✭Clans of Luminaries✭ [Ray&Aiden]

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    • ✭Clans of Luminaries✭ [Ray&Aiden]

      Vorstellung



      Proteus Nótt war begeistert als vor einem Jahr verkündet wurde, dass die Gestirnclans in eine Waffenruhe traten und das es im Raum stand einen Friedenvertrag zu schließen. Diese unnötigen Kämpfe waren ohnehin etwas, das der junge Mann niemals verstanden hatte. Es war mehr als nur an der Zeit gewesen, dass sie sich gegenseitig die Hände reichten und an einen Strang zogen.
      Und nun, stand ein großer Ball bevor, gefolgt von einigen kleinen anderen Banketten, die feiern sollten, dass in wenigen Tagen dieser Friedensvertrag von den drei Clanoberhäuptern unterschrieben werden sollte. Diese ganzen Festlichkeiten sollten in einer Stadt stattfinden, die außerhalb der drei Clangebieten lag, weswegen sich für eine Stadt auf einer Insel zwischen Frankreich, England und Spanien lag, die offiziell zu Dänemark gehörte. Sie war nicht unbedingt bedeutend, doch da die dänische Königsfamilie gerne dort ihren Urlaub verbrachte war sie prächtig genug für so einen Anlass. Proteus freute sich schon darauf die Reise zu beginnen, und einen neuen Ort kennen zu lernen. Er freute sich auf den Frieden und die ganzen neuen Möglichkeiten die es ihm bringen konnte, begonnen bei den neuen Handelsbeziehungen die er aufbauen konnte. Und wer wusste schon, die ein oder andere schöne Frau würde er dadurch sicherlich auch kennenlernen.
      "Proteus, mein Lieber, könntest du bitte nach deiner Verlobten sehen, wir warten nun doch schon lang genug auf sie."
      Proteus erhob sich vom Tisch, und nickte seiner Tante zu. Sie hatte ihm die Neuigkeiten schon früher als den anderen mitgeteilt, ein kleiner Genuss wenn man vom Clanoberhaupt bevorzugt wurde. "Natürlich, Madame. Ihr müsst auch nicht weiter auf uns warten, Yvaine wird es sicherlich nicht stören."
      Mit einer sanften Verneigung verabschiedete er sich von der Runde um die Speißeräumlichkeiten zu verlassen. Es war ohnehin eine ehre in die privaten Räumlichkeiten der Herzogin eingeladen zu sein, es würde also keinen stören, wenn er es verließ. Und Proteus störte es auch nicht, immerhin war er öfter dort als bei sich selbst Zuhause. Nun, sein eigenes Heim war bei weiten auch nicht so gemütlich wie dies seiner Tante oder das seiner Eltern.
      Das Anwesen der Familie des Etóiles war groß, und es dauerte etwas bis er an den Gemächern von Yvaine ankam. Sanft klopfte er an der Tür, welche kurz darauf von einer Zofe geöffnet wurde. "Yvaine wird von ihrer Familie und ihren Verlobten erwartet", meinte er dann recht kurz zu der Frau die viel Zeit an der Seite seiner entfernten Cousine verbrachte. Das Wort 'Verlobte' sprach er dabei so aus als wäre es ein Witz. Im Grunde war es auch irgendwie ein Witz, denn weder wollte Yvaine ihn heiraten, noch wollte er sie heiraten. Yvaine war für ihn wie Scylla, seine kleine Schwester. Es gab kein Gefühl der Anziehung oder der Romantik in der Beziehung zwischen den beiden, dafür hatte er aber eine wirklich gute Freundin in seiner Verlobten gefunden.
      "Sie wird gleich zu euch stoßen", wollte sie Proteus schon los werden, doch dieser schüttelte nur seinen Kopf.
      "Ich werde genau hier auf sie warten, ich kenne sie gut genug um zu wissen, dass sie sonst noch einen kleinen Spaziergang machen wird. Es gibt wichtige Neuigkeiten."
      "Die duch bereits kennst", ertönte dann Yvaines Stimme aus dem Hintergrund und Proetus musste ein klein wenig lachen. Natürlich tat er das schon, und es war vermutlich kein Geheimnis für irgendjemanden. Yvaine trat dann aus ihren Gemächern hervor, legte ihre Hand noch kurz auf den Arm ihrer Zofe um ihr zu zeigen sie sollte ruhig hier bleiben und sich ausruhen.
      "Nun, ich bin hier, lass uns gehen."
      Proteus bot ihr seinen Arm an und sie nahm ihn an. Es war üblich das sie so herum liefen, das lag vor allem an den Vorteil denen ihnen das hier brachte. Kaum jemand wagte es sie so anzusprechen, galten sie doch als liebende, denen man nicht in den Weg kommen wollten. Außerdem hofften die Leute, dass diese Zweisamkeit am Ende doch schon bald zu einer Hochzeit führen würde. Immerhin schoben die beide dieses Ereignis schon seit Jahren vor sich hin. Doch weder Yvaine noch Proteus brachten es übers Herz diese Neuigkeiten Cléophee mitzuteilen. Sie wäre außer sich und krank vor Sorge. Am Ende würde sie Bettlegrig werden und das konnte der Clan der Sterne sich wirklich nicht leisten.
      "Möchtest du mir die Neuigkeit nicht direkt erzählen und meiner Mutter mitteilen, dass ich unpässlich bin?"
      Proteus schüttelte nur leicht den Kopf.
      "Ich werde dich bei deiner Lügengeschichte nicht unterstützen. Außerdem ist es zu wichtig, als das ich als Angehöriger des Mars dazu berechtigt wäre, es dir mitzuteilen."
      Kurz sah er zu Yvain herüber, welche fragend eine Augenbraue hob.
      "Nun hast du mich aber wirklich neugierig gemacht. Und dafür muss ich mir die Gesellschaft von so... schrecklich eintönigen Leuten antun."
      Der junge Mann schnalzte mit seiner Zunge als er das hörte, doch Yvaine zuckte nur mit den Schultern.
      "Du weißt das ich von deiner Schwester und Mutter nicht begeistert bin."
      "Mein Vater ist eine sehr lustige Person."
      "Etwas einfach gestrickt", erwiderte sie nur, doch sie musste etwas lächeln.
      Proteus wusste, dass Yvaine alles was sie gerade sagte nicht so meinte. Immerhin mochte sie seine Familie sehr wohl, sie hatte nur nie die Energie um mit vielen Menschen zu lange an einem Tisch zu sitzten und sich über das Wetter oder anderen unnötigen Kram zu unterhalten. Doch das gehörte dazu, wenn man in eine angesehen Familie hineingeboren wurde. Doch hierfür war Proteus ja da, er wusste es genau alle Gespräche auf sich zu lenken, und somit den meisten Schaden von Yvaine fernzuhalten.
      Schließlich kamen sie wieder bei den anderen an, und als jeder Wein hatte, verkündete das Clanoberhaupt die großen Neuigkeiten.

