súton [Lucy-chan & medusa]

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    • súton [Lucy-chan & medusa]

      súton - (n.) twilight; the approach of death or the end of something.


      Vorstellung

      @Lucy-chan

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      Er atmete sofort die frische Brise ein, die im unpassendsten Umstand an ihm vorbeiflog. Es war durchaus seltsam, wie erst die Kälte, die durch diesen Hauch verursacht wurde, ihn daran erinnerte, dass er lebendig war. Für diesen kurzen Augenblick entspannten sich seine Sinne. Etwas, was er wirklich brauchte, denn sein Verstand war viel zu angespannt - viel zu sehr darauf bedacht, jede Sekunde von irgendeinem Feind angegriffen zu werden. Eine Sorge, welche in seinem Zustand unnötig war. Insbesondere, wenn man bedachte, dass diese Schlacht ihr Ende gefunden hatte. Endlich. All die unnötigen endlosen Monate auf diesem verdammten Kontinent hatten sich letzten Endes ausgezahlt. Er könnte siegreich in seine Heimat zurückkehren. Bei diesem Gedanken breitete sich ein bitterer Geschmack auf seiner Zunge aus. Heimat - es war wohl nicht richtig, ein Land, das ihn hinter der vorgespielten Maske nicht willkommen hieß, auf diese Weise zu bezeichnen. Dieser Ort war seine Verdammnis, bis zu seinem letzten Atemzug. Sein Zuhause war genau auf der Schlacht, denn hier verfolgte jeder nur eine Aufgabe: das Kämpfen. Oder anders ausgedrückt das Töten, zum Wohle des Vaterlands.
      All diese Fakten änderten trotzdem nichts an der Tatsache, dass er zurückkehren wollte. Es war nicht irgendein Heimweh, welches sich in ihm regte und ihm diese Tat aufdrängte. Nein, es war nur der schlichte Wunsch, endlich die Ruhe haben zu können.
      Den Großteil seines Lebens hatte er zwar entweder auf Schlachten oder in Kämpfen verbracht, doch auch ihm wurde es manchmal zu viel. Vor allem, wenn man sich dafür in einem Reich befand, in welchem gerade die niedrigsten Temperaturen herrschten. Er war ein solches Klima nicht gewöhnt. Deven wusste zwar, dass es auch einige Bergregionen in Helia gab, die kalte Zeiten hatten. Er selbst hatte einige Male diese Ortschaften besucht. Schnee war für ihn demnach kein Neuland. Trotzdem war das Klima in diesem Reich viel zu fremd für ihn. Sein Körper war es einfach nicht darauf bedacht, in einem dicken Wollmantel zu kämpfen, was womöglich der Grund für sein Unbehagen war. Demnach ging er in den Gedanken all die Möglichkeiten durch, die ihn anregten, zurückkehren zu wollen. Das alles redete sich er aber nur ein, denn der eigentliche Grund bestand darin, dass er mitansehen wollte, wie sein errungener Ruhm die ganzen verwöhnten Hochadligen zu schaffen machen würde. Es allein in den Gedanken vorzustellen, war eine Wonne gewesen.
      Erst jetzt öffnete er seine Augen und starrte in den weißen Himmel. Nachdem er seinen Blick senkte, begann er all die Leichen wahrzunehmen, die nicht weit entfernt vor ihm lagen. Unbeteiligt verfolgte er diese Situation. Sein Verstand war eher mit der Vorstellung versessen, wieder in Helia zu sein.

      Stur blickte er auf das dunkle Papier, welches vor ihm lag. Während er mit seinem Zeigefinger auf das Kinn tippte, war er weiterhin mit dem Betrachten beschäftigt. Als würde er versuchen, den Inhalt des Briefes zu verändern. Immer wieder glitt er über die gleichen Zeilen. << Ich hoffe, die Prinzessin von Isan wird vorübergehend in Ihren Händen gut aufgehoben sein. >> Sein Verstand hatte sich nach wie vor geweigert, das zu akzeptieren. Während er die ganze Situation verfluchte, die ihm das Schicksal auferlegt hatte, klopfte es an der Tür. Ein sichtbar älterer Mann, Abhay, trat herein, der sich sofort vorbeugte.
      ,, Sie ist da, Kunwar Tomar.1” Der Krieger nickte nur schlicht, stand im selben Moment von seinem Platz auf und machte sich auf dem Weg zum Haupthof.
      Er selbst hatte vor einem Tag diese Nachricht in die Hände überreicht bekommen. Es war wohl offensichtlich, dass man es absichtlich knapp gemacht hatte, damit er keine Möglichkeit bekam, zu widersprechen. Dieser Narr - zischte er in den Gedanken. Deven war zwar mit dem Kronprinzen befreundet, doch dieser erlaubte sich öfters viel zu viele Sachen. Warum ausgerechnet sein Anwesen?
      Nach der Ankunft in Helia hatte er sich sofort in seine Sommerresidenz zurückgezogen, die sichtbar weit entfernt von der Hauptstadt des Reiches lag. Er wollte zu Beginn abwarten, bis sich die ganze Situation einigermaßen beruhigte und er neue Kräfte sammeln konnte, bevor er vor dem Hochadel trat. Sein Verhalten hatte viele irritiert, das wusste er. Schließlich gehörte der Krieger durch seine heldenhaften Taten zu den wenigen Gestalten, über die am meisten geredet wurde. Er sollte im Grunde genommen diesen Gipfel der Aufmerksamkeit genießen, aber er hatte andere Pläne. Etwas, was ihn all die Jahre seines Lebens gelernt hatten, war, geduldig zu sein und den richtigen Moment abzuwarten. Sich allzu schnell in etwas hineinstürzen, würde nur mehr Schwierigkeiten mit sich bringen als Vorteile.
      Zumindest war das sein Entschluss gewesen. Aber die königliche Botschaft, urplötzlich auf die Prinzessin Acht zu geben, ruinierte das Ganze. Noch dazu musste es ausgerechnet sie sein! Seine Missmut war auf seinem Gesicht nicht zu übersehen, wobei er sich auch kein bisschen die Mühe gab, das zu verbergen. Nicht einmal in seinem privaten Anwesen, wo er einer der wenigen Adligen war, konnte er seine ersehnte Ruhe haben.
      Erst als Deven die unruhigen Bediensteten wahrnahm, realisierte er, dass er den Haupthof erreicht hatte. Die Toren wurden allmählich wieder geschlossen, was gleichzeitig auf das Eintreffen der besagten Gestalt hinwies.
      Nachdem seine Augen durch die ganze Menge schweiften, blieben sie auf einem Transportwagen haften. Bevor er diesen Gedanken zu Ende denken konnte, stieg eine Frau aus diesem. Er blieb einige Meter entfernt davon stehen. Sie würde wohl selbst erahnen, dass er ihre Zielperson war.
      Er blickte flüchtig zum alten Mann, der ihm zunickte.
      Nachdem sich die Adlige ihm näherte, beugte er sich vor ihr vor. Eigentlich war es eine Geste, die er nicht ausrichten wollte. Ihr Reich war von Helia bezwungen worden.
      Seiner Meinung nach konnte sie nicht einmal als eine Prinzessin bezeichnet werden. Aber ihr anstrengender Charakter war ihm schon zu Ohren gekommen. Und das Letzte, was ihm gefehlt hatte, war ein beleidigter Blutegel, der an seinem Hals hing.
      ,, Willkommen in meiner Residenz, Eure Hoheit”, begrüßte er sie mit einem undurchschaubaren Ton und einem Gesicht, das genauso wenig über die eigentlichen Gefühle seines Trägers verriet. Er war dreist genug, um sie auf Helianisch anzusprechen und voraussetzen, dass sie es beherrschte.
      ,, Ich hoffe, Ihre Reise war nicht allzu erschwerlich”, fügte er schnell hinzu. Denn das war sie ganz sicherlich, insbesondere für eine Frau. Sogar er brauchte gefüllte Tage, um von seinem Anwesen in die Hauptstadt zurückzukehren - obwohl er auf einem schnellen Pferd ritt. Deven hatte sich nicht die Mühe gegeben, sich selbst besonders vorzubereiten. Sein Körper wurde von einem schlichten dunkelroten Gewand umhüllt, während die nackte Haut seines Brustbeins deutlich zum Vorschein kam. Es ziemte sich offensichtlich nicht, dass er sich auf diese Weise präsentierte aber darüber machte er sich keine Sorgen.

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      1Thakur: Ein erblicher Titel für einen Herrscher eines kleinen Territoriums, einen kleineren Landadligen oder ein Stammesoberhaupt (,, Baron"). Das Herrschaftsgebiet eines Thakurs wurde Thikana genannt.
      Kunwar: Für männliche Abkömmlinge eines Herrschers. Der Titel sagt aus, dass der Vater lebt und regiert. Wenn der Vater stirbt, geht der Titel des Thakurs auf den Sohn über.

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    • Wer die Pflichttreue bis zum Tod kennt, der wird nicht mehr verwirrt werden von Gewinn und Schaden, Leben oder Untergang.
      Araya

      Die Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch das kleine Fenster, durch welches die Frau die Möglichkeit bekam ein wenig von der Welt zu sehen, die an ihnen vorbei zog. Wie lange sie schon unterwegs war konnte sie nicht mehr sagen, sie hatte sich irgendwann in ihren eigenen Gedanken verloren und zurück an die Zeit vor dem Angriff gedacht, vor allem an den Morgen davor, an welchem sie mit einer Tasse Tee auf ihrer überdachten Terrasse Platz genommen hatte, um einen Blick auf die verschneite Landschaft zu werfen. Ihr Land hatte sich unter einer dichten weißen Decke befunden, die Temperaturen waren deutlich gesunken, aber durch die gläsernen Scheiben konnte die Kälte nicht nach Innen kommen und dennoch wurde ihr der komplette Ausblick gewährt. Es war die letzte Tasse Tee, die sie seit dem getrunken hatte und hätte Araya gewusst, dass es ihre letzte war, hätte sie sich mehr Zeit für diese genommen, hätte vielleicht einen Schluck mehr daraus getrunken und sich einen Moment länger ihre Heimat angesehen, die nun unter Schutt und Asche lag. Der schwarze Schnee, der ihr in die Hände gefallen war hatte sich so anders angefühlt, es war ein fremdes Gefühl gewesen, aber viel Zeit zum Nachdenken war ihr nicht mehr übrig geblieben, kaum war der schwarze Schnee gefallen.
      Araya hatte sich auch in den Gedanken an ihre Mutter verloren, hatte das Bild dieser noch immer vor dem geistigen Auge, kaum schloss sie ihre Augen, um ein wenig Ruhe zu bekommen. Sie waren nicht darauf vorbereitet, sie hatten sich verschätzt, vielleicht auch geirrt, die Zeichen falsch gedeutet, oder die Götter waren nicht auf ihrer Seite gewesen, denn das Land, was einst ihre Heimat war, vor allem auch das Land, welches sie regieren sollte, war mit einem Tag verschwunden, vernichtet, als hätte es niemals existiert. Ihre Angst war groß, es könnte in Vergessenheit geraten, wobei Nǎinai1 ihr stets gesagt hatte, dass nichts in Vergessenheit geraten kann, was in den Erinnerungen noch zu finden sei. Doch, wer würde sich mit der Zeit noch an Isan erinnern? An die harten Winter, in denen das Land unter der dichten Decke aus Schnee zu finden sei? Wer würde sich an die Sommer voller Sonne und blühenden Lebend erinnern? Würde sich Araya selbst mit der Zeit noch an den Ausblick aus ihrem Gemach erinnern? Sie bezweifelte es, auch wenn sie gerne daran fest halten würde, genauso sehr, wie sie gerne an ihrem Land festhalten würde, stattdessen hatte man sie gefangen, man hatte sie fast schon versklavt und das, obwohl sie ihren Befehl korrekt ausgeführt hatte. Sie sollte fliehen, sollte ihren Schimmel aufsatteln und so weit es möglich war reiten, ohne zurück zu sehen und auch wenn es ihr schwer fiel hatte die Frau es getan, sie war geflohen, anstatt mit dem Land unter zu gehen, wie es sich für eine gute Herrscherin gehörte.
      Zu gut erinnerte sie sich noch an die Bilder des Palastes, der im Feuer unter ging und damit an die letzten Momente, in denen ihr Reich noch zu existieren schien, aber was würde nun aus ihr werden? Was würden sie mit ihr machen? War das die Strafe der Götter dafür, dass sie sich umgedreht und zurück gesehen hatte? War das die Strafe dafür, dass sie eine Träne vergossen hatte, bevor sie einfach fort geritten war? Ihre Mutter hatte ihr stets beigebracht, dass sie ihrem Feind niemals ihre Angst und ihre Furcht zeigen sollte, stets den Kopf mit Stolz oben zu behalten, ganz gleich, wie schwer es sein sollte, aber wie konnte man seine eigenen Gefühle zurück halten, wenn man zu sah, wie alles, was einem gehörte, was einen umgab vernichtet wurde?

