World At War [SunWukongIV & Codren]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Willkommen zurück!
    Wir freuen uns riesig wieder online zu sein. :) Leider kam es bei der Aktualisierung einiger Komponenten zu größeren Inkompatibilitäten, welche in Handarbeit einzeln behoben werden mussten.
    Damit hat sich für die Nutzung des Forum folgendes verändert:
    Bisherige Links zu Beiträgen sind nicht mehr gültig, da sich die Link-Struktur geändert hat. Wir arbeiten daran, dass auch alte Links wieder funktionieren, können aber noch nichts versprechen.

    Liebe Grüße
    Euer ARC-Team

    Hinweis: Solltet ihr Probleme haben Seiten im Forum aufzurufen (Fehler 404 z.B.), aktualisiert die Seite! Ihr habt noch die alte Version zwischengespeichert.

    • World At War [SunWukongIV & Codren]

      @Codren as Alice Ruben
      @SunWukongIV as Rafael "Rafa" Asteras


      "Asteras!", Rafael legte das Tablet auf dem ein Newsfeed eines nur mäßig seriösen Boulevard-Blattes flimmerte beiseite und erhob sich aus seiner Koje als sein Nachname durch den Gang vor dem winzigen Raum, welchen er auf der Basis bewohnte, schallte. Der Tonfall klang nicht danach, dass etwas gutes geschehen würde aber es war allemal besser als der Versuch sich mit Informationen über irgendwelche B-Prominenz und ihre Weltsicht abzulenken. Bei so manchem das man in diesen Feeds laß konnt eman beinahe denken, dass die Menschheit die Ausrottung durch die Käfer verdient hatte.

      Die automatische Tür sprang auf und eine Frau mit strengem Blick, rabenschwarzem Haar und einer perfekt gebügelten Uniform trat herein. "Gunnery Sergeant Asteras ist anwesend!", Rafael salutierte und nahm seine Hand hinunter nachdem seine Gegenüber die Geste erwiedert hatte. First Lieutenant Vargaz war der Archetyp einer Schreibtischsoldaten und fleißig genug, nach Rafaels Einschätzung zumindest, um eines Tages Generälin zu werden aber er mochte Sie trotzdem nicht, besonders da Sie ihm zu penibel war und gute Arbeit nicht zu schätzen wusste.

      "Laut den Richtlinien braucht die Basis eine doppelte Umzäunung, augenscheinlich fehlt diese uns aber an zwei Seiten und ihr Team sollte die Zäune bearbeiten! Ihre Erklärung?", Sie schaute ihn mit einer Mischung aus Überlegenheit und Verachtung an, dass es Rafael einen Schauer über den Rücken jagte, doch er hatte nicht vor sich bloß stellen zu lassen.

      "Laut Regelung brauchen wir einen Mindestbestand and Ersatzmaterial, da die meisten Materialien direkt zur Front gehen haben wir zu wenig hier, also muss man eine der Regelungen brechen, ich habe mich für die von ihnen genannte entschieden.", er vermied ein Grinsen da er wusste, dies würde ihm letztlich nur Scherereien machen auch wenn er es gewollt hätte. Seine Gegenüber sah die Situation augenscheinlich jedoch anders und schüttelte nur den Kopf mit einem Blick auf ihre Liste, "Hier liegt eindeutig eine Fehlentscheidung ihrerseits for Asteras und ich werde das vermerken aber Sie werden ohnehin zu einer anderen Aufgabe versetzt und First Sergeant Chow übernimmt ihre Position. Melden Sie sich bei Major Keller, umgehend!"

      Diskussionen mit manchen Leuten waren sinnlos und Rafael war zu klug um sich den Ärger ins Haus zu holen den eine bissige Bemerkung erzeugt hätte, daher nickte er nur und atmete dann erleichtert auf als die Frau sein Quartier wieder verlassen hatte. Versetzungen waren nicht immer gut, häufig sogar furchtbar aber Vargaz nicht mehr ertragen zu müssen hatte einen süßen Klang, welchen er kaum in Gefühle fassen konnte.


      "Es tut mir Leid Sir aber ich habe hier keine Berechtigung vorliegen, dass Sie Waffen mit in den Komplex nehmen dürfen.", erklärte der zuständige Mitarbeiter am Empfang des Warden-Komplexes, dem Binate-City Sitz der Vereinten Nationen und deutete dabei auf Rafaels Gewehr. Der Soldat seufzte nur entnervt und legte kurzerhand sein Gewehr wie auch seine Pistole auf die Ablage vor ihm ab, "Dann bleiben die Sachen halt hier sofern Sie darauf aufpassen."

      Major Keller hatte ihm seinen Auftrag recht unverblümt mitgeteilt und er hatte zumindest einen Tapetenwechsel versprochen. Da eine große politische UN-Versammlung angesetzt war um sich wegen des Käferproblems zu beraten, würde es erhebliche Risiken geben und man erwartete Proteste und kleinere Aufstände derjenigen, welche unzufrieden waren mit der politischen Situation. Zwar war dies nur am Rande von militärischer Bedeutung aber da die städtische Polizei kaum hinterher kam mit ihrem Tagesgeschäft und diplomatischer Schutz längst in militärische Hände übergegangen war, hatte man ihn hierher geschickt damit er bei der potenziellen Befestigung, sowie einem Verteidigungskonzept half.

      Rafael glaubte nicht wirklich hier viel helfen zu können, besonders da man ihn wohl kaum ein Minenfeld legen lassen würde aber es gab ja immer unvorhergesehenes und zudem hatte er Gerüchte gehört, dass die Kantine des diplomatischen Komplexes einen Michellinstern besaß, was alleine schon die Versetzung wert sein konnte. Nachdem er also seine Wafen abgelegt hatte und wenigstens um einen Scan herum kam marschierte er in das Eingangsgebäude. Mit dem dunklen Kampfanzug fiel er unter den Anzugträgern auf wie ein bunter Hund, bekam aber wenigtens den Salut einiger Wachmänner ab. Wieso eine solche quasi zivile Mission volle Einsatzausrüstung erforderte war ihm schleierhaft aber befehl war Befehl und im Zweifel wäre er auch mit dem Fallschirm über dem Gebäude abgesprungen, wenn es denn verlangt worden wäre.

      Sein Ziel war das Sicherheitsbüro, bzw. der Bereich in dem die Räume für Sicherheitspersonal, Überwachung und ähnliches lagen und als Ansprechperson hatte er nur einen Sergeant Parler, den oder die es zu finden galt. Glücklicherweise gab es eine halbwegs vernünftige Ausschilderung und nachdem er das erste Gebäude durchquert hatte fand er den Betonklotz, welcher im Untergeschoss 1 anscheinend die für Sicherheit zuständigen Räumlichkeiten beinhalten sollte. Im Untergeschoss selbst fand er den Raum recht schnell, welcher wohl als Sicherbüro gedacht war. Von außen war es eine schmucklose machanische Schiebetür gesichert mit einem Scanner für die Checkkarten der Belegschaft, doch nach einer Handbewegung stellte sich heraus, dass dieselbe Bürokratie welche ihm die Waffen genommen hatte auch die Karte nich vollständig freigeschaltet hatte und so bekam er nur ein rotes Blinken und einen knartzenden Fehlersignalton zu hören.

      "Ach verdammter Mist.", seufzte er schulterzuckend und fischte dann ein kleines Päckchen von seinem Gürtel, dessen Klettverschluss er öffnete und einiges an kleinem Werkzeug herausholte. Zum abnehmen der Scannerplatte brauchte er nur ein paar Sekunden, dann suchte er nach dem passenden Schaltkreis, bog ein paar Kabel um und nach etwa zwei Minuten herumwerkeln an der Tür, blinkte der Scanner gelb auf und die Tür öffnete sich zur Hälfte.

