World So Cold [Pumi & Eari]

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    • World So Cold [Pumi & Eari]

      "Haley, hast du hunger?"
      "Nö."
      "Sicher? Ich weiß nicht, wann wir das nächste Mal auf etwas essbares stoßen, das letzte Diner war von hier bestimmt gute 100 Meilen entfernt."
      "Ich sagte nein."
      "Na schön. Warte hier, ich zahle nur schnell."
      "Wo sollte ich denn bitte auch hin?" Das junge Mädchen, um die dreizehn bis vierzehn Jahre alt, schob die großen Kopfhörer wieder auf ihre Ohren und sank auf der Rückbank des Trucks zusammen. Sie beobachtete ihren Vater, der den Tankdeckel schloss und sich dann zum inneren der kleinen Tankstelle aufmachte, um zu bezahlen. Er hatte sie hierher verschleppt und jetzt machte er auf guter Dad? Das konnte er jemand anderem vorspielen... Haleys Magen grummelte. Natürlich hatte sie nach dem Flug hunger gehabt und auch jetzt nach zwei Stunden Autofahrt, hatte sie immer noch hunger. Immerhin konnte man diesen Mikrowellen kram im Flugzeug ja kaum als Essen bezeichnen. Aber ihrem Dad die Genugtuung zu geben, dass er tatsächlich mal was hinbekommen könnte? Nein, so weit kam es noch. Der sollte spüren, wie unzufrieden sie hier immer sein würde. Sie hatte nicht viele Freunde in LA gehabt, aber LA war, wo sie mit ihrer Mama aufgewachsen war. Und abgesehen davon gab es dort fließend Wasser und Internet.
      Jetzt saß sie in diesem stinkenden Auto, wo sie noch gestern auf den weichen Ledersitzen des Hybrid ihres Vaters gesessen hatte. Das Auto hatte er gegen diese Schrottkarre eingetauscht, in diesem Schrott Staat mit nichts weit und breit. Ohne Mama bekam er wirklich nichts auf die Reihe...

      Will kam zum Auto zurück, er hatte doch etwas zu Essen und zu Trinken gekauft. Zwei belegte Brötchen und ein paar Müsliriegel. Außerdem gleich genügend Wasser, damit sie auch in ihrem neuen zu Hause noch etwas hatten. Er legte die Sachen kommentarlos neben seine Tochter auf den Beifahrersitz, die sich demonstrativ zum Fenster drehte. Er sagte nichts, stieg stattdessen wieder in den Wagen und fuhr weiter.
      Nach etwas 10 Minuten fahrt, schnappte sie sich dann doch einen der Müsliriegel und warf ihrem Vater über den Rückspiegel einen giftigen Blick zu. Sie war wütend und frustriert und Will fragte sich, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Aber Haley war wütend und frustriert, seit ihre Mutter gestorben war und Will konnte es ihr nicht verdenken. Er hoffte einfach, er hatte ihre Laune nicht noch weiter verschlechtert und wenn sie sich erst einmal hier eingelebt hatte, würde es ihr besser gehen. Aber zuerst folgten weitere Stunden Autofahrt vom Flughafen, zu ihrem neuen zu Hause. Haley hörte Musik und auch Will machte den Radio leise an, damit er sich ein wenig von seinen Gedanken ablenken konnte.

      "Sieh mal Haley, wir sind fast da.", verkündete Will, als sie in das kleine Örtchen kamen, in dem sie zukünftig einkaufen würden. Viel mehr als ein Supermarkt, eine kleine Tankstelle mit nur einer Zapfsäule und einer kleinen Bar, schien es hier aber nicht viel zu geben. Aber vielleicht mussten sie mehr auch einfach erst entdecken. Sie machten kurz halt beim Supermarkt, um das nötigste einzukaufen.
      "Echt scheiße...", murmelte Haley, laut genug, damit Will es verstehen konnte, sobald sie wieder in den Wagen gestiegen waren. Er erwiderte nichts und machte sie auch nicht auf einen kleinen laden voller Holzskulpturen aufmerksam, die Emily bestimmt gefallen hätten. Stattdessen hatten sie das kleine Örtchen nach wenigen Minuten hinter sich gelassen und legten nun die letzte dreiviertel Stunde zurück, um zu ihrer neuen Bleibe zu kommen. Es galt eine kleine Anhöhe zu überwinden, das neue Auto machte sich aber durchaus bezahlt. Ganz oben stand ihr neues Haus. zwei Stockwerke, eine Terasse und das umliegende Land mit kleinem Nadelwald gehörte auch dazu. Sogar eine Garage gab es, das Tor war allerdings nicht automatisch.
      Will stieg aus um das Tor zu öffnen, seine Tochter tat es ihm gleich und schulterte bereits ihren Rucksack. Sie versuchte zu verstecken, dass sie das haus zumindest einmal neugierig betrachtete und nutzte ihren Pony, damit ihre Augen sie nicht verrieten. Will drehte sich zu ihr um, kramte in seiner Hosentasche und warf seiner Tochter schließlich den Hausschlüssel mit den Worten "Sieh dich doch mal um." zu. Er bekam eine Art bestätigendes Schnauben als Antwort.
      Während Haley also aufschloss und sich umsah, öffnete Will das Garagentor, parkte den Wagen und begab sich dann mit den Einkäufen ebenfalls ins Haus.
      Das Haus war voll möbliert, die rustikale Einrichtung passte und hatte auch nicht zu viel Jagdhütten-Vibe für Wills Geschmack.
      "Wo ist der ausgestopfte Bärenteppich oder ein Elchgeweih an der Wand?", fragte Haley voller Sarkasmus.
      "Müssen wir wohl selbst schießen.", entgegnete Will.
      "Blödmann! Meinst du hier gibt es überhaupt Bären?"
      "Ich schätze mal schon, aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen."
      "Du legst dir aber jetzt keine Knarre zu, oder?"
      "Nein, sicher nicht." Will lächelte, das war seit langem ein relativ normales Gespräch mit seiner Tochter gewesen. Das gab ihm die Hoffnung, dass sie diese pubertierende Fassade auch nicht immer aufrecht erhalten konnte.
      "Dein Zimmer ist oben, wir können es einrichten wie du willst. Und unsere restlichen Sachen sollten im Laufe des Tages mit den Umzugswägen auch ankommen."
      Haley hüpfte zur Treppe und warf ihrem Vater noch einen kurzen Blick zu, der nach Bestätigung fragte.
      "Geh schon, ich komme mit den Einkäufen alleine klar."
      Ein kurzes Lächeln zeichnete sich auf Haleys Gesicht ab, dann verfinsterte sich ihre Miene wieder, als wäre ihr eingefallen, dass sie ja angefressen sein wollte. Sie lief die Treppe nach oben, um ihr neues Zimmer zu begutachteten und Will kümmerte sich wie versprochen darum, die Einkäufe zu verstauen.

      Nachdem er das erledigt hatte, suchte er nach dem Haupthahn und war erleichtert, dass sie kurz darauf fließend Wasser hatten. Der Strom funktionierte ebenfalls und hier oben, so weit ab vom Schuss, gab es sogar einen Internetanschluss. Der Kerl der das Haus gebaut hatte, hatte auch nicht zu wenig Geld gehabt und sich darum gekümmert, ein wenig Zivilisation hier her zu bringen. Fernsehen gab es über eine undekorative Satellitenschüssel auf dem Dach. Zum Heizen blieb ihnen zwei große Kachelöfen, einer im Wohnzimmer und einer im oberen Stock, der an beide Schlafzimmer angrenzte. Zum Kochen, für warmes Wasser und die Heizkörper gab es einen großen Gastank, aber da schien irgendetwas nicht zu funktionieren. Will traute sich nicht zu herauszufinden was, also schnapote er sich das große Telefonbuch auf dem Küchentresen - sowas gab es anscheinend noch - und rief den erstbesten Mechaniker an, den er in den gelben Seiten fand.


