Human Devil [Daisy&Lu]

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    • Human Devil [Daisy&Lu]

      Human Devil

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      @Daisy So the heavens shall tremble <3

      Prolog
      Flammen wirbelten empor und hüllten den klaren Himmel in Schatten, während das ohrenbetäubende Klirren der aufeinandertreffenden Klingen die Luft erzittern ließ. Funken stoben von dem Punkt aus, an dem sich die unterschiedlichen Waffen trafen; wieder und wieder und doch wurde keiner von den beiden Männern müde. Die hellen, platinfarbenen Haare umgaben die von Kälte gezeichneten, sich ziemlich ähnlichen Gesichter, wohingegen das des Älteren deutlich mit Hass verzerrt war. Sein Zorn gab ihm die nötige Kraft um den ihm so verhassten Mann Schlag um Schlag zurückzudrängen. Die Muskeln aufs äußerste gespannt fuhr die Spitze des goldenen Schwertes, getränkt in die starke, heilige Energie ihres Erzeugers, nur knapp an dem Gesicht des Älteren vorbei, trennte dabei eine Strähne seines weißen Haares ab und veranlassten die gold-violetten Augen dazu, der tödlichen Klinge zu folgen. Es war nahezu amüsant, wie sehr sein Zwilling die Tore des Himmelsreich verteidigte. Jenes kristallene Monument sah nahezu arrogant auf beide Engel hinab, welche die Landschaft vor jenem Tor in Schutt und Asche legten. Vereinzelte, weiße Federn gingen zu Boden als sie ihren Kampf zwischen Luft und festem Boden ausfochten, wobei der Erzengel niemals sein Ziel gewesen ist. Noch nicht, er hatte einen anderen Gegner, welchen es zu besiegen galt.

      "Was ist los, Bruder?", fragte der Teufel selbst mit nahezu sanfter Stimme und ein kaltes, verspottendes Lächeln zierte seine blassen Lippen, sodass die raubtierartigen Fänge blitzten im Schein der lodernden Flammen; dem Zeugnis seines Hasses. Letzteres Wort betonte der Gefallene so voller Verachtung, dass seine Stimme in eisigen Wellen das Toben der Flammenzunge übertönte und der nächste Schwung seiner beiden Klingen dafür sorgte, dass der Erzengel mit zitternden Muskeln geradeso diesen Angriff abzuwehren wusste. Die Anstrengung dabei war deutlich in seinen eleganten Zügen.
      "Verdammt, hör endlich auf, Lucifer! Bitte...", keuchte sein Bruder außer Atem und der Blick des Angesprochenen wurde kälte, nahezu bitter. Ein erbärmliches Bild, kaum zu glauben dass dasselbe Blut durch ihre Adern floss. Eine Enttäuschung... Und nicht mehr als ein nerviges Hindernis auf Lucifers wahrem Weg. Dem zu seinem Schöpfer, zu Gott selbst; Elohim. Michael hingegen war nicht bereit, so leicht aufzugeben und sein goldenes Schwert hielt der Wucht zweier Höllenklingen stand, die wieder und wieder auf ihn treffen wollten.
      "Was für ein erbärmlicher Anblick, noch immer zu schwach und geblendet von deiner angeblichen Treue zu Gott! Du bist so schwach, Michael. Mir warst du noch nie gewachsen. Also sei ein braver kleiner Bruder und geh zur Seite, ich habe eine Angelegenheit mit Vater zu klären." Eine sadistische Freude durchfloss seinen Körper und ein beinahe wahnsinniges Lächeln breitete sich auf Lucifers Lippen aus, welches die schönen Engelszüge entstellte. Es hatte lange gebraucht, seine Macht zu nähren und die verbotene Magie des Chaos in sich zu vereinen. Doch hatte er es geschafft, hatte geschafft, seinem eigentlich ebenbürtigen Bruder überlegen zu sein. Und nicht nur ihm, jene verlockene Stärke hatte ihm gleich süßer Worte den Sieg über Gott in einer Vision gezeigt. Das mächtigste Wesen, zusammengebrochen zu den Füßen des Höllenherrschers, angewiesen auf seine nicht vorhandene Gnade. Allein der Gedanke ließ den Weißhaarigen innerlich erzittern und nahezu gierig darauf, jenes Bild endlich umzusetzen schleuderte er seinen schwächeren Bruder von sich zu Boden.

      Hinter dem keuchenden Erzengel, dem langsam die Kraft verließ und welcher sich schmerzvoll den Brustkorb hielt, vernahm er tatsächlich die lächerliche Gestalt eines alten Mannes der durch die sich öffnenden Tore schritt. Gott verhöhnte ihn wie üblich mit einer menschlichen Hülle, die sein wahres Wesen kaum bergen konnte. Elohim gab Michael einen leichten Wink und deutlich nervös rappelte dieser sich auf und trat zur Seite, sodass Lucifer nun vor den Pforten des Himmels vor seinem Schöpfer stand. Der Hass entlud sich als Druckwelle um den Teufel herum, sodass der Kristall des Tores barste. Doch Gott selbst blieb unbewegt stehen, die Welle war nicht in der Lage, ihm zu schaden. Er trug auch keine Waffe bei sich, lediglich sein Blick war kühl und voller Enttäuschung. Eine Verspottung dessen, was Lucifer im Begriff war zu tun.
      Bitterkeit breitet sich in dem Weißhaarigen aus. Er hätte früher das Gesetzt brechen sollen um die hohen Himmel in Schutt und Asche zu legen. Und als nächstes gehörte ihm die irdische Welt, damit er endlich jenen Fehler ausmerzen konnte, den sein Vater ja so sehr liebte; Die Menschen.
      "Genug, Sohn der Morgenröte!" Die donnernde Stimme ließ selbst Lucifer zusammenzucken. Es war lange her, dass er diese Stimme vernommen hatte und beinahe hätte er vergessen, wie viel Macht ein einziges Wort von ihm besaß. In seinem Kopf hallten diese Worte wieder und wieder, nahezu schmerzhaft, weshalb der gefallene die Zähne knirschen ließ, um sich dem Einfluss zu entziehen.
      "Hallo...Vater...", knurrte er. Gottes schillernden Augen, gefärbt in jedem Spektrum, welches es gab, sahen auf ihn herab, bohrten sich in seine Höllenjuwelen und Lucifer musste unwillkürlich schlucken. Die Ehrfurcht vor diesem Wesen war auch für ihn nicht unbekannt und so sehr er es auch verdammte, er wusste nicht, ob er diesen Kampf gewinnen könnte. Doch war er bereits gefallen, eine größere Strafe konnte es nicht geben. Zudem er sich sicher war, dass dieses Mal nichts in seinem Wege stehen würde. Elohim hatte ihm alles genommen, was dem ehemaligen Morgenstern je etwas bedeutet hatte. Und nun war es an ihm, sich dafür zu rächen und dem endlosen Schmerz ein Ende zu bereiten.
      "Genug!! Leg deine Waffe zur Seite, Samael!" Elohims Stimme war so sanft wie der Schlag eines jungen Vogels doch so kraftvoll wie der tosende Wind auf den Meeren der irdischen Welt. Doch widersetzte sich Lucifer und seine zwei dunklen Klingen fester umgreifend ließ er die stärker gewordene Macht der Finsternis aufleben. Gleich einem dunklen Gewitter türmte sich diese um sie herum auf, hungrig wie eine Bestie sich auf das Wesen des Lichtes zu stürzen. Sie verschlangen die ewig scheinende Sonne des Himmels und färbten die Umgebung in Verderbnis.
      „Warum sollte ich, Vater? Angst zu verlieren?“ Die Gold-violetten Augen bohrten sich in die mächtigen seines Gegenübers und diesmal sah er nicht weg, senkte seinen Blick auch nicht und war bereit, endlich zu handeln. Elohim zog verärgert seine Brauen zusammen, seine linke Hand erhob sich langsam und die Klingen in Lucifers Hand zerbrachen in tausende Splitter. Das mächtige Wesen verlor langsam die Geduld mit seinem missratenen Sohn. Genug, dass er die Dreistigkeit besaß, vor den Toren des Himmels aufzutauchen. Doch die Saat des Böses hier hineinzubringen war auch in Gottes Augen zu viel der Respektlosigkeit.
      „Ich warne nur einmal, Samael… Verneige dich in Demut und verlasse mein Reich.“ Gott war zornig. Die Luft um sie herum wurde merklich kälter, geradezu unangenehm eisig und das eben noch tosende Feuer wurde im Keim erstickt. Michael erzitterte, blass vor Ehrfurcht und mit einem nahezu flehenden Blick in die Richtung seines Zwillingsbruders. Lucifer musste aufhören! Jetzt! Wenn er nicht wollte, dass Gott seiner Existenz ein Ende bereitete...oder Schlimmeres.
      Der Teufel schnaubte nur angewidert über den Namen, mit welchem Gott zu ihm sprach. Er hasste diesen Namen mehr als alles andere. Samael... Tze, diese Zeiten waren sehr lange vorbei. Samael existierte nicht mehr.
      "Lieber würde ich wie ein erbärmlicher Mensch leben als diese Chance nicht zu nutzen, dich zu töten! Tut mir Leid, Vater... aber ich werde nicht länger dulden, wie senil du geworden bist, dass du zulässt, dass deine ach so geliebten Kinder die Welt zerstören! Es wird Zeit die Dinge zu ändern.", spie Lucifer jene Worte dem mächtigsten Wesen aller Zeiten wütend entgegen, doch zu spät bemerkte er seinen Fehler. Die Unglückliche Fügung, mit der er seine Worte gewählt hatte.
      "Du willst also ein Mensch sein? Lieber willst du sterblich sein als meinem Wunsch- meinem Befehl Folge zu leisten?" Kalt war die Stimme seines Vaters, welchen der Gefallene in diesem Moment mehr verachtete als seinen Bruder Michael, welcher nahezu panisch seinen Namen rief. Elohims buntschillernden Augen verengten sich verärgert und nun reichte es ihm endgültig.
      "Bitte... wenn dies dein letztes Wort ist..." Erst jetzt dämmert es Lucifer und seine Wut wurde von etwas anderem abgelöst, als Gott erneut seine Hand hob und diesmal die Gestalt des alten Mannes von seinem wahren Wesen verschlungen wurde... Entsetzen breitet sich in dem Teufel aus, langsam, schleichend wie ein Gift. Er wird doch nicht-?!
      "Dann werde ich dein Wunsch erfüllen." Die Worte brachen über Lucifer zusammen, als würde er die Welt unter seinen Füßen hinwegziehen. Dieses Mal hatte der Weißhaarige abermals das Gefühl zu fallen, das unangenehme Gefühl des Versagens schlich sich in sein Herz und selbst die Finsternis nahm in diesem Moment Abstand zu seinem Herrn.
      "Nein...nicht-!" Ein grelles Licht, ein einziger Schmerz und die Welt um Lucifer herum wurde schwarz.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Lucifer

      Das erste was er spürte waren unsagbare Schmerzen, die gleich Dolchspitzen in seinen Körper stachen und doch zugleich seltsam vertraut waren. Lucifer war unsagbar heiß, es fühlte sich als würde er von innen heraus verbrennen und seine Kehle schmerzte. Seine Hand zuckte leicht, doch diese Rührung allein entfachte ein Inferno von Schmerzen in seinem Körper, der sich…seltsam anfühlte. So schwer und schwach, wie Lucifer es nicht kannte. Nicht kennen wollte. Er stöhnte auf, der Laut kratzte in seinem Hals als wäre seine Kehle rau und ausgedörrt gleich dem Sand der Wüsten. Warum tat alles nur so weh…? Er kannte das Gefühl des Schmerzes, allerdings war das letzte Mal, dass er es in diesem Ausmaße verspürte, zu jener Zeit gewesen als sich das himmlische Schwert durch seinen Brustkorb gebohrt hatte. Aber nun… Nun fühlte sich alles um ein Vielfaches intensiver an.

      Blinzelnd öffnete er schließlich seine unendlich schweren Lider, welche ihn eben noch in Dunkelheit hielten. Doch ein schmaler Streifen des Lichtes zeigte sich dem Dämon und langsam öffnete er seine Augen, kniff sie jedoch wieder zusammen, als grelles Licht der Sonne ihm begegnete und so unerträglich grell wirkte, was seine stechenden Kopfschmerzen nur stärker werden ließ. Trotzdem zwang er sich, die Augen wieder zaghaft zu öffnen und erblickte einen alten Mann, der auf ihn hinabsah. Nein, nicht nur irgendein alter Mann. Es war die erhabene, gealterte Gestalt seines so verhassten Erzeugers. Die schillernden Augen waren nahezu ruhig, beinahe teilnahmslos auf ihn gerichtet ehe sich die hochgewachsene Gestalt einige Schritte entfernte.
      Ätzend richtete der Teufel sich auf, versuchte sich zu erheben. Doch Schwindel erfasste ihn kaum dass er Anstalten machte, aufzustehen und er sackte zurück auf seine Knie. Die gesamte Welt drehte sich. Die Farben um ihn herum wirkten so viel deutlicher, die Luft war feucht und kühl und ließ seinen verschwitzten Körper zittern. Verzweiflung und Schmerz raubten ihm die Sinne und nahmen ihm jegliche Versuche, seinen Verstand zurück in das analysierende, kühle Denken zu bringen, welches er sonst an den Tag legte. Warum wollte sich sein Herz nicht beruhigen? Warum... schlug es so schnell und hart gegen seinen Brustkorb?! Normalerweise dürfte er diesen lebensnotwendigen Muskel nicht spüren, nie hatte sich in diesem auch nur eine Regung geschweige denn eine Beschleunigung des steten Rhythmus bemerkbar gemacht. Doch jetzt tat es ihm schon fast weh und das Pochen hallte in seinen Ohren wieder. Keuchend ging sein Atem als seine Hand die raue Rinde eines Baumes neben sich fand und er wankend auf die Beine kam. Neben Lucifer plätschert ein kleiner Fluss, der sich durch das vom bunten Laub bedeckte Grün des Waldbodens schlängelte. Und über ihm lediglich das Flüstern der Bäume und Zwitschern der Vögel. Trügerisch ruhig... Unruhe breitete sich in ihm aus. Warum war er hier? Und verflucht, wo war dieses Hier? Die irdische Welt, so viel war ihm bewusst. Der Herbst hielt seinen Einzug in diesem Teil der Welt und doch war die Sonne noch stark genug, ihr goldenes und viel zu grelles Licht durch die bunten Blätter scheinen zu lassen.

