Kronenliebe [Daisy & Michue]

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    • Kronenliebe [Daisy & Michue]

      Vorstellung

      Prinzessin Aine Bedelia Kaitlyn von Tamór
      „I am my father’s savage daughter. The one who runs barefoot cursing sharps stones. I am my father’s savage daughter. I will not cut my hair; I will not lower my voice.” Das Singen einer sanften, eleganten Stimme war durch die langen Gänge des oberen Stockwerkes des Königspalastes zu vernehmen. Bewaffnet mit einem aufgeschlagenen Buch in der rechten Hand, tänzelte die Quelle der Stimme fröhlich hin und her, während ihr Blick fokussiert auf der Strophe lag. Ihre linke Hand hob leicht den Saum ihres Kleides an, sodass sie sich problemlos hin und her schwenken konnte, ohne über den teuren Stoff zu stolpern. In diesem Augenblick war die Welt für sie zeitlos und niemand konnte ihre Fröhlichkeit zu Nichte machen. Oder so dachte sie zu mindestens.
      Aine, die vom Volk geliebte Prinzessin, blickte zum ersten Mal seit einigen Stunden von ihrem Buch auf und als sie die Sonnenstrahlen sah, die durch die Fenster hineinstrahlten, bemerkte sie, dass es bereits Mittagsstunde war. „Ach herrje“, rief sie überrascht und klappte das Buch geschwind zu, ehe sie auch schon die Gänge entlang rannte. Sie schaffte es doch wirklich jeden Tag zu spät zum Mittagstisch zu erscheinen!
      Kurz vor der großen Türe, die zum gigantischen Esszimmer führte, hielt sie an, um Falten aus ihrem Kleid zu streichen und abstehende Haare zurecht zu streichen. Dann nahm sie noch einmal tief Luft und schwang die Türe mit fröhlicher Stimmung auf. „Hallo Vater!“, begrüßte sie den König, der nicht gerade erfreut dreinblickte. „William“, nickte sie dann noch dem Butler mit ihrem zuckersüßen Lächeln zu und setzte sich dann auch schon gegenüber ihrem Vater hin. William servierte ihr das köstlich aussehende Essen, ebenfalls mir einem Lächeln auf den Lippen, ehe er sich dann entschuldigt und den Raum verlässt.
      Zunächst herrscht eine Stille in dem viel zu großem Raum, ehe ihr Vater zum Sprechen ansetzte.
      „Aine…“, fing er an, doch die Prinzessin unterbrach ihn hastig. „Ich weiß, Vater. Entschuldigt bitte. Ich hatte mich nur in das alte Singbuch von Mutter vertieft, sodass ich einfach kein Zeitgefühl empfand. Morgen werde ich pünktlich sein, versprochen!“
      Doch anstelle ihr zu antworten, seufzte der Vater nur und legte sein Besteck zur Seite, was er gerade noch in der Hand hielt. „Aine, es geht nicht um deine unangebrachte Unpünktlichkeit.“ Zunächst erleichtert richtete sich die Prinzessin auf und schenkte ihrem Vater ein wunderschönes Lächeln. „Was schwebt dann in Eurem Kopf vor, Vater? Brauchen Eure Hoheit Rat für eine neue Strategie? Ich habe doch von Anfang an gesagt, dass das Theriopa Volk viel freundlicher ist, als es auf dem ersten Blick scheint. Handeln ist eine wesentlich bessere Option, als ihnen Bedrohungen auszusprechen.“
      Doch wieder schüttelte der König nur missmutig den Kopf. „Es geht um deine Vermählung, Aine.“ Ihr Lächeln erstarb mit einem Male. „Was soll denn damit sein. Ich habe Euch doch gesagt, dass ich nicht bereit dafür bin!“ Leider stieß die junge Prinzessin allerdings auf taube Ohren.
      „Das ist nicht mehr deine Entscheidung! Als die Prinzessin ist es deine einzige Aufgabe für dein Volk da zu sein. Und das machte eine Prinzessin, indem sie sich mit einem Prinzen vermählt, sodass es einen rechtmäßigen Erben auf den Thron gibt!“
      Wütend erhob sich die zierliche Gestalt von Prinzessin und klatschte empört mit ihren Händen auf den Tisch. „Ich bin die rechtmäßige Erbin auf den Thron, Vater! Ich trage Euer Blut in meinen Adern!“, warf sie ihren eigenen Vater vor.
      „Du bist aber kein MANN!“, entgegnete der König mit erhobener Stimme, blieb allerdings noch ruhig auf seinen Platz sitzen. „Und wenn schon? Nur weil ich nicht das Geschlecht eines Mannes trage, heißt dies doch noch lange nicht, dass mir die Intelligenz fehlt ein Land zu regieren! Wacht doch endlich auf! Ich weiß was das Volk will und wie ich es dahin bringen kann.“
      Der König wischte sich den Schweiß von der Stirn und seufzte entnervt. Streitereien mit seiner Tochter strängten ihn immer unglaublich an und häufig kommt er gegen den Dickkopf nicht an.
      „Es tut mir leid, Aine, aber da gibt es nichts mehr zu diskutieren. Du wirst den Prinzen von Bojarion heiraten.“
      „Vater!“, versuchte Aine weiterhin zu protestieren, doch es schien nichts zu helfen. Dieses Mal schien der König seine Entscheidung getroffen zu haben, ohne weiter auf seine Tochter einzugehen. „Was muss ich den tuen, dass Ihr mir glaubt Vater?!“, versuchte sie einen letzten Anlauf, doch der König verdrehte nur seine Augen und stand nun ebenfalls auf. Der Appetit war ihm nach dieser Streiterei vergangen.
      „Das weiß ich beim Besten Willen nicht, Aine. Erledige den Drachen im Norden oder irgendetwas anders was nur ein MANN schaffen kann!“, erwiderte er nun sichtlich aufgebracht und verließ daraufhin den Tisch. Er hatte dies nur als Scherz vorgeschlagen – er wusste, dass die Prinzessin nicht im Stande war dies zu bewältigen und hoffte, dass sie nun endlich aufgab. Doch er konnte nicht ahnen, dass die Prinzessin ihm bei Wort nahm.
      „In Ordnung, der Drache solls also sein“, murmelte die Prinzessin siegessicher und huschte noch vor ihrem Vater aus dem Speisesaal heraus.
      Der König schüttelte nur den Kopf.


      Die Prinzessin ließ sich den ganzen Tag über nicht mehr blicken und der König ging davon aus, dass sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hatte, um zu Schmollen. Allerdings schätzte er seine Tochter falsch ein, denn sie plante ihre heimliche Abreise.
      „Ich werde allen zeigen was ihre Prinzessin überhaupt im Stande ist!“, murmelte sie voller Tatendrang, während sie ihren Schmuck ablegte. Das Diadem, dass normalerweise ihren Kopf schmückte, hielt sie nun in ihren Händen und betrachtete dieses mit einer traurigen Miene.
      Behutsam legte sie es nach einer Weile auf ihr Bett und schlich sich aus ihrem Gemach heraus. Schließlich musste sie noch ihren kleine Jutebeutel mit allen Notwendigkeiten füllen. Trinkschlauch, ein paar wenige Goldstücke, drei Tagesrationen an Essen, einen kleinen Dolch, sowie die Haarbürste, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte.
      „Das sollte vorerst reichen“, beschloss die Prinzessin, nachdem sie alles beisammenhatte und strich sich das Kleid glatt, das sie trug. Sie hatte sich eines der Kleider der Magd stibitzt und auch wenn ihr dieses ein wenig zu breit war, fand sie dies angenehmer zu tragen als die enganliegende, königliche Garderobe, die sie sonst trägt.
      Zum Glück kannte die schlaue Prinzessin die Patrouillen Wege der Wachen, da es schon häufiger vorkam, dass die Prinzessin sich herausschlich, um den Umgang mit dem Schwert zu üben. Schließlich war es von Nöten, dass man einen regelmäßigen Trainingsplan besaß, sodass man nicht einrostete. Dies kam ihr nun gelegen, denn sie schaffte es zum Stall, ohne bemerkt zu werden.
      Ein wenig stolz auf sich selbst, sattelte sie ihr weißes Pferd und befestigte den Jutebeutel.
      „Wir gehen auf ein kleines Abenteuer, Jeremy!“, flüsterte sie dem Hengst zu dessen Ohren aufgeregt zuckten.
      Und ohne weiteres Zögen schwang sie sich in den Sattel ihres treuen Freundes und ritt in der Dunkelheit davon.