      @Insane Pumpkin
      Vorstellung -------> anime-rpg-city.de/index.php/Th…ostID=1241083#post1241083

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Earinor ()

    • Man sollte meinen, es sei anstrengend zwölf Hunde zu halten. Dabei war es gar nicht so schwer. Seine Hunde waren diszipliniert wie seine ehemaligen Kollegen. Ein Pfiff und sie saßen in Reih und Gleid vor ihm und freuten sich, dass er ihnen was zu tun gab, was auch immer es sein mochte. Sie waren so einfach gestrickt, so leicht zufriedenzustellen und liebten bedingungslos. Hatte er mal einen schlechten Tag, dann kuschelten sie sich an ihn. Hatte er einen arbeitsreichen Tag, dann liefen sie morgens so schnell wie abends. Griffin liebte seine Hunde. Und sie liebten ihn.
      Die Vierbeiner umzingelten ihn, als er an diesem Morgen in den weitläufigen Garten trat. Sie durften sich hier frei bewegen, er hielt nichts von Zwingern.
      Er kämpfte sich durch die hungrige Meute, die ihn mit großen Augen und heraushängenden Zungen beobachtete. Bevor er den Schuppen betrat, in dem er alles aufbewahrte, was er für ihre Versorgung brauchte, pfiff er einmal lang und schon kehrte Ruhe ein. Die Vierbeiner verstanden den Befehl und setzten sich vor ihren jeweiligen Fressnampf an der Wand des Schuppens. Erst dann öffnete er die Tür und holte den großen Eimer Hundefutter. Er füllte jeden Napf auf, dann gab er einen weiteren Befehl und das große Fressen begann. Der nächste Schritt bestand darin, die Wassernäpfe der Reihe nach auszukippen, kurz durchzuspülen und wieder zu füllen. Obwohl seine Hunde sich frei bewegen konnten, hatten sie alle ihr eigenes Bett in einem beheizten Schuppen in einer anderen Ecke des Gartens. Griffin liebäugelte schon eine Weile damit, eine große Scheune zu bauen, wo er alles unter einem Dach hatte. Das würde ihn ein bisschen an Lauferei und ein bisschen Platz sparen. Nur brauchte er dafür erstmal die Zeit.
      Er beobachtete seine Hunde, bis sie alle aufgegessen hatten. Es war sein kleines Ritual, bei dem er auch gleich sichergehen konnte, dass alle gut aßen. In einem so aktiven Rudel war das wichtig.
      Erst danach ging er wieder rein, um nach seinem Mädchen zu sehen. Er hatte Athena vom Tierarzt. Irgendein anderer Depp hatte sie abgegeben, nachdem ein unbekannter Rüde sie gedeckt hatte und der Tierarzt hatte keinen Platz gehabt. Griffin hatte sie gesehen und sich sofort in sie verliebt. Auch der Rest des Rudels mochte sie. Seine Leithunde führten sich von der ersten Minute an auf wie große Brüder. Er musste es ja wissen.
      Athena lag auf ihrem Bett, völlig entspannt. Ihre Proportionen wurden von Tag zu Tag seltsamer, so rund war sie. Lange würde es nicht mehr dauern, dann würde sich Griffin um ein weiteres Rudel kümmern müssen. Er war bereit, alles war da. Jetzt lag es nur noch an der Hündin.
      "Guck mich nicht so an, du hattest schon Frühstück", kommentierte er die großen Hundeaugen lächelnd und kraulte sie hinter den Ohren, "Jetzt bin ich dran."
      In der Küche wartete der durchgelaufene Kaffee bereits auf ihn. Mit einer dampfenden Tasse setzte sich Griffin an seinen Esstisch und ging die Termine für die Woche durch. Hier in der Gegend ging immer irgendwas kaputt. Und wenn nicht, dann brauchten die Leute draußen mal wieder was. Griffin war hier sowas wie ein Held, weil er ein eigenes kleines Flugzeug hatte, mit dem er auch die entlegendsten Orte erreichen konnte. Er hatte den Pilotenschein gemacht, kaum dass er rausgefunden hatte, wie man am besten an die entlegensten Orte gelangte. Rentierbauern, ein kleiner Baumfällerbetrieb und zwei Forschungsststionen gehörten zu seinen besten Kunden. Alles, was näher lag, aber keine zuverlässige Straßenanbindung hatte, sowie regelmäßige Bärenpatroullien fuhr er mit dem Schlitten. Den Rest übernahm sein Pick-Up mit den dicken Reifen, die einem Monstertruck Konkurrenz machen konnten. Selbstverständlich mit Schneeketten im Gepäck, man konnte ja nie wissen. Hier draußen musste man wirklich auf alles vorbereitet sein und Griffin war immer vorbereitet. Bei einer Mission war die Vorbereitung oftmals wichtiger als die Ausführung.

      Er hatte gerade das Schneemobil vom alten Mr. Brown repariert, als sein Diensthandy klingelte.
      "Griffin Devereaux?", meldete er sich.
      Sein Business hatte keinen wirklichen Namen. Brauchte er hier draußen nicht. Jeder kannte Griffin. Aber die Stimme, die ihm von einer kaputten Gasheizung am Telefon erzählte, war neu. Griffin war nicht auf dem Laufenden, aber er wusste, dass die genannte Adresse seit einer Weile zum Verkauf stand. Scheinbar war das jetzt nicht mehr der Fall. Er warf einen Blick auf die Uhr.
      "Ich kann in etwa zwei Stunden da sein und mir das mal ansehen", versicherte er und stieg schon wieder in seinen Truck.
      Mrs. Brown kam aus dem Haus gestolpert und beeilte sich, ihn noch zu erwischen. Sie wartete brav, als sie sah, dass Griffin telefonierte.
      "Kann aber sein, dass ich das Problem nicht sofort lösen kann. Haben Sie andere Heizmöglichkeiten?"
      Er versuchte den Akzent zuzuordnen. Irgendwas in Richtung Westküste, definitiv Süden. Nevada vielleicht? Ganz schöner Temperatursturz. Immerhin gab es Öfen im Haus. War nur zu hoffen, dass der Typ nicht das Haus abfackelte. Griffin machte sich gedanklich eine Notiz, ihn über die korrekte Nutzung eines Ofens zu informieren.
      "Ich beeil mich", versicherte er noch, ehe er auflegte.
      Probleme mit der Heizung galten für ihn als Notfälle. Zwar konnte man hier im Sommer schonmal mit T-Shirt raus, aber die Nächte waren das ganze Jahr lang brutal. Und wenn dieser Typ tatsächlich aus dem Süden kam... dem würden glatt die Eier abfrieren.
      "Was kann ich für Sie tun, Mrs. Brown?", fragte Griffin nun freundlich die alte Dame.
      Sie streckte ihm ein Paket entgegen.
      "Du fährst heute nicht zufällig nach oben und kommst dabei an dem leerstehenden Haus vorbei?", fragte sie verschwörerisch.
      Griffin stellte das Paket auf den Beifahrersitz.
      "Irgendwas sagt mir, dass das Haus nicht mehr so leer ist und ich das Paket da als Willkommensgeschenk abliefern soll."
      Mrs. Brown grinste.
      "Ach du kennst mich zu gut, mein Junge. Ein Arzt ist hergezogen. Er macht hier wohl seine Praxis auf. Wird auch langsam Zeit, mein Rücken macht nur noch Zicken. Pass auf dich auf da oben, ja?"
      "Mach ich, Mrs. Brown."
      Die Frau trat einen Schritt zurück und ließ ihm Platz zum Fahren.

      Zwei Stunden später, pünktlich auf die Minute, klingelte Griffin bei dem eigentlich leerstehenden Haus. In einer Hand hatte er seinen Werkzeugkasten, in der anderen das Willkommensgeschenk der alten Dame. Er wusste genau, was drin war. Mrs. Brown schenkte jedem neuen Bewohner der Gegend so ein Ding. Griffin hatte seins zwei Tage nach seiner Ankunft hier erhalten. Obwohl er das feucht kühle Wetter Seattles gewohnt war, war er doch sehr dankbar für das Suppenrezept und die Teemischungen gewesen. Und die selbstgemachte Patchworkdecke hatte er immer noch. Sie war perfekt für lange Winternächte. Oder dafür, neben einer hochschwangeren Hündin auf dem Boden zu schlafen.
      "Griffin Devereaux. Ich bin hier wegen der Heizung", stellte er sich vor, als ihm die Tür geöffnet wurde.
    • Will war froh jemanden erreicht zu haben, der bald vorbeikommen konnte. Haley war noch dabei ihr Zimmer und den Rest des oberen Stockwerks zu erforschen. Die Treppe führte auf eine Art Balkon, der einmal rings rum um das Wohnzimmer führte, von dort oben konnte man nach unten sehen, im Prinzip konnte man jeden Winkel des Wohnzimmers einsehen. Das war ziemliche Platzverschwendung und würde verdammt lange brauchen um aufzuheizen, aber es war auch ziemlich cool, zumindest fand Will das. Haley wohl auch, weil die setzte sich gerade auf den Boden vor dem Geländer und blickte zu ihrem Vater hinunter. Ihre Hände hatte sie links und rechts auf die Stäbe gelegt und sie schien sich noch nicht ganz sicher, ob ihre Beine zwischen ihnen durch passten.
      "Wie findest du das Haus?", fragte Will nach oben, Haley zuckte leicht mit den Schultern.
      "Schon okay... hat ein bisschen Ferienwohnsitz Feeling...", murmelte sie von da oben kaum hörbar. Schon Okay sagte sie... na das war wohl das positivste, was er von ihr bekommen konnte. "Funktioniert der Fernseher?", fragte sie weiter.
      "Glaube schon. Probier ihn doch mal aus."
      "Du weißt schon, dass ich keine fünf mehr bin, oder?", schnappte sie, unzufrieden mit dem Verhalten, das ihr Vater ihr gegenüber an den Tag legte, oder einfach nur, weil ihr gerade danach war, "Und sag jetzt nicht sowas kitschiges wie 'Du wirst immer mein kleines Mädchen sein'."
      Will schüttelte nur lächelnd den Kopf und gab Haley eine Minute, bis ihre Neugier und Langeweile groß genug waren, damit sie herunter kam und den Fernseher eben selbst testete.
      Er funktionierte wie versprochen und Haley zappte durch einige lokale Sender die alle sehr fragwürdigen Inhalt produzierten, bis sie dann schließlich doch einen Film fand, der ganz interessant zu sein schien.
      Will nahm inzwischen den Kachelofen unter die Lupe.
      "Es ist Arschkalt hier."
      "Die Heizung ist kaputt."
      "Na super! Bestimmt werden wir hier erfrieren!"
      "Sei nicht so dramatisch, ich habe schon jemanden angerufen."
      Im Moment war es zum Glück noch nicht so kalt, aber das würde sich vermutlich noch ändern.

