Magicians of London [Fuffy feat. Pumi]

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    • Magicians of London [Fuffy feat. Pumi]

      Vorstellung -> Magicians of London [Fuffy feat. Pumi]







      Ein dunkles Grummeln riss Corry aus seinem Tagtraum. Er saß in dem alten Ledersessel, den er eigentlich nur der Optik wegen in den Laden gestellt hatte. Er passte gut zu dem alten Teppich in der gleichen Ecke. Als er herausgefunden hatte, dass das Ding auch noch bequem war, hatte er sich schnell zu Corrys Lieblingsplatz entwickelt.
      Das Grummeln stammte von Archimedes, seinem 'Kater', der sich gerade auf dem Tresen streckte, auf dem er bis eben geschlafen hatte. Der Kater gähnte herzhaft, dann starrte er Corry böse an. Er hoffte immer noch, dass er kleinbei gab und die Diät beendete, die der Kater gerade durchmachen musste. Aber Corry war nicht so willensschwach, dass ihn ein dreiäugiger böser Blick zum Sklaven einer Katze machen würde.
      Er streckte dem Kater die Zunge raus und wollte sich gerade wieder seinem Smartphone widmen, als ihrer beider Aufmerksamkeit auf die Tür gerichtet wurde. Das Emporium Magika lag nicht auf einer der Hauptadern des Camden Market, war aber exotisch genug, um Touristen anzulocken. Und dank einiger kleiner Tricks wusste Corry immer, wann ein Kunde für Schnickschnack kam und wann er es mit einem echten Magier zu tun hatte.
      Archimedes hüpfte vom Tresen und verschwand durch den dicken Vorhang nach hinten. Das war ihm lieber, als die Illusion einer normalen Katze zu erwecken. Corry hingegen schwang sich auf die Beine und tat beschäftigt. Einen kurzen Augenblick später klingelte die kleine Glocke über der Tür und kündigte einen neuen Kunden an. Corry tat überrascht, als er hinter einem Regal auftauchte und freundlich grüßte.
      Der Tourist tat so, als wüsste er wovon er sprach. Er prahlte richtig mit dem ganzen New Age Pagan Vokabular, das er so fleißig auswendig gelernt hatte. Corry bleib bei einem freundlichen Ja und Amen und verkaufte ihm ein hübsch designtes Tarot-Deck, ein bisschen Quarz und billigen Tee, der irgendwelche Chakren freisetzen sollte. Kaum hatte der Mann seinen Laden verlassen, verschwand das freundliche Lächeln aus Corrys Gesicht. Seufzend füllte er den kleinen schwarzen Futternapf von Archimedes, der auf dem Tresen neben der alten Registrierkasse stand, mit einer handvoll Trockenfleisch, ehe er sich zurück zu seinem Sessel begab. Archimedes miaute fröhlich, als er zurückkam und machte sich über das Essen her.

      Corry war intelligent genug um zu wissen, dass viele Magier über die Maßen paranoid waren. Die normalen Menschen durften auf gar keinen Fall von ihrer Macht erfahren! Über die Jahre hatte er festgestellt, dass je paranoider ein Magier war, desto weniger Macht besaß dieser eigentlich. Wenn man also dem großen Zauberer von Oz begegnete, konnte dieser die Kerzen auf einer Geburtstagstorte anzünden, viel mehr aber nicht. Kam allerdings Kevin aus dem Internetcafé und fragte nach einem Buch mit unaussprechlichem, lateinischem Namen, so wusste man, dass man hier der Reinkarnation von Merlin gegenüberstand. Oder so ähnlich.
      Diese Paranoia und die generelle Abgrenzung von Normalos sorgte aber dafür, dass man seine Öffnungszeiten ein bisschen anpassen musste. Restaurants explodierten nach Feierabend der Büros, das Emporium Magika so gegen acht am Abend, im Sommer ein bisschen später. Sonnenuntergang war ein ziemlich gutes Zeichen dafür, dass gleich noch ein paar Magier ihren Sonntagseinkauf erledigen wollten. Die Sonnenwenden waren auch sehr beliebt.
      Das Ganze führte natürlich dazu, dass Corrys Laden auch dann noch geöffnet war, wenn Camden Market schon lange ruhig da lag und friedlich schlummerte. Viel los war nie, das lag in der Natur der Dinge, aber Cory raffte immerhin genug Enthusiasmus zusammen, um tatsächlich hinter dem Tresen zu stehen. Er rechnete mit zwei, drei Magiern, die in regelmäßigen Abständen bei ihm auftauchten. Da er ihren Vorrat an gewissen Dingen bediente, konnte er in etwa abschätzen, was sie wieder auftauchten.
      Womit Corry nicht gerechnet hatte, war die junge Frau, die recht gehetzt in seinen Laden platzte, ohne zuvor seine umliegenden Signale auszulösen...
    • Aus dem Schatten eines Marktstandes heraus beobachtete sie den großen, dicklich geratenen Mann mit Halbglatze. Sein polterndes Lachen war bis hier her zu hören und er erfreute sich gerade an einem fettigen Hotdog.
      Perfekt, dachte Cassandra, er ist perfekt! Seine Kleidung war gewählt, qualitativ hochwertig und sie hatte auch schon einen Blick auf eine teure Uhr erhaschen können. Ein teuflisches Grinsen schlich sich auf ihre Gesichtszüge und sie fixierte nun die peinlich braune Männerhandtasche, die sich um die Leibesfülle schmiegte. Mittlerweile genügte ein einfacher Gedanke, um die Schnallen aus der Ferne zu öffnen und auch den Zipverschluss unbemerkt aufzuschieben.
      Oh es war fast schon zu einfach. Er würde sicher gut betucht sein und es hatte sich für die Rothaarige ausgezahlt, den Camden Market aufzusuchen. Es wäre sicherlich fette Beute, mit der sie locker nächste Woche fein essen konnte.
      Sie stieß sich von dem Marktstand ab und ging mit schwingenden Hüften auf ihn zu. Ihre auffällige Haarfarbe tat heute ihr übriges und als sie langsam an ihm vorbei ging, warf sie ihre Haarpracht über die Schulter und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Keine Sekunde später verschwand die pralle Geldbörse des Mannes unter dem dunklen Stoff ihres Mantels und sie ging ohne ein einziges Mal ins Stocken zu geraten einfach weiter.
      Beim übernächsten Marktstand bog sie nach rechts ab und tauchte wieder in die Schatten ein. Hier traute sie sich das Diebesgut anzusehen und bemerkte verwundert, dass ein schickes Armband daran hig. Es bestand aus fein gewebtem, schwarzem Stoff und die verschlungenen Muster zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Es war hübsch und ohne groß darüber nachzudenken streifte sie es über ihr Handgelenk. Sie zupfte es noch ein wenig zurecht, verschwendete dann jedoch keine Gedanken mehr daran.
      Lieber widmete sie sich ihrer Beute und ihre rotbraunen Augen glitzerten vergnügt. Ja, ihr Gefühl hatte sie nicht enttäuscht und sie würde wohl sogar zwei Wochen mit dem ergaunerten Geld über die Runden kommen.
      Mit breitem Grinsen kaufte sie sich sogleich etwas zu Essen und zog sich dann an den Rand des Marktes zurück. Vielleicht fand sich noch ein williges Opfer…

      Sie Sonne verschwand nun hinter der Skyline Londons und tauchte die Stadt allmählich in ein trübes Licht. Der Markt fand sein Ende und auch Cassandra beschloss ihr heutiges Glück nicht weiter über zu strapazieren und machte sich auf den Weg. Zurzeit bewohnte sie ein baufälliges Haus und sie hoffte, der geplante Abriss würde sich noch ein wenig hinauszögern. Sie hatte keine große Lust so bald schon wieder umzuziehen.
      Frohen Mutes spazierte sie durch die dunkler werdenden Straßen und bald schon runzelte sie die Stirn. Sie blieb stehen und drehte sich um, doch sie sah nur zwei Männer in dunklen Anzügen, die in ein erregtes Gespräch vertieft waren.
      Doch fast so schien ihr, als hätte sie gerade ein Flüstern gehört.
      „Ach komm schon, jetzt wirst du paranoid.“, sprach sie mit sich selbst. Doch sie blieb vorsichtig. Sie hatte nicht die Jahre der Straße überlebt, ohne von ihr gezeichnet zu werden. Nur ein vorsichtiger Mensch überlebte im rauen London.
      Sie ging weiter und nahm ein paar Umwege. Zweimal blieb sie noch stehen, denn abermals hörte sie seltsame Laute an ihrem Ohr. Langsam aber sicher wurde ihr dann doch mulmig zumute und sie beeilte sich.
      Ohne sich nun länger bewusst umzusehen führten sie ihre Schritte kreuz und quer und bald schon wusste sie nicht mehr, ob sie tatsächlich verfolgt wurde oder sich in eine Paranoia steigerte.
      Sie blieb stehen und blickte sich um. Ihre Hände waren zunehmend schweißnass geworden und ihr Herz hämmerte in ihrem Brustkorb. Ein seltsames Gefühl der Angst hatte sich auf sie gelegt und sie wusste nicht, ob sie sich dies alles einbildete oder tatsächlich so geschah.
      Plötzlich weiteten sich ihre Augen, als sie die beiden Männer im dunklen Anzug von vorhin wieder sah.
      „Oh nein…bitte nicht.“, sprach sie mit sich selbst und ein Keuchen entfuhr ihr. Dieser Zufall war zu auffällig um nicht geplant zu sein. Sie verfolgten sie tatsächlich und gehetzt blickte sich Cassandra um.
      Dort! Ein kleiner Laden leuchtete in der mittlerweile finsteren Stadt und ohne zu überlegen lief sie darauf zu. Sie stürzte durch die Tür und ein stechender Geruch nach Kräuterwerk und Tee empfing sie.
