A (not) ordinary family [DinDin&Caili]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Willkommen zurück!
    Wir freuen uns riesig wieder online zu sein. :) Leider kam es bei der Aktualisierung einiger Komponenten zu größeren Inkompatibilitäten, welche in Handarbeit einzeln behoben werden mussten.
    Damit hat sich für die Nutzung des Forum folgendes verändert:
    Bisherige Links zu Beiträgen sind nicht mehr gültig, da sich die Link-Struktur geändert hat. Wir arbeiten daran, dass auch alte Links wieder funktionieren, können aber noch nichts versprechen.

    Liebe Grüße
    Euer ARC-Team

    Hinweis: Solltet ihr Probleme haben Seiten im Forum aufzurufen (Fehler 404 z.B.), aktualisiert die Seite! Ihr habt noch die alte Version zwischengespeichert.

    • A (not) ordinary family [DinDin&Caili]

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
      Nummer 193

      Mit flachem Atem tapsten ihre nackten Füße über den weichen Boden, solange diese ihr Gewicht noch trugen und obwohl sie bereits seit Tagen müde, erschöpft und vor allem hungrig war, wagte sie es nicht stehen zu bleiben, oder gar sich umzudrehen, aus Angst bereits verfolgt zu werden, aus Furcht zurück in die dunklen Kammern zu müssen, jetzt, wo sie doch zum ersten Mal den warmen Schein der Sonne genießen konnte.
      Wenn ihre Beine sie gar nicht weiter tragen wollten, suchte sie sich ein Versteck und ballte sich zu einem kleinen Ball zusammen, machte sich so klein wie es ihr nur möglich war, auch wenn es unbequem war so zu schlafen, doch Nummer 193 war bereit alles zu ertragen, wenn sie nur nicht wieder zurück müssen würde.
      Alleine bei dem Gedanken an die Experimente, die sie über sich ergehen lassen musste, begann das kleine, junge Mädchen zu zittern.

      Nach ihrer Tage langen Reise hatte sie letztendlich einen Wald erreicht, der weiche Erdboden und das Moos war angenehmer, als der harte Boden, über welchen sie bisher gerannt war, doch sobald ihr sich die erste Wurzel in den Weg stellte, stolperte das kleine Ding und landete längst direkt auf ihrem Gesicht, wimmernd lag sie für einen Moment da, ehe sie sich langsam, vorsichtig aufsetzte, auf dem Boden sitzen blieb und sie die gerötete Nase rieb.
      Erst jetzt, wo sie wieder zur Ruhe gekommen war, merkte sie, wie erschöpft sie eigentlich war und ihre Beine wollten sich gar nicht mehr bewegen, ihr Körper sich nicht mehr erheben, als ihr Magenknurren sie daran erinnerte, dass sie etwas essen solle und sie erwischte sich dabei, wie sie sogar Sehnsüchtig an die dickflüssige, geschmacklose Suppe dachte, sie sonst immer bekam.
      Sie war nur mäßig sättigend gewesen, aber zumindest hatte ihr Magen nicht ununterbrochen geknurrt.
      Gerade, als sich wieder Tränen in ihren Augen sammeln wollten, wurde das junge Ding von einem ihr unbekannten Geruch abgelenkt, den sie jedoch instinktiv als Essen erkannte und nutzte ihre letzten Kräfte, um sich doch von dem Boden zu erheben und folgte neugierig, mit sabbernden Mundwinkeln dem ihr fremden Geruch, als sie eine weitere Präsenz spürte und sich hinter einen Baum versteckte.
      Vorsichtig um die Ecke lugend erblickte sie dann letztendlich, was sie an diesen Ort mitten im Wald geführt hatte: es war das Butterbrot, das der vor ihr sitzende fremde Mann in Händen hielt und in welches er wohl gerade hinein beißen wollte, als das kleine Mädchen ein wimmern von sich gab, gefolgt von einem lauten Magen knurren, da sie selber am liebsten hinein gebissen hätte.
      Dennoch blieb sie an ihrem Versteck, starrte den Fremden, nein, das Butterbrot, an, traute sich jedoch auch nicht einen Schritt weiter auf ihn zuzumachen.
      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
      @Dindrane
    • Harlan:
      Es war schön, in der Natur zu sein, ihren Geräuschen zu lauschen, dabei in Ruhe zu essen und nachzudenken. Der beste Teil des Tages. Vielleicht mochten einige ihn dafür für einfach gestrickt halten, aber Harlan könnte sich fast nichts besseres vorstellen.
      Doch gerade, als er anfangen wollte, wurde er gestört. Was für ein seltsames Geräusch, fast wie ein wimmern. Erst dachte er an ein verletztes, kleines Tier. Doch als er sich umsah, auf der Suche nach der Ursache des Lautes, war Harlan sich schnell darüber im Klaren, dass er sich geirrt hatte. Wahrscheinlich hätte ihn ein Tier jedoch weitaus weniger überrascht.
      Dieser Teil des Waldes war zwar lange nicht so gefährlich wie die weiter im Waldinneren gelegenen, die teilweise so finster waren, dass man selbst tagsüber eine Laterne brauchte um sich zu recht zu finden. Jemand wie er selbst hatte (wenn man vielleicht von einigen unschönen Begegnungen mit Dieben oder wilden Tieren absah, die sich aber kaum hierher verirrten) selten Probleme. Aber ein Kind, dann auch noch ein so kleines?
      Sie mochte vier, vielleicht auch sieben Jahre sein. Harlan kannte sich da nicht so aus. Aber selbst er sah, dass sie viel zu winzig war, um hier alleine unterwegs zu sein. Vielleicht hatte ein Holzfäller seine Tochter im Wald vergessen, oder das kleine Mädchen gehörte zu einer Gruppe Reisender und war von seiner Familie getrennt worden, weil sie einem Kaninchen nachgelaufen war. Sowas gabs immer wieder. Doch selbst auf den ersten Blick erkannte Harlan, dass dieses Kind nicht gerade in dem besten Zustand war.
      „Bist du ganz alleine hier im Wald, Kleines? Wo sind denn deine Eltern?“, meinte Harlan und ging etwas auf sie zu, nachdem er längere Zeit geschwiegen hatte, auf der Suche nach den Worten, die man in so einer Situation am besten benutzte. Das meiste war wohl besser als gar nichts, dachte er. „Du brauchst dich nicht zu fürchten. Ich würd dir nie was tun.“
      Harlan versuchte besonders sanft und leise zu sprechen. Aber darin war er doch eher ungeübt, also war es unklar, welche Wirkung das wirklich haben sollte.
      Weil er wusste, wie groß er war, und er das Mädchen nicht erschrecken wollte kniete sich Harlan hin, als er nah genug bei ihm war. Das Butterbrot hielt er immer noch in der Hand. Er wusste nicht wohin damit, auf den Waldboden wollte er es nicht legen.
      „Du kannst ruhig rauskommen. Hast... du vielleicht Hunger?“ Sie sah abgemagert aus. Vielleicht hatte sie sich schon vor längerer Zeit hier verlaufen, dachte Harlan, als er sie näher ansah. Seltsame Augen...
    • Nummer 193

