war between heaven and hell. [Marien & Fenris.]

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    • war between heaven and hell. [Marien & Fenris.]

      @Marien

      |Vorstellung.


      Griechenland; Nikea, in der Nähe von Athen.

      Es war bereits nachts, als meine Tränen endlich versiegten. Das Schnarchen meines Vaters war schon lange durch die dünnen Wände unserer Hütte zu hören und auch mein Bruder war sicherlich schon längst eingeschlafen. Seit ein paar Tagen war mein Schicksal besiegelt und mein zukünftiges Leben war ohne mein Zutun bestimmt worden - ich würde einen Mann heiraten. Inkorpius Helias hieß der Mann, der mein Gemahl werden sollte. Ich hatte ihn gestern kennen gelernt und feststellen müssen, dass mein zukünftiges Leben sicherlich schlimmer werden würde als ein Lieben in der Unterwelt höchstpersönlich, denn mein zukünftiger Gatte war ein Schwein sondergleichen. Er war dicklich, hatte schütteres Haar und war - was am aller schlimmsten war - ungehobelt und arrogant. Es gab kein Fünkchen Ehrlichkeit oder Schönheit an ihm, sowohl innerlich als auch äußerlich. Schon allein bei dem Gedanken an ihn schüttelte es mich. Und mit diesem Mann sollte ich den Rest meines Lebens verbringen?
      Bei Odin, dieser Gedanke war unerträglich. Doch natürlich hatte ich meinen Vater nicht umstimmen können, denn es ging ums Geld. Zwar waren wir noch nie bettelarm gewesen, doch seit unsere Mutter gestorben war und da mein Bruder noch nicht alt genug zum Arbeiten war, war das Leben auch nicht unbedingt einfach gewesen. Des öfteren musste ich meinem Vater in der Schmiede aushelfen, da ihm die Arbeiter fehlten. Und da kam ihm der Beutel voller Gold, dem ihm Inkorpius für meine Hand und mein Leben gegeben hatte, nur gelegen.
      Ich konnte ihm es nicht einmal übel nehmen, denn nach meinem Gespräch mit ihm war mir bewusst, dass er überzeugt war, dass er all das für mich tat, Für uns. Er war der Überzeugung, mit diesem Mann würde mein Leben besser werden - und an seinem Blick konnte ich erkennen, dass es nichts gab, dass ihn von seiner Entscheidung abbringen konnte. Also hatte ich resigneirt geschwiegen. Und doch konte ich mich meinem Schicksal nicht ergeben - nicht mit dem Wissen, dass ich niemals mehr glücklich werden würde.
      und nicht mit dem Wissen, von dem, was ich in meinen Händen hielt.
      Schweigend sah ich hinab zu der Rolle pergamentpapier, die sich in meinen Händen befand. Das war der andere grund, warum ich nicht einfach diese Familie hinter mir lassen würde - denn bald würde sich ein für alle Mal alles verändern. Nicht nur hatte mein Vater mich verkauft; nein, mein Bruder sollte auch als Rekrut eingezogen wurde. Mein Bruder...ein Junge von gerade mal 11 Jahren. Er war noch grün hinter den Ohren und besuchte noch die Schule. Zudem hatte er ein Herz aus Gold und war ein Freund von Mensch und TIer. Wie sollte ein Kind wie er eine Waffe halten und damit auch noch anderen Schmerzen zufügen?
      Ich schüttelte den Kopf und die Tränen stiegen erneut in meinen Augen auf. Eine weile lang lag ich still da....dann kam sie mir. Die Idee meines Lebens. Die verrückteste und zugleich genialste Idee meines Lebens.

      Hastig, aber so leise wie möglich stand ich auf und packte meine Sachen zsuammen. Mein Nachthemd tauschte ich gegen ein band, dass meine Brüste verdeckte, eine Hose und ein Weites Oberteil, dass meine Figur ein wenig versteckte. Zu meinem Glück war ich nie ein zartes Ding gewesen, dass aussah, als würde es bei jeder Berührung zerbrechen, also sollte ich keine Probleme haben.
      Meine schulterlangen Haare band ich zu einem hohen Zopf zusammen, wie es zum Glück ebenfalls viele Männer trugen. Dann riskierte ich einen Blick in den Spiegel...ja, ich könnte definitiv als Mann durchgehen. Glücklicherweise hatte ich nur teilweise die Schönheit meiner mutter geerbt. Also würde ich es tun - ich würde anstelle meines Bruders in den Krieg zeihen. Denn noch unerträglicher als der Gedanke, selbst ein Leben lang unglücklich zu sein, war der Gedanke, meinen Bruder unglücklich zu sehen..und das wäre er, wenn er derjenige sein würde, der dem Land als Soldat dienen sollte. Das konnte ud wollte ich nicht zulassen.
      Mein Entschluss stand fest - und mit diesen Gedanken im Kopf und meinem Gespräch auf dem Rücken stieg ich auf unser einziges Pferd. Ich entschuldigte mich geistig bei meiner Familie und verabschiedete mich; einen Brief hinterließ ich jedoch nicht. Sie sollten mich schließlic weder suchen, noch finden.Dann ritt ich los - mehrere Stunden ritt ich, bis das Akropolis hoch vor mir aufragte. Erst dann legte ich mich zum Schlafen hin.
      Der Sonnenschein weckte mich am Morgen und ich stieg erneut auf den Rücken meines Rappen, um die letzten Meter zu dem Außenlager der Armee zu überwinden. Je näher ich kam, desto lauter wurden die kampfschreie. Die Eindrücke drohten mich zu überwältigen, doch ich riss mich zusammen. Als ein Offizier mich nach meinem Brief fragte, überreichte ich ihm die Pergamentrolle.
      "Odysseus Fotakis also. Du bist spät. Nunja, wie auch immer. Du bist der Gruppe 8 zugeteilt. Zenon ist dein Ausbilder. Du solltest dich glücklich und geehrt fühlen, von ihm ausgebildet zu werden. Wegtreten." Er überreichte mir wieder meine Pergamentrolle, nachdem er meinen Namen abgehakt hatte.
      "Danke." Mehr wusste ich nicht zu sagen, vorallem, da es mir noch schwer fiel, in der tieferen Stimme zu reden, um wie ein Mann zu klingen..und auch weil ich ziemlich baff war von dem, was ich gerade erfahren hatte. Zenon...von diesem Namen hatte ich bereist gehört. Er war der Sohn Athenes und ein Halbgott. Ich hatte bereits gehört, dass er ebenfalls ein Teil der Armee war, die gegen die Krieger der Unterwelt kämpfen sollte..aber gerade dieser Mann war Teil meiner Abteilung und zudem noch mein Anführer? Der Mann erklärte mir den Weg zu Gruppe 8, die Nahe der Klippen am Rande des Lagers trainierten. Mein Pferd stellte ich zu den anderen des Lagers, bevor ich mich auf den Weg dorthin machte; tausende Gedanken im Kopf. Als ich dort ankam, spürte ich mehrere Augenpaare auf mich und mein Blickfeld richtete sich auf einen großen Mann mit unmenschlich weißen Haar. Ich schluckte meine Unsicherheit runter und näherte mich ihm.
      Wie sollte man mit einem Halbgott sprechen?
      "...Hallo." Ich räusperte mich, als ich bemerkte, dass meine Stimme immernoch ein klein wenig zu hoch und zu weich war. "Hier." Ich überreichte ihm die Pergamentrolle, in der sowohl mein Name, mein Geburtsort und andere wichtige Informationen über mich standen.
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    • Zenon

      Griechenland;Athen


      „Nicht so. Du beziehst deine Kraft viel zu sehr aus den Armen. Du musst deinen ganzen Körper einsetzen und vor allem auch deine Beine arbeiten lassen“, erklärte ich zum gefühlt hundertsten Mal am heutigen Tag, während ich mein eigenes Schwert zog, um meinem Lehrling die perfekte Kampfhaltung zu zeigen. „Geh etwas mehr in die Knie und bring die Beine weiter auseinander. Das sollte dein Gleichgewicht stabilisieren und du kannst deine gesamte Kraft besser in deine Klinge leiten.“
      Der junge Mann beobachtete mich eingehend, während ich einen langsamen und anschaulichen Hieb mit meiner Waffe vollführte. Dann tat er es mir gleich.
      „Viel besser“, stellte ich zufrieden fest. „Und das machst du jetzt solange, bis es dir in Fleisch und Blut übergegangen ist.“
      Er nickte nur und führte dann sein Training fort. Ich hingegen wanderte weiter durch die Reihen der dutzenden Männer. Jeder mit einer Klinge in der Hand übten sie sich an einfachen Schwerthieben. Einige hatten allerdings schon Probleme damit, überhaupt ein Schwert halten zukönnen, weswegen ich immer wieder auf einzelne von ihnen zuging und wertvolle Tipps verteilte. Jedoch änderte das nichts daran, dass ein Großteil von ihnen blutiger Anfänger waren, deren kämpferisches Talent beinahe im Minusbereich anzusiedeln war. Das war nicht weiter verwunderlich, immerhin hatte Athen, oder besser gesagt ganz Griechenland, die letzten Jahrzehnte im Frieden gelebt. Es hatte also keinen Grund gegeben, Männer für die Schlacht auszubilden und auch die allgemeine Armee war stark zusammengeschrumpft. Ich befürchtete, dass sich Hades genau aus diesem Grund genau jetzt für einen Angriff entschieden hatte. Er wusste, dass er gegen den Olymp keine Chancen hätte, aber sollte er die Menschheit angreifen und am Ende beinahe auslöschen, würde es auch die Götter schwächen, die Macht durch die Gebete der Sterblichen gewannen. Da die Götter auf der Erde selbst nicht eingreifen durften, entsandte man mich, um den Menschen beizustehen und um schwache Bauern zu starken Kriegern auszubilden. Dabei wusste leider niemand, wann genau Hades seinen Plan in die Tat umsetzen würde, doch laut den göttlichen Spähern, dürfte es noch einige Wochen dauern, bevor er eine funktionstüchtige Armee zusammengestellt hatte. Ich unterdrückte ein Seufzen, während ich meinen Blick über die Männer schweifen ließ. Das hier würde auch noch einige Wochen in Anspruch nehmen.
      „Lass die Schwertspitze nicht soweit nach unten sinken, sonst verlagert sich das Gewicht falsch und du kannst keinen vernünftigen Schlag durchführen.“ Leitend legte ich meine auf den Schwertgriff des nächsten jungen Mannes. „So ist es besser, außerdem lässt du mit deinem Schwert auch deine Verteidigung sinken, also halte es stets erhoben.“
      „Vielen Dank, Hauptmann!“, meinte der Junge begeistert und führte direkt den nächsten Trainingsschlag durch.
      Leider war nicht jeder so motiviert wie er. Die meisten dieser Männer wurden zwangsläufig eingezogen und mussten ohne Vorwarnung Land und Familie verlassen, wodurch dass Haus zum Teil ihren einzigen Mann verlor und damit in der Regel auch den Hauptverdiener. Natürlich waren sie unzufrieden mit dieser Situation und ich konnte ihren Zorn verstehen. Aber Mitleid schenkte ich ihnen dennoch keines. Dieser Krieg war wichtiger als das Leben eines Einzelnen, außerdem hatte ich bisher jeden meiner Lehrlinge zu einem guten Kämpfer ausbilden können. Bei diesen hier würde es nicht anders sein.
      Das Training lief noch einige Zeit weiter unter seiner Aufsicht. Immer wieder verteilte ich Tipps und trieb die Unmotivierten zur Anstrengung an. Sobald sie mir direkt gegenüberstanden brachten sie sowieso keine Widerworte mehr heraus.
      Gerade zog ich mich etwas aus der Truppe zurück, um einen groben Überblick zu gewinnen, als ein junger Mann auf unsere Gruppe zuhielt und mir wenig später eine Pergamentrolle entgegenhielt. Kurz überflog ich die darauf festgehaltenen Zeilen und musterte dann wieder den Jungen vor mir. Die meisten Männer aus meiner Truppe waren noch recht jung, aber mit diesen weichen Gesichtszügen wirkte dieser gerade einmal wie 14 oder 15. Nicht einmal den Ansatz eines Bartes konnte ich erkennen. „Wie alt bist du, Junge?“, fragte ich frei heraus und ließ meinen Blick weiter über ihn wandern. Sonderlich kräftig schien er auch nicht, ob er überhaupt ein Schwert halten könnte? Natürlich hatte ich deswegen noch lange nicht vor, ihn sanfter zu behandeln als den Rest. Ganz im Gegenteil, dieser Junge würde wahrscheinlich mehr Training benötigen als alle anderen. Doch zuerst wollte ich herausfinden, was für ein Fundament er mir bieten konnte. „Odysseus Fotakis aus Nikea“, las ich vor. „Deine Familie besitzt also eine Schmiede?“ In mir erwachte etwas Hoffnung. „Hast du schon einmal ein Schwert gehalten und es eventuell sogar geschwungen?“ Natürlich waren Schmieden nicht nur für die Herstellung Waffen verantwortlich, aber da Nikea nah Athen lag, bestand zumindest die kleine Möglichkeit, dass die Fokatis-Familie auch Waffen für die Armee schmiedete. Auch wenn die Aufträge in letzte Zeit stark geschrumpft sein müssten.
      Kurzerhand griff ich zu dem Waffenständer neben mir und hielt Odysseus im nächsten Moment ein Schwert entgegen. „Zeig mir, was du damit anstellen kannst.“ Letztendlich zog ich meine eigene Klinge und brachte mich in Verteidigungsposition. Ein Ritual, dass ich mit jedem neuen Rekruten durchführte, um ihr Potential ermessen zu können. Danach könnte ich ihnen ein individuelles Training anpassen.
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Ohje, Ohje, da war er, der Halbgott höchstpersönlich. Ich wusste nicht, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, aber sein Aussehen war ganz..anders. Er sah zugleich sehr menschlich aus und doch gab es da etwas an ihm, dass einen klar werden ließ, dass er nicht von dieser Welt sein konnte.
      Als er direkt vor mir stand und mich auch noch eingehend musterte, musste ich alles in mir zusammen reißen, mich nicht zu sehr anzuspannen und mich nicht auf den Boden zu legen um in diesem zu verschwinden. Ich hatte das Gefühl, er sah direkt durch mich hindurch. Oh gott, Gleich würde er mich als Frau entlarven und köpfen llassen! Oder nein, er würde diesen Job gleich einfach selbst erledigen, damit es schneller ging. Innerlich atmete ich mehrmals tief durch um meine rasenden Gedanken zu beruhigen. Seine Frage machte meinen Chaos-Zustand jedoch bei weitem nicht besser.
      Oh bei Odin, wie alt war mein Bruder noch einmal? In meiner Panik war es so, als hätte man mir mein Gehirn entrissen.
      "11, bald 12, Sir..Hauptmann.", entgegnete ich dann aber und versuchte diesmal ein wenig tiefer zu klingen - noch nicht ganz natürlich, aber gar nicht übel für den Anfang. In dieser Situation war ich wahrhaftig dankbar für das junge Alter meines Bruders, denn dies erklärte immerhin meine fehlende Bartbehaarung, meine noch nicht existente tiefe Stimme - der Stimmbruch war noch nicht da - und auch sonst meine etwas schmächtige Erscheinung. Zu meinem Glück war ich wenigstens nicht allzu klein und auch nicht zu grazil. Als Frau hatte ich mich deswegen manchmal etwas geschämt, aber in diesem Moment war ich wirklich dankbar dafür.
      Die nächste Fragen kam auch sogleich hintehrer, doch diese waren um einiges einfacher zu beantworten, denn in diesem Thema konnte ich glänzen."Ja, haben wir. Wir stellen unter anderem Hufeisen, Werkzeuge, aber auch Waffen her. Schwerter gehalten habe ich schon viele Male, doch geschwungen habe ich sie nie."