      Desweiteren beschäftigte Will sich damit, die restlichen Taschen aus dem Auto zu räumen. Dabei war auch etwas Bettwäsche, weil Haley gesagt hatte, sie wollte nicht riskieren, dass die Umzugsleute 'es verkackten hier oben anzukommen' und auf jeden Fall in ihrer eigenen Bettwäsche schlafen. Will überzog die beiden Betten gleich mit den frischen Laken und tauschte Decken und Polster aus. Sein eigenes, großes Doppelbett starrte er nach getaner Arbeit ein paar Minuten lang an. Er fragte sich, wozu er jetzt noch so ein großes Bett hatte, wo er doch nun alleine war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er jemals wieder jemanden an seiner Seite haben würde und trotzdem schlief er noch auf seiner Hälfte des Bettes, als wäre sie noch da.
      Will wurde von einem Klingeln aus seinen Gedanken gerissen, er war eigentlich ganz dankbar dafür. Er sammelte sich kurz und begab sich danach wieder nach unten. Auf der Treppe begegnete ihm Haley, die sich lieber außer Gefahr begab, wenn jemand Fremdes herein kam. Auf dem Balkon konnte man bestimmt gut spionieren.
      Will öffnete die Eingangstür und blickte einem Mann ungefähr in seinem eigenen Alter ins Gesicht. Er hatte sich alle Leute hier oben irgendwie... älter vorgestellt, im Nachhinein betrachtet eigentlich ziemlich dumm.
      "Ah ja, danke. William Foster, kommen Sie rein.", lächelte Will und wollte dem Mann eigentlich die Hand schütteln, aber der hatte keine freie. Also trat er einfach einen Schritt zur Seite, damit er eintreten konnte.
      "Der Gastank ist im Keller. Sollte eigentlich nicht leer sein. Ich hab das Ventil aufgedreht, aber es schien nicht zu funktionieren. Ich hab's also wieder zugedreht, damit wir nicht an unserem ersten Tag hier in die Luft fliegen."
    • "Guter erster Gedanke", kommentierte Griffin.
      Er reichte dem Mann das Paket gleich als erstes, damit er eine Hand freihatte.
      "Mit freundlichen Grüßen von Mrs. Brown. Ich würde ja sagen, sie wohnt die Straße runter - was sie tut - aber die Fahrt dauert fast eine Stunde."
      Er zuckte mit den Schultern. Der Typ kam definitiv aus dem Süden, der Bräune nach zu urteilen. Die würde er hier oben nur schwer behalten können.
      Griffin ließ sich den Heizungskeller zeigen und machte sich ohne große Worte an die Arbeit. Plaudern konnte man nach dem Auftrag. Der sich als erschreckend leicht herausstellte. Nach nicht einmal einer halben Stunde war Griffin mit allem durch. Er hatte trotzdem alles überprüft, nur um sicher zu gehen, immerhin stand das Haus schon eine Weile leer. Dann warf er alles an und kam wieder hoch ins Erdgeschoss.
      "So in zehn Minuten sollte es langsam angenehm warm sein. Wegen der Decke müssen sie sich keine Gedanken machen, hier unten ist Fußbodenheizung. Ist also immer schön kuschlig. Wissen Sie, wie man die Öfen hier benutzt?"
      Griffin sah sich gerade den unteren an, um die Lüftung zu prüfen. Da der Mann nach zwei Stunden nicht auf den Trichter gekommen war, den Ofen anzuwerfen, um das Haus anzuheizen, konnte sich die Griffin die Frage selbst beantworten.
      Er nahm ein paar Holzscheite aus einem daneben stehenden Korb und stapelte sie an der hinteren Wand, dann schnappte er sich eins der langen Streichhölzer, die oben auf dem Ofen lagen. Kurze Zeit später flackerten ein paar Flammen friedlich vor sich hin, die Griffin durch die offene Glastür beobachtete. Es wurde sofort wärmer in dem Haus.
      "Sie müssen abwarten bis bur noch Glut zu sehen ist, bevor Sie die Tür schließen. Giftige Gase und sowas. Und keine Pappe oder Papier", erklärte er, während die Flammen immer kleiner wurden und langsam erstarben, "Wissen Sie schon, wo Sie Ihr Brennholz lagern?"
      Viele vergaßen das Holz. Und hier oben konnte man nicht einfach mal schnell im Baumarkt vorbeischauen, um neues zu holen.
      Griffin schloss die Tür und richtete sich wieder auf, seine alten Hundemarken klimperten leicht aneinander. Dabei bemerkte er eine weitere Person aus dem Augenwinkel. Er wandte sich dem Mädchen zu und winkte freundlich. Den Gesichtsausdruck kannte er. Oh, der Mann hatte noch ein ganz anderes Problem als die Heizung.
      "Was führt Sie nach Alaska? Wenn Sie mir die Frage erlauben. Sie sehen nicht gerade aus wie jemand, der an die Kälte gewöhnt ist."
    • Will nahm das Paket entgegen, das ihm überreicht wurde und bedankte sich höflich, bevor er es erst einmal bei der nächsten Gelegenheit abstellte. Anschließend führte er den Handwerker zum Heizungsraum und nachdem ihm gesagt, wurde, dass er alleine klar käme, begab sich Will wieder in den Wohnbereich.
      "Willst du das Paket auspacken?", fragte er seine Tochter, die durch die Stäbe des Geländers blickte und argwöhnisch die Kellertür beobachtete. Sie presste die Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. Natürlich wollte sie, aber sie würde jetzt bestimmt nicht nach unten kommen. Will ließ das Paket also erst einmal ungeöffnet stehen und suchte sich eine andere Beschäftigung. Hier hatte zwar jemand aufgeräumt bevor sie gekommen waren, trotzdem fühlte er sich wohler die Arbeitsflächen in der Küche noch einmal zu reinigen, bevor er sie benutzte.