      Ohne sich noch einmal umzusehen ging sie schnellen Schrittes bis zur Theke, wo ein etwas irritiert dreinblickender, bebrillter Verkäufer stand. Gerade wollte sie den Mund öffnen, aber was hätte sie sagen sollen? Hilfe, ich glaube ich werde verfolgt? Herrgott sie war selbst eine Diebin und sie wusste, dass solche Situationen unweigerlich geschehen würden.
      Das Licht des Ladens beruhigte sie und sie strich sich entschuldigend die Haare hinter die Ohren. Der Besitzer musste wahrlich glauben, sie wäre irre. Stümrte in den Laden ohne etwas zu brauchen und stand nun dumm herum, ohne die Klappe zu öffnen.
      Aber als das typische Glöckchen eines solchen Ladens bimmelte, kroch eine eisige Gänsehaut über ihren Körper und sie warf dem Mann einen hilfesuchenden Blick zu.
      inaktiv
    • Corry war noch damit beschäftigt, herauszufinden wie diese Frau seine Signale hatte umgehen können, als die Tür schon wieder aufging. Dieses Mal traten zwei Typen in Anzug herein. Sie erinnerten sehr an die Men in Black mit ihren stylischen Sonnenbrillen, die sie selbst nach Sonnenuntergang trugen. Für Normalos wirkten sie wohl wie die überbezahlten Bodyguards eines reichen Pinkels, aber dank seiner Brille wusste Corry es besser. Sein Blick glitt zurück zu der Frau. Niemals hatte sie gleich zwei Golems in ihren Diensten.
      Corry seufzte und nahm die Brille ab. In aller Seelenruhe klappte er die Bügel zu und legte sie auf die Glasplatte des Tresens, die ein paar Kristalle schützte. Er schlenderte um den Tresen herum, krempelte dabei die Ärmel seines Hemdes hoch und enthüllte einen Teil seiner Tattoos.
      "Tut mir ja leid, aber in meinem Laden sind nur Kreaturen mit Seele erlaubt", erläuterte er sein Vorhaben unnötigerweise; Golems waren nicht gerade für ihre geistigen Kapazitäten oder gar ihre Gesprächigkeit bekannt.
      Gleich darauf rezitierte er einen jiddischen Verbannungszauber, schlug seine Unterarme zusammen, dann formte er mit den Daumen und Zeigefingern ein Dreieck, dass er auf die Anzugträger richtete.
      "Zeyn Nito!", beendete Corry den Spruch mit lautem Ausruf.
      Hinter den Golems knisterte es kurz in der Luft, dann schien die Realität selbst aufzureißen. Der Riss war nur etwa einen Meter lang, aber das reichte. Wind peitschte durch den Laden, brachte Klangspiele zum Klirren und warf ein paar Zeitschriften durch die Gegend. Archimedes fauchte laut und unheilbringend. Die Golems verloren nach und nach Substanz. Sie bröckelten immer schneller und schließlich wurden sie von dem Loch aufgesaugt wie von einem handelsüblichen Staubsauger.
      Corry schloss seine Hände zu Fäusten und der Riss löste sich auf. Der Sturm verschwand augenblicklich und die folgende Stille war beinahe schon gespenstisch. Bis Corry seufzte und die Hände in die Hüften stemmte, als er das angerichtete Chaos betrachtete.
      "Ich hasse Golems...", grummelte er und kickte einen übrig gebliebenen Lehmklumpen weg.
      Vor dem Aufräumen drücken konnte er sich jetzt aber auch nicht, also ging er gleich hinter den Tresen, setzte seine Brille wieder auf und schnappte sich einen Besen.
      "Verraten Sie mir, warum zwei Golems Sie verfolgen, während Sie einkaufen gehen?", fragte er beiläufig, während er erneut an der Frau vorbeikam, der noch immer der Mund offen stand, als habe sie gerade einen Promi ohne Unterwäsche gesehen.
    • Die Seelenruhe des Verkäufers machte Cassandra wahnsinnig. Sah er denn nicht, dass diese beiden Männer hier auf Ärger aus waren? Doch in aller Ruhe legte er sein Brillengestell ab und krempelte seine Ärmel hoch. Nein oder? Wollte er sich mit diesen Typen auf einen Faustkampf einlassen? War das so ein Männerding oder verstand der Mann mit der seltsamen Frisur nicht, dass diese Kerle tatsächlich gefährlich waren, so wie die aussahen.
      Sie blickte ihm mit stark irritiertem Gesichtsausdruck nach, der sogar noch etwas mehr an Ausdruck bekam, als er irgendwelche seltsamen Wörter rezitierte. Nun, für ein Rap-Battle war dies sichtlich der falsche Ort.
      Oh nein, kein Rap-Battle, mehr ein Ausdruckstanz, befand Cassie, als er ein seltsames Dreieck mit einen Fingern formte.
      Doch was dann geschah, konnte ihr Verstand nicht begreifen. Die Wirklichkeit schien sich zu verschieben und wie aus heiterem Himmel entstand ein Loch, nein, mehr ein Riss. Der schlagartig aufkommende Sturm zerrte an ihrem Mantel und ihren roten Haaren. Doch all dies bemerkte sie nicht.
      Mit offenem Mund starrte sie auf die Anzuträger, die plötzlich regelrecht… zu bröckeln begannen? Wie ein kaputtes Haus schienen sie in sich zusammen zu fallen und von diesem Riss-Dings regelrecht aufgesaugt zu werden.
      Eine weitere Handbewegung des seltsamen Mannes später, und alles war wie zuvor. Nun, fast zumindest. Die Unordnung war klar ersichtlich und doch schien dies alles zu sein, was den Typen beschäftigte.
      Er murmelte etwas von Golems, als er sich einen Besen schnappte und in Cassies Hirn schaltete sich irgendwo eine Erinnerung auf „on“. Gabs da nicht mal eine Sage, wo man einer Tonstatue ein Stück Papier mit einem Befehl in den Mund schob, und dieser diesem nachkommen musste? Oh, es war wohl eine Folge von den Simpsons gewesen.
      Sie brauchte einen Moment bis sie das Gesagte des Mannes rational erfassen konnte und doch blieb sie ihm eine Antwort schuldig.
      Das, was sie da gerade gesehen und am eigenen Leib miterlebt hatte, das war Magie gewesen, sie war sich sicher! Sie kannte genug Serien und Filme darüber und schließlich deckte es sich mit ihrer eigenen Gabe. Doch im Vergleich zu seiner Macht glich ihre eher dem Nagel des kleinen, verkrüppelten Zehs.
      Seelenruhig und ohne weitere Worte zu verlieren machte sich der Mann tatsächlich ans Aufräumen. Cassandra stand weiterhin einfach nur da. Sie musste ein paar Atemzüge tätigen, ehe wieder Leben in ihre steifen Glieder kam.
      „Das will ich auch können!“, rief sie ohne darüber nachzudenken und eilte auf den Mann zu. „Bitte, das musst du mir beibringen!“ Voller Euphorie griff sie nach seinen Händen, die den Besen nun wie einen Abwehrmechanismus hielten. „Bitte, bitte! Das war fantastisch!“ Ihre Augen leuchteten und blickten auffordernd in seine dunkelbraunen.
      inaktiv
    • Corry sammelte zunächst die Zeitschriften auf, die es von einem kleinen Tisch an der Seite geweht hatte. Zum Glück war die Glaskugel darauf schwer genug gewesen und nicht auf dem Boden gelandet. Das wäre ja ncoh schöner gewesen. Dann fegte er den groben Rest der Golems zusammen. Das meiste war glücklicherweise in dem Riss gelandet.
      Er fuhr regelrecht zusammen, als die Frau ihre Stimme wiederfand und ihrer Begeisterung Ausdruck verlieh. Und dann grabschte sie auch noch nach ihm. Himmel hilf, dachte sich Corry und machte einen Schritt zurück, Was geht denn mit der ab?
      "Werden Sie so oft von Golems verfolgt? Zu viel mehr ist der Spruch nämlich nicht gut, als einen Golem von seinem Auftrag und damit von seinem Existenzgrund zu befreien", erklärte er.
      Er selbst kannte diesen Spruch nur, weil ihm langweilig gewesen war. Aus diesem Grund kannte er die meisten Sprüche und Rituale.
      "Wenn Sie wollen kann ich Ihnen den gern in seiner Ritualform aufschreiben. Ich hab auch ein paar Bücher über Golems da, die meisten sogar auf Englisch."
      Corry schob den Dreck auf dem Boden zu einem hübschen Häufchen zusammen und lehnte den Besen gegen ein Regal, damit er die Bücher holen gehen konnte. Archimedes, der wieder auf den Tresen gesprungen war, beäugte den Haufen mit Misstrauen. Er tat sein Unwohlsein darüber kund, indem er laut miaute. Was aber mehr nach einem dämonischen Schrei klang, dafür aber recht leise.
      "Halt die Klappe", fuhr Corry den Kater an, "Das ist nur ein Klumpen Lehm. Nichts, wovor man Angst haben muss."
      Archimedes fauchte in Richtung Haufen, dann begann er damit, sein schwarzes Fell in Ordnung zu bringen, das durch den Wind ganz durcheinander gebracht worden war. Das dritte Auge, das er auf der Stirn trug, ruhte dabei stets auf der Frau. Nur deshalb ertrug Corry den Kater überhaupt: er war der beste Diebstahlschutz, den man sich vorstellen konnte.
      Corry verschwand kurz hinter dem Vorhang. Er sammelte die genannten Bücher ein und legte sie auf den Tresen.
      "Kann ich Ihnen sonst irgendwie helfen?", fragte er und lehnte sich entspannt auf den Stapel.
