By Night [Peari]

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    • By Night [Peari]

      @Earinor
      Vorstellung --> By Night [Peari]










      Maximillian Stanford Jr. war ein ordentlicher, gewissenhafter Mann. Er genoss eine gewisse nächtliche Routine. Eine Routine, die lebenswichtig war. Er jonglierte gleich zwei verschiedene Leben, die parallel zueinander stattfanden, ohne dass das eine mit dem anderen kollidierte. Beide Leben waren überaus wichtig und erforderten seine gesamte Aufmerksamkeit.
      Als er sich also pünklich zu Schichtbeginn an seinen Schreibtisch setzte und sich an die Bearbeitung einiger Akten machte, hatte er bereits seinem Prinzen Bericht erstattet. Jeden Freitag begann seine Nacht mit einem Telefonat dieser Art und mindestens einmal im Monat sah er den Mann, der ihm dieses Leben geschenkt hatte, persönlich. Das war das eine Leben. Das andere Leben führte er hier am Schreibtisch, wo er Akten bearbeitete, die niemand sonst zu Gesicht kriegen sollte. Nur dadurch verliefen die polizeilichen Ermittlungen gegen Vannevar Dechart, einen den reichsten Männer LAs, so schleppend. Ford musste sich trotzdem immer wieder neue Methoden ausdenken, um seinen penetranten Kollegen, der mit dem Fall betraut worden war, auszubremsen. Sein heutiger Plan sah vor, einige Bankdokumente durchzuarbeiten und keinerlei Ungereimtheiten darin zu finden. Es würde ihn leider die ganze Schicht kosten, all die Zahlen zu checken und sicherzugehen, dass er nichts übersah.
      "Hey Ford! Meine Frau hat dieses riesige Frühstück für morgen geplant. Du weißt schon, Wochenendbrunch und so. Willst du vorbei kommen?", fragte ein Kollege vom Schreibtisch nebenan.
      "Sorry, ich hab schon Pläne für's Wochenende. Meine Nicht kommt vorbei, um sich das College anzusehen."
      Das war nur eine halbe Lüge. Seine Nichte kam tatsächlich nach LA. Sie sah sich tatsächlich das College an. Aber damit hatte Ford nichts zu tun. Ausgemacht hatten sie nämlich nichts. Ford war sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt wusste, wo genau er wohnte.
      "Bring sie doch einfach mit?"
      "Sie landet erst um elf. Vor dem Abendessen werd ich also kaum Zeit haben. Aber richte allen Grüße aus."
      Kopfschüttelnd wandte sich sein Kollege wieder seiner Arbeit zu. Mit den Jahren war Ford ein Meister darin geworden, solche Verabredungen auszuschlagen. Um das Image zu wahren lud er hin und wieder auf eine Runde in einer Bar ein, manchmal sogar in einen Nachtclub. So hielten ihn nicht alle für einen seltsamen Eremiten, der nichts mit Leuten zu tun hatte, obwohl er tagsüber nie jemandem begegnete. Das alles war bloß eine Frage der Balance. Einer Balance, die Ford zu halten wusste, egal wie stark der Wind auch wehte.
      Ford wandte sich wieder seiner Akte zu. Er kannte den Inhalt praktisch auswendig. Immerhin hatte er den Buchhalter des Prinzen persönlich ausgewählt und kannte dessen Einnahmen und Ausgaben wie kaum ein zweiter. Aber wenn man beschäftigt wirkte, redeten die Leute weniger mit einem und es offenbarten sich neue Möglichkeiten. Er streckte seine Sinne aus, ignorierte den zickenden Kopierer, die blubbernde Kaffeemaschine, das Kratzen von Stiften auf Papier und das Klacken von Tastaturen, und konzentrierte sich auf das Gespräch, das am anderen Ende des Raumes hinter einer verschlossenen Tür geführt wurde. Der Chef verpasste Detective Ethan Cole gerade einen Einlauf, weil er so viele Ressourcen verballerte, um einem Verdacht nachzugehen, der sich als immer haltloser erwies. Ford konnte nicht anders, als zu lächeln. Noch eine Woche, dann wäre diese Ermittlung vorbei. Es würde schneller gehen, wenn er öfter Gelegenheit hätte, mit dem Chef zu reden, aber der Mann war schwer beschäftigt und kümmerte sich nicht um den Teil seiner Leute, der ordentliche Arbeit leistete. Vielleicht sollte Ford sich um die Psyche von Detective Cole kümmern? Niemand nahm einen Mann ernst, der sich obsessiv mit einem Unschuldigen beschäftigte.
      Ford schrieb sich eine Notiz: Problem mit Stalker?
      Er würde diesen Schritt erst mit seinem Prinzen absprechen müssen, immerhin bestand die Möglichkeit, dass Detective Cole tatsächlich zu einem Stalker werden könnte, wenn Ford erst einmal loslegte.
      Er sah auf, wie der Rest des spätlich besetzten Großraumbüros, als die Tür zum Chef aufgerissen wurde und ein wütender Cole herausgestürmt kam. Er hielt direkt auf Ford zu und baute sich vor dessen Schreibtisch auf. Ford zuckte gespielt zurück.
      "Haben Sie schon was, Stanford?!", bellte der Detectiv.
      Ford gab sich beste Mühe das gestellte Chaos auf seinem Tisch verzweifelt anzusehen, ehe er den Kopf schüttelte.
      "Der Mann hat einfach zu viel Geld, Detective. Ich bin kein Buchhalter. Das hier zu entschlüsseln wird 'ne Weile dauern. Ich hab auch grad erst angefangen-"
      "Sparen Sie sich das! Machen Sie einfach weiter und sagen Sie mir Bescheid, sobald Sie was finden!"
      "Geht klar, Boss."
      Damit dampfte Cole davon. Einige Kollegen sahen Ford bemitleidenswert an. Er nickte ihnen freundlich zu, dann wandte er sich wieder dem Papierkram zu, den er nicht vorhatte zu bearbeiten. Vielleicht kam ja heute Abend noch was Interessantes rein, das ihn leider von dem Papierkram wegholte?
    • "Du bist Carter?!", war das Erste das Carter ins Gesicht gebrüllt bekam, etwas zu laut, obwohl die dröhnende Musik im Club alles andere als leise war. Die junge Frau lächelte, nickte und grinste. "Mhm!" Vor ihr saß Sam, der Freund einer Freundin aus dem Fitnessstudio ihres Bruders, verdammt war das kompliziert. Jedenfalls wollte Ann, die besagte Freundin, mal mit Carter zusammen ausgehen und wer ließ sich nicht zu ein paar Drinks in LAs Nachtclubs überreden? Ihr Freund wollte sie begleiten und Carter hatte nichts dagegen gehabt, jetzt wurde sie allerdings ein bisschen zu sehr angestarrt, bevor Sam in schallendes Gelächter ausbrach.
      "Und ich dachte die ganze Zeit du wärst ein Kerl! Ich war schon eifersüchtig!", erklärte er ihr lachend und schüttelte seinen Kopf. Carter nuckelte inzwischen an ihrem Strohhalm und der aus einem stechend blauen Getränk heraus ragte, sah nicht besonders gesund aus, aber was erwartete man von einem Club der Iceberg Lounge hieß.
      "Das hör ich öfter! Also das mit dem Kerl sein, nicht das mit der Eifersucht.", erklärte sie und es machte ihr auch nichts aus, alles besser als Josephine genannt zu werden, urgh. Außerdem war es manchmal auch ganz lustig andere an der Nase herum zu führen.
      "Steht das auch auf deiner Geburtsurkunde?" Nun musste Carter lachend den Kopf schütteln.
      "Nö, ist mein Nachname.
      "Aber ihren Vornamen verrät sie dir nicht, nicht einmal ich weiß den.", schaltete sich nun auch noch seine Freundin ein.
      "Ihr veralbert mich sonst nur! Aber ihr könnt ruhig raten.", grinste sie, manchmal war es ganz lustig die verrücktesten Namen aufgezählt zu bekommen und auch so ging ein Abend schnell rum, auch wenn Carter sich insgeheim auf der Tanzfläche nach jemandem interessantem umsah, da war aber niemand, der ihre Aufmerksamkeit für mehr als ein paar Hüftschwünge erhaschte.

      Der Abend war also mal wieder wenig erfolgreich gewesen, trotzdem hatte es Spaß gemacht mit ein paar Leuten etwas zu trinken. Den perfekten Mann zu finden stellte sich aber langsam als unmöglich heraus, das letzte Mal als sie eine Beziehung geführt hatte war nun schon über sieben Jahre her und was wenn ihre biologische Uhr doch plötzlich zu ticken anfing, aber einfach der Mann fehlte? Vielleicht war ihr Problem auch einfach, dass sie nicht genau wusste, wonach sie eigentlich suchte, Carter war ja nicht unglücklich alleine und oft genug hatte sie sehr gerne ihre Ruhe, andererseits war ihr das Loft manchmal ein wenig zu leer. Naja, etwas zu erzwingen funktionierte doch sowieso nicht und um das Loft zu füllen reichte vielleicht auch einfach ein Haustier, sie vermisste es sowieso ständig Tiere um sich zu haben, so wie es zu Hause war, aber eine Katze in eine Wohnung zu sperren fühlte sich auch irgendwie falsch an und für einen Hund hatte sie bestimmt keine Zeit, beziehungsweise war zu unregelmäßigen Zeiten zu Hause. Vielleicht ein Meerschweinchen?
      Während sie sich darüber Gedanken machte, bewegte sie sich schon aus dem Club heraus. Um nach Hause zu kommen konnte sie nun entweder um den ganzen Block laufen, oder sie nahm eine kleine Abkürzung durch die Seitenstraße. Mitten in der Nacht, alleine und noch dazu als Frau durch eine dunkle Gasse zu laufen war wohl nie eine gute Idee, aber schlimme Dinge passierten nie einem selbst, richtig? Außerdem hatte sie immer noch ihren Pfefferspray dabei. Sie bog also direkt nachdem sie den Club verlassen hatte ab. In der dunklen Gasse standen ein paar große Mülltonnen, eine kleine Tür führte wieder in den Club hinein und sonst gab es hier nicht einmal wirklich Beleuchtung, bis auf die Neonröhre über der Clubtür.