      Das kleine Mädchen schluckte und wischte sich mit dem Ärmel den Sabber aus dem Gesicht, nachdem ich klar geworden war, dass sie viel zu lange auf das Essen des fremden Mannes gestarrt hatte, ehe ihr bewusst wurde, dass sie von den fremden Augen ebenso angestarrt wurde und sie zuckte zusammen, wich einen Schritt zurück, hielt sich jedoch mit beiden Händen an dem breiten Baum fest, als könnte dieser ihr als eine Art Schutzschild dienen.
      Vielleicht war es die Aufsicht auf Essen, vielleicht auch einfach die Erschöpfung, aber sie dachte nicht daran weg zu laufen... noch nicht.
      Für vielleicht eine oder zwei Minuten starrten sich die beiden gegenseitig an, als wüssten sie nichts mit der Existenz des anderen anzufangen, als der fremde Mann zuerst die Stille durchbrach und das Kind ein weiteres Mal überrascht zusammen zuckte, ehe sie große Augen machte.
      Es passierte nicht jeden Tag, das ein Erwachsener mit ihr Sprach, geschweige denn sich direkt an sie wandte und dann auch noch eine ungewohnte Frage stellte.
      Ihre Eltern? Sie hatte keine soweit sie wusste, aber sie war viel zu überrascht und unsicher, um seine Frage zu beantworten und versteckte sich noch ein kleines Stückchen mehr hinter der Baumrinde, ließ den Fremden, welcher sich mit einem Mal als Riese heraus gestellt hatte, so dass sie ihren Kopf in den Nacken legen musste, wollte sie den Blickkontakt mit ihm weiterhin aufrecht erhalten.
      „... kein Aua?“, gab das junge Ding instinktiv von sich, nachdem der Fremde versuchte ihr zu versichern, dass er ihr nichts tun würde. Er würde ihr also nicht weh tun? Sie nicht zurück bringen?
      Er sah nicht aus wie die anderen Erwachsenen, er hatte ein Gesicht und war nicht alleine in weiß gekleidet, wie alle anderen Kinder und sie selber auch.
      Zum Glück von Nummer 193 – begann es doch anstrengend zu werden zu ihm hinauf zu blicken – kniete sich der fremde Mann vor ihr hin und sie konnte ihren neugierigen Blick wieder nach unten senken.
      Als er ihren Hunger ansprach, erinnerte sich das kleine Mädchen wieder daran, was sie eigentlich in diesen Teil des Waldes geführt hatte.
      Sie blickte kurz zum Butterbrot in seiner Hand, ehe sie ihren Zeigefinger darauf richtete und wieder in das Gesicht des Fremden blickte.
      „... kann haben?“, wusste sie nicht recht, wie sie ihre Bitte formulieren sollte, als sich ihr Magen wieder meldete, als wolle er die selbe Bitte an den Fremden richten, nur um einiges schlechter formuliert.
    • Harlan:
      Harlan schüttelte den Kopf.
      „Ich würde einem kleinen Kind nie etwas tun. Du brauchst dich nicht vor mir zu fürchten. Ich bin doch kein Ungeheuer...“
      Das Mädchen schien ihn nicht sonderlich zu mögen, zumindest wirkte sie ziemlich schüchtern und zurückhaltend, aber er konnte sie verstehen.
      Dass sie seine Frage ihre Eltern betreffend nicht beantwortete, wunderte Harlan nicht wirklich. Wahrscheinlich war sie zu verschreckt und ängstlich, um einen Klaren Gedanken zu fassen. Und musste sich erst einmal beruhigen, bevor man sich richtig mit ihr unterhalten könnte.
      Zu lange Zeit im Wald, allein, dass musste für ein kleines Mädchen wirklich verstörend sein. Und Harlan war sich sicher, dass sie bereits längere Zeit hier war. Sie sah nicht wie jemand aus, um den sich in letzter Zeit jemand gekümmert hatte. Doch nun war er ja da, und er könnte sie ins Dorf bringen. Die Leute dort würden sich schon darum kümmern, dass sie wieder mit ihrer Familie vereint wurde.
      „Oh, sicher! Ich kann mir einfach später ein anderes machen...“, versicherte er der Kleinen sofort, als sie ihn nach dem Brot fragte, und lächelte. „Du musst ganz langsam essen...wenn man lange nichts gegessen hat, darf man nicht gleich übertreiben. Sonst bekommt man Magenschmerzen.“
      Kurz überlegte Harlan, ob er abwarten sollte, bis das Mädchen ihm das versprochen hatte. Aber dann kam er sich dabei so gemein vor, wenn er ihr das Brot vor die Nase hielt und es ihr doch nicht gab. Vorsichtig reichte er es ihr, und wartete, bis sie es nahm. „Aber nicht so schlingen...sonst nehme ich es vielleicht wieder weg.“
    • Nummer 193