      Es dauerte nicht lange, bis der Handwerker mit seiner Arbeit fertig war und wieder nach oben kam. "Meine Schwiegereltern haben auch so einen Kachelofen, aber da wollte ich auch nicht riskieren in die Luft zu fliegen, um ehrlich zu sein.", erklärte Will lächelnd, während der Handwerker das Feuer entzündete. Auf die Frage nach dem Holz nickte er. "Hinter der Garage, wir haben auch schon welches hier, sollte vorerst reichen, angeblich. Ich kenne mich da nicht so aus. Der Vorbesitzer hat uns das Haus freundlicherweise etwas vorbereitet, hat mich deshalb auch ehrlich gesagt etwas gewundert, dass die Heizung nicht geht."
      Will folgte dem Blick des Handwerkers, als er Haley entdeckte und ihr zuwinkte. Die nahm sich noch einen Moment für einen giftigen Blick, bevor sie schnell aufstand und in ihr Zimmer verschwand.
      "Meine Tochter, Haley.", erklärte er.
      "Was führt Sie nach Alaska? Wenn Sie mir die Frage erlauben. Sie sehen nicht gerade aus wie jemand, der an die Kälte gewöhnt ist.", fragte der Handwerker schließlich, Will hatte sich ein wenig vor dieser Frage gefürchtet, er wusste nicht, wie ehrlich er sein wollte. Aber er würde diese Frage sicher noch öfter gestellt bekommen.
      "Wir waren auch nicht unbedingt scharf auf Alaska im Speziellen. Ich möchte etwas mehr Zeit für meine Tochter haben und ein Szenenwechsel tut uns Beiden gut. Der Job hier passt gut und ich habe gehört, dass die Gemeinde hier ohnehin schon viel zu lange ohne Arzt in der Nähe auskommen muss. Wobei 'in der Nähe' auch nicht so ganz richtig ist, schätze ich.", erklärte er lächelnd. Kurz darauf fügte er noch kopfschüttelnd an: "Sie denken jetzt sicher, dass ich mir das alles hier wesentlich einfacher vorstelle als es ist, aber ich bin vorbereitet und lerne schnell." Er lachte etwas verlegen, im Moment kam er sich ziemlich dumm vor. Dieser Mann hielt ihn bestimmt für einen Kerl mit zu viel Geld, der in seiner Midlifecrisis nach einem Abenteuer suchte und nach wenigen Wochen doch wieder verschwinden wollte. Und dass er nicht zu wenig Geld hatte, konnte man an dem Haus schon erkennen, es war jetzt nicht riesig, aber für die Gegend hier verdammt gut ausgestattet. Es hatte ihn auch ein ordentliches Sümmchen gekostet.
    • Haley also. Griffin stellte sich jetzt schon auf Internet-Notrüfe ein.
      "Sie müssen den Begriff nur neu definieren. Hier oben ist alles in der Nähe, was man ohne Schneeketten erreichen kann. Wir werden einander wohl noch öfter sehen. Ich bin der örtliche Pilot. Soll heißen, wenn Sie was von außerhalb brauchen, rufen Sie mich an. Und wenn Sie einen Hausbesuch bei denen ganz weit draußen machen müssen... naja, dann rufen Sie mich an."
      Wieder zuckte Griffin mit den Schultern. Er war es gewohnt, wegen jeder Kleinigkeit gerufen zu werden. Die Menschen hier verließen sich auf ihn.
      "Arzt also, hm? Und dann mit 'nem Teenie in die Pampa ziehen? Mutige Entscheidung. Wo kommen Sie her?"
      Er ging jetzt dazu über, das Warmwasser zu überprüfen. Die Leitungen funktionierten. Eine Hand am Boden verriet ihm ebenfalls, dass die Heizung ihren Job tat. Er verkniff sich die Kommentare zum Lernverhalten des Mannes. Man konnte noch so viel darüber lesen, man musste Alaska erleben, bevor man behaupten konnte, vorbereitet zu sein. Der Mann war garantiert noch nie drei Tage lang eingeschneit gewesen, hatte sich mit Temperaturen soweit unter Null herumgeschlagen, dass es lebensgefährlich war oder sich durch einen Schneesturm gekämpft. Der kleine, gemeine Teil von Griffin bezweifelte, dass der Mann überhaupt wusste, wie man die richtigen Vorräte anlegte und Schneeketten benutzte. Aber all das blieb in der kleinen Ecke seiner Gedanken, aus der sie kamen. Griffin hatte früh gelernt, dass es gesünder und vor allem einfacher war, einfach die Klappe zu halten und zu tun, was einem gesagt wurde. Er war sowie so kein großer Denker. Einen Motor konnte er reparieren, ein Gewehr in Sekunden auseinander nehmen und wieder zusammensetzen. Da waren seine Fähigkeiten dann aber auch schon erschöpft.
    • "Huh, Sie sind hier wohl der Mann für alles, was?", ragte Will freundlich und versuchte nicht daran zu denken, dass er womöglich in einem kleinen, klapprigen Fluggerät von A nach B kommen musste und dann vielleicht auch noch mit etwas Wind dazu... Er würde nicht sagen, dass er ein Feigling war, aber es gab so einige Dinge, vor denen er gewaltigen Respekt hatte.
      "Kalifornien.", antwortete Will au die Frage woher sie kamen und folgte dem Mann bei seinem Rundgang, der wohl feststellen sollte, ob nun auch wirklich alles funktionierte. Er verkniff sich zu sagen, dass es wohl um einiges mehr Mut bedeutet hätte, zu bleiben wo sie waren. Er wollte nicht viel genauer auf die Frage eingehen und schwenkte deshalb lieber um.
      "Und Sie? Sind Sie hier aufgewachsen?", fragte er den Handwerker, dem er schon längst einen Kaffee angeboten hätte, wenn er etwas da gehabt hätte. Ihre Sachen waren immer noch nicht hier, dabei hätten die ebenfalls vor etwa zwei Stunden hier ankommen sollen. Der Arzt warf einen kurzen Blick auf seine Uhr und runzelte leicht die Stirn. An Verspätungen müsste er sich hier oben wohl auch noch gewöhnen.
    • Treffer und versenkt.
      "Da sind Sie ja ganz weit weg von Zuhause", kommentierte Griffin, "Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Seattle, hab aber beinahe genauso viel Zeit drüben in der Wüste verbracht. Bin erst vor fünf Jahren hergezogen. Und ja, ich bin sowas wie der Mann für alles. Hauptsächlich Mechaniker und Botenjunge, aber ich mach auch kleinere Holzfällarbeiten, Wildtierhütung und Haustiersitter. Hier oben hilft man sich eben, was soll ich sagen. Sie werden das auch noch mitkriegen. Mrs. Brown weiß für gewöhnlich immer als erstes Bescheid und liebt es, alle anderen auf den neusten Stand zu bringen. Hier kennt jeder jeden. Gewöhnen Sie sich dran."
      Er beobachtete den Mann und wie er auf die Uhr schielte. Er wartete auf etwas. Etwas, was schon hätte passieren sollen.
      "Wann sollten die Umzugswagen hier sein?", riet Griffin.
      Das Haus war zwar voll möbliert, aber unpersönlich. Und man zog nicht einfach quer über den Kontinent mit nichts weiter als einem winzigen alten Truck. Hier sollten Kisten rumstehen, Koffer, Säcke mit Klamotten, sowas eben. Gerade, wenn man mit Kind unterwegs war. Gut, er hatte damals all seine Sachen in einen Seesack stopfen können, aber er hatte ja auch die wenigen Monate, die er zu Hause gewesen war, bei seiner Schwester verbracht. Nicht einmal ein eigenes Apartment hatte er gebraucht. Das war was anderes.
    • "Auf dem neuesten Stand, ja? Ich dachte mir es ist sicher ganz gut, wenn wir uns nicht nur auf unsere Handys verlassen und den Telefonanschluss hier reaktivieren. Sie sind nicht zufällig auch der richtige Mann dafür? Muss nicht sofort sein, wann immer Sie Zeit haben. Und ich weiß ja auch nicht wie stabil die Leitung dann ist. Ich weiß nicht wie viel sich hier in der Gegend tatsächlich schon herum gesprochen hat, aber ich habe zwar einen kleinen Raum für meine Praxis bekommen, das werde ich je nach nachfrage aber maximal 3 mal die Woche sein und offiziell fange ich auch erst in zwei Wochen an. Hier oben sollte ich also auch bestmöglich erreichbar sein, falls jemand etwas braucht." Er lächelte erneut, ein Lächeln, dass sich schon zu lange nicht mehr richtig echt anfühlte, hinzu kam, dass er sich gerade fühlte wie der größte Idiot. So viel zum Thema vorbereitet und jetzt lombardierte er diesen Mann mit Fragen.
      Hinzu kam, dass der Handwerker nun auch noch erraten hatte, dass Will auf die Umzugswägen wartete. War er unhöflich gewesen, als er auf die Uhr gesehen hatte?
      "Sind die auch Hobby Detektiv?", machte er einen schlechten Witz, ein typischer 'Dad'-Witz hätte Haley jetzt gesagt und die Augen verdreht. "Die hätten eigentlich um die selbe Zeit wie wir ankommen sollen, also vor etwa zwei Stunden. Das Wichtigste haben wir aber vorerst hier. Ich hab vorhin, bevor sie da waren schon Mal angerufen, aber da hieß es nur, sie wären unterwegs." Will zuckte mit den Schultern.
    • "Telefonanschlüsse hängen auch immer mit dem Anbieter zusammen, aber die Elektronik kann ich mir gern ansehen, wenn sie wollen. Die festen Anschlüsse sind meistens stabiler also ist das keine schlechte Entscheidung. WLAN mag das Wetter hier oben nicht. Es braucht nur ein bisschen bewölkt zu sein und schon kriegen Sie kein Signal mehr. Gleiches gilt für das Mobilnetz. Ich kann Ihnen auch empfehlen, sich ein Satellitentelefon zuzulegen. Damit kommen Sie auch durch einen Blizzard durch. Und so als Arzt... Ich hab eins und werde während Stürmen ständig angerufen. Macht die Hunde ganz kirre."
      Immerhin hatte der Arzt begriffen, dass Praxiszeiten hier in der Gegend eher Vorschläge waren. Er würde nicht unbedingt mitten in der Nacht rausgerufen werden, aber nicht jeder hatte Zeit, seinen Arzttermin zu planen.
      "Bin kein Detektiv", winkte Griffin ab, als er draußen das verräterische Rumpeln von großen Fahrzeugen hörte, "Aufmerksamkeit kann über Leben und Tod entscheiden. Da bin ich lieber aufmerksam. Ich glaub, Ihre Sachen sind da."
      Er deutete aus dem Fenster. Man konnte einen Truck sehen, der gerade in die Einfahrt fuhr.
      "Soll ich beim Ausladen helfen? Wo ich schon hier bin?"
    • "Ja klar gerne, wenn Sie Zeit haben?", entgegnete Will auf die Frage, ob er sich die Elektronik mal ansehen konnte. Der Arzt musste zugeben, dass er von alldem wenig Ahnung hatte, er hatte nicht mal wirklich Ahnung von Autos. Er konnte die Reifen wechseln, Schneeketten anlegen und vielleicht gerade noch so bemerken, wenn der Keilriemen gerissen war, aber sonst? Emily hatte sich meist um alles Handwerkliche im Haus gekümmert, sie war immer schon geschickt gewesen. Sie hatte ihre Waschmaschine repariert und dabei komplett auseinander genommen, während Will schon längst eine neue bestellt hätte. Sie hätten es sich ja auch leisten können, aber sowohl Emily, als auch Haley waren sehr erpicht darauf, alles so lange zu benutzen wie nur irgend möglich.
      Will holte seine Gedanken wieder ins Jetzt und wollte gerade erwidern, dass er sich bezüglich Erreichbarkeit noch schlau machen würde, kam aber nicht mehr dazu, als er auf den Truck aufmerksam gemacht wurde, der gerade vorfuhr. Dass der Handwerker wohl ein Hundemensch war, wurde auch irgendwo abgespeichert. Will hatte sich immer gegen einen Hund im Haus gewehrt, er war gerade so mit denen seiner Schwiegereltern klar gekommen und Emily hatte ihn regelmäßig aufgezogen und ihn sogar einmal einfach mit den Hunden stehen lassen und gesagt, er solle kurz aufpassen, während sie das Auto parkte. Es war wohl eher so, dass die Hunde eher auf ihn aufgepasst hatten, er war da gestanden und wusste, dass wenn die Hunde versuchten durch das Tor abzuhauen, er sie niemals hätte aufhalten können. Zum Glück, sind sie brav bei ihm sitzen geblieben, bis das Tor geschlossen und Emily zurück gekommen war um Will zu retten.
      Schon wieder war er mit seinen Gedanken bei Emily, das dritte Mal in weniger als zwei Stunden. Natürlich war ihm klar gewesen, dass ein Umzog sie nicht aus seinen Gedanken verbannen würde, aber das wollte er ja auch gar nicht. Er schüttelte leicht den Kopf und fragte sich, wie lange er nun tatsächlich dagestanden hatte, ohne etwas zu sagen, überspielte die zumindest für ihn peinliche Pause aber so gut er konnte, mit einem weiteren unehrlichen Lächeln.
      "Das müssen Sie nicht. Wir kommen schon klar.", entgegnete er und konnte nicht anders, als einen Hintergedanken bei diesem Angebot zu vermuten. Wenn in LA jemand mehr machen wollte, als das um das er gebeten wurde, dann steckte meistens irgendetwas dahinter. Aber sie waren hier nicht in LA und Will würde solche Gedankenmuster ablegen müssen. "Wie viel schulde ich Ihnen?", fragte der Arzt, während er schon seine Geldbörse aus der Hosentasche zog und gleichzeitig auf die Tür zuschritt, um den Fahrer des Umzugswagens zu begrüßen.
    • Griffin konnte sich irren, aber der Mann wirkte irgendwie abgelenkt. Naja, bei so einem Umzug musste einem ja viel durch den Kopf gehen.
      "Lassen Sie stecken, ich musste nur auf ein paar Knöpfe drücken", erwiderte er auf die Preisfrage, "ich musste soweiso hier in die Gegend kommen. Die Elektronik könnte ich mir morgen ansehen, ich hab nicht das richtige Werkzeug dabei. Und Sie haben gerade anderes um die Ohren. Also dann, man sieht sich. Und herzlich willkommen am Arsch der Welt."
      Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete sich Griffin. Er öffnete in dem Augenblick die Haustür, als einer der Umzugsläute gerade klingeln wollte. Er deutete über seine Schulter, um den Hausherren zu kennzeichnen, dann ging er den fleißigen Männern aus dem Weg und hüpfte mit seinem Werkzeugkasten in seinen Truck. Anstatt aber zurück nach Hause zu fahren, fuhr er weiter bergauf in Richtung Wald. Er hatte ein paar Wildkameras zu überprüfen und musste die Akkus austauschen. Kostete ihn den ganzen Nachmittag. Er konnte es kaum erwarten nach all der Arbeit wieder nach Hause zu kommen, wo er sogleich von Athena begrüßt wurde.
      Natürlich hatte er sie nicht allein gelassen. Stefanie von nebenan hatte ein Auge auf die Hündin, während Griffin unterwegs war. Die Schülerin saß am Esstisch, ihre Lehrbücher und der Laptop nahmen den ganzen Tisch ein. Der Vorteil der Internetschule: Man konnte nebenher Hunde sitten und das Taschengeld ein bisschen aufbessern.
      "Hey Griff", grüßte das Mädchen.
      "Hey Stef. Ihr habt Zuwachs bekommen."
      "Hm?"
      Stefanie nahm die Kopfhörer ab. Die Matheaufgaben waren vergessen.
      "Ich weiß nicht, wie alt sie alt sie ist. Vierzehn vielleicht. Ihr Name ist Haley und sie ist mit ihrem Dad in das leerstehende Haus oben am Berg gezogen. Vielleicht willst du ihr mal die Stadt zeigen? Kommt aus Kalifornien, hält das hier also wahrscheinlich für das Land der Höhlenmenschen."
      Stefs Augen wurden immer größer. Griffin wusste genau, dass sie bereits eine Shopping Tour plante. Zwar gab es hier keine Schule für Initiationsriten, aber die Teenies hier hielten aus Langeweile zusammen. Und Stefanie war sowas wie die Schulsprecherin. Sie würde sich gut um Haley kümmern, da war sich Griffin sicher. Und Mr. Foster würde die Pause sicher zu schätzen wissen.
      Griffin gesellte sich zu Athena, die es sich auf ihrem Bett wieder bequem gemacht hatte.
      "Wie ist sie so drauf?", wollte Stefanie wissen.
      Griffin erinnerte sich an den Blick des Mädchens. Es war nur so ein Gefühl, aber...
      "Ich hab nicht mit ihr geredet. Aber ich verwette meinem Truck, dass sie gute Gesellschaft bitter nötig hat."
      Gedankenverloren kraulte er Athena hinter dem Ohr. Er kannte diesen Blick besser, als es ihm lieb war.
    • Will wollte noch widersprechen, immerhin hatte der Handwerker mindestens eine dreiviertel Stunde seiner Zeit geopfert, aber bevor er dazu kam, trat einer der Umzugshelfer an seine Stelle und hielt Will einen Wisch mit seinen Daten vor die Nase. "Auf Wiedersehen und Danke!", rief er noch über die Schulter des großen Mannes vor sich und widmete sich dann einer krakeligen Unterschrift, die eines Arztes würdig war.