      Eben diese Tür wurde gerade aufgestoßen und zwei Männer traten heraus, nein drei, einer dackelte ihnen hinterher. Carter machte abrupt halt, egal wer das war, sie wollte eigentlich niemandem begegnen, befand sich aber bereits auf halbem Weg und überlegte gerade, ob sie jetzt einfach vorbei marschieren sollte, oder ob sie besser kehrt machte und die Typen sich wohl fragen würden, warum sie einfach umgedreht hatte. Die zwei Männer die zuerst nach draußen getreten waren sahen so aus als würden sie gleich einen intimen Moment teilen wollen, Carter hatte keine Ahnung wie der dritte da dazu passte, aber sie verurteilte niemanden. Als sie sich gerade entschieden hatte einfach umzudrehen, weil sie niemanden bei einem One Night Stand stören wollte, änderte sich die Situation jedoch schlagartig. Der erste Mann, er sah etwas betrunken aus, hatte eben noch an der Wand gelehnt, wurde am Nacken geküsst, was man eben so tat, nur damit er im nächsten Moment einen kurzen Schrei los ließ. Er wollte den anderen Mann wohl von sich stoßen, aber dazu kam er nicht mehr, stattdessen zückte der andere Mann ein Messer, das im Hals des ersten Mannes landete. Für einen Moment war Carter wie erstarrt, im nächsten wollte sie weglaufen, aber stattdessen machte sie nur einen schnellen Schritt hinter die große Mülltonne und hockte sich dahinter auf den Boden. Sie war sich sicher keiner hatte sie gesehen und am Besten wussten diese Typen auch nicht, dass sie jemand beobachtet hatte.
      Was sollte sie also tun? War der Mann tot? Sollte sie die Polizei rufen? Vermutlich. Carter kramte also in ihrer Tasche herum, holte ihr Smartphone heraus und musste feststellen, dass der dumme Akku schon wieder leer war. Sie verkniff sich ein Scheiße. Was jetzt?
      Vielleicht hatten sich die Männer ja längst aus dem Staub gemacht? Nein definitiv nicht, denn auf einmal begann einer der Männer zu reden, aber Carter konnte nicht verstehen was sie sagten. Ihr Blick fiel auf ihre Tasche mit der Kamera die sie eigentlich immer dabei hatte. Sie hätte gelogen, hätte sie gesagt, dass sie nicht daran gedacht hatte, dass ihr ein Foto eines tatsächlichen Mordes, der in den nächsten Tagen vielleicht sogar in die Zeitungen kam, Geld einbringen würde, aber das war nicht der einzige Grund, warum sie sie leise auspackte. Was wenn man die Männer so zumindest identifizieren konnte? Die Kamera war schnell ausgepackt, der Blitz ausgeschalten, das Objektiv drauf geschraubt und die Belichtungszeit hoch genug eingestellt. Vorsichtig lugte sie um die Ecke, das Gerede hatte aufgehört, aber die Männer waren noch da. Viel sah Carter nicht, aber ihre Kamera sah bestimmt genug und als sie den Auslöser betätigte, hätte sie am Liebsten erneut geflucht, dieses verdammte Geräusch!
      Wieso hab ich das getan? Wieso bin ich so blöd?!, fragte sie sich selbst, nur um sich wieder hinter den Container zu drücken und darauf zu warten, dass sie irgendjemand bemerkt hatte, dass sie irgendjemand holen kam, aber es passierte nichts. Vielleicht war der Lärm der aus dem Club dröhnte genug um auch dieses Geräusch zu überdecken, wenn Carter nicht einmal richtig verstehen konnte, was der eine Mann vorhin gesagt hatte.
      Neugierig wie die junge Frau nun einmal war sah sie sich nun das Foto an und das erste das ihr dabei in den Sinn kam, war das Wort Vampire. Natürlich war sie eine erwachsene Frau, die wusste, dass es keine Vampire gab, genau so wenig wie Werwölfe oder Hexen, aber dann waren das vielleicht irgendwelche Kultisten, oder Verrückte die solche Ideen und Mythen zu weit trieben. Carters Neugier war geweckt und so überwog die Neugier auch die Angst entdeckt zu werden und ein paar weitere Fotos folgten. Die junge Frau hatte keine Ahnung wie lang sie sich hinter dem Container versteckte, aber irgendwann verschwanden die Männer dann doch. Erst nach ein paar Minuten traute sie sich auch aus ihrem Versteck hervor. Der reglose Körper des Mannes lag immer noch weiter vorne auf der Straße, aber sie hatte kein Interesse daran, sich das näher anzusehen, machte aber noch schnell ein Foto mit gebührendem Abstand. Dann beeilte sich sich die Gasse ebenfalls zu verlassen und begab sich in den Club zurück, um dem ersten Barkeeper den sie sah zu sagen, dass er die Polizei anrufen sollte.

      "Also noch einmal Miss Carter, was genau haben sie gesehen?", fragte ein weiterer Polizist auf dem Revier zu dem sie schlussendlich gebracht wurde, nachdem ihre Aussage schon zwei Mal vor Ort aufgenommen wurde.
      "Wie oft denn noch? Ich war auf dem Heimweg und habe in der Gasse hinter dem Club gesehen wie dieser Mann... getötet wurde.", Carter bemühte sich ihre Fassung zu waren und sie fand selbst, dass sie weit aus mehr mitgenommen hätte sein sollen, aber stattdessen war sie im Moment einfach nur genervt, genervt darüber, dass ihr keiner zu glauben schien was sie gesehen und sogar fotografiert hatte.
      "Miss wir haben keine Leiche gefunden, nicht einmal Blutspritzer. Wir haben dort zwar noch ein Team, das sich genauer umsieht, aber wenn wirklich passiert ist, was sie sagen, dann müsste es dort doch eine Menge Blut geben."
      "Ich sagte es Ihnen doch schon! Diese Typen... müssen es getrunken haben, so hat es zumindest ausgesehen. Der eine klebte an seinem Hals, der andere an seinem Handgelenk." Carter holte noch einmal ihre Kamera heraus, öffnete das Bild und zeigte es dem Mann der ihr gegenüber saß. "Hier!"
      "Für mich sieht das so aus, als hätte da jemand eine wilde Nacht, das passiert hier ständig."
      "Das weiß ich selbst, ich wohne lang genug hier, aber jemand der sich hinter einem Club vergnügt wird nicht abgestochen! Als ich aus meinem Versteck gekommen bin lag der Mann noch auf dem Boden, der wäre dann ja wohl kaum dort liegen geblieben?"
      "Er war vermutlich betrunken, oder hat etwas genommen und ist dann selbst gegangen, nachdem sie fort waren."
      Carter stand von ihrem unbequemen Plastikstuhl auf und stopfte ihre Kamera zurück in ihre Tasche. "Ist es nicht ihre Pflicht das zu untersuchen, egal was sie denken? Ansonsten freuen sich bestimmt auch einige Zeitungen über diese Fotos und die Tatsache, dass das LAPD sich einen Scheiß dafür interessiert!"
    • Ford hatte einen recht guten Weg gefunden, sich die Nacht zu vertreiben und gleichzeitig beschäftigt auszusehen, ohne dabei aber die Finanzen von Mr. Dechart zu durchwühlen. Zuerst hatte er seinen Bericht über diese Unterlagen verfasst - natürlich hatte er nichts gefunden. Aber das dauerte keine halbe Stunde. Also ging er dazu über, sich ein bisschen im Polizeinetzwerk umzusehen. Er bekam den meisten 'abstrusen Scheiß' über den Buschfunk im Büro mit, aber man konnte nie vorsichtig genug sein, wenn es um die Maskerade ging. Er sah wirklich jeden Bericht durch, um sicherzugehen, dass nichts dabei war, was irgendwie auf die Herrscher der Nacht zurückfallen konnte. Viele würden es als nervige Kleinarbeit abstempeln, aber das war schon immer genau Fords Ding gewesen. Die Details machten oftmals den Unterschied und er wollte nicht derjenige sein, der vor seiner Majestät Rede und Antwort stehen musste für einen Fehler, den man leicht verhindern hätte können.
      Er war gerade bei den Berichten der vorletzten Woche angekommen, da ploppte eine altbekannte Nachricht auf seinem Computer auf. Jeder bekam sie, der gerade im System online war. Die Nachricht informierte über einen neuen Eintrag.
      "Gefährliche Körperverletzung, möglicher Mord", murmelte Ford.
      Dann schoss er in die Höhe und schnappte sich seine Jacke.
      "Vergiss es, Jeff!", mahnte er seinen Kollegen von gegenüber, "Das ist meiner!"
      Sein Kollege war langsamer und spätestens, als Ford die Tür zum Großraumbüro erreichte, gehörte der Fall ihm - wer zuerst kommt und so weiter.

      Noch auf dem Weg zum Tatort schrieb er einigen Bekannten eine Nachricht. Er hatte die Details der Meldung kurz überflogen und ihm gefielen die Details nicht. Er bestellte also vorsichtshalber eine Clean-Up Crew.
      Der Tatort war bereits abgesperrt, aber noch war kein forensisches Team anwesend. Die brauchten um diese Uhrzeit immer ein bisschen - ein Hoch auf den Drang der Menschen, bei Nacht zu schlafen.
      Ford schwenkte seine Marke ein bisschen herum und ließ sich erklären, was passiert war. Die Augenzeugin und Melderin der Tat war bereits auf dem Revier hier in der Nähe, um eine Aussage zu Protokoll zu geben. Verdammt.
      "Die Spurensicherung sollte gleich hier sein. Holt euch doch einen Kaffee, ich pass solange hier auf", meinte er zu den beiden Streifenpolizisten.
      "Der Chef hat gesagt, wie sollen hier aufpassen", stammelte einer der beiden Uniformierten.
      Ein Neuer also. Ford seufzte und winkte die beiden heran. Glücklicherweise lag der Tatort abgelegen und niemand machte lange Augen.
      "Ihr wurdet wegen eines Gewaltverbrechens hergerufen, habt aber nichts gefunden. Um auf Nummer sicher zu gehen, habt ihr die Spursi und alles weitere gerufen. Ihr habt eure Pflicht getan. Jetzt holt euch einen Kaffee, dann geht ihr auf euer Revier und schreibt euren Bericht. Der schreibt sich auch ganz schnell. Weil hier ja rein gar nichts ist."
      Die beiden Männer starrten ihn an, als sei er vom Mars. Dann blinzelten sie, kehrten zurück in die Realität und nickten lächelnd.
      "Echt nett von Ihnen, Detective! Sollen wir Ihnen einen Kaffee vorbeibringen?"
      "Nein, danke. Ich bin versorgt."
      Ford hielt einen Thermobecher hoch, in dem nichts drin war. Aber die beiden Polizisten kauften es ihm ab. Sie verließen den Tatort und ließen ihn allein zurück.
      Ford nutzte die Zeit, um sich umzusehen. Die Leiche lag zusammengesunken an der Wand. Er sah keine Bissspuren, aber das war auch nur selten ein Hinweis auf seinesgleichen. Da war eine Stichwunde in Nackennähe, aus der ein wenig Blut ausgetreten war, aber es war nicht genug, um eine Leiche zu rechtfertigen.
      "Idioten", murmelte Ford.
      Sie hatten versucht, ihre Tat mit einer Stichwunde zu vertuschen, hatten aber nicht genug Blut für eine überzeugende Darstellung übrig gelassen. Das hier durfte niemandem auffallen.
      "Oi, Ford!", rief ein alter Bekannter vom Ende der Gasse.
