Prince of the Dark [Alice feat. Pumi]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Willkommen zurück!
    Wir freuen uns riesig wieder online zu sein. :) Leider kam es bei der Aktualisierung einiger Komponenten zu größeren Inkompatibilitäten, welche in Handarbeit einzeln behoben werden mussten.
    Damit hat sich für die Nutzung des Forum folgendes verändert:
    Bisherige Links zu Beiträgen sind nicht mehr gültig, da sich die Link-Struktur geändert hat. Wir arbeiten daran, dass auch alte Links wieder funktionieren, können aber noch nichts versprechen.

    Liebe Grüße
    Euer ARC-Team

    Hinweis: Solltet ihr Probleme haben Seiten im Forum aufzurufen (Fehler 404 z.B.), aktualisiert die Seite! Ihr habt noch die alte Version zwischengespeichert.

    • Prince of the Dark [Alice feat. Pumi]

      @Alicelinein
      Vorstellung --> Prince of the Dark [Alice feat. Pumi]










      "Du solltest deine Nächte nicht so verschwenden, Vannevar."
      Er ignorierte die Stimme, die aus seinem Badezimmer kam. Wie so oft war er ihrem Charme verfallen und sie waren noch immer zusammen, als die Sonne aufging. Und wie jedes Mal, wenn das geschah, wünschte er sich am Abend, er wäre allein aufgewacht.
      "Warum gibst du dich überhaupt mit den Sterblichen ab? Du hast genug Auswahl für bessere Gesellschaft."
      Er konzentrierte sich auf seinen Krawattenknoten, den er eigentlich blind hätte binden können. Wenn man so lange lebte wie er, dann wusste man ein kleines Stück Stoff hübsch anzurichten.
      "Sie liegen dir alle zu Füßen, wenn du es nur willst."
      Die Stimme war nun näher, weniger verzerrt durch das Rauschen des Wassers aus der Dusche. Claire Rochelle, Anführerin eines der Clans in seiner Stadt, drückte ihren nackten Körper von hinten gegen den seinen, ließ ihre Hände über seine Arme gleiten.
      "Willst du deinem Prinzen etwa sagen, wie er seine Arbeit zu machen hat?", gab Vannevar desinteressiert zurück.
      Die Tricks ihres Clans mochten auf Sterbliche wirken, und vielleicht sogar auf den ein oder anderen, schwächeren Vampir, aber nicht auf ihn. Er war alt und mit dem Alter kam Macht. Wenn er es nicht wollte, hatte sie keinen Einfluss auf ihn.
      "Das würde mir im Traum nicht einfallen, Euer Majestät. Aber als Mitglied Eures Hofes ist es meine Aufgabe, auf Euch aufzupassen", säuselte Claire.
      Vannevar drehte sich um, packte ihre Handgelenke.
      "Seine Majestät kann gut auf sich selbst aufpassen. Insbesondere, wenn es um Sterbliche geht."
      Claire senkte instinktiv den Blick, auch ohne dass er seine eigenen imposanten Fähigkeiten zur Anwendung brachte.
      "Und jetzt geh. Ich habe zu tun."
      Claire sammelte ihre sieben Sachen zusammen, während er sein Jackett überwarf. Vannevar wusste genau, dass die Französin kein Interesse an seinem Wohlergehen hatte. Sie spielte das gleiche Spiel, wie alle anderen auch. Und wie alle anderen, wartete sie auf einen Moment der Schwäche, den sie ausnutzen konnte, um ihn vom Thron zu stürtzen. Claire war es nur recht, wenn Gerüchte über seine Interaktionen mit Sterblichen die Runde machten. Wahrscheinlich sähte sie sie sogar noch selbst. Aber Vannevar hatte ein Drittel seines Lebens damit verbracht, der Spiel zu gewinnen. Über ein Jahrhundert hatte er auf einem Thron gesessen, die Interessen des Turms vertreten und die Rebellen geschlagen. Sollte Claire nur darüber fachsimpeln, wie viel Zeit er aktuell mit Sterblichen verbrachte. Er machte nur seinen Job, kümmerte sich persönlich darum, die Maskerade aufrecht zu erhalten, nachdem ein paar der Anarchs die Polizei auf seine Fährte gebracht hatten. Er könnte es deligieren. Er hatte genug Leute, die sich um solche Probleme kümmern konnten. Aber nein, er nahm sich die Zeit, um es selbst zu erledigen.
      Auf dem Weg nach draußen verneigten sich alle Ghouls, die sich um das Haus kümmerten, vor ihrem Meister. Auch Nikolai, seine rechte Hand, senkte kurz den Kopf, dann hielt er seinem Prinz die Wagentür auf.
      "Ich hab meine Leute in der Umgebung. Soweit verhalten sich die Anarch ruhig. Schätze, sie warten ab, was die Ermittlungen ergeben. Ford ist dran", informierte Nikolai.
      Vannevar nickte und stieg ein, gefolgt von seiner rechten Hand. Der heutige Abend war insofern wichtig, als dass Vannevar vor hatte, seine Stärken auszuspielen. Die Medien waren eine Waffe, die er mit Eleganz und Geschick zu führen wusste, wie die meisten seines Clans.
      "Und die Reporterin? Wer ist sie?", fragte er auf dem Weg zum Restaurant, dass einem seiner Leute gehörte.
      Er hatte nicht vor, etwas zu essen, daher hatte er den Termin für sterbliche Verhältnisse recht spät angesetzt. Ein Interview über ein aar Drinks - die er auch nicht haben würde.