      Das kleine Mädchen machte große Augen.
      Ja, sie hatte gehofft, dass er es ihr überlassen würde, hatte aber nicht damit gerechnet, dass es wirklich so einfach werden würde und starrte den essbar riechende Gegenstand in der großen Hand für einen Moment an, ehe sie einfach nicht mehr warten konnte und es schnell an sich nahm, als müsse das kleine Ding fürchten, man würde es ihr wieder wegnehmen und wie verraten blickte sie den großen Fremden an, als er ihr tatsächlich androhte, es ihr wieder weg zu nehmen.
      Da Nummer 193 nicht wollte, dass das passierte, nickte sie brav, ehe sie vorsichtig und möglichst langsam einen Bissen von dem Butterbrot nahm und das reichte vollkommen, um ihre kleinen Äuglein aufleuchten zu lassen.
      Überrascht und ungläubig fragte sich das Mädchen, was das war, es schmeckte... gut. Sie konnte den Geschmack nicht einordnen, aber es war ganz anders als das Nichts, was sie sonst immer zu essen bekam und sie hätte das leckere Butterbrot am liebsten wirklich einfach verschlungen.
      Sie nahm einen Bissen nach dem anderen, dieses Mal schneller, gab sich jedoch Mühe sich zurück zu halten und jeder Bissen zauberte ihr ein zufriedenes, strahlendes Lächeln aufs Gesicht, ehe das Brot auch schon weg war und sie sich nach mehr sehnend über die Finger leckte, ehe sie aufblickte und ihre Aufmerksamkeit wieder auf den fremden Mann richtete, ihn genauer musternd, nun, da der Hunger nicht mehr ihre Gedanken vernebelte und überrascht strahlte sie wieder, mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
      „Gleich!“, rief sie fröhlich, ehe sie nach einer Strähne vom Haar des Mannes griff und eine ihrer Strähnen an die seine brachte, um zu zeigen, was sie damit meinte.
      Während das Haar des Kindes eine pure, weiße Farbe besaß, verirrte sich der Ton des Mannes in ein leichtes blond, aber hell waren sie beiden und bei ungenauem hinsehen sogar zum verwechseln ähnlich.
      Nummer 193 war froh über die Erkenntnis, es war das erste Mal dass sie jemanden traf, dessen Haarfarbe ihrer ähnlich war und selbst diese Kleinigkeit stimmte sie fröhlich und ließ sie ihre Erschöpfung vergessen.
    • Harlan:
      Harlan ärgerte sich, dass er an diesem Tag nicht noch etwas anderes zu essen mitgebracht hatte, als er sah, wie sehr sich das Mädchen darüber freute.
      „Möchtest du vielleicht auch etwas zu trinken?“, fragte er rasch. Eine Flasche Wasser hatte er schließlich noch dabei, und außerdem hatte Harlan gehört, dass zu wenig Flüssigkeit ein viel größeres Problem war, als zu wenig zu essen.
      Als sie lächelte, erwiderte er ihr Lächeln. Wartete aber ihre Antwort ab, bevor er zu seiner Tasche gehen würde, um das Wasser zu holen. Irgendwie hatte er obwohl sie jetzt viel glücklicher wirkte noch die Befürchtung, dass die Kleine sich sofort umdrehen und wieder im Wald verschwinden könnte, sobald er sie aus den Augen ließ.
      So ein kleines Kind gehörte zurück zu seiner Familie. Doch vielleicht war dieser auch im Wald etwas zugestoßen, und deswegen hatten sie sie zurücklassen müssen....daran wollte Harlan gar nicht denken. Wenn er Glück hatte, könnte die Kleine ihm mehr dazu sagen. Natürlich erst, wenn sie ein bisschen ruhiger geworden war. Jetzt, wo es gerade so gut lief und sie etwas weniger verängstigt wirkte, sollte man sie vielleicht nicht gleich komplett überfordern. So oder so, zur Not könnte er sie immer noch einfach im Dorf abliefern.
      Als sie ihre kleine, zierliche Hand nach seiner Haarsträhne ausstreckte, war Harlan für einen Augenblick etwas perplex.
      „Was? Oh, stimmt. Die sind wirklich fast gleich.“, erwiderte Harlan ihr, und musste wegen dieser unschuldigen Anmerkung lachen. „...deine müssen allerdings vielleicht mal wieder gekämmt werden. Wie lange bist du denn schon ganz allein hier?“
      Die Kleine hatte überall Schrammen und war auch überhaupt nicht ordentlich angezogen für so eine Wanderung. Wenn ihre Eltern sie wieder hatten und es ihnen gut ging, müsste er vielleicht ein ernstes Wörtchen mit ihnen reden...
    • Nummer 193

      Das kleine Mädchen nickte schnell, als ihr auch etwas zu trinken angeboten wurde und mit großen Augen beobachtete sie, wie die großen Hände des Riesen einen Behälter öffneten, ehe ihr dieser gereicht wurde .
      Mit ihren kleinen Händen hielt sie die Flasche fest, lugte hinein, obwohl nicht viel zu sehen war und rocht erstmal daran, bevor sie sich sicher war, dass der Inhalt trinkbar war und einen Schluck nach dem anderen zu sich nahm, ehe sie die Flasche wieder zurück gab.
      Seit Tagen hatte sie ihren Durst nur mit Regenwasser stillen können, einmal hatte sie Glück gehabt und einen Bach gefunden, aber das Wasser hatte auch nicht so gut geschmeckt.