    • Gennady II., Kronprinz von Bojarion
      "Du törichter Nichtsnutz von einem Sohn!" Die Worte des Königs füllten sein Arbeitszimmer. Seine hauchende Stimme verließ die zitternden Lippen und von dort aus breitete sie sich aus, streckte ihre Klauen aus und prallte an dem desinteressierten jungen Mann ihm gegenüber ab. Erhobenen Hauptes stand er kerzengerade in der Gnade seines Vaters und schämte sich nicht für seine Ideale beleidigt zu werden. Gennady sah keinerlei Begründung darin sich zu wehren. Lange wartete der König Bojarions auf eine Rechtfertigung, eine Entschuldigung oder zumindest einen Kompromiss. Doch nach seinen verebbenden Worten kehrte eine erdrückende Stille ein. Eine Geräuschlosigkeit, die in den Ohren des aufgebrachten Mannes klingelte und unerträglich wurde. Beinahe schien ihm wahrlich, als würde sein Herzschlag stoppen, ehe diese sture Gestalt bereit gewesen ist sich zu beugen. Sein Kiefer spannte sich an. Inzwischen loderte lediglich Wut in seinen Adern beim Anblick dieses Bengels. Es war einzig der Frau Königin geschuldet, dass er ihn nicht schon längst hat in seine Schranken weisen können. Gennady rührte sich nicht, sondern bedachte seinen Vater mit blanker Gleichgültigkeit seinen Gemütszustand betreffend. Allerdings blieb er dennoch sehr achtsam was die Miene des älteren Mannes anbelangte. Seinen Augen entgingen nicht die zitternden Nasenflügel beim schweren einatmen. Er bemerkte die tiefe Falte, die sich zwischen seine Augenbrauen drängte und auch auf seiner entblößten Schläfe war deutlich eine angespannte Ader zu entdecken. Seine Atemzüge wurden schneller und seine Bewegungen unruhiger, wenn es auch keine ausschweifenden Gesten gewesen sind. Es juckte ihn offensichtlich in den Fingern Gennady auf der Stelle ins Gesicht zu schlagen.

      Dies alles waren Vorboten dessen, worauf der Kronprinz sich seelenruhig vorbereitete. Er nahm einen stabileren Stand ein und ließ seine Hände in ruhiger Manier hinter sich gleiten, um sie hinter seinem Rücken zusammenzuhalten. So sehr sein Vater auch widersprechen würde, Gennady war keiner kleiner Junge mehr, der vor seinem Vater einknickte. Stattdessen nahm er bewusst seine sehr gerade, das Kreuz durchdrückende Haltung ein. Es war der exakte Stand, den der König einnahm, wenn er mit seinen Beratern lange, zähe und unaufhörliche politische Sitzungen abhielt. Eine Haltung, die ihm und ihm allein vorbestimmt gewesen ist. Gennady hat darin immer einen gewissen Ausdruck der Erhabenheit erkannt. Seine Diener und Berater mussten ihn von sich und ihren Vorschlägen überzeugen. Er war derjenige, der die Wahl traf. Und so wollte nun auch Gennady ihm unverschämter Weiße entgegen treten. Sollte der alte Mann doch toben, ihn anschreien oder auch versuchen ihm seine Ideen schmackhaft zu machen. Sollte er sich doch für ihn auf den Kopf stellen und seine Bitte vorbringen. Gennady würde leidglich eine Entscheidung, ein Urteil, seinen Willen verkünden. König Alexander von Bojarion sah in die provozierend funkelnden Augen seines Sohnes und sein Geduldsfaden riss.

      "Du verfluchter! Was um alles in der Welt willst du denn?!", schrie er sein Ebenbild aus jugendlichen Jahren an, sprang impulsiv auf die Beine und schleuderte seine geballte Faust auf den Schreibtisch. "Eine Prinzessin nach der nächsten! Keine ist gut genug für dich gewesen. Was stört dich nun an Prinzessin Aine? Sie soll die schönste Frau weit und breit in Tamór sein! Sie ist dafür geboren eine Königin zu sein, jeder, der sie erblickt, senkt sein Haupt in Demut! Und du willst dich hier hinstellen und mir erzählen sie wäre nicht gut genug für dich?! Was denkst du wohl wer du bist?!" Erneut schlug er gegen das Holz. Gennady zuckte nicht zusammen oder ließ sich auch nur eine anderweitige Reaktion entlocken. Stattdessen seufzte er lediglich ermüdend. "Vater", setzte er in einem belehrenden Ton an, der die Röte in das Gesicht des Königs trieb. "Was soll ich denn mit Schönheit? Warum sollte ich mir eine Frau nehmen, die bestenfalls wie eine Blume ist. Ja, sie mag schön sein, sie mag auch köstlich duften oder sogar einen atemberaubenden Nektar haben, der nach süßem Honig schmeckt. Nichtsdestotrotz wird eine Blume welken. Und was bleibt von ihr übrig, wenn sie vertrocknet? Den Kopf hängen lässt und nur noch jämmerlich und in einer Hässlichkeit, die tragische Ausmaße hat darauf wartet hinfort geworfen zu werden? Welchen Nutzen soll ich bitte aus so einem Geschöpf ziehen? Nein, Vater. Wenn es um Schönheit geht, so besitze ich selbst genug davon, um gesättigt zu sein. Mich dürstet es nicht nach weiteren Blumen."

      - "Du elender... Und wonach dürstet es dich dann?! Du willst eine Frau, die was?! Hm? Ich höre dich nicht! Na los, mach schon den Mund auf, du elender Hund und berichte mir von den weltbewegenden Kriterien, die mein Sohn hat! Auf dass ich Gott persönlich darum ersuchen darf deine Braut zu werden!" Das war ein guter Schachzug. Nicht einmal Gennady konnte leugnen, dass diese Worte einen gewissen Effekt auf ihn hatten. Angespannt festigte sich der Griff in seinem Rücken und er bohrte seine Finger in sachtem Schmerz in die helle Haut. Ja wonach genau er suchte, das ahnte der junge Mann ja selbst nicht! Er wusste nur von der Leere, die seinen Geist plagte. Und wie sie ihn heimsuchte! Nachts riss er sich manchmal schweißgebadet aus dem Schlaf, weil eine tiefe, schreckliche Angst sein Herz ergriff. Wenn er hoch oben auf den Mauern des Palastes stand, war es manchmal als würden Stimmen durch den Wind zu ihm durchdringen. Sanftes, zuckersüßes Flüstern, das versuchte seine Füße in Richtung des Abgrundes zu bewegen. Und ganz gleich vor welcher Frau er auch stand, ganz gleich welche Vorzüge sie aufwies, die seinen Körper für einen Moment sogar zu sättigen vermochten, sie waren ihm schneller eine Last, als er ihre Namen aussprechen konnte. Sobald sie ihre stechenden Stimmen erhoben wurde ihm schwindelig und ihm war, als würde ein tiefer Kopfschmerz ihm befehlen sie wegzuschicken. Doch das waren alles Dinge, für die sein Vater keinen Sinn hatte. Er würde es nicht begreifen. Drum schwieg er.

      "Ja, habe ich es mir doch gedacht", schnaubte der Mann und nahm die Stille als die deutlichste aller Antworten und ließ sich langsam und erschöpft wieder sinken. Der Mann mit dem ergrauten Haar schaute eine Weile in die Leere, ehe er den Kopf schüttelte. "Ich gebe dir drei Monate." - "Was?" Gennady ergriff schneller das Wort, als er darüber nachdenken konnte. Die plötzlich ruhige Manier seines Vaters entsprach nicht dem gewohnten Muster. Noch immer seelenruhig nickte der König und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Seinem Sohn trat kalter Schweiß auf die Stirn. Seine Hände schossen wieder nach vorne in der Manier eines Bittstellers und in der selben Sekunde verfluchte er sowohl den König, als auch sich selbst dafür, dass er ihm hatte die Führung zurückgegeben. "Entweder du findest in drei Monaten eine Braut, die auch ich akzeptiere, oder ich schicke Kriegserklärungen aus. Von allen Kriegen, die unser Reich kennt, wirst du den sinnlosesten von ihnen anführen und zu verantworten haben. Deine Regentschaft wird mit einem Blutbad beginnen. Man spricht hinter deinem Rücken und nennt dich den blauen Prinzen. Und hiermit verspreche ich dir, ich werde dafür Sorge tragen, dass du zum roten König wirst. Unmut und Verlusttrauer soll die Augen deiner Bürger zieren. Wenn du nicht einmal bereit bist für sie zu heiraten, wirst du die Konsequenzen tragen müssen und ihnen ein König sein, den sie fürchten und verabscheuen." Gennady gefror bei diesen Worten das Blut in den Adern. "Vater, ich...-"

      "Deine Schonfrist ist vorbei, Junge." Schauer jagten den Rücken des Prinzen hinauf. Ein Kloß bildete sich in seinem Hals und das Atmen fiel ihm schwerer. Das letzte mal hatte er ihn in seiner Jugend so angesprochen. Und niemals ist diese Anrede mit etwas gutem verbunden gewesen. "Drei Monate. Präge es dir genau ein. Kehre zurück mit einer Braut, heirate Aine oder führe dein Königreich und deine Zukunft ins Verderben. Das ist mein letztes Wort." Gennady wehrte sich nicht gegen dieses Urteil. Er schaffte es nicht einen Protest über seine Lippen zu bringen. Kreidebleich wie ein Geist verließ er das Arbeitszimmer seines Vaters und ging innerlich zermartert in den Westflügel in Richtung seiner Gemächer. Dort kam ihm sein Kämmerer Fjodor ihm entgegen. Der junge Mann entdeckte seinen Herrn und eilte sofort an seine Seite. "Um Himmels Willen, Eure Majestät!" Gennady machte Anstalten einfach an ihm vorbeizugehen, doch der Mann hielt ihn am Arm und zog ihn zurück. "Eure Majestät? Hört Ihr mich? Fehlt Euch etwas? Ihr seht miserabel aus!" Miserabel, was für ein treffendes Wort für seine Situation. Gennadys Magen drehte sich um. Ihm wurde schlecht, wenn er an seine Umstände dachte. "Fjodor", kam es ihm bitter über die Lippen und er schluckte schwer. "Gehe und packe die Sachen. Mache drei Zelter bereit, einen Stalljungen, den Falkner, treibe mir einen Koch und einen Mundschenk auf und..." Er überlegte kurz und winkte dann achtlos ab. "Zehn Knechte und drei Knappen. Lasse keinen der großen Wagen herrichten wegen dem Proviant. Der kleine wird genügen." Fjodor runzelte verständnislos die Stirn. "Ihr wollt verreisen, Eure Majestät? In so kleiner Gruppe? Seid Ihr Euch sicher, dass das eine gute Idee ist?" Gennady nickte und setzte seinen trauernden Gang in seine Gemächer fort. "Ja, ich möchte niemanden um mich haben. Das nötigste ist genug. Ich möchte sobald ich kann aufbrechen, also eile." Der treue Kämmerer blieb unsicher zurück und schaute seinem Herrn, dem Prinzen, hinterher. "Jawohl... Eure Majestät."
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      Prinzessin Aine Bedelia Kaitlyn von Tamór
      Drei ganze Tage sind seit dem Aufbruch der Prinzessin vergangen. Während sie die Nächte mit Rast verbrachte, versuchte sie tagsüber so weit wie möglich zu reisen. Ihr war nämlich sehr wohl bewusst, dass ihr Vater mit Sicherheit bereits Wachen nach ihr ausgesandt hatte und sollte sie nachlässig werden, würden diese sie ganz schnell aufholen. Zudem wusste sie, dass einige Wache ihres Königreiches die Hauptstraßen patrouillierten, um Reisende von Räuber und Kriminellen zu schützen, denn seit einigen Wochen wurden die Raubüberfälle und Morde auf Händler immer häufiger. Zum Glück war das Gedächtnis der Prinzessin allerdings hervorragend, sodass sie sich an die sicheren Reisewege erinnern konnte, die die Kutscher gefahren sind, wenn der König und ihre Wenigkeit zu eine der anderen Königreichen eingeladen waren. Diese waren außerhalb der Hauptstraße angesiedelt und auch wenn der Weg etwas holprig war, war dieser der sicherste. Und auch wenn sie wusste, dass sie nicht ewig Gefahren umgehen konnte, war der schlauste Schachzug erst einmal so schnell wie möglich über die Grenze ihres Landes zu kommen und Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. So gut wie es eben nur ging. Im Fall der Fälle hatte sie ihren Dolch an ihrem rechten Bein, mit Hilfe eines Stofftuches, festgebunden, um somit einen schnellen Zugang an ihrer Waffe zu garantieren. Das Kleid, dass sie der Magd entnahm, hatte die Prinzessin bis zu ihren Knien gekürzt. Es macht zu einem das Reiten viel angenehmer, zum anderen ist die Mobilität der Beine in einem kürzeren Kleid wesentlich besser. Aine war bislang nur lange Kleider und Gewänder gewöhnt, die die Beine bedeckten, doch nun, dass sie ihrer eigenen Freiheit unterlag, empfand sie diese Veränderung als wirklich angenehm. Doch sie musste vorsichtig sein, denn für ein geübtes Auge war es einfach den Unterschied ihres Teints auf den Beinen und den Armen zu erkennen und somit festzustellen, dass dieses Kleid nicht ihr gehörte. Ihre Beine waren viel zu blass, als dass diese mit der Bräune ihren Schultern und Armen übereinstimmen konnte.

      In der Nacht des dritten Tages ihrer Reise, hatte sie beschlossen einen Besuch in der Stadt, die genau auf der Grenze der beiden Länder Tamór und Bojarion lag, abzustatten. Zu einem endet ihre Essenration, die sie bei sich trug und zum anderen war die Stadt für ihre wunderschönen Dorffesten bekannt. Und wenn sich die Prinzessin nicht ganz irrte, waren diese bereits in vollem Gange. Schon lange wollte sie diese mit ihren eigenen Augen sehen, allerdings war ihr Vater dagegen. Sie konnte auf den Bällen, die er veranstaltete, so viel tanzen, wie sie wolle, aber ein Dorffest wäre für eine Prinzessin viel zu gefährlich. Jetzt hatte sie die Chance eine ihrer Kindheitsträumen in Erfüllung zu bringen. Vorfreude füllte den Kopf der Prinzessin und mit tänzelnden Bewegungen entledigte sie sich nach und nach ihrer Kleidung. Vorsichtig legte sie diese zusammen und beiseite, um sich dann summend in Richtung des kleinen Flusses, nur zehnfuß weit, zu begeben. Das Wasser war eiskalt, als dieses den sündhaft schönen Körper der Prinzessin umhüllte und vor neugierigen Augen versteckte.
      Prinzessin Aine war sich sicher, dass niemand in der Nähe war, allerdings konnte man nie genau wissen. Doch ihre Selbstsicherheit siegte über die Vorsicht, sodass sie sich keine Gedanken machte und damit begann sich im kalten Wasser zu waschen. Sie erfreute sich daran, wie leicht sie sich im Fluss fühlte und hüpfte in rhythmischen Bewegungen hin und her, während sie ihr Lied unter dem Mondschein sang.

      „My father’s child dances in darkness;
      She sings heathen songs by the light of the moon;
      and watches the stars and renames the planets;
      and dreams she can reach them with a song and a broom.”

      In der Sekunde, in der die Morgenstunde den klaren Himmel küsste, warf sich die Prinzessin in den Sattel ihres treuen Gefährten, der die Aufregung der Prinzessin spüren konnte. „Oh Jeremy! Heute wird getanzt bis die Füße bluten!“, rief sie freudig aus, sodass einige Vögel, die noch in ihren Nestern zu schliefen schienen, erschrocken in den Himmel hinaufflogen. Ohne zögern stieß die Prinzessin leicht in die Seiten ihres Pferdes und schon brauste es davon.
      Nach nicht einmal einer Stunde in Trabgeschwindigkeit konnte man bereits die laute Melodie verschiedener Instrumente hören und ein breites Grinsen zierte das Gesicht der Prinzessin. Da hörte sie die Violine und ach da, da war das Geräusch einer Laute zu vernehmen! Sie schloss ihre Augen, um noch mehr Instrumente herauszuhören. Den Bass, die Trommel und ach was?! Ein Akkordeon!
      Begeistert sprang Aine von Jeremy herunter und nahm ihn nun stattdessen an den Zügeln. Viel zu sehr wünschte sie gerade in Berührung mit der Erde zu sein und wollte ihre Füße der Melodie hingeben. Fröhlich tanzend begab sie sich also in die Richtung des Festes und kurz vor dem Dorf gab es einen kleinen Stall in dem Fremden ihre Pferde in Obhut geben konnte. Sie gab dem Stalljungen ein Goldstück und als dieser ihr sagen wollte, dass dies zu viel sei, hob sie ihre Hand, um dem Jungen zu stoppen und dann durch das dunkle Haar zu fahren. „Heut ist ein ganz besonderer Tag!“, erwiderte sie nur mit strahlenden Augen. Für einen Augenblick schaute der Junge sie entgeistert an, den für ihn gehörten diese Feste zur Normalität und ihr Verhalten glich das eines Kindes, doch dann löste genau solches Verhalten ein Grinsen auf seine Lippen. Manchmal vergaß er, dass es einfach Menschen gab, die solche Feierlichkeiten und das Leben selbst liebten. Und genau so eine Person stand nun vor ihm. Er verbeugte sich also dankbar und machte sich daran Jeremy zu versorgen.

