[2er RPG] Burning Desire

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    • [2er RPG] Burning Desire

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      Ich liebe dich.
      Ich will dich.
      Ich werde dich nie verlassen.



      Beim Gedanken an diese Worte bekommt X Panik. Jahrelang wurde sie von ihrem gewalttätigen Ex-Freund misshandelt. Jetzt ist sie frei und arbeitet für Safe Haven, die Hilfsorganisation, der sie ihre Rettung verdankt. Das Thema Männer hat sie abgehakt. Bis sie bei einer Konferenz den Vorsitzenden von Safe Haven, Carson Davis, kennenlernt. Der attraktive Milliardär sieht gut aus, ist charmant und weiß, was er will. Außerdem bekommt er immer, was er will – und er will X. In ihr kämpfen Lust und Angst gegeneinander.
      Wird sie Carson vertrauen können? Ist sie bei ihm wirklich sicher? Und wie gefährlich ist ihre dunkle Vergangenheit?



      Stecki:
      Name:
      Alter:
      Background:
      Sonstiges:
      Haarfarbe:
      Augenfarbe:
      Aussehen:
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      ~ I ~ u s u a l l y ~ g e t ~ w h a t ~ I ~ w a n t ~
      ~ E v e n ~ i f ~ I ~ h a v e ~ t o ~ t a k e ~ i t ~



      Name:
      Carson Davis

      Alter:
      29

      Background:
      Aufgrund familiärer Tobulenzen ist Carson bei seinem Onkel und seinen Cousins aufgewachsen. Schon früh zeigte er, dass er das Geschäftstalent seiner Familie mütterlicherzeit geerbt hatte. Sein Onkel half ihm bereits im Alter von sechzehn Jahren dabei, heruntergekommene Firmen aufzukaufen und wieder aufzubauen. Seine erste Millionen verdiente Carson, da war er noch auf dem College. Er kaufte immer mehr gescheiterte Firmen, machte sie immer größer. Heute verdient er in einem Monat mehr, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Er hat Firmen auf der ganzen Welt, er ist in dutzenden Branchen tätig. Und er hört nicht auf.
      Neben seiner ganzen Geldverdienerei setzt er sich auch für alles mögliche ein: Umweltschutz, Tierschutz, Menschenrechte, Hungerhilfe, und und und. Allein für die Hilfsorganisation Safe Haven, die misshandelten Frauen dabei hilft, sich von den Männern loszusagen und ein neues Leben aufzubauen, spendet er jedes Jahr rund vierzig Millionen Dollar.
      Carson weiß immer, was er will und für gewöhnlich bekommt er es auch, egal, was er dafür tun muss. Er hat sein Leben von vorne bis hinten im Griff. Läuft etwas nicht nach Plan, dann sorgt er dafür, dass es das tut.
      Der Draht zu seiner Familie ist ziemlich gut. Sein Cousin Chase ist sein bester Freund, er liebt seine Cousine Chloe, seine Mutter ist stolz auf ihn und seinen Erfolg und sein Onkel ist noch heute der perfekte Vaterersatz für ihn. Einzig sein Cousin Cooper ist ihm ein Dorn im Auge. Er kann ihn nicht ausstehen. Nachdem, was zwischen den beiden vorgefallen ist, kann ihm das auch keiner verübeln. Wann immer es Zeit für ein Familientreffen ist, versuchen alle, die beiden nicht in die Nähe voneinander zu lassen.

      Sonstiges:
      Carson hasst Unpünktlichkeit. Er verzeiht das auch nicht so einfach. Schon eine Minute reicht, um ihn richtig wütend zu machen.
      Seine ganze Familie ist mit blonden Haaren und blauen Augen ausgestattet, nur er nicht. Er hat die Haarfarbe seines Vaters geerbt, das einzige Manko, das seine Mutter immer wieder anspricht. Sie ist nicht wirklich gut auf Carsons Vater anzusprechen und dass sich die beiden die Haarfarbe teilen ist nicht unbedingt von Vorteil.
      Carson ist seit seinem zweiundzwanzigten Lebensjahr Milliardär und damit auch das reichste Mitglied seiner gut situierten Familie. Chase ist der Anwalt der Stars, Chloe ist Designerin, sein Onkel Charles ist Immobilienmarkler der Superlative und seine Mutter Clair lebt von dem, was sie als erfolgreiche Schauspielerin verdient hat, bevor sie im Rollstuhl landete. Und wieder: Cooper ist das schwarze Schaf der Familie. Der verdient sein Geld mit dem Produzieren von mittelprächtigen Musikalben.
      Seine Firma 'Davis Enterprises' ist weltweit bekannt, ebenso wie die Unterschrift C. Davis. Man weiß nur nie so genau, mit welchem Davis man es zu tun hat.

      Haarfarbe:
      schokobraun (Zartbitterschokolade ;) )

      Augenfarbe:
      ozeanblau

      Aussehen:
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      ~ The ~ world ~ is ~ full ~ of ~ monsters ~
      ~ with ~ friendly ~ faces ~

      Name:
      Juliana 'Julia' Kinnley

      Alter:
      28 Jahre

      Background:
      Julias Leben war eher durchschnittlich. Sie wuchs als Einzelkind auf dem Land auf. Ihre Eltern hatte nie besonders viel Geld, weshalb sie bereits früh zu arbeiten begann, um ihren Eltern nicht finanziell zur Last zu fallen. Während ihrer Arbeit als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei lernte sie ihren Vorgesetzten kennen, einen charmanten und charismatischen Mann, der die junge Frau unter seine Fittiche nahm und ihr half sich an das Leben in der Großstadt zu gewöhnen. Es dauerte nicht lange bis Julia sich in ihn verliebte und schon wenige Monate später zogen die zwei zusammen. Alles schien perfekt - wie ein Traum.

      Bis dieser Traum eines Tages zum Alptraum wurde.

      Nur wenige Monate später lernte Julia das wahre Gesicht ihres Freundes kennen. Hinter der freundlichen Fassade steckte ein aufbrausender und eifersüchtiger Mensch, dem während seiner Wutausbrüche auch schon einmal die Hand ausrutschte. Schnell begann er Julias Leben zu kontrollieren und sie emotional zu manipulieren. Mit der Zeit verlor sie so den Kontakt zu ihren Eltern und all ihren Freunden, so dass sie keinen Rückhalt hatte außer dem Mann, der ihr klar machte, dass sie es verdient hatte wie er sie behandelte.
      Mehrere Jahre lebte Julia ihr einsames Leben, bis ihr Freund eines Tages zu weit ging und ihr den Arm brach. Im Krankenhaus traf sie auf eine Mitarbeiterin von Safe Haven, die nicht nur die Verletzungen erkannte, sondern auch alle Ausreden der jungen Frau durchschaute. Sie sorgte dafür, dass Julia ihren Freund verließ und in einem der Frauenhäuser der Organisation untergebracht wurde. Dort lernte sie wieder selbst über ihr Leben zu bestimmen.
      Inzwischen lebt Julia in einer eigenen Wohnung und ist selbst Mitarbeiterin der Organisation. Durch ihre eigenen Erfahrungen kann sie sich gut in die anderen Frauen hinein versetzen und gut auf sie eingehen. Sie ist mit ihrer neuen Aufgabe sehr zufrieden und konzentriert sich voll auf ihre Arbeit.
      Doch tief in ihr schlummert immer noch die Angst noch einmal in so eine Situation zu geraten, weshalb sie sich von Männern weitestgehend fern hält und keine Beziehungen eingeht.

      Sonstiges:
      Juliana ist ein recht stiller Mensch, der sich manchmal zu oft entschuldigt. Sie hilft sehr gern, lässt sich aber auch leicht ausnutzen, da sie nicht gut 'nein' sagen kann. Das sind alte Verhaltensmuster, die sie noch nicht ablegen konnte.
      Inzwischen lacht sie gerne und ist ein sehr freundlicher Mensch, weshalb sie bei den anderen Frauen recht beliebt ist. Aber neue Freunde hat Julia bisher noch nicht gefunden, da es ihr schwer fällt jemanden näher an sich heran zu lassen. Besonders Männern gegenüber ist sie misstrauisch und empfindet Flitversuche als unangenehm. Meistens prallen diese direkt an ihr ab.

