Second Chance... [arrabella & Shio]

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    • Second Chance... [arrabella & Shio]

      Alex

      Scherben über Scherben, sah man auf den Boden vor mir liegen. Flammen loderten auf und ich schrie lautstark nach Hilfe. Oben sah ich meine Frau die versucht den Flammen zu entfliehen. Ich schüttelte an den Rettungskräften und bat sie darum sie zu retten. Doch es schien so als würde mich niemand hören oder gar wahrnehmen. Die zeit schien still zu stehen und ich musste mit ansehen wie mein ganzes Leben von jetzt auf gleich zerstört wurde.
      Schweißgebadet schreckte ich am nächsten Morgen auf. Mein Herz schlug wie wild und ich hielt mir meinen Kopf. Ich hatte seit dem Tag X immer wieder solche Alpträume und ich dachte eigentlich das ich längst über diesen Punkt hinaus war, doch dem schien nicht so. Ich setzte mich an die Bettkannte, nahm einen Schluck vom Wasser und versuchte mich zu beruhigen. Irgendwann musste dieser Schmerz doch endlich vergehen. Ich richtete mich auf und begab mich unter die Dusche, es tat gut wie das warme Wasser auf meinem Körper prasselte und ich all die schlechten Gedanken vorerst wegwusch. Im Spiegel betrachtete ich mich. Mein Gesicht sah mitgenommen aus, mein Bartansatz war schon viel zu stark und mein Blick war müde. Augenringe waren deutlich zu sehen und ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht, nahm den Trockenrasierer und rasierte mir den bart so, wie ich ihn immer trug. Nachdem ich mich frisch gemacht und angezogen hatte, schnappte ich mir mein Handy und rief meinen besten Freund Will an. "Sagen wir in einer Stunde im Café Camelia? Gut bis dann." Ich steckte das Handy in die Hosentasche, schloss die Tür hinter mir und machte mich auf dem Weg zu meinem Auto. Die Fahrt zum Café war ungefähr eine dreivirtel Stunde, man berechne den Verkehr in der Großstadt mit ein. Frühs und Abends brach das totale Chaos ein und es war nicht immer einfach überhaupt rechtzeitig von A nach B zu kommen.
      Will sahs schon an einem Tisch und hatte sich einen Café bestellt. "Da ist er ja! Guten Morgen mein Freund." Er stand auf und drückte mich fest. "Man siehst du scheiße aus, wenn ich das so sagen darf." Ja er war dierekt, dirketer geht es nun wirklich nicht mehr. "Die Nacht war kurz, sagen wir es einmal so." "Wieder getrunken?" Wild schüttelte ich mit dem Kopf und laß die Speisekarte. "Was dann eine Frau?" Ich seufzte. "Du weißt wie ich zu dem Thema stehe.. Ich habe andere Sorgen als mir eine Frau anzulachen.." "Schon gut. Ich mein es ja nur gut." "Ich weiß. Ich hatte nur wieder diesen Alptraum.. Der immer wieder auftaucht." Will legte seine Hand auf meine Schulter. "Du musst endlich wieder nach vorne sehen. Irgendwann musst du wieder richtig leben." Ich bestellte mir derweil einen Latte Macchiato und eine Waffel und blickte mit einer nach oben gezogenen Augenbraue zu ihm hinüber. "Und wie soll ich das anstellen? Ich bin Gesprächsthema Nummer eins hier in dieser Stadt.. Jeder würde mich tausendmal danach fragen. Denkst du ich hätte hier jemals meine Ruhe?" Will nickte und stimmte ihn zu und lächelte ihn dann mit einem breiten Grinsen an. "Da hab ich die perfekte Lösung." Er zog eine Zeitung aus seiner Tasche und legte sie mir vor die Nase auf den Tisch. Es war eine Anzeige rot eingekreist und ich nahm die Zeitung in die Hand um sie mir anzusehen. ´Farm Mitarbeiter gesucht´
      Meine Augen weiteten sich und ich sah ihn etwas verwirrt an. "Das ist nicht dein Ernst?" "Doch! Ist doch nen super Jobangebot und du kommst endlich Mal raus aus dieser Großstadt. Glaub mir dort hast du deine Ruhe und findest vielleicht innerlichen Frieden mit dir selbst." Will war davon felsenfest überzeugt, doch ich hatte meine Bedenken dabei. "Hallo hast du mich mal angesehen?" Ich zeigte auf mich. "Ich passe garantiert nicht in eine Farm. Schon gar nicht ohne meine Anzüge.." "Komm mal runter von deinem hohen Roß. Wer weiß wozu das alles gut ist. Warum schaust du dir das alles nicht einmal in Ruhe an. Ich begleite dich auch." "Na schön.. Dir zu liebe schaue ich mir die Farm an." Will lächelte überglücklich und wir beendeten unser Frühstück. Nachdem wir bezahlt hatten, stiegen wir in meinen Wagen ein und fuhren zu der in der Zeitung genannten Adresse.