      Das Kind blickte den fremden Mann perplex an, als er die Aussage über seine Haare tätigte, nicht einmal das Wort kannte sie.
      „Was ist kämmen?“, erkundigte sie sich daher unschuldig und die Neugier blitzte in ihren kleinen Äuglein, ehe sie ihr Haar in die Hände nahm und betrachtete, als könne sie dadurch herausfinden, was der Fremde damit meinte, ehe ihr einfiel, dass er ihr ja auch noch eine andere Frage gestellt hatte.
      „Alleine, ja.“, nickte sie eifrig, ehe ihr Blick traurig wurde und sich gen Boden neigte. Sie musste an die anderen Kinder in der Forschungseinrichtung denken, ihre Freunde, ihre Geschwister, ihre Familie. Tränen stiegen ihr in die Augen, aber sie erinnerte sich daran, dass sie stark sein musste. Sie hatte es ihnen zu verdanken, fliehen zu können und dafür sollte sie dankbar sein, statt traurig.
      Dennoch hoffte sie, dass auch die anderen eines Tages zu fliehen schafften.
      Mit dem wie langekonnte Nummer 193 jedoch nicht viel anfangen, hatte sie doch seit ihrer Flucht das erste Mal in die Sonne gesehen. Ihre Zeitrechnung ging nach den Mahlzeiten, die man ihr gegeben hatte, sie hätte nicht einmal sagen können, wie alt sie war.
      Das Konzept von Zeichrechnung war dem kleinen Mädchen vollkommen fremd.
    • Harlan:
      „Naja, du nimmst einen Kamm und ordnest deine Haare damit. Damit sie nicht...kaputt gehen.“, Harlan fuhr sich mit einer Hand durch seine hellblonden Haare, um das ungefähre Prinzip dahinter zu demonstrieren. Wie konnte man das Jemanden gut erklären? Wahrscheinlich kannte die Kleine es sowieso, nur ihre Familie benutzte ein anderes Wort dafür. Könnte möglich sein, dass sie Einwanderer waren, die Zuhause meist eine andere Sprache sprachen. Schließlich war ihr gesamtes Aussehen doch etwas speziell...oder vielleicht war sie einfach noch zu klein, um so etwas zu wissen. Mit kindlichen Entwicklungsstufen kannte sich der junge Mann nun so gar nicht aus.
      Da die Freude des kleinen Mädchens nun doch sehr getrübt zu sein schien, machte Harlan sich eine geistige Notiz über Themen, die er am besten erst einmal vermeiden wollte. Freundlich legte er ihr eine Hand auf die Schulter, um sie etwas aufzumuntern. Denn obwohl sie nicht in Tränen ausbrach, war ihr doch anzusehen, dass sie nicht gerade glücklich war.
      „Jetzt bin ich ja da. Und du bist nicht mehr alleine. Ich bleib bei dir, keine Angst.“
      Leider sagte sie nichts darüber, wie lange sie schon hier war. Doch egal wie lang, das Wichtigste war erst mal, das Kind in Sicherheit zu bringen und dafür zu sorgen, dass ihre Schrammen versorgt wurden und sie vielleicht ein Bad nehmen konnte. Danach könnte sie immer noch weitersehen. „Ich heiß Harlan. Und wie heisst du?“
      Eigentlich hätte er die Kleine mit Leichtigkeit auf den Arm nehmen und einfach zum Dorf tragen können. Aber auch Kinder hatten doch so was wie Wünsche, und Harlan wollte die des Mädchens nicht einfach übergehen. Deswegen war es das beste, ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie hatte schon genug durchgemacht, er wollte nicht, dass sie sich noch mehr fürchten müsste.
    • Nummer 193

      Aufmerksam beobachtete das kleine Mädchen den Riesen, ehe sie es ihm nachmachte und ihre kleinen Finger durch ihr langes Haar fahren ließ, welche sich jedoch schnell verknoteten. Wütend auf ihre eigenen Finger, dass sie nicht einfach durchgehen, versuchte sie es mit Gewalt, ehe sie feststellen musste, dass es weh tat und sie gerade so ihre Finger wieder von ihren Haaren befreien konnte.
      „Mag ich nicht...“, murmelte sie, ehe sie erschrockenen zusammen zuckte, als die große Hand des Fremden sich unerwarteterweise auf ihre Schulter legte und sie erstarrte, als traute sie sich gar nicht, sich zu bewegen und starrte die Hand an, als hätte sie nie zuvor etwas schrecklicheres gesehen.
      „Nein!“, schrie sie und machte die Hand von ihrer Schulter weg, wich einige Schritte zurück und merkte erst jetzt, dass ihr Atem schneller geworden war und sie gedroht hatte in Panik zu verfallen.
      Für einen Moment hatte sie nur das grelle Licht des Labors und die Erwachsenen ohne Gesicht vor ihren Augen gesehen, als sie sich langsam wieder zurück in der Realität fand und den fremden Mann entschuldigend anblickte, unsicher, was sie tun sollte.
      Das passierte ihr immer, wenn sie jemand plötzlich und unerwartet berührte, ihre Familie verstand das, vielen ging es nicht anders, die neuen Kinder starrten sie immer komisch an und einmal hatte sie einen Jungen damit zum weinen gebracht.
      „... Aua?“, erkundigte sich das Kind, ob es dem Riesen weh getan hatte und legte ihre kleinen Hände um die Hand des Riesen, denn das wollte sie nicht.