      Immerhin in dem Punkt konnte ich ein paar Pluspunkte machhen, wenn ich schon so genug Minuspunkte machte mit meinen nicht existenten Muskeln und den nicht gerade breiten Schultern. Andererseits war es ein Kampf gegen ungewisse Kräfte; gegen Kämpfer der Unterwelt. Das sie meinen Bruder überhaupt eingezogen hatte, war ein offensichtlicher Beweis dafür, dass sie alles nahmen, was sie kriegen konnten. Wäre die Obrigkeit nicht ganz so verklemmt, hätten sie vermutlich auch Frauen eingezogen.
      Mit klopfenden Herzen sah ich dem Schwert entgegen, dass er mir im nächsten Moment plötzlich hinhielt. Was ich damit anstellen könnte? "Ich könnte es ihnen schleifen.", entfuhr es mir, ehe mir einfiel, dass das wohl nicht das war, was er wollte. Ups...Da war ich noch zu sehr in der Rolle der Schmeidetochter und nicht des Soldaten. Aber immerhin hatte ich nur das geäußert, wozu ich eben fähig war und danach hatte er gefragt. Dank meiner Arbeit in der Schmiede nahm ich das Schwert gekonnt in die Hand und fiel trotz des Gewichtes nicht nach vorne, obwohl es schwer in meiner Hand lag.
      Meine Augen fokusierten den Halbgott vor mir..den Halbgott..den ich angreifen sollte. Dieser Gedanke war so unwirklich, dass ich für einen kleinen Moment innehielt, mich aber schnell wieder fasste. Ich ging in die Angriffsposition, soweit bekam ich das ganz gut hin. Doch dann holte ich zum Schlag aus - und das war der Punkt, wo es schief ging. Denn Gleichgewicht war weder mein Ding, noch war es das Kämpfen. Und somit landete das Schwert direkt zwischen den Beinen des Mannes im Boden und ich mit dem Gesicht direkt neben ihm ebenso darin. Für einen Moment lag ich erlegen da und sinnierte über mein Schicksal nach, ehe ich mich dann aber aufrichtete.
      "Nicht besonders viel..."; kommentierte ich mein eigenes Verhalten, wobei ich das eher leise und zu mir selbst sagte, während ich mich aufrichtete und mir den Schmutz von dem Gesicht wischte.
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    • Zenon

      Er war gerade einmal 11 Jahre alt? Damit war er auch der jüngste innerhalb dieser Truppe, aber es war gut möglich, dass noch weitere nach ihm folgen würden. Immerhin hatte man mit dem Rekrutieren in diesem Land erst angefangen. Eigentlich fand ich es keinesfalls richtig, Kinder in den Krieg zu schicken, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten. Aber harte Zeiten erforderten harte Maßnahmen, dem musste selbst ich mich fügen.
      Meine Hoffnung wuchs, als er mir berichtete, schon häufiger ein Schwert in Händen gehalten zu haben. Damit war er den meisten anderen hier weit voraus.
      Seine Antwort, als ich ihm wenig später die Waffe entgegenhielt, ließ mich zunächst die Stirn etwas kraus ziehen. Letztendlich brachte ich allerdings ein schmales und doch amüsiertes Lächeln zustande. Er schien von der ehrlichen Sorte Mensch zu sein und sprach aus, was ihm durch den Kopf ging. Eine Eigenschaft, die ich begrüßte, auch wenn sie ihm später eventuell Probleme machen könnte. „Das ist gut zu wissen“, erwiderte ich letztendlich schmunzelnd und begutachtete einen Moment später seine Kampfhaltung. Fürs erste definitiv nicht schlecht. Trotz seiner zierlichen und schwachen Statur konnte er mit dem Gewicht der Klinge umgehen und hielt sein Gleichgewicht.
      Doch kaum holte er zum Schlag aus, brach seine Form zusammen. Es war offensichtlich, dass er noch nie versucht hatte, ein Schwert zu schwingen. Natürlich verlagerte sich das Gewicht der Klinge mit jeder Bewegung anders und vor allem wenn sie Schwung bekam, konnte das einen aus dem eigenen Gleichgewicht bringen. Erst recht wenn man seinen Körper versteifte, die Ellenbogen zu früh streckte und seine Beine ruckartig öffnete, wahrscheinlich in der Hoffnung, so mehr Kraft in den Schlag überleiten zu können. Ich rührte mich keinen Millimeter, während ich redlich enttäuscht beobachtete, wie Oddysseus vor mir im Dreck landete. Sein Schwert wäre unmöglich in der Lage gewesen, mich jemals zu erreichen.
      Ich verkniff mir ein Seufzen, während ich meine schwarze Klinge zurück in seine Scheide schob und dem Jungen dann meine Hand reichte, um ihm aufzuhelfen. „Du musst lernen dich mehr mit dem Schwert zu bewegen, anstatt dich wie ein Nasser Sack hinterher ziehen zu lassen.“ Mit einer beiläufigen Bewegung zog ich das Trainingsschwert aus dem Boden und hielt es ihm erneut entgegen. „Dein Stand am Anfang war bereits sehr gut, aber du solltest ihn auch während des Schlages aufrecht erhalten und deinen Körper dennoch elastisch halten. Du hast deine Knie und Ellenbogen zu früh geöffnet und dein Gleichgewicht damit aufgegeben, bevor du den Schlag beenden konntest.“ Ich versuchte ansatzweise seine Bewegung nachzuahmen. „Wenn du versuchst mit ausgestreckten Armen einen Angriff auszuführen, wird es dir unmöglich, die dabei entstehende Energie abzufangen. Du darfst deine Ellenbogen wirklich erst am Ende des Schlages öffnen und gleichzeitig schon wieder damit beginnen, sie zu beugen. So kannst du dich schneller auf einen neuen Hieb vorbereiten und gleichzeitig fängst du das Gewicht der Klinge besser ab.“ Mit langsamen Bewegungen zeigte ich ihm, was ich meinte. „Dafür muss man nicht unbedingt stark sein, es braucht nur das richtige Timing und Körperspannung. Außerdem...“ Langsam schritt ich hinter ihn und zog seine Schultern zurück. „Halte deinen Oberkörper gerade und lass die Schultern nicht hängen, ansonsten hast du keine Chance gegen das Gewicht des Schwertes.“
      Mit einem kurzen Ruck schob ich ihn zu den restlichen Truppmitgliedern, welche den Kleinen mit einem leichten schelmischen Grinsen musterten. Offensichtlich hatte die Darbietung von eben sie amüsiert. Dabei waren die meisten von ihnen kein Stück besser. „Zunächst wirst du versuchen deinen Angriffsschlag zu verbessern, ich werde deinen Fortschritt begutachten.“ Mein Blick schweifte über die grinsenden Männer. „Dasselbe gilt für euch!“, ließ ich laut und deutlich verkünden.
      Sofort verstummte das leise Kichern in den hintersten Reihen. „Jawohl, Hauptmann!“, ertönte es im Chor und das Training nahm wieder seinen Lauf.
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Das...hätte wirklich besser laufen können. Zwar hatte ich keine großen Erwartungen gehabt an mich selbst, aber mit meinem grundlegenden Versagen und dem bodentiefen Festnäpfchen, in das ich gerade metaphorisch hinein gefallen, war es gleichbedeutend, als hätte Hephaistos persönlich mich verflucht. Ja, als hätte er mir verboten, mit Waffen umgehen zu können!
      Mit gesenkten Blick wartete ich auf meine Abreibung. Wie hoch die Strafe wohl war? Bekam man gleich zu Anfangs Peitschenschläge? Musste man mithilfe seines Blutes einen Aufsatz schreiben? Was auch immer es war - ich würde es ertragen. Es war immernoch tausendmal besser, ich die Vorstellung, mir meinen kleinen Bruder in dem gleichen Szenario vorzustellen. Auch ohne ihn anzusehen, konnte ich an den metallischen Geräuschen erkennen, dass der Halbgott seine Klinge wegsteckte und mich damit wohl aufgegeben hatte.
      Meine Augen weiteten sich jedoch überrascht, als eine Hand in meinem Sichtfeld erschien und sah langsam zu ihm nach oben. Also...doch kein Aufsatz mit meinem eigenen Blut? Ich zögerte nur einen kleinen Augenblick, ehe ich seine Hand ergriff und mir aufhelfen ließ, wobei mir leider in der Situation auffiel, wie groß und stark seine Hand gegenüber meiner wirkte. Zum Glück hielt er mich noch für ein kleines Kind, dementsprechend würde er was das anging zglücklicherweise keinen Verdacht schöpfen.
      Aufmerksam lauschte ich seinen Hinweisen, die mir sicherlich weiterhelfen würden. Nasser Sack...autsch.Traurig, aber leider wahr.
      "Verstanden. Ich werde das gleich versuchen.", gab ich zurück und meinte das vollkommen ernst. Ich war nicht hierher gekommen, um Spielchen zu treiben oder mir die Zeit zu vertreiben. Wenn ich mich miserabel schlagen würde, würde ich einiges an Aufmerksamkeit erregen..-wie man jetzt bereits sehen konnte - und das wollte ich um jeden Preis vermeiden, denn dann würde vielleicht doch jemand auffallen, dass meine Gesichtszüge etwas zu filigran waren oder meine Arme doch etwas zu schmal waren.
      Dementsprechend nahm ich sofort das trainingsschwert hingegen, als mein neuer 'Meister' - ich musste mir noch überlegen, wie ich ihn nennen würde - mir dieses entgegen hielt und stellte mich wieder in Angriffposition.
      Mein Blick war auf den Bewegungen des viel zu attraktiven Mannes vor mir gerichtet, doch ich versuchte mich nur auf seine mir nachahmenden Bewegungen zu konzentrieren, was mir einigermaßen gelang. Als er mir vormachte, wie man es stattdessen richtig machte, versuchte ich es vorerst mit langsamen Bewegungen und wenig Kraft nachzumachen, um das richtige Gefühl dafür zu bekommen. Währenddessen konzentrierte ich mich auf meinen Körper, wobei mir nicht entging, wie er hinter mich schritt. Als seine Hände sich dann auch noch auf meine Schultern legte und mich zurecht zog, benötigte ich all meine Kraft, dabei ruhig zu bleiben. Ich spürte seine körperwärme durch mein Oberteil, jedoch ließ ich mich ohne Widerreden zurecht drücken von ihm.
      "In Ordnung, danke."; gab ich zurück und ließ mich auch zu dem Rest der Gruppe drücken, don deren Blicke ich jeden einzelnen spürte. Ohja, das hatte ihnen gefallen, was? Der Neuling, der sich gleich mal zum Affen machte..Ich konnte es ihm nichtmal verübeln. Womit ich nicht gerechnet hatte war, wie schnell der Hauptmann die Truppe wieder unter Kontrolle machte. Dabei war gleichbedeutend, ob er das für mich tat, aber ich war ihm trotzdem sehr dankbar. Außerdem zeigte es, dass er bereits den vollen Respekt von allen hier hatte und das wiederum bedeutete, dass er ein guter Anführer war. Ich versuchte mein schlagendes Herz zu beruhigen, atmete einmal tief durch und wiederholte dann unzählige Mal im langsamen Tempo, was mir Zenon gezeigt hatte. Graduell begann ich, das tempo zu erhöhen und Kraft hinzuzugeben. Zu anfangs legte ich mich leider trotzdem mehrere Male nochmal flach, doch je mehr ich übte, desto seltener wurde das. Ich war so konzentriert darauf, dass ich nichts anderes mehr wahrnahm, außer meinen eigenen Bewegungen.
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    • Zenon