      Der Mann trug ripped Jeans und ein ausgewaschenes Bandshirt unter einer Bikerjacke.
      "Frank", grüßte Ford den Mann und ging zu ihm.
      "Das hier muss saubergemacht werden. Es wurde gemeldet, also schreib einen Bericht. Ich hab den Jungs suggeriert, dass sie hier nichts gefunden haben."
      "Geht klar, Sheriff. 'Ne Ahnung, wer's war?"
      "Nein. Aber ich werde es rausfinden müssen. Sollte es einer von uns gewesen sein, dürfte seine Majestät nicht sehr glücklich darüber sein."
      "Und wenn's einer von den anderen war?"
      "Dann haben wir wohl Grund, ein bisschen zu feiern. Ein weiterer Punkt für uns, was die Maskerade angeht."
      "Sag mir nicht, du zählst mit."
      "Natürlich nicht."
      Ford wusste von jedem Verstoß gegen die Maskerade, jedem Fehler, den die Gegenseite bisher gemacht hatte. Es war sein Job, den Prinzen mit diesen Informationen zu versorgen, damit er ein Druckmittel gegen die Anarchs hatte.
      "Ich muss los. Scheinbar gibt es eine Augenzeugin und die macht wohl gerade eine Aussage."
      "Dann geh dir mal 'ne hübsche Braut angeln, Sheriff."
      "Charmant wie eh und je, Frank."
      "Das ist dein Job, Sheriff. Ich räum' bloß auf."
      Ford verabschiedete sich von seinem alten Bekannten und überließ ihm und seinen Leuten den Tatort. Morgen früh würde dem LAPD ein Bericht vorliegen, dass man ein Drogenset gefunden habe und der Vorfall keine weitere Beachtung verdiente. Niemand war gestorben, alles war in Ordnung. Jetzt musste sich Ford nur noch um die Zeugin kümmern.

      "Ist es nicht ihre Pflicht, das zu untersuchen, egal was sie denken? Ansonsten freuen sich bestimmt auch einige Zeitungen über diese Fotos und die Tatsache, dass das LAPD sich einen Scheiß dafür interessiert!"
      Die Frau war ganz schön heißblütig, stellte Ford fest, kaum dass er einen Fuß in das Präsidium gesetzt hatte.
      Er zeigte seine Marke am Empfang vor und wurde gleich zum entsprechenden Schreibtisch geschickt.
      "Na na, nicht so laut um diese Uhrzeit, wenn ich bitten darf", grüßte Ford und reichte der Frau seine Hand, "Detective Maximillian Stanford. Ich kümmere mich um diesen Fall. Und im Gegensatz zu gewissen Kollegen interessiere ich mich doch sehr dafür, was sie gesehen haben."
      Er schoss dem Sterblichen einen giftigen Blick zu, dann wandte er sich mit einem freundlichen Lächeln wieder der Frau zu.
      "Wie wär's, wenn wir uns ein ruhiges Plätzchen suchen, Sie mir erzählen, was Sie gesehen haben und dann erkläre ich Ihnen, welche Maßnahmen das LAPD bereits ergriffen hat und welche wir noch ergreifen werden, hm?"
      Wieder wandte er den Blick dem Polizisten zu, der die Frau zuerst vernommen hatte.
      "Hohlen Sie uns doch bitte einen Kaffee. Um die Ecke ist ein Stabucks."
      Er drückte dem Mann zwanzig Dollar in die Hand und führte die Zeugin in Richtung eines der bequemeren Vernehmungsräume für Angehörige. Der Mann, dem er eben einen Auftrag erteilt hatte, blinzelte kurz verdutzt, dann machte er sich auf den Weg zum Starbucks, um zwei Kaffee zu holen, die er etwa zehn Minuten später leise und ohne Kommentar zu ihnen brachte.
      "Ich weiß, Sie haben das jetzt wahrscheinlich schon ein halbes dutzend Mal durchgekaut, aber ich muss Sie bitten, mir nochmal alles von Anfang an zu erzählen. Wie kam es dazu, dass Sie in der Gasse waren?". fragte Ford freundlich.

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    • Noch bevor der Beamte Carter überhaupt antworten konnte, mischte sich ein anderer Mann ein, woraufhin sich die junge Frau mit einem skeptischen Blick umdrehte um zu ergründen, wer sie da eigentlich so blöd von der Seite anmachte. Sie musste ihren Kopf beinahe in den Nacken legen, obwohl sie vorhin eben aufgestanden war. Carter war nicht besonders groß, aber der Typ war es, sah ihr aber etwas zu selbstsicher aus, abgesehen davon fühlte sie sich gerade als wäre sie wie ein Kind behandelt worden. Ihre Augenbraue fand allerdings den Weg nach unten, zurück in ihre ursprüngliche Position, als der Mann zumindest dem Schein nach Interesse bekundete, mehr jedenfalls als der andere Polizist, außerdem stellte er sich als Detective vor, das war doch schon mal besser. Sie nahm also die angebotene Hand und schüttelte sie mit bestimmtem Druck, ehe sie sich ebenfalls vorstellte. "Carter.", sagte sie und hatte wie immer das Bedürfnis den Rest ihres Namens zu verschweigen, aber dieser Kerl hier war keine flüchtige Bekanntschaft, sondern ein Detective und im Endeffekt konnte er ihren Namen sowieso in irgendeinem Bericht lesen, wenn er nicht selbst noch einmal fragte. Carter unterdrückte also ein Seufzen bevor sie den Rest ihres Namens aussprach. "Josephine Carter. Josephine Emma eigentlich, sollte das wichtig sein." Carter hätte gerne behauptet sie hätte zu viel getrunken und war deshalb ein wenig seltsam, aber das wäre wohl eine Lüge. Klar, sie hatte getrunken, aber nicht zu viel und das würde sie erst recht nicht vor der Polizei sagen, die ihr sowieso nicht glaubte.
      Carter folgte dem giftigen Blick den der Detective seinem Kollegen zuwarf flüchtig und hielt sich zurück dem anderen Polizisten nicht ebenfalls eine kindische Geste zukommen zu lassen, abgesehen davon fand sie diesen Detective Stanford dann doch ein wenig respekteinflößender, empfand ihn mehr als eine Autoritätsperson und wollte sich dementsprechend verhalten. Sie ignorierte also fürs erste die Art wie er mit ihr sprach - als wäre sie ein Kind, vielleicht war sie auch nur empfindlich - und nickte. Er bestellte bei seinem Kollegen noch zwei Kaffee, nach dem Carter ohnehin selbst gerade fragen wollte. Die Tatsache alleine entlockte ihr ein kleines Schmunzeln. "Mit Milch und Zucker bitte.", erklärte sie mit einem frechen Zwinkern an den Beamten gerichtet, ehe sie dem Detective in einen anderen Raum folgte.
      Es war logisch, dass sie einer neuen Person die Geschichte noch einmal erzählen musste und da half es auch nichts, dass Carter eigentlich ziemlich müde war, immerhin hatte sie den Club verlassen, weil sie nach Hause und sich hinlegen wollte. "Ich war in dem Club neben an, die Iceberg Lounge. Wenn ich nach Hause will, dann muss ich entweder einen Umweg um den ganzen Block herum machen, oder durch die Gasse gehen. Ich weiß, dass man das mitten in der Nacht vermutlich nicht tun sollte, aber ich dachte ja nicht, dass vor meinen Augen jemand ermordet wird! Ich wollte die Polizei rufen, aber mein Akku war leer, also habe ich mich versteckt und hab nachher im Club jemanden gebeten 911 zu rufen. Ich glaub er hieß Paul oder so, keine Ahnung, ihre Kollegen haben seinen Namen, aber er hat auch nichts gesehen, er hat drinnen mit mir gewartet." Auf einmal fragte sie sich, ob sie nicht doch nach dem Mann hätte sehen sollen. Nach dem was ihm passiert war hatte er nach den langen Minuten die Carter versteckt geblieben war sicher nicht mehr gelebt, aber jetzt wo sie noch einmal darüber nachdachte, fragte sie sich ob sie ihm nicht vielleicht doch hätte helfen sollen, oder zumindest hätte sie überprüfen sollen, ob er noch atmete, vielleicht auch Erste Hilfe leisten. Die kurze Stille machte sie verrückt und sie war dem Blick des Detectives nach dem letzten Wort das sie gesprochen hatte bereits ausgewichen. "Ich hab auch Fotos! Von den Tätern, ich weiß nicht wie viel man da noch raus holen kann, aber vielleicht können Sie etwas damit anfangen.", erklärte sie und packte ihre Kamera zum wiederholten Male aus, öffnete eines der Fotos das sie gemacht hatte und reichte die Kamera anschließend über den Tisch. Der Kaffee kam jetzt auch gerade richtig und sie schnappte sich den Pappbecher gleich als er auf dem Tisch abgestellt wurde.
    • Sie hatte die Tat beobachtet? Verdammt! Ford hatte ein paar lange Nächte vor sich, um das wieder gerade zu biegen. Die Fotos halfen da auch nicht. Hier konnte er nicht einfach kurz einen seiner Tricks abziehen. Das hier musste er mit Gefühl machen. Er könnte sie in den Wahnsinn treiben, sie glauben lassen, sie hätte Halluzinationen. Aber das war nicht wirklich sein Fachgebiet. Sie jetzt auf einmal mit der Info zu füttern, dass der Typ aufgestanden und weggegangen war, wäre auch eher suboptimal. Also falsche Ermittlungen, bis sie selbst glaubte, es war gar kein Mord gewesen. Na toll... Immerhin müsste er nicht mehr vorgaukeln, sich durch Mr. Decharts Finanzen zu wühlen.
      "Immerhin erkennen Sie selbst, dass eine Gasse mitten in der Nacht eine dumme Idee war", merkte er an und klickte sich durch die Fotos.
      Sie war zu verängstigt gewesen, um wirklich scharfe Fotos zu machen. Man könnte das Ganze als etwas Intimes werten, aber dann müsste es schon etwas sehr seltsames gewesen sein. Nein, es war zu nah dran an der Wahrheit.
      "Ich muss die Speicherkarte leider konfiszieren, damit sich unsere Techniker das mal ansehen können", erklärte er ihr und fischte einen kleinen Plastikbeutel aus seiner Jackentasche, ehe er die Speicherkarte aus der Kamera entfernte.
      "Das war gut mitgedacht, aber in Zukunft sollten Sie sich vielleicht von dem Schauplatz einer Gewalttat entfernen. Vielleicht haben Sie das nächste Mal - sollte es dazu kommen - nicht so viel Glück."
      Er beschriftete den Beutel ordnungsgemäß und steckte ihn ein, dann reichte er die Kamera zurück.
      "Konnten Sie selbst irgendwas erkennen? Wie die Typen ausgesehen haben? Tattoos, Pericings, Narben, irgendwas, was bei einer Identifizierung helfen könnte?"