      Eine Woche später war es nun soweit, dass die wichtigsten Mitglieder des Sternenclans sich auf den Weg zum Hafen machten um bald die dänische Insel zu erreichen. Es würde nur noch wenige Tage, vielleicht zwei Wochen, dauern bis der Friedensvertrag unterschrieben werden konnte. Und dann gab es zwei Wochen an Festlichkeiten, die man auch gut für Geschäftliche Dinge nutzten konnten. Das ganze würde für Proteus und Scylla keine Ferien werden. Melissandre, seine Mutter, schaffte es nicht. Die fahrt zur See hatte ihr nie bekommen, und neue Umgebungen machten sie Krank. Abgesehen davon, war die Luft sicherlich schrecklich soweit weg von Zuhause.
      Alles Aussagen über die Proteus nur lachen konnte.

      Die Reise war Anstrengend gewesen, doch nun als sie in der prächtigen Hauptstadt der Insel angekommen waren, war froh das Proteus es auf sich genommen hatte. Morgen würde Cléophee in Begleitung ihrer Kinder den Vertrag unterschreiben und dann in zwei Tagen würde der große Ball stattfinden. Genug Zeit um sich in der Herberge einzurichten, und sich ein wenig zu erholen.
      "Hilfst du mir mal?", schnauzte Scylla aus der Kutsche heraus, als Proteus nach einigen Minuten ihr noch immer nicht angeboten hatte ihr zu helfen.
      "Ist ja schon gut, Schwesterchen", scherzte er dann und half ihr, ganz der Gentleman, aus der Kutsche. Anschließend nahm er die Koffer der beiden, während der Kutschdiener sich um Scyllas Truhe kümmerte.
      "Hättest du keine bessere Herberge finden können?"
      "Wir können froh sein überhaupt eine Unterkunft gefunden zu haben. Die Stadt hat wegen dem Friedensvertrag mehr Besucher als sie gewohnt sind."
      Scylla verdrehte nur die Augen, bevor sie voranschritt und die beiden Männer ihr folgten. Kurz kümmerte sich seine Schwester um die Schlüssel für zwei Zimmer die durch eine kleine Tür verbunden waren.
      Schnell waren ihre Sachen in den beiden Zimmern untergebracht.
      "Ich will nicht das du den Durchgang je benutzt."
      "Wie du ungezogene Dinge tust ist es meine Pflicht."
      Auf das hin mussten beide doch ein wenig lachen.




      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "




    • Lillias lehnte an der riesigen Balustrade und blickte auf den Anbruch des Tages. Es war einer der wenigen Momente in ihrem Leben, in denen sie es sich erlaubte, die Lebenskraft eines anderen für ihr Augenlicht zu benutzen. Früher, als sie über ihr wahres Wesen zum ersten Mal unterrichtet wurde, hatte sie sich geschworen gehabt, niemals ihr eigenes Gewissen fallen zu lassen und sich der Versuchung hingeben, das Leben eines anderen für das ihre zu benutzen. Lillias hatte sich getäuscht. In die Menschen - Wesen - um sich und auch in sich selbst. Es war töricht zu behaupten, es wäre allein die Schuld der anderen, doch es war ebenso wenig wahr, zu behaupten, es wäre Lillias verworrener Charakter, der dazu geführt hatte, dass sie ihre Kräfte täglich einsetzte. Lillias hatte sich auf alle anderen um sich verlassen. Sie wurde nicht nur einmal fallen gelassen und verraten und die Kriege, die seit jeher zwischen den Clans geherrscht hatten, haben Lillias zu der Frau gemacht, die sie heute war. Manchmal erkannte sie sich selbst nicht wieder, doch an Tagen wie diesen - sie wusste, es würde ein guter Tag werden - wusste Lillias ganz genau wer sie war.
      Langsam und schleichend ging die Sonne hinter den grünen Hügeln vor ihrem Fenster auf und tauchte das grüne Meer, das sich vor ihr erstreckte, in fahlen Sonnenstrahlen. Ein einziger Vogel saß auf den höchsten Punkt des Eisentors und verkündete zwitschernd den angebrochenen Tag, während der allbekannte, englische Wind durch sein Gefieder strich.
      Ihre Schatten zuckte und noch bevor Lillias den Blick von dem kleinen Vogel abwenden konnte, konnte sie schon den Flügelschlag des Raben fühlen, ihn nahezu hören, der noch in der Ferne über die Felder eilte. Sie hob den Blick und sah den majestätischen, schwarzen Vogel, der im Licht der aufgehenden Sonne auf sie zukam. Lillias streckte ihren Arm aus und stieß einen leisen Pfiff aus, befahl ihren Schatten den Vogel zu empfangen und ihr vorauszueilen. Abertausenden, kleinen Kristallen ähnlich, glitzerten ihre Schatten und spiegelten das violette Licht der Morgendämmerung wieder, als sie teils an Lillias emporkrochen oder ihr vorauseilten, bevor der Vogel sanft auf ihrem Arm landete. Der Rabe schüttelte sein majestätisches Gefieder, bevor er direkt in Lillias blaue Augen blickte und erwartungsvoll wartete, dass Lillias die Nachricht entgegennahm.
      Sorgfältig löste sie die Nachricht vom Fuß des Raben und setzte den Vogel wieder frei.
      Sie hätte schwören können, der Rabe hätte zurückgeblickt, bevor er mit den Flügeln schlug und seines Weges ging. Lillas würde keine Nachricht zurückschicken. Sie musste es auch gar nicht, denn sie wusste bereits, dass Nachrichten dieser Art schon rhetorischer Natur waren.
      Frieden.
      Das Wort schmeckte in ihrem Mund wie Galle.
      Es würde nie Frieden geben, solange es unterschiedliche Clans gibt. Es wird nie den Frieden geben, den sich alle erhoffen, denn die Unterschiede in den jeweiligen Gesellschaften werden weiterhin bestehen. Ein Stern-Angehöriger wird seinen Groll und seinen Stolz nicht verlieren, nur, weil ein Papier unterschrieben worden war. Sie war sich nicht einmal sicher, ob der Vertrag überhaupt letztendlich unterschrieben werden würde, bevor sich alle auf diesem sogenannten Friedensfest an die Gurgel gehen würden.
      Einige Augenblicke spielte sie noch mit der Nachricht zwischen ihren Fingern, bevor sie entschieden das Stück Pergament zu einem Häufchen Asche werden ließ und in den Morgenwind streute.
      Ein Seufzer entglitt ihren Lippen, bevor sie sich selbst das Augenlicht wieder nahm und die Sekunde abzählte, bis es an ihrer Tür klopfen würde.
      "Euer Gnaden?" Lillias schnaubte geräuschlos. Diese dummen Anreden ihrer Zofen hatte sie schon immer gehasst.
      "Tretet ein", rief ich sie genervter als erwartet, bevor sie zurück ins Innere ihrer Gemächer trat und Platz im violetten Ohrsessel nahm.
      "Lady Calleiope lässt nach Euch in ihren Gemächern rufen. Ich fürchte, Ihr werdet die Reise selbst antreten müssen, Eure Ladyschaft....Zumindest den Gerüchten zufolge...ich meine." Die Zofe, Annabelle, eine der wenigen, die Lillias tatsächlich mochte, verstummte unter Lillias strengen Blick und sah peinlich berührt auf den Boden.
      Natürlich würde Lillias gehen müssen, obwohl sie nichts davon hielt. Es war wie immer eine 50/50 Chance, dass der Mondclan mit ihrer ach-so-mächtigen und bereits verantwortungsbewussten Nachfahrin angeben und etwas erreichen würden oder schwach in den Augen der anderen wirkten, weil ihre Eltern sich immer mehr aus allen Auftritten heraushielten.
      Es war doch kein guter Tag gewesen.