    • Also hatte er tatsächlich solche Golems gemeint! Diese leblosen Dinger, die offensichtlich Menschen ähnlich sehen konnten, und Befehle ausführen mussten. Cassie war ganz begeistert, fast war die Angst vergessen, die sie vorhin noch so fest in ihren eisigen Klauen hatte.
      Gespannt lauschte sie dem seltsamen – und offenbar penibel auf Distanz achtenden – Mann. Er war von ihr zurückgetreten und berichtete von Büchern, ehe er sie tatsächlich holen ging. Sie konnte es noch immer kaum fassen, was gerade geschehen war und zum ersten Mal sah sie sich bewusst in dem Laden um.
      Alles hier schrie gerade zu nach Magie, auch wenn es teils wahrscheinlich Kitsch und damit unnötig war. Aber das, was sie gerade erlebt hatte, deutete tatsächlich darauf hin, dass sie all die Jahre nicht abnormal und sonderbar war. Es schien tatsächlich…
      Ein fast schon anklagender Laut ließ sie zusammenzucken und abrupt wendete sie sich dem Verursacher zu. Abermals klappte ihr die Kauleiste hinunter, als sie einen hübschen, schwarzen Kater auf dem Verkaufstresen sitzen sah. Nun hübsch war untertrieben, er war… besonders. Cassie musste zweimal blinzeln, ehe sie tatsächlich ihren Augen trauen konnte. Der Kater besaß doch tatsächlich drei Augen. Oh heilige Mutter Maria…
      Sie griff sich an den Kopf um den plötzlichen Ansturm an Überlegungen stand zu halten. Zaubern zu können und von Golems verfolgt zu werden war eine Sache, aber jetzt auch noch ein schwarzer Kater mit drei Augen? Wobei diese auch noch in einem mysteriösen Schein zu glühen schienen? Es war fast zu viel für die Rothaarige.
      Langsam trat sie wieder auf den Tresen zu. Der Kater schien auch gar nicht scheu zu sein, doch ihn zu berühren traute sie sich nicht, obwohl sie persönliche Distanzen noch nie respektiert hatte.
      Als der fremdartige Mann zurückkehrte und nach weiteren Wünschen fragte, musste sich Cassie erstmal sammeln. Sie blickte auf den Stapel Bücher, die sie sich sicherlich nie im Leben leisten konnte. Nun, vielleicht würde er sie ihr „leihen“.
      Doch all dies hier war überwältigend und sie war versucht sich zu kneifen. Nun diese Geste ließ sie dann doch bleiben und nickte mit dem Kopf, ehe sie ihn doch wieder schüttelte.
      „Wieso… ich meine… was…“, sie war heute wohl nicht mehr zu gebrauchen. „Echt jetzt?“, fragte sie dann und machte eine ausholende Handbewegung um alles zu umfassen. „Wie kannst du so ruhig bleiben, nachdem du gerade zwei Golems in den… nun wo Golems nach ihrem Tod auch immer hingehen… befördert hast? Ist dies tatsächlich normal für dich?“
      Sie blickte ihn fragend und gleichzeitig völlig verwirrt und bewundernd an. „Wer bist du und seit wann kannst du das?“ Sie versuchte seine Geste des Dreiecks mit Daumen und Zeigefinger nachzumachen.
      inaktiv
    • "Naja, normal ist es nicht gerade, von zwei Golems verfolgt zu werden, aber die waren ja auch nicht wegen mir hier. Außerdem sterben die nicht. Sterben kann nur, was eine Seele hat und ein Haufen Lehm gefüttert mit Papierkram hat keine Seele."
      Corry hielt inne und musterte die Frau noch einmal. Bisher war er davon ausgegeangen, dass sie eine seiner üblichen Kunden war. Auch jemand wie er hatte Laufkundschaft. Aber ihr Verhalten entsprach eher jemandem, der noch nie mit den unteren Klassen der Magie geredet hatte, nur dass sie dafür viel zu flickenhaft aussah. Eine Verkleidung konnte er auch ausschließen, das hier war echt. Das ließ nur einen Schluss zu.
      Nun war es Corry, der große Augen machte.
      "Sie haben keine Ahnung, oder? Golems, Portale, Magie... Das ist alles nur Wunschdenken in Ihrem Leben gewesen. Bis jetzt. Scheiße."
      Er schlug sich mit der Hand an die Stirn. Wenn das die Autoritäten herausfanden! Genrell war es zwar nicht schlimm, wenn ein Normalo herausfand, dass Magie existierte, aber man musste es melden, um auf Nummer sicher zu gehen und wenn er was meldete, dann rief das immer gleich die Kavallerie auf den Plan, die dann ihn verhafteten, anstatt sich um denjenigen zu kümmern, um den es eigentlich ging.
      Corry fing sich wieder und scheuchte Archimedes in die hinteren Räume. Der Kater war nicht begeistert, kam dem Befehl aber nach. Dann schob Corry die Frau in Richtung Tür. Er musste sie loswerden, bevor ein richtiger Kunde auftauchte.
      "Versuchen Sie, nicht noch mehr Golems anzulocken", riet er ihr, "nehmen Sie einen Talisman mit, gute Nacht."
      Er drückte ihr ein hübsches Edelstahlkettchen mit einem Aquamarin-Anhänger in die Hand und hielt ihr die Tür auf. Der Anhänger brachte überhaupt nichts, aber vielleicht konnte er sie ja damit abwürgen. Er hoffte es inständig.
    • Endlich bekam die Gelassenheit des Mannes risse und er musterte sie aus großen Augen. Als er dann von all den wunderbaren, magischen Dingen sprach, die Cassandra nur aus diversen Hollywood-Blockbustern kannte, schüttelte sie nur den Kopf.
      Doch genau dies schien ihn irgendwie… aufzurgen? Jedenfalls wenn man dies nach seiner Geste nach beurteilen wollte.
      Doch plötzlich wurde der Weiß-Schwarz-Haarige regelrecht hektisch. Der arme Kater musste Leine ziehen und er schien seine Distanzprobleme zu überwinden, um sie mit Nachdruck aus seinem Laden zu befördern. Sogar eine Art Talisman steckte er ihr zu und Cassies Kopf konnte nicht anders als überschlagsmäßig zu berechnen wie viel sie dafür bekommen würde, wenn sie ihn verscherbelte.
      Sie spürte bereits die kühle Luft des nächtlichen Londons und die Angst griff wieder nach ihr. Der Kerl wollte sie doch nicht ernsthaft mit einem „gute Nacht“ abservieren? Sie ihrem Schicksal überlassen, nachdem, was gerade geschehen war?
      Sie stemmte sich gegen die Geste des Mannes und krallte sich nun an dessen Kleidung fest.
      „Nein, bitte nicht!“, erhob sie ihre Stimme. „Ich weiß doch gar nicht warum diese Golems hinter mir her waren. Bitte schick mich nicht weg. Was ist, wenn noch mehr kommen?“, fragte sie, doch sie hatte das Gefühl mit ihrer Masche auf Jungfrau-in-Nöten würde bei diesem Mann nicht ziehen.
      Sie legte nun ihren Straßenslang ab, wechselte zum Sie und blickte ihn an. „Ich kann Ihnen doch hier im Laden helfen.“, versuchte sie es erneut. Sie war sich dumpf im Inneren sicher, dass sie plötzlich auf irgendeiner mysteriösen Abschussliste standen. Es war seltsam und ungewohnt für sie, jemanden wirklich – und nicht nur gespielt – um Hilfe zu bitten. Sie war schon so lange auf sich gestellt, doch sie war eine Überlebenskünstlerin und warf gerne ihren Stolz über Board, wenn sie dafür ihr Leben rettete.
      „Bitte lassen Sie mich hier im Laden bleiben, wenigstens bis es hell ist.“ Innerlich betete sie, dass er sich erweichen ließe. Wenn er die Polizei rufen würde, wem würden sie mehr glauben? Einem dreckigen Straßenmädchen oder einem Ladenbesitzer? Egal, ob sie ihren die Wahrheit erzählen würde, sie hatte keine Chance.
      inaktiv
    • Man, war die harnäckig!
      "Ich brauche keine Hilfe mit dem Laden. Erst recht nicht von jemandem, der keine Ahnung vom Geschäft hat", kommentierte er und packte sie am Handgelenk, um sich ihrem Griff entziehen zu können.
      Da durchfuhr es ihn, als hätte ihn der Blitz getroffen. Er wusste nicht, woher sie es hatte, wollte es auch gar nicht wissen. Allein die Tatsache, dass sie es hatte, änderte die Dinge.
      "Das kann doch jetzt nicht wahr sein", stöhnte er und warf die Tür wieder zu.
      Er schob ihren Ärmel nach oben und betrachtete das filigran anmutende Armband. Das sie das nicht gemerkt hatte!
      Einen langen Augenblick lang kaute Corry auf seiner Unterlippe herum, während er das Armband anstarrte und nachdachte. Er konnte es ihr nicht wegnehmen, das war unmöglich. Aber wenn die zwei Golems hinter dem Ding hier her waren und nicht hinter ihr... Wenn die Autoritäten das Ding bei ihm fanden, würden sie ihn einen Kopf kürzer machen, ohne Fragen zu stellen.
      Corry warf einen Blick nach draußen. Er brauchte Zeit. Er musste die Dinge irgendwie regeln, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
      "Setzen", befahl er und deutete auf seinen Lieblingssessel.
      Er rauschte erneut ins Hinterzimmer und kam mit einem dicken Wälzer wieder zurück, den er vor dem Sessel auf den Boden fallen ließ. Er setzte sich daneben und begann, darin herumzublättern. In der Zwischenzeit tappste Archimedes zu ihnen herüber und sprang auf die Armlehne des Sessels. Neugierig beschnupperte er die Frau.