      Sachte strich sie über die Haarnadel, die ihr geblieben worden war. Alles hatten sie ihr abgenommen, ihr Gold, ihre Krone, lediglich die Nadel durfte sie behalten, als andenken an die Zeit, die gewesen ist, als ein Zeichen für einen Neuanfang und nach den Worten war es Araya noch immer nicht klar gewesen, was sie mit ihr vor hatten. Würde es ihr dort gut gehen? Es könnte ihr niemals wo anders gut gehen, als in Isan selbst, dessen war sie sich bewusst, denn mit dem Untergang ihres Landes ist auch ein Stück ihr selbst unter gegangen, als würde es nicht mehr existent sein. Es hinterließ ein Stück leere, die nur schwer zu füllen war, jedenfalls nicht mit Gedanken und Erinnerungen.
      Soweit die Frau wusste, hatte sie sich in einem Transportwagen befunden, die Hufen der Pferde, die immer wieder auf dem Boden aufkamen, waren schon seit Tagen zu hören und man ließ sie lediglich für die kurzen Halts raus, die die Männer vorne taten. Sie waren grob gewesen, sie hatten ihr aber nur bedingt weh getan und ihr mit der Zeit die Hände gebunden, kaum hatte Araya es wirklich versucht zu fliehen. Sie wollte nichts unversucht lassen und sie wollte ihre Verschleppung auch nicht einfach gestalten, bis zum bitteren Ende würde sie noch kämpfen und ihren Stolz präsentieren, sie würden sie nicht brechen können, sie würden sie nicht zu einer von ihnen machen können. Es klopfte gegen die Wände von außen, einer der Männer schien etwas zu wollen. "Eeee.. Aufwachen! Wir sind bald da!". Die dunklen Augen sahen nach draußen, wollten irgendetwas erkennen, aber bis auf die warme Sonne und das Grün der Bäume war kaum etwas zu erkennen. Mit Mühe hatte die Frau ihre Haare gegriffen und sie mit der Haarnadel befestigt, war in den letzten Tagen schon geübt darin es mit den gefesselten Händen zu tun, aber sie wollte gut aussehen und ihren Stolz behalten, wenn sie gleich den Wagen verlassen durfte. Noch einmal ging sie in sich, atmete durch, um den inneren Geist zu beruhigen und sich darauf gefasst zu machen, was nun auf sie warten wird, da hielten die Pferde auch schon an und Schritte waren zu hören, die sich dem Wagen näherten. Die Türen wurden geöffnet, das Licht strahlte in das dunkle Innere, aber Araya musterte bloß den Mann, den sie die Tage schon mehrmals gesehen hatte. "Aussteigen!", befahl er ihr, was sie sich nicht zwei Mal sagen ließ. Die Prinzessin erhob sich, machte einen Schritt runter vom Wagen, um zu erkennen, dass sie in einem Hof gehalten haben. Menschen waren zu sehen, die Sonne strahlte und die Wärme war für sie zu dieser Jahreszeit ungewohnt, aber den Mantel hatte sie schon sehr früh auf der Reise abgelegt, er war ihr zu warm geworden.
      Ihre Augen musterten die Menschen, die nicht wirklich zu ihr blickten, bis sie an einem ebenfalls dunklen Augenpaar stehen blieben. Es war ein Mann, seine Haut war von der Sonne gebräunt und blickte durch, war gut zu sehen, ein ungewohnter Anblick für Araya, aber bevor ihre Gedanken sich darum sorgen konnten bemerkte sie den Respekt, der ihr durch das Vorbeugen gewährt wurde. Ein wenig verwundert war sie schon, aber ihre Augen blieben gleichgültig, hatten in all den Jahren gelernt die eigentlichen Gefühle nicht preis zu geben, wenn es nicht notwendig war. Der Mann begrüßte sie gleich auf Helianisch, eine Sprache, die die Frau beherrschte, wenn auch nicht so gut, wie ein Einheimischer, aber durch die jahrelange Tradition in Isan wurde sie es gelehrt. Sie hatte es nie verstanden, war nicht davon ausgegangen es nötig zu haben, aber nun erwies es sich als äußerst hilfreich. Nur kurz ließ sie ihre Empörung durch schauen, als sie belustigt schnaubte, kaum hatte der Mann ihre Reise angesprochen, aber sie kommentierte es nicht, es sollte hier kein Gespräch unter Bekannten werden, sie wollte endlich wissen, was es mit dem Ganzen hier auf sich hatte und was man mit ihr vor hatte. Araya musterte den Mann noch einmal, bevor sie ihre Hände in seine Richtung hielt. "Wenn Ihr so gnädig wärt". Sie wollte ihre Fesseln gelöst bekommen, wollte die Freiheit ihrer Hände wieder besitzen und sie benutzen können, wie es ihr lieb war. Sie sprach ihn auf Helianisch an, deutete damit an, dass sie sehr wohl verstanden hatte, was er von sich gegeben hatte, war sich nur nicht sicher, warum er davon ausging sie würde ihn wirklich verstehen. "Wie heißt Ihr?".

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      1 Nǎinai = Anrede für ältere Frauen, in diesem Fall Großmutter.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."

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    • Er gab sich genauso frech das Recht, sie genauer zu begutachten. Sie wirkte ausgelaugt, dafür musste man die besagte Gestalt nicht allzu ergründlich betrachten. Auf den ersten Blick ein Nebeneffekt der Reise, könnte man zumindest meinen. Doch es war auch natürlich offensichtlich, dass dahinter viel mehr steckte. Die Prinzessin eines eroberten Landes, die von den Bezwingern gefangen worden war. Und jetzt befand sie sich im Reich der Sieger, irgendwo im Nirgendwo, wobei in ihren Augen die Helianer viel eher die Unterdrücker waren.
      All diese Tatsachen hatten sich natürlich auf ihrer physischen Erscheinung bemerkbar gemacht. Sie wirkte viel zu zierlich, beinahe abgemagert. Nicht das Bild, was er von einer Prinzessin erwartete.
      Genauso musste Deven feststellen, dass sie ebenfalls nicht die prächtigsten Kleidungen ausgesucht hatte. Ihre Gewänder waren schlicht, viel einfacher als seine. Er wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. War das eine Herausforderung gegen ihn selbst? Wollte sie ihm damit verdeutlichen, dass sie weniger angetan von diesem ganzen Vorhaben war? Wenn das der Fall war, so hieß er es begeistert willkommen. Das würde ihm vieles um Einiges vereinfachen. Jeder von ihnen könnte seinem eigenen Weg folgen, ohne dabei den anderen zu überqueren. Der Krieger hatte keine Angst davor, ihr eine gewisse Freiheit zwischen diesen Wänden zu schenken. Er hatte sowieso Besseres zu tun, als jeden Schritt einer Prinzessin eines unterworfenen Reiches zu verfolgen. Zumal von ihre sowieso keine Gefahr ausgehen konnte, insbesondere nicht in seiner Residenz. Und er würde dafür weiterhin seine übliche Ruhe haben. Somit könnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
      Er wurde aus seinen zufriedenen Gedanken gerissen, als sie ihm ihre Hände hochhielt. Auch wenn sein Gesicht weiterhin regungslos blieb, so erstaunte ihn ihr Verhalten. War das eine isanische Geste, die er durch eine besondere Art zu erwidern hatte? Deven musste erst einmal genauer runterblicken, um es wirklich zu erblicken. Nachdem seine Augen die Fesseln erkannten, hob er seinen eigenen Blick und betrachtete sie diesmal direkt. Ihre weiße Haut, die ihn sofort an Schnee oder das reinste Porzellan erinnerte, wirkte blass - viel zu erschöpft von der ganzen Situation. Der Krieger hatte es schon öfters zu hören bekommen, dass sie von sturer Natur war, obwohl von einer Adligen ihrer Stellung nichts anderes auch zu erwarten war. Aber für ihn war das noch lange nicht der Grund sie anzuketten.
      Ungehemmt blickte er über ihre Schulter - direkt in die Richtung der Wachen, die sie auf der Reise begleitet hatten.
      Der Anblick dieser Garde erzürnte ihn nur noch mehr. Es konnte doch nicht für mehrere Männer eine solche Schwierigkeit darstellen, um auf eine zerbrechliche Frau Acht zu geben.
      ,, Bringt mir einen Dolch", befahl er dem alten Mann, der nicht weit entfernt vor ihm stand. Es dauerte nicht lange, bis Abhay ihm einen kurzen Gegenstand reichte. Dieses abgelegene Anwesen war wohl der einzige Ort in dieser Welt, in welchem Deven keine Waffen ständig bei sich trug.
      Er nahm mit seiner linken Hand ihre entgegen und umfasste diese fest. Mit sicheren Bewegungen durchschnitt er den Hauptknotten, sodass der Rest der Fesseln von allein auf den Boden fiel.
      Der Krieger wusste nicht, ob sie tatsächlich seinen Namen nicht kannte oder sich einfach vornahm, eine Ahnungslose zu spielen.
      Die erste Variante würde seine Situation nur noch verkomplizieren. ,, Ich bin Deven Aan Tomar", entgegnete er nur knapp und zog den Dolch wieder zurück.

