Marked for Carnage [Akira & Earinor]

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    • Marked for Carnage [Akira & Earinor]

      Gefesselt und geknebelt wachte Lem in einem dunklen Raum auf, Licht kam einzig und allein durch ein kleines Fenster knapp unter der Decke des Raumes gelegen, unerreichbar zu dem jetzigen Zeitpunkt. Das sachte auf und ab des Raumes, das vermutlich durch Wellengang erzeugt wurde hätte jemanden darauf stoßen können, dass er sich auf einem Schiff aufhielt, Lem hatte zu diesem Zeitpunkt aber andere Sorgen - ihm war verdammt schlecht. Ob er nun einfach leicht Seekrank wurde, oder ob es Nachwirkungen dessen waren, das ihn sich nicht daran erinnern ließ wie er überhaupt hier her gekommen war sei dahin gestellt, aber wenn er nicht ersticken wollte, dann sollte er diesen Knebel wohl oder übel von seinem Mund bekommen. Angst hatte Lem keine als er sich durch das Tuch in seinem Mund knabberte und versuchte es irgendwie herunter zu schieben, Angst war etwas das Lem nicht oft verspürte und wenn er es tat, dann war es einfach nur ein Überlebenstrieb der ihn an diese Welt band. Es war ihm im ersten Moment auch egal warum er überhaupt hier war, oder wer ihn hier gefesselt zurück gelassen hatte... eines nach dem Anderen. Erst als er sich nach einer gefühlten Ewigkeit befreit hatte und es schaffte sich mit hinter den Rücken gefesselten Händen aufzusetzen und an die metallene Wand zu lehnen, nahm er in sich auf, was er außerhalb des Raumes hören konnte. Da war ein penetrantes Klopfen, das ihn schon seit geraumer Zeit in den Wahnsinn trieb, irgendetwas klopfte an Metall, in einem stetigem Rythmus und doch glaubte Lem, dass es sich um einen Menschen handelte, der dieses Geräusch verursachte. Auch ihm wurde nun langsam klar, dass dieser metallene Raum wohl nicht der einzige hier war und dass er sich in einem metallenen Schiff befand, das Rauschen der Wellen war von dem kleinen Fenster aus deutlich zu hören, genau so wie dieses Klopfen... das verdammte Klopfen... "Mensch lass das doch sein!", rief er schließlich nach draußen ohne groß darüber nachzudenken, er sprang auf die Beine... und bereute es. Verdammt ihm war so übel!

      Na schön, vermutlich sollte er versuchen irgendwie hier heraus zu kommen, warten war noch nie Lems Stärke gewesen, andererseits war er auch nicht groß darin aus einer verdammten Zelle auszubrechen. Vielleicht war die Tür ja offen? Der Weißhaarige bewegte sich zu der Tür, drehte sich um und legte die Hände an die Türklinke, er drückte sie nach unten und... nope! War ja auch irgendwie klar gewesen. "Scheiße!", rief er trotzdem und drehte sich wieder um. Auf den Zehenspitzen stehend konnte er aus dem kleinen vergitterten Fenster sehen, aber mehr als einen Gang und weitere Türen konnte er auch nicht entdecken. Das Klopfen ging weiter und es war verdammt lästig, grummelnd drehte er sich wieder um und sah sich den kargen Raum an. Alles was es hier noch gab war eine Art Truhe die fester Bestandteil des Bodens zu sein schien und eine Art Klappe zu den Räumen links und rechts von diesem. Vielleicht sollte er sich beides ansehen, aber stattdessen warf er sich erst einmal mit der Schulter gegen die Tür, mehr als einen stechenden Schmerz hatte dies aber nicht zur Folge. "Fuck!"

      @Akira
    • Seine Augen fühlten sich ungefähr so gut in seinem Kopf aufgehoben, wie sie es am Boden tun würden. Was genau war das? Was roch er? War es das Salz des Meeres, der tosenden Wellen? Aber er konnte sich nicht daran entsinnen, überhaupt an irgendeinem tropischen Badestrand gelandet zu sein, oder zumindest noch irgendwo hingekrochen zu sein - das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war ... was genau? Seine Augenlider öffneten sich lediglich schwer, aber die Tatsache, dass er noch immer hier herumlag und dass diese Insel noch immer kein Traum war, fiel ihm dann auch irgendwann ein - eigentlich hätte es das schon früher tun sollen. Nachdem der Nebel der Nacht gelüftet war, der Schleier sich verzogen hatte und schließlich nur noch ihn entblößte, schien irgendwo klar zu sein, dass es nicht mehr viel mehr gab als das, was ohnehin schon offensichtlich auf der Hand lag - Frischfleisch jagen. So morbide sich all das anhörte, so war auch das die Realität geworden. Wer sich seinen Weg auf die Insel gebahnt hatte und irgendwie überlebte, der fand sich schlussendlich damit ab und suchte sich ein neues Hobby; aber dafür musste wohl oder übel jemand besagtes Frischfleisch erst holen.

      Ari klopfte sich, weil er doch irgendwo noch gute Manieren besaß, den Dreck von der Kleidung - vielleicht war es eine schlechte Idee, hier draußen zu campieren und nicht mehr zu tun, als davon herum zu philosophieren, wie schön es doch wäre, wenn er diese vermaledeite Insel endlich verlassen konnte. Aber gab es wirklich ein Entkommen? Nun, das Schiff das hier dockte verschwand zwar irgendwann wieder, aber definitiv nicht mit lebenden Insassen, geschweige denn schien sich irgendwer, der sich auf dieser Insel erst eingelebt hatte, ein Stück Realität zurückzuwünschen. Bemitleidenswert waren sie ohnehin, die Maden, mit denen er sich hier befand - aber schlussendlich war auch er es, der sich von seinen Füßen zum Schiff tragen ließ und sich erlaubte, ein paar der Schlüssel im desertierten Innenlebens des eisernen Gemäuers zu schnappen und diese an diversen Türen auszuprobieren. Manche der Türen waren ohnehin schon geöffnet, standen sperrangelweit offen und eigentlich hatte Ari keinen Grund dazu, auch nur eine weitere aufzuschließen, aber kaum hörte er das dumpfe Geräusch von Fleisch, das gegen Eisen prallte und den beinahe schon amüsanten Ausruf des Neulings, fing er an, die Schlüssel an seinem Schlüsselbund auszuprobieren, bis er einen fand, der doch tatsächlich passte. "Hm, ich glaub der Schlüssel passt doch nicht!"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • Was war in diesem Raum also? Ob die Kiste irgendetwas spannendes parat hielt? Eine Waffe vielleicht? Ein Schraubenzieher würde es schon tun, immerhin sah dieses Ding aus wie so eine fixierte Werkzeugkiste an einem Pickup Truck. Naja, es gab nur einen Weg das heraus zu finden, Lem bewegte sich also auf dem schaukelnden Schiff auf die Kiste zu, wäre dabei fast umgefallen und verfluchte dieses Ding bereits. Bei der Kiste angekommen trat er einmal heftig dagegen... nichts. Naja, vielleicht sollte er sich bemühen, bücken wollte er sich allerdings nicht, stattdessen versuchte er mit seinem Fuß einen Ansatzpunkt zu finden und den Deckel anzuheben... das klappte auch nicht. Dann eben noch einmal dagegen treten! Das Ding war wohl fest verschlossen... Lem machte seinem Unmut Luft und stöhnte genervt auf und wäre dieses verdammte Schiff nicht so verdammt schaukelig, dann hätte er angefangen im Kreis zu laufen, meistens beruhigte ihn das ein wenig.

