Wiped Out [Countess & Lu-Chan]

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    • Wiped Out [Countess & Lu-Chan]

      Wiped Out [Countess & Lu-Chan]

      @Countess
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      army medics _ Tumblr.jpg
      Gabriel Carter Leffort

      Sie hatten es nicht kommen sehen, keiner hatte es kommen sehen, aber eigentlich war es so klar gewesen, eigentlich hätte es ihnen allen klar sein sollen. Zu lange war es schon ruhig gewesen, zu lange hatten sie keine Vorfälle gehabt und dabei war diese Gegend hier gefährlich. Gabe hatte versagt, er hatte es in dem Moment realisiert, in welchem die Bombe eingeschlagen hatte, in welchem er den Ausmaß dessen sah, noch bevor es ihn traf. Wie viele es wohl getroffen hatte? Wie viele seiner Männer sind dabei drauf gegangen? Aber gegen einen Bombenanschlag konnte man nichts ausrichten, man konnte sich nicht schützen und es früh genug wissen, um sich in Sicherheit zu bringen. Gab es überhaupt eine Sicherheit vor so etwas? Eigentlich nur ein Abstand, der groß genug war, um den Ausmaß nicht mitzubekommen, aber die Zeit für so etwas reichte in der Regel nicht aus.
      Waren sie alle tot? Fühlte sich so der Tod an, oder war das hier nur die Vorstufe davon? Was würde wohl auf ihn warten, wenn er die Augen nicht mehr öffnen sollte? Würde er sich für all das rechtfertigen müssen, was er in seinem Leben getan hatte? Eine Menge hatte Gabriel getan, eine Menge Böses vor allem, aber es war sein Job und all die Leben, die er ausgelöscht hatte, waren nötig, um andere Leben zu beschützen, die sich selbst nicht beschützen konnten. Konnte man ihm so etwas übel nehmen? Er tat bloß nur das, was nötig war, er wollte helfen, er wollte sein Leben für andere aufs Spiel setzen und dafür sorgen, dass sie vielleicht endlich ein richtiges, normales Leben führen können, ohne Angst und Sorgen, ohne ständig mit dem Gedanken zu leben, getötet oder versklavt zu werden. Natürlich ging es nicht, ohne selbst Leben auszulöschen, aber er war doch nicht mit ihnen auf die selbe Stufe zu stellen, oder etwa nicht? Würde er am Ende genauso bestraft werden, wie auch die, deren Leben er beendet hatte?

      Ein Schmerz durchzog seinen Körper, er konnte also noch nicht tot sein. Gabe bewegte seinen Kopf zur anderer Seite, er wagte es aber noch nicht die Augen zu öffnen, denn vielleicht konnte man nach dem Tod auch noch Schmerzen verspüren, vielleicht würde er gleich in der Hölle aufwachen und noch mehr Schmerzen verspüren.. Der Schmerz hörte nicht auf, er ließ ihn nicht wieder in den Schlaf verfallen, ließ ihn nicht wieder über sein weiteres Ergehen nach denken, er zwang den Mann die Augen langsam zu öffnen. Rauch war zu sehen, eine Menge Rauch, warum hatte er ihn noch nicht gerochen? Er versuchte die Nase hoch zu ziehen, aber es schmerzte, er schmeckte Blut, seine Nase schien gebrochen zu sein, deshalb konnte er den Rauch auch nicht riechen. So langsam wurde auch die Sicht klarer, der Kopf schmerzte bei jeder Bewegung, dennoch zwang sich der Blonde dazu ihn zu bewegen, um nach zu sehen, warum sein Körper so schmerzte. Er erkannte Trümmer, sie lagen über ihm, zerdrückten den muskulösen Körper, der sich nicht befreien konnte. Lange konnte Gabriel seinen Kopf nicht halten, er ließ ihn fallen, stöhnte kurz vor Schmerz, die Landung war nicht sehr sanft gewesen. Er schloss wieder die Augen, er war müde, er war fertig..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."


    • Allein und verzweifelt vegetierte Rachel tagtäglich vor sich hin. Ihren Sinn des Lebens hatte sie längst verloren, nachdem sie Abschied an ihrem einst so geliebten Bruder nehmen musste. Wobei, als einen richtigen Abschied konnte man dies nicht bezeichnen - vielmehr als Realisierung dessen, dass ihr Bruder kaltblütig ermordet wurde, als gegnerische Truppen durch ihr kleines Dorf streiften und mehr oder weniger alles Leben vernichteten, das ihnen in die Quere kam. So auch Ethan, der lediglich mit seinem Stock im Vorgarten spielen mochte. Ich wusste ich hätte ihn niemals gehen lassen dürfen.. Die vagen Bilder zogen noch immer durch ihr Unterbewusstsein, entlockten ihr Tränen und zwangen sie in die Knie. Was sollte sie auch tun? Sie befand sich mitten im Kriegsgebiet, wusste sich nicht zu verteidigen, wurde beherrscht von Angst und zu allem Überfluss verblieb sie nun auch noch allein in ihrem notdürftig mit Brettern verschanzten und einsturzgefährdeten Eigenheim. Sollte also auch nur ein einziger, feindlicher Soldat auf den Geschmack kommen nachzusehen, ob neben den in Schutt und Asche liegenden Häusern vielleicht doch etwas zu holen war, wäre das ihr Ende gewesen. Doch mittlerweile hielt sie an dem Glauben fest, dass ihre Zuflucht vielleicht doch nicht die schlechteste Wahl gewesen ist. Immerhin verweilte sie hier bereits eine ganze Weile. Wie lange jedoch, konnte sie nicht sagen. Schließlich verlor sie jegliches Zeitgefühl durch abgefeuerte Schüsse, die sowohl tagsüber als auch nachts das sonst so ruhige Dorf erhellten.

      Mittlerweile realisierte die junge Frau jedoch, dass es Zeit wurde, sich auf die Suche nach Essbarem zu machen. Ihre letzte Ration Trockenbrot hatte sie bereits gestern Abend zu sich genommen und mehr Essen besaß sie nicht. Ein Blick nach unten zum Betrachten ihrer Beine genügte um ihr zu zeigen, dass sie beim Weiterführen dieses Lebensstils nicht mehr weit kommen würde. Außerdem grummelte ihr Magen schrecklich und schmerzte bereits seit ein paar Stunden infolge ihres Hungers, den sie nicht zu stillen bekam. Auch ihre Konzentration nahm immer weiter ab. Vor ein paar Tagen erst schmiedete sie hoffnungsvolle Pläne zur Flucht aus dieser Hölle auf Erden und nun gelangte sie an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiter kam (oder weiterkommen wollte). Rachel war ausgelaugt, litt unter extremen Schlafmangel da sie aus Angst nie mehr als drei/vier Stunden am Tag die Augen zu bekam und selbst nach all den vergangenen Wochen war kein Ende in Sicht. Nebenbei machte es die junge Frau wütend zu sehen, dass feindliche Truppen immer mehr von ihrer Heimat zerstörten - während ihr bisher noch nie jemand ins Auge gefallen ist, der auch nur annähernd versuchte dieses Dorf inklusive der Bewohner zu schützen. Stattdessen fielen ihr beim Blick durch die winzigen Öffnungen zwischen den einzelnen Brettern Tote, schwerverletzte oder zusammengekauerte und wimmernde Bewohner auf den Straßen ins Auge. Dieses Szenario verpasste ihr einen kalten Rückenschauer, weshalb sie den Blick so schnell wie möglich abwendete und sich lieber der Frage zuwendete, wie es für sie nun weiterging. Doch genau im selben Moment ertönte von draußen, nicht weit entfernt von ihrem Haus ein ohrenbetäubender, unbeschreiblicher Knall, der Rachel in Angst und Panik versetze. Schon wieder ein Angriff?

      Versteckt und die Ohren schützend hockte die junge Frau unter dem Tisch, wartend auf den richtigen Moment, wieder hervortreten zu können. Als sie sie sich halbwegs sicher war, die Luft wäre rein gewesen, wagte sie einen erneuten Blick durch die Öffnungen der Holzbretter. Was sie dort sah, glich einem Schlachtfeld und wirkte wie ein Szenario, das man sonst aus Filmen kannte. Vor lauter Schutt und Glassplittern war der hintere Teil des Dorfes, den die Explosion wohlmöglich noch erreichte, nicht wiederzuerkennen. Lediglich ein stämmiger Wegweiser, der der Wucht der Explosion trotzte, stand wie ein Mahnmal in Mitten der sonstigen Verwüstung. Sogar ein paar Bewohner schafften es anscheinend zu überleben, wie die Silhouetten von panisch nach draußen flüchtenden Menschen, teilweise schluchzend, mit vom Schock erstarrten Gesichtern verrieten. Rachel wurde im nächsten Moment aus ihren Gedanken gerissen, als es plötzlich und unerwartet an der Tür hämmerte. Zunächst ein paar Mal und als die junge Frau keine Anstalten machte, zur Tür zu gehen, wurde das Hämmern verstärkt. "Aufmachen! Ich tue dir nichts, wirklich! Aber wir könnten gerade jede helfende Hand gebrauchen, bitte!" ertönte es von draußen. Rachel zögerte, immerhin könnte dies auch eine Falle sein. Doch woher sollten feindliche Soldaten wissen, dass sie hier drin war? Die einzigen Leute die das hätten wissen können, waren die Bewohner selbst als sich jeder irgendwo verschanzte. "Na gut, einen Moment bitte".

      In Eile schnappte sie sich das Brecheisen aus dem Flur und rannte zur Tür um das Brecheisen hinter die Bretter zu klemmen und somit von der Tür zu lösen. Leider nahm dies ein paar Minuten in Anspruch, da Rachel momentan nicht ihren vollen Körpereinsatz zeigen kann. Als jedoch endlich auch das letzte Brett gelöst war, stürmte sie nach draußen und blickte in die entsetzten, verwundeten und blutigen Gesichter ihrer einstigen Nachbarn. "Rachel.. wie.. wie siehst du aus? Was ist passiert? Wie konntest du so lange überleben?" murmelten ihr ein paar der Bewohner entgegen. Doch anstatt auf die Fragen einzugehen, streckte sie die Hand und winkte ab. "Was war denn so dringend, dass ich herauskommen sollte?" drängte sie. "Du hast vermutlich von der Explosion gerade mitbekommen? Das war ein feindliches Attentat auf Soldaten, die eigentlich zu unserem Schutz und dem allgemeinen Schutz dieses Gebiets beordert wurden. Die Explosion hat aber so viel Zerstört, dass der Schutt und die Trümmer einige Soldaten begraben haben, die immer noch leben! Wir müssen ihnen helfen und dazu benötigen wir jede Hand die wir kriegen können." betonte einer der Dorfbewohner. "Verständlich. Aber ich weiß nicht, ob ich das will. Was ist, wenn die Feinde nicht weg sind und wir dabei alle sterben werden? Dann waren all die vorigen Kämpfe ums Überleben umsonst.." erwiderte Rachel mit einem Unterton von Furcht. "Rachel. Wir alle wissen was du durchgemacht hast und wie viel Kraft du uns allen gegeben hast bevor.. du weißt schon was. Aber sich einfach zurückzuziehen und nichts zu tun, ist doch auch keine Lösung. Was wäre, wenn dein Bruder unter den Trümmern liegen würde? Du würdest nicht eine Sekunde lang mit der Wimper zucken. " - "Stop! Lass meinen Bruder da raus. Ich will nicht mehr daran denken." forderte sie. "Das wissen wir doch alle. Aber vielleicht hilft es dir, wenn du jetzt jemand anderem helfen kannst. Das Leben deines Bruders konntest du vielleicht nicht retten - aber dann rette zumindest das Leben eines anderen, genau so unschuldigen Menschen". Ohne auch nur ein Wort zu erwidern, nickte Rachel. Sie wusste, dass das, was sie nun tat, etwas Gutes war und vielleicht konnte ihr das bei ihrer Überwindung vom Tod ihres Bruder ja wirklich helfen.