      "Der gute alte Wartungsmodus.", säuselte er vor sich hin als er die Tür Ganz aufschob und im Raum dahinter auf mehrere Personen blickte, welche ihn logischerweise etwas verwundert anstarrten, insbesondere da ihre Tür nicht regulär geöffnet wurde. Rafael klopfte wie zur Begrüßung auf seinen Helm, welcher an seiner Seite hing und schaute in den Raum auf die Personen vor sich, "Ich suche nach Sergeant Parler. Ich hoffe doch sehr stark, dass einer von euch das ist? Und nein die Tür ist nicht kaputt bevor das jemand fragt."
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von SunWukongIV ()

    • In den letzten zwei Wochen war Binate City's Bevölkerung um ein Drittel gewachsen und im nächsten Monat erwartete man, dass doppelt so viele Menschen in der Großstadt sein würden wie eigentlich jemals geplant. Das hatte auf Dauer ganz drastische Auswirkungen, angefangen bei grundlegender Versorgung und Strom, aber am schlimmsten wäre das wohl für das Militär. Sie waren eh schon unterbesetzt, täglich starben noch dazu hunderte außerhalb der städtischen Begrenzungen, und mittlerweile hatten sich die Aufgaben des Militärs denen der Polizei angeschlossen. Es war nicht vorzustellen was passieren würde, wenn die ersten Aufstände ausbrachen.
      In der Zentrale herrschte seit Anfang der Katastrophe schon ein ständiger Umschwung. General Ludwing ließ sich dort nicht mehr blicken, er reiste seit einem Jahr von Stadt zu Stadt und redete mit Bürgermeistern, traf sich mit dem Präsidenten, stellte sich der Presse und der Öffentlichkeit. Sämtliche Colonels waren an der Front, Lieutenants wurden so schnell degradiert und wieder befördert, dass man bald keinen Überblick mehr hatte, und in den Nachrichten redete man von Zwangsrekrutierung. Insofern war es gut, einen Sündenbock vorzeigen zu können, aber es besserte nicht die Meinung über die momentanen Zustände.
      Eine Sache änderte sich zum Glück nicht so schnell und das war die Abteilung für Sicherheit aller innerstädtischen Versammlungen, zu der auch Sergeant Parler und ihr Team gehörte. Solange es Städte geben würde, würde es auch schutzbedürftige Menschen geben, die sich vom Militär ihre Feinde vom Hals halten ließen.
      Soldaten, die dieser Abteilung zugewiesen wurden, waren entweder besonders fähig in dem, was sie taten, oder sie waren zu unfähig um sie an die Front zu schicken. So oder so bestand das Team aus 19 Köpfen, die alle einsatzbereit waren und nur darauf warteten, dass ein nächster Einsatz sie forderte. Wie zum Beispiel eine UN-Versammlung.

      Corporal Alice Ruben war bereits seit fünf Uhr morgens auf den Beinen und ging mit Sergeant Parler und zwei anderen aus ihrem Team die Gebäudekarten durch. Glücklicherweise kannten sie bereits alles auswendig, weil die Versammlung im Festhaus stattfand, dem wohl gängisten Ort für politische Meetings, allerdings gab es diesmal einige Veränderungen. So war neben dem Ansturm an Schaulustigen auch mit einer Demonstration zu rechnen, die sich über drei Blöcke weiter ziehen würde und den Platz vor dem Festhaus ganz für sich beanspruchte - für das Militär reine Arbeit, zu dem sie nicht genug Leute besaßen. Zudem brachte jedes Mitglied der Versammlung sein eigenes Trupp an Soldaten mit, sodass die ganzen Waffen noch einmal eine zusätzliche Aufsicht benötigten. Und letzten Endes mussten sie sich - wie jedes Mal - einen geeigneten Rettungsweg suchen, falls die Sache außer Kontrolle geraten würde. Der Verlust eines Staatsmannes in Zeiten wie diesen würde wahrscheinlich eine Revolte auslösen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Umso wichtiger war es keinen Fehler zu machen, aber das würden sie sich auch unter anderen Umständen nicht erlauben.

      Nach fast fünf Stunden der Planung war es dementsprechend eine willkommene Abwechslung, als die Schiebetür mit einem leisen Surren aufging und Corporal Vendrick hereintrat, dicht gefolgt von einem großgewachsenen, schwarzhaarigen Mann, den Alice noch nie gesehen hatte - an den sie sich aber durch die unübersehbare Narbe an seiner Wange sicherlich erinnert hätte. Vendrick salutierte vor Sergeant Parler, welche sich wiederum von der Projektionswand wegdrehte, den Laser ausschaltete und selbst salutierte. Das war das Zeichen an die anderen drei Personen im Raum, einschließlich Alice, die allesamt aufstanden und salutierten. Die Begrüßung hielt aber nicht lange an; sie waren alle froh sich wieder setzen zu können.
      “Gunnery Sergeant Asteras ist soeben eingetroffen. Er sucht nach Ihnen, Sergeant.”
      Gunnery Sergeant Asteras, es ist mir eine Ehre Sie in unseren bescheidenen Räumlichkeiten begrüßen zu dürfen, aber wir sind gerade in einer Besprechung. Vielleicht möchten Sie in…”, sie blickte kurz auf die Uhr, “vier Stunden wiederkommen?
      Die Blicke von Alice und ihrem Gegenüber trafen sich und allein die Disziplin hinderte sie beide daran, einen Seufzer der Erschöpfung zu tun. So sehr sie Parler auch mochte - und das tat sie ganz gewiss - konnte sie doch nicht ihre Strenge bei der Ausarbeitung von Plänen ertragen. Leider war der Sergeant dabei gründlicher, als es gesund war. Sie blickte zum Gunnery Sergeant auf in der innigsten Hoffnung, er würde eine Erlösung mit sich bringen.
    • Die Verwirrung von Corporal Vendrick war Gott sei Dank klein ausgefallen nachdem Rafa so einzigartig in das Sicherheitsbüro geplatzt war, zumal er daraus ein Argument für strengere Vorschriften für das Wartungspersonal hatte spinnen können, dass der Soldat akzeptiert hatte, vermutlich aus Stress oder reiner Apathie heraus und der Corporal hatte sich mit seinem eigenen Sicherheitszugang dafür eingesetzt, dass der Freigabeprozess seiner Keycard beschleunigt wurde, womit er erstmal keine Türen mehr aufbrechen musste, zumindest nicht um einen Raum zu betreten. Danach hatte der Soldat ihn freundlicherweise in einen Nebenraum geführt in welchem sich wohl Sergeant Parler aufhalten sollte und als er durch die Tür trat sah er vier Personen, wobei die Ranginsignien an der Schulter einer Frau Sie klar als Sergeant auszeichnete und sobald er zusammen mit Vendrick den Raum betrat standen die vier allesamt auf und Salutierten. Rafael erwiederte den Salut lässig aber auf eine sichtbar entspannte und weniger formelle Art und hörte sich dann an wie Sergeant Parler ihn freundlichst darum bat doch später wieder zu kommen.
      "Auch wenn vier Stunden Pause sicherlich angenehm klingen Sergeant, bin ich mir sicher, dass die Schreibtischtäter, welche mich hergeschickt haben, nicht meine Erholung im Sinn hatten oder ihnen ein Sofa zu blockieren.", Rafael suchte sich eine geeignete Ablagestelle und legte seinen Helm dort ab, "Ich schlage vor Sie zeigen wir wo ich diesen Kampfanzug lassen kann, denn ein vier Stunden Meeting in dem Ding würde ich gerne vermeiden und dann erklären Sie mir die aktuelle Lage damit ich meine Expertise miteinfließen lassen kann, denn dafür bin ich hergekommen und eventuell können Sie hier jemanden entbehren der meine Waffen vom Eingang abholt, den aktuell liegt dort genug Explosivmaterial um die Eingangshalle einzureißen, zwar sind die Zünder hier bei mir aber Sicher ist sicher nicht wahr?"