      Die Umzugshelfer stellten alles aus dem Wagen ab wo Platz war und verschwanden schnell wieder und Will war den restlichen Tag damit beschäftigt Kartons auszupacken. Haley traute sich auch wieder aus ihrem Zimmer, als das treiben sich beruhigt hatte und schnappte sich ihre eigenen Kartons, um ihr Zimmer ein wenig einzurichten. Als sie fertig war, kam sie noch mal nach unten und spähte in die Küche. Es war noch immer alles voller Kartons und weniger als die Hälfte davon war auch schon ausgepackt. Will konnte eine Pause gebrauchen und richtete sich auf nachdem er ein paar Bücher vertaut hatte. Er streckte seinen Rücken ein wenig durch und lockerte seine Schultern.
      "Das Geschenk, das uns unsere Nachbarin zukommen hat lassen steht noch in der Küche, neben dem Wasserkocher.", teilte er Haley mit. Sie nickte und schnappte sich das kleine Paket zugleich. Will gesellte sich zu ihr, während Haley sich einfach wo sie gerade war auf den Boden setzte. Die Familie Foster hatte noch nie viel von Sitzmöbeln gehalten. Er selbst blieb aber stehen und sah zu, wie Haley das Paket auspackte.
      "Ein Rezept für Suppe?", fragte Haley als sie einen Zettel mit schnörkeliger Handschrift aus dem Karton zog. Sie legte ihn beiseite und holte anschließend eine Dose heraus. Sie öffnete sie und roch kurz an dem Inhalt. "Tee.", stellte sie fest. Als letztes kam noch eine dicke Decke zum Vorschein, die Haley irgendwie gefiel. Sie stand damit auf und legte sie um, wie ein Cape.
      "Sieht warm aus."
      "Meine."
      "Alles klar."
      "Kann ich den Tee ausprobieren?"
      "Klar, ich könnte auch einen gebrauchen. Ich packe weiter aus."
      Haley nickte leicht und schnappte sich Dose und Zettel und ging in die Decke gewickelt in die Küche. Den Zettel verstaute sie in einer Schublade, bevor sie sich daran machte Küchenutensilien zu suchen. Sie tat sich offenbar schwer mit der Ordnung die Will gewählt hatte, manchmal hatte er das Gefühl, er bekam nichts richtig auf die Reihe. Aber bevor er wieder in Selbstmitleid versank, widmete er sich lieber wieder den Kartons.