      Haarfarbe:
      Dunkelblond

      Augenfarbe:
      Braun

      Aussehen:

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Enija ()

    • Burning Desire [Eni feat. Pumi]

      Vorstellung --> Burning Desire [Eni feat. Pumi]








      Vorstandssitzungen. Sie waren langweilig, aber notwendig. Vor allem, wenn man in so vielen war, wie er. Die von den Hilfsorganisationen zählten noch zu den guten, denn hier erreichte man wenigstens etwas, was nicht ausschließlich mit Geld zu tun hatte. Außerdem hatte er eine Ausrede, ein Wochenende frei zu nehmen. Er reiste einfach einen Tag früher an und einen später erst wieder ab. Es war sein Hotel, er konnte hier kommen und gehen, wie er wollte. Er hatte hier sogar sein eigenes Zimmer, das ausschließlich ihm zur Verfügung stand.
      Daher war er auch schon am Donnerstag in Chicago, während die anderen Teilnehmer der Sitzung erst am Freitag eintrudelten. Allerdings hatte er weniger Freizeit, als er es sich gewünscht hatte: Sein Onkel hatte da was von einer kleinen Firma gehört, an der er schon länger Interesse bekundet hatte. Ergo kaufte er sich einfach diese Firma. Beziehungsweise ließ er die Papiere vorbereiten und jemanden das Angebot überbringen. Er würde diese Firma kriegen. Sie war klein, sie brauchte das Geld und seinen Namen und er bekam immer, was er wollte.
      Den Donnerstag verbrachte er also am Telefon, anstatt etwas spaßiges zu tun. Dafür ließ er Dana - seine persönliche Assisstentin - dafür sorgen, dass er am Freitag nicht gestört wurde. Und wenn er verlauten ließ, dass er nicht gestört werden wollte, dann hielt sich auch alle Welt daran, denn ihn machte man besser nicht wütend. Er durchlief das komplette Wellnessprogramm seines Hotels. Sport, Sauna, Massage, beim Friseur war er auch noch kurz.
      Am Abend machte er es sich dann in der Bar bequem, wo sich auch der ein oder andere Konferenzteilnehmer herumdrückte und sein Angebot ausschlachtete, nichts zahlen zu müssen. Er stemmte das alles. Die Anreise, die Zimmer, Verpflegung morgens, mittags, abends, die Drinks, das alles ging auf seine Rechnung. Sicherlich ein paar tausend Dollar. Taschengeld. Er unterhielt sich ein bisschen mit dem ein oder anderen, aber auch mit anderen Gästen, die hier ordentlich Kohle ließen und die er kannte. Hier eine Verabredung zum Golfen, da ein Essen, das Übliche eben. Männer und Frauen in makellosen Anzügen und Cocktailkleidern versammelten sich hier in kleinen Gruppen und genossen die Happy Hour.
      Er saß an der Bar, die tiefen Rillen in den abgerundeten Kanten des Tresens bildeten ein perfektes Wirbelmuster. Die Bar war von hinten beleuchtet und das Licht schien durch die Flaschen mit Hochprozentigem wie die Sonne durch Kristall. Die Farben der Flaschen wurden in alle Richtungen gestreut und ließen das Ganze eher wie ein Kusntwerk wirken als wie Glasregale voller verschiedener alkoholischer Getränke. An jeder Seite befand sich eine große Leiter, damit der Barkeeper auch an die 'höchsten' Genüsse herankam. Diese Ehrenplätze waren den Sachen vorbehalten, die ein paar hundert Dollar pro Flasche kosteten.
      Ein kleiner, haariger Mann stand hinter der Bar und bediente die Kunden. Aus versteckten Lautsprechern ertönte die Stimme eines schon lange toten Jazzsängers, der leise davon sang, nicht gut genug für die Frau seiner Träume zu sein. Die Leute um ihn herum plauderten untereinander. In einer Ecke stand ein schwarzer Konzertflügel, an den er sich gerade gern setzen würde, aber irgendwie auch nicht. Das matte Licht, dass das Monster beleuchtet, ließ es so wirken, als würde sich wirklich gleich irgendjemand dransetzen und losspielen. Vielleicht sollte er...?
      Er stand auf und schlenderte hinüber zu dem Flügel, in einer Hand den Drink, die andere ließ er über das schwarz-lackierte Holz wandern. Er könnte sich jetzt einfach hinsetzen.
      "Carson, mein alter Freund!"
      Eine Männerstimme riss ihn aus seinen Gedanken. Als er aufsah, erkannte er einen langjährigen Geschäftspartner wieder. Freund würde er ihn nicht unbedingt nennen, aber er würde dazu jetzt erstmal nichts sagen. Stattdessen lächelte er freundlich und begrüßte den Mann mittleren Alters, der langsam zu ergrauen begann. Er war Inhaber einer Sicherheitsfirma. Der Sicherheitsfirma, die er selbst immer engagierte, wenn es etwas zu sichern galt. Am liebsten würde er sie aufkaufen, im Sicherheitssektor war er noch nicht. Aber dafür war diese Firma zu erfolgreich. Aktien hatte er trotzdem gekauft, nur für den Fall.
      Der Mann musterte seinen 'Freund' von oben bis unten. Ihm schien zu gefallen, was er sah. Sollte es auch, immerhin hatte er für diesen maßgeschneiderten Anzug ordentlich Geld ausgegeben.
      Die beiden unterhielten sich eine kleine Weile über das GEschäft, über Hobbies, was man eben so machte. Aber wirklich Lust hatte er dazu nicht, daher wanderte sein Blick auch immer wieder durch die Bar, in der Hoffnung, etwas Ablenkung zu finden. Und dann fand er auch etwas: An der Bar saß eine Blondine. Die Hintergrundbeleuchtung der Bar ließ ihre Haare förmlich leuchten. Ihre Haut war makellos. Sie trug nicht viel Make-Up, aber es betonte alles, was es betonen musste, mit absoluter Perfektion. Und dann sah er ihre Augen!
      Er fuhr sich mit einer Hand durch das dunkle Haar, unfähig den Blick abzuwenden. Bis sich sein 'Freund' einmischte und ihn zurück in die Gegenwart holte. Carson beendete das Gespräch kurz und knackig - auch einen Geschäftspartner und Stammkunden wollte man nicht verärgern - und machte sich auf den Weg zur Bar.
      "Hi", grüßte er freundlcih, als er direkt - direkt - hinter der mysteriösen Frau stand.
      "Darf ich?", fragte er und deutete auf den freien Platz neben ihr.
      Er wartete nicht auf eine Antwort ihrerseits, sondern setzte sich gleich hin. Er schnipste dem Barkeeper zu, der sofort angerannt kam. Für einen kurzen Augenblick musterte er die Frau neben sich noch einmal, der Barkeeper wartete geduldig, wie es sich für seinen Angestellten gehörte.
      "Sam, für mich nochmal das Gleiche und für die Dame auch", sagte er dann, ohne den Blick von der Frau zu lassen.
      "Ja, Mr. Davis. Kommt sofort."
      Der Barkeeper verbeugte sich praktisch, bevor er davoneilte, um die Drinks zu machen.
      "Carson Davis. Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen."
    • "Du musst wirklich öfter ausgehen." Julia ließ das Messer sinken, mit dem sie gerade einige Tomaten geschnitten hatte und warf der Frau neben sich einen fragenden Blick zu. "Wie meinst du das? Du klingst fast so, als würde ich nur den ganzen Tag zu hause herum sitzen." Sie lächelte, auch wenn ein Teil von ihr wusste, dass sie wirklich zu selten aus ihrer Komfort-Zone heraus kam. Aber wieso sollte sie auch? Sie war mit ihrem Leben so zufrieden, wie es im Moment war und hatte nicht vor etwas daran zu ändern.
      Ihre Gesprächspartnerin schien das jedoch anders zu sehen. "Wenn du nicht zu hause bist, dann bist du hier. Du solltest auch ein Leben außerhalb deines Jobs haben." Julia musterte die andere Frau kurz, bevor sie die Tomatenstücke in eine Salatschüssel gab und sich dann den drei anderen Frauen zuwandte, die nicht weit von ihnen entfernt am Küchentisch saßen. "Hört ihr das? Leah will mich hier nicht haben." sagte sie gespielt beleidigt, konnte jedoch ein Lächeln nicht unterdrücken. Die gerade erwähnte machte einen beleidigten Laut, bevor sie der Blonden die Salatschüssel aus den Händen nahm und sie auf den Tisch stellte. "Juli, du weißt, dass ich dich liebe wie eine Schwester, aber du solltest langsam auch mal wieder das Leben außerhalb des Frauenhauses genießen." sagte sie, während sie sich auf einen der freien Stühle fallen ließ. Julia mochte den Spitznamen nicht besonders, den die andere Mitarbeiterin von Safe Haven ihr gab, doch sie korrigierte sie nicht. Immerhin meinte sie es nur nett.
      "Ich finde, sie hat Recht." mischte sich nun eine der anderen Frauen ein. Sie hatte ein Pflaster an der rechten Schläfe, das die allerletzten Spuren von dem versteckte, was sie vor kurzem ertragen hatte, bevor sie hierher gekommen war. "Du solltest raus gehen und genießen, dass du frei bist."

      Frei. Das war ein seltsames Wort. Für viele der Frauen hier bedeutete es etwas, was für sie bisher unerreichbar gewesen war. Etwas, was sie mit aller Kraft zurück erlangen wollten. Für Julia hingegen war Freiheit etwas, was dafür sorgte, dass sie sich oft klein und verloren fühlte. Manchmal fühlte sie sich wie ein Vogel, der sein Leben in einem Käfig verbracht hatte. Nur weil man ihm die Tür öffnete, hieß das nicht, dass er hinaus fliegen wollte und es ihm draußen wirklich besser ging.
      Aber immer wenn sie etwas in dieser Richtung sagte, stieß sie auf Unverständnis bei den anderen Frauen, weshalb sie das Thema inzwischen vermied.