      Im Dorf selbst war die Musik noch lauter, da Aine nun an der Quelle der Geräusche angekommen war, doch das machte der Prinzessin nichts aus. Nein, ganz im Gegenteil. Gefühlswellen der Glückseligkeiten rasten durch sie hindurch und sie wusste nicht, wo sie den als erstes hinschauen sollte. Doch im Gegensatz zur Prinzessin selbst, wussten die Dorfbewohner ganz genau, wo sie hinschauten. Denn es war nicht zu übersehen, dass es sich bei der Prinzessin um eine Fremde hielt. Ihr rotes Haar stach einfach viel zu sehr von den Normalen blond, braun und schwarzen Schöpfen heraus und auch wenn sie in einer Magd Tracht eingehüllt war, ihre Haare konnte sie nicht verstecken. Allerdings waren die Blicke keineswegs abneigend oder gar feindlich. Fremde war man hier schließlich gewohnt und die kurze, auffliegende Angst der Prinzessin war wie vom Winde verweht, als sie die willkommen heißende Blicke bemerkte. Nun hatte sie in Ruhe Zeit sich alle ihrer Sinne hinzugeben.
      Den wunderschönen Anblick des geschmückten Dorfes.
      Den Gerüchen der köstlich riechenden Speisen, die in kleineren Hütten angeboten und serviert werden.
      Der wundervollen Melodie lauschen, die eine kleine Gruppe von Männern auf einer ebenfalls kleinen Tribüne spielten.
      Das leicht befremdlichen, aber dennoch gutschmeckenden Aroma des regionalen Bieres.
      Und das unvergessliche Gefühl der kleinen Hand eines Mädchens, dass nach der Prinzessin griff, um diese auf die Tanzfläche zu ziehen. Mit einem strahlenden Lächeln und den am meisten funkelnden Augen, ergriff die Prinzessin nun auch die andere Hand des kleinen Mädchens und platzierte die Füße dieses Mädchens auf ihre eigene. Sie wirbelte mit dieser fröhlich herum und die Sicht der beiden verschwamm durch die Tränen die ihr gemeinsames Lachen auslöste.

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      Gennady II., Kronprinz von Bojarion
      Im Tölt führte Gennady seine kleine Gefolgschaft auf seinem einzig für ihn gezüchteten Ross voran. Direkt an seiner Seite ritt Fjodor, dicht gefolgt von seinem Falkner, dessen prächtiger Greifvogel mit einer Haube über den Augen auf seinem Lederhandschuh ruhte. Eine Schnur an seinem Bein, die am anderen Ende um sein Handgelenk gebunden war, sollte die Absicherung bieten, dass er nicht entwischte. Hinter ihm fuhr der Wagen mit Proviant und Ausrüstung. Ebenso ruhten auf ihm der Koch und die Knechte. Die Knappen bildeten das Schlusslicht und führten die beiden weiteren Pferde für den Prinzen mit sich. Es herrschte betrübte Stille unter den Reisenden. Allen voran auch aus dem Grund, dass niemand von ihnen ahnte wohin die Reise eigentlich gehen sollte. Auch Fjodor hat die letzten Tage stetig versucht den Prinzen zu einer Antwort zu bewegen. Doch seine Antwort war ohne Unterlass immer die selbe. "Sei still und folge meinem Schritt, Fjodor." Der junge Mann hatte so eben eingeatmet, um zur Sprache anzusetzen, da schmetterte der Prinz ihn bereits nieder. Er seufzte schwer, nachsichtig werdend was seine Manieren anbelangte in Anbetracht der Situation. "Jawohl, Eure Majestät." Gennady wendete zum ersten Mal endlich seinen Blick von der Straße, um seine strahlend blauen Augen auf seinen Kämmerer zu legen. Es tat ihm leid, dass er ihn mit in sein Leid zog. Doch das meiste Mitleid hatte der Kronprinz immer noch mit sich selbst. "Ich möchte nicht, dass du mich auf dieser Fahrt als Majestät ansprichst."

      "Verzeihung?" Nun fiel Fjodor wirklich gänzlich alles aus dem Gesicht. "Das kann nicht Euer Ernst sein!" Gennady schnaubte. "Sehe ich aus, als würde ich scherzen? Lass mich in Frieden mit dem Gehabe. Nur für diese Reise lass es mich vergessen, dass ich zu dem Königshaus gehöre. Ganz davon abgesehen, dass wir jeder Räuberbande oder politischen Feinden auf dem Silbertablett serviert werde, wenn meine Identität publik wird." Er hatte in ruhigem, abgeklärten Tonfall gesprochen. Doch dem armen Kämmerer klingelte es dennoch in den Ohren, als hätte man ihn so eben jämmerlich in Grund und Boden geschrien. "Genau das ist es doch, was wir all die Zeit über zu Euch gesagt haben! Allen voran ich! Wieso Seid Ihr dieses Risiko denn nur eingegangen, wenn Ihr Euch dessen auch noch bewusst wart? Und wo führt die Reise überhaupt hin? Eure Majestät, in der Zeit meines Dienstes habe ich Euch viele unüberlegte Dinge tun sehen. Und ich habe sie alle toleriert und dazu geschwiegen. Doch was in Gottesnamen soll diese Scharade? Wo reiten wir hin und wie lange? Ich-..." Gennady zog sein Schwert und setzte es direkt unter Fjodors Kinn, was ihn natürlich sofort zum Schweigen brachte. Seine Gefolgschaft beobachtete das Spektakel und schnappte erschrocken nach Luft, bei der feindlichen Handlung ihres Prinzen. "Möchtest du einen Streit vor aller Augen? Ist es dein Begehr für Hochverrat geköpft zu werden?"

      Fjodor entwich die Farbe aus dem Gesicht und er schluckte schwer, was verursachte, dass seine Haut sacht den Rand der Klinge streifte. "Ich bitte... vielmals um Verzeihung, Eure Majestät..." Gennady steckte seine Waffe wieder weg und schaute erneut kalt und unbarmherzig geradeaus, als wäre nichts geschehen. "Gut." Der Prinz selbst erkannte sich nicht mehr. Die Worte seines Vaters schallten immer wieder in seinem innersten nach. Nachts konnte er trotz der Anstrengung der Reise nicht schlafen, inzwischen zierten Augenringe sein schönes Gesicht und sein komplettes Herz schien in einem unnachgiebigen Griff gefangen zu sein. Seine Brust hob und senkte sich, doch es fühlte sich nicht an, als wäre er tatsächlich in der Lage zu atmen. Er fühlte sich miserabel und seine Melancholie traf ihn schlimmer, als jemals zuvor. Seine Finger fingen an zu beben, wenn er an das Ende dieser lächerlichen drei Monate dachte. Am liebsten würde er das Gesicht in seinen Händen vergraben und schreien. Er hat bereits Schlachten angeführt, Kriege miterlebt, getötet. Das alles war für ihn nichts allzu dramatisches, er hat sich schnell an die Brutalität der Menschheit gewöhnt. Gennady handelte besser, wenn es um sein Leben ging. Doch was sollte er nur machen, wenn er regierte? Wie sollte er sein Volk anführen? Er war Stratege, ja, aber kein Politiker. Seine Meinung beruhte auf logischem Denken, nicht auf Kosten-Nutzen-Risiko. Er fürchtete sich schrecklich davor seine Gefolgschaft in Armut zu lenken oder ihren Erwartungen nicht gerecht zu werden. Der Gedanke daran, dass ein Fehler dafür sorgen konnte, dass das Königshaus in Schulden versank oder aber eine ungeschickte Schlacht alles unter seinem Namen stand. Wenn er jetzt eine Schlacht anführte, dann für seinen König. Doch wie grauenvoll würden das sterbende Wispern klingen, wenn es sein Name gewesen ist, den man in den Himmel klagte?

      Gennady riss an den Zügeln und stoppte somit achtlos sein Pferd. Er stürzte regelrecht herunter und eilte noch einige große Schritte zum Wegesrand und erbrach erbärmlich seinen Mageninhalt. Fjodor war am schnellsten bei ihm. "Um Himmelswillen... Eure Majestät, sollen wir nicht doch umdrehen?" Der Prinz würgte noch einige Male elendig und riss seinem Kämmerer dann das Tuch aus den Händen, das er ihm hinhielt. Er schüttelte den Kopf und wischte sich den Mund ab. "Nein. Es geht schon. Reisen wir weiter." Er wollte weg. Einfach nur so schnell und so weit weg von seinem eigenen Königreich wie möglich. Ein wenig wackelig stieg er wieder auf sein Pferd. Niemand schien wirklich überzeugt von seinem Wohlbefinden, doch er setzte sich einfach wieder in Bewegung ohne ein Widerwort zu dulden. Er wollte... einfach nur weg. Irgendwo hin.