      "Vorsicht beim Streicheln, die Stacheln sind giftig", kommentierte Corry abwesend.
      Tatsächlich zog sich eine Reihe Daumennagel großer, violetter Stacheln über den Rücken des Katers. Sie deuteten in einem sanften Winkel nach hinten und endeten erst am spitzen Schwanzende, das eher an das eines Skorpions erinnerte. All das war unter dem seidigen, mittellangen Fell geradezu perfekt verborgen. Das Gift war nicht tödlich, hatte aber neben deutlichen Schmerzen noch einige andere unangenehme Nebeneffekte.
      Während sich Archimedes an die Frau ranmachte, studierte Corry aufmerksam die Seiten seines Buches. Sie waren gefüllt mit haufenweise Text in einer toten Sprache und sehr detallierten Zeichnungen verschiedenster Artefakte. Insgeheim hegte Corry die Hoffnung, dass er sich vertan hatte und dieses Armband nichts weiter als eine billige Kopie oder sowas war. Als er dann die richtige Seite in dem Buch fand, verglich er das Armband mit der Abbildung mehrfach, ehe er laut aufstöhnte und den Kopf in den Nacken warf. Einige Kraftausdrücke verließen sein Mundwerk, ehe er sich wieder mit der Situation befassen konnte.
      "Sag mir bitte, bitte, dass du weißt, wer du bist."
      Sie musste magisches Potenzial haben, sinst hätte sich das Armband niemals mit ihr verbunden. Und großes noch dazu, wenn man den Geschichten Glauben schenken konnte.
    • Ein Knistern, ähnlich einem Stromstoß, wenn man elektrisch aufgeladen auf Metall griff, durchfuhr Cassandra und sie blinzelte irritiert. Sie kam gar nicht dazu, etwas zu fragen, denn irgendwas, was sie getan oder gesagt hatte, ließ ihn plötzlich innehalten.
      Die gefährlich weit offene Tür wurde geschlossen und für einen Moment fiel ihr ein Stein vom Herzen.
      Doch als er nun ihr Handgelenk – oder vielmehr ihr neues Armband – begutachtete, ließ sie nun doch die Stirn runzeln. Was war denn an diesem schwarzen Stück so besonders? Wenn er es haben wollte, würde sie es liebend gerne gegen ihre Sicherheit eintauschen.
      Als er ihr nun schroff befahl sich zu setzen, kam sie bereitwillig seiner Aufforderung nach. Was auch immer seine Meinung geändert hatte, sie wollte nicht erneut seinen Unmut heraufbeschwören! Er verschwand hinter seinem Vorhang.
      Der alte, überraschend bequeme, Ledersessel schmiegte sich an ihren Körper. Selten saß sie auf etwas derart weichem, sonst nahm sie immer mit dem harten Boden vorlieb.
      Neugierig sah sie ihm zu, als er nun ein äußerst dickes Buch, welchem jedem Brockhaus Konkurrenz gemacht hätte, fallen ließ und anschließend darin blätterte. Er wirte so vertieft, dass sie den Drang verspürte direkt nachzufragen, welche Räder in seinem Hirn nun arbeiteten.
      Stattdessen biss sie sich auf die Zunge und begutachtete stattdessen den Kater. Sie streckte ihm vorsichtig die Hand hin und er schnupperte daran. Stacheln? Sie blickte genauer auf das schwarze Fell und tatsächlich, sie konnte die überraschend großen Dornen sehen und war nun etwas vorsichtiger. Doch die Katze schien sich nicht daran zu stören und rieb ihren Kopf an ihrer Hand. Sie war ganz verzückt von diesem Wesen, dass sie fast vergessen hätte, warum sie hier war.
      Erst als er einige Flüche ausstieß, wovon selbst ein Straßenmächen etwas lernen konnte, wandte sie sich überrascht ihrem unfreiwilligen Retter zu.
      Als er nun nach ihrem Namen fragte, deutete sie eine neckische Verbeugung an. Die ganze Situation wurde ihr zunehmend unheimlicher und dies war ihre Art mit dem Stress umzugehen.
      „Cassandra Williams, zu Ihren Diensten.“, antwortete sie. Dann jedoch fiel ihr Blick auf eine Seite des Buches. Die Abbildung sah ihrem neuen Fundstück ziemlich ähnlich und nun blickte sie auf das Armband. Es wurde ihr immer mulmiger und sie wollte es abnehmen. Doch… „Es geht nicht auf.“ Der Knopf, den sie mit dem feinen Stoff geknüpft hatte, war wie geschmolzen, es war unmöglich es auf diese Art auf zu bekommen. „Haben Sie eine Schere? Ich gebe es Ihnen gerne, wenn ich dafür bleiben darf.“, versuchte sie zu handeln. Dann hielt sie in ihrem Werken inne. „Wie heißen Sie?“
      Irgendwo am Rade ihres Gehirns war ihr aufgefallen, dass der Ladenbesitzer nun in ein vertrauteres Du gefallen war.
      inaktiv
    • "Natürlich kriegst du's nicht auf, so funktioniert da Ding!"
      Cassandra Williams, also, wundervoll. Nur dass das nicht die Antwort war, die er hatte hören wollen. Sie hatte alsonwirklich nicht den blassesten Schimmer.
      Mit ein bisschen mehr Wucht als nötig schlug Corry das Buch zu. Er konnte sie nicht unterrichten, das würde ein schlechtes Lich auf ihn werfen. Nur Leute, die etwas erreichen wollten, suchten sich Lehrlinge! Mal ganz davon abgesehen, dass er nur zu gern seine Ruhe hatte. Da störte ein Lehrling nur.
      Wieder kaute er auf seiner Lippe herum, während er nachdachte. Leider kannte er auch niemanden, der einen Lehrling aufnehmen würde, erst recht keinen so alten. Wie hatten ihre Eltern sie so vernachlässigen können? Es war unmöglich, dass sie ein natürliches Talent war. Die gaben es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Zumindest war das die gängige Arbeitstheorie.
      "Coriam Rexton, Magier der Alten Kunst, aus dem Hause Rexton, einziger Sohn von Corillion und Persephone, Erbe von Saint Morley.", rutschte ihm die gängige Vorstellung unter Magiern heraus.
      Er hob den Blick und wurde einmal mehr von einer gesenkten Kinnlade begrüßt. Unwillkürlich musste er lächeln.
      "So stellt man sich einem fremden Magier vor. Nenn mich Corry."
      Wieder seufzte er und starrte das Armband an.
      "Das Ding da hat einige schicke Namen. Offiziell ist es das Armband von Deliv. Inoffiziell trägt es aber so wunderschöne Beinamen wie 'Alptraumfackel'. Einmal angelegt, ist es sehr schwer wieder loszuwerden. Und natürlich sucht es sich nur die stärksten Träger aus. Du kennst nicht zufällig deine magische Disziplin?"
      Selbst das dürfte Fach-Chinesisch für sie sein. Corry suchte nach einfacheren Worten.
      "Ähm... kannst du irgendwas Ungewöhnliches? Du weißt schon: Harry Potter redet mit Schlangen und lässt Plexiglas verschwinden. Sowas eben."
    • Wieso war er sich so sicher, dass dieses Ding nicht aufgehen würde? Eine Schere oder meinetwegen ein Messer und ratzfatz wäre das zunehmend unheimliche Stück ab.
      Ein Ruck glitt durch ihren Körper als er so abrupt das Buch zuschlug. Ach sie war wirklich schreckhaft heute!
      Dann jedoch sagte er für einige Momente nichts und zog es vor auf seiner Unterlippe zu kauen. Cassandra nutzte diese, um ihn unverhohlen zu mustern. Er hatte wirklich ungewöhnliches Haar. Die Längen waren weiß und die Unterwolle – so wie man es bei Schafen nannte – war schwarz. Kein dunkler Ansatz war zu sehen entweder musste er schrecklich eitel sein und jeden Monat zum Friseur rennen, oder aber… auch das war Hokuspokus. Er hatte dunklere Haut als Cassie, wobei dies bei Ginger wohl nichts Unübliches war. Und an seinem Hals konnte sie einige Tätowierungen hervorblitzen sehen, auch an seinen Armen waren ihr diese aufgefallen, als er seine Ärmel hochgekrempelt hatte.
      Sein vollständiger Name mit allen erdenklichen Titel und Bezeugungen seiner Abstammung ließen ihr erneut den Mund aufklappen. Niemals würde sie ihn so nennen, das klang doch bescheuert.
      Umso erleichtert war sie, als er sich simpel als Corry vorstellte. Im Hinterkopf machte es Klick – hatte er sie gerade indirekt als Magierin bezeichnet? War sie also tatsächlich eine? Ihr Herz flatterte aufgeregter als ein Vogel in ihrem Brustkorb.
      Als er ihr neues Schmuckstück jedoch dann als Alptraumfackel titulierte, kehrte sie ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie wollte es nicht mehr! Oh heiliger Gott wie bekam sie es wieder ab? Zum Teufel mit der ganzen Magie, blöde Golems und dreiäugige Katzen. Wieso war sie da nur wieder hineingerutscht?
      Auf seine Frage – und die simplere Version davon – hin kratzte sie sich verlegen an der Wange. „Ja, ähm… Narbe und Zauberstab habe ich zwar nicht, aber ich kann Dinge bewegen ohne sie zu berühren.“ Vermutlich verstand er genau was sie meinte, doch zur Sicherheit blickte sie auf das schwere Buch am Boden, atmete tief ein und ruckte es ein Stück zur Seite.