      Nikolai informierte seinen Prinzen über die Frau, die sie extra für das Interview ausgewählt hatten. Sie hatte große Pläne für ihre Zukunft und niemand schien sie wirklich ernst zu nehmen. Perfekt. Entweder wurde der Artikel so, wie er werden sollte, oder Vannevar würde dafür sorgen, dass niemand jemals davon erfuhr und die Frau nie wieder irgendetwas schreiben würde, außer vielleicht Verschwörungstheorien im Internet.

      Das Restaurant war gut besucht. Selbstverständlich. Aber für Vannevar hielt man immer einen ruhigen Tisch frei, von dem aus man einen großen Teil des Restaurants einsehen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.
      Er ließ sich auf den gepolsterten, runden Bänken nieder und wies Nikolai an, sich bedeckt zu halten. Der Vampir folgte seinen Anweisungen ohne zu fragen. Auch der Besitzer des Restaurants wusste Bescheid: Er würde selbst etwaige Bestellungen aufnehmen, sonst würde niemand an den Tisch treten. Wenn der Prinz Privatsphäre haben wollte, dann bekam er sie auch. Jetzt musste er nur noch auf die Reporterin warten.
    • Angelina Hoberost


      "Das ist doch lächerlich!" ertönte die wütende weibliche am Küchentisch "Warum ist dein Artikel auf Seite 65?!" Schon fast verzweifelt warf Anna die Zeitschrift auf den runden Tisch. Angelina lachte verlegen, auf dem weg ins Badezimmer "Naja, wahrscheinlich weil Lifestyle dort gedruckt wird." Ein schnelles schultern zucken beendete das Gespräch als die junge Frau die Tür hinter sich schloss. Es ging schon monatelang so - immer wieder sollte sich die Journalistin an ihrem Schreibtisch setzen und über das "Ah" und "Eh" des Lebens recherchieren. Was war grade im Trend? Express-Workout! Was motiviert uns jetzt? Leichte Aufgaben, gar langweilige, obwohl sie doch schon über 10 Jahre in der Firma verweilte. "So geht das aber wirklich nicht weiter!" ärgerte sich Angie während sie unter die Dusche stieg. Zu oft hatte sie ein Gespräch mit der Redaktion gesucht, wollte mehr, etwas worauf sie stolz sein sollte, doch keiner sorgte sich um ihre Bitte. Mit einem lächeln schickte man sie weg, zurück ans Schreibtisch und Computer, sagte, es würde sich jemand bald melden - es kam nie dazu. Es kotzte sie schon fast an, dass manch einer Titelseiten schrieb, obwohl sie diejenige war, die mehr Erfahrung in dem Job hatte. Und es kotzte sie an, dass sie nichts dagegen machen konnte. Ein Firmenwechsel kam nicht in frage, viel zu gut bezahlt wurde die 29 Jährige. Angelina wollte sich unbedingt hocharbeiten in die Redaktion, koste es was es wolle. Umso mehr konnte sie ihr Glück nicht fassen, als sie die große Chance bekam.
      Noch mit nassen Haaren kehrte sie in die Küche zurück und setzte sich zu ihrer Freundin, Chris der dazukam stellte Kaffee auf den Tisch und lächelte die blondhaarige an. "Also, heute Abend steht was an, hm?" sein lächeln wurde zu einem Grinsen und während die angesprochene einen schluck nahm nickte sie. "Ja. Ein Interview mit dem Vannevar Dechart." "Hey! Das ist ja ein Spoiler!" gab Anna entsetzt von sich. Chris lachte. "Da hast du aber eine harte Nuss bekommen." "Wieso denn?" verzog Angie das Gesicht und stellte ihre Tasse ab um ihr Handy zu checken. "Naja, es ist ja eh schon ein Wunder, dass er überhaupt reden will." "Ich habe gehört, er sei sehr streng und nicht tatsächlich nicht besonders gesprächig!" Angie blickte ihre Freunde an und konnte sich das Lachen nicht verkneifen "Gerade ihr solltet doch nicht in alles glauben, was geschrieben wird!" Das meinte sie auch so, schließlich war sie eine ausgebildete Journalistin und die drei haben mehr als oft genug darüber gesprochen wie grausam die Medien sein konnten. "Ich fahr noch bei meiner Mutter vorbei vor dem Essen, also..." stand die junge Frau auf und bedankte sich für den Kaffee.
      Nach einer Stunde saß sie in einem großen Wohnzimmer und wurde erneut mit einem schwarzen, bitteren, heißen Getränk beschenkt. "Wenn ich heute so viel Kaffee trinke, kann ich heute Nacht nicht schlafen!" lachte die Tochter und Frau Wirterness erwiderte das herzhaft. "Mein Kind, es wundert mich dass du gestern schlafen konntest. Ein Termin mit dem geehrten Herr Dechart. Ich bin ja so stolz auf dich!" Stand die Mutter auf und nahm ihr Kind in die Arme. "Es ist meine Chance, endlich eine Stufe aufzusteigen, wenn alles gut läuft! Aber... wie geht es die Mama?" Fragte Angie besorgt und ihre Umarmung wurde etwas fester. Sie konnte sich gut daran erinnern, sie mitgenommen ihre Mutter gewesen ist, nach der Trennung und versuchte um so mehr für ihre Mutter da zu sein, wodurch die Beziehung noch enger wurde. "Ah, um mich brauchst du dir keine Sorgen mein Schatz. Sondern eher um dein Interview."