      Auf das Stadtfest stießen sie sehr zufällig. Eigentlich ist kein Stopp vor dem nächsten Morgen geplant gewesen. Doch die Klänge von Heiterkeit und Freude gepaart mit dem herangewehten Duft frischer Speisen, verleitete einen Kopf nach dem nächsten dazu, sich in die Richtung des Spektakels zu drehen. Man erkannte die feiernde Menge von einer Höhung, die sie entlang ritten wunderbar und nach einer Weile wurde selbst Gennady das sehnsüchtige Seufzen zu laut. Knurrend legte er einfach einen Gang schneller ein und nahm die Abbiegung, die hinab in diese ihm namenlose Stadt führte. Zunächst begriff seine Gefolgschaft nicht. Doch als die Feier dann tatsächlich in ihre Sicht kam, sprangen bereits einige Knechte vom Wagen, um ein gutes Stück vorzulaufen. Die Begeisterung steckte sie sofort an. Gennady sagte nichts dazu. Seine Stimmung ist eigentlich überhaupt nicht nach Feierlichkeiten gewesen. Doch er verstand, dass er seinen Männern eine kleine Freude machen musste, wenn sie ihn schon auf diese sinnlose Reise begleiteten. Fjodor sollte sich um alles kümmern. Gennady stieg ab, übergab ihm die Zügel seines Rosses und verschwand selbst einfach in der Menge. Männer und Frauen gleichermaßen tanzten fröhlich und machten aus ihrem Stadtplatz einen Ballsaal. Das letzte Mal ein solches Spektakel erlebt hat der Prinz mit sehr jungen Jahren. Doch er war durchaus verwundert über das, was er sah. Die Musikinstrumente waren ihm so fremd, dass er drei Mal hinsehen musste. Der gesamte Klang war in seinen Ohren nicht musikalisch und gleichzeitig auch nicht lärmend. Er fragte sich instinktiv, ob die Zeit im Palast stehen geblieben sein musste, dass sich solche Dinge ereigneten, fernab der Augen und Ohren des Königs. Seufzend schüttelte er den Kopf und drehte sich herum. Fjodor war schnell wieder bei ihm erschienen und Gennady wies ihn an ihm etwas für die trockene Kehle zu besorgen. "Wie lange plant ihr denn hier zu verweilen, Eure-..." Gennadys düsterer Blick ließ ihn innehalten. "Mein Herr...", korrigierte er sich schnell und sein Prinz nickte. "Zumindest die Nacht." Sollten so alle eine kleine Pause bekommen.
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      Prinzessin Aine Bedelia Kaitlyn von Tamór
      Der Prinzessin kam es so vor als verbrachte sie bereits mehrere Stunden tanzend mit dem kleinen, süßen Mädchen in ihren Armen. Das Gewicht des Kindes war kaum spürbar auf ihren Füßen, sodass die beiden problemlos die Sensation der Tanzfläche darboten. Aines Fröhlichkeit war unübersehbar, genauso wie ihr rotes Haar, das während des Tanzes um sie herumwirbelte und viele Augenpaare zum Beäugeln einlud. Schon lange hatte sich die Prinzessin nicht mehr so frei von jeglichen Sorgen und Bedenken gefühlt und innerlich bedankte sie sich bei ihrer Mutter dafür, heute hier sein zu dürfen. Sie war sich sicher, dass ihre Mutter genau in diesem Moment vom Himmel selbst auf sie herabschaute, und sie wagte einen Blick nach oben, um dankend ins Ungewisse zu lächeln.
      Zwei weitere Lieder verstrichen, ehe der Vater des Kindes auf die beiden zugelaufen kam. Aine verlangsamte ihre Schritte und schaute den Mann freundlich an, als auch schon das Mädchen in die Arme ihres Vaters sprang. „Vater, Vater. Habt Ihr gesehen, wie ich getanzt habe?“ Dieser nickte seiner Tochter zu und strich ihr behutsam über den Kopf. „Wie zwei Prinzessinnen habt ihr getanzt, Stella.“ Den beiden Tänzerinnen zauberte diese Aussage ein Lächeln auf den Lippen und als sich der Vater mit seiner Tochter entschuldigen wollte, um eine Mahlzeit zu sich zu nehmen, hielt sich die Tochter an dem Ärmel Aines fest. „Wie heißt Ihr?“, fragte Stella mit großen Augen. Aine hielt kurz inne, schließlich war ihr Name etwas außergewöhnlich und auch wenn es unwahrscheinlich wäre mit der Prinzessin assoziiert zu werden, sollte sie dennoch vorsichtig sein. Im selben Moment wollte sie aber ihre neugewonnene Freundin nicht anlügen. „Kaitlyn! Ich trage den Namen Kaitlyn.“

      Nun, da Aines Tanzpartnerin nun anderweitig beschäftigt war, nahmen die anderen Dorfbewohner dies als Gelegenheit wahr und insbesondere die männliche Seite des Volkes schien sich nach einem Tanz mit der Prinzessin zu dürsten. Einige Einladungen, von der die Prinzessin sicher ausgehen konnte, dass diese unschuldige Natur abstammte, nahm sie an und verbrachte somit eine weitere Stunde auf der Tanzfläche mit immer wieder wechselndem Tanzpartner. Doch nach einer Weile überkam auch Aine der Hunger, schließlich hatte sie bislang den ganzen Tag nur mit dem Tanzen verbracht und langsam konnte sie das Ausmaß in ihren Füßen spüren. Dies erfreute sie allerdings und ließ sie lebendig fühlen, als dass es wirklich eine Last darstellte. Nachdem Aine sich also eine Kleinigkeit zum Verspeisen besorgte und sich in einer kleiner Sitznische zurückgezogen hatte, nutzte sie die Gelegenheit abermals ihren Blick auf das Stadtfest niederzulegen. Sie konnte sich an diesen wundervollen Anblick kaum sattsehen und es schmerzte ihr Herz, dass sie nicht auf ewig hier verweilen kann. Jedoch merkte sie auch, dass das Fest gefüllter aussah. So als sei noch einmal eine Gruppe an Fremde dazugestoßen. Sie wussten nicht genau, wann dies geschehen war, aber das spielte auch keine wichtige Rolle. Schließlich war das einzig wichtige hier, dass jeder Spaß an dem Fest hatte und sie erkannte auch keinen mit der Kleidung der Wachen ihres Königreiches wieder.
      Bedenkenlos ließ sie sich also in ihren Sitzplatz zurücksinken und aß in Ruhe das süßliche Gebäck auf ihrem Teller.

      Als die Prinzessin ihren Blick noch ein letztes Mal über die Menschen schweifen ließ, bevor sie sich dann wieder für ein oder zwei weitere Stunden auf die Tanzfläche begeben wollte, um daraufhin dann auch weiterzureisen, fiel ihr allerdings auf, dass sie im Unrecht lag. Nicht jeder schien an dem Fest gefallen zu finden, denn die düstere Aura dieser einen Person stach mit einem Mal aus der Menschenmasse heraus. Äußerlich sah er aus, wie ein Kämpfer oder zumindest ließ sein kräftiger Körperbau darauf vermuten, allerdings zeichnete sein Gesichtsausdruck, die eines traurigen Philosophen wieder. Den Konflikt dieses Paradoxons weckte die Neugierde, aber auch ein wenig die Sorge in ihr. Sie verstand nicht, wie man so düster dreinblicken konnte, wenn um einen herum sich gerade ein Fest der Fröhlichkeit abspielte. Sie verstand es wirklich nicht, aber sie wäre bereit es verstehen zu wollen. Schon immer hatte Aine einen Hang zur Empathie. Jedoch stand die Sorge ihr im Weg. Den der Herr stach genauso wie sie selbst aus der Masse hervor. Wusste dieser über ihr da sein als Prinzessin Bescheid und war hier im Auftrag ihres Vaters, um sie zurück zum Palast zu bringen? Sie konnte ja nicht ahnen, dass es sich hier bei um Gennady handelte. Den bojarischen Prinzen, den die Prinzessin Aine heiraten sollte und dieser in gewisser Art und Weise selbst versucht vor der Verpflichtung der Heiratet davonzurennen.

      Der Rotschopf hatte keine Zeit sich weiter Gedanken über den mysteriösen Herren zu machen, denn in diesem Augenblick kam ihr ein bekanntes Gesicht entgegen. „Entschuldig, Fräulein Kaitlyn?“, entgegnete ihr der freundliche Vater des kleinen Mädchens, jedoch war diese nirgends zu sehen. Seine Stimme schien etwas außer Atem zu sein, so als wäre er viel herumgelaufen. „Braucht Ihr etwas Bestimmtes der Herr?“, fragte sie mit Sorge im Gesicht. „Haben Sie zufällig Stella gesehen? Sie wollte zurück auf die Tanzfläche und nach Ihnen suchen, doch da hatte ich sie auf einmal aus den Augen verloren.“ Der Vater schien zwar nicht hysterisch zu sein, da er seine Tochter immer noch hier auf dem Fest vermutete, dennoch konnte man die Sorge in seinem Gesicht lesen.
      „Leider muss ich dies vernein“, antworte Aine ihm, während sie aufstand und ihr Haar zu einem Dutt zusammenknotete. „Aber zu zweit lässt es sich schneller suchen!“

      „Stella?“, rief die Prinzessin in die Menschenmenge hinein und versuchte das kleine Wesen ausfindig zu machen. Allerdings stellte sich die Suche ziemlich schwer da, immerhin war es als Suche man die Nadel im Heuhaufen. Während sie sich suchend umschaute, konnte sie es nicht vermeiden hier und da in einige Person hineinzulaufen. Immer wieder entschuldigte sich die Prinzessin aufrichtig, bevor sie sich weiter ihrer Suche widmete. Doch dann stoß die Prinzessin abermals mit jemanden zusammen. Als dieser sich umdrehte, senkte sie schnell ihren Kopf und bat um Verzeihung.
      „Ich bitte vielmals um Entschuldigung, werter Herr!“, fing die Prinzessin an und blickte in das freundlich blickende Gesicht eines jungen Mannes. „Mein Ungeschick ist dem Verschwinden eines kleinen Mädchens verschuldet“, erklärte sie sich und verneigte ein zweites Mal ihren Kopf. Als ihr Blick dann aber zur Seite wich, um wieder nach Stella Ausschau zu halten, traf sie dieses Mal auf ein eisiges Augenpaar und ein kalter Schauer lief, der sonst so fröhlichen Prinzessin, den Rücken runter.
      Es war der Herr von vorhin. Der, der aus der Menschenmasse herausstach.
      Die zwei auffälligsten Vögel trafen zum ersten Mal aufeinander und standen beisammen inmitten des Geschehens – Unterschiedlicher als sie hätten nicht sein können. Und trotz dessen, dass der Mann ihr gegenüber nicht ganz koscher vorkommen, ließ sie sich nicht von seinen kalten, blauen Augen verjagen und hielt den Augenkontakt mit diesem stand. Nach einer Weile fiel ihr Blick zurück auf den Mann, in den sie reingerannt war.
      „Ihr Freund sieht etwas blass aus. Geht es ihm nicht gut? Kam man ihm etwas bringen?“
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      Gennady II., Kronprinz von Bojarion
      Die Festivitäten waren in der Tat äußerst laut und voll. Gennady konnte sich gut vorstellen, dass dieses Fest nicht nur die Stadtbewohner anlockte. Sicherlich waren auch Interessierte angereist. Es war ja auch eine gute Gelegenheit, um vielleicht Familie zu besuchen. Jedenfalls amüsierten seine Knechte sich außerordentlich. Gennady behielt seine Gefolgschaft selbstredend ein wenig im Auge. Er war immerhin für sie verantwortlich und bürgte für ihr Benehmen. Aufgrund ihrer Herkunft, die unweit der Realität dieses Ortes sein musste, hatten sie sich sehr schnell eingefunden und in die Feierlichkeiten eingefügt, sodass man sie kaum noch von den Einheimischen unterscheiden konnte. Seine Knappen hingegen hatten mehr Schwierigkeiten sich in dieses Geschehen zu stürzen. Ein wenig unschlüssig standen sie beieinander, tranken und genossen lieber ihre eigene Gesellschaft. Wenn auch kaum einer von ihnen eine Tanzeinladung ablehnte. Und da musste man sagen sind die Frauen hier wirklich nicht scheu gewesen. Sie tanzten einfach auf die Männer zu, ergriffen ihre Hände und dann waren sie auch schon eingefangen und in Beschlag genommen. Weder den Koch, noch den Falkner entdeckte Gennady auf den ersten Blick. Bei Ihnen beiden würde es den Prinzen nicht überraschen, wenn sie irgendwo abseits einfach einen Moment der Ruhe genießen wollten. Fjodor war nicht von der Seite seines Prinzen gewichen. "Ein sehr fröhliches Fest, findet Ihr nicht?", kommentierte der junge Mann das Spektakel, doch Gennady kräuselte in Unschlüssigkeit die Stirn. "Ich schätze du hast recht", murmelte er, zeigte jedoch auf die improvisierte Erhöhung, auf der die Musiker standen. Wenn man sie denn so nennen wollte. "Hast du diese sonderbaren Instrumente schon einmal gesehen? Kannst du mich darüber aufklären was das ist?" Leider schien auch Fjodor recht ahnungslos. "Es tut mir leid, mein Herr. Das ist mir tatsächlich auch ein Rätsel... Doch diese Stadt stellt ein Grenzgebiet zwischen Tamór und Bojarion dar. Vielleicht sind es seltene Importe? Wenn sie auch einen... eigenartigen Klang von sich geben."

      Tamór also. Gennady war nicht bewusst gewesen, dass sie schon so weit fort geritten sind. Ebenso verwunderte es ihn, dass es hier keine Grenzkontrollen gegeben hat. Doch gut, immerhin erklärte die geographische Lage ein bisschen, warum er sich dermaßen fehl am Platz fühlte. Das war natürlich eine schöne Ausrede um sich selbst keine Schuld an seiner Laune zusprechen zu müssen. Ein etwas lauterer Tumult veranlasste ihn dazu seinen Blick auf die Menge zu richten. Die Besucher des Festes hatten sich um ein tanzendes Paar versammelt. Eine junge Frau mit flammendem Haar und einem kleinen Mädchen beherrschten die Menge zweifellos. Zunächst hatte es ihn nicht weiter interessiert, und er wollte bereits den Blick abwenden, als seine Augen sich ein bisschen senkten und ihm war als würde er vom Glauben abfallen. War das eine Lustdirne? Schamfrei präsentierte sie ihre Beine und keinen der Umherstehenden schien dies sonderlich zu stören. Er suchte ihren Körper nach einem gelben Band ab. Hatte sie es beim Tanz verloren? "Fjodor?", sprach er in seiner Verständnislosigkeit seinen treuen Kämmerer wieder an. Er deutete mit dem Kopf auf die Tänzerin. "Sind die Menschen aus Tamór Wilde? Wird hier mit Prostitution anders umgegangen als bei uns?" - "Verzeihung?" Die Worte des Prinzen schienen den blonden jungen Mann so zu entsetzen, dass er ruckartig seinen Kopf herumriss, zu der rot-haarigen Schönheit. Er verschluckte sich elendig an seinem Bier, als ihm bewusst wurde worauf Gennady ihn hinweisen wollte und hustete erschrocken. Schnell stellte er seinen Becher weg und klopfte sich mehrmals auf die Brust, ehe er in der Lage gewesen ist sich zu beruhigen.

      Kopfschüttelnd hob er erneut den Blick und Gennady erkannte eine deutliche Röte, die seinen Kopf befiel. "Ich... Oh Gott, das weiß ich nicht, mein Herr. In meinen raren Besuchen in Tamór war ich auch nicht mit dieser Thematik konfrontiert worden. Es stand auch beim besten Willen nicht in meinem Interesse." Beschämt senkte er wieder seinen Blick und leerte in einem Zug seinen Becher. Gennady traf der Anblick bedeutend weniger. Schönheit ist etwas so tristes und langweiliges gewesen. Doch er konnte tatsächlich aufgrund ihrer Vulgarität nicht den Blick abwenden. Ob er es nun wollte oder nicht: sie hatte sein Interesse geweckt. Suchend schaute er sich nach einem Vormund für sie um. Einen Mann, der ihre Sicherheit und Ehre verteidigte, doch bis auf hingerissenen Blicken konnte er nichts erkennen. Und auch, als sie die Tanzfläche verließ steuerte sie nicht auf einen Mann zu. Irgendwie empfand Gennady sie als poetisch lebensmüde. Es war offensichtlich, dass sie eine unglaublich radikale Form der Freiheit ausübte. Es war wie ein Akt des Protestes. Sie lebte nicht in Ketten, wenn sie damit auch offensichtlich ein sehr kurzes Leben wählte. Sie war wie ein loderndes Feuer, das verschlang so viel es konnte, bevor ein heftiger Regenschauer seiner Existenz ein Ende bereitete. Bemerkenswert. "Mein Herr", riss Fjodor wieder seine Aufmerksamkeit auf sich und der Prinz wendete sich an den kleineren jungen Mann. "Ihr solltet mehr trinken. Ich sorge mich wirklich um Euer Wohlergehen. Möchtet Ihr mir nicht doch verraten was der Sinn und Zweck dieser sonderbaren Reise sein soll?" Gennady sah seinen langjährigen Kämmerer lange an und erinnerte sich daran, dass er ihn auch zuvor als einen Freund betrachtet hatte.