      An der besagten Stelle angekommen, befand sich vor den Bewohnern ein riesiger Trümmerhaufen geziert von einzelnen Körperteilen und Massen an Blut der bereits ums Leben gekommenen Soldaten. Ist es nicht irgendwann genug? Seufzend inspizierte sie den Trümmerhaufen weiter, ging umher und suchte nach Überlebenden oder Geräuschen die auf Überlebende hinweisen konnten. Als sie nach mehrmaligen Umrundungen den Rücktritt anstreben wollte, ertönten unter dem Trümmerhaufen allerdings von Schmerz durchzogene Geräusche. "Kommt her. Hier ist jemand, ich glaube er lebt noch!" , schrie Rachel und deutete auf die Stelle, aus der die Geräusche ertönten. Ohne etwas zu erwidern packten alle Dorfbewohner mit an und schoben ein Trümmerteil nach dem anderen zur Seite, bis der Oberkörper des Soldaten freigelegt war und er zumindest wieder einen vernünftigen Zugang zu Luft besaß. "Keine Sorge, halt durch. Du hast es gleich geschafft." ermutigte sie den noch unter Trümmern gefangenen Soldaten, während sie hinter ihm hockte um seinen Kopf vorsichtig auf ihrem Schoß zu stützen und ihre zärtlichen Hände auf seinen Wangen ruhen ließ. Sie wusste nicht, ob der Soldat ansprechbar war oder vielleicht schon längst bewusstlos wurde, doch sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben. Die Dorfbewohner setzten ihre Rettungsaktion fort und befreiten nun ebenfalls den Unterkörper des Soldaten. Im Anschluss hievten sie alle den Soldaten gemeinsam aus dem Trümmerhaufen und Rachel setzte sich mit ihm auf eine Wiesenfläche oder das, was davon noch übrig war. Sie achtete weiterhin darauf, dass sein Kopf auf ihrem Schoß gestützt blieb da sie nicht sicher sein konnte, dass er sich vielleicht eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Beim näheren Betrachten des jungen Mannes fiel ihr außerdem auf, dass eine Menge an Blut aus seiner Nase hervorgetreten sein musste. Die Nase sieht zudem ziemlich gebrochen aus, vielleicht auch nur verstaucht. Dennoch ist klar, dass der Mann erst einmal zur Ruhe kommen muss um sich und seine Kräfte generieren zu können. "Ab jetzt wird alles gut" wisperte sie zu dem Mann und nahm gleichzeitig eine Flasche Wasser entgegen, die ihr von einem der Dorfbewohner hingehalten wurde. Zunächst nahm sie einen winzigen Schluck aus der Flasche und brach zugleich in Husten aus, da ihre Kehle so ausgetrocknet war dass selbst der kleinste Schluck Wasser ihre Kehle reizte. Im Anschluss führte sie die geöffnete Flasche ganz langsam und vorsichtig an den Mund des Mannes heran und kippte diese leicht, damit er einfacher trinken konnte. "Wenn du mich hörst, dann trink etwas. Du wirst es brauchen."
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Eigentlich sollte er stolz auf sich sein, eigentlich. Die Auszeichnungen, die bei seinen Eltern im Wohnzimmer hingen und die Abzeichnungen an seiner Ausgehuniform machten doch deutlich, wie viel er in seinem Leben schon erreicht hatte, aber Gabriel war sich gar nicht sicher, ob er wirklich auf sich stolz sein wollte. Wenn er ehrlich war, dann waren diese Auszeichnungen und Abzeichnungen nichts, im Gegensatz dazu, was er hier eigentlich erreichen wollte. Er wollte Menschen helfen, er wollte ihnen helfen ein ruhiges Leben zu führen so, wie es sich gehörte. Jeder sollte ein Anrecht darauf haben, Kinder sollten ohne Angst aufwachsen dürften, sie sollten ihre Kindheit genießen, sollten zur Schule gehen und eine Bildung bekommen können und nicht hungern und um ihre Eltern trauern, die sie in diesem sinnlosen Krieg verloren haben. Gabe wollte kein Held sein, er wollte auch nicht zuhause gefeiert werden, er wollte das, was ihm möglich war, den anderen bieten können. Seine Eltern waren eher stolz auf ihn und waren stolz auf die Tatsache, ihr Sohn war ein Colonel in der Army, er hatte eine hohe Position und verdiente gut Geld, aber letztendlich waren sie auch stolz darauf in ihrem Freundeskreis angeben zu können, denn als Soldat hatte man ein sehr hohes Ansehen in der Gesellschaft, dabei war es genau das, war der Mann nicht wollte, doch er hatte es schon aufgegeben gehabt das zu verändern, seine Energie steckte er lieber in anderes.

      Gabriel war gar nicht stolz auf sich, er war innerlich fast schon sauer, wütend, denn er hatte es nicht kommen sehen, was passiert ist, er hatte nicht alles mögliche versucht, um die Menschen hier zu beschützen, er ist wie ein Dominostein einfach umgefallen und hat die nächste Welle mit sich mitgerissen. Wie lange er eigentlich da lag konnte er nicht sagen, es hätten vielleicht fünf Minuten, oder eher fünf Stunden sein können. Es kam ihm vor, als hätte er vor Ewigkeiten seine Augen erst aufgemacht, aber seine Erinnerung schien nicht ganz klar zu sein, vielleicht hatte er seine Augen noch gar nicht erst aufgemacht, vielleicht war er gerade erst dabei seine Augen aufzumachen.
      Eine Stimme riss ihn aus den Gedanken, eine weibliche Stimme rief etwas, aber auch wenn sich der Mann anstrengte, er wusste nicht, was sie schrie. Halt durch..bekam er mit. Hatte er es sich eingebildet, oder war es eine Wirklichkeit? Hatten noch welche überlebt? Würde ihn jemand hier raus holen, ihn gesund machen und ihm die Chance geben diese Menschen hier zu beschützen? War sein Team noch am leben? Das Gewicht auf seinem Körper lockerte sich, er konnte wieder Luft bekommen, konnte wieder besser atmen und schnappte sofort nach Luft, kaum war es ihm möglich. Als sein Kopf bewegt wurde verzog der Soldat kurz sein Gesicht, er hatte Schmerzen, die sich gleich wieder lösten, als er auf etwas weiches traf. Warm und weich..
      Seine Beine wurden erlöst, das Gewicht wurde ihm genommen und mit einem Mal spürte er auch den Schmerz im rechten Bein, war es etwa gebrochen? Oder hatte er ganz andere Probleme gehabt? Er konnte hier nicht einfach liegen bleiben, es war zu gefährlich, wenn er es tun wird, aber auch wenn sich Gabriel dazu entschloss, er schaffte es nicht seine Augen noch einmal zu öffnen. Er versuchte es, doch das Schwarz nahm ihn wieder ein, nahm ihm die Geräusche in der Umgebung wieder weg und ließ ihn in Unsicherheit schwimmen.
      Ab jetzt wird alles gut.. Innerlich schreckte der Mann zusammen, als er die Stimme wahr nahm, die mit ihm sprach. Wie lange war er dieses Mal weg gewesen? War er überhaupt schon mal geistig da gewesen, seit dem Einschlag der Bombe? Wem gehörte die Stimme, die mit ihm gesprochen hatte? Ein Husten war zu hören, ein wenig später spürte er Wasser an seinen Lippen. Die Kehle schien vertrocknet zu sein, aber schlucken war so schwierig. Er sollte etwas trinken, wenn er sie hören konnte, wer war das? Gabe versuchte etwas zu trinken, der erste Schluck ging gut, der zweite nicht mehr, er verschluckte sich und fing an zu husten. Der Brustkorb schmerzte, es fühlte sich wie tausend Messerstiche an, verdammt, was war nur los mit ihm? Ein wenig drehte er sich, um es besser abzuhusten, dann legte er den Kopf wieder zurück auf dieses weiche, warme Kissen.. Sein eigenes Bett in seiner Wohnung wäre jetzt toll, die weiche Matratze, ohne Schmerzen, die Müdigkeit war wieder da. "Danke", murmelte er nur leise, eine Stimme versagte ein wenig, Gabe musste sich räuspern, dann war wieder diese Dunkelheit in seinem Kopf vorhanden..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das sich vor ihr abspielende Szenario kam ihr so unwirklich vor. Auch wenn sie wusste, dass ihr Bruder längst nicht mehr unter den Lebenden verweilte, weckte der unter ihr ruhende Soldat jede noch so schreckliche Erinnerung wieder auf, die sie so schnell wohl nicht zu verarbeiten vermochte. Eigentlich ähnelte der Tag einem völlig normalen, abseits von den von Angst und Schrecken gezierten, wie man sie momentan eher beschrieben hätte. Als ihr Bruder noch lebte, wurde das Dorf zwar ebenfalls zur Zielscheibe einiger böser Männer - allerdings war es zu dem Zeitpunkt noch völlig legitim, den Jüngeren das Verlassen des Hauses zu erlauben. Weit hinaus zu gehen traute sich sowieso niemand und da ihr Bruder lediglich im Vorgarten spielen wollte, war Rachel sich sicher, ihn gut genug im Auge behalten zu können. Dass dieser Tag jedoch der Anfang von viel Schrecklicherem einläuten würde - damit konnte beim besten Willen kein einziger der Bewohner rechnen - so auch Rachel nicht. An diesem Tag wurde ihre alltägliche Verrichtung des Haushaltes abrupt von zwei ohrenbetäubenden Schüssen unterbrochen indessen sie dazu gezwungen war, zum Fenster zu stürmen, um nach ihrem sich noch immer draußen befindenden Bruder zu sehen. Ein Blick genügte jedoch um ihren Körper beben zu lassen. Sie kaute auf ihrer Unterlippe und ihr Magen verkrampfte und verdrehte sich vor Schock. Im nächsten Moment rannte sie so schnell sie konnte in den Vorgarten und brach augenblicklich neben dem leblosen, mit Blut verschmierten Körper ihres so unschuldig aussehenden Bruders zusammen. Sie griff mit beiden Händen unter seine Achseln und zog ihn so vorsichtig wie sie nur konnte auf ihren Schoß, beugte sich mit tränengefüllten Augen zu ihm hinunter und brach sogleich in bitterlichem Weinen aus. "Nein.. nein.. das.. kann nicht sein! Bitte, wach auf! Ich kann dich doch nicht einfach so gehen lassen!" schrie Rachel aus tiefster Kehle, was binnen weniger Minuten ein paar Dorfbewohner aus ihren Häusern lockte, die sich mit winzigen und langsamen Schritten näherten. "Warum hilft denn keiner von euch? Was steht ihr da einfach so herum?!" brüllte sie abermals mit einem vor Wut und Trauer rotglühendem Gesicht. Die Dorfbewohner schwiegen weiterhin aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Keiner brachte auch nur einen einzigen Ton über die Lippen. Das sowas passieren würde, damit hatte keiner von ihnen gerechnet. Das Schlimmste an der ganzen Sache war allerdings, dass kein Verantwortlicher für den Tod ihres Bruders zu sehen war und seine kaltblütigen Mörder ohne gerechte Strafe davonkommen würden, nur um im Anschluss wohlmöglich weitere Leben von unschuldigen Menschen zu rauben.

      Rachel dachte, mit der Zeit würde der Schmerz vergehen und sie nicht mehr ganz so schlecht fühlen lassen. Doch sie hatte sich geirrt. Alles in ihr schmerzte fürchterlich. Immerhin gab es nichts, was einen Menschen auf den Tod vorbereiten konnte. Besonders dann nicht, wenn er ohne Vorwarnung auftrat. Man war nicht einmal in der Lage den Schmerz zu beschleunigen, um damit abschließen zu können. Man wird einzig und allein von Trauer überwältigt, die wie eine Welle unerbittlich über einen einbricht. Rachel fragte sich, eine Zeitlang ob es nicht weniger schmerzhaft gewesen wäre unter Wasser geblieben zu sein, statt jemals wieder geatmet zu haben. Sie war drauf und dran ihren letzten Atemzug mit dem ihres Bruders zu tun - doch stattdessen wollte sie versuchen, aus der Finsternis aufzutauchen und weiter zu schwimmen. Nicht aber in nächster Zeit - bevor das nämlich möglich war, musste sie den Schmerz zunächst besiegen.