      Er umschiffte gekonnt das Thema, ob er die Leiche gesehen habe. Tatsächlich brachte er überhaupt nicht zur Sprache, dass er am Tatort gewesen war. Das würde die Sache nur unnötig verkomplizieren.
      Ford ließ sich alles erzählen, hörte geduldig zu und machte sich Notizen. Wie so oft würde er bei seiner Arbeit zweigleisig fahren. Einerseits würde er dafür sorgen, dass es zu keiner offiziellen Ermittlung kam. Andererseits würde er sehr wohl ermitteln und Ms. Carter auf dem Laufenden halten - sofern er das konnte. Sobald seine Ermittlungen aber einen Täter lieferten, würde besagter Täter sich vor dem Turm verantworten müssen und für Ms. Cater würde es wohl einen toten Täter geben. Wahrscheinlich durch eine Überdosis oder sowas.
      "Okay. Dann mach ich mich jetzt mal an meinen vorläufigen Bericht. Und um mein Versprechen Ihnen gegenüber zu halten: Aktuell haben wir ein Team der Spurensicherung vor Ort, die alles einsammeln, was interessant sein könnte. Unsere Wissenschaftler werden sich das alles ansehen - inklusive ihrer Speicherkarte. Und ich werde die menschliche Komponente übernehmen mit möglichen anderen Zeugen - Sie erwähnten Paul, den Barkeeper - mögliche Angehörige, und so weiter. Wenn ich mich nicht täusche, müsste da irgendwo auch eine Überwachungskamera rumhängen, die wir auswerten werden. Sofern da niemand im toten Winkel gestanden hat, sollten wir die Kerle schnell kriegen. Ich warne Sie gleich vor: Sie werden wohl noch ein-, zweimal hier voerbeischauen müssen. Ihre Aussage unterschreiben, vielleicht eine Gegenüberstellung, sowas eben."
      Ford zog seine Marke hervor und zog eine seiner Visitenkarten daraus hervor, die er Ms. Carter reichte.
      "Wenn Ihnen noch was einfällt, melden Sie sich. Wenn Sie wollen, kann ich Sie so gut es geht auf dem Laufenden halten. Selbstverständlich kann ich nicht viel über laufende Ermittlungen sagen, aber meiner Erfahrung nach geht es Augenzeugen oft besser, wenn sie ein bisschen was wissen. Ich bin kein Freund davon, Menschen, die eine Gewalttat beobachtet haben, einfach so wieder rauszuwerfen."
      Ein verlegenes Lächeln huschte über Fords Gesicht. Er war ein Softie, das wusste er selbst. Ihm wurde immer gesagt, dass das verging, sobald man seinen letzten Verwandten verlor. Aber er war noch jung - für einen Vampir - und seine Familie schien Spaß daran zu haben, sich zu vermehren. Es würde wohl noch eine Weile dauern, bis die Stanfords wirklich verschwanden. Und er war sich nicht sicher, ob sein Herz für Sterbliche mit ihnen gehen würde.
      "Haben Sie noch irgendwelche Fragen? Soll ich Ihnen ein Taxi rufen?"
    • Carter wärmte sich ihre Hände an ihrem Kaffee und wippte mit ihrem Bein. Sie war wohl doch ein wenig aufgewühlt und verwirrt, aber das war wohl ganz natürlich, oder? Wie verhielt man sich auch richtig, nachdem man einen Mord beobachtet hatte? Die Wut darüber, dass der Beamte vorhin ihr absolut nichts glauben wollte hatte sie von der Tatsache ein wenig abgelenkt, auf einmal war der ihr viel lieber gewesen als der Detective der keine Wiederworte gab und sich die Fotos ansah.
      "Nächstes Mal nehme ich den beleuchtete Weg...", erwiderte sie einsichtig, sie hatte sich ihren restlichen Abend ja auch ganz anders vorgestellt. Als der Detective die Speicherkarte aus der Kamera nahm und weg packte nickte Carter nur und überlegte was da noch so drauf war, nichts das sie sofort wieder brauchte jedenfalls, sie trennte ihre privaten Speicherkarten von den Arbeitsrelevanten damit sie selbst nicht durcheinander kam.
      "Ja das dachte ich mir schon.", erklärte sie also und atmete einmal tief aus, damit sie die ganze Geschichte auch noch einmal mit mehr Detail wieder geben konnte. Das eben war ja mehr ein Teaser gewesen, als das was sie tatsächlich gesehen hatte, besser die machte ihre Aussage bei dem Mann richtig und ausführlich, der ihr wenigstens glaubte.
      "Naja ich hab mich nicht wirklich getraut irgendwohin zu laufen, mir war lieber die merken gar nicht, dass ich da war. Hat glaube ich geklappt.", erklärte sie salopp, vielleicht ein wenig zu sehr, sie hatte irgendwie das Gefühl, dass ihr was passiert war erst Morgen so richtig bewusst wurde. Ob sie jemandem davon erzählen sollte? Ihren Brüdern definitiv nicht, sonst durfte sie vermutlich alleine gar nirgends mehr hin gehen... was für banale Gedanken kamen ihr da eigentlich in den Sinn?
      "Nicht wirklich... Haarfarbe, Kleidung, Statur, aber das sieht man auch auf den Fotos.", erklärte sie auf die Frage ob sie mehr gesehen hätte. Sie versuchte sich selbst noch einmal daran zu erinnern, war sich aber nicht sicher, ob sie die Männer erkennen konnte, sollte sie sie noch einmal sehen. Der eine war vielleicht etwas komisch gegangen, aber der hatte vielleicht auch nur getrunken gehabt.
      Carter fing noch einmal ganz von vorne an, dass sie die Abkürzung durch die Gasse nehmen wollte, diese drei Männer gesehen hatte und auch das Messer gesehen hatte, das dem Mann in den Hals gedrückt wurde. Sie hatte kein Blut spritzen sehen, hatte sich aber auch nicht zu lange damit aufgehalten, sondern sich hinter der Mülltonne versteckt. Das Messer beschrieb sie als eine Art Klappmesser, zumindest die Größe müsste ungefähr passen, vielleicht auch ein kleines Küchenmesser. Sie erklärte außerdem, dass die beiden Männer mehrere Minuten mit dem Mann auf dem Boden verbracht hatte, das konnte man auch auf den Zeitstempeln der Fotos sehen, auch wenn Carter nach den ersten paar Schnappschüssen aufgehört hatte und nur noch gewartet hatte, dass die beiden Männer verschwanden.
      Das Gespräch war ganz gut verlaufen, Carter hatte das Gefühl, dass sie ernst genommen wurde und der Detective tatsächlich an dem Fall arbeiten würde. Warum die Leiche nicht mehr zu finden war konnte sie sich nicht erklären, aber sie war sich sehr sicher, dass es sich nicht nur um irgendein sexuelles Abenteuer gehandelt hatte, der Mann auf dem Boden hatte sich keinen Zentimeter mehr gerührt, das sprach also eher dagegen. Sie nahm die Karte des Inspektors entgegen und steckte sie in ihre Hosentasche.
      "Das wäre sehr freundlich, ich bin nicht sicher, ob ich in nächster Zeit nachts raus gehen will, wäre cool wenn sich das wieder legt.", erklärte sie, sie würde auf jedenfalls ruhiger Schlafen, wenn diese zwei Typen hinter Gittern saßen. Außerdem musste sie dann doch auch lächeln als sie das Gesicht des Detectives sah, das kurze Lächeln, das über sein Gesicht huschte, dabei hatte Carter ihn für einen abgebrühten Cop gehalten, auf den ersten Blick hätte sie ihn sogar als eingebildet beschrieben, aber da hatte sie ihm womöglich unrecht getan. Sie überlegte kurz ob ihr noch etwas einfiel.
      "Ähm... nein, oder... doch! Kann ich die Karte irgendwann wieder haben? Ist nicht dringend oder so, aber da sind noch andere Fotos drauf die ich gerne nicht verlieren würde.", erklärte sie, rechnete aber schon damit, dass sie das Ding nie wieder sehen würde, so wie es in den Filmen mit solchen Dingen immer geschah. "Ein Taxi wäre außerdem sehr nett, ja." Zu Fuß wollte sie heute auf keinen Fall nach Hause, Carter überlegte sich sogar kurz lieber zu ihrem Bruder zu fahren, aber sie wollte ihn nicht aus den Federn klingeln. Sie brauchte sich ja auch eigentlich nicht mehr Sorgen zu machen als sonst. Dass LAs Straßen gefährlich waren war kein Geheimnis und niemand hatte sie gesehen. Sie fand es nur immer noch sehr seltsam, dass die Leiche auf einmal fort war. "Wenn Sie den Mann finden, das Opfer, könnten Sie mir dann bescheid sagen? Ich glaube nicht, dass er noch lebt, aber vielleicht hat er es ja doch in ein Krankenhaus geschafft? Selbst wenn sie seine Leiche in einer Müllpresse finden, ginge es mir vermutlich besser." Carter riss beinahe die Augen auf und schüttelte den Kopf, wieso war sie eigentlich so dämlich? "Tut mir Leid, das war makaber. Ich hab nur das Gefühl, ich hätte ihn nicht aus den Augen lassen sollen."
    • Müllpresse? Das war kreativ.
      Ford lachte leise in sich hinein.
      "Alles gut. Aktuell würden Sie mir wahrscheinlich widersprechen, aber Sie haben gerade ein traumatisches Ereignis durchlebt. Egal, ob das Opfer noch lebt oder wir nur eine Leiche finden, ein Gewaltverbrechen geht immer an die Substanz. Ich gebe zu, Mülpresse ist in den Top 10 der Reaktionen, aber ich habe schon seltsameres gehört."
      Ford erhob sich und griff nach seinem Kaffee, den er während des gesamten Gespräches zwar immer mal wieder an die Lippen geführt, jedoch um keinen Zentimeter geleert hatte. Er hatte Jahre gebraucht, um diese kleine Geste zu meistern. Der Geschmack von Kaffee war furchtbar. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn er ihn tatsächlich trank. Widerlich.
      "Ihre Karte kriegen Sie selbstverständlich zurück. Wir ziehen alles runter, löschen die Daten der Tatfotos und spielen ihre privaten Aufnahmen wieder drauf. Sie verlieren nichts, außer dem Beweismaterial. Man sollte nicht alles glauben, was Hollywood einem verkauft", zwinkerte er ihr lächelnd zu.
      Ford hielt Ms. Carter die Tür auf und führte sie bis in den Empfangsbereich. Er fragte den dort Dienst schiebenden Beamten, ob er ein Taxi für die Dame rufen könne, dann setzte er sich mit ihr auf eine der Bänke. Es war nur höflich, mit ihr hier zu warten. Außerdem wollte er ein Gefühl für sie kriegen.