      Wie erwartet war Lillias die Reise angetreten - vorbildich zu spät, sodass sie gerade noch vor der Unterschrift des Vertrages am Vormittag ankommen konnten - , gemeinsam mit einigen anderen Anhängern aus dem Mondclan. Lillias liebte das Reisen, doch diese Art von Reisen hasste sie ganz besonders. Sie wusste, dass sie sich mit den anderen Clans und der Höflichkeitsetikette nicht rumschlagen wollte, sondern lieber den Untergrund und die Kulturen der jeweiligen Städte erkunden wollte. Ihr Vater war auf Geschäftsreise in Peru und vertrat dabei den Mondclan bei irgendwelchen Edelsteingeschäften, ihre Mutter bettlägeriger als sonst. Lillias machte sich Sorgen um Calleiope. Und um den Clan.
      Gedankenverloren lehnte sie an der Reling und streckte ihr Gesicht entgegen der warmen Mittagssonne. Ihre Schatten erkundete bereits den Hafen nach möglichen Gefahren, seit sie angelegt hatten und übermittelten ihr die verschiedensten Sinneseindrücke. Fremde Gerüche, Geräusche. Viele Menschen. Unglaublich viele Menschen, denn im Hafen hatten sich bereits mehrere Trauben gebildet, um die Mitglieder der Clans in Empfang zu nehmen oder...eher zu begaffen. Sie brauchte niemanden sonst zu fragen, denn sie wusste, dass hier mehr Menschen angereist waren, als sonst. Sie spürte, wie Lionel hinter ihr trat und ihr eine Hand sanft auf die Schulter legte, nachdem sie vorsichtig Lillias silbernes Haar zur Seite schob.
      "Na komm schon, du alte Griesgram-Schachtel", flüsterte sie ihr verschwörerisch ins Ohr. "Lass uns von hier verschwinden und die nächste Schänke aufsuchen. Ich hab' uns schon ein Alibi besorgt."
      Ein breites Lächeln stahl sich auf Lillias Lippen, als sie sich Lionel zuwandte. "Wir müssen vorsichtig sein. Ich darf vor dem Ball heute abend nicht erkannt werden. Der Vollmond wird schon bald am Himmel zu sehen, das weißt du. Lionel, ich werde dich heute mehr denn je brauchen", seufzte sie. Lillias brauchte ihre Freundin tatsächlich mehr denn je und dennoch konnte sie das Gefühl nicht loswerden, dass sie Lionel ihren Zustand nicht vollkommen verraten konnte. Lionel rechnete damit, dass Lillias wieder ihre üblichen Krämpfe bekommen würde, aber von der eigentlichen Auswirkung des Vollmondes wusste sie nichts. Auch nicht von Lillias Schatten, die bereits an ihrer Freundin entlanggekrochen waren, um ihre Gefühle, ihre Mimik und ihre Gestik zu untersuchen, die Lillias nicht sehen konnte.
      Lionel nickte, sie konnte es spüren und für einen Moment musterte sie den zukünftigen Clanoberhaupt skeptisch, bevor sie wieder ein Lächeln aufsetze und nach Lillias Hand griff. "Na los, bevor sie uns entdecken."
      Und schon waren es nicht mehr der zukünftige Clanoberhaupt und die angesehene Geschäftsfrau, sondern zwei kleine, abenteuerlustige Mädchen, die unter falscher Identität, in Männerkleidung sich unter blauen Umhängen vom Bord stahlen und die Verpflichtungen für einige Augenblicke ruhen ließen,, um sich dem Trubel der fremden Stadt hinzugeben. Innerlich wusste Lillias, dass es eigentlich eine schlechte Idee war. Sobald der Vollmond seinen Platz am Himmel einnehmen würde, werden ihre Kräfte weg sein und die schwache Menschenfrau ohne Augenlicht hinterlassen. Lillis hatte Angst.
      Wir sind alle Staub und Schatten

    • Er war wohl das was man einen Meisters seines Fach nannte. Und das war auch der Grund warum er eine Einladung bekommen hatte, auf diese anstrengende Reise mitzukommen. Er könnte sich nicht nur um die Clanmitglieder kümmern, sondern auch um die Bediensteten, und Leute die nur angeheuerten wurden, um dem Clan selbst etwas unter die Arme zu greifen.
      Viele, an seiner Stelle, würden diese Reise als unangenehm und stressig betrachten, doch Orion lebte dafür Menschen zu helfen und diese zu verarzten. Er wüsste gar nichts mit sich anzufangen, wenn es nicht so wäre. Er hatte wohl wirklich nicht unbedingt eine Freizeitbeschäftigung. Aber das war für Orion auch nicht weiter schlimm, wenn man Arzt war, hatte man immer was zu tun.
      Und so war es auch auf dem Schiff. Es gab kaum einen Tag an dem er einfach hätte die Aussicht genießen können, oder ausschlafen. Er war froh, wenn er Nachts ein paar Stunden schlaf bekam.
      Nach einigen Tagen, vielleicht waren es drei - Orions Zeitgefühl war nicht optimal-, mochten ihn die meisten mitreißenden gerne, oder sie schätzten zumindest seine Arbeit. Er kümmerte sich um die Seekrankheit, um die Kopfschmerzen, und um eine Lebensmittelvergiftung. Er verband einige Leute und nähte ein paar Wunden bei den Seefahrern. Einige benötigten nur eine Salbe, oder ein offenes Ohr das Alpträume sie quälten, doch diese leiden waren schnell mit einen Tee behoben, und seiner Versicherung das nichts passieren würde. Er war schon mit Schiffen gefahren, die waren nur halb so gut in Takt wie dieses, also musste man sich nicht so viele Sorgen bereiten.
      Als das Schiff gerade Anker legte, war Orion dabei eine Wunde von einem Kind zu nähen, das wirklich sehr weinte. Es war hingefallen, und hatte seine Hand ungünstig aufgeschnitten.
      "Es sind nur 4 Stiche", versuchte Orion den kleinen zu beruhigen, der noch immer Tränen in den Augen hatte. Es tat ihm ein wenig im Herzen weh den Kleinen so aufgebracht zu sehen, aber da er ein angehöriger des Mondclans war, und zumindest eine Fähigkeit besitzen zu schien, konnte er ihn nicht einfach hypnosieren.
      "Du musst nur kurz die Zähne zusammen beißen, wie der Ritter der du bist."
      "Ich bin aber kein Ritter, ich bin erst 8!"
      Orion musste ein wenig lachen auf die Aussage.
      "Und ab wann kann man ein Ritter werden? Ich kenn mich damit nicht so gut aus, mein Kopf wird schon alt, weißt du?"
      Das war die willkommene Abwechslung die der Junge gesucht hatte. Ohne weiterhin auf seine Wunde, oder die Nadel in Orions Hand zu achten begann er zu erzählen. Alles was er über Ritter wusste, und woher er es wusste, und warum manche Sachen doch ziemlich unsinnig erschienen. Während der Junge das alles erzählte, und immer wieder in ein unverständliches Nuscheln geriet, stimmte Orion ihn meistens zu und tat die andere Zeit überrascht, während er sich um die Stiche kümmerte.
      Relativ schnell - er hatte langsamer gearbeitet als sonst- hatte er es dann auch geschafft, und stand auf um seine Sachen zu verräumen.
      "Du bist zumindest so tapfer wie ein Ritter, und wirklich schlau."
      Etwas erstaund sah der Junge auf seine Hand, und konnte dann nicht anders als zu Grinsen.
      "Ich hab gar nichts mitbekommen! Kann ich jetzt gehen?"
      Orion nickte nur leicht. "Aber nicht rennen, du solltest jetzt ein paar Tage besser nicht hinfallen."


