Nec Deus Nec Archangelus [Azy&Heavy]

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    • Nec Deus Nec Archangelus [Azy&Heavy]

      Link zur Vorstellung - Nec Deus Nec Archangelus
      @Heaven_Lumen


      Nec Deus Nec Archangelus


      ~✶~
      Ich weiß, du hörst meine Stimme nicht oft, Menschenkind. Doch heute
      werde ich zu dir sprechen. Zu dir und meinen anderen Schöpfungen. Ich
      habe mich euch lange nicht mehr zugewandt, aber langsam ist es an der
      Zeit, dass ich mich euch Kindern annehme, als Vater der ich bin.

      Ich habe die Welt gesehen, zu der du und die anderen mein Paradies
      gemacht habt. Und ich bin gelinde gesagt enttäuscht. Ihr habt euch
      hinreißen lassen, diese Welt zu zerstören. Sie zu vergiften, euch zu
      bekriegen und euch selbst der Dunkelheit hinzugeben. Und dabei merkt ihr
      naiven Kinder es nicht einmal. Auch du nicht, du hast bislang gar nicht
      darüber nachgedacht, während du zu deiner Arbeit bist oder in eine Bar,
      habe ich recht? Aber heute ändern wir das, mein verlorenes Geschöpf.

      Lass mich dir eine Geschichte erzählen. Eine, die vor gar nicht so
      langer Zeit sich abgespielt hat. In einer Stadt, die du kennen dürftest.
      Die Geschichte, die ich dir erzähle, ist in der britischen Hauptstadt
      London geschehen. Hm? Dachtest du, ich würde dir nur ein Märchen
      erzählen, was ihr in der Bibel niedergeschrieben habt? Wie amüsant…
      Nein, ich erzähle dir von wahren Begebenheiten. Jenen Ereignissen die
      meinen ersten Sohn betreffen: Samael. Oder wie ihr ihn nennt; Lucifer
      auch bekannt als Satan oder der Teufel.
      Warum so verschreckt? Diese Geschichte sollte dir eine Lehre sein und
      nicht ein bloßes Vergnügen. Wobei es auch einige angenehmere Aspekte
      gibt. Zumindest haben sie mich durchaus amüsiert, als ich alles in die
      Wege geleitet habe.

      Nein, diese Geschichte handelt von meinem rebellischen Sohn. Einem
      Kind welches mir so viel Hass und Wut entgegenbringt. Er hat in euch
      Menschen den Saat der Zerstörung geweckt und ihr habt ihm gehorcht. Es
      ist außer Kontrolle geraten. Lucifer ist außer Kontrolle geraten. Und
      glaube mir, nichts ist gefährlicher als ein Wesen seines Ausmaßes und
      Alters, wenn er der Langeweile verfällt. Es gibt Regeln bei mir. Nicht
      die Gebote, oh nein. Das sind menschliche Richtlinien. Ich habe eigene
      Regeln und Gesetze aufgestellt, um einen erneuten Krieg zwischen Dämonen
      und Engeln zu verhindern und selbst ein friedliches Nebeneinander in
      eurer Welt zu ermöglich.

      Ja, du hast richtig gehört. In deiner Welt. Jener, in der du lebst
      und arbeitest und zur Schule gegangen bist.Hattest du geglaubt, der
      Teufel säße auf einem Thron inmitten eines flammenden Imperium? Nein, es
      gibt keine Hölle. Nicht direkt zumindest, Lucifer hat diese Welt zu der
      neuen Hölle gemacht, die er sich wünschte. Und ihr Menschen seid nur
      das gefundene Fressen und Nutzvieh- in seinen Augen. Er versteht meine
      Liebe für euch nicht.

      Aber er hat sie verstanden. Er wird sie verstehen. Denn so sehr ich
      es bedaure, aber seine Zeit ist abgelaufen. Er richtet zu viel Chaos an,
      zu viel Dunkles bemächtigt sich seines Herzens. Ich musste…etwas tun um
      meinen verlorenen Sohn aufzuhalten.

      Ich bin nicht stolz darauf. Aber er ließ mir keine Wahl. Ich schickte
      sie. Meinen erwählten Engel. Und glaube mir, als beide aufeinander
      trafen gab es nichts als Chaos. Wobei es durchaus amüsant war, ihnen
      beiden zuzusehen.

      Aber beginnen wir von vorne mein Kind. Die Geschichte beginnt in
      London, genauer gesagt in einer gewissen Firma, dessen Chef sich für
      einen Wirtschaftsball vorbereitete… Aber vielleicht sollte ich dir eben
      noch die Protagonisten meiner Erzählung vorstellen!
      ~✶~
      Claire Davis

      Das Vibrieren ihres Handys setzte ein und ihr ganzer Arbeitstisch begann der Bewegung zu folgen ehe der Klingelton einsetzte und die Blondine aus ihren Träumen riss. Langsam Die schönen grünen Augen öffneten sich ehr träge. Noch immer war Claires Bewusstsein nicht im Hier und Jetzt angekommen. Langsam erhob sie ihren Kopf von ihren verschränkten Armen auf denen er die ganze Nacht geruht hatte. Verschlafen sah sie sich um. Irgendwie hatte die junge Dame einen kompletten Filmriss. Was hatte sie gemacht? Wo war sieüberhaupt? Allmählich wurde das verschwommene Bild ihrer Augen klarer und während die Farben sich ordneten um langsam Form anzunehmen bemerkte die Blonde dass sie sich in ihren Arbeitszimmer befand. Überall waren bunte Farbkleckse sogar auf mir und der Werkbank waren sie verteilt. Das Geräusch des Klingeltons dröhnte in ihren Ohren und ihre zarte Hand versuchte hektisch das Handy zu finden um es auszustellen. Es war 17:30 Uhr. "Verdammt!" Erschrocken fuhr Claire hoch und fasste sich mit meiner Hand an die Stirn. Erst jetzt wurde ihr wirklich bewusst was hier los war. Die Arbeit war einmal mehr viel zu viel gewesen, deshalb musste sie das Kleid mit nach Hause nehmen und eine Nachtschicht einlegen. Für einen kurzen Moment fiel ihr Blick auf das noch immer lärmende Smartphone. Der Name der auf den Display stand brachte sie zum Schlucken. Die Blondine atmete tief ein und nahm ab. "Claire!!!" Schallte es durch ihre Ohren. "Wo bist du? Und wo ist das Kleid verdammt?! Im Atelier ist nur der Anzug für den Kunden!" Sie nickte, wohlwissend dass die Dame am anderen Ende der Leitung sie nicht hören konnte. "Veronica bitte. Mach dir keinen Kopf, es wir pünktlich beim Kunden sein. Alles zu seiner vollsten Zufriedenheit. Glaub mir. Ich hab es mit nach Hause genommen um pünktlich fertig zu werden. Liefert den Anzug schon mal vor ich bringe das Kleid direkt zum Kunden." versuchte sie ihre Vorgesetzte zu beschwichtigen. Ganz passte es ihr nicht, doch sie wusste das Claires Kleider gut waren, sogar verdammt gut. Ihre Kleidung schienen eine eigene Seele zu haben. "Schön. Aber danach kommst du wieder her. Und bring mir einen Kaffee mit! Du weißt schon Chai Latte, mit Sojamilch und laktosefrei. Im Mehrwegbecher!" Wieder nickte sie. "Ja, wird gemacht. Jetzt muss ich mich aber beeilen. Bis später." Hastig kramte sie nach ihren Sachen und holte das Kleid an dem sie die ganze Nacht gearbeitet hatte von der Schneiderpuppe. Alles kleine wie Schlüssel, Handy, Ausweis, Portemonnaie und Autoschlüssel landeten in ihren Rucksack. Schnell verpackte Claire ihr Kunstwerk und griff nach ihrer Jacke die sie mit samt ihrer Schuhen hektisch anzog. So schnell wie möglich schloss die junge Frau die Tür und warf auf den Haustürschlüssel ebenfalls in den Rucksack. "Verdammt, verdammt, verdammt!" Fluchte die schöne Blonde auf den Weg zur U-Bahn. Ihr Wagen war leider zur Zeit nicht fahrtüchtig und eine Reparatur war zu teuer. Mit rhythmischen vielleicht leicht komisch aussehenden Bewegungen ihres Schulterblattes, ließ sie ihren Rucksack von der Schulter rutschen um mit einer Hand nach ihren Handy und ihren Kopfhörern zu kramen, ohne das Meisterwerk im Kleidersack auch nur los oder aus den Augen zu lassen. Schließlich steckte Claire ihre Kopfhörer in das Handy, dann in ihre Ohren und spielte ihre Playlist ab. Nervös wippte die junge Frau von einem Fuß auf den Anderen während sie alle drei Sekunden auf die Haltestellenanzeige sah. Entnervt stöhnte sie kurz auf. Dauerte die Fahrt bis zur Haltestelle wirklich so lange? Oder kamen Sekunden wie Stunden vor? Endlich war sie da und quetschte sich aus dem überfüllten U-Bahnwagen. Als ich zum Veranstaltungsort eilte wäre die Blondine beinahe über ihre eigenen Füße gestolpert. Auf ihren Weg kam sie an einen Kaffeestand vorbei. Den Kaffee für Veronica durfte sie nicht vergessen und die Schlange sah gar nicht so lang aus. Es dauerte fast 5 Minuten mehr doch mit der Ware, den ersehnten Heißgetränk war fast das Soll erfüllt. Nun musste sie nur noch zum Veranstaltungsort, durch den Personaleingang, ins Büro des Leiters und das Kleid abgeben. Das war doch gar nicht so schwer. Sie durfte nur nicht aufhören zu rennen.