      "Was..." Wie ein Blitz traf ihn die Erinnerung an das, was geschehen war. Elohim… Seine Worte… und jetzt war er in irgendeinem Wald des Niemandslandes. Beinahe sofort fuhr sein Blick zu seinen Händen. Doch statt der erwarteten, blassen Haut umspannte deutlich dunklere seine bebenden Finger, denen die Klauen des Teufels fehlten. Nein! Nein, das darf nicht... Lucifer stürzte förmlich zu dem Band des kühlen Nasses, suchte sein Spiegelbild und ihm wurde speiübel. Keine dämonische Erhabenheit... keine Züge eines Höllenherrschers... Ein völlig Fremder starrte ihm mit zwei verschiedenen Irisfarben entgegen. Das einst platinfarbene Haar war nun von einem tiefen Schwarz, lediglich die langen Spitzen waren in einem leichten Hauch von Silber, der an sein altes Ich erinnerte. Die Haut wie bereits bemerkt eher in einem dunkleren Ton, die Züge…menschlich. Ein Keuchen entkam ihm, die Übelkeit wurde größer und plötzlich flutete ein ihm bislang unbekanntes Gefühl sein Inneres: Angst. Er…nein, das durfte nicht… Er war… Ein Mensch. Wutentbrannt ließ er seine Hand auf die Oberfläche nieder und das Spiegelbild, welches ihm so fremd war, wurde zerstört. Kraftlos sank er nach hinten und vergrub die Finger in den nunmehr dunklen Haaren, in dem Versuch, den viel zu schnellen Atem irgendwie wieder unter Kontrolle zu bekommen. Sich und die Panik, die sich breitmachte, wieder unter Kontrolle zu bekommen. Doch die Luft schien knapp. Er war ein Mensch. Ein dreckiger, schwacher und sterblicher Mensch. Das konnte nicht sein! Gott erlaubte sich nur einen boshaften Scherz mit ihm! Es…war sicher nur eine Illusion, ein wirrer Traum aus dem er gleich in seinem elysischen Körper wieder erwachen würde!
      Leider fühlte es sich zu real an. Die heiße Stirn fühlte sich zu real an, der Schwindel und der Kampf, sich nicht zu übergeben. Die Angst die ihn lähmte, ihn irrational denken ließ. Und dieses verfluchte Herz, welches so schrecklich wehtat, dass es ihm kurz schwarz vor Augen wurde.

      "Du hast es nicht anders gewollt mein Sohn!" Erschrocken fuhr Lucifer herum und erkannte nun deutlicher seinen Vater und ebenso seinen Zwillingsbruder Michael. Letzterer sah ihn mit ebenso schockiertem Gesicht an wie der Teufel sich fühlte.
      "Das…das ist ein Scherz, richtig? Mach es rückgängig!", fuhr er versucht wütend seinen Allvater an, doch statt dem originalen, samtenen Klang wirkte seine Stimme eher krächzend und kraftlos. Nicht auch das noch… Elohim schüttelte mit kühlem Blick den Kopf und überbrückte die Distanz zu dem kauernden Sohn. Vor ihm angekommen sah Gott auf ihn hinab- auf allen Ebenen. Lucifer fühlte sich nicht nur gedemütigt, er fühlte sich gefangen, machtlos und…verzweifelt.
      "Nein. Nicht ehe du deine Lektion gelernt hast, Samael. Du wolltest lieber Sterblich sein als endlich zu vergeben und die Liebe gegenüber den Menschen zu verstehen. Dann wirst du deine Strafe durchstehen müssen, nicht eher wirst du deine Macht zurückerlangen...wenn du nicht lernst zu vergeben. Wenn du nicht lernst was es heißt, ein Mensch zu sein, wo du sie doch so sehr verabscheust. Erst dann kannst du mich um Vergebung bitten und wirst deinen dämonischen Teil zurückbekommen!" Die kalte Stimme war endgültig. Und Lucifer riss entsetzt seine Augen auf. Nein…. Das durfte er nicht! Das… diese Form der Strafe hatte er nicht verdient!
      "Das...das kannst du nicht...!", setzte er bereits zum Protest an, doch das Brennen in seinem Hals wurde für einen Moment zu übermächtig, dass er abbrechen musste. Er biss die Zähne zusammen und ballte seine Hände schmerzhaft zu Fäusten, dass die Knöchel heller hervortraten. Das war nicht fair… Absolut nicht fair! Lucifer weigerte sich, dies anzunehmen und selbiges musste auch in seinen Zügen geschrieben stehen, da ihm nur ein freudloses Lächeln begegnete.
      „Freunde dich mit diesem Gefühl an, was du gerade verspürst. Denn ab sofort wirst du als Mensch wandeln… und fühlen. Gleich was du versuchst oder wen du gedenkst um Hilfe zu bitten, niemand wird dir helfen können. Wir sehen uns… in einigen Jahren vielleicht.“ Damit wandte Gott sich von seinem Sohn ab. Lucifer war ernsthaft versucht, ihn zurückzuhalten, zu versuchen mit ihm diplomatisch darüber zu sprechen und eine andere Form der Bestrafung auszuhandeln. Jahre?! Jahre in einem Menschenkörper würde er nicht überstehen! Der leichteste Druck und diese Körper zerbrachen und starb- Kaum den Gedanken gefasst wurde Lucifer nun wirklich kreidebleich. Er…er war sterblich. Er konnte… Sein Atem blieb ihm in den Lungen stecken. Er könnte sterben. Sterben! Ein Wort, welches für ihn als ewig lebendes Individuum beinahe beängstigender war, als die Tatsache keine Magie mehr nutzen zu können.