      Rafael war kein Offizier und er hatte keine Lust an diesem Ort Rang sprechen zu lassen, schließlich war er nicht hier um irgendein Kommando zu übernehmen sondern um zu unterstützen und so wie das Ganze schien, hatte entweder niemand ein Memo an Sergeant Parler geschickt oder diese hatte es einfach nicht gelesen oder verschlampt. Das hier klarer Stress vorherrschte war klar erkennbar und es wahr nicht hilfreich den noch schlimmer zu machen, auch wenn er vier Stunden Besprechung wirklich etwas übertrieben fand.
      Sein Blick viel zur Seite auf Corporal Vendrick, "Corporal vielleicht machen Sie kurz den Abstecher und holen die Ausrüstung ab?"
      Rafael formulierte es nicht wie einen Befehl aber er machte zumindest mit einem Blick klar, dass er nicht davon ausging das seine Bitte abgelehnt wurde und wendete seinen Blick dann auf dem Tisch auf welchem Karten projeziert waren, welche die Anwesenden anscheinend durchgesehen hatten bis er angekommen war, "Also ich nehme an das sind ihre Pläne und es geht um die Sicherheitsplanung der UN-Sitzung richtig?"
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • In der Miene von Sergeant Parler arbeitete etwas, das sie für einen Moment verdutzt dreinblicken ließ und dann fast schon ein Strahlen in ihr Gesicht zauberte. Auch Alice ließ sich in der Euphorie mitreißen, denn es kam nicht oft vor, dass das Team Verstärkung bekam. Gar nicht oft.
      "Vendrick, bewegen Sie Ihren Hintern und holen dem Gunnery Sergeant die Ausrüstung ab! Hier, setzen Sie sich neben Corporal Ruben, sie tätigt die Mitschrift."
      Das war das Stichwort aus der traumgleichen Trance aufzuwachen und sich im Stuhl aufzurichten, schließlich wollte Alice den Neuzugang nicht vergraulen. Sie schob ihm äußerst großzügig ihr Tablet hinüber und wechselte zur Allgemein-Ansicht, woraufhin die beschriftete Karte einer Übersicht kleinerer Karten und Dokumente wich. Auch Sergeant Parler schien wieder etwas mehr Leben bekommen zu haben.
      "Verstärkung ist uns hier immer Recht, Gunnery Sergeant Asteras. Kann ich Sie nur Asteras nennen? Wir wollen hier keine Zeit verschwenden."
      Alice musste sich einen sarkastischen Kommentar verkneifen. Sergeant Parler wechselte die Projektion an der Wand und fing quasi von vorne an.
      "Die UN-Versammlung wird im Festhaus am Könrichsplatz stattfinden. Insgesamt werden 122 Mitglieder erwartet, der Rest schaltet sich Online hinzu. Das Team von Sergeant Witz übernimmt die Eingangskontrolle an der Stadtgrenze und die Eskorten übernimmt Master Gunnery Sergeant Velio. Auf dem Platz selbst wird es Demonstrationen geben, die von der Polizei überwacht werden und das Festhaus wird von Lieutenant Scolas besetzt, was bedeutet, dass unser Gebiet sich ausschließlich auf die umliegenden Straßen beschränkt."
      Die Ansicht wechselte zu einer Stadtkarte, auf der einige Kreise eingezeichnet waren. In der Mitte thronte der Könrichsplatz.
      "Die Demonstranten fangen am Morgen auf dieser Seite an und werden die Straße runterziehen, bis sie die Eskorte quasi abfangen können. Hier vorne ist der Bereich für Zivilisten abgesperrt und die beiden Straßen hier hinter dem Festhaus werden komplett abgeriegelt. Wenn es zu einem Vorfall kommen sollte, werden sämtliche Versammlungsmitglieder zur Hintertür rausgebracht und von dort über die beiden Straßen geführt, wo dann ein Transporter auf sie wartet und sie zur Zentrale bringt, bis die Lage sich beruhigt hat. Sollten sie das Festhaus nicht verlassen können, werden sie in den dortigen Bunker gebracht, aber das ist dann die Aufgabe von Lieutenant Scolas. Ich sage es noch einmal: Wir werden in keinem Fall das Festhaus betreten. Der Lieutenant hat sehr deutlich gemacht, dass er sich selbst um die dortige Sicherheit kümmern wird und wenn hier niemand zur Bürokraft degradiert werden möchte, werden wir uns daran halten. Corporal Mendos wird mit seinem Team die Seitengassen besetzen, ich erwarte alle zehn Minuten eine Meldung.
      Corporal Mendos nickte kurz - er war ein junger, schlanker Mann mit einer weißlich-gelblichen Gesichtsfarbe, die ihn krank aussehen ließ.
      Ich werde mit Corporal Vateria und unserem Team beim Könrichsplatz bleiben und sicherstellen, dass die Eskorten reibungslos funkt. Corporal Ruben wird mit dem Rest die Dächer besetzen. Wir haben den Aussichtsturm der Solingenstraße für unsere Zwecke sperren lassen und ansonsten haben wir die Erlaubnis die Dächer der Bank und der Börse zu nutzen. Ich will mindestens fünf Soldaten auf den Häusern beim Könrichsplatz selbst sehen, aber den Rest überlasse ich wie immer Ihnen, Ruben. Gibt es bis hier hin Anmerkungen, Asteras?
    • Sergeant Parlers Worte ließen den Corporal neben ihm letztlich aufhorchen und der Mann eilte davon um die Aufgabe zu erfüllen, welche ihm nun aufgetragen wurde, während die Sergeant vor ihm wieder damit begann den vorherrschenden plan zu erklären, wobei ihm die andere Frau im Raum, ein Corporal namens Ruben, ihm ein Tablet mit den gesammelten Informationen hinüberschob. Die Menge an Karten, Akten und anderen Dokumenten war groß genug um ihm Kopfschmerzen zu bereiten und so warf er nur einen kurzen Blick auf das Tablet, bevor er sich auf die große Projektion konzentrierte über welche Sergeant Parler die Kontrolle hatte denn so wie sich der Elan der Frau zeigte, würde es viel zu hören und sehen geben, auch ohne das Studium von Akten.
      Rafael hörte zuerst schweigend zu, lediglich leicht nickend wenn es angemessen war, um zu zeigen, dass er noch zuhörte was erzählt wurde. Offensichtlich stand der Plan im Kern bereits und allzuviel gab es gar nicht mehr anzupassen, was angesichts der zeitnahen Durchführung wohl auch nicht verwunderlich wahr. Dann jedoch holte Parlers Frage nach Anmerkungen ihn aus seinem Schweigen heraus und er streckte leicht die Arme aus um sie zu lockern.
      "Rafael ... Rafael Asteras, da kein CO anwesend ist und Formalitäten hier wohl nicht viel Nutzen haben ist Rafael in Ordnung, Sergeant."
      Er stand von dem Stuhl auf, auf welchen er sich zuvor niedergelassen hatte und schaute näher auf die Projektion, während er sich mit dem Händen auf den großen Tisch stützte, über dem die große Stadtkarte projeziert war. Es war eine sehr nüchterne Darstellung der Stadt, bei welcher jegliche Positiven udn negativen Seiten fehlten, eben direkte kalte Pläne.
      "Bei 122 anreisenden Gästen, rechnen wir vermutlich auch mit einem Gefolge oder einer Entourage pro Gast richtig? Also Sekretärinnen, Berater und so weiter, vermutlich ist also die fünffache Anzahl hier jene mit der geplant ist. Der Transportconvoi wird also ordentlich die Strassen verstopfen."
      Rafael schob seinen Finger auf eine Stelle der Karte und fuhr dann einige Strassen mit dem Finger ab, bevor er an einer Stelle stoppte und den Finger hob wie bei einer Meldung in der Schule.
      "Wie sieht es mit den Eingängen aus? Der Haupteingang ist gesichert und hat militärisch gepanzerte Gatter, wenn die unten sind kommt da keiner mehr rein, der nicht viel Zeit und schweres Equipment hat aber hier gibt es einen Extraeingang für Küchenlieferungen, Bürokram, Toilettenpapier und so einen Kram und wenn ich das hier richtig sehe gibt es zwar zwei Schutztüren hintereinander aber ich habe improvisierte Sprengladungen gesehen, die da definitv durchkommen. Zwei von denen und jemand ist drin. Dazu kommt noch die Kanalisation, ich meine Teile des Komplexes heir sind quasi Altbauten, ich wette es gibt ein halbes Dutzend Kellerräume die so parallel zur Kanalisation verlaufen, dass man sich da durchgraben kann. Mag zwar bisher nicht passiert sein aber, dass heißt ja nicht das nicht noch jemand drauf kommen kann. Wenn ich die Pläne so sehe habt ihr die Strassen komplett gesichert, aber das wären die beiden Stellen die ich noch absichern würde wenn es hier eine reine Militärbasis wäre."
      Er lies sich zurück in seinen Stuhl fallen und blickte in die kleine Runde.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Sergeant Parler hörte Asteras äußerst aufmerksam zu und auch Alice musste bei seinen Worten an etwas denken. Sie schnappte sich ihr Tablet wieder und fing an nach der richtigen Karte zu suchen, während Parler ganz begeistert dreinblickte. Sie liebte es zu planen.
      "Vollkommen richtig, Rafael! Sie haben ein Gespür für solche Banalitäten. Mendos, inwieweit kann Ihr Team auch den Seiteneingang im Auge behalten?"
      Der angesprochene Corporal senkte seinen Blick auf das Tablet vor ihm und studierte die Karte darin. Die Antwort kam recht zügig.
      "Wenn wir uns im Rölweg positionieren, können wir sowohl die Gasse, als auch den Seiteneingang im Auge behalten."
      "Ausgezeichnet. Gibt es weitere Eingänge, die wir im Auge behalten müssten? Ruben?"
      Alice schaltete wieder zurück.
      "Es gibt einen gesonderten Eingang für Lieferanten und zwei gesonderte für das Personal, einmal für die Techniker und einmal für die Rezeptionisten und Köche. Die liegen nebeneinander, aber der für die Techniker führt in den Keller und der für das Personal ins Festhaus hoch. Außerdem gibt es natürlich noch die Luftschächte, wenn wir das auch in Betracht ziehen."
      "Wenn Sie die Nebeneingänge im Blick behalten, haben wir von jeder Seite des Gebäudes einen Blick darauf. Dann werden uns auch keine Luftschächte entgehen."
      "Rafael's Einwurf zu der Kanalisation ist aber auch nicht so unwichtig."
      Alice blickte kurz auf ihr Tablet hinab.
      "Wissen Sie noch, dass die Tunnel vor fünf Jahren renoviert wurden, als die Straßen so brüchig wurden? Sie haben den Kanal verlegt, aber den alten nicht abgerissen aus Angst, dass die Erde nicht standhalten würde. Eben dieser Bereich liegt unter dem Festhaus, wir müssen dort auf jeden Fall einmal vorbeischauen."
      "Und genau deswegen, verehrte Kollegen, beziehen wir schon am Vorabend Stellung! Vateria, Sie werden mit mir kommen; Mendos, Sie werden mir die genaue Position ihres Teams weitergeben, sobald Sie sich positioniert haben und Ruben, Sie werden in die Kanalisation hinabsteigen, bevor Sie die Dächer beziehen. Erteilen Sie mir einen kurzen Statusbericht über die Lage, den Rest werde ich Ihnen überlassen. Wollen Sie sie vielleicht begleiten, Rafael? Ein zusätzliches paar Augen wird nicht schaden."
    • Rafael war überrascht von dem was er da losgetreten hatte, denn diese Sergeant Parler schien gerade zu extatisch gerne zu planen. Sofort begann Sie neue Änderungen vorzunehmen und Befehle weiterzugeben und niemanden außer ihm schien das ganze groß zu wundern, vermutlich weil Sie alle es schon gewohnt waren. Er würde sich also zurücklehnen und schauen wie das Ganze sich entfaltete.
      Die Frage ob er nicht vielleicht auch in die Kanalisation gehen wollte traf ihn dann jedoch etwas unerwartet, zwar wäre es völlig legitim gewesen einfach nein zu sagen, konnte Parler ihm ja nichts befehlen andererseits könnte er dort vermutlich noch am ehesten nützlich sein und er war in seinem Leben definitiv schon an schlimmeren Orten gewesen als einer Großstadtkanalisation.
      "Wieso nicht, dort unten bin sicherlich nützlicher als wenn ich hier nur rumgammle und besser so als wenn da unten noch was wichtiges übersehen wird.", er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und sah leicht auf zur Decke des Raumes.
      "Nun Sergeant Sie sagten etwas von vier Stunden, ich nehme an, dass Sie noch mehr Informationen und Details haben richtig?"
      Eigentlich wollte er die Antwort gar nicht wissen, denn gegenüber vier weiteren Stunden Planung erschien die Kanalisation durchaus reizvoll aber er wollte auch nicht der Spielverderber sein, der reinkam und alles über den Haufen warf, woran die Besatzung gewöhnt war weshalb er einfach nur in den Raum blickte und abwartete, was passieren würde.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Tatsächlich gab es noch so einiges, wodurch sich die Gruppe schlagen musste. Neben verschieden Szenarien, die sie durchgehen mussten - eingeteilt in die Kategorie "Mensch" und "Käfer" - musste auch noch die Frage nach der Ausrüstung geklärt werden und was sie tun würden, wenn einer von ihnen verletzt wurde oder - aus welchem Grund auch immer - die Munition ausging. Alles in allem dauerte es zwar keine vier Stunden, aber drei saßen sie bestimmt noch dort, bis Sergeant Parler fröhlich in die Hände klatschte und sie allesamt ermahnte, am Vorabend pünktlich auf ihren Posten zu sein, "Denn sonst könnt ihr die nächste Versammlung vom Schreibtisch aus verfolgen!".
      Alice, die sich bis dorthin Notizen gemacht hatte, eine Übersicht über ihre zu bearbeitenden Punkte erstellt hatte und sich bereits eine Aufstellung ihrer Leute überlegt hatte, suchte den Kontakt zu Rafael, der bereits wie die anderen den Raum verließ. Sie holte ihn bei seinem Tempo schnell ein.
      "Wenn wir in die Kanalisation sollen, muss ich von Ihnen wissen was Ihre Fähigkeiten sind. Und wieso Sie überhaupt hier sind - Sie sehen aus als könnten Sie an der Front sein."
      Entgegen Rafael's lässigem Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten, zog Alice eine ernste Miene. Sie würde sich bei dieser Aufgabe genauso viel Mühe geben, wie sie es auch bei kleineren tat und ein neuer in der Gruppe würde daher erstmal von ihr ins Visier genommen werden müssen.
    • Nach einer Zeit, welche Rafael wie die Unendlichkeit vorkam war das Meeting endlich vorbei und er stand auf um bloß aus diesem muffigem Planungsraum hinaus zu können, zusammen mit zweien der anderen Teammitglieder war er bereits zur Tür hinaus als die andere Frau, Alice Ruben, wie er sich erinnerte, zu ihm aufholte und ihn erstaunlich direkt und ernst ansprach. Es schien, dass zumindest Sie diese Aufgabe besonders ernst nahm.
      "Die richtige Zeitform ist war Corporal Ruben, nicht sein.", er lies sich auf einen etwas gemütlicheren Sitzplatz im Vorraum fallen und schielte kurz zu einem Getränkeautomaten hinüber, widerstand aber vorerst dem Drang sich etwas zu holen, "Ich war zu Beginn der Käferinvasion an der Front, da war Sie noch sehr viel weiter weg und keiner hat über das potenzielle Ende der Menschheit geredet. Insgesamt waren es drei Monate, hauptsächlich Minenfelder und Bunkeranlagen sichern, sowie Stellungen verteidigen, nicht glamorös aber wirkungsvoll."
      Er machte eine kurze Pause und stellte beim umschauen erfreut fest, dass seine Ausrüstung nun in einem Zugriffsspind stand, offensichtlich hatte Vendrick seine Aufgabe gewissenhaft erfüllt.
      "Aufgrund der Stresssituation an der Front ist die Rotation teilweise schneller geworden und zudem werden bestimmte Spezialisierungen häufiger gebraucht daher ging es irgendwann wieder zurück und später dann auch hierher nach Biante City. Falls Sie also fragen wollen ob das hier eine Strafversetzung ist dann nein, auch wenn ich mir meine Berufung zu den Spezialeinsatzkommandos eher gewünscht hatte. Wenn ich raten müsste dann bin ich hier, weil niemand aus ihrem Team ein ausgebildeter Kampfingenieur ist und man jede Eventualität checken muss. Das Käfer hier auftauchen glaube ich zwar nicht, trotz der pessimistischen Planung ihres Sergeants, dafür ist die Front noch ein paar hundert Meilen zu Weit weg, aber ehrlich gesagt könnte alles passieren und wenn die Biester uns nicht überraschen, dann vermutlich die Menschen hier in der Stadt."
      Nun hielt Rafael es nicht mehr aus, stand auf und ging zum Automaten um sich eine Limonade zu besorgen. Mit einem Rattern und anschließendem stumpfen aufprall landete die Dose im Entnahmefach.
      "Also noch weitere Fragen oder wäre damit alles geklärt Corporal?", fragte er in ihre Richtung bevor er die Getränkedose öffnete und mit einem großen Schluck die trockene Kehle nach dem langen Meeting wieder ein wenig befeuchtete.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Alice setzte sich zu Rafael auf das schmale Sofa, vermied es allerdings sich zu entspannen. Sie hatte gehofft er hätte den Weg zur Rüstkammer, oder wenigstens zum Waffenarsenal eingeschlagen, aber momentan sah das nicht so aus. Es blieb sogar abzuwarten, ob der Gunnery Sergeant einer von denen war, die nur etwas taten wenn man es ihnen vorschrieb, oder die auch eigenständig handelten - das würde sie wohl bald genug herausfinden.
      Anscheinend war sie mit ihrer Annahme korrekt gewesen, dass er an der Front war, was auch die Narbe an seiner Wange erklären konnte, allerdings wollte sie so direkt auch nicht danach fragen. Sie hörte sich seine restliche Ausführung an und beschloss dann, dass es wohl erstmal ausreichend Informationen waren.
      "Nein, das ist erstmal alles. Sie haben recht, einen Kampfingenieur haben wir hier ganz sicher nicht, aber wir hatten auch noch niemanden von der Front hier. In diesem Fall sind Sie der erste in beiden Kategorien."
      Sie stand wieder auf, das herumgesitze schadete ihren Nerven.
      "Sie können sich geehrt fühlen, oder auch darüber nachdenken, was Sie wohl falsch gemacht haben, um hier zu landen. Je nachdem aus welchem Blickwinkel man es sieht."
      Sie zuckte kurz die Schulter.
      "Wir treffen uns um 19.30 Uhr an der Könrichsstraße. Denken Sie an Ihre Ausrüstung - haben Sie sich überhaupt notiert, was Sie alles brauchen?"
      Alice suchte nach einem Tablet, das irgendwo an seinem Körper hängen mochte, entschloss sich dann aber dafür nicht den Sergeant zu spielen und den Mann seinem Schicksal zu überlassen. Hätte sie Leute herumkommandieren wollen, wäre sie ein Sergeant geworden.
      "Sein Sie pünktlich."
    • Während er trank und Alice zuhörte, lies er sich die Worte kurz durch den Kopf laufen, entschied sich aber nicht zuviele Gedanken daran zu verschwenden, schließlich war die Realität vermutlich komplexer als die Sicht der hier Anwesenden. Nachdem also die Dose halb geleert war richtete er sich wieder an die Frau in seiner Nähe.
      "Mein Blickwinkel ist, dass ich hier meinen Job mache und dann wieder gehe Corporal, vielmehr ist da nicht zu sehen. Ich habe den einen oder anderem Offizier mal auf die Füße getreten aber nie genug um echte Strafen zu riskieren, zumal sich heutzutage niemand mehr darum kümmert wenn die Situation so kritisch ist. Was die Ausrüstung angeht so sehe ich keinen Grund für Notizen, mein Einsatzbefehl sagte volle Kampfmontur und Aufgabenausrüstung, daran halte ich mich, wenngleich das auch vielleicht ein wenig Overkill sein mag."
      Er nahm einen erneuten Schluck aus der Dose.
      "19:30 Uhr geht klar, ich werde jetzt die Mensa hier austesten und hoffe dass Sie mit diesem Temperament keinem CO antworten, sonst weiß ich warum Sie hier sind."
      Mit diesen Worten marschierte Rafael zur Tür hinaus, die Getränkedose immer noch in der Hand und ein lockeres Lächeln auf den Lippen.