      „Aber das konnte ich schon immer.“ Sie blickte ihn nun ernst an. „Bitte Corry, sag mir, wie ich das Ding wieder loswerde.“
      Nun war sie ebenfalls ins Vertraute gewechselt. Sie hatte das ungute Gefühl, dass ihr dieses verfluchte Armband noch allerlei Ärger einhandelte. Und bei so etwas hatte man keine Zeit sich mit Höflichkeiten aufzuhalten.
      Cassies Herz war ganz hin und hergerissen, einerseits war sie überwältigt von den vielen Informationen und Eindrücken, die sie in den letzten Minuten gesammelt hatte, andererseits machte ihr dies auch alles Angst. Sie stellte sich selbst die Frage, ob sie lieber in ihr altes, bekanntes, beschwerliches Leben zurückwollte oder ob sie die Nase tief in diesen Zirkus stecken wollte? Doch wie sagte man so schön? Die Neugier ist der Katze tot.
      „Was soll ich denn nun machen?“, rutschte es ihr fast ein wenig verzweifelt über die Lippen.
      inaktiv
    • Die Demonstration war eigentlich überflüssig, aber ganz nett. Nicht, weil es ihm verriet, dass sie die Wahrheit sprach, sondern weil er dadurch erkennen konnte, wie weit am Anfang diese Frau eigentlich stand. Sie konnte nicht einmal die Startlinie sehen.
      "Okay, cool. Deine Disziplin ist die Telekinese. Damit lässt sich leicht arbeiten."
      Er selbst gehörte der Disziplin der Elemente an. Er hatte schnell Kontrolle lernen müssen, denn mit seinen Emotionen waren auch die Elemente um ihn herum in Aufruhr geraten.
      Noch einmal musterte Corry die Frau. Sie war verzweifelt, das war offensichtlich. Aber das sollte nicht sein Problem sein. Auf der anderen Seite... wenn er die Alptraumfackel von ihr los bekam und sie den Autoritäten brachte... nicht wegen einer Belohnung wegen, sondern einfach nur so... dann würden sie ihn vielleicht endlich in Ruhe lassen.
      "In Ordnung, hör mal: ich wäre ein wahnsinnig schlechter Lehrer. Aber für's Erste kannst du hier bleiben und ich zeig dir die Grundlagen, bis ich wen finde, der das besser kann. Mehr kann ich dir nicht anbieten. Und glaub bloß nicht, dass du hier Zauberstäbe schwingen und auf Besen reiten darfst."
      Corry erhob sich mit dem Buch unterm Arm.
      "Magier sein ist nicht aufregender als der Alltag. Und nur um das klarzustellen: ich will das Armband. Sobald ich einen Weg gefunden habe, es von deinem hübschen Ärmchen zu entfernen, sind wir fertig. Dann kann ich dich an offizieller Stelle abliefern und die kümmern sich um deine Ausbildung."
      Corry legte das Buch auf den Tresen zu den anderen.
      "Na hopp! Siehst du das Chaos nicht? Aufräumen."
      Von jetzt auf gleich hatte er also eine Angestellte. Und einen Lehrling. Und ein mächtiges magisches Artefakt. So viel zum Thema ruhiges Leben außerhalb des Radars. Warum musste sowas immer ihm passieren?!

      Corry hatte gerade noch genug Zeit, seine Bücher allesamt wieder wegzuräumen, bevor sich einer seiner üblichen Kunden anmeldete. Er löste die Signale aus, die er installiert hatte, also waren sie nicht kaputt gegangen. Wie zum Himmel hatte es Cassie an ihnen vorbei geschafft? Noch ein Punkt auf seiner Liste, die Corry abarbeiten musste.
      Er scheuchte Cassie hinter ein Regal und wies sie an, keinen Mucks von sich zu geben. Maxwell war zwar nur ein kleiner Fisch, aber alle suchten nach Wegen, sich bei den Autoritäten gutzustellen. Sowas ging besonders gut mit brisanten Informationen über Corry. Wenn er sich ein paar neue Hosen gekauft hatte, zum Beispiel.
      Der Magier gab sich alle Mühe, gelassen wie immer zu wirken. Er hielt ein bisschen Smalltalk, während er alles zusammensuchte, was Max so haben wollte.
      "Ganz schönes Chaos hier drin. Was ist passiert?", fragte Max schließlich.
      Entspannt legte Corry Archimedes eine Hand auf das Köpfchen.
      "Krallenschneiden", kommentierte er knapp und erntete prompt einen bösen Blick von dem Vierbeiner.
      Max lachte herzhaft.
      "Du bist ein komischer Vogel. Nicht nur hälst du dir eins von diesen Teufelsviechern, jetzt gehst du ihm auch noch an die Krallen."
      Lachend bezahlte der Mann, dann verließ er den Laden. Corry ließ das Lächeln fallen und atmete tief durch.
      "Kannst wieder rauskommen", rief er Cassie zu.
      Archimedes hüpfte beleidigt vom Tresen und nahm den Sessel in Beschlag.
      "In ein paar Tagen müssen wir das nicht mehr so machen, ich regel das. Aber für den Augenblick sollte niemand wissen, dass ich einen neuen Mitarbeiter habe. Und um der Elemente Willen, versteck das Armband."
      Noch ein Problem auf seiner immer länger werdenden Liste: wer wollte dieses Armband noch haben? Ein Golem hatte immer einen Meister. Ohne existierten sich schlicht nicht. Und gleich zwei zum Schutz dazu abstellen... sie hatten es mit jemand mächtigem zu tun. Und da es keinen Buschfunk über das Armband gegeben hatte, wollte dieser mächtige jemand es offenkundig geheimhalten, ergo für sich selbst nutzen. Himmel, wo war Corry nur wieder hinein geraten?
    • „Telekinese also…“, ja, es war einleuchtend, doch selbst wäre sie wohl nicht auf diesen Begriff gekommen.
      Als Corry ihr nun offenbarte, dass sie bleiben durfte und er sie sogar unterrichten würde, erhob sie sich gleichzeitig mit ihm. Ein strahlendes Lächeln zierte die Züge und aus neugewonnenem Respekt verzichtete sie darauf ihm um den Hals zu fallen. Sie würde morgen nur ein paar ihrer Habseligkeiten aus ihrem derzeitigen Unterschlupf holen müssen, viel besaß sie ohnehin nicht.
      Auf seine Bedingungen hin nickte sie eifrig. Das Armband würde sie ihm sofort überlassen und hoffte inständig, es niemals wieder zu sehen. Doch dass sie nun einen echten Lehrer hatte, der zudem ziemlich mächtig schien, und ihr auch noch die Grundlagen in Magie beibringen wollte… dies versetzte sie in eine wahre Freudenstimmung!
      Um wie viel wäre ihr Leben leichter, wenn sie ein wenig mehr auf ihre Fähigkeiten zugreifen konnte? Oh in ihrem hübschen Köpfchen ergaben sich plötzlich tausend Möglichkeiten. Und so wie behütete Kinder nach einer Top-Schulausbildung plötzlich irrsinnig viele Wege vor sich fanden, so fühlte sich auch Cassandra gerade. Sie hatte nie eine Chance gehabt zu wählen, vielleicht würde sich diese nun ergeben?
      Als er sie nun zum Aufräumen aufforderte, lächelte sie ein wenig spöttisch. „Jawoll, gnädiger Herr.“, antwortete sie und machte sich sogleich an die Arbeit.
      Das Armband mit dem türkisblauen Stein, welches er ihr vorhin als Abschiedsgeschenk zugesteckt hatte, legte sie auf seinen angestammten Platz zurück. Zum einen war sie sich sicher, es wäre kaum etwas Wert. Niemand verschenkte etwas von Wert einfach so ohne Gegenleistung. Und zum anderen hoffte sie, dass sie von nun an keine Schutztalismane oder ähnliches mehr benötigen würde.

      Einige Zeit später, Cassie war gerade dabei einen verhedderten Traumfänger zu entwirren, wurde sie angehalten sich zu verstecken und leise zu sein. Oh verstecken konnte sie sich gut, wenn sie wollte. Neugierig beobachtete sie wie ein Mann mittleren Alters den Laden betrat und mit ihrem neuen Lehrer sprach. Dieser gab sich betont gelassen und kam den Wünschen seines Kunden nach.
      Beim Wort „Krallenschneiden“ presste Cassie die Lippen aufeinander, um nicht laut zu lachen. Sie kannte sich mit Haustieren nicht aus, hatte auch noch nie eines gehabt, doch bei einem dreiäugigen Kater die Krallen zu schneiden würde vermutlich für denjenigen mit einigen Verletzungen enden – und mit einer Woche Ignoranz seitens Kater aufgrund dieser Dreistigkeit.
      Als sie wieder aus ihrem Versteck hervortreten durfte musste sie lächeln, als der Kater sich beleidigt auf den Sessel zurückzog. Rasch zog sie nun ein kleines, rotes Halstuch aus den tausend Taschen ihres Mantels und band es sich um das Handgelenk. Dies würde neugierige Augen davon abhalten es zu sehen.
      Sie machte sich weiter ans Aufräumen, doch tausend Fragen gingen ihr durch den Kopf. „Fängt morgen meine erste Unterrichtsstunde an? Wo werde ich schlafen? Kannst du kochen?“, sprudelte es aus ihr heraus, ehe sie inne hielt. Sie unterbrach ihre Tätigkeit und blickte Corry nun ernst an. Ja, sie konnte brutal ernst sein, wenn sie den Wunsch danach verspürte. „Danke, dass du mich bleiben lässt und unterrichtest.“, meinte sie ehrlich. Schließlich war dies bei weiten keine Selbstverständlichkeit und sie wusste die Geste des Mannes zu schätzen – auch wenn es eher ein Tauschhandel über das Armband war.
      inaktiv
    • Corry bekam langsam Kopfschmerzen. Da war dieses wehemente Pochen gleich hinter seinen Augen. Ja, er hatte sich gelangweilt. Aber ihm war diese Langeweile viel lieber als dieses ganze Chaos!