      Etwas perplex blickte er sie an, als er ihr seinen Namen verriet, ehe ihr einfiel, das manche Kinder lieber mit einem Wort, statt einer Nummer angesprochen worden waren. Wie hatten sie es nochmal genannt? Namen?
      „Eins Neun Drei.“, sprach sie die Zahlen etwas ungeschickt aus, ohne wirklich zu Wissen, was sie bedeuteten und zeigte dabei auf sich selbst. „Name!“, erklärte sie, um klar zu machen, was sie damit meinte. Viele neue Kinder schienen das nicht ganz zu verstehen und behaupten immer, das sei kein Name, aber Nummer 193 hatte nie eine andere Bezeichnung gehabt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cailemia ()

    • Harlan:
      Kurz verstand er nicht, was sie so in Angst versetzte. Harlan rührte sich nicht, weil er die Befürchtung hatte, jede Bewegung oder wieder näher auf sie zuzugehen könnte sie nur noch mehr verschrecken. Stattdessen sah er sie nur an, versuchte ruhig und gelassen zu wirken, um sie möglicherweise damit ebenfalls wieder etwas zu beruhigen.
      „Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken...“, sagte Harlan sanft.
      Irgendetwas stimmte hier nicht. Normalerweise reagierten Kinder selten so, oder? Sie wirkte panisch, als hätte seine Berührung ihr wehgetan oder wie Jemand, der fast Todesangst hatte...vielleicht hatte die lange Zeit allein sie geistig etwas verwirrt. Oder es lag an etwas anderem...könnte möglich sein, dass sie entführt worden und gerade ihrem Entführer entkommen war? Doch diese Vermutung schob Harlan erst einmal zur Seite. Sie erschien ihm doch etwas sehr weit hergeholt. Wie eine Geschichte aus einem Buch, und nicht die Wirklichkeit. Trotzdem war klar, dass er hier besonders sensibel sein musste. Harlan wusste nur leider nicht, wie gut er darin sein würde.
      „Nein, du hast mir nicht wehgetan. Alles gut. Kein Aua“, meinte er, und rang sich wieder zu einem Lächeln durch, um ihr zu versichern, dass wirklich alles in Ordnung war. So ein winziges Ding hätte ihn nun auch wohl kaum irgendwie verletzten können. Aber es war niedlich, dass sich das Mädchen dafür entschuldigte.
      „193? Das ist aber ein...interessanter Name.“, gab Harlan etwas ratlos zurück. Sie schien nicht so, als hätte sie seine Frage falsch verstanden. Aber ihre Eltern mussten ganz schön seltsame Zeitgenossen sein, ihr Kind so zu benennen. Allerdings wollte er das Mädchen auch nicht damit traurig machen, dass er sich darüber lustig machte oder ähnliches, so überzeugt, wie sie ihm das gesagt hatte.
      „Möchtest du noch etwas Essen? Im Dorf gibt es unendlich viel davon...aber du musst mit mir mitkommen. Du kannst doch nicht in diesem Wald bleiben....
    • Nummer 193

      Als das Mädchen das Wort Dorfhörte, strahlten ihre Augen und sie trat aufgeregt von einem Fuß auf den anderen, als könnte sie es kaum erwarten, dort hin zu gehen.
      Sie hatte von den Kindern, die hin und wieder kamen, Geschichten über Dörfer und Städte gehört, von warmem, frischen Brot, alten, freundlichen Damen die einem mal ein Bonbon schenkten – was auch immer das war – und den Festen, die dort hin und wieder stattfanden.
      „Brot!“; hob sie die kleine Hand, mit Entschlossenheit in ihren Zügen, sie wollte unbedingt Brot probieren, ohne zu Wissen, dass sie das eigentlich schon getan hatte.
      Dennoch war Nummer 193 müde von ihrer Reise und der mentalen Belastung ihrer Angst und Sorgen, sie würde niemals mit Harlan mithalten können, geschweige denn ob sie den ganzen Weg schaffen würde.
    • Harlan:
      Das Wort 'Dorf' schien sie zu kennen. Wahrscheinlich dachte die Kleine an die Leute, die sie dort schon erwarteten, befand Harlan erleichtert. Vielleicht würde das Ganze doch nicht so schwer werden, wie er befürchtet hatte.
      „Zum Beispiel Brot. Oder Kuchen, Eintopf, Süßigkeiten. Es gibt da alles Mögliche.“, meinte er mit einem Nicken. So könnte er sie bestimmt dazu bringen, mit ihm mitzugehen. Doch zu Fuß würde das bei den winzigen Schritten ewig dauern...wahrscheinlich wäre der Weg, der sonst nur zwei Stunden dauerte nicht einmal in einem Tag zu schaffen sein. Berührungen, zumindest wenn sie abrupt waren, mochte die Kleine ja nicht. Harlan stand auf, klopfte sich den Dreck von der Hose da wo er gekniet hatte, und sah zu dem Mädchen.
      „Wenn ich dich trage, sind wir bald da. Das geht ganz schnell.“, meinte er, breitete die Arme etwas aus, vermied aber sie zu berühren oder den Eindruck zu vermitteln, als würde er sie gleich einfach so auf den Arm nehmen. „Aber nur, wenn du auch möchtest.“
      Irgendwie würden sie es bestimmt auch so schaffen...nur das es unglaublich viel Zeit kosten würde, und Essen hatte Harlan auch nicht dabei.
    • Nummer 193

