht erwähnt... ich bin Autor und möchte daher nicht während meiner kreativen Phase gestört werden. Sollte noch irgendetwas sein... melde ich mich.“
      Es war das erste mal, dass ich mit einer fremden Person, welche nicht zur Familie gehörte, zusammen leben würde und ich war mir noch immer unsicher, ob das wirklich funktionieren würde, aber ich hatte nicht groß einen andere Wahl, wenn ich nicht wollte, dass Simon seine Drohung wahr machte.
      „Gibt es von ihrer Seite noch etwas?“, erkundigte ich mich, ehe ich mich daran machen würde, das Geld auf den Tisch zu legen und noch etwas zu schreiben.
    • Alice Roseworth

      Wir beide hatten uns von unseren Plätzen erhoben und er machte sich nun daran, mir das Haus zu zeigen. Während er dies tat antwortete er mir, dass er keine Allergien habe, was das ganze für mich erleichtern würde. So konnte ich problemlos alles kochen, was mir in den Sinn kam und würde dadurch auch mehr Vielfalt einbringen können.
      Ich sah mir das Zimmer kurz an und unterdrückte gerade noch so ein kleines Seufzen. Das Zimmer mochte zwar nicht so dreckig sein, wie die Küche oder das Wohnzimmer, jedoch sah bewohnbar anders aus. Ich würde auch hier erst einmal ordentlich putzen und abstauben müssen, bevor ich mich heute Abend in Ruhe zu Bett legen könnte. Herr Phoenix schien ein außerordentlich gutes Immunsystem zu haben, wenn ihm all diese Dinge nichts ausmachten. Mein Vater würde aus dem Niesen gar nicht mehr heraus kommen, sollte er so viel Staub ausgesetzt sein und zugegeben, fing es auch schon in meiner Nase zu kribbeln an. Höchste Zeit, dass ich mit dem Putzen begann.
      Ich stellte den Koffer schon mal in dem Zimmer ab, während wir beide uns wieder daran machten, hinunter in die Küche zu gehen. "Verstehe", meinte ich, nachdem er mir sagte, ich solle ihn nicht stören. Hmm... Autor also? Das erklärte so einiges. Ich erinnerte mich daran, dass mir mein Bruder eine Geschichte über einen Schreiber in seiner Firma erzählt hatte. Angeblich wäre der Mann nicht in der Lage alleine zu leben und ertrank förmlich Chaos. Scheinbar war es bei Herrn Phoenix nicht anders. Das geschah also, wenn Leute sich zu sehr in ihrer Arbeit verloren. Ich würde ihm wohl früher oder später beibringen müssen, auch alleine über die Runden zu kommen, immerhin könnte ich nicht auf Ewig hier arbeiten und auch er würde sich selbst einen Gefallen tun, wenn er solch einfache Dinge wie putzen und kochen lernen würde. Wer wusste schon ob sein derzeitiger Wohlstand so bleiben würde und er sich auf Dauer ein Dienstmädchen leisten könnte. Nun, das wäre nicht mein Problem, dennoch glaubte ich daran, dass es zu meinen Aufgaben gehörte, meinem Herren wichtige Dinge beizubringen, die er brauchen würde, wenn ich mal nicht da wäre. Immerhin hatten auch Dienstmädchen das Recht auf ein paar freie Tage an denen sie nicht arbeiten müssten.
      "Nein, das wäre es von meiner Seite aus. Ich würde damit beginnen die Küche sauber zu machen und anschließend einkaufen gehen. Möchten Sie dem Einkauf beiwohnen oder gestatten Sie mir das alleine zu übernehmen?", fragte ich ihn.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…
    • James Phoenix

      „Hm? Brauchst du mich etwa... dabei?“, fragte er zögerlich und ihm war direkt anzusehen, dass ihm dieser Gedanke nicht besonders gefiel, es war einfacher zu sagen, dass er enttäuscht war, sich nicht gleich wieder hinter seine Schreibmaschine setzen zu können.
      Andererseits erinnerte er sich daran, dass sie nicht aus der Gegend kam und sich wahrscheinlich in der Großstadt gar nicht auskannte... und er wusste, wovon er da sprach, immerhin hatte er sich mehr als nur einmal da draußen verlaufen.
      Kurz seufzte er und fuhr sich durchs zerzauste Haare, aber er schien wohl keine große Wahl zu haben.
      „Wenn du möchtest, habe ich wohl keine andere Wahl, als mitzukommen.“, gab er von sich, hoffte jedoch innerlich, dass sie sein Angebot ablehnte.
    • Alice Roseworth

      Ich sah ihn kurz verwundert an, als er mir anbot, mich für die Einkäufe zu begleiten. Normalerweise hätte ich direkt abgelehnt und gesagt, dass ich das auch alleine schaffen würde. Allerdings würde es diesem Mann sicherlich gut tun, wenn er mal ein wenig raus kam und an die Sonne ging. Ich würde hier schließlich nicht ewig arbeiten können und mein Ziel war es, dass er sobald ich weg war. niemand neues mehr einstellen müsste, weil er sein Leben alleine auf die Reihe bekam. Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, sein Angebot anzunehmen. "Ich denke es wäre nicht schlecht, wenn Sie mich beim Ersten Mal noch begleiten. Dann kann ich direkt sehen, welche der Läden Sie favorisieren und ich kann direkt etwas von der Stadt sehen, ohne mich zu verlaufen. Ich möchte heute lieber keine Zeit verschwenden und all meine Aufgaben erledigt bekommen", erklärte ich ihm und setzte ein leichtes Lächeln auf. "Es wird sicher nicht lange dauern", versuchte ich ihn zu ermuntern, da man ihm seinen Unmut deutlich ansehen konnte. Hätte er mir seine Hilfe nicht angeboten, wäre ich gar nicht erst auf die Idee gekommen, ihn zum Einkaufen mitzunehmen. Das hatte er sich Gewissermaßen also selbst eingebrockt.
      Nichts kann tiefer verletzen als Wortlosigkeit, nichts kann mehr verwirren als Sprachlosigkeit, lieber komme ich im Chaos des gesprochenen Wortes um, als in der schreienden Stille von endlosen Gedanken…