      „Fängt morgen meine erste Unterrichtsstunde an? Wo werde ich schlafen? Kannst du kochen?“
      Warum noch gleich tat er das? Ach ja, um die Autoritäten endlich loszuwerden. Tief durchatmen, Corry. Ein paar Wochen, vielleicht Tage, dann ist alles wieder in Ordnung. Beschäftige sie, während du deine Nachforschungen machst und schon bis du sie los.
      "Ja. Im Gästezimmer. Ja", beantwortete er die Fragen Cassies kurz angebunden.
      Er war damit beschäftigt, den Lehm, den der Riss nicht erwischt hatte, aufzusammeln und in einen Mülleimer zu werfen. Der Laden sah praktisch schon wieder wie vorher aus.
      "Gern geschehen."
      Das war nicht einmal gelogen. Zwar gab sich Corry nicht mit vielen anderen Magiern ab, aber er wusste wie schwer es sein konnte, sich alles selbst beibringen zu müssen. Ihre Chancen auf einen Lehrer gingen gen Null. Sie war einfach zu alt. Noch dazu hatte sie keine Ahnung von seiner Welt, was selbst bei den Autoritäten dazu führen würde, dass man ihr Kontrolle beibrachte und sie dann wieder gehen ließ. Sie würde auf ewig am Rand der Gesellschaft festhängen, weder Teil der Normalos, noch der Magier sein. Wenn sie aber tatsächlich so viel Potenzial hatte, dass sich das sagenumwobene Armband von Deliv an sie band, wäre das die reinste Verschwendung. Ja, er würde sie bloß ein bisschen beschäftigen. Aber das konnte man auch mit komplizierten Ritualen, die die Autoritäten dazu zwingen würden, sie anzuerkennen und richtig ausbilden zu lassen. Zumal es nie schaden konnte, mächtige Verbündete zu haben.
      Corry biss sich bei dem Gedanken auf die Zunge. Jetzt klang er schon wie seine Eltern. Er hatte kein Interesse an politischen Machtspielchen.

      Zehn Minuten später hatte Corry keine Lust mehr und machte den Laden zu. Er gab Cassie einen Wink ihm zu folgen. Archimedes rannte ihm ebenfalls hinterher, machte einen Satz und wickelte sich wie ein Schal um Corrys Hals.
      Er führte Cassie durch das große Hinterzimmer, das wirkte, als habe man eine alte Bibliothek mit einem Antiquariat zusammengeworfen. Viel Platz gab es hier nicht, weder zum Sitzen, noch um etwas abzustellen. Ein paar schmale Pfade führten zu einer Treppe weiter hinten und zwei verschiedenen Türen - eine davon offensichtlich die Hintertür zum Laden.
      Cory hielt auf die steile Treppe zu. Die Architektur war typisch London: alles war schmal, langezogen und hoch. Aber nur bis sie die Tür am oberen Ende der Treppe erreichten. Als Corry sie öffnete, lag dahinter ein kleines Apartment. Das war aber nur Show, denn sobald man durch die Tür trat, stand man in dem gewaltigen Foyer eines altenglischen Herrenhauses.
      Das Foyer erstreckte sich über zwei Stockwerke, am hinteren Ende führten rechts und links zwei breite Treppen in den ersten Stock. Die Decke war reich mit der Geschichte von Saint Morley geschmückt, einem mittelalterlichen Schlachtmagier. Der Boden war aus poliertem Marmor; man konnte sich richtig darin spiegeln.
      Kaum fiel die Tür hinter ihnen zu, tauchte eine drahtige Gestalt aus einem der Räume auf. Molly war ein bisschen über zwei Meter groß, besaß kein Körperfett und war so blass, dass man sich ernsthafte Sorgen um ihre Gesundheit machen konnte. Ihre schwarzen, pupillenlosen Augen waren viel zu groß und auch der Rest ihrer Proportionen war irgendwie falsch, auch wenn man den Finger nicht genau drauflegen konnte warum. Sie beäugte Cassie misstrauisch.
      "Molly, das ist Cassie, meine neue Angestellte. Cassie, das ist Molly. Sie... kümmert sich um das Haus."
      Molly kam auf sie zu. Es wirkte, als würde schweben: ihre nackten Füße gaben kein Geräusch von sich, ihr schwarzes Kleid raschelte nicht und der Rest ihres dürren Körpers bewegte sich keinen Millimeter. Wie immer hatte sie keine Ahnung von - oder keinen Respekt vor - der persönlichen Blase eines Menschen und kam nur Zentimeter von Cassie entfernt zum Stehen.
      "Entspann dich Molly. Sie arbeitet im Laden, nicht hier im Haus."
      Weitere Sekunden verstrichen, dann lächelte Molly. Das Lächeln zog sich in einem unnatürlichen Bogen von einem spitzen Ohr zum anderen und enthüllte viel zu viele, kleine, rasiermesserscharfe Zähne. Dann rauschte Molly davon in die Küche.
      "Glückwunsch: sie mag dich. Solange du hier bist, mach bloß nichts im Haushalt. Dafür würde sie dich töten. Lass die Wäsche liegen, das Bett ungemacht, halte dich von der Küche fern, dann ist alles gut."
      Corry steuerte auf den kleinen Salon zu. Hier verbrachte er die meiste Zeit im Haus. Es war immer noch ein großer Raum, aber nichts im Vergleich zum großen Salon. Hier drin wirkte es kuschelig mit den deckenhohen Bücherregalen, der ledernen Sitzgruppe vor dem großen Kamin und den dicken Vorhängen an den großen Fenstern, hinter denen ein prächtiger Garten lag, durch den gerade ein Haufen Glühwürmchen flog, während am Nachthimmel über ihnen die Sterne glitzerten.
      Archimedes sprang von Corrys Schultern und machte es sich auf einem großen Sitzkissen direkt vor dem Kamin bequem, in dem ein Feuer vor sich hin prasselte.
      "Ach ja, Finger weg von Mollys Keksen. Wenn sie dir einen anbietet, nimm ihn, dann gib ihn Archimedes. Du willst nicht wissen, was in den Keksen ist."
      Corry ließ sich auf die Couch fallen und streckte die Beine aus. Es juckte ihn in den Fingern, sofort mit der Recherche anzufangen, aber er wusste auch, dass er dann die Nacht nicht schlafen würde. Eine Fähigkeit, die er in seinen frühen Zwanzigern verloren hatte.
      "Fühl dich wie zu Hause", kommentierte er, schnippte mit den Fingern und füllte aus dem nichts zwei Gläser mit Scotch.
      Mit einem Finger bedeutete er einem der Gläser den Weg zu Cassie. Telekinese war einfach zu kontrollieren, wollte er ihr damit zeigen. Und ja, er wollte auch ein bisschen angeben. Für gewöhnlich wussten die Leute, wer er war und waren kein Fan davon, wenn er seine Magie in ihrer Gegenwart einsetzte.
      "Dann erzähl mal: wo kommst du her und wie kommst du an das Armband?"
    • Ein Gästezimmer? So einen richtigen Raum ohne Wasserschäden, mit eigenem Bett, welches nicht nach Motten stank und noch alle Federn im Rost hatte? Sie hoffte es inständig.
      Fürs erste besänftigt, widmete sie sich dem anderen Krimskrams, der zwar durch den Golem-Verbannungs-Riss weder sonderlich schmutzig, noch stark verrutscht war, und doch wollte sie dieses ganze Zeug betrachten. Sie versuchte all die Dinge ordnungsgemäß und gerade zu platzieren und dabei gleich ein Auge darauf zu werfen. Sie sah Tarotkarten, verschiedene Federn, Tintenfläschchen, Räucherwerk, Kristalle, alles, was eben in solch einem Laden zu finden wäre. Ob dies tatsächlich alles zum Zaubern gebraucht wurde? Cassie konnte sich dies schwer vorstellen, würde sich aber gerne eines Besseren belehren lassen.
      Einige Minuten später folgte die Rothaarige ihrem neuen Lehrer artig. Als das schwarze Katzentier nun auf seine Schultern sprang, hatte sie sogar ein wenig Sorgen, ob er sich nicht an den scheinbar giftigen Dornen stechen würde. Doch ihre Gedanken waren unbegründet. Die beiden schienen ein eingespieltes Team zu sein.
      Das Hinterzimmer, welches sie nun betraten, glich einer wahren Schatzkiste! Es juckte Cassandra in den Fingern einige Dinge anzufassen und zu begutachten, doch sie würde sich wohl damit gedulden müssen. Sie nahm sich jedoch fest vor, dies irgendwann einmal nachzuholen. Sie musste aufpassen nichts umzulaufen, als sie vor lauter Neugierde den Hals reckte um auch wirklich in den letzten Winkel des Zimmers zu spähen.
      Vor der Tür am Ende der Treppe angekommen, blickte Cassie überrascht auf ein kleines Apartment. Es war sauber und ordentlich, hier würde sie es locker aushalten.
      Doch als sie dann durch den Türrahmen gingen, klappte ihr erneut der Mund auf. Was sich vor ihren Augen auftat war mit nichts zu vergleichen, was sie jemals zuvor betreten hatte. Gesehen? Freilich, aber sie selbst war noch nie auf einem derart blanken Boden gelaufen, geschweige denn je in solch einem Haus – oder Anwesen – eingeladen gewesen.
      Dies musste ein mächtiger Zauber sein, wenn er solch Schönheit hinter der Fassade eines gewöhnlichen Apartments verschwinden lassen konnte.
      Sie war versucht die eben zugefallene Türe wieder zu öffnen, nur um erneut einzutreten und zu sehen, ob der Zauber abermals verschwinden würde.