      Der Brünette seufzte und nahm den einfachen Becher von Fjodor an. Er leerte ihn in drei schnellen Zügen und gab ihn wieder an ihn zurück. "Vater gab mir drei Monate selbstständig eine Braut zu suchen", setzte er endlich zu einer Erklärung an. Wenn es auch eine gewesen ist, die seinen Freund verständnislos die Brauen zusammenziehen ließ. "Verzeihung?" Gennady nickte. "Mir ist bewusst wie absurd das klingt. Drei Monate, dann habe ich entweder selbst eine Braut gefunden oder aber ich heirate die Kandidatin, die er für mich auserkoren hat." Dass die Konsequenzen der Auflehnung ein Krieg sind, behielt er für sich. Das ist eine Information gewesen, die er lieber mit sich ins Grab nahm. Er konnte sich gut vorstellen, dass sonst Fjodors Verhalten sich ihm gegenüber deutlich wandeln würde. So schaute allerdings auch der Blonde ein wenig ratlos. "Wo sollt Ihr denn nach einer Frau suchen? Wo sollt Ihr eine finden?" Der Kronprinz lachte bitter und kehlig auf und schnaubte. "Das ist eine hervorragende Frage, mein Freund. Ich habe mich dafür entschieden die drei Monate einfach ein wenig zu reisen. Umherzuwandern, ehe ich diese Prinzessin zur Frau nehme. Ich möchte bis dahin meinen Vater und auch sonst niemanden aus dem Palast sehen. Ich möchte keine Fragen beantworten. Lass es mich für diese drei Monate einfach vergessen... Einfach alles." Die hellen Augen des jungen Mannes zeigten nun Sympathie, die ihm zuvor wahrlich gefehlt hatte, als sein Prinz ihn im Dunkeln hat tappen lassen. "Ich verstehe...", murmelte er nur und wollte gerade noch einen Schluck seines Trucks zu sich nehmen, als er ein wenig nach vorne kippte, durch einen sachten Stoß. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung, werter Herr!“, trällerte beinahe eine helle Stimme und Fjodor drehte sich bereits mit einem "Es ist nichts passiert" zu der Frau herum, als er regelrecht versteinerte. Es war die Prostituierte von der Tanzfläche. Er kämpfte mit seinen eigenen Augen und der Verlegenheit, um sich nichts anmerken zu lassen und räusperte sich leicht. "Ist Euch auch nichts passiert... Miss?"

      Gennady betrachtete sie nun von der Nähe eingehender. "Mein Ungeschick ist dem Verschwinden eines kleinen Mädchens verschuldet“, klärte sie die Männer auf und nun trafen ihre Augen auf die von Gennady. Sein Blick verblieb bei einer kalten Gleichgütligkeit. Allerdings ahnte er welches kleine Mädchen ihr entschwunden gewesen ist. Seine Größe nutzend überblickte er für einen Moment die Menge, als sie ihm erneut das Verständnis raubte. "Ihr Freund sieht etwas blass aus. Geht es ihm nicht gut? Kam man ihm etwas bringen?“ Auch Fjodor fiel alles aus dem Gesicht. "Verzeihung Miss, Ihr müsst beim besten Willen nicht unhöflich werden. Der Mann an meiner Seite ist nicht mein Freund, sondern mein Herr und es ist äußerst unangebracht über jemanden in seiner Gegenwart zu sprechen!" Unmanierlichkeit war definitiv ein großes Laster, das Fjodor nicht akzeptieren konnte. Seine Belehrung verleitete Gennady sogar zu einem sachten Schmunzeln und kopfschüttelnd blickte er wieder zur Seite. Keinen Moment zu früh müsste man meinen. Denn da erkannte er schon den Schopf der kleinen Tänzerin, wie sie ganz ähnlich einem Wirbelwind durch die Menge huschte. Er handelte schneller, als er darüber nachdenken konnte. Gennady stellte sich ihr in den Weg und fing sie einfach ein und schleuderte sie auf seine Arme. "Hab ich dich.", sagte er, der Kleinen nun sogar einen etwas wärmeren Blick schenkend. Er schaute zu der rot-haarigen. "Ist das das Mädchen, das Euch entrissen ist?" Das Mädchen folgte seiner Ansprach, während sie es sich ganz entspannt bequem zu machen schien. Sie fing sofort an zu strahlen. "Kaitlyn! Ich habe Euch gefunden!"
      I'll see ya in a dream.

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      Prinzessin Aine Bedelia Kaitlyn von Tamór
      Fjodor, der noch für Aine Unbekannte, schien nicht sonderlich über ihre Besorgnis erfreut zu sein. Vielmehr verleiht er ihr den Eindruck, dass sie mit ihrer Frage sogar ein großer Fehler begangen hatte und somit eine unangenehme Spannung zwischen den zweien Parteien schuf. Für den Bruchteil einer Sekunde fühlte sich die Prinzessin wie vor den Kopf gestoßen, als der blonde Herr sie auch noch aufgrund ihres Verhaltens belehrte. Das Bild von Aines Vater spiegelte sich somit in das Gesicht von dem Fremden wider und innerlich loderte die Schönheit nur vor Wut. Nicht aufgrund der Belehrung selbst, sie wusste, dass sie etwas zu direkt und frech gehandelt hatte, jedoch war dies der Kälte, die der Herr des Fremden ausstrahlte, verschuldet. Die Prinzessin wollte ihn vermutlich aus seiner Reserve hervorlocken, ohne weiter darüber nachgedacht zu haben, auch wenn sie ehrlicherweise in erster Linie besorgt um diesen gewesen war. Allerdings schien dies hier außeracht gelassen zu werden und das war dieser eine kleine Makel, der die Prinzessin so unglaublich rasend machte. Anstelle der Intention eine Handlung zu hinterfragen und sich darüber zu freuen, dass sich Menschen um das Wohlbefinden einer nahestehenden Person sorgten, bemängelt man das Auftreten und den Ausdruck derer, die lediglich Gutes im Sinne hatte.
      Strategisch gesehen war es die beste Entscheidung sich zurückzuhalten und um Verzeihung zu bieten, schließlich musste Aine auch an ihren Ruf als Prinzessin denken, sollte ihre Verkleidung vielleicht irgendwann auffliegen. Doch zu sehr hatte sie die neun edlen Tugenden in sich verinnerlicht, sodass die Wahrheit ihre rötlichen Lippen verließ.

      „Entschuldigt, wenn mein Verhalten zu Euren Missgünsten war, werter Herr. Allerdings beabsichtigte ich es keineswegs Euch so zu verstimmen.“ Ihr Blick wanderte weiter zu dem dunkelhaarigen und sie neigte ihren Kopf als Entschuldigung in Richtung Erde. „Verzeiht mir, wenn ich Euch nicht direkt nach Eurem Wohlbefinden gefragt habe. Ihr saht so aus, als missfiel Euch der Gedanke mit einer Fremden zu kommunizieren und entnahm mir daher das Recht heraus den werten Herren neben Euch zu fragen, um Euch nicht weiter zu bedrängen.“ Danach atmete sie einmal tief durch und überlegte in Lichtgeschwindigkeit darüber nach, ob sie hier nicht das Sprechen beenden sollte. Sie hatte die Wogen geglättet, so gut wie sie konnte, ihre unschuldige Intention deutlich gemacht und ihr war bewusst, wenn sie jetzt weitersprechen würde, würde dass die beiden Männer nur weiter verärgern. Doch sie konnte nicht anders.
      „Doch wenn Ihr mir erlaubt, würde ich gerne eine Frage an Euch richten“, fuhr sie fort, richtete sich an den Älteren der beiden und wartete auch nicht die Antwort ihres Gegenübers ab. „Als Untergebener Eures Herren schwört ihr diesem Loyalität, ewige Treue und steht stets an seiner Seite, sollte dieser einen Rat benötigen. Ist dies aber nicht auch die Definition eines Freundes? Natürlich impliziert das nicht gleich wie nahe man einer Person im Privaten ist, allerdings stehen die beiden werte Herren hier inmitten einer Festlichkeit, zudem mit zwei Bierkrügen in der Hand. Also entschuldigt abermals, wenn ich Euch als Freunde missverstanden habe. Aber ihr müsst mir es nachsehen, wie hätte ich es wissen können?“