      Haley hatte im Endeffekt die ganze Küche wieder umgeräumt und meinte, dass es so viel logischer war. Will hatte nichts dagegen und betrat die Küche auch für etwas zwei Stunden nicht, wie ihm befohlen wurde. Dazwischen hatten sie den Tee gekostet, wirklich lecker.
      Gegen Abend machte Will Spaghetti, Haley hatte sich wieder in ihr Zimmer zurück gezogen, an ihren Computer. Beim Abendessen konnte Will Haley aber mit einer zehn Terrabyte Festplatte voller Filme und Serien locken, die er mitgebracht hatte, sollte mal das Internet ausfallen. Das war jetzt zwar nicht der Fall, aber es passte trotzdem ganz gut. Will war sich außerdem sicher, dass Haley heute Abend nicht so gern alleine sein wollte, in dem neuen Haus, mitten im Nirgendwo, auch wenn sie das niemals zugegeben hätte. Es war schwierig mit einem vierzehn jährigem Mädchen, das auf irgendjemanden wütend sein wollte und es war eben nur ihr Vater da. Er verstand es wenn sie etwas zickig wurde, oder zu allem Nein sagte, was er vorschlug und drängte sie nicht, mit ihm Zeit zu verbringen. Sonst würde sie es selbst nicht tun, wenn sie es wollte.

      Haley legte sich mit der geschenkten Decke zum Kachelofen, der ihren Rücken schön wärmte, Will nahm auf dem Sofa Platz. Der Fernseher war unpassend groß für den ländlichen Flair hier, aber Will und Haley waren beide sehr zufrieden damit. Haley durchsuchte die Festplatte nach etwas, das sie sehen wollte und entschied sich ausgerechnet für einen Thriller, der in einer kleinen abgelegen Hütte spielte. Will kommentierte das nicht.
      Der Film war erst ab 16, aber Haley hatte oft mit ihren Eltern Filme sehen dürfen, die nicht für ihr Alter empfohlen waren. Sie war ein reifes, intelligentes Mädchen und gab es etwas, das sie nicht verstand, so hatte sie ihre Eltern immer danach fragen dürfen. Will und Emily hatten Filme die Haley gerne sehen wollte zuvor selbst gesehen und dann entschieden, aber meistens sahen sie kein Problem, ihr die Filme schon ein paar Jahre früher zu zeigen. Haley interessierte sich meist ohnehin mehr für die Kameraführung, oder die Beleuchtung. Will hoffte auch, sie würde hie draußen die Fotografie wieder für sich entdecken.

      Der Abend verlief ruhig, Haley und Will quatschten sogar ein wenig über den Film. Sie waren die Art Familie, die vor dem Fernseher saß und sich fragte wie bescheuert die Protagonisten sein konnten, oder wilde Theorien aufstellten, wie der Film enden konnte, nur um dann mit einem Klischeehaften Ende abgespeist zu werden.
      Nachdem der Film zu Ende war, war es noch nicht sehr spät, aber sie waren beide erledigt und begaben sich recht bald ins Bett.

      Will hatte gehofft, dass er erschöpft genug war schnell einzuschlafen. Stattdessen lag er eine ganze Weile lang in seinem Bett und blickte aus dem Dachfenster über ihm. Es war verdammt dunkel draußen... fiel ihm auf. In der Stadt wurde es nie so dunkel, niemals, fast schon unheimlich, wenn man es nicht gewohnt war. Emily hätte es hier gefallen, sie hätte in Ruhe arbeiten können, weg von dem ganzen Trubel mit der Galerie.
      Immer wieder war Will am einschlafen und schreckte hoch, als er sich zu seiner Frau rollen wollte, um sie zu umarmen, aber das Bett war leer. Ohne Haley, Will war sich sicher, wäre er schon längst zerbrochen. Er hätte schon längst aufgegeben, aber für seine Tochter musste er stark sein, dabei hatte er das Gefühl, dass sie damit viel besser zurecht kam als Will selbst.

      Haley lag ebenso wach in ihrem Bett. Die Dunkelheit die hier draußen herrschte ließ auch sie die Stirn runzeln und sie kam sich noch einsamer vor, als in LA. Fühlte sich so Heimweh an? Sie war wütend, weil sie ihrem Vater nicht vorwerfen konnte, was Mädchen in Filmen ihren Vätern vorwarfen. 'Du zerrst mich von all meinen Freunden weg!' Tja, wenn sie noch welche gehabt hätte. Die Schule war die letzten Monate die Hölle gewesen, ihre Freundinnen waren entweder zicken, oder Haley hatte sie vergrault, abgesehen davon, dass sie an dieser versnobten Schule eh nur wenige leiden konnte. Vielleicht hatte Papa ja recht und das hier war eine gute Idee. Wenn sie sich nur nicht so alleine fühlen würde...

      Etwa gegen Mitternacht klopfte es kaum hörbar an Wills Schlafzimmertür. Kurz darauf öffnete sich besagte Tür und Haley schlüpfte hinein, legte sich kommentarlos zu ihrem Vater ins Bett, schnappte seinen Arm und legte ihn über sich selbst. Will hatte selbst noch nicht geschlafen. Er wusste es besser, als jetzt etwas zu sagen. Haley brauchte ihren Vater, ohne zugegeben zu müssen, dass es so war. Und Will brauchte seine Tochter gleichermaßen. Er hielt sie einfach nur eine Weile lang im Arm.

      Am nächsten Morgen machte Will Pfannkuchen zum Frühstück, wobei es fast schon Mittag war. Für das Kochen war nämlich er immer zuständig gewesen und er konnte das auch ziemlich gut. Haley schlief oben noch. Auf dem Plan stand an diesem Tag weitere Kisten auszupacken, auf den Handwerker warten und danach vielleicht noch einmal mit Haley in die Stadt zu fahren, um sich ein wenig umzusehen.
    • Griffin sollte es besser wissen. Er hatte oft genug auf unbequemen Pritschen, Felsen oder einfach nur im Dreck gelegen. Jetzt hatte er ein wundervolles Bett, selbst seine Couch war bequem. Und doch lag er bereits die vierte Nacht in Folge auf dem Boden neben der Wurfbox, die er für Athena gebaut hatte. Doch obwohl sein Nacken verspannt war und schmerzte, schlief er hier besser, als in seinem Bett. So war das schon immer gewesen. Seit seiner ersten Tour in den Osten fand er mehr Ruhe auf unbequemen Flächen.
      "Na du", grüßte er gähnend, als er die Augen aufschlug und Athena ihm ins Gesicht sabberte.
      Sie kuschelte gern, so viel hatte Griffin über sie schon gelernt, seit sie da war.
      Er rappelte sich auf und machte sich daran, seine ganze Meute zu versorgen. Erst Athena, dann die Jungs draußen, zum Schluss er selbst. Griffin folgte immer dem gleichen Schema. Er mochte diese Ordnung. Das hielt den Kopf klar und verhinderte zu viele unerwünschte Gedanken. Er wusste immer, was als nächstes kam.
      Stefanie kam um neun, grüßte Athena und ließ sich dann mit einem Buch im Wohnzimmer nieder. Griffin schnappte sich sein Werkzeug und machte sich an die Arbeit.
      Er reparierte ein Waschbecken, reinigte einen Kamin und wechselte ein paar Lichter im Supermarkt. Dort belud er dann seinen Truck mit Lebensmittellieferungen, die er heute noch verteilen würde. Dabei fiel ihm etwas ein.
      "Hi, Griffin Devereaux hier. Ich bin gerade in der Stadt und wollte fragen, ob Sie was vom Supermarkt brauchen. Ich wär dann so in einer Stunde bei Ihnen, wegen der Elektronik?"
      Eine Hand wäscht die andere, genauso lief das hier. Könnte der Doc ruhig früher als später lernen.

      Mit allen Bestellungen auf der Ladefläche machte sich Griffin dann auf den Weg den Berg hoch. Unterwegs hielt er immer wieder an und überbrachte seine Lieferungen. Sein Zeitgefühl war perfekt und er war eine Stunde nach seinem Anruf wieder bei der Luxushütte angekommen. Heute war sein Werkzeugkoffer gelb. Den blauen hatte er für das Waschbecken gebraucht, den schwarzen hatte er Zuhause gelassen. Alles hatte seine Ordnung. Alles hatte seinen Platz.
      Da die Fosters das letzte Haus auf seiner heutigen Liste waren, würde er früh Feierabend machen können. Athena würde sich freuen.
    • Im Laufe des Tages fand Will seinen Plattenspieler, kein altmodisches Ding, richtig modern. Er hatte eine große Plattensammlung, irgendwann mal hatte er eine Platte hier und eine dort geschenkt bekommen, ein paar auf einem Flohmarkt ersteigert auf den er und Emily so gerne gegangen waren und schon hatte er ein ganzes Regal voll. Er stellte den Plattenspieler im Wohnzimmer auf und legte gleich etwas auf, mit Musik arbeitete es sich gleich leichter. Es gab noch so viel einzuräumen und er besaß verboten viele Bücher. Nicht nur er, Haley musste bereits auf ein regal im Wohnzimmer umsteigen, da in ihrem Schlafzimmer kein Platz mehr war.
      Desweiteren gab es eine riesige DvD Sammlung die neben dem Fernseher in einer Vitrine Platz fand, die vermutlich für Gläser gedacht war. Egal, Will kochte zwar gerne und gut, aber wo sie im Wohnzimmer viel zu viel hatten, da sparten sie in der Küche. Man brauchte keine fünfhundert Geräte und 20 verschiedene Weinglasarten, damit man ein leckeres Essen genießen konnte. Parties die Emily und Will ausgerichtet hatten waren so 'hipp', dabei hatten sie einfach nur nicht genug Geschirr, um ohne Pappbecher auszukommen. Haley, Emily und er haben oft über die Welt gelacht in der sie lebten und unfreiwillig dazu gepasst hatten. Sie waren nicht mit Absicht hipp gewesen, sie waren einfach nur einfache, schrullige Leute gewesen, die sich nicht viel darum gekümmert hatten, was andere über sie dachten.

      Als der Handwerker am Nachmittag plötzlich anrief war Will etwas verwundert, er hatte die Nummer sogar schon wieder vergessen und auch nicht eingespeichert gehabt. Da er aber wohl der einzige Handwerker weit und breit war, konnte er das ruhig mal machen.
      Ohne gefragt zu werden, bot er an ihnen etwas aus der Stadt mitzunehmen. Will nahm an, er wusste nicht, ob er heute mit den Kisten überhaupt fertig wurde, dann vielleicht doch eher morgen ein Ausflug in die Stadt.
      Er ließ sich ein paar mehr Vorräte mitbringen, alles was sich gut aufbewahren ließ. Als Haley gerade die Treppe runter kam um sich ein Glas Orangensaft zu holen, kam Will eine Idee.
      "Hey, der Handwerker von gestern nimmt uns ein paar Dinge aus der Stadt mit."
      "Wieso?", fragte Haley misstrauisch und schnaubte.
      "Denke das ist hier so üblich. Brauchen ja nicht zwei Trucks die Luft verpesten, wenn einer reicht."
      "Ach, aber ich vermisse die Abgase von LA schon...", murrte sie und füllte ihr Glas. Dann sah sie noch ziellos im Kühlschrank umher.
      "Ich dachte mir... hier geht es viel darum seinen Nachbarn zu vertrauen und zu helfen, ja?"
      "Welche Nachbarn, ist ja niemand hier."
      "Du weißt was ich meine. Ich dachte wir sollten auch ein paar Bekanntschaften schließen und diesen Handwerker zum Abendessen einladen, wenn er uns schon wieder hilft, was hältst du davon?"
      Haley richtete sich blitzschnell auf und sie sah aus, als hätte sie gerade einen Geist gesehen. Will wusste nicht, ob man ihr Verhalten als schüchtern bezeichnen konnte, aber genau so hätte er sie beschrieben.
      "Du kennst den doch gar nicht."
      "Stimmt, aber wenn wir was repariert brauchen, dann müssen wir wohl ihn anrufen. Aber wenn du dich erst einmal ein bisschen einleben willst, dann ist das in Ordnung. War nur so eine Idee."
      Haley dachte offenkundig ein Weilchen über das nach was ihr Vater gerade gesagt hatte und schien sich nicht sicher was sie tun sollte. Er war mal wieder richtig nervig. Wenn er sie gezwungen hätte, hätte sie einen Aufstand machen können und sich in ihr Zimmer verkrochen, aber nein, er überließ ihr die Entscheidung, ohne Konsequenzen egal wofür sie sich entschied. Also musste sie die rationale, vernünftige Person sein und das Richtige tun.
      "Na gut. Frag ihn, vielleicht hat er eh keinen Bock." Mit diesen Worten verschwand Haley wieder nach oben, ohne ihrem Vater noch eines Blickes zu würdigen. Er sah ihr seufzend nach und machte sich dann daran selbst ziellos im Kühlschrank umher zu sehen und zu überlegen, was er kochen konnte. Er entschied sich für einen relativ einfachen Käseauflauf. Wenn der Handwerker wirklich 'keinen Bock' hatte, dann konnte er zumindest etwas mitnehmen und wenn der Mann sich nicht verschätzt hatte, würde alles fertig sein, sobald hier ankam. Der Auflauf ließ sich auch gut warm halten, nachdem Will nicht wusste, wie lange Griffin für seine Arbeit brauchen würde.

      Will konnte vom Küchenfenster aus die Einfahrt einsehen und als er den Pick-Up Truck des Handwerkers vorfahren sah, machte er sich auf den Weg nach draußen. Trotz Pulli war ihm draußen kalt, obwohl Griffin selbst nicht viel wärmer angezogen war. An das Klima musste Will sich wohl erst mal gewöhnen. Er grüßte den Handwerker und wollte ihm mit den Einkäufen helfen, die er ihm so nett vorbei gebracht hatte, bei der Gelegenheit rückte er gleich mit der Sprache raus.
      "Ich habe etwas mehr gekocht, wenn sie wollen, können Sie heute gerne mit uns Essen. Oder etwas mit nach Hause nehmen, was Ihnen lieber ist.", bot er also freundlich an, "Ich hoffe ich mache das richtig mit den Nachbarschaftsbräuchen hier?"
    • "Gleich am zweiten Tag den Handwerker zum Abendessen einladen? Mrs. Brown wird neidisch sein", lachte er und klappte die Ladefläche seines Trucks zu.
      Dann folgte er dem Arzt in das teure Haus, in einer Hand eine Tüte voller Einkäufe, in der anderen sein Werkzeug.
      "Ich bleib gern. Der Hundesitter freut sich."
      Er stellte Tüte und Kasten ab und schrieb Stefanie eine kurze Nachricht. Die Antwort kam sofort.
      "Also: wo verstecken Sie Ihren Anschluss? Ich hab auch ein paar Verlängerungen und soweiter dabei, damit Ihre Kleine bei schlechtem WLAN nicht ihre Höhle verlassen muss. Dachte mir, das kommt vielleicht gut an. Oh, und ich soll das hier für sie abgeben."
      Griffin zog einen reich verzierten Briefumschlag aus seinem Werkzeugkasten. Stef liebte es, Briefe zu schreiben und sie mit Stickern, seltsamen Klebeband und so weiter vollzukleistern. Die Dinger sahen echt hübsch aus, auch wenn Griffin den Sinn dahinter nicht ganz verstand.
      "Stefanie passt auf meine Hündin auf, solange ich arbeite. Ich will nicht, dass sie wirft, ohne dass jemand dabei ist. Ich hab ihr von Ihrer Tochter erzählt. Stef ist sowas sie die Fremdenführerin für Teenies hier", erklärte er die Herkunft des Briefes.
      Danach machte sich Griffin daran, das Haus ordentlich zu verkabeln. Was hieß, dass er alles möglichst wetterfest einrichtete. Wieder einmal verzichtete er dabei auf alle Gespräche. Viel mehr als ein paar Kabel auszulegen und sie dekorativ zu verstecken musste er dabei glücklicherweise nicht. Er beendete seine Arbeit damit, das Festnetztelefon anzurufen, das gleich darauf klingelte. Ganz frech speicherte er gleich seine Nummer unter Handwerker/Pilot ein. Dann zückte er die extra langen LAN-Kabel für schlechte Zeiten.
      "Wird ihnen das Leben retten, sobald das WLAN weg ist. Gibt nichts schlimmeres als Teenies, die offline sind. Ansonsten war's das. Den Rest müssen Sie mit Ihrem Anbieter bequatschen."
      Griffin räumte sein Werkzeug zusammen und schickte Stef eine weitere Nachricht. Er wollte einen Statusbericht über sein Mädchen und erhielt prompt ein Selfie der beiden als Antwort. Athena sah zufrieden aus und keinesfalls so, als wollte sie ein paar Welpen ausspucken.
      "Was macht das Auspacken sonst so?", erkundigte er sich bei seinem Gastgeber und ließ den Blick über die vielen - VIELEN - Bücher schweifen. Denen würde vielleicht doch nicht so langweilig werden, wenn sie eingeschneit wurden...
    • Die Antwort die Will bekam verunsicherte ihn. War er nun zu nett? Oder genau richtig? Ein hoffnungsloser Fall, auf einmal kümmerte es ihn, wie er hier hinein passte, hatte es ihn zuvor doch noch nie beschäftigt. Er sagte aber nichts weiter als:
      "Klasse, ich hoffe Sie mögen Käseauflauf!"
      Anschließend zeigte er dem Handwerker die Anschlüsse und nahm den Brief entgegen, den er für Haley mitgebracht hatte. Darüber freute Will sich vermutlich mehr als Haley selbst.
      "Haley wird sich freuen, jemandem in ihrem Alter kennen zu lernen!", nickte er. "Und Glückwunsch... wegen der Hündin, schätze ich. Sorry, ich weiß ehrlich gesagt nicht, was die korrekte Reaktion darauf ist." Er lächelte entschuldigend und verschob das weitere Gespräch auf später. Haley wollte bestimmt von der trächtigen Hündin hören und Fotos sehen, auch wenn sie sich vielleicht nicht traute zu fragen.
      Griffin schien ohnehin kein Mann großer Worte, zumindest wenn er arbeitete. Will ließ ihn also alleine und brachte seiner Tochter den Brief der für sie gekommen war. Er klopfte an ihrer Tür und wartete bis sie ihn herein bat.
      "Hab was für dich.", lächelte er und wedelte mit dem Brief.
      "Was ist das denn...?", fragte Haley so angewidert wie sie konnte und drehte sich wieder zu ihrem Computer Bildschirm. Sie saß mit gekreuzten Beinen auf ihrem Schreibtisch Sessel und spielte wohl gerade irgendetwas.
      "Ein Brief für dich. Von einem Mädchen in deinem Alter, ich glaube sie möchte dich kennen lernen."
      Haley antwortete nicht, fing nur an mit ihrem Bein zu wippen und klickte weiter mit ihrer Maus herum.
      "Ich lass ihn mal hier liegen." Will legte den Brief auf die Kommode neben der Tür. "Griffin wird mit uns essen, ich schätze dauert nicht mehr lange." Immer noch keine Antwort, aber das war in Ordnung. Will schloss einfach wieder die Tür und ging nach unten. Er war sich sicher, dass Haley den Brief lesen würde, sobald sie hörte, dass ihr Vater wieder unten war.