      Doch zu weiteren, derartigen Überlegungen kam der Rotschopf nicht, als sich plötzlich eine seltsam, magere Gestalt vor ihr auftat. Man sollte nicht starren, doch Cas konnte gerade nicht anders. Irgendwie löste die hagere Figur der Frau den Wunsch in ihr aus, ihr Essen zu bringen und zwar ganz viel davon.
      „Molly…“, wiederholte sie den Namen der offensichtlichen Haushälterin. Und wich ein paar Millimeter zurück, als diese ihr unaufgefordert sehr, sehr nahe kam.
      Aber was war dies für eine Gestalt? Die besaß weder Pupillen noch eine normale, menschliche Figur. Von den spitzen Zähnen wollte sie gar nicht erst anfangen. War sie ein Zauberwesen? Eine Mischung aus Mensch und… irgendwas?
      Auf Corrys Hinweise hin nickte sie nur abwesend und blickte dem seltsamen Wesen nach. Unweigerlich stellte sich ihr die Frage, was noch so alles auf sie zukommen würde.
      Wie ferngesteuert folgte sie ihrem Lehrer, nur um sich dann abermals in einem Raum wiederzufinden, der aus der Feder eines Kitsch-Autors hätte stammen können. Bücher, Kamin, Sitzecke, alles da.
      „Keine Kekse“, wiederholte sie, als sie den Kopf in den Nacken legte und die hohen Bücherregale bewunderte. Ob er die alle gelesen hatte? Vermutlich nicht.
      Als das magisch gefüllte Glas auf zauberhafte Weise den Weg zu ihr fand holte sie dies fast wieder zurück in die Wirklichkeit. Abermals überrascht blickte sie auf den Mann, der sich soeben auf dem Sofa niedergelassen hatte, und schüttelte nur verwundert den Kopf. Er war wohl der mächtigste Mann den sie kannte und die Lässigkeit, mit der er auf dem Sofa saß und mit einem Fingerschnippen solche Dinge wirkte, machten ihn überraschend interessant für Cassie. Zu gerne wollte sie ihn schütteln und unaufhörlich mit Fragen löchern.
      Vorsichtig roch sie am Alkohol. Es war kein billiger Fusel und sie sollte diesen wohlbedacht trinken. Sie setzte das Glas an und leerte es auf Ex. Oh Gott brannte dieses Zeug, doch das brauchte sie jetzt. Sie stieß einen tiefen Seufzer aus, ehe sie sich zaghaft auf das teure Mobiliar setzte. Zaghaftigkeit war ihr normalerweise fremd. Sie war weder schüchtern noch vorsichtig. Doch heute war es anders. Sie war schmutzig, ihre Kleidung ebenfalls und sie fühlte sich fast unwürdig hier in diesem Raum – Haus – Anwesen – zu sein. Sie stellte das Glas auf den niedrigen Tisch und wandte sich ihrem Gastgeber zu.
      „Ursprünglich aus Irland.“, fing sie vorsichtig an zu erzählen und zupfte an ihrem roten Haar um diese Aussage zu unterstreichen. „Wir sind hierher ausgewandert und es lief nicht alles so wie geplant.“ Die schmutzigen Details über ihre Kindheit, das Hungern, die Gewalt, dies ließ sie natürlich aus. Niemand brauchte ihre Narben zu kennen, schon gar nicht ein wildfremder Magier.
      „Ich lebe mal hier, mal dort und halte mich mit kleinen Projekten über Wasser.“, ergänzte sie ihre Aussage. „Das Armband…“ Sie überlegte ob sie ihn beinhart anlügen sollte, aber irgendetwas sagte ihr, dass sie dann womöglich seine Gunst verlieren würde. Außerdem war er ein verfluchter Zauberer, wahrscheinlich konnte er sogar ihre Gedanken lesen und sie zu allen Undingen zwingen, die ihm in den Sinn kamen.
      „Ich habe es gestohlen.“, gab sie zu und blickte auf das rote Halstuch hinab. „Von einem fetten Mann mit Halbglatze.“
      Dann riss sie sich wieder los von diesem Gedanken und blickte auf. „Woher kommst du? Wieso können wir Magie wirken? Und…“ Sie deutete auf diesen Raum. „Wenn du so leben kannst, wieso betreibst du dann diesen Laden?“ Er schien reich und mächtig zu sein, womöglich gar nicht auf die Einkünfte seines Geschäftes angewiesen. War es gar ein Hobby?
      inaktiv
    • Corry hatte sich schon gedacht, dass sie das Armband auf weniger legale Weise gefunden hatte. Ihm machte das nichts aus. Wem sollte er das schon melden? Vielleicht hatte sie ja auf abstruse Weise aus Versehen die Welt gerettet? Los würde sie das Ding jetzt eh nicht mehr werden. Zumindest in der nahen Zukunft.
      "Ich komm von hier", antwortete er und machte eine Geste die den Raum beschrieb, "Bin zwei Räume weiter zur Welt gekommen."
      Corry nippte an seinem Glas, während er über die nächste Frage nachdachte. Die war nicht ganz so leicht zu beantworten, auch wenn sich schon viele mit dieser Frage beschäftigt hatten.
      "Meine Magie von meinen Eltern. Die haben es von ihren Eltern und die wiederum von ihren Eltern und so weiter. Woher du deine Magie hast, kann ich dir nicht beantworten. Mindestens ein magisches Elternteil ist nötig, um selbst Magie haben zu können. Normalerweise lässt sich die Macht einer Person von deren Eltern ableiten. Allerdings..."
      Er musterte sein Glas, dann Cassie.
      "Es gibt Ausnahmen. Manchmal überspringt die Magie eine Generation, oder die Umstände sorgen dafür, dass man schlicht nichts von seiner Magie weiß. Aber das kommt außerordentlich selten vor. Noch seltener ist das spontane Auftreten von Magie. Also quasi muggelgeborene Magier, wenn wir bei Harry Potter bleiben wollen. Es wäre hilfreich, den Ursprung deiner Magie zu kennen. Diese Information ist aber nicht notwendig. Wichtiger ist die Art deiner Magie. Theoretisch kann jeder Magier jede Form der Magie erlernen, aber jeder hat auch eine natürliche Begabung. Bei dir ist es Telekinese und damit im weiteren Sinne metaphysische Magie. Dir wird das Hellsehen also leichterfallen, als einen Baum wachsen zu lassen. Nur so als Beispiel. Wie viel du am Ende tatsächlich auf die Reihe bekommst, hängt von deiner inneren Stärke ab. Die kann man zwar trainieren wie einen Muskel, aber auch da gibt es Grenzen."
      Corry seufzte. Wie sollte er ihr das alles nur beibringen? Er war kein Lehrer! Er hatte ja nicht einmal ein Beispiel, an dem er sich orientieren konnte. Er hatte sich alles angelesen und einfach ausprobiert, sehr zum Leidwesen seines Onkels.
      "Normalerseise lernt man Magie so, wie man Laufen lernt. Man kopiert die Eltern und weiß irgendwann einfach, wie es geht. Du wirst dich ein bisschen anstrengen müssen. Aktuell benutzt du viel Magie für wenig Ergebnis. Ziel ist es, wenig Magie für viel Ergebnis einzusetzen. Deine Magie ist nicht unbegrenzt. Stell sie dir wie den Akku eines Smartphones vor. Hängst den ganzen Tag am Bildschirm und spielst ein Spiel mit hoher Grafik, ist der Akku schnell leer. Guckst du aber nur hin und wieder auf die Uhr, kommst du den ganzen Tag damit aus. Ich werd versuchen, dir den Energiesparmodus zu zeigen, wenn du so willst."
      Er leerte das Glas, schnippste und füllte ihrer beider Gläser erneut. Jetzt dachte er über letzte Frage nach. Er schmunzelte.
      "Ich habe das hier geerbt", sagte er und starrte in die dunkelbraune Flüssigkeit in seinem Glas, "Den Laden betreibe ich aus Langeweile und weil ich jemandem etwas beweisen muss. Aber das alles ist Magierpolitik, die dich nicht betrifft. Komzentrier du dich darauf, dass dein Kopf nicht vor Erstaunen platzt und dass dir keine Fliege in den Hals fliegt."
      Die Tür zum Salon ging auf und Molly schwebte herein. Sie stellte zwei große Tabletts auf den Kaffeetisch. Auf dem einen befand sich ein großer Stapel Sandwiches, auf dem anderen ein dampfendes Teeservice. Molly schenkte den Tee ein und verschwand nach einem kleinen Danke seitens Corry wieder - wahrscheinlich um ein Gästezimmer herzurichten, wenn sie das nicht schon getan hatte. Corry schnappte sich zwei der Sandwiches und nahm einen großen Bissen.
      "Hey! Archie!", rief er und warf dem Kater einen Keks aus der Schale von dem Tee-Tablett zu.
      Archimedes fing den Keks, der so groß wie sein Kopf war und sich optisch nicht von einem Chocolate Chip Cookie unterschied, geschickt aus def Luft und machte sich darüber her.
      "Sonst noch Fragen? Ich bin grad in Stimmung."
    • Cassie überschlug ein Bein und beugte sich interessiert weiter vor. Sie stützte einen Ellenbogen auf dem Knie ab und bettete ihr Gesicht in ihre Hand, als sie seinen Ausführungen lauschte.
      Hellsehen, Muggel, ihre Eltern… in Cassies Kopf rasten die Gedanken. Nein, ihre Eltern waren genauso unspektakulär wie ihr Abgang. Sie war sich sicher, dass keiner der beiden je einen Funken Magie in sich gehabt hatte. Woher sie dann also dieses Talent hatte, war ihr unbekannt. Es war zu wenig über ihre Großeltern und Co. bekannt.