      Während die junge Dame kurz vor ihren Ziel stand und sich das Veranstaltungsgebäude des Witschaftsballs bereits wie ein Palast vor ihr abzeichnete, trafen einige klare Regentropfen auf das goldblonde Haupt. "Auch das noch..." Es verstichen kaum einige Sekunden bis sich zu den einzelnen Regentropfen immer mehr dazu gesellten, Donner erklang. Der anfängliche Tanz einzelner Tropfen ergoss sich im nächsten Moment beinah zu einen Wolkenbruch. Das Wetter spielte in letzter Zeit aber auch wirklich zu den ungünstigsten Zeitpunkten verrückt. Claire konnte sich gerade noch unter den Wellpappendach der Raucherecke im Pausenbereich des Küchenpersonals retten. Erst hier erlaubte sie sich stehen zu bleiben und tief durch zu atmen. Aus den durch atmen wurde ein nach Atem ringen. Den Blondchen wurde sogar etwas schwindelig, so dass sie ihre freie Hand auf ihr Knie stützen musste. Lange hatte sie aber nicht um sich zu beruhigen und in einigen stillen Sekunden neue Kraft zu tanken. Immer bedacht weder den Kaffe noch das Kleid in Mitleidenschaft zu ziehen sprang und hangelte sich Claire vom Pausenbereich bis zum Personaleingang. Sie klopfte fünf Mal laut und bestimmend. Es vergingen wieder einmal Sekunden die sich mehr nach Stunden anfühlten bis die Tür sich endlich öffnete. "Ja?" Murrte ein Mann in Uniform. An Hand des Schildchens an seiner Brust konnte die junge Dame nicht nur den Namen erkennen sondern auch das er der Portier des Gebäudes war. Wie der Werter des Palastes oder ein Kobold unter der Brücke. "Ähm.. Verzeihung. Ich bin Claire. Claire Davis von Vita Nova. Ich soll dieses Kleid hier zu Mister....Mister Clayson bringen." Der Man ließ seinen Blick für seinen Blick langsam über sie streifen. Von nten nach oben. Von der höchsten Haarsträhne in ihren lockergebunden Dutt bis hin zu ihren Schnürsenkel. Er sagte nichts doch dieses leichte Lächeln war ein Zeichen, das ihm gefiel was er sah. "Hmpf. Weisen sie sich aus. Ihre Befugnispapiere bitte." Claire nickte eifrig und rückte ihre Brille zurecht. "J-Ja natürlich." Sie wollte gerade die Papiere hervorziehen da wurde ihr bewusst, das sie dafür keine Hand frei hatte. "Hier, halten sie mal." Kurzer Hand drückte sie den Portier den Kaffe für ihre Vorgesetzte in die Hand. Die Ware durfte sie niemals aus der Hand lassen. "Wo sind sie... ah! Ja, hier. Bitte sehr." Während der Mann sie entgegen genommen hatte, schloss sie den Rucksack. Der Portier übereichte ihr den Kaffe wieder, zwischenzeitlich überfog er die Unterlagen. "Sieht alles in Ordnung aus. Nun gut. Sie können passieren. Mister Clayson wartet in Raum 713 auf Sie." Die junge Frau lächelte als stilles Dankeschön ehe sie sich an ihn vorbei ins Gebäude schob. Ihr weiterer Weg führte direkt zum Fahrstuhl. Da die Hände mit den Kaffe, den Kleid und der Papiere voll war, war die Blondine gezwungen mit den Fuß auf den Aufzugknopf zu drücken. Der Fahrstuhl ließ ganz schön auf sich warten. Da auch noch einige Mitarbeiter mit schwerern Lasten mit diesen fahren wollten überließ Claire ihnen den Platz und entschied sich zu Fuß auch noch die Treppen hoch zu steigen. Wieder einmal durfte sie keine Müdigkeit vortäuschen, wieder einmal war sie in Eile.

      Völlig fertig erreichte das Mädchen gerade so den 5. Stock. Nun brauchte sie wirklich eine Pause. Vielleicht konnte sie von hier den Fahrstuhl fahren, in der Zeit welche sie für das Erklimmen der Treppenstufen gebraucht hatte war das Personal mindesten vier Mal hoch und wieder runter gefahren. Ja, die Idee war gut. Sie wollte den Kunden auch nicht völlig erschöpft gegenüber treten. Claire trat gerade aus den Treppenhaus hervor und wollte in Richtung des Fahrstuhles umdrehen da stieß sie gegen Etwas...oder Jemanden. Der Schock und der Aufprall des Zusammenstoßes reichte aus um den Kaffee und die Dokumente augenblicklich fallen zu lassen. Somit vermochte sich die Blonde zwar mit den Arm vor einen harten Aufschlag auf den Boden zu schützen, übergoss die Dokumente, sich selbst und ein wenig auch den Fremden mir den noch warmen Kaffe. Warscheinlich wüede selbst das wertvolle Kleid darunter zu leiden haben, würde es nicht seelenruhig in einen Kleidersack auf seinengroßen Moment warten. "Ah! ...Verdammt!" etwas hiflos versuchte Claire den Kaffe der noch nicht in den Stoff oder die Papiere eingesogen war davor zu streichen und zu schütteln. "Können sie nicht aufpassen? Verdammt nochmal..." Fuhr sie den Anderen an, ohne ihn wirklich anzusehen. So ein Mist! Sie hatte schon nicht ihre akurate Arbeitskleidung an und nun war die weiße Bluse voller Kaffeflecken, dazu kam dass nun ihr BH sichtbar war. So konnte sie nicht vor den Kunden treten. Schnell und genauso hastig wie zuvor griff sie nach den in Kaffee ertränkten Dokumenten sowie den Kleid. "Ich hoffe das nächste Mal sethen sie hier nicht einfach im Weg herum....Schönen Tag noch." Murrte sie sichtlich angenervt und machte sich auf den Weg den Gang entlang. Irgendwo musste doch eine Tolilette zu finden sein! "Oh je, oh je ...Was mach ich jetzt?" sprach sie verzweifelt zu sich selbst. Tasächlich war die Damen Toilette schnell gefunden. Erst als sie sich auf das Waschbecken stützte und sich im Spiegel betrachtete, wurde ihr das Ausmaß der Katastrophe erst bewusst. Sogar ihre Brille war voll mit Veronicas Chai Latte. Die Blondine fuhr sich schwer seufzend durchs Haar, dabei löste sie ihr Zopfgummi, welches die goldene Haarpracht in einen Dutt in Zaun gehalten hatten. Um sich zu beruhigen tauchte sie ihr Gesicht kurz in kalten Wasser vom Wasserhan. Anschließend versuchte sie kopfschüttelnd einen anderen Gedanken zu fassen. Bis jetzt ließ sich doch immer eine Lösung finden. Da fiel ihr Blick auf den Kleidersack. "Aber ja!" rief sie erleichter aus. Die Dame die sich in diesen Kunstwerk zeigen sollte hatten ungefähr ihre Körpermaße. Sie könnte es tragen und dann mit ihr Sachen tauschen. So sah der Kunde auch gleich was er bekam.

      Gedacht - getan. So schloss sie sich in der nächsten Kabiene ein und begann sich um zu ziehen so gut es halt ging. Anschließend verließ sie die Toilette erhobenen Hauptes. Ihr Weg führte zu Fahrstuhl. Da die Türen sich bereits schließen wollten schob sie sich eilig noch ins innere. Sie hatte gerade die Taste für den 7. Stock gedrückt und ihre, durch den Dutt leicht lockigen Haare, gerichtet das wanderte ihr Blick zu den größeren Herren neben sich. "Was?" rief sie noch immer nicht besser gelaunt. Claire war gerade dabei genervt ihre Augen zu verdrehen und sich abzuwenden als ihr auffiel, das sie diesen Mann gerade schon einmal begegnet war. "Nun da sie für meine Lage verantworlich sind, wäre es das Mindeste wenn sie so freundlich wären mir mit den Reißverschluss zu helfen." Murrte die Blonde, drehte den Fremden den Rücken hin und schob ihre Haare beiseite. "Na wirds bald? Nur keine flasche Scheu, ich muss gleich wieder aussteigen."


      “If you were happy every day of your life, you wouldn’t be a human. You’d be a game show host.”
    • Lucifer|Lucidas Blake

      Gelangweilt lagen seine stechenden, tiefblauen Augen auf dem wolkenverhangenen Himmel, welcher sich in alter Manier über London ausgebreitet hatte. Die Luft roch bereits nach einem Regenschauer und die unpassenden Schwingungen kündigten ein Gewitter an. Nichts besonderes, dieses britische Festland bekam selten ein anderes Wetter außer dem vom Meer verursachten Nass-Kalt. Nicht, dass er sich darüber beschweren wollte. Es war allemal besser als das grelle Licht der Sonne.
      Auf einem dunklen Schreibtisch, einem altertümlichen Stück aus Mahagonie, lag der geöffnete Brief welcher eine weitere Einladung zu einem dieser Wirtschaftsbälle lud. Immer die alte Leier. Ein Ball konnte man dies nun wirklich nennen, da hatte er tatsächlich die klassische Zeit jener pompösen Bälle in Österreich eher genossen. Doch jene Zeiten waren lange, sehr lange vorbei. Mittlerweile galten derartige Events nur als Schaustellung der eigenen Finanzen und des Erfolges, geschmückt mit überteuerten Champagner und einigen Canapés. Es war langweilig, nahezu müßig sich solchen Events anzuschließen. Wäre sein neuer geschäftspartner nicht gewesen hätte der dunkelhaarige Mann definitiv abgelehnt. Er musste weder seinen Erfolg noch seine Macht demonstrieren. Er besaß sie ohnehin, und in weitaus größeren Dimensionen als die kleinen Möchtegern-Menschen, die sich darunter profilieren wollten.
      Seine Schritte führten zu einer großen Fensterwand, die einen Blick auf die atemberaubende Silhouette Londons freigab. Manch einen würde die weite Sicht auf die Dächer der Stadt beeindrucken, man würde vielleicht verzaubert die Themse betrachten, die jetzt in der langsam dunkler werdenden Tageszeit nicht mehr als ein schmutzig-graues Band ruhte. Doch der Blick seiner eisigen Augen, welche jeden Saphir und jedes Himmelsblau blass erschienen ließ, war desinteressiert um nicht zu sagen völlig ausdruckslos. Diese Szenerie versetzte ihn nicht in Staunen, löste keine Regung in seinem Inneren aus. Nur eine tiefe Gleichgültigkeit erfüllte ihn und das schon seit Jahren. Dennoch, er hatte Gefallen an dieser Stadt gefunden. Sie war groß, in allem Maßen ein Hotspot der dunklen Geschichten und Mysterien Englands. An nicht wenigen war er selbst beteiligt. Nun, er mochte diese Monarchie hier, welche kaum etwas zu melden hatte. Mochte den Umstand, dass er mit seinem Firmennetzwerk über die Ozeane hinaus herrschen konnte und das nur mit dem einfachen Mittel der Menschen; Geld. Geld und Einfluss war es, was diese Welt beherrschte. Und er stand in dessen Hintergrund und zog seine Fäden, wann immer es ihm beliebte.

      Die Hände in den Taschen seiner dunklen Anzugshose vergraben glitt sein durchdringender Blick mal hierhin, mal dorthin; unruhig und unwissend, wonach er suchte. Leise knisterte das Feuer im Kamin, welcher die einzige Licht- und Wärmequelle darstellte, die dieses Büro erhellte. Der schwarze Stein in den der Kamin geschlagen war, glitzerte im Schein des Feuers beinahe wie Obsidian, den schwarzen Edelsteine dieser Welt. Zwei Schlangen mit aufgerissenen Mäulern, bestehend aus weißem Marmor, säumten jeweils eine Seite des Kamines und ihre langen, gespaltenen Zungen bildeten den Kaminsims. Trotz des Feuers wirkte der Raum dunkel, doch eben jene Dunkelheit war es, die er genoss. Die Dunkelheit die sein Freund war, seine Quelle der langsam anwachsenden Macht. Vor jenem Feuer lag ein nahezu riesiger Wolfshund und genoss die Ruhe, die dunklen Augen halb geschlossen, bis er eben diese öffnete und den großen Kopf witternd hob. Das seidige Fell schimmerte im Rot der Flammenzungen als sich das Tier bewegte und sich träge erhob. Kurze Zeit später klopfte es bereits an seiner Tür.

      „Sir?“ Eine respektvolle, männliche Stimme in seinem Rücken ließ den Schwarzhaarigen aus seinen Gedanken erwachen. Auch ohne sich umzudrehen wusste er, wer hinter ihm sprach.
      „Was ist los?“, gab er kühl von sich, ohne den Blick von dem Ausblick abzuwenden.
      „Verzeiht wenn ich Euch störe, ihr Wagen steht bereit.“ Er spürte die Verbeugung seines Dieners, jedoch blieb für ihn lediglich eine wedelnde Handbewegung.
      „Ich bin gleich unten, such die restlichen Dokumente für Clayson zusammen und geh.“, befahl er ohne seine Stimme zu erheben. Noch immer hatte er seinen Blick nicht von der Fensterfront abgewandt.
      „Sehr wohl, mein Herr.“ Das Rascheln von Papier und die dumpfen Schritte des Mannes durchbrachen die Stille, als er die Dokumente an sich nahm, die ihm sein CEO bereitgelegt hatte. Das leise Klicken der Tür war zu vernehmen und schließlich blieb der Schwarzhaarige alleine zurück. Ausdruckslos wendete er sich erneut der Einladung zu. Seine Augen überflogen die kleingedruckten Zeilen auf viel zu teurem Papier. Und den menschlichen Namen seinerseits, an den diese Einladung geschickt wurde. Es war nahezu lächerlich einfach, ein und denselben Namen wieder und wieder im Laufe der Jahrhunderte zu verwenden. Es gab immer nur kleinere Abwandlungen, einen neuen Nachnamen- manchmal auch ein neues Gesicht dazu, wenn er in einem Land mehr als ein Jahrhundert verweilte. Mittlerweile wurde es in der Modernen komplizierter, neue Identitäten zu schaffen, da alles elektronisch erfasst und in den Datenbanken der Ämter gespeichert wurde. Allerdings hatten er und seine Sippe Mittel und Möglichkeiten gefunden, sich hier auszubreiten in dieser gottverlassenen Welt.
      "Wie lästig.", murmelte er nur leise und steckte die Einladung in das Innere seines dunklen Jacketts. Auch wenn er nicht erpicht darauf war, Clayson war einer der Vorsitzenden der Banken in England und durchaus talentiert darin, die richtigen Wege einzuschlagen um in der wankelmütigen Finanzwelt zu überleben. Es wurde Zeit, dass er diese Bank unter seine Herrschaft brachte, selbst wenn sie sich auf dem Boden des geflügelten Abschaums befand. Das spielte für den Dunkelhaarigen keine Rolle mehr, die Engel konnten ihm ohnehin nichts anhaben. Seine Macht überstieg ihre bei Weitem und die Regeln seines Vaters waren ohnehin nur sehr dehnbare Begriffe.
      "Warte hier auf mich, bis ich zurückkehre, Cerberus.", wandte er seine samtene, dunkle Stimme an den großen Wolfshund welcher einen unglücklichen Laut ausstieß. Kurz strich seine Hand sanft anmutend durch das Fell und brav legte sich Cerberus wieder vor das Feuer, seinem Wesenselement. in dieser Welt konnte er nur selten seine wahre Schönheit zeigen. Das dunkle Mittelalter war vorbei, indem der dreiköpfige Flammenwolf für Ärger sorgen konnte. Leider, beinahe wünschte sich der hochgewachsene Mann jene grausamen Zeiten zurück. Da war es wenigstens noch nicht so stupide wie jetzt...

      Mit letztem Blick auf seinen treuen Gefährten machte er sich auf den Weg nach unten, verließ die Spitze des riesigen Gebäude Konstruktes, welches sich hoch in den Himmel erhob. Seine Firma und das wohl höchste Monument der Stadt zum Spotte an den alten Dreckskerl, der im Himmel weilte. Vor der dunklen Limousine fand sich sein engster Berater und Höllenfürst Asmodaeus, welcher sich ehrerbietend verneigte.
      "Seid Ihr soweit, Lucifer?", fragte er leise an seinen Herr gewandt und eben Genannter nickte teilnahmslos, ehe er auf dem Rücksitz des Luxuswagens platz nahm. Sein Blick folgte den vorbeiziehenden Straßen, Gebäuden und anderem, als es bereits zu regnen begann. Wie erwartet. Wobei Regen eine freundliche Untertreibung war, der Himmel schien die gesamte feuchte Last mit einem Mal zu entladen. Lucifers Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln. Ein herrliches Wetter, perfekt dafür um einiges an Chaos zu stiften. Die eisblauen Iriden schlossen sich einen Moment, fassten einen der befahreneren Ringe, die M25, um die Stadt herum ins Auge. Zur gleichen Zeit an jenem Ort krachte ein Blitz in einen nahestehenden, alten Strommast welcher auf die Straße barst, dabei zwei Wagen unter sich begrabend und gefährliche Stromflüsse ausbreitend. Weitere kamen dank der enormen Nässe ins Straucheln, da die schwer beladenen Gütertransporte ebenso wenig die Zeit hatten, den plötzlichen Hindernissen auszuweichen.
      Zufrieden damit öffnete der Teufel seine Augen wieder und fuhr damit fort, dem Regen dabei zuzusehen wie er die Welt in sein kaltes Nass tauchte. Vielleicht zehn Minuten später hörte er den aktuellen Verkehrsfunk, welcher von einer Massenkarambolage auf der M25 sprach. Einige Seelen, welche definitiv in seine Hände fielen, waren verunglückt. Nun, zumindest ein wesentlich faszinierender Teil der Beschäftigung als das eigentliche Event, zu dem er unterwegs war.