      Da das allerdings nicht möglich war, widmete er sich erneut der Tür, seine Schulter dankte es ihm nicht, dass er sich erneut gegen das Eisen warf, als würde das irgendwie helfen. Er hielt erst inne als er ein Klappern hörte, ein Klirren von Eisen und Schritte. Er spähte durch das vergitterte Fenster, dass man ihn nicht bemerkt hatte war wohl ausgeschlossen und das war ihm auch ziemlich egal. "Hey Arschloch! Lass mich hier raus!", verlangte er, während der seltsam aussehende Typ anfing mit den Schlüsseln zu hantieren und schließlich einen in das Schloss steckte. Als ihm allerdings eröffnet wurde, dass der Schlüssel wohl nicht passte, war Lem kurz davor den Verstand zu verlieren. "Was?! Willst du mich verarschen?!", wollte er wissen und erneut warf er sich gegen die Tür, nur dass diese nun nachgab und der Schwung Lem nach vorne stolpern ließ. Er versuchte noch sein Gleichgewicht zu halten, hüpfte ein paar Schritte auf einem Bein, aber ohne Arme war der Sturz unvermeidbar und er fiel geradewegs auf den metallenen Boden zu. Er hatte wohl einen verdammt schlechten Tag!
    • "Oh, oops", lachte Ari, der gerade noch der Tür ausgewichen war und dem Frischfleisch am Boden nun nicht mehr tun konnte, als ihn anzusehen und breit zu grinsen. Eigentlich sollte er ihn jagen, durch das Schiff, mit einem Messer oder einer Axt, aber das war heute gar nicht sein Ziel - Schabernack stand viel eher auf seinem Speiseplan und nicht etwa Menschenfleisch. Nun, wohin mit ihm, wohin mit dem Typen auf dem Boden? "Und? Ist der Boden bequem?", fragte er, stupste den Körper an der vor ihm lag - lediglich mit seinem Schuh - und dann, als er sich ziemlich sicher war, dass der Typ doch noch nicht jeden Lebenswillen im Sand vergraben hatte, seufzte er. Was würde er mit dem Häufchen Elend hier anfangen? "Und da dachte ich mir noch, ich werde nett und freundlich begrüßt, wenn ich dich schon abholen komme", war er denn wirklich so komisch? Nun, den Verstand hatte er vor einiger Zeit schon in den Sand gesetzt, nicht aber seine Hoffnungen und Träume, diesen Ort irgendwann wieder zu verlassen. Vielleicht konnte er den Typen hier ja auch dazu motivieren, ihm dabei zu helfen, mehr als gute Taten zu vollbringen? Wer wusste das denn auch schon.

      "Hast du eigentlich Manieren?", fragte er und stieß den Körper am Boden erneut an, der sich schon alsbald wieder regen würde. Der sanfte Wellengang und das Klimpern der einzelnen Schlüssel an besagtem Schlüsselbund waren nichts Neues, kein fremdes Gefühl. All das hier war schon einmal passiert, all das hier war wie ein deja-vu, aber auch das war wiederum nichts, das ihn störte. Gab es denn überhaupt irgendwas, das ihn grundsätzlich aus der Ruhe brachte oder war er es mittlerweile schon gewohnt, dass in seinem Kopf gähnende Leere herrschte? "Oder willst du den ganzen Tag hier herumliegen?" Zugegeben, normalerweise tat er auch nicht mehr als das und wenn es ihm gerade einfiel, dann hing er sich eben denjenigen um den Hals, die ihn gerade haben wollten und ihm dafür auch etwas boten - was, im Endeffekt, in einem Haufen von Psychopathen nicht sonderlich schwer erschien, wenn sie doch alle nur gleich dachten. "Weißt du, du könntest dich ja auch vorstellen!" Den Namen seines Essens zu kennen war doch auch ein Anfang, nicht? Immerhin könnte er dann eine emotionale Bindung eben dazu aufbauen.
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    • Au... Au verdammt sein Kopf tat weh, das hatte man davon wenn man die Hände hinter dem Rücken gebunden hatte und Stürze nicht abfedern konnte, schlecht war ihm obendrein und wenn er nicht bald von diesem schaukelnden Albtraum herunter kam, war er sicher würde er kotzen. Ein Druck an seiner Seite holte ihn zurück in die Realität, auch wenn seine Stirn schmerzte und sein Kopf jetzt zusätzlich zu seiner Übelkeit pochte. "Das war doch Absicht!", beschwerte er sich. "Und nein, der Boden ist nicht bequem verdammt!" Was sollte Lem auch groß tun? Sich wie ein Käfer auf dem Boden wälzen weil er nicht mehr alleine auf kam? Ach er würde das schon irgendwann schaffen, wenn er heraus fand wo oben und wo unten war! "Abholen?! Wer zur Holle bist du überhaupt?", fragte er schließlich und rollte sich zur Seite, damit er dem komischen Kerl wenigstens ins Gesicht sehen konnte, nachdem er noch einem einen Druck an seinem Körper spürte.

      "Ey lass doch deine dreckigen Stiefel bei dir!", beschwerte er sich und wenn der Typ ihm noch weiter auf die Nerven ging, dann würde Lem sich ernsthaft überlegen sich einfach in seinem Bein fest zu beißen, viel mehr konnte er im Moment auch nicht tun. Ihm fehlte der Weitblick sich mit diesem Typen gut zu stellen, damit er ihn vielleicht netterweise los band, dass dieser Typ aber vermutlich genauso ein Killer war wie er selbst, hätte auch ein intelligenterer Mensch nicht unbedingt erraten, immerhin fehlte Lem jeglicher Kontext. "Dann hilf mir doch auf! Wenn du dich nämlich nicht beeilst, dann kotze ich dir auf die Schuhe, das versprech' ich dir!", brüllte er und versuchte nun wenigstens sich aufzusetzen, verdammt sein Schädel! Vorerst schrie er nicht noch einmal, stattdessen lugte er nur an den weißen Haaren vorbei zu dem Typen der da vor ihm stand, es brachte ihm zwar nichts, wenn er seinen Namen wusste, da er ohnehin nicht lang leben würde, aber dann tat er ihm den Gefallen eben. "Lem.", murmelte er grimmig und nahm seinen Blick nicht mehr von dem Rothaarigen.
    • Tatsächlich war er froh darüber, nicht das unsägliche Glück zu haben, zum Frischfleisch zu gehören, sondern zumindest zu wissen, wo genau er was finden würde, sobald er danach verlangte. "War es das? Das hatte ich gar nicht vor!", lachte der Rotschopf zufrieden, als würde er sich allen Ernstes auch noch darüber freuen, dass er auf frischer Tat ertappt worden war und dass der Fremde wohl gleich dafür sorgen würde, dass er nicht mehr als ein Haufen Brei am Boden war, wenn er ihn zu sehr reizte. "Soll ich dir helfen? Kommst du selbst nicht mehr auf deine kleinen Beinchen?", erkundigte er sich und besah sich erst dann der miserablen Situation in der sich der Neuling befand - armes Vieh, zusammengeschnürt wie ein Paket und doch hatte er es wenigstens zur Tür hinaus geschafft. "Bist du mir gar nicht dankbar, dass ich dich abgeholt habe? Aww, und dabei dachte ich, du bedankst dich bei mir. Ich kann dich gerne hier liegen lassen, bis sich die Anderen auf dich stürzen können!" All das würde wohl in einem mittelschweren Desaster enden, würde er sich nicht intensiv genug damit befassen oder aber einfach von dem Weißhaarigen ablassen, der nicht mehr als ein Häufchen Elend zu sein schien.