      Zu meiner positiven Überraschung saugte Odysseus all die Informationen, die ich ihm gab auf wie ein Schwamm. An seinem Blick, der mich eingehend fixierte, konnte ich erkennen, dass er das hier ernst meinte und sich im Training bemühen würde. Sofort begann er mit den Übungsschlägen, zuerst nur langsam, aber er würde sich schon noch steigern. Natürlich klappte es nicht von Anfang an, dennoch hielt ich mich vorerst heraus. Ich hatte ihm eine Grundlage geliefert, an der er nur noch arbeiten musste, dabei sollte er selbst herausfinden können, wie und wo er sich verbessern müsste. Er brauchte einfach etwas mehr Routine.
      Schließlich lief ich wieder durch die restlichen Reihen der frischen Soldaten. Zwar hatten sich die meisten von ihnen über den jungen Neuankömmling lustig gemacht, dabei waren die wenigsten auch nur einen Hauch besser. Somit war ich wieder an den verschiedensten Stellen damit beschäftigt, Haltungen zu verbessern und Tipps zu geben. Auf diese Art und Weise mochten etwa zwei Stunden vergangen sein, bevor ich wieder bei Odysseus angelangte.
      „Sehr gut“, lobte ich nickend. „Du machst bereits Fortschritte.“ Auch wenn ich seiner Kleidung genau ansehen konnte, dass ihn das Gewicht des Schwertes noch weitere Male auf den Boden gezogen haben musste. Nachdenklich rieb ich mir über das Kinn. „Dennoch glaube ich, dass es am besten wäre, wenn du dich neben dem normalen Langschwert noch auf eine kleinere Waffe konzentrierst, die letztendlich zu deinerHauptwaffe werden sollte.“ Ich nickte und stimmte damit praktisch meinem eigenen Vorschlag zu. Zuerst sollte der Junge seine Kräfte und Technik mit dem normalen Trainingsschwert aufbauen. Danach wäre es ein Leichtes, ihm eine kleinere Klinge in die Hände zu legen. Seine geringe Körpergröße mochte auf den ersten Blick als Nachteil erscheinen. Wenn es mir allerdings gelang, ihm gutes Geschick und Geschwindigkeit beizubringen, konnte eben dieser kleine Körper seine größte Stärke werden.
      Ich hatte meinen Beschluss gefasst und richtete mich gerade auf, um den ganzen Trupp überblicken zu können, bevor ich einmal tief einatmete und dann meine Stimme erhob: „Das war es fürs erste, Männer! Gönnt euch eine Pause, in einer Stunde sehe ich jeden zurück auf dem Platz.“
      Ein eintöniges und erschöpftes Murmeln war die Antwort, bevor sich die Reihen auflösten und ein jeder sich auf den Weg zu den Zeltlagern machte. Bevor Odysseus ihnen jedoch folgen konnte, hielt ich ihn auf. „Du bleibst noch ein wenig hier, immerhin bist du heute erst späte rins Training eingestiegen und hast noch am meisten aufzuholen.“ Vielleicht mochte das harsch klingen, vor allem, da er für solch einen mageren Jungen schon reichlich viel Arbeit verrichtet hatte. Allerdings benötigte er eben aus diesem Grund soviel Training wie möglich. Zuerst musste ich seine Ausdauer und Muskeln aufbauen, danach könnte ich umso mehr an seiner Technik arbeiten.
      „Ich möchte zehn fehlerfreie Hiebe an einem Stück sehen. Erst wenn dir das gelungen ist, lasse ich auch dich ebenfalls zu den Lagern aufbrechen. Und solltest du länger als eine Stunde benötigen wirst du ohne Pause in die zweite Runde einsteigen müssen.“ Ich wusste, dass er absolut erschöpft sein musste. Umso mehr Antrieb wollte ich für ihn schaffen, sich selbst aus dieser Lage zu befreien. Ich musste diese Männer so schnell wie möglich in Form bringen, dass würde natürlich nicht leicht werden, weder für mich, noch für meine Lehrlinge. Und eben diese Erkenntnis sollte der junge Odysseus so schnel wie möglich erlangen. Auch wenn er noch ein Kind sein mochte, für Mitleid hatte ich einfach keine Zeit.
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.


      So vertieft in meinen eigenen Bemühungen wäre ich beinahe über meine Füße gestolpert, als ich plötzlich eine mächtige Stimme neben mir hörte. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr ich mich in meinem Training verloren hatte und das faszinierendste daran war, dass ich es gar nicht als so übel empfunden hatte. Ich hatte geglaubt, dass hier würde eine große Last werden, aber tatsächlich machte es mir sogar Spaß - körperliche Arbeit war mir am Ende nie zuwider gewesen und ich hatte meinem Vater gern in seiner Schmiede geholfen, aber niemals hatte ich geglaubt, dass es mit dem hier ähnlich sein würde. Natürlich sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben, aber ich war trotzdem überrascht, wie sehr ich mich schon im ersten Moment geirrt hate.
      "Vielen Dank, ich werde mich bemühen, auch weiterhin Fortschritte zu machen.", gab ich zurück und konnte nicht verhindern, dass sich ein kurzes Lächeln auf meine Lippen stahl. Das dies natürlich aber nicht so einfach werden würde, war leider ebenso wenig zu verhindern.
      "Eine kleinere Waffe?", wiederholte ich jedoch vorerst und versuchte mir mich selbst mit einr dolchartigen Waffe in der Hand vorzustellen. Tatsächlich war es einfacher mir das vorzustellen als mit einem gewöhnlichen Langwert wie diesen hier. Vorallem wenn ich daran dachte, dass ich zusätzlich vermutlich auch noch ein Schild in der anderen Hand tragen müsste...allein schon bei dem Gedanken grollte es mir, denn allein mit dem Schwert in der Hand war ich oft genug noch überfordert. "das hört sich gut an. Ich glaube, für mich wäre das doch passender.", stimmte ich zu, ehe ich mich dann jedoch wieder auf das Training fokusierte.

      Wie jedoch zu erwarten, lief das Training anschließend nicht mehr ganz so erfolgreich, denn je länger ich tainierte, desto mehr meiner Kraft verlor ich ..und desto schwerer wurde es das Schwert aufrecht zu erhalten. Doch ich war stolz, dass ich solange durchhhielt und den ein oder anderen Fortschritt konnte ich doch noch erkennen, auch wenn es nur geringe waren. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, als der Halbgott und Ausbilder die erlösenden Worte von sich gab und das Training für heute beendete...für alle anderen zumindest.
      Ich erstarrte für einen Moment, als er mich noch einmal persönlich ansprach. Für einen winzigen Augenblick glaubte ich, er hätte doch einen Verdacht geschöpft, weswegen ich kurz erleichtert war, als es dann doch nur um 10 fehlerfreie Hiebe ging...dann wurde mir diese Aussage erst richtig bewusst. Meine Augen weiteten sich. 10...fehlerfreie...Hiebe. Ich schluckte hart, als mir die Schwere dieser Worte bewusst wurde. "Ich...In Ordnung." Am Ende gab es keinen Grund zu widersprechen. Es war wohl auch nur fair, da ich immerhin verspätet eingetroffen war und demzufolge viel nachzuholen hatte. Und am Ende stand immernoch mein Ausbilder und immernoch Halbgott vor mir - was hatte ich als menschlicher Rekrut da zu widersprechen?
      Mit einem innerlichen Seufzen hob ich das Schwert erneut an, auch wenn ich mittlerweile ein Zittern in meinen armen spürte, jedes Mal, wenn ich das tat. Ich machte mich also an die Arbeit. Schlag für Schlag; Hieb für Hieb. Immer mal wieder gelang mir ein fehlerfreier Schlag, doch in einer Stunde war es an einer Hand abzuzählen. Nach den vielen Stunden körperlicher Anstrengung war mein Körper dreckig, von Schwieß überströmt und voller Kratzer. Meine Hände waren mit Blasen überströmt, andere Stellen waren aufgerissen. Mein Atem ging schwer und unregelmäßig und ich fühlte mich völlig erschöpft. Und trotzdem...machte ich weiter. Denn wenn mich meine Mutter eine Sache gelehrt hatte bevor sie gestorben war, dann war es, nie aufzugeben.
      Und das tat ich auch nicht. "Ich...bin noch nicht..fertig."; gab ich von mir, als es eigentlich Zeit war, eine Pause einzulegen, die mir jedoch sowieso nicht gestattet wäre. Doch das war auch besser so.. Denn ich war mir sicher, wenn ich jetzt eine Pause machen würde, dann würde ich nicht mehr aufstehen. Also fuhr ich fort. Egal wie sehr meine Beine beim stehen zitterten; meine Arme vom halten des schweren Metalls; ich machte weiter. - Fast eine weitere Stunde schweißtreibender Anstrengung - jedoch mit Erfolg. Ich schaffte es schließlich, insgesamt 11 fehlerfreie Hiebe an einem Stück zu erledigen. "Odin sei Dank....", murmelte ich leise.
      Nachdem ich endlich mein Ziel erreicht hatte, ließ ich das Schwert fallen und lehnte mich kurzerhand gegen den Baumstamm neben mir, ehe ich mich daran runter gleiten ließ, denn gerade konnten mich meine Beine keine einzige weitere Sekunde halten.
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      Arms as strong as the wind
      Dressed ready to kill
      Head in the clouds but feet on the ground
      With you it's all safe and sound