      Nachdem Orion seine Sachen bei einer Herberge untergebracht hatte, hatte er sich entschlossen diesen Nachmittag frei zu nehmen. So gut es eben ging, natürlich würde er sich um jeden Notfall kümmern der ihm zu getragen wurde. Solang es jedoch nicht so vorkam, würde er die Hafenstadt ein wenig erkunden. Er hatte nicht oft die Gelegenheit neue Orte wirklich zu genießen.
      Vor allem an so einen schönen Tag. In seiner Heimat regnete es öfter, und manchmal hatte er das Gefühl, dass es in der Stadt oft schlimmer war, als außerhalb am Land. Aber das Land war unpraktisch. Alles war soweit auseinander, dass es seine Arbeit um einiges erschweren würde. Immerhin besaß Orion weder ein Automobil noch konnte er sehr gut mit Pferden umgehen.
      Genau das war auch der Grund warum er die Stadt zu Fuß etwas erkundete. Er würde herausfinden wo die Merkur Monde untergebracht worden waren, falls es einen Notfall geben würde, und er würde die Residenz des Sonnenclans ausfindig machen. Mit ihnen war vermutlich ein Mann gereist über den Orion schon viele Informationen erlangt hatte. Es wäre das erste mal, das Orion Colonel Ernest das erste mal sehen würde, wenn sie Zeit finden würden. Vielleicht konnte er ihm so besser helfen, Ferndiagnosen waren immer schwer und er selbst würde es nicht unbedingt empfehlen. Dabei konnten immer Fehler aufkommen, oder gewisse Dinge verheimlicht werden. Einige Symptome fielen den betroffenen selbst auch gar nicht auch, dafür konnte er selbst auch niemanden verurteilen. Waren ja auch nicht ausgebildete Ärzte.
      Die Stadt war größer als Orion es sich vorgestellt hatte. Zuvor hatte er die Insel auf der Landkarte gesucht, und sie war ihm so klein erschienen, dass er nicht gerechnet hatte, das diese Stadt so groß sein könnte. Zu Fuß konnte er sie wohl kaum an einen Tag richtig durchquären, das wäre reine Zeitverschwendung. Vor allem da so viele Menschen unterwegs waren, dass man immer darauf achten musste mit niemanden zusammen zu stoßen.
      Nach einiger Zeit fand er dann die wichtigsten Residenzen, und Herbergen in denen viele Leute der drei Clans untergebracht waren. Es war immer gut zu wissen, wo die Leute lebten, vor allem wenn es dringend war. Orion würde niemanden seine Hilfe verwehren, immerhin hatte er es geschworen als er sein Studium beendet hatte. Ein Mensch war ein Mensch, egal woher er kam oder welchen Rang er bekleidete. Zumindest was die medizinische Seite anging. Im gesellschaftlichen konnte er die Unterschiede gut waren, und er wusste auch, dass es seine Wichtigkeit besaß.
      Erst nachdem er seine sich eigen gesetzte Aufgabe erfüllt hatte, konnte Orion auch die schöne Architektur genießen. Die meisten bauten waren aus Sandstein oder schönen roten Ziegeln gefertigt, und die Straßen waren recht sauber, für die größe. Auch die Menschen, schienen fröhlich zu sein, und es fiel ihn nicht schwer zu erkennen wer hier von sich aus lebte, und wer nur zu Besuch auf der Insel war. Dabei war ihm seine analytische Gabe eine außerordentliche Hilfe.

      Nach ein paar Stunden überkam ihn der Hunger und er suchte sich eine Schänke, die leerer wirkte als die meisten anderen.
      "Zum hellen Haselnussbaum... Seltsamer Name", murmelte Orion, aber das sollte ihn doch nicht weiter kümmern.
      Die Einrichtung war sehr rustikal, und der Raum eher düster, ganz im unterschied zu der Stadt und dem Sonnenschein der außerhalb herrschte. Aber es duftete unheimlich gut. Es musste einen wirklich guten Eintopf geben!
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "








    • Für Lillias und Lionel - sie hatte ihre Cousine noch nie bei ihrem Vornamen genannt - war es ein Klacks gewesen, sich vom Bord des Schiffes zu stehlen, da das zukünftige Clanoberhaupt ohnehin selten jemand anderes an sich heranließ oder sich in Lillias privatem Umfeld bewegten, wenn sie nicht zu ihren engsten Vertrauten gehörten. Kaum, dass sie in die Kabinen verschwunden waren, hatten sowohl Lillias als auch Lionel ihr edles Aussehen verworfen. Die Haare zu einem strengen Dutt nach hinten gebunden, eine schwarze Leinenhose und ein weißes Hemd reichten aus, um unter den blauen Umhängen die beiden Frauen zu verdecken. Nachdem das Schiff vollständig angelegt hatte, mischten sich Lillias und Lionel unter den Bediensteten, die als erstes vom Bord gingen und tauchten in dem Strom von Menschen unter.
      Lillias brauchte nicht in den Himmel zu sehen, um zu wissen, dass ihre Kräfte mit zunehmender Stunde schwächer und schwächer wurden. Heute Abend würde wahrlich ein Abenteuer werden und Lillias hasste den Zeitpunkt dafür. Wäre es ihr möglich gewesen, hätte sie zu ihrem eigenen Schutz die Vertragsunterschrift verschoben, um nicht in die Situation zu geraten, in der sie später enden würde. Ihre Schatten waren fahl und wirr. Sie nahmen die Umgebung nur bedingt war und so geschah es des Öfteren, dass Lillias mehrere Menschen in dem Trubel, der in der Stadt herrschte, nicht weiter vermeiden konnte und frontal mit einem Mann auf dem Markt zusammenstieß.
      Der rundliche Mann, ein Kartoffelbauer rauster Natur, hielt sich gerade noch an seinem Karren fest, bevor er entschieden Lillias vor die Füße spuckte. "Gottverdammte Mägde! Es ist euer Schicksal auf den Boden zu sehen, wenn euer Herr mit euch spricht, aber öffnet eure Augen in der Öffentlichkeit", zischte er die beiden Frauen an. Lionel zuckte vor Entsetzen zusammen und Lillias fühlte, wie ihre Cousine kurz davor war, den Mann windelweich zu prügeln. Bevor es soweit kommen konnte, legte sie ihre Hand beruhigend auf den Arm ihrer Freundin, schüttelte den Kopf und senkte den Blick.
      "Verzeiht, Herr. Ich werde mir Euer Rat zu Herzen nehmen", warf Lillias beschwichtigend ein und verneigte sich vor dem Kartoffelbauer. Lionel tat ihr gleich, doch in den Blicken der Frauen, die sich begegneten bei erniedrigenden Verbeugung, war pure Abscheu, gar Hass zu erkennen. Wenn es in ihrer Macht gestanden hätte, hätte Lillias ihm eine ordentliche Lektion erteilt.
      Eiligen Schrittes bahnten sie sich ihren Weg durch die überflutete Stadt, vorbei an Kathedralen, Häusern und Märkten, bis sie endlich abseits von dem Trubel des anstehenden Friedensfestes eine Schänke vollkommen nach ihrem Geschmack entdeckten. Düster, urig und stickig. Die Wolke der Sinneseindrücke im Inneren der Taverne "Zum hellen Haselnussbaum" schlugen Lillias beim Eintreten ins Gesicht und vernebelten ihre Sinne. Im Gegensatz zu den hellen und sauber gepflasterten Steinen, der mächtigen Kathedrale inmitten der Stadt und den hohen Häusern, die in unterschiedlichen Farben über die Gassen thronten, in denen es nach den unterschiedlichsten Düften der Welt roch, so roch es in der Taverne nach Eintopf, Alkohol, Schweiß, Verzweiflung und teils Verderben. Lillias konnte die Mischung aus Anspannung, Erleichterung und Trunkenheit fühlen. Die Anwesenden waren alle aus demselben Grund hier. Es war günstig, es war wie früher und der Alkohol schmeckte nach wie vor am besten in der Kneipe am Ende der Welt. Sie fühlte wie Lionel ihre Hand ergriff, bevor sie sich zu ihrer Anführerin vorbeugte: "Wir sollten gehen, Mira. Dieser Ort..." Lillias hob die Hand als Einwand. "Das ist genau der richtige Ort und der Eintopf riecht, als wäre er vom Himmel selbst erfunden worden." Sie spürte den skeptischen Blick ihrer besseren Hälfte für einige Sekunden zu lang auf sich ruhen, bevor diese sich bei ihr einhakte und Lillias zum nächsten freien Tisch zog, den sie niemals ohne die Hilfe ihrer Freundin gefunden hätte. Ihre Schatten zuckten, als die vollbusige Bedienung an ihren Tisch kam und lustlos die Karte auf den Tisch war.
      "All' zum halbn Preis heute, weil'n großes Fest in der Stadt im Gange ist. Frieden soll's anscheinend geb'n und wir werden's feiern", kommentierte sie trocken das Tagesangebot.
      Seichte, wie aufsteigender Nebel im Morgengrauen, strichen Lillias' Schatten über die Speisekarte, doch sie konnte kein einziges Wort lesen. Dort, wo zuvor noch die farbigen Umrisse von Lionels Gesicht, die sanften Züge und die roten Haare zu erkennen gewesen waren, war nichts. Nichts als helle Dunkelheit, nichts ,was Lillias irgendeinen Hinweis geben konnte.
      Lillias lächelte der Frau entgegen: "Hört! Hört! Frieden soll es geben, also? Ich schätze, werte Dame, wir werden Euer beste Menü zu uns nehmen!"
      Die Frau lächelte zurück. Es war eine Mischung aus einem stoischen und ironischem Lächeln, ehe sie ihren neuen Gästen zunickte. "Schätzchen, freut euch nicht zu früh. Diese Leute sind unberechenbarer als die sogenannte Bibel selbst. Erst wenn's kein Krieg mehr, kein Hunger und kein Tod mehr gibt, glaube ich an Frieden."
      Mit diesen Worten machte sie bereits auf den Absatz kehrt, Lillias und Lionels finstere Blicke unter den blauen Umhängen im Rücken.
      "Die Menschen glauben nicht an den Frieden....Wie soll es Frieden geben, wenn niemand daran glaub-", Lionel verstummte für einen Augenblick als die Bedienung an ihren Tisch zurückkehrte, um die zwei Krüge Birnenwein auf den Tisch zu klatschen. Kommentarlos sah sie der klaren Flüssigkeit dabei zu, wie sie überschwappte und den gesamten Tisch in eine Lache brennenden Alkohols tauchte, bevor sie mit einem Schulterzucken wieder hinter ihrem Tresen verschwand.
      "Glaubst du an Frieden und das Gute?", erwiderte Lillias mit einer Gegenfrage und erhobener Augenbraue.
      Nein. Lionel glaubte weniger an Frieden als an Monetarismus und dem Wandel der Zeit. Noch eher glaubte sie an Kobolde, die Mondmagier zum Abendessen verspeisten und Chroniken über deren Fähigkeiten schrieben.
      Beide Frauen verstummten, jede in ihren Gedanken vertieft, bevor Lillias Begleitung urplötzlich mit der Handfläche auf den Tisch schlug und einige verstohlen-entgeisterte Blicke kassierte. Sie hatte schon immer zu viel Aufmerksamkeit erregt.
      "Schluss damit. Bis zum Anbruch der Dunkelheit geben wir uns die Kante", grinste sie, woraufhin Lillias nur den Kopf schütteln konnte.
      "Dafür liebe ich dich", erwiderte sie gelassen und stieß mit ihrer Geschäftspartnerin und treuen Seele an.
      Lillias war nicht gelassen. Sie war angespannter und schwächer denn je und tief in ihrem Inneren hatte sie ein noch schlechteres Gefühl als vor einigen Jahren, bevor sie an die Front gegangen war, um im Namen des Mondclans Menschen zu heilen. Der ganze Tumult um den Friedensvertrag fühlte sich wie eine Farce an, die Ruhe vor dem Sturm oder einem schlechten Deal an. Doch Lillias war nicht befugt, geschweige denn in der Lage, sich zu erlauben, ihre wahren Gefühle vor einer potentiellen Nachfolgerin als Clanoberhaupt zu offenbaren. Auch wenn sie Lionel nahezu so sehr liebte, wie ihr eigenes Leben.
      Ein Windstoß wirbelte einige Speisekarten auf und löschte einige der Kerzen, die im hinteren Bereich der Taverne eben noch gebrannt hatten, als die Tür erneut aufging. Lillias konnte anhand des Geruches erkennen, dass draußen Wolken aufgezogen waren. Der Geruch von Regen lag bereits in der Luft.
      Im selben Moment wie auch Lionel, fuhr Lillias zusammen und zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, denn sie brauchte keine Schatten, um zu erkennen, wenn jemand aus ihrem eigenen Clan den Raum betrat. Jemand der noch stets oben in den Hierarchien war und von den Göttern abstammte.
      Sie spürte den Blick ihrer Freundin ratlos auf sich ruhen.
      "Da ist.."
      "Ich weiß. Verhalte dich einfach wie eine gewöhnliche Diebin oder eine Botengängerin", hauchte Lillias über ihren Krug hinweg und ließ den Honigwein auf ihrer Zunge zergehen, den Blick heimlich auf die Person, die soeben die Taverne betreten hatte. Lillias konnte im Namen aller Götter nicht bennenen, um wen es sich handelte.