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    • Araya

      Die Frau hatte kein Problem damit zu fordern, was ihr zustand, auch wenn sie sich in diesem Moment bewusst war, dass ihr eigentlich nichts zu stand. Sie war eine Gefangene, auch wenn ihr Gefängnis ganz anders aussah, als sie es sich vorgestellt hatte, denn Araya nahm an, man würde sie in einen Kerker schmeißen, sie dort sich selbst überlassen lassen, auch wenn das alles noch immer geschehen konnte. Dieser Ort hier war einfach ruhig, in manchen Ecken auch sicherlich wunderschön, die Natur blühte hier, die Sonne schien warm in den Hof hinein, ihre Kleider waren für solch ein Wetter nicht gut getroffen, aber man hatte sie mitten in ihrer Flucht ergriffen, da gab es keine Möglichkeit sich anders zu kleiden.
      Araya wollte ihre Fesseln gelöst haben, hatte dem Mann deshalb auch die Arme hin gehalten und seine Reaktion abgewartet, ob er denn auch bereit war diese wieder zu lösen. Sein Gesicht zeigte keine Regung, aber kaum blickten seine Augen runter zu ihren Händen schien der Mann zu verstehen, was sie von ihm haben wollte, jedenfalls fühlte es sich stark danach an, als er wieder zu ihr hoch sah. Er betrachtete sie wieder nur zunächst, da wartete die Schwarzhaarige auf eine Regung, wartete auf eine Antwort, denn sie war nicht dumm und bevor sie nicht wusste, was sie mit ihr vor hatten wollte sie sich keinerlei Chancen verbauen. Es war ein sehr egoistisches Denken, welches sie selbst gerade auch ein wenig innerlich verwunderte, aber es gab auch nur noch sie selbst und niemanden anderen mehr, um den sie sich sorgen musste. Wenn sie eine Möglichkeit zur Flucht finden würde musste sie nur auf sich achten müssen, was einen gewissen Vorteil mit sich brachte.
      Die Augen wurden von ihr runter genommen, blickten an ihr vorbei, bevor schon ein Befehl zu hören war, der Araya schnell deutlich machte, dass sie ihren Willen bekommen wird. Der Mann wollte einen Dolch gebracht haben, noch immer hielt sie ihm ihre Hände hin, das Gefühl sich damit in einer gewissen Weise zu unterwerfen war unangenehm, aber der erhobene Kopf deutete noch immer an, dass sie nicht kampflos aufgeben wird, ganz gleich, was sie erwarten wird. Eine große Hand griff nach ihrer, sie fühlte sich warm, aber rau an, fast schon so, wie sich Araya die großen Hände vorgestellt hätte. Es kribbelte auf ihrer Haut, als die kalte Klinge ihre für einen Moment berührte, aber genauso schnell, wie dieses Gefühl auch wieder verschwand, so schnell waren ihre Handgelenke von den Fesseln befreit. Innerlich seufzte die Frau zufrieden, allein das Gefühl nicht mehr eingeschränkt zu sein war angenehmer, vertrieb die Ängste und Sorgen, die sie noch immer plagten. "Habt vielen Dank", bedankte sie sich auch gleich schon mit einem leichten Nicken, denn trotz der Tatsache, dass sich hier zwei Feinde, auf einem feindlichen Territorium gegenüber standen konnte verlor die Frau ihre guten Manieren nicht. Nǎinai hatte ihr immer wieder erzählt gehabt, dass man auch seinem Feind gegenüber niemals die Höflichkeit verlieren sollte, denn auch das zeugte von Mut und Stärke, aber hätte ihr die ältere Frau nicht noch andere Ratschläge mit auf den Weg geben können? Welche, die sie jetzt aus der Situation befreien würden?
      Sie fragte den Mann nach seinem Namen, wollte wissen, wen sie sich gegenüber hatte, gegen wen sie jetzt zu kämpfen hatte. Um ehrlich zu sein wusste Araya nicht wirklich, wen sie vor sich hatte, bis auf die Tatsache, von der Kriegerfamilie Tomar schon gehört zu haben. Einen Krieger hatte sie somit vor sich, interessant, auch wenn die Postur des Mannes ganz sicher darauf hindeutete, doch was sollte sie hier, bei ihm? Was hatte man wirklich mit ihr vor? "Araya von Isan", stellte sich die Frau letztendlich vor, auch wenn sie sich dessen bewusst war vermutlich schon bekannt bei dem Mann zu sein. Der Form halber hatte sie ihren Namen ausgesprochen, es war eine Form von Taktik, die sich langsam in ihrem Kopf bildete, auch wenn Araya noch nicht wirklich sagen konnte, wohin es sie führen sollte. Sie wollte sich ihre Möglichkeiten alle offen lassen, wollte abwarten und beobachten, ihre Augen waren keinen Moment von dem Mann gewichen, der vor ihr stand. "Nun, würdet Ihr mir verraten, was Ihr mit mir vor habt?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Deven hätte es sich wohl niemals ausgemalt, dass er jemals in seinem Leben eine Prinzessin aus ihren Fesseln befreien würde.
      Aber die Realität konnte einem auf unerwartete Weise mit unerwünschten Überraschungen bescheren. Er ließ ihre Hand wieder los, während seine Fingerspitzen immer noch ihre Wärme verspürten. Der Krieger nickte nur schlicht, nachdem sie sich ebenfalls vorstellte. Es war offensichtlich, dass er aufgeklärt darüber war, um wen es sich genau bei der Vorderfrau handelte.
      Das waren wohl die seltsamen Floskeln der Etikette, welche die zierliche Adlige zu seiner Verwunderung einhielt. Vielleicht war es auch eine gewisse Dankbarkeit ihrerseits, dass er sie endlich von den durchaus festen Fesseln befreit hatte. Die Erleichterung verschwand jedoch genauso schnell aus ihrem Gesicht, wie sie gekommen war. Das konnte Deven genau beobachten. Ihn funkelten nur dunkle Augen an, die den Hass ihrer Trägerin zu gut verdeutlichten.
      Eine solche Stimmung konnte er ihr nicht wirklich verübeln, aber ihr Gemütszustand interessierte ihn auch wenig.
      Er wollte diese sinnlose Zeremonie schnell hinter sich bringen. Wenn sie die ganze Fahrt mit verbundenen Händen in diesem Transportwagen verbracht hatte, so konnte sich der Krieger durchaus gut ausmalen, wie erschöpft sie sein musste. Er würde demnach ihr genauso einen Gefallen tun, wenn er weiterhin nicht um den heißen Brei redete.
      ,, Sie sollten diese Frage wohl eher dem Kronprinzen stellen, ich weiß genauso wenig wie Sie", erwiderte er nur ruhig und entgegnete ihren direkten Blick. ,, Ich wurde lediglich damit beauftragt, Sie in meiner Residenz aufzunehmen."
      Deven hatte einige Vermutungen, warum sie ausgerechnet zu ihm gebracht wurde. Der erste Faktor war wohl die Abgelegenheit dieses Anwesens. In der Hauptstadt herrschte ein Tumult. Die Euphorie über den Sieg des langjährigen Feindes war viel zu groß. Mitten in diesem Durcheinander konnte nicht vorausgesagt werden, was für eine Auswirkung die Prinzessin des bezwungenen Reiches verursachen könnte.
      Es war demnach schlauer, abzuwarten, bis der ganze Sturm vorüberging. Im Grund genommen, war es auch der Grund, weshalb sich der Krieger selbst in seine Residenz zurückgezogen hatte. Hinzu kam noch die Tatsache, dass ihr Leben natürlich in Gefahr schwebte. In diesem Fall wäre sie in einem fernen Ort sicherer - weit weg vom Zentrum der Aufmerksamkeit. Die ganze Situation war viel zu ungeordnet. Es war wichtig, Geduld zu haben und zu schauen, wer genau die Feinde waren, um sie im richtigen Moment, auf die Knie zu zwingen. Schließlich waren nicht alle Helianer, insbesondere hochadlige Kriecher, erfreut über den Sieg des eigenen Reiches.
      Deven verstand, dass ihm der Kronprinz großes Vertrauen schenkte, indem er sie ihm überreichte. In seinen Händen lag wohl eine größere Verantwortung, welcher er sich zu Beginn erst gar nicht bewusst geworden war.
      ,, Sie hatten eine anstrengende Reise hinter sich", ergriff er gekonnt das Wort. Seine Arme waren diesmal verschränkt, während er weiterhin auf sie runterblickte. ,, Ich werde Sie zu ihren Gemächern begleiten", gab er kund. Eigentlich hatte er es überhaupt nicht vor, aber der Krieger musste gestehen, dass es ihm in keiner Hinsicht schaden würde, es zu tun. Sie hatten sowieso den gleichen Weg vor sich und er könnte ihr gleichzeitig einige Regeln klarstellen.
      Ohne auf ihre Zustimmung zu warten, drehte sich Deven um und schritt langsam vor. Die Bediensteten blickten sich erst gegenseitig nervös an und dann die beiden. Die Ankunft dieser Prinzessin hatte jeden in diesem Anwesen unerwartet getroffen.
      Niemand war schließlich gewohnt, hier Besucher zu haben - bis auf den Erben der Tomarfamilie natürlich.
      In den Augen der Dienerschaft war es kein gutes Omen, die unterworfene Tochter einer Kaiserin unter dem gleichen Dach zu haben.

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    • Araya

      Am liebsten würde die Schwarzhaarige auf der Stelle kehrt machen und zurück in ihre Heimat fliehe, von der vermutlich nichts wirklich mehr über war, stattdessen stand sie hier, in den warmen Sonnenstrahlen, in Mitten eines Hof eines helianischen Kriegers, der scheinbar selbst nur wenig Ahnung davon hatte, was man mit ihr vor hatte, wie sie erfuhr. Er sollte sie lediglich in seiner Residenz aufnehmen, ging man hier wirklich so mit seinen Kriegsgefangenen um? Oder war es nur der Anfang des Endes? War es eine nette Überraschung, bevor die nächste Zeit wieder ungemütlicher sein wird? Araya wusste es nicht, sie würde es scheinbar aber früh genug erfahren, auch wenn sie diese Unwissenheit nicht wirklich leiden konnte, aber die Götter hatten ihr ihr Schicksal schon besiegelt und entschieden, da konnte sie sowieso nichts wirklich dran ändern, auch wenn sie sich mal ihnen wieder widmen sollte, um ihr Karma wieder bereinigen zu können.
      Seine dunklen Augen blickten direkt in ihre zurück, aber die Prinzessin wich nicht mit ihrem Blick aus, sie hielt ihm stand und konnte es sich kaum vorstellen weg zu blicken, um dem Mann einzugestehen sie würde sich vor ihm fürchten. Tat sie das überhaupt? Dessen war sie sich nicht wirklich sicher, aber sie hatte einen gewissen Respekt für ihn übrig, für das Befreien ihrer Hände aus den Fesseln, die man ihr angelegt hatte. Deven hatte nicht gezögert gehabt, er hatte sie einfach befreit und vielleicht sollte sie alleine deshalb den Mann mit in ihr Gebet einschließen, als Dank, aber darüber würde sie sich noch später Gedanken machen können, zunächst war es wichtiger herauszufinden, was sie hier wirklich sollte.
      Einen Moment lang hatte keiner der beiden gesprochen, aber die Luft zwischen den beiden schien mit jeder Sekunde immer dicker zu werden, es schien, als würde keiner nach geben wollen, als würden sie sich beide keine Niederlage einstecken wollen. Mit dem Moment, in welchem sie vor allem versuchte in die Seele hinter den Augen zu blicken realisierte Araya relativ schnell, dass sie vielleicht einen harten Gegner an ihre Seite gestellt bekommen hatte, etwa eine Prüfung der Götter, um sich in diesem Leben noch beweisen zu können?
      Es war Deven, der seine Stimme wieder erhob und fest stellte, dass die Reise anstrengend gewesen ist, was sie in der Tat war. Araya hatte Hunger, sie war aber vor allem auch müde, auch wenn sie sich ihre Müdigkeit noch nicht eingestehen wollte. An richtigen Schlaf war einfach in dem Transportwagen nicht zu denken, wenn man bedachte, dass die Männer, die diesen führten, jegliche Möglichkeiten hatten jeder Zeit in diesen hinein zu gelangen und vor Übergriffen wollte sich die Prinzessin nun wirklich schützen. Aber es würde wohl wirklich einen Rückzugsort für die Frau geben, ihr wurde verkündet sie zu den Gemächern zu begleiten und es war wieder ein Moment, der sie nur noch weiter verwunderte. Sie war eine Gefangene und in jeglichen Geschichten, Büchern und Erzählungen, die sie gelesen hatte, wurde keiner der Gefangenen so behandelt, war es jetzt ein schlechter Scherz? Oder wollte man sie testen? Doch der Mann wartete nicht auf ihre Worte, er war derjenige, der den Blickkontakt abbrach und und umdrehte, um langsam in Richtung des Eingangs zu gehen. Ihre dunklen Augen musterten seine Rückseite, Araya war sich nicht sicher, was vor allem die unsicheren Blicke auf ihr bedeuten sollten, aber kurzerhand ergriff sie ihr Kleid, um es leicht anzuheben, um die kleine Treppe zu überwinden, bevor sie mit einem sicheren Abstand auch schon ins Haus folgte, in welchem sie hoffentlich ihre Ruhe finden würde. "Lebt Ihr alleine hier?", erhob die Frau ihre Stimme. Sie wollte nicht plaudern, kein Anstandgespräch führen, aber sie wollte sich erkundigen, was wohl hier auf sie zukommen wird.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lucy-chan ()

    • Nachdem er bemerkte, dass sie ebenfalls ihm folgte, verlangsamte er sein Tempo. Er eilte nirgendwo hin, ihm stand schließlich jegliche Zeit der Welt zu. Außerdem hatte er kein großes Interesse daran, eine ausgelaugte Kriegsgefangene noch stärker zu quälen. Sie hatte in diesen Fesseln wohl ausreichend genug gelitten. Da sich der Großteil der Dienerschaft im Haupthof versammelt hatte, waren die Gänge eher leer - mit Ausnahme von den beiden. Durch ein leichtes Nicken hatte er dem alten Mann rechtzeitig verdeutlicht, dass es dieser nicht nötig hatte, ihnen zu folgen. Demnach hatte sich Abhay vorgenommen, die Bediensteten wieder an ihre Aufgabe zu erinnern, anstatt anzuschauen, wie diese ihre Zeit durch unnötige Spekulationen über die angetroffene Prinzessin vergeudeten.
      Deven rollte seine Augen zur Seite, um sie aus diesem Blickwinkel wieder betrachten zu können. Sie zeigte eine unerwartete Neugier.
      Er wusste nicht wirklich, was er davon halten sollte. Womöglich war das ihr Versuch, um einer unangenehmen Stille zu entgehen.
      Ihr sollte es doch eigentlich lieber sein. Vor ihr stand letzten Endes einer der wichtigsten Eroberer ihres Reiches - ihrer Heimat, welcher sie geraubt wurde. An ihrer Stelle hätte er mit großer Wahrscheinlichkeit kein einziges Wort von sich gegeben. Aber der Krieger konnte nicht erwarten, dass jeder seine Vorstellungen haben würde.
      ,, Kann man wohl sagen", entgegnete er schlicht und mit seiner üblichen Stimme, die einen deutlichen Hauch an Gleichgültigkeit in sich trug. ,, Ich habe diese Sommerresidenz vor Jahren erbauen lassen", begann Deven zu erklären, während sein Blick diesmal nach vorne gerichtet war, ,, andere Adlige verirren sich ungern hier, da dieser Ort als verflucht gilt." Ein leichtes Lächeln, das kein jegliches Anzeichen an tatsächlicher Freude trug, bildete sich auf seinem Gesicht.
      Dieses Anwesen war nicht verdammt, weil hier irgendwelche Geister oder Dämonen ihr Unwesen trieben. Nein, die Ursache lag in ihm selbst. Ein Ort, welches von einem Dalit-Bastard erbaut wurde, konnte nur Unsegen mit sich bringen. Und jeder wollte verhindern, den Zorn der Götter auf sich ruhen zu haben. Es störte Deven in keiner Hinsicht. Im Gegenteil, er sah darin einen besonderen Vorteil.
      Auf diese Weise war er vergewissert, dass er keine unnötigen Besuche von aufdringlichen Adligen, die er nicht duldete, bekam. Da die Prinzessin in den frühen Stunden angetroffen war, herrschten hier angenehm warme Temperaturen. Die Gänge sowie die restlichen Zimmer dieses Anwesens waren mit breiten Öffnungen an den Wänden gekennzeichnet, wodurch die Räume vom Licht durchflutet wurden. Es erweckte beim Betrachter eine gewisse Idylle. Die roten Sandsteine, aus welchen die gesamte Residenz erbaut worden war, verstärkten die Wirkung der Sonnenstrahlen. Nur der kleine Tempel, den man beim Vorbeigehen aus der Entfernung erblicken konnte, unterschied sich durch die weiße Farbe, da dieser mit Platten aus Marmor verkleidet war.
    • Araya

      Wie früh es noch war konnte Araya nicht mehr sagen, sie hatte jegliches Gefühl für die Zeit verloren, seit dem sie in diesem Transportwagen gefangen gehalten worden war, aber die Sonne schien schon in voller Helligkeit und es war angenehm war gewesen, vielleicht neigte sich der Tag auch schon dem Mittag zu? Zu gerne würde die Frau wissen, wie warm es hier überhaupt werden konnte, auch wenn die Temperaturen jetzt schon deutlich wärmer waren, als die in Isan. Dort würde das Königreich mit Sicherheit noch immer unter einer dichten Schicht Schnee stecken, wenn das Feuer sich nicht vom Palast aus schon weiter ausgebreitet hatte. Der Unterschied war unter den Klamotten merkbar, Araya war zu warm angezogen für den Hof hier, aber sie merkte nichts an, ließ vor allem sich nicht anmerken, mit Sicherheit würde es eine Möglichkeit geben ihre Kleider zu wechseln, wenn schon Gemächer für sie bereit standen.
      Das Kleid hatte sie los gelassen, kaum waren sie auf einer ebenen Fläche angekommen, war dem Mann gefolgt, den sie danach gefragt hatte, ob er alleine hier leben würde. Er bestätigte diese Frage, die sich Araya einfach abspeicherte, sie würde somit außer den Bediensteten niemanden anderen mehr erwarten können, was sich schon als Vorteil erweisen könnte, aber sie musste nicht lange auf die nächsten Worte warten, dann wurde ihr auch schon näheres zu diesem Ort hier erzählt. Es war eine Sommerresidenz, deshalb war es hier auch angenehm warm, aber viel Interessanter war die Tatsache, dass dieser Ort hier verflucht sein soll. Belustigt schnaubte die Schwarzhaarige ein wenig, bevor sie ihren Kopf ein klein wenig schüttelte. "Kaum zu glauben, dass ein solch schöner Ort verflucht sein soll", gab sie ihren Kommentar dazu ab, auch wenn sie vorerst nicht weiter nachfragen wollte, warum denn hier ein Fluch herrschen sollte, vor allem was für einer. Wenn man sich mit den Göttern verscherzte konnte man über mehrere Generationen hinweg bestraft werden, aber würden die Götter wirklich einen solch schönen Ort hier verfluchen? Es war grün, es war wundervoll warm und die Mauern wirken alles andere, als kalt und abstoßend. Letztendlich konnte es Araya nicht wissen, sie fand es nur amüsant, dass man sie gleich an solch einen Ort brachte, wenn schon die Götter gerade nicht auf ihrer Seite standen, aber das sprach sie nicht aus, sie blickte sich lieber um, um Deven zwar zu folgen, sich aber nichts entgehen zu lassen, was denn hier zu sehen war. Es war vor allem ruhig, ganz anders, als sie es aus Isan und ihrem Palast kannte, aber wenn dieser Ort hier ihre Bestrafung sein sollte, was würde noch auf sie zu kommen? Würde sie leiden müssen? Mit solch einem Anblick würde es wenigstens erträglicher werden.
      Araya folgte dem Mann weiter, sie blickte beim Vorbeigehen auf den kleinen Tempel, der sich mit dem weißen Marmor von dem Rest unterschied, sie fragte sich aber auch vor allem für einen Moment, ob der Mann vor ihr wirklich mit einem Glauben gefüllt war. Ganz gleich, welchen Göttern der Tempel auch gelten sollte, es würde für die Frau selbst eine Möglichkeit geben sich vielleicht zurück zu ziehen, je nachdem, was sie überhaupt auf dem nächsten Weg erwarten wird. Sie wollte vor allem auch ihrer Mutter den Weg nach dem Tod ermöglichen, sich verabschieden, beten, aber ob es ihr denn überhaupt erlaubt wird?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • ,, Das frage ich mich auch", erwiderte er mit einem kaum bemerkbaren aber dennoch amüsierten Unterton. Dieses Anwesen war viel zu schön - viel zu friedvoll um verflucht zu sein. Er war derjenige, der in dieses märchenhafte Paradies nicht hineinpasste. Dieser Ort benötigte jemanden, der einen feinfühligen Charakter besaß und keinen gnadenlosen Krieger, dessen Hände durchtränkt von Blut waren. Aber dennoch war Deven genau die besagte Person, die diese Residenz errichten lassen hatte. Jede Ecke, insbesondere der Garten, war unter seinen Anweisungen erbaut worden. Man könnte wohl denken, dass er eine unerwartete ideenreiche Ader besaß. Das war jedoch bei weitem nicht der Fall. Die Fähigkeit zu fantasieren, lag ihm eindeutig nicht, dafür war seine Vorstellungskraft viel zu trocken.
      Aber eine ganz gewisse Person, die schon seit einer Ewigkeit für ihn nur eine bittere Erinnerung war, hatte ihn immer über solche Sachen vollgeredet, sodass sich diese Vorstellungen in seinen Verstand eingravierten.
      ,, Habt Ihr eigentlich den Kronprinzen getroffen? Wer hat Euch hier hergebracht?", diesmal nahm sich Deven vor, sie auszufragen. Er wunderte sich, ob sie die ersten Bekanntschaften mit dem helianischen Hochadel machen durfte. Falls er es aus den ganzen Erzählungen richtig aufgenommen hatte, so wurde die Prinzessin während der Flucht gefangen genommen. Das machte es wahrscheinlich noch unerträglicher für sie.
      Die beiden hatten schon den Westflügel dieses Anwesens erreicht - der Bereich, in welchem die wenigen Gemächer lagen. Da dieser Ort nicht dafür vorgesehen war, dass hier viele verwöhnte Adlige übernachteten, gab es hier auch demnach wenig Schlafräume.
      Kurz gesagt, Zimmer, die irgendwelchen Wohlhabenden gerecht wären. Der Ostflügel gehörte nämlich der ganzen Dienerschaft und den Wachen. Es war nicht unmöglich, die Prinzessin auch dort unterbringen zu lassen. Aber das war Deven erst gar nicht in den Sinn gekommen. Er hatte ihr ein Gemach zugeteilt, welches mit seinem im gleichen Gang lag. Auf diese Weise könnte er sie besser unter Kontrolle halten. Außerdem war es ihm dadurch möglich, unangenehme Situationen zu vermeiden. Das war zumindest der Plan. Noch dazu konnte er niemals erahnen, ob die Diener sich irgendeinen Spaß mit ihr erlauben würden. Wenn ihr irgendetwas angetan werden sollte, dann müsste er sich letzten Endes vor dem Kronprinzen stellen. Und es war durchaus erniedrigend, wenn er nicht die Sicherheit einer zierlichen Frau hätte gewährleisten können.

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    • Araya

      Der Ton hatte sich für einen Moment verändert, als der Mann wirklich auf ihre Bemerkung antwortete, aber nur für den Moment, in welchem die Worte fielen. Es war ein solch schöner Ort, Orte waren seltener verflucht als es Menschen waren, jedenfalls nach dem, was Araya wusste, aber ein Fluch über einem Mitglied einer Kriegerfamilie würde weniger verwunderlich sein, als ein Fluch über dieser schönen Ortschaft hier. Wie fiel Blut wohl über die Hände geflossen war, die sie gerade eben noch von den Fesseln befreit hatten? Sie hatten sich rau angefühlt, fühlten sich so die Hände von denen an, die das eigene Land zu einer Niederlage zwangen? Die Fragen häuften sich, je mehr Araya über das Alles hier überhaupt nach dachte, aber sie war sich dessen sicher, dass sie ohne Antworten leben musste, irgendwie würde sie sich damit schon abfinden können.
      Ihre Augen musterten die meiste Zeit alles andere, was sie zu sehen bekam, musterten die Rückseite des Mannes erst wieder, als dieses Mal er ihr eine Frage stellte. Er wollte wissen, ob sie den Kronprinzen schon gesehen hatte, was würde ihm diese Antwort bringen? Nein, viel schlauer wäre es gewesen zu fragen, wer sie denn eingefangen hatte, oder wie dämlich man sein konnte, um sich einfangen zu lassen.. Wie dämlich man sein konnte zurück zu sehen, um eine Träne über den Tod und den Untergang ihres eigenen Volkes zu vergießen, aber diese Dummheit würde die Schwarzhaarige nicht noch einmal tun, sie habe aus ihrem Fehler gelernt, wenn die Götter ihr hiermit eine Lektion erteilen wollten.
      "Bedingt", antwortete sie und musterte das breite Kreuz des Mannes vor ihr. Seine Haut glänzte ein wenig von der Sonne aus dem Hof, es waren mit Sicherheit hier und da auch Narben zu erkennen, aber so nah wollte sie ihm wirklich nicht kommen. "Er hatte entsetzt in den Transportwagen gesehen, ließ mich meines Schmucks berauben, bevor er den Befehl ausgegeben hatte mich weiter zu transportieren", erklärte Araya dann weiter und ließ ihren Blick wieder zu der Aussicht gleiten, die ihr geboten wurde. "Und her gebracht haben mich die Männer, die Ihr am Wagen sehen konntet.. Scheußliche Kreaturen mit mangelnden Erfahrungen.. Mit gierigen Fingern und noch dazu tieferen Schlaf, als es Kinder haben.. Aber das brauche ich Euch mit Sicherheit nicht zu erzählen". Deven schien nicht, als würde er für eine Plauderei war über haben, außerdem war es nicht relevant darüber jetzt zu sprechen, es war nichts, was die beiden auch nur irgendwie weiter bringen würde. "In welcher Region befinden Wir uns?". Die Prinzessin hatte zwar nur wenig Ortskunde über Helia lernen können, aber ein wenig konnte sie über den einst großen Verbündeten Isans mit nehmen, sie hätte nur niemals gedacht, es jemals zu gebrauchen, genauso sehr wie Helianisch, aber man konnte auch des Besseres gelehrt werden. Die andere Frage, die sie sich stellte war gleich auch, warum der Mann vor ihr wirklich vorausgesetzt hatte, sie könnte ihn verstehen. Großer Wahn, mit einem noch größeren Egoismus, oder schien der Mann vielleicht doch ein wenig gebildeter zu sein?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ihre Antwort irritierte den Krieger. Er soll sie beraubt und dann weitgeschickt haben? Der Kronprinz? Das konnte nicht sein, darüber war sich Deven sicher. Entweder log sie ihn dreist an, was er eher bezweifelte. Es würde ihr schließlich nichts bringen, um ihn irgendetwas aufzutischen. Zumal sie offensichtlich selbst wusste, dass irgendwelche unwahren Bemerkungen über den zukünftigen Herrscher für sie gefährlich sein konnten. Insbesondere, wenn sie ihm diese erzählte. Die Prinzessin hatte ihn wahrscheinlich mit jemandem anderen verwechselt - das war die einzig plausible Erklärung, die er zu finden vermochte.
      Etwas anderes war einfach schier unmöglich. Wozu würde es Sanjiv überhaupt nötig haben? Er war schließlich der Kronprinz eines des mächtigsten Reiches. Das Letzte, was er brauchte, war, irgendeine gefangene Prinzessin zu berauben.
      Deven ging nicht auf ihre Bemerkungen über die Wachen ein, die sie hergebracht hatten. Für einen Moment wunderte er sich, was sie genau mit gierigen Fingern meinte. Er wünschte ihr natürlich nicht, dass sie Erfahrungen solcher Sorte machen musste.
      Sie war letzten Endes nur ein Opfer eines Krieges gewesen, in welchen sie gegen ihren eigenen Willen gedrängt wurde. Nichts, was man ihr vorwerfen konnte, weil sie dafür keine jegliche Schuld trug. Diesen Konflikt zwischen den beiden Reichen hätte es sowieso auch ohne sie gegeben.
      Aber gleichzeitig wusste Deven genau, wie Männer sein konnten. Vor allem, wenn ihnen die gesamte Macht zustand und ihnen keine Konsequenzen drohten. Solange sie unter seinem Dach war, würde er für ihre Sicherheit sorgen. Der Krieger verstand, wie man richtig seine Aufgaben zu erfüllen hatte. ,, Wir befinden uns im Süden Helias", erklärte er ihr ruhig, ,, nicht weit entfernt erreicht man auch das Haad-Gebirge." Ohne große Achtung zu schenken, gab er ihr diese Information kund. Es interessierte sie mit Sicherheit kein bisschen.
      ,, Nicht der beste Ort für eine Flucht aber", ergänzte er sofort mit einem bissigen Unterton und drehte sich zu ihr um, ,, dort wuchert es von Räubern. Wirklich scheußliche Kreaturen - im wahrsten Sinne des Wortes."
      Während er ihr das unter die Nase schob, hatten sie schon den besagten Gang erreicht. Er blieb vor der Tür stehen, die in ihre Gemächer führte.
      ,, Da wären wir wohl."

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    • Araya

      Die Situation war ein wenig überspitzt dargestellt worden, vor allem auch nur kurz zusammen gefasst, denn wirklich erklären, was da im Hof geschehen war konnte die Frau selbst nicht erklären. Sie war hin gebracht worden, nach einer Reise, dessen Tage sie auch nicht wirklich zählen konnte, man hatte die Türen zu dem Transportwagen auf gemacht und da hatte sie ein paar blauer Augen angesehen, als könnten sie sich nicht vorstellen, was die Prinzessin hier zu suchen hatte. Sie hatten sich nie in ihrem Leben getroffen, vielleicht in einem der vielen früheren Leben, wer wusste das schon, aber erkannt hatte sie ihn dennoch, was vermutlich auf der Krone auf dem dunklen Schopf lag, oder dem Auftreten, bei welchem sie zu gerne laut los gelacht hätte. Es war eine merkwürdige und vor allem angespannte Situation und kaum hatte sich der Kronprinz satt gesehen wurde ihr Essen gebracht und die Türen waren wieder zu. Wie lange sie im Hof gestanden haben wusste Araya auch nicht, es konnte ein halber Tag gewesen sein, bevor der Wagen wieder in Bewegung gebracht wurde und die Pferde den gepflasterten Weg auch wieder zurück nahmen, es konnte auch weniger sein, aber das Schlimmste waren nicht die fehlenden Worte, oder Erklärungen, das Schlimmste war die Tatsache, dass diese schmierigen Männer, die sie auch her gebracht wurden ihr ihren Schmuck abnehmen durften, auf den Befehl des Kronprinzen hin. Den Befehl hatte sie nie gehört, aber sie wollte man sich in ihrer Situation gegen diese gierigen Hände wehren? Ihre Krone hatten sie ihr genommen, ihren Talisman, Armreifen und ihr Fußkettchen, lediglich die Nadel konnte sie verteidigen, wie gnädig.
      Es gab keine weiteren Bemerkungen zu ihrer kurzen Erklärung, mehr war scheinbar auch nicht nötig, aber die Schwarzhaarige würde sich mit dem Kronprinzen gerne mal unterhalten, um ihm vor allem ein paar richtige Takte zu sagen, wie er es verdiente, auch wenn es den Mann vernutlich nur wenig interessieren würde. Den Gedanken verwarf sie deshalb auch wieder und fragte lieber danach, in welcher Region sie hier waren, die Antwort darauf war ein klein wenig.. Schockierend.. Im Süden Helias waren sie hier gewesen, das war, je nach wirklicher Lage im Süden, eine ganze Ewigkeit von Isan entfernt, man brachte sie wirklich so weit von ihrer Heimat, wie es nur möglich gewesen ist. Es wurde ihr jedoch weiter geantwortet, der Mann vor ihr sprach von dem Haad Gebirge, da endeten aber auch die geographischen Kenntnisse Arayas über das fremde Land, sie hatte nicht sonderlich viel hier drüber gelernt, das Nötigste, was eher der langen Tradition geschuldet war, die entstanden war, als die beiden Nationen noch verbrüdert waren, das war aber auch einige Zeit her, einige vielen. Nǎinai hatte es nicht einmal wirklich mitbekommen, sie hatte davon gesprochen, dass es selbst vor ihrer Zeit gewesen ist, aber der Auslöser für die Verfeindung beider Länder war so banal.
      Die Gedanken an die damalige Zeit wurden unterbrochen, als Deven weiter sprach und vor allen davon sprach, dass das Gebirge nicht der beste Ort für eine Flucht war. Würde er ihr eine zutrauen? Das würde Araya zu gerne wissen, ob er wirklich davon ausgehen würde, dass sie zu einer Flucht in der Lage war, aber stattdessen blickten ihre dunklen Augen nach seinen, um sie für den Moment zu mustern, in denen sie zu ihr gesehen hatten. Scheußliche Kreaturen sollen dort ihr Unwesen treiben, was ihr gleich ein sachtes Schmunzeln auf die Lippen trieb. "Klingt schon fast so, auch würde Euch schon eine begegnet sein", stellte sie fest und wollte gar nicht provozieren, ein wenig necken nur, um eine Reaktion zu sehen, um ihm endlich eine zu entlocken.
      Viel weiter mussten die beiden aber auch nicht laufen, der Weg schien durch das wortkarge Gespräch dennoch kürzer gewesen zu sein, aber der Mann verkündete vor einer Tür, dass sie wohl angekommen waren. Araya blickte zu ihm hoch, bevor ihre Augen raus blickten, aus der nächsten Öffnung in der Mauer, einen schönen Ausblick würde sie haben, aber an einen Kerker erinnerte hier nichts.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Zog sie ihn etwa ebenfalls auf? Das war ein durchaus gelungener Konter. Die Gerüchte über ihre höhnische Natur schienen mehr als der Wahrheit zu entsprechen. In ihrem Fall war es womöglich sogar eine gute Eigenschaft, auch wenn sie eine Frau war.
      Deven bezweifelte, dass sie im anderen Fall nach all den anstrengenden Ereignissen, die sie durchleben musste, mit einem erhobenen Kopf neben ihm herlaufen könnte. Andere adlige Frauen wären an ihrer Stelle schon längst zusammengebrochen. Als ein Krieger schätzte er Charakterstärke.
      Er schaute mit seinem weiterhin ernsten Gesicht auf sie runter. ,, Euch wird eine persönliche Dienerin zugeteilt werden", begann er zu erklären, während er seine Arme verschränkte. ,, Ich werde einen Arzt schicken lassen, um den Wunden zu helfen", kühl blickte er auf ihre Handgelenke, welche aufgrund den engen Fesseln deutlich blau angeschwollen waren. In diesem Moment realisierte Deven, dass er sich die Männer, die die Prinzessin hergebracht hatten, vornehmen musste. Er würde ein Verhalten solcher Respektlosigkeit nicht einfach davon kommen lassen. Insbesondere nicht auf seinem Land. Wenn er sich an deren Kleidung erinnerte, so konnte er feststellen, dass es sich bei denen um Krieger niedrigen Ranges handelte - Fußsoldaten. Diese Feststellung warf jedoch nur noch mehr Fragen auf. Er bemerkte, wie die gesamte Situation viel komplizierter war, als er es zu Beginn vermutet hatte.
      Im normalen Fall würde man eher hochgestellte Kämpfer erwarten, die eingestellt wurden, um die Prinzessin herzubringen.
      Es war aber durchaus plausibel, dass es Sanjiv absichtlich gemacht hatte, damit die Kolonne keine unnötige Aufmerksamkeit während der Reise bekam. Räuberüberfälle waren in diesen Ortschaften keine Seltenheit. Und die Opfer dieser Plünderer waren natürlich immer Adlige gewesen. Niemand von denen würde sich jedoch für einen einfachen Transportwagen interessieren und erst gar nicht auf die Idee kommen, in diesem könnte sich eine Prinzessin befinden.
      ,, Wenn Ihr Hunger habt, könnt ihr die Dienerin damit beauftragen." Die Gemächer in seinem Anwesen zeugten von keiner besonderen Größe - im Vergleich zu der Hauptresidenz der Tomarfamilie. Das Notwendigste war trotzdem vorhanden, ein Schlafraum sowie ein Bad.
      Außerdem besaß jedes Zimmer im Westflügel einen direkten Ausblick in den Hauptgarten, der das Herzstück im gesamten Gebäude war.
      ,, Habt Ihr noch irgendwelche Fragen oder Wünsche?", erkundete er sich, während er diesmal seine Hände hinter dem Rücken verschränkt festhielt.
    • Araya

