rain on me. (akira & xenovia)

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    • rain on me. (akira & xenovia)


      It's you in my reflection
      Now I'm afraid of all the things it could do to me

      If I would've known it, baby

      Was machten Familien nur aus einem selbst? X und Y sind seit ihrer Kindheit beste Freunde und besaßen dazu noch eine Gemeinsamkeit, die man nicht unbedingt benötigte. X nach seiner Geburt keine Mutter mehr, die sich um ihn kümmerte, und Y hatte keinen Vater mehr, der hinter ihm stand. Die noch übriggebliebenen Elternteile der Beiden schienen eine Beziehung miteinander aufzubauen, wobei es von Zeit zu Zeit immer ernster wurde, bis sie sich verlobten, heirateten und sich schworen das gesamte Leben zusammen zuverbringen, in guten und in schlechten Tagen. Die zwei 'Brüder' lebten sich allerdings während des Zusammenlebens auseinander, weil sie sich schlussendlich unterschiedliche Interessen verfolgen und diesen nachgehen. Nach etwa einem Jahrzehnt geht die Ehe der beiden Elternteile in die Brüche, weshalb die Söhne mit ihrem jeweiligen Elternteilen aussziehen und somit beinahe komplett getrennte Wege gehen. Unglücklicherweise besuchen X und Y die gleiche Universität, was es unmöglich macht den Kontakt zu hundert Prozent abzubrechen. Die Elternteile der Beiden lassen ihren Frust und die Wut an ihren Söhnen aus, welche diesen Stress mit in ihrem Alltag herumtragen und sobald die Beiden aufeinander trafen, kam es durchaus auch schon zu Schlägereien, was den Kontakt zueinander noch mehr eindämmte. Das Leben von X driftete dabei in eine sehr dunkle Richtung, wobei Alkohol und der Konsum von Drogen meist auf der Tagesordnung stand, wenn er nicht gerade in irgendwelche Schwierigkeiten verwickelt war. Y ist hingegen zu X ein Engel, der seinem damaligen 'Bruder' noch hinterher zu räumen scheint und sich dadurch etwas erhofft, was X aber entweder nicht einsehen will, oder es fällt ihm einfach nicht auf.

      Vorstellung

      Ashe ~ @Akira
      Ryan ~ Xenovia
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”

    • Die ersten Geräusche die seine gefühlten tauben Ohren in der Früh vernahmen, war das Gefluche seines Vaters, der sich ein Zimmer weiter befand. Allem Anschein nach war Ryans Vater wieder einmal betrunken und hatte eventuell seiner Exfrau eine unangenehme Nachricht auf der Mailbox hinterlassen, die er nun zu bereuen begann. Die müden Knochen des Blondhaarigen erhoben sich langsam und mit großer Mühe aus dem unbequemen Bett, woraufhin er direkt in einen kleinen Spiegel vor sich sehen konnte, da sein Zimmer auch nicht sonderlich groß war. Platz gab es lediglich für ein Bett, einen minimalistischen Kleiderschrank und einen Bettkasten, wo seine Heiligtümer aufbewahrt wurden - die Drogen. Ohne seinem Vater Beachtung zu schenken, schlich er sich unauffällig in das Badezimmer, wo etwas Wasser in sein Gesicht und die Zähne zu putzen gerade ausreichen musste, da Ryan immerhin nicht zu spät bei der Universität aufkreuzen wollte. Seine kurzen hygienischen Erledigungen gemacht, eben noch Deodorant aufgetragen, verließ er dann auch schon wieder das Badezimmer, wobei er beinahe in seinen Vater rannte. "Willst du, dass ich dich umrenne?", knurrte der Blondhaarige, als er in die geröteten Augen seines Gegenübers sah. Nichts weiter als Schluchzen war von dem alten Mann zu vernehmen, der sich noch schnell durch die Augen rieb und an seinem Sohn vorbeihuschte, da er sich diese Scham nicht geben wollte. Für einen kurzen Moment atmete Ryan erleichtert auf, jedoch änderte sich das schnell und das nur, weil er seinen Vater so nicht ansehen wollte. Warum verdammt konnte nicht einmal seine Familie auf dem rechten Weg sein, damit er sich keine Gedanken um sie machen müsste? Wutentbrannt ging er flink in sein Zimmer hinein, wo er sich seinen Rucksack über eine Schulter warf, sein Handy in die rechte, hintere Hosentasche stecke und dann auf den Weg nach Draußen war, raus aus dieser Wohnung.

      Ohne großartig seine Gedanken an seine ehemalige Stiefmutter zu verschwenden, die es seinem Vater nicht gerade leicht machte, führten ihn seine Beine zur Universität. Wenigstens war es nicht am Regnen und die Sonne schien auch nicht zu stark vom Himmel hinab, sodass man schmelzen könnte. Es dauerte etwa fünfzehn Minuten, bis Ryan endlich auf dem Gelände der Universität ankam und er von einigen seiner Freunde begrüßt wurde, wenn man diese denn als wahrhaftige Freunde bezeichnen konnte. "Meinem Alten geht es wieder nicht sonderlich gut.", gab der Blondhaarige einem der Personen zurück, welcher danach fragte, ob es ihm denn gut ginge. Was interessierte es sie schon, ob es Ryan gut ging? Immerhin konsumierte er beinahe in Unmengen Alkohol, dazu nahm er Drogen und gönnte sich kaum eine Pause, was definitiv nicht ratsam für seinen Körper. Allerdings blickte er dann plötzlich in die Richtung des großen Eingangs, wo er schwach eine Person erkannte, die er jetzt nicht unbedingt sehen musste - Ashe. Jetzt in die Richtung seines ehemaligen Stiefbruders zu stampfen und eine Schlägerei anzufangen wäre mit Sicherheit kontraproduktiv, da sie auch bald die Universität betreten mussten. "Wir sehen uns im Unterricht.", kam es knapp von dem Blondhaarigen, der sich schnell in das Gebäude begab, was dabei etwas auffällig wirkte und das auch noch ohne Ashe eines Blickes zu würdigen. Übel wurde ihm, doch wohin sollte er laufen? Die Männertoiletten wäre die einzige und schnelle Möglichkeit, wo Ryan hineinstürmte, zu einem der Toiletten lief und begann sich zu übergeben. Zu seinem Glück müsste ihm jemand jetzt noch gefolgt sein, sodass er sich eventuell rechtfertigen müsste, was niemals passieren würde - eher friert die Hölle zu.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”

    • Ashe dies, Ashe das - 'Ashe kannst du mir einen Gefallen tun? Kann ich von dir abschreiben? Könntest du Abendessen kochen? Kannst du heute auf die Tochter unseres Nachbarn aufpassen - ich habe eine Verabredung? Kannst du nach der Uni noch einkaufen gehen? Vergiss nicht, deine Tante kommt morgen vorbei, besorg ihr doch ein Geschenk!' Immer wieder war es das Gleiche, egal wie viel Wäsche der Blonde falten würde und egal wie sehr er sich anstrengte, all die Dinge, die seine Mutter ihm geben wollte, war die ein oder andere Ohrfeige, die er mit einem Lächeln ertrug. Der perfekte Sohn, so nannte sie ihn, während sie darauf beharrte, dass er sich selbst noch zu Tode foltern lassen sollte, wenn es ihrer Laune entsprach. Sein Wecker riss ihn abermals aus einem durchaus friedlichen Traum, sein Körper peilte die Dusche an - es war ruhig, bis auf die Vögel, die wohl vor ihrem Fenster wieder nach jemandem Ausschau hielten, bevor sie sich in die Natur flüchten würden. Ashe hingegen ließ kaltes Wasser seinen Körper beprasseln, kaum hatte er sich seinen Weg in die Dusche gebahnt - so schnell er diese betreten hatte, so schnell verließ er sie. Eine Zahnbürste steckte er sich in den Mund, nutzte die Zeit, die er von A nach B brauchte um sich die Zähne zu putzen und eher träge in seine Kleidung zu schlüpfen, die er gestern schon über einen Sessel gehangen hatte. Träge Beine führten ihn wieder zurück in sein Badezimmer, er spuckte einmal in das Waschbecken, spülte seinen Mund aus, föhnte sich die Haare und zog sich im Eingangsbereich der Wohnung seine Schuhe an, bevor er sich seine Jacke umwarf. "Ashe!", ertönte es aus der Küche. "Ja?", fragte er, als er sich zum Gehen umdrehte. Egal was es wäre, es konnte nur gut sein. "Vergiss nicht, ich bin heute Abend nicht Zuhause - kauf dir am besten irgendwo etwas zu essen!" Ohne wirklich hinzuhören verließ er die Wohnung auch schon, stieß die Tür hinter sich zu und sperrte ab.