    • Ich atmete genervt aus und verschränkte die Arme vor der Brust. Wieder stand ein Muskelprotz vor mir, der mir die Ausschreibung „Farm-Mitarbeiter gesucht“ auf den Tisch knallte und sich präsentierend vor mich stellte. Ich wusste selbst, dass ich einen Mitarbeiter suchte, er brauchte mich nicht noch darauf hinzuweisen. Ich deutete ihm, sich zu setzen und sich vorzustellen. „Den Hof zu führen schaffst du wohl nicht allein, Kleine? Ich bin die perfekte Unterstützung.“, beendete er seine Ausführungen und ich verdrehte die Augen. Dieser Mensch war mir absolut unsympathisch. „Was sind denn deine Qualifikationen, Großer?“, erwiderte ich schnippisch und zog provokant eine Augenbraue hoch. Er war der zweite Kandidat, der sich für heute angekündigt hatte und bestimmt nicht der erste, der sich so aufspielten. Er war keinen Deut besser, als all die anderen, die sich bisher beworben hatten. Keine Ahnung vom Leben auf einem Bauernhof, aber immer noch von der alten Schule, überzeugt davon, dass Frauen unmöglich eine Farm selbstständig führen konnten, ganz ohne männliche Hilfe. Ich schüttelte den Kopf. „Ich glaube, ich habe genug gehört.“, sagte ich bestimmt und verwies ihn höflich meines Bauernhofes. Seine Beleidigungen, die er mir beim Gehen an den Kopf warf, konnte er sich ruhig sparen, es interessierte nämlich niemandem.

      Ich ging zurück ins Haus, setzte mich hin und lehnte mich zurück. Es konnte doch nicht so schwer sein, einen geeigneten Mitarbeiter zu finden? Ich suchte bloß nach jemandem, der fest anpacken konnte, sich nicht vor harter Arbeit fürchtete und sich auch nicht zu Stolz war, eine Frau als Chefin zu haben. Vielleicht waren meine Ansprüche aber auch einfach zu hoch? Ich seufzte. Auch in dieser Saison würde ich wieder Hilfe benötigen, die anstehenden Arbeiten konnte ich unmöglich allein erfüllen. Meine Liste von Aufgaben wurde immer länger und ich hatte einfach zu wenig Zeit und Ressourcen, das alles ohne Aushilfe zu bewältigen. Ich schüttelte den Kopf. Jammern und in Selbstmitleid zu versinken, half mir jetzt auch nicht weiter. Ich musste die kommenden Bewerber abwarten und währenddessen einfach normal weiterarbeiten.

      Ich lächelte, als ich den Kuhstall betrat, um nach Molly – einer meiner Milchkühe – zu sehen. Sie war im neunten Monat schwanger und würde bald ein kleines Kälbchen gebären. Ich war wirklich nervös, freute mich gleichzeitig aber auf die Geburt. Es war ihre erste Schwangerschaft, sie musste mindestens genauso aufgeregt sein wie ich. Täglich rief ich den Tierarzt Mike an, der mir immer wieder versicherte, das alles glatt laufen würde. Ich vergewisserte mich, dass ich wusste, was im Notfall zu tun war, falls Mike nicht rechtzeitig kommen konnte. Als meine Großeltern noch lebten, hatte ich ihnen immer wieder zugesehen, wie sie den Tieren bei den Geburten halfen, aber ich wusste nicht, ob ich mir das selbst zutraute. Sanft streichelte ich das Fell und den Bauch von Molly und sah dann noch nach den anderen Kühen im Stall.