      "Es...es tut mir Leid, Lucifer....", murmelt sein Bruder und senkte den Blick. Reue und Sorge waren deutlich in den Zügen des Weißhaarigen zu sehen. Michael war ebenso entsetzt über Gottes drastischen Entschluss und für einen Moment ging der Engel einen Schritt auf Lucifer zu, welcher nur im stummen Entsetzen seinem Vater nachsah. Schließlich hoben sich seine zweifarbigen Iriden und er sah nahezu leer zu seinem Bruder auf.
      „Warum…?“, hauchte er mehr als dass er es aussprach. Er sah wie Michael schluckte und ein tiefes Seufzen ausstieß. Mit Vater zu sprechen wäre auch bei Michael sinnlos, das wussten sie beide. "Ich...werde wiederkommen um zu sehen wie es dir geht! Halte durch, Lucifer." Die Stimme des Erzengels war gesenkt, in der Hoffnung Gott würde ihn nicht hören, welcher bereits das Portal zum Himmel geöffnet hatte. Hastig wandte sich der Erzengel ab und schritt an die Seite seines Vaters, welcher auf ihn wartete. Mit einem letzten Blick auf seien nun endgültig gefallenen Sohn verschwanden Elohim mit Michael im Schlepptau. Lucifer blieb allein am Ufer kauernd zurück. Allein...in diesem menschlichen Körper! Verzweiflung überschwemmte ihn gleich einer Flut, am liebsten wöllte er schreien doch auch dafür besaß er keine Kraft. Nach gefühlten Stunden- Oder waren es nur Minuten?- fand Lucifer sich selbst an einen Baum gelehnt wieder, den Blick leer auf die Zweige des alten Ahorns über ihm gerichtet. Er… hatte verloren. Und wusste nicht wohin. Was sollte er jetzt machen? Es war ganz klar ersichtlich, dass seine Seele sich gegen diesen neuen Körper wehrte, ihn förmlich abstieß und dieses krankmachende Fieber erledigte den Rest. Erschöpft schlossen sich seine Augen. Jahre…. Jahre würde er nicht überstehen. Momentan wusste er nicht einmal, ob er diesen Tag überleben würde. Die Hitze ließ ihm schummrig werden und schließlich gab der sterbliche Körper auf und kippte zur Seite weg.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Ruby-May Wittle
      Es war ein kleiner, unscheinbarer Balkon in einer engbesiedelten Gegend der Stadt, auf dem Ruby verträumt die tanzenden Rauchschwaden ihrer Zigarette dem Himmel entgegen blies. Herrlich und strahlend erstreckte sich der Wolkenlose Horizont über ihrem Haupt und zauberte ihr ganz von selbst ein Lächeln auf ihre Lippen. Was für ein schöner Herbstmorgen. Jetzt verstand sie auch warum Bassil schon so früh voller Eifer durch die Wohnung getigert war im zögerlichen aber letzten Endes doch sehr zielstrebigen Versuch sein Frauchen zu wecken. Denn kaum hatte sie flatternd ihre Augen geöffnet, war das aufgeregte Tier mit wedelndem Schwanz zum Bett geeilt und seinen Kopf bittend auf die Kante gelegt. Zunächst hat sie gedacht er hab einfach nur Hunger oder Durst, gewährte ihm auch noch eine ausgiebige Portion Kuschel- und Krauleinheiten. Doch nichts schien den schönen Border Collie gänzlich zufrieden zu stimmen. Nun jedoch lag es auf der Hand und amüsiert grinste Ruby zurück ins Wohnzimmer, wo Bassil bereits hechelnd und näher rutschend auf dem Boden saß. "Du willst in den Wald, stimmt's nicht, mein Großer?", sagte sie sanft und erntete bei dem geliebten Wort direkt lautstarken Zuspruch. "Psst!", beeilte die schwarz-haarige sich schnell zurück ins Warme zu kommen, nachdem sie ihre halbaufgerauchte Zigarette ausgedrückt hatte. "Ist ja gut. Kein Grund gleich laut zu werden."
      Sie kniete sich vor das Tier auf den Boden und ließ ihn mit einer Handbewegung erst ruhig auf dem Bauch liegen, ehe sie ihn anwies sich herum zu rollen und ihr die Pfote zum Gruß zu geben. "So ist es fein.", lobte sie Bassil und zückte aus der Tasche ihres Morgenmantels ein Leckerchen für den Hund.
      "Gedulde dich noch etwas, sodass ich mich fertig machen kann, dann können wir los.", versicherte sie ihm und streichelte besänftigend über seinen Kopf. Es war immer wieder schön gewesen wie sehr das liebenswürdige Tier aufgetaut war. Vor ein paar Jahren noch wäre diese Interaktion undenkbar gewesen. Was auch immer Bassil angetan worden ist in seinem vorangegangenen Leben, er hat das Vertrauen in Menschen erst mühselig widererlangen müssen, ehe er in der Lage gewesen ist zu entspannen und sein neues zu Hause zu akzeptieren. Doch nun hatte er sich hervorragend eingelebt und war ganz der aufgeweckte Wirbelwind, den Ruby sich immer an ihrer Seite gewünscht hatte. Zügig, um ihr Versprechen wahr zu machen tapste sie auf nackten Sohlen ins Badezimmer, stieg für eine Katzenwäsche unter die Dusche und putzte sich ihre Zähne, bevor sie auch schon in eine Jeans, einen dicken Pullover und eine Weste schlüpfte, die für das Wetter angenehm gewesen sind. Bassil merkte direkt, dass es gleich losgehen würde und bei jeder Bewegung, die in Richtung Tür ging drehte er sich aufgeregt um sich selbst. "Einen Moment noch", lachte Ruby kopfschüttelnd und schnappte sich auf dem Kühlschrank eine Scheibe Brot, von der sie unbelegt abbiss, während sie sich mit der zweiten Hand bereits die festen Schuhe anzog. Brauchte sie noch irgendwas? Sollte sie einkaufen gehen? Sah nicht danach aus. Nichts, was nicht auch auf ihren nächsten Arbeitstag warten konnte, wenn sie eh in der Nähe des Supermarktes gewesen ist.
      Noch immer nebenher essend machte sie die Leine ihres Hundes an seinem Halsband fest, steckte ihre Haustürschlüssel in die Tasche und machte sich wie jedes Mal bereit das Haus zu verlassen. Wie Soldaten stellten die Frau und der Hund sich auf und erst nach einem Moment, den er ruhig sitzen geblieben bin, öffnete Ruby die Wohnungstür und führte Bassil vorsichtig die Treppen herunter, damit er in seinem Übereifer nicht stolperte. Trotz des Feiertages und der frühen Uhrzeit war bereits einiges unterwegs auf den Straßen. Die Menschen huschten von einer Ecke zur nächsten, der Blumenladen eine Straße weiter hatte die Kunden bis zur Straße stehen und auch die Bäckereien hatten mit viel Hektik und Andrang zu kämpfen. Eigentlich sehr idyllisch, wenn sie so darüber nachdachte. Doch ist ihr heute dennoch nicht nach Rummel gewesen. Daher nahm sie zielstrebig einige Schleichwege, vorbei an ähnlichen Wohnsiedlungen wie ihrer eigenen und schließlich auf die Landstraße, die hinaus aus der Stadt führte. Bassil behielt sie dabei dicht an ihrer Seite und lockte immer wieder seine Augen weg von der weiten Wiese, die sich rechts von ihnen erstreckte wann immer er einen Vogel auffliegen sah. Dabei stellte sich das Rascheln in der Westentasche seiner Leckerlies als äußerst hilfreich heraus. Als die Straße schließlich umschlossen wurde von den ersten Bäumen ging Ruby zielstrebig vom Weg ab.
      Durch die Bäume auf den Wanderpfad zu gelangen war eine gelungene Abkürzung, wenn man mit den kleinen Tücken und Hügeln hier und dort vertraut gewesen ist. Sie wartete ein wenig und sobald sie die gelegentlich vorbeifahrenden Autos nicht mehr hören konnte löste sie auch die Leine ihres Hundes. "Lauf schon, Großer. Tob dich aus", klopfte sie ihm leicht auf den Po und glücklich setzte er an zum Sprint und machte zunächst eine große Runde um sein Frauchen herum, ehe er glücklch voraus eilte. Sobald er ein bisschen Abstand gewonnen hatte blieb er stehen und sah zu Ruby zurück, wartete, bis sie ein wenig aufgeholt hatte, prüfte dass alles in Ordnung gewesen ist und dann gings weiter durch das geliebte Dickicht. Er sprang über Baumstämme, baute sich seinen eigenen Hindernisparkour, schnüffelte nach vorbeigehuschten Hasen und anderen spannenden Gerüchen und sammelte einen Stock nach dem anderen ein. Jedoch tauschte er ihn immer wieder aus, wenn er meinte einen besseren gefunden zu haben. Die schöne Landschaft, die im Sonnenlicht golden schimmernden Blätterdächer und die Freude Bassils erwärmten Rubys Herz und sie seufzte zufrieden, wobei sie die doch angenehm kühle Luft in sich aufnahm.
      Konnte es noch schöner kommen? Die vergangenen Tage hatten sie tatsächlich ein wenig ausgelaugt. In der Schule ist viel zu tun gewesen, das Schulfest musste vorbereitet werden und Ruby hatte den anderen Lehrern auch ein wenig unter die Arme gegriffen. Und wenn sie irgendwann mal gedacht hatte an normalen Schultagen verletzten sich Kinder bereits öfter als sie gucken konnte, so hatte sie gänzlich unterschätzt was diese Hitzköpfe anrichten konnten, wenn man sie darum bat bei der Dekoration zu helfen. Sie hatte so viele Beulen behandelt, die von kleineren Stürzen von Stühlen, Tischen, Fensterbänken und Kameradenschultern kamen. Lustigerweise ist niemand gestürzt, der eine tatsächliche Leiter benutzt hat. Doch war das nun auch überstanden gewesen und die drei freien Tage, angefangen mit dieser Schönheit waren ganz ausnahmslos ihre Belohnung dafür. Nach einer Weile der wilden Wanderung kamen sie wieder auf den vorgesehenen Wanderweg und mit einem Pfiff rief die schwarz-haarige ihren Begleiter zu sich zurück. Zwar war er noch nicht auf ihrer Sicht verschwunden, doch hier war die Wahrscheinlichkeit wieder größer auf andere Spaziergänger und Hunde zu treffen. Da wollte sie ihn lieber bei sich wissen. Mit einem Lächeln streichelte sie ihm über den Kopf und hielt ihm ein Leckerli hin für das artige Benehmen. "Ja du hast Spaß, nicht wahr?" Der Hund wedelte freudig mit seiner Rute und eilte erneut etwas voraus. Ruby lenkte ihn immer wieder zurück auf den Weg, sodass sie eine kleine Brücke ansteuerten, die sich über einen sauberen Fluss erstreckte, wo Bassil ein wenig trinken konnte. So zumindest der Plan. Doch noch bevor sie beide bei dem Bach ankommen konnte und er nur in Sicht gewesen ist, hielt das Tier plötzlich alarmiert an und sah aufmerksam in die Ferne. "Was hast du, Großer?", fragte Ruby neugierig nach, als sie ihren Hund sogar überholte. Kam ihnen ein Wanderer oder Radfahrer entgegen? Sie versuchte in die gleiche Richtung zu spähen, erkannte allerdings nur die Brücke. Für einen Moment spielte sie mit dem Gedanken Bassil sicherheitshalber an die Leine zu nehmen, doch da war das Tier schon auf und davon.
      Erschrocken japste Ruby auf. "Bassil!", rief sie ihm nach und versuchte Schritt zu halten, was selbstverständlich undenkbar gewesen ist. Im Sprint überquerte Bassil den Fluss und bog rapide rechts ab. Ruby ihm hinterher, doch rutschte sie mit einem spitzen Schrei auf den nassen Blättern weg, kaum dass sie wieder den Waldboden unter ihren Füßen hatte. Es tat nichts weh, weswegen sie sogleich wieder aufsprang. Ihr Herz raste und sie hatte das Gefühl überströmt von Adrenalin zu sein. So etwas hatte ihr Hund noch nie gemacht! Ihr Atem ging schwer, als sie aufsah und erkannte, dass ihr Bassil schließlich zum Stehen gekommen ist. Die Ohren waren angelegt und vorsichtig näherte er sich einem Baum. Doch selbst von der Entfernung konnte Ruby ihn wimmern hören. "Was um alles in der Welt machst du denn nur?", stöhnte Ruby besorgt auf und eilte zu dem Tier. "Hast du einen Kaninchenbau ge-..." Ihr blieben die Worte im Halse stecken, als sie um den Ahorn herum ging und die ausgezerrte Gestalt eines Mannes erblickte. Bassil stupste jammernd seine Seite an doch der Fremde rührte sich nicht. Panik kroch ihr die Beine auf. Um Himmels Willen! Was war denn nu mit ihm geschehen? Komplett durcheinander schaute sie auf seine nackten Füße, dann auf seine nackte Kleidung. Die blassen Lippen. Sogleich legte sie die Hände an dein Gesicht. Es brannte. Oh nein, oh nein, oh nein. Schneller, als sie darüber nachdenken konnte riss Ruby sich ihren Schal vom Hals und machte ihn dem Mann um. Mit Mühe hob sie seinen Oberkörper an und zog ihn in ihre Arme, ihre Weste um ihn schließend. Er war schrecklich kalt. "Bassil!", rief sie streng nach dem treuen Tier und deutete auf die Füße des Mannes. Der schlaue Hund begriff sofort und legte sich zum wärmen dazu.
      "Hey, fremder Unbekannter", fing sie leise an zu sprechen, eher um sich selbst zu beruhigen, als dass sie eine Antwort erwartete. "Was machst du denn für Sachen? Das ist ein denkbar schlechter Ort für ein Nickerchen." Sie wog ihn vorsichtig hin und her, schnappte sich seine kalten Finger, führte sie an die Lippen und hauchte warmen Atem gegen die steifen Glieder. Was sollte sie nur machen, Mist was sollte sie nur machen? Umständlich, den Mann in einem festen Griff behaltend zückte sie ihr Handy und betete für eine Sekunde sie würde Empfang haben, ehe sie das Smartphone entsperrte. Ein Balken! Perfekt! Das reichte. Krankenwagen? Sie besah sich den Mann genauer und tastete ihn nach einer Möglichkeit der Ausweisung ab, doch tatsächlich waren seine Taschen leer. Nicht ein Indiz auf seine Identität. Ohje. Ein Junkie vielleicht? Das wäre schlecht. Wenn er eine Überdosis hatte und anfangen würde sich im Krankenhaus zu wehren wusste Ruby nicht, ob man ihn weiter behandeln würde ohne eine Krankenversicherung. "Scheiße.", fluchte sie still aber Spitz und wählte schließlich in ihren Kontakten den einzigen anderen Namen, der ihr jetzt einfiel.
      "Zu Diensten, Sonnenschein?", meldete sich die verschlafene Stimme ihrer besten Freundin viel zu spät für Rubys Geschmack. Ihr ganzer Körper zitterte vor Anspannung. "Lyanna, schnell du musst sofort in den Wald kommen, bitte.", platzte es sogleich aus ihr heraus und ihre Freundin am anderen Ende schien alarmiert. "Was ist los? Was ist passiert, geht es dir gut?" Die schwarz-haarige sah in das regungslose blasse Gesicht des Mannes. Lediglich das Fieber färbte seine Wangen dunkel. "Mir geht es gut, aber ich glaube ich habe einen sterbenden Junkie im Wald gefunden. Bitte komm sofort her, bring eine Decke mit, alle Taschenwärmer die du finden kannst und..." Sie schaute herunter auf die Füße des Herrn und streckte ihren eigenen ungeschickt daneben und neigte den Kopf von einer Seite zur anderen. "Ach keine Ahnung!", jammerte sie überfordert. "Dicke Socken und Schuhe Größe... 45? Keine Ahnung! Er ist ein großer Mann und hat keine Schuhe an!" Es war kurz still am anderen Ende der Leitung. "Verstanden, ich komme mit dem Auto. Weißt du ungefähr wo du bist?" - "Ja, direkt an der Brücke beim Bach. Du weißt welche ich meine." - "Ja, Roger! Behalte einen kühlen Kopf, Kleines, ich bin unterwegs." Sie hatte die Worte kaum zu Ende ausgesprochen, da legte Lyanna schon auf und Ruby zwang sich dazu mehrmals tief durchzuatmen. "Okey, okey, das ist gut. Hörst du? Alles wird gut." Nun schloss die junge Frau ihre Arme enger um den kraftlosen Körper und rieb ihm wärmend über die Arme. "Alles wird wieder gut, Hilfe ist unterwegs. Du bist nicht allein und ich lass dich hier sicherlich nicht sterben. Das geht gegen meine Ehre als Krankenschwester. Also halte bitte noch einen Moment durch", plapperte sie nervös drauf los.
      Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, doch effektiv mochten es vielleicht dreißig Minuten sein, bis Lyanna endlich in Rubys Sichtfeld auftauchte. "Lyana! Hier bin ich!", machte sie auf sich aufmerksam und nun sprang auch Bassil wieder auf und empfing die ihm bekannte Frau freudig. Sie war komplett vollbepackt bis unters Kinn. "Hey! Wie ist die Lage?" - "Ich weiß es nicht.", gab Ruby zu. "Er lebt und das Zittern hat nachgelassen." Die Dame nickte. "Das ist doch schon mal was", lächelte sie aufmunternd und besah sich nun selbst den mysteriösen Patienten. "Den bekommen wir nicht vom Fleck getragen, keine Chance.", murmelte sie nachdenklich und kniete sich nun auch ins Laub. "Ich weiß... Wir müssen drauf hoffen, dass er aufwacht, dann können wir ihn vielleicht schleppen." Lyanna nickte. "Komm, ziehen wir ihn erstmal ein wenig an, dass er uns nicht erfriert." Ohne Scheu zog sie dem Mann zunächst Socken über und anschließend dicke schwarze Schuhe, die sie eben schnell erst gekauft haben musste. Von wo auch immer an einem Feiertag, dachte sich Ruby still bei sich. "Du bist gut im Schätzen! Sie passen gut!", grinste die Frau triumphierend. Die Krankenschwester schüttelte den Kopf. "Na wenigstens etwas..." Gemeinsam wickelten sie den kalten Körper in die Decke ein. Lyanna hatte noch eine Mütze und Handschuhe mitgebracht. Taschenwärmer hatte sie keine gefunden aber dafür eine Termoskanne mit heißem Tee. Ruby wies sie an ein Stück Stoff im Fluss nass zu machen und auszuwrinken, ehe sie es ihm zum kühlen auf die Stirn legte. Die ganze Zeit über ließ sie den Fremden nicht einmal aus ihren Armen, egal wie schwer er mit der Zeit wurde. Eingewickelt, die Termoskanne am Körper, Ruby, die versuchte die eine Seite mit ihrer Körperwärme von der Kälte zu bewahren und Bassil der sich auf der anderen Seite neben ihm hinlegte. Lyanna stand vor den beiden und stemmte die Hände in die Hüften. "Das... sieht echt sonderbar aus." - "Ist doch egal, solange er das durchsteht!" Die lang-haarige nickte. "Warum hast du nicht-", wieder blickte die Frau auf das schlaffe Gesicht herunter und erinnerte sich an seinen Zustand. "Vergiss es, ich weiß bescheid." Ruby seufzte, ehe sie den Blick zum Wanderweg hob. "Du kamst aus der Richtung? Hast du an der Straße geparkt?" Die Angesprochene nickte. "Dann park am besten um." Sie zeigte mit dem Kopf in die andere Richtung. "Es gibt einen öffentlichen Parkplatz nicht weit von hier in der Richtung. Einfach der Straße folgen und sobald du die möglichkeit hast in den Was zu fahren biegst du rechts ab. Von dem Parkplatz aus den kürzesten Wanderweg entlang und du müsstest nach fünf Minuten wieder hier sein." Lyanna folgte in Gedanken der Beschreibung und nickte. "Roger, Ma'am, ich bin gleich wieder zurück." Liebevoll legte sie noch einmal die Hände an die Schultern ihrer Freundin und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Beruhige dich etwas, es wird schon alles wieder gut, hörst du. Gar kein Grund zur Panik." Ruby nickte und verstärkte ihren Griff, als sie ihrer Freundin hinterher sah.

    • Lucifer | Lucidas

      In seinem Kopf herrschte ein wahrer Strudel an wirren Gedanken, Emotionen welche er nicht kannte und...Stimmen. War es schon so weit dass er den Verstand verlor? Nach einigen Stunden als Mensch? Nein... irgendwie wirkten diese Stimmen nicht wie das Produkt seiner Fantasie. Es waren zwei Frauen, glaubte er zumindest. Sie sprachen über etwas, was er nicht verstand. Noch nicht verstand, das einzige was er ganz deutlich wahrnahm war die plötzliche Wärme, welche ihn umgab. Und etwas erleichternd Kühles auf seiner brennenden Stirn. Schließlich kämpfte sich sein Bewusstsein soweit zurück, dass er mühselig seine Augen öffnete und sich desorientiert umblickte. Es brauchte eine Weile, ehe die Umgebung scharfe Umrisse annahm. Das erste was er sah war eine Decke, welche auf ihm lag. Und...Schuhe an seinen Füßen, die vorhin definitiv noch nicht da gewesen sind. Erst dann bemerkte er eine schwarzhaarige Frau zu seiner Linken, welche ihn festhielt und ihre widerwillig zugegebene angenehme Wärme mit ihm teilte. Doch dies war kein Grund zur Freude. Im Gegenteil, er fühlte sich noch tiefer in seinem ohnehin angegriffenen Stolz verletzt, dass ein einfaches Weib ihn in diesem Zustand sehen musste. Missmutig presste er die Lippen zusammen. Sie war mit Sicherheit nur ein Mensch. Wobei er jetzt nicht einmal mehr diese charakteristische Aura der Menschen wahrnehmen konnte, welche er als Teufel gespürt hatte. Doch nun merkte er rein gar nichts davon, er konnte ihre Aura nicht fühlen und ihre Seele nicht sehen, was sonst mit seinen dämonischen Augen möglich gewesen war. Angespannt versuchte er seine steifen Glieder etwas zu bewegen und schien damit die Aufmerksamkeit der Frau auf sich zu ziehen. Sofort war sie deutlich besorgt und ihre braunen Augen begutachteten ihn sichtlich erleichtert. Ein leises "Zum Glück..." entkam ihr, was Lucifer im ersten Moment nicht einzudeuten vermochte. Sein Verstand arbeitete dank dem verfluchten Fieber langsamer, als er es gewohnt war. Viel zu langsam für seinen Geschmack und etwas stöhnend hielt er sich eine Hand über die Augen, stieß dabei an einen nassen Stoff, welcher ihn kühlte.