      Mehr oder minder interessiert an dem geschmacklosen Gebäude wurden ihm sofort die Türen geöffnet, als der Portier ihn erkannte. Ein Ausweisen seienrseits war nicht nötig, weshalb er sofort hereingebeten wurde. Asmodaeus in respektvollem Abstand hinter ihm folgte lautlos und beide erklommen den Fahrstuhl, den die dortigen Mitarbeiter hastig für sie räumten. Obwohl Lucifer seine wahre Aura weitestgehend verbarg verursachte seine Nähe alleine schon ein gewisses Maß an Ehrfurcht, gleich ob bei Sterblichen oder Dämonen. Selbst die gefederten Nichtsnutze erzitterten, wenn sie seine Gestalt erblickten- gleich welche Form er annahm. Im Fahrstuhl angekommen strich er sich kurz durch das offene, längere Haar ehe er zu seinem Sekretär blickte.
      "Die Dokumenten, hast du sie?"-"Ja, Herr. Ebenso die Analysen bezüglich der Gewinnspanne und Zinskursen." Lucifer nickte nur und hielt den Fahrstuhl in der fünften Etage absichtlich. Sein Geschäftspartner war zwei Stockwerke über ihm, jedoch konnte der auch etwas länger warten. Sie waren ohnehin zu früh.
      "Sehe dich ein wenig in ihren Räumlichkeiten um, insbesondere jenem der Kundenerfassung. Ich will sehen ob nicht noch einige nützlichen Kontakte hier dabei sind, die heute Abend bei der Veranstaltung dabei sind. Beeile dich und lass dich nicht von einem Engel entdecken.", befahl er und der rothaarige Dämon nickte ergeben, ehe er in den Schatten verschwand um jene Archive aufzusuchen. Lucifer hingegen blieb wo er war und sah prüfend auf die Armbanduhr. Sie hätten eine halbe Stunde... Vielleicht war es besser, wenn er seine Präsenz etwas mehr verschleierte. Heute hatte er wenig Lust, sich mit einem der Erzengel auseinander zusetzen, weil er sich auf ihrem Gebiet befand. Gehörte ihm erst Clayson war es nur noch eine Frage der Zeit, ehe die Engel dieses Territorium an ihn verloren. Der Dunkle schloss erneut kurz seine Augen und dämmte seine finstere Ausstrahlung etwas ein, dass er nahezu unsichtbar für die Lichtwesen sein müsste. Zumal diese mit Sicherheit mit seinem kleinen angerichteten Chaos beschäftigt waren. So viel leid und Zerstörung auf einem stark befahrenen Ring wie der M25 war auch für sie nichts, was sie auf die leichte Schulter nehmen konnten. Er hoffte zumindest, sie wären lange genug abgelenkt, dass er hier genauso unbemerkt wieder verschwinden konnte, wie er aufgetaucht war. Gerade als er seine Augen wieder öffnete rannte einer dieser kleinen Sterblichen doch tatsächlich in ihn hinein. Eine Braue wanderte in die Höhe als die Frau zu Boden fiel. Menschen waren wirklich entsetzlich schwache Wesen, er verstand nach wie vor nicht, was man an ihnen finden konnte. Sie waren ohnehin nicht mehr als Nutzvieh für sie Überwesen... Sein Blick wanderte dann jedoch zu dem unschönen Kaffeefleck auf seinem Ärmel, welchen er ihr zu verdanken hatte. Also wirklich. Entweder sie besaß keinerlei Benehmen oder hatte sich den Kopf beim Aufprall gestoßen, eines von Beiden war ihm nur als logische Schlussfolgerung möglich, als sie ihn ungehalten Anfuhr. Wusste sie, wem sie gegenüber stand? Offenbar nicht, das junge Ding mit der viel zu großen Brille auf der Nase schien derart in Eile, dass sie ihn weder beachtete und viel lieber die ruinierten Dokumente aufsammelte. Etwas amüsiert darüber zuckten seine Mundwinkel leicht nach oben. Wie niedlich, dachte sie wirklich, so noch irgendjemanden von ihrer sogenannten Arbeit zu überzeugen? Mit braungefärbten, nassen Papieren und einer Bluse, welche ihre Unterwäsche preisgab. Nun, wenigstens schien sie dahingehend Geschmack zu beweisen. Er erwiderte nichts und folgte ihrem gehetzten Schritt den Gang hinunter. Er verstand diese kleinen Würmer wirklich nicht. Noch weniger verstand er, was Gott an dieser selbstzerstörerischen Rasse für gut befand. Doch über den senilen alten Schwachkopf wollte er jetzt nicht nachdenken, seine Laune war halbwegs annehmbar er musste sie nicht künstlich in die eisigen Tiefen treiben. Etwas bedauernd strich er über den schrecklich süß riechenden Fleck auf seinem Ärmel. Kurz war er am überlegen, ihn mittels seiner Kräfte verschwinden zu lassen. Allerdings war ihm das dann doch zu unsicher und er ließ es, legte lediglich das Jackett ab und warf es sich locker anmutend über den Unterarm.

      Schließlich kehrte sein Höllenfürst wieder zurück, nickte ihm knapp zu und zeigte einen kleinen USB Stick in seiner Handinnenfläche. Lucifer erwiderte kurz das Nicken und kehrte mit dem Rotschopf in den Fahrstuhl zurück. Sie waren nach wie vor zu früh für ihr Treffen, das sollte jedoch nicht stören. Im letzten Moment, bevor sich die Türen schlossen, schlüpfte eine blondhaarige Menschenfrau hinein. Lucifer stutzte kurz als er die große Brille erkannte und zog mit einem halb amüsierten Lächeln die brauen hoch. Achso... da hatte sich jemand wohl plötzlich in schale geworfen? Die besudelte Kleidung hatte sie gegen ein zugegeben sehr hübsches, kurzes Kleid in silberfarbenem Ton getauscht. Es war knapp genug um genügend Fantasien zu wecken, welche den Bereich des Jugendschutzes verlassen würden. Kurz ließ er sein Blick über sie wandern, ließ dabei jedoch nichts anzügliches durchblitzen. Dabei blieb er... an einem paar einfacher Turnschuhe hängen, die so gar nicht zu dem Gesamtbild passten. Was war das denn bitte für eine Zusammenstellung? Er tauschte einen Blick mit seinem Generalsekretär als sie ungehalten ein "Was?!" zu ihm warf. Kratzbürstig war die Kleine offenbar schon. Erst beschuldigte sie ihn, obwohl sie ihren Weg nicht beachtete und jetzt schnappte sie so unfreundlich zu ihm, als wäre sie eine beleidigte Teenagerin. Er stieß tatsächlich ein Seufzen aus, als sie ihn offenbar erkannte und ihn forderte, mit dem Kleid zu helfen. Ein unterdrücktes lachen kam über Asmodaeus Lippen und schnell hielt er sich eine entschuldigende Hand vor den Mund, als Lucifers eisiger Blick zu ihm fuhr.
      "Mein Fehler. Wie anmaßend von mir, Ihnen nicht zu helfen, werte Dame." Der Spott war unverkennbar in seiner kühlen Stimme, dennoch ließ er sich die Gelegenheit nicht entgehen, der hellhaarigen Frau seine kühlen Finger auf die nackte Haut zu legen. Natürlich nur um schließlich den Reißverschluss nach oben zu ziehen.
      "Aber Sie sollten künftig lieber aufpassen, in wen Sie hineinlaufen und lernen, etwas Demut zu zeigen. Ob Eile oder nicht, es wäre doch Schade wenn Sie ihr hübsches Gesicht verlieren.", raunte er ihr dunkel zu ehe sich der Fahrstuhl abermals öffnete und er mit Asmodaeus hinausschritt, die Frau im Fahrstuhl zurücklassend. Asmodaeus schnaubte nur belustigt über diesen Vorfall.
      "Menschen haben heutzutage wirklich kaum noch Respekt, nicht wahr?", meinte er nur mit einem resignierten Unterton. Lucifer grinste nur herablassend.
      "Was erwartest du von solch niederen Tieren?", entgegnete er mit gesenkter Stimme, da ihnen hier nun deutlich mehr Menschen entgegenkamen. Offenbar liefen hier die Vorbereitungen für den kommenden Feierabend, ebenso wie einige letzten Vorbereitungen bezüglich dem anstehenden Ball.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Claire Davis