      Mit aufmerksamen und leuchtenden Augen beobachtete das kleine Mädchen Harlan, während sie sich auszumalen versuchte, was Kuchen, Eintopf und Süßigkeiten sein könnten. Zumindest kam sie zu dem Schluss, dass es wie Brot etwas essbares sein musste und sie konnte kaum erwarten das alles zu probieren, wenn es auch nur annähernd so lecker schmeckte wie das Sandwich, dass der Riese ihr freundlicherweise überlassen hatte.
      Die Stimme des großen Mannes riss sie wieder aus ihren Gedanken und das Kind blickte zu Harlan hoch und schenkte dem Fremden ein Lächeln.
      „Okay!“, gab Nummer 193 fröhlich von sich, ohne auch nur einen Moment zu zögern.
      Sie hatte schon längst beschlossen, dass sie dem Riesen mit dem freundlichen Lächeln vertrauen würde, außerdem hatten sie die gleiche Haarfarbe, er konnte nicht böse sein!
      Als Harlan sie in seine Arme hob, damit die beiden ihre gemeinsame Reise beginnen konnten, kam kein erneutes Gefühl von Unwohlsein auf, im Gegenteil, sie fing sogar an gefallen daran zu finden getragen zu werden, während sie sich vorsichtig an dem Hemd des Riesen fest hielt und staunend beobachtete, wie die Welt von hier oben aussah, so ganz anders, entschied sie.
    • Harlan:
      Als er 193 hochhob, merkte er nochmal deutlicher, wie mager das kleine Mädchen war. Sie musste unbedingt mehr essen...wenn sie im Dorf ankommen, würde Harlan versuchen, sich darum zu kümmern. Außerdem hatte er selbst auch immer noch Hunger, weil er kein Mittagessen gehabt hatte. Auch wenn er das der Kleinen nun wirklich nicht übel nahm.
      „Der Weg zum Dorf ist nicht gefährlich. Hier gibt es fast nur harmlose Tiere, kleine Kaninchen, Vögel, Rehe, und so etwas. Die können dir nichts tun, und ich würde dich auch beschützen.“
      Bei diesem schönen Wetter, tagsüber wirkte der Wald sowieso wenig bedrohlich. Wenn man als kleines Kind ganz auf sich gestellt war, über mehrere Tage, sah das allerdings anders aus...
      Worüber redete man mit einem kleinen Kind?, fragte Harlan sich, als er mit ihr weiter ging. Vor allem mit einem, dass anscheinend oft nicht ganz so genau zu wissen schien, was genau er ihm sagen wollte?
      Das war schwierig. Vielleicht würde 193 einschlafen, wenn sie etwas unterwegs waren. Wahrscheinlich musste sie tierisch müde sein, nach so einer Tortur. Im Moment wirkte die Kleine jedoch neugierig und ziemlich aufgeweckt.
      „Willst du...mich irgendwas fragen?“, meinte Harlan schließlich lächelnd, nachdem er kurze Zeit geschwiegen hatte. „Über das, was wir jetzt machen wollen. Oder über mich. Ist egal was.“
      Zwar hatte er selbst wahrscheinlich viel mehr Fragen als das Mädchen, aber er wollte sie nicht erneut mit irgendetwas traurig machen. Oder noch schlimmer, sie so sehr verunsichern, dass sie nicht mehr mit Harlan mitkommen wollte. Das würde Alles nur noch schwieriger machen.
    • Nummer 193