      Wir sind alle Staub und Schatten

    • Die Augen des jungen Mannes mussten sich erst einmal an die Dunkelheit in der Taverne gewöhnen, bevor er etwas ausmachen konnte. Es schien hier recht wild zuzugehen, was er so aus seiner Heimat gar nicht kannte. Aber fremde Hafenstädte mussten wohl so sein, zumindest wollte Orion sich das einbilden. Es wäre auch eine traurie Offenbarung, wenn es einfach nur eine sehr heruntergekommene Kneipe gewesen wäre.
      Aus reiner Gewohnheit lies Orion seinen Blick über die Gäste und Mitarbeiter dieser Kneipe wandern, erkannte die üblichen Leiden die er oft bei Menschen erkannte. Krankheiten für die er noch keinen Namen hatte, und deren Heilung noch nicht zu erreichen war. Krankheiten die ganz einfach zu behandeln wären, wenn sie es denn nur erkennen würden. Orion wünschte sich gerade, das er all diesen Leuten helfen könnte, doch das lag außerhalb seiner Fähigkeiten und seines Zustandsberreiches. Die meisten würde auch nicht unbedingt positiv reagieren und sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen. Das war zum gewissen Teil auch verständlich, ginge es jedoch um seine eigene Gesundheit, dann würde er solche Dinge einfach sehr gerne wissen würden. Seine Gesundheit war im wichtig, und auch das er ein langes Leben führen könnte in dem er einiges gutes vollbrachte.
      Sein Blick blieb kurz an zwei Frauen hängen, und seine Analyse ergab sehr schnell, dass dies Mitglieder seines Clans waren. Die Körperstruktur von Clanmitgliedern war gänzlich anders als von normal sterblichen, die nicht von unseren Göttern abstammten. Es war demnach auch nicht schwer zu erkennen, dass es sich bei diesen Frauen nicht unbedingt um so niedrige Mitglieder wie ihn selbst handelte.
      Weiter würde er diese Analyse nicht zu lassen, denn es gehörte sich nicht, alleine seinen Stand nach.
      Aus Respekt vor seinen Clan, und dem göttlichen Blut welches in deren Adern floss, nickte er ihnen nur kurz zu. Wenn die beiden sich in so einer Kneipe rumtrieben wollten sie sicherlich ihre Ruhe haben, weswegen Orion etwas weiter entfernt nach einen Tisch suchte. Am Ende musste er sich zu ein paar anderen Leuten setzten, die lauter lachten als es wirklich nötig gewesen wäre.
      Ihre Unterhaltung ging darum, welches Glückspiel der Cousin des einen erst vor kurzen verloren hatte, und während er mit halben Ohr lauschte merkte Orion, wie sein Verstand beinahe schon abnahm. Er hatte sich schon lange mit niemanden mehr unterhalten der kein Arzt war, oder zumindest ein Student der Medizin. Auch mit seinen Patienten redete er nur über medizinische Themen. Der Junge heute Morgen war auch nur eine Ausnahme gewesen.
      Ohne es wirklich zu wollen, fiel sein Blick wieder auf die beiden Frauen aus seinen Clan, wobei ihm etwas auffiel, das einer kleinen Anomalie glich. Die Prozentzahl der Gesundheit der einen, schien überdurschnittlich hoch zu sein, doch je länger sie hier saßen, desto weiter ging es hinunter. Eben als er eingetreten war, war es noch bei 124% gewesen, was für Leute in dieser Stellung nicht ungewöhnlich war. Immerhin konnten gewisse Fähigkeiten zu einer Erhöhung der Gesundheit führen, oder die Gesundheit einfach sehr positiv beeinflussen. Doch jetzt, wo er einen zweiten Blick riskierte, war ihre Gesundheit nur noch bei 123% und im nächsten Moment bei 122%. Das seltsame daran war, das eine Gesundheit nicht auf diese Art und weise sank. Nicht bei Leuten göttlicher Herkunft. Doch solange sie nicht unter 50% kam musste sich Orion keine Sorgen darüber machen. Vielleicht erkältete sie sich nur, ein schwaches Immunsystem war eine Besondersheit die er gerne untersuchen würde. Vielleicht benutzte sie auch ihre Kräfte und das zerrte an der Gesundheit? Auch von diesen Vorfällen hatte er schon gehört, und zu gerne würde er an soetwas forschen, doch es würde als Beleidigung an die Götter zählen, wenn er es wagen würde sowas auch nur zu erwähnen. Er würde auch mehr Fälle brauchen, von Clansmitgliedern deren Fähigkeit den Träger schwächte gar verletzte. Vielleicht hatte er deswegen auch ein solches Interesse an dem Colonel des Sonnenclans.
      "Sir???", die Wirtsdame schien schon wirklich genervt, doch Orion hatte sie zu diesem Moment wirklich nicht bemerkt gehabt. Er musste sich räuspern bevor er etwas sagen konnte.
      "Was woll'n Sie denn jetzt?", mit einer gehobenen Augenbraue musterte die Frau ihn.
      "Oh, ich hätte gerne dein Eintopf, er duftet fantastisch!"
      Es schien der Frau wirklich schwer zu fallen ihre Augen nicht zu verdrehen. Vielleicht war sie genervt von der vielen Arbeit wegen der ganzen Besucher die gekommen waren. Vielleicht mochte sie Orion auch einfach nicht weil er Engländer war,und das hier dänisches Gebiet, oder sie verurteilte ihn wegen seiner Klamotten, die erkennen liesen das er wohl etwas mehr Geld verdiente als der Durchschnitt. Andere Klamotten hatte er jedoch nicht, und es wäre Zeitverschwendung gewesen extra billige Klamotten zu holen - die nicht gerade lange hielten- nur um durch die Gegen zu streifen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "



    • Der Blick des neuangekommenen Gastes ruhte weiterhin auf Lillias. Das spürte sie, denn auch wenn sie ihre Schatten nicht darauf ausgesetzt hatte, um erkennen zu können, was er vorhatte, schlugen diese in ihrem Inneren durchaus alarm. Sie spürte, dass mit jeder Sekunde die verstrich, der Mond noch mehr am Himmel ragte, auch dort hinten, versteckt hinter den ganzen Wolken, die sich am Himmel aufgetürmt hatten und letztendlich den Regen auf die Welt niedergelassen hatten, der nun draußen tobte. Sie hatte es gewusst, dass es regnen würde. Einige Augenblicke später war die Wirtsdame zurück und auch wenn sie fühlen konnte, dass diese zuvor noch bei bester schlechter Laune gewesen war, beugte sie sich verschwörerisch über den Tisch, ehe sie die zwei Portionen mit einem Knall auf den Tisch legte.
      "Mein Fräulein, ich fürchte, Ihr habt Euch echt 'n hungrigen Engländer angelacht mit Eurem Auftreten. Und ich spreche hier nicht von meinem Eintopf", grinste sie Lillias verschwörerisch entgegen und bemühte sich nicht, den Ton ihrer Stimme leise zu halten. Lillias hasste solchetwas, wie den Geruch nach Schnaps und fauligem Bier, das aus dem Mund ihrer Gastgeberin kam.
      "Ich fürchte, ich verstehe Euch nicht", lächelte sie schüchtern zurück und sah unter ihrer Kapuze der Gastgeberin entgegen. Lillias Versuch die Alte loszuwerden, sorgte dafür, dass diese beinahe sichtlich für alle anderen Gäste zusammengezuckt wäre. "Ihr seid..." Bevor Lillias ihren Fehler selbst einsehen und dagegen handeln konnte, ergriff Lionel die Hand der Gastgeberin und lachte gehemmt.
      "Danke für den Eintopf, meine Guteste. Wir nehmen noch einen Krug Honigwein und Euer Schweigen dazu." Nie hätte Lillias gedacht, dass eine Bestellung derart bedrohlich klingen konnte, doch ihre Cousine hatte sie bisher nicht nur einmal überrascht.
      "Verzeiht." Mit einer kleinen Verbeugung war sie wieder hinter ihrem Tresen verschwunden, doch ihre Neugier wurde damit nicht gestillt, denn selbst als sie dem Neuankömmling seinen Eintopf lieblos auf den Tisch abstellte, streifte ihre Blick immer noch die Frauen in Männerkleidung, die sich unter ihren Umhängen versteckt hielten und genüsslich den Eintopf löffelten.
      Lillias pökelte nun jedoch schon seit einer Weile in ihrem Eintopf herum, mit sich kämpfend sich nicht nach dem Besucher umzusehen, versuchen zu herausfinden wer er war und warum er hier war. Gedankenverloren drehte sie dasselbe Stückchen Speck schon zum 1.000 Mal um, bevor sich Lionel räusperte.
      "Was auch immer du vorhast, Mira, wage es nicht diesen Plan durchzusetzen. Wir sollten uns vor der Zeremonie ruhig verhalten. Zumal wir gegen die Regeln des Clans verstoßen, was uns betrifft. Wenn das herauskommt, dann sind wir geliefert", zischte Lionel leise über ihren Hirscheintopf gebeugt.
      "Ich bin die Regeln des Clans", ermahnte Lillias ihre Begleiterin mit einem freundlichen Lächeln und legte ihre Gabel beiseite.
      "Kennst du die Liste der Passagiere aus England? Ich war seit über einem Jahr nicht mehr in London, weswegen ich die meisten Namen unbedeutender kleiner Frösche längst vergessen habe", seufzte sie und massierte sich die Schläfen. Ihr war schlecht und ihre Kräfte waren beinahe verschwunden. Sie war kurz davor eine normal sterbliche zu werden.
      Wenn dies bei der Zeremonie offenbart werden würde, gäbe es wohl früher oder später eine Razia gegen den Mondclan. Selbst vor Lionel konnte sie nicht alles preisgeben.
      "Nein. Ich hatte mich um die meisten Distrikte gekümmert, aber Ruby hat sich um den Rest gekümmert und seit ich bei einem Trinkgelage zuletzt mit ihrem kleinen Freund dort, das Bett teilte, sind wir nicht besonders gut aufeinander zu sprechen."
      Lillias klappte die Kinnlade herunter.
      "Bei allen Göttern, Lionel! Du darfst kein Krieg mit deiner Schwester in solchen Zeiten anzetteln und das irgendeines Mannes wegen."
      "Ich weiß, ich weiß, Mutter. Verzeiht meinen Fehler." Lillias brauchte kein Augenlicht um zu wissen, dass Lionel die Augen verdreht hatte.
      "Ich werde meinen Fehler wieder gut machen, Miss", fügte sie ein wenig reumütiger hinzu, senkte die Lider und griff zu ihrem Krug. In wenigen Schlücken leerte Lionel ihren Honigwein, klatschte die Kanne auf den Tisch und warf sich Hals über Kopf in den dümmsten Plan, den Lillias je zu Gesicht bekommen hatte.
      Ruckartig erhob sich ihre rothaarige Freundin. Mit wenigen, katzenartigen Schritten durchmaß sie den Abstand zu ihrem Clangefährten, schob sich gemächlich schamlos zwischen den Fremden, die ebenfalls an seinem Tisch saßen und beugte sich über den Tisch, um den Essenden beim Genießen seines Eintopfs zu stören. "Na? Wen haben wir denn da? Sagt mir Euren Namen, mein hungriger Engländer." Lillias hätte am liebsten ihren Kopf in den Eintopf geschlagen.
      Wir sind alle Staub und Schatten