      Ein wenig beneidete sie ihren Gastgeber, der einen scheinbar großen Stammbaum aufweisen konnte, bei solch einem Titel und extravaganten Vorstellung.
      Innerlich schwor sie sich, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun würde, um ihre Fähigkeiten zu steigern. Sie war Durchbeißen gewöhnt und fing auch nicht wegen einem abgebrochenen Fingernagel zum Jammern an. Wenn ihr diese Talente auch nur ein wenig helfen konnten, dann würde sie diese gnadenlos ausnutzen. Ein hartes Funkeln trat in ihre Augen.
      Sie verstand seine Erläuterungen gut, er konnte ihr die Dinge anhand normaler Beispiele erklären und stellte sich gar nicht schlecht als Lehrer an. Sie hatte vor, seine Worte wie ein Schwamm aufzusaugen. Außerdem war es ein nettes Nebendetail, dass er nicht von oben herab mit ihr sprach. Normalerweise erntete Cassie wenig Respekt vor ihren Mitmenschen und war es gewöhnt, das man herablassend mit ihr redete.
      Erstaunt blickte sie auf das neu aufgefüllte Glas und nahm sich vor, dieses Mal den Scotch zu genießen. Sie haschte nach dem Glas und nippte daran. Das Brennen war nun angenehm und eine wohlige Wärme breitete sich in ihrem Körper aus. Normalerweise ließ sie die Finger von Alkohol, denn eine betrunkene Straßenkatze war leichte Beute. Doch Corry könnte ihr immer schaden, wenn er es darauf anlegte – betrunken oder nicht.
      Vor Erstaunen platze ihr wirklich bald der Kopf und ihre Verwunderung wurde umso größer, als diese seltsame Frau wieder eintrat. Gütiger Gott sie war ein Engel, denn die Speisen sahen deliziös aus!
      Mit einem fragenden Blick sah sie zu ihrem Gastgeber und nahm sich dann einfach selbst ein Sandwich. Rasch biss sie hinein und musste ein wenig damenhaftes Mmmhmm unterdrücken. Essen war immer wertvoll, egal ob sie Geld hatte oder nicht.
      Er war also in Stimmung Fragen zu beantworten? Nun dies ließ sie sich nicht zweimal sagen. Rasch schluckte sie hinunter und begann einen Teil ihrer elendslangen Fragenliste herunter zu rattern.
      „Was ist in den Keksen? Warum hast du eine dreiäugige Katze? Was ist Molly für ein Wesen? Kann ich selbstständig meine Fähigkeiten trainieren?“ Sie holte nun wieder tief Atem und lehnte sich geschafft zurück auf die bequeme Sitzlandschaft. „Und gibt es eine Misses Corry Rexirgendwie?“ Sie hatte absolut keine Lust auf eine Hausherrin die ihr Dinge unterstellte sie sie nicht vorhatte.
      inaktiv
    • "Mit atmen hast du's nicht so, kann das sein?", entgegnete Corry schmunzelnd, nachdem ihm gleich an ganzer Fragebogen an den Kopf geworfen worden war.
      Während es Cassie ganz offensichtlich eilig mit ihren Fragen hatte, ließ sich der Magier nicht aus der Ruhe bringen. Er nahm erst noch den letzten Bissen seines ersten Sandwiches, bevor er antwortete.
      "Ich hab doch gesagt, dass du nicht wissen willst, was in den Keksen ist. Molly hat so ihre Eigenarten und diese Kekse mögen vielleicht ihr schmecken, Menschen ist von dem Verzehr aber abzuraten. Zumal man niemals Gebäck von einer Fae annehmen sollte, selbst wenn es niedere Fae wie Molly sind."
      Er nahm einen Happen von seinem zweiten Sandwich und beobachtete Archimedes, wie er das letzte Drittel des Kekses in die Luft warf und mit einem Happen verschlang. Für den Bruchteil einer Sekunde war sein Maul größer als es sein sollte, ähnlich einer Schlange, die ihren Kiefer ausrenkte.
      "Archie ist übrigens keine Katze. Er ist ein Wichtel. Zugegeben, einige sind der Meinung, seine Art gehöre zu den niederen Dämonen, aber offiziell ist er ein Wichtel der größeren Ordnung. Warum ich ihn habe? Ich wollte ein Haustier."
      Er zuckte mit den Achseln und warf noch einen Keks in Richtung Vierbeiner.
      "Rexton. Das ist doch gar nicht so schwer. Und nein, es gibt keine Dame des Hauses. Warum auch immer du ausgerechnet das wissen willst. Gib mir wenigstens einen Drink vorher aus."
      Er schüttelte belustigt den Kopf. Seine Aufmerksamkeit wandte sich nun dem Tee zu. Hierbei handelte es sich um ein Glücksspiel. Vorsichtig griff er nach der Tasse und roch daran. Geistig sortierte er die Düfte und kam zu dem Schluss, dass es sich um harmlosen Früchtetee handelte. Mit der Tasse in der Hand, lehnte sich Corry wieder entspannt zurück.
      "Deine Fähigkeiten selbst trainieren? Dir ist schon klar, dass ich dir das nicht einfach wegnehmen, besser machen und wieder zurückgeben kann, oder? Natürlich musst du sie selbstständig trainieren. Ich kann dir zeigen, wie's geht, kann dir die Theorie auf Papier geben, aber machen musst du's schon selbst. Ich rate allerdings davon ab, dich in anderen Disziplinen zu versuchen, ohne angeleitet zu werden. Es passiert sehr leicht, dass man ein Portal öffnet, das nirgendwo hinführt oder etwas anzündet, was man dann nicht mehr löschen kann. Beschränke dich beim Ausprobieren immer auf das, was du kannst oder die nächst höhere Stufe. Du kannst Gegenstände bewegen, das ist einfach. Der nächste Schritt wären Flüssigkeiten, wie ich es die ganze Zeit tue. Zugegeben, ich nutze dafür keine Metaphysik sondern eher Quantenphysik, aber das Prinzip ist das gleiche. Wahlweise erhöhst du das Gewicht beziehungsweise die Größe der Gegenstände, die du bewegst. Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Selbst wenn man sich dabei nur auf das Interessante beschränkt."
      Er deutete mit einer Handbewegung auf die Bücherregale im Raum. Er hatte sie tatsächlich alle gelesen. Nur das, was sein Interesse geweckt hatte, befand sich hier im Raum. Der Rest befand sich in der Bibliothek.
      "Dein Tee wird übrigens kalt."
    • Cassie erwiderte sein Schmunzeln, hatte es doch in der Tat etwas ansteckendes an sich. Sie zuckte auf seinen Kommentar lediglich die Schultern. Die Unruhe und Anspannung, die sie immer in sich fühlte, würde sie so schnell nicht ablegen. War es doch genau das, was sie bisher über die Runden kommen ließe.
      Als sich ihr Gastgeber ihren Fragen zuwandte, nutzte sie ihre Chance um sich ein zweites Stück des herrlichen Mahls zu nehmen.
      Fae? Hatte er Fae gesagt? Irgendwo in ihrem Oberstübchen meinte sie sich an ein Märchen erinnern zu können, indem von Fae die Rede gewesen war. Aber diese waren klein und voller Schabernack gewesen, ganz anders als Molly. Hm… sie verwechselte da ganz sicher wieder etwas.
      Aber ja, vor den Keksen würde sie sich in Acht nehmen und lieber selbst welche kaufen… oder besorgen. In die Küche durfte sie ja auch nicht. Ha, als hätte sie gewusst wie man kocht! Innerlich lachte sie sich selbst aus.
      Ihr Blick aus rotbraunen Augen folgte seinem und langsam aber sicher musste sie damit aufhören so verblüfft zu sein. Scheinbar war es hier ganz normal, dass Katzen ihre Mäuler ausrenken konnten!
      Aber wenn sie seinen nächsten Worten Glauben schenken durfte – und sie hatte keine Annahme dies nicht zu tun – dann handelte es sich hierbei also um einen Wichtel Schrägstich Haustier.
      Was dann folgte war eine Litanei über das Trainieren ihrer Fähigkeiten, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Zynismus. Sie fischte sich schnell die wichtigsten Wörter heraus – Keywords wenn man so wollte – und nickte. Ja, schwere Gegenstände, Flüssigkeiten, keine Portale, kein Feuer, in Ordnung, das sollte ihr nicht allzu schwerfallen. Hoffte sie jedenfalls.
      Während sie nun nach seiner mittelhöflichen Aufforderung ihren Tee nahm, folgte sie seiner Geste und warf den Blick auf die Bücher.
      Sie konnte zum Glück lesen, denn in jener Zeit ihrer Kindheit war noch alles in Ordnung gewesen. Einige Zeit lang hatte sie sich schwer damit getan, vor allem in den rebellischen Teenagerjahren, doch seit ihr bewusst war, wie wichtig Wissen wirklich sei, hatte sie alles gelesen was ihr in die Finger gekommen war.
      „Ich dachte die Drinks hätten wir schon.“, antwortete sie auf seine vorige Floskel hin und deutete auf ihr Glas Scotch, welches sie im Austausch für den Tee wieder abgestellt hatte.
      Dann jedoch wurde sie wieder ernst. „Darf ich in deinen Büchern lesen?“, fragte sie. Sie würde fast nichts in diesem Haus ohne Erlaubnis anfassen. Molly, Archimedes aber vor allem er waren ihr dann doch ein wenig zu unheimlich um hier gar etwas mitgehen zu lassen. Sie wusste noch nicht wie weit Magie tatsächlich reichen würde und bevor sie sich nicht ein wenig mehr Wissen angeeignet hatte, würde sie nichts tun was ihr Freiticket irgendwie gefährden konnte.
      „Und was ist eine Fae?“, fragte sie zum Schluss. „Irgendwas mit… Fee und?“
      inaktiv