      "Also ist das nun beschlossen." Julia schreckte aus ihren Gedanken hoch und legte fragend den Kopf zur Seite. "Was ist beschlossen?" fragte sie nach und sah sofort an Leahs Grinsen, dass ihr die Antwort nicht gefallen würde. "Wir gehen heute Abend aus. Ich kenne eine wirklich gute Bar, die ich dir zeigen werde." Die Blonde schüttelte den Kopf. "Ich denke nicht, dass..." setzte sie an, wurde aber sofort unterbrochen. "Keine Widerrede, ich verspreche dir, dass du dich gut amüsieren willst. Und deshalb gehst du nach dem Essen nach hause und ziehst dich um. Da kannst du nämlich nicht in Jeans aukreuzen."



      Im Nachhinein ärgerte Julia sich etwas darüber, dass sie sich so einfach überreden gelassen hatte. Aber vielleicht hatte Leah ja Recht und sie würde sich wirklich amüsieren. Es war schon lange her, seit sie auf einer Feier oder auch nur in einer Bar gewesen war. Hatte ihr so etwas früher nicht immer Spaß gemacht?
      Die junge Frau sah sich unsicher um. Sie hatte bereits einige Minuten lang auf ihre Freundin gewartet, als auf einmal ihr Handy klingelte. "Leah, ich glaube du hast mir die falsche Adresse gegeben. Hier ist keine Bar, ich stehe vor einem Hotel oder sowas." begrüßte sie die andere Frau. Aus dem Hörer war ein kurzes Lachen zu hören. "Süße, die Bar ist in dem Hotel. Keine Sorge, sie ist abends für normale Besucher geöffnet und du musst sie einfach gesehen haben. Die Drinks sind spektakulär und der Barmann wirklich niedlich." Julia verdrehte die Augen. "Aber ich rufe eigentlich an, um dir zu sagen, dass ich später komme. Wir hatten hier einen kleinen Notfall." Die Blonde sah ihr Hände entsetzt am. "Ein Notfall? Soll ich zurück kommen? Ich könnte helfen?" fragte sie, erhielt jedoch nur einen abweisenden Brummton als Antwort. "Es ist nicht so schlimm, ich bin nur gerade auf dem Weg ins Krankenhaus um vielleicht eine neue Bewohnerin kennen zu lernen. Ich weiß nicht, wie lange es dauert, deshalb gehst du besser schon einmal rein und wartest da auf mich." erklärte die Mitarbeiterin, schaffte es aber nicht Julia zu beruhigen. "Ich soll da alleine reingehen? Machst du Witze?" "Du kannst auch einfach da stehen bleiben, bis du dich erkältest und ich dich bei uns nicht mehr reinlassen kannst, weil du sonst alle ansteckst." Hätte Julia nicht ihr Hände festgehalten, hätte sie die Arme vor der Brust verschränkt. "Erpresst du mich gerade?" Ein leises Lachen war aus dem Hörer zu hören. "Vielleicht." Die junge Frau konnte das Grinsen der anderen förmlich vor sich sehen. "Also gut." sagte sie letztendlich, da ihr tatsächlich etwas kalt war. Wieso hatte sie auch nur auf Leah gehört und einen Rock angezogen? "Aber wenn du in einer Stunde nicht hier bist, gehe ich wieder." fügte sie hinzu.

      Die Bar war genauso elegant eingerichtet, wie das Hotel von Außen aussah. Mehrere Tische, an denen schwarze Ledersessel aufgestellt worden waren standen im Raum, der von einigen Lampen an der Wand und hinter der Bar in ein dämmriges Licht getaucht war. Sanfte Jazz-Musik ertönte aus den Lautsprechern und sorgte dafür, dass die Stimmen der anderen Gäste in den Hintergrund traten.
      Einen Moment lang sah Julia sich neugierig um, bis sie von einer Mitarbeiterin in einem schwarzen Hosenanzug gefragt wurde, ob sie vielleicht etwas essen wollte. Die junge Frau verneinte eilig und suchte sich dann einen Platz an der Bar, bevor sie noch mehr Aufmerksamkeit erregen konnte. Sie bestellt sich einen Gin Tonic und ignorierte das kurze Zögern des Barkeepers. Vermutlich bestellten die Frauen hier lieber Champagner oder Cocktails in bunten Farben. Julia hielt nicht viel von letzterem, da sie den Geschmack vom Alkohol zu sehr überdeckten und sie schnell betrunken machen konnten. Und sie hatte sicherlich nicht vor sich heute zu betrinken - oder sich überhaupt jemals zu betrinken. Und außerdem könnte sie sich hier vermutlich sowieso keinen ausgefallenen Drink leisten.

      Einige Minuten lang nippte Julia still an ihrem Dink und lauschte der Musik, während sie immer wieder zu ihrer Handtasche schielte in der Hoffnung dort den Display ihres Handys aufleuchten zu sehen. Aber leider schickte Leah ihr kein weiteres Lebenszeichen, weshalb die Blonde nichts anderes tun konnte als zu warten.
      Sie schwänkte gerade ihr Glas ein wenig hin und her und beobachtete wie sich das Licht der Bar in den Eiswürfeln brach, als sie auf einmal hinter sich die Wärme eines Körpers spürte, der Geruch von Aftershave stieg ihr in die Nase und schon kurz darauf ertönte direkt neben ihr eine männliche Stimme. "Hi" Julia drehte den Kopf und sah direkt in die blausten Augen, die sie jemals gesehen hatten. Diese gehörten zu einem Mann, der ein wenig älter als sie zu sein schien. Er trug einen schwarzen Anzug, doch sein dunkelbraunes Haar, von dem ihm einige Strähnen ins Gesicht fielen, sorgte dafür dass er nicht wie ein steifer Geschäftsmann wirkte. Auch wenn Julia es nicht gerne zugab, so musste sie sich doch eingestehen, dass er attraktiv aussah und dem selbstsicheren Ausdruck in seinen Augen nach zu urteilen, war er sich dessen auch sehr bewusst.
      "Darf ich?" fragte er, setzte sich dann jedoch ohne auf ihre Antwort zu warten. Stattdessen gab er beim Barmann eine Bestellung auf. Julia schloss ihre Hände um ihr Glas, sie spürte dass sich jeder Muskel in ihrem Körper anspannte. Sie hasste Situationen wie diese. Kurz sah sie zum Eingang, aber leider tauchte Leah dort nicht plötzlich auf und kam ihr zu Hilfe.

      "Carson Davis. Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen." Die Stimme des Mannes ließ Julia leicht zusammen zucken. Eigentlich wollte sie sich nicht mit ihm unterhalten, aber sein freundliches Lächeln machte es ihr unmöglich einfach aufzustehen und ihn alleine an der Bar sitzen zu lassen. "Julia Kinnley." gab sie deshalb zurück "Und ich bezahle meine Getränke schon selbst, aber vielen Dank, dass Sie für mich bestellt haben." sie lächelte etwas und hoffte, dass sie den Mann nicht zu sehr gekränkt hatte. Zwar wäre es ihr sehr recht, wenn er das Interesse verlieren und sie allein lassen würde, aber sie wollte auf keinen Fall eine Szene machen.
    • Er lächelte charmant. Ihm entging nicht die kleinste Regung in ihren perfekten Gesichtszügen.
      "Mir gehört die Bar. Mir gehört sogar das gesamte Hotel. Ich bestehe auf diesen Drink", antwortete er in einem Ton, der keinerlei Widerworte zuließ.
      Sam kam angedackelt und tischte die beiden Drinks auf - Gin Tonic für die Dame, Scotch für den Herrn.
      "Danke, Sam."
      "Sehr gern, Mr. Davis."
      Der kleine Mann trollte sich davon, um sich den anderen Gästen zu widmen. Carson wandte sich nun ganz der Frau zu seiner Rechten zu und musterte sie unverholen von oben bis unten. Perfekte Kurven, perfekt in Szene gesetzt, ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Sie war eine wahre Augenweide!
      "Verziehen Sie bitte meine Aufdringlichkeit, aber Sie sehen nicht aus wie jemand, der hier einchecken würde. Sie sind von hier, richtig? Aus San Francisco?"
      Er hatte schon immer ein Auge für sowas gehabt. Aber diese Frau passte einfach nicht in dieses Hotel. Hier wimmelte es von gut betuchten Mitbürgern, denn es war ein Spitzenhotel. Alle, die hier so 'billig' herumliefen, waren von der Safe Haven Foundation, weil er ihren Aufenthalt bezahlte. Aber eine Julia Kinnley stand nicht auf der Gästeliste. Sie war also Laufkundschaft für die Bar. Dabei wirkte sie gar nicth wie eine Bargängerin. Sie wartete auf jemanden...
      "Ich hoffe, Sie warten nicht auf Ihren Freund", scherzte Carson und nippte an seinem Drink.
    • Julia zog die Augenbrauen leicht zusammen. Ihm gehörte dieses Hotel und die Bar? Sie hatte schon einige Anmachsprüche gehört, doch dieser war neu... Aber sie beschloss ihm seinen Spaß zu lassen, da er nicht wie jemand aussah, mit dem man eine Diskussion anfangen sollte. Der autoritäre Tonfall in seiner Stimme zeigte, dass er es gewohnt war seinen Willen durchzusetzen und mit Widerworten nicht umgehen konnte. Sie mochte solche Menschen nicht besonders, da es sie zu sehr an ihren Ex-Freund erinnerte.
      "Nun, es ist ein schönes Hotel. Jedenfalls das, was ich bisher davon gesehen habe." sagte sie vage, ahnte aber, dass er ihr anhörte wie wenig beeindruckt sie von seiner Aussage war. "Und ja, ich bin tatsächlich verabredet. Ich bin nur etwas zu früh." Erneut wanderte ihr Blick in Richtung ihrer Handtasche in der sie ihr Handy sehen konnte. Leider war der Bildschirm immer noch schwarz - von Leah fehlte jedes Lebenszeichen. Innerlich hoffte Julia, dass die andere Frau möglichst bald auftauchen und sie aus dieser Situation befreien würde. Auch wenn dann heraus kam, dass sie nicht auf ihren Freund oder etwas ähnliches wartete.

      Kurz schwieg sie und trank dann den letzten Schluck aus ihrem Glas. Den Drink des Fremden ließ sie erstmal unberührt. "Machen Sie das öfter? Ich meine fremde Frauen an der Bar ansprechen?" fragte sie und machte sich nicht die Mühe seine Frage zu beantworten.
    • "Dann werde ich Ihnen eben Gesellschaft leisten, bis ihre verabredung hier auftaucht", gab carson nur gekonnt zurück und lächelte charmant.
      Diese Frau hatte irgendetwas an sich, etwas, was ihm bisher nur ein einziges Mal passiert war, aber selbst damals war es nicht so deutlich gewesen, wie jetzt. Er wollte mehr über diese mysteriöse Schönheit erfahren, die zufällig in seinem hotel gelandet war.
      "Wenn es sich lohnt, dann spreche ich auch Frauen an der Bar an, ja. Bisher hatte ich dazu allerdings kaum einen Grund."
      Er grinste in sein Glas hinein, als er einen erneuten Schluck nahm.
      "Setzen Sie sich denn öfter an fremde Hotelbars und beeindrucken die Anwesenden mit ihrem atemberaubenden Aussehen?"
      Zu dick aufgetragen? Wahrscheinlich. Interessierte es ihn? Nicht wirklich. Er wollte mehr über diese Frau erfahren und er würde mehr erfahren - ohne seinen üblichen Backgroundcheck. Zumindest vorerst.
    • Julias Mundwinkel zuckten leicht nach unten. Dieser Mann schien sich tatsächlich nicht so leicht vertreiben zu lassen, wie sie gehofft hatte. Sie konnte ihm nicht verbieten auf dem Platz neben ihr an der Bar zu sitzen, aber sie ahnte dass die Situation noch unangenehmer werden würde, wenn Leah endlich hier auftauchte und der Fremde heraus fand, dass sie kein Date hatte. Wenn sie etwas Glück hatte, würde er sein Interesse dann ja vielleicht Leah zuwenden. Besonders wählerisch schien er nicht zu sein. Für Julia wirkte er eher wie jemand, der eine Herausforderung darin sah eine einsame Frau an der Bar anzugraben - ein Spiel, dass er nicht verlieren wollte.

      "Setzen Sie sich denn öfter an fremde Hotelbars und beeindrucken die Anwesenden mit ihrem atemberaubenden Aussehen?" hörte sie ihren unliebsamen Sitznachbarn in diesem Moment sagen und konnte ein Lachen nicht zurück halten. Aber es war kein verlegenes Kichern, wie es manch andere Frau bei diesem unverholenen Kompliment von sich gegeben hatte. Man konnte deutlich heraus hören, wie albern Julia diese Aussage fand und ihr leichtes Kopfschütteln unterstrich dies noch. "Sie sind anscheinend niemals um eine Antwort verlegen." gab sie zu und grinste belustigt. Bisher hatte sie solche Sprüche nur von unbeholfenen Teenagern gehört. Sie nun aus dem Mund eines erwachsenen Mannes zu hören, war ein wenig seltsam. "Aber im Ernst, haben Sie mit sowas jemals Erfolg? Ich hoffe nicht."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Enija ()

    • Ihr Lachen war ein so wunderschönes Geräusch... Es brachte ihn selbst zum Schmunzeln.
      "Das kann ich nicht sagen, da ich sowas noch nie ausprobiert habe", antwortete er ehrlich auf ihre Frage.
      Kurz ließ er seinen Blick über die hochwertigen Alkoholika im Regal schweifen. Es wurde Zeit, dass er den Quatsch einstellte und ernst wurde.
      "Ich lade Sie ein, weil ich Sie besser kennenlernen will", sagte er ruhig und bestimmt - Cesar Milan wäre stolz auf ihn.
      Sein Blick schweifte über ihr Gesicht und dann weiter nach unten, wo er kurz an ihrem Busen hängen blieb. Das Oberteil passte perfekt...
      Er holte tief Luft, und verengte für einen kurzen Augenblick die Augen und richtete seinen Blick dann wieder auf dieses schöne Gesicht. Er fraß sich an ihren Lippen fest. Er sollte diese Lippen küssen, hineinbeißen, sie kosten. In der Reihenfolge.
      Carson zog an seiner Krawatte und löste den Knoten. Mit einer schnellen Bewegung seiner Finger öffnete er die beiden oberen Knöpfe seines Kragens und gab damit den Blick auf ein schön gebräuntes Stück Haut frei.
    • "Ich lade Sie ein, weil ich Sie besser kennenlernen will." Die Worte sorgten dafür, dass Julias Augenbrauen noch oben schossen. Zum ersten Mal an diesem Abend klang ihr Gesprächspartner ernst und aufrichtig. Leider widersprach er sich selbst nur wenige Sekunden später, als er seinen Blick an ihrem Körper hinunter schweifen ließ und seine Augen ein wenig zu lang auf ihrem Busen verharrten. 'Ich sehe schon, was du besser kennen lernen willst...' dachte sie sich und bereute, dass sie auch nur für den Bruchteil einer Sekunde daran geglaubt hatte, dass er mehr als nur ein einfacher Schürzenjäger war.
      Gerne hätte sie ihm genau das direkt ins Gesicht gesagt, aber leider kam sie nicht dazu, da der Mann auf einmal seine Krawatte lockerte und die obersten Knöpfe seines Hemds öffnete. Auf einmal fühlte Julias Mund sich sehr trocken an und all die zynischen Kommentare, die ihr zuvor noch durch den Kopf geschossen waren, waren auf einmal wie weggeblasen. Warum musste dieser eingebildete Kerl auch so gut aussehen?

      Am liebsten hätte Julia sich mit der Hand vor die Stirn geschlagen, als sie sich selbst bei diesem Gedanken erwischte. Sie schüttelte leicht den Kopf und griff dann nach dem noch unberührten Glas vor sich. Eigentlich hatte sie vorgehabt den Drink, den der Fremde ihr ausgegeben hatte, zu ignorieren, aber in diesem Moment war er eine angenehme Ablenkung. Denn sie hatte nicht vor den Mann genauso anzustarren, wie er es noch kurz zuvor bei ihr getan hatte.
      "Sie wollen mich nicht kennen lernen." sagte sie, nachdem sie einen Schluck getrunken und das Glas wieder neben sich auf die Theke gestellt hatte. Man konnte ihr anhören, dass sie von ihrer Aussage völlig überzeigt war. "Sie hatten bestimmt einen anstrengenden Tag und ich gönne es Ihnen, dass Sie sich nun entspannen wollen. Aber Sie sollten sich jemand anderen suchen, wenn Sie sich amüsieren wollen. Ich bin sicher hier gibt es einige Frauen, die Ihre Aufmerksamkeit zu schätzen wissen." Kurz ließ sie ihren Blick durch den Raum wandern. "Außerdem denke ich, dass ich demnächst gehen werde. Ich bin das Warten leid."
    • Er legte der Blondiene ene Hand auf den Oberschenkel. Dicht über dem Knie begann er damit, mit dem Daumen ein kleines Unendlichkeitszeichen auf ihrer Haut zu zeichnen.
      "Ich würde einen ausgedehnten Wellnestag nicht unbedingt als anstrengend bezeichnen", sagte er ruhig, "Ich will mit Ihnen Zeit verbringen, nicht mit jemand anderem und ob ich mich dabei amüsiere oder nicht ist mir auch egal."
      Er legte seine Hand nun an ihren Oberarm, strich sanft hinauf, über ihre Wange. Er berührte sie kaum und doch konnte er ganz genau spüren, wie weich ihre Haut war. Er wollte jeden zentimeter dieser Haut berühren, jeden Zentimeter davon besitzen. Das war eigentlich nicht so seine Art.
      Er ließ seine Hand kurz durch ihre Haare gleiten, dann zog er sie zurück. Er musste sich richtig dazu zwingen, seine Hand von ihm zu lösen. Er machte mit sich selbst den Kompromiss, dass er dafür nicht wegsehen würde.
      "Sie sind es nicht gewohnt, in Bars zu sitzen und auf jemanden zu warten, oder?", fragte er und lächelte leicht.
      Er leerte seinen Drink und rutschte von dem Barhocker.
      "Richten Sie Ihrer Freundin aus, dass ich ihre Zurückhaltung dankend zur Kenntnis genommen habe."
      Er nickte in irgendeine Richtung hinter der Bloniene, ehe sein blick wieder auf besagte Frau fiel. Er griff nach ihrer Hand und beugte sich hinunter, um ihr einen sanften Kuss auf den handrücken zu hauchen.
      "Es ist mir eine Freude, Sie kennenlernen zu dürfen, Julia Kinnley. Ich hoffe sehr, wir können das ein andermal wiederholen."
      Er drückte ihr seine Karte in die Hand, auf der auch handschriftlich seine private Handynummer stand, ehe er ging. Auf seinem Weg aus der Bar, atmete er tief durch und fuhr sich erneut durch die Haare. Er brauchte jetzt erstmal eine kalte Dusche, um mit den Folgen dieses kurzen treffens klarzukommen.
    • Seiner warmen Finger auf ihrem Oberschenkel ließ Julia zusammen zucken, sie spürte dass ihr Körper sich versteifte, während alte Erinnerungen in ihr aufstiegen, die sie am liebsten sofort wieder verdrängt hätte. Doch im Gegensatz zu den fordernden Berührungen ihres Ex-Freundes waren diese Hände sanft und hinterließen ein Kribbeln auf Julias Haut. Sie wusste, dass er nur mit ihr spielte und es ihm vermutlich Spaß machte ihre Reaktion zu beobachten. Trotzdem schaffte sie es nicht ihre Augen von seinen abzuwenden, die sie mit so einer Intensität anstarrten, als wollte er direkt in sie hinein sehen. Leicht, wie die Berührung von einem Schmetterling, wanderten die Finger ihren Arm hinauf, ohne dass die junge Frau in der Lage war sich dagegen zu wehren. Sie fühlte, dass sich die Härchen auf ihrem Unterarm aufstellten und ihre Lippen sich etwas öffnete. Sie verstand nicht, wie ein einfacher Mensch eine solche Wirkung auf sie haben konnte und es machte ihr etwas Angst.
      Aber genauso schnell wie sie begonnen hatte, war seine Berührung auch schon wieder vorbei. Julia blinzelte einmal und es dauerte einige Sekunden, bis sie wieder die Kontrolle über ihren Körper bekommen hatte und es schaffte den Mann nicht anzustarren wie ein verschrecktes Reh. Doch bevor es ihr gelungen war eine Antwort zu formulieren, hatte er sich bereits von ihr verabschiedet und war verschwunden. Alles, was er hinterließ, war seine Visitenkarte und die Wärme seiner Lippen, die Julia noch lange auf ihrem Handrücken spürte.

      "Wer war das denn?" Wie in Trance drehte Julia ihren Kopf und stellte fest. dass Leah sich inzwischen neben sie gesetzt hatte. Die letzte Aussage des Fremden machte auf einmal viel mehr Sinn für sie. "Ich habe keine Ahnung." murmelte die junge Frau und blickte auf die Visitenkarte. "Carson Davis" las sie und fühlte sich ein wenig schuldig, weil sie sich den Namen des Mannes, mit dem sie sich in den letzten Minuten unterhalten hatte, nicht gemerkt hatte.
      "Eigentlich wollte ich mich dafür entschuldigen, dass ich erst so spät kommen konnte, aber anscheinend war das gut so." Leah lächelte zufrieden, Julia hingegen zog die Augenbrauen zusammen. "Was soll das denn heißen?" Das Lächeln der anderen Frau wurde etwas breiter. "Na, so hast du diesen gut aussehenden Mann kennen gelernt, der offensichtlich ganz verrückt nach dir ist." sie seufzte "Ich wünschte mich würde jemand so ansehen." Julia verschränkte die Arme vor der Brust, dass sie immer noch die Visitenkarte festhielt hatte sie in diesem Moment vergessen. "Du hast mich beobachtete?" fragte sie fassungslos. "Und du hast mir nicht geholfen, obwohl du gesehen hast, dass mich jemand bedrängt?" Leahs Mundwinkel fielen nach unten. "Ich wollte euch nicht stören, ihr saht so gut zusammen aus." sagte sie kleinlaut.
      Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass die andere Frau es nur gut meinte. Aber ein Teil von ihr war trotzdem wütend. Wütend, weil sie sich alleine gelassen fühlte. Wütend, weil sie sich ausgenutzt fühlte. Aber vor allem war sie wütend auf sich selbst, weil sie zugelassen hatte, dass jemand sie dermaßen beeinflusste und sie nicht einmal versucht hatte sich zu wehren. "Ich gehe nach hause." beschloss sie und stand auf. Die andere Frau warf ihr einen alarmierten Blick zu. "Aber wieso? Du sahst wirklich so aus, als würdest du dich amüsieren." sie streckte ihr Hand aus und berührte ihre Freundin sanft am Unterarm. "Nicht alle Männer sind schlecht, Juli." sagte sie vorsichtig. "Ich glaube, dass er dich wirklich gern hatte, sonst hätte er dir nicht seine Nummer gegeben. Denk zumindest darüber nach, ob du ihn nicht vielleicht doch anrufen willst."

      Einen Moment lang betrachtete Julia die andere Frau. Manchmal bewunderte sie Leahs optimistische Einstellung, aber gerade fand sie ihre Aussage einfach nur übertrieben. "Wenn du ihn so toll findest, kannst du ihn ja selbst anrufen." gab sie zurück und legte die Visitenkarte vor der anderen Frau auf den Tresen. Dann nahm sie ihre Tasche und verließ die Bar, noch bevor Leah sie aufhalten konnte.
    • Die kalte Dusche half nciht. Keine der drei! Immer wieder hatte er ihr Gesicht vor Augen, ihre gold schimmernden Haare, ihre warmen braunen Augen. Er konnte ihre haut unter seinen Fingerspitzen spüren. Konnte sie riechen. Sie hatte sich in sein Hirn gefressen und sich dort eingenistet.