      "Vielleicht wollen Sie ein Freund anrufen, um die Nacht nicht allein zu verbringen? Ich kann Ihnen auch ein paar Nummern geben, falls Sie mit jemandem reden wollen. Opferbetreuung, Psychologen, sowas. Wir haben hier, glaube ich, auch irgendwo Flyer für Selbsthilfegruppen rumfliegen, Sekunde."
      Er sprang wieder auf und kam kurz darauf mit einem der angedrohten Flyer wieder, die für ebenjene Selbsthilfegruppen warben. Da war alles: Drogen, Gewalt, Missbrauch, der gesamte Abschaum der Menschheit eben.
    • "Was ist Nummer 1?", wollte Carter wissen, das längte sie vielleicht ab und sie wiederholte auch nur, was sie in irgendwelchen Filmen und Serien sah. Sie dachte selbst darüber nach, vielleicht ein Krematorium? Aber dann wäre nicht mehr viel da das man finden konnte... Wenigstens wurde ihr mitgeteilt, dass sie die Speicherkarte zurück bekam, ohne die Beweisfotos, für die sie also kein Geld bekommen würde, aber das war schon in Ordnung. Der Rest der Fotos bestand hauptsächlich aus Aufnahmen die sie im Alltag so gemacht hatte. Eine Parkbank, ein belebter Platz, ein interessanter Straßenkünstler, oder einfach nur irgendwelche Gegenstände die künstlerisch auf dem Boden lagen, zumindest in Carters Augen.
      Der Detective war so freundlich sie in den Empfangsbereich zu begleiten und für ein Taxi zu sorgen, das sie direkt vor der Tür abholen würde. Sie setzte sich auf eine Bank und war etwas verwundert, als der Detective neben ihr Platz nahm und tatsächlich mit ihr warten wollte, sie hätte gedacht, er hätte bestimmt wichtigeres zu tun. Vielleicht ging es in der Nachtschicht etwas ruhiger zu, obwohl LA eigentlich nie wirklich ruhig war, oder?
      "Ich glaube ich komme...", nicht zum Ende meines Satzes. Detective Ford sprang beinahe so schnell auf wie er sich gesetzt hatte und holte proaktiv ein paar Flyer mit Telefonnummern und Email Adressen an die Carter sich wenden konnte, wenn sie es denn brauchte. Sie nahm all die Zettel entgegen und wollte bereits dankend ablehnen, entschied sich aber dagegen. "Ich dachte alle Detectives sind viel zu beschäftigt um sich so viele Sorgen zu machen.", erklärte die junge Frau lächelnd, vermutlich war sie selbst die ganze Zeit etwas zu unfreundlich und frech, war sie das denn? Manchmal kam sie sich so vor. Detective Stanford war jedenfalls ziemlich nett, beinahe süß, als machte er sich tatsächlich Sorgen um Carter. In einer großen Stadt wie LA traf man selten Leute die sich für jemand anderen als sich selbst interessierten. Sie steckte die Flyer sorgfältig in ihre Tasche und legte diese dann wieder auf ihrem Schoß ab.
      "Danke, ich schätze es wäre dumm zu stolz für sowas zu sein, auch wenn mir nichts passiert ist. Wenn man Filme guckt und die Leute sich dort nicht helfen lassen, nervt einen das doch auch immer.", erklärte sie mit einem breiten Lächeln, seufzte aber schließlich. "So hab ich mir die Nacht allerdings nicht vorgestellt. Wie ist das als Polizist? Haben sie nach ihrem ersten Mordfall unruhig geschlafen? Oder hilft es eine Waffe zu haben?" Die junge Frau lehnte sich zurück und streckte ihre Beine aus, ihr eigenes Bett würde gut tun, auch wenn sie vielleicht lieber bei ihrem Bruder übernachtet hätte. Auch sonst fiel ihr eigentlich keiner ein den sie um die Uhrzeit anrufen wollte und wenn sie sich zu Hause doch unwohl fühlte, dann konnte sie das ja immer noch tun. Ihr Blick wanderte zur Seite und sie legte den Kopf schief als sie den Mann neben sich noch einmal genauer betrachtete. "Ich würde gern ein Foto von Ihnen machen.", überlegte sie laut, während sie die Konturen des Mannes musterte, dann lachte sie beinahe. "Okay das klang komisch. Ich bin Fotografin, haben Sie an der Kamera vielleicht schon gemerkt. Wenn ich etwas sehe das mir gefällt, oder das ich interessant finde, dann mach ich ein Foto." Sie hob abwehrend die Hände. "Nicht, dass mir die Sache heute Nacht gefallen hat, das hatte keine ästhetischen Gründe." Ihr Gesicht wandelte sich erneut zu einem Lächeln. "Menschen frage ich üblicherweise bevor ich sie Knipse, also was sagen Sie? Wenn's Ihnen nicht gefällt, dann kann ich es ja wieder löschen.", fragte sie erneut, begleitet von einem Zwinkern.
    • Wie fühlt es sich an, jemanden umzubringen? Wundervoll. Dem Hunger entkommen, wenn auch nur für ein paar Stunden, ist das mit Abstand beste Gefühl, zu dem Ford noch in der Lage war.
      "Ich bin ein gesunder Schläfer. Einer von der Sorte, die selbst einen Bombenabwurf verschlafen würden. Aber es wäre gelogen, würde ich sagen, dass mir die Unmenschlichkeit zu der Menschen fähig sind, nicht hin und wieder durch den Kopf geht. Aber im Gegensatz zu Ihnen habe ich mir dieses Leben ausgesucht."
      Und er hatte diese Entscheidung noch nicht einmal bereut. Als seine Majestät ihm vor Jahrzehnten dieses Angebot unterbreitet hatte, hatte es Ford keine Minute gekostet. Er hatte die Frage mit Ja beantwortet, kaum das Mr. Decharts Stimme verklungen war. Der Prinz hatte ihm zwei Jahre lang die Welt gezeigt und ihm dann gesagt, er könne all das haben. Natürlich hatte er Ja gesagt. Und seine Majestät hatte Wort gehalten. Ford bereute seine Entscheidung nicht, auch wenn er jetzt Dinge tun musste, die die Sterblichen als bestialisch bezeichnen würden.
      "Ein Foto?"
      Ford musste ein wenig lachen.
      "Meine Kollegen sagen zwar immer, dass ich lieber als Model arbeiten soll, aber so wirklich geglaubt habe ich das nie. Bitte, tun Sie sich keinen Zwang an. Aber ich bin wirklich nicht besonders fotogen."
      Gespielt suchte er nach Kaffeeflecken auf seiner Krawatte und seinem Hemd, richtete sich die Haare kurz. Er wusste, welche Wirkung er auf andere hatte, auch ohne seine besonderen Talente. Seine Majestät hatte ihm verraten, warum er zwei Jahre damit gewartet hatte, Ford der Nacht zu übergeben. Sobald man gestorben war, veränderte sich nicht mehr viel am eigenen Körper. Ford, der immer zu kränklich-schlanken Sorte Mensch gehört hatte, wäre heute kein so schöner Anblick, hätte man ihn sofort verwandelt. Nein, stattdessen hatte Vannevar ihm sein eigenes Blut gegeben, um ihn stärker zu machen. Ford hatte neue Energie gehabt, die er instinktiv im Sport auslebte. Die besten zwei Jahre seines Lebens waren die letzten zwei Jahre seines Lebens gewesen. Und in dieser Zeit hatte sich Fords Körper zu dem entwickelt, was er heute war. Nach der Verwandlung hatte seine Majestät ihm dann noch weitere Vorzüge gezeigt, ihn aber auch gewarnt, dass man sich nicht zu sehr darauf verlassen durfte. Das Biest nutzte jede Gelegenheit, die es kriegen konnte. Also hatte sich Ford auch persönlich weiterentwickelt. In der heutigen Zeit waren alle der Meinung, er sei ein Supermodel und sollte lieber auf dem Cover von Modemagazinen zu sehen sein, nicht in der Nachtschicht hinter einem Computer versauern.
      Er gab sich ein bisschen verklemmt, was das Foto anging, um den Schein zu wahren. Fotos waren so eine Sache. Er war nie wirklich damit warm geworden, dass jemand ein Bild von ihm machte. Vielleicht, weil er so lange Zeit im Hintergrund umhergewandert war. Ein Ort, an dem er immer noch gern war und an dem er auch bleiben wollte. Aber er ließ der Frau ihren Spaß. Er brauchte diese Beziehung zu ihr, wenn er ihr in den kommenden Nächten verkaufen wollte, dass nichts geschehen war - oder zumindest nicht das, was sie gesehen hatte.
    • "Das stimmt wohl.", stimmte Carter zu, während sie noch überhaupt nicht wusste, wie sie selbst mit ihrem Erlebnis heute klar kommen würde. Sie hatte sich immerhin nicht hinter der Mülltonne versteckt wie eine verschreckte Maus, sie hatte sich nicht den Mund zu halten müssen, wie es die Leute in den Filmen immer taten, damit man sie nicht atmen hörte, vielleicht hatten ihr aber die Fotos auch etwas Mut gegeben und die Tatsache, dass sie es als Job ausgeben konnte und nicht als ein privates und fürchterliches Erlebnis. Sie hatte nicht vor unbedingt eine dieser Nummern anzurufen, aber es schadete ja nicht sie zu haben, sollte es sich doch ändern. Was wenn allerdings wirklich mehr an dem dran war was sie gesehen hatte, was wenn es irgendeinen verrückten Vampir Kult gab, oder auch nur einen, oder eher zwei Fanatiker, die ihre Fantasien an unschuldigen Menschen auslebten? Der Journalismus war immer nur ein Mittel zum Zweck für Carter gewesen, aber das hier interessierte sie, vermutlich weil sie selbst involviert war.
      "Model? Quatsch, Sie sind doch nicht umsonst Detective, Sie haben sicher genug in der Birne und wenigstens brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, wenn Sie mal älter werden.", erklärte die junge Frau, während sie ihre Kamera aus der Tasche zog und eine andere Speicherkarte heraus suchte, die sie statt der konfiszierten verwenden konnte. Sie rutschte auf das andere Ende der Bank, damit sie die Kamera nicht direkt in das Gesicht des Detectives hielt und sah durch den Sucher.
      "Seien Sie einfach Sie selbst, Detective, nicht Model.", lächelte die junge Frau und wartete auf den richtigen Moment, der der nicht mehr so in Pose aussah, der in dem er sich nicht mehr sicher war, ob er das Foto schon verpasst hatte, dann drückte sie ab und besah sich ihr Werk.
      "Na bitte.", erklärte sie und hielt auch dem Detective das Werk hin, damit er es begutachten konnte. "Das wird viel Wert sein, wenn Sie mal 'nen riesen Fall lösen." Sie zwinkerte noch einmal und sah dann in Richtung der verglasten Eingangstür vor der ein Taxi hielt. "Das ist bestimmt meins, danke dass Sie mit mir gewartet haben." Ein weiteres Lächeln zierte ihre Lippen und sie packte ihre Kamera hastig ein um sich zum Eingang zu beeilen. "Ach ja! Löschen oder behalten?", fragte sie noch quer durch den Raum in Tür und Angel, nachdem sie dem Taxifahrer ein Zeichen gegeben hatte, damit er noch einen Moment wartete.

      Carter musste zugeben, dass ihr Loft auf einmal ziemlich bedrohlich wirkte, aber sie fühlte sich besser als sie jedes einzelne Schloss an ihrer Tür geschlossen und überprüft hatte. Sie fühlte sich nochmal besser als sie einen großen Sessel vor die Tür klemmte. Sie beschloss duschen zu gehen, auch wenn es mittlerweile verdammt spät war, irgendwie roch sie aber nach Mülltonne. Auch das Badezimmer sperrte sie zu, das tat sie normalerweise nicht, weil sie ja ohnehin allein lebte und selbst dann noch war ihr der Raum etwas zu groß und unübersichtlich. Mehr als sich zusammen zu reißen und sich den Tag noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen blieb ihr allerdings ohnehin nicht übrig. Die Tatsache, dass sie ja niemand in der Gasse bemerkt hatte, bläute sie sich immer wieder ein und es half. Außerdem hatte sie auch noch die Nummer des Detectives, obwohl sie sich jetzt nicht unbedingt als Jungfrau in Not geben wollte. Der Tag war eine einzige Achterbahnfahrt gewesen, von einem heiteren Abend, zu Todesangst, zu Wut und tatsächlich noch einer kurzen, netten Bekanntschaft. Und jetzt? Das Ganze einfach vergessen, mit ihrem Leben weiter machen wie bisher? Das wäre die logische Option gewesen, richtig? Oder sie ging zurück zur Iceberg Launch? Täter kehrten doch gerne an den Ort des Verbrechens zurück? Vielleicht erkannte Sie die beiden ja doch wieder wenn Sie sie sah.

      Nach einer Mütze Schlaf machte Carter sich erst einmal ihren Morgenkaffe. Auf ihrem Tisch lagen die Flyer die der Detective ihr gegeben hatte und seine Visitenkarte. Sie fragte sich, ob sie die Tatortfotos nicht doch auch lieber behalten hätte und schließlich entschied sie sich dazu ihren Computer anzuwerfen und ein wenig zu recherchieren. Vampire gab es nicht, das war Quatsch, aber das hieß noch lange nicht, dass es keine Leute gab die dachten sie wären welche. Nach einigen Stunden Suche gab es allerdings nicht viel das ihr weiter half, nur die Tatsache, dass Menschen gar nicht so viel Blut zu sich nehmen konnten ohne sich zu übergeben machte sie etwas stutzig. Irgendwas musste die Polizei dann doch finden, aber vielleicht hatten die Beamten nur nicht richtig hingesehen. Das klang komisch und unrealistisch, aber mehr fiel Carter im Moment nicht ein. Das Thema ließ sie trotzdem nicht los, Carter sah nach ob jemand vermisst wurde, aber dafür war es wohl ohnehin noch zu früh, auch wenn sie liebend gern gewusst hätte, wen sie da sterben gesehen hatte. Sie hatte sich ihren selbsternannten freien Tag jedenfalls anders vorgestellt...

      Manche Menschen verdrängten was ihnen zugestoßen war, manche waren wütend und manche, so wie Carter, wollten einfach nur alles darüber wissen das es zu wissen gab. Die Sonne war dabei unter zu gehen, ihr Handy hatte den ganzen Tag nicht geläutet und auch sonst hatte sie nichts Brauchbares heraus finden können. Der Detective konnte vermutlich auch keine Wunder bewirken, aber Carter hatte etwas dagegen einfach nutzlos hier herum zu sitzen. Nervös biss sie auf ihrer Lippe herum, starrte ihre Decke an und letztendlich stand sie auf, um sich ein Outfit heraus zu suchen. Die zwei Typen hatten den Hinterausgang des Clubs benutzt, da konnte bestimmt nicht jeder durch, das war ein Anhaltspunkt richtig?

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    • Er ließ Ms. Carter das Bild behalten. Viel würde sie damit nicht anzufangen wissen. Wahrscheinlich. Manchmal musste man eben kalkulierte Risiken eingehen, um sein Ziel zu erreichen.
      Ford beobachtete noch, wie die Frau in das Taxi stieg und wie sich das Fahrzeug entfernte. Dann erst widmete er sich wieder seiner Arbeit.
      Detective Cole war nicht glücklich darüber, dass er einen weiteren Mann verlor. Ford versicherte ihm, die Finanzen auch weiterhin durchzusehen, solange er auf die Forensik wartete. Was er natürlich nicht tat. Es war faszinierend, wie faul Ford war, angesichts der Tatsache, dass er ein Freund von Arbeit war. Die zwei Leben, die er führte, definierten Arbeit eben anders, wenn es um bestimmte Dinge ging.

      Den Rest der Nacht hatte Ford mit Schadensbegrenzung verbracht. Er hatte sich alle gesucht, die von dem Tatort wussten und war auf Nummer sicher gegangen, dass auch wirklich alle Ms. Carter für verrückt hielten oder die Situation als Missverständnis einstuften. Paul, den Barkeeper, würde er sich aber erst nächste Nacht vornehmen können. Kein Problem, er hatte ja nichts gesehen.
      Eine Stunde vor Sonnenaufgang erreichte Ford seine Wohnung. Niemand mochte Kellerwohnungen, daher waren sie leicht aufzutreiben. Sicher, er hätte auf seine restlichen Ressourcen zurückgreifen können - seine Majestät hatte sogar seine eigenen angeboten - aber Ford lebte das erste Mal sein eigenes Leben. Früher war er von seinen Eltern abhängig gewesen. Nach seiner Verwandlung hatte Prinz Vannevar die Verantwortung für ihn gehabt, was auch nur wieder eine elterliche Bindung gewesen war. Zwar bestand noch immer eine familiäre Beziehung zu seiner Majestät, doch in ihrem gesellschafltichen System war Ford jetzt für sich selbst verantwortlich und das wollte er auch ausnutzen. Gewissermaßen war er wie ein sterblicher Teenager, der auszog, um auf's College gehen zu können. Wenn sich Ford gut anstellte, würde man ihm vielleicht sogar bald gestatten, selbst jemanden der Nacht zu übergeben. Aber daran hatte er aktuell kein Interesse. Er wüsste auch gar nicht wen. In seinem Umkreis gab es niemanden, der es verdient hätte oder die richtigen Kriterien erfüllte.
      Seine Nächte begannen mit einem geordneten Ritual und sie endeten auch mit einem. Auf dem Heimweg hatte er sich einen Snack gegönnt, um seinen Hunger in Schach zu halten - nach all den Tricks, die er hatte anwenden müssen, war das bitter nötig gewesen. In seiner Kellerwohnung schälte er sich aus seinem Anzug, der ordentlich in der Wäsche landete, und nach einer Dusche legte sich der Polizist ins Bett. Einschlafen war kein Problem, wenn man nicht mehr am Leben war. Sobald die Sonne über den Horizont kroch überkam seinesgleichen eine so tiefe Müdigkeit, dass es unmöglich war, wach zu bleiben. Das Monster gestattete es einfach nicht.
      Seine Nichte landete am Vormittag und checkte in ihr Hotel ein, plante ihren Tag und die nächste Woche, die sie in LA verbringen würde und ging am Abend mit Freunden in einen Nachtclub.
      Detective Cole versuchte weiterhin, Mr. Vannevar Thomas eine Straftat nachzuweisen, und scheiterte. Er handelte sich weiter Ärger für diese Versuche ein und ertränkte seinen Frust in einem Drink auf seinem durchgesessenen Sofa in seinem winzigen Apartment.
      Jeff genoss den Brunch mit seiner Familie und seinen Freunden, unterhielt sich über Sport, meckerte rum, dass Stanford ihm einen interessanten Fall vor der Nase weggeschnappt hatte und ging gegen Mittag ins Bett für ein Nickerchen, mit dem er sich von seiner Nachtschicht erholte.
      Und Ford lag reglos in seinem Bett. Er spürte die weichen Kissen nicht. Hörte die Vögel und den Straßenlärm draußen nicht. Genoss die angenehmen Temperaturen nicht. Denn Ford war tot, solange die Sonne den Himmel beherrschte.

      Am Abend, nachdem die Sonne verschwunden war, rief Ford bei seinem Prinzen an. Natürlich erreichte er ihn nicht direkt, das tat niemand. Er erklärte Nikolai, der rechten Hand seiner Majestät, die Situation. Wie er erwartet hatte, bekam er die Anweisung, diesen Fall für den Turm aufzuklären und für die Menschen verschwinden zu lassen. Solange es keine signifikanten Entwicklungen gab, würden sie das monatliche Treffen mit seiner Majestät nicht vorverlegen müssen. Auch das hatte sich Ford schon gedacht, doch es war immer besser, sich rückzuversichern. Allzu oft hatte er miterlebt, wie jemand aufgrund von eigensinnigem Handeln den Kopf verlor. Er würde sich hüten, einen solchen Fehler zu begehen. Erst recht nicht als Nachkomme seiner Majestät.
      Ford ging kurz ins Büro, um sich darüber informieren zu lassen, dass der forensische Bericht noch etwas dauern würde. Natürlich. Die Wissenschaft ließ sich nicht hetzen. Er fing sich noch einen schnellen Einlauf von Cole ein, ehe er schon wieder unterwegs war. Paul, der Barkeeper musste noch davon überzeugt werden, dass gestern Nacht nichts passiert war.
      Die Schlange vor dem Club buhte und pfiff ihn aus, als er einfach an den Menschen vorbeiging, seinen Ausweis vorzeigte und reingelassen wurde. Die Bar war leicht zu finden, trotz der schelchten Beleuchtung und den hämmernden Bässen, die Unterhaltungen unmöglich machten. Ford hasste es, sich durch solche Clubs schlängeln zu müssen. Überall roch es nach Menschen, es war dunkel, eng, laut... perfekte Jagdbedingungen. Das Monster ließ ihn das mit erschreckender Kraft wissen. Sein Zahnfleisch schmerzte ein wenig, als er endlich die Bar erreichte. Er fragte nach Paul und nach einem ruhigeren Ort. Der Mann nickte und nahm ihn mit nach hinten in den Mitarbeiterbereich. Hier war es geradezu blenden hell, aber dankenderweise leerer und leiser. Er stellte Paul seine standardmäßigen Fragen und ließ während dem Gespräch kleinere Suggerierungen fallen, dass gar nichts passiert war. Das hier war reine Routine, um die Sache lückenlos abschließen zu können und so weiter.