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    • Zenon


      Zunächst schien er absolut verzweifelt. Einen Moment lang glaubte ich sogar, dass er widersprechen wollte, doch letztendlich fügte er sich. Es war nicht zu übersehen, dass seine Arme beziehungsweise sein gesamter Körper schmerzen musste und unter der Anstrengung ächzte. Alles andere hätte mich auch schwer gewundert. Tatsächlich war ich sogar etwas beeindruckt, dass er trotz seines zierlichen und schwachen Körpers schon so lange durchgehalten hatte. Offensichtlich hatte die Arbeit in der Schmiede seine Ausdauer stärker ausprägt als zunächst angenommen, was mich definitiv positiv überraschte.
      Geduldig und ausdruckslos beobachtete ich den Jungen dabei, wie er sich mit jedem einzelnen Schlag aufs Neue abmühte. Auch wenn er kaum einen vollendeten und perfekten Hieb zustande brachte, war deutlich zu erkennen, dass er sich sogar in den wenigen Stunden Training schon deutlich verbessert hatte. Das bewies allein der Umstand, dass er trotz seiner Erschöpfung, immer noch den einen oder anderen guten Schlag vollbrachte.
      Selbst als er jeden Augenblick zusammenzubrechen schien, machte ich keine Anstalten ihm zu helfen oder das Training abzubrechen. So lange er noch nicht aufgegeben hatte, würde ich ihn dazu auch nicht ermutigen. Ich machte diesen Test mit ihm nicht nur, um seinen Fortschritt zu bewerten, sondern um den Kampfgeist des Jungen zu analysieren und dieser war stärker, als ich es mir je hätte wünschen können. So huschte ein flüchtiges Lächeln über meine Lippen, als er sich selbst immer weiter antrieb und einfach nicht aufgeben wollte.
      Es dürfte mittlerweile eine ganze weitere Stunde vergangen sein, bis Odysseus die Aufgabe endlich erfüllte. Kaum hatte er das Ziel erreicht, ließ er die Klinge allerdings auch schon kraftlos in den schlammige nBoden fallen und sank auch selbst an einem naheliegenden Baum hinab.
      Hatte ich seine Bemühungen bis eben noch ungerührt beobachtet, zeigte ich ihm nun ein deutliches Lächeln und beugte mich zu ihm hinab. Dabei beförderte ich ein weißes Stofftuch aus meiner Hosentasche, griff im nächsten Moment nach seinen Händen und tupfte dann das Blut von deren Innenflächen. „Du warst gut“, lobte ich, ohne meinen Blick von seinen wunden Handflächen zu heben. „Du bist nicht der erste, den ich diesem Test unterziehe und neben dir haben ihn auch schon viele andere bestanden, einige sogar ohne große Mühe. Allerdings bist du der Erste, der sich trotz absoluter Schmerzen und starker Erschöpfung weiter gequält hat, egal wie unmöglich die Aufgabe auch erscheinen mochte.“ Nachdem das gröbste Blut von seinen Händen verschwunden war, blickte ich wieder zu ihm auf. „Da du bestanden hast, erlaube ich dir, dich für den restlichen Tag auszuruhen, außerdem müssen deine Verletzungen dringend gereinigt und desinfiziert werden. Sie mögen zwar nicht tief sein, aber vorallem diese Blasen bieten ein hohes Infektionsrisiko.“ Ich nickte zu seinen Händen und erhob mich dann wieder. „Kannst du selbst zum Lager laufen, oder brauchst du Hilfe?“, erkundigte ich mich, mit Blick auf seine zitternde Beine. „Ich werde veranlassen, dass man dir eine Koje vorbereitet und etwas heißes Badewasser besorgt. Ich möchte dich morgen erholt wieder auf dem Platz sehen, vor allem da dann erst das richtige Training für dich beginnen wird.“
      Ich wendete mich von ihm ab und zog in einer mühelosen Bewegung das Trainingsschwert aus dem Schlamm, um es daraufhin an seinen originalen Platz zurückzustellen. Danach wendete ich mich wieder an den Jungen, um zu sehen, ob er es alleine zum Lager schaffen würde, oder ob ich ihn eventuell stützen, wenn nicht gar tragen müsste.
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Als sich das Lächeln auf dem Gesicht meines Ausbilders zeigte, glaubte ich tatsächlich für einen Moment, kurz einen imaginären lichtstrahl zu sehen, der sich über seinen haupt auftrat und dieses beleuchtete. Für einen kurzen Moment kam er mir mehr wie ein Engel vor als wie ein Halbgott, als er sich zu mir 'niederen Kreatur' herabbeugte und mit seinem eigenen Taschentuc das Blut von meinen Händen tupfte. Kurz zuckte ich bei der Berührung zurück, als ein scharfer Schmerz meine Hände durchfuhr, ehe ich dann aber brav still hielt. Für eine Sekunde huschte der Gedanke durch meinem Kopf, dass ihm auffallen könnte, wie filigran und klein meine Hände in seinen wirkten - denn das taten sie wirklich - aber dann verwarf mein müdes Gehirn den Gedanken.
      Am Ende konnte ich mir nicht jede einzelne Sekunde Angst darüber machen, entdeckt zu werden. Würde ich soweiter machen, würde ich nie Schlaf finden und wenn, dann nur von Albträumen geplagt sein. Und das wiederum wrüde sich rapide auf meine Leistung auswirken, die sowieso schon mehr als mangelhaft war.
      Die weitere Worte meines Ausbilders gingen herunter wie Öl und trotz aller Schmerzen und Antrengung lächelte ich zufrieden auf seine Worte und konnte nicht verhindern, ein wenig Stolz zu verspüren. Als unerfahrene Frau augenscheinlich später eingeknickt zu sein als einige Männer verpasste meinem Ego doch einen kleinen Schub.
      "Vielen Dank, Hauptmann.", sagte ich. Auch wenn noch viel Arbeit vor mir lag war es doch ermutigend, gleich am ersten Tag wenigstens einen kleinen erfolg erlebt zu haben - und das war nur ihm zu verdanken. Seiner guten Vorführung, seiner Strenge, aber auch sein Ehrgeiz, der sich mit meinem verbunden hatte.

      Die Vorstellung hilfe auf dem Rückweg zu bekommen war hilflos, aber am Ende war dabei das Risiko doch zu hoch, dass er meinen zu schmalen Körper in seinen Armen für verdächtig hielt - oder zumindest war ich noch nicht genug an meinen Zustand gewöhnt, um mir nicht immer um solche Sachen sorgen zu machen.
      "Nein danke, ich komme alleine zurecht."
      Mit der letzten Kraft, die mein Körper noch besaß, drückte ich mich vom Boden abb und stand schließlichh auf. Das Zittern meienr Beine ignorierte ich getrost. Seine letzten Worte waren zugleich er- wie auch entmutigend. Morgen also die gleiche Tortour oder gar schlimmeres...naja, das war wohl das Leben eines Soldaten, der in den Krieg gegen unsterbliche Gegner zog, was?
      Ich neigte noch einmal kurz meinen Kopf zum Abschluss. "Bis morgen. Ich wünsche ihnen eine gute Nacht, Hauptmann." Ich zwang mich dazu, einen Schritt von den anderen zu amchen, vorallem, weil ich seinen Blick noch in meinem Nacken sprüte. Erst als ich weit genug war, dass er mich nicht mehr sehen konnte, lehnte ich mich gegen einen Baum um mich schwer atmend für einen Moment auszuruhen.
      Das würden harte Tage...Wochen werden - aber der Gedanke, dass mein kleiner Bruder stattdessen hier wäre, brachte mich dazu, mich wieder vom Baum abzudrücken und weiter zu laufen.
      Im Camp angekommen erlitt ich einen kleinen Schock. Alle Soldaten der verschiedenen Divisonen waren hier untergebracht. Es gab viele Gruppenzelte, um Platz zu sparen und um ein neues war ich froh, zu spät gekommen zu sein, denn aufgrund dessen hatte ich das Glück, in einem Zelt eingeteilt zu werden, in dem nur 3 andere Soldaten derzeit schliefen. Glücklicherweise hatte sich jeder aufgrund des Luxus ein eigenes kleines Eck in dem Zelt gegönnt und ich hatte das vierte, freie Eck erhalten. So hatte ich genügend Distanz zu den anderen und zumindest ein wenig Privatsphäre.
      Meine Wunden wurden von einem der ausgebildeten ärzte, die hier stationiert waren, gereinigt. Es brannte, aber ich wusste, dass es nötig war, denn noch schlimmer wäre es, wenn sie sich entzünden würden. Mir wurden die Regeln des Camps erklärt, ehe ich mein heißes Wasser erhielt. Mein Blick fiel auf die großen waschstationen, in denen ich bereist mehr nackte, männliche Haut sah als ich bis jetzt in meinem ganzen Leben gesehen hatte. Ich drehte mich weg, um meine geröteten Wangen zu verstecken und auch, weil ich mich ganz sicher nicht dort waschen würde. vorsichtig stahl ich mich damit etwas von der Gruppe davon. Zwischen Büschen, nahe des nahe gelegenen Flusses, etwa 20 Schritte vom camp entfernt, fand ich einen passenden, Blickfdichten Platz, in dem ich mich rasch entkleidete und mir das Waser übergoss.
      Ein wohliges Seufzen entkam meinen Lippen, als das warme Wasser über meinen schmerzenden Körper streichelte.
      "Habt ihr das gehört?"
      "Ja, klang wie eine Frau."
      Ich hielt abrupt die Luft an, als ich Schritte näherkommen hörte. Krabbbelnd flüchtete ich vor ihnen und atmete erleichtert durch, als ich sie abgewimmelt hatte. Schnell verband ich meine Brust wieder und zog mich an, um anschließend schnell in mein Bett zu flüchten.

      Was für ein langer Tag..Am nächsten Morgen erwachte ich von einem Lauten gang, der mich aus dem Bett fallen ließ. Aus diesem Grund und aufgrund gestriger vorkomnisse wurde ich zu einer Art "Clown" abgestempelt. Schnell klopfte man mir auf den Rücken beim Essen, woran ich mich verschluckte - was mir nur noch mehr Lachen einbrachte.
      Toll fand ich es nicht, aber es war besser sie lachten mich aus, als sie schlossen mich aus. Wobei ich so mehr aufpassen musste, dass keiner Verdacht schöpfte..Meine Wunden waren nicht verheilt, aber geschlossen. So oder so würden sie nach dem heutigen Training wieder bluten; das war mir jetzt schon klar.
      Pünktlich um Punkt 8 standen wir gestriegelt udn angezogen wieder auf dem Platz, auf dem ich gestern noch mein abendliches Spezialtraining haben würde - und irgendwie hatte ich das dunkle Gefühl, dass ich das noch öfter haben würde.
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    • Zenon


      Ich nickte nur stumm, als er meine Hilfe abschlug. Offensichtlich war er sich etwas zu stolz, um meine Unterstützung anzunehmen und so lange er nicht komplett zusammenbrach, würde ich ihm diese auch nicht aufdrängen. Auf dem Schlachtfeld könnte ihm schließlich auch keiner helfen.
      Dennoch blickte ich ihm noch ein wenig hinterher, wie er wacklig und vorsichtig zu den Zeltlagern aufbrach. Ehrgeiz hatte er für sein Alter auf jede Fall zur Genüge und vielleicht würde er mit diesem auch seinen enormen Rückstand den anderen gegenüber aufholen können. Offenbar schaffte es Odysseus unbeschadet zu den Lagern, weswegen ich mich von ihm abwendete und mich lieber meinen eigenen Dingen widmete. Während der Ausbildung kam ich leider nur schwerlich dazu, auch an meinen eigenen Techniken zu trainieren, was ich daher stets jeden Morgen und Abend nachholte.
      Also platzierte ich mich in der Mitte des Plateaus und zog Kóptis aus seiner Scheide, bevor ich mir einen imaginären Gegner vor dem inneren Auge erweckte. Es folgte ein langer und schweißgetränkter Schattenkampf, bei dem keiner die Oberhand gewann. Erst als die Sonne schon lange hinter dem Horizont verschwunden war, ließ ich das Schwert wieder sinken und fuhr mir etwas erschöpft durch die Haare. Es war Zeit, mich ins Lager zurückzuziehen.
      In meinem Zelt, welches ich als Hauptmann alleine bezog, hatte man mir eine kleine Wanne mit sauberen Wasser bereit gestellt. Wie jeden Abend war dieses allerdings schon lange kalt, als ich eintraf. Es störte mich nicht. Ohne Hast schälte ich mich aus meinen dreckige nund verschwitzten Kleidern bevor ich mich mit einem einfachen Stofflappen abwusch. Tatsächlich fand ich das kalte Wasser auf meinen angespannten Muskeln sogar sehr angenehm, weswegen ich mich wohl niemals darüber beschweren würde. Zuletzt zog ich mir eine einfache Unterhose über und legte mich schlafen. Der morgige Tag würde früh beginnen und auch ein Halbgott verfügte nicht über unendlich viel Energie.