      Claire war wirklich nicht in bester Stimmung. Dennoch wollte sie sich nicht von den Fremden provozieren lassen. Also blickte sie nur einmal kurz über ihre Schulter bis sie ihren Kopf wider nach vorn drehte. Es verstrichen noch einige Sekunden bis die junge Dame die kalten, ja fast eisigen Finger auf ihrer Haut wahrnehmen konnte. Es war fast so als würde sie von einen lebendigen Toten berührt werden. So sehr sie auch die Unantastbare spielen wollte, ein kaum merkliches Zucken war unumgänglich. "...Danke sehr." Einmälig umfasste sie der edle Stoff fester, während der Reißverschluss seinen Weg nach oben fand. Es war ein merkwürdiges Gefühl zu spüren wie das kleine Stück Metall ihre Wirbelsäule entlang nach oben fuhr. Zeitgleich atmete die Blondine tief ein und zog den Bauch etwas ein. Das Kleid passte beinah wie angegossen. Ein wahrer Segen wenn man bedachte, dass es sich um eine Maßanfertigung handelte. Als der Reißverschluss geschlossen war ließ Claire ihre Haare über ihren Rücken gleiten. "Bitte?" Fragte sie etwas verwundet überhaupt noch etwas von diesen Mann zu hören und blickte über die Gläser ihrer Brille. "Pff. Na hören sie mal! Ehe man Respekt genießt, muss man ihn sich verdienen. Und um ihn zu verdienen, darf man sich ihn nicht wünschen. Doch Ein anderes Wort für Respekt könnte auch Toleranz, Achtung oder Höflichkeit sein. Respekt schließt in jedem Fall egoistisches und arrogantes Verhalten aus. Respekt schließt in jedem Fall egoistisches und arrogantes Verhalten aus. Denken Sie mal drüber nach." Sie war kaum fertig mit der Moralpredigt da schlossen sich die Türen des Fahrstuhls wieder. Wahrscheinlich hatte dieser Kerl ihr nicht einmal zugehört. Bis sie den Fahrstuhl in der nächsten Etage wieder verließ blieb sie allein. Irgendwie hatte sie ein komisches Gefühl. Es war so ein komisches Zusammenspiel der Emotionen. Seit den Zeitpunkt, dass die eiskalten Finger des etwas arroganten Fremden gespürt hatte ließ sie dieses Gefühl nicht mehr los. Als sich der Fahrstuhl schließlich abermals öffnete schüttelte Claire all diese Gedanken ab. Jetzt hatte sie beim besten Willen andere Sorgen. Da Zimmer mit der Raumnummer 713 war gar nicht weit vom Fahrstuhl entfernt.

      Noch immer etwas neben der Spur klopfte die junge Dame erst zaghaft dann immer bestimmter an die Tür. Zunächst rührte sich nichts. Erst nach einigen Sekunden fiel ihr die Klingel neben der Tür auf, welche sie so gleich betätigte. "Ja Bitte?" Schallte es sogleich aus der Sprechanlage. "Äh- Hallo. Davis hier. Ich komme von Vita Nova wegen den Kleid zum Anzug." Die Blondine schreckte etwas zurück als sich die Tür automatisch öffnete, trat dann aber sofort ein. "Ähm? Hallo? Mister Clayson?" Der besagte Herr stand mit einen Glas in der Hand an einen Fenster und bobachtete den enormen Verkehr. Den Anzug hatte er bereits angezogen. "Ich bin-" wollte sie beginnen als eine Frau neben ihr auftauschte und ihre Schulter umfasste. "Sir ihre Begleitung ist da." M-Moment mal?! Was?! Entgeistert sah sie die junge Frau an. Sie hatte dunkle braune Augen die hervoragend zu ihren roten Haaren passten. Der besagte Herr ließ seinen Blick von den Straßen auf die junge Dame gleiten. "N-Nein. Ich bin nicht-" versuchte sich die Schöne abermals zu erklären. "Keine Sorge. Wir haben zunächst das Kleid anprobiert. In der nächsten halben Stunde helfe ich ihr sich fertig zu machen. Vertauen sie mir, es wird alle zu ihren Wünschen sein." Wo war Calire hier nur reingeraten? Claysons Blick hang noch einige Sekunden an ihr dann nickte er und die Dame wand sich mit ihr ab. "ich weiß, dass sie nicht die begleitung meines Chefs sind. Sie hat vor einer Viertelstunde abgesagt. Aber bitte, Sie sind nun einmal hier und haben das Kleid an - Ich kann es mir nicht leisten meinen Job zu verlieren. Bitte spielen Sie mit. Ich kann ihn auch das Gehalt für die Begleitung überweisen." begann die Dame, wahrscheinlich seine Assistentin zu erklären. "N- ..." Die Blondine seufte. Den Blick in den Augen der Anderen kannte sie nur zu gut. "Na gut. Ich schätze ich mach es. Aber nur weil wir Frauen zusammen halten müssen." Die Rothaarige lächelte. "Vielen lieben Dank! Ich bin übrigend Louise." rief Louise erleichtert und fiel ihr beinah um den Hals. "Vorsicht. Meine Brille." Die Sekräterin nickte. "Ja die muss weg. Aber keine Sorge ich besorge Ihnen Kontaktlinsen. ...Und neue Schuhe.... und Accessoires.... und etwas MakeUp." hörte die Liste überhaupt auf?


      Nachdem Louise einige Telefonate getätigt hatte bezogen die Frauen das Nebenzimmer. Hier fackelte die Rothaarige nicht lang. Sie zog einige MakeUp Paletten aus ihrer Handtasche und begann sich sofort ans Werk zu machen. "Sie haben nicht zufällig ein paar Haarnadeln dabei? Nein? Gut, dann gebe ich Ihnen welche von mir." Ihre langen goldblonen Haare waren anders als sonst ehr locker und leicht verspielt zu einer halboffen Steckfrisur trapiert. Die Haare welchen sich darauß ergossen wurden leicht eingelockt und umspielten das hübsche Gesicht und die zwarten Schultern der jungen Frau. "Sooo... die Haare hätten wir." Bei den MakeUp blieb Louise zum Glück recht dezent. Lediglich der Lidschatten auf Claires Augenlieder und der Lipgloss auf ihren Lippen schimmerten etwas. "Wow... ich...ich glaube ich hab noch nie so schöne Augen bei einen Menschen sehen und Sie verstecken sie hinter einer Brille." Wohl wahr. Die Blondine versteckte so Einiges. Nicht nur hinter der Brille. "Und zu guter Letzt...der Schmuck. Das ist echte Jade." Die edlen Steine waren in feinstes Platin gefasst und solch ein Schatz hang nun um ihren schmalen Hals und baumelte von ihren Ohren. "Alles klar jetzt ... nur noch diese silbernen Riemchen High Heels. Oh! Und hier noch eine passende Clutch. ...das war's." Sie lächelte zufrieden als sie die junge Frau betrachtete. "Sie sehen aus wie ein Engel." Claire sah auf. "Hm? Was?" Dieses Wort... irgendwas an diesen Wort klang...so vertraut. Das war.... merkwürdig. Fast wie das Gefühl was sie hatte seit dem sie diesen Mann begegnet war. "Sind sie bereit? Na dann auf! Mein Chef wartet sicher schon."


      “If you were happy every day of your life, you wouldn’t be a human. You’d be a game show host.”
    • Lucifer| Lucidas Blake

      Es war nahezu langweilig, dem geschäftigen Treiben der Menschen zuzusehen. Zugegeben, er selbst hatte einige dieser Sterblichen unter sich arbeiten. Er konnte nicht gänzlich auf Nutzvieh verzichten und solange sie ihre Arbeit machten war es ihm gleich, ob Sünder oder nicht. Die Grenzen dessen war ohnehin nicht länger vorhanden, ganz im Gegenteil zu den letzten Jahrhunderten. Es war faszinierend gewesen dabei zuzusehen, wie mit der Moderne der Aberglaube von den gebrechlichen Geschöpfen abgefallen war. Technik hatte ihren ach so geliebten Gott ersetzt, Medien waren die neuen Stimmen ihrer Engel, welche sagten was gut und richtig wäre. Dabei trieben sie sich selbst nur in den Ruin, er brauchte sich lediglich zurücklehnen und hier und da an einer Strippe ziehen. Nahezu... mühelos. Fade... ohne Herausforderung. Kopfschüttelnd führten beide Dämonen ihren Weg fort, die aufmüpfige Dame im Fahrstuhl bereits vergessen habend. Die Menschen machten den beiden hochgewachsenen Männern automatisch Platz, ein Umstand, der ihrer Ehrfurcht zugeschrieben war. Selbst wenn man nicht wusste, wer und was der Dunkelhaarige war- Menschen empfanden ein Gefühl von Furcht in seiner Nähe, ebenso wie Verzauberung beider maßen gleich geteilt. Zumindest jene, welche von vorne herein einen schwachen Willen besaßen und ihm nahezu binnen Sekunden verfielen. Andere, wenige Ausnahmen dieser Spezies waren etwas schwieriger. Entweder sie waren von den Tugenden der Engel vergiftet oder hatten eine recht starke, aussagekräftige Seele, welche sich gegen die dunkle Versuchung wehrte. Diese Menschen waren sein liebster Zeitvertrieb, es war spannend zuzusehen, wie ein solcher Rohdiamant sich schwarz färbte. Auch wenn der Teufel selbst sich selten um die Menschen persönlich kümmerte, wozu hatte er seine Schattenkreaturen auf Erden. Dennoch, einige Größen hatte er sich selbst angenommen. Shakespeare war einer gewesen. Ein wahrer Meister der Worte und er hatte es sich nehmen lassen können, die schrecklichen Komödien in Tragödien zu wandeln, indem er diesem begabten Schreiber ein Leid nach dem anderen widerfahren ließ. Geschadet hatte es ihm nicht, sein Werk Hamlet allein war eines der Bekanntesten seiner Stücke.

      Während Asmodaeus einige Details mit dem Generalsekretär auf dieser Etage klärte, welche sich lediglich um einige angesetzte Meetings drehten, nahm Lucifer sich die Zeit seine blauen Augen ohne Ziel umherwandern zu lassen. Es war selten, dass die gefiederten Heuchler sich tatsächlich in Bankgeschäfte einklinkten oder diese gar auf ihrem ach so heiligen Boden tolerierten. Geld war nun einmal sein Werk gewesen um die Menschen zu verlocken, die Gier und den Neid in ihnen zu wecken. Und das funktionierte seit der Antike bereits mehr als gut. Dennoch, Gabriel hatte sich dieser Firma warum auch immer angenommen. Mittels dem Vertrag für den Geschäftsführer Clayson hatte Lucifer lediglich die Absicht, genauer in die Geschäfte zu sehen. Geld interessierte ihn nicht. Davon besaß er mehr als jeder einzelne Bänker in Groß Britannien. Es waren lediglich digitale Zahlen welche von einem auf das andere Konto geschoben wurden, die Summen die er dabei besaß verliefen sich auf vierzehnstellige Zahlen, verteilt in der gesamten Welt. Menschen waren so naiv, der Wirtschaftsmarkt würde von vielen geführt werden, dabei stand lediglich der gefallene Engel hinter dem. So viel Unwissenheit in so einem kleinen Körper. Als wären es Kinder, welche nie erwachsen würden.
      "Wir wären soweit, Sir." Asmodaeus Stimme holte ihn aus seinen Gedanken zurück und der Angesprochene nickte lediglich schweigend, ehe sie sich endlich auf den Weg zu ihrem besagten, neuen Geschäftspartner machten. Kaum hatte Lucifer seinen menschlichen Namen genannt wurde die Tür sofort geöffnet und der Führer dieser Bank begrüßte ihn mit einem breiten, wenngleich deutlich nervösen, Lächeln.

      "Mr. Blake, es ist eine Ehre endlich mit Ihnen persönlich sprechen zu dürfen!", begrüßte Clayson ihn ausschweifend und deutete sogar eine Verneigung an. Er war lediglich ein Mensch wie Lucifer mit einem leisen Schnauben feststellte. Er hatte mehr erwartet, wenn der Erzengel Gabriel sich selbst dieser Firma angenommen hatte. Aber gut, leichteres Spiel für ihn. Er hob lediglich kühl für einen Moment seine Mundwinkel.
      "Schön dass der kurzfristige Termin noch für Sie einzurichten war." Seine samtene Stimme ließ keine Nuance einer emotionalen Regung spüren, natürlich hatte der Termin funktioniert. Lucidas Blake ließ man nicht warten, nicht, wenn man Profit für seine eigene Vorteile ergattern wollte.
      "Natürlich, das ist doch selbstverständlich. Bitte, nehmen Sie Platz, Mr. Blake. Möchten Sie etwas zu trinken? Kaffee oder lieber einen Tee?" Lucifer unterbrach die geheuchelte Gastfreundschaft des Mannes mit einer knappen Handbewegung, nahm jedoch an dem weißen Schreibtisch vor den hochgeschnittenen Fenstern platz.
      "Wie Sie wissen haben wir nicht viel Zeit, ehe die Veranstaltung beginnt. Ich würde das Geschäftliche gerne schnellstmöglich klären, über Details können wir später sprechen." Jonathan Clayson nickte und strich sich etwas aufgeregt scheinend über die gegelten, braune Mähne welche hier und da von den ersten grauen Strähnen durchzogen wurde. Der Mann Mitte vierzig nahm ihnen gegenüber Platz während Asmodaeus den Vertrag fein säuberlich vor ihn auf dem Tisch ablegte.
      "Wie besprochen sind alle Details und Klauseln enthalten, um die Sie gebeten haben. Ich habe mir erlaubt noch einige wenige Forderungen zu stellen, immerhin wüsste ich gerne, wem ich meine finanziellen Mittel und wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Verfügung stelle. Ich erwarte diesbezüglich ihre Kooperation." Lucifers Stimme blieb ruhig, seine esigen Augen auf den schlichten, braunen des Bänkers gerichtet, welcher den Vertrag lediglich in einer schweigenden Minute überflog und schließlich nickte.
      "Ich sehe darin kein Problem. Ich bin froh, dass Sie sich unserer Bank annehmen, Sir.", schmeichelte Clayson überflüssigerweise. Asmodaeus reagierte auf den stummen befehl seines Meisters und reichte dem nichtsahnenden Menschen zuvorkommend einen Füllfederhalter, damit er unterschreiben konnte.
      Wie naiv... Menschen waren wirklich bequeme Wesen, wenn er sich nicht einmal die Mühe machte, den Vertrag genauer zu lesen um nach eventuellen... Klauseln zwischen den Zeilen zu suchen. Lucifer war im allgemeinen für seine gnadenlosen Verträge bekannt. Schloss man einmal mit ihm einen solchen ab, gleich ob einfacher Arbeitsvertrag oder einen wie diesen hier, man kam nie wieder heraus. Im Leben nicht und danach noch weniger. Das Kratzen der metallenen Feder erfüllte kurz die Stille. Lucifer besah sich die Unterschrift und alle notwendigen Felder, welche sein gegenüber ausgefüllt hatte. Damit war es amtlich. Dieses Gebäude auf dem verseuchten Boden der Engel gehörte nun ihm. Was Clayson vielleicht in seiner anherrschenden Euphorie entgangen war, schien das winzige Detail zu sein, dass nunmehr Lucidas Blake der amtierende Geschäftsführer seiner kleinen Bank war. Und jeder Zweigstelle, welche er besaß. Den Vertrag überreichte er wieder seiner rechten Hand. Der rothaarige Höllenfürst verstaute ihn sorgfältig, darauf achtend dass die Tinte nicht verschmierte.
      "Nun, auf die neue Partnerschaft unserer Firmen müssen wir dringend heute auf dem Event anstoßen."-"Sofern ich die Zeit dafür finden werde." Wenig begeistert, mit diesem Mann auch nur einen Moment auf diesem verfluchten Ball zu verbringen erhob sich Lucifer wieder.
      "Allerdings würde ich gerne die Gelegenheit dort mit Ihnen nutzen und einiges über ihr Geschäft in Erfahrung bringen. Rein geschäftliche Neugierde, versteht sich." Diesmal umspielte ein Lächeln seine Lippen. So kühl wie seine Haut selbst, doch umgarnend genug dass der Mensch einen Moment benommen blinzelte, ehe er sich beeilte mit einem hastigen "Natürlich!" zu antworten.
      Ein Klopfen an der Tür unterbrach sie. Eine rothaarige Frau steckte vorsichtig den Kopf hinein und wurde etwas blass, als sie Lucifer und seinen Begleiter bemerkte.
      "Louise, wie oft noch: Keine Unterbrechungen wenn ich in einer Besprechung bin!", fuhr Clayson sie sogleich ungehalten an und setzte ein entschuldigendes Lächeln auf, welches an seine Gäste gerichtet war. Doch Lucifer hob lediglich nonchalant seine Hand.
      "Es ist in Ordnung. Wir sind ohnehin fertig. Kommen Sie ruhig hinein, junge Dame." Nahezu charmant gab er dem Menschenweib die Erlaubnis einzutreten und ihre Wangen nahmen einen ähnlichen Ton wie ihre Haare an, als sie ihn einige Augenblicke nahezu verlangend anstarrte. Mh, eine Frau des eher schwächeren Willens, wenngleich ihre Aura noch eher zu den der helleren Seelen gehörte. Asmodaeus verkniff sich ein wissendes Grinsen und erlaubte es sich, die Tür für die Dame zu öffnen, welche eine offenbar nur zu bekannte Begleitung dabei hatte. Beinahe hätte der rothaarige Dämon aufgelacht. Lucifer blieb jedoch ungerührt und würdigte dieser Kratzbürste einer blonden Frau nur einen kurzen musternden Blick. Wenigstens trug sie diese schrecklichen Schuhe nicht mehr.
      "Ah, meine Begleitung. Die Damen, der Ehrengast des heutigen Wirtschaftsballs: Lucidas Blake. Bitte zeigt euch von eurer besten Seite.", stellte Jonathan den schwarzhaarigen Mann respektvoll vor und warf dabei Louise ebenso wie dieser Begleitung einen warnenden Blick zu.
      "Der besten Seite, hm?", wiederholte Lucifer nur und blickte dabei in die grünen Iriden der Frau, welche sich nicht gerade vorbildlich benommen hatte. "Das bleibt abzuwarten.", fügte er süffisant hinzu.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Claire Davis

      Die hübsche Blonde folgte auf noch etwas wackligen Fuße der Sekretärin zurück ins Empfangszimmer. Noch einmal drehte sich Louise zu ihr um. Sie lächelte zufrieden ehe sie zur Tat schritt. Vorsichtig versuchte sie die Lage im Büro zu spähen. Etwas unbeholfen wie Claire fand. Unbeholfen aber niedlich. Nach einigen Hin und Her öffnete man den beiden Damen die Tür. Erblicken konnte die Schöne einen Mann, dessen Bekanntschaft sie bereits kurz im Fahrstuhl gemacht hatte. Die Blondine schnaubte den Rotschopf nur kühl an, sie hob so gleich die süßen wenn auch wohlgescheungene Nase. Natürlich traf sie auf die zwei hochnäsigen Rüpel. Während Louise äußerst angetan von den Herren schien, bliebt Claire kühl und distanziert. Jedoch hatte sie nicht vor einen Spruch mit ihrer spitzen Zunge zum Besten zu geben. Noch nicht.
      Mister Clayson nährte sich den beiden jungen Frauen an und begann zu gleich damit die Herrschaften einander vor zu stellen. Jedoch kam es der Schönen so vor als wäre es eine Art Verkaufsgespräch so wie er den Schwarzhaarigen anpries. Als dieser seine Stimme erhob blickte Claire von seinen Begleiter zu ihm herüber. Er schien das Inbegriff von Schönheit, keine Frage mit den langen dunklen Haare der hellen Haut und diesen unglaublichen blauen Augen. Vor allem diese Augen ... und dazu noch von guten athletischen Wuchs. Kein Wunder das sein Anblick Louise so in Verzückung brachte. Für die Blondiene war es von wahrlich Kleider Bedeutung. Schönheit war vergänglich und nun mal nicht alles. Dennoch fand auch sie sich schon seit einigen Zeit in diesen eisblauen Augen wieder. Claires Blick war weder voller Verlangen noch von Hass gezeichnet. Ihr Blick war eigentlich recht leer vielleicht etwas bestimmt. Es schien ihr als würde sie in diesen Augenpaar etwas suchen aber sie hatte noch immer nichts ausmachen können. So blieb ihr wohl vorerst verwehrt was sie suchte oder warum sie es in seinen Augen erwartete. "N-nun denn... die- die Limousine wartet Sir. Wenn sie wünschen kann es los gehen." Murmelte Louise noch sichtlich angetan aber nicht mehr ganz so benommen. Clayson blickte zu seinen erhabenen Gästen dann zu der hübschen jungen Dame, die ihn begleiten sollte. "Ja. Wir sind hier fertig und sollten aufbrechen." Er war ja immer noch in den festen Glauben gemeinsam mit den Herren zu erscheinen. "Meine werten Heeren..." Clayson verabschiedete sich. "Die Dame." Der Geschäftsmann hielt der Blonden seinen Arm entgegen so, das sie sich einhacken konnte. Nach den üblichen Tamtam begab man sich endlich auf den Weg. Während der Fahrt sprachen sie kaum. Natürlich gedachte Clayson Claire mit einen zufriedenen Blick, wollte sonst aber kaum etwas von seinen lebendigen Juwel wissen. Lediglich ihren Namen. Das Wirtschaftsevent fand im Painter's Hall - The Livery Hall statt. Das historisches Gebäude mit samt seinen großen Saal war auch so schon beeindruckend doch für dieses Festlichkeit hatte man jeden Quadratmeter penibel herausgeputzt. Am Eingang hatte Clayson einige Hände zu schütteln von der Schönen erwartete man dabei nur ein bildhübsches Lächeln. Iegendwann dann drückte man ihr ziemlich beiläufig ein Glas mit feinsten Champagner in die Hand. Clayson leerte seines mit einen Zug als er bemerkte das seine Ehrengäste noch immer nicht da waren. In all den Glanz und blinden Schein fühlte sich die Blondine gar nicht wohl. Es war ein einziges Trauerspiel aber man erwartete, das sie immer hübsch lächelte. "Ähm ... ich bin etwas unpässlich Verzeihung. Ich werde.... einfach noch einmal kurz an die frische Luft...ja? Ich bin gleich wieder da." Verabschiedete sie sich doch etwas unbeholfen aber charmant. Sie wollte nur noch raus hier. Wenigstens für einen kurzen Moment. Sonst würde sie noch durchdrehen.


      “If you were happy every day of your life, you wouldn’t be a human. You’d be a game show host.”
    • Lucifer| Lucidas Blake

      Seufzend lehnte sich Lucifer in dem ledernen Sitz der Limousine zurück. Natürlich war diese respektlose Sterbliche die Begleitung Claysons. Das sah ihm ähnlich, er unterschied sich nicht wirklich von der Allgemeinheit der Menschen, welche ein wenig mehr Macht in ihren Händen hielt. Oberflächlich, berechenbar und in allem Maße einfach nur lachhaft. Trotzdem, er hatte was er wollte und hatte sich demnach nur ruhig verabschiedet. Der Vertrag war unterzeichnet, der Sterbliche hatte damit seinen Pakt besiegelt und seine Seele gehörte früher oder später ihm. Ebenso wie das Gebäude der Bank und damit der Einfluss auf das Territorium der Engel. Soweit so gut... Nun hieß es, diese lächerliche Veranstaltung hinter sich zu bringen ohne sich gleich zu Tode zu langweilen. Es war wirklich fürchterlich mühselig... Lucifer hatte auch recht wenig Lust, sein Gesicht dort überhaupt zu zeigen. Aber dieses Leid hatte er nun einmal als mächtigster Geschäftsmann zu tragen. Seine eisigen Augen sahen teilnahmslos nach draußen während der Fahrt, wobei er nicht umhin kam eine kleine Detour einzulegen, um den eben unterschriebenen Vertrag in seiner Firma unterzubringen und ganz nebenbei in einen neuen Anzug zu wechseln. Der andere war dank dem vorlauten Frauenzimmer ja besudelt und seine Kräfte für eine derartige Lappalie zu verschwenden war in seinen Augen unnötig, geradezu verschwendet. Asmodaeus wartete in dem Wagen während Lucifer den vertrag mit Clayson in aller Seelenruhe abheftete und sich einen der anderen Anzüge zuwandte. Der Großteil war in dunklen Tönen gehalten. Nahezu dominierte Schwarz seinen gesamten Kleiderschrank, wobei sich hier und da auch dunkle Blautöne verirrten, welche er zu gesonderten Anlässen trug. Aber für diesen kleinen Wirtschaftsball tat es ein einfacher, dunkler Anzug. Die Qualität stellte zumeist eh die schrecklich auf designten Kleider der anderen in den Schatten. Statt auf lächerliche Verzierungen legte der Teufel lieber Wert auf einen guten Stoff und perfekte Maße. Für ihn selbst war es kein Leichtes, einen geeigneten Schneider und zugehörigen Designer zu finden, der für seine hohe und doch nicht übermäßig muskulöse Gestalt etwas passendes anzufertigen. Einige Namen gab es jedoch auf der Liste jener, denen er seine Arbeitsbekleidung anvertraute. Wenngleich es umständlich war, mit diesen in französisch kommunizieren zu müssen. Nicht unbedingt eine Sprache, welche er gerne anwandte. Allerdings war diese Nation entsetzlich stolz auf ihre nasale Aussprache, was es verbot in normalem Englisch mit ihnen zu sprechen.

      Nachdem er sich umgezogen hatte kehrte er zurück in die dunkle Limousine und mit einiger Verspätung erreichten sie das gesuchte Gebäude. Ein historischer Klassiker für solche Events. Eigentlich eine Schande, diese Hallen mit derart arroganten Menschen zu beschmutzen. Dieser Ort nannte sich nicht umsonst Painter's Hall. Die Bilder an den Wänden waren ein halbes Vermögen wert und durchaus von einigen bekannteren Malern erstellt worden, alle im recht altertümlichen Stil der Ölmalerei, welche Lucifer durchaus zu schätzen wusste. Er liebte die früher getätigten Arten der Kunst. Das, was die Menschen heute als Kunst bezeichneten war mehr als lachhaft. Es fehlte dem an Leidenschaft, Können und Technik- auf jeder Linie. Es gab Kurse, wie man mit Grafit zeichnete, gab abstrakte Kunstwerke dessen Sinn sich niemanden erschloss, der nicht auf die Hilfe von irgendwelchen bewusstseinserweiternden Substanzen zurückgriff. Und ausgerechnet in einem haus voller Geschichte kippten sich alte Firmenmogule überteuerten Champagner hinein. Was für eine Schande, durch und durch.
      "Diese Veranstaltungen werden von Jahr zu Jahr teurer und nichtssagender, nicht wahr?" Asmodaeus erhob seine Stimme erstmals, als sie vor der dunkelblauen Eingangstür zum Stehen kamen. Von Außen schien das Gebäude nichts besonderes. Neu sanierte, weiße Wände, die alten Bogenfenster von früher waren durch rechteckige Verwandte ersetzt worden. Einzig das Wappen über der Tür und die blaue Flagge, welche den Namen des Gebäudes preisgab, sprach noch ein wenig von dem ,was dieses Gebäude einst war. Wobei das Original leider 1666 verbrannt, die eigentliche Halle welche damaligen König Henry VIII gesponsert wurde. Das heutige Gebäude kam dem alten wohl kaum gleich, dennoch hatte man den Grundgedanken der Kunst dieser einstigen Zusammenschlüsse der Künstler von Metall, Holz und Tierhäuten hier bewahrt. Oder man hatte es versucht, Lucifer empfand es eigentlich als Schandfleck. Immerhin war es jetzt nicht mehr als ein Eventträger für jede Party, welche die nötigen Mittel besaß, sich die drei Hauptsäle leisten zu können.
      "Was erwartest du? Selbst einige unserer Sippe scheinen sich dem hinzugeben..." Lucifer sah unauffällig zu einer vollbusigen Schönheit mit dunklem Haar. Eine Dämonin von nicht allzu hohem Rang, welche sich in einer recht erfolgreichen Marketing-Firma hielt. Sie lachte und künstelte perfekt das Interesse gegenüber den menschlichen Männern, welche natürlich nur an ihren neuen strategischen Mitteln der Werbeagentur interessiert waren. Dem Teufel entwich ein verächtliches Schnauben ehe er unbeirrt an ihr vorbeiging und endlich den Saal der heutigen Veranstaltung betrat. Er war mit Asmodaeus der Letzte auf der Gästeliste, der erschien. Und das obwohl er der eigentliche Ehrengast sein sollte, was den Schwarzhaarigen jedoch herzlich wenig interessierte. Er tauchte auf wann er es für richtig hielt. Und nicht, wenn irgendwelche Menschen ihn erwarteten. Sie konnten die Minuten warten und sich in Geduld üben, etwas, was für ein altes Wesen wie ihn nichts schweres darstellte. Er hatte Zeit. Und so wichtig war dieses Event nun auch nicht.

      Sogleich wurde er von Clayson begrüßt, dazu gesellten sich einige andere, nichtssagende Gesichter doch er schritt desinteressiert mit kühlem Nicken an ihnen vorbei und widmete sich lieber den wichtigeren Partnern seines Geschäftes. Darunter waren durchaus einige infernalen Rassenvertreter dabei, welche ihn mit der gewohnten Ehrfurcht begrüßten. Doch auch wenige Menschen, in denen der Gefallene durchaus Potential entdeckt hatte, nutzten die seltene Chance mit ihm einige Worte zu wechseln. Sein eigentlicher Hauptgrund des Besuches hatte eine zu große Vorliebe an dem teuren Schaumwein und genervt darüber entschied er sich, Jonathan vorerst zu ignorieren. Mit einem stummen Nicken ab er Asmodaeus die Erlaubnis, sich selbst auf der Feierlichkeit umzusehen und einige für ihn wichtige Kontakte zu knüpfen. Der Morgenstern vertraute dem Rotschopf blind, dessen Privileg war sich der Fürst durchaus bewusst und er würde es nicht wagen, es für eine dämliche Handlung aufs Spiel zu setzen.
      Nach einer halben Stunde trat endlich der Veranstalter vor die Anwesenden, um seine Willkommensrede zu halten. Mit den Händen in den Taschen seines Anzugs vergraben lehnte Lucifer mit einem kühlen Blick den Schaumwein ab, welchen man ihm reichen wollte. Er war noch nie ein Freund von dieser Sorte Alkohol gewesen. Er bestellte mit gesenkter Stimme einen Scotch, welcher ihn nahezu weniger Sekunden gebracht wurde. Doppelte Menge, ohne Eis wie er es mochte. Zumindest das Catering war hier gut in ihrem Beruf, immerhin hatten sie sich seine Vorlieben gemerkt.
      Sein Blick ruhte auf dem britischen Unternehmer und zugegeben brillanten Experten auf dem gebiet der Cybersicherheit. Er war ein durchaus erfolgreicher Unternehmer, den Lucifer sich seit seinem Aufstieg zu sich gezogen hatte. Für einen Menschen war er raffiniert, hart arbeitend und auf seinem gebiet ein Ass- Das gab der gefallene Engel gerne zu.
      Die Rede, welche er hielt, war dafür jedoch verhältnismäßig Standard. Es ging lediglich um dieses angebliche Hand-in-Hand in der heutigen Wirtschaft, den Zusammenschlüssen und Fusionen der wichtigen Firmen um die Gewinnspanne zu maximieren, die finanziellen Mittel zu stärken und extensivieren zu können. Wenn dabei ein weiterer Schritt auf internationalen Boden möglich wäre, so würden sich hier einige im Saal gierig die Hände reiben. Doch wenn es um die internationale Reichweite ging war und blieb Lucifer selbst das notwendige Mittel, diesen Erfolg bekunden zu können. Nicht offiziell, selbstverständlich nicht. Doch eine Kooperation mit ihm bedeutete die notwendigen Mittel sowie jene Kontakte zu erhalten, welche das Geschäft expandieren konnten. Zu guter Letzt wurde er namentlich erwähnt, als Dankesbekundung für den Vertrag zwischen Lucifer und der Firma des Gastgebers seit vielen Jahren. Der Dunkle selbst behelligte sich nicht damit, selbst auf die provisorische Bühne zu schreiten. Das war ihm zu viel, zumal er wenig Lust auf Fotografien oder ähnliche Medieneinträge von seiner Wenigkeit hatte. Doch er hob lediglich sein Glas gegenüber dem älteren Mann, welcher ihm wohlwollend zunickte und schließlich nach seiner Ansprache und dem Eröffnen des Abend Buffets sich zu ihm gesellte. Sie sprachen eine kleine Weile miteinander, auf einer respektvollen Ebene von beiden Seiten aus. Lucifer schätzte diesen Mann wirklich und hatte durchaus mit den Gedanken gespielt, ihn nicht als schlichte Seele in seinen Händen enden zu lassen. Ein Dämon seines Ehrgeizes wäre eine angenehme Abwechslung in seinem Reich, aber das...Nun, das hatte sein Vater leider unmöglich gemacht. Zumindest würde Lucifer die ihn auferlegten Grenzen damit deutlich sprengen, was nur allzu deutliche Konsequenzen mit sich tragen würde. Und darauf konnte der Höllenherrscher verzichten, Gottes Anwesenheit war hier definitiv nicht erwünscht.

      Nach einiger Zeit und allen notwendigen Gesprächen stieß der Schwarzhaarige lautlos die Luft aus und leerte seinen Whisky in einem Zug. Seine Augen suchten unauffällig Asmodaeus, konnten ihn jedoch auf Anhieb nirgends entdecken. Vielleicht war er in den Fluren oder in Foyer... Doch ehe Lucifer sich selbst in Bewegung setzen konnte fanden seine Augen die ihm flüchtig bekannten Grünen der blondhaarigen Begleitung Claysons. Fragend zogen sich seine leicht geschwungenen Brauen zusammen und er bemerkte den Bänker laut lachend in einer Traube anderer, sich präsentierenden Menschen. So war das also... Im Allgemeinen wirkte diese Frau auf ihn recht verloren in diesem Kreis. Sie mochte hübsch sein, doch schien sie nicht zu wissen, wie sie sich verhalten sollte und Gespräche führte sie auch keine. Eigentlich seltsam für ein Escort Girl. Normalerweise waren diese Frauen darauf abgerichtet, sich mit derlei Themen und Partys auszukennen. Sie schien das jedoch gar nicht, ihre Haltung war zu steif um nicht zu sagen völlig unsicher. Seine eisigen Tiefen hatten sie nun vollends ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit geschlossen und gelassen trat er auf sie zu, während er jede Handlung und jedes gezwungene Lächeln ihrerseits beobachtete.
      "Für eine Escort-Dame scheinen Sie mir nicht besonders bewandert in diesen Abendveranstaltungen...", erlaubte er es sich, sie anzusprechen. Ohne Hohn oder einem Hauch von Kritik. Nein, es war eine bloße Feststellung.
      "Und ihre Begleitung scheint offenbar ebenso wenig Anstand zu besitzen, wenn er Sie hier alleine lässt." Kurz warf er einen Blick von dem mittlerweile wohl warmen Champagner und gab einem vorbeieilenden Kellner ein Zeichen, ein Wasser zu bringen, ohne dass er es die junge Frau mitbekommen ließ.
      "Berichtigen Sie mich, wenn ich in meiner Annahme falsch liege aber... Sie sind warum auch immer hier hineingeworfen worden, ohne eine Information darüber, was Ihre Aufgabe ist. Ihre eigentliche Aufgabe ist vorhin wohl in der Flut Ihres Kaffees untergegangen." Er zog mit dem Anflug eines beinahe charmanten Lächelns die Mundwinkel nach oben, fragend ob er in seiner Annahme richtig lag. Dabei kam er nicht umhin einen Moment ihre Augen zu betrachten. Sie waren in einem sehr intensiven Grün gehalten, doch ein kleiner, brauner Kreis schloss sich um ihre Pupille. Ein interessantes Farbspiel, das gab er gerne zu. Allerdings hatte er gesehen welches vorlaute Mundwerk sich dahinter verbarg, weshalb sein Blick eher durchdringender Natur blieb und das Lächeln die blauen Tiefen nicht erwärmen würde.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."