      Er verabschiedete sich gerade von Paul, dem Barkeeper, als ihn ein Geruch ablenkte. Er hatte Paul gesagt, er wolle seine Notizen noch schnell vervollständingen, dann würde er ebenfalls gehen, daher wunderte sich der Mann nicht darüber, dass Ford zurückblieb.
      Er ließ seine Sinne wandern. Niemand war hier, das Personal war draußen unterwegs. Und laut ihrer Akte arbetete Ms. Carter auch gar nicht hier.
      Ford folgte dem Geruch bis zum hinteren Ausgang, der in die Gasse führte, die bis zum Sonnenaufgang noch ein Tatort gewesen war.
      "Ms. Carter. Hätte ich erwähnen sollen, dass es eine Straftat ist, sich in polizeiliche Ermittlungen einzumischen?", überraschte er die Frau.
      Vielleicht war es doch nicht so leicht, sie davon zu überzeugen, dass gestern Nacht nichts vorgefallen war. Das konnte ja noch lustig werden...
    • Carter war eigentlich dabei gewesen sich in der langen Schlange vor dem Club einzureihen, als sie allerdings an der Gasse vorbei ging, durch die sie dieses Mal absichtlich nicht gegangen war, überlegte sie es sich doch anders. Ihr Plan war es gewesen sich an die Bar zu setzen, den Hinterausgang im Auge zu behalten, oder zumindest diejenigen die in den Mitarbeiterbereich gelangten und nach diesen zwei Typen Ausschau zu halten. Carter fragte sich, ob da hinten wirklich nur Angestellte Zutritt hatten, das würde ja immerhin den Kreis der Verdächtigen einschränken. Wie auch immer, am Ende war sie also wieder in der dunklen Gasse gelandet. Ihr Magen kribbelte unangenehm, aber sie hatte sich mehrmals vergewissert, dass niemand hier war, außer sie selbst. Sie hatte ihre Kamera ausgepackt und ein Foto von der Stelle geschossen, an der sie sich versteckt hatte, dann ein weiteres an der Stelle, an der der Mann verstorben war. Sonst war hier nicht viel, das Absperrband der Polizei war bereits wieder weg und Blut konnte Carter auch keines entdecken, aber die Tatsache hatte man ihr ja bereits mitgeteilt, abgesehen davon, dass sie davon ausging, dass selbst wenn es an einem Tatort Blut zu finden gab, die Polizei oder der Straßendienst dann auch das Blut beseitigten, wenn der Tatort wieder freigegeben wurde.
      Sie machte noch ein Foto von der Hauswand gegenüber der Tür, dann noch eines von der Mülltonne, dieses Mal aus der Sicht der Täter und schließlich wollte sie noch ein Foto vom Hinterausgang des Clubs und der flackernden Neonröhre darüber haben. Als sie gerade abdrücken wollte, bewegte sich die Tür allerdings und ging mit einem Quietschen auf, das Carter beinahe dazu veranlasst hätte ihre Kamera fallen zu lassen, während sie gleichzeitig einen Schritt zurück machte. Als sie eine bekannte Stimme und ein bekanntes Gesicht vor sich sah, entspannte sie sich jedoch, begleitet wurde das von einem absichtlich lautem Seufzen.
      "Herrgott Sie hätten mich beinahe zu Tode erschreckt!", erwiderte sie, schaltete die Kamera vorerst aus und hängte sie sich um den Hals. "Wer spricht denn hier von Einmischen? Ich wollte nur ein paar Fotos machen, meine Art um Erlebtes zu verarbeiten." Das war nicht einmal gelogen, auch wenn sie mit einer anderen Absicht hier her gekommen war, die Fotos hatten nichts mit ihrer Neugier zu tun, im Gegenteil, vielleicht war das hier auch die gesündere Variante um mit all dem umzugehen, anstatt zwei Mördern auf eigener Faust hinterher zu schnüffeln, zwei Mördern die sich für Vampire hielten, oder was auch immer es war. Carter war sich gar nicht so sicher, was sie eigentlich gesehen hatte und sie hätte sich auch selbst für Verrückt gehalten, wäre sie an der Stelle der Polizei gewesen, aber die Tatsache, dass hier angeblich absolut nichts gefunden wurde machte sie stutzig, vielleicht hatten die ersten Polizisten vor Ort aber auch nur nicht richtig nachgesehen.
      "Also, schon was heraus gefunden Herr Detective? Irgendwelche Verdächtigen?", wollte sie mit einem neckischen Grinsen wissen. Immerhin war er brav bei der Arbeit, warum sonst wäre er hier gewesen, er hatte Carter also wirklich ernst genommen.
    • Ford seufzte. Er machte einen Schritt hinaus auf die Straße und schloss die Tür hinter sich, wohl wissend, dass er nur durch den Haupteingang wieder hineinfinden würde. Aber er war sowieso schon fertig mit diesem Club.
      "Das sind Information einer aktiven Ermittlung, die darf ich leider nicht einfach so herausgeben", rezitierte er mit einem freundlichen Lächeln eine wohlbekannte Regel der Polizeiarbeit, "Da hat Hollywood leider recht mit der Darstellung von Polizeiarbeit."
      Das Lächeln fiel von seinem Gesicht ab und wich gespielter Sorge.
      "Ms. Carter, Sie sollten nicht hier sein. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Täter Sie gesehen haben und ja, auch damit haben die Medien recht: Täter kehren gern an den Ort ihrer Tat zurück, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist - für sie, natürlich."
      Er wartete nicht darauf, dass sie seine Worte verarbeitete. Er griff sie einfach sanft am Ellenbogen und führte sie die Gasse hinunter, weg vom Club. Dabei hielt er wachsam die Augen auf, auch wenn ihm seine Sinne bereits gesagt hatten, dass niemand hier war.
      "Gehen Sie nach Hause", meinte er, als sie die Straße auf der anderen Seite erreicht hatten.
      "Ich habe wenig Lust, Sie vorzufinden, wenn ich an einen ähnlichen Tatort gerufen werde."
      Um sicherzugehen, dass diese Frau ihm seine Sorge glaubte, legte er ein bisschen was von der ihm innewohnenden Macht in seine Worte.
      "Ah... du brauchst also meine Hilfe, um mit einer einfachen Menschenfrau klarzukommen? Schwächling."
      Er kämpfte die Stimme seines Biestes in seinem Kopf nieder und sandte einen Impuls ernster Besorgnis in Richtung seiner Begleitung, gerade genug, um sie zu überzeugen, nicht genug, um sie stutzig ob ihrer plötzlichen Gefühlsänderung zu machen. Es war eine der leichtesten Formen der Manipulation. Laut seinem Prinz hatte er sie schneller gemeistert als der Großteil seines Clans. Dieses Kompliment hatte er nie vergessen.
    • Carter musste feststellen, dass sie sich alleine in dieser dunklen Seitengasse irgendwie sicherer gefühlt hatte und musste sich erst selbst zurück ins Gedächtnis rufen, dass sie in Gegenwart des Polizisten ja eigentlich kaum sicherer hätte sein können. Was ihr passiert war war erst am Tag zuvor geschehen, es war nicht einmal vierundzwanzig Stunden her, Carter war allerdings gut darin sich selbst etwas vorzuspielen, nämlich, dass sie das alles weniger kümmerte als es sollte.
      "Haben Sie wenigstens den Mann gefunden der angegriffen wurde?", schoss die nächste Frage bereits aus ihrem Mund, noch bevor sie den sorgvollen Ausdruck auf dem Gesicht des Detectives erkennen konnte. Sie hatte keine Zeit mehr auf das Gesagte zu antworten, stattdessen wurde sie bereits am Ellbogen aus der dunklen Gasse geführt. Ein kalter Schauer lief Carter über den Rücken, das lag aber wohl am ehesten daran, dass die Hand des Polizisten eiskalt war und das obwohl die Temperaturen so angenehm waren, dass Carter es nicht einmal für nötig gehalten hatte eine Jacke überzuziehen. Ihr Blick fiel auf seine Hand während sie sich weiter von der Gasse entfernten.
      Carter war üblicherweise kein Mensch der sich gerne bevormunden ließ, selbst dann nicht, wenn sie selbst genau wusste, dass sie im Unrecht war. Mit zwei älteren Brüdern, die beide einen viel zu starken Beschützerinstinkt hatten und ihre Schwester immer aus allem Ärger heraus halten wollten, war das wohl eine vorhersehbare Eigenschaft die sie angenommen hatte, weswegen sie rein aus Prinzip bereits widersprechen wollte, zumindest jedoch wollte sie die Sorgen die der Polizist hatte entkräfteten. Gerade als sie ihm sagen wollte, dass er derjenige war der sich zu viele Sorgen machte, entschied sie sich auf einmal anders und ließ sich seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen. Für einen Moment sah sie sich um, als müsste sie selbst sichergehen, dass die zwei Typen die sie gestern beobachtet hatte auch ja nicht hier waren und ein tiefes Seufzen das zeigte, dass sie sich der Logik des Polizisten beugte entwich ihren Lippen.
      "Sie haben ja recht.", murmelte sie fast schon ein wenig trotzig. Sie nahm die Kamera von ihrem Hals und verstaute sie in ihrer Tasche, sie hatte ohnehin genug Fotos gemacht.
      "Denken Sie wirklich die könnten mich gesehen haben?", wollte sie wissen, sie hatte sich letzte Nacht schon nicht sonderlich sicher in ihrer Wohnung gefühlt, vielleicht war es doch an der Zeit Michael anzurufen und ihn zu fragen, ob sie nicht eine Weile bei ihm bleiben konnte, dann musste sie aber erklären wieso und darauf hatte sie keine Lust. Carter war immer schon so gewesen, sie lenkte sich ab, oder redete sich selbst ein, dass eigentlich nichts passiert war, sollte tatsächlich etwas passiert sein und deshalb war sie wohl auch lieber hier draußen, als dass sie in ihrer Wohnung saß und sich mit dem auseinandersetzte was passiert war. Vielleicht war es ja doch besser sie sah sich mal einen dieser Flyer an die der Detective ihr in die Hand gedrückt hatte.
    • "Gern geschehen. Das nächste Mal werde ich nicht so nett sein."
      "Ich weiß es nicht, Ms. Carter. Aber genau deswegen sollten sie ja vorsichtig sein. Weil ich eben nicht sagen kann, was die Täter als nächstes tun werden."
      Er ließ die Frau los und sah sich noch einmal um. Sie waren jetzt aus der düsteren Gasse raus und auf einer gut beleuchteten und besuchten Straße. Scheinbare Sicherheit also.
      "Ich sag Ihnen was: Ich bringe Sie jetzt nach Hause und morgen Abend können wir beide uns hier umsehen, ja?"