      Nachdem er eine Zeit inder Mensa verbracht hatte, welche tatsächlich merklich besser war als jede Militärkantine, wenngleich er auch nicht sicher war ob es ein Sterneniveau war, ging er zurück in das Büro um seine Ausrüstung zu überprüfen. Im Prinzip hieß dies, dass auseinandernehmen und säubern der Schusswaffen, sowie die Prüfung der Funktionalität von jedem anderen Stück Equipment. Nachdem alles in bester Ordnung war sah er auf die Zeitanzeige seines Armmonitors, 18:45.
      Beim Anlegen der Ausrüstung folgte eine letzte Überprüfung bevor er losging. Wie die meisten Straßen in der Gegend war auch die Könrichstraße hoch metropolisiert und daher nicht sonderlich spannend wie er fand, denn die Kombination aus Stahl und Beton war selten wirklich der Höhepunkt der Schönheit. Trotzddem stand er gegen 19:10 in der Straße bereit und sah sich eingehend um. VIel los war nicht was vermutlich daran lag, dass die Polizei bereits Zugänge zu der Gegend einschränkte aber sicher sagen konnte er es nicht, dieser Tage konnte es die verrücktesten Gründe für alles geben denn die Käfer und ihre Invasion schadete ebenso der Psyche der Menschen.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Alice's nächster Weg führte sie zum Besprechungsraum wo sie ihr Team zusammentrommeln ließ, was dafür sorgte, dass sich ihr und Rafael's Weg trennten. Darum war sie erstmal nicht traurig; sie nahm sich vor eine gewisse Distanz zu dem Mann zu halten, der viel zu sorglos mit der Welt umzugehen schien. Fast wollte sie ihm sogar nicht glauben, dass er tatsächlich an der Front gewesen war, bei der Art und Weise, wie er sich verhielt.
      Bis sie am Abend an der Könrichsstraße auftauchte, die erst in den Morgenstunden abgesperrt werden würde, war sie den ganzen Tag am organisieren und die restliche Zeit am Vorbereiten. Immerhin war sie stolz auf ihr Ergebnis, denn als sie auf Rafael zuging, der schon zu warten schien, sperrten die anderen bereits die Dächer ab und bezogen ihre Positionen. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits seit 14 Stunden auf den Beinen und es würden sicherlich weitere 16 werden, bis sie sich hinlegen konnte. Bei dem Mangel an Soldaten, den sie hatten, war das keine Seltenheit, allerdings war sie trotzdem nicht froh darum. Sie unterdrückte ein Gähnen und blieb dann vor Rafael stehen, der aussah wie eine lebende Kampfmaschine. Sie kam sich selbst fast vor wie ein Spielzeug-Soldat.
      "Werden uns dort unten etwa die Käfer überfallen, Gunnery Sergeant?"
      Allerdings musste sie zugeben, dass seine Präsenz auch etwas tröstliches ausstrahlte.