      Noch lange vor dem ersten Gong war ich schon wieder zurück auf dem Platz. Mein Morgentraining fiel deutlich kürzer aus, als das am Abend. Zur Erwärmung war es jedoch mehr als ausreichend.
      Pünktlich auf die Minute erschienen meine Lehrlinge, alles andere würde ich auch nicht gestatten. Ich überflog die Truppe und fand Odysseus schnell wieder. Scheinbar hatte man seine Hände vernünftig behandelt und verbunden. Auch wenn man dem Jungen die gestrigen Anstrengungen genau ansehen konnte, wirkte er vernünftig ausgeruht. Also gäbe es wie gestern keinen Grund, schonend mit ihm umzugehen.
      „Alle auf ihren Platz“, verlangte ich streng. Einer bereits eingespielten Routine folgend, griff sich ein jeder ein Trainingsschwert und brachte sich dann auf Position. „Ihr kennt das Spiel“, ließ ich laut vernehmen. „Jeder übt an seinen Hieben und heute will ich endlich Fortschritte sehen. Außerdem habe ich für heute Nachmittag ein neues Training für euch geplant.“ Wie gewöhnlich schritt ich wieder durch die Reihen, erteilte Tipps und zeigte Fehler auf. Die Männer wurden besser, doch der Weg war noch weit. „Heute werdet ihr alle zum ersten Mal eure zukünftigen Rüstungen anlegen dürfen.“ Hier und da konnte ich strahlende Gesichter ausmachen. „Und dann werdet ihr darin ein paar Runden ums Lager rennen.“ Sofort kippte die Stimmung wieder. „Ihr werdet lernen müssen, euch auch in kompletter Panzerung gut zu bewegen, außerdem lässt die Ausdauer von einigen von euch noch stark zu wünschen übrig.“ Zum Teil ertönte unglückliches Raunen zwischen den Männern. Ich ignorierte es einfach und schritt auf Odysseus. „Für dich muss erst noch eine Rüstung angepasst werden“, erklärte ich. „Deswegen wirst du, während die anderen laufen gehen, weiter an deiner Technik feilen. natürlich unter meiner Aufsicht.“
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Es dauerte nicht lange, bis auch Zenon in unser Gesichtsfeld trat und eine kleine, Knappe Ansprache hielt. Dabei musste ich schnell wieder feststellen, dass ich ein Neuling war, denn die besagte 'Routine' die der Halbgott ansprach, war mir nicht bekannt. Allen anderen hingegen schon - Körper links, rechts, vor und hinter mir setzten sich zielstrebig in Bewegung.
      Aufmerksam sah ich den größtenteils ebenfalls sehr jungen Männern dabei zu, wie sie sich ihre Trainingsschwerter aus den Halterungen an den Wänden zogen und sich dann wieder an ihren Platz zurück stellten, um ihr Training zu beginnen. Für einige Momente sah ich ihnen wortlos zu, ehe ich meinen ächzenden Körper ebenso zu den Halterungen bewegte. Es schien als würde jeder meiner Muskeln bei jeder Bewegung 'Ah!' schreien, doch trotzdem bewegte ich mich weiter. Mein Vater hatte mich mal gelernt:'Wenn du Schmerzen hast, musst du ihnen mit Schmerzen begegnen'
      Auch sein Beruf als Schmied war mit vielen Blasen, Schnitten und Verbrennungen verbunden, doch trotz allem war er jeden Morgen wieder aufgestanden und hattte sich in seine schmiede begeben. Und somit nahm auch ich wieder das Trainingsschwert in die hand und kehrte an meinen Platz zurück, um dann nach einigen weiteren Beobachtungen das nachzumachen, was die Männer um mich herum taten - oder zumindest versuchte ich es. Noch immer fehlte es mir an Können und Finesse, sowie an Kraft, aber ich versuchte mein Bestes.

      Doch mein Bestes war...naja, immernoch ziemlich grottig. Doch ich hielt durch. Genau wie alle anderen Männer um mich herum übte ich an meinen Hieben - da ich zumindest nun besser wusste, wie ich das Schwert überhaupt halten musste, ging es zumindest etwas einfacher.
      Wie gestern verschwand ich nach einer Zeit aber so in meiner Konzentration, dass ich nciht smehr anderes wahrnahm. Erst als Zenon erneut seine Stimme erhob und etwas von 'Rüstungen' sprach, sah ich auf, gleichermaßen aufgeregt wie etwas besorgt. Ich und eine Rüstung - ich konnte ja noch nichtmal mein Schwert halten. Ich betete zu Odin, dass es auc leichte Rüstungen für schmächtige 'Jungs' wie mich gab. mein Körper spannte sich reflexartig an, als ich sah, wie der Halbgott in meine Richtung schritt - ich setzte ein Pokerface auf und fokusierte mich wieder auf mein Training.
      Ich hielt nicht in meiner Bewegung inne, aber ich sah aus dem Augenwinkel herüber, um zu zeigen, dass ich ihn gesehen hatte. "Verstanden, Hauptmann."; antwortete ich und unterdrückte ein erleichtertes Seufzen. Also heute noch keine schwere Rüstung - gut so. Ich musste erst ein paar mehr Muskeln aufbauen, damit ich die Rüstung plus die Waffe zusammen stemmen konnte.

      Ich konzentrierte mich auf mein Training, dass ich genau wie alle anderen vollführte, bevor diese sich dan auf dem Weg machten, ihre Rüstung anzulegen. Alleine blieb ich zurück und gönnte mir einige Minuten Pausen, denn das ganze Training zerrte an meinen kaum vorhandenen Kräften. Trotzdem nahm ich schließlich mein Trainingsschwert erneut in die Hand und begann, mein Training fortzusetzen. Erneut kam Zenon auf mich zu, um mein Training zu begutachten.
      "Wann werde ich meine Rüstung erhalten?", frage ich dann aber doch neugierig, denn am Ende war mein Vater ein Schmied - auch Rüstungen hatten wir in unsrer Schmiede hergestellt. Ich hatte sie schon immer für schön empfunden; eine Kunst für sich. Natürlich waren Schwerter das ebenso, aber die Tatsache, dass man Rüstungen für jeden einzelnen Körper eigens anpassen musste, fand ich faszinierend.
      "Ich bin was den Hieb angeht schon viel sicherer, aber mein Stand scheint immernoch nicht optimal zu sein.", erklärte ich und stellte mich zur Unterteichung hin, um besagten Hieb durchzuführen. Heute Abend würde ich erneut wie tot ins Bett fallen und schlafen dafür, dass ich mich derartig verausgabte, aber wenn ich nunmal etwas tat, wollte ich es auch richtig machen, weswegen ich ihn um Hilfe bat.
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    • Zenon

      Das Training lief noch eine Zeit lang in gewohnten Bahnen weiter, bis ich den Männern schließlich das Signal gab, mich zu dem Rüstungsplatz zu begleiten. Odysseus allerdings blieb - wie befohlen - zurück, wobei ihm eine Pause gestattet war.
      Es brauchte seine Zeit, bevor ein jeder in seiner Rüstung steckte. Hier und da waren laut den verantwortlichen Schmieden wohl noch Ausbesserungen nötig, aber im Großen und Ganzen gefiel mir, was ich sah. „Okay, Männer!“, zog ich die Aufmerksamkeit wieder auf mich. „Ihr wisst was die Aufgabe ist und versucht erst gar nicht, das Training schleifen zulassen.“ Wie auf Kommando stellte sich im selben Moment ein ebenso gerüsteter Krieger neben mich. Er war etwa einen halben Kopf kleiner als ich, dafür aber beinahe zehn Jahre älter und absolut muskulös. „Kommandant Jukkan wird euer Training begutachten und das Tempo vorgeben.“ Bei diesen Worten wendete ich mich an den stattlichen Krieger durch dessen Helm man sein mit Narben überzogenes Gesicht erkennen konnte. „Danke, dass du einspringst.“
      „Ist ja nicht das erste Mal“, teilte er grinsend mit, bevor er mir heiter auf die Schulter klopfte. Dann richtete er sich an den Ausbildungstrupp. „Okay, Jungs. Lasst uns keine weitere Zeit vergeuden. Marsch!“ Sofort setzte er sich an die Front der Männer und setzte einen zügigen Rhytmus an. Eine Horde grummelnder Halbstarker folgte ihm, während ich mich zufrieden wieder auf den Rückweg machte.
      Zu meiner Verwunderung hatte Odysseus seine Pause bereits beendet und widmete sich bereits erneut seinem Training. Zwar machte er noch immer zahlreiche Fehler, aber der Fortschritt zu gestern war deutlich zu erkennen. Außerdem schien er mehr Motivation und Ernergie an den tag zu legen als all meine anderen Lehrlinge.
      „Heute Abend wird einer unserer Schmiede deine Maße nehmen und dann eine Rüstung für dich anpassen. In spätestens zwei Tagen sollte sie fertig sein, eventuell auch schon morgen Nachmittag.“ Ich konnte es mir nicht verkneifen, den Jungen dabei etwas zweifelnd zu mustern. Ob er unter dem Gewicht der Rüstung am Ende vielleicht zusammenbrechen würde? Vielleicht sollte ich mit dem Schmied sprechen, ob er das Metall etwas dünner gestalten könnte und vielleicht mehr auf Bewegungsfreiraum statt auf übermäßigen Schlagschutz achtete. Wenn sich der Junge in seiner Rüstung nicht bewegen konnte, wäre er leichte Beute. Außerdem würde eine leichte Panzerung auch eher zu dem Kurzschwert passen, das ich für ihn in Planung hatte. „Vielleicht dauert es auch etwas länger“, meinte ich irgendwann etwas gedankenverloren. Es war mein Ziel aus jedem meiner Soldaten das Beste herauszuholen und Odysseus war niemand, der mit Stärke auftrumpfen könnte, aber dafür vielleicht mit Schnelligkeit und Geschick.
      Erst als er mich auf seine Technik ansprach musterte ich ihn wieder genauer und konnte seinen Fehler sofort erkennen. „Deine Beine stehen zu eng“, stellte ich fest. „Außerdem solltest du lernen, wie du dein Gewicht bei jedem einzelnen Schlag zu verlagern hast.“ Ich zog mein eigenes Schwert hervor. „Im Kampf wirst du nicht den Luxus erleben, nur aus einer Richtung attackieren zu können. Du musst deine Knie etwas mehr lockern und einen festen und gleichzeitig flexiblen Stand haben.“ Zur Anschauung brachte ich mich in Position und federte etwas mit den Beinen auf und ab. „Solltest du einen Schlag von rechts nach links ausführen, ist es am besten das linke Beim vorn zuhaben, um den Hieb besser abzufedern.“ Demonstrativ führte ich den Schlag aus und verharrte mit ausgestreckten Armen. „In dieser Position würde es allerdings zu lange dauern die Arme den ganzen Weg zurück über die rechte Schulter zu ziehen, außerdem bietest du dem Gegner eine Chance zum Gegenangriff, also...“ Mit einem flüchtigen Sprung wechselte ich meinen Stand, so das sich nun mein rechtes Bein vor dem linken befand. Zur gleichen Zeit bewegten sich meine Arme weiter und holten zu einem Schlag von links aus, bevor ich ihn auch schon durchführte. Alles versuchte ich möglichst langsam zugestalten, damit es Odysseus möglich wäre, meine Bewegungen zu verinnerlichen und zu begreifen. „Dein Stand darf niemals schwächeln, aber auch niemals zu steif werden. Du musst jederzeit schnell deine Position ändern oder vor dem Feind wegspringen können. Und sollte es dir gelingen deinen Gegner vor dir her zutreibe, dann versuche ihm mit großen Schritten zu folgen, so dass der originale Abstand zwischen deinen Füßen bestehen bleibt. Achte dabei stets darauf, aus welcher Richtung du schlägst.“
      Herausfordernd positionierte ich mich vor ihm und hob meine Klinge zur Verteidigung. „Zeig mir, ob du verstanden hast.“
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Die anderen wurden von einem erfahrerenen Krieger trainiert, während der Halbgott dazu überging, mir weiterhin Anweisungen zu geben und meine Kampftechniken zu verbessern. Es war eine große Ehre, von ihm persönlich ein Spezialtraining zu bekommen, was ein Grund mehr für mich war, mich bei diesem anzustrengen. Nur leider hatte ich immernoch meinen weiblichen, schwächen Körper - und damit meine Grenzen. Es würde einige Zeit dauern, bis ich nicht jeden Abend wie eine Tote ins bett fallen würde, da war ich mir vollkommen sicher.
      Und trotzdem lauschte ich aufmerksam den Anweisungen des Hauptmannes, als dieser mir erneut dabei half, meine Haltung zu korrigieren. Es war schwer, die verschiedenen Ratschläge, die auf mich einprasselten, zu folgen, doch es half mir, als Zenon sich ebenso in Kampfstellung begab und es mir vormachte. Es war faszinierend zu sehen, wie spielend leicht er das alles aussehen ließ und ich konnte nicht anders, als ihn einen Moment bestaunend anzusehen. Aber was sollte man anderes von einem Halbgott erwarten?
      Wir konnten wirklich von Glück reden, dass uns die Götter ihn geschickt hatten, um uns zu unterstützen, wenn sie schon nicht selbst dazu fähig waren, die Erde zu betreten.