      Ein Husten weckte Rachel aus ihrem Delirium. Zunächst erschreckte sie sich leicht, bis sie bemerkte, von wem das Husten ausging. Ein Stein fiel ihr vom Herzen - sie hatte es geschafft. Sie hatte es geschafft, einen unschuldigen Menschen vor dem Tod zu bewahren. Eher gesagt - den ersten Schritt in die Richtung getan. Schließlich musste sie sich noch um seine Wunden kümmern, bevor er im schlimmsten Fall an diesen verstirbt. Hier draußen war allerdings nicht der richtige Ort dafür. Jederzeit könnten feindliche Truppen erneut aufkreuzen und sie alle ausrotten. Also beschloss sie kurzerhand, den Soldaten zurück zu ihrem Haus zu bringen. Dort wären sie zumindest vorübergehend sicher gewesen. Als Rachel ihre Lippen öffnete um etwas zu sagen, bemerkte sie, dass der Mann unter ihr langsam aber sicher erneut das Bewusstsein verlor. Nein nein nein.. nicht jetzt, wir müssen hier weg! Ihre von Angst erfüllten, glasigen Augen wanderten zu ein paar der Dorfbewohner, die sich immer noch in ihrer Nähe aufhielten. Entschlossen sagte sie: "Wir müssen ihn zu meinem Haus bringen. Hier draußen sind wir nicht sicher und ich möchte mir nicht umsonst die Mühe gegeben haben, mich um ihn zu kümmern, nur um ihn gleich darauf an eine weitere Explosion zu verlieren.". Die Dorfbewohner nickten und vorsichtig stützte Rachel den Nacken des Soldaten, während sechs weitere Dorfbewohner den restlichen Körper mit ihren Armen in die Luft hievten, damit er gerade und unter hoffentlich weniger Schmerzen in ihr Haus getragen werden konnte. Auf dem riesigen, noch einigermaßen intakten Sofa wurde der Mann dann schließlich abgelegt. "Danke.. den Rest schaffe ich allein." wisperte sie den Dorfbewohnern zum Abschluss entgegen und machte sich sogleich auf ins Badezimmer, um mit einem kühlen, in Wasser getränkten Waschlappen, einigen Schmerztabletten, einem Glas Wasser, Verbänden und Desinfektionsmittel zurückzukehren. Bevor sie anfing sich um die Wunden und Verletzungen zu kümmern, studierte sie das Gesicht des Mannes. Er sah so friedlich aus und noch dazu bildhübsch. Aber das tat momentan nichts zur Sache, also schüttelte sie den Kopf um ihre Gedanken loszuwerden und sich weiter auf seine Verletzungen zu konzentrieren. "Wenn du mich hören kannst, tut es mir bereits jetzt schon leid. Du hast dir ein paar ordentliche Wunden zugefügt und ich befürchte, das wird gleich ziemlich weh tun." warnte sie den Mann, bevor sie den kühlen Waschlappen schonmal auf seiner Stirn ablegte und mit einem in Desinfektionsmittel getränkten Tuch anfing, die Kratzer und Wunden in seinem Gesicht sachte abzutupfen. Das tat sie im Anschluss auch mit den restlichen, offenliegenden Wunden an seinem Körper. Jetzt kam der unangenehmere Teil. Sie umklammerte seine Wade des verletzten Beines so vorsichtig, wie es ihr nur möglich war und legte dieses hoch auf einen Berg bestehend aus Kissen, während sie im Anschluss versuchte, dieses so gut wie es nur ging mit Verbänden und einem massiven Stück Holz zu fixieren. "Tut mir Leid.. ich bin keine Ärztin und habe keine Ahnung, ob das überhaupt hilft." entschuldigte sie sich, wissend, dass er sie wahrscheinlich immer noch nicht hörte. Aber das war ihr egal. Er sollte wissen, dass sie da war und sich um ihn kümmerte, damit das Schicksal ihres Bruders nicht noch jemand anderen heimsuchte. Zuletzt legte sie die Tabletten auf den Tisch neben dem Sofa, inklusive dem Glas Wasser und nahm seine Hand in die ihre. "Auf dem Tisch liegt Schmerzmittel, du wirst es wahrscheinlich brauchen. Ich bin hier, wenn etwas sein sollte. Aber zunächst muss ich nochmal raus und versuchen, Lebensmittel zu besorgen wenn wir beide das hier durchstehen wollen.". Ein kaum hörbarer Seufzer überkam sie, bevor sie sich vom Sofa erhob und in Richtung Haustür schlenderte.
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Die Dunkelheit erstreckte sich immer weiter um ihn herum, sie schien ihn einzunehmen, ihn nicht mehr los lassen zu wollen und Gabe war sich nicht sicher warum. War er jetzt tot? Hatte sein Leben ab jetzt gar keinen Sinn mehr? Dabei war er noch so jung, wie konnte es sein, dass er sein Leben aufgeben musste, wenn er es noch nicht einmal richtig gelebt hatte? Er wollte doch eine Frau finden, Kinder kriegen und sie aufwachsen sehen, sie ab und zu Mal am Wochenende zu seinen Eltern geben, um seine Frau schön auszuführen und ihr die Welt zu zeigen, sie mit ihr gemeinsam zu erkunden. Er wollte doch eine bessere Welt schaffen, für sich, seine Frau und vor allem seine Kinder, sie sollte ohne Probleme aufwachsen, sich keine Sorgen um Kriege, oder Anderes machen, sorgenfrei sollten sie sein. Am Ende wollte der Mann doch nichts anderes, als ein normales Leben zu führen, mit seiner Frau gemeinsam auf der Veranda zu sitzen und den Enkelkindern beim Aufwachsen zuzusehen, aber scheinbar wurde er dieser Möglichkeit beraubt und nicht nur er, wie es wohl seinem ganzen Team ging? War noch irgendjemand von ihnen am leben? Einige von ihnen hatten Frau und Kinder, eine Familie, die Zuhause auf sie wartete und sie würden nicht wieder kommen, um gemeinsam mit den Kindern dieses Jahr Weihnachten zu feiern, sie werden nicht zu den Geburtstagen da sein, zu den Aufführungen.. Und wer war daran Schuld? Gabe und die Tatsache, dass er es nicht hat kommen sehen.

      Als Gabriel seine Augen wieder öffnete war es still um ihn herum und er realisierte relativ schnell, dass er nicht mehr von den Trümmern und dem Rauch umgeben war. Er war in einem Haus, in einer Hütte, jedenfalls sah es nach Sicherheit aus, was seine innere Panik gleich schon wieder ein wenig beruhigte. Aber wer hatte ihn hier her gebracht? Der Mann versuchte sich zu erinnern, er riss sich zusammen, aber er konnte sich nicht an ein Gesicht erinnern, lediglich an eine Stimme, die mit ihm gesprochen hatte, die ihm was zu Trinken gegeben hatte. Eine junge Frau, danach klang es, und kaum realisierte er das schon riss er die Augen komplett auf, um sich aufzusetzen und nach der Frau zu sehen. Lebte sie noch? Ging es ihr gut? Gabriel bereute jedoch schnell sich aufgesetzt zu haben, es zog und schmerzte in der Brust und im Bauch, der Schmerz nahm ihm kurz den Atem weg, zwang ihn dazu sich wieder hin zu legen, um die Augen zu schließen und tief Luft zu holen. Einatmen.. Ausatmen.. Ganz langsam entließ er die Luft aus seiner Brust, bevor er wieder die Augen öffnete, kaum war der Schmerz lockerer geworden.
      Er konnte die Frau nicht erkennen, aber kaum öffnete der Soldat seinen Mund, um einen Laut von sich zu geben, merkte er das Kratzen im Hals, welches ihn davon abhielt ein Wort zu sagen. Er blickte sich lieber wieder um, sein Bein ist bandagiert worden, ob es gebrochen war konnte er nicht sagen, aber es war verarztet worden, wo blieb also die Frau? Oder hatte ihn jemand anderes hier her gebracht? Noch einmal versuchte sich Gabriel auf zusetzen, er zog sich ein wenig hoch, um sich mit dem Rücken an die Wand anzulehnen, um das kleine Haus zu betrachten, in welchem er nun lag. Es war heruntergekommen, aber es war aber wie es aussah sicher, jedenfalls ein kleines Versteck, in welchem sich der Soldat ein wenig erholen konnte. Seine Augen erblickten aber noch andere Sachen, die Tabletten neben sich zum Beispiel und etwas Wasser. Mit zittrigen Händen ergriff Gabe das Glas, führte es zu seinem Mund, um einen kleinen Schluck davon zu nehmen. Seine Brust schmerzte, als er schluckte, aber dem Hals tat es sehr gut, es erleichterte ihm so einiges. "Hallo?", versuchte er es mit seiner Stimme, die sich noch kratzig anfühlte. Es kam nichts, er versuchte es ein weiteres Mal, aber vergeblich. War ihr etwas zugestoßen? Gabe konnte sich nicht regen, es fiel ihm schon schwer genug sich aufzusetzen, sitzen zu bleiben, vielleicht sollte er sich lieber wieder hin legen und ein wenig schlafen? Aber wie sollte er ruhig schlafen, wenn er nicht wusste wo die Person hin war, die ihn hier her gebracht hatte. Letztendlich entschloss er sich dazu die Tabletten zu nehmen, die auf dem Tisch lagen, sie zu schlucken in der Hoffnung, es würde bald wieder mit den Schmerzen besser werden. Dann versuchte der Soldat sich in Erinnerung zu rufen, was überhaupt passiert war. Eine Bombe, ein Anschlag, viel Rauch, viele Schreie, viele Schmerzen.. Der Mann versuchte es gar nicht mehr, er öffnete gleich wieder seine Augen, die Panik, die er dabei spürte war zu viel, sie war zu viel auf einmal und es erklärte immer noch nicht, wo die Frau hin war, dessen Stimme er vorhin gehört hatte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ganz gleich wohin sie beim Verlassen ihres Unterschlupfes auch blickte, das einst so mühevoll errichtete Dorf glich mittlerweile lediglich einem riesigen Trümmerhaufen. Die meisten Behausungen lagen in Schutt und Asche aus denen nur noch Qualm empor stieg und dieses Szenario rief die schrecklichen Erinnerungen an Bomben und Waffengefechte zurück. Rachel schluckte den Kloß der sich derweil in ihrem Hals bildete hinunter und setzte ihre Suche nach Vorräten fort, auch wenn sie nicht genau wusste, wo sie überhaupt suchen sollte. Schließlich verschanzten die anderen Dorfbewohner sich ebenfalls in noch aufrecht stehenden Gebäuden und alles, was es dort an Vorräten geben könnte, brauchten sie vermutlich selbst. Gleichzeitig konnte die junge Frau sich aber nicht vorstellen, dass keiner der Überlebenden ihr zu helfen vermochte. Schweren Herzens klopfte sie also an die nächstbeste Tür die sich ihr bot, mit Hoffnung auf Hilfe. Im nächsten Moment öffnete die Tür sich einen winzigen Spalt weit, gerade so, dass ein älterer Herr seine Nase hindurchstecken konnte. "Was willst du?" - "Bitte, können Sie mir helfen? Ich habe einen der verletzten Soldaten bei mir untergebracht aber wir werden das hier nicht länger als ein paar Tage überleben, wenn wir keine Vorräte finden.." - im nächsten Moment knallte der ältere Herr die Tür wortlos zu. Der Hoffnungsschimmer in Rachels Augen verschwand augenblicklich. Besonders, weil die junge Frau panische Angst davor hatte, bei den restlichen Häusern ebenfalls so kaltblütig abserviert zu werden, obwohl sie stets alles tat, um zu helfen. Wieso hatte sie bei der Rettung des Soldaten trotz ihres eigenen Zustandes überhaupt geholfen- wenn sie nun wie ein Außenseiter behandelt wurde? Sie hätte vorher wissen müssen, wie egoistisch und eigensinnig die Bewohner waren und dass Rachels Hilfe lediglich dazu dienen sollte, dass die Anderen eine Aussicht auf Rettung hatten. Nicht aber, weil ihnen irgendwas am Wohlergehen dieses Mannes oder Rachels lag. Deshalb beschloss sie, künftig nicht mehr bei anderen Bewohnern um Hilfe zu suchen - sondern stattdessen die restlichen Trümmer auf eigene Faust zu durchsuchen. Irgendjemand muss doch etwas verloren haben.. oder zumindest liegen gelassen haben.

      Ein paar Blocks weiter entdeckte Rachel etwas, das aussah wie ein Lager. Vermutlich von den feindlichen Trupps die sich hier auf ihren Angriff vorbereitet hatten. Abgesehen von der Tatsache, dass noch ein bisschen Krempel herumlag, sah es ziemlich verlassen aus. Also blickte Rachel sich sicherheitshalber ein letztes Mal um - bevor sie auf das Lager zusteuerte. Sie stürzte sich auf die Rucksäcke und kramte umher, bis sie ein paar Dosenkonserven in den Händen hielt und schnappte sich einen weiteren, leeren Rucksack, um die Funde darin zu verstauen. Bei den restlichen Rucksäcken fand sie noch ein paar Flaschen mit unterschiedlichen Mengen an Wasser, Verbandsmaterial, Tabletten und eine Pistole. Während sie Letzteres in der Hand hielt, überkam sie ein mulmiges Gefühl. Mit diesem Ding war sie in der Lage dazu, das Leben eines Menschen einfach so auszulöschen.. doch in der jetzigen Situation wäre die Waffe wohl keine schlechte Wahl gewesen, weshalb sie diese ebenfalls in den Rucksack zu den anderen Dingen packte. Viel mehr war hier bedauerlicherweise nicht zu holen, aber wenigstens ein paar Tage Zeit, um Kräfte zu sammeln. Rachel stülpte sich den Rucksack über den Rücken und trat den Rücktritt an, erblickte in der Ferne allerdings eine kleine Gruppe von Soldaten, die genau so aussahen wie die, die ihr Dorf zerstörten. Verdammt..
      Rachel ging in die Hocke und nahm einen anderen Weg als den vorigen für die Rückkehr. Als sie ihren Unterschlupf erblickte, atmete sie kurzzeitig erleichtert auf und beschleunigte ihr Tempo allmählich. Ein letztes Mal drehte sie sich um - die Luft war rein. Also öffnete sie schnellstmöglich die Tür, trat hinein und warf den Rucksack in die andere Ecke des Raumes nur um kurz darauf an der Tür lehnend zusammenzusacken. Ein falscher Schritt, ein zu lautes Geräusch und diese Gruppe hätte sie bemerkt. Vermutlich wäre sie dann bei ihrem Bruder gewesen - oder diese Dreckskerle hätten ihr noch weitaus Schlimmeres angetan. Zitternd biss sie sich auf die Unterlippe, schloss die Augen und versuchte sich zu beruhigen - schließlich hatte sie im Moment keine Zeit dafür, Schwäche zu zeigen wenn sie hier jemals lebend rauskommen wollte. Des Weiteren trug sie nun die Aufgabe, für das Wohlergehen des verletzten Soldaten zu sorgen, der ihr den Weg hieraus vermutlich vereinfachen könnte. Zumindest wusste er sich zu verteidigen im Gegensatz zu Rachel. Apropos Soldat. Binnen einer Sekunde öffnete sie die Augen schlagartig und blickte zum Sofa, auf dem der Soldat ruhte. Mittlerweile lag er jedoch nicht mehr dort, sondern saß aufrecht. Er war also wach, endlich. Ohne sich weiterhin etwas von ihrer bedrückten Stimmung anmerken zu lassen, erhob die junge Frau sich und stolzierte auf den jungen Mann zu. Er sah zwar immer noch nicht anders aus im Vergleich dazu, als er noch bewusstlos war - aber immerhin wusste Rachel nun, dass er noch lebte und stark genug war, sich aufrecht hinsetzen zu können. "Du hast mir einen Schrecken eingejagt.. ich dachte, ich würde dich verlieren." Röte schoss ihr ins Gesicht nachdem sie bemerkte, wie falsch der Schluss klang. "I-Ich meine, ich dachte du stirbst. Immerhin bist du meine letzte Hoffnung auf einen Ausweg aus dieser Hölle." korrigierte sie und setzte ein leichtes Lächeln auf. "Ich habe es tatsächlich geschafft ein paar Vorräte zu besorgen - leider ist es nicht viel. Jedoch genug, uns ein paar Tage Zeit zu verschaffen. Wobei wir uns schnellstmöglich auf den Weg woanders hin begeben sollten. Auf dem Rückweg habe ich noch ein paar dieser Bastarde als Gruppe erblickt und ich vermute dass es nicht lange dauern wird, bis sie hier abermals aufkreuzen werden." seufzte die junge Frau, bevor sie sich neben dem Soldaten auf dem Sofa niederließ. "Ich bin übrigens Rachel, freut mich dich kennenzulernen.".
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    • Gabriel Carter Leffort

      Für einen Moment hatte Gabriel seinen Kopf noch einmal nach hinten gelehnt, um durch zu atmen. Der Schmerz ließ nur langsam nach, die Tabletten brauchten immer einen Moment, um zu wirken, aber er war schon allein dankbar dafür, dass es überhaupt welche gab, dass er wirklich welche bekommen hatte. Wie die Frau an diese gekommen war war eine andere Frage, aber letztendlich war es vielleicht auch egal, viel wichtiger war die Tatsache, dass es wirklich welche gab, denn das Ziehen im Bein und in der Brust, vor allem aber auch in seinem Kopf, waren ohne der Zaubermittel nur kaum erträglich. Wie er das nur überlebt haben konnte? Aber wenn er selbst am leben war, konnte es doch auch sein, dass vielleicht noch andere aus seinem Team es geschafft hatten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering war, die Hoffnung war viel größer. Gabriel sollte sich vielleicht zusammen reißen und nach ihnen suchen gehen, nach der Frau suchen, die er vorhin gehört hatte, auch wenn er sich dessen bewusst war, dass die Gefahr vermutlich noch immer da draußen lauerte. Wie sollte er einfach hier warten und hoffen, dass die anderen klar kamen? Er war der Colonel hier, er war der Leiter dieser Gruppe und er konnte sie nicht alle einfach alleine und zurück lassen!
      Die Tür wurde geöffnet und gleich wieder geschlossen, da nahm der Soldat seinen Kopf wieder hoch, um die Augen zu öffnen und eine Frau zu erblicken, die einen Rucksack in eine Ecke des Raumes warf. Sie sah unterernährt aus, sah nicht sehr gesund aus, vor allem schien sie gerannt zu sein, ihr Brustkorb hob und sank sich viel zu schnell, als wäre sie außer Puste. Gabriel wollte etwas sagen, er öffnete auch für einen Moment den Mund, aber sein Hals kratzte noch ganz schön, er hatte Sorge, es würde nichts wirklich sinnvolles und verständliches da raus kommen. Er schloss den Mund wieder, beobachtete die Frau für die nächsten Momente, bis ihre Augen auf seine trafen. War das Erleichterung in ihren Augen zu sehen? Oder eher Angst? Er konnte es nicht einschätzen, sein Gehirn wollte aber noch nicht gänzlich funktionieren. Sie sprach mit ihm, hatte Angst um ihn gehabt, da bestätigte er für sich die erste Einschätzung, es sah wohl nach Erleichterung aus. Ein wenig lächelte der Mann ihr zu, als sie ihre Wortwahl verbesserte, er war ihr Ausweg von hier, ja, das wollte er gerne sein, aber in diesem Zustand sollte sie wohl froh sein, wenn er sich noch als ein menschliches Schutzschild anbieten kann, für mehr war er nicht zu gebrauchen, jedenfalls noch nicht. Dennoch schien es Überlebende des Angriffs zu geben, damit wird es Menschen geben, die man von hier fort schaffen könnte, um sie in Sicherheit zu bringen, ein erstes Ziel, welches sich der Mann merkte. Er horchte wieder, kaum hatte die Frau wieder das Wort ergriffen, sie hatte Vorräte besorgt, deshalb war sie verschwunden, jetzt verstand Gabriel, den Grund für ihren Zustand an der Tür wurde ihm auch relativ schnell klar, sie hatte die Feinde erblickt, die sie mit Sicherheit früher oder später hier erblicken könnten. Ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste: Schnellst möglich für ein anderes Versteck sorgen, ohne, dass sie erblickt werden. Die Liste würde sich mit Sicherheit noch weiter füllen, aber zunächst was das Gesund-Werden an erster Stelle, oder eher so weit fit, dass er hier raus konnte, ohne bei jedem zweiten Schritt zusammen zu brechen.
      Die Blondine setzte sich zu ihm, ein wenig Platz bot das Sofa immerhin, weiter rutschen konnte der Soldat aber nicht, er hatte Sorge, dass der Körper ihm mit Schmerzen dafür danken wird. Rachel war ihr Name, da lächelte der Mann sachte, bevor er ihr seine rechte Hand anbot, um das Kennenlernen vollständig zu gestalten. "Gabriel". Er räusperte sich, die Stimme war noch ziemlich verkratzt, aber das würde gleich schon werden. "Danke.. Für einfach alles". Es war nicht selbstverständlich, dass sie das alles für ihn getan hatte. "Ich glaube.. Ich habe nur ein paar Rippen gebrochen.. der Fuß wird schon in Ordnung gehen.. Wir werden hier raus kommen.. Hats du irgendwelche Waffen?". Ohne dessen würde es sonst schwierig werden.

      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Rachel war erleichtert darüber, dass ihr Gegenüber seine Verletzungen anscheinend relativ gut wegstecken konnte. Immerhin hielt er ihr seine rechte Hand hin, welche die Blondine vorsichtig ergriff, um ihm nicht noch mehr Schmerzen zu bereiten. Es war ungewohnt, nun nicht mehr alleine hier zu sein. Die meiste Zeit über verweilte sie allein, kämpfte ums Überleben und versank in Schuldgefühlen. Letzteres konnte Gabriel ihr zwar auch nicht nehmen, doch zumindest hatte sie aufgrund seiner Anwesenheit weniger Zeit, um über die Vergangenheit nachzudenken. Außerdem gab er ihr Hoffnung. Auch, wenn sein momentaner Zustand nicht darauf hinwies, wollte sie alles in ihrer Macht stehende tun, dass der Mann sich schnell erholen würde. Blieb nur zu hoffen, dass die beiden bis zu Gabriels vollständiger Genesung keine allzu bösen Überraschungen erleben würden. Denn die Tatsache, dass Feinde sich bereits wieder in unmittelbarer Nähe des Dorfes aufhielten, jagte Rachel einen Schauer über den Rücken. Denn diese Typen waren unberechenbar. Jedes gottverdammte Mal in dem Rachel sich für einen Moment lang dachte, dass die Angriffe endlich ein Ende genommen hatten, passierte es wieder und wieder von vorne. Deshalb hatte sie sich angewöhnt, von vornherein mit dem Schlimmsten zu rechnen. Auf diesem Wege war die bittersüße Enttäuschung immerhin nicht ganz so schwerwiegend. Rachel hatte des Öfteren darüber nachgedacht, von einem Moment auf den anderen zu verschwinden. Einfach durch die morsche Tür zu gehen und ohne Pause so weit von hier wegzulaufen, wie nur möglich. Doch als die Dorfbewohner anfingen davon zu berichten, dass die feindlichen Truppen außerhalb des Dorfes überall ihre Stützpunkte für die totale Überwachung errichteten, überwog die Angst ihren Mut. Wäre ihr Bruder noch am Leben gewesen, hätte sie wohlmöglich alles in Bewegung gesetzt, um ihm ein besseres Leben außerhalb der stetigen Gefahr zu ermöglichen - doch jetzt, wo sie bereits alles verloren hatte, wofür es sich zu kämpfen lohnte, fehlte ihr der Antrieb dafür. Denn selbst wenn sie es herausschaffte, wusste sie beim besten Willen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Zwar hätte sie einen Neuanfang starten können, doch wofür? Was waren ihre Ziele? Früher hätte sie gesagt, sie wollte mit beiden Beinen im Leben stehen, einen gut bezahlten Job ergattern und sich davon ein schönes Leben für ihre Familie und sich selbst ermöglichen. Mittlerweile lag das alles jedoch in der Vergangenheit und brachte sie an den Rand der Verzweiflung. Das Einzige was momentan ihr Ziel darstellte, war die Genesung des verletzten Soldaten, der sie vermutlich irgendwann hier rausholen konnte.

      Sie legte ihre Gedanken beiseite, nachdem Gabriel ihr ihren Dank aussprach. Damit hatte sie zwar nicht gerechnet, aber es entlockte ihr ein zurückhaltendes Lächeln. "Nicht dafür. Wahrscheinlich hättest du dasselbe für mich getan." erwiderte sie und erhob sich nach seinem letzten Satz vom Sofa. "Glücklicherweise habe ich auf der Suche nach Vorräten tatsächlich eine Waffe gefunden. Erst wollte ich sie liegenlassen, weil ich nichts damit anfangen kann. Aber als mir einfiel, dass du.. ein Soldat bist, dachte ich mir, sie würde dir wahrscheinlich mehr bringen." im nächsten Atemzug öffnete sie den zuvor in die Ecke geworfenen Rucksack und kramte die Waffe hervor, um sie Gabriel entgegenzuhalten. "Pass bitte auf, ja? Es reicht wenn einer von uns beiden verletzt ist.". Nach ihrer Äußerung konnte sie nicht anders, als ein kurzes Kichern hervorzubringen. "Tut mir leid, meine Witze waren noch nie besonders gut". Räuspernd stellte sie sich vor eines der Fenster in ihrem Unterschlupf und lugte zwischen den Brettern nach draußen. Es war nichts Bedrohliches zu sehen, was sie erleichtert aufatmen ließ. Blieb nur die Frage, wie lang dies noch anhalten würde. Die letzten Wochen hatten schließlich gezeigt, wie schnell die friedliche Atmosphäre umschlagen konnte. "Hast du eigentlich einen Plan, was wir machen? Vermutlich können wir noch ein wenig hierbleiben, aber ich kann dir nicht versprechen, wie lange. Bis dein Zustand sich vollständig gebessert hat, sitzen wir wohl noch eine Weile hier drin fest."
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Rachel, wie die Frau sich vorgestellt hatte, hatte etwas bedeutendes gesagt.. Gabriel war ein Soldat, und was er für einer war. Einer, der zwar stolz darauf war, was er tat, aber auch einer, der wirklich bereit war sein Leben für andere zu riskieren und nicht nur den Ruhm und die Vorteile zu sammeln, die man ihm mit seiner Position ermöglichte. Er war stolz darauf seine Truppe anzuführen und die Männer selbst auszusuchen, er war bereit seine Hand für seine Männer ins Feuer zu legen und er war fest davon überzeugt, dass sie genauso wie er tickten, sie würden alles für diese Menschen hier tun, um sie endlich von ihrem Leid zu befreien, aber scheinbar war der Mann kein guter Anführer, denn es schien so, als würden seine Männer tot sein.. Oder vielleicht auch nur so verletzt wie er? Er musste ihnen helfen, er musste aber auch dafür sorgen, dass diese Frau hier in Sicherheit kommen wird, denn eigentlich konnten sich seine Leute sehr gut verteidigen, sie wussten, worauf es ankam. Manchmal fand Gabe es schade, dass sich keine Frau zu ihm in sein Team traute, jedenfalls dachte er, dass sie sich vielleicht nicht trauten, dabei gab es auch so viele erstaunlich gute Frauen, die er gerne mit dabei gehabt hätte. Welche, die einen frischen Wind ins Team brachten, die ein wenig anders dachten, als testosterongeladene Männer, aber der Soldat versprach sich bei der nächsten Gelegenheit ein team anzuführen definitiv Frauen anzuwerben, wenn er denn diese Möglichkeit überhaupt bekommen wird..
      Er bedankte sich für die Hilfe, die gewiss nicht selbstverständlich war, aber er entlockte der Frau damit ein Lächeln, was ihn selbst gleich zum lächeln brachte. Er würde noch viel mehr für sie tun, als sie sich jetzt schon vorstellte, einfach, um sie hier rauszuholen, um den Schwachen die Möglichkeit zu geben ein besseres Leben zu führen! Aber es ging hier wirklich um ihre Flucht und zu seinem Glück gab es auch Waffen, die Rachel bei ihrer Suche nach Vorräten gefunden haben sollte. Sie erhob sich, nahm den Rucksack, den sie mitgebracht hatte und reichte ihm zwar eine Pistole, aber als der Mann sie öffnete, um rein zu sehen, merkte er, dass sie voll befüllt war, sehr gut, aber weit würde diese die beiden nicht bringen. "Für einen Anfang sehr gut", lobte er die Frau und blickte zu ihr. Sie scherzte, es war beeindruckend, dass sie überhaupt die Kraft dazu hatte, sie musste sich doch bestimmt schon so lange verstecken.. Gabe schmunzelte, es gab gleich eine Entschuldigung für ihre Worte, die er abwunk. "Ich glaube, ich kann gerade noch so verhindern, dass ich dich damit verletze", stieg er mit drauf ein und wollte ihr zeigen, dass sie gerne Witze machen konnte, wenn sie es wollte, die Frau sollte sich sicher bei ihm fühlen, sollte vor allem in Sicherheit gebracht werden.
      Seine Augen fokussierten sich noch für einen weiteren Moment auf die Pistole, die er in den Händen hielt, er wog sie kurz in diesen ab, nahm sie in seine rechte Hand, um sich mit ihr ein wenig kennen zu lernen, aber zur Not konnte er mit Sicherheit mit allem schießen, was er in die Hand bekam, dessen war sich Gabriel fast schon zu sicher. Er legte die Waffe zur Seite, als mit ihm wieder gesprochen wurde, der Schmerz in der Brust zog, während er atmete, oder sprach, aber das dadurch ausgelöste Gefühl noch am leben zu sein schien so viel wertvoller zu sein. Ob er einen Plan hatte? Da schmunzelte der Mann ein wenig. "Gewiss noch nicht, aber das lässt sich schnell ändern". Seine Augen musterten die Frau für den Moment. "Ich muss mich auch nicht lange ausruhen, das wird alles schon, halb so schlimm". Er meinte es nicht irgendwie heroisch, er war einfach der Meinung, dass er es schon ohne Probleme schaffen würde, doch als der Mann es versuchte sich ein wenig zu erheben merkte er die fehlende Kraft in den Armen nach dem Sturz und vor allem die Schmerzen, die er dadurch auslöste. Er versuchte es dennoch, ließ es gleich sein und lehnte den Kopf zurück, um durchzuatmen und die Augen zu schließen, der stechende Schmerz war fast schon unerträglich. "Okay, vielleicht werden mir ein paar Stunden Ruhe doch gut tun", gab er letztendlich zu, bevor er etwas den Kopf schüttelte. "Aber wir kriegen es hin, okay?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Gewiss war Rachel nicht annähernd in der Stimmung für Witzeleien, doch sie halfen ihr dabei, zumindest für einen kurzen Moment an etwas anderes zu denken. Daher kam es ihr nur allzu gelegen, dass Gabriel scheinbar mit einstieg und sie diese momentane, aussichtslose Lage zu verbessern versuchten. Auch seine Anmerkung bezüglich seines Umgangs mit der Waffe brachte sie zum Schmunzeln und machte den Moment damit wenigstens halbwegs erträglicher. Kurzzeitig waren ihre Gedanken voller Hoffnung, nachdem Gabriel meinte, es würde nicht allzu lang dauern, bis die beiden sich auf den Weg raus aus dieser Hölle machen würden - sein anschließendes, schmerzerfülltes Gesicht machte der jungen Frau allerdings einen Strich durch die Rechnung. Sie hätte sich fast schon denken können, dass seine vorige Aussage nur dazu gedient haben musste, ihre Angst zu lindern. Natürlich schaffte der Soldat dies - immerhin fühlte man sich zu zweit automatisch sicherer als allein - doch seine Wunden und Schmerzen bereiteten ihr Sorgen. Solche Verletzungen heilten nun mal nicht binnen weniger Stunden, jedoch hatten sie beide einfach nicht die Zeit, bis zu seiner vollständigen Genesung zu warten. Dementsprechend mussten sie die Gefahr, dass Gabriels Wunden möglicherweise unterwegs noch übler werden würden, auf sich nehmen und einfach das Beste hoffen. Allein bei dem Gedanken stellten Rachels Nackenhaare sich auf, schließlich war sie die Letzte, die den jungen Mann einer solchen Gefahr aussetzen wollte. Er war es zwar gewohnt, immerhin war dies sein Job, doch für gewöhnlich zogen Soldaten nicht schwer verletzt in den Krieg. Umso wichtiger war es also, dass er vor dem Verlassen ihres Unterschlupfes so viel Kraft tankte, wie nur möglich.
      "Überanstrenge dich bitte nicht zu sehr, nimm dir die Zeit, die du brauchst. Ich kann körperlich vielleicht nicht besonders viel ausrichten - dafür ist mein Gespür ausgesprochen gut." entgegnete Rachel dem jungen Soldaten zuversichtlich, bevor sie kurz in den Nebenraum schlenderte und mit einem weiteren Kissen zurückkam. "Hier, ist vielleicht angenehmer.". Seufzend setzte die junge Frau sich neben den Soldaten und wippte mit ihren Füßen auf und ab. Auch, wenn sie Gabriel noch nicht lange kannte und auch sonst nichts von ihm wusste, vertraute sie ihm bereits jetzt schon innig. Sie wusste, dass all ihre Hoffnung ihm galt und auch nur er dazu in der Lage dazu war, ihr Überleben zu garantieren. Sollte ihm also etwas passieren, war es nur eine Frage der Zeit, bis ihr dasselbe Schicksal bevorstand. Anfangs war sie überzeugt davon, dass es beiden besser getan hätte, nicht allzu viel voneinander zu wissen. Mittlerweile hatte sie allerdings realisiert, endlich jemanden bei sich zu haben, bei dem sie all ihre Sorgen loswerden konnte. Also hielt sie ihre Füße wieder still und blickte stattdessen gen Himmel. "Weißt du ich.." schluchzend unterbrach sie ihren Satz und wischte sich mit den Fingerknochen die vereinzelten Tränen aus dem Gesicht. "Ich bin einfach so dankbar dafür, dass ich dich gefunden habe. Diese ständige Angst war einfach so kräftezehrend und nach langem habe ich endlich das Gefühl, mich zumindest ein wenig geborgen fühlen zu können." Lächelnd blickte sie ihn mit ihren von Tränen geröteten Augen an. "Ich könnte es einfach nicht verkraften, wenn mir ein weiterer Verlust widerfährt. Deshalb nimm dir bitte all die Zeit die du brauchst, bevor wir aufbrechen." Rachel erhob sich wieder vom Sofa und ließ sich auf einem einfachen Stuhl nieder, der am anderen Ende des Raumes stand, um Gabriel den Platz auf dem Sofa zu gewähren. "Keine Sorge übrigens, ich bin nicht müde."
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Er sollte sich nicht überanstrengen, hah, da wollte der Mann wirklich gerne lachen, aber er wollte der jungen Frau nicht das Gefühl geben, er wäre falsch, was sie gesagt hatte. Wenn sie wüsste, was er in seiner Ausbildung bisher alles schon durchgemacht hatte.. Achtundvierzig Stunden ohne Schlaf durch marschieren, um anschließend noch ein hartes Training durch zu machen, denn auch der Feind schlief nie. Man konnte sich niemals sicher sein, wie viel Schlaf man im Krieg an der Front wirklich bekommen wird, deshalb sollte man auch mit wenig, bis gar keinen Schlaf dazu bereit sein weiter zu machen und sein Bestes zu geben, an seine Grenzen zu geben. Es gab viele harte Tage in seiner Ausbildung, aber Gabe war letztendlich doch dankbar auch für diese Tage, denn nur mit ihnen konnte er wirklich auf Erfahrungen zurück greifen. Klar, er wusste vorher nicht, wie es sich anfühlte einen gebrochenen, oder auch nur angebrochenen Fuß, ein paar Rippenbrüche und diverse kleinere Verletzungen zu haben und damit weiter zu machen, aber sein Training hatte ihn gelehrt seine Bedürfnisse, die nicht notwendig waren, um andere zu beschützen, hinten anzustellen. Zweiundsiebzig Stunden ohne Essen? - Ein Klacks. Mehrere Tage puren Stress ausgesetzt zu sein? - Überhaupt kein Problem! Krank immer noch sein Dienst leisten? - Das war nun das geringste Problem! Gabe war sich sicher, er würde diese Frau hier raus bekommen, vielleicht auch noch andere der Bewohner, sollten sie noch leben, er würde sein Bestes geben und er würde alles erdenkliche dafür tun.
      Ein kleines Lächeln kannte sich auf seinen Lippen gebildet, als Rachel mit einem weiteren Kissen zurück kam. "Danke", bedankte sich der Soldat und seufzte zufrieden aus, ein wenig Ruhe, ein wenig Pause und dann würde er schon wieder laufen können. Wenn er eine Bandage wirklich stramm um seinen Fuß wickeln würde, würde er auch mit Sicherheit keine Schmerzen haben, dann würde er auch laufen können, sollte es notwendig sein, die Frau sogar tragen, kein Problem. Mit einem großen Willen war wirklich viel möglich, viel mehr, als man annahm, dessen war sich der Mann gut bewusst.
      Er schloss für einen Moment seine Augen, öffnete sie aber gleich wieder, als er die weibliche Stimme vernahm. Weinte sie gerade? Er hatte doch ein Schluchzen gehört! Ein wenig fragend blickte er zu Rachel, hatte er etwas verpasst? Etwas zu viel gesagt? Aber relativ schnell bekam er zu hören, warum sie gerade weinte, sie war froh, dass er da war, Worte, die sein Herz berührten und ihm viel wichtiger waren, als zu hören, er würde seine Arbeit gut machen, oder gut aussehen. Es waren die Worte, auf die er in seinem Beruf hinaus arbeitete, er wollte so sehr, dass die Menschen froh waren, dass er da war, dass er helfen wollte. Kurz zögerte der Mann, ob es nicht zu viel wäre, wenn er ihr über den Rücken fahren würde, aber die Tränen hörten nicht auf und so hob er eine seiner Hände, um Rachel sanft über den Rücken zu fahren. Er war da, er würde alles erdenkliche tun, um da zu bleiben, um ihr ein Leben bieten zu können.. Ihr Blick und ihre Worte, sie würde keinen weiteren Verlust verkraften erinnerten ihn für einen Moment an seine eigene Mutter, an ihre Augen, die voller Tränen gewesen waren, als Gabe in diesen Flieger steigen wollte, der ihn hier er brachte. Es würde keiner einen Verlust erleiden, diesen Gedanken allein gab es für ihn nicht. "Wir kriegen das hin", versprach er und stellte fest, dass er vielleicht was richtig empathische Reaktionen anging ein wenig eingerostet war. "Mach dir keinen Kopf, ich bin da und wir kriegen das hin". Sie durfte jetzt nicht aufgeben, aber sie wirkte bisher auch nicht wie jemand, der es wirklich tat.
      Kaum hatte sich Rachel erhoben und auf einen Stuhl gesetzt überlegte Gabriel kurz, ob er sich wirklich hinlegen sollte. "Du hast doch bestimmt Hunger", stellte er fest und hatte schon ganz andere Ideen im Kopf. "Ich kann nach etwas zu Essen gucken gehen..". Er setzte sich ein wenig weiter auf, hielt sich die Rippen fest, die ihm schmerzten, aber das würde er hin bekommen. "Ich brauche keinen Schlaf".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Verdutzt blickte sie in die Richtung des Mannes, der gegen seine enormen Schmerzen ankämpfte und dennoch so tat, als würden ihm diese nichts ausmachen. Wohlmöglich hatte er bereits in all den Kriegen die er miterlebt hatte, lernen müssen, solche Dinge wegzustecken um bis zum bitteren Ende durchhalten zu können - warum aber tat er dies sogar dann, wenn er - wenn auch nicht viel - Zeit hatte, sich ein wenig auszuruhen und zu schonen? Schon immer beneidete Rachel genau solche Menschen. Menschen, die alles dafür gaben, selbst ihr eigenes Leben, um das von anderen und wohlmöglich unbedeutenden Personen wie Rachel es war, zu retten. Zwar verspürte die junge Frau bei ihrem kleinen Bruder dasselbe Gefühl - aber er war schließlich jemand, der ihr nahestand und während all der Katastrophen ihren letzten Halt darstellte. Nie hätte sie gedacht, dass solch ein Gefühl gegenüber Fremden genau so stark sein konnte. Doch genau vor ihr befand sich nun der Beweis dafür und aus diesem Grunde bewunderte sie den Soldaten. Möglicherweise kam der Soldat ihr auch deshalb so vertraut vor, weil sie sich selbst ein Stück weit in ihm wiederfand.
      Rachels Gedanken wurden durch eine Frage Gabriels abrupt unterbrochen - ob sie Hunger hatte? Eine gute Frage. Ehrlich gesagt konnte Rachel sich nicht einmal daran erinnern, wann sie eine richtige Mahlzeit zu sich genommen hatte. Das Einzige, von dem sie sich all die vergangenen Monate ernährt hatte, waren Konserven, trockenes Brot und Wasser. Viel mehr dürfte der Soldat während der jetzigen Lage auch nicht finden können. "Ich weiß nicht. Eigentlich brauche ich nichts, wirklich. Die Hauptsache ist doch, dass du zu Kräften kommst." entgegnete sie Gabriel mit einem Lächeln. "Ich denke, momentan ist hier in der Gegend sowieso nicht viel zu holen. Aber wenn du Hunger hast, habe ich noch ein paar Konserven in der Küche, die ich in den letzten Tagen und vorhin zusammengesammelt habe.". Sie wusste genau, dass sie etwas essen musste um bei klarem Verstand zu bleiben, aber die junge Frau hatte absolut keinen Appetit. Ihr Magen schmerzte, ihre Kehle war trocken und zu allem Überfluss hatte sie erst vor kurzem den letzten Teil ihrer einstigen Familie verloren. Wie also sollte sie auch nur ansatzweise etwas runterbekommen? Dennoch war ihr Ziel, in absehbarer Zeit aus dieser Hölle zu entkommen und das konnte sie vergessen, wenn sie hier herumsaß, Trübsal blies und ihren Körper noch weiter leiden ließ. Vermutlich war Essen also doch keine so schlechte Idee.. "Weißt du was, wenn ich so darüber nachdenke - sollten wir wohl doch beide etwas essen. Allerdings kann ich wie gesagt nur mit Konserven dienen, Verzeihung.". Kichernd erhob sie sich wieder von ihrem Stuhl und schlenderte in Richtung Küche, aus welcher sie im Anschluss mit Besteck und einem Dosenöffner wieder zurückkam. Zuletzt kramte sie noch zwei Konservendosen aus einem kleinen Schrank im Wohnzimmer hervor und platzierte alles zusammen auf dem kleinen Tisch, der sich gegenüber von dem Sofa befand, auf dem Gabriel saß. Darauf achtend, ihm nicht zu nahe zu kommen und ihn somit nicht versehentlich zu verletzen, nahm sie mit etwas Abstand neben ihm Platz und blickte auf den Tisch. "Ein Dreigängemenü ist es zwar nicht, aber immerhin besser als nichts oder?" merkte sie spielerisch an, bevor sie den Dosenöffner dazu nutzte, um beide Konserven zu öffnen. Allein der Geruch des Inhalts, ließ ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen und ihren Magen nur noch mehr knurren. Verdammt, sie hatte wirklich extremen Hunger und konnte sich nun endlich dazu überwinden, wieder zu essen. Dadurch, dass sie körperlich mittlerweile so schwach und ausgelaugt war, zitterte ihr Besteck in der Hand - was sie jedoch nicht davon abhielt, binnen weniger Minuten alles hinunterzuschlingen. Gesättigt war sie natürlich nicht, aber zumindest merkte sie, wie gut ihr das Essen tat. Als sie fertig war, ließ sie sich nach hinten gegen das Sofa fallen und schloss zufrieden die Augen. "In solchen Zeiten lernt man Essen erst wirklich schätzen, was?" lachte sie. "Was meinst du eigentlich, wie lange wir noch warten sollten, bevor wir aufbrechen und vor allem - wo sollen wir hin?"
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      ★ ★ ★ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Er musste sie nicht fragen, um zu wissen, dass sie Hunger hatte, deshalb stellte der Mann diese Aussage auch nur in den Raum. Die junge Frau war relativ dünn, lebte hier ein wenig abseits und vor allem sehr einsam, da konnte sich der Soldat einfach nicht vorstellen, dass sie wirklich genügend zum Essen bekam. Es schmerzte ihn innerlich so etwas zu sehen, denn bei seinen Eltern in Amerika, dort, wo er aufgewachsen ist, hatte es ihm nie an etwas gefehlt. Er hatte immer genug zu Essen, genug frisches, sauberes Wasser, Kleidung und Spielsachen, als Kind hatte ihm nie etwas gefehlt und hier fehlte es einfach an allem. Es war unfair, dass es nicht für alle Menschen das Gleiche gab, aber er war genau hier, um etwas zu verändern. Selbst, wenn er nur Rachel hier raus holen würde, er wusste immerhin nicht, wie viele Menschen noch am Leben waren in dieser Umgebung, es würde eine Person mehr geben, die wirklich alles bekommen würde, was sie verdient.
      Die Frau wirkte unsicher, kaum wurde der Hunger angesprochen, sie sprach wieder einmal darüber, dass Gabriel zu Kräften kommen sollte, aber sie musste doch auch welche haben, um den Weg mit ihm gemeinsam zu überstehen. "Du solltest aber etwas essen", stellte der Mann klar und blickte sie an, um ihr zu zeigen, wie ernst er das meinte. Doch sie sprach mit ihren Worten noch etwas anderes an, viel hatte sie vermutlich wirklich nicht, Gabe musste kurz überlegen.. Ob sie ihr Lager schon geplündert hatten? In einem der Gebäude gab es einen Keller mit Lebensmitteln, die eigentlich verteilt werden sollten, aber die Bombe kam ihnen dazwischen. Sollte er zu Kräften kommen, würde er dort definitiv Halt machen und sich vergewissern, ob da nicht etwas war, was den beiden zu Gute kommen könnte. Doch Rachel erkannte auch selbst, dass sie etwas essen sollte und erhob sich, um in die kleine Küche zu laufen, um etwas für die beiden heraus zu suchen. "Konserven klingen gut", lächelte der Soldat ihr zu, während er sich versuchte ein wenig besser zu positionieren, damit ihm die Rippen vor allem nicht so schmerzten. Er wartete geduldig, bis die junge Frau das Essen servierte und die Dosen auch öffnete. "Ah Dreigängemenüs werden überbewertet", scherzte Gabe und bedankte sich mit einem Nicken für die Konserve und das Besteck. Er hatte schon länger nichts gegessen, aber er wusste auch nicht, wie lange er eigentlich schon hier war, aber auch ihm wurde der Hunger deutlich, als er das Essen roch. "Guten Appetit", wünschte er Rachel, bevor er langsam selbst began zu essen. Ihm fiel aus dem Augenwinkel heraus auf, wie die Gabel in ihrer Hand zitterte, innerlich seufzte er, kommentierte es aber nicht und schaffte die halbe Konserve, während die Frau neben ihm schon fertig war. Es nahm ihm den Appetit zu sehen, wie viel Hunger sie bisher erleiden musste, wie wenig Essen es gab, er hatte noch gut Reserven, von denen die Frau nicht sprechen konnte. Sie ließ sich nach hinten fallen, da hielt Gabe ihr seine halbe Konserve hin, die hatte sie sich verdient. "Ich habe keinen Hunger mehr", kommentierte der Mann, es würde ihn glücklicher machen zu wissen, dass sie vielleicht ein klein wenig satter geworden ist. "Du brauchst es deutlich mehr". In seinen Augen auf jeden Fall, aber kaum gab der Mann die Konserve ab, schon lehnte er sich wieder weiter zurück, atmete durch, die geprellten und gebrochenen Rippen waren einfach das schlimmste. "Ich denke, ich brauche nicht mehr lange", antwortete er ihr auf seine Frage. Aber wohin? Eine gute Frage. "Nördlich von hier ist unser Hauptlager.. Ein paar Kilometer weiter.. Da können wir auf jeden Fall Hilfe bekommen, vor allem eine Unterkunft.. Wenn ich soweit fit bin suche ich unsere Lager hier in der Stadt vorsichtig ab, was ich noch bekomme, in der Hoffnung, die Angreifer haben sie nicht gefunden.. Und wenn wir uns entlang des Flusses weiter östlich bewegen, könnten wir vielleicht unentdeckt bleiben, um zu der Zentrale zu kommen". EIn Plan , der deutlich einfacher klang, als er auszuführen sei. "Wir müssen uns fit machen für ein paar Tage Fußmarsch.. und dafür solltest du gut zu Kräften kommen". Seine Augen blickten zu der Frau, um ihr zuzulächeln. "WIr kriegen es hin".

      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • "Wir kriegen es hin".. Worte, die die junge Frau schon länger nicht mehr vernahm. Ihrem Gedächtnis nach zu urteilen, verließen diese Worte ihre eigenen Lippen das letzte Mal, um ihrem Bruder während dieser dunklen Zeit Trost sowie Hoffnung zu spenden. Dass nun sie also nicht mehr diejenige war, die für jemanden stark sein musste, auch wenn sie selbst am Ende war, ließ eine überwältigende Wärme in ihren Körper hineinströmen. Ihre Mundwinkel formten sich zu einem zufriedenen Lächeln bevor sie die letzten Reste von Gabriels Mahlzeit verspeiste. "Klingt nach einem Plan. Wahrscheinlich nicht ganz ungefährlich, aber dennoch besser, als hier auf den Tod zu warten.." entgegnete sie dem Soldaten und erhob sich sogleich um die Konserven im Müll zu entsorgen und das Besteck zu spülen. Verträumt ließ sie ihren Blick währenddessen aus dem winzigen Küchenfenster schweifen und fragte sich, ob es irgendwas geändert hätte, wenn Gabriel früher aufgetaucht wäre. Hätte er nicht nur sie - sondern auch ihren Bruder retten können? Oder vielleicht sogar eine größere Verwüstung dieser Hölle verhindern können? Vermutlich nicht allein, aber in Zusammenarbeit mit den anderen, hier stationierten Soldaten wären diese Gedanken wahrscheinlich gar nicht mal so abwegig gewesen. Auch, wenn man zugeben musste, dass dieser Krieg trotz allem mindestens genau so viele unschuldige Menschenleben auf dem Gewissen gehabt hätte. Zudem war es mittlerweile unvorstellbar, dass dieser Ort der nun aufgrund all der Trümmer, dem Blut und dem Rauch eher einem Schlachtfeld glich - vorher wunderschön war. Die Menschen hier im Dorf bildeten eine ganz eigene Gemeinschaft mit Verlass auf jeden einzelnen. Kinder, die unabhängig von Alter, Herkunft und Aussehen bis zum Einbruch der Dunkelheit miteinander spielten. Doch nun musste man die Beziehung zu anderen Bewohnern mit Vorsicht genießen, da jeder sein eigenes Überleben in den Vordergrund stellte und die meisten Kinder hatten, auch wenn es hart klingt, das Zeitliche gesegnet. An sich war das nichts Überraschendes. Niemand hatte damit gerechnet, dass Krieg ausbrechen würde und dementsprechend hatte sich niemand auch nur annähernd darauf vorbereitet. Die eigentlichen Leidtragenden waren also die Kinder, da diese kaum jemand beschützen konnte oder beim Versuch dessen sein Leben ließ. Auch Rachels Bruder mag zwar gestorben sein - doch er wird bis ans Ende ihrer Tage in ihrem Herzen weiterleben und genau aus diesem Grund hatte sie sich fest vorgenommen, hier raus zu kommen und irgendwo, vielleicht sogar in einem anderen Land, ein neues Leben zu beginnen. Nicht nur für sich selbst, vielmehr auch für ihren Bruder. So hätte er es sich immerhin gewünscht.
      Rachel zuckte kurzzeitig zusammen und ließ die Gabel aus der Hand rutschen, was ein unangenehm klirrendes Geräusch erzeugte. Ihr Blick wandte sich nun einer Frau zu, die ein paar Meter weiter vom Küchenfenster entfernt zwischen den Trümmern umher rannte. Ihrem Gesichtsausdruck entnehmend hatte sie panische Angst und es sollte nicht lange dauern bis Rachel erkannte, was der Frau diese panische Angst einjagte. In der Ferne erkannte sie einen etwas älteren Mann, bewaffnet mit einem Maschinengewehr und in derselben "Uniform" gekleidet, die die anderen feindlichen Männer während ihrs Angriffs auf das Dorf trugen. Mit weit aufgerissenen Augen ging sie so schnell wie möglich in die Hocke und krabbelte auf allen Vieren zurück zu Gabriel ins Wohnzimmer. "Planänderung" wisperte sie. "Ich dachte, wir hätten vorerst Ruhe - aber diese Männer sind immer noch hier draußen unterwe-" sie unterbrach ihren Satz und presste sich mit aller Kraft die Hände an die Ohren, nachdem von draußen ein lauter Knall nach dem anderen ertönte - gefolgt von lauten Schreien. Rachel biss sich auf die Lippen und erwischte sich dabei, wie ihr ein paar Tränen die Wangen hinunterkullerten. Sie war wie gelähmt von den Geräuschen und ihre Gedanken befanden sich in Trance.
      Diese Ungewissheit war das Schlimmste. Nicht zu wissen ob das letzte Stündlein geschlagen hatte - oder ob man es doch irgendwie schaffte. Nur Eines gab ihr eine gewisse Sicherheit und das war der Fakt zu wissen, dass sie dieses Mal nicht allein war. Langsam senkte sie ihre Hände von ihrem Schädel und blickte in Gabriels Richtung: "Bitte versprich mir, dass wir hier nicht einfach so sterben.."
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    • Gabriel Carter Leffort

      Er hatte sich schon im Kopf einen Plan gemacht, sonst wäre Gabe nicht er selbst. Schon seit Kind an konnte er sehr gut taktisch denken, übernahm die Führung oft in der Schule, in seinem Sportteam, er war gut darin Menschen von sich zu überzeugen und sie zu führen, dafür fehlte es ihm an manchen anderen Sachen, die vielleicht andere besaßen. In seiner Ausbildung lernte er aber noch zusätzlich, wie man aus brenzligen Situationen heraus kam, ein perfekter Zusatz zu seinen sonstigen Eigenschaften, wie er fand. Er konnte der jungen Frau neben sich zwar nicht versprechen, dass alles glatt laufen wird, aber er war zuversichtlich, dass sie es beide schaffen werden. Sie waren nur zu zweit, je kleiner die Truppe, desto einfacher war es. Er war zwar verletzt, aber das war eine ganz andere Sache, die hier eigentlich nichts ausmachte, oder Gabe nicht wollte, dass sie etwas ausmachen könnte.
      Er versprach quasi, dass sie es hin bekommen und das Lächeln, welches sich dafür auf den Lippen der Frau bildete war es definitiv wert, um es einfach zu versuchen. Der Soldat war sich dessen nicht ganz sicher, was sie alles hier erleben musste, was für Verluste sie alles mitgenommen hat aus diesem sinnlosen Krieg, aber er war fest davon überzeugt ihr zu einem besseren Leben verhelfen zu können, es zu schaffen, dass sie vielleicht auch wieder glücklich wird. Es war seine Mission den Menschen hier zu helfen und wenn er der ganzen Masse nicht auf einmal helfen konnte, dann fing er liebend gerne mit den einzelnen Individuen an!
      Zufrieden musterte er die Frau neben sich, die die übrig gebliebene Hälfte der Konserve verspeiste, sie sollte gut zu Kräften kommen, entlang des Flusses in der Waldregion würden sie sicherer sein, vor allem hoffentlich mehr Essen finden, aber bis dahin musste sie noch gut durch halten. "Ich denke auch, dass es besser ist zu versuchen, als hier zu warten, dass sie uns finden", gab es ihr Recht und nickte auch mit seinem Kopf, um die Worte zu bestätigen. Der Tod lauerte sowieso überall, es war ganz gleich, ob sie hier, oder auf dem Weg sterben werden, sie könnten sich letztendlich nur darüber ärgern, es nicht versucht und vielleicht auch geschafft zu haben, zu dem Zentrallager zu kommen. Es würde dort alles besser werden, es würde für sie beiden Schutz und Hilfe bedeuten, das konnte Gabriel wirklich garantieren. Solange er die Zuversicht und vor allem auch die Hoffnung hatte, würden sie es auch aus jeder Situation schaffen, was ihm sein bisheriges Leben gezeigt hat.
      Das Klirren der Gabel, die auf dem Boden landete ließ seine Augen zu der Frau neben sich gleiten, die aus dem Fenster blickte. Sein Blick folgte ihrem, wollte sehen, was die Frau sehen konnte, doch bevor Gabriel es überhaupt konnte war Rachel gleich wieder bei ihm. Die Angst war ihr anzusehen, hatte sie jemand gesehen? Hatte jemand bemerkt, dass jemand hier in der Hütte ist? Fragend blickte der Soldat sie an, ehe er sich langsam und vorsichtig aufsetzte, um bereit zu sein, sollten sie gleich in Gefahr sein. Rachel sprach von einer Planänderung, aber ehe sie ihren Satz wirklich beenden konnte waren Schüsse zu hören, die dem Mann deutlich machten, was geschehen war. Er reagierte schnell und legte seine Hände gleich auf ihre, um ihr den Schutz vor den Geräuschen zu bieten, die er nur zu gut kannte. Sie waren noch hier, eigentlich hätte er gehofft, dass sie weiter ziehen würden, denn bis auf Trümmer war hier nichts mehr zu finden, doch er täuschte sich.
      Die Schreie verstummten, Schritte waren zu hören, aber sie entfernten sich von der Hütte, statt auf sie zuzugehen. Gabe nahm die Hände von ihren runter, um mit einem Finger an den Lippen anzudeuten, dass sie leise sein mussten. Er sollte versprechen, dass sie hier nicht so einfach sterben werden? Er nickte. "Ich werde es nicht zulassen", flüsterte er der Frau entgegen und nickte noch einmal. "Planänderung.. Wir brechen auf, sobald die Sonne langsam am Horizont zu sehen ist.. Es ist zu gefährlich, wenn wir hier bleiben.. Hast du alles, was du brauchst in deinem Rucksack?".
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    • Rachel ließ die Geschehnisse der letzten Wochen in ihren Gedanken Revue passieren. All die unschuldigen Seelen, die in diesem Dorf ihr Leben lassen mussten. All das Blutvergießen an dem einst so mühsam errichteten Ort, der den dort Lebenden Sicherheit gewährleisten sollte - und wofür? Für nichts. Hier gab es nichts zu holen und vermutlich wussten die Täter dies genauestens. Möglicherweise war dies auch der Grund dafür, weshalb sie nicht damit aufhörten alles niederzubrennen und jeden Menschen auf den sie trafen, ins Jenseits zu befördern. Um ihren Frust, dass es nichts zu plündern gab, auf diese Weise abzubauen. Allerdings verstand die junge Frau nicht, weshalb sie nochmals zurückgekehrt waren. So weit das Auge reichte, gab es abgesehen von Trümmern nicht viel zu erblicken und der Frau leuchtete nicht ein, weshalb die feindlichen Soldaten abermals ihren Fuß in den bereits vernichteten Ort setzten. Vielleicht war es ihnen wichtig, jeden Restfunken von Leben auszulöschen? Vielleicht hatten sie kein anderes Ziel und ihnen wurde langweilig? Aber vielleicht gab es auch einen ganz anderen Grund, auf den Rachel nicht kommen würde. Im Endeffekt war der Grund auch nur Nebensache, das eigentliche Ziel das sowohl vor dem Soldaten als auch vor Rachel lag, war das Entkommen dieses Spuks. Eigentlich war Rachel stets die Ruhe in Person, doch die traumatischen Erlebnisse die sie mit eigenen Augen mit angesehen hatte, zogen nicht spurlos an ihr vorbei. Somit war die junge Frau schon länger nicht mehr Herr über ihre eigenen Gefühle, die immer wieder Überhand gewannen und umso wichtiger war es, dass sie nicht von Gabriels Seite wich. Denn er war derjenige, der in dieser zunächst aussichtslos wirkenden Lage ihren Ruhepol darstellte. Sie hatte das Gefühl, dass er die momentan herrschende Situation ziemlich gut wegsteckte und sich nicht klein kriegen ließ. Von einem vollwertig ausgebildeten Soldaten erwartete man natürlich nichts anderes, doch all die leblosen Körper die die von Granaten verwüsteten Straßen zierten, all die eingestürzten Häuser und all der Rauch, der das Sichtfeld drastisch einschränkte, ging mit Sicherheit auch einem Soldaten der mehr oder weniger auf sich allein gestellt war, an die Substanz. Seine wohlig warmen Hände, die zuvor mithalfen Rachels Ohren abzuschirmen, beruhigten sie. Auch das Versprechen welches er ihr gab, trug dazu bei, dass ihr Puls sich langsam senkte und sie halbwegs normal atmen konnte. Sein gesamtes Auftreten gab Rachel das Gefühl, ihr würde nichts passieren. Garantieren konnte ihr das zwar niemand, doch für den Moment war das alles, was sie brauchte.
      Die Schüsse nahmen allmählig ab, bis sie gänzlich stoppten und die ersehnte Ruhe zurückkehrte. Es war alles eine Frage der Zeit bis das Feuer erneut eröffnet werden sollte, daher mussten die beiden sich beeilen um schnellstens hier weg zu kommen. Andernfalls wären sie vermutlich neben den bereits gestapelten Leichen gelandet. Diese kalten, blässlich erscheinenden Leichen waren nicht einmal das Schlimmste an der ganzen Sache. Das wirklich Schlimme war der Geruch, der von ihnen ausging, sich in der Luft erstreckte und durch die zerstörte Hauswand den Raum erfüllte. Wenn es hier drin bereits so schlimm roch, war es draußen vermutlich noch intensiver. Ein weiterer Gedanke, der Rachel plagte war die Tatsache, dass sie nicht wusste, wo sie hin sollte. Hier war ihr Zuhause, auch wenn Zuhause genau genommen nicht bloß einen Ort darstellte, sondern vielmehr die Personen, die einen Ort erst zu einem Zuhause formten. Nun hatte Rachel jedoch weder einen Ort den sie so zu nennen vermochte, noch Personen. Ihre Familie wurde ausgelöscht und Freunde besaß sie keine. Wohin sollte sie also? Das Ziel war zwar zu fliehen - aber was dann? Gabriel hatte sein eigenes Leben. Er würde ihr mit Sicherheit helfen von hier zu entkommen, aber dann würde sein Vorgesetzter erfahren dass er noch lebt und ihn nach einer Erholungspause in den nächsten Krieg schicken. Das war nun mal das Leben eines Soldaten und Rachel konnte gewiss kein Teil dieses Lebens sein, vielmehr würde sie Gabriel im Weg stehen. Deprimiert schaute sie zu Boden und formte die Hände zu Fäusten, hatte ihr Leben überhaupt noch einen Sinn? Sie wusste genau, ihr Bruder hätte nicht gewollt dass sie einfach aufgibt oder ein Leben ohne Sinn führt - doch Rachel verlor diesen sogenannten Sinn aus den Augen. Die junge Frau schüttelte den Kopf und schlug sich die Gedanken aus diesem. Deprimiert zu sein brachte keinen von beiden weiter. Nach erfolgreicher Flucht hatte sie genug Zeit sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Jetzt war nur wichtig, Gabriels Worten Gehör zu schenken und seine Anweisungen zu befolgen, damit es zu keinerlei Fehltritten kam. Genau in dem Moment ertönte seine Stimme: "Ich werde es nicht zulassen", flüsterte er der Frau entgegen und nickte noch einmal. "Planänderung.. Wir brechen auf, sobald die Sonne langsam am Horizont zu sehen ist.. Es ist zu gefährlich, wenn wir hier bleiben.. Hast du alles, was du brauchst in deinem Rucksack?". Rachel blickte aus dem Fenster. Zusätzlich der Rauchschwaden war es zeitgleich stockduster. Jetzt aufzubrechen wäre tatsächlich gefährlicher gewesen als zu warten, bis die Sonne aufging und dies würde nicht mehr lange dauern. Zwar verlor sie jegliches Zeitgefühl, aber der Himmel deutete bereits von selbst an, dass diese Finsternis langsam aber sicher ein Ende haben würde, bis die ersten Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch den Rauch bahnen würden. Kurz dachte sie darüber nach, ob sie auch wirklich alles dabei hatte, um aufbrechen zu können. Als sie sich sicher war, alles Wichtige durchgegangen zu sein, erwiderte sie mit einem Nicken: "Ja, ich habe Proviant dabei, ein paar kleine Flaschen gefüllt mit Wasser und mehr brauchen wir denke ich nicht. Das meiste liegt sowieso in Schutt und Asche und je weniger Gepäck wir haben, umso einfacher können wir entkommen, nicht?" Die Frau erhob sich aus der Hocke und nahm erneut neben Gabriel Platz. Ein paar Stunden hatten sie noch, bevor es ernst wurde. Das bedeutete, beide konnten noch ein paar Kräfte sammeln bis sie aufbrechen würden und das kleinste Anzeichen von Schwäche ihren Untergang bedeutete. Rachel schluchzte. Nicht aber weil sie traurig war. Vielmehr weil sie an diesem winzig kleinen Hoffnungsschimmer des Entkommens festhielt und noch dazu auf Gabriel zählen konnte. Mit dem Handrücken wischte sie sich vereinzelte Tränen aus dem Gesicht und blickte im Anschluss daran zum Soldaten. "Vermutlich ist das eine komische Frage..-" sie hielt inne und legte sich die nächsten Worte zurecht" - aber kannst du mich bitte halten? Ich.. will mich nur kurz beruhigen können." bat sie den Mann, bevor sie ihre Stirn bereits gegen seinen Brustkorb lehnte.
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    • Gabriel Carter Leffort

      Er war geübt in sehr vielen Dingen, vor allem aber Schüsse machten dem Mann inzwischen gar nichts mehr aus, so viele, wie er schon in seinem Leben gehört und auch selbst abgegeben hatte. Es bildete sich irgendwo tief in seinem Inneren immer ein mulmiges Gefühl, wenn er einen Schuss mitbekam, aber Gabe musste lernen es zu verdrängen und sich damit nicht allzu sehr zu beschäftigen, um sein Leben nicht zu riskieren und vor allem zu funktionieren. Er war sich aber sicher, dass die Frau, die ihn gerettet hatte, nicht so gut damit umgehen konnte und so hielt er ihr gerne seine Hände an ihren Ohren, um ihr hoffentlich die Geräusche zu ersparen, die zu hören waren. Die Gegner waren ihnen noch immer sehr nah und die Gefahr aufzufliegen war groß, weshalb sich der Mann wirklich dazu entschloss aufzubrechen, sobald die Dunkelheit einbrechen wird. Je länger sie hier bleiben, desto größer ist die Gefahr sie könnten entdeckt und getötet werden, sie jedenfalls im besten Fall, er würde im besten Falle ein wenig gefoltert werden, um an Informationen zu kommen, ehe sie ihn hoffentlich töten und nicht schlimmeres vor haben. So wirklich einschätzen konnte er es nicht, aber so weit wollten sie noch nicht gehen und sich in Gedanken ausmalen, was passieren wird, denn er war sich sicher, dass sie hier raus kommen!
      Sein Blick musterte Rachel, kaum flüsterte er ihr zu, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sollte jemand draußen in der Nähe der beiden sein. Es würde nicht einfach werden, vor allem wird es ein Kraftakt für beide, aber sie würden es schaffen und das wiederholte sich Gabriel immer und immer wieder. Ob sie hier bleiben und sterben, oder es versuchen .. Da war das Versuchen deutlich besser! Seine Augen musterten die junge Frau, warteten auf ihre Antwort, die ihn mehr, oder weniger zufrieden stimmte, denn sie besaß ein klein wenig Proviant, Wasser in kleinen Flaschen, für den Rest würde der Mann schon sorgen. "Wir müssen zuerst zurück zu meinem Standpunkt in der Stadt.. Oder dem, was übrig geblieben ist.. Ich brauche Waffen, Munition und eine Karte.. und dann bringe ich uns in Sicherheit". Wie, war eine andere Frage, denn mit seinen Verletzungen war sich der Soldat selbst nicht sicher, wie er es wirklich anstellen sollte, aber sein Überlebensdrang war deutlich größer, als die Angst, was passieren wird. Er ging im Kopf langsam durch, wie sie am besten hier raus kamen, wo sie vor allem hin mussten, denn er hatte um ehrlich zu sein keinerlei Ahnung, wo er sich hier befand.. Nur unterbewusst fiel ihm auf, dass sich Rachel neben ihn setzte, es fiel ihm jedoch nicht direkt auf, wie schlecht es ihr ging, nicht aus fehlender Empathie, sondern viel mehr aufgrund der Situation und seiner Ausbildung. Sie wurden gelehrt ihre Gefühle in den Hintergrund zu rücken, um klar im Kopf zu sein und handeln zu können, da war kein Platz für Gefühle, Angst, oder eben das Bemerken dessen, dass es vielleicht besser war jemanden einfach in den Arm zu nehmen.
      Als Rachel sprach blickte der Mann zu ihr, musterte sie in der Dunkelheit, während sie eine ihrer Meinung nach komische Frage stellen wollte. Gabe verstand nicht, aber er wartete, ließ sie sich die Zeit nehmen, um ihn danach zu fragen, ob er sie halten könnte. Eine wirkliche Wahr hatte er mit ihrer Stirn an seinem Brustkorb nicht, aber er überlegte auch nicht lange, seine Arme bewegten sich schon von selbst, um sich um den zierlichen Körper zu legen und ihm Wärme und Halt zu spenden, wie es von Rachel gewünscht war. Er wird sie halten, wenn es ihr hilft, er wird sein Leben für sie riskieren, um ihr hier raus zu helfen. Langsam strich eine seiner Hände um den Rücken. "Wir kriegen das hin, versprochen", flüsterte er ihr entgegen, ehe sich der Mann ein wenig zurück lehnte, um durch zu atmen und die Frau weiter zu halten.
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    • Dieses Gefühl der Wärme und Hoffnung das sogleich Rachels Körper durchflutete, als Gabriels sie in seinen Armen empfang - war unbeschreiblich. Sie erinnerte sich nicht einmal daran, wann sie dieses Gefühl das letzte Mal verspürt hatte. Dadurch genoss sie es umso mehr, denn wer wusste schon, von welcher Dauer dies war? Natürlich hatte sie nicht vor, stundenlang in dieser Position zu verweilen - doch allein Gabriels Gesamterscheinung ließ die junge Frau besser fühlen. Er konnte ihr trotz allem nicht die Schmerzen nehmen, die sie empfand, aber er machte sie durchaus erträglicher. Zufrieden lächelnd gab sie sich der wohltuenden Umarmung hin und Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus, als seine Hand über ihren Rücken strich. "Du hast Recht, wir kriegen das hin. Ich bemühe mich, dich zu unterstützen und nicht zur Last zu fallen." Rachel blickte zu ihm hinauf und untermauerte ihre vorige Aussage durch ein Nicken ihrerseits. Es war lang her, dass Rachel wirklich engen Kontakt mit dem männlichen Geschlecht pflegte. Vermutlich aus dem Grund, dass ihr alles andere wichtiger war, als eben Männer. Selbst wenn sie Kontakt mit ihnen hatte, war dies rein aus freundschaftlichem Interesse und nicht mit einer Intention die dahinter steckte. Dafür hatte sie vor dieser Katastrophe einfach weder die Zeit, noch die Lust gehabt. Viel wichtiger war ihr Familie und das Bestreben nach einem besseren Leben durch eine gute Karriere und da sie all ihr Herzblut und diese Bereiche steckte, blieb für die Liebe an sich nichts weiter übrig. Vielmehr betrachtete sie die Liebe als etwas, das dem Ganzen lediglich im Weg stand. Natürlich war dies nicht pauschal auf jede Beziehung oder jeden Mann zu projizieren - aber eben auf die meisten. Jedenfalls konnte sie dies nach alldem, was sie von Bekannten, Freunden oder der eigenen Familie erfuhr, behaupten. Sie wusste auch, dass man nichts verurteilen sollte, was man nicht selber durchlebt hatte, aber allein die Schilderungen von anderen schreckten sie davor ab, es überhaupt auszuprobieren. Wenn sie so über all das nachdachte, war sie irgendwo sogar froh darum, keine Beziehung am Laufen zu haben. Denn wenn sie sich vorstellte, ihren Freund unter solchen Umständen wie den jetzigen zu verlieren, wäre sie nun vermutlich so dermaßen am Boden zerstört gewesen, dass sie nicht einmal daran denken konnte, diesen Ort verlassen zu wollen. Die junge Frau legte ihre Hände an die Arme ihres Gegenübers, um die Umarmung ein letztes Mal zu intensivieren, bevor sie sich aus ihr löste. "Danke" wisperte sie Gabriel zu und erhob sich im Anschluss wieder vom Sofa, um nochmals den Inhalt des Rucksacks am anderen Ende des Raumes zu kontrollieren. Tatsächlich war darin alles, was sie brauchten und ein weiterer Blick durch die freigelegten Schlitze der Fensterbarrikade bestätigten ihr, dass es langsam aber sicher an der Zeit war, diesen Ort hoffentlich hinter sich zu lassen. Sie hatte vor Gabriels Auftreten nicht einen Gedanken daran verschwendet, von hier zu fliehen - besonders nicht auf eigene Faust. Deshalb fühlte sich die ganze Situation für Rachel in dem Moment surreal an und ehrlich gesagt zu schön um wahr zu sein. Jetzt war allerdings nicht der richtige Zeitpunkt um über einen Rückzieher nachzudenken, weshalb sie sich mit dem Rucksack auf den Schultern zu Gabriel dreht: "Bist du bereit es zu versuchen und diesem Ort den Rücken zu kehren?"
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    • Gabriel Carter Leffort

      "Du kannst mir gar nicht zur Last fallen", war es dem Mann wichtig deutlich und klar zu machen, damit Rachel sich gedanklich nicht in irgendwelche negativen Gedanken hinein stürzte, die die beiden nicht weiter bringen werden. Gabriel wird da sein, er wird ihr helfen und er wird es schaffen, auch wenn sein Körper noch nicht so ganz davon überzeugt sei. Er verletzt, einiges war mit Sicherheit gebrochen, oder angebrochen, aber der Adrenalinschub wird ihm sicherlich helfen sich auf die Beine zu stellen und es durch zu ziehen. Im Lager, in welchem er nach Waffen und Vorräten suchen muss, gibt es bestimmt auch Medikamente, Schmerzmittel oder Ähnliches, damit er den Weg überstehen kann.
      Wie lang es her war seit Gabe einer Frau so nah war konnte er selbst auch nicht mehr wirklich sagen, auch wenn diese Aussage vielleicht doch etwas schwachsinnig war. Er war dieser hier nicht nah, das war definitiv eine falsche Formulierung, er nahm sie nur in den Arm, um ihr Kraft und ein wenig Wärme zu geben, um ihr zu zeigen, dass sie es beide schaffen werden. Skepsis hatte hier definitiv keinen Platz, vielleicht war deshalb die Umarmung auch für ihn ein Stück Krafttanken, denn er musste sich gleich erheben und er musste sich da durch kämpfen. Sie werden es schaffen, das war ihm mehr, als nur klar, aber es gab noch immer einen ganz kleinen Teil in ihm, welches ein ganz klein wenig zweifelte, nur wirklich ganz wenig. Der Soldat hat bisher einiges gesehen, er war sich dessen bewusst, was auf die beiden wartete, wenn es schief gehen könnte. Die Gewalt, die Rücksichtslosigkeit, die fehlende Empathie.. Innerloch schüttelte Gabe schnell wieder den Kopf, er durfte keinen Gedanken daran verschwenden, er durfte nicht zulassen, dass diese Gedanken überhaupt einen Platz bekommen..
      Die sanfte, leise Stimme, die sich bedankte brachte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Soldat ließ Rachel los, blickte zu ihr und nickte ihr sanft zu, um anzudeuten, dass alles in Ordnung war. Er musterte sie, während sie sich langsam erhob und ihren Rucksack ergriff, in dem alles Wichtige drinnen war. Er brauchte auch einen, er brauchte vor allem Munition und Nahrung, aber sie werden es schaffen! Kaum drehte sich die junge Frau wieder zu ihm um fragte sie ihn danach, ob er bereit war. Aber sowas von.. Sie konnte es vermutlich gar nicht glauben, wie sehr er es wollte. Gabe nickte, ehe er durch atmete und sich abstützte, um langsam, wirklich langsam auf die Beine zu kommen. Es schmerzte, die Rippen taten ihm wirklich sehr weh, aber er schaffte es auf die Beine, schaffte es sich aufzustellen und tief durch zu atmen, um den Schmerz gleich wieder zu verdrängen. "Bist du es?", fragte er leise zurück und blickte zu Rachel, um sie zu mustern, bevor er langsam die ersten Schritte machte. Es schmerzte, aber er würde es durch ziehen und schaffen für ihre bessere Zukunft!
      "Wir müssen zuerst in mein Lager zurück.. Wenn überhaupt etwas davon noch übrig geblieben ist.. Wir brauchen eine Karte, Waffen, Lebensmittel.. ich habe einen Plan", erklärte der Mann, der sich langsam zu der Tür bewegte. Seine langsamen Bewegungen konnten gut von Vorteil sein, er musste aber erst einmal herausfinden, wo sie sich denn wirklich befinden.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es zerriss der jungen Frau das Herz mit ansehen zu müssen, unter welch unvorstellbaren Schmerzen Gabriel leiden musste. Ihm war zu entnehmen, wie sehr er sich anstrengte, die Miene nicht zu verziehen - doch die Langsamkeit, mit welcher er seine Bewegungen nacheinander ausführte, sprach für sich. Rachel wollte ihm so gern helfen - doch sie wusste nicht wie. Seine Schmerzen konnte sie ihm bedauerlicherweise nicht abnehmen und auch die Kapazität an Schmerzmitteln über die sie verfügte, war bei Weitem nicht ausreichend. Umso wichtiger war es für die beiden, besonders für Gabriel, unversehrt in seinem Lager anzukommen und genau aus diesem Grunde durften sie keine Zeit verschwenden. Rachel nickte dem Soldaten zu um zu signalisieren, dass sie ebenfalls bereit war. Zwar bahnte sich die Angst mit jedem weiteren Schritt an, doch sie hatte keine wirkliche Wahlmöglichkeit. Alles war besser als allein an einem solchen Ort zu verrotten und mittlerweile war die junge Frau fest entschlossen um ihr Leben zu kämpfen. Sie musterte Gabriel von Kopf bis Fuß um seine derzeitige Verfassung zu analysieren. Es sah so aus, als ob der Soldat die Schmerzen bewusst in den Hintergrund drängte und diese ihn nicht wirklich an seinem Vorhaben hinderten. Denn Rachel machte sich zunächst Sorgen darüber, ob die Schmerzen nicht möglicherweise so stark ausstrahlten, dass sie weitreichendere Folgen wie zum Beispiel Bewusstlosigkeit mit sich zogen. Doch wenn es so weit kommen sollte, würde Rachel schon etwas einfallen. Jetzt war nicht die Zeit dafür, sich um Was-wäre-wenn-Fragen den Kopf zu zerbrechen. Die junge Frau atmete tief ein und aus bevor sie Gabriels Schritte vernahm und es dem Soldaten gleichtat, indem sie dicht hinter ihm blieb. Der Moment, als die Tür sich öffnete, war der Moment an dem Rachel wusste, dass ein neues Kapitel ihres Lebens begann. Das Kapitel eines weitaus besseren Lebens hoffentlich. Aber sie wusste auch, dass der Weg dorthin kein leichter sein würde.
      Insgeheim hatte Rachel gehofft dass sie draußen ein Gefühl der Freiheit empfangen würde - doch es war alles andere als das. Denn das Erste das ihr auffiel, war der penetrante, beinahe unausstehliche Geruch von Qualm - gefolgt von Tod und Verwesung. Allerdings passte der Geruch zum Erscheinungsbild des Schlachtfeldes, welches draußen auf die beiden wartete. Bereits durch die winzigen Spalten der Holzbretter konnte die junge Frau sich einen Überblick der draußen herrschenden Situation erhaschen; aber diese groben Bilder waren definitiv nicht mit dem Überblick zu vergleichen, den sie sich inmitten des Schlachtfeldes selbst zu verschaffen vermochte. "Das ist.. schrecklich." wisperte sie mehr oder weniger zu sich selbst, während ihre Füße sie von ganz allein trugen. Es war wirklich schwer, konzentriert bei der Sache zu bleiben wenn man mit solch Grausamkeiten konfrontiert wurde und währenddessen die vorige, schöne Vergangenheit Revue passieren ließ. Genau deshalb wuchs auch der Respekt den sie Gabriel zollte immer mehr - schließlich wurde Rachel immer unklarer, wie ein Soldat es verkraften konnte, beinahe tagtäglich solchen Szenarien ausgesetzt zu sein und dennoch niemals den Mut zu verlieren. Natürlich wusste sie dass Soldaten dafür ausgebildet wurden, solche Dinge nicht allzu nah an sich heran zu lassen aber trotz allem gehörten sie der menschlichen Spezies an und besaßen dementsprechend bestimmte Charaktereigenschaften, die nicht so leicht abgestellt werden konnten. Genau so wie jeder Mensch ein Gewissen besaß, welches einem das Leben deutlich erschweren konnte - vor allem in Zeiten einer solchen Katastrophe. Dennoch wollte Rachel versuchen sich den Kopf nicht allzu sehr darüber zu zerbrechen; immerhin wusste Gabriel vermutlich am Besten, was er tat. "Zu deinem Lager also.. wo müssen wir lang?"
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