      Als sie in den Schacht hinab stiegen, war die Sonne immer hin noch so weit am Himmel, dass sie den Weg unter sich sehen konnten, aber als sie auf festem Boden ankamen, war es bereits so dunkel, dass Alice ihre Stirnlampe anschaltete und sich erstmal umsah. Der Kanal war beeindruckend hoch und so breit, dass das Licht kaum die gegenüberliegende Wand erreichte. Das Wasser war hier glücklicherweise komplett abgelassen worden, wodurch es zumindest nicht so sehr stank, wenngleich es trotzdem noch modrig roch. Als sich ihre Ohren an die leise Umgebung gewöhnt hatten, hörte sie das leise kratzen von winzigen Rattenpfoten und das ebenso leise quieken. Alice hatte zwar keine Angst vor Ratten, aber begegnen wollte sie ihnen trotzdem nicht.
      Sie sah sich in der menschenleeren Kanalisation um und dann zu Rafael. Ihre Stimme verursachte einen laute Widerhall ringsrum.
      "Wohin soll es gehen, Sergeant? Links oder rechts?"
    • Rafael musste nicht lange warten, den offensichtlich nahm Corporal Ruben Pünktlichkeit ernst und erschien kurz vor der vereinbarten Zeit, bereit um mit ihm die Tiefen der alten Kanalisation zu erkunden. Wie erwartet war seine Austattung im Vergleich zu ihrer nicht wirklich für ziliven Schutz ausgelegt und wirkte damit irgendwie fehl am Platz aber unter dem Helm konnte man ihm das ja ohnehin nicht ansehen.
      "Unwahrscheinlich, die meisten Käfer bevorzugen einen direkten Angriff, wobei es mittlerweile Berichte von außergewöhnlichen Mutationen gibt die andere Taktiken anwenden, manche graben sich durch die Erde und angeblich können sich sogar welche unsichtbar machen wie ein Chamäleon oder ein Oktopus. Wie auch immer, nein wohl nicht."

      Beim hinabsteigen wechselte Dämmerlicht in Dunkelheit und am Boden war alles duster, sodass er die Seitenlampe seines Helms anschalten musste, womit er es Alice gleich tat. Glücklicherweise filterte die Maske im Kampfhelm Gerüche ebenfalls heraus, weshalb er sich nur vorstellen musste wie es wahrscheinlich roch, etwas das er ohnehin nicht herausfinden wollte. Die hallende Frage des Corporals fokussierte seine Gedanken dann jedoch wieder auf den Moment.
      "Rechts geht es nach den Plänen näher an den UN-Komplex heran, daher ist das die bessere Wahl. Links wäre ein Umweg und am Ende würden wir eh an den selben kritischen Stellen landen."
      Er drehte langsam den Kopf um die rechte Seite etwas zu beleuchten, doch viel gab es nicht zu sehen außer ein paar aufleuchtende Rattenaugen bevor diese eilig vor dem Schein der Helmlampe davonhuschten. Spuren von Menschen oder auch Käfern sah er keine in der unmittelbaren Sichtweite, allerdings war sich Rafael auch nicht sicher worauf er achten sollte.
      Nun gingen Sie also los, den modrigen Tunnel der Kanalisation entlang, wobei sich das ereignislose Bild nicht so schnell änderte, viel zu sehen gab es hier zumindest nicht.
      "Keine Spuren von Grabungsarbeiten bisher, geschweige denn von schwerem Gerät. Wenn ich raten müsste war in dem Teil den wir bisher gesehen haben seit einer Ewigkeit keiner mehr."
      Sein Blick viel auf eine kaputte und von Spinnenweben bedeckte Plastikflasche an einer Seite des Tunnels, deren Etikett kaum noch zu erkennen war.
      "Ich glaube die Sorte da wurde eingestellt als ich in die Schule gekommen bin.", merkte er Schulterzuckend an, "Achten Sie auf den Geruch von frischem Brot Corporal, das könnte Sprengmasse sein. Angeblich gibt es die auf den Schwarzmärkten relativ häufig und wir wollen ja nichts übersehen."
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Bis sie das Ende des Kanals erreichten, das durch eine Ziegelwand ordentlich zugemauert war, fanden sie genau 16 Glasflaschen, zwei Schlafsäcke, einen abgenutzten Grill, sieben Chipstüten, etwas was einmal eine Brotdose hätte sein können und jede Menge Essensreste, die besonders von den Ratten geliebt wurden. Alice erinnerte sich an das, was Rafael am Anfang noch gesagt hatte, und war froh darüber frisches Brot weder gerochen noch gesehen zu haben. Sie ließ den Blick über die zerklüftete Wand schweifen, in der einige Löcher so groß wie eine ganze Faust waren, und schaltete den Funk an ihrem Helm ein, ehe sie zu Rafael blickte.
      "Etwas, wovon der Sergeant wissen sollte?"
      Aber bis auf die Schlafsäcke, die womöglich den Besitzern des Grills und der Chipstüten gehört hatten, gab es nichts aufregendes zu sehen. Alice leitete das so weiter und sah sich dann nach einem Ausgang um, ohne auf die Antwort des Sergeants zu warten.
      "Da vorne ist eine Leiter."

      Ihre Posten auf den Dächern hatten einen guten Überblick über den Könrichsplatz, aber weniger über die beiden Straßen hinter dem Festhaus. Bis die Dämmerung einsetzte und die ersten Straßen abgesperrt wurden, holte Alice sich eine grobe Übersicht über die wichtigsten Orte, die sie im Blick behalten lassen mussten und ließ sich von ihrem Team Signale zukommen, um ihre Reaktionszeiten abschätzen zu können. Der einzige Nachteil an der ganzen Angelegenheit war der, dass sie sich auf der offenen Dachterrasse, auf der sie ihr Lager bezogen hatte, ziemlich schutzlos vorkam, aber glücklicherweise waren Fernsehdrohnen für den Tag verboten. So konnte sie sich wenigstens auf etwas Sicherheit verlassen.
      Als es zehn Uhr schlug sollte das erste UN-Mitglied bereits die Stadttore passieren, allerdings drang schon viel eher der anschwellende Lärm der nahenden Demonstration zu ihnen herüber, die sich bereits ihren Weg durch die Straßen bahnten.
    • Sie liefen noch eine Weile weiter vorbei an verschiedenen Müllstücken und all dem was sich über die Jahre hier angesammelt hatte ohne das jemand sich jemals die Mühe machte es zu entfernen. Zu sehen gab es jedoch nichts und als Alice nach wichtigen informationen fragte, schüttelte Rafael nur kurz den Kopf.
      "Keine Zeichen von Grabungen und die Spuren von Menschen sind mindestens eine Woche oder so alt, ich glaube wir können unseren Ausflug an dieser Stelle abhaken."
      Alice hatte diese Entscheidung offensichtlich auch schon getroffen und eine Leiter entdeckt zu welcher Sie hinüber ging, womit Rafael ihr einfach folgte, die Ganze Sache mit der Kanalisation war ja nur eine Vorsichtsmaßnahme gewesen und jetzt war das Ganze ja überprüft.

      "Klingt als wäre da jemand mächtig angepisst von der aktuellen Situation, kann ich ja keinem verübeln allerdings können ausnahmsweise die Anzugträger relativ wenig dafür."
      Rafael hatte seinen Helm vor sich auf einem Tisch auf der Dachterasse gelegt und überprüfte ein Tablet in seinen Händen, während die Geräusche der Demonstranten näher kamen. Während er so vor sich hin kommentierte fiel sein Blick zuerst auf Alice' Gewehr, dann auf seines.
      "Wir sitzen hier rum mit Waffen für den Krieg in unserer eigenen Stadt aus Angst vor unseren eigenen Bürgern, ich wäre jetzt echt lieber wieder an der Front bei den Käfern oder zumindest in einem Gebiet wo die Fronten eindeutig sind. Das hier zerrt auf eine Art an den Nerven die mir nicht gefällt."
      Zum Geräusch der Demonstranten mischte sich das Rotorengeräusch eines nahen Hubschraubers, vermutlich von der polizeilichen Überwachung, was Rafael nur noch mit einem Seufzen kommentierte.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Alice, die am Geländer gelehnt hatte und Sekundenschlaf geübt hatte - sie war schon ziemlich gut darin - öffnete erst ein Auge, dann das nächste und spähte in die Richtung, aus der der Lärm anzuschwellen schien. Sie konnte nicht einschätzen, wie weit die Demonstranten noch entfernt waren. Vielleicht fünf Blocks? Sieben? Sie lauschte einigen Sekunden dem wirbelndem Stimmengewirr, aus dem sich manchmal auch Parolen formten, und sah dann zu Rafael hinüber, der es sich auch gemütlicher gemacht zu haben schien. Ihr erster Blick fiel wieder auf seine Narbe, das würde ihr wohl zur Angewohnheit werden. Eines Tages würde sie ihn danach fragen.
      "Soweit ich weiß können dir Menschen nicht die Gedärme mit ihren Kieferschnäbeln herausreißen. Da bevorzuge ich dann doch ein paar Zivilisten einzuschüchtern."
      Aber sie wusste genau, was er meinte. In Zeiten wie diesen hätte man meinen können, dass das Militär beschützte, aber stattdessen wurde nur nach der Wichtigkeit des Lebens gemessen. Die Mitglieder der UN wurden mit Samthandschuhen getragen, aber jeder andere, der auch nur eine Gabel falsch in die Luft hielt, wurde in Gewahrsam genommen. Alice nannte dieses Vorgehen "Selektive Sicherheit".
      "Dann wollen wir mal."
      Sie schnappte sich ihr Gewehr, zog sich den Helm über, aktivierte die Fernsicht und wartete.

      Binnen einer Stunde bog die Masse um die Ecke, flankiert von Fernsehteams, die das Geschehen eifrig aufzeichnete. Bei der schieren Anzahl an Leuten wurde Alice bewusst, was für Schwierigkeiten es geben würde, wenn das erste UN-Mitglied durch dieselben Straßen kommen wollte. Wie es sich herausstellte, musste sie nicht lange warten, um ihre Vorahnung in Erfüllung kommen zu sehen.
      Die Massen der Demonstranten und das flankierte Auto gerieten kurz vor dem Platz aneinander. Trotz des Geleitschutz drängten sich Menschen hindurch, versuchten an das Auto zu gelangen, es womöglich zu stoppen oder die Aufmerksamkeit der Person darin zu erhaschen, die man von außen nicht sehen konnte. Binnen Sekunden wurde das Gedränge so groß, dass selbst die Soldaten darin untergingen.
      "Ich möchte jetzt nicht dort unten sein", murmelte Alice, die ihr Gewehr auf dem Geländer abgestützt hatte. Von dort oben konnte man zwar nicht alles genau sehen, aber genug um zu wissen, was dort vorging.
      "Ich denke auch nicht, dass sie das so schnell unter Kontrolle kriegen."
      Wie um ihre Aussage zu bestätigen, drängten sich schon die nächsten Massen hintendran und verstopften damit den Platz und die umliegenden Straßen völlig. Das Auto war stehen geblieben, auf eine Weiterfahrt war noch nicht zu hoffen. Die Soldaten brüllten und schoben, die Polizisten gaben ihren Senf dazu, aber es waren zu viele Leute. Wesentlich zu viele.
      Alice setzte ihr Gewehr an und richtete es auf das Auto. Ihr Finger lag federleicht am Abzug, bereit dazu innerhalb eines Herzschlages ein Leben auszulöschen. Sie würde nicht zögern jedem Menschen ein Loch durch die Brust zu schießen, der die Absicht hatte der Person im Auto zu schaden. Selektive Sicherheit.

      Aber wie es sich herausstellte, kam ihr jemand zuvor. Alice hätte es nicht gesehen, wenn sie nicht ihr Visier dorthin gehalten hätte, aber das Sehen allein half ihr nichts. Sie war hinterher genauso unwissend wie davor.
      Einer der Soldaten - es war ein großer, bestimmt um die 1,90 - drängte sich mit einem Schild gegen die Meute, um sie zurückzuhalten. Es war einigermaßen wirkungsvoll, sie konnten den Berg an Stahlrüstung nicht so einfach umgehen, aber trotzdem hielten beide Seiten gut stand. Irgendjemand versuchte ihm das Schild wegzureißen, ein anderer warf eine Tomate, die an das Fenster des Autos klatschte. Da griff der Soldat an seine Rüstung, zog seine Pistole hervor und schoss dem nächsten Mann vor ihm ein Loch in den Kopf.

      Aus dem Stimmengewirr erhob sich zunehmend entsetztes Geschrei, was selbst zu den Dächern noch laut genug durchgedrungen wäre, würde da nicht die Stimme in Alice's und Rafael's und jedes anderen Soldaten Funks plärren, die für einen Moment alle anderen Geräusche ausdrängte:
      "A n a l l e E i n h e i t e n: E s g i b t S c h u s s w a f f e n, d i e s i s t k e i n e f r i e d l i c h e D e m o n s t r a t i o n m e h r! I c h w i e d e r h o l e, e s g i b t S c h u s s w a f f e n, d i e s i s t k e i n e f r i e d l i c h e D e m o n s t r a t i o n m e h r!
      C o d e 4-2-6 t r i t t i n K r a f t, i c h w i e d e r h o l e, C o d e 4-2-6!"
      Code 426 war die Beseitigung sämtlicher fremder Gefahreneinflüsse, aber bis auf den Soldaten, der geschossen hatte, konnte Alice niemanden sehen, der in irgendeiner Weise gefährlich wirkte. Mit wachsendem Grauen beobachtete sie, wie das Team von Lieutenant Scolas, das den Eingang des Festhauses kontrollierte, die Waffen zog und auf die Menge richtete.
    • Rafael hob vielsagend dei Augenbrauen während er Alice' Kommentar lauschte, hob dann aber den Finger um seine folgenden Worte zu unterstreichen.
      "Ist eine häufige Fehleinschätzung mit dem Beißen, das wirklich gefährliche sind die Klauen oder Sensen an den Armen, zumindest bei denen die nah an dich dran kommen, gibt auch noch Auswüchse die Knochenstacheln oder Säure schleudern aber das ist ein ganz anderer Ärger. Ich gebe allerdings Recht, dass Sie keine echte Angst haben und definitv kein Käfer auf unserer Seite ist."
      Er schnappte sich seinen Helm und setzte diesen auf, hatte aber sein Gewehr nur lose an der Seite hängen, er glaubte nicht es benutzen zu müssen.

      Nachdem die erste Stunde Observieren verstrichen war, war seine Laune ziemlich am Boden und seine Langeweile ziemlich weit oben. Alice dagegen schien absolut fokussiert zu sein, etwas für das ihm selbst das Hintergrundadrenalin fehlte. Die Masse der Demonstranten war beeindruckend aber von hier oben sah Sie weniger bedrohlich als unwirklich aus, wobei er den Worten seiner Partnerin hier oben nur zustimmen konnte.
      "Ich auch nicht, da unten kann man nur Probleme bekommen.", murrte er Kopfschüttelnd, "Hoffentlich behalten beide Seiten zumindest ein wenig Ruhe."
      Rafael beobachtete durch ein Militärfernglas, sein Gewehr lehnte neben ihm. Irgendwie sehtne er sich gerade die Militärbasis zurück, da war zwar nichts los aber auch nicht so ein breitflächiges Chaos.