      "Guten Morgen..." Die Stimme der Frau ließ seine zweifarbigen Augen wieder auf sie fallen, doch erwiderte er den Gruß nicht. Gut war dieser Morgen nun wirklich nicht, er hatte nicht einmal gewusst welche Tageszeit gerade war. Einzig, dass es Herbst war und verflucht sonnig war ihm bewusst.
      Es folgten vorsichtige Fragen, langsam und nicht zu laut gestellt, wer er wäre und ob er wüsste wo er hier war. Dazu die Frage, was er hier machte und was geschehen war. Es nervte den Höllenherrscher, dass sie so viel von ihm wissen wollte. Dennoch, wenn er diese Frau jetzt ablehnen würde käme er nicht vorwärts. Er brauchte Hilfe, so ungern ihm das deutlich wurde, als er die Augen kurz wegen dem erneuten Schwindel schließen musste, da er sich etwas aufrichtete. Wohl oder Übel klammerte er sich an den Strohhalm, der ihm hier geliefert wurde.
      "Luci..." Er biss sich kurz selbst auf die Zunge, als er seinen wahren Namen sagen wollte. "..das...", fügte er etwas hilflos an. Himmel, an einen menschlichen Namen hatte er auch nicht gedacht in diesem Moment. Sie wiederholte seinen Namen fragend und er nickte. "Lucidas ist...mein Name.", kam es noch immer recht krächzend von ihm.
      "Und ich bin hier dank meinem verdammten Vater, der mir das angetan hat." Seine Züge verzerrten sich für einen Moment vor der Bitterkeit, die in ihm aufstieß. Nur wegen diesem alten Mistkerl saß er jetzt hier fest. Das würde er Elohim nie verzeihen. Niemals. Als diese Menschenfrau etwas entsetzt wiederholte, dass sein Vater für seine Lage verantwortlich war, stieß Lucifer nur ein verbittertes Seufzen aus.
      "Wo...genau bin ich hier? Wo hat mich dieser Dreckskerl hingebracht?", fragte er schließlich und riss sich sehr zusammen, bei den schmerzen seiner Kehle nicht jedes Mal an den Hals zu greifen oder schmerzhaft zu zischen. Er hoffte, dass seine Stimme nachdem er genesen wäre wieder ihre alte Klangfarbe besäße. Sollte der Idiot es gewagt haben, seine Stimme geändert zu haben, dann wäre Lucifer wirklich mehr als sauer. Aber gut, fürs erste müsste er erfahren in welchem Land er war, auf welchem Kontinent und...wo dieser Wald überhaupt lag.
      Erst jetzt bemerkte er etwas Kühles an seiner rechten Hand und als er hinabsah, blickten seine Augen direkt in die großen, braunen Miasmen eines schwarz-weißen Hundes, welcher ihn mit seiner Schnauze angestupst hatte. Beinahe sofort begannen sich seine Züge wieder zu entspannen und er hob langsam seine Hand, was das Tier nutzte um seinen Kopf darunter zu stecken und sich in seine Handfläche zu schmiegen. Die Kulleraugen trotzdem noch wachsam auf ihn gerichtet und ein vorwurfsvolles Fiepen entkam dem Hund. Er bewegte sachte seine Hand und strich durch das weiche Fell. Die Nähe zu dem unschuldigen Geschöpf beruhigte ein wenig das Gedanken Wirr-War in seinem Kopf.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Ruby-May Whittle
      Die Hände der jungen Frau zitterten immer noch, als sie sich regelrecht an den leblosen Körper klammerte. So sehr ihre Freundin auch versuchte sie mit ihrer üblichen Art zu besänftigen, Ruby konnte sich nicht recht von dem Schock erholen. Sie hatte schon viele Streuner von der Straße gekratzt, doch so schlimm stand es noch um keinen von ihnen. Flehend schaute sie so gut sie konnte um den Baum herum zu dem Weg, von dem aus Lyanna dieses Mal kommen würde. Es war eigentlich fast unheimlich, dass ausgerechnet heute sonst niemand den beliebten Wanderweg für seinen morgendlichen Spaziergang nutzte. Keinen einzigen Laut konnte sie um sich herum vernehmen, bis auf das sachte rascheln von losem Laub, das ab und an aufgewirbelt wurde. Hat sie zuvor diesen Morgen und diese Stille als frei empfunden, fühle sie sich nun davon erdrückt. Hat sie das Wetter zuvor noch als angenehm eingeschätzt schien es jetzt viel zu kalt. Die Arme wurden ihr langsam lahm von dem Gewicht, dass sie stetig oben hielt, doch sie ließ nicht ab. Irgendwas in ihr sagte ihr, dass er möglicherweise einfach dahin schwinden würde, wenn sie ihn nicht umklammert hielt. Gerade hingen ihre Augen wieder flehend auf dem Wanderweg, als die Bewegung in ihrem Arm sie heftig zusammen zucken ließ.
      Sogleich riss Ruby ihren Kopf herunter und murmelte Ausrufe der Erleichterung, während sie ihm half sich einigermaßen aufzurichten. "Guten Morgen", sagte sie sehr behutsam und stark auf ihre eigene Stimme bedacht. Sie sah ihm an, dass sein Kopf schrecklich Schmerzen musste. Doch er musste unbedingt bei Bewusstsein bleiben und bestenfalls noch ein wenig zu Kräften kommen, damit sie und Lyanna ihn wegschaffen konnten. "Geht es? Kannst du mir deinen Namen nennen? Weißt du wo du bist und wie du hier hergekommen bist?" Das waren die gängigen Fragen, die am Anfang bei Möglichkeit geklärt werden sollten. Das würde bereits viel Aufschlüsse bringen darüber wie schlimm der Zustand tatsächlich war, lenkte den Patienten aber zeitgleich zumindest ein wenig ab und zwang ihn dazu konzentriert zu bleiben. Er fing bei seinem Namen an, wobei Ruby da bereits verwundert die Augenbrauen zusammen zog. Lucidas? Sie erkundigte sich sogar sicherheitshalber noch einmal danach ob sie sich auch nicht verhört hatte. Doch nein. Das war sein Name. Doch die anderen Fragen führten von seinen Antworten her ins Leere bzw. zeichneten sie ein grausames Bild. Sein Vater hatte ihn hier hergebracht? War er auch ein Junkie? Hat er sich seine Schuhe und seinen Mantel geklaut und war dann einfach verschwunden. "Ach herrje...", nuschelte sie selbst für einen Moment überfordert. Was für ein Familiendrama. Ruby scheute sich im ersten Moment seine Fragen zu beantworten. Bassil schien das Unbehagen und den Ernst der Lage zu begreifen, zumindest in Ansätzen und machte Anstalten den fremden vorsichtig zu trösten. Mit seiner üblichen Art stupste er die Hand des Mannes bis er seinen Kopf darunter graben konnte. Aufmerksam beobachtete Ruby die Reaktion des Mannes und bemerkte erleichtert, dass Bassil ihn tatsächlich ein wenig zu trösten schien.
      "Das ist mein Hund Bassil", stellte sie den Vierbeiner zuerst vor. Nun, da sie Lucidas nicht mehr halten musste ließ sie ihre Arme etwas sinken und streckte selbst kurz die Hand nach dem weinenden Hund aus und kraulte ihn hinter den Ohren. "Er hat dich gefunden. Ich bin Ruby.", stellte die schwarz-haarige sich weiter vor. Anschließend nannte sie ihm den Namen des Waldes, der Stadt, an die er grenzte und als selbst das in ihm keinen Funken der Erkenntnis zum Vorschein bringen schien nannte sie ihm noch den Bundesstaat und das Land. Wie orientierungslos war er denn nur? Sie atmete einen Moment hörbar aus und schüttelte leicht den Kopf. Darum müsste sie sich später Gedanken machen. Für den Moment nahm sie die Termoskanne an sich und öffnete den Verschluss, sodass ihr sogleich der schwere und köstliche Geruch von Früchtetee entgegen kam. "Trink erstmal was, Versuch etwas zu Kräften zu kommen, dass wir dich ins Warme bringen können.", wechselte Ruby das Thema und schüttete ihm etwas ein. Erst jetzt bemerkte sie die nahezu absurd schönen Züge des schwarz-haarigen. Nun, da er sich mit Bassils Hilfe etwas zu entspannen schien und Ruby einen guten Blick auf seine Augen erhaschen konnte, stockte sie für einen Moment und benötigte tatsächlich etwas Beherrschung, um sich loszureißen. "Aber Pass auf", hörte sie sich dann selbst schließlich sagen und fand zurück zu ihren Sinnen. "Er ist heiß." Sie übergab Lucidas die Tasse und folgte seinen Bewegungen. Seine langen, schlanken Finger schlossen sich um den Behälter und er führte ihn zu seinen Lippen und... Ruby hat zwar die Hände von ihm genommen, war aber keinen Deut von seiner Seite gewichen und spürte genau das sachte zusammenzucken seines Leibes, woraufhin sie perplex schnaubte und mit ihrer Zunge schnalzte. "Ich hab doch gesagt Pass auf es ist heiß!"
      Sie nahm die Tasse wieder an sich und bließ nun selbst vorsichtig ein bisschen Luft hinein, drehte die Flüßigkeit sacht und behutsam, bevor sie selbst die Lippen ansetzte und von dem Tee nippte. "Jetzt geht's.", stellte sie nickend fest und gab Lucidas erneut den Tee. "Na sowas, Dornröschen ist ja aufgewacht", meldete sich eine sanfte Stimme neben den beiden und Ruby sah auf in die freundlichen Augen ihrer Freundin, die wieder bei ihnen angekommen war und leicht in die Hocke gegangen ist. Neugierig begutachtete Lyanna Lucidas. "Oh, ein hübscher Streuner.", sprach sie ohne jede Scheu aus was Ruby zuvor ebenfalls schon dachte und kommentierte daher diese Aussage nicht weiter. "Das ist meine Freundin Lyanna. Wir haben einen Wagen nicht weit von hier. Wenn du das Gefühl hast stehen zu können, würden wir dich dorthin bringen, okey?" Lyanna schaute gespannt zu ihrer Freundin. "Und dann?", hakte sie nach woraufhin Ruby die Stirn einzelne zu ihr sah, nachdem sie Lucidas Tee nachschüttete. "Wie und dann?" - "Na wohin dann? Ins Krankenhaus?" Lucidas protestierte. Offensichtlich nicht ins Krankenhaus. "Na dann... zu mir...", nuschelte Ruby. "Da kannst du dich erstmal ausruhen."

    • Lucidas Damon

      Bassil und Ruby drangen beide Namen zu ihm hindurch. Bassil also? Sein Blick galt dem Hund und er nutzte die verbliebene Kraft um das Tier ein wenig zu liebkosen, da er es ihm zu verdanken hatte, dass er nicht in diesem Wald krepierte. Der Kleine schien deutlich zu merken wie es um ihn stand, das Wimmern war eindeutig. Lucifer zwang sich, den Blick von dem deutlich beruhigenden Tier zu lösen und dafür dieses Weib anzusehen, welches neben ihm kniete. Ruby... Das war ihr Name. Menschen hatten so schreckliche Namensgebungen, wer benannte seine Tochter nach einem Edelstein? Er verkniff sich eine zynische Bemerkung in diese Richtung und lauschte schweigend den Ausführungen der Frau. Weder Der Wald noch die Stadt sagten ihm irgendetwas. Er behielt also Recht in der Annahme, dass Elohim ihn in irgendeinem Niemandsland zurückgelassen hatte. War das zu fassen?! Machte sich dieser Dreckskerl einen Spaß daraus, seinen Sohn leiden zu sehen? Lucifer erwartete nicht einmal eine Antwort darauf, er kannte diese schon... Erst als sie ihm einen Bundesstaat und das Land nannte, klingelte es bei dem Dunkelhaarigen. Der Name Appleton, die Stadt welche sich hier befand, rief bei Lucifer rein gar keine Erkenntnis hervor. Erst als die Dunkelhaarige den Namen Wisconsin in Verbindung mit der USA nannte stellte sich so etwas wie Orientierung in dem Teufel ein. Wisconsin also? Was zur Hölle machte er in Wisconsin?! Es war kein besonders großer noch besonders….wichtiger Staat in Amerika. Er war lediglich als Sklavenfreies Land bekannt oder als Entdeckung der Franzosen. Aber hier gab es nicht einmal irgendwelche geschichtlichen Hintergründe, welche diesem Fleck Land gravierende Bedeutung zusprechen würden. Lucifers Miene verdüsterte sich. Da hätte ihn sein Vater ja gleich mitten in die Sahara senden können, wenn er ihn mit einem unbedeutenden Staat zu Strafen gedenkt. Wobei… nein, lieber nicht die Sahara. Als Dämon war dies eine Sache, der sengenden Hitze zu trotzen. Als Mensch- Der Gefallene unterdrückte mühsam ein Schaudern.

      Ein Becher mit dampfender Flüssigkeit riss den Langhaarigen aus seinen mehr als deprimierenden Gedanken und etwas skeptisch hob er die Braue. Er wusste im Groben schon über die menschlichen Lebensmittel Bescheid, einfach weil sein Fürst der Völlerei von diesen schwärmte. Doch nie hatte er auch nur ansatzweise die Intention gehabt, seinen elysischen Körper mit irgendwelchen…menschlichen Lebensmitteln zu vergiften. Am liebsten hätte er ein frustriertes Stöhnen von sich gegeben. War er jetzt wirklich gezwungen-?! Lucifer unterbrach seine eigenen Gedanken. Sein Dasein war nun mal leider das eines Sterblichen. Und egal wie viel Übelkeit ihm allein der Gedanke bescherte, zu diesen niederen Ratten zu gehören, so hatte er keine Wahl als sich den Umständen zu fügen. Den Becher an sich nehmend ignorierte er die Warnung des Menschenweibs neben sich. Allein die sanfte Wärme um seine kalten Finger tat erstaunlich gut und unbeirrt setzte er den Verschluss der Kanne an seine Lippen, um einen Schluck zu nehmen.
      Nur um sich beinahe sofort die Zunge zu verbrennen und mit aller Mühe versuchte er, sich nichts anmerken zu lassen. Leider zuckte sein Körper automatisch wegen dem Schmerz zusammen und nahezu gedemütigt presste er die Lippen zusammen. Zur Hölle, waren diese Körper denn gar nicht widerstandsfähig? Ein wenig Hitze und sie wurden verletzt. Der Teufel hätte beinahe verbittert aufgelacht bei dem entsetzlich schwachen Konzept, dem dieser Körper folgte und die eindeutige Beleidigung seines Vaters wurde ihm nur zu deutlich bewusst. Erstrecht als diese Frau tatsächlich ihn schellte als wäre er ein Kind und den Tee mittels ihrem Atem abkühlte.
      In diesem Moment wünschte sich Lucifer beinahe, Gott hätte ihn getötet. Das wäre allemal besser als diese Schmach zu ertragen! Alles wäre besser als das hier. Missmutig nahm er den Tee wieder an sich und sah nahezu anklagend auf die dunkelrote Flüssigkeit. Warum hatte sein Vater ihn nicht einfach zurück in die Hölle werfen können? Die Kopfschmerzen an seinen Schläfen wurden wieder unangenehm und der Ablenkungswillen nahm er diesmal wirklich einen skeptischen Schluck des Heißgetränkes. Zu seiner Überraschung breitete sich ein fruchtiger Geschmack in seinem Mund aus und etwas perplex über die Intensität blickte er abermals auf den Tee. Es war lange nicht so unangenehm wie erwartet, wenngleich Lucifer nicht wusste, wie die Menschen diverse Dinge schmecken konnten. Es war ihm fremd. Als Dämon seines Ranges hatte er nie Nahrung zu sich genommen, lediglich von den Energien der verdammten Seelen genährt. Es war nicht zu vergleichen mit einem einfachen Getränk wie diesem. Selbst der Alkohol seiner Welt hatte fade geschmeckt- sofern man dem überhaupt einen Geschmack zuordnen konnte- und mehr auf die sinnesbetäubende Wirkung abgezielt. Zugegeben überforderte es Lucifer etwas und beinahe war er froh, von einer fremden Stimme davon abgelenkt zu werden.

      Doch in jenem Moment hätte er abermals am liebsten seinem Frust Luft gemacht. Na herrlich, noch ein Menschenweib. Als wäre Eins nicht genug für ihn in diesem Moment. Noch dazu Freundinnen. Dass er nicht lachte, das Konzept der Freundschaft war das des Egoismus und der Nutzbekanntschaft. Bei dem kleinsten Funken von ernsthaften Problemen standen die Menschen ohne ihre sogenannten Freunde da. Dieses Prinzip hatte er nie verstanden. Entweder man hatte Untergebene, vielleicht auch wenige Vertraute aber auch hier baute die Welt auf Verrat und Eigennutz. Lucifer gab sich kaum Mühe den beiden Frauen zu folgen, als sie zu sprechen begannen. Erst als das Wort Krankenhaus erklang sah er auf.
      „Auf keinen Fall!“, gab er versucht herrisch von sich, doch in seiner momentanen Verfassung wirkte es nicht den gewünschten Effekt. „Dort wird man mir ohnehin nicht helfen können.“, fügte er noch hinzu als ihm gewahr wurde, wie Misstrauens erweckend sein Protest wirken musste. Und glücklicherweise schien keiner der Beiden wirklich Einsprüche zu erheben. Stattdessen schlug diese Ruby sogar vor, ihn in ihr Heim zu bringen. Dem Mädchen hatte man wirklich nicht beigebracht, welche Gefahr von Männern ausgehen konnte… Aber gut, ihm sollte es Recht sein solange er nicht in die Verlegenheit kam, sich irgendwelchen Ärzten zu erklären. Außerdem wusste Lucifer noch nicht wie weit die Verwandlung reichte und was genau sich alles an seinem Körper verändert hatte. Er wollte es auch ungern in einem der weißen Kliniken herausfinden, welche mehr Keime in sich trugen als eine verdreckte Gasse.

      „Das wäre mir lieber.“, gab der nunmehr Schwarzhaarige dem Menschenmädchen Recht und widerwillig ließ er sich von beiden Frauen aufhelfen, als seine Muskeln aufgrund der Schwäche protestierten, sein Gewicht alleine zu stemmen. Sein Stolz rebellierte und litt wortwörtlich Höllenqualen, dass ausgerechnet er von zwei niederen Geschöpfen gestützt wurde, damit er überhaupt den kurzen – gefühlt viel zu langen- Weg hinter sich brachte.
      Der Morgenstern war jetzt schon erschöpft. Und das nicht nur körperlich, nein sein Geist war selbst kurz vor einem nervlichen Zusammenbruch. Sobald er aus diesem zerbrechlichen Körper herauskam würde er den ganzen Himmel niederbrennen, das war sicherer als jedes Amen in der Kirche. Er würde Gott in der Luft zerreißen und ihn zuvor bis aufs Blut demütigen für die Schande, welche er Lucifer durchleben ließ. Aber so schwer es ihm fiel und so ungern er es auch zugeben wollte, es vielleicht auch nicht konnte; Er war froh, dass er nicht alleine in diesem Wald zurückgeblieben war. Die zweifarbigen Augen konzentrierten sich nahezu stur auf den vorlaufenden Hund, der sein einziger Lichtblick in dieser Misere darstellte. Schließlich blieb Bassil vor einem dunkelblauen Combi stehen, welcher unweit des Flusses, an dem Lucifer erwacht war, geparkt wurde. Offenbar der Wagen den diese Freundin erwähnt hatte. Ihren Namen hatte er sich gar nicht bemüht zu merken, es war ihm auch schlichtweg egal wie diese Frauen hießen. Dafür hatte er jetzt ohnehin keinen Nerv übrig. Erleichtert sackte er lediglich auf den Sitz der Rückbank und erlaubte es sich, seinen Kopf zurückzulehnen und kurz seine Augen zu bedecken. Seine Sicht war mehr als schwammig geworden als er die wenigen Meter gelaufen war und er hasste es, so schwach zu sein. Er hasste es aus tiefstem Herzen. Wenn diese Körper so leicht Schmerzen empfanden, durch ein einfaches Fieber geschwächt wurden… Wie beim Höllenfeuer sollte er dann in dieser Welt überleben, welche von den Menschen dazu gemacht wurde, um Individuen auf den ein oder anderen Weg verenden zu lassen? Abermals stieg die Übelkeit der Angst in ihm auf und tief durchatmend lehnte er seine heiße Stirn an das Fenster seiner Tür. Warum war er nicht in seiner Welt geblieben? Dort hätte er zwar einiges zu tun aber die Umstände wären weitaus angenehmer. Die angenehme Finsternis im Gegensatz zu der grellen Sonne, einige Dämoninnen welche sich um sein Vergnügen scherten und Diener welche allein bei seinem Anblick vor Ehrfurcht erbebten. Noch nie hatte sich der Gefallene so sehr in die Hölle gewünscht wie gerade. Ein Seufzen ausstoßend schlossen sich seine Augen, welche deutlich um eine Pause mittels schmerzenden Lidern baten. Er wollte keine Gedanken mehr an irgendetwas verschwenden und nur noch seine Ruhe. Was jedoch leichter gesagt als getan war.
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    • Ruby-May Whittle
      Lucidas willigte ein vorerst bei Ruby unterzukommen und Lyanna konnte nicht anders, als zweifelnd die Brauen zusammenzuziehen und zu seufzen. Ihre Freundin war unverbesserlich, das wusste sie. Sie schien eine immense Form der Zuneigung für Streuner jeder Art zu empfinden. Oder war es vielleicht eine Form des Pflichtbewusstseins, aufgrund der prekären Situation ihrer Mutter? Die Frau mit dem langen schwarzen Haar, das sie im Moment lediglich zu einem Knoten trug, ist es gewohnt gewesen Menschen zu lesen, ihnen zu entlocken, was sie beschäftigte und dadurch ein Gegenmittel gegen ihre seelischen Leiden zu finden. Doch bei Ruby fiel es ihr schwer solcherlei Vermutungen anzustellen. Natürlich ist es leicht gewesen zu sagen sie wollte um jeden Preis anderen helfen, nachdem ihrer Mutter nicht mehr zu helfen gewesen ist. Doch selbst als ihre beste Freundin nahm Lyanna sich nicht heraus einen solchen Verdacht jemals laut auszusprechen. Sie scheute ja schon fast ihn zu denken.
      "Hilfst du mir?", riss die kleinere und jüngere der beiden sie aus ihren Gedanken und fast aus Gewohnheit formte sich ein unerschütterliches Lächeln auf ihren Lippen und sie nickte schnell. "Aber ja, bringen wir Dornröschen erstmal ins Warme. Danach können wir ja immer noch alles besprechen." Beide Frauen nahmen sich einen Arm und hievten den Mann auf die Beine. Und Himmel, er ist eine schwerere Last gewesen, als sie beide erwartet hätten. Ein Kind von der Sporthalle in die Krankenstation zu schleppen war etwas gänzlich anderes, stellte Ruby in dem Moment fest, in dem sein Gewicht auf ihren Schultern lastete. Wobei nein, das ist eigentlich nicht der Vergleich gewesen den sie innerlich zog. Doch für die tatsächliche Assoziation wollte sie sich am liebsten in die Wange beißen; Ganz schön schwer für einen Junkie. Aber das war genau genommen eine gute Sache. So schlimm sein Zustand auch gewesen ist, er wirkte nicht unterernährt. Im Gegenteil, unter den Fingern, die Ruby an deiner Seite behielt konnte sie grob eine stramme Muskelpartie erfühlen. Was er wohl nahm...? Äußerlich waren ihr wirklich keine typischen Anzeichen für die gängigen Drogen, die sie so im Kopf hatte aufgefallen. Vielleicht verkehrte er im Ausland? Das könnte seine komplette Desorientierung erklären, die Ruby ohnehin ein wenig sonderbar vorgekommen war.
      Mühselig schafften sie beide es den Mann in Lyannas Wagen zu hieven und beide konnten nicht anders, als erleichtert und atemlos nach Luft zu schnappen, als sie endlich von der Last befreit gewesen. "Oh Gott", nuschelte die Besitzerin des Fahrzeuges und drückte mit schmerzerfülltem Gesicht leicht ihren Rücken durch. "Ich hoffe ich muss nie wieder einen erwachsenen Mann irgendwo hin schleppen. Ich glaube das ist gar nicht gut für den Rücken." Obwohl Ruby in dieser Situation ungern Späße gemacht hätte, konnte sie sich ein Grinsen nicht verkneifen, als sie sich selbst am Auto abstützte und nebenher den Kofferraum entriegelt, der automatisiert seine Klappe öffnete. Hechelnd wedelte Bassil mit dem Schwanz und schien sich über seinen liebsten Kuschelplatz zu freuen. Doch er wartete artig aufs Kommando. "Na komm schon, Großer", sprach sie ihn sanft an und klopfte leicht auf die Ladefläche. "Hopp." Damit machte der Hund einen stolzen Satz und verlud sich selbst. Dabei ließ er es sich aber nicht nehmen sogleich auf die Rücksitze mit den Pfoten zu steigen und den erschöpften Lucidas mit der Nasenspitze anzustupsen. "Wow, Bassil scheint ihn aber wirklich liebgewonnen zu haben.", meinte Lyanna lächelnd, die sich das ganze noch einen Moment von außen anschaute, ehe sie sich zur Fahrerseite aufmachte und schwungvoll in die angenehmen Ledersitze stürzte. Ruby machte vorsichtig den Kofferraum zu, darauf bedacht den Hund nicht zu erschrecken und nahm dann selbst auf dem Beifahrersitz Platz.
      Sie atmete hörbar auf, erleichtert den Mann nicht mehr im Wald liegen zu wissen. "Das stimmt, Bassil ist wirklich auf den ersten Blick verliebt. Du hättest ihn erleben müssen, als er ihn gefunden hat. Er ist in hohem Bogen losgestürmt und hat auf kein Rufen mehr gehört. Ich dachte wirklich es wäre aus und er würde vielleicht einem Hasen oder dergleichen hinterher jagen." Lyanna startete den Wagen und lachte leicht auf, während sie den Kopf schüttelte. "Also wirklich! Bassil, du hast deine Mama erschreckt." Sie schaute über den Rückspiegel zu ihrem Gast, doch er war bereits wieder abgetreten. Mit geschlossenen Augen lehnte er mit der Stirn am Fenster und es war schwer zu sagen, ob er eingeschlafen war, das Bewusstsein verloren hatte oder nur ruhte. "Wenn du an deinem nächsten freien Tag schon wieder jemanden aufliest, rufe ich aber den Krankenwagen, dass das klar ist.", sagte die Frau am Steuer streng und sah für einen kurzen Moment ab von der Straße zu ihrer Freundin. Ruby nickte verlegen. "Entschuldige, ich mache dir Sorgen." - "Oh wow! Und wie! Willst du dich wirklich für all die Male entschuldigen? Ich fürchte nicht, dass wir so lange Zeit haben", grinste sie frech und legte nach einem kurzen Moment der Ruhe sacht die Hand an das Knie ihrer Beifahrerin. "Pass nu auf dich auf, okey? Nicht nur auf andere." Ruby nickte und schaute dann selbst gedankenversunken aus dem Fenster. Der schreckliche Adrenalinkick, der sie befallen hatte schien nun nachzulassen und auch sie wirkte etwas erschöpft. Der Wald lichtete sich zügig und der strahlende Sonnenschein empfing die Insassen des Fahrzeugs, woraufhin Lyanna sofort den Sonnenschutz herunterklappte, Ruby jedoch einfach nur genießend ihre Augen schloss und einen Moment entspannte. Auf Lucidas Rücksicht nehmend sprachen sie nicht mehr auf der Rückfahrt. Erst, als der Wagen direkt vor dem Mehrfamilienhaus hielt meldete Lyanna sich wieder zu Wort. "Endstation, alle bitte aussteigen." Das war natürlich leichter gesagt als getan. Beide Frauen drehten sich gleichzeitig zu dem Mann herum.
      "Wie machen wir es? Ich hab keinen Fahrstuhl." Das wusste Lyanna selbstredend und sie schnaubte. Nachdenklich blickte sie wieder zum Haus. "Kennst du deine Nachbarn gut?", hackte sie aus dem Nichts nach und die Angesprochene blinzelte verwundert. Unschlüssig atmete sie aus und neigte den Kopf von einer Seite zur anderen. "Es hält sich in Grenzen. Warum fragst du?" - "Leben hier Männer? Keine zu alten, vielleicht mittleres Alter? Familienvater-Alter mit gewöhnlicher Statur?" Ruby dämmerte, was ihre Freundin vorhatte. "Partei 2, 3 und 5." Nickend klappte die Frau wieder den Sonnenschutz herunter, schob den kleinen Spiegel auf und zog ihren Lippenstift aus dem Handschuhfach, um sich ihre Lippen nachzuziehen. "Alles klar, bin gleich wieder da. 2, 3 und 5, richtig?" Damit stieg sie so schwungvoll aus, wie sie eingestiegen war und Ruby folgte ihr unschlüssig nach draußen. Allerdings während sie sich direkt zum Wohnhaus aufmachte, ging sie um den Wagen und befreite zunächst ihren Hund, ehe sie die unbenutzte Tür der Rücksitze öffnete und leicht hineinkletterte. Prüfend legte sie die Hand an Lucidas Arm und schüttelte ihn leicht.
      "Lucidas, entschuldige, bist du wach?", hakte sie in ruhiger Stimmlage nach. Er hatte kaum Zeit zur Besinnung zu kommen, da stolzierte Lyanna bereits mit zwei von Rubys Nachbarn heraus. Sie trug ihr strahlendstes Lächeln. "Vielen Dank, sie retten uns das Leben! Wir waren schon ganz verzweifelt, was wir alleine gemacht hätten." Hastig sprang Ruby aus dem Wagen und empfing direkt die strahlenden Augen ihrer Freundin. "Nicht wahr? Mein Cousin hier ist einfach zusammen gebrochen, Sie können sich nicht vorstellen welchen Schrecken ich bekommen habe." Sie klang ganz benommen und hatte eine Hand an der Auotklinke, als sie sich zu ihnen herum drehte und legte in ihrer Benommenheit die Hand an ihre Brust. "Ich hab immer noch Herzrasen. Und es macht ihnen auch wirklich keine Umstände." Die beiden Männer waren verzückt der schönen Dame einen Gefallen tun zu dürfen und gemeinsam trugen sie auch recht problemlos den benommenen Mann aus dem Auto. "Nicht schlecht", flüsterte Ruby, als sie hinter Lyanna her eilte und Bassil sicherheitshalber anleinte und ihre Freundin gab ihr einen sachten Hieb in die Seite, dass sie vorerst den Mund halten sollte. Mit einer für Ruby unverständlichen Selbstverständlichkeit trugen sie zu zweit den schlaffen Körper die Treppen rauf. Er untere hatte die Beine, der obere die Arme und eilig huschte die kurz-haarige an den Helfern vorbei auf der vierten Etage und schloss zügig die Wohnungstür auf. "Bitte, hier rein, einfach aufs Sofa, wenn es in Ordnung geht." Ihre Nachbarn luden den Patienten ab und auch sie beide stießen Laute der Erleichterung aus. "Also, was auch immer den ausgeknockt hat, das muss war hartes gewesen sein", meinte der eine mit rauer Stimme und der andere schüttelte sich leicht.
      Lyanna bedankte sich überschwänglich und auch Ruby verkündete ihren Dank, ehe sie die beiden verabschiedete. Triumphierend grinsend drehte sich die Frau mit dem langen Haar herum. "Hach was für ein Spaß. Hilfloses Mädchen musste ich lange nicht mehr spielen!" Ruby lachte und schüttelte den Kopf. "Deine Schönheit ist verboten! Sie ist gefährlich als Schusswaffen." Lyanna machte einen Ausruf der Rührung und kniff ihrer Freundin spielerisch in den Arm. "Das sagst du nur so!"
      Anschließend machte Ruby sich sogleich daran Bassil los zu machen, Lucidas richtige Kissen zu bringen, auf die sie seinen Kopf bettete, sie zog ihm die Schuhe aus, breitete die Decke ordentlich über ihm aus und holte direkt auch noch eine Daunendecke, ehe sie wieder einen Lappen nässte und ihn ihm zum Kühlen auf die Stirn legte. "Brauchst du mich noch", unterbracht Lyanna sie nach einer Weile bei ihrem Gewusel und fast ertappt blickte die junge Frau auf. "Oh nein, nein! Danke dir, vielen Dank. Hast du noch zu tun." Bedauernd nickte sie. "Verzeih. Aber ich melde mich sobald ich kann. Keep me updated." Ruby nickte eifrig. "Danke noch einmal!"
      Damit war sie allein in ihrer Wohnung mit einem Fremden. Bassil hatte sogleich Wache bezogen aber doch fühlte es sich nun ein wenig... sonderbar an? Kopfschüttend wuselte sie weiter. Sie bereitete ein Glas Wasser vor und Medizin und platzierte beides vor ihm auf dem Couchtisch für den Moment, wenn er erwachen wollte.