      Es regte sich nichts in dem Gesicht vor ihr, es gab kein Anzeichen von Wut, oder Verwunderung über ihre Worte, nicht einmal ein Zucken hatte sie wirklich bemerken können. Interessant, wie es die Schwarzhaarige fand, sie war innerlich ein wenig überrascht, sie hatte ihn zwar nicht beleidigt, aber hatte einen kleinen Scherz gemacht, seine Worte aufgegriffen, wie er es auch in ihrem Fall getan hatte. Es war erstaunlich, aber vermutlich jahrelange Training, welches auch Araya hinter sich hatte, auch wenn in einem ganz anderen Kontext und unter anderen Aspekten. Dennoch schaffte es die Frau erhobenen Hauptes hier durch zu marschieren, als wäre niemals etwas passiert, als würde nicht ihr Reich zur nichte gemacht worden sein. Stets wurde ihr beigebracht, sie dürfe sich nicht von ihren Gefühlen leiten lassen, dürfe keine Schwäche zeigen und lieber die eiskalte Schlange sein, als eine Königin, die zu weich wäre, aber es war auch schwer sich als Frau zu beweisen, zu zeigen, dass man mithalten konnte, auch wenn Araya sich bewusst war, dass sie bei Deven nur geistig mithalten konnte, körperlich war er ihr ganz klar überlegen, das konnte ein Blinder erkennen.
      Er schaute zu ihr runter, da nahm die Frau den Blick vom Ausblick wieder weg, um zu ihm zu schauen, um ihm zu zeigen, dass sie keine Angst davor hatte ihm in die Augen zu sehen. Es würde eine persönliche Dienerin für sie geben, da war Araya wieder innerlich überrascht, eine persönliche Dienerin? Sollte das hier ihr quasi Himmel bis zum Ende ihres Lebens bleiben? Wo blieb der Kerker? Ihre Bestrafung? Die Qualen dafür, dass ihr Reich besiegt worden war? Irgendetwas stimmte hier nicht, aber Deven wollte ihr auch einen Arzt schicken, der sich ihre Handgelenke ansehen wird, ihr Blick folgte damit gleich seinem, musterte die blauen Stellen um die Handgelenke herum. Es schmerzte nicht, aber unangenehm war es schon, wenn sie diese bewegte. Die blauen Stellen zeigten deutlich, wo sich die engen Fesseln befunden haben, aber die waren gelöst und mit einem sanften Nicken signalisierte die Prinzessin ihr Einverständnis, während die Augen wieder hoch sagen, sie hatte noch eine kleine Verbrennung am Oberarm, die man sich ansehen konnte, nichts großes, aber schon vorhanden gewesen, doch etwas anderes schien wichtiger zu sein.. Deven sprach indirekt von Essen, er sprach davon, Araya könnte der Dienerin Bescheid geben, sollte sie Hunger verspüren. Ein kleines Leuchten war in ihren Augen zu sehen, etwas richtiges zu Essen würde sie liebend gerne haben, aber das konnte noch einen Moment warten, nichts überstürzen und in Ruhe alles machen, um sich keine Möglichkeiten zu verbauen.
      Als der Mann wissen wollte, ob es noch andere Fragen, oder Wünsche gab, musste Araya innerlich fest stellen, dass sie hunderte Fragen und Wünsche hatte, aber nichts, was ihr jetzt wirklich helfen könnte. "Ihr könnt mir mein Reich nicht zurück holen, somit habe ich gerade kein weiteres Anliegen.. Vielen Dank". Das Gespräch war für sie beendet, wenn sie denn keine Fragen aussprach, so ergriff sie die Klinke der Tür zu ihrem neuen Rückzugsort, um die Tür zu öffnen und mal rein zu sehen, was sie erwarten wird. Vielleicht doch ein Kerker?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der Vorwurf in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Ihr Reich konnte er ihr offensichtlich nicht zurückgeben. Und das wünschte er sich auch nicht. Er wollte wirklich verhindern, diesen Kontinent noch einmal zu betreten, um nicht wieder unter kalten Temperaturen zu kämpfen. Wenn man dabei mit etlichen Stoffen umwickelt war, stellte es eine größere Herausforderung dar.
      Er verfolgte, wie sie das Gemach betrat. ,, Ruht Euch aus", erwiderte er, bevor er sich leicht vorbeugte und sich umdrehte.
      Da seine eigene Unterkunft nicht weit entfernt lag, brauchte er nicht lange, um sie zu erreichen.
      Das Anstrengendste hatte er wohl hiermit überstanden. Es war das erste und letzte Gespräch gewesen, welches er mit der Prinzessin führen würde. Und der Krieger war dankbar dafür. Er konnte von nun an seine vollkommene Ruhe haben, genauso wie sie.
      Ihre zugeteilte Dienerin war mit Sicherheit schon bei ihrer neuen Herrin angekommen. Deven hatte angewiesen, eher ein Mädchen mit dieser Aufgabe zu beauftragen. Ältere Bedienstete waren viel zu unwägbar und hingen zu stark an abergläubischen Ansichten. Er wollte jegliche Konflikte, soweit wie möglich, vermeiden. Aus dem Bericht der Prinzessin zu urteilen, war sie im helianischen Palast erst gar nicht untergekommen, sondern wurde sofort in seine Residenz verfrachtet. Offensichtlich wusste nur der engste Kreis des Kronprinzen, dass die Prinzessin überhaupt in den Händen der Helianer war. Sanjiv wollte anscheinend zwecklose Gerüchte vermeiden, weswegen er sie in einen abgelegenen Ort bringen ließ. Falls das gesamte Reich jetzt über ihre Ankunft erfuhr, würde es in dieser Situation das Fass zum Überlaufen bringen. Man musste wohl alles langsam angehen lassen und alte Dienerinnen, die irgendwelche negativen Spekulationen über die isanischen Gefangene in die Welt setzten, waren die gefährlichste Gruppe. Außerdem war sich Deven sicher, dass eine aufgeweckte und lebensfrohe Zofe der Prinzessin selbst guttun würde.
      Der Krieger ließ sich von seiner eigenen Bediensteten seine rote Kleidung abnehmen, um letzten Endes wieder sein weißes Gewand anzuziehen. Die Farbe der Tomarfamilie war Rot, was auch der Grund war, warum er zuvor es getragen hatte. Es war eine gewisse Tradition gewesen, Gäste auf diese Weise bekleidet zu begrüßen. Sein sittsames Auftreten vor der Prinzessin hatte er eingehalten. Diesmal musste er von der Rolle eines offenen Hausherren in die des Witwers schlüpfen. Dafür diente das Weiß, als Farbe der Trauer. Deven nervte seinen Verstand nicht länger mit dieser Angelegenheit. Er machte es sowieso für andere, damit deren Gewissen die Ruhe finden konnte. Viel eher zog er sich in seinem Arbeitszimmer zurück, erfüllte einige seiner politischen Pflichten, zu welchem der Antwortbrief des Kronprinzen gehörte. Der Hauptinhalt bestand eigentlich darin, dass er über die unversehrte Ankunft der Prinzessin berichtete. Ganz recht hatte der Krieger nicht. Schließlich hatten sich die Männer, die sie begleitet hatten, ihren Spaß erlaubt. Als er sich wieder daran erinnerte, beauftragte er Abhay damit, genaueres über diesen Vorfall herauszufinden und überreichte ihm gleichzeitig den Brief. Mit einem Botenfalken würde die Nachricht nur wenige Tage brauchen, um bei dem Kronprinzen anzukommen.
      Ohne es selbst zu bemerken, war auch schon der Abend angebrochen. Und es dauerte nicht lange, bis sein Berater mit neuen Mitteilungen ankam. Aus den Berichten Abhays konnte er entnehmen, dass es der Prinzessin soweit gutging. Den Verletzungen an den Handgelenken wurden ebenfalls Bandagen angelegt. Der Arzt gestand jedoch eine Besorgnis, denn sie wies eine Brandwunde am Oberarm auf. Eine durchaus frische Brandwunde. Deven musste nicht lange überlegen, um zu verstehen, was es zu bedeuten hatte.
      Noch dazu durfte er erfahren, dass in den Sachen der Begleitung der Prinzessin Wertgegenständen gefunden wurden, welche eindeutig nicht den helianischen entsprachen und einer Frau gehören mussten. Unbemerkt verhärteten sich seine Kiefer.
      Deren Unverschämtheit kannte wohl wirklich keine Grenzen. Hier wurde nicht nur das Ansehen des Kronprinzen angegriffen, sondern auch seine Geduld. ,, Bringt sie her", befahl er Abhay und schritt selbst aus seinen Gemächern.
      Deven hätte nicht erwartet, dass er sich heute ein zweites Mal in den Haupthof begeben würde. Mit verschränkten Armen wartete er in der nächtlichen Luft, die deutlich kühler war, darauf, bis ihm die Verursacher gebracht wurden - drei Männer, die in seinem Alter sein mussten. Womöglich etwas jünger oder älter. An deren Gesichtern war Verwirrtheit und Unsicherheit zu erkennen.
      Bis auf einige Diener und seiner Wachen war dieser Ort leer. Seine Missmut, die er gerade empfand, ganz deutlich anzusehen. Aus dem Blickwinkel bemerkte er Abhay, der mit einem dunklen Stoffbeutel entgegenkam. ,, Kun-", einer von ihnen, womöglich der Älteste, versuchte das Wort zu ergreifen, doch Deven unterbrach ihn drohend.
      ,, Auf Befehl des Kronprinzen?", entgegnete er verachtend. Langsam begann er sich der erbärmlichen Meute zu nähern.
      ,, Auf den Befehl des Kronprinzen habt ihr die Prinzessin beraubt?", wiederholte er mit einer viel zu kühlen Stimme, die nichts Gutes erahnen ließ. Die Männer blickten zum Beutel, in welchem sie die besagten Schmuckstücke entdeckten.
      Man konnte beobachten, wie allmählich das Leben aus den Gesichtern der Verursacher strich. Womöglich realisierten sie erst jetzt, was sie angetan hatten. Und die Tatsache vor dem wahnsinnigen Tomar-Bastard zu stehen, machte es nur noch schlimmer. Jeder in diesem Reich wusste genau über die enge Freundschaft der beiden. Doch mit dem Berauben endete das Ganze nicht - sie hatten die Prinzessin gefesselt und eine Brandwunden zugefüht. ,, E-es war ein Fehler, mein Herr", erwiderte einer der Übeltäter, der durch seine niedrigste Körpergröße auffiel.
      ,, Ein Fehler?", hakte Deven nach, während der Wahnsinn in seinem Gesicht geschrieben stand. Wenn man in so erblickte, glich er wirklich einem Dämon. Erst jetzt begannen die drei Männer zu verstehen, dass er nicht umsonst als Ravana1 bezeichnet wurde.
      ,, Wisst ihr nicht, was der Ehrverletzung der königlichen Familie droht?" Die Antwort war einfach: der Tod. Langsam wurde deutlich, wie die Angst jede Körperstelle der Schuldigen erfasste. Sie fielen alle zu Boden - jeder nach dem anderen. Ein seltsamer Anblick.
      ,, B-bitte verzeiht uns!", hörte der Krieger einigermaßen heraus. Weil sie sich im Sitzen verbeugten, konnte er nicht wirklich erkennen, wer genau sprach. Was für Kriecher - zischte er den Gedanken. Sie waren sogar zu dumm, um die Vorwürfe zu verneinen. Es wäre schließlich nicht schwierig gewesen, zu sagen, dass die Prinzessin gelogen hatte. Diese Narren verteidigten sich in keiner Hinsicht und hatten noch die Nerven, sich auf diese Weise zu verhalten? Was für eine Demütigung.
      ,, Bitte verschont unser Leben!", erklang das Flehen des Mittleren. Ohne jegliche Rücksicht packte Deven ihn und verteilte einige Schläge in den Bauch, sodass er diesmal komplett auf dem Boden lag. Im nächsten Moment nahm er sein Schwert hervor - es war wohl das erste Mal, dass er es in seinem Anwesen bei sich trug - und schlug die Hand des Täters, der diesmal selbst ein Opfer war, ab.
      Ein ächzender Schmerzensschrei erfüllte den gesamten Hof. Der Schock über den abgehackten Körperteil konnte in den Augen des Verursachers nicht übersehen werden. Deven richtete sich auf, während sich niemand wagte auch einen unnötigen Atemzug zu holen.
      ,, Bringt diese Heuchler weg", befahl er kühl und die Wachen verschwendeten keinen einzigen Moment, um es zu erfüllen. Auf die anderen beiden wartete offensichtlich das gleiche Schicksal wie ihres Vorläufers. Der Krieger wollte endlich von diesem Ort verschwinden, konnte jedoch den fragwürdigen Blick Abhays erblicken, der auf den Beutel gerichtet war. Der Berater schlug sich standhaft, er war noch schlimmere Sachen gewöhnt. ,, Bringt sie ihr morgen", erklärte Deven nur, bevor er sich dem Rückweg widmete.
      Sogar im Schein der Kerzen erkannte er die roten Blutspuren an seinem weißen Gewand. Er seufzte laut. Jetzt müsste er sich noch einmal umziehen. Trauer ... was er nicht lachte.