      "Fuck!", war alles was Rafael sagen könnte als der Schuss fiel und kurz darauf der Funkspruch sein Ohr zum klingeln brachte. Sein Adrenalin schoss hoch und er klippte das Fernglas an seinen Gürtel und sprang aufrecht auf. Nun war alles passiert was er insgeheim befürchtet hatte, weil irgendein Private mit dem Chaos nicht klar kam.
      "Fuck!", wiederholte er ein weiteres Mal, diesmal jedoch lauter, "Wenn hier jetzt noch mehr geschossen wird, dann bricht in der Stadt der Bürgerkrieg aus. Der Anzugträger und seine Entourage müssen da raus, der Rest per Helikopter rein und dieser Idiot da unten muss abgeführt und in Gewahrsam genommen werden. Haben wir nicht irgendein Reizgas oder so um das aufzulockern ohne Tote?"
      Er sah nicht ein auch nur einen einzigen Schuss abzugeben, schnappte sich aber trotzdem sein Gewehr und rannte zur Tür der Dachterasse, welche er aufdrückte während er lief. Allerdings warteten erstmal sieben Stockwerke Treppen auf ihm, zumindest da er den Aufzug nicht benutzen wollte, wäre ja noch besser wenn er auch noch stecken blieb.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Alice, die noch ganz im Schock war, konnte ihren Blick nicht von unten lösen. Die Menge teilte sich auf, floss an anderen Stellen wieder zusammen, drängte, drängelte und schubste wie es nur irgendwie ging. Der Wagen wurde langsam etwas freier, aber anstatt weiter zu fahren, legte er den Rückwärtsgang ein. Wahrscheinlich die einzig richtige Entscheidung an diesem Tag.
      Alice bekam gerade noch mit, wie Rafael zur Tür stürmte und sprang selbst auf. Es hätte ihr gerade noch gefehlt, dass der Soldat seinem Temperament nachgab.
      "Bleib hier!", rief sie, war sich aber nicht sicher, ob sie ihn noch erreicht hatte, und lief ihm nach. Es war nicht wirklich überraschend, dass er schneller war als sie, aber zum Glück hielt ihn das Treppenhaus einigermaßen auf.
      "Komm wieder hoch, außer du möchtest, dass sie dir vielleicht auch eine Kugel in den Kopf jagen!"
      Sie schien zumindest einigermaßen Rafael's Aufmerksamkeit zu erhaschen und legte noch einen obendrauf.
      "Sergeant Parler hat gesagt, dass wir hier oben bleiben sollen, komme was wolle, und das werden wir auch tun. Wenn einer der Soldaten verwundet wird, weil wir nicht aufgepasst haben, sind wir genauso fällig."
      Sie vergewisserte sich, dass Rafael zumindest nicht so lebensmüde sein würde bis auf den Platz hinaus zu laufen, und rannte selbst wieder zurück zum Geländer. Das Auto hatte sich mittlerweile langsam in Bewegung gesetzt, die Menge bewegte sich ziellos in einheitlicher Panik. Sie sah, wie Lieutenant Scolas seine Leute in Formation brachte und den Demonstranten dann mit einem Megafon entgegen brüllte, dass die Demonstration augenblicklich beendet sei und die Meute sich auflösen solle, bevor sie gezwungen wären Gewalt anzuwenden. Natürlich ging das mit dem Auflösen nicht annähernd so schnell wie es wahrscheinlich gut gewesen wäre.
      Alice bezog wieder ihren Posten am Gewehr und aktivierte den Funk.
      "Parler, was ist da los?"
      Es dauerte lange, bis sie eine Antwort bekam, und als der Sergeant sprach, war ihre Stimme müde oder gereizt oder beides.
      "Es war ein Befehl vom Lieutenant. Anders können sie Demonstrationen nicht verbieten."
      Darauf wusste Alice nicht, was sie antworten sollte. Aber zumindest wurde ihr mit Entsetzen klar, weshalb für diesen Tag Kameradrohnen verboten worden waren.
    • Ehe er auch nur die Hälfte der Treppe zum nächsten Stockwerk hinab gekommen war, hatte Alice ihm nachgesetzt und rief ihm nun etwas zu. Sie wollte ihn offensichtlich zum hierbleiben bewegen, doch er hatte nicht vor wie ein Idiot auf einem Dach zu hocken und sich das Ganze anzuschauen, eine Tatsache die er auch direkt aussprach.
      "Ich bin Parler zwei Ränge vorraus, ergo sind ihre Befehle nicht bindend für mich und ihr Lieutenant hat keine klaren Befehle für diesen Fall hinterlassen, daher handele ich nach dem klaren Vorgehen und versuche bei der Entschärfugn zu helfen. Gegen Kugeln trag ich ja schließlich diese Rüstung. Also keine Sorge ich mache keine Dummheiten, ich mag mein Leben."
      Kaum war Alice wieder zurück gerannt, setzte er seinen Weg das Treppenhaus hinunter fort. Es dauerte seine Zeit die ganzen Stufen hinab zu laufen doch letzlich war er im Erdgeschoss der Bank angekommen und fand seinen Weg zu einem Seiteneingang. Für die Operation hatten Sie zugangschips bekommen, somit konnte er durch den Seitengang hinaus in eine Seitenstraße, welche so lag, das sich hier keine Demonstranten aufhielten, war doch alles weitläufig abgesperrt was hierher führte.
      Vorsichtig ging er zum Ende der Seitenstraße um sich umzusehen und die Lage zu Checken, die Masse war vor dem UN-Gebäude mehr als dicht gedrängt und fokussiert auf ein Ziel, dennoch war längst Panik ausgebrochen, dass sich nachdem Schuss etwas auflösen würde war wohl erstmal nicht der Fall.
      "Parler!", er aktivierte seinen Einheitsweiten Funk, "Die Könrichstraße ist unten völlig dicht aber weiter oben ist es rerlativ leer weil die Demosntranten aus der anderen Richtung gekommen sind. Wenn wir den Konvoi dort raus lenken kommen wir vielleicht von der Masse weg und im Gebäude sind wir sicher bis sich hier alles bewegt. Ihr Lieutenant macht gleich einen Riesenfehler und dann herrscht hier der Aufstand und noch mehr unnötige Tode folgen, das wollen Sie doch sicher nicht oder?"
      Er blieb weiterhin in der Seitengasse verborgen, Unauffälligkeit war immerhin noch geboten und wartete auf eine Antwort.
      "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen!" - Plato


    • Der Wagen kam sehr langsam in Fahrt. Die Meute an Demonstranten schien sich langsam auflösen zu können. Aber nur sehr langsam.
      Sergeant Parler brauchte wieder einige Zeit, bis sie dem Funk von Rafael antwortete und aus ihrer Stimme war zu hören, dass sie nicht mehr zu Späßen aufgelegt war.
      "Gunnery Sergeant Asteras, wenn Sie sich um den Weg des Wagens kümmern wollen, hätten Sie sich dem Team von Master Gunnery Sergeant Velio anschließen müssen. Wenn Sie weiterhin die Absicht haben eine Hilfe zu sein, dann gehen Sie auf Ihren Posten und tun das, was Corporal Ruben tut."
      Der Funk wurde sofort wieder abgebrochen und Sergeant Parler war wieder auf ungreifbare Distanz, wahrscheinlich irgendwo zwischen den Demonstranten, aber geistig noch viel weiter. Sie war nicht in den Plan eingeweiht gewesen, Demonstrationen auf so grauenvolle Weise zu unterbieten, aber ihr dämmerte, dass der Grund dafür darin lag, dass die Öffentlichkeit nichts davon mitbekommen sollte. Ihr dämmerte auch, dass ein jetziger Verstoß gegen ihre Vorschriften dazu führen könnte, dass sie Ihren Status als Soldatin verlor - und vielleicht sogar ihren Status als lebender Mensch.
      Alice und ihrem Team war das noch nicht bewusst. Parler's und Velio's Einheiten waren die einzigen gewesen, die von dem Vorfall wissen durften, da sie unmittelbar beteiligt waren, oder es zumindest sehen konnten. Später würde man Ihnen strikte Anweisungen zur Geheimhaltung geben.
      "Corporal Ruben", meldete sich eine Stimme, "haben Sie gesehen wie der eine -"
      "Ja. Bleiben Sie auf dem Posten und machen weiter wie bisher."
      Ob das auch für Rafael galt, der sich mittlerweile weiß Gott wo befand, war fraglich. Alice hoffte, dass er sie nicht beide in Schwierigkeiten bringen würde.