    • Lucidas Damon

      Dank den gleichmäßigen Geräusch des Motors und der kühlen Scheibe an seiner Stirn blendete Lucifer die zwei nervenden Frauenzimmer aus und hatte er doch eigentlich nur seine Augen für einen Moment schließen wollen, driftete sein Körper abermals ins Dunkle ab. Nie war Lucifer derart geschwächt gewesen wie jetzt. Nicht einmal als das himmlische Schwert seines Bruders seine Brust durchbohrt hatte, war der Teufel in einem solchen Stadium gewesen. Und das obwohl ihn die heilige Klinge innerlich versengt hatte und nur um Haaresbreite sein dämonisches Herz verfehlte. Nein, selbst an jenem Tag hatte er sich schnell wieder gefangen gehabt. Und nun lag er in diesem menschlichen Gefährt und war nicht einmal in der Lage, seine Umgebung richtig wahrzunehmen. Zu tief driftete sein Geist ab und seine Seele rebellierte noch immer gegen diese Hülle, welche sein wahres Ich kaum halten konnte. Gott hatte ganze Arbeit geleistet, ihn diesmal endgültig fallen zu lassen.
      Geplagt von fieberhaften Träumen des nicht einmal stattgefundenen Kampfes mit seinem Vater spürte der Dunkelhaarige nicht einmal, wie ihn zwei Männer in die Wohnung der Sterblichen brachten. Wieder und wieder hallten die Worte seines Vaters in seinem Kopf. Sein ungerechtes Urteil über ihn, dem Ausmaß zu welchem er verdammt wurde. Er sah sich selbst umgeben von der ihm so vertrauten Finsternis, doch diesmal schmerzten die schwarzen Flammen der Hölle seinem Fleisch. Sie stieß ihn ab, stieß den Menschen ab zu dem er geworden war und seine ohnehin schon gepeinigte Seele schrie vor Qualen, als die Flut dieser Eindrücke ihn zu begraben drohte.

      Nahezu erleichtert war der ehemalige Dämon, als er seine Augen aufschlug und gegen eine weiße Zimmerdecke starrte. Es war bereits dunkler, lediglich ein schwacher Schein des verbliebenen Tageslichtes fand seinen Weg durch die Fenster des kleinen Raumes. Doch war er für diese Dämmerung dankbar, seine Augen schienen erleichtert über diese Lichtverhältnisse. Die grelle Sonne hatte ihm mehr zugesetzt als gedacht. Aber in seiner Welt gab es nun einmal keine Sonne, keinen leuchtenden Himmelskörper. Lediglich die violette Aura, welche sich über den finsteren Himmel gleich einem Gewitter zog.
      Sein Atem ging unregelmäßig und sein Herz galoppierte im schmerzhaften Rhythmus. Ermattet sackte er tiefer in die weichen Kissen unter sich. Lucifer fragte sich gar nicht erst, wie er hierher gekommen war. Immerhin hatte diese Ruby etwas angedeutet, dass man ihn in ihre Wohnung bringen würde. Ein nahezu erfreuter tierischer Ausruf ließ ihn blinzelnd zur Seite sehen und der Hund des Menschenweibs- Bassil wenn er sich richtig erinnerte- sprang nahezu freudig zu ihm nach oben und stupste ihn mit seiner nassen Schnauze an. Ein müdes Lächeln breitete sich auf den Lippen des Teufels aus als er eine Hand hob um den Kleinen etwas zu liebkosen. Der Schwanz des Hundes wedelte aufgeregt und Bassil schmiegte sich regelrecht in die streichelnde Berührung, sichtlich froh, dass es dem Dunklen halbwegs gut ging. Sein Herz- wie er es jetzt schon verfluchte, es zu spüren war eine Qual- beruhigte sich langsam wieder während der Hund mit ihm schmuste und aufgeregt auf ihm hin und her trippelte. Seine Finger kraulten Bassil geistesabwesend hinter den Ohren während sein Blick, den Kopf langsam neigend, durch den Raum glitt. Offenbar das Wohnzimmer, eine einfache Front mit diesen heißgeliebten Fernsehgeräten begrüßte ihn an der gegenüberliegenden Wand. Davor lediglich ein schlichter Tisch und die Couch auf welcher er sein Lager gefunden hatte. Einen Blick für Dekorationen besaß er nicht, das interessierte ihn auch herzlich wenig. Und er hatte schlichtweg keine Kraft sich irgendwelche Gedanken zu machen. Auch die Frage, wie es weiterging nachdem er die Gastfreundschaft der Frau ausgereizt hatte, war ihm zu viel, sodass er sie vorerst in weite Ferne schob. Er hatte genügend Sorgen, über die er nachdenken müsste. Aber nicht jetzt, er war nicht einmal ansatzweise in der Lage, seinen Verstand einzusetzen wie er es wünschte. Fürs Erste würde er sich einfach der Pflege dieser Frau annehmen müssen und ihre Hilfe weitestgehend akzeptieren. Eine andere Wahl hatte er nicht, so sehr es ihm auch widerstrebte.


      Erzengel Michael

      Ein hohes Bauwerk, geschaffen durch die Hand Gottes selbst, ragte in den tiefblauen Himmel empor und strahlte in dem Licht der ewigen Sonne in all möglichen Farben. Man könnte meinen, es wurde aus reinem Kristall erbaut welches das Licht in jeglichem Spektrum brach. Die Außenfassade war so schön und sah zugleich so zerbrechlich aus, dass man Angst haben musste, die Wände auch nur zu berühren. Filigrane Ornamente zierten den glatten Kristall und ließen den Palast lebendig werden. Wortlos wurde das zweiflügelige, eisblaue Tor von den Wachen, in dessen Hände Speere mit Silber funkelnden Spitzen lagen, geöffnet. Der Engel seufzte leise, fuhr sich durch das platinfarbene Haar und sammelte sich. Ohne den Wachen auch nur eines Blickes zu würdigen schritt Michael durch das hohe Tor. Die großen Flügel falteten sich wie bei einem Vogel zusammen und ruhten auf seinen Schultern, die ehrenhaften Grüße der anderen himmlischen Wesen ignorierte er gekonnt. Dafür hatte Michael keine Zeit. Die Aufbauarbeiten vor den himmlischen Toren hatte bereits begonnen, sodass er sich einen Moment der zeit nehmen konnte, um mit seinem Vater zu sprechen.

      Mit schnellen Schritten lief er durch die große, reich verzierte Halle welche die Ströme der zeit selbst in ihren Wänden beherbergte. Aber für jeglichen Schmuck und anderen wertvollen Verzierungsgegenstände hatte der Engel keinen Nerv, sein Gemüt war noch immer aufgewühlt und selbst die Schönheit des Palastes war nicht in der Lage dazu, dies zu lindern.
      Am Ende der großen Halle stand ein Thron. Beim ersten Hinsehen glich er einem Thron bestehend aus Eis, da er in einem hellen Blau strahlte. Aber wenn man genauer hinsah, widerlegte sich diese Annahme ganz schnell wieder. Etwa einen halben Meter über den Boden wurde der weiße Thron mit verschlungen Ornamenten von einen kristallartigen Gebilde eingeschlossen, zu dem gläserne Stufen emporführten. Die Macht des Herrschers ließ das Gebilde in dem sanften Blau erstrahlen, welches sich wie ein sinnesbetäubendes Kleid um die Gebilde aus Ranken legte. Der Engel schluckte schwer und atmete tief durch. Viel imposanter als dieser stattliche Thron wirkte die Gestalt darauf. Unmittelbar vor dem kostbaren Gebilde ging Michael demütig in die Knie und neigte sein Haupt ehrerbietend, dass sein seidiges Haar gleich einem Vorhang über die Seiten seines Gesichtes glitten.