      "Aber der Dreck steht dir!" Hatte Ari noch alle Tassen im Schrank? Nein, aber das musste er auch gar nicht - wer ambitioniert genug war, hierher zu kommen bevor es ein Anderer tat - nun, zumindest der Teil von ihnen, der sich am übriggebliebenen Rest vergriff - der hatte wohl auch einen Plan, der oft genug nur aus wirren Feststellungen bestand, die in keiner normalen Welt mehr Platz fanden. "Du wärst nicht der Erste, aber ich würde gerne trockene Schuhe haben, also erbarme ich mich", sprach er und beugte sich kurzerhand nach unten, damit er den verzweifelten Neuzugang auf seine Beine ziehen konnte, indem er einfach nach dessen Fesseln griff und ihn an diesen hochzog. "Besser so? Oder willst du mir noch immer auf die Schuhe kotzen?", harkte er nach, als wäre es doch nicht ohnehin schon evident, dass dieser Typ - der nun krumm auf zwei Beinchen stand - ihm wohl oder übel den Gar ausmachen konnte, wenn er das denn wollen würde. Wobei, biss man denn die Hand, die einen fütterte. "Ah, Lem! Du kannst mich Ari nennen!" Ein beinahe schon überfreundliches Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. "Also, du willst von dem Schiff hier, ja?"
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    • "Verarsch mich nicht!", knurrte Lem und pustete sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht die ihm gerade unsagbar auf den Geist ging, so wie so ziemlich alles in seinem Blickfeld. "Dankbar? Abgeholt? Klein?! Ich bin doch bestimmt größer als du!", beschwerte Lem sich, obwohl das wohl nicht das Wesentliche hier war. Er hatte immer noch keine Ahnung wo er sich eigentlich befand und wie er hier her gekommen war, oder was dieser Typ eigentlich von ihm wollte. Wieso war er gefesselt? Was war das hier? All diese Fragen sorgten nur dafür, dass sein kopf noch mehr dröhnte als ohnehin schon. "Welche Anderen? Wo bin ich überhaupt?!", stellte der die Frage also nun an den Fremden, nicht gerade im nettesten Ton. Wenn er ihn hier liegen lassen wollte, bitteschön, er würde schon alleine zurecht kommen und so lahmarschig wie er war, schien er sowieso keine große Hilfe zu sein, außerdem ging Lem sein dämliches Grinsen auf die Nerven!

      "Dreck?! Was für Dreck?!", wollte Lem wissen und überlegte schon einfach aus Trotz auf die Schuhe dieses Kerls zu kotzen. Übel genug war ihm und, dass sich nun noch alles drehte, weil sein Kopf weh tat, machte es nicht gerade besser. Wenigstens wurde ihm endlich auf die Beine gezogen und als er dann so dastand, mit den Händen immer noch gefesselt, machte er eine Bewegung die deutlich machte, dass er nicht nur aufstehen wollte. "Ich kotz dir auf die Schuhe, wenn du mich nicht endlich los bindest. Los! Mach schon!", verlangte er und begann hibbelig selbst zu versuchen aus den verdammten Fesseln zu kommen, während er über die Schulter zu dem Typen sah, der sich als Ari vorstellte. Das Grinsen ließ ihn aufstoßen, aber er schluckte alles wieder herunter als wäre nichts gewesen. "Klar will ich runter! Das ganze Geschaukel sorgt noch dafür, dass ich dir wirklich auf die Schuhe kotze, aber es geht sich leichter, wenn du mich erst einmal los machst!"
    • "Dich verarschen? Das tue ich doch gar nicht!", lachte Ari, der gut genug wusste, wie weit er den Bogen überspannen konnte bis die Sehne riss und ihm auch noch ins Gesicht peitschte. Alles in allem war beinahe schon schmerzhaft klar, dass es nicht anders ging als sich ein für alle mal zusammenzureißen, damit er Lem wenigstens noch irgendwie hübsche Augen machen konnte - aber wollte er das überhaupt? "Du? Größer als ich? Träum weiter, du Zwerg!" Natürlich war es aber auch gar nicht schwer, größer als Aaron Aster zu sein - oder wie auch immer er sich nannte. War er denn wirklich der, der er vorgab zu sein oder war er, wohl oder übel, schon immer hier und hatte lediglich vergessen, wer er war und wer er einmal sein wollte? Fragen über Fragen die sich in seinem Kopf anhäuften und die allesamt keinen wirklichen Sinn mehr ergaben. "Wo? Nun, momentan noch auf irgendeinem Schiff, aber eigentlich bist du irgendwo im nirgendwo auf einer Insel mit lauter gleichgesinnten die sich lieber die Schädel einschlagen als einen Weg nach Hause zu finden!" Hatte er zu viel geplaudert? Ach, nein, Lem verdiente doch zumindest zu wissen, wo er sich ungefähr befand, das reichte aus.

      "Meintest du nicht gerade, meine Schuhe sind dreckig?" Was war das hier überhaupt für ein Spiel? Irgendwie war es lustig den, offensichtlich, nicht sonderlich besonnen Weißhaarigen zu nerven, aber vielleicht brauchte es auch erst eine Weile bis er wieder aufwachen würde und ihm einen guten Grund präsentieren konnte, weswegen er sich so verhielt wie er es tat. Unsagbar aufdringlich war er zumindest, das musste Ari zugeben. "Womit soll ich dich losbinden? Glaubst du, ich weiß, wie man jeden Knoten dieser Welt löst?" Ari hatte keinerlei Verwendung für solche Dinge, stattdessen rupfte er ein paar mal an einem der Seile und nahm einen der Schlüssel als Hilf, bis er sich sicher war, dass er den letzten Rest des Seils allein durchtrennen konnte, wenn er etwas an ihnen zerrte. "Besser so?", wollte er wissen, kaum fielen diese zu Boden und er sah seine Arbeit als getan an - was auch hieß, er konnte den Schlüsselbund einfach irgendwo auf den Boden werfen, darum musste er sich schließlich nicht kümmern. "Ja ja, vergiss meine Schuhe und setz dich in Bewegung, außer du willst wirklich weiterhin durchgeschüttelt werden!" Und da lief er Lem auch schon voraus - sollte er doch aufholen.
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    • Dieser Kerl war nervig und vermutlich sollte Lem ihn einfach ignorieren, nett sein bis er freie Hände und vielleicht genügend Informationen hatte und wenn das erledigt war, dann konnte er dem Kerl immer noch ein neues Gesicht verpassen, das ihn vielleicht weniger dämlich grinsen ließ, aber Lem dachte selten voraus und er nahm auch alles was man ihm entgegen warf persönlich. "Bist du nur hier her gekommen um mich blöd von der Seite anzumachen?!", fragte er wütend und fummelte immer noch selbst mit den Fesseln hinter seinem Rücken herum, damit er diese endlich los wurde und er wenigstens zuschlagen konnte, seine Fäuste kribbelten schon unangenehm. "Gleichgesinnt? Ich hab keinen Plan wovon du laberst, du kennst mich doch gar nicht und ich glaube nicht, dass wir uns sehr ähnlich sind.", gab er zurück. Eine Insel also? Aber wieso war er überhaupt hier? Wer hatte ihn hier her gebracht? Jedes Mal wenn er versuchte sich daran zu erinnern was passiert war, dröhnte sein Kopf nur noch mehr und er war wirklich kurz davor seinen Mageninhalt zu entleeren.

      "Du bist ein unsagbar nerviger Kerl!", erklärte Lem schlussendlich, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass Ari das ganz gut selbst wusste. "Ey, hast du kein Messer oder sowas? Meintest du nicht eben noch hier schlagen sich alle gegenseitig die Köpfe ein? Wirst ja wohl etwas haben womit du dich verteidigen kannst..." Wenn Lem nicht Lem gewesen wäre, hätte man meinen können, dass er durch diese Aussage Informationen erlangen wollte, nämlich zum Beispiel ob Ari bewaffnet war, oder ob er ihn gefahrlos überwältigen konnte, aber all das war Lem ziemlich egal. Einmal wäre er fast von einem Polizisten geschnappt worden, aber anstatt die Hände zu heben, war er einfach auf den Mann mit der gezogenen Waffe zugelaufen und hatte ihm schließlich die Kehle aufgebissen, als wäre er ein Bluthund. Er war nicht scharf darauf Menschen zu verputzen, aber in dem Moment war ihm einfach danach gewesen. Den Hautfetzen und das Fleisch hatte er trotzdem wieder ausgespuckt. Lem sah weiterhin über seine Schulter als Ari an den Seilen herumzupfte und sie schließlich zu Boden fielen. Lem seufzte erleichtert auf und nahm seine Hände nach vorne, um über die wunden Stellen zu reiben. Ari bewegte sich schon vorwärts und Lem folgte ihm vorerst, ihm war zu übel um diesen Typen anzugreifen. "Was'n das für ein Scheiß?", fragte er während er dem Kerl durch den metallenen Gang folgte und rubbelte einmal fest über sein Handgelenk, aber die schwarzen Striche wollten nicht verschwinden, er hatte noch nie ein Tattoo gehabt, wo kam das her und wieso sah es aus wie ein Strichcode? Er war schließlich keine Milchtüte!
    • Ari wusste selbst gut genug, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte und jeder Versuch, sich selbst dabei zu helfen, wieder alles in Ordnung zu bringen, schien eher so, als würde er dann doch darin enden, dass er sich selbst nicht ganz sicher war, wo er anfangen sollte. Nun, wer schon auf dieser Insel landete, musste einiges an Dreck am stecken haben und eine durchaus blutige Karriere hinter sich haben - oder doch nicht? Alles in allem konnte er nur mutmaßen, ob er schlussendlich der Einzige von ihnen war, der beim Anblick von Blut vom Kotzreiz übermannt wurde, oder aber ob das noch immer eine natürliche Reaktion war. "Ach, nein, ich bin hierher gekommen weil ich nach Frischfleisch gesucht habe, aber du siehst eher weniger genießbar aus", entgegnete er seinem neuen Freund salopp. Auch, wenn Lem noch nicht bereit war, ihn als einen Freund zu akzeptieren, so war Ari doch der Meinung, dass sie bereits Schritte in die richtige Richtung machten - immerhin halfen sie einander auch schon! "Naja, aber du hast doch auch einen Grund, warum du hier bist, oder? Hast du noch nie irgendjemanden in deinem Leben umgebracht?", so, als wäre es ganz normal, derartige Dinge zu fragen, purzelte die gewünschte Antwort von seinen Lippen - ja, der Rotschopf hatte nicht einmal mehr einen Schrank für seine nicht vorhandenen Tassen.

      "Bin ich das?", entgegnete Ari, der gut genug wusste, wie aufreibend seine Art sein konnte - aber einem Fremden wollte er sich doch nicht gleich anbiedern, oder sich gar entblößen damit er bekam, was er wollte. Hier, mitten im Nirgendwo, war es wichtig mit seiner Beute zu spielen und sie nicht wieder gehen zu lassen, hatte man sie erst in den eigenen Klauen. Dass Lem allerdings nur zum Verzehr gedacht war, wusste dieser vermutlich nicht. "Wieso willst du wissen ob ich ein Messer habe? Ich meine, du wirst es früher oder später sowieso zwischen den Rippen stecken haben", kicherte der Rotschopf schließlich, war sich dessen bewusst, dass er vermutlich auch nur ein kleines Taschenmesser brauchte, aber wo blieb der Spaß? Wieso sollte er Lem auch noch die Weitsicht geben? Im Endeffekt würde er sich doch sowieso nur darüber beklagen, dass er von Blut besudelt werden würde, das ihm schlussendlich wiederum den Magen umdrehen sollte - rohes Fleisch war und blieb ekelhaft. "Das Ding? Hm, keine Ahnung! Ich mein, ich hab zwar auch eins, aber irgendwas darüber verraten hat mir noch keiner! Vielleicht sind wir auch nur ein Stück Fleisch in einem übergroßen Supermarkt." Und dann, als hätte er es ohnehin nicht schon gewusst, blendete die Sonne ihn - gerade, als er aus den Gängen heraushuschte. "Willkommen in der Hölle auf Erden!"
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    • "Frischfleisch? Genießbar? Das klingt fast so als wolltest du mich essen! Hätte nicht geglaubt, dass ich mal einen Typen treffe der einen größeren Sprung in der Schüssel hat als ich.", gab Lem zurück, jetzt wo seine Hände endlich frei waren, hatte er aber auch nicht sonderlich viel Angst, oder Respekt vor diesem Typen. Auch davor nicht, nicht wirklich, er wusste sich zu verteidigen, es gab genügend Menschen die ihm immer und immer wieder an den kragen wollten, die ihn jagten und bisher hatte er immer auf sich alleine aufpassen können, so ein dämlicher Rotschopf würde nicht sein Ende sein. Nun musste Lem aber erst einmal Lachen. Es fing leise an, fast wie ein Kichern und steigerte sich stetig, bis er tatsächlich lauthals zu lachen anfing und sich beinahe krümmen musste vor Lachen. "Klar hab ich!", gab er zu als er sich wieder beruhigt hatte und sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte. "Aber du? Du siehst nicht so aus als könntest du jemanden töten und ich verstehe immer noch nicht was das Ganze hier soll. Einen Grund? Ich habe keine Ahnung wie ich hier her gekommen bin, aber wenn selbst Typen wie du hier das Messer schwingen, dann klingt das jedenfalls schon interessant!" Obwohl... tat es das? Klar auch Killer, Mörder oder Soldaten konnten weinen und wimmern wenn man sie richtig bearbeitete, aber war das dasselbe wie das Leben einer gewöhnlichen, nichtsahnenden Person um 180 Grad zu wenden? Das Leben der Familie? Lem hatte keine Angst davor sich jemandem gegenüber zu stellen der ein paar Köpfe größer war als er selbst - er war ja auch gar nicht so groß - und auch vor einem bewaffneten Feind lief er nicht davon, aber unschuldige kleine Lämmer waren ihm dann manchmal doch lieber.

      "Bist du nicht etwas zu fröhlich? Das nervt ganz schön.", erklärte er weiter, ja Ari war kein Mensch mit dem Lem normalerweise verkehrte, aber zugegeben... er hatte eigentlich keine Freunde. "Ich will das wissen, weil du damit das Seil aufschneiden hättest können, Idiot. Aber nachdem du das auch so geschafft hast, umso besser. Jetzt kannst du mir aber sagen, was du eigentlich von mir willst, erst bindest du mich los und dann drohst du mir?! Was ist dein Problem?", wollte Lem wissen, der sich vorerst noch zurück hielt und Ari einfach nach draußen folgte. Er konnte das Sonnenlicht bereits am Ende des Ganges sehen und als sie schließlich heraus traten, blinzelte Lem erst einmal ein wenig, bevor er auch etwas erkennen konnte. "Hölle? Hab ich mir anders vorgestellt. Sieht eigentlich aus wie eine beschissen normale Stadt am Strand.", kommentierte er wenig begeistert, vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen und stapfte weiter, um endlich von diesem verdammten Schiff herunter zu kommen. Wenn er erst einmal festen Boden unter den Füßen hatte, würde er sich hoffentlich besser fühlen.
    • "Einen Sprung in der Schüssel? Du schmeichelst mir! Ich habe für meine Tassen gar keinen Schrank mehr, geschweige denn Tassen", lachte Ari schließlich auch gleich, als hätte Lem etwas gesagt, das ihn belustigt hätte. Waren sie denn nicht alle gleich? Dumm und unerfahren, deswegen waren sie hier, inmitten tosenden Wellen, gelandet. Dreck und Sand prägte die Insel, nebst den sonstigen Gebäuden und wer nicht gerade stark genug war, der suchte sich nun einmal seinen Platz im Dreck und schlief dort - außer, man wusste mit Worten umzugehen, oder Leuten die Nerven zu rauben. "Oh, also doch!" War es nicht zum Kreischen komisch, dass sie den Mord an anderen Menschen einfach damit begründeten, dass ihnen langweilig sein könnte, oder dass sie eine Trophäe brauchten, die über dem Kamin Platz finden könnte? "Ich? Wer weiß schon, ob ich irgendjemanden umgebracht habe - aber alle, die hier sind, haben wohl einen Sprung in der Schüssel, also gibt es wohl auch einen Grund, warum du deinen Weg hierher gefunden hast, nicht?" Vielleicht sollte er auch Reißaus nehmen und vor Lem davonrennen - wer wusste denn auch schon, zu was der Weißhaarige grundsätzlich fähig war? Ari wollte immerhin nicht als Essen für sein Essen enden, oder?

      "Nerve ich? Das tut mir leid!" Nein, eigentlich tat ihm gar nichts leid, der Rotschopf grinste immerhin noch immer von Ohr zu Ohr. Wer jemanden wie eine Geige spielte, der würde sich wohl auch um die Authentizität seiner Person bemühen, damit nicht auffiel, dass man im Endeffekt vielleicht doch mehr wusste, als man eigentlich vorgab. "Ob ich ein Messer habe oder nicht geht dich doch nichts an. Und, naja, ich würde das nicht als Drohung bezeichnen, nur als kleine Vorwarnung!" Aaron Aster würde sich vermutlich im Grabe umdrehen - wenn er denn in einem läge - würde er wissen, wie seine Person in den Dreck gezogen wurde. Ari hingegen amüsierte sich viel zu sehr, nicht nur über Lem, sondern auch bereits mit diesem. "Ja, irgendeine beschissene Stadt an einem beschissenen Strand auf einer beschissenen Insel, irgendwo am Ende der Welt, glaube ich zumindest. Auf alle Fälle gibt es hier draußen nicht mehr als Leute, die so sind wie ich und du!", erneut lachte der Rotschopf und folgte Lem dann, bis er den rieselnden Sand unter seinen Schuhen spüren konnte. Naja, wenn er wirklich ein Messer in seiner Hosentasche wiederfand, dann könnte er sich doch gleich drauf und dran machen, die heutige Beute zu erlegen. "Also, was hast du jetzt vor nachdem ich so nett war und dich befreit hab? Du musst natürlich nicht vor mir auf die Knie fallen!"
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    • "Alles klar.... merkt man.", erklärte Lem mit einem tiefen Seufzer. Von allen Leuten die ihn aus seiner Lage befreien konnten, musste es ausgerechnet der Typ sein? Naja, vielleicht hatte er auch Glück, immerhin hatte man ihm nichts getan und so wie das hier klang, war das nicht selbstverständlich. Naja, Lem wusste wie er auf sich selbst aufpassen konnte, ob jetzt die Polizei hinter ihm her war, oder ein paar Verrückter war auch schon egal, Angst empfand er jedenfalls keine, obwohl er sich an einem Ort befand, den er weder kannte, noch verstand, aber wann konnte er das schon jemals behaupten? Wenn diese Welt hier wirklich so war wie Ari sie beschrieb, dann war er vielleicht schlicht und einfach freiwillig hier her gekommen? Obwohl er musste erst noch sehen ob das hier etwas für ihn war, wie gesagt, jemandes Leben um 180 Grad zu wenden, das war der wahre Spaß, aber hier gab es vielleicht auch Typen die dachten, dass ihnen bestimmt niemals etwas passierte. "Wieso redest du denn jetzt so kryptisch um den heißen Brei herum? Hast du nun jemanden umgebracht, oder nicht? Es ist mir ja eigentlich egal, aber ich mag keine Rätselraterei.", erklärte er mit seinem tiefen Seufzen, wer war dieser Typ?

      "Vorwarnung? Dann verpiss dich besser, bevor ich mich selbst davon überzeuge ob du nun eines hast oder nicht.", knurrte Lem, aber seine Laune wurde zumindest ein Stückchen besser, als er das schaukelnde Schiff endlich verlassen hatte und festen Boden unter den Füßen hatte... naja oder zumindest Sand der auf festem Boden lag. Verdammt, er würde das Zeug sicher in seine Schuhe bekommen, wie nervig! "Wirf mich nicht mit dir in einen Topf!", verlangte Lem und kickte etwas von dem Sand nach vorne. Er sah zu wie der Wind den Sand verwehte und schließlich stapfte er auf den Holzbretten die zur einfacheren Begehung hier herum lagen, zur Promenade, oder was auch immer das war. Jedenfalls war dort eine asphaltierte Straße und Lem wollte dort hin. "Ich habe Durst und Hunger, also werde ich mich wohl mal in dieser Stadt umsehen. Du kannst entweder ein paar Infos rüber wachsen lassen, oder du haust ab. Dafür, dass du meine Fesseln gelöst hast, werd' ich bestimmt nicht vor dir auf die Knie fallen, aber ich lasse dir zumindest einen Vorsprung, wenn mich die Lust packt dir ein neues Gesicht zu verpassen. Fühl dich geehrt."
    • "Ist's zu auffällig?", harkte Ari nach, der wohl oder übel schon wusste, was die darauffolgende Antwort wäre. Seitdem er hier war, hatte er sich nicht einmal die Mühe gemacht, sich großartig mit anderen Leuten zu unterhalten, geschweige denn etwas zu tun, das außerhalb seines Interessensbereiches war. Wenn er etwas wollte, das nicht gerade eine kleine, karge Wohnung in einem kleinen, kargen Gebäude war, dann hing er sich immerhin dem nächstbesten Dorftrottel um den Hals und ließ mit sich anstellen, was man wollte - nun, nur, dass all das wohl nicht unterhalb seiner Würde zu liegen hatte, war klar. Passte Ari etwas nicht in den Kram, so war es wohl kein Wunder, griff er irgendwann zu einem Messer und schnitt der betroffenen Person einfach die Kehle auf - wer konnte ihm das schon verübeln? Am liebsten würde er sich wohl doch darüber lustig machen, das es auf dieser Insel nur grenzdebilen Idioten zu geben schien, aber dazu kam, dass wohl doch nicht alle von ihnen den Verstand verloren hatten - manche von ihnen nahmen sich dann doch alles, was sie wollten, hatten dabei aber einen Plan und nicht nur ihre Intuition. "Keine Ahnung, wahrscheinlich schon, wenn ich hier bin. Ich kann mich an nichts erinnern, aber wen kümmert's?"

      "Aww, du musst nicht gleich so unfreundlich werden! Ich wollte dich nur darauf hinweisen und jetzt bist du schon gemein zu mir!", lachte Ari, der genau wusste, dass er soeben den Bogen nicht nur maßlos überspannte, sondern sich auch mit anderen Dingen befassen sollte als einem weiteren Psychopathen, der gerade noch in guter Laune war und ihn nicht gleich fressen würde, wenn er darum bat. Gut, dass er noch ein Ass im Ärmel hatte, sollte es wirklich dazu kommen. "Warum denn nicht? Wir sind beide hier, weil wir irgendwen umgebracht haben, das gibt uns doch schon einmal Gemeinsamkeiten!" In Wahrheit war es ja auch so, dass er hier derjenige war, der mehr Tassen im Schrank hatte, als Lem und sich lediglich seiner Situation und Umwelt anpasste, damit er nicht stolperte und gleich zerfleischt wurde. "Oh, ich fühle mich nicht nur geehrt, sondern auch geschmeichelt! Dann hoffe ich mal, dass dir dein Gesicht keiner neu anordnet, weil du ihnen auf den Schlips trittst. Wir sehen uns, Lemchen!" Bevor er auch nur darauf warten konnte, dass der Weißhaarige ihn dumm von der Seite anpöbelte oder auf dumme Gedanken kam, sprintete er davon. Vielleicht sollte er einfach nach Hause kriechen und sich im Kühlschrank umsehen, das wäre doch keine schlechte Idee.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.
    • "Es steht dir ins Gesicht geschrieben, ja.", erklärte Lem erneut und verstand nicht, wie irgendjemand so gute Laune haben konnte. Klar, er hatte gerade Kopfschmerzen, ihm war übel und er hatte hunger, aber selbst wenn all das gerade kein Problem wäre, würde er nicht mit so einem dämlichen Grinsen im Gesicht herum laufen. Was Ari ihm über diese Insel erzählte konnte er auch nicht gleich für bare Münze nehmen, auch wenn er nicht wusste, warum man ihn belügen sollte. "Du hast vergessen ob du jemanden getötet hast?", fragte er ungläubig, entweder Ari hatte so viele getötet, dass er aufgehört hatte zu zählen, oder er war einfach ein Idiot. Lem fehlten selbst zumindest ein paar Stunden, oder vielleicht sogar Tage seines Lebens, vielleicht hatte Ari ja kurz bevor er auf diese Insel verfrachtet wurde zum ersten Mal gemordet... was für ein Weichei. Nicht jeder konnte ein Killer sein, das war klar und Lem hatte seine ganz eigenen Gründe und seine eigene Vergangenheit, aber zumindest wusste er wer er war und wieso er tat was er tat... mehr oder weniger.

      "Ja? Wenn ich so gemein bin, warum lachst du dann so dämlich?", fragte er und hatte das Gefühl, dass seine Kopfschmerzen nicht nachlassen würden, solange er diese nervtötende Stimme weiterhin ertragen musste. "Jetzt bist du auf einmal sicher, dass du jemanden getötet hast? Entscheid dich mal...", murmelte Lem, dieser Typ wurde nur immer verwirrender und Lem wollte eigentlich keine Energie auf ihn verschwenden. Bevor er ihm aber auch viel weiter auf die Nerven gehen konnte verschwand er, nicht ohne Lem einen durchaus nervigen, aus einem Wortspiel bestehenden Spitznamen zu geben. "Lemchen?!", rief er ihm hinterher und suchte verzweifelt nach einem geeigneten, dummen Namen für Ari, aber ihm fiel nichts ein und der Rotschopf war ohnehin schon um die nächste Ecke verschwunden. Genervt seufzte Lem und ging einfach in die entgegengesetzte Richtung, so weit von diesem Typen weg wie nur irgend möglich und weil er schlechte Laune hatte, trat er einmal gegen die poröse Hauswand neben sich. Dann sah er sich hier eben einmal um, mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen schlenderte er die Promenade entlang, bis er sich doch entschied das Meer außer Sicht zu lassen und tiefer in der Stadt vorzudringen. Es dauerte nicht lange bis er ein wenig Gemurmel hörte und sich darauf zubewegte, dafür dass hier jeder hinter jedem her sein sollte, waren auf der Straße auf der er sich befand auf einmal ganz schön viele Leute. Er wusste es besser als mit irgendjemandem von ihnen Blickkontakt zu halten, die Meisten von ihnen waren größer als er selbst und waren bewaffnet. Einige Seitenstraßen waren versperrt, die Typen schoben wohl Wache, warum auch immer. Sogar Strom schien es hier zu geben und Neonreklamen erleuchteten den Weg der sonst eher tristen Straße. Es sah aus wie eine normale Stadt, von den Gebäuden her zumindest, es gab sogar Geschäfte mit Auslagen, wobei die Meisten von einem oder mehreren massigen Kerlen bewacht wurden. Das interessierte Lem aber nur noch wenig als er eine Art Supermarkt entdeckte. Durch die Auslage sah er eine Menge Automaten, keine Regale mit einsortierten Waren oder dergleichen, nur Automaten. Ohne Umschweife machte Lem sich auf dem schlackigen Kerl an der Tür zu sagen, dass er sich doch bitte verpissen sollte. "Wohin des Weges?", fragte der Kerl scheinbar gut gelaunt, waren hier alle so drauf? "Hab durst, also verpiss dich.", entgegnete Lem und wollte den Kerl schon beiseite schieben, der ihn allerdings mit einem dicken Grinsen aufhielt. "Du bist neu hier was? Mit der heutigen Lieferung angekommen?" "Was geht's dich an?" "Naja, Interesse an einem Job?" "Ich bin nicht so der Typ dafür." "Wirklich? Ich dachte du hast durst, Angebot und Nachfrage." Lem sah an dem Typen vorbei in den Laden, da drinnen schien es auch noch genug Nahrung zu geben. Lem fragte sich nicht woher das kam, ob das jemand herstellte, oder ob das Zeug schon seit Jahren abgelaufen war, dafür war er nicht schlau genug. "Joe! Wirf mal ne Dose rüber!", rief der große Kerl plötzlich, dessen Grinsen fast schon zu breit für sein Gesicht war, er sah beinahe aus wie eine unheimliche Vogelscheuche. Wer auch immer Joe war, er tat worum er gebeten wurde, man hörte ein Beep und kurz darauf flog eine Dose auf den großen Mann zu. Er fing sie mit einer Hand und drückte sie Lem in die Hand, der das Ding erst einmal verwirrt anstarrte. Es war irgendeine Limo. "Sollen sich hier nicht alle gegenseitig umbringen? Ich bin bisher nur auf Grinsebacken gestoßen.", seufzte Lem, öffnete die Dose dennoch und nahm einen großen Schluck daraus. Zufrieden seufzte er, schon besser. "Was willst du jetzt dafür?", fragte Lem. Geld war noch nie etwas gewesen das Lem groß interessierte, er hatte sich in seinem Leben selten was gekauft, er hatte ja auch nie Geld verdient, er hatte höchstens mal ein wenig Geld bei der armen Seele gefunden die ihm am falschen Tag über den Weg gelaufen war, sonst hatte er sich auch oft genug einfach genommen was er wollte, aber sein Instinkt riet ihm hier davon ab, obwohl die Pistole in der Hose der Vogelscheuche vielleicht schon reichen würde... "Gefällt dir die?", fragte diese sogleich und zog die Waffe heraus um sie gegen das Licht zu halten. "Willst du vielleicht doch einen Job? Limo und Waffe inklusive." "Kann ich stattdessen auch ein paar Messer bekommen?", fragte Lem und eigentlich war ihm zum Gähnen zumute. "Klar alles was du willst." "Und was soll ich nun dafür tun?" "Ganz einfach, besorg uns ein paar Hände... aber nicht zu weit am Handgelenk abhacken, ja?", erklärte der schlaksige Mann mit einem Lächelns, als wäre es das normalste der Welt. Lem warf ihm einen fragenden Blick zu. "Wieso? Hast du irgendeinen seltsamen Fetisch?", fragte er, die Vogelscheuche lachte und klopfte Lem auf die Schulter. "Ist doch egal, du bekommst Verpflegung und ein hübsches Set Messer, solange du uns belieferst, wie klingt das?" Lem unterdrückte den Drang dem Typen alle Finger seiner Hand zu brechen, dafür, dass er Lem gerade einfach die hand auf den Rücken geschlagen hatte, stattdessen trank er seine Limo in einem Schluck aus und warf die leere Dose nachdem er sie zerdrückt hatte achtlos auf den Boden. "Klar wieso nicht?"

      Es dauerte nur ein paar Minuten bis Lem tatsächlich ein Set Messer in die Hand gedrückt bekam, sowie eine weitere Dose Limo als Vorrausbezahlung. Irgendwas war hier bestimmt faul, aber Lem würde sowieso nicht verstehen was, also nahm er das Zeug einfach und verschwand vorerst aus dieser seltsamen Straße. In einer weitaus dunkleren Seitengasse verstaute er die Messer dann erst einmal an seinem Körper, zwei fanden in seinen Stiefeln Platz, für den Rest brauchte er wohl erst einmal vernünftige Klamotten und Ausrüstung, aber das machte nichts. Die Messer kamen in einer hübschen Ledermappe, die er erst einmal in seiner Hose verstaute, ein Messer behielt er in der Hand. Stellte sich nur die Frage, ob er jetzt anfing Hände zu sammeln, damit er mehr Limo bekam, oder ob er sich einfach damit zufrieden gab, dass er jetzt ein paar Waffen an der Hand hatte. Naja... vorerst wollte er sich noch ein wenig umsehen, vielleicht gab es ja noch mehr Idioten die ihm etwas schenken wollten? Ein tiefes Grollen jedoch unterbrach Lems Erkundungstour und der Regen ließ nicht lange auf sich warten. In einer anderen dunklen Seitengasse fand Lem einen überdachten Hauseingang. Die Tür war verschlossen, aber immerhin wurde er hier nicht nass, also setzte er sich vor die Tür, zog seine Beine an und wartete, dass der Regen nachließ. Er hatte immer noch Kopfschmerzen, auch wenn die Limo sie ein wenig gebessert hatte.
    • Lem war schon ein komischer Kauz, aber zumindest hatte Ari keinen Grund gehabt, ihn sofort abzustechen - wäre doch schade gewesen, wenn man das Fleisch nicht etwas weiter reifen lassen konnte. Im Endeffekt war aber auch das egal, schlussendlich war alle, das wichtig war, noch immer die Tatsache, dass er selbst etwas essen konnte und sich vielleicht duschen sollte. In dieser Welt gab es wohl auch nichts, das einem freiwillig dargeboten wurde - lebte man mit ein paar fremden Mördern im gleichen Haus, dann traf man nun einmal ein paar Sicherheitsvorkehrungen, immerhin konnte sich doch keiner auf dieser Welt genug für ein eigenes Haus leisten - aber dafür hatte Ari doch auch diejenigen, die ihm alle Wünsche von den Augen ablasen, solange er sich ihnen unterwarf. Zuhause angekommen bahnte er sich einen Weg in die karge Wohnung, die eigentlich gar nicht so schlecht eingerichtet war - dunkle Böden, helle Wände und ein paar Pflanzen ließen sich sehen, aber die zugezogenen Vorhänge zeugten nun einmal noch immer vor der Paranoia eines grenzdebilen Wesens das nie ganz verstanden hatte, wieso er sich hier befand. Im Endeffekt war es aber egal, es gab für alles logische Schlussfolgerung, gleich wie es für alle Personen auf dieser Insel einen Grund gab. Während sich manche von ihnen an ihr Leben hier gewöhnt hatten, an das Paradies das sie ihr eigen nannten, dachte Ari, es wäre die Hölle schlechthin - und dabei sollte er Recht behalten.

      Aus seiner eigenen Kleidung schälte er sich ungern, gleich wenig wie er ungerne das Klimpern hörte, das von eben jener kam, wenn er die ganzen Messer und anderweitigen Dinge fallen ließ - auch, wenn Blut in ihm mittlerweile einen Kotzreiz auslöste, wer wollte sich denn nicht verteidigen? Seine Dusche war kurz, gleich wie es die Wahl der neuen Kleidung war - viel länger beschäftigte er sich damit, wo er welches der Messer verstecken würde und ob es eine gute Idee war, sich auch noch eine Jacke anzuziehen. Als er an einem der Fenster vorbeihuschte, fiel ihm eigentlich erst auf, das es regnete - aber das war auch egal, er war hier drinnen, im Trockenen und nicht etwa dort draußen, wo es nichts mehr gab als ein paar Verrückte, die ihm etwas andrehen wollten. Ein Blick in den Kühlschrank verriet ihm, das es vermutlich gar nicht so dumm wäre, sich erneut irgendwem um den Hals zu hängen, damit er es zumindest vermeiden konnte, wirkliche Arbeit zu leisten, aber vorerst sollte es reichen, wenn er die Flasche Wasser nahm und an irgendwelchen Früchten herumkaute, die zumindest noch besser aussahen, als das Brot, das irgendwo auf der Küchenzeile lag. Und dann? Hm, eigentlich könnte er darauf warten, dass der Regen endlich nachließ und nachsehen, ob einer der üblichen Kandidaten nach einer besseren Hälfte suchte - oder er könnte zurück zum Schiff watscheln und sich dort ein paar ... nein, widerlich.
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    • Das grollen des Donners wurde bald schon begleitet durch das Grollen von Lems Magen. Er hatte hunger, aber das war nicht schlimm, er war es gewohnt hungrig zu sein, tagelang manchmal, vor Allem als er noch jünger gewesen war, damals als er noch Mülltonnen nach Essen durchsucht hatte, bevor er gemerkt hatte, dass es wesentlich einfacher war in ein Haus einzusteigen. War jemand zu Hause, dann wurde er eben aus dem Weg geräumt. Als er noch jünger war als er es jetzt war, war es sogar noch einfacher gewesen, da hatte er an die Tür klopfen können, hatte an seinen weißen Haaren vorbei gesehen und geäußert, dass er hunger hatte, dann hatte er manchmal sogar eine warme Mahlzeit bekommen, nur die Polizei wäre ein Problem geworden und jeder hatte immer zum Telefon greifen müssen... jeder. Wer ihn gar nicht erst herein lassen wollte, den hatte der selbe Zorn des kleinen, verlassenen Jungen getroffen, am Ende war Lem satt gewesen und ein Haus, oder eine Wohnung standen zum verkauf.

      Lem merkte erst, dass er fast eingenickt wäre, als ihm das Messer aus der Hand fiel und klirrend am Boden landete. Er schreckte hoch, wischte sich kurz über sein Gesicht und griff erneut nach dem Messer. Verdammt wenn die Sonne hier nicht schien wurde es auch verdammt kalt und dieses kurzärmlige Hemd war alles das er hatte. Wo waren alle seine Sachen geblieben? Vielleicht war es doch an der Zeit auf die Jagd zu gehen, jemand der Hände hatte, hatte bestimmt auch Kleidung... etwas das ihm vielleicht passte und das warm war. Der Regen war aber lästig und wurde er erst nass, würde ihm nur noch kälter werden, auch wenn das ebenfalls zur Gewohnheit gehörte. Lem legte seinen Kopf noch einen Moment zurück, seufzte und schloss die Augen für einen Moment. Als er sie wieder öffnete und ziellos nach oben sah, entdeckte er eine Figur an einem der Fenster, auch wenn es nur kurz war... diese roten Haare...? Lem trank die letzten paar Schlucke seiner zweiten Limo, er wollte ja schließlich nicht verschwenden, dann drückte er die Dose zusammen, stand auf und warf sie mit einem kräftigen Schwung an das Fenster. Egal ob das war wer er glaubte, oder nicht, da drin war es trocken. "Hey! Ein bisschen Nächstenliebe? Mir ist kalt!", rief er nach oben, vielleicht eine schlechte Idee, wenn jede Ecke auf dieser Insel potentiell gefährlich war, aber wie immer hatte Lem kein Gespür dafür.
    • War das Klima hier überhaupt gemäßigt? Oder war das alles nur Einbildung? Wer lebte schon gerne auf dieser Insel und glaubte, dass das einzige, gute Bezahlungsmittel Hände waren? Nun, vermutlich die Grenzdebilen, die sich auch hier wohlfühlten, als wären sie hier zuhause. Ari konnte auf all das verzichten, auch, wenn eine Welt ohne großartige Regeln so wirkte, als wäre sie wünschenswert - Anarchie stand, nebst Menschenfleisch, auf dem Speiseplan - aber wer verzehrte schon freiwillig seine Opfer? Zwar konnte er nicht behaupten, es nicht getan zu haben, aber all das diente lediglich dazu, den Hunger zu stillen und etwaige Beweisspuren verschwinden zu lassen - oder war auch all das nur Einbildung? Das Wetter dort draußen wurde auch nicht besser, also musste er sich wohl oder übel mit einer Mandarine zufrieden geben und ... vielleicht einem trockenen Laib Brot. Hatte er hier überhaupt nichts mehr? Nun, er hatte die letzten Nächte nicht gerade in diesem Apartment verbracht und wer Aaron Aster kannte, der wusste, dass er sowieso nur ein Schnorrer war, der liebend gerne für dahergelaufenes Gesindel den Mund aufriss. Ein Deppern an seinem Fenster scheuchte ihn schließlich auf und wider aller Erwartungen riss er das Fenster sogleich auf.

      "Lem? Und ich dachte, du wolltest etwas Abstand von mir!", lachte Ari beinahe schon belustigt, als er den weißen Haarschopf erblickte und das Fenster wieder schloss, nur damit er den Vorhang zuziehen konnte und sich seinen Weg aus der Wohnung, in das Stiegenhaus und schlussendlich zur Tür bahnen konnte, nur, damit er Lem eben diese auch offenhalten konnte. "Und jetzt sitzt du vor meiner Tür wie ein nasser, ausgesetzter Hund und bittest mich um Nächstenliebe? Dabei habe ich dich doch schon aus dem Schiff befreit, reicht das denn nicht?" Aber im Endeffekt war es doch egal - wenn der dreckige Straßenköter zu dem wiederfand, der sich gerne sein Herrchen schimpfen wollte, dann sollte er das doch tun, das störte Ari doch nicht und sollte es das doch irgendwann tun, dann würde er kurzen Prozess machen. "Komm rein", sagte er lediglich und nahm ihn schlussendlich mit in seine Wohnung - was hatte er sich da nur eingebrockt? Hinter ihnen verschloss er die Tür wieder und ließ sich auf die Couch sinken, die etwas deplatziert vor dem kleinen Tisch aussah, der mit allerhand Zeitungen zugemüllt war, die definitiv nicht aktuell waren. "Und? Ich habe absolut nichts zu essen, außer du stehst auf trockenes Brot. Aber du kannst dich gerne duschen, du miefst nach Meer."
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    • Es dauerte tatsächlich nicht lange bis der bekannte rote Haarschopf ans Fenster trat und zu Lem nach unten blickte, er hatte sich also nicht getäuscht. Er wusste gar nicht was er erwidern sollte und blickte nur genervt zur Seite, immerhin hatte Ari Recht, er wollte Abstand von ihm und nun klopfte er an sein Fenster, was hatte ihn auch genau hier her verschlagen? Schicksal? Blödsinn! Theoretisch konnte Lem sich Ari sehr schnell entledigen wenn er wollte, er ließ sich herein bitten und wenige Minuten später würde Ari Blutüberströmt am Boden liegen, vielleicht ließ er ihn sogar noch ein wenig am Leben, damit er um Hilfe röcheln konnte und... Lem musste aufhören an so etwas zu denken, seine Haut kribbelte und er biss seine Zähne zusammen, wie er es so oft tat, wenn er lange kein Blut mehr an seinen Händen kleben gehabt hatte... wie lang war das überhaupt her? Wieso hatte er überhaupt damit angefangen zu morden und wieso fühlte es sich so gut an? Vielleicht weil er endlich einmal derjenige war, der das sagen hatte?

      Wie lange stand Lem nun schon hier im Regen? Hatte Ari das Fenster nur wieder zu gemacht um Lem weiter ignorieren zu können? Er wollte ihn wohl nicht herein lassen, so wie viele vor ihm, die nun alle nicht mehr am Leben waren, naja er würde schon einen Weg... die Tür öffnete sich. "Nö!", war alles was Lem dazu einfiel, er mochte es nicht wenn andere Recht hatten, erst recht nicht, wenn es nervige Rotschöpfe waren. Abgesehen davon konnte man nicht behaupten, dass Lem sehr viel Kontakt zu anderen Menschen hatte, wohl weil diese in seiner Gegenwart normalerweise nicht lange überlebten und weil er sie wegwarf wie kaputtes Spielzeug, wenn sie ihm auf die Nerven gingen. Vorerst aber riss er sich zusammen und trat ein, folgte Ari das Stiegenhaus hinauf und in eine Art kleine schäbige Wohnung die für Lems Standards trotzdem ziemlich schick war... es war trocken, das war ausreichend. Er sah sich ein wenig um und ließ sich nicht davon irritieren, dass Ari hinter ihnen die Tür schloss. Sein neues Messer hatte er vorerst in seinem Ärmel verschwinden lassen, er musste dem Typen ja nicht alles unter die Nase reiben. "Brot klingt gut. Her damit.", verlangte Lem der absolut nicht wählerisch dabei war, was in seinen Magen kam und er ließ keine Gelegenheit verstreichen seinem Körper zu geben was er brauchte, für den Fall, dass er die folgenden Tage nicht so viel Glück hatte. Er spähte außerdem zu einer Tür hinüber die wohl zum Badezimmer führte, fließend Wasser gab es also auch? "Duschen...?", fragte er, überlegte ob er die Tür absperren konnte und ob er sich überhaupt waschen wollte, roch er so schlimm? Er merkte das gar nicht mehr...
    • Und trotz all der angestauten Paranoia und des sonstigen Misstrauens ließ er den Weißhaarigen einfach in seine eigenen vier Wände hereinstolzieren - hatte er denn eine andere Wahl? Irgendwie kam es Ari nicht so vor, geschweige denn glaubte er, dass es Sinn machen würde, sich weiterhin mit all jenen Dingen herumzuplagen - schlussendlich war noch immer er derjenige, der auf Hilfe angewiesen war, weil er selbst keinen einzigen Tropfen Blut sehen konnte ohne, dass er seinen Mageninhalt wieder loswurde. Recht geschah es ihm, wäre es wirklich so dass er all die Dinge getan hatte, die man ihm vorwarf. Wie war das noch gleich? Mord an den Eltern und den Geschwistern, ohne grundsätzliches Motiv? Oder was auch immer - was interessierte ihn Aaron Aster auch? Im Retrospekt war er wohl auch nicht mehr als eine Trophäe für diejenigen, die sich dazu überschnapsen ließen, weil ein vorlauter Rotschopf sich ihnen anbot, als wüsste er selbst nicht so ganz, dass er mehr Wert besaß als nur der, Fleisch auf seinen Knochen zu besitzen. War er mit dieser Entscheidung wirklich glücklich? Oder gab es doch noch etwas, das er sich auf die Fahne schreiben sollte? Wie auch immer, Ari war all das egal - und Ari war nun einmal auch derjenige, der nicht genau wusste, wie oder wann es am besten wäre, sich ebendas einzugestehen.

      "Nein? Es reicht dir nicht?", Ari lachte erneut, beinahe schon schallend - was sollte er ihm noch anbieten? Seine Seele? Wie verwerflich der Gedanke doch schien, wie unerträglich es doch war, darüber nachzudenken. "Was soll ich dir denn noch alles bringen? Möchtest du, dass ich dir mein gesamtes Herz ausschütte und schlussendlich sage, dass du tun und lassen kannst, was du willst?" Dass Lem lediglich hierher gekommen sein könnte, um sich seiner Hände zu entledigen, nun, darauf wäre Ari gar nicht erst gekommen, hatte er doch mit eben jenen Konsorten eher weniger zu tun. Anfangs hatte man auch ihm angeboten, für seine Lebensmittel und anderweitige Dinge einfach Hände zu beschaffen, aber der Rotschopf zierte sich und konnte es nicht mit ansehen, jemandem einfach wehzutun. War er denn feige, oder doch noch mehr als das? "Es liegt da drüben, auf der Küchenzeile", nuschelte er, bevor er sich die Schuhe wieder abstreifte, sie unordentlich dort liegen ließ und sich in die Couch gekuschelt hatte, die dort stand. Lem konnte noch immer tun und lassen, was er wollte - auf dieser Insel war er sogar, mehr oder minder, vogelfrei. "Du stinkst nach Meer - dusch dich, du kannst die Tür gerne absperren, ich bring' dich schon nicht um."
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