      Das kleine Mädchen blickte hin und her, nahm sich zum ersten Mal seit ihrer Flucht wirklich die Zeit, ihre Umgebung mit allen Sinnen wahr zu nehmen und konnte gar nicht aufhören zu strahlen. Vor allem von hier oben konnte sie so viel mehr sehen als von da unten.
      Sie blickte zu Harlan hoch, als dieser zu sprechen begann und wunderte sich mit ihren großen, runden Augen was diese fremden Worte waren, die er von sich gab, wusste jedoch nicht recht, ob sie diese richtig aussprechen können werden würde. Sie hatte so viele Fragen, dass Nummer 193 nicht einmal wusste, wo sie anfangen sollte und blickte die Augenbrauen angestrengt zusammen gezogen grübelnd zu Boden, ehe der Riese ihr persönlich Anbot ihm Fragen zu stellen.
      „Kaninschen!“, versuchte sie dann sogleich eines der fremden Wörter von sich zu geben, „Vöschg... el? Was ist das?“, funkelte sie ihn mit ihren neugierigen Augen an und wollte so vieles Wissen.
      Während die beiden ihren Weg durch den Wald fortsetzen wies das Kind immer wieder zu Dingen, die sie nicht kannte, fragte den freundlichen Riesen, was es war – und davon gab es in einem Wald wirklich vieles – während sie immer müder wurde und ihre Lider immer schwerer, obwohl sie lieber wach gewesen wäre, schlief sie letztendlich doch ein, als sie sich zum ersten Mal seit Tagen richtig wohl fühlte.
    • Harlan:
      Obwohl er nicht wusste, wie viele Dinge sie wirklich verstand oder überhaupt behalten würde, versuchte er ihr trotzdem in einfachen Worten die Dinge zu erklären, die sie wissen wollte. Und 193 wollte viel wissen. Was Harlan erleichterte, denn dann wusste er wenigstens, was er sagen sollte.
      Für einen winzigen Augenblick merkte er nicht einmal, dass sie schließlich eingeschlafen war, und erzählte einfach weiter. Erst, als sie nichts mehr fragte, merkte Harlan, dass auch ihr Atem ruhiger geworden war.
      Als sie das Dorf erreichten, weckte Harlan sie noch nicht. Auf den Straßen waren zwar ein paar Menschen unterwegs, doch das Stimmengewirr glich eher angenehmen Hintergrundgeräuschen und er hoffte, dass diese nicht laut genug waren, um 193 beim schlafen zu stören. Theoretisch hätte er sich auch sofort auf die Suche nach ihrer Familie machen können, die Kleine aufwecken und das Ganze sozusagen hinter sich bringen. Doch das kam ihm sehr grob vor.
      Man brauchte bestimmt eine gehörige Menge Schlaf, um so einen ungewollten 'Ausflug' wieder auszugleichen. Es war besser, wenn 193 Körper sich selbst entschied, wann es am besten war aufzuwachen.
      Nachdem sie das kleine Gasthaus erreicht hatten, wollte eine Angestellte ihn offensichtlich auf das seltsame Kind ansprechen, doch er versuchte ihr mit einem entschuldigenden Lächeln klarzumachen, dass sie dieses Gespräch doch besser auf später verschieben sollte. Wenn 193 geschlafen hatte. Zum Glück verstand die junge Frau sein Anliegen, obwohl Harlan an ihrem Gesichtsausdruck ihre Verwunderung ablesen konnte.
      Im Zimmer angekommen, legte er 193 vorsichtig auf das schlichte Bett, und deckte sie zu. Es war nicht viel, aber bestimmt tausendmal gemütlicher, als alleine im Wald zu schlafen. Harlan lächelte leicht.
      Sie zurück zu geben war wohl das Wichtigste, was er nun tun konnte.
      Aber es gab noch viele andere, kleine Dinge, um die man sich besser zuerst kümmern sollte. Erstmal brauchte die Kleine etwas frisches zum Anziehen, und baden musste sie wahrscheinlich auch noch. Jemand sollte sich vielleicht ihre kleinen Wunden und schrammen genauer ansehen, und ihre Haare kämmen, auch wenn 193 schon deutlich gemacht hatte, dass sie Vorstellung nicht besonders überragend fand. Und sie sollte noch etwas essen, natürlich. Aber das dürfte am einfachsten werden.
      Harlan hasste den Gedanken, dass er sie möglicherweise ihrer Familie zurück gab, und sich dann eine Predigt darüber gefallen lassen musste, dass er sich nicht ordentlich um ihre Tochter gekümmert hatte.
      Während er zu 193 zusah, die relativ tief zu schlafen schien, strich er vorsichtig ihr weißes Haar zur Seite, um ihre Narbe zu betrachten. Sie war ihm schon vorher etwas aufgefallen, aber Harlan hatte keine Zeit gehabt, sie sich näher anzusehen. Und wenn einem sowas passiert war...dann wars irgendwie klar, dass die Kleine nicht darüber reden wollte. Nur...wie passierte so etwas überhaupt?
      Harlan musste sich dazu zwingen, den Blick wieder abzuwenden, denn so etwas hatte noch nie gesehen.
      Einmal, als er noch ein Kind gewesen war, hatte er einen Mann gesehen, der den Versuch eines Banditen seine Kehle durchzuschneiden überlebt hatte. Noch nicht einmal diese Narbe glich derjenigen, die 193 hatte. Harlan dachte sich seinen Teil dabei.
      Er wollte das Zimmer nicht verlassen, damit seine Abwesenheit das kleine Mädchen, was ja sonst ganz auf sich gestellt war nicht erschreckte, doch die ganze Zeit neben ihr zu sitzen und ihr beim Schlafen zuzusehen kam ihm seltsam vor. Deswegen nahm Harlan ein Buch, welches ihm eine Frau ausgeliehen hatte, die er mal gekannt hatte, setzte sich neben das Bett und begann zu lesen, um sich etwas die Zeit zu vertreiben. Dabei achtete er darauf, die Seiten besonders leise umzublättern.
    • Nummer 193