      Es war vielleicht ein bisschen ungewöhnlich, eine Zivilistin an einen Tatort mitzunehmen, aber offiziell war das hier ja gar kein Tatort. Er würde sie mit ein paar Pseudofakten bewerfen, die alles mögliche bedeuten könnten. Dann würde er sie erneut zu Hause parken und die ganze Sache schlussendlich im Sande verlaufen lassen. Das war zwar ein bisschen mehr Arbeit als sonst, aber damit war allesn geholfen. Die Maskerade war unbeschädigt und die Ermittlungen gegen seine Majestät ausgebremst. Diese vollständig zu einem Ende zu bringen wäre sicherlich schwieriger.
      "Na kommen Sie. Ich parke hier ganz in der Nähe."
    • Ja, sie hatte es verstanden, es war unvernünftig in einer dunklen Gasse herum zu schnüffeln, in der sie gestern noch hätte sterben können, hätte sie nicht so viel Glück gehabt. Noch dazu war sie alleine und nicht einmal besonders groß. Auf einmal war sie ganz froh auch die Visitenkarte des Detectives zu haben, für den Fall, dass auf einmal jemand versuchte bei ihr zu Hause einzubrechen und Zeugen zu beseitigen. Dabei wusste sie nicht einmal ob der Mann nun überhaupt tot war oder nicht und wo zur Hölle er, oder zumindest sein Körper sich befand. Vermutlich in einer Müllpresse oder so.
      Carter überlegte sich gerade, ob sie nicht doch lieber zu ihrem Bruder sollte, als der Detective ihr gerade anbot sie nach Hause zu bringen. Schon das wunderte sie, vielleicht wollte er aber auch nur sicher gehen, dass sie nicht gleich wieder umdrehte um hierhin zurück zu spazieren, aber was danach kam ließ sie nur noch perplexer zurück. "Wie? Was ist aus dem 'Einmischen ist eine Straftat' geworden?", fragte sie, konnte sich ein leichtes Grinsen aber nicht verkneifen. "Bekommen Sie da auch keinen Ärger?" So neugierig Carter auch war und so sehr sie sich über Gesellschaft, oder Begleitschutz des Detectives freute, er war zu nett, um ihm einfach so Schwierigkeiten zu bereiten, ohne zumindest gefragt zu haben. Was sie sich allerdings von dem Ausflug erhoffte, der ihr plötzlich in Aussicht gestellt wurde, war ihr gar nicht klar. Was der Detective sich dabei erhoffte war ihr ebenfalls ein Rätsel, aber so wie er sich auf dem Revier um sie gekümmert htte, schien er einfach ein hilfbereiter Kerl zu sein, vielleicht ein wenig zu hilfsbereit für sein eigenes Wohl.
    • "Nennen Sie es Opferbetreuung", gab Ford zurück, "Manchmal kann es auch Vorteile haben, eine Zeugin zurück an den Ort des Geschehens zu bringen. Das kann Erinnerungen wachrufen, die Sie im Stress und im Adrenalinrausch nicht bewusst wahrgenommen haben. Aber ich will nicht, dass Sie dabei allein im Dunkeln durch die Gegend laufen. Wir machen morgen eine ordentliche Tatortbegehung und Sie können mir ganz genau zeigen, was sie wo gesehen haben. Das hilf mir ja auch weiter. Und wenn es das ist, was Sie brauchen, um das Geschehene zu verarbeiten, dann werde ich dem sicherlich nicht im Wege stehen."
      Aus seiner Hosentasche fischte er die Schlüssel zu seinem Tesla und wie der Gentleman, zu dem er einst erzogen worden war, öffnete er Ms. Carter die Beifahrertür. Während er einstieg, sah er sich noch einmal diskret um. Nur, weil er aufgeräumt hatte, hieß das noch lange nicht, dass er nicht auch die Übeltäter finden musste. Und gerade seinesgleichen kehrte sehr gern an den Ort der Tat zurück, schlicht aus dem Grund, dass jeder seine bevorzugten Jagdgründe hatte.
      Als er niemanden sah, klemmte er sich hinter das Lenkrad.
      "Dann verraten Sie mir doch mal wie man von hier aus zu ihrer Adresse kommt", meinte er mit einem freundlichen Lächeln zu seiner Begleitung, während er sich brav anschnallte.
      Nicht, dass ihm ein einfacher Autounfall viel ausmachen würde.
    • "Na wenn Sie meinen. Ich helfe gerne.", erwiderte Carter immer noch ein wenig stutzig, aber hey, vielleicht konnte sie ja auch nach ein paar mehr Informationen fischen. Sie wusste zwar nicht was sie eigentlich wissen wollte, aber irgendwie ließ ihr diese ganze Sache keine Ruhe, vielleicht wollte sie auch einfach nur wissen, dass sie nicht verrückt war und dass sie sich das alles nicht nur eingebildet hatte. Zumindest der Detective glaubte ihr, das war doch schon einmal etwas.
      Carter folgte ihm zu seinem Wagen und war etwas stutzig. "Sowas kann sich ein Detective leisten? Und ich dachte Sie fahren eine alte Schrottkahre aus dem letzten Jahrhundert!", erklärte sie lachend und nachdem ihr die Tür aufgehalten wurde, stieg sie auch ein. Ihre Tasche platzierte sie auf ihrem Schoß, dann schnallte sie sich an, während der Detective auf dem Fahrersitz neben ihr Platz nahm.
      Carter erklärte dem Detective den Weg, es war nicht sonderlich weit bis zu ihr nach Hause, mit dem Auto dauerte es höchstens fünfzehn Minuten wenn der Verkehr mitspielte. Zu ihrem Bruder wäre es weiter gewesen, aber Carter wollte dann doch in ihrem eigenen Bett schlafen, obwohl es ihr lieber gewesen wäre, zu Hause hätte jemand auf sie gewartet und wenn es nur ein Goldfisch war.
      "Ist es denn normal für einen Detective so viele Nachtschichten zu schieben? Tatorte besichtigen sich doch bestimmt besser wenn es hell ist.", wollte sie schließlich wissen und ein wenig Smalltalk während der Fahrt schadete schließlich auch nicht.
    • "Man kann, wenn die eigene Familie seit mehr als einem Jahrhundert fest in der amerikanischen Wirtschaft verankert ist", gab Ford mit einem charmanten Lächeln zur Antwort.
      Es war nicht das erste Mal, dass er wegen seines Fahrzeuges gefragt wurde. Oder für seine Markenklamotten, sein Apartment und dergleichen. Er mochte sich zwar immer nach einem Mittelstandleben gesehnt haben, aber nur auf dem Papier, sozusagen. Er mochte seine Arbeit, aber er mochte auch sein Haus und all die anderen Annehmlichkeiten, die ein dickes Konto mit sich brachten. Darin war er nicht einmal besonders eigen. Seine Blutlinie neigte generell zur Extravaganz. So gesehen war er sogar recht zurückhaltend.
      "Ich bin der einzige Polizist in meiner Familie", fügte er in seiner besten Little Britain Imitation hinzu.
      Mit einer Hand am Lenkrad, der anderen entspannt auf dem Oberschenkel liegend, manövrierte er sein Auto durch den Verkehr des nächtlichen LAs. Autofahren war definitiv eine der besseren Erfindungen der Menschheit, auch wenn er kein Freund der daraus folgenden Umweltverschmutzung war. Deswegen ja auch der Tesla.
      "Normal ist es nicht unbedingt, aber ich lasse mich mit voller Absicht dazu einteilen", antwortete er auf Ms. Carters Frage, "Ich war schon immer ein Wesen der Nacht. Früh aufstehen grenzt für mich an ein Ding der Unmöglichkeit. Die Nachtschichten will sowie so niemand, also krieg ich sie recht leicht. Ich habe sogar schon einmal einen Kuchen bekommen, weil ich für jemandem eingesprungen bin."
      Er zuckte mit den Schultern, als sei das keine große Sache. War es auch nicht. Und wann immer er mal eine Schicht mit Tageslicht reingedrückt bekam, war er plötzlich krank. Irgendwie musste er ja seine Krankentage loswerden.
      "Das mit dem Tatort... Sie haben schon Recht. Aber bedenken Sie das: Sie haben die Tat in der Nacht beobachtet. Wäre es da nicht kontrproduktiv, Sie bei Tageslicht hier herzubringen? Sie könnten sich vielleicht nicht an bestimmte Teile der Tat erinnern. Oder neue unterbewusst hinzudichten, weil sie plötzlich bestimmte Details wahrnehmen, die viel logischer erscheinen als das, was sie glauben gesehen zu haben. Das Erinnerungsvermögen der Menschen ist eine fragile Sache. Meiner meinung nach sollten wir die Umstände der begehung so nah wie möglich an den ursprünglichen Gegebenheiten belassen. Zumal Sie mich nicht morgens erleben wollen, ich bin unausstehlich, wenn man mich zu früh aus dem Bett holt."
    • "Ah, also ruhen Sie sich auf der Geldbörse ihrer Familie aus...", scherzte Carter. Daran war nicht Falsches, aber für Carter war es immer schon wichtig gewesen auf ihren eigenen zwei Beinen zu stehen und ihr eigenes Geld zu verdienen. So war das wohl wenn man immer im Schatten seiner zwei größeren Brüder gestanden hatte, beziehungsweise... das tat sie eigentlich immer noch, aber zumindest bezahlte sie sich alles von ihrem eigenen Geld und ihrem eigenen Job. Das war wohl auch der Grund warum sie gestern Nacht keinen ihrer Brüder angerufen hatte.
      Carter kicherte, sie hatte den Detective nicht gerade für jemanden gehalten der gerne Scherze macht, das tat sie eigentlich immer noch nicht, aber er gab sich immerhin Mühe. Mit einem Seitenblick musterte sie ihren quasi Cheuffeur der entspannt auf dem Fahrersitz saß und durch die nächtlichen Straßen LAs manövrierte. Sie konnte sich ein weiteres kleines Kichern nicht verkneifen, denn sie hatte wohl auch mit der Annahme falsch gelegen, dass Detective Stanford ein ziemlich zugeknöpfter Typ war der definitiv immer beide Hände auf dem Lenkrad hatte.
      "Ein Wesen der Nacht? Soso. Und ein Kuchen ist es natürlich wert!", schmunzelte die junge Frau. "Tja die Fotografie wär wohl nichts für Sie. Mal früh, mal spät, wenn ich nicht gerade Studioaufnahmen mache, dann muss das Licht draußen stimmen, also von Schlafrythmus kann ich nicht unbedingt sprechen." Das stimmte, aber Carter hatte sich daran gewöhnt und wenn sie sich mal hinlegte, dann schlief sie sowieso innerhalb von wenigen Sekunden ein. Wecker waren trotzdem nicht so ihr Ding, der musste immer zwei Stunden vorher läuten.
      "Das klingt logisch. Aber wenn Sie die Umstände wirklich so detailgetreu wie möglich gestalten wollen, müssten Sie mich vorher schon noch zu einem Drink einladen." Ein leichtes Grinsen schummelte sich auf Carters Gesicht ehe sie ihren Blick zurück auf die Straße lenkte. 2An der Ampel müssen Sie dann links abbiegen."