      Am nächsten Morgen war es nicht unbedingt besser. Er dachte immer noch an sie, aber jetzt konzentrierte er sich auf die Aufgabe, die vor ihm lag. Nach einem kleinen Frühstück führte er noch ein kurzes Telefonat mit einem Geschäftspartner, dann ging er in das Hoteleigene Fitnesscenter, wo er sich erst einmal ordentlich auspowerte. Heute Abend würde er keine Lust mehr haben, aber Sport musste sein, sonst könnte er nicht den ganzen Tag herumsitzen.
      Die Vorstandssitzung begann um neun. Sie würde vier Stunden gehen, dann gab es ein Mittagessen für alle Teilnehmer und ab zwei ging es dann weiter bis zum Abendessen um sieben. Er würde dutzende Zahlen und Statistiken zu hören bekommen, man würde ihm neue Konzepte vorstellen und erklären, warum die alten funktionierten. Erfolge würden gefeiert, aus Fehlern gelernt werden. Nachdem er sich gestern entspannt hatte, würde er heute den ganzen Tag arbeiten.
      "Mr. Davis, es ist zehn vor neun", informierte ihn Jackson, sein ganz privater Beschützer.
      Jackson hatte ihm schon mehr als einmal aus der Patsche geholfen, hatte ihm sogar schon einmal das Leben gerettet. Jackson war der Kopf von Carsons Sicherheitsteam, er war sein Chauffeur, er war sein Bodyguard, sein Terminkalender, sein Freund. Er kannte diesen Schrank von Mann schon seit er sieben Jahre alt war. Andere schafften sich einen Hund für so bedingungslose Loyalität an, Carson hatte diesen Linebacker.
      Carson war gerade in seinen Maßanzug geschlüpft. nach dem Sport hatte er geduscht - diesmal nicht so eisig wie am Abend zuvor - sich rasiert und anderweitig fertig gemacht. Er fuhr sich ein letztes Mal durch die Haare und zog sich dann sein jackett über. Gemeinsam mit Jackson machte er sich auf den Weg zu den Konferenzräumen, die ein Stockwerk weiter oben lagen. Der Weg war kurz, sie brauchten nur drei Minuten mit dem Aufzug und das auch nur, weil der Stahlkasten wohl aus dem Erdgeschoss angeeilt kam.
      Um kuez vor neun stand Carson also bereits im Konferenzraum. Eine Fensterfront bot einen unglaublichen Ausblick auf die Stadt. Der Raum wurde von einem großen, weißen Tisch dominiert, an dem bequeme Bürostühle standen. Einige Teilnehmer hatten sich bereits hier eingefunden, wahrscheinlich vorsorglich, um auch auf gar keinen Fall zu spät zu kommen. Es war allgemeinhin bekannt, dass Carson eine Verspätung nicht so einfach entschuldigte. Auf dem Tisch standen gläserne Karaffen mit Wasser und Gläser, aber die meisten bedienten sich an dem kleinen Buffet am rechten Ende des Raumes, wo es Gebäck, kaffee und Tee gab.
      Jackson machte sich auf den Weg zu diesem kleinen Buffett, um seinem Boss einen Kaffee zu holen - unaufgefordert. der Mann wusste einfach, wie Carson tickte. Der wiederum ließ sich am Kopfende auf der rechten Seite nieder. Die Wand ihm gegenüber am anderen Ende des Raumes war komplett weiß, vollkommen makellos. Das war auch nötig, denn es war die Projektionsfläche des Beamers, der mitten im Raum von der Decke hing. Momentan warf er nur das Logo der Safe Haven Foundation an die Wand.
      Carson warf einen Blick in die Akten, die man vor jedem Stuhl abgelegt hatte, damit alle Teilnehmer was zu lesen hatten. Er überflog sie nur, immerhin würde man ihm geich alles lang und breit erklären. Als Jackson ihm seinen Kaffee reichte, sah er auf. Und wurde vom Blitz getroffen. Wieso war sie hier? Und wieso hatte er davon nichts gewusst? Gerade, als er angefangen hatte, sich wieder auf seine Arbeit zu konzentrieren, tauchte sie auf und warf alles über den Haufen. Er konnte seine Augen nicht von ihr abwenden, es ging einfach nicht, er war physisch nicht dazu in der Lage.
    • Am nächsten Morgen hatte Julia sich wieder beruhigt und die Begegnung mit dem Fremden in der Bar weit in den hintersten Teil ihrer Gedanken verdrängt. Ein Grund dafür war, dass sie sich an diesem Morgen nicht auf ihren normalen Job vorbereitete, sondern einen - für sie - ungewöhnlichen Termin hatte. Im Grunde wusste Julia nicht, wieso sie sich von Andrew Martins dazu hatte überreden lassen, ihn zu einer Besprechung zu begleiten, bei der sie vermutlich die Hälfte der Zeit über nicht verstehen würde, worüber gesprochen wurde. Vermutlich lag es daran, dass er ihr Vorgesetzter war und es ihr deshalb schwer fiel ihm zu widersprechen.

      Um kurz vor halb Neun stand Julia vor ihrer Wohnung auf dem Bürgersteig und sah die Straße hinunter. Es fühlte sich ungewohnt an zur Abwechslung einmal eine Bluse, einen schwarzen Rock und hohe Schuhe zu tragen, anstatt wie sonst in einfachen Kleidern zur Arbeit zu gehen. Es war schon eine Weile her, seit sie sich so zurecht gemacht hatte und es erinnerte Julia an die vielen Treffen, zu denen ihr ehemaliger Freund sie mitgenommen hatte, damit er ein schönes Accessoire zum Vorführen hatte. Sie wusste, wie man sich zwischen Geschäftsleuten benahm, sie war gut darin freundlich zu lächeln und den Mund zu halten. Aber gemocht hatte sie es noch nie...
      Es dauerte nicht lange, bis Julias Chef in seinem schwarzen Wagen vorfuhr und der jungen Frau die Tür auf der Beifahrer-Seite öffnete. "Hübsch siehst du aus. Da muss ich ja aufpassen, dass dich mir keiner wegschnappt. Rosa bringt mich um, wenn du mir verloren gehst." Er lächelte warm. Julia beschloss den Scherz zu ignorieren, "Wie geht es deiner Frau denn?" fragte sie stattdessen. Andrew zuckte mit den Schultern. "Du kennst sie doch. Sie hasst es krank zu sein und sie ist beleidigt, weil sie nicht selbst zu der Konferenz gehen kann." Er startete das Auto und fuhr an. "Danke noch einmal, dass du stattdessen mitkommst."
      Julia unterdrückte einen gequälten Laut. Sie war immer noch nicht glücklich über ihre Situation. "Ist es denn wirklich nötig, dass ich mitkomme? Ich meine, du kannst doch sicher auch alleine dorthin gehen. Von all den Zahlen und so habe ich sowieso keine Ahnung." es war ein kläglicher Versuch sich doch noch aus der Sache heraus zu winden, aber das Lachen des dicklichen Mannes auf dem Sitz neben ihr zeigte, dass sie keinen Erfolg gehabt hatte. "Julia, wir sind eine Fundation, die hauptsächlich Frauen hilft. Es macht einfach einen schlechten Eindruck, wenn dann nur ein Mann zu der Besprechung kommt. Und du kennst dich mit der Arbeit vor Ort besser aus als ich. Wir werden uns sicher wunderbar ergänzen." Er lächelte ihr kurz zu, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte.

      Als sie endlich vor dem Gebäude ankamen, hatte Julia ihr Schicksal endlich akzeptiert, aber ihre Laune sank schlagartig wieder als sie erkannte, dass sie vor dem Hotel zum Stehen gekommen waren, in dem sie gestern Abend an der Bar gesessen hatte. Auf einmal wurde ihr klar, woher Leah die Bar kannte, vermutlich fand dieser Kongress regelmäßig hier statt und Rosa hatte ihr davon erzählt. "Hier müssen wir hin?" fragte sie, da sich ein Teil von ihr immer noch dagegen sträubte das Gebäude noch einmal zu betreten. Doch Andrew lachte nur und öffnete ihr die Tür. "Genau. Ziemlich beeindruckend, oder?" Julia zuckte leicht mit den Schultern. "Es scheint so."
      Als die beiden in dem Besprechungsraum ankamen, waren die meisten Teilnehmer bereits anwesend. Die junge Frau sah sich um und betrachtete den großen Tisch, an dem sie gleich sitzen würde und das Buffet, das bereits an einer Seite des Raumes aufgestellt worden war. Gerade überlegte sie, dass es vielleicht doch keine so schlechte Idee gewesen war hierher zu kommen, da sie nun zumindest umsonst etwas zu Essen bekommen würde, als ihr Blick auf eine Gestalt traf, die am Kopfende des Tisches saß. Augenblicklich änderte Julia ihre Meinung und sie wär am liebsten sofort wieder aus dem Raum gelaufen. Doch ihre Beine wollten ihr nicht gehorchen. Einige Sekunden konnte sie nichts tun, als wie erstarrt den jungen Mann mit den unglaublich blauen Augen anzusehen, den sie gestern Abend in der Bar nicht gerade freundlich behandelt hatte. Niemals hätte sie gedacht, dass sie ihn jemals wiedersehen würde. Leah würde nun vermutlich von Schicksal sprechen...
      "Komm, lass uns zu unseren Plätzen gehen. Keine Sorge, es wird dich schon niemand auffressen." Andrews Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Abwesend nickte sie und folgte ihrem Vorgesetzten zu den beiden Plätzen, die für sie reserviert worden waren.

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    • Sie hatte ihn gesehen. Und er hatte gesehen, dass sie ihn gesehen hatte. Er verfolgte sie, hielt sie mit seinem Blick fest auf ihrem Weg zu den entsprechenden Plätzen. Sie setzte sich, er blinzelte, wandte den Blick aber nicht ab.
      In den nächsten zwei Minuten setzten sich auch die anderen Mitarbeiter der Safe Haven Foundation an ihre Plätze, immerhin näherte sich die magische Neun. Pünklich schloss Jackson die Glastüren und bezug Position hinter seinem Chef. Carson eröffnete als Vorstandsvorsitzender die halbjährliche Vostandssitzung, begrüßte alle Teilnehmer und ging mit ihnen die Tagesordnung durch. Dann übergab er das Wort an den ersten Redner, dem Gründer der Foundation, der schon ordentlich in die Jahre gekommen war. Er bedankte sich bei allen Mitarbeitern, die heute anwesend waren, für ihre ordentliche Arbeit, bla bla bla. Als der alte Mann fertig war, ging es endlich zur Sache. Es wurden Zahlen genannt und Präsentationen vorgeführt. Es ging unter anderem um neu eingerichtete Frauenhäuser, die Zusammenarbeit mit der Polizei, Spendeneinnahmen und -Galen. Carson fragte sich, wann wohl Julia etwas sagen würde. Sie stand nicht auf der Rednerliste, aber sie saß neben dem Geschäftsführer des in San Francisco ansässigen Zweiges der Foundation. Sie schien ihm nicht mit dem Mann verwandt zu sein, also musste es eine kurzfristige Entscheidung gewesen sein. Kein Wunder, dass Jackson so angespannt war. Er hasste Überraschungen. Andererseits hatte Carson ihm von dieser umwerfenden Frau in der Bar erzählt und das ziemlich bildhaft. Vielleicht wusste Jackson, dass es diese Frau am Konferenztisch war und war deswegen so angespannt? Weil er wusste, wie Carson reagieren konnte, wenn er sich in solchen Situationen befand?
      So abgelenkt er auch von der blonden Schönheit war, er versäumte es nicht, die Konferenz für das Mittagessen zu unterbrechen. Pünklich, wie Carson es gern hatte, wurden drei verschiedene Speisen gereicht: Eine vegetarische, eine 'normale' und eine mit Meeresfrüchten. Jeder Konferenzteilnehmer hatte im Voraus bestellt, daher musste Julia mit dem Leben, was ihre Vorgängerin bestellt hatte. Carson hoffte innig, dass es ihr schmecken würde. Er konnte sich nicht auf sein eigenes Essen konzentrieren, solange er nicht wusste, dass es Julia schmeckte. Er drehte seine Gabel gedankenverloren durch die Sauce zu den Garnelen, während er sie beobachtete. Er hatte es immerhin fertig gebracht, sich eine davon in den Mund zu schieben. Das war aber auch schon alles an bewusster Tätigkeit, was er fertigbrachte.