      Ruhig und mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht, schlief das kleine Mädchen für wenige Stunden auf dem weichen Bett, ehe sie langsam aus ihrem Schlaf erwachte.
      Zuerst glaubte sie unter all den anderen Kindern aufzuwachen, als wäre sie noch immer dort, wo sie hergekommen war, ehe sie sich langsam daran erinnerte, dass sie ja weggelaufen war.
      Aber woher stammten dann die ganzen, leisen Stimmen, die sie hören konnte?
      Nummer 193 setzte sich auf, rieb sich verschlafen mit dem Handrücken über die Augen und blickte sich neugierig in dem Zimmer um, das ihr so riesig vor kam, ganz ohne Kinder gefüllt, nur mit ihr und Harlan, welchen sie auf einem Stuhl erkannte, und sie legte sogleich ihren Kopf fragend schief, unwissend, was er da machte.
      „Was das?“, zögerte sie nicht mit dem Finger auf das Buch in seiner Hand zu zeigen und sich zu erkundigen, was der Riese da tat.
      Doch bevor dieser auch nur die Chance haben konnte, ihre Frage zu beantworten, wurde das Kind wieder von den Stimmen abgelenkt und sie kletterte etwas ungeschickt aus dem Bett, sich vor das Fenster stellend, woher sie die Stimmen zu kommen glaubte, doch so sehr sie sich auch bemühte, sie schaffte es nicht einmal das Fenstersims zu erreichen, um hinauf zu klettern und durch das Fenster zu blicken.
    • Harlan:
      „Hm? Ein Buch...da steht eine Geschichte drin.“ Wenn es Bilder gehabt hätte, er hätte es 193 bestimmt besser erklären können, doch dann merkte Harlan, dass sie ihre Frage schon wieder vergessen zu haben schien, denn etwas anderes hatte ihr Interesse geweckt.
      „Vorsichtig sein!“, mahnte er die Kleine, auch wenn 193 nicht mal ansatzweise an den Fenstersims kam. Sofort legte er das Buch zur Seite, stand auf, und ging zu ihr hinüber. „Ich kann dich auf den Arm nehmen, wenn du aus dem Fenster schauen willst. Willst du die Menschen draußen sehen?“, fügte er lächelnd hinzu, setzte sein Vorhaben aber noch nicht in die Tat um, weil Harlan wusste, wie wenig das Mädchen ungefragte Berührungen mochte.
      Kurz wanderte sein eigener Blick aus dem Fenster, während er ihre Antwort abwartete. Draußen war ein bisschen etwas los, aber nicht so schlimm wie an einem Markttag. Vielleicht fand auf dem Marktplatz irgendetwas statt, eine Aufführung oder dergleichen. So richtig sehen konnte Harlan das von seinem Fenster nicht. Naja, nachher würden er und 193 bestimmt so oder so noch einmal herausgehen müssen, vorausgesetzt, sie wollte die Leute finden, zu denen sie gehörte. Irgendwie war er inzwischen unsicher, ob das wirklich das Richtige war.
      Vielleicht brauchte Harlan jemanden, mit dem er das bereden konnte. Eine erwachsene Person, die im gedanklich etwas auf die Sprünge half, denn egal wie aufgeweckt 193 auch sein mochte, sie verstand seine Fragen häufig nicht richtig und er wollte sie nicht verschrecken. Harlan beugte sich etwas zu ihr herunter, damit er ihr beim Reden besser ins Gesicht sehen konnte.
      „Wir können rausgehen und uns die Leute ansehen. Die Leute, denen die Stimmen gehören. Möchtest du? Aber vorher solltest du dich erst waschen...dann können wir dir auch etwas richtiges, warmes zu essen holen.“
    • Nummer 193

      Sofort zuckte das Kind zusammen, als Harlan seine Stimme etwas erhob und wie erstarrt wandte sie ihr Gesicht diesem zu, mit großen Augen darauf wartend, abwägend, ob er nun böse auf sie sei oder nicht, beruhigte sich aber etwas und erinnerte sich daran zu atmen, als der freundliche Riese doch nicht wütend auf sie zu sein schien.
      Nummer 193 nickte, als er ihr vorschlug, sie wieder hoch zu heben und streckte sogar ihre Arme nach ihm aus. Man konnte so viel mehr sehen, wenn man größer war, hatte sie festgestellt und ihre Augen strahlend bei dem lebendigen Anblick, der sich vor dem Fenster tummelte.
      So viele Erwachsene an einem Ort hatte sie noch nie gesehen, so viele Häuser und viele andere Details, welche dem kleinen Mädchen so fremd waren, dass sie Harlan am liebsten wieder mit Fragen bombardiert hätte, doch dieser ergriff wieder das Wort und sie wandte ihren Blick dem Riesen zu.
      „… mag kein kaltes Wasser…“, grummelte die Kleine, ihre Miene erhellte sich jedoch, als er vom Essen sprach. „Brot?!“
    • Harlan:
      „Na, dann nehmen wir doch einfach warmes Wasser.“, gab Harlan zurück, denn daran sollte es nun wirklich nicht scheitern und auch wenn es 193 nicht aufzufallen schien, sie ein bisschen dreckig. Er selbst störte sich nicht daran, aber erstens war das bestimmt gesundheitlich nicht gerade ideal, besonders was ihre Schrammen anging, und zweitens würden sie so alle Blicke auf sich ziehen, wenn sie sich lange auf dem Marktplatz oder anderswo aufhielten, wo viele Menschen waren. Und nicht gerade auf eine positive Weise. Die Kleine war so schon ein ganz besonderes Mädchen, zu viel negative Aufmerksamkeit würde sie bestimmt komplett überfordern.
      „Hast du immer noch so großen Hunger?“, fragte Harlan, denn es schien klar zu sein, was sie gerade am meisten interessierte. „Wir können runter gehen, und schauen, ob sie etwas für dich da haben. Brot gibt es bestimmt.“
      Die Leute hier kannten ihn, sie würden nicht denken, dass Harlan die Kleine gestohlen hatte, oder gar misshandelte. Da war er sich ziemlich sicher. Außerdem schuldete er der Frau, die ihn vor ein paar Stunden schon nach dem Mädchen hatte fragen wollen noch eine Erklärung. Wenn er ganz viel Glück hatte, könnte ihm jemand sogar mit sauberer Kleidung weiterhelfen. Harlans Hemden waren 193 sicherlich viel zu groß.
      „Wir gehen jetzt zu Freunden von mir, die auch hier im Haus sind. Die geben dir was zu essen.“, meinte er, ging schon auf die Zimmertür zu und öffnete sie. „Wenn du irgendetwas nicht willst, oder du vor etwas Angst hast, sag es sofort. Oder, wenn du dich nicht traust vor anderen zu reden, kneif mich einfach oder so, dann gehen wir wieder hoch.“, fügte Harlan nach kurzem nachdenken hinzu.