      Auf dem kurzen Fußweg zur Universität traf er sich mit einer Kommilitonin, die ungefähr den gleichen Weg besaß wie er und auch noch das Gleiche studierte. Oftmals spendete sie ihm Trost, oder aber versicherte ihm, dass all das nicht so schlimm war - dass er nicht für seine Mutter da sein musste, nur weil sie es von ihm verlangte. Er könne zu ihr ziehen, sie hätte ohnehin noch einen freien Platz in ihrer Wohnung, immerhin war er ein ganz netter Studienkollege. "Mh, ich werde es mir überlegen", lehnte er immer wieder mit einem Lächeln ab, bevor die beiden auch schon ein neues Thema aufgreifen konnten, das sich wiederum wie im Kreis zu drehen schien und die beiden zum selben Ausgangspunkte führte. Wie schön, dass sie die Uni erreicht hatten und nun getrennte Wege gehen konnten, damit Ashe seiner Zeit damit verschwenden konnte, mit einem aufgesetzten Grinsen auf seinen ehemaligen Stiefbruder zu warten, der das alles wohl nicht so ernst nahm. Kein Wunder also, dass dieser sich lieber in den Toiletten verschanzte, als sich mit Ashe konfrontiert sah. Seufzend lehnte er sich also an eine der Türen und sah zu Ryan, der schon bessere Tage gesehen hatte. "Dir scheint es nicht sonderlich gut zu gehen, hm? Wieso kommst du dann überhaupt hierher?" Ihr Vater wäre wohl der Letzte, der irgendjemanden aus der Wohnung treiben würde.
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.

    • Lernen, sich den Kopf volldröhnen und in den nötigen Schlaf fallen. So ungefähr sah der einfältige Alltag des Blondhaarigen aus, wenn er sich nicht gerade Hals über Kopf in Stress und Probleme stürzte, die ihn oftmals nicht einmal etwas angingen und dennoch konnte er sich nicht raushalten. Aufbauende Personen um sich herum besaß er leider Gottes keine, vielmehr fielen sie mit in sein tiefes Loch, gruben es immer weiter aus und ließen es mehr an Dunkelheit annehmen. Fallen würde er mit Sicherheit noch weiter, solange bis irgendjemand sich dazu bereit erklärte seine beinahe hoffnungslose Seele aufzufangen und aufzuraffen, damit nicht alles an Hoffnung verloren wäre. Von nichts und niemandem wollte er sich herumkommandieren lassen und einen guten Rat konnte sie sich alle wieder ihren Rachen hinunterschieben, bis sie drohten daran zu ersticken. Wie oft musste er sich schon anhören, dass er die Finger von dem ganzen Alkohol lassen sollte, nur, weil sie nicht wussten, dass mehr als dieser dämliche Alkohol im Spiel war, was ihn sichtlich zerfraß und dennoch hielt er sich auf seinen dürren Beinen. Sein Vater dürfte niemals die Hand gegenüber seinem Sohn erheben, Forderungen stellen, oder sonst etwas, was der Blondhaarige für ihn erledigen sollte. Man sollte meinen, dass es definitiv ausreichte, wenn er seinem Vater Gehör schenkte, dabei zwar schwieg, aber immerhin konnte sich der alte Mann ausweinen. Darüber ausweinen, dass die, ach so wundervolle, Ehe in die Brücke ging und diese Hexe von Frau ihm nicht ein Fünkchen Beachtung schenkt - normalerweise richtig so.

      Das Gefühl von einem sich selbst auflösenden Magen machte sich in seinem Körper breit, während sich nichts weiter als das Essen von gestern verabschiedete. Die erneut geöffnete Tür der Männertoiletten hatte Ryan kaum wahrgenommen, da sich in diesem Moment eine weitere Ladung aus Kotze anbahnte, bis gefühlt nichts mehr aus ihm kommen konnte. Diese Stimme, die er hinter sich vernahm, hätte ihn aber tatsächlich beinahe dazu gebracht sich noch einmal zu übergeben, allerdings wischte er sich schnell mit etwas Toilettenpapier seinen Mund ab und stand mit wackeligen Beinen von dem Boden auf. "Auch einen guten Morgen.", knurrte Ryan, dessen Gesicht gerade einer Leiche glich. Wahrscheinlich würde der Dozent im Laufe des ersten Unterrichts Verdacht schöpfen, aber das war kaum etwas Neues bei dem Blondhaarigen. Solange er nicht schlechter bei seiner Leistung abschnitt und kaum Ärger verursacht, ließ man ihn fast alles durchgehen. "Wieso ich hier herkomme? Ich darf nicht als fehlend gemeldet werden und muss meine Unterlagen abgeben, sowie die Neuen ausfüllen.", darauf, dass es ihm nicht sonderlich gut ging, ging er keineswegs ein. Warum auch? "Kümmer dich um deinen eigenen Mist.", für diesen Moment taumelte Ryan leicht nach vorne zu seinem Gegenüber, woraufhin er sich an ihm abstützte und etwas grob sein Oberteil festhielt. Sollten er und seine Mutter zur Hölle fahren und dort nie wieder hervorkommen, sodass sein Vater sich eines Tages damit abfinden könnte und der Blondhaarige zumindest davon Ruhe findet.
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    • Anders als Ryan's Vater verkraftete seine eigene Mutter die Trennung besser, zumindest schien es so. Weder wollte sie etwas von dem Blonden noch seinem Vater wissen, löschte jedwede Nachricht, blockierte seine Nummer, kaum bekam sie einen Anruf - ehrlich gesagt hatte Ashe selbst es schon aufgegeben an die Hoffnung zu glauben, dass sich ihr familiäres Verhältnis noch bessern würde. Sie waren zerrüttet, hatten keinerlei Bedürfnisse mehr, sich aneinander anzunähern und doch war ausgerechnet er es, der nicht so richtig loslassen wollte. Erwischte man sich selbst dabei, wie man an glücklichere Tage zurückdachte, so wurde einem oftmals viel mehr klar. Aber Ashe wusste auch, dass kein Pflaster dieser Welt ihre Beziehung zueinander wieder einigermaßen einrenken würde. Steckte man zu viel Arbeit in etwas, das nie wieder so sein würde wie es sein sollte, dann verschwendete man kostbare Zeit damit.

      "Dir einen guten Morgen zu wünschen scheint unangebracht - du hast ihn augenscheinlich nicht", stellte er fest, während das freundliche Lächeln auf seinen Lippen dennoch nicht schwand, als stellte er gerade etwas fest, das eindeutig nur die Wahrheit sein konnte und überhaupt nicht komisch auszusprechen - oh, wie falsch man doch lag. "Dir würde es durchaus gut tun, würdest du deine Nase nicht in all diesen Mist stecken - nur ein gut gemeinter Ratschlag", seufzte er, bevor er sich auf seinen Beinen halten musste, kaum zupfte man an ihm, hielt ihn fest als wäre er ein Pfeiler der aus dem Boden emporragte. Wieso ausgerechnet hier und wieso ausgerechnet er? "Normalerweise würde ich dir raten nach Hause zu gehen und dich krank zu melden, aber das bist du ja offensichtlich nicht. Was belustigt dich so sehr an dieser Situation, dass du dich immer wieder kopfüber in sie stürzt?"
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    • Seine Gefühle jemand anderem zu äußern lag ihm nicht wirklich, weshalb es, zumindest nach seiner Ansicht, stets von Vorteil war, seine Gefühle zu verbergen und am besten irgendwo wegzusperren, wo keine Menschenseele hingegangen kann. Auch wenn Ryan's Vater das Bedürfnis besaß, dass er und sein Sohn ein Gespräch führten, so war dies immer nur von einer Seite gewollt, wobei auch dementsprechend nur eine der Beiden am sprechen war, während der Andere nur seine Ohren zu spitzen schien. Warum musste diese Ehe nur in die Brüche gehen? Auch, wenn Ashe und Ryan kaum Kontakt miteinander pflegten, zu der Zeit, als noch alles rund bei ihrer Familie lief, so wäre es bestimmt für beide Parteien besser gewesen, wenn dieser Zusammenbruch niemals zustande gekommen wäre. Aber was sollte man schon gegen so etwas tun, wenn sich Menschen in ihrer eigenen Haut nicht mehr wohl fühlten und mit der derzeitigen Situation dermaßen unzufrieden waren, sodass eine Veränderung definitiv notwendig war? Vielleicht sollte sich der Blondhaarige auch einfach distanzieren und sich etwas Eigenes aufbauen, damit er in Zukunft auch eventuell aus diesem dunklen Abgrund hervorkommen kann.

      "Touché.", gab er lediglich zurück, ohne weiter auf die Worte einzugehen, da sein Magen ihm gerade noch zu schaffen machte. Hatte Ryan noch Tabletten in seinem Rucksack die ihm zumindest minimal Hilfe leisten könnten? "Ratschläge benötige ich schon lange nicht mehr, denn die Liste ist bereits voll.", Recht besaß er aus seiner Sicht mit Sicherheit, denn immer, wenn jemand mit einem Ratschlag um die Ecke kam, wurde dieser zurückgewiesen und schwand im Nichts, als hätten diese Worte ihn nie erreicht, obwohl das bestimmt gar nicht mal so schlecht wäre. Den Griff von dem Oberteil des Anderen gelöst, blickte er diesem für einen Moment in die Augen, ehe er noch eine Antwort von sich gab. "Belustigen tut es mich keineswegs, aber was kümmert es dich schon?" Eiskalt wie eh und je, während seine mittlerweile wieder normal funktionierenden Beine sich an Ashe vorbeibahnten und in Richtung Waschbecken gingen. Den Wasserhahn betätigt, ließ er das kalte Wasser eine kurze Zeit hinunterlaufen, bis Ryan sich leicht damit das Gesicht befeuchtete, wobei sich die Hoffnung in ihm breit machte, dass Ashe einfach aus der Toilette verschwindet. Noch mehr Ratschläge könnte der Blondschopf nicht gebrauchen.
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    • Was gäbe man nur für die süße Melodie des Sieges, könnte man doch einfach das wieder zusammenflechten, das vor Ewigkeiten war? Seine Eltern, oder zumindest die Personen, die er als seine Eltern kannte, hatten sich damals einen Narren aneinander gefressen, als ihre Söhne es im Kindesalter gleich taten - und jetzt waren eben diese von Grund auf verschieden. Ryan tat das, wonach ihm der Sinn stand, lebte sein Leben wie ein freier Vogel der die Konsequenzen seiner Taten nicht spüren musste, während Ashe es war, der lieber Zeit in einem schwingenden Käfig verbrachte, gegen den man schlug, während er mit einem gebrochenen Flügel versuchte, sich festzuhalten. Lernte man sich selbst und sein Umfeld erst kennen, so wurde einem klar, dass jeder eine Maske trug - und sobald man diese abnahm sah man erst, was genau vor einem stand. War es nun eine Bestie oder ein Mensch, nun, das wussten oftmals die Wenigsten bevor man die Identität seines Gegenübers nicht enthüllte.

      "Stur wie eh und je", seufzte Ashe unzufrieden, wollte er doch nur versuchen seinem ehemaligen Stiefbruder zu helfen, doch dieser akzeptierte weder Hilfe von ihm, noch wollte er es wahrhaben, dass man sich noch um ihn kümmerte und dass es ausgerechnet Ashe war, der so sehr darauf bedacht zu sein schien, seinem älteren Bruder wieder auf dessen spindeldürre Beine zu helfen. Ryan ließ von ihm ab, doch der Blonde war ehrlich gesagt noch nicht damit fertig, diesem auf die Nerven zu gehen. "Was es mich kümmert? Wir sind ... nein, wir waren Brüder und beste Freunde, falls du dich daran erinnern kannst. Ich kann dir nicht dabei zusehen wie du dich vollkommen zerstörst", antwortete er, hatte weiterhin ein liebliches Lächeln aufgesetzt und folgte Ryan schlussendlich zu dem Waschbecken, hielt aber einigermaßen Abstand zu ihm, um ihn nicht gänzlich mit seiner Fürsorge zu erdrücken. "Aber so wie es aussieht nimmst du keinerlei Hilfe an, schon gar nicht von deinem kleinen Bruder, hm?"
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    • Zerbrochen war dieses Bild einer Familie, genauso zerbrochen wie Ryan selbst, der an manchen Tagen es sogar nicht einmal schaffte, aus seinem Bett zu kriechen, sobald der Wecker lautstark klingelte. Eventuell hatte er sich über diese schlechte Zeit hinweg eine Art Schutzschild aufgebaut, die jeglichen menschlichen Kontakt abblocken sollte, den er entweder nicht haben wollte, oder aber zu gut für ihn selbst war. Ryan war kein Fan seiner Selbst, oder ein großer Befürworter seiner eigenen Taten und dennoch fand er keinen Grund damit aufzuhören, einen Cut zu setzen und einen Neuanfang zu beginnen. Dann gäbe es möglicherweise auch die Chance, dass er und sein ehemaliger Bruder wieder zueinander finden würden, sich gegenseitig unterstützen und sich Kraft bieten, wenn der jeweils Andere gerade keine aufbringen kann. Wie schön dieser Gedanke auch klang, wie angenehm man sich dieses Szenario vor Augen führen könnte, so war Ryan nicht daran interessiert. Wunden würden nur erneut drohen aufzureißen, vor allem, wenn sein Vater von solch einer Wendung Wind bekommen sollte. Wie die Mutter von Ashe wohl reagieren würde? Aus dem Häuschen wäre sie bestimmt, wenn es sie nicht sogar direkt aus der Haut fahren lässt und sie auf ihren Sohn losgeht, sobald sie auch nur einen Funken von so einem Szenario mitbekommen würde.

      "Was hast du erwartet?", jeder der mit Ryan zu tun hatte wusste, dass er kaum, bis gar keinem, die Chance dazu gab sich ihm zu nähern. Auch wenn es einfach nur aus Fürsorge geschah, so konnte man nur vor die Köpfe der Menschen schauen und nicht etwa in sie hinein, wo sich meist etwas komplett anderes verbirgt, als sie von sich geben. "Waren... Das trifft es gut. Wende deinen Blick ab, dann wirst du nichts davon mitbekommen.", warum musste man auch ständig auf das Wohlergehen eines Anderen achten, vorallem, wenn es einem selbst nicht gerade gut ging? Das Verhältnis zwischen Ashe und seiner Mutter war gewiss nicht das angenehmste und doch unternahm keiner etwas dagegen, nicht einmal Ashe selbst. "Kleiner Bruder? Das ich nicht lache.", fing er an zu sprechen, während wenige Wassertropfen sein Gesicht hinunter tropften. "Wie würde deine Hilfe denn aussehen, wenn ich mich dieser annehmen sollte?" Auch wenn es absolut unwahrscheinlich war, dass Ryan die Hilfe seines Gegenübers annehmen würde, so war es dennoch interessant davon zu hören, während seine Hände mittlerweile in dem Rucksack kramten, um die dort befindlichen Tabletten herauszuholen. Eine kleine weiße Pille aus der Verpackung gedrückt, nahm er sich eine Hand voll Wasser, kippte das mit der Tablette in seinen Mund, schluckte alles hinunter und drehte den Wasserhahn zu.
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    • Hielt man sich zu lange mit seiner Mutter auf, so zumindest das Gefühl seiner selbst, schrillte es einem laut in den Ohren, bis man die Alarmglocken abschaltete und versuchte, das Gesehene zu verstecken. Keiner durfte oder sollte gar etwas wissen, nicht bis zu eben jenem Zeitpunkt an dem sich der nun Blonde von ihr losreißen konnte, dort draußen irgendwo florieren durfte und nicht länger auf seine Mutter angewiesen wäre, die ihm all die Jahre nicht mehr als eine kalte Schulter und Schmerz geschenkt hatte. Würde man lange genug nachsehen, dann fand man vielleicht den ein oder anderen blauen Fleck, oder gar eine Narbe von schlechteren Tagen, oder noch offene Wunden die Ashe behutsam unter seinen langen Ärmeln versteckte. Normalerweise ging er nicht auf Menschen zu, zog sich lieber zurück und kam erst dann wieder aus sich selbst heraus wenn er sich in einem vertrauten Umfeld befand, wenn man ihn alleine ließ und ihm zeigen konnte, dass nichts Konsequenzen haben würde, weil keiner hinsah. Würden ihre Eltern wieder zueinander finden, vielleicht wäre er dann all diese Flecken und den Hass wieder los, aber er glaubte es kaum, sollte er doch die perfekte Puppe mimen, die er nicht war.

      "Etwas freundlicheres, vielleicht weicheres, das offenherziger ist als die Kratzbürste, die du im Moment bist", entgegnete er, noch immer mit einem Lächeln auf den Lippen als würde es ihm nie vergehen. War man nicht glücklich, dann gab es wohl auch keinen Grund überhaupt erst Emotionen zu zeigen, zumindest hatte seine Mutter es ihm so eingetrichtert. Lächeln war beinahe ein Dauerzustand bei Ashe und mittlerweile war es wohl auch schwer zu erkennen was davon echt und was davon nur gespielt war. "Und was ist, wenn ich meinen Blick nicht abwenden will? Es sind noch immer deine Entscheidungen, aber im Endeffekt bist du noch immer wichtig für mich und ich, für meinen Teil, möchte dir nicht dabei zusehen wie du im Chaos versinkst." Auch wenn Ryan es tat, vielleicht hätte es Ashe egal sein sollen, vielleicht sollte er sich um seinen eigenen Dreck scheren und nicht immer in dem Anderer herumwühlen, die so viel von ihm verlangten aber niemals mehr als er ihnen geben konnte. "Bin ich etwa nicht dein kleiner Bruder? Und wenn du schon lachen willst, tu es wenigstens" - ja, wieso nicht? Vermutlich hatte seine Mutter sein Gehirn mit ihren ganzen Theorien und Allegorien gekocht, wusste nicht mehr, wo ihr der Kopf stand und wollte nicht mehr als einen Sohn der ihr jeden Wunsch von den trüben Augen ablas. "Ich würde dafür sorgen, dass du deine Griffel von Drogen und Alkohol lässt - vielleicht sollte ich dich auch einfach nach der Uni nach draußen schleppen und dich von deinen Freunden fernhalten, damit du keine Flausen mehr im Kopf hast. Aber das klingt nicht sonderlich verlockend für dich, oder?", Ashe wusste, dass es seinen Stiefbruder wohl kaum interessieren würde, weswegen er sich wiederum gegen die Wand lehnte und diesem dabei zusah, wie er sich eine weitere Pille in den Rachen schob. "Was ist nur so interessant an diesen Pillen?"
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    • Wenn der weitere Verlauf Ihrer Leben sich genauso konstant weiterziehen würde, gäbe es niemals so etwas wie ein Happy-End, wo man glücklich auf seine Vergangenheit zurückblicken könnte, dabei ein ehrliches Lächeln auf den Lippen trägt und seine jetzige Situation keine Sekunde lang bereut, auch wenn einiges hätte besser laufen können. Menschen begangen Fehler und das nicht unbedingt in kleinen Mengen. Mal handelte es sich dabei um große und gravierende Fehler im Leben, wobei sich der komplette Lauf von diesem dadurch bestimmen könnte, oder aber es waren kleine und ausbügelbare Fehler, die einem nicht sofort die Pistole auf die Brust setzten und nach ihrem Leben trachteten, sobald man einen Fuß in die falsche Richtung gesetzt hatte. Wie viele wohl unzählige Personen haben schon durch die Launen Ryan's gelitten, waren durch ihn selbst in sein Handeln involviert, oder bekamen es direkt mit körperlicher Konfrontation zu spüren? Sinn machte es keinen sich an all jene zu erinnern und doch schwirrten sie manchmal Tage lang in seinem Kopf herum, als könnten sie ihre Sorgen und Ratschläge nicht für dich, oder jemand anderen behalten. Niemals bat er um all diese Zeit die sie versuchten für ihn zu opfern, nur damit er eines Tages hoffentlich nicht mehr so tief und am besten gar nicht, mehr in diesem dunklen Abgrund feststeckt.

      "Ich bedauere, aber diese Seite von mir ist leider schon für den Unterricht reserviert.", ein anderer Zeitraum, während seines Alltags, verlangte auch keineswegs eine freundliche und weiche Seite, die nicht Gott und die Welt von sich abstößt. So kratzbürstig wie Ryan auch war, so sehr man es auf den Alkohol und die Drogen schieben wollte, es änderte nichts daran wer er eigentlich war und wie er sich sonst benahm. "Finde dich damit am Ashe. So wie es Vater und Mutter bei mir taten - tu es ihnen am besten gleich, dann könnte es dir weniger Schmerzen bereiten.", seinen damaligen Bruder nach gefühlt einer Ewigkeit mal wieder bei seinem Namen genannt, sah er diesen jedoch gerade keine Sekunde lang an. Immerhin spielte sein Magen noch verrückt und ließ ihn kaum einen Atemzug tätigen, ohne, dass er das Gefühl hatte sich erneut übergeben zu müssen. "Nein, genau das bist du nicht. Und mir ist danach nicht zumute, was du sicherlich verstehst?", letztes klang zwar eher wie eine Fragestellung, was aber viel mehr wie eine Aussage rüberkommen sollte. Die weiße Pille aus dem Rucksack geholt, sowie runtergeschluckt, sah er etwas amüsiert zu Ashe. "Oh nein, verlockend klingt das keineswegs. Zumal mir ein Entzug gerade nicht sehr gut kommen würde.", immerhin galt es dennoch seinen Kopf in die Bücher und Unterlagen zu stecken, damit er nicht umsonst die Universität betreten hat. Ryan hatte sich das Ziel gesetzt das Studium erfolgreich abzuschließen und danach sich sogar eventuell etwas alleine aufzubauen, wobei es irrelevant war, ob er dabei unter dem Einfluss von Alkohol, und, oder Drogen stand. Nichts sollte und konnte ihn von diesem Ziel abhalten, auch wenn es ohne diese negativem Einflüsse mit Sicherheit reibungsloser klappen würde. "Sie nehmen mir den Schmerz... Zumindest lassen sie mich diesen für eine Zeit lang beinahe komplett vergessen.", kam es seufzend von dem Blondhaarigen, der seinen Rucksack wieder schloss und zu Ashe sah. Dabei fiel ihm dieses aufgesetzte Lächeln des Anderen auf, wobei er nicht anders konnte als die Stirn zu runzeln. "Wie lange hast du vor noch dieses falsche Lächeln auf deinen Lippen zu tragen?"
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    • Immer wieder das Gleiche. Der Vogel, der dort saß, auf das Bild vor seinen Augen starrte und wie wild im Käfig umher flatterte, aus dem es einfach kein Entkommen gab. Ashe war nun einmal, was man von ihm verlangte - ein Singvogel, der sich wegsperren ließ, der jedweden Konflikt ignorierte, mit dem er sich konfrontiert sah, der nicht wissen wollte, wie die Welt dort draußen war, so lange die Seine nicht im reinen war, so lange er seine Mutter noch im Nacken hatte und den Drachen nicht für tot erklären konnte. Das, was der Blonde war die Ruhe, die er nicht finden konnte, die er suchen wollte und doch - er fand keinen Funken, kein Überbleibsel von ihr, egal was er tat, egal wie sehr er sich anstrengte. Vermutlich hätte er so werden sollen wie Ryan - stark, unbändig. Aber nein, Ashe war schmächtig, war lediglich nett und zuvorkommend, aber nichts, das man von seinem Sohn erwarten würde, hätte man doch jemanden wie seinen älteren Stiefbruder haben können. Wenn seine Mutter die Hand gegen ihn erhob, so war er der Letzte, der anfing zu schreien, sich gegen sie zu wehren, sondern ließ die Schmach über sich ergehen, fand sich damit ab, dass er nicht mehr war als ein Stück Dreck, das es geschafft hatte, eine menschliche Form anzunehmen. Wie bitter und lachhaft er doch war.

      "Hat diese Seite von dir auch eine Existenzberechtigung außerhalb deines Unterrichts? Oder spielst du sie nur?", denn das lag Ashe nicht fern. Sie beide waren sich gar nicht so unähnlich, und doch wollten sie miteinander nichts zu tun haben, zumindest Ryan wollte ihn abwimmeln. Es hatte Momente gegeben an denen Ashe es war, der seinen älteren Bruder einfach als unbrauchbar abgestempelt hatte, ihn einfach abwimmelte, doch jetzt war ausgerechnet er es, der die Aufmerksamkeit wieder wollte, die er so einfach nicht bekam. Vielleicht war es die Einsamkeit, die sich in seinen porösen Knochen festgesetzt hatte, oder aber die Erkenntnis, dass geteiltes Leid doppeltes Leid war, das man am besten teilte - was auch immer der Wahrheit entsprach, er konnte gar nicht von Ryan ablassen. "Schmerzen? Erzähl' mir etwas Neues", entgegnete der Blondschopf. Ja, etwas, das er noch nicht wusste, oder gar kannte - vielleicht wäre psychischer Schmerz aber auch ausgerechnet das, was er brauchte, doch selbst das wusste er nicht. Was wollte er auch schon wissen, wenn er glaubte, sich selbst nicht zu kennen? "Das war ich, pardon", dennoch klang seine Stimmlage noch immer so, als hätte Ashe selbst kein Problem damit, von seinem geliebten, älteren Bruder durch die Gegend geboxt zu werden als wäre er einfacher Sandsack, der nie Emotionen kennengelernt hatte, geschweige denn ein Gehirn oder Schmerzrezeptoren hatte.

      "Vielleicht änderst du deine Meinung ja noch, aber du bist ein Sturkopf - da frage ich mich, ob ich dir wirklich irgendwie helfen kann." Die Wahrscheinlichkeit war ungefähr so gering wie die Aussicht darauf, herauszufinden, wieso Ryan sich lieber selbst in den Abgrund abseilte anstatt auch nur für eine Sekunde zu versuchen, sich zu retten und inne zu halten. "Und was, wenn die Wirkung nachlässt und du dich wieder an den Schmerz erinnerst, dem du so krankhaft aus dem Weg gehen willst? Nimmst du dann noch eine? Was, wenn sie dir ausgehen?" All diese Dinge waren Fragen, die er nicht wahrhaft beantwortet haben wollte, Fragen, von denen man dachte, sie würden gar nicht erst über die feinen Lippen rutschen, die sonst nur gute Worte für jedermann überhatten, die eigentlich nie ein "Nein" formen sollten. "Welches falsche Lächeln?"
      Looking back, it maybe is like the toy carts you rode when you were a kid. But those toy carts could never go beyond the walls of the lawn. We want to follow the rugged concrete road beyond the wall. As we've grown, we've decided to leave behind the toy cart.

    • Nur die Starken schienen auf dieser jämmerlichen Welt zu überleben, wenn ihnen überhaupt diese Chance geboten wurde, sodass sie diese auch ergreifen konnten. Aber wer traf die Entscheidung, ob jemand starkes, oder eben schwaches vor ihm stand? Sie alle waren unterschiedlich, hatten andere besondere Merkmale, die man in Kategorien unterteilen konnte und doch handelte es sich bei ihnen um nichts weiter als einfache Menschen, die sich irgendwo unterordnen mussten, sobald festgelegt wurde, wo sie hinzugehören hatten. Ryan entschied sich jemand zu sein, der sich von kaum einem etwas sagen lässt und irrelevant dabei war zudem auch noch, ob sich Konsequenzen mit sich zogen, solange sein Studium nicht in Gefahr war. Sein Studium an dieser Universität war mit das Einzige, was ihn an die guten Zeiten an damals erinnerte, denn dieses wurde ihm nur durch seinen Vater und seine damalige Stiefmutter ermöglicht. Auch wenn dies normalerweise ein Grund dazu war alles aufzugeben, so wollte der Blonde diese Möglichkeit nicht in den Dreck ziehen, wenn sie vor langer Zeit noch aus einem positiven Gedanken heraus entstand und nicht aus bösen Absichten.

      "Das fragst du mich ernsthaft? Nein, sie hat keine Existenzberechtigung außerhalb des Unterrichts, denn ansonsten werde ich nur erneut verletzt.", nach seinen doch so ehrlichen Worten verstummte Ryan, der sich schnell eine Hand vor den Mund legte. Warum verdammte musste er dieses Gespräch führen und dann auch noch mit seinem damaligen Stiefbruder, der gar nicht solche Aussagen mitbekommen sollte? Schnell ging er dann aber wieder auf das Thema mit den Pillen und den Schmerzen ein. "Wirklich? Nimmt dich die Gute immer noch so schlimm ran?", Enttäuschung war in seiner Stimme zu hören, während sich sein Kopf nach links und rechts bewegte, was wie ein schwaches Schütteln aussah. Irgendwie machte sich das Verlangen nach Hilfeleistung in ihm breit, doch warum zur Hölle sollte er sich um Ashe kümmern? Selbst wollte und konnte Ryan nicht einmal auf seinen eigenen Beinen stehen, da war es absurd daran zu denken sich um eine andere Person zu kümmern, die man normalerweise nicht mehr sehen wollte. "Wenigstens verstehst du das.", gab er kurzerhand zurück, anstatt weiter auf dieses Brüdergeschwafel einzugehen, was zu nichts führte. Sollte er Ashe entgültig in die Schranken weißen? Vielleicht wäre es nötig den anderen Blondschopf gründlich krankenhausreif zu prügeln, damit er dieses gespielte Lächeln verliert und Ryan nicht mehr hinterherläuft.

      "Die Meisten versuchen es nicht einmal.", lachte er eher enttäuscht, während ein mustender Blick auf Ashe fiel. Was musste er nur machen, damit sein Gegenüber endlich damit aufhörte hinter ihm zu stehen? Selbst stand der Blonde doch bereits im Abgrund und drohte noch weiter zu fallen, wenn er sich nicht selbst bald dort heraushalf. "Dann kotze ich, schlage auf das nächst Beste vor meinen Augen ein und nehme noch eine Pille, die mir hoffentlich niemals ausgehen werden.", antwortete er erneut ehrlich auf die unnötigen Fragen des Anderen, der diese wahrscheinlich nicht einmal beantwortet haben wollte. Dadurch, dass Ryan noch kein Essen in seinem Magen hatte, wirkte die Pille schneller als erwartet, weshalb dieser auf Ashe zuging und gegen die nächste Wand drückte. Eiskalt war sein Blick, wobei sich sein rechter Unterarm an den Hals seines Gegenübers drückte, damit dieser nicht in die Versuchung kam wegzulaufen. "Noch irgendwelche Fragen, ehemaliges Brüderchen?"
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”

    • Physische Wunden waren oftmals temporär, selten blieb von ihnen irgendetwas übrig, und wenn doch, dann waren es nur blaue Flecken, die oftmals gleich wieder auf seiner hellen Haut verblassten. Psychische Wunde hingegen heilten kaum bis gar nicht, blieben dort, wo sie waren, ohne wahrhaft gesehen zu werden - aber Ashe war es egal, wie viele er davon noch mit sich herumschleppen konnte, war es ihm doch nicht erlaubt eine einzige davon zu offenbaren, sich jemandem anzuvertrauen, der ihm helfen konnte. Schweißgebadet in der Nacht aufzuwachen, in einem winzigen Zimmer, das war die Devise - und wenn man die ganze Nacht wach war, weil man nicht mehr schlafen konnte, man sich mit seinen Gedanken alleine gelassen fühlte, dann versuchte man nun einmal nicht an all die schlimmen Dinge zu denken, die man bis zu dem Zeitpunkt erleben musste, sondern sich mit positiven Gedanken, einigen Beruhigungstropfen und dem Test, der erst in zwei Monaten anstand, zu beschäftigen. Zugeben, dass es ihm miserabel ging, das würde Ashe nie - und doch war es wohl für Leute wie Ryan, die ihm eigentlich so nah gestanden haben, ein einfaches Spiel, zu erkennen, welche Emotionen der Wahrheit entsprachen und was eine feine Lüge war.

      "Du hast nicht gesagt, dass ich dich nicht fragen darf - also ja. Aber wenigstens weiß ich dann, dass du wirklich nicht mehr als verbittert bist", seufzte er. Ashe kannte seinen Bruder so nicht, wusste, dass dieser eigentlich nicht so war und doch musste er akzeptieren, dass die Zeit, in der sie sich auseinander gelebt hatten nicht nur ihn veränderte, sondern auch seinen werten Bruder, der vermutlich kein Interesse daran hatte, sich von ihm bemuttern zu lassen. "Mh, das habe ich nie gesagt - aber es wäre wohl eine direkte Lüge, würde ich behaupten, dass meine Mutter mich gut behandelt", doch anders als Ryan fehlte es ihm an Rückrat, sich gegen sie zu wehren. Ashe war es nicht gewohnt, seiner Mutter Widerworte zu geben oder sich gegen die Ungerechtigkeit, die ihm durch ihre Hand widerfuhr, zu verteidigen. Für ihn war all das ein Zirkus, mit dem er zu leben hatte - und dummerweise war er nun einmal Teil der Menagerie, in der er sich nicht aufhalten wollte. Vermutlich sollte er einfach auf Abstand gehen, seinen Namen ändern, das Studium aufgeben und die Stadt verlassen, darauf hoffen, keiner würde ihn wieder erkennen.

      "Aber ich tue es - nur willst du die dir ausgestreckte Hand nicht nehmen, weil du glaubst, dass du mit all deinen Problemen alleine klarkommst", was vermutlich auch gut der Fall sein könnte. Ashe, für seinen Teil, tat es nicht und fand sich selbst damit ab, dass er es wohl auch nie tun würde, bis seine Mutter entweder aus seinem verblendeten Leben verschwand, oder aber, bis er herausfand, wie er aus eben jenem Leben entweichen konnte. Zwei Dinge, die in naher Zukunft nicht passieren würden. "So wild wie eh und je", das Lächeln blieb dort, wo es war, als hätte man es fest zementiert, ihn dazu gezwungen, konstant zu zeigen, dass er glücklich in einer Situation war, die ihn überforderte. Aber auch das war nicht richtig, stattdessen fühlte er sich in die Enge getrieben, stand nun mit dem Rücken zur Wand und hatte Ryan so nah an sich, dass er sich fremd in seiner eigenen Haut fühlte. "Nein, danke der Nachfrage - ich habe genug gehört", antwortete er, blieb still. "Gibt es noch etwas, das du von mir möchtest?"
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    • Kein Alkohol der Welt und keine Drogen, die er konsumierte, schienen ihm wahrhaftig zu helfen und doch fand dieser Trip kein Ende, wobei er dies eigentlich sollte. Hoffnungslos schien das Leben von Ryan zu sein, während niemand tatsächlich hinter ihm zu stehen schien. Rückendeckung gab es keine, dafür aber gefühlt massenweise an Freunden, die so taten, als wären sie seine einzige Familie, die stets an seiner Seite bleiben würde, was nur eine verdammte Lüge war. Gespielt war dieses Bild einer Ersatzfamilie, die einem nicht einmal wirklich helfen wollte, sondern lediglich da war um aus einem Profit zu holen, damit man noch mehr Geld hatte um Drogen zu beschaffen. Egoistisch und verlogen waren sie alle um Ryan herum, obwohl einige von ihnen nicht dazu gehörten und doch wollte er es entweder nicht erkennen, oder war zu blind um den Unterschied zu erkennen. Die Augen müssten ihm geöffnet werden, doch wer würde sich schon dazu bereiterklären, vor allem wenn man nichts weiter dafür bekam, als einen Schlag in sein Gesicht? Liegen lassen sollte man den Blondschopf, sodass er die Zeit hatte zu verkommen, oder eben dafür um sich aufzuraffen, damit man eventuell einen Neuanfang anpeilen könnte. Doch für wen sollte sich das lohnen, wenn Ryan für sich selbst keinen Sinn darin sah?

      "Das Wort selbsterklärend befindet sich in deinem Wortschatz? Und oh, verbittert kann es gerne treffen. Mal etwas anderes, was ich zu hören bekomme.", lachte er lediglich leise, ehe sich sein Gesichtsausdruck wieder normalisierte. Wie schön der Gedanke daran war als Familie wieder zusammenzuleben und doch fühlte sich dieser Gedanke zu absurd an, um irgendwie jemals wieder der Wahrheit entsprechen zu können, sodass Ashe und er sich wieder als Brüder ansehen könnten. "Etwas Rückgrat würde dir guttun. Mal weniger eine große Klappe mir gegenüber haben und das deine Mutter spüren lassen, dann würde es dir besser gehen.", warum verdammt konnte er sich auch nur hier aufspielen, anstatt da wo es wirklich benötigt wurde? Sollte er doch lieber Ryan fallen lassen, sich auf sein eigenes Leben konzentrieren und seiner Mutter die Leviten lesen, damit diese sich nicht mehr über ihn erheben könnte. Würde das der Vater von dem Blonden machen, dann hätte dieser schneller als er schauen könnte die Faust im Gesicht kleben, sodass er nicht mehr auf den Gedanken kommt sich so zu benehmen.

      "Klarkommen werde ich niemals. Nennen wir es doch überleben?", einen Grund die Hand von Ashe anzunehmen sah er nicht, weshalb diese auf ewig vor ihm baumeln könnte. Einfacher war es seine Sorgen, Gedanken und Gefühle mit Rauschmittel zu benebeln. "So nervig wie eh und je.", kam es knurrend von Ryan zurück, der seinen Arm noch immer angespannt gegen den Hals seines Gegenübers drückte. Wie konnte ihn nur dieses gespielte Lächeln so auf die Nerven gehen, dass er am liebsten in das Gesicht vor ihm schlagen würde? "Lass dieses gottverdammte Lächeln von deinen Lippen verschwinden, sonst zwinge ich dazu es abzulegen. Verstanden?", der Knall eines Schlags machte sich auf der Toilette breit, da Ryan unsanft neben den Kopf des Anderen schlug und dabei die Wand traf. Blut floss langsam aus der geplatzten Haut, ehe sich der Blonde von seinem Gegenüber abwandte, seinen Rucksack über die Schulter warf und in Richtung des Ausgangs ging. "Der Unterricht fängt gleich an.", waren die Worte, mit denen er die Toilette verließ und sich auf den Weg in das vorgegebene Zimmer machte.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”

    • Die Sucht danach, verstanden und geliebt zu werden, eine Mutter zu haben, die einen mit offenen Armen empfing, die einen so akzeptierte, wie man war - nicht aber wie die seine, die ihn abwehrte, die ihn nicht haben wollte, war er nicht so, wie sie ihn haben wollte. Jedes einzelne Mal hatte sie ihm die Leviten gelesen, hatte ihm gesagt, wie er sich zu benehmen hatte, damit er nicht auffiel. "Würde es das, dann wäre ich wohl nicht mehr hier", antwortete er, wollte nicht länger darüber belehrt werden, wie er welche Frage oder Antwort aufzufassen hatte, die man ihm an den Kopf warf. Ja, wenn Ashe nachdachte, dann würde es wohl immer so sein. Ryan, der im Rampenlicht stand, der die Menschen um sich scharrte und sich entfaltete, während er selbst lediglich in dessen Schatten verkümmerte. "Mir geht es gut, mach dir keine Sorgen um mich - fast alles lässt sich wieder richten, glaub mir", aber die Beziehung zu seiner Mutter war schon verloren gewesen, bevor sie wirklich angefangen hatte. Sie wollte nicht, dass ihr einziger Sohn so eine Niete war, wie dessen Vater, der einfach das Weite gesucht hatte - wollte, dass er so wurde, wie sein Stiefvater, der wohl nun auch weniger Rückgrat besaß als Ashe es tat, der selbst glaubte, er hatte gar keines. Beide waren weinerlich, und doch war der Blonde besser darin, es zu verstecken - gleich, wie er die blauen Flecken und die Schmerzen hinunterschluckte, die er oftmals hatte.

      "Dann überleben wir wohl beide Situationen, in denen wir gar nicht erst sein wollen, hm?", doch egal was er tat, man würde nie die Hand nach ihm ausstrecken, seine Freundlichkeit entgegnen. Ashe wusste, dass er nur das tun konnte, was er schon immer tat - sich distanzieren und aus der Ferne beobachten, wie es Ryan ging, aber nicht eingreifen, weil dieser sich von ihm nicht helfen ließ. "Ich will dir nur helfen", meinte er schließlich, wusste aber, das eben dieses Flehen auf die tauben Ohren seines Gegenübers traf, die diese Welt schon lange ausgeblendet hatten, damit er in einer Scheinwelt verweilen konnte, die nur so schön war, wie Ryan sie machte. "Aber i-", weiter kam er nicht, stattdessen hallten die Geräusche von Fleisch auf Fliesen wieder, von durchaus knackenden Knochen, und die Faust Ryans hatte nur knapp sein Gesicht verfehlt. Ashe's Lächeln schwand, verwandelte sich in einen durchaus vielsagenden Gesichtsausdruck aus Angst und Besorgnis. "Du solltest das an-", doch bevor er diesen Satz beenden konnte, war Ryan auch schon verschwunden. Seufzend machte er sich selbst auf den Weg in den Vorlesungssaal, in dem er jetzt wäre - wollte nicht darüber nachdenken, wollte nicht wissen, was er tun sollte, trug er einmal kein Lächeln auf den Lippen - doch das durfte ihn nicht davon abhalten, es zu tun, wenn Ryan nicht hinsehen konnte. Im Saal angekommen, setzte er sich auf einen freien Platz, packte seine Notizen der letzten Vorlesung aus und stürzte sich schließlich auch schon - metaphorisch - kopfüber auf diese. Wie schlimm dieser Tag wohl noch werden konnte?
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    • Fühlte man sich jeden einzelnen Tag missverstanden, oder war es in seinem Kopf einfach nur zu absurd, dass irgendjemand auf dieser Welt einen verstehen konnte und deswegen nicht mehr von seiner Seite verschwand? Unangenehm fühlte sich dieses Gefühl an, weshalb Ryan sich dieses nur zu gerne aus seiner Brust reißen würde und doch gab es keine Garantie, dass es dann für immer fort war. Selbst die Scheidung seines Vaters, mit seiner damaligen Stiefmutter, begleitete ihn heute noch und dabei schien dies auch kein Ende zu nehmen, egal wie oft er es sich wünschte. Nie schien das Leben nach irgendeiner Pfeife zu tanzen, wenn es denn gerade mal eine Rolle spielte. Stets bekam man schmerzhafte Schläge in sein Gesicht, litt tagtäglich mehr vor sich hin und verzweifelte mehr, während andere um einen herum nicht solche Probleme zu haben schienen. Oftmals wirkte es so, als ob die Menschen um ihn herum durch eine grüne Wiese, voller Gänseblümchen, laufen und absolut keine Sorgen, oder eine Last, auf ihren Schultern tragen, doch der Schein kann trügen. "Wie wundervoll dieser Gedanke daran wäre...", kam es belustigt von Ryan, da die Aussage von Ashe durchaus interessant klang. Allerdings würde es wohl nie dazu kommen, dass dem anderen Blondschopf je ein Rückgrat wächst, sodass er dieses auch zeigen kann. "Sorgen, um dich? Bevor ich mir um jemand anderen anfange zu sorgen, werde ich mich um mich selbst kümmern.", auch wenn es dazu nicht kommen würde, so entsprach es der Wahrheit, was Ryan zumindest dachte. Darauf, dass man fast alles richten könnte, wollte er jedoch nicht eingehen. Solche Gespräche wollte er mit keinem führen, auch nicht mit seinem ehemaligen Stiefbruder, nachdem Erbrochenes noch eben aus seinem Mund kam.

      "So ist es. Leider.", wie sollte es auch anders sein, wenn beide es anscheinend nicht alleine schafften, aus ihrem jämmerlichen Loch zu kriechen? Normalerweise müssten sie sich gegenseitig Hilfe leisten, aber Ryan hielt davon rein gar nichts, weshalb es nie dazu kommen wird. Der Alkohol und die Drogen waren die einzige Hilfe, welche er freiwillig annahm, auch wenn sich massenweise 'Freunde' um ihn herum befanden, so war keiner von ihnen tatsächlich daran interessiert dem Blonden aus seiner Lage zu helfen. "Schieb dir die Hilfe sonst wohin.", mit seinem Rucksack auf der Schulter und der blutigen Hand verließ Ryan dann die Toilette und machte sich beinahe wutentbrannt zu dem vorgegebenen Zimmer auf, wo seine Vorlesung gleich beginnen sollte. Wie immer suchte er sich den hintersten Platz des Zimmers, nahm dort Platz und legte seinen Kopf auf den Tisch vor sich, bis die Vorlesung begann. Die angeblich besorgten Worte seiner Freunde ignorierte der Blonde gekonnt, während er dann auch schon sein Gehör der Dame widmete, welche die Vorlesung soeben startete. Wie gebannt hörte Ryan der Frau zu, notierte sich relevante Punkte, bis die Glocke läutete. Die Zeit verging wie im Flug, jedoch war erst der halbe Tag vorüber und es gab noch einiges was sie aufzuschreiben hatten. Durch die Übelkeit und den unangenehmen Hunger entschied sich Ryan aber dafür heute frühzeitiger aus der Vorlesung abzuhauen, weshalb er langsam in Richtung des Ausgangs ging. Raus aus diesem stickigen Gebäude und zu irgendeinem Ort, was nicht unbedingt sein Zuhause war.
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    • Ashe wäre vermutlich der Kopf von den Schultern gefallen, wenn Ryan sich wahrhaft hätte dazu durchringen können, ihn zu hassen. Jetzt standen sie einander jedoch lediglich gegenüber und beschwerten sich darüber, dass ihr Leben besser hätte verlaufen können, obwohl sie beide wussten, das ihnen eben das nicht gegönnt wurde. Man konnte wohl sagen, was man wollte, sie beide litten unter ihren eigenen Problemen, unter anderen, die nichts mit sich selbst anzufangen wussten und während sich der Ältere von ihnen gegen seinen Vater wehrte, ihn in die Enge trieb, war der Jüngere von ihnen es, der sein Schicksal akzeptierte und zu ignorieren versuchte, was ihm widerfuhr. Ihre Wege kreuzten sich viel zu oft, als dass sie einander egal sein konnten und die Wahrheit war, dass sie das vermutlich auch gar nie sein konnten; Ashe selbst wusste, dass er seinen ehemaligen Stiefbruder viel zu sehr mochte, als dass er das könnte und er wusste auch, dass er sich um jeden kümmern würde, bevor er sich um sich selbst und seinen eigenen Zustand sorgte. Es lag ihm einfach nicht, selbstsüchtig zu sein und zu versuchen, das Gefühl, es ginge um ihn selbst, aufkommen zu lassen, wenn er seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge umlenken konnte. "Und deswegen sind wir vermutlich auch so verschieden", murmelte er Ryan noch hinterher, bevor er sich selbst auf den Weg machte - immerhin gab es Vorlesungen, die er nicht einfach außer acht lassen konnte.

      Auch, wenn er schlussendlich hier saß, gelangweilt in einer Menschenmenge und sich einen Haufen Dinge notierte, die eventuell relevant sein könnten, dann wusste er nicht so recht, was er von alledem halten sollte. Ryan war nicht mehr, als jemand, der sein Leben eigentlich bereits verlassen hatte und Ashe war nicht mehr, als jemand, der sich an der Vergangenheit festklammerte, als wäre sie tatsächlich relevant. Vor Ewigkeiten hatte man den Faden durchschnitten, der sie beide verband und jetzt war er es, der ihm noch immer nachlief, als wäre es wirklich von Relevanz, was genau er tat oder wie er es anstellte - egal was, egal wie - nichts davon spielte eine Rolle, wenn er sic nicht auf das konzentrieren konnte, das eigentlich wichtig war. So, als wäre es zäher Kaugummi, fühlten sich die Vorlesungen des heutigen Tages an - als wären sie wahrhaftige Folter, der er nicht entkommen konnte, als er immer wieder daran denken musste, dass man seine Hilfe nicht wollte, dass Ryan es war, der ihn bereits von sich abgestoßen hatte und auch ohne Ashe leben konnte. Irgendwann, als es vermutlich schon später Nachmittag war, schaffte er es auch, sich endlich aus dem Gebäude zu hieven und sich zu überlegen, womit er die übrige Freizeit vergeuden sollte - seine Mutter war nicht Zuhause und die Wohnung vermutlich so leer, wie sein Kühlschrank, also wäre es wohl nicht so dumm, wenn er sich als erstes etwas zu essen beschaffte ... oder? Ryan war doch ohnehin schon längst nicht mehr hier und würde er auf ihn warten, dann würde er abgewimmelt werden, weswegen er sich schlussendlich auf den Weg machte.
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    • Auch wenn es Ryan keineswegs zugeben wollte, so befand sich in seinem Inneren eine kleine Leere, die sich seitdem sein Vater von Ashes Mutter getrennt hat dort befindet. Als wäre er damals in einen dunklen Abgrund gesprungen, wobei er versuchte alles von dieser vergangen Zeit zu vergessen, damit ihn diese nicht mehr von innen heraus auffrisst. Die wunderbaren Gedanken an eine tolle Familie mit einem Bruder an seiner Seite waren Geschichte und sollten für immer weggesperrt bleiben, da diese kein Gewicht mehr hatten, oder eben haben sollten. Was würde wohl geschehen, wenn Ashe eines Tages in den gleichen Abgrund springen würde wie es Ryan selbst tat? Ob sich der große Bruder dazu bereit erklären würde dem Blondhaarigen zu helfen, nur weil die alte brüderliche Liebe noch nicht verblasst war? Ein Szenario was sich Ryan lieber nicht in seiner derzeitigen Lage vorstellte, sonst müsste er sich vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche, durchgehen übergeben. Sorgen wären dann nicht das einzige welche den großen Bruder plagen würden, aber wenigstens blieb Ashe so gut es nun einmal ging auf der vernünftigen Lebensbahn und schien nicht abzudriften. Vollkommen Gedanken versunken machte sich der Blondhaarige auf den Weg zu einer Bar, wo man Gott sei Dank auch eine Kleinigkeit zu Essen bestellen konnte. Wie sollte man bei diesem Hunger auch nur eine Sekunde länger ohne Essen klarkommen? Die schmierige Bar betreten nahm Ryan direkt an dem Tresen Platz, wo er kurzerhand seine Bestellung äußerte. "Ein Glas Wiskey und dazu eine kleine Pommes, bitte..." Die Übelkeit war ihm wie ins Gesicht geschrieben, oder noch besser auf seiner Stirn aufgedruckt - es war nicht zu übersehen. Mit einer schnellen Bewegung holte der Blondhaarige sein Smartphone aus der Hosentasche und scrollte seine Kontaktliste durch. "Jessie... Steve... Tyson...", Namen die er vor sich hersprach, wobei er den letzten eingespeicherten Kontakt zuletzt anstarrte. Es handelte sich dabei um Ashe, wobei er ein "Z" vor den Namen hing, damit er diesen nicht leicht wieder finden konnte.

      "Bitte noch einen Wiskey zu der Bestellung dazuschreiben", grummelte der Blonde dem Barkeeper zu, ehe er das Smartphone einfach nur sperrte und mit dem Bildschirm zuerst auf den Tresen legte. Die zwei Getränke vor die Nase gestellt bekommen dauerte es auch nicht mehr all zu lange, bis die Pommes ebenso vor Ryan ihren Platz fanden. Als würde die Zeit wie im Flug vergehen verschwanden die Pommes in seinem Mund, hinterher kippte er beinahe schon unzählbare Gläser gefüllt mit Wiskey, bis die Übelkeit nach wahrscheinlich nur zwei Stunden überhandnahm. Eine verschwommene Sicht plagte den Blonden, woraufhin er mit der Zeit aufgefordert wurde die Bar zu verlassen, da seine Anwesenheit die restlichen Gäste verscheuchen würde. Knurrend erhob er sich von seinem Barhocker und verließ das Gebäude, ehe er ohne tatsächlich auf sein Smartphone zu schauen den erstbesten Kontakt anrief. Das Klingeln hörte sich unfassbar nervtötend in seinen Ohren an, weshalb er direkt anfing zu sprechen, als die Person auf der anderen Leitung endlich ranging. "Hol' mich bitte an der Bar ab... Ich glaube sie heißt 'the pitch and roll'. Bald kipp' ich hier noch um, also beeil dich" Zu seinem Unglück hatte er Ashe in der Leitung gehabt und immer noch keinen blassen Schimmer darüber gehabt, da er sein Smartphone ohne weiteres wieder in seiner Hosentasche verstaute. Jetzt blieb nur noch die Frage offen, ob tatsächlich Ashe Ryan abholen würde, oder dieser dort Wurzeln schlagen würde, bis seine Beine nachlassen.
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    • Seine Mutter war, theoretisch, unauffindbar - aber das war nichts Neues. Nicht selten war es, dass er nächtelang alleine in ihrer Wohnung verbrachte und sich fragte, wieso er sich eigentlich noch abmühte, ihr alles auf dieser Welt recht zu machen. Ashe war sich sicher, dass es oft genug nicht genug war, sich einfach nur ihrem Willen zu beugen und sie nett anzulächeln, ihr zu sagen, dass er nicht mehr war als das, was sie ihn sein lassen wollte und schlussendlich war klar, dass er wohl gar nicht erst den Mumm dazu besaß, sich gegen sie aufzuhalsen. Dafür hatte er Ryan, aber eben dieser hatte keinen Kontakt mehr zu ihm, sondern pflegte es, ihn zu ignorieren oder anzuschnauzen - aber wer war Ashe, wenn nicht derjenige, der noch immer einen kleinen Funken Hoffnung für seinen Bruder hatte und ihn liebend gerne wieder in seinen Armen empfangen würde? Die Wohnung war unsagbar kalt, das Fenster war noch immer gekippt und obwohl er es eigentlich ignorierte, suchte er sich eine wärmere Wolljacke, die er um sich zog. Die Einkäufe, die er vorhin erledigt hatte, ließ er vorerst einfach auf der Küchenzeile liegen, als er sich auf die Couch im Wohnzimmer legte und sich in seine Decke kuschelte. Angenehm war das hier doch ...

      Wie spät war es? War er eingeschlafen? Vermutlich - sein Mund war trocken, sein Magen knurrte und das penetrante Pingen seines Handys ließ ihn aufsehen. Ein Anruf? Um diese Uhrzeit? Beinahe schon verschlafen griff er nach dem Handy, holte es aus seiner Hosentasche und rieb verwirrt die Augen, um sich davon zu überzeugen, dass es wirklich Ryan war, der ihn angerufen hatte, kurzerhand hob Ashe ab und wurde - schroff wie eh und je - angeredet. "Ryan, was-", und bevor er den Satz beenden konnte, hatte er auch schon aufgelegt. Wieso ausgerechnet er? Ashe hatte keine Ahnung, aber nachdem er all das ignorierte, schlurfte er wieder zur Tür, griff nach dem Schlüssel und zog sich seine Schuhe an - nur, damit er im Halbschlaf losgehen konnte um Ryan abzuholen, der sich wohl vermutlich eher über ein Taxi freuen würde. Kurzerhand entschied sich die zierliche Gestalt eben dazu, sich eines zu nehmen - und zu seinem Glück wusste der Taxifahrer wohl auch, wohin der Jungspund wollte, der eher so aussah, als täte er gut darin, im Bett zu bleiben als trinken zu gehen. Nun, er trug noch die Kleidung von heute morgen, aber die übergroße Wolljacke gab ein gemütlicheres Bild ab. Bei der Bar angekommen bezahlte er den Fahrer und machte seinen Bruder schlussendlich ausfindig. "Du hättest mir zumindest eine Vorwarnung geben können - wohin willst du? Zu deinem Vater?"
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    • Der von Alkohol geprägte Geruch, gemischt mit einem gut riechenden Parfüm, roch eigentlich ganz akzeptabel, bis man dem betrunkenen Blondschopf in sein unbegeistertes Gesicht sah. Da konnte man noch so einen bezaubernden Duft an sich tragen, spätestens bei seinem desinteressierten Blick wusste man, dass man lieber keine neue Bekanntschaft mit ihm schließen sollte. Hätte Ryan die kleine Portion Pommes nicht vorher verzehrt, so würde wahrscheinlich der Alkohol um einiges schneller wieder seinen Körper verlassen, als ihm eigentlich lieb war. Der kalte Wind, der durch sein Haar wehte, fühlte sich überaus angenehm an, wobei die Brise schnell einen Tick zu kühl wurde. Warum machte er sich nicht auch vorher Gedanken darüber, dass es um solch eine Uhrzeit draußen kühler wird und er definitiv eine Jacke im späteren Verlauf des Abends benötigen wird? Seine beinahe schon kraftlosen Arme umarmten plötzlich ein in der Nähe stehendes Straßenschild, während seine Beine versuchten nicht einzuknicken, was sich als relativ schwer herausstellte. Wie lange wartete er bereits auf die Person, welche ihn abholen sollte? Hatte er überhaupt den richtigen Kontakt angerufen? Fragen über Fragen, die gerade absolut keine Relevanz hatten, denn das einzige was der Blonde wollte, war sich in ein Bett zu schmeißen und die Augen zu schließen.

      Wie viel Zeit war vergangen? Eine bekannte Stimme rüttelte ihn aus seinem Halbschlaf, wobei er noch immer sich mit aller Kraft versuchte an dieser Stange festzuhalten. "Vorwarnung?", grummelte er verwirrt, ehe sein erschöpfter Körper in die Arme seines Gegenübers taumelte und sein Kopf sich in dessen Halsbeuge vergrub. All dies kam ihm viel zu vertraut vor, doch woher? "Zu meinem Vater? Spinnst du? Das ist der letzte Ort wo ich jetzt sein möchte.", kam es regelrecht empört. Allerdings erhob Ryan schnell wieder seinen Kopf und blickte dem Mann vor sich in die Augen, auch wenn die Sicht von ihm durch den Whiskey durchaus verschwommen war. Halluzinierte er etwa, oder warum stand verdammt nochmal Ashe vor ihm und stützte seinen Körper? Man könnte meinen er hätte einen Geist gesehen, so schnell löste er sich von seinem ehemaligen Bruder und knallte mit seinem Hinterkopf prompt gegen die Stange, des Straßenschilds. "Gott verdammt, was suchst du denn hier? Oder habe ich tatsächlich dich angerufen?" Mit dem unangenehmen Pochen an seinem Schädel war dies nun die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Unmöglich - Sonst nahm Ryan auch nie Hilfe von ihm an und heute würde er mit Sicherheit nicht damit anfangen. "Fahr wieder nach Hause, ich komme schon zurecht.", in jenem Moment, nach seinen Worten, übergab er sich unpraktischerweise. Vielleicht würde er doch Hilfe benötigen.
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