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    • Wie Julia bereits erwartet hatte, interessierten sie die meisten Themen der Konferenz nicht wirklich. Sie hatte Statistiken und das Auflisten von Zahlen noch nie gemocht. Aber es gefiel ihr etwas mehr über die Arbeit der anderen Geschäftsstellen zu hören. Wenn man das ganze unwichtige Geschwafel ausblendete, war es also doch eine ganz interessante Runde. Das einzige Problem, das die junge Frau noch hatte, war die Person am Kopfende des Tisches. Nachdem sie den Schock darüber, dass sie den Fremden aus der Bar noch einmal wieder traf und er dann auch noch der Vorgesetzte ihres Vorgesetzten war, halbwegs überwunden hatte, versuchte sie den Mann so gut es ging zu ignorieren. Das gestaltete sich jedoch als schwierig, da sie regelrecht spüren konnte, dass er versuchte sie mit seinem Blick zu durchbohren. Jedes Mal wenn sie den Kopf in seine Richtung drehte, trafen ihre Augen auf seine, was sie irritierte und gleichzeitig verunsicherte. Sie konnte verstehen, dass er sich wunderte, wieso jemand wie Julia unangemeldet auf seiner Konferenz auftauchte, aber sie hatte gehofft nicht ganz so sehr aus der Masse heraus zu stechen. Sah man ihr an, dass sie von vielen der Themen keine Ahnung hatte? Oder hatte sie sich gestern Abend zu unhöflich benommen und ihn dadurch verärgert?

      Pünktlich um 13 Uhr wurde die Konferenz für das Mittagessen unterbrochen. Sofort begannen einige Teilnehmer sich miteinander zu unterhalten, man konnte deutlich erkennen, dass sie sich hier öfter trafen. Ein paar Mal wurde auch Julia angesprochen, doch es war mehr höflicher Smaltalk, gemischt mit etwas Neugierde, da niemand Andrews Begleiterin bisher gesehen hatte. Allgemein schien die Meinung zu bestehen, dass Julia seine Assistentin oder Sekretärin war und die junge Frau ließ die anderen Anwesenden in diesem Glauben. Sie war sich sowieso nicht sicher, was ihre Aufgabe bei diesem Treffen war.
      Nur wenige Minuten später wurde bereits das Essen gebracht und genau wie Julia erwartet hatte, sah es genauso elegant und teuer aus wie das Hotel. Einen Moment lang betrachtete Julia das Schweinemedallion, das so kunstvoll auf einem Berg von Gemüse angerichtete war, das es beinahe zu schade zum essen war, als Andrew seinen Kopf zu ihr drehte. "Es tut mir leid, dass ich dich nicht gefragt habe, was du essen möchtest. Die Bestellungen wurden schon vor einigen Wochen abgegeben..." sagte er entschuldigend. Seine Sitznachbarin schenkte ihm ein warmes Lächeln. "Da gibt es nichts zu entschuldigen. Du weißt doch, dass ich so ziemlich alles esse und es sieht wirklich gut aus." Insgeheim war Julia froh, dass Andrews Frau keinen Fisch bestellt hatte, doch das würde sie niemals aussprechen. Sie hatte gelernt sich nicht zu beklagen und alles zu essen, was man ihr vorsetzte. Schließlich war sie für viele Jahre nicht viel mehr gewesen als ein Accessoire, das ihren Begleiter auf keinen Fall in Verlegenheit bringen durfte.
      Um ihren Chef zu beruhigen, schnitt sie ein Stück Fleisch ab und steckte es sich in den Mund. Es war unglaublich zart und schien auf ihrer Zunge förmlich zu schmelzen. "Es schmeckt sogar fast noch besser als es aussieht." sagte sie, nachdem sie runtergeschluckt hatte und erkannte, dass ein erleichtertes Lächeln auf Andrews Gesicht trat.

      Einige Zeit lang aßen sie still, bis Julia schließlich ihre Neugierde nicht mehr zurück halten konnte. "Und Herr Davis ist also der Leiter von dem ganzen hier?" fragte sie Andrew und bemühte sich ihre Stimme leise klingen zu lassen. Ihr Vorgesetzter nickte. "Genau, Und er hat nicht nur Safe Haven gegründet, ich kann gar nicht zählen wie viele Firmen er besitzt. Ich muss neidlos zugeben, dass es beeindruckend ist, was er in seinem jungen Alter schon erreicht hat." Julia nickte abwesend, es fiel ihr schwer zu glauben, dass sie dank diesem Mann ein besseres Leben führte. "Und gehört ihm auch dieses Hotel?" fragte sie weiter, da sie sich an ihre Unterhaltung des letzten Abends erinnerte. Zwar ahnte sie bereits, wie die Antwort ausfallen würde, aber ein erneutes Nicken von Andrew bestätigte sie dann endgültig in ihrem Verdacht. "Ja. Es ist wirklich hübsch hier, oder? Ich komme jedes Jahr wieder gerne hierher. Es ist schade, dass wir nicht weiter weg wohnen, sonst hätten wir hier sogar ein Zimmer zur Verfügung gestellt bekommen." Während ihr Sitznachbar noch weiter erzählte, drehte Julia den Kopf und sah zu Carson. Es wunderte sie nicht, dass er sie schon wieder anstarrte, aber diesmal störte es sie nicht ganz so sehr wie zuvor. Sie fühlte sich ein wenig schuldig, da sie ihm gestern Abend nicht geglaubt hatte. Aber wer ahnte schon damit, dass er an einer Bar den Besitzer des Hotels treffen würde, der ihr einen Drink ausgab? 'Was für ein seltsamer Mann.' dachte die Blonde, während sie Carson musterte, bis ihr bewusst wurde, wie unhöflich ihr Verhalten gerade vermutlich war. Ein letztes Mal sah sie ihn an und lächelte ein wenig, bevor sie sich zwang den Blick wieder vo ihm abzuwenden und sich wieder ihrem Essen widmete.

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    • Es schmeckte ihr! Herr Got, es schmeckte ihr! Carson war ziemlich überrascht, wie sehr es ihn erleichterte, dass dieser eigentlich fremden Frau schmeckte, was ein Koch in einem seiner Hotels zubereitet hatte. Für gewöhnlich inteerssierten ihn derlei Trivialitäten nicht. Er steigerte sich hier bestimmt in irgendetwsa rein.
      Jackson tat einen Schritt nach vorn und lehnte sich zu seinem Boss hinunter. Carson kam ihm entgegen, indem er sich nach hinten lehnte.
      "Dana hat angerufen, es geht um die Sache in Shanghai", informierte der Linebacker.
      Carson überlegte. Er könnte jetzt aufstehen und die Sache über das Telefon in einem anderen Raum klären, was wahrscheinlich dazu führen würde, dass er hier früher verschwinden musste. Oder er blieb hier und genoss weitere Stunden mit dem Anblick von Julia. Die Entscheidung war klar.
      "Dana soll den Chinesen sagen, dass ich in einem Meeting festhänge und anrufe, sobald ich Zeit dafür finde."
      "Sir, bei allem Respekt-"
      "Ich weiß, Jackson. Die Chinesen werden sich damit abfinden müssen."
      "Ja, Sir."
      Jackson zog sich auf seinen eisernen Posten zurück und übermittelte die Nachricht an Carsons persönliche Assisstentin. Normalerweise wäre Carson für jede geschäftliche Ablenkung dankbar, aber heute würde er sich dieser Vorstandssitzung mit Vergnügen widmen.
      Nachdem er sein Essen beendet hatte, stand er auf und schlenderte ein bisschen durch den Raum. Es tat gut, sich die Beine ein wenig zu vertreten. Dass er dabei ganz zufällig an Julia vorbeikam, machte es natürlich nur noch besser.
      "Glauben Sie mir jetzt, dass mir das Hotel gehört?", fragte er charmant.
      Er stand hinter ihrem Stuhl, die Hände auf die Lehne gelegt. Er begrüßte Andrew freundlich und reichte ihm die Hand.
      "Ihr kennt euch?", fragte der Mann an Julia gerichtet.
      "Wir haben uns gestern zufällig in der Hotelbar getroffen", antwortete Carson, "Miss Kinnley glaubte mir nicht, als ich ihr sagte, das hier sei mein Hotel."
      Es amüsierte ihn, sie jetzt eindeutig vom Gegenteil überzeugt zu haben.
      "Aber sagen Sie mal, Andrew, sollte hie rnicht Ihre Frau sitzen?"
      "Ja, sie ist leider krank geworden, aber ich wollte hier nicht ohne weibliche Verstärkung auftauchen, immerhin beschäftigen wir uns hier ja hauptsächlich mit der Hilfe von misshandelten Frauen. Julia hier ist eine unserer besten Betreuerinnen. Die Frauen lieben sie und sie würde alles tun, um jeder von ihnen zu helfen. Hab ich nicht Recht, Julia?"
      Andrew grinste breit. Er schien so stolz auf ihre Arbeit zu sein. Und Carson auch. Er hatte nicht viel Kontakt zu den Betreuern und Helfern, hauptsächlich saß er hier in den Sitzungen rum, sorgte dafür, dass weiterhing enug Geld reinkam und half hier und da beim bau neuer Frauenhäuser mit. Er hatte einfach nicht die Zeit, sich jedem Mitarbeiter mit Vornamen vorzustellen, auch wenn er gern wusste, wer da für ihn arbeitet.
      "Ich hoffe, wir können Sie dieses Jahr wieder davon überzeugen, für unsere Stiftung zu spenden, Mr. Davis", sagte Andrew, "Immerhin sind Sie einer der wichtigsten Finanzträger."
      "Die vierzig Millionen sind schon so gut wie überwiesen, Andrew, Sie kennen mich doch. Machen Sie sich um Ihr Gehalt also keine Sorgen."
      Mit dem, was Carson spendete deckte er beinahe sämtliche Betriebskosten der gesamten Foundation ab, die immerhin landesweit operierte. Aber für ihn war das Taschengeld. Er überwies ja auch nicht vierzig Millionen auf einmal. Es war mehr eine wöchentliche Sache... Es läpperte sich eben alles zusammen.
      "Ja, immer pünktlich, niemals zu spät, nciht einmal eine Sekunde", sagte Andrew und man konnte hören, dass er sich an den Zwischenfall vor zwei jahren erinnerte, bei dem Carson einen Mann draußen hatte warten lassen, der drei Minuten zu spät gekommen war. Der Mann hatte bis zur Unterbrechung warten und sich dann vor allen entschuldigen müssen, wie ein Schulkind.
      "Pünktlichkeit zeugt von Professionalität, Andrew. Es heißt nicht umsonst Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."
      Er hätte viel lieber mit Julia gesprochen, wäre lieber mit ihr allein gewesen. Aber er musste sich damit zufrieden geben, dass er hinter ihr stand und sie riechen konnte. Was würde er dafür tun, dass dieser Geruch nie wieder aus seinem Leben verschwinden musste? Er hatte da schon einige Ideen...

      Die zweite Hälfte der Konferenz verging ähnlich der ersten. Die restlichen Redner üerzeugten mit ihrer Arbeit, Carson konzentrierte sich auf Julia. Zwischendurch lehnte sich Jackson noch einmal zu ihm runter, um ihn über den Stand der China-Sache zu informieren.
      Er konnte es kaum erwarten, hie rzum Abendessen rauszukommen. Nicht, weil er diese Sache klären wollte, sondern weil er das mit Julia klären wollte. Beides drehte sich um etwas, was Carson wollte. Also würde er alles daran setzen, sie zu kriegen.
    • Julia hätte wissen müssen, dass Carson Davis die Pause nutzte, um sich mit den Anwesenden zu unterhalten. Trotzdem überraschte es sie, als der Mann plötzlich direkt hinter ihrem Stuhl stand und beiden Hände auf der Rückenlehne abstützte. Auf einmal fühlte sie sich ein wenig gefangen und zog unbewusst die Schultern nach oben. "Glauben Sie mir jetzt, dass mir das Hotel gehört?" erklang seine Stimme dicht hinter ihr. Er klang höflich und amüsiert zugleich, Julia ahnte, dass er es sehr genoss sie darauf hinzuweisen, dass er die Wahrheit gesagt hatte - und vielleicht auch, dass er etwas mit seinem Reichtum angeben konnte. Sie drehte sich ein wenig auf ihrem Stuhl, um ihn ansehen zu können und gleichzeitig etwas mehr Abstand zwischen sie zu bringen. Trotzdem bildete sie sich ein noch immer die Wärme seines Körpers spüren zu können. "Ja, jetzt kann ich wohl nicht anders, als Ihnen zu glauben." sagte sie und lächelte höflich. Im Grunde interessierte es sie nicht, wie viel der Mann besaß, aber da sie nun wusste, dass er ihr Vorgesetzter war, beschloss sie ihn mit angemessenem Respekt zu behandeln.
      Deshalb erwiderte sie auch nichts, als Carson Andrew verriet, dass sie sich bereits getroffen hatten. Nur mit Mühe schaffte Julia es nicht gequält das Gesicht zu verziehen. Auf der Rückfahrt würde sie sich garantiert einige Fragen dazu anhören müssen. Doch in diesem Moment ließ Andrew das Thema fallen und nutzte die Chance, um geschäftlich mit seinem Geldgeber zu sprechen. Die junge Frau nahm einen Schluck aus ihrem Wasserglas, hätte sich aber beinahe verschluckt, als sie hörte wie viel Geld der Mann in ihre Arbeit steckte. Das waren Summen, die außerhalb von Julias Vorstellungskraft lagen und dass der Mann so gleichgültig über sie sprechen konnte, als würden ihm solche Ausgaben gar nichts ausmachen, zeigte ihr dass er in einer ganz anderen Welt lebte als sie.

      Nachdem Carson wieder von dannen gezogen war, lehnte Julia sich etwas näher zu Andrew. "Musstest du so dick auftragen, als du über mich geredet hast?" flüsterte sie. Der dickliche Mann lachte nur. "Es ist die Wahrheit, du musst leben Lob auch einmal anzunehmen." Die Blonde presste ihre Lippen zusammen. Sie fand immer noch, dass er übertrieben hatte und es war ihr unangenehm, dass ausgerechnet Carson Davis das mitbekommen hatte. Vermutlich dachte er nun, dass sie sich bei ihrem Chef eingeschleimt hatte, um an diesem Treffen teilnehmen zu können. Aber wieso dachte sie überhaupt darüber nach? Es war ihr ja egal, was er über sie dachte. Genau, es war ihr völlig egal!

      Der Rest der Konferenz verlief genau so wie der Vormittag. Julia hörte den Vorträgen zu und versuchte die eindringlichen Blick von Carson zu ignorieren. Noch nie hatte die junge Frau das Ende eines Tages so sehr herbei gesehnt. Sie konnte es kaum erwarten, wenn sie entlassen wurden und sie endlich aus diesem Hotel flüchten konnte. Vielleicht könnte sie Andrew sogar überreden, dass er ihr erlaubte das Abendessen ausfallen zu lassen...
    • Immer wieder schielte Carson auf seine Armbanduhr. Jedesmal rechnete er sich aus, wie spät es jetzt in Shanghai sein musste. Und als er so überlegte, schlich sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Wenn er sich recht erinnerte, dann waren seine Geschäftspartner morgens um zehn anderweitig beschäftigt. Er konnte also gar nicht direkt nach der Konferenz anrufen. So ein Mist aber auch.
      Die Konferenz neigte sich ihrem Ende, die Luft war aus den zuhörern raus und die Vortragenden hatten auch keine Lust mehr. Alle freuten sich auf das exquisite Abendessen, für dass Carson gesorgt hatte. Im Gegensatz zum Mittagessen allerdings, handelte es sich hierbei um ein Buffett untem im Hotelrestaurant. Es war ein großer Tisch für alle beteiligten bereitgestellt worden und das Buffett war Firmenintern - die anderen Gäste würden nicht einmal in die Nähe der Konferenzteilnehmer kommen.
      Um sieben beendete Carson die Sitzung, die durchaus aufschlussreich gewesen war und lud alle zum Abendessen ein. Persönlich ließ er Julia keine Chance, vor ihm zu fliehen, denn gleich nachdem er das Essen angekündigt hatte, ging er zu ihr und Andrew.
      "Ich hoffe doch, dass Sie mich begleiten werden, Miss Kinnley? Dann können wir unser Gespräch von gestern Abend wieder aufnehmen", sagte er charmant.
      Adrews Augen glitzerten, allerdings war Carson nicht recht klar, waurm. Vielleicht war sich geschäftliche Vorteile von dieser Liaison erhoffte. Aber Carson war hinter etwas mehr als einer kurzen liebschaft her.