      Angelina sprang auf. "Verdammt ich komme ja noch zu spät! Mama, ich rufe dich morgen früh an!" Ein schneller abschied Kuss und schon war die blondhaarige aus der Tür. Auf der Straße winkte sie ein Taxi zu sich und sagte die Adresse an. Ihre Nervosität nahm an kraft an, etwas zitterig wurden ihre Hände. Zu groß war der Druck von oben und was passiert wäre, hätte sie es vermasselt, sich blamiert oder die Firma, wollte sie sich nicht vorstellen. Ihre Gedanken kreisten um das Make-up, ihr Outfit, ob es nicht zu spießig war. Hatte sie sich gut genug vorbereitet? Sicher war es nicht ihr erstes mal, dass sie geschickt wurde, um jemanden zu Interview, doch ihre Verabredung war nicht irgendwer. "Beruhige dich! Du bist doch ein Profi! Es ist dein Beruf. Du kennst es schon, bleib professionell, freundlich und alles wird gut!" sprach sich Angie leise Mut zu, anscheinend zu laut, denn der Taxifahrer blickte sie an "Wie bitte?" Aber sie schüttelte nur den Kopf und blickte aus dem Fenster in die Nacht hinein.
      Pünktlich um 22 Uhr stand die Journalistin vor dem Restaurant und konnte nur schwer nicht staunen. Ein elegantes Ort, gut besucht. Obwohl sie all das kannte, noch aus ihrer Jungend, hatte sie es wohl vergessen. Verlegen meldete sie sich am Empfang und ließ sich zum Tisch führen, an dem ihre Verabredung schon wartete. Eilig setzte sie sich ihm gegenüber hin und nervös fing Angelina an los zu plappern: "Es tut mir so leid. Ich habe sie warten lassen! Mein Name ist Angelina Hoberost und ich arbeite für das VOGUE Magazin, aber das wissen sie ja schon und ..." Ihr stockte der Atem. Zu schön war der Anblick des Mannes, der ihr die Sprache verschlug, als sie ihn endlich anschaute. Die Journalistin wurde leicht rot und sofort schämte sie sich, wie ein Wasserfall geredet zu haben.
    • Diskret informierte man Vannevar darüber, dass die ausgewählte Journalistin das Gebäude betreten hatte. Sie wurde von einem anderen, sterblichen Mann vom Empfang an den Tisch geführt. Sie würde ihn nicht wiedersehen, bis sie wieder ging.
      Vannevar musterte die Frau. Hübsch war sie ja. Und nervös... Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, angesichts des schnellen Herzschlages.
      Mit einer einfachen Geste bedeutete er der Reporterin, sich zu setzen. Und wurde mit einem Schwall aus Worten beworfen. Es gab kaum etwas Entzückenderes als einen nervösen Sterblichen.
      "Beruhigen Sie sich. Sie haben mich nicht warten lassen, ich bin öfter hier. Einem Freund gehört das Etablissement. Vannevar Dechart, sehr erfreut."
      Er reichte ihr seine Hand über den Tisch hinweg. Nicht eine Sekunde lang brach er den Augenkontakt mit ihr. Eines seiner Lieblingsspiele mit den Sterblichen. Er war es gewöhnt, dass weder Ghouls, noch andere Vampire ihm direkt in die Augen sahen. Die meisten aus Respekt, aber auch nicht wenige aus Angst. Zurecht. Menschen konnte man mit stetigem Augenkontakt leicht aus dem Konzept bringen.
      "Und ja, ich weiß, für wen Sie arbeiten. Wenn ich mich recht entsinne, war ich es, der Sie sim Speziellen für dieses Interview ausgesucht hat. Ich weiß gern, mit wem ich rede."
      Tomás, der Besitzer des Restaurants, trat an ihren Tisch heran und fragte die Dame freundlich, ob sie noch etwas anderes trinken wolle, während er ein Glas und eine Flasche gekühlten Wassers auf den Tisch stellte. Vor Vannevar stand ebenfalls eines, es war nur halb gefüllt, um den Schein zu wahren.
      "Wie angekündigt haben Sie bis Mitternacht, um mir Ihre Fragen zu stellen", eröffnete Vannevar, als Tomás wieder verschwunden war, "Sie dürfen alles fragen. Ich behalte es mir jedoch vor, nicht zu antworten. Wenn ich eine Antwort gebe, ist es jedoch die Wahrheit. Im Gegenzug darf ich auch Fragen stellen und erwarte ausschließlich ehrliche Antworten. Natürlich dürfen Sie sich auch dagegen entscheiden, zu antworten. Das sind die Spielregeln. Also dann: Was wollen Sie wissen?"
      Mal sehen, wie gut die Frau spielen konnte. Mal sehen, ob sie dem Druck standhalten konnte.
    • Ihr Herz schlug wie verrückt, Angelina spürte es sogar in ihrem Hals pochen und nur schwer konnte sie ihre Augen von ihm wenden. Sie war eine junge Frau, es war selbstverständlich, dass sie auf das eine oder andere Date ging, doch so einen schönen Mann hatte sie noch nie gesehen, höchstens in "VOGUE", wenn es mal las, doch auch das kam nicht oft vor. Seine dunkelbraune Augen fesselten sie, und es fühlte sich an, als hätte er versucht durch sie hindurch zu blicken. Ohne von dem Mann wegzusehen nahm sie seine Hand, die erstaunlich kalt war, was unvorstellbar sein konnte, in Anbetracht der Tatsache, wie heiß es in dem Raum war. Oder war es ihr eigener Körper, der solch eine Hitze ausstrahlte? Die große Männliche Hand ließ sie kurz stocken, fast als hätte sie angst, er würde sie sofort wegnehmen - die junge Frau war hin und weg.