      Deswegen bemühte ich mich schließlich, nachdem ich mich selbst wieder aus den Gedanken gerissen hatte, seinem Beispiel zu folgen. Leider klappte es natürlich nicht so wie erhofft und von seiner Eleganz und Stärke war ich auch noch weit entfernt. Trotzdem hörte ich nich tauf, es zu probieren. Wie gestern trainierten wir in den Abend hinein - bis die Sonne sich verabschiedete und vom Mond und Sternen abgelöst wurde.
      So ging es weiter, jeden Tag, die nächsten Tage. Manchmal schaffte ich es gerade noch so ans Bett - nichtmal aufs Bett - bevor ich
      in einen tiefen, erholsamen Schlaf fiel. Ich konnte wirkilch froh sein, dass meine Zeltgenossen nicht die Schlausten - oder Aufmerksamsten - zu sein schienen, denn ich wurde nach wie vor immernoch nicht entdeckt, obwohl mir hier und dort ein Missgeschick passiert war. Mal hatte ich vergessen, meine Brüste abzubinden, mal hatte ich vergessen morgens meine Haare zu einem Zopf zu binden, mal hatte ich vergessen meine Stimme zu verstellen...trotz allem hatte noch keiner Verdacht geschöpft, Gott sei dank!

      Das Training klappte auch immer besser. Zwar fiel ich wie gesagt jeden Abend scheintot ins Bett, jedoch kam das natürlch davon, dass ich tagsüber mein bestes gegeben hatte. Auch wenn das Schwert mir immernoch zu schwer in den Händen lag, konnte ich das Gewicht mittlerweile besser ausbalancieren. Meine Schläge waren nicht mehhr so zaghaft und wackelig. Und allen in allem verbesserte sich vorallem meine Kondition. In den ersten Tagen hatten sich alle ziemlich über mich lustig gemacht, hier und da gerne geschubst doch nach und nach kam ich in der Runde an und wurde akzeptiert. Ich war eben der 'Kleine', das 'Nesthäkchen', aber sie benutzten diese und ähnliche Bezeichnungen auf liebevolle Art und Weise.
      Es war Freitag, als ich von der Feier erfuhr, die morgen stattfinden würde - eine allgemeine Willkommensfeier und auch Kennenlernfeier, da nun endlichh alle angekommen und sich eingelebt hatten.
      Und so kam es, dass wir am Samstag nur morgens trainierten, ehe wir Mittags schon Die festlichkeits-Vorbereitungen begannen. Wir stellten Tische und Bänke zu einer riesigen Tafel, holten Geschier aus dem Lager auf den großen Platz auf dem wir normalerweise trainierten, während einige eingeteilt waren zum Kochen. Ein Händler kam mit einem großen Wagen, gefüllltvon Alkohol, dass die angehenden Soldaten aufgröhlen ließ erfreut. Einige von uns waren in der Küche eingeteilt worden und sollen kochen.
      Da ich beim aufbauen bereits viel geholfen hatte, aber auch erschöpft davon war, machte ich mcih auf in die Küche udn erfuhr, dass sie dort auch ncoh Aushilfen gebrauchen konnten, weswegen ich mich gleich an die Arbeit machte, Fleisch, Gemüse und anderes zu schneiden, damit Spieße, ein Auflauf und viele andere Köstlichkeiten gekocht werden konnten.
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    • Zenon

      Die folgenden Tage verliefen alle auf ähnliche Art und Weise. Jeden Tag begann das Training für meine Rekruten und für mich erneut und so langsam konnte ich bei ihnen allen die Fortschritte erkennen. Endlich waren die Grundtechniken bei ihnen in Fleisch und Blut übergegangen und ich musste nicht mehr jedem Einzelnen Hinweise erteilen, wie er seine Beine und Arme zu bewegen hatte. So verlagerte sich das Training auch weiter auf Ausdauer und Geschwindigkeit. Und für mich war die Zeit gekommen, die einzelnen Talente meiner Schüler herauszufiltern und zu fördern.
      Auch Odysseus war deutlich besser mit dem Schwert geworden. Es war noch immer eindeutig, dass die Klinge ein enormes Gewicht für seine dünnen Arme bedeutete, aber dank meiner Tipps hatte er Wege gefunden, dieses vernünftig zu verteilen. Seine Rüstung hatte man auch nach meinen Vorstellungen geformt. Das Metall war dünner geschlagen und größere Lücken zwischen den einzelnen Bestandteilen erlaubten einen guten Bewegungsspielraum. Natürlich gäbe es dadurch auch mehr Angriffsflächen, aber ich würde dem Jungen schon noch beibringen tödlichen Schlägen geschickt auszuweichen. Tatsächlich hegte ich größere Erwartungen an den Kleinen, als zunächst erwartet.
      Bald schon neigte sich die Woche dem Ende entgegen und einige der anderen Hauptmänner schlugen vor eine Feier zu veranstalten. Immerhin wären endlich alle Truppen vollständig gefüllt und die Lehrlinge hatten allesamt hart und gut trainiert, was ihnen entlohnt werden sollte. Ich hatte nichts gegen diese Idee, schließlich wusste niemand, wann wir das nächste Mal ein solches Fest veranstalten könnten. Außerdem würden am Ende der kommenden Schlacht nicht mehr alle Männer anwesend sein können.
      Am folgenden Samstag beendete ich das morgendliche Training das Trupps daher etwas eher, damit sie bei den Vorbereitungen der Festivitäten helfen konnten. Ich selbst hielt mich natürlich auch nicht herausund packte tatkräftig mit an.
      Als alles an seinem Platz stand wanderte ich etwas auf dem Gelände herum und kontrollierte alles auf seine Richtigkeit. Zuletzt führte mich mein Weg in die Küche, in welcher reges Treiben herrschte. Auch Odysseus hatte seine Hilfe hier angeboten, dabei war er zuvor noch tatkräftig beim Festaufbau dabei gewesen. Für sein Alter und Größe wies er definitiv mehr Kraft und Ausdauer auf, als erwartet. Dennoch war nicht zu übersehen, dass er unglaublich erschöpft dreinblickte. Kein Wunder. Zwar hatte er große Fortschritte im Kampftraining gemacht, allerdings hatte er sich zu diesem Zweck mehr anstrengen müssen als alle anderen, was schlicht mit seiner Kraft zu tun hatte. Das er trotzdem so gut mithielt, war eindeutig seinem ausgeprägten Ehrgeiz zu verdanken.
      Langsam schritt ich auf ihn zu und stellte mich letztendlich neben ihn auf, um dem Jungen beim Schneiden der Zutaten zu helfen.
      „Du solltest dir eine Pause gönnen“, meinte ich wenige Minuten später. „Es ist nicht mehr viel zu tun und einige der Männer haben sich schon entspannt um das Lagerfeuer verteilt, du kannst dich ihnen gerne anschließen.“ Ich wendete meinen Blick von dem Brett vor mir ab und legte ihn auf den zierlichen Jungen. „Du hast gute Arbeit geleistet und der heutige Abend ist auch dazu gedacht, dies zu feiern.“ Ein sanftes Lächeln legte sich auf meine Lippen und verdrängte den sonst so strengen Ausdruck. „Ich kümmere mich um den Rest.“
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Ich sah überrascht auf, als es gerade Zenon, der Halbgott und mein Ausbilder, war, der mich daran erinnerte, mir eine Pause zu gönnen. Damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet und für einen Moment war ich unentschlossen; hin und her gerissen dazwischen mich zu bedanken und ihm zu widersprechen. Im Training hatte ich bis jetzt noch nicht besonders glänzen können und Zenon hatte immer ein besonderes Auge auf mich haben müssen, trotz meiner großen verbesserungen. Eigentlich wollte ich unbedingt wenigstens bei den vorbereitungen für das Fest etwas leisten, gleichzeitig spürte ich aber die Müdigkeit und Schmerzen in meinen Knochen, weil ich durchaus schon einiges geleistet hatte. Das sanfte lächeln auf Zenons Lippen ließ meine Augen kurz weiten - noch nie hatte ich sein Gesicht so weich gesehen. Und zugleich brachte gerade seine Güte mich dazu, dass mir die Entscheidung noch schwerer fiel.
      Ich biss mir auf die Unterlippe, während ich mit mir rang, ehe dann ein anderer Gedanke in meinen Kopf poppte, der mich letzten Endes dazu brachte, mich dochh recht rasch zu entscheiden. Ich machte eine angedeutete Verbeugung. "Habt vielen Dank. Bis heute Abend, Hauptmann."
      Mit disen Worten verschwand ich, jedoch icht zum lagerfeuer sondern ins Lager. Ich nutzte die überschüssige, freie Zeit, von der wir nur wenig hatten, um mir eines der Hemden zu nehmen, die ich mir in meiner Panik und mit meinem hohen Adrenalinpegel gepackt hatte. Es war ein recht schönes Hemd meines Bruders, in einem dunklen grün, mit goldenen Stickereien verziert. Es brachte meine ebenso -hell-grünen Augen perfekt zur Geltung und hatte einen tollen Kontrast zu meiner Haut. Auch wenn gut auszusehen das letzte war, woran ich denken sollte, konnte ich doch nicht umhin, zumindest bei einer so schönen Feier wie dieser - denn ihren Vorbereitungen zu urteilen versprach sie das zu werden - auch angemessen gekleidet zu sein.
      Der einzige Nachteil an diesem Hemd war, dass es einen Schlitz an der seite hatte, genau wo meine Brust verbrogen lag - ich nutzte meine freie Zeit, dieses zu flicken mit etwas Faden und einer Nadel aus einer Nadel von einem Nadelbaum. Zur Feier des Tages flochtete ich meine Haare und war froh, dass auch Männer in meinem Dorf dies taten, sodass ich wusste, dass dies trotz allem angemessen war.