      Im Nachhinein schämte sich Aine, aber durch diese entstandene Diskussion mit den beiden Herren, vergaß sie für den Augenblick die süße Stella, nach der sie eigentlich Ausschau hielt. Doch im selben Moment in der sie ihre Argumentation beendet hatte, schien der distanziertere der beiden Männer bereits das Mädchen eingefangen zu haben. „Ja, das ist sie. Stella!“, entkam es freudig und erleichtert den Lippen der Prinzessin. „Dein Vater hat sich solche Sorgen gemacht, Liebes!“ Die Prinzessin bemerkte, dass das Mädchen sich wohlzufühlen schien und beschloss sie nicht aus den Armen des Mannes herauszuziehen. Generell war das junge Mädchen sehr offen gegenüber Fremden eingestellt. Langsam trat Aine näher an das Mädchen heran und somit auch den Herrn, der sie auf den Armen hielt. Sie strich dem Kind die Haare zur Seite und lächelte dem Mann zu und schaut diesem mit aufrichtigen, strahlend blauen Augen an. „Ich danke Euch.“ Doch lange konnte Aine den Blickkontakt nicht halten, denn ihre Aufmerksamkeit sprang zu Stella über, die immer mehr unruhig zu werden schien. „Ich möchte tanzen!“, rief sie mit einem breiten Grinsen, dass die zwei vorderen Zahnlücken preisgaben. Und als sie sich aus den Armen des Mannes herausschlängelte, ergriff das Mädchen die Hand des Prinzen, anstelle der Prinzessin. Erschrocken hielt sich die Prinzessin die Hand vor dem Mund, ehe dieses in ein leises kichern ausartete.
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      Gennady II., Kronprinz von Bojarion
      Das Temperament der beiden Menschen schien offensichtlich unschön aufeinander zu prallen. Fjodor war empört über die Unverschämtheit, die diese Frau an den Tag legte. Nicht nur, dass sie ihre Vulgarität jedem aufzwang, der den Blick auf sie legte, nein, jetzt wurde sie auch noch wirklich unerhört. Kurz hatte der junge Mann die Hoffnung gehabt sie würde ihren Fehler artig einsehen. Und er ist sogar durchaus gewillt gewesen ihre Entschuldigung anzunehmen. Sie gehörte ja offensichtlich zu dem Pöbel, da konnte er nicht von ihr verlangen, dass sie eine makellose Erziehung an den Tag legte. Allen voran, da sie diese gar nicht erst zu erhalten haben schien. "Doch wenn Ihr mir erlaubt, würde ich gerne eine Frage an Euch richten“, setzte sie aus heiterem Himmel an, bevor der arme Kämmerer überhaupt die Möglichkeit dazu hatte ihr zu vergeben. Und eigentlich ist es ihm nicht lieb gewesen. Doch er kannte seine Erziehung und richtete sich auf und korrigierte seine Kleidung ein wenig. "So denn, bitte fragt." Gennady war zu diesem Augenblick gerade ein wenig beschäftigt gewesen mit der Suche nach der kleinen Stella. Und damit war er wirklich der einzige gewesen. Auch Fjodor hatte gänzlich das entlaufene Kind verdrängt. „Als Untergebener Eures Herren schwört ihr diesem Loyalität, ewige Treue und steht stets an seiner Seite, sollte dieser einen Rat benötigen." Fjodor nickte. Bis hier hin sprach sie keine Unwahrheit. Das sind in der Tat die Dienste gewesen, zu denen der junge Mann sich verflichtet sah. In gewisser Weise trug er die Verantwortung für das Wohlergehen seiner Majestät. Nach wie vor eine hoch noble Angelegenheit, die ihn über die Maßen ehrte. "Ist dies aber nicht auch die Definition eines Freundes?" Wie bitte was? Der blonde Kämmerer blinzelte in Entsetzen. Kannte dieses unbedarfte Ding etwa den Unterschied zwischen unterschiedlicher Stände nicht?! Ja, Fjodor wurde in der Tat von seinem Herrn als Freund angesehen. Aber auch als solcher stand ihm um Himmelswillen nicht zu den Prinzen als irgendetwas geringeres zu behandeln als seine Majestät! "Natürlich impliziert das nicht gleich wie nahe man einer Person im Privaten ist, allerdings stehen die beiden werte Herren hier inmitten einer Festlichkeit, zudem mit zwei Bierkrügen in der Hand. Also entschuldigt abermals, wenn ich Euch als Freunde missverstanden habe. Aber ihr müsst es mir nachsehen, wie hätte ich es wissen können?“ Jetzt war es Fjodor der wütend wurde. Er ist bereit gewesen ihr die Meinung zu sagen. Natürlich in aller Höflichkeit aber oh, was hatte er zu sagen! Der Mann hatte gerade Luft geholt, als auch er nun von Gennady unterbrochen wurde, der eine kleine junge Dame mit seinen Armen aufgefangen hatte.

      Den Disput der beiden hat der Prinz nur beiläufig mitbekommen. Es war auch beim besten Willen nicht so, als würden ihn diese albernen Streitigkeiten interessieren. Er lenkte zumindest die Aufmerksamkeit von der Dame im kurzen Kleid auf sich und ihre ganze Laune schien sich auf einen Schlag bedeutend zu erheitern. Sie streichelte die Haare aus Stellas Stirn, was sie auch seelenruhig mit sich machen ließ. Sie war in der Tat äußerst aufgeschlossen Fremden gegenüber. Gennady ließ sie sogleich herunter, als sie anfing ungeduldig zu werden. Auch wenn er noch immer ein wenig befürchtete, dass sie wieder einfach davon stürmen würde. Doch es kam anderweitig schlimmer als gedacht. Sie ergriff seine Hand, in der offenen Manier ihn zum Tanz aufzufordern, was bei Gennady alles andere als Luftsprünge auslöste. Er vernahm ein belustigtes Kichern und sah mahnend zu der aufgeweckten Tänzerin. Doch auch Fjodor schien nicht ganz zu wissen, wie er mit der Situation umgehen sollte. Hatte dem Kind denn niemand beigebracht sich ein wenig vor Fremden zu hüten? "Na los! Kommt, kommt!", zog der kleine Sonnenschein an seinen Fingern. Dann musste Gennady das wohl selbst klären. Er hockte sich zu der Kleinen herunter, um ihr genau in die Augen sehen zu können. "Wie ist dein Name, Kleines?", hackte er in seiner typischen Manier nach. Natürlich hatte er ihren Namen schon überdeutlich vernommen. Doch er wollte ihn von ihr hören. Tatsächlich schien sie nicht im Geringsten eingeschüchtert von seiner Art zu sein und tänzelte ein wenig vor ihm herum. "Ich bin Stella, mein Herr." Der Prinz nickte. "Ein sehr schöner Name. Haben deine Eltern ihn dir gegeben?", fragte er weiter nach und wieder fing das Mädchen an zu strahlen und sie nickte kräftig.

      Gennady hielt ihr seine Hände hin, die sie auch sogleich gedankenlos ergriff. "Dann solltest du deinen Eltern dafür danken und ihnen keine Sorgen machen. Dein Vater ist auf der Suche nach dir. Er sorgt sich um seine bildhübsche kleine Tochter. Du willst dich doch nicht amüsieren, während er weint?" Offensihtlich hat sie daran gar nicht gedacht. Als hätte Gennady ihr eine furchtbare Monstergeschichte erzählt schnappte sie entsetzt nach Luft. "Vater weint? Wegen mir?" Gennady drückte tröstend ihre Hände. "Na was denkst du denn? Was soll er denn ohne seinen kleinen Wirbelwind machen? Soll ich dich noch einmal hochheben und du schaust nach ihm?" Beinahe selbst weinend nickte sie schuldbewusst und hängte sich auch sogleich an den Hals des Prinzen, was Fjodor scharf die Luft einziehen ließ. Einfach so ein Mitglied des Königshauses anzufassen galt in Bojarion als Hochverrat. Der Kämmerer selbst genoss diesbezüglich schon sehr große Privilegien, doch auch ihm würde es niemals einfallen so etwas in der Öffentlichkeit zu tun. Gennady hob sie einfach wieder auf seine Arme und funkelte außerhalb von Stellas Blickfeld den Blonden an. Er sollte bloß den Mund halten. Suchend schaute Stella sich bereits um und schien es sichtlich zu genießen so groß zu sein. Der Prinz jedoch wendete sich an die vermeidliche Dirne. "Wisst Ihr wo ihr Vater ist? Es wäre wohl das Beste, wenn er sie vorerst in Sicherheit wüsste."
      I'll see ya in a dream.