      ____________
      1Ravana = indischer, mythischer Dämonenkönig.
    • Das Gesicht eines Menschen siehst du im Licht - seinen Charakter in der Dunkelheit.
      Araya

      Die Tür war ins Schloss gefallen und Araya blieb alleine in dem Raum, der ihr neues Zuhause sein sollte, jedenfalls für eine ungewisse Zeit. Sie atmete durch, wartete einen Moment, ob sie Schritten lauschen konnte, bevor sie mit dem Ausatmen der Luft in ihren Lungen den Stress und die Anspannung von ihren Schultern nahm. Ihre Schultern schmerzten schon von der Last, die auf ihnen gelegen hatte und die Müdigkeit und der Hunger waren mit einem Mal vorhanden, wie die letzten Tage nicht. Araya war sich nicht sicher, ob sie hier wirklich in Sicherheit war, ob nicht gleich jemand durch die Tür stolzieren wird, um ihr zu verkünden, dass das hier ein schlechter Scherz ist und sie eigentlich in den Kerker kommt, aber allein die Tatsache, dass der Krieger ihr die Fesseln von den Armen gelöst und ihr einen Arzt schicken wollte ließ ihr Inneres sich beruhigen. Es war wie eine Intuition, die wirklich sagte, dass alles hier gut sein wird, dass man ihr hier nicht gegen ihren Willen weh tun wird, dass sie in Sicherheit war vor allem, was da draußen auf sie wartete. Letztendlich nahm sich Araya diesen Moment Ruhe, es war ihr nicht unangenehm, während sie in ihren neuen eigenen vier Wänden alleine war und ihre Augen erblickten gleich den Ausblick, der ihr aus dem Zimmer heraus geboten wurde. Der Garten war wundervoll und blühte in voller Pracht, was mit dieser Sonne nichts verwunderliches war, aber damit sah die Frau auch eine Möglichkeit Blumen für die Zeremonie heute Abend zu holen, um dem Geist ihrer Mutter die Möglichkeit zu geben die Welt hier zu verlassen und sie womöglich ins Nirvana zu schicken, jedenfalls bestand die Hoffnung bei der Schwarzhaarigen, ihre Mutter hätte es vielleicht geschafft, oder wenigstens es geschafft ein neues Leben zu finden, sollte sie wiedergeboren werden.
      Die dunklen Augen waren noch mit der Aussicht beschäftigt, da klopfte es an der Tür, eine junge Frau betrat den Raum, noch ein wenig schüchtern und ungelernt, aber sie wirkte gleich freundlich und zuvorkommend. Sie hatte sich kurz verbeugt, hatte sich vorgestellt, Daya hieß sie und sollte nun für die Prinzessin zur Verfügung stehen. Araya hatte sie zunächst nur gemustert, hatte sich ihr Kleid genauer angesehen, um festzustellen, dass der Anblick einer Hose bei einer Frau ein klein wenig, merkwürdig erschien. Das war sie von ihrem Hof definitiv nicht gewöhnt, es war ihr auch nichts bekannt darüber, dass es in Helia üblich wäre, aber letztendlich würde sie ganz andere neue Sachen hier scheinbar kennen lernen. Die Verzierungen waren dennoch wunderschön und auch, wenn sich die Prinzessin selbst nicht vorstellen konnte solch ein Gewand zu tragen war sie sehr verblüfft, wie schön es aussehen konnte. Einen Moment nahm sie sich noch, bevor sie ihr tatsächlich ein Lächeln schenkte, um ihr die Angst zu nehmen, die in ihrem Gesicht zu sehen war. Sie bat um neue Kleider, denn ihre jetzigen waren schmutzig, noch dazu zu warm für die warme Sonne, die hier im Süden herrschte, außerdem wollte sie gerne etwas essen, wenn es möglich war, blieb aber höflich und vor allem nicht fordernd, wollte das junge Mädchen nicht gleich überfordern, so viel Herz und Anstand besaß die Schwarzhaarige noch, auch wenn sie zu dem weiblichen Geschlecht der Welt schon immer deutlich zuvorkommender war, als zu dem männlichen.
      Es gab wirklich etwas zu essen, die Auswahl war groß gewesen und auch wenn Araya es in ihrem Gemach lieber zu sich nahm, um den Ausblick genießen zu können, war sie sehr dankbar, dass es überhaupt etwas gegeben hatte. Sie hatte das Fleisch zurück gelassen, war kein großer Fan davon, hatte aber dankbar die Früchte gegessen, den Reis und die anderen Beilagen, hatte den Göttern für jedes Essen gedankt und zu ihnen aufgesehen, bevor sie damit angefangen hatte. Etwas komplizierter erschien dann das Umziehen selbst, das Wechseln der Kleider, vor allem das Anpassen an das, was hier zulande typisch war. Daya war dabei ein klein wenig offener geworden, die Angst war ihr aus dem Gesicht gewichen, auch wenn Araya sich weiterhin ein wenig unglücklich im Spiegel musterte. Der freie Streifen Haut an ihrem Oberkörper, unter ihrer Brust war ungewohnt gewesen und mehrmals hatte sie versucht das Oberteil und den Rock ein wenig zurecht zu rücken, um den Streifen geringer zu gestalten. "Und Ihr seid Euch sicher, dass es so soll?", fragte sie schon zum zweiten Mal, es war ungewohnt überhaupt freie Haut zu zeigen und das war definitiv kein Bereich, den anderen wirklich so zu Gesicht bekommen sollten. Daya hatte genickt, während sie das Tuch fixierte, welches über einen der Arme gelegt wurde. "Ich kann Euch versichern, dass es richtig ist.. Soll ich etwas anderes raus suchen?". An sich war das Stück Stoff, welches den zierlichen Körper bedeckte wirklich schön, das Blumenmuster gefiel der Schwarzhaarigen, aber sie konnte sich damit noch nicht so ganz anfreunden. "Und das Tuch hier.. ist das wirklich notwendig?". "Es ist ein Dupatta.. Und es gehört dazu.. Es wird euch Schutz vor der Sonne bieten können, wenn Ihr draußen seid, lässt aber auch gleichzeitig das Stück Haut, welches Euch so stört geringer erscheinen". An sich fühlte sich der Stoff wunderbar an, er war samtig weich und dazu noch locker, es war perfekt für die warmen Temperaturen da draußen. Ein letztes Mal blickte sich Araya im Spiegel an, ihr Volk würde sie verspotten, aber wenn sie schon auf dem feindlichen Territorium war.. "Ihr seht wirklich wunderschön aus". Daya lächelte, während sie ebenfalls in den Spiegel sah. "Es steht Euch ausgezeichnet und es ist auch war ganz normales hier, es wird Euch keiner deshalb anstarren". Auf die Worte musste die Schwarzhaarige vertrauen, sie hatte sich ihre Haare wieder hoch gesteckt, hatte die Nadel in den Haaren platziert, um dieses zu halten, auch wenn einige Strähnen lose runter hingen. "Wenn Ihr das sagt, dann vertraue ich Euch". Was anderes blieb ihr nicht übrig.

      Der Arzt hatte sich ihre Wunden angesehen, hatte eine Salbe auf die betroffenen Stellen einwirken lassen, bevor sie verbunden wurden, um sie vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Es hatte eine Weile gedauert, aber Araya hatte auch über die Brandwunde an ihrem Oberarm gesprochen, die ihr zugefügt worden war. Ein Gespräch darüber hatte sie abgelehnt, hatte stattdessen aus der Lücke im Mauer nach draußen gesehen, um noch einmal nach den Blumen zu sehen, die sie vorhin entdeckt hatte. Der Tag neigte sich dem Ende zu und eigentlich war sie sehr müde, aber ihre Pflichten konnten nicht warten, sie mussten noch erledigt werden. Daya hatte sie um eine Schale Wasser und einen Tee gebeten, hatte sich aus dem Gemächern raus begeben, kaum waren keine Schritte mehr zu hören. Die Sonne war schon am unter gehen, die letzten Lichtstrahlen erhellten die Mauern nur noch bedingt und der Weg in den Garten erwies sich als schwierig und kompliziert, aber die Frau vertraute auf ihre Intuition und landete damit richtig. Die Blumen waren schnell gefunden, vor allem die weißen Lilien hatten es ihr angetan, auch wenn sie nicht gefragt hatte, so hatte sie zwei Blumen mitgenommen, hatte vor allem die genommen, die zu Boden gefallen waren und dort zu verwelken drohten. Die Natur zu zerstören war nicht ihr Ding, aber wenn die Natur von selbst etwas abstieß, so konnte sie sich an ihnen bereichern. Viele Blumen brauchte sie nicht, nahm aber noch etwas grünes und gelbes mit, bevor sie eigentlich bereit war wieder zurück zu gehen. Der Garten war wunderschön, er lud dazu ein in dem dunklen Licht noch mehr zu erkunden, aber die Pflichten warteten und die Müdigkeit war auch noch vorhanden, die nächsten Tage würden ihr die Möglichkeit geben sich hier frei zu bewegen, was zu erkunden, immerhin hatte man ihr nicht verboten ihr Gemach zu verlassen. Sie bog ab, wollte den Weg wieder zurück nehmen, den sie hier her genommen hatte, da hallten Worte zu ihr durch, ein Flehen, eine Stimme, die sie schon gehört hatte. Jemand sollte das Leben derer verschonen, kurz dachte sich Araya sich verhört zu haben, aber die Schmerzensschreie waren nicht zu überhören und es trieb sie eine Neugierde an, den Geräuschen nachzugehen. Wurde jemandem gerade Unrecht getan? Oder würde sie das Gleiche erwarten? Eine andere Stimme war zu hören, eine ihr bekannte Stimme, die sie aber dieses Mal gut zuordnen konnte. Der Herr des Hauses, der sie zu ihren Gemächern gebracht hatte war in diese Sache involviert, wollte sie wirklich wissen, was hier los war? Wollte sie es riskieren? Nein, manchmal war es besser, nicht zu wissen, was um einen geschah, vor allem hier, auf dem feindlichen Gebiet. Araya wollte wieder zurück gehen, aber um ehrlich zu sein hatte sie sich verirrt und letztendlich wusste sie nicht, wie sie zurück kommen sollte, aber es half ihr gerade nicht, dass der Herr des Hauses ihr auch schon um die Ecke entgegen kam. Sie hatte abgebremst, wollte nicht in den Mann rein geraten, aber wie sollte sie das jetzt wohl erklären?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."