      Am Abend war es soweit. Zur Feier des Tages kamen alle zusammen und ich war froh zu sehen, dass ich nicht die einzige war, die entschieden hatte, sich heute etwas schicker zu machen als gewöhnlich. Gemeinsam mit den anderen hatte ich mich an eine der langen Tafeln gesetzt, die auf dem großen Platz aufgestellt worden waren. Aus dem Augenwinkel hatte ich bereits Zenon erblicken können, der nur wenige Plätze entfernt am Kopf des Tisches saß.
      Das Essen stand bereits angerichtet auf den verschiedenen Tischen verteilt und alle Männer gierten darauf. Seit dem Frühstück hatte es nichts mehr zu essen gegeben, weil alle so beschäftigt waren mit den Vorbereitungen - dementsprechend hungrig waren sie.
      Doch Zenon schien noch etwas sagen zu wollen und keiner war so dumm einen Halbgott plus den Hauptmann zu missachten, weswegen alle zu diesem sahen, als er aufstand um vermutllich eine Rede zu halten.

      (ich hoffe das ist ok :) ich dachte das ist angemessen für diesen abend xD)
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      Arms as strong as the wind
      Dressed ready to kill
      Head in the clouds but feet on the ground
      With you it's all safe and sound

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    • Zenon


      Nach einem kurzen Zögern nahm Odysseus mein Angebot an und zog sich aus der Küche zurück. Ich musterte ihn noch kurz mit einem schmalenL ächeln auf dem Lippen. Ich hatte irgendwie Gefallen an dem Jungen gefunden. Nachdem ich zuerst nur ein unraifes Kind in ihm sah, war ich mir mittlerweile sicher, dass selbst er einen starken Kämpfer abgeben könnte, auch wenn er nicht mit übermäßiger Muskelkraft dienen konnte. Sein Geschick und Kampfeswille würde zu seinem Vorteil werden.
      Tatsächlich waren auch die letzten Vorbereitungen bald beendet und auch meine Hilfe wurde nicht weiter benötigt, weswegen ich mich zurückzog und zu den Männern vor den Zelten gesellte. Mehrere Feuer erhellten den Platz, während die Sonne schon hinter dem Horizont zu versinken begann.
      Kaum näherte ich mich den Truppen hielt mir einer der Soldaten einen Krug voller Met entgegen. „Für Euch Hauptmann, dafür dass Ihr aus solchen untalentierten Tölpeln wie uns Krieger gemacht habt.“
      „Bis ihr euch wahre Krieger nennen könnt gehen wohl noch ein paar Wochen ins Land“, erwiderte ich mit einem Schmunzeln und nahm ihm den Krug ab. „Aber ich werde euch schon noch auf den richtigen Weg bringen.“
      Darauf ertönte ein zustimmendes Gegröle, während sich alle Becher zum Prost erhoben. Auch ich hob feierlich meinen Arm, bevor ich den Met in wenigen Schlucken leerte. Das zum Teil göttliche Blut in meinen Adern verhinderte dabei, dass ich schnell betrunken werden konnte. „Okay, Männer. Bevor wir starten, will ich, dass ihr euch von euren verschwitzten Kleidern trennt und euch etwas passenderkleidet, danach versammelt sich meine Mannschaft am Tisch imZentrum.“
      Als Antwort ertönte ein lautes „Jawohl, Hauptmann.“ Bevor sich einige Männer in ihren Zelten verteilen. Viele andere waren offensichtlich besser vorbereitet und hatten sich bereits in ihre besten Sachen gekleidet, weswegen ich befand, dass ich es ihnen gleichtun sollte.

      Als ich wenig später mein Zelt in einem frischen weißen Seiden-Hemd, einer fein gefertigten schwarzen Lederhose und verzierten Waffengürtel wieder verließ, hatte sich der Großteil meines Trupps schon am Tisch versammelt. Zudem ließ nur noch ein dünner orangener Strich am Horizont vermuten, wo sich die Sonne bis eben noch befunden hatte.
      Auf dem breiten Holztisch sammelten sich dutzende duftenden Speisen, wie dampfender Wildschweinbraten, frischer Lachs aus dem naheliegenden Fluss und die saftigsten Früchte des Landes. Als ich mich dem Tisch näherte hielt man mir erneut einen gut gefüllten Krug Met entgegen, mit welchem ich mich an die Stirnseite des Tisches platzierte.
      Bevor sich allerdings jeder über die Gerichte her machen konnte, erhob ich meinen Becher und richtete aller Aufmerksamkeit auf mich. „Männer!“, rief ich über den Platz. „Das heutige Fest soll den Anfang unserer Zusammenarbeit bekunden. Ich möchte, dass ihr euch untereinander umseht und euch die Gesichter eurer neuen Kameraden einprägt. Ab heute teilt ihr alle samt das gleiche Schicksal und selbst wenn ihr unterschiedlichen Rangs und Ursprungs sein mögt, möchte ich, dass ihr begreift, dass wir am Ende trotzdem auf demselben Schlachtfeld stehen und für dieselbe Sache kämpfen werden. Deswegen verlange ich von jedem von euch, dass ihr euch gegenseitig respektiert und unterstützt.“ Eingehend ließ ich meinen Blick durch die Runde schweifen und verharrte dabei unterbewusst auf Odysseus' jungen Zügen. Auch er hatte sich offensichtlich in seine besten Anziehsachen gekleidet und irgendwie ließen ihn diese verwirrend weiblich und elegant wirken. Kurz schüttelte ich den Kopf, um den Gedanken verwerfen zu können und weiter zu sprechen: „Egal wie schwach jemand wirken mag, ich möchte, dass niemand einfach aufgegeben wird und sich jeder gegenseitig unter die Arme greift. Denn das ist es, was uns von Hades' Truppen unterscheidet. Unser Mitgefühl und unser Zusammenhalt.“ Hatte meine Stimme bis eben noch feierlich geklungen, legte ich nun deutlichen Ernst in sie hinein. „Trotzdem wird nicht jeder von euch lebend aus diesem Krieg hervortreten können. Ich möchte euch da keine rosigen Träume schmieden. Diese Schlacht wird blutig und gefährlich werde. Aber ich verspreche euch, wenn ihr meinen Anweisungen folgt und im Training vernünftig mitarbeitet, werde ich euch alle Fähigkeiten mit auf den Weg geben, die ihr zum Überleben brauchen werdet.“ Wieder zog mein Blick Kreise unter den Männern, welche zum Teil besorgt, aber auch zuversichtlich dreinblickten. „Gemeinsam werden wir Hades' Dämonen zurück in ihre Abgründe treiben und unsere Heimat und Familien beschützen!“ Nun waren auch die letzten Zweifel verschwunden und die Männer antworteten mir mit zustimmenden Rufen, was ich mit einem zufriedenen Lächeln quittierte. „So lobe ich mir das. Dann lasst das Festessen endlich beginnen!“
      Die Männer ließen sich nicht lange bitten und stürzten sich im nächsten Moment schon hungrig auf die Speisen, während sie parallel literweise Met in ihre Kehlen gossen. Auch ich ließ mich auf meinen Stuhl nieder und widmete mich dem köstlichen Angebot. Ich mochte zwar ein Halbgott sein, aber mein Hunger war der eines Menschen.
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Es war seltsam gewesen, von dem Hauptmann persönlich beim Arbeiten abgelöst zu werden, doch am Ende war ich wirklich froh darum gewesen am Ende. Die kurze Verschnaufspause hatte mir geholfen, ein wenig durchzuatmen. Zwischen den jungen Männern zu sitzen war mittlerweile für mich Alltag gewordeen - dementsprechend war dies für mich normal. Auch das sie ihren Arm um mich legten während sie mit mir redeten war schon vollkommen normal für mich. Das sie mich als Kücken, Schwächling und Winzling betrachteten und betitelten ebenso - alles konnte ich leicht akzeptieren, solange sie nur weiterhin überzeugt waren, dass ich ein Mann war.
      Dementsprechend war meine Laune auch gelassen, als der besagte Hauptmann aufstand und wie erwartet eine Rede hielt - eine Rede, die den Namenr eden verdient hatte. Während der Halbgott sprach, sah ich mich aus den Augenwinkel um - ich konnte während seiner Rede die unterschiedlichsten Emotionen in den Gesichtern der anderen sehen. Angst, Wut, Verzweiflung, Trauer...aber je weiter Zenon sprach auch Motivation, Mut, Freude und Entschlossenheit.
      Einige wirkten am Ende sogar gerührt. Und ich konnte selbst in meinem Herzen spüren, wie ich von diesen Worten erfasst wurde. Sie waren so ehrlich und aufrichtig - Zenon versuchte nicht die Situation zu verschönern. Er sagte, was gesagt werden musste. Sprach, wie die Realität im schlimmsten aber auch im besten Fall aussehen könnte. Und mit seiner Rede fand er letztendlich bei allen Anklang.
      Als er geendet hatte, prosteten ihm alle zu und auch ich hob mein Glas, um auf ihn und uns und diesen Abend anzustoßen - auf das er unevergesslichen mögen werde.
      Sobald Zenon sich gesetzt hatte, ging das Essensgelage los. Das Essen, dass wir alle so mühsan gekocht hatten wurde in Windeseile in seine einzelteile gerissen von groben Männernhänden. Ich nahm mir auch etwas, schließlich war ich ebenso hungrig.
      ein Ellenbogen wurde mir in die Seite gestoßen.
      "Los, iss Kleiner, damit du groß und stark wirst.", sticherte einer meiner kumpanen und leget mir einen großen Hähnchenschlägel auf den Teller.
      "Du bist nur neidisch weil du so fett bist.", sticherte ich zurück und fing trotzdem an zu essen - ja, ich hatte mir ind en letzten Tagen ein dickes Fell angeeignet. Einige unser Kumpanen um uns herum lachten lautstark und zegetn auf denjenigen, der mich zuerst dumm angemacht hatte.
      "Ha, da hat dich unser Kücken dran gekriegt!"
      Ich lachte so mit, dass ich nicht mitbekam, wie dieser mir einen säuerlichen Blick zuwarf. Nachdem alle Mägen gefüllt waren, standen einige der Soldaten auf um Zenon mit komplimenten zuzuschütten für seine Rede und auch, um ihm einfach generell zu bezirzen - nicht im sexuellen Sinne, sondern eher im: Du bist mein Held, Sinne.
      Ich konnte sie nachvollziehen. In den letzten Wochen war Zenon für mich ebenso ein Vorbild geworden. Er war nicht nur übermenschlich stark, sondern auch geschickt und gelenkig. Und auch wenn er streng war, so war es nie ohne grund. Und am Ende des Tages sagte er dir was du falsch aber vorallem was du richtig gemacht hattest - gerade ich als Spätkommer und als..nunja, Winzling und Schwächling hatte mehr als jeder andere in diesem Camp diese Seite von ihm sehen könen - und würde sie auch noch weiter sehen. Denn auch wenn ich mittlerweile mehr zu den anderen aufgeschlossen hatte, so war es doch noch lange, bis ich wirklich sicher genug sein würde, um auch gegen einen wahren gegner zu kämpfen.
      "Hey, schwächling...dein Glas ist schon seit langer Zeit leer."
      "Stimmt. Und du siehst noch viel zu nüchtern aus."
      Ich war so in gedanken versunken gewesen, dass ich gar nicht gemerkt hatte, wie alle um mich herum fleißig begonnen hatten zu trinken.
      Meine Nachbarn sahen mich nun mit wackelnden Augenbrauen an.
      Oh, Moment..
      "Jaja, ich trinke ja schon.", versuchte ich sie zu beschwichtigen und wollte gerade nach meinem Glas greifen, um zu trinken.
      "Zu langsam. ich glaube, wi rmüssen ein bisschen nachhelfen.", sagte eine Stimme hinter mir - dann hwurde mein Kopf auch schon plötzlich nach hinten gezogen.
      "Ohja!", eine andere Hand begann, den wein in mich zu schütten.
      Meine Augen rissen sich erschrocken auf, während ich meine Hand reflexartig in den Arm vergrub, der meinen Kopf hinten hielt. Doch so schnell er gekommen war, so schnell war er auch wieder weg.
      Ugh...Ich hielt meinen Hals, in den gerade mehrere Gläser Wein geschüttet wurden. "
      "Ihr Bastarde!", keifte ich, doch sie lachten nur.
      "Warte nur, bis der Wein seine Wirkung zeigt, dann wirst du uns danken.", sagte einer zwinkernd.
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      Arms as strong as the wind
      Dressed ready to kill
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    • Zenon