      In die Realität zurück holte Angie der Kellner, der ihr etwas zu trinken anbot, sie entschied sich für Wasser. Alkohol vertrug die blondhaarige noch nie gut. Dankend nickte die Journalistin und hörte auf die männliche Stimme ihres Gegenüber. Der tiefe Ton gefiel ihr und Angelina musste sich gestehen, alles an ihm fand sie anziehend.
      Froh darüber, wie offen Herr Dechart mit ihr gesprochen hat, grinste sie. "Alles sagen Sie also?" Die Journalistin holte ihr Heft heraus und warf einen blick darauf. Lauter Fragen waren aufgelistet wie: "Wie haben Sie es geschafft, so erfolgreich zu sein?" Aber das wollte die junge Frau nicht wissen. Sie hatte 2 Stunden Zeit und der Mann, so, wie tief er ihr in die Augen blickte, wollte eindeutig Spielen. Es konnte kein Zufall sein, dass er ausgerechnet sie aussuchte, doch darüber machte sie sich keinen Kopf. Es war nicht wichtig.
      Angelina setzte sich aufrichtig, nahm einen schluck Wasser, ohne nur eine Sekunde seinem Blick auszuweichen, lächelte und legte ihre weichen Hände wieder auf dem Tisch. "In Ordnung. Ich werde Ihnen genauso jede Frage offen und ehrlich beantworten. Ich habe nichts zu verbergen." Dann legte sie eine kurze pause ein um sich zu räuspern. "Sind Sie in einer Beziehung?" fragte Angie schließlich und war bereit mehr über Dechart Vannevar zu erfahren. Am liebsten alles.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alicelinein ()

    • Da war er. Der Kampfgeist der modernen Journalisten. Es gab einen feinen Unterschied zwischen ihnen. Manche waren damit zufrieden, Leserbriefe zu beantworten, manche waren aufdringlich. Und dann gab es noch solche, die ihrer Arbeit ernsthaft nachgingen. Das war eines der Auswahlkriterien gewesen, nach denen Vannevar sich schließlich für Ms. Hoberost entschieden hatte.
      "Mein Erfolg speißt sich aus vielen Quellen. Hauptsächlich Geschick im Umgang mit Finanzen und gutes Zeitmanagement."
      Er hielt seine fachlichen Antworten gern kurz. Das ließ weniger Spielraum für Interpretationen. Je mehr die Presse das tun konnte, desto ungenauer und abstruser wurden die Geschichten, die sie verbreiteten. Vannevar konnte das nicht gebrauchen. Dieses Interview musste auf eine von zwei Arten enden: Entweder stellte sie ihn als tüchtigen, ehrlichen Geschäftsmann dar, oder als begehrenswerten Single. Beides war ihm recht, denn beides würde die Aufmerksamkeit von seinem Hof ablenken.
      "Nein, aktuell führe ich keine feste Beziehung", antwortete er mit einem schiefen Lächeln.
      Offenbar hatte Ms. Hoberost ähliche Ideen wie er. Das würde eine gute Patrie werden, Vannevar konnte es spüren. Nicht viele Sterbliche konnte ihm standhalten. Langsam fand er Gefallen an der Reporterin.
      Er lehnte sich entspannt zurück, überschlug die Beine und faltete die Hände auf seinem Knie.
      "Warum haben Sie zugestimmt, einen fremden Mann zu später Stunde in einem Restaurant zu treffen, das weit über ihrer Gehaltsklasse liegt?"
    • Schnell notierte sich Angelina die Aussage des Mannes, dabei sah sie immer so professionell und elegant aus. Kurz dachte sie, er würde die eigentliche Frage einfach links liegen lassen.
      Aber sie bekam beides. Ohne wirkliche Mühe bekam sie etwas für ihr Artikel und ihre persönliche Neugier wurde auch gesättigt. Die junge Frau konnte nicht anders als zu schmunzeln. Herr Dechart spielte ihr in die Karten. Förmlich konnte die Journalistin die Begeisterung der Redaktion hören, wenn sie ihnen die Blätter auf den Schreibtisch legt.
      Das der gut aussehende Geschäftsmann Single war, kam ihr fast unmöglich vor. War es, weil er keine Zeit hatte? Weil er so beschäftigt war? Oder wollte er keine? War er nur auf kurze Geschichten aus? Oder doch mal in einer Beziehung gewesen, aber verletzt geworden?
      Ihre Neugier wurde größer, doch die Zeit rannte und der Mann schien diese auch nicht verschwenden zu wollen.
      Angie schob sanft ihre schwarze Brille wieder hoch, weiterhin in die Augen des Mannes blickend. Die Gier der Frau wuchs. Die Gier nach Wissen.
      Als Herr Dechart seine Frage stellte, schmunzelte Angelina leicht. Langsam hob sie ihre Hand und warf ein paar Strähnen nach hinten.
      "Wie es schein, haben Sie sich wohl doch nicht so gut informiert, wie Sie glauben. Die Uhrzeit spielt hier tatsächlich keine Rolle. Manche haben Nachtschichten, dann mach ich ein Interview eben spät in der Nacht." Das zwinkern konnte sie sich nicht verkneifen. "Und meine Gehaltsklasse ist weit unter ihrer, weil ich auf das Geld meines Vaters gut verzichten kann und selber Verdienen möchte."
      Und es war nicht gelogen. Natürlich konnte Angie zurück zu ihrem Familienhaus, zu ihrem Vater und seiner um 20 Jahre jüngeren Frau, konnte in der Firma tätig werden, aber das wollte sie nicht. Die blondhaarige war stolz auf sich und umso größer freute sie sich, wenn sie sich etwas gönnte. Von ihrem Geld.
      "Warum sind Sie Single?" Hartnäckig war sie schon als kleines Kind, doch für die Neugier mehr über sein Privates zu erfahren, konnte die Journalistin nichts. Es gehörte zu ihr und zu ihrem Beruf.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alicelinein ()

    • Nachtschichten und das Rebellieren gegen den eigenen Vater. Wie langweilig. In seiner Welt gab es weder das eine, noch das andere.
      Vannevar kannte diesen ach so schrecklichen Vater. Ein kleines Licht, dass er unter dem Stiefel seines Assistenten zerquetschen lassen könnte. Aber warum sollte er das tun, verdiente er doch auch gut an dem Unternehmen. Es war unmöglich, in dieser Stadt gewisse Summen zu verdienen, ohne dass er seine Finger im Spiel hatte. Ihm gehörte diese Stadt, genau wie es sein sollte.
      "Warum sind Sie es?", schoss Vannevar zurück, "Es gibt viele Gründe, warum jemand Single ist. Nein, ich habe die Richtige noch nicht gefunden. Nein, ich suche nicht aktiv nach einem Partner. Nein, ich bin nicht einsam und allein. Nein, ich habe nicht zu wenig Zeit für eine Beziehung. Aber die meisten Personen, die sich an mich rannschmeißen, wollen bloß mein Geld, meine Macht, oder ihren Spaß mit mir haben. Sie alle halten nicht länger als vielleicht eine Woche, sollten sie es überhaupt in meine Nähe schaffen. Ich habe Standarts und mir wird schnell langweilig. Ist das ein skandalöser Lebensstil? Vielleicht."
      Er zuckte mit den Schultern. Es war kein Skandal, wenn es niemand mitbekam. Und wenn er nicht wollte, dass die Welt etwas von ihm erfuhr, dann tat sie das auch nicht. Die Welt war eine Bühne, das Leben ein Schachbrett. Und er war sowohl ein guter Schauspieler, als auch ein brillianter Schachspieler.
      Er hatte seine nächste Frage bereits gestellt, daher gab es keinen Grund für ihn, weiter zu reden.
    • Etwas nervös strich die junge Frau über ihre Hose, so eine Gegenfrage kam unerwartet. "Wie Sie gesagt haben, es gibt viele Gründe." lächelte Angelina schulterzuckend. Natürlich wusste sie, warum sie Single war, dass sie es nur sich selbst zu verdanken hatte. Traurig aber Wahr, ihr Job war wichtiger als Dates, es kostete ihre ganze Aufmerksamkeit und Energie. An dem Blick ihres gegenüber erkannte die junge Hoberost, der Mann würde sich mit ihrer Antwort nicht zufriedenstellen. "Ich bin allein, weil ich es so möchte. Ich habe keine Zeit für andere" räusperte sie sich nochmal. In ihren Ohren klang es hart und etwas abgehoben, aber es war besser als zu lügen. Die blondhaarige wollte fair bleiben, und genauso ehrlich antworten wie der Herr. Angelia notierte sich grob seine Antwort, wusste, sie musste es noch bearbeiten, denn alles so zu schreiben, wie er sagte, hätte ein schlechtes Licht auf ihn geworfen. Glück hatte er, dass er sie nahm, so gut, wie sie mit Worten umgehen konnte, hatten andere keinen Platz sich etwas zusammenzureimen. Kurz überlegte Angi, bevor sie ihre letzte Frage stellte. "Warum ich?" fragte die grünäugige. Dass seine Antwort kalt sein würde, war ihr durchaus klar und doch, war ihre Neugier zu groß.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Alicelinein ()

    • Ein unabhängiges Arbeitstier also. Diese Dame war tatsächlich nach Vannevars Geschmack.
      "Warum ich?", fragte sie.
      Vannevar überlegte kurz. Er könnte ihr jetzt auftischen, was er auch seinem Rat mitgeteilt hatte. Dass dieses Interview einzig und allein dem Zweck diente, die Öffentlichkeit von den Ermittlungen gegen ihn abzulenken. Es wäre keine Lüge. Aber auch nicht die ganze Wahrheit. Es würde nicht gegen die aufgestellten Spielregeln verstoßen.
      Vannevar lächelte freundlich und senkte den Blick auf sein unangetastetes Wasserglas, das er zwischen Daumen und Mittelfinger hin und her drehte.
      "Ich bin es gewohnt, das zu kriegen, was ich haben will", antwortete er.
      Es mochte eine kryptische Antwort sein, aber das war in Ordnung. Die Frage würde es nicht in den Artikel schaffen, also hatte die Öffentlichkeit auch nichts, worüber sie spekullieren konnte.
      Vannevar beschloss, dass es Zeit war, mit offenen Karten zu spielen.
      "Wissen Sie, dass alle meine Berater mir von diesem Termin abgeraten haben?"
      Er lehnte sich wieder zurück und breitete die Arme auf der Rückenlehne der Sitzbank aus.
      "Ich gebe einen Haufen Geld für eine ganze Armee an Pressesprechern aus und doch bestand ich darauf, ein einziges Interview zu geben. Persönlich. Mit einem Magazin meiner Wahl. Mit einem Reporter - oder einer Reporterin - meiner Wahl. Und ich habe Sie gewählt. Weil Sie ehrgeizig sind. Weil Ihre Artikel gut geschrieben und recherschiert sind, aber nicht wertgeschätzt werden. Weil sie eigenständig denken können. Weil mir alles an Ihnen gefällt."
      Er genoss die Stille, die sich zwischen ihnen breit machte. Er nutzte diese Kunstpause und beobachtete sein Gegenüber haargenau. Dann beendete er den Moment, indem er ihrem Kellner rief.
      "Sie werden schnell feststellen, Ms. Hoberost, dass ich mich schnell langweile. Und ich kann Langeweile einfach nicht ausstehen."
      Tomás eilte herbei. Vannevar stand auf und unterhielt sich kurz leise mit ihm. Der Mann nickte und verschwand wieder. Vannevar knöpfte sein Jackett zu und reichte seinem Gast ohne hinzusehen die Hand. Er hatte es allerdings nicht auf einen Abschied abgesehen.
      "Mir ist nach einem Szenenwechsel. Begleiten Sie mich."
      Das war weder eine Frage, noch eine Bitte. Vannevar wusste, was er wollte. Und er war es gewohnt, das auch zu bekommen.
    • Seine Worte bereiteten ihr Bauchkribbeln. Was meinte er nur damit? "Ich bin es gewohnt, das zu kriegen, was ich haben will". Was hatte es zu bedeuten? Wie viel wusste er über sie? Schon fast ängstlich lehnte sich die junge Frau zurück und versuchte es nicht all zu zeigen. Sein Satz wiederholte sich immer wieder in ihrem Kopf, so schnell, dass ihr schwindelig wurde. Sanft legte sie ihre Hand auf die Stirn, strich einmal drüber und blickte ihn dann wieder an. Egal wie viel mühe sie sich gab, aus dem Mann zu lesen war keine leichte Sache, gar eine Herausforderung. Trotzdem schmeichelten ihr seine Worte und eine leichte röte schmuckte ihr Gesicht. Er war ein wahrhaftig einschüchternder Mann, das musste sich Angelina gestehen. Sonst fiel es ihr doch auch nicht so schwer mit jemanden zu sprechen, eine Konversation zu führen und der Herr Dechart machte sie sprachlos, gar verlegen, mundtot.
      Aufmerksam hörte die Blondine zu, spielte mit dem Stift in ihrer Hand, tippte ab und zu gegen die Wange oder knabberte, bis er den Kellner rief. "Weil Sie ehrgeizig sind. Weil Ihre Artikel gut geschrieben und recherchiert sind, aber nicht wertgeschätzt werden. Weil sie eigenständig denken können. Weil mir alles an Ihnen gefällt." Wieder wurde der jungen Frau warm im Gesicht und gleichzeitig wieder eiskalt. Ein Kompliment für sie, ihre geleistete Arbeit und dann wieder diese Worte " nicht wertgeschätzt". Das war ihr klar, ihr Boss hatte schon oft gesagt, sie hätte das gewisse etwas, etwas was noch nicht geblüht ist. Es reichte noch nicht. Angelina konnte es nicht glauben, in einem Moment glücklich und doch enttäuscht sein zu können. Doch daraus machte sie sich nichts, dann musste sie sich eben noch mehr anstrengen. Ihr Kapitel für die nächste Woche wurde gut sein, gar perfekt, nahm sich die junge Frau entschlossen vor.
      Als ihr Gesprächspartner aufstand, packte Angie ihre Sachen zusammen, überzeugt davon, das Treffen wäre beendet gewesen, umso mehr überraschte sie Vannevars Geste. Sofort hörte sie ihre Freunde reden: "Naja, es ist ja eh schon ein Wunder, dass er überhaupt reden will. Ich habe gehört, er sei sehr streng und nicht tatsächlich nicht besonders gesprächig!" Den Eindruckt machte er ganz und gar nicht. Unsicher nickte die grünäugige und nahm seine kalte Hand. Was hatte er nur vor? Die so sture, erwachsene Frau fühlte sich auf einmal wieder wie ein Teenager, doch wie konnte sie anders? Seine direkte, dominante und entschlossene Art ließ ihr keine Wahl, als zu gehorchen.
    • Sobald sie seine Hand ergriff zog Vannevar Ms. Hoberost an seine Seite und legte ihr entspannt den Arm um die Hüfte. Nicht zu weit unten natürlich, aber dennoch wirkten sie wie enge Vertraute, als er sie so aus dem Restaurant führte.
      Trotz der Tatsache, dass es praktisch mitten in der Nacht war, war die Stadt noch immer hell erleuchtet und die Temperaturen mehr als erträglich. LA eben. Draußen wartete bereits eine schwarze Edelklasse auf Vannevar und seine Begleitung. Sein Fahrer steckte in einem Maßgeschneiderten Anzug und hielt den beiden die Tür zum Rücksitz auf. Ganz der Gentleman, der er war, half Vannevar Ms. Hoberost hinein, ehe Nikolai kurz an ihn herantrat.
      "Mein Prinz?"
      "Abendessen."
      Nikolai nickte und stieg auf der Beifahrerseite ein. Vannevar tat es ihm gleich und stieg ebenfalls in das Auto. Er warf einen Blick auf seine Uhr.
      "Noch sieben Minuten, Ms. Hoberost, dann ist unser Spiel vorbei", klärte er seine Begleitung auf, "Genug Zeit für eine letzte Frage. Versuchen Sie doch diesmal eine zu stellen, die sie auch in Ihrem Artikel verwenden können."
      Er zwinkerte ihr zu, lächelte freundlich, dann ließ er seinen Blick aus dem Fenster wandern. Das nächtliche LA war nach einem Jahrzehnt auf dem Thron noch immer interessant. Vielleicht auch einfach nur deshalb, weil er sich das gesamte Jahrhundert zuvor mit San Francisco hatte zufrieden geben müssen. Ein recht angenehmer Tapetenwechsel, wenn er ehrlich war.
    • Erneut staunte die Blondine. Der Mann benahm sich so edel und elegant, berührte sie, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Entweder machte er sich an sie ran, oder er war es gewohnt, mit Frauen so umzugehen. Mit etwas wackeligen Beinen ließ sich Angelina rausbegleiten. Ihre Absätze übertönten das Herzpochen, welches ihr so stark gegen die Brust schlug dass sie angst bekam, der an ihrer Seite würde es hören können. Das Gesicht der jungen Frau glühte vor Aufregung. Wo wollte er nur mit ihr hin? Die Bewunderung nahm kein Ende. Natürlich wusste sie es, er war DER Vannevar Dechart. "Wieso wundert es mich überhaupt?!" schüttelte die schöne den Kopf und stieg in den Wagen. "Ist doch klar dass er nur mit dem edlen fährt" gab sich Angelina selbst eine Antwort.
      Aus den Gedanken riss Angelina eine tiefe Stimme. "Nur sieben Minuten" wiederholte sie im Kopf und wühlte hektisch in ihrer Tasche. Das gefundene Notizbuch klappte sie auf und stellte noch eine Frage. "Wie sehen Sie L.A in 10 Jahren?"
      Die junge Frau konnte nicht anders, als den jungen Mann anzusehen, erwartungsvoll und mit einem leuchten in den Augen. "Sieben Minuten..." Wiederholte sie in Gedanken. Was hatte er dann vor? Worüber würde er denn sonst mit ihr Reden wollen? Wieso verbrachte er seine "Freizeit" mit ihr? Was wollte der Vannevar Dechart von IHR?
    • Vannevar lachte. Er konnte gar nicht anders. Diese Frau hatte beinahe volle zwei Stunden damit verbracht, ihn über sein Privatleben zu löchern und jetzt fragte sie eine langweilige Wirtschaftsfrage. Herrlich.
      "In zehn Jahren wird LA seinen Glanz verloren haben. Wenn man sich umsieht, dann erkannt man das jetzt schon. Hollywood verlagert sich an andere Orte: Toronto, Georgia, Plätze in Europa für die ganzen Period-Dramen. Die Filmindustrie wird hier nicht unbedingt sterben, aber ich würde sagen, es werden vermehrt B-Movies mit den alten Kulissen einstiger Größen gedreht. Vielleicht schafft die Stadt es, sich noch ein paar jahre mit Musik und Kunst über Wasser zu halten."
      Er wandte sich nun endlich Ms. Hoberost zu, nahm sich Zeit, sie noch einmal gründlich zu mustern.
      "Wie Sie sicherlich wissen, habe ich einige Zeit in San Francisco verbracht, ehe ich hier her gezogen bin. Ich habe gesehen, wie das Silicon Valley sich zum Königreich der Techgiganten erhoben hat. Kalifornien ist teuer. Aber mit ein bisschen Geschick..."
      Vannevar ließ den Satz einen Augenblick lang wirken. Jeder wusste, dass er seinen Spaß mit Immobilien und Investitionen hatte. Aber niemand wusste, wie viel Land auf dem Papier in LA tatsächlich das seine war.
      "LA wird früher der später vor die hunde gehen. Der Absturz wird nicht so groß sein wie der von beispielsweise Detroit, aber doch tief genug, um die Mieten zu drücken. Mit ein bisschen Glück ändern sich vielleicht auch die Steuern ein bisschen. Dann muss man den Menschen nur noch einen Grund geben, um wieder herzuziehen. Perspektive. Erst den Firmen, dann den kleinen Leuten. LA blüht wieder auf und diejenigen, die es vorhergesehen haben, verdienen sich ein goldenes Näschen. Ich kann nicht in die Zukunft sehen. Ich weiß nicht, wo LA in zehn Jahren sein wird. Ich weiß nur, dass ich da sein werde, wenn es fällt, um es wieder aufzubauen."
      Er musste nicht auf seine Uhr sehen, um zu wissen, dass die sieben Minuten um waren. Ihr Spiel war vorüber.
      "Erinnern Sie sich noch daran, wie ich Sie fragte, warum Sie sich zu so später Stunde allein auf ein Treffen mit einem Fremden einlassen und Sie die Frage abwinkten? Es sei normal, in Ihren Kreisen?"
      Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht.
      "Ich habe Ihnen Ehrlichkeit versprochen und auch wenn unser Spiel vorbei ist, so werde ich mich weiter an diesen Grundsatz halten. Nikolai?"
      Sein Bodyguard drehte sich auf seinem Sitz um, um direkt mit Ms. Hoberost sprechen zu können.
      "Ihre Arbeitszeit ist hiermit beendet. Alles, was sie ab jetzt vielleicht erfahren, hat nichts in Ihrem Artikel zu suchen. Ihr Artikel wird uns laut einer Vereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber zum Probelesen übergeben, bevor er gedruckt wird. Sollten wir darin Ungereimtheiten finden, wird er nicht veröffentlicht."
      Der Bodyguard wartete noch, bis Ms. Hoberost ihre Notizen wieder weggepackt hatte, bevor er sich umdrehte und zu seinem eisernen Schweigen zurückkehrte.
      "Ist er nicht charmant?", scherzte Vannevar lächelnd, "Zurück zum Thema: Ehrlichkeit. Ich habe Sie im Speziellen kommen lassen, weil ich mich gern mit hübschen Dingen umgebe. Und mit attraktiven Personen. Wir sind auf dem Weg zu meinem Anwesen. Dort genießen einige Leute, mit denen ich zusammenarbeite, einen netten Abend. Meine Pläne sehen ähnlich aus. Und meine Pläne involvieren Sie. Ich denke, wir können einige sehr interessante Gespräche führen. Allerdings bin ich kein nächtlicher Kidnapper, daher lasse ich Ihnen hiermit die Wahl. Wenn Sie nicht wollen, lasse ich Sie gern an einem Ort Ihrer Wahl absetzen. Doch ich warne Sie: Wenn Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, dulde ich keine Zweifel. Und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass Sie erst bei Sonnenaufgang nach Hause gehen."
      War das eine Drohung? Vielleicht. Aber es war ebenso eine Einladung, die Vannevar gekonnt mit einem charmanten Lächeln unterstrich.
    • Fleißig, als hätte sie nie etwas anderes getan, notierte Angelina alles, was Vannevar sagte. Seine ausführliche Antwort befriedigte ihre innerliche Journalistin und zufrieden lächelte sie ihr Notizbuch an. "Der Wahnsinn!" dachte sie, während ihre Hand immer schneller wurde, um wirklich alles aufzuschreiben. Die junge Frau konnte es kaum erwarten am Montag im Büro zu sitzen und an ihrem Artikel zu schreiben. Wenn sie sich eines sicher war, dann dass es alle umhauen würde. Der perfekte Artikel eben. "Das wird die erste Seite!" lobte sich die Journalistin voller Vorfreude und beherrschte sich um nicht zu kreischen, auch wenn ihr inneres vor glück schrie.
      In ihrer Euphorie bemerkte die Blondine das Lächeln dessen an ihrer Seite nicht. W-was? was hatte er da gesagt?
      Es ging wohl um "zu so später Stunde allein auf ein Treffen mit einem Fremden einlassen". Wieder aufmerksam und bei Sinnen nickte Angelina.
      Als der Bodyguard sich dann zu ihr drehte, zuckte die junge Frau kurz zusammen. Der man sah aus wie ein Tier, perfekt für den Beruf, seine Stimme war
      rau und seine Worte eindeutig. Ohne lange zu überlegen nickte Angelina, als Zeichen, sie hätte klar verstanden, was von ihr verlang wurde. Natürlich hätte sie gerne noch mehr Infos gesammelt für ihr Artikel, wie sich der Vannevar außerhalb der Öffentlichkeit benommen hätte, in seinem natürlichen Umfeld, aber das konnte sie wohl knicken.
      Ärgerlich. War nichts zu machen.
      Sofort landete ihr Notizbuch in der Tasche und etwas angespannt legte sie ihre Hände auf den Oberschenkeln.
      "...weil ich mich gern mit hübschen Dingen umgebe. Und mit attraktiven Personen. Wir sind auf dem Weg zu meinem Anwesen..." "...einen netten Abend" die Wörter hallten in ihren Ohren. Er wolle sich also einen schönen Abend machen, mit ihr. Etwas unsicher, fast schon ängstlich rücke die junge Frau auf ihrem Platz. Sie hatte die Wahl, konnte eine Entscheidung treffen, die entscheidend gewesen ist. Würde sie sich auf sein Angebot nicht einlassen, wäre er vielleicht sauer, schließlich bekam er gerne was er wollte. Außerdem bekam sie eine Einladung von Vannevar Dechart höhst persönlich. Was sollte sie machen? Vorsichtig nahm sie ihr Handy in die Hand. Es war schon tatsächlich nach Mitternacht. Was Anna und Chris wohl machten? Ob die beiden auf sie warteten? Sollte sie bescheid geben? "Ah quatsch, sie sind deine Freunde, nicht deine Eltern!" schüttelte die Blondine innerlich den Kopf.
      Was sprach denn dagegen?
      Auf der sicheren Seite war sie, ihre ganze Firma wusste, sie hatte einen Termin mit dem Herrn und ihre Freunde und Mama wussten auch bescheid, sollte also etwas schief laufen, hätten alle gewusst wo sie zu suchen hatten. Von den ganzen Gedanken wurde Angelina schwindelig. "Gib dir den Rück!" sprach sich die junge Frau Mut zu und atmete tief ein und aus. "Gut. Ich nehme ihre Einladung an" sagte sie schließlich befasst. Was sollte denn schon passieren?
      Immerhin hätte sie dann Montag etwas zum angeben gehabt, hätte stolz sagen können, Vannevar nahm sie mit auf sein Anwesen, er hätte seine Freizeit mit ihr verbracht. Hätten ihre Kollegen es ihr geglaubt? War es überhaupt wichtig? Ja. Angie wollte endlich anerkannt werden, nicht wie ein unwichtiges kleines Arbeitstier. Das keiner in der Firma sie zu schätzen wusste, nervte die junge Journalistin sehr. War ihr die ganze Ego Sache so wichtig? Anscheinend.
      "Ich hätte allerdings noch eine Bitte. Es wäre mir wichtig, ein Foto zu machen.." mit einem lächeln holte Angelina ihre Kamera hervor. "...Ich möchte nichts aus dem Internet aussuchen müssen. Etwas eigenes, wäre mir lieber. Sie selbst können entscheiden wann und wo das Bild gemacht wird. natürlich für mein Artikel. Und heute." Versuchte sie da grade zu handeln? Und wenn schon. Ein Foto einzig und allein für ihre Seiten hätte dem ganzen noch einen zusätzlichen Glanz erteilt. Ja, es war wichtig.