      „Mein Herr…“ Seine Stimme klang bebend und angespannt. Das Zittern seines himmlischen Körpers verriet seine Furcht und seine Sorge vor dem, was er zu erbitten gedenkt.

      „Was machst du hier, Michael?“ Die tiefe und doch so sanfte Stimme ließ den Erzengel angenehm erzittern. Die ungefilterte Stimme von Gott selbst sprach zu ihm. Weisheit, Ruhe und eine tiefe Wärme gaben der Stimme eine ungeahnte Kraft, welcher jeder in diesem Reich ersehnte. Der Engel wagte es, seinen Blick zu heben und wurde gleich von den Augen seines Herrn und Vaters gefesselt. Ähnlich wie die Wände aus Kristall schimmerten diese im Strudel aller Farben als würde man in den Lebensstrom der Welt selbst blicken. Mächtige Wogen aus reinem, goldfarbenem Licht formten sich zu seinen Flügeln, welche nicht aus Federn wie die eines normalen Engels bestanden. Seine Gestalt war gehüllt in dem hellen Lichte der Sonne, seine langen Haare dem reinen weiß einer makellosen Seele gleich. Jeder, der dieses erhabene Wesen auch nur zu Gesicht bekam, erlag der Ausstrahlung von Macht. Selbst sein Sohn, als mittlerweile oberster Engel und rechte Hand Gottes, wurde sogleich beruhigt und vergaß für einen Moment seine innere Aufruhr.
      "Bitte, Vater... Überdenkt Eure Strafe noch einmal. Sie ist...-"-"Genug davon, Michael! Dir steht es nicht zu, meine Strafe anzumaßen und dir zu erlauben, sich gegen sie auszusprechen. Ich will nichts mehr davon hören. Dein Bruder hat sich entschieden und nun muss er mit den Konsequenzen leben, das ist nicht deine Angelegenheit. Und jetzt geh, deine Pflichten erwarten dich und das himmlische Land heilt nicht von alleine." Gottes herrische Stimme ließ den weißhaarigen Erzengel verstummen. Mit zusammengepressten Lippen wusste Michael, dass er verloren hatte, noch ehe er dazu kam, seine Gedanken gänzlich in Worte zu fassen. Es war eine närrische Tat, sich Gott zuzuwenden und um eine Rückkehr dieses Fluchs zu bitten. Doch die Sorge hatte überwogen, leider vergebens. Nie würde er es wagen, einem Befehl seines Vaters zu widersprechen. Mit einer ehrerbietenden Verneigung kehrte der Engel dem kristallenen Thronsaal den Rücken zu und stieß angespannt die Luft aus seinen Lungen. Das war nicht gut. Sollte er einfach zusehen wie sein Bruder verendete in der Welt der Sterblichen? Er war schwach, sehr schwach als sie ihn zurückgelassen hatten. So schwach, dass der Erzengel trotz der Feindschaft zwischen ihm und dem Teufel das Herz schwer wurde. Was, wenn er es wirklich nicht überlebte? Oder dieses Fieber schlimmer wurde? War sein Vater gewillt, ein so grausames Schicksal hinzunehmen? Was sollte aus dem Gleichgewicht werden, die Hölle brauchte einen König! Lucifer war der Einzige, welcher in der Lage war diese Bestien im Zaum zu halten.


      "Warum konntest du nicht ein einziges Mal deinen Hochmut niederkämpfen, Bruder?", murmelte Michael leise zu sich selbst, als er den Palast hinter sich gelassen hatte. Ihm war schleierhaft, wie der stolze und einst mächtige Höllenfürst in der fremden Welt klarkommen sollte. Menschen hatten viele Eigenarten an sich, folgten Regeln und Gesetzen welche sie selbst geschaffen hatten. Ihre Körper waren überaus kompliziert konstruiert, dass selbst er als Engel allein den Gedanken grauenhaft fand, sich in so eine Hülle zu begeben. Und nun saß Lucifer dort fest, in einer Welt die ihm verhasst und fremd war. Wohin sollte dies führen wenn nicht in Chaos...
      "Raphael..." Michael erhob seine Stimme, welche kühl und erhaben blieb, trotz der inneren Aufruhr. Er durfte sich nichts anmerken lassen, nicht vor den anderen Engeln und noch weniger vor seinen Brüdern- den Erzengeln. Der angesprochene Erzengel der Kunst blickte von seinen Schriften auf, als Michael sich ihm näherte.
      "Michael! Was kann ich für Euch tun?" Sogleich wehte ein seichter Wind durch den Turm, als Raphael sich kurz in die Lüfte erhob um von seiner hohen Sitzposition eines Schreibtisches herunterzukommen. Respektvoll neigte er sein Haupt vor seinem mächtigen Bruder.
      "Könntest du den Aufbau vor den Toren unseres Reiches ein wenig beaufsichtigen? Ich habe noch andere Pflichten zu erfüllen." Gesprochen wie eine Bitte war es jedoch seitens Michael ein klarer Befehl, welchen Raphael nicht zu widersprechen wagte. Der Engel der Tapferkeit jedoch hatte sich vorgenommen, einige Nachforschungen zu betreiben um Lucifer zumindest ein wenig eine Stütze sein zu können. Zudem müsste er Baal, Lucifers engsten Vertrauten, darüber in Kenntnis setzen was geschehen war. In der Hoffnung, dass der Fürst des Zorns die Unterwelt halbwegs in Schach halten würde während des Teufels Abwesenheit. Nachdem sein jüngerer Bruder verschwunden war, um sich dem Tor und den dort herrschenden Chaos anzunehmen, zog sich der Weißhaarige vorerst in seine eigenen Gemächer zurück. Es wäre vom Vorteil, wenn sein Vater nicht unbedingt bemerken würde, was er im Begriff war zu tun. Der Zorn Gottes war noch immer nicht Verklungen und nur ungern würde der Erzengel ebenso seinen Unmut auf sich ziehen...
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Ruby-May Whittle

      Ly: Und, wie geht's Dornröschen? Alles gut bei euch beiden?
      Ruby: Alles gut soweit. Er schläft. Ab und an scheint er sich etwas zu quälen, aber das Fieber steigt nicht mehr so hoch wie es im Wald gewesen ist.
      Ly: Der Arme. Aber das wird sicherlich schon. Hast du dich auch etwas beruhigen können?
      Ruby: Logisch. Es ist ein bisschen befremdlich einen fremden Menschen in meiner Wohnung zu wissen, aber ich bin trotzdem erleichtert, dass er noch lebt und Bassil ihn gefunden hat.
      Ly: Ja, das stimmt wohl. Da hat er wirklich Glück im Unglück gehabt.
      Ly: Na fein, ich muss wieder los. Pass gut auf euch auf, Süße! Denk nicht zu viel an mich, sonst wirst du noch einsam. ♥


      Mit einem Lächeln auf den Lippen saß die schwarz-haarige auf dem Balkon, zog genüsslich den Rauch ihrer Zigaretten in die Lungen und pustete sie sanft gegen ihr Handy, während sie Lyannas letzte Nachricht las, ehe sie Kopf schüttelnd das Telefon wegsteckte. Es war inzwischen Abend geworden und wenn auch Ruby sich ein wenig Sorgen gemacht hatte Lucidas alleine zu lassen, ist sie vorhin noch einmal spazieren gewesen, sodass Bassil seinen Auslauf bekam und nun konnte sie sich wirklich einfach zurücklehnen. Leise seufzend ließ sie den Kopf kreisen. Was für ein aufregender Tag heute doch gewesen und wie unglaublich ruhig die Nacht sich dafür vor ihr erstreckte. Das schöne Wetter hatte sich ebenfalls gehalten und noch immer stand keine Wolke am Himmel, sodass ein strahlendes Meer aus Sternen auf sie herab leuchtete und irgendwie betrachtete Ruby das - und wenn es vielleicht ein bisschen sentimental und naiv gewesen ist - als gutes Zeichen. Ganz bestimmt.
      Wie gerufen meldete sich Bassil hinter ihr zu Wort und fiepte fröhlich auf, ehe sie ihn auch schon einen Sprung machen hörte. Sogleich drehte Ruby sich herum zum Wohnzimmer und erkannte im Halbdunkel Bewegung auf dem Sofa. Ohne zu zögern drückte sie die Zigarette aus und trat wieder in die Wohnung und schloss vorsichtig hinter sich die Balkontür. "Hi", meinte sie ein kleines bisschen unschlüssig wie genau sie mit dem Fremden umgehen sollte. Sie schaute auf zu der Küche, wo sie das Licht hat brennen lassen, um das Wohnzimmer in sehr sanftes und unaufdringliches Licht zu hüllen, ehe sie zu Lucidas ging und mit ansah wie Bassil ihn glücklich begrüßte und sich von ihm streicheln ließ. "Du wirst sehr gemocht", erzählte sie ihm mit einem sachten Lächeln und streichelte ihren Hund selbst ein wenig. "Er hat sehr ungeduldig über dich gewacht. Nicht wahr, Bas? Ist dein Freund endlich wach?" Sie wuschelte ihm mit beiden Händen durchs Fell, ehe sie sich endlich ganz an den schwarz-haarigen wendete. "Wie geht es dir? Meinst du, du schaffst es etwas zu essen?"
      Ruby wartete seine Antwort kaum ab, da ging sie schon in die Küche herüber und schnappte sich den Topf mit Hühnersuppe, die sie zuvor zubereitet hatte und schob sie zurück auf den Herd, um sie bei mittlerer Hitze noch einmal aufzuwärmen. Dabei machte sie immer mal wieder eine kleine Geschmacksprobe. Sie wollte, dass er etwas warmes zu sich nahm, allerdings wollte sie ihm auch keine heiße Suppe bringen, nachdem er sich schon an dem Tee verbrannt hatte. Mit dampfendem Teller kam sie ins Wohnzimmer zurück und half Lucidas ein wenig sich aufzurichten und legte ihm ein weiteres Kissen unter den Rücken, sodass er Unterstützung hatte aufrecht zu sitzen. "Hier, ich hoffe sie schmeckt", meinte sie, während sie ihm die gefüllte Schüssel und den Löffel gab und anschließend ungefragt einfach die Hand an seine Stirn legte. Das Fieber war noch da. Sie atmete hörbar aus und zog leicht die Brauen zusammen, richtete sich aber bereits wieder auf. "Wenn du was im Magen hast gebe ich dir was gegen das Fieber. Also bitte iss auf, dass dir auch nicht schlecht wird."

    • Lucidas Damon

      Der Kopf des Teufels wandte sich zu der unsicheren Stimme seiner sterblichen Gastgeberin. Gerade hatte er diese angefangen auszublenden, als der Hund ihn begrüßt hatte. Aber natürlich, er war hier in ihrer Wohnung. Ein kurzer, kühler Lufthauch drang zu ihm als sie das Wohnzimmer über den Balkon betrat und der Geruch von Zigarettenrauch folgte dem. Lucifer war zwar scharfe Sinne gewohnt, jedoch keine Empfindlichkeit bezüglich einfacher Banalitäten wie dieser. Es hatte ihn bisher nicht interessiert und Unbrauchbares hatte er ausblenden können. Was offenbar als Mensch nicht funktionierte. Eine weitere Sache, welche er an diesem Konzept als...lästig empfand. Wobei ihn der Geruch nicht einmal störte, im Gegenteil.
      Bassil schien sich über die beidseitige Liebkosung mehr als zu freuen, was die Aufmerksamkeit des Gefallenen wieder auf das Tier und weniger ihre Worte lenkte. Während die ihrem Haustier durch das Fell kraulte nahm er seine eigenen Hände zurück, nicht gewillt die ihren versehentlich zu berühren. Doch blieb das Tier weiterhin halb auf ihm stehen und wedelte lediglich einen Ticken stärker mit seinem Schweif. Erst die nächsten, wieder an ihn gerichteten Worte ließen den nunmehr Schwarzhaarigen aufblicken. Zunächst erschloss sich ihm der Sinn nicht. Bei Weitem nicht. Er sollte...was? Die erste Frage nach seinem Befinden erschloss sich dem Dunklen ja noch, aber dann... Essen? Er? Oh verfluchter...- Das hatte er ganz vergessen! Noch ehe Lucifer die Möglichkeit zum Antworten bekam huschte die Frau auch schon davon in den Raum, welcher als Einziges beleuchtet schien. Entnervt ließ er den Kopf zurück in das Kissen sacken. Warum fragte ihn dieses Weib etwas, wenn sie nicht einmal eine Antwort abwarten konnte? Verstehe einer die Menschen!
      Nun wurde ihm jedoch ein weitaus größeres Problem bewusst. Menschen mussten ihre schwach konzipierten Körper ernähren, ihnen durch Lebensmittel Energie zufügen. Ein absolut nerviger Umstand, dem er nun ausgesetzt war. Ehrlich gesagt hatte er wirklich noch nie etwas aus dieser Welt gegessen, selbst der Tee im Wald war etwas Neues für ihn. Am liebsten hätte der gefallene Engel aufgestöhnt in seiner Frustration. War er jetzt gezwungen jeden verfluchten Sinneseindruck mitzunehmen? Kurz vergrub er sein Gesicht in seinen Händen und strich verzweifelt durch die wirren Strähnen seines pechschwarzen Haares, ehe Bassil mit einem leichten Jaulen wieder seine Streicheleinheiten forderte. Lucifer müsste aufpassen, dass diese Ruby nicht bemerkte, dass er keinerlei Speisen und Getränke- außer den Alkoholischen vielleicht- kannte. Sicher, Bezeichnungen waren ihm nicht fremd. Er war nicht unwissend, es bestand lediglich nie die Notwendigkeit seinen dämonischen Körper mit so niederer Nahrung zu vergiften. Aber der menschliche Stoffwechsel funktionierte leider nicht so leicht wie der, den er gewohnt war und angespannt durch die Nase ausatmend riss er sich wieder zusammen. Zumindest versuchte der Höllenherrscher es. Das Essen dieser Frau abzulehnen würde ihn nichts bringen, selbst die Medizin würde vielleicht gegen dieses kräfteraubende Fieber helfen, dem er ausgesetzt war. Und Lucifer wünschte sich nichts sehnlicher, als dieses verdammte Schwächegefühl loszuwerden, das war sicherer als die Foltern seiner Welt. Und viel Wichtiger: Er wollte endlich wieder einen klaren Verstand besitzen, damit er die nächsten Schritte sorgfältig durchdenken konnte. In dem jetzigen Zustand war ihm dies Unmöglich, jeder eben gefasste Gedanke verlor sich schnell und seine Konzentration ließ zu Wünschen übrig.