      Innerhalb kürzester Zeit hatte sich eine überaus ausgelassene Stimmung auf dem Platz breit gemacht. Überall wurde gelacht, getrunken, gesungen und zum Teil sogar getanzt. Einige der Männer konnten sogar ein paar verborgene Talente an diversen Instrumenten beweisen und sorgten für die passende Musik.
      Das Festmahl war dabei recht zügig zusammengeschrumpft, woraufhin sich die angehenden Krieger zunächst vom Essen ab- und dem Alkohol zuwendeten. Mir entging dabei nicht, dass auch mein Glas beständig wieder aufgefüllt wurde. Ich nahm es mit einem Lächeln hin und beobachtete zufrieden das Treiben meiner Schüler. Dabei stellte ich recht glücklich fest, dass sich sogar der junge Odysseus gut in den Kreis der anderen eingefunden hatte. War er zu Anfang noch ein belächelter Schwächling und Außenseiter gewesen, stand er nun im Mittelpunkt der anderen, was nur bewies, dass sein Ehrgeiz nicht nur mich beeindruckt hatte.
      „Eine aufgeweckte Truppe hast du da zusammengestellt, Zenon.“ Mein Blick glitt zur Seite und fiel auf das bärtige Gesicht von Kommandant Jukkan, welcher ebenso das fröhliche Treiben der Männer vor uns begutachtete. Die lange Narbe auf seiner linken Wange kräuselte sich, als auch er ein Lächeln aufsetzte. „Wenn man bedenkt was für Grünschnäbel sie noch vor wenigen Wochen gewesen sind. Selbst dieser junge Hänfling scheint gut an Muskeln und Können zugelegt zu haben.“
      Ich folgte seinem Blick und durfte beobachten, wie ein großer Teil meines Trupps Odysseus eine beträchtliche Menge Wein einflößte.Ich verzog das Gesicht. Ob das ein gutes Ende nahm? „Er ist gerade einmal 12 Jahre alt.“
      „Das erklärt, warum er so zierlich und beinahe weiblich erscheint.“ Jukkan stieß ein Seufzen aus. „Aber es ist trotzdem eine Schande, dass ein so junges Kind in die Schlacht ziehen muss.“
      Ich nickte langsam. „Eigentlich sollte es unsere Aufgabe sein, eben solche Kinder vom Sterben auf dem Schlachtfeld fernzuhalten.“ Auch ohne mich zu ihm umzuwenden wusste ich, dass Jukkans Ausdruck ebenso düster war, wie der meinige. So vergingen mehrere Sekunden, in denen wir einfach nur stillschweigend das Treiben vor uns beobachteten, bevor ich seufzend die Luft ausstieß und mich wieder zu einem leichten Lächeln durchrang. „Wir können ihn vielleicht nicht vor dem Grauen auf dem Schlachtfeld beschützen, aber vielleicht sollte ich zumindest verhindern, dass man den Jungen mit Alkohol vergiftet.“
      Jukkan stieß ein kurzes Lachen aus, was aus seinem Rachen eher wie ein tiefes zufriedenes Knurren klang. „Ich wünsche dir viel Erfolg dabei.“
      Ich nickte nur schmunzelnd und trat dann auf die ausgelassen lachenden Männer und den etwas deprimiert dreinschauenden Odysseus zu. Auch ohne etwas sagen zu müssen, schien umgehend alle Aufmerksamkeit auf mich zu fallen, wobei mich die meisten mit einem anerkennenden Nicken und einem kurz gemurmelten „Hauptmann“ begrüßten. „Ich glaube, dass war bereits mehr als genug, Männer“, meinte ich leicht schmunzelnd und ließ meine Hand schützend auf Odysseus Haupt sinken. „Wir wollen doch nicht, dass die erste Erfahrung mit Alkohol unseres jungen Kameraden in einer Katastrophe endet, oder?“
      Einige der Männer konnten sich ein Kichern zwar nicht verkneifen, letztendlich nicken sie allerdings zustimmend. „Ich glaube er wird heute die Zeit seines Lebens haben, bei der Menge die er bereits intus hat“, meinte einer zufrieden. „Der Rest bleibt allerdings für uns.“ Damit hob er feierlich sein Glas und stieß mit seinen Kumpanen an.
      Ich nutzte die Chance um Odysseus vorsichtig aus dem Tumult zu schieben, hin zu den Lagerzelten, welche im Moment beinahe menschenleer waren, da sich jeder um die Feuer herum verteilte. „Wie geht es dir? Das war reichlich viel für deinen noch jungen Körper.“ Langsam beugte ich mich zu dem Jungen vor und begutachtete eingehend sein Gesicht. Tatsächlich war ich etwas besorgt um ihn, immerhin konnte zu viel Alkohol auch recht fatale Auswirkungen für die Gesundheit nach sich ziehen, vorallem wenn es sich um einen solch zierlichen Körper handelte.
    • |Cosma aka Odysseus Fokatis.

      Und es zeigte seine Wirkung - und wie es das tat! Schnelller als gedacht fühlte sich mein Kopf sehr leicht und doch gleichzeitig sehr schwer an. Der Tisch wirkte so nah und doch so fern. Und das Bier in meiner Hand war auch schwerer als gedacht plötzlich, weswegen ich es dann auf den Tisch gestellt hatte. Es war nicht das erste Mal, dass ich Alkohol trank - aber das erste Mal soviel auf einmal.
      Nur dunkel bekam ich mit, wie man um mich herum lachte - das man über mich lachte bekam ich auch nur sehr dunkel mit. Dem Gespräch zu folgen schien mir mit am schwersten.
      Als plötzlich alles aber still wurde, sah ich auf. Zenon tauerte stehend neben mir und wirkte irgendwie noch größer und muskulöser als sonst, aber vielleicht lag das auch daran, dass er fast zweifach da stand.
      "Oh, haubdman.", sagte ich nun auch und hickste. Die große, warme Hand des Hauptmannes landete auf meinem kopf und ich senkte ihn leicht darunter, weil sie genauso wie alles andere ziemlich schwer erschien. Nur sehr mühsam schaffte ich es, dann doch wieder aufzusehen. Diesmal bekam ich besser mit, dass das Gespräch um mich ging. Mh, genug? Nun, da hatten sie wohl recht, aber..mein Blick glitt zu meinem noch vollen Bierglas.
      "Aber ich hab da noch was..."
      Derjenige der neben mir saß - sein Name war mir grad entfallen - lachte und nahm mir mein Glas ab. "Weil ich ein guter Freund bin, kümmere ich mich darum, also keine Sorge. Geh ruhig mit dem Hauptmann mit."
      Mit dem Hauptmann mitgehen?
      Ich hickste noch einmal und sah dann wieder zum Hauptmann auf, der mich wegbringen wollte anscheinend. Neben mir wurde angestoßen. Mh, gerne würde ich mit anstoßen. Jetzt wo ich betrunken war, wirkten die alle nicht mehr ganz so nervig. Nein, stattdessenhätte ich mich noch ein wenig weiter mit ihnen unterhalten wollen!
      Doch stattdessen brachte mich der Hauptmann dann weg. "Hey...", murmelte ich, wehrte mich aber nicht, weil ich eh keine Kraft dazu gehabt hätte. Zenon führte mich weg von dem Tumult und es wurde ruhiger, was meinem Kopf half, zumindest deren Schwere zu lindern.
      Mehrmals stolperte ich beim Laufen, weswegen ich mich irgendwann an Zenon's arm festhielt, um mich ein wenig zu stützen beim laufen. Bei den Lagerzelten angekommen lehnte ich mich gegen einen Baum, seufzte erstmal schwer und lachte schließlich weil..naja, einfach so. Betrunkene mussten nicht immer einen Grund für ihr Verhalten haben.
      "Oh, machst du dir Sorgen um mich? das ist so süß...", sagte ich ohne groß nachzudenken, ehe ich versuchte, meine Gefühlslage in Worte zu fassen.
      "Ich fühle mich..gut. Seltsam gut. Und dann auch wieder schlecht. Mein Kopf fühlt sich an als würde er schweben, weit weg von mir und deswegen fällt mir das denken schwer..und meine Beine gehören irgendwie auch nicht zu mir und verweigern mir manchmal den Dienst."; versuchte ich ein wenig lallend meine gefühlslage zu beschreiben. Unter meinen dunklen Wimpern sah ich zu ihm auf, als er sich zu mir hinabbeugte und mich ansah.
      "Wie geht es dir denn, Hauptmann?", fragte ich aus dem Affekt heraus.
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    • Zenon


      Zwar war es auch schon vorher offensichtlich gewesen, doch als Odysseus schließlich seinen Mund öffnete bestand kein Zweifel mehr daran, dass er absolut betrunken war. Wahrscheinlich sollte ich froh sein, dass er mir sein Essen nicht direkt auf die Stiefel spukte.
      Offenbar war er nicht sonderlich glücklich darüber, dass ich ihn von den restlichen Männern und damit dem Alkohol weg schob, aber wirklich wehren konnte er sich zum Glück auch nicht. Ich brachte ein leichtes Schmunzeln zustande. Wer hätte gedacht, dass der sonst so ernste Odysseus in eine solch ausgelassene Stimmung verfallen konnte? Auch wenn er es morgen früh eventuell bereuen würde, im Moment sollte er es trotzdem genießen dürfen und all seine Sorgen über Bord werfen. Auf unserem Weg zu den Zeltlagern griff ich irgendwann einfach nur noch stützend nach seinem Arm, nachdem er sich auch in meinen gekrallt hatte, bevor er noch über seine eigenen Füße stolpern konnte. Wenig später hockte er auch schon am Stamm eines der einzelnen Bäume und musterte mich seltsam amüsiert.
      „Nun ja, du gehörst wie all die anderen Männer ebenso in meinen Trupp und es ist mein Ziel, keinen von euch zu verlieren. Ob es der Feind dabei die Mächte der Unterwelt oder hochprozentige Flüssigkeiten sind, spielt keine große Rolle.“ Ich störte mich nicht weiter daran, dass er mich unformell angesprochen hatte. In seinem momentanen Zustand und bei seinem Alter konnte ich ihm das gerne verzeihen, auch wenn ich sonst auf eine respektvolle Anrede bestand.
      Als er mir seine momentane Lage beschrieb nickte ich nur verstehend. Jeder der bereits einmal betrunken gewesen war, wusste wie er sich gerade fühlen musste, auch wenn ich selbst durch mein göttliches Blut nur recht schwer in einen solch berauchten Zustand geriet. Nur die Säfte von Dionysos konnten mich in die Knie zwingen.
      Odysseus' plötzliche Gegenfrage brachte mich allerdings ins Stocken. „Wie... es mir geht?“ Etwas verwundert blickte ich ihn an und schon wieder fielen mir seine zarten und seltsam weiblichen Züge auf. Eine Zeit lang versank ich in den grün leuchtenden Augen und richtete mich im nächsten Moment beinahe erschrocken auf, als ich mich selbst bei dem Gedanken erwischte, wie schön dieses Gesicht vor mir doch sei... Ich schüttelte den Kopf. „Mir geht es gut“, meinte ich schließlich etwas hastig, um von meiner seltsamen Reaktion abzulenken. „Aber ich glaube für dich wäre es das beste, wenn du schlafen gehst.“ Möglichst sanft umgriff ich seinen Oberarm. „Ich werde dich zu deinem Lager bringen, damit du deinen Rausch ausschlafen kannst.“ Ich hoffte, dass ihm in seinem betrunkenen Zustand nicht auffiel, wie ich mich darum bemühte, ihm nicht ins Gesicht zu sehen, während ich ihn zu seinem Zelt zog. Was war nur mit mir los? Wie konnte ich nur so von einem Jungen denken, der dazu noch nicht mal sein vierzehntes Lebensjahr erreicht hatte? Aber auch wenn er noch so jung sein mochte, warum nur erschien er manchmal wie eine Frau in meinen Augen?... Ich müsste sofort aufhören solche Gedanken zu hegen!