    • Orion erkannte das das eine CLansmitglied aufstand, doch als er bemerkte das sie auf ihn zu ging, half es auch nichts mehr, das er sich auf seinen Eintopf konzentrierte. War er denn wirklich so auffällig gewesen, dass sie ihn jetzt so unschiecklich begegnen mussten.
      Langsam lies der junge Mann seinen Löffel sinken, und sah die junge Frau an. Es war schwerlich zu übersehen, dass sie eine Frau war, selbst wenn sie sich in Männerklamotten gequetscht hatt. Vielleicht empfand es Orion auch nur als diess, weil es für ihn sehr klar über ihren Kopf prangerte.
      Etwas irritiert blickte er die Frau dann an, als sie ihn mit Engländer ansprach. Orion wusste zwar, dass sie es keinenfalls böse gemeint hatte, oder es jemals hätte böse meinen können, immerhin kannten die beiden sich nicht - zumindest nicht das Orion wüsste- und dennoch fühlte er sich dadurch etwas gekränkt.
      Er mochte zwar nicht so aussehen, und auch sonst nicht den typischen Klisches entsprechen, doch er war mit vollen blute Schotte. Niemand könnte ihn etwas anderes einreden, oder ihn jemals zu etwas anderen bringen. Sein Herz gehörte Schottland, genauso wie seine Dienste seinem Clan gehörten.
      Als Engländer bezeichnet zu werden, war demnach alles andere als eine feine Art. Nicht nach all dem was England getan hatte, nicht nach all dem was noch folgen würde. Diese Leute hatten sich schon immer als besseres angesehen, als ihnen eigentlich zustand.
      "Mistress, ich möchte Sie wirklich ungerne beschämen", begann er dann ruhig, und strich sich einen Flusen von seinem Jackett.
      Der Flusen war zwar eingebildet aber es tat nichts zu Sache. Orion war etwas nervös, denn sein Stolz als Schotte und auf der anderen Seite, seine Manieren stritten sich gerade miteinander.
      "Ich bin Schotte und kein... Engländer."
      War doch gar nicht so schwer wie er angenommen hatte. Zumindest konnte sich Orion das so lange einreden bis er eine Antwort bekam. Vielleicht sollte er sich entschuldigen und gehen? Er hatte zwar noch nicht aufgegessen, aber er würde lieber dieser unangenehmen Situation aus dem weg gehen, selbst wenn er dafür mit einen leeren Magen leben musste.
      Nach ein paar Sekunden fiel Orion auf, dass er die Frage der Mistress nicht geklärt hatte nur in dem er sie berichtigt hatte was seine Herkunft anging. Orion räusperte sich einmal um wieder ein wenig in die Spur zu finden. Er musste nicht nervös sein, es war nur ein netter Hinweis seiner Seite aus gewesen. Vermutlich würde es seine Gesprächspartnerin ohnehin nicht interessieren.
      "Ich bin Doktor Humphry. Orion Humphry", stellte er sich dann vor.
      Was gab es denn auch für einen Grund ihr zu misstrauen? Sie gehörte zum Clan des Mondes genauso wie er und ihre Begleitung ebenfalls.
      Noch einmal schielte er zu der Begleitung herüber, und trotz allem was er wusste und was er bisher gesehen hatte, bereitete ihm das von ihr doch sorgen.
      "Ich glaube Eure Freundin fängt sich etwas ein", meinte er dann knapp. Wenn er ihr schon nicht helfen konnte, konnte er es zumindest der Rothaarigen erzählen. Sie würde sich sicherlich um ihre Freundin kümmern. "Ich glaube sie benötigt etwas Medizin."
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "



    • Lillias hatte anfangs noch jede seiner Bewegungen beobachten können, zumindest mit Hilfe der letzten Kräfte, die ihr geblieben waren. Doch langsam schienen auch diese zu schwinden und bald würde sie das Niveau einer blinden, normal sterblichen Frau erreichen. Vielleicht einer, die an einer Vorerkrankung litt.
      Für einen Moment schloss sie die Augen, auch wenn dies überhaupt nicht nötig gewesen wäre. Sie sammelte sich, erinnerte sich daran, wer sie war und wer sie sein würde, bevor sie entschlossen aufstand, das Geld passend auf den Tisch legte und mit eleganten Schritten und wehendem Umhang, den Tisch des Neuankömmlings aus dem Clan sowie Lionel erreichte. Sie konnte fühlen, dass Lionel vor Überraschung zusammengezuckt war, da sie nicht erwartet hatte, Lillias plötzlich hinter sich zu fühlen.
      "Verzeiht die Unannehmlichkeiten, mein Gutester. Meine Freundin kann manchmal etwas...aufbrausend wirken. Nicht gerade die feine englische Art, ich weiß." Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich den Engländer-Witz nicht verkneifen konnte und dies trotz ihres Zustands. Natürlich hatte sie gehört, dass er nicht Engländer war. Das war ihr nicht nur durch sein inneres Aufbrausen aufgefallen, sondern auch durch die Art wie er lief, redete und sich benahm, trotz seiner feinen englischen Kleidung.
      Sie selbst war ja nicht Engländerin, wusste aber nur zu gut, wie sehr es manchmal einen Schmerzen konnte, für den Staatsfeind schlechthin gehalten zu werden...Zumindest wenn sie sich auf politischen Partys gewöhnlicher sterblicher auf dieses Niveau herznterließ.
      Lillias räusperte sich, hielt den Kopf und den Blick jedoch immer noch gesenkt, sodass der Mann sie nicht erkannte, bevor sie ihren Entschluss vollkommen gefasst hatte.
      "Was hast du vor?", hörte sie Lionel leise in ihrem Ohr raunen.
      Lillias bedeutete ihrer Freundin, jedoch in solchen Situationen, auch ihrer Untertanin mit dem Hauch einer Bewegung, dass sie den Rückzug antreten sollte.
      "Verzeiht", murmelte sie knapp an den Engländer und wich langsam unsicheren Schrittes von dem Tisch und Lillias weg.
      "Erwarte mich im La Croix Rousse", ordnete Lillias ruhig und mit einem hauch von Distanz in der Stimme, wobei sie den Blick weiter vor dem Doktor gesenkt hielt. Lionel vollführte einen kleinen, frechen Knicks, ehe sie im Vorbeigehen sich eine der Brotstücke aus dem Brotkorb des Doktors schnappte und mit einem Knall die Tür der Taverne hinter sich zuwarf. Innerlich atmete Lillias auf, denn sie wusste noch genau, wo zuvor sich der Stuhl befunden hatte, auf den sie sich nun elegant niederließ und ihre mit Männerhosen bekleideten Beine übereinanderschlug.
      Draußen hörte sie den Regen gegen die Scheiben der Taverne und mit voller Wucht über die Straßen ziehen, irgendwo in der Ferne fiel ein Karren voller Tomaten um und löste auf der Straße noch mehr Chaos als zuvor aus. Man könnte meinen, sie wäre zuhause.
      Doch in der Taverne, in diesem Moment, als sie dem Doktor gegenüber saß und nicht ihren sechsten Sinn oder ihre Kräfte brauchte, um zu wissen, dass er sie vollkommen lesen konnte, hier war es totenstill.
      Bevor Lillias den Blick hob und ihre strahlenden Augen zum ersten Mal dorthin sahen, wo sie das Gesicht des Doktors vermutete, beugte sie sich tief über den Tisch und faltete die Hände diplomatisch vor sich zusammen.
      "Hallo Doktor", setzte sie erneut an, diesmal ohne dem fremden ein Lächeln zu schenken.
      "Ihr scheint einen scharfen Sinn zu haben. Ich denke eine Vorstellung meinerseits ist in diesem Falle nicht weiter notwendig." Mit einer ausladenden Bewegung ihrer zarten Hände, nahm sie ihm die Gabel aus der Hand und setzte diese sauber auf die Serviette neben dem Teller ab. Lillias hasste es, wenn jemand potenzielle Waffen auf sich richtete.
      "Ich bedauere, Ihr seid mir zu einem günstig ungünstigem Zeitpunkt in die Arme gelaufen", hauchte sie ihm zu. Im fahlen Licht des späten Nachmittags wirkten Lillias ruhige Augen, die in das Gesicht des Doktors sahen, wie ein trübes aufziehendes Gewitter.
      Sie brauchte seine Hilfe.
      Wir sind alle Staub und Schatten