      Er war noch immer mit seiner inneren Debatte beschäftigt, als ein ihm unbekannter Geruch plötzlich seine Sinne umschmeichelte und Ruby wieder bei ihm auftauchte, diesmal einen Teller in der Hand. Innerlich zum gefühlt hundertsten Male seine Schwäche verfluchend ließ er sich etwas aufhelfen- eine Wahl blieb ihm ja nicht dabei. Anschließend wurde ihm der Teller und das Besteck in die Hand gedrückt und etwas unschlüssig sah er auf die Suppe hinab, welche sie ihm zubereitet hatte. Er zögerte... einen Moment zu lange. Eine warme Hand legte sich auf seine Stirn und etwas überrascht von dieser plötzlichen Berührung zuckte er etwas zusammen. Er presste missmutig die Lippen zusammen, als sie sich über sein Fieber äußerte und ihm befahl, dieses Zeug aufzuessen. Ein Knurren wollte sich aus seinem Inneren lösen. Warum konnte er nicht einfach in die Hölle springen? Mit finsteren Blick seiner zweifarbigen Augen sah er abermals auf das warme Mahl. Er wusste, dass Ruby erst Ruhe geben würde, wenn er begann zu essen und doch widerstrebte sich einfach alles in ihm. Er ekelte sich regelrecht vor dem Gedanken, etwas zu sich zu nehmen und tatsächlich drehte sich ihm der Magen um und eine Art Knoten entstand in seinem Rachen. Unschlüssig hatte er den Löffel in der Hand, ihn bereits in der Haltung zum Speisen eingenommen, doch der entscheidende Schritt fehlte. Ihm fehlte tatsächlich der Mut und Lucifer wusste, wie lächerlich er sich eigentlich machte. Baphomet, sein Fürst der Völlerei, nahm ständig menschliche Nahrung zu sich. Aber sein Stolz ließ ihn zurückhaltend werden. Wie weit wollte Gott ihn denn noch über seine Grenzen zwingen? War Verwundbarkeit nicht genug? Musste er jetzt wirklich hier durch?
      Diesmal war es Lucifer nicht möglich sein Knurren zu unterdrücken, als er sich einen Ruck gab und schließlich einen gefüllten Löffel zaghaft an seine Lippen führte. Er war vorsichtiger, nahezu behutsam. Nur zu gut erinnerte er sich an seine Blamage bei dem Tee und er hatte daraus gelernt. Zumindest halbwegs, doch die Suppe schien glücklicherweise nicht ganz so heiß und mit deutlichem Widerwillen, der in ihm wahrlich zu schreien begann, nahm er die flüssige Mahlzeit zu sich. Kaum traf diese auf seine Zunge musste Lucifer wirklich alles an Selbstbeherrschung aufbringen, um seine Überraschung nicht in seinen Zügen erblicken zu lassen. Das Letzte was er gebrauchen konnte war, dass die kurzhaarige Frau in seiner Nähe davon etwas erfuhr, dass ihm jedes Essen und jeder Geschmack fremd waren. Bei den Toren der Hölle, sie würde ihn wahrscheinlich sofort an irgendwelche Ärzte geben. Glücklicherweise war sein Wille stark genug, dass seine Züge unbewegt blieben. Doch....er hatte tatsächlich mit diesem neuen Eindruck zu kämpfen. Es war seltsam, dass er plötzlich wirklich solche Dinge schmecken konnte. Und es überforderte ihn heillos. Am Schlimmsten war jedoch der Umstand, dass er es nicht als schlecht empfand. Im Gegenteil, sein Körper schien selbst bei dem einen Löffel zu reagieren und forderte mehr. Und obwohl er innerlich gerade sehr mit seiner Mordlust gegenüber Elohim kämpfte begann er ganz automatisch langsam, sehr langsam weiter zu essen. Es...tat sehr zu seinem Frust sogar gut, die Suppe einzunehmen. Er spürte die leichte Wärme, welche sie in seinem Körper verursachte und selbst der für ihn fremde Geschmack war angenehm. Auch wenn Lucifer schlecht einen Vergleich hatte, ob dies mittelmäßig oder gut sein sollte. Wahrscheinlich Ersteres...
      Es dauerte eine Weile bis er das Mahl zu sich genommen hatte und dabei ein ausdrucksloses Gesicht zu wahren glich einer Herausforderung, als er zum ersten Mal auf die festen Einlagen stieß. Letzten Endes hatte er es jedoch geschafft und den Teller geleert, wonach sich sogar ein recht...angenehmes Gefühl einstellte und er spürte, wie er wieder begann Schläfrig zu werden. War das der Effekt von Essen? Dass man müde wurde? Sollte es nicht Energie geben oder hatte er da etwas falsch aufgefasst? Lucifer war verwirrt und sah missmutig auf den geleerten Teller. Das durfte doch alles nicht wahr sein... Solche Lappalien und er war bereits jetzt am Ende. Dabei war er noch nicht einmal 24 Stunden ein Mensch. Wortlos reichte er das leere Geschirr Ruby, welche es ihm sogleich abnahm. Er vermied es dabei tunlichst, sie anzusehen. Der Schwarzhaarige wusste nicht, ob er die Verwirrung in seinen zweifarbigen Augen wirklich zu verbergen vermochte und war bei Weitem nicht bereit, sie ihr zu offenbaren. Er sah viel lieber zu dem Hund, welcher sich seit Beginn des Mahls brav etwas zurückgezogen hatte und ihn lediglich aus seinen treuen Augen ansah, dabei den Kopf auf den Pfoten abgelegt und sich schlicht auf seinen Beinen ausgebreitet.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
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    • Neu

      Ruby-May Whittle
      Es war sicherlich ein wenig albern, dass Ruby das Bedürfnis verspürte über den schwarz-haarigen jungen Mann zu wachen während er die Suppe zu sich nahm. Dennoch fiel es ihr wirklich schwer sich gegen ihre beruflich anerzogene Fürsorge zu wehren. Sie prüfte vorher nach, ob etwas im Weg lag und setzte sich anschließend auf die Kante ihres Couchtisches, um geduldig zu warten. Lucidas spannte sie förmlich auf die Folter, als er nur sehr zaghaft und zögerlich zu essen begann. Beinahe ist sie bereit gewesen ihn zurecht zu weisen und ihm verständlich zu machen, dass er wirklich etwas im Magen brauchte, wenn er wieder zu Kräften kommen wollte. Doch da tat er ihr bereits den Gefallen und nahm Löffel für Löffel ohne Wiederworte. Die Wohnung lag in kompletter Stille da, die nur von dem Klacken des Bestecks auf den Teller unterbrochen wurde. Doch es war keineswegs unangenehm. Im Gegenteil, Ruby empfand es als gut. Wenn sie ehrlich gewesen ist, hat sie mit einigen unschönen Reaktionen seinerseits gerechnet, wenn er wieder ansatzweise zu Kräften kam. Dass er dabei den ganzen Teller leerte zauberte ihr ein seichtes Lächeln ins Gesicht. Ebenso schweigend wie er gegessen hatte nahm sie ihm den Teller ab. Eigentlich wollte sie fragen, ob er einen Nachschlag wollte, doch schenkte sie sich das, als sie sah, wie er sogleich den Kopf wieder von ihr abwandte und sich Bassil zuwendete. Ruby nickte leicht und erhob sich, um das Geschirr und Besteck in der Küche abzulegen und kehrte mit einem Glas Wasser und einer kleinen Tablette in ihrer Hand wieder zurück.

      "Hier, das ist gegen das Fieber. Nimm sie und trink aus, dann wirst du ruhig schlafen können", versicherte die Krankenschwester ihrem Patienten und blieb geduldig stehen, bis er ihre Anweisungen befolgt hat. Im Anschluss richtete sie ihm die Kissen wieder so, dass er sich ausruhen konnte. Als sie sich aufrichtete ging ihr Blick sogleich zu ihrem Hund, der glücklich auf den Beinen des Gastes ruhte. "Stört Bassil dich hier oder kann ich ihn hier lassen? Ich glaube er möchte gerne bleiben und über dich wachen.", hakte sie nach und Bassil schmiegte sich sogleich enger an den Mann und rollte sich zur Seite, die Zunge aus der Schnauze hängen lassend, um zufrieden der Hand zu folgen, die ihn weiterhin streicheln sollte. Lächelnd wendete Ruby sich ab. „Behalte ihn erstmal bei dir. Gute Nacht.“ Damit streckte die schwarz-haarige sich ausgiebig und ließ den Kopf kreisen, ehe sie im Badezimmer verschwand. Nach diesem Tag brauchte sie eine heiße Dusche. Und es war eine Wohltat sondergleichen das heiße Wasser auf ihren erschöpften Körper prasseln zu lassen.
      Ruby ließ sich Zeit. Die Tür war für alle Fälle nicht abgeschlossen, wenn was passierte wollte sie schnell zur Stelle sein. Sorgen machte sie sich wegen dem fremden Mann dabei überhaupt nicht. Das allerletzte zu dem er in seinem Zustand in der Lage gewesen ist oder auch nur das Bedürfnis verspüren könnte wäre es eine Frau zu bedrängen.
      Plitschnass lugte die Frau barfuß wieder heraus und trocknete sich mit einer Hand noch ihre Haare. Ihr Gast war tief und fest eingeschlafen, was sie mit einer tiefen Erleichterung aufnahm. Die Ruhe konnte er echt gebrauchen. „Na komm Bassil“, rief Ruby mit gesenkter Stimme ihren Hund und klopfte sich leicht auf den nackten Oberschenkel bei ihren Schlafshorts. „Ab ins Bett mit uns.“ Erst jetzt, da der Mann schlief und das fröhliche Tier wohl auch keine weiteren Streicheleinheiten von ihm erwarten konnte, sprang er wieder vom Sofa herunter und trippelte zufrieden seinem Frauchen hinterher ins Schlafzimmer. Wenn sie auch noch eine ganze Weile wachblieb, verlief die Nacht sehr ruhig und unproblematisch. Und pünktlich um sieben Uhr war sie wieder auf den Beinen. Ihr Gast schlief noch seelenruhig. Ohne Umschweife zog die Frau sich an, schnappte sich ihren pelzigen Schatz und machte eine ausgiebige Morgenrunde und kehrte um halb 10 mit zwei Tüten wieder in die Wohnung. Dieses Mal bemühte sie sich nicht darum leise zu sein.
      „Na ab Bassil, geh Lucidas wecken.“, schickte Ruby ihren Hund vor, der sich das sicherlich nicht zwei Mal sagen ließ. Überglücklich stürmte das Tier zu dem Mann auf dem Sofa und fing an wild sein Gesicht zu beschnuppern und die Hand abzuschlecken, die an der Seite herunter hing. Zügig war auch sein eigener Kopf darunter und verspielt stupste er weiter und weiter, bis er schließlich bemerkt wurde. „Guten Morgen“, prustete Ruby etwas, als der Mann nahezu schreckhaft wach wurde. Sie war nun ebenfalls bei ihm angekommen und legte prüfend ihre Finger an seine Stirn. Es war schon viel besser geworden. Dennoch würde sie ihm heute nach dem Frühstück noch eine Tablette geben. „Gut geschlafen? Irgendwelche Beschwerden? Kaffee?“, hakte sie hinterher nach und machte sich selbst in der Küche einen Aufguss ihres Lieblingsgetränks. Sicherheitshalber holte sie noch eine zweite Tasse vom Regal und stellte sie neben die Kanne, bevor sie mit ihrer eigenen Tasse auf den Balkon ging und sich genüsslich seufzend auf ihren Stuhl sinken ließ. Ohne Scheu legte sie ihre Beine hoch auf das Geländer. „Ich war ein bisschen einkaufen“, sagte Ruby in den Raum hinein, während sie sich ihre Zigarette anzündete und den Kopf nach hinten legte, um einen genüsslichen ersten Zug zu nehmen. „Ich hab ein paar Klamotten besorgt. Ich hoffe ich war wieder gut im schätzen…“, nuschelte sie etwas in sich hinein. „In der einen Tüte sind zwei Jogginghosen und zwei T-Shirts. Die andere ist von der Drogerie. Stöbere mal durch, aber ich glaube es müsste alles notwendige dabei sein.“
      Ruby unterschätzte niemals die Macht des Wohlfühlens, wenn es darum ging gesund zu werden oder wieder zu Kräften zu kommen. Und da war eine Dusche und frische Kleidung einfach das Beste was ihm passieren konnte. Sie hatte sich einfach mal herausgenommen ihm eine Packung Unterwäsche zu besorgen, zusammen mit einer Zahnbürste, Shampoo, Duschgel, ein Rasierer und Rasierwasser. Gerne hätte sie behauptet, dass sie alleine so vorausschauend gewesen ist. Allerdings hatte sie sicherheitshalber Lyanna danach gefragt was ein Mann morgens alles gebrauchen konnte.