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    • Während er mit unzufriedenen Schritten weiterhin durch den Gang lief, bekam man das Gefühl, dass dieser Ort tatsächlich verflucht sein konnte und seine Präsenz kein Zufall war. Sein Schatten, der durch seine erhabene Größe noch gewaltiger wirkte, schien alles in der Umgebung zu verschlingen. Deven merkte kaum die Verkrampfung seiner rechten Hand, welche das Schwert immer noch befangen festhielt. Er reagierte empfindlich, wenn sich jemand unverschämt gegenüber ihn verhielt. Womöglich ging es ihm tief in Innerem gar nicht um den Kronprinzen, sondern um sich selbst. Der Krieger war sich sicher darüber, dass er in den Augen dieser Heuchler keine jegliche Achtung besaß. Und er würde keineswegs zulassen, dass sie ihren Platz vergaßen.
      Verfluchter Bastard - wie oft wurde er nur mit diesem Vorwurf verspottet. Deven drückte seine Zähne aufeinander. Es war nicht wichtig, was er machte - ob er sogar die ganze Welt eroberte - in deren Augen war er trotzdem nur ein Dalit.
      Diese Narren hatten es geschafft, seine Frust an die Oberfläche zu zerren. Er kämpfte mit dem Versuch an, nicht zurückzukehren und jedem von diesen Idioten eigenhändig das Leben zu nehmen. Bevor er sie weiterhin in den Gedanken verfluchen konnte, musste der Krieger abrupt stehen bleiben. Es war eine zierliche Gestalt. Er zischte unzufrieden. ,, Was hast du verdammt nochmal hier verloren?!", drohte er mit seiner tiefen und halblauten Stimme. Um diese Uhrzeit sollte sich keine Dienerin in diesem Bereich bewegen. Hatte hier etwa jeder seinen Anstand verloren? Er musste das Gesicht der besagten Frau für eine Weile anstarren, um zu verstehen, wer sie genau war. Deven verstummte vollkommen. Die Prinzessin? Er blickte sie von unten an. Leise atmete er tief ein, um allmählich die Ruhe zu finden. Es war offensichtlich ein ungewohnter Anblick, sie in helianischer Kleidung zu sehen. Die weißen Lilien in ihrer Hand konnte er genauso nicht übersehen. Komischerweise ergänzten sich diese gut mit ihrer äußerlichen Erscheinung. Als wäre sie selbst eine Blüte gewesen. Der Krieger blinzelte irritiert. Woran hatte er soeben gedacht?! Er drehte wohl endgültig durch.
      Deven zwang sich, in ihr Gesicht zu sehen. ,, Ihr solltet Euch nicht um diese Uhrzeit allein hier bewegen", gestand er ernst, während sein emotionsloser Ausdruck schleichend wieder zurückkehrte. Anscheinend hatte sie sich einen nächtlichen Spaziergang erlaubt - nach den Blumen zu urteilen. Erst jetzt verspürte er das Schwert in seiner Hand, welches er im nächsten Moment in die Scheide steckte.
    • Araya

      Das erste, was sie wahr nahm war das Blut auf den weißen Gewändern vor ihr, noch bevor die Frau ihren Kopf überhaupt hob. Es wirkte auffällig, es wirkte anders, es war vor allem in dem Licht der Kerzen nicht zu übersehen, doch es brachte nur noch mehr Fragen auf. Sie hatte sich die Schreie nicht eingebildet, hatte richtig gehört und richtig gedacht, nur an einem falschen Ort war sie hier gewesen. Das nächste, was sie wahr nahm war die laute, dunkle Stimme, die sie so gar nicht in Erinnerung hatte, aber statt Angst zu haben, statt sich zu fürchten, war Araya dumm genug hoch zu sehen und innerlich empört darüber zu sein, wie man mit ihr sprach. Sie hatte kein Reich mehr und sie war streng gesehen auch keine Prinzessin mehr, mit Sicherheit, aber sie würde unter gehen, wenn sie noch ihren Titel aufgeben und sich erniedrigen lassen würde.
      Die dunklen Augen blickten hoch und das erste Mal seit ihrer Ankunft sah sie etwas anderes in diesem Gesicht, als der emotionslose Gesichtsausdruck, der ihn vermutlich wirklich sonst immer zierte. Es war Wut, die sich dort abzeichnete, tiefe, dunkle Wut und Unzufriedenheit, die sie ehrlich gesagt nur selten gesehen hatten. Die dunklen Augen ihr gegenüber glühten fast schon und dennoch blieb die Schwarzhaarige standhaft, sie fürchtete sich nicht, denn es war schnell zu bemerken, dass weder die Wut, noch mangelnde Ansprache wirklich ihr galt, jedenfalls bildete sie sich das gerade ein, während ihre Augen die weitere Reaktion des Mannes beobachteten. Er musterte sie, sah an ihr runter und mit einem Mal war es ihr unangenehm, das zu tragen, was man ihr gegeben hatte. Neben dem unangenehmen Gefühl war da aber noch etwas anderes, es war eine Aufregung, ein Kribbeln in ihrem Bauch, der entlang des freien Stück Hauts wanderte, als die dunklen Augen des Mannes darüber sahen, als diese sie musterten.
      Den Moment nutzte Araya gleich, um selbst wieder runter zu sehen, um die verschmutzte Kleidung zu mustern und zu dem Schwert in der Hand zu sehen. Blut tropfte noch von der Klinge herunter, es schien frisch zu sein und mit einem Mal fragte sich die Prinzessin, was passiert wäre, wenn sie die Person gewesen wäre, der die ersten Worte wirklich galten. Würde das Schwer mit einen kurzen Ruck ihr Leben beenden? Oder war es eine Art kriegerischer Dankbarkeit an seine Bediensteten, von der sie nur noch nicht wusste? Was es auch war, sie verabscheute es, tief in ihrem Innern verabscheute sie es.
      Deven sprach wieder mit ihr, da wanderten ihre Augen direkt zu ihm hoch, um wieder in den gewohnten Gesichtsausdruck zu blicken. Er war der Meinung, sie solle sich hier nicht allein um diese Uhrzeit bewegen, merkwürdig, warum denn nicht? Araya hob ihre Augenbraue fragend an und wollte etwas sagen, aber das Schwert wurde wieder in die Scheide gesteckt und das Geräusch hinterließ ein Kribbeln in ihren Fingern und eine Gänsehaut auf ihrem Körper. Sie hatte schon länger kein Schwert mehr in den Händen geführt, aber das war nicht gerade das eigentliche Thema. "Wird mich sonst eine der scheußlichen Kreaturen überfallen?", fragte sie ein wenig sarkastisch, während ihre Augen keine Angst hatten in seine zu blicken. Oder ein bewaffneter Hausherr? Wohl möglich. "Ich habe mich verirrt und weiß nicht, wie ich zurück komme.. Ihr habt mir nicht befohlen den Raum nicht zu verlassen..", erklärte sie dann aber wahrheitsgemäß und sank den Blick, um sich die roten Flecken auf der weißen Kleidung anzusehen. Weiß stand für Trauer.. Trauerte der Mann? Merkwürdig.. Oder hatte es in Helia eine andere Bedeutung gehabt? "Würdet Ihr mich zu meinem Gemächer begleiten, damit ich unterwegs nicht überfallen werden kann, bitte?". Oh, wie würde ihn noch lange mit den scheußlichen Kreaturen aufziehen, daran hatte sie Spaß gefunden.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Jede andere Person, die in diesem Moment seine erhobene Stimme gehört hatte, wäre mit Sicherheit aus Angst vor ihm in die Knie gefallen. Seine Wut hatte jede Ecke dieses Gangs erreicht. Aber die Gestalt vor ihm erwiderte seinen erbosten Blick mit Standhaftigkeit.
      Komischerweise verärgerte es ihn nur noch mehr. Es sollte ihn aber auch nicht überraschen. Sie war ebenfalls nur eine verwöhnte Adlige, deren Trotz in ihren Augen deutlich abgebildet war. Ihr aufgeplustertes Ego sah ihn wahrscheinlich auch als einen Nichtsnutz an.
      War das ihre Dankbarkeit? Seine leichte Stirnfalte war das Einzige, das seine Missmut ihr gegenüber verriet.
      Anscheinend war es ein Fehler, sie im Westflügel zu platzieren. Die meisten Menschen sahen seine Gastfreundschaft für natürlich an.
      Ohne zu realisieren, dass er hier der Hausherr war. Deven würde schon dafür sorgen, dass sie ihren Eigensinn schnell aus ihrem Gesicht verlor. Es wäre wohl besser, wenn sie unter der Dienerschaft lebte. Vielleicht konnte ihr auch einige Tätigkeiten zuteilen, damit sie andere Beschäftigungen hatte, als nachts Blumen aus seinem Garten zu pflücken. Während er der Unzufriedenheit erlaubte, die Oberhand zu haben, merkte der Krieger gar nicht, dass er sich kein bisschen von den Narren unterschied, welche die Prinzessin hergebracht hatten.
      Es war ungewohnt, auf diese Weise gesehen zu werden, während sich tatsächliche Emotionen auf seinem Gesicht abzeichneten.
      Trotzdem gab sich Deven die Mühe, sich einigermaßen einzukriegen. Er bekam es ausreichend genug hin, sodass er seine Stimme kein zweites Mal vor ihr erhob. Der Krieger griente höhnisch, wobei er seine Arme verschränkte.
      Ja, sie könnte tatsächlich von einer scheußlichen Kreatur überfallen werden. ,, Ich hatte doch erzählt, dass dieser Ort verflucht ist. Hier treibt sich nachts ein Dämon herum." Herausfordernd hoben sich seine Augen ein wenig. Obwohl in diesem Fall er das besagte Ungeheuer war. ,, Und natürlich damit Ihr Euch nicht verläuft... wie ich sehe, habt Ihr es jetzt schon hinbekommen", erwiderte er gekonnt.
      ,, Folgt mir einfach", kam es knapp von Deven, wobei er seinen Weg fortführte.
    • Araya

      Es war nicht so, dass Araya nicht dankbar war, sie war es, allein deshalb hatte sie beschlossen den Mann in ihren Gebeten zu erwähnen, denn selbst wenn er es in anderen Augen nicht verdiente, er ließ sie am Leben und gab ihr eines, was man nicht außer Acht lassen sollte.. Aber es zu zeigen war eine ganz andere Sache, auch wenn die Prinzessin selbst es nicht als unfreundlich angesehen hatte ihre Gemächer zu verlassen, ihr wurde nicht aufgetragen zu bleiben, ihr wurde auch nicht aufgetragen nicht durch die Flure zu laufen, um sich ein wenig umzusehen, es wurde kein einziges Wort darüber verloren, so konnte man es ihr nicht allzu böse nehmen. Sich aber dem Hausherren selbst zu stellen und keine Schwäche zu zeigen, sah sie eindeutig nicht, als eine schlechte Eigenschaft, oder gar schlechte Manieren, es würde nur von Schwäche zeugen, wenn sie dem sanften Zittern ihrer Knie nachgeben würde, denn die Begegnung war schon aufregend, das konnte Araya nicht leugnen. Sie wurde zu einer starken, unabhängigen Frau erzogen, die ein ganzes Land regieren sollte, da konnte sie keine Schwäche zeigen, nur weil ein Krieger blutüberströmt vor ihr stand und sie bedrohlich ansah, dann hätte sie gleich komplett aufgeben können und das wollte sie nicht, nicht hier im feindlichen Gebiet.
      Sie hatte das Gesicht noch einmal gemustert, als es sich veränderte, amüsierten ihn ihre Worte? Das hoffte sie doch, das war ihr lieber, als ein beleidigter Mann, der es nicht sehen konnte, wie eine Frau ihm Gegenworte bieten konnte. In Isan liefen die Dinge ein wenig anders ab, da hatte sie das Sagen, da gab es Hausdamen, die über die Ordnung auf ihrem Grundstück bestimmten, keine Hausherren, wie es hier gerade der Fall war. Doch Deven kommentierte ihre neckende Bemerkung, zauberte ihr mit seinen Worten gleich ein Schmunzeln auf die Lippen, welches seltener zu sehen war, aber es amüsierte sie. "Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich mich eines Dämons fürchte?". Araya hob eine ihrer Augenbrauen hoch, wollte den Mann genauso herausfordern, wie er es bei ihr tat. "Wer sich vor Angst leiten lässt, kann den Weg gleich aufgeben". Angst verspürte sie auch nicht, sie verspürte Respekt für den Mann, in einer gewissen Hinsicht jedenfalls, aber zugeben musste die Frau schon, dass sie sich verlaufen hatte, das konnte sie auch nicht abstreiten, der Punkt ging dieses Mal an ihn, so fair konnte sie schon sein. Kurz hatte sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen gebildet, aber nur für einen Moment, bevor Araya dem Mann auch schon folgte, mit einem gewissen Abstand. Das frische Blut war zu riechen und erst, als er ihr wirklich den Rücken zugedreht hatte hatte sie selbst bemerkt, dass sie ihm stand gehalten hatte, sie hatte seiner Wut stand gehalten, soweit er sie wirklich offen zeigte. Ein klein wenig stolz war sie auf sich selbst, ihre Mutter würde mit Sicherheit genauso stolz sein, kein Krieger würde sie brechen und bis zum letzten Atemzug wird sie die womöglich letzte Angehörige ihres Volkes sein, aber dafür die stolzeste.

      Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein;
      wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden;
      wer wirklich tapfer ist, fürchtet sich nie.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."