      Als nächstes ging ich zu den Schweinen und zu den Hühnern. Der Hühnerstall war kaputt und das Gitter gehörte repariert. Außerdem klemmte die Tür. Ich ging in den kleinen Lagerraum und warf einen Blick auf die Vorräte. Da der Futterlieferant krank war und es keinen Ersatz gab, musste ich spätestens morgen ins Dorf fahren, um alles Nötige selbst zu besorgen. Ich klopfte mir den Staub von meiner Kleidung, als ich sah, dass ein Wagen vorfuhr und in der Einfahrt anhielt. Skeptisch betrachtete ich das teure Auto und die zwei Männer, die drinnen saßen. Ich ging auf das Auto zu, verschränkte die Arme vor der Brust und sagte zu den beiden abschätzig: „Falls ihr hier seid, um die Farm zu kaufen, dann könnt ihr euch gleich wieder auf den Heimweg machen. Ich verkaufe nicht!“ Zu oft kamen schon Geschäftsleute zu mir, die den Hof kaufen wollten. Ich hatte es satt, ihnen ständig erklären zu müssen, dass die Farm nicht zu verkaufen war. Abwartend sah ich die beiden Männer an, die nicht den Eindruck machten, als würden sie gleich wieder wegfahren.

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      @Shio
    • Alex

      "Das ist ja weit ab vom Schuss!", sagte ich überrascht zu Will, der gerade die Adresse in das Navi tippte. "Was dachtest du denn? Das sie hier mitten in der Stadt ist oder was?" Ich zuckte mit den Schultern und konnte es immer noch nicht fassen worauf ich mich hier überhaupt eingelassen habe. "Du wirst sehen das passt perfekt zu einem hoffungslosen Fall wie dich." Vor mich hin grummelnd fuhren wir nun zu der Farm. Langsam verliesen wir die Großstadt und vor uns war nichts weiter außer Land und eine ellenlange Straße.
      Immer wieder fuhren wir an kleineren Farmen vorbei oder an Häusern, die schon lange unbewohnt waren. "Wo zum Henker sind wir? Das ist ja das Ende der Welt." Will schüttelte mit den Kopf und sah mich genervt an. "Wir sind gleich da keine Panik."
      Tatsächlich bogen wir in ein kleines Dorf ein, wo es zwar nur eine Straße gab, aber man bekam dort alles was man zum Leben brauchte. Es war wie eine andere Welt für mich und ich sah mich mit großenen Augen und offenen Mund um. "Pass auf das du keine Fliege verschluckst, so weit offen wie du den Mund gerade hast." Ich zuckte zusammen und Will musste nur lachen.
      Schließlich fuhren wir ein Stück aus dem Dorf heraus und man konnte in der Ferne schon ein großes Anwesen sehen.
      "Da ist sie. Das ist die Farm der Familie Marin." Als wir die Straße entlang nach oben fuhren staunde ich wirklich nicht schlecht in was für einen guten Zustand sich die Farm doch befand. "Die Farm wurde etwas renoviert, da sie eigentlich verkauft werden sollte, aber die jetzige Besitzerin war streng dagegegen und richtete sich eben dort häuslich ein. "Verstehe." Wir bogen die Einfahrt hinein und hielten auf den Schotterweg an. Mein Blick fiel auf das Hauptgebäude, welches wirklich schön aussah und durch die weiß gestrichenen Leisten wirkte sie zwar alt aber auch etwas moderner.
      "Da sind wir. Ich bin gespannt wann.." Plötzlich stoppte Will und unsere Blicken gingen beide auf die junge Frau die sich vor meinen Wagen stellte und uns gleich herzlichst begrüßte. "Junge die hat aber Haare auf den Zähnen." "Darf ich vorstellen das ist die Besitzerin dieses Gutes." "Sehr freundlich.." "Komm nun geb dir nen Ruck. Sie beißt schon nicht."
      Ich seufzte und wir öffneten unsere Türen. Ich zupfte meine Sachen noch ein wenig zurecht und ging mit Will zusammen zu der jungen Frau hin. Ich zog meine Sonnebrille hinunter und sah sie an. Sie wirkte auf den ersten Blick noch realtiv jung um so eine Farm aufrecht zu erhalten, aber sie schien Mum zu haben und das gefiel mir irgendwie. "Wir wollen nicht kaufen. Mein Kumpel hier sucht Arbeit." Ohne das ich überhaupt was sagen konnte, ergriff Will sein Wort und zeigte auf mich. "Ähm ja. Ich habe ihre Suchanfrage in der Zeitung gelesen und würde mich gerne für den Job bewerben." War doch gar nicht so schwer, dachte ich innerlich und setzte mein schönstes Lächeln auf.
      Will trat neben mich und musste mich ja doch wieder ein wenig bloßstellen. "Anpacken kann er aufjeden Fall." Dabei griff er an meine muskulösen Arme, die sich gut in dem Hemd abzeichneten. "Also was sagen sie?"


      (das könnte das Haupthaus der Farm sein, so als Inspiration)


    • Ich beobachtete die beiden Männer skeptisch. Sie machten nicht den Eindruck, als würden sie gleich wieder verschwinden. Im Gegenteil, sie stiegen aus und traten auf mich zu. Ich war überrascht, als sie mir erklärten, dass sie nicht kaufen wollten. Vielmehr suchte einer von den beiden Arbeit. Ich war ein klein wenig misstrauisch, da der Mann nicht so aussah, als ob er gerne auf einer Farm arbeiten würde. Alles an ihm sagte mir, dass er keine Ahnung vom Farmleben hatte. Aber was machte er dann hier? Ich musterte ihn argwöhnisch, als sein Freund von seinen muskulösen Armen schwärmte. Aber wo er Recht hatte. Seine Muskeln waren klar durch das anliegende Hemd erkennbar. Aber Muskeln zu haben, ist nicht gleichzusetzen mit der Fähigkeit, auch wirklich damit umgehen zu können.

      „Also, was sagen Sie?“, wurde ich zugleich gefragt und ich räusperte mich kurz. Ich fühlte mich ertappt, wie ich auf seine Arme starrte. Mein Blick wurde wieder ernst. „Hast du schon mal auf einer Farm gearbeitet? Hast du schon mal eine Kuh gemolken? Einen Käfig repariert? Bist du schon mal mit einem Traktor gefahren?“, sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich nahm mal stark an, dass er keines der Dinge jemals zuvor gemacht hatte. Aber, obwohl ich skeptisch war, war er bisher weder negativ aufgefallen noch hatte er irgendwelche blöden Witze zum Thema Frauen oder harter Arbeit gemacht. Und er wirkte auf jeden Fall kultivierter als alle Bewerber vor ihm zusammen. Vielleicht sollte ich ihm deshalb eine Chance geben? Schaden konnte es sicher nicht. „Wenn nicht, dann kannst du mir gerne erklären, warum ich dich einstellen sollte.“, fügte ich etwas besänftigend hinzu. Ich konnte im Moment wirklich jemanden gebrauchen, der fest zupacken konnte. Und jemanden, der mir generell etwas Arbeit abnahm.

      Ich warf einen Blick auf das Auto und das Kennzeichen verriet mir, dass die beiden Männer eine etwas längere Reise hinter sich gebracht hatten. Ich fühlte mich ein klein wenig schlecht, dass ich die beiden so überrumpelt hatte. Gastfreundschaft war noch nie meine Stärke gewesen. „Ihr habt eine lange Reise hinter euch, nicht wahr? Wie wär’s, wenn wir drinnen reden? Seid ihr durstig? Ich habe gerade heute frische Buttermilch reinbekommen.“, sagte ich. So ein rüpelhaftes Verhalten wie ich es an den Tag legte, war vielleicht auch nicht gerade die feine Art, die sich gehörte. Und zumindest ein paar Manieren besaß ich schon. Ich deutete den beiden, mir zu folgen und ging aufs Haus zu.
    • Alex

      Ich musterte die junge Frau dirket vor uns und konnte schnell feststellen das sie es faustig hinter den Ohren hatte. Nun wenn sie schon viele derartige Besuche hatte, die nur hinter ihrer Farm her waren, so war es nicht untypisch das sie so auf uns reagierte.
      Doch als sie mich selbst mit Fragen bombadierte, was ich ein wenig überfordert damit. Sah ich etwa wirklich so aus als würde ich nichts auf die Reihe bekommen? Ein wenig verunsichert sah ich zu Will hinüber der jedoch ein wenig lachen musste.
      "Seien Sie gewiss der Herr hier neben mir hat mehr zu bieten als nur gutes Aussehen." Meine Augen weiteten sich und ich konnte es nicht glauben wie er über mich sprach. Jetzt hat die Frau sicherlich ein noch schlechteres Bild von mir, als eh schon.
      Doch ehe ich selbst antworten konnte sprach sie uns auf unseren Weg bis hier hin an. Wir nickten ihr zu und waren nicht abgeneigt davon etwas zu trinken. "Für mich bitte nur Wasser, danke." Will und ich begleiteten die Frau in die Farm hinein. Es war wirklich ein schönes Häuschen mit einer Mischung aus modernen und alten Einrichtungselementen.
      Vorsichtig sah ich mich im offenen Wohnbereich um und konnte hier und dort ein paar Bilder ihrer Familie zu sehen und auch von einigen Ereignissen die sie hier auf der Farm erlebt hatte.
      Nachdem die Getränke serviert wurden waren, schnappte ich mir das Glas Wasser und trank davon. Will hingegen probierte die Buttermilch und empfand sie als sehr schmackhaft. "Also," fuhr ich fort. "Ich seh vielleicht auf den ersten Blick nicht so aus, als würde ich diese ganzen Dinge erledigen können, die sie vorhin gefragt haben, aber ich kann sehr wohl anpacken und hab keine Scheu davor etwas Neues zu lernen. Sie müssen wissen ich habe vor einiger Zeit alles verloren und sehe das hier als Chance an mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Auch wenn es wohl nur vorübergehend ist, bis ich was besseres gefunden habe."
      Ich nippte am Wasser und Will nickte mir zustimmend zu. "Wir haben sicherlich nicht die weite Reise auf uns genommen um ihnen hier die Farm abzukaufen. Nein ich möchte gerne für sie arbeiten und sie unterstützen. Gerne können wir auch eine Probezeit vereinbaren und dann können sie immer noch entscheiden ob ich der Arbeit hier würdig bin."
      Ich war selbst über mich erstaunt das ich solche Worte von mir gab und war aber auch stolz darauf über meinen Schatten gesprungen zu sein und nicht darauf gewartet zu haben das Will mir wieder vorweggriff.


    • Ich gab einem der beiden Männern ein Glas Buttermilch, der andere wollte nur ein Glas Wasser. Abwartend zog ich eine Augenbraue hoch, als die Buttermilch probiert wurde und ich grinste freudig, als mein Gegenüber kundtat, dass ihm die Buttermilch schmeckte. Die Milch kam von den Kühen, die hier am Bauernhof lebten. Zur Verarbeitung schickte ich die Milch zu einem Freund zwei Häuser weiter, der daraus Buttermilch und Joghurt fertigte. Seit Jahren arbeiteten wir zusammen und es war mir immer wieder eine Freude. Die Zusammenarbeit verlief unkompliziert und auch wenn wir damit nicht das Geschäft unseres Lebens machten, so machte uns die Arbeit Spaß. Die Tatsache, dass die Buttermilch schmeckte, erfüllte mich ein klein wenig mit Stolz. Immerhin steckte hinter so einem kleinen Glas eine Menge Arbeit, Geduld und ganz viel Liebe, die man den Tieren schenken musste.

      Ich ließ mich auf den letzten freien Stuhl fallen und hörte dem Mann zu, wie er sich selbst beschrieb und sagte, warum er die Arbeit hier haben wollte. Ein Neuanfang. Ich überlegte kurz. Seine Geschichte wirkte plausibel. Er sah nicht wie jemand aus, der unbedingt Arbeit brauchte. Ich hatte mich schon gefragt, was seine Beweggründe waren. Und wo konnte man besser sein Leben wieder auf die Reihe bekommen als auf einen Bauernhof in einem kleinen Kaff, umgeben von Natur, Tieren und Stille? Ich sah nicht oft Fremde hier, die nur zu Besuch kamen, aber wenn, dann hatten sie meist ähnliche Gründe. Die Natur hier war der perfekte Rückzugsort für all jene, die mit ihrem Leben unzufrieden waren oder eine Pause brauchten. Es war der perfekte Ort, um sich selbst zu finden. Ich hörte den Männern weiter zu. Die Idee von der Probezeit gefiel mir, weil ich mir dadurch erste Einblicke verschaffen konnte. Ich wusste nicht, aus welchem Holz der Mann geschnitzt war und ob er der Arbeit auf einer Farm gewachsen war und eine Probezeit war eine gute Möglichkeit, dies herauszufinden. Viele Männer unterschätzten oftmals die Arbeiten auf einer Farm. Es gab nicht nur spannende Aufgaben, sondern auch das Ausmisten des Stalles und der Gestank waren ständige Begleiter dieser Tätigkeit. Aber ich konnte mir kaum vorstellen, dass der Mann nicht wusste, worauf er sich einließ. Er wirkte gebildet und nicht realitätsfremd.
      "In Ordnung", stimmte ich nach kurzer Überlegung zu und sah beide Männer abwechselnd an. "Es geht hier vorwiegend um körperliche Arbeiten, aber nicht ausschließlich. Ich stelle dir ein Zimmer zur Verfügung, wo du schlafen kannst. Frühstück und Abendessen gibt's hier, Mittagessen musst du dir selbst besorgen. Die Bezahlung ist nicht gerade großartig, aber das kümmert dich wahrscheinlich nicht, oder?", sagte ich und musterte die beiden Männer, die nicht so wirkten, als wären sie in Geldnot. "Wenn du magst, können wir gleich starten. Ich zeig euch mal den Hof", sprach ich weiter und stand auf. "Ich heiße übrigens Zoe und ihr könnt mich duzen. Ich halte nicht viel von Förmlichkeiten, wenn man zusammenarbeitet", fügte ich noch hinzu.
    • Alex

      Erleichtert sah ich die junge Frau vor mir an, denn das sie einer Probezeit zustimmte lies mich ein wenig aufatmeten.
      Will stupste mich ebenfalls glücklich an und trank die Buttermich weiter.
      "Selbstverständlich werde ich mit körperlicher Arbeit gut zurecht kommen." Ich war unter meinem Hemd gut gebaut und ein wenig andere Trainigseinlagen dürften mir sicherlich nicht schaden.
      Ich nickte ihr zu und durfte also hier auch schlafen und leben. Ein Neuanfang auf einer Farm fernab von der Großstadt..
      Das ich mir so etwas jemals erträumen könnte, war vollkommen ausgeschlossen, aber so eine Chance noch einmal zu bekommen war schier unmöglich gewesen. Eines Tages dürfte ich mit Sicherheit wieder mein alleiniger Chef sein und meine Firma aufbauen, doch bis dahin muss ich mich hiermit zufrieden geben.
      Will musste bei ihrer Aussage ein wenig kichern, denn das wir nicht unbedingt arm waren, schien man uns anzusehen. Man beachtete den Wagen der vor der Tür stand. "Geld ist nicht alles.", sprach ich in einem sanften Ton zu ihr. "Geld mag zwar Macht heißen, doch das zeichnet kein glückliches Leben aus." Diese Eintellung hatte ich schon immer und legte das Geld für später immer wieder zurück.
      "Wenn ich nur dem Geld hinterher jagen würde, so wäre ich sicherlich nicht auf die Idee gekommen mir einen Job auf einer Farm zu besorgen. Ich würde dann wohl eher auf einer Insel mein Leben genießen, aber das tue ich ja nicht." Er fühlte sich ein wenig angegriffen von ihr und wollte die Sache ein für alle Mal klarstellen.
      Ich trank noch etwas von dem Wasser und nickte ihr zu. "Gern. Dann kannst du mir auch gleich zeigen wo ich schlafen werde, Zoe." Ihr Name war sehr schön und etwas besonderes.
      Alles hier wirkte einzigartig und nahezu einladend auf mich. Will stand nun auch auf und wir folgten ihr.


    • Der Hof war überschaubar, aber die Arbeit war leicht zu unterschätzen. Es gab jeden Tag genug zu tun und es kam mir so vor, als würden die Aufgaben von Tag zu Tag mehr werden. Ich verließ das Haus, die zwei Männer folgten mir. Ich zeigte ihnen zuerst den Schweinestall. Als ich die Stalltür öffnete, trat mir ein unangenehmer Geruch in die Nase, doch nach all den Jahren hatte ich mich bereits daran gewöhnt. Ich rümpfte kurz die Nase und drehte mich dann zu den Herren um. Ich fing an, zu erklären, dass es wichtig war, die Schweine mehrmals am Tag zu füttern. Der Stall musste regelmäßig ausgemistet werden und auch sonst musste man sich nach dem Wohlergehen der Tiere erkundigen. Beim Hühnerstall wies ich auf das kaputte Tor hin, das repariert werden musste. Ich erklärte, wie man die Eier einsammelte und wie oft die Legehennen ihre Eier legten. "Wir sind hier ein Bio-Bauernhof. Die Tiere bekommen viel Auslauf und werden gut gepflegt. Ich will, dass es ihnen an nichts fehlt", sagte ich. Ich war stolz auf den Hof, den sich meine Familie hart erarbeitet hatte. Nichts machte mich glücklicher, als die Arbeit hier.
      Als nächstes ging ich zum Kuhstall. Auch die Kühe gehörten gefüttert und der Stall musste täglich ausgemistet werden. Für die Kühe war die Weide hinter der Farm besonders wichtig. In dem eingezäunten großen Gehege verbrachten sie den Großteil ihrer Zeit. Ich zeigte auch auf die schwangere Milchkuh, die bald ihr Kälbchen zur Welt bringen würde. "Wenn es soweit ist, dann sofort den Tierarzt rufen. Seine Nummer hängt an der Wand neben dem Telefon", meinte ich. Mir war es wirklich wichtig, dass die Geburt ohne Komplikationen ablief. Danach ging ich zurück ins Haus und legte den Vertrag für die Saisonarbeit auf den Tisch. "Noch Fragen?", sagte ich, während ich einen Kugelschreiber suchte. "Lies ihn dir in Ruhe durch. Wenn etwas unklar ist, gib Bescheid. Wenn alles klar ist, unten bitte Name und Unterschrift eintragen." Ich dachte keine Sekunde daran, dass er den Job nicht annehmen würde. Er klang so, als ob er den Neuanfang ernst meinte und das war die perfekte Gelegenheit für ihn.
    • Alex

      Wir folgten ihr auf Schritt und Tritt aus dem schönen Haus heraus, bis hin zum Schweinestall. Der Geruch durchströmte unsere Nasen und Will räusperte sich kurz. Ich hingegen versuchte mir nichts anmerken zu lassen, denn schließlich würde ich das hier jeden Tag vor mir haben.
      Ich nickte ihr nur zu, als sie mir die Aufgaben hier erklärte und wir folgten ihr weiter bis zum Hühnerstall. So gleich sah ich mir das kaputte Tor an und bewegte es ein wenig. "Nun das sollte kein Problem sein das zu reparieren."
      Man konnte spüren wie sehr sie ihre Farm über alles liebte und das es den Tieren gut gehen sollte. Ich denke das werden wir auch weiterhin hinbekommen." Ich lächelte ihr zu. Will nickte ebenfalls um meiner Aussage zu zustimmen.
      Unser Weg führte uns weiter zum Kuhstall, de ebenfalls ein wenig anders roch. Will blieb gleich draußen stehen und ich folgte Zoe hinein. Aufmerksam hörte ich ihr zu und sah mir dann die Kuh an die Schwanger war. "Wow sie sieht beinahe so aus als würde sie Zwillinge bekommmen." Ich konnte mir diesen Kommentar nicht ganz verkneifen. "Weißt du wie lange es noch dauern würde bis sie kalben tut?"
      Nach unserer kleinen Besichtigung der Farm und deren Außengelände gingen wir zurück zum Hauptgebäude.
      Zoe legte mir den Vetrag hin und ich nahm ihn in die Hand um ihn mir grob durchzulesen. Mir war die Bezahlung und alles realtiv egal, denn ich wollte einen Neuanfang. Ich nahm den Kugelschreiber in die Hand und fügte meinen Namen und meine Unterschrift ein.
      "Das hätten wir." Zufrieden legte ich den Stift auf den Tisch und sah sie an. "Wann kann ich loslegen?"
      Will kicherte im Hintergrund. "Ich werde euch beide dann Mal alleine lassen. Ich bring dir noch ein paar Klamotten vorbei. Wenn was ist melde dich bitte bei mir." Ich nickte und gab ihn eine Umarmung. "Du hast echt Glück weißt du das?" Ich sah Will an. "Sie ist nicht von schlechten Eltern." Er zwinkerte mir zu, doch ich schüttelte nur den Kopf. "Ich bin hier um einen Neuanfang zu starten und nicht um die große Liebe zu suchen. "
      "Schon ok. Also bis die Tage."
      Ich winkte ihm zum Abschied zu. "Pass auf ihn auf Zoe." Er blickte in ihre Richtung und stieg dann ins Auto ein.
      Wir sahen ihn nach und dann war er auch schon verschwunden.
      "Gut das hätten wir." Er drehte sich zu ihr um und lächelte. "Kannst du mir zeigen wo es Werkzeug gibt, dann würde ich gleich das Tor zum Hühnerstall reparieren."


    • „Es kann jederzeit so weit sein“, antwortete ich auf die Frage und lächelte. Ich war sehr nervös, weil ich wollte, dass alles gut ging. Eine Geburt mitzuerleben, war immer wieder eine riesige Freude für mich und die Kälbchen wachsen zu sehen ebenfalls.

      Ich sah zu, wie mein Gegenüber den Vertrag durchlas, den Kugelschreiber in die Hand nahm und seine Unterschrift hinzufügte. Als er fertig war, griff ich nach dem Vertrag. „Ich werde dir morgen eine Kopie bringen“, sagte ich, während ich auf die Unterschrift schaute. Alex, das war also sein Name. Er passte zu ihm. Ich blickte auf und sah die zwei Herren an. „Wann kann ich loslegen?“, fragte Alex und perplex sah ich ihn an. Zugegebenermaßen hatte ich nicht mit so viel Tatendrang gerechnet. Ich war erstaunt, solcher Motivation zu begegnen. Im Normalfall versuchten die Gastarbeiter immer, so wenig wie möglich zu arbeiten und mussten auf alles hingewiesen werden. Dass er gleich beginnen wollte, fand ich großartig. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. „Sofort.“
      Der Freund von Alex verabschiedete sich von uns. Ich musterte ihn genauer und musste feststellen, dass er sich wirklich um seinen Freund sorgte. Es musste einen guten Grund geben, warum Alex einen Neuanfang hier erleben wollte und sein bester Freund schien bestens darüber Bescheid zu wissen. Er richtete zum Abschied noch ein paar Worte an Alex und zwinkerte dabei. Ich bemühte mich, nicht zu lauschen und sortierte die Dokumente. Danach verabschiedete er sich auch von mir. „Mach ich. Gute Heimfahrt!“, erwiderte ich und sah ihm zu, wie er ins Auto stieg und losfuhr.

      Alex wandte sich sogleich an mich. „Im Schuppen. Warte, ich zeige sie dir…“, sagte ich und ging zum großen Schuppen aus Holz, der von mir hauptsächlich als Lager genutzt wurde. Hier gab es allerlei Krimskrams, wie Werkzeuge, alte Bretter, Heu und sonstiges Tierfutter. Ich schob den Hebel beiseite und öffnete das große Tor. „Da oben“, sagte ich und zeigte auf den oberen Teil des Schuppens. Um den Platz ausgiebig zu nutzen, hatte mein Großvater vor langer Zeit oben eine Art zweite Etage eingerichtet, wo vorwiegend Werkzeuge gelagert wurden. Er hatte sich früher die Mühe gemacht, auch alte Bretter oder Holz nach oben zu transportieren, aber für mich war dies körperlich einfach zu anstrengend. Aber für Kleinigkeiten war der Teil oben super. Eine Leiter, die schon etwas in die Jahre gekommen war, führte rauf. Ich ging vor. Es gab eine große Werkzeugkiste, daneben lagen ein paar andere Werkzeuge lose herum. „Bedien‘ dich. Unten gibt’s Bretter, falls du davon was brauchst. Ach und morgen früh müsste ich ins Dorf fahren und Futter kaufen. Wenn du willst, kann ich dich da auch gleich herumführen. Wobei es nicht so besonders viel zu sehen gibt.“, sagte ich. Das Dorf war klein und keinesfalls mit einer Großstadt zu vergleichen. Aber ich mochte es hier.