      Während der Handwerker noch arbeitete, räumte Will weiter Kisten aus. Es dauerte nicht lange, bis er fertig war. Will wandte sich also von seiner Arbeit ab. Die Kisten die jetzt noch übrig waren, beinhalteten ein paar Werke seiner verstorbenen Frau und er war noch nicht ganz sicher, was sie damit tun würden.
      "Was macht das Auspacken sonst so?"
      "Ach bald fertig, hoffentlich. Wir dekorieren aber vielleicht noch ein wenig um. Ich wollte einfach mal irgendwelche Möbel hier drin haben, damit wir uns wohler fühlen, aber mal sehen was meine Tochter dazu sagt.", lächelte er und bog mal ein wenig seinen Rücken durch. Das ständige auf und ab war ganz schön anstrengend gewesen.
      "Oh tut mir Leid, ich hab ihnen bisher gar nichts zu trinken angeboten. Ich hab nicht viel da. Wasser, Orangensaft, Tee, Kaffee, ein Glas Wein wenn sie mögen.", entschuldigte er sich. "Das Essen ist auch schon bereit, dann können sie auch Haley ein wenig kennen lernen."
    • "Ich hab nicht viel und dann eine ganze Liste runterrattern", entgegnete Griffin kopfschüttelnd aber mit einem Lächeln im Gesicht, "Ein Wasser reicht, danke."
      Er half dabei, ein Kisten aus dem Weg zu räumen, damit man sich freier von A nach B bewegen konnte ohne gleich drei Kisten durch die Gegend zu treten. Es hatte schon seinen Grund, warum er erwähnt hatte, keine Pappe in den Ofen zu werfen.
      "Muss schwer für sie sein, quer über den Kontinent zu ziehen und alles hinter sich zu lassen. Mir ist in ihrem Alter was ähnliches passiert, aber ich bin in Seattle gelandet und hatte meine Schwester. Alaska ist nochmal was anderes."
      Jetzt half Griffin auch noch dabei, den Tisch zu decken. Klar, er war streng genommen Gast, aber bei ihm hatte sich das einfach so eingegliedert. So weit wie die Häuser hier auch auseinanderstehen mochten, die Gemeinde war sehr eng miteinander. Man brauchte sich keine Gedanken um einen Babysitter zu machen, die Nachbarn halfen gern. Man konnte oft eine Mitfahrgelegenheit ergattern, wenn man nur fragte. Und wurde man zum Abendessen eingeladen, dann half man mit dem Abwasch.
      "Behalten Sie den Wetterbericht im Auge, dann können Sie mit den Nordlichtern angeben. Das wird wohl aber noch ein bisschen dauern. Von hier aus dürften Sie garantiert einen guten Blick drauf haben. Noch besser ist nur weiter oben im Wald. Da gibt es eine Lichtung, perfekt zum campen. Aber für sowas braucht man in diesem Gebiet die richtige Ausrüstung. Ein einfaches Zelt reicht da nicht, sonst erfriert man. Mal ganz von den Wildtieren abgesehen."
    • "Ein Wasser also.", nickte Will etwas verlegen und schlängelte sich anschließend an ein paar Kartons vorbei, um seinem Gast ein Glas zu bringen. Dieser räumte inzwischen ein paar Kartons aus dem Weg und Will schloss sich an. "Das Chaos tut mir Leid."
      "Muss schwer für sie sein, quer über den Kontinent zu ziehen und alles hinter sich zu lassen. Mir ist in ihrem Alter was ähnliches passiert, aber ich bin in Seattle gelandet und hatte meine Schwester. Alaska ist nochmal was anderes." Will hielt kurz inne dabei eine der Kisten aus dem Weg zu schieben und fragte sich, ob der Handwerker wusste, was er da sagte. Wenn er wüsste, wie schwer es für Haley tatsächlich war und auch für Will selbst.
      "Sie wird sich bestimmt bald einleben. Schon einen Brief an unserem zweiten Tag hier, ich glaube sie hat noch nie zuvor überhaupt einen bekommen.", lächelte er und schob den Karton nun gänzlich zur Seite. "Danke dafür."
      Griffin machte sich, nachdem sie etwas Platz geschaffen hatten, gleich daran nach dem Geschirr zu fragen und zu helfen den Tisch zu denken. Will hatte den Eindruck, dass er gar nicht versuchen brauchte, dem Mann klar zu machen, dass er sich einfach setzen sollte, also ließ er ihn helfen.
      Als er dann von den Nordlichtern und Camping anfing, lachte Will sogar. "Ich glaube bevor wir bereit sind hier campen zu gehen, vergehen doch noch einige Jahre. Ich bin mir nicht sicher, ob wir die örtliche Fauna so hautnah erleben wollen. Aber setzen Sie sich doch schon Mal, ich hole Haley, dann können wir essen."

      Gesagt, getan. Will kam vorerst alleine wieder nach unten, Haley brauchte noch eine Minute um sich seelisch vorzubereiten. Will holte inzwischen den Auflauf aus dem Ofen und richtete jedem eine Portion an, bevor er auch die Teller auf den Tisch stellte. gerade als er sich setzte, kam Haley auch nach unten, hatte aber nur ein müdes "Hi.", für ihren Besuch übrig. Will kam nicht umhin zu bemerken, dass sie sich in den letzten Monaten sehr verändert hatte, aber er hatte nicht vor ihr vorzuhalten, dass sie eigentlich wusste, dass man sich höflich gegenüber Gästen verhielt. Stattdessen wünschte er nur einen Guten Appetit und lenkte anschließend das Thema wieder au die trächtige Hündin, von der er vorhin erfahren hatte. Man sah Haley an der Nasenspitze an, dass dieses Thema für sie interessant war.
      "Wan ist es so weit?", fragte sie übertrieben desinteressiert. Sie war eine schlechte Schauspielerin, Will musste schmunzeln.
    • "Ach was, so viele Bären gibt's hier gar nicht."
      Die meisten Menschen kannten nur diese Horrorfilme über verschneite Einöden, in denen man von Wölfen gejagt und von Bären gefressen wurde, wenn man nicht gerade in eine Gletscherspalte fiel. Die Realität war erschreckend langweilig im Vergleich dazu. Hin und wieder sah man mal eine kleine Herde Rentiere im Freien.
      Griffin sah dem Hausherren hinterher, als er seine Tochter holte. Er packte die Gelegenheit beim Schopf und schickte Stef eine Nachricht, dass sie ihn nicht zuspamen sollte, weil er eben nicht mit Haley sprach. Sie hatte ihm gefühlt ein ganzes Fotoalbum von Athena und auch von seinen Jungs beim Abendessen geschickt. Zusätzlich zu dem Fragenkatalog.

      "Hey", grüßte er dann zurück, als das Mädchen endlich die Treppe runterkam.
      Sie gab sich wirklich größte Mühe, der genervte Teenie zu sein, der sich für nichts außer einem Videospiel interessierte. Aber Griffin durchschaute diese Fassade binnen weniger Sekunden.
      "Wann ist es soweit?", wollte Haley dann wissen, als ihr Vater - mit voller Absicht - das Thema auf Athena lenkte.
      "Könnte jeden Moment soweit sein. Sie scheint sich aber nicht beeilen zu wollen."
      Er zeigte ihr das Selfie, dass Stef ihm vorhin geschickt hatte.
      "Der Rest vom Rudel ist da ein bisschen ungeduldiger. Das ist überigens Stef. Die von dem Brief. Sie passt auf Athena auf, wenn ich nicht da bin."
      Er packte sein Smartphone nicht wieder weg. Stattdessen ließ er es vor Haley liegen, damit sie durch die Fotos seiner Hunde scrollen konnte, wenn sie wollte.
      "Ich sollte den Haufen wohl mal wieder auf eine Tour mitnehmen. Sie brauchen nicht zufälligerweise Rentierfleisch oder sowas? Der Auflauf ist übrigens richtig gut. Wären Sie bereit das Rezept für Chicken Parmesan zu tauschen?"