You are the music in me ♫ [Mizu&Sheireen]

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    • You are the music in me ♫ [Mizu&Sheireen]

      @_Mizuki

      Nysair Vennán

      Schon als kleines Kind war es mein Traum gewesen, einmal auf einer Bühne vor vielen Leuten zu singen. Als ich schreiben lernte fing ich sofort damit an, eigene Songs zu kreieren und sie meinen Eltern vorzuträllern. Nie hätte ich gedacht, dass mein Traum eines Tages wahr werden würde.
      Mit gemischten Gefühlen blickte ich in die grünen Augen vor mir. Sie starrten mich an. Mir war, als würden sie versuchen mir etwas mitzuteilen. "Sei stark" oder "Tu es endlich", las ich in ihrem Ausdruck. Seufzend wand ich den Blick von meinem Spiegelbild ab und wand mich der Person hinter mir zu. Mara machte mich fertig für die Bühne, indem sie meine Haare frisierte und meine Augenringe mit Schminke überdeckte. Niemanden ging es etwas an, dass ich die letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen hatte.
      "Danke Mara", sprach ich zu ihr und schenkte ihr ein Lächeln. In wenigen Minuten musste ich auf die Bühne und vor tausenden Teenagern meine Lieder singen, während sie kreischten und mitsangen. Natürlich gefiel mir mein Beruf, immerhin hatte ich ihn mir selbst ausgesucht. Allerdings war dies der siebte Abend hintereinander, an welchen ich ein Konzert zu meinem neuen Album gab. Das und die vielen Termine tagsüber forderten langsam aber sicher ihren Preis.
      "Aber gern doch. Dafür werde ich ja bezahlt", zwinkerte sie und verließ den Raum, damit ich mich in Ruhe auf meinen Auftritt vorbereiten konnte. Ein kurzer Blick auf mein Smartphone verriet mir, dass Ingrid mir schon wieder eine Nachricht geschrieben hatte. Genervt entsperrte ich mein Handy, nur um es ganz auszuschalten. Meine Freundin war im Moment jemand, mit dem ich mich nicht beschäftigen wollte. Gähnend und meine müden Gelenke streckend erhob ich mich von meinem Platz und ging raus auf den Flur. Dort herrschte reges treiben, da in einer guten halben Stunde die Show begann. Meine Backgroundtänzer und Tänzerinnen wuselten durch die Gänge, auf dem Weg von der Maske zur Garderobe oder um noch schnell etwas zu essen. Viele grüßten mich, da sie mir heute noch nicht begegnet waren. Freundlich wie immer lächelte ich zurück und wünschte ihnen ebenfalls viel Erfolg beim Auftritt.
      Endlich in meinem Privatraum angekommen schloss ich die Tür hinter mir und blickte mich um. Obwohl ich gerne unter Menschen war freute ich mich im Augenblick alleine zu sein. Dadurch konnte ich meinem Kopf etwas Ruhe und meinem Körper etwas Kaffee gönnen, bevor die Arbeit begann. Natürlich machte es mir Spaß zu singen, aber im Moment waren meine Gedanken bei meiner Freundin und dem Streit, den wir hatten. Schon wieder. Immer müssen wir streiten, aber Hauptsache die Öffentlichkeit darf nichts davon erfahren, da es unserem Ruf schaden würde. Sie benutzt mich doch nur weil ich im Moment erfolgreich bin und sie kein gutes Lied mehr hinbekommt.
      "Scheiße!", entfuhr es mir, als heißer Kaffee auf meine Hand tropfte. Schnell stellte ich die Kanne ab und ging zu einem Waschbecken, um meinen Finger zu kühlen. Ein Moment der Unachtsamkeit und schon fragte ich mich, ob ich noch in der Lage war meine Gitarre zu spielen. Schnell schüttelte ich meinen Kopf. Ich hatte mich nur ein wenig verbrüht, kein Grund um gleich abzuheben. Den Wasserhahn ausschaltend betrachtete ich meinen Finger. Er war etwas zwar etwas rot, sah aber nicht dramatisch verbrannt aus. Mit einem Blick auf die Uhr entwich mir ein weiterer Fluch. Wo war die Zeit nur geblieben? In fünf Minuten begann meine Show. So ein Mist! Schnell ging ich zu meinem Kaffee, goss kalte Milch hinein und trank einen großen Schluck, in der Hoffnung wenigstens etwas wacher zu werden. Anschließend schnappte ich mir meine Gitarre und machte mich auf den Weg hinter die Bühne.

      Dort angekommen warteten bereits ungeduldig die Leute von der Technik, um mich anständig zu verkabeln und mir meine Ohrstöpsel zu geben, damit ich mich selbst singen hören konnte. Von meiner Position aus konnte ich bereits einen Teil des Publikums erblicken. Noch immer bereitete es mir Gänsehaut wenn ich daran dachte, dass die Halle ausverkauft war und mehrere tausend Menschen extra hier waren, nur um mich singen zu hören. Das Introlied war bereits zu Ende und das Publikum wartete geduldig auf mein Erscheinen. Nachdem ich endlich fertig verkabelt war joggte ich mit meiner Gitarre in der Hand auf die Bühne. Sofort fingen alle an zu jubeln, zu kreischen und meinen Namen zu rufen. Ich lächelte und winkte, während ich meine Position einnahm. Die Gitarre um meine Schulter gespannt ging ich an das Standmikro, um allen einen wunderschönen guten Abend zu wünschen.
      "Ich danke jedem einzelnen von euch, dass ihr heute Abend hier seid. Das bedeutet mir wirklich viel. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr heute fleißig mitsingt und diesen Abend unvergesslich macht. Lasst uns loslegen!" Während ich sprach begann im Hintergrund bereits Musik zu spielen, welche immer lauter wurde. Als ich fertig war mit sprechen nahm ich meine Gitarre von meiner Schulter und fing an zu spielen.

      Das Konzert verlief super, die Stimmung war perfekt und alle sangen fleißig mit. Ich konnte sogar teilweise einen Schritt vom Mikro zurück treten und die Menge singen lassen, was immer wieder ein unglaublich atemberaubendes Gefühl ist. Als der Abend sich dem Ende zuneigte spielte im Hintergrund eine langsame Musik, während ich zu dem Publikum sprach
      "Leider ist das Konzert bald vorbei", offensichtliches Missgefallen aus der Menge, "aber ein Lied habe ich noch für euch. Allerdings kann ich das nicht alleine singen, weswegen ich jemanden, der sich traut, auf die Bühne bitte." Hierbei gingen die Lichter an und erlaubten mir Gesichter in der Menge zu erkennen. Mein Blick schweifte über die Personen, welche nah an der Bühne standen. Während viele junge Mädchen irgendetwas brüllten und ihre Hand zu mir ausstreckten, entdeckte ich ein Mädchen, welches nicht so reagierte. Sie stand einfach nur da und schaute mich an. Ich lächelte,, kniete mich hin und reichte ihr meine Hand.
      Wir leben zu sehr in der Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei völlig, die Gegenwart zu genießen.
    • Nanami Han
      Mein Tag begann wie jeder andere. Ich stand 5 Uhr morgens auf, ging duschen und machte mich fertig für die Uni. Absichtlich suchte ich mir Vorlesungen aus, die so früh wie möglich begannen. Zum einen waren diese immer fast leer, zum anderen konnte ich danach noch entspannt zu Arbeit fahren. Und zusätzlich würde ich heute noch auf das Konzert von Nysair Vennán gehen. Da ich nicht in meinen Uni Klamotten zum Konzert wollte, packte ich mir eine kleine Tasche zusammen. Ich legte einen schwarzen highwaisted Rock, Overknees und ein weißes Croptop mit langen Ärmeln hinein. "Wird schon passen..", murmelte ich zu mir selbst und sah auf die Uhr. "Kaffee!", ermahnte ich mich selbst und legte meine Tasche in der Garderobe ab, ehe ich in die Küche torkelte und mir meinen Morgen-Kaffee genehmigte. Leider wäre ich ohne diesen nämlich zu nichts zu gebrauchen. Nachdem der Kaffee meine müden Sinne belebte, schnappte ich mir mein Konzertticket von der Pinnwand, zog meinen grauen Cardigan und die schwarzen Vans an und verließ die Wohnung.
      Es dauerte eigentlich nicht so lange bis zur Uni, doch genau als ich gerade mal drei Stationen mit der Bahn fuhr, gab es auf dieser Strecke einen Unfall. "Liebe Fahrgäste, es tut uns leid aber aufgrund eines Unfalls werden wir die Fahrt nicht weiter führen können.", schnauben und Beschwerden gingen durch die Bahn. Während ich ausrechnete wie lange ich laufen würde, gab ich es auf die erste Vorlesung noch zu schaffen. Stattdessen holte ich mir beim Bäcker ein belegtes Brötchen und spazierte zur Uni. Könnte ich eigentlich öfter machen, vor allem wenn das Wetter so schön war wie heute. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen erreichte ich schlussendlich die Universität und setzte mich in meine anstehende Vorlesung - Tontechnik. Auch wenn ich für das Singen brannte und es wirklich liebte, diese ganzen Fächer drum herum machten mich manchmal wirklich wahnsinnig.

      Nach den Vorlesungen, von denen mir heute tatsächlich nur eine wirklich gefallen hat, fuhr ich zu Arbeit. Scheinbar waren die Götter mir gnädig, denn diese Strecke musste ich nicht laufen. Wahrscheinlich wäre ich zu Fuß auch mehr als eine Stunde unterwegs gewesen. Das Café in dem ich arbeitete, lag in der Nähe der Stadt, meine Universität hingegen am anderen Ende. Während der Fahrt stimmte ich mich auf den heutigen Abend ein und machte mir das neuste Album von Nysair Vennán auf Spotify an. Ich musste schmunzeln, denn es war gar nicht so einfach den Impuls mitzusingen zu unterdrücken. Die Fahrt kam mir heute ziemlich kurz vor, denn nur ein wenig später öffnete ich die Türen des "Rainforest Cafés". "Hey Nana, alles fit?", begrüßte mich meine Mitarbeiterin Tanja. Ich streckte ihr einen Daumen nach oben entgegen und signalisierte, ich würde mich erstmal umziehen. "Ist gut lass dir Zeit, heute ist wenig los.", erwiderte sie. Wenig los in ihren Augen hieß, dass zwar nicht alle Tische belegt waren, die Kunden jedoch oft etwas bestellten. Heute waren also so ziemlich nur die Stammkunden hier.
      Nachdem ich in den Mitarbeiter Bereich ging, öffnete ich meinen Spind in dem meine Arbeitsuniform hing. Während ich mich umzog sang ich leise eines von Nysairs Liedern. Scheinbar etwas zu laut, denn mein Chef klopfte an die Umkleide der Frauen, "Es ist doch noch nicht Freitag Nanami, heb es dir bis dahin auf.", scherzte der grauhaarige Mann mittleren Alters. Kichernd band ich mir die Haare zu einem Pferdeschwanz und ging nach vorne. Nachdem ich auch Tanja mit einer ordentlichen Umarmung begrüßt hatte, konnte die Arbeit starten. Tatsächlich verlief alles weniger stressig als sonst, zum Glück, sonst wäre ich auf dem Konzert wahrscheinlich der reinste Zombie.

      Da ich nach meiner Schicht noch etwas Zeit hatte, fragte Tanja ob ich mit ihr einen Happen essen gehen würde. "Klar gerne, wieder zu Ramen In?", fragte ich sie und ihr Blick sprach Bände. Wir gingen gerne nach der Arbeit auf ein Süppchen, es tat einfach gut. Ich zog statt meiner vorherigen Klamotten, die Kleidung für das Konzert an, kuschelte mich in meinen Cardigan und ging mit meiner Kollegin etwas essen.

      Und nun war es endlich soweit, die Schlange vor der Halle war riesig, doch glücklicherweise war ich schlau genug direkt nach dem Essen herzukommen. Ich würde also noch relativ weit vor kommen. Ich merkte langsam, wie nervös und aufgeregt ich war. Komisch. Es war nicht das erste Konzert, doch es fühlte sich jedes mal aufs Neue so an. Als würde ich mich in ein unerwartetes Abenteuer stürzen. Nach etlicher Warterei schaffte ich es in die erste Reihe. Bereits die Vorband sorgte für ordentlich Stimmung. "Heartless", den Namen musste ich mir einfach merken und der Drummer sah echt gut aus.
      Nach ihrem letzten Song, kam auch endlich Nysair Vennán auf die Bühne. Alle Mädchen fingen an zu kreischen und ihre Hände nach ihm auszustrecken. Etwas, das ich nie verstanden habe. Mir ging es eher um die Musik. Seine Texte drückten genau das aus was ich fühlte, die Melodien verstanden mich. Das ganze Konzert über wippte ich zum Takt der Musik, tanzte und sang aus vollem Herzen mit. Ich fühlte mich einfach frei. Ein Gefühl, das ich nur auf Konzerten hatte. Leider ging es doch aber wieder ziemlich schnell dem Ende zu. Doch er hatte wohl eine Überraschung parat. Er wollte einen Besucher auf die Bühne holen. Meine Augen blitzten auf, doch im Gegensatz zu den anderen, blieb ich still. Es war nicht meine Art mit Gebrüll auf mich Aufmerksam zu machen, abgesehen davon würde ich doch so oder so nicht bemerkt werden. Doch als ich ein entsetztes Schnauben, gefolgt von einem Kreischen hörte, während Nysair sich auf mich zu bewegte, setzte mein Herz kurz aus. Er wählte mich aus. Meine Gedanken überschlugen sich, während ich langsam nach seiner Hand griff. Nysair Vennáns Hand. Sie fühlte sich verschwitzt an und warm. Auf mehr konnte ich mich nicht konzentrieren denn ich stand nun auf der Bühne. Gott warum verhielt ich mich so kindisch. Er war auch nur ein Mensch und ich sang doch selbst. Es würde schon gut gehen. Er kündigte den Song an, sagte mir ich könne mitsingen wo auch immer ich mich bereit fühlte und ich nickte zustimmend. In dem Moment als die Musik anging, schloss ich die Augen und wartete einen Moment, ehe ich harmonisch zu seinem Gesang einstieg. Ein überraschtes Raunen ging durch die Halle, gefolgt von großem Gejubel. Dieses Gefühl auf der großen Bühne zu stehen, überwältigte mich. Auch wenn ich nicht ganz wusste ob die kreischenden Mädchen in der ersten Reihe ich sein wollten oder mich umbringen wollten. Viel zu schnell ging der Song leider zu ende und ich sah Nysair einfach an. Bedankte mich lautlos.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Nysair Vennán

      Zu meinem Glück lies das Mädchen sich von mir auf die Bühne ziehen, denn irgendetwas an ihr sagte mir, dass ich sie unbedingt kennen lernen wollte. Vielleicht war es das Strahlen in ihren Augen oder die Tatsache, dass sie nicht wie die anderen Mädchen kreischend die Hand nach mir ausstreckten, als wäre ich etwas ... Übermenschliches. Das war eines der Dinge, die mich an den Konzerten störten. Immerhin war ich auch nur ein Mensch und nicht besser als sie, nur weil ich hier oben stand und tausende von Menschen mir beim Singen zuhören wollten. Ich lächelte bei diesem Gedanken und lies die Hand von dem Mädchen los, als sie sicher auf der Bühne stand.
      Das Mikro hielt ich erst einmal unten, damit ich sie nach ihrem Namen fragen konnte. Anschließend sagte ich ihr, dass ich gerne You're forever mine singen wollte, da das Lied als Duett geschrieben wurde. Sie nickte und ich wartete bis einer der Techniker mir ein weiteres Mikro gaben, welches ich an sie weiter reichte. Anschließend steckte ich mein Mikro in den Mikrofonständer, nahm meine Gitarre und fing an zu spielen. Der erste Teil des Lieds war meiner, bis sie kurz vor dem Refrain alleine die Bridge singen sollte, damit wir den Refrain gemeinsam sangen. Ich schloss die Augen als ich anfing zu singen, da ich so mehr Gefühl in meine Stimme legen konnte. Als mein Part zuende war und sie dran war öffnete ich meine Augen wieder und hoffte, dass sie singen würde und nicht stumm dort stehen und aus Angst keinen Ton rausbekommen. Das passierte leider häufiger, wenn ich jemanden auf die Bühne holte. Die kreischende Menge, die Bühne und ich überforderten manche Fans und sie verfielen in eine Art Schockstarre.
      Glücklicherweise war dieses Mädchen nicht davon betroffen. Die ganze Halle war still, niemand kreischte oder sagte etwas, als das Mädchen anfing zu singen. Nachdem sie ihre ersten Töne mit uns geteilt hatte ging ein Jubeln durch die Menge, da ihre Stimme unerwartet schön war. Ich zog erstaunt die Augenbrauen nach oben, lächelte und sang mit ihr das Duett. Als das Lied zuende war formte sie ein lautloses Danke und ich lächelte ihr einfach zu. Bevor ich den Abend beendete ging ich ein paar Schritte zu ihr, damit ich neben ihrem Ohr reden konnte, da die Halle weiterhin sehr laut war und sie mich andernfalls nicht verstanden hätte. "Kommst du gleich mit mir Backstage? Ich würde gerne noch weiter mit dir singen", sagte ich ihr und trat wieder ein paar Schritte zurück. Ich hoffte sie verstand es nicht falsch, ich wollte wirklich noch weiter mit ihr singen und sie kennen lernen. Bevor sie jedoch antworten konnte kamen meine Bodyguards und halfen ihr von der Bühne runter. Ich schaute ihr hinterher, bis sie wieder an ihrem Platz stand und nahm das Mikro wieder an meinen Mund.

      Nachdem ich mit einer vorher einstudierten Ansprache den Abend beendet hatte lief Musik, während ich mich umdrehte und in aufsteigendem Rauch von der Bühne verschwand. Nachdem ich Backstage angekommen war übergab ich meine Gitarre einem meiner Mitarbeiter und nahm mir eines der Getränke, welche auf einem Tisch an der Wand standen. Joe, mein Bodygard lief an mir vorbei und ich berührte ihn am Arm. "Hol bitte das Mädchen, mit der ich eben gesungen hatte. Ich habe sie eingeladen. Vielleicht ist sie ja noch da oder wartet nur, dass sie Backstage darf." Joe nickte nur, er war noch nie ein Mann vieler Worte, und ging. Nervös unterhielt ich mich mit meinem Team, doch innerlich wartete ich ungeduldig auf ihr erscheinen.
    • Nanami Han

      Kurz nachdem der Song zu ende war, stand ich einen Moment einfach auf der Bühne und starrte in die Menge. Viele überraschte und freudige Gesichter strahlten mir entgegen. Das wollte ich auch. Dieses Gefühl auf der Bühne zu stehen, so viele Menschen, die einen unterstützen, es war einfach überwältigend. Nicht lange später nahm mir jemand das Mikrofon ab und Nysair lief langsam auf mich zu. Noch viel zu perplex bekam ich nur unterschwellig seine Einladung mit.
      "Backstage", war das einzige Wort das wirklich zu mir durchdrang, doch Zeit sich viele Gedanken darüber zu machen blieb mir nicht, denn schneller als mir lieb war wurde ich von der Bühne eskortiert und stand wieder auf meinem Platz. Mein Herz raste immer noch und meine Hände zitterten leicht. Einige der Mädchen um mich herum gratulierten mir und machten mir Komplimente, andere warfen mir Blicke zu, die mich wahrscheinlich getötet hätten, wenn das so einfach möglich gewesen wäre. Während Nysairs Rede hatte ich die Möglichkeit mich wieder etwas zu beruhigen. Und das hatte ich dringend nötig.

      Nachdem das Konzert endgültig beendet wurde, stieg etwas Rauch von der Bühne auf und wir sahen nur Nysair nach hinten verschwinden, zu diesem Zeitpunkt fingen auch die ganzen Fans an den Saal zu verlassen. Endlich hatte ich etwas Zeit und Ruhe, um zu überlegen was er eigentlich zu mir gesagt hatte. "Sollte ich warten?", murmelte ich mir selbst zu. Ich beschloss es einfach zu machen, ohnehin hatte ich keine Lust von ganz vorne, nach ganz hinten zu laufen um die Halle zu verlassen. Menschenmassen wie diese waren nichts für mich. Tatsächlich dauerte es auch ein paar Minuten bis es soweit leer war, dass ich bereit gewesen wäre zu gehen, doch ein großer Mann, scheinbar ein Bodyguard, kam direkt auf mich zu. Wie ein aufgescheuchtes Reh sah ich ihn kurz an, mit dem Gedanken ich hätte irgendwas verbrochen, doch tatsächlich bestätigte er mir, dass ich vorhin richtig verstanden hatte was Nysair mir sagen wollte.
      "Ich darf Backstage?", sagte ich etwas perplex, doch der Mann nickte nur. Ich hatte sowieso nichts mehr vor, doch nun wurde ich wirklich nervös. Es war eine andere Art von nervös. Trotzdem folgte ich ihm durch eine Tür, welche uns zu einem langem Gang führte. Hier hinter der Bühne war alles recht kalt und farblos, ich hatte mir das irgendwie spektakulärer vorgestellt.
      Wenige Zeit später jedoch öffnete er mir eine große Tür und mehrere Augenpaare starrten mich an. Schüchtern schob ich mich durch die Tür und verbeugte mich leicht. "Hallo, ich bin Nanami, freut mich hier zu sein.", sagte ich leise. Klasse Vorstellung, war ja nicht so als hätte ich Nysair meinen Namen nicht schon vorher verraten.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Nysair Vennán

      Nachdem Joe aus meinem Blickfeld verschwunden war begab ich mich in meine Garderobe, in welcher ich mich umzug. Auf der Bühne war es sehr warm gewesen und ich wollte andere Klamotten anziehen, bevor ich mich in den Gesellschaftsraum begab. Überlichweise saß ich mit meinem Team nach einem Auftritt noch zusammen und wir unterhielten uns, hielten Rücksprache was gut lief, was nicht so gut lief und was uns am heutigen Abend gefallen hatte. Ich musste lächeln, als ich an das Duett mit dem fremden Mädchen dachte und hoffte, dass wir noch einmal zusammen singen würden. Ihre Stimme harmonierte perfekt mit meiner, weswegen ich sogar dafür war ein Lied mit ihr aufzunehmen. Vielleicht würde sie dadurch sogar eine eigene Musikkarriere anfangen.
      Schnell schüttelte ich meinen Kopf. Ich kannte sie doch überhaupt nicht, vielleicht wollte sie die ganze Aufmerksamkeit überhaupt nicht. Bevor ich planen konnte ein Duett mit ihr zu schreiben musste ich sie erst einmal kennen lernen und herausfinden, ob das ihren Wünschen entsprach. Vielleicht wollte sie gar nicht bekannt werden, nicht jedem gefiel es dauernd von Paparazzis verfolgt zu werden und sogut wie kein Privatleben mehr zu besitzen. Vielleicht verstanden wir uns gar nicht und können somit keine Zeit verbringen, wer weiß. Schulterzuckend warf ich einen letzten Blick in den Spiegel, bevor ich meinen Raum verließ und mich auf den Weg zum Gesellschaftsraum machte.
      Auf dem Weg dorthin begegneten mir viele Menschen, welche für mich arbeitete und mir für den erfolgreichen Abend gratulierten. Ab und zu kommt es leider vor, dass das Konzert von einem Fan gestört wird oder ich ausrutsche und mich verletze. Bei Letzterem setze ich allerdings ein Lächeln auf und singe einfach weiter. The show must go on, right? Bisher kam es sogar einmal vor, dass meine Klamotten feuer gefangen hatten. Zum Glück fiel das meinen Bodyguard sofort auf und sie löschten das Feuer, bevor es Schaden anrichten konnte. Abgebrochen hatte ich das Konzert deswegen nicht, allerdings brauchte ich danach eine kurze Pause um mich von dem Schock zu erholen. Das interessante dabei war, dass ich so in meiner Musik versunken war, dass ich es nicht einmal bemerkt hatte.
      Die große Tür aufstoßend betrat ich den Raum, in welchem sich bereits zahlreiche Menschen versammelt hatten. Die meisten kannte ich, wenn auch nicht alle. Viele meiner Tänzer saßen auf den Sofas oder standen mit Getränken in der Hand im Raum, während sie sich unterhielten. Ein paar der Techniker kannte ich auch, sowie das Team, welches sich um die Organisation kümmert. Zu meinem Überraschen erblickte ich meinen Manager Stephen in der Menge, welcher sich gerade mit einem meiner Personenschützer unterhielt. Unser letztes Gespräch verlief nicht gerade rosig, weswegen ich ihn hier nicht erwartet hätte und im Moment auch keinen Nerv hatte den Streit weiter zu führen. Deshalb entschied ich mich ihn zu ignorieren und geradewegs auf eine Couch zuzusteuern, auf welcher mein bester Freund Ben saß. Als er mich bemerkte unterbrach er sein Gespräch mit einem der Tänzerinnen und grüßte mich.
      "Hey alter, tolles Konzert", lobte er mich, während er mir die Hand reichte und wir unsere Schultern zur Begrüßung zusammenstießen ließen. Ich lächtelte, während ich mich neben ihn auf das Sofa setzte. "Danke, aber was machst du hier? Ich dachte du studierst in London", wollte ich von ihm wissen.
      "Darf ich meinen besten Freund denn nicht zu seinem Geburstag überraschen?" Er setzte ein schelmisches Grinsen auf.
      "Ohje, was hast du getan?" So wie ich ihn kannte hatte er als Überraschung entweder etwas dummes oder etwas gefährliches geplant. Ben war noch nie jemand, der etwas simples schenkte. Es waren eher extreme Dinge wie ein Fallschirmsprung alleine oder schwimmen mit Haien ohne Sicherheitskäfig. Total irre. Mit skeptischem Blick betrachtete ich sein Grinsen, welches immer breiter wurde. "Ich glaube ich will es gar nicht wissen...", entgegnete ich ihm, woraufhin sein Grinsen verschwand.
      "Ey alter, wir sind keine Kinder mehr und auch nicht mehr die Jüngsten." Ich lachte, denn wir waren gerade einmal anfang 20. "Ich hab uns ein Dinner im Dunkeln besorgt, was sagst du dazu?" Nun musste ich doch lachen. Essen im Dunkeln? Das hatte ich von ihm wirklich nicht erwartet.
      "Nagut, ich bin dabei. Aber wie kommst du auf etwas so harmloses? Normalerweise bist du doch ein bisschen mehr.... extrem." Skeptisch zog ich eine Augenbraue nach oben. Vielleicht verschwieg er mir wichtige Informationen über das Essen im Dunkeln, wie das wir es in einem abstürzenden Flugzeug machen oder was auch immer. Zutrauen würde ich es ihm.
      "Ich... ich habe mich verlobt", brachte er zögernd hervor und zeigte mir seinen Ring. Staunend betrachtete ich seine Hand, an der sich tatsächlich ein Ring befand. "Glückwunsch!", entgegnete ich ihm und ließ mir daraufhin alles ins kleinste Detail von ihm erzählen. Gerade als er mir ein Foto von seiner Zukünftigen sein wollte ging die Tür auf und Joe kam herein, gefolgt von dem Mädchen, mit welchem ich zuvor auf der Bühne ein Duett sang. Augenblicklich verstummte der Raum und alle Augenpaare richteten sich auf sie.
      "Hallo, ich bin Nanami, freut mich hier zu sein.", sprach sie so leise, dass es kaum hörbar war. Wären nicht alle Gespräche beendet worden hätte man sie vermutlich nicht verstanden.
      "Hey!", rief ich ihr zu und winkte, damit sie mich in dem gut gefüllten Raum finden konnte. Kurz darauf gingen die Gespräche im Raum ganz normal weiter. Ich wartete, bis sie sich zu mir setzte um ihr meinen besten Freund vorzustellen.
      "Hey Nanami, meinen Namen kennst du ja", ich lachte nervös, "und das ist Ben, mein bester Freund. Wir treffen uns absichtlich nicht Öffentlich, da er keine Lust hat dauernd von meinen Fans oder Paparazzi verfolgt zu werden." Ben hob zur Begrüßung kurz seine Hand und lächelte, woraufhin er stolz seinen Ring zeigte und dabei anfing breit zu grinsen. Anscheindend wollte er sein Glück jedem unter die Nase binden. Ich schüttelte unmerklich den Kopf, da ich an Ingrid denken musste. Nie im Leben würde ich ihr einen Antrag machen, mit ihr wollte ich nicht den Rest meines Lebens verbringen.
      "Alter, was ist los?", riss Ben mich aus meinen Gedanken. Unbemerkt war ich in meiner eigenen Welt versunken und vergaß wo ich mich befand. "Ähm, nichts, alles gut.", entgegnete ich ihm und wand meinen Blick wieder Nanami zu.
      "So, jetzt bin ich aber neugierig. Singst du öfters? Das klang nämlich ziemlich gut und Lampenfieber hatte ich dir auch nicht angesehen. Standest du schon öfter auf einer Bühne?" Bevor ich sie weiter mit Fragen löcherte wartete ich erstmal, bis sie die eben gestellten beantwortete und eventuell etwas von sich aus erzählen würde. Gespannt schaute ich sie an. Das ich ein Duett mit ihr singen wollte behielt ich erst einmal für mich, immerhin konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, ob wir uns gut verstehen würden oder ob ich sie vielleicht gar nicht leiden konnte. Das würde sich erst im Laufe des Abends herausstellen, wenn wir uns etwas unterhielten.
    • Nanami Han

      Als ich eben noch an meinem Platz stand und realisierte, was es bedeutete in den Backstage Bereich zu dürfen, hatte ich nicht damit gerechnet, dass dort SO viele Leute sein würden. Etwas verunsichert sah ich zwischen den ganzen Menschen umher, ehe ich seine Stimme vernahm. Langsam bewegte ich mich in seine Richtung, schlängelte mich dabei an zig Leuten vorbei, ehe ich es endlich zum Sofa geschafft hatte. Einen Moment lang fühlte es sich an wie ein Parkourlauf, gefühlt jeder hielt einen Becher in der Hand und ich wollte nicht der Grund sein, weshalb sich jemand sein Getränk über den Leib kippte. Kurz überlegte ich, ob ich mich einfach setzen sollte, aber stehen zu bleiben wäre wohl um einiges merkwürdiger gewesen. Ich lies mich sanft auf einen freien Platz neben Nysair nieder und sah zu ihm, während er mir den jungen Mann neben sich vorstellte. "Hallo Ben, freut mich wirklich.", sagte ich sanft, winkte kurz von meinem Platz aus und lächelte.
      Fast etwas zu schnell hob er seine Hand. Es dauerte einen Augenblick bis ich realisierte, was er mir wohl zeigen wollte. Seinen Ringfinger zierte der wahrscheinlich schönste Männerring den ich bisher gesehen hatte. "Verlobung?", fragte ich lächelnd und erntete als Bestätigung ein stolzes Nicken. "Dann herzlichen Glückwünsch!", sagte ich freudig. Auch wenn ich ihn nicht kannte, sowas war doch immer schön mit anzusehen. Zwei Menschen die sich liebten und ihr Leben miteinander teilen wollten, das war doch so ziemlich dass was jeder wollte oder nicht? Einen Moment dachte ich an meine letzte Beziehung zurück, die ehrlich gesagt auch schon eine Weile her war, sicherlich zwei Jahre, wenn nicht mehr. Zählte das dann eigentlich? Er war mein erster und bisher einziger richtiger Freund.
      Wir lernten uns damals mit 13 kennen, verliebten uns mit 14 und bis zu meinem 17 Lebensjahr hatte ich die Zeit herauszufinden, dass er ein total toxischer und nicht beziehungsfähiger Typ war. Bens Stimme holte scheinbar nicht nur Nysair aus seinen Gedanken, sondern gleichzeitig auch mich. Etwas erschrocken sah ich die beiden an und musste kurz auflachen. Jetzt bloß nicht komisch verhalten.
      Als Nysair das Wort an mich wandte, fühlte es sich irgendwie so locker an. Obwohl wir uns eben zum ersten Mal sahen. "Ehm ja, ich singe eigentlich schon seit meiner Kindheit, für was größeres hat es aber nie gereicht.", erklärte ich. Halt Stopp Nana, du wirst jetzt nicht anfangen dich selbst hier schlecht zu reden. "Also ich meine, ich organisiere auch kleine Bühnenauftritte in dem Café wo ich arbeite. Im Rainforest, falls es dir etwas sagt. Ab und zu singe ich auch selbst dort.", fuhr ich fort. "Naja, es gibt viele kleinere Künstler, die sonst keine Bühne bekommen würden, also dachte ich, ich leiste viel Überredungsarbeit bei meinem Chef und erschaffe diese Bühne selbst.", beendete ich meinen kurzen Monolog. Machte das Sinn?
      "Vielleicht hättest du Lust uns einen Abend dort zu besuchen?", direkte nach der Frage fuhr ich mir verlegen durch die Haare. Hörst du dir überhaupt selbst zu? Jemand wie er könnte nicht unauffällig einfach im Café sitzen. "Ach weiß du was, tut mir leid das war ne blöde Frage, wahrscheinlich würdest du total überrannt werden.", versuchte ich die Situation noch irgendwie zu retten und lachte etwas unbeholfen. Spätestens jetzt würde er mich für total Panne halten.

      Gerade als ich vom Thema ablenken wollte, einfach damit ich diesen peinlichen Moment vergessen konnte, öffnete sich die Tür des Gemeinschaftsraumes und eine junge Frau trat ein. Schwarze lange Haare, ein beiges Cocktailkleid und dazu passende Louboutins, die wahrscheinlich teurer waren als meine Monatsmiete. Es dauerte einen Augenblick, als ich bemerkte wie Ingrid La-Baqué auf uns zusteuerte. Naja viel mehr auf Nysair. Als würden Ben und ich nicht existieren drückte sie ihren Mund auf den des Sängers. Sein bester Freund und ich warfen uns einen kurzen, aber perplexen Blick zu, gefolgt von einem Grinsen.
      Okay, wenigstens einer dachte, was ich gerade dachte. Sichtlich unangenehm berührt atmete ich schwer aus und strich mir einige Haarsträhnen hinters Ohr, ehe sich der Blick der schwarzhaarigen wie ein Pfeil durch mich durch bohrte. "Liebling, seit wann dürfen Fans hier sitzen, als würden sie zum Team gehören?", fragte sie mit einer gekünstelt hohen Stimme. Ich glaube das war der Moment in dem ich gehen sollte, doch dafür lies mir Ingrid auch keine Chance. "Wärst du so lieb und würdest mir eine Flasche Wasser holen?", ertönte es in meinen Ohren und mir war sofort bewusst, dass ich gemeint war. Wahrscheinlich hätte ich einfach nein sagen können, doch ich wollte keinen schlechten Eindruck hinterlassen, also nickte ich nur lächelnd und begab mich zum großen Tisch, auf dem viele Getränke und Speisen bereit standen.
      Ich hatte keine Ahnung welches Wasser sie wollte, also nahm ich ein stilles, medium und mit viel Kohlensäure und schleppte alles zurück zur Couch. Ich glaube die Sympathien bei Ben und mir waren bereits so verteilt, dass er mir signalisieren wollte, dass ich besser aufpassen sollte bei der Frau. Verwirrt sah ich ihn an, doch er erwiderte nur mit einem seichten Lächeln. "Hier bitteschön.", sagte ich sanft und hielt die Flaschen hin, die Ingrid genausten musterte, ehe sie antwortete. "Oh, danke, aber ich habe doch keinen Durst. Stell sie einfach ab ja?", bemerkte sie kurz an und lächelte mir ins Gesicht. Nichts lieber als das. Im Fernsehen und auf der Bühne machte sie immer das liebe und süße Mädchen, aber ich sollte noch herausfinden, dass sie es faustdick hinter den Ohren hatte.
      - Help me forget that this world is so cold
      I don't even know what I'm chasin' no more -

    • Nysair Vennán

      Während der Unterhaltung mit Nanamim saß ich im Schneidersitz auf dem Sofa. Zum einen war dort genug Platz um so zu sitzen und sich nicht gegenseitig auf die Pelle zu rücken und zum anderen fand ich diese Position sehr bequem. Als sie erzählte, dass ihre Stimme für etwas größeres nie gereicht hatte schnappte ich erschrocken nach Luft, doch bevor ich dazu etwas äußern konnte sprach sie bereits weiter und erzählte mir von kleinen Bühnenauftritten, zu welchen sie mich sogar einlud.
      "Nein Rainforest sagt mir nichts, aber ich kann dich dort gerne mal besuchen kommen." - "Ach weiß du was, tut mir leid das war ne blöde Frage, wahrscheinlich würdest du total überrannt werden.", sagte sie kurz darauf und wirkte recht verlegen. "Für so etwas kann man sich verkleiden. Du kannst gespannt sein, wie gut meine Maskenbildner sind!" Ich lachte und hoffte damit ihrer Verlegenheit etwas entgegen zu kommen.

      Gerade als ich sie fragen wollte, ob sie Lust hatte mir mir zu singen ging die Tür auf und der Mensch, den ich am Wenigsten sehen wollte stolzierte herein. Meine wundervolle Freundin Ingrid la Baqué. Ihr Auftritt ließ wie immer die Gespräche verstummen und alle Blicke auf sie richten, denn sie konnte Räumme nicht wie normale Menschen betreten. Nein, sie musste immer etwas extra sein. Anstatt die Tür normmal zu öffnen stieß sie die Tür auf und erzeugte damit einen lauten Knall, wodurch viele sich erschrocken umblickten um die Ursache der Störung auszumachen. Nachdem sie die Popsängerin erblickt hatten verdrehten viele unmerklich die Augen und wandten sich wieder ihren Gesprächen zu, allerdings beobachteten sie Ingrid aus dem Augenwinkel. Das sie ihr war bedeutete Stress und vermutlich würde es wieder in einem Streit enden. Zuletzt sah ich sie vor ein paar Tagen und wie so oft stritten wir. Unsere Beziehung war eigentlich schon vorbei, aber für die Öffentlichkeit wahrten wir den Schein. Warum genau weiß ich mittlerweile auch nicht mehr, vermutlich wollte sie nicht als Versagerin dastehen. Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte kam sie auf mich zu und drückte ihren Mund auf den Meinen. Das ging so schnell, dass ich keine Zeit zu reagieren hatte. Stattdessen blickte ich sie verwirrt an. Natürlich, den Schein wahren. Immerhin saß ein Fan neben mir. Unbewusst verschränkte ich die Arme vor meiner Brust und verspannte mich. Als ich sie das letzte Mal sah sagte ich ihr eigentlich deutlich, dass ich sie erst einmal nicht mehr sehen möchte und schon gar nicht an meinem Geburstag. Allerdings waren ihre meine Bedürfnisse egal, wie so oft in unserer Beziehung.
      "Hallo Ingrid", sagte ich und betonte ihren Namen extra so, als wäre er etwas schlechtes. Seit bestimmt einem Jahr gaben wir uns keine Kosenamen mehr, außer bei offiziellen Interviews oder wenn Paparazzis in der Nähe waren. Im Privaten nannte ich sie immer Ingrid, da sie weder mein Schatz noch mein Liebling war. "Das ist mein Backstage Bereich, nicht deiner. Nur weil du dir zu fein dafür bist deine Fans kennen zu lernen gilt das noch lange nicht für mich. Zudem hast du nicht zu bestimmen, wen ich bei meiner Show Backstage einladen darf, und wen nicht." Ich war sichtlich wütend und steigerte mich immer mehr rein. Allein ihre Aura war streitsüchtig, wie immer.
      "Wärst du so lieb und würdest mir eine Flasche Wasser holen?", sagte sie plötzlich und ich ging davon aus, dass sie einen der Assistenten meinte, die für solche Aufgaben eingestellt wurden. Doch sie sprach Nanami an, was noch mehr Aggressionen in mir hervorrufte. Was bildete sie sich eigentlich ein? Noch bevor ich Nanami am Arm packen und sie davor abbringen konnte Ingrid zu gehorchen wie ein Schoßhündchen war sie bereits ihrer Bitte nachgegangen und hatte sich zu dem Getränketisch begeben. Mit funkelndem Blick sah ich Ingrid direkt in ihre spöttischen Augen. Sie hielt sich für die Größte, was sie immer wieder andere wissen ließ. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie Ben mit Nanami wortlos kommunizierte und ich hoffte, dass er mir beistehen würde, sollte es wieder in einen Streit ausarten, was sehr wahrscheinlich gleich passieren würde. Als Nanami mit mehreren Wasserflaschen in den Händen wiederkam stemmmte Ingrid eine Hand in die Hüfte und spielte mit der anderen an ihrem langen Haar herum. "Oh, danke, aber ich habe doch keinen Durst. Stell sie einfach ab ja?", wobei sie noch die Dreistigkeit hatte ihr ins Gesicht zu lächeln. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Der Hass in mir auf Ingrid hatte sich viel zu lange angestaut und nun war der Punkt erreicht, an dem ich ihn nicht mehr kontrollieren konnte.
      "Was bildest du dir eigentlich ein?!", sagte ich sehr laut und stand auf. Augenblicklich verstummten alle Gespräche im Raum erneut und sämmtliche Augenpaare drehten sich zu uns um. Erschrocken blickte Ingrid mich an, da ich ihr noch nie vor so vielen Menschen meine Meinung gegeigt hatte. Normalerweise verlegten wir unsere Streitereien auf privatere Situationen in welchen wir zum Großteil alleine waren, da unsere Personenschützer oft in der Nähe waren. Doch mir reichte es. Im Moment war es mir egal, wieviele Personen sich in diesem Raum befanden und gegebenenfalls sogar unseren Streit filmen würden. Ich hatte endgültig die Schnauze voll von ihrem Verhalten und ihrer Weltvorstellung, dass sie die Größte sei und sich alles nur um sie drehte.
      "Nur weil du ein paar Songs rausgebracht hast, die eigentlich nicht einmal für dich geschrieben wurden, kannst du dich nicht aufführen als wärst du die wichtigste Person auf der ganzen Welt! Falls es dir nicht aufgefallen ist gibt es noch andere Menschen, deren Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle ebenfalls von Bedeutung sind und nicht immer alle für dich arbeiten oder deine Füße küssen. Außerdem habe ich dir klipp und klar gesagt, dass ich im Moment nichts mehr von dir hören will, schon gar nicht an meinem Geburstag!" Unbemerkt war ich immer lauter geworden und vermutlich sogar im Gesicht rot angelaufen. Mir war es sowasvon egal, was mein Team jetzt von mir hielt. Vermutlich hatten sie bereits geahnt, dass zwischen mir und Ingrid nicht alles rosig ist.
    • Nanami Han

      Die Spannung in der Luft war deutlich zu spüren, seit Ingrid den Raum betreten hatte. Ich wusste nicht recht ob die Leute Respekt vor ihr hatten oder ihnen das ganze schlichtweg egal war. Was ich aber wusste, dass es mir und den Menschen innerhalb der letzten zwei Meter um sie herum deutlich unangenehm war. Nysairs Stimmung veränderte sie schlagartig, als er seine Freundin sah. Offenbar gab es da wohl so einige Konflikte von denen Fans nichts mitbekamen. Schließlich war das auch ziemlich intim und privat.
      Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass er mich, eine gewöhnliche Person, vor seiner Freundin verteidigen würde. Meine Augen weiteten sich etwas, als der junge Mann lauter wurde und sich vor der Popsängerin aufbaute. Es war überfordernd. Ich ging einige Schritte zurück, bis ich bemerkte wie Ben mich noch etwas nach hinten schob, ehe er selbst einige Schritte auf die beiden zu machen. "Ingrid, willst du nicht lieber gehen?", fragte er mit Nachdruck. Offensichtlich versuchte der beste Freund des Sängers wenigstens etwas zu deeskalieren. Natürlich rechnete keiner mit der Reaktion der schwarzhaarigen.
      "Nein, ich möchte nicht gehen! Ich wollte Nysair an seinen Geburtstag ausführen und was finde ich vor? Ihn und diesen Fan da.", sie warf mir einen tödlichen Blick zu. "Kleine denkst du wirklich, er hätte Interesse an dir? Meinst du, du bist die erste die er hierher gebracht hat?", fragte sie mich und am liebsten hätte ich geantwortet, doch was sollte das bringen? Ich hatte keine Lust auch noch per Sicherheitsdienst aus dem Gebäude eskortiert zu werden. "Nysair, Liebling.", betonte sie extra, "Wollen wir das nicht vergessen und uns ein bisschen vergnügen gehen? Wie früher?", fragte sie provokant und sah mir dabei schälmisch ins Gesicht. Was erhoffte sie sich davon? Welche Reaktion wollte sie bei mir auslösen? Ich sah rüber zu dem Sänger, der mich erst hierher gebracht hatte und bemerkte die Wut die in ihm aufkochte. Ben flüsterte ihm etwas ins Ohr, doch scheinbar war Nysair geradezu resistent gegen seine Worte. Eine tickende Zeitbombe. Nicht mehr lange und er würde explodieren. Ich kannte ihn noch nicht lange, doch scheinbar schien er jemand zu sein, der seine Gefühle nicht gut überspielen konnte. Vielleicht wollte er es jetzt gerade auch einfach nicht.
      Kurz darauf passierte es und ehe es irgendjemand im Raum ahnen konnte, sagte Nysair seiner - noch - Freundin seine Meinung. Viele Details über die Beziehung fanden ans Licht, Dinge, die ich als außenstehende wahrscheinlich niemals erfahren sollte. Und ehe ich mich versah machte die junge Frau einige Schritte auf mich zu und stellte sich neben mich. "Du spielst dich doch nur wegen ihr hier so auf! Guck sie doch an, sie ist ein nichts!", brüllte sie mir beinahe ins Ohr.
      Das wars. Ich ging einen Schritt zur Seite und sah die schwarzhaarige an. "Ein niemand der wenigstens Charakter und Respekt vor den Gefühlen anderer Leute hat.", sagte ich ruhig und ehe ich mich versah, spürte ich wie meine Wange heiß wurde. Ein klatschen, gefolgt von einem geschockten Raunen durchfluteten den Raum. Hatte sie mich gerade?
      Ich rieb mir kurz die Wange, strich mir die Strähnen wieder hinters Ohr die bei dem Schlag in mein Gesicht gefallen waren und atmete tief durch. Diese Frau war einfach nur bitterlich frustriert. Die Leute im Raum hatten ihren Blick auf mich gerichtet, wartend auf meine Reaktion. Ich würde Ingrid nicht die Genugtuung geben, vor versammelter Mannschaft in Tränen auszubrechen oder schmerzen zu zeigen. Ich lächelte es einfach weg, so wie vieles in meinem Leben. Aber man, diese Frau hatte aber auch einen Schlag drauf.
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    • Nysair Vennán
      Ben schritt ein um zu helfen, jedoch hatten seine Worte nicht die gewünschte Reaktion. Anstatt sie zu besänftigen wurde sie eher wütender und plusterte sich noch mehr auf als ohnehin schon. Als wäre sie ein Tier, in dessen Gebiet man unerlaubt eingedrungen war und sie sich verteidigen müsste. Sie geht mir wirklich auf die Nerven.
      "Ich habe dir ganz klar gesagt, dass ich dich an meinem Geburstag weder hören noch sehen möchte", entgegnete ich ihr und schaute sie mit hasserfüllten Augen an. Ohja, im Moment hasste ich sie. Ich wollte, dass sie mich endlich in Ruhe ließ, aber ihr öffentliches Image war natürlich wichtiger als meine Bedürfnisse. Nur damit sie nicht schon wieder singel war und sich direkt einen neuen krallte, womit die Öffentlichkeit sie definitiv als Flittchen dargestellt hätte. Unsere Beziehung ging zwar schon fast ein Jahr, aber über die Hälfte davon hatten wir nur vorgetäuscht. Im Privaten waren wir längst nicht mehr befreundet.
      Noch bevor ich etwas auf ihre bissigen Aussagen erwidern konnte verpasste sie Nanami eine saftige Ohrfeige. Warum genau konnte ich nicht sagen, denn ich war darauf fokusiert mir meine nächsten Worte gut zu überlegen.
      Perplex starrte ich Ingrid an. Ich wusste, dass sie mit Worten sehr ausfällig und verletzend werden konnte. Allerdings hätte ich niemals geglaubt, dass sie gegenüber anderen Handgreiflich werden könnte.

      Augenblicklich kamen Ingrids Leibwächter und packten Nanami an ihren Armen, damit sie sie aus dem Raum zerren wollten. Schnell rief ich "Halt!", woraufhin sie innehielten und mich verwirrt anschauten. Dieses Mädchen hatte offensichtlich ihre zu beschützende Person geärgert, unabhängig von den Umständen die zu der Ohrfeige führten. Bevor sie zurückschlagen konnte wollten die Leibwächter Nanami aus dem Raum entfernen, aber ich wusste das zu verhindern.
      "Joe, zeig Ingrid und ihren Schoßhunden den Ausgang. Sie ist hier nicht länger erwünscht. Lasst sie nie wieder Backstage bei einem meiner Auftritte und sagt alle meine Termine mit ihr ab", teilte ich ihm in einem bemüht ruhigen Ton mit. Sofort kamen er und vier andere große, muskulöse Männer in schwarzen Anzügen um die Popsängerin und ihre Bodyguards nach draußen zu eskortieren. Trotz der Situation brachte ich es immer noch nicht über mich ihr zu sagen, dass sie sich nie wieder bei mir zu melden brauchte. Wobei sie es nach der Aktion vermutlich sowieso nicht mehr tun würde. Obwohl ich die Worte "Es ist Schluss" nicht ausgesprochen hatte war meine Handlung recht offensichtlich, zumindest hoffte ich das. Seufzend strich ich mir über mein Gesicht, nachdem Ingrid den Raum verlassen hatte, wenn auch nicht freiwillig. Endlich war sie weg und ich hatte meine Ruhe. Bevor ich mich an Nanami wenden konnte berührte eine meiner Assistentinnen sanft ihre Schulter und fragte sie, ob alles in Ordnung sei. Ein weiterer Assistent hielt ihr ein Kühlpad hin, damit sie es auf ihre Wange legen konnte, welche bereits anfing sich rot zu verfärben.
      "Tut mir Leid", brachte ich nur hervor und ließ mich auf die Couch fallen. Nach einem langen Tag war so ein Drama wirklich das Letzte, was ich gebrauchen konnte.
      "Wurde auch Zeit, dass du der mal die Meinung geigst", sprach mich Tom an, einer der Tänzer. Ich lächelte matt. Zu welchem Preis? Hätte ich früher mit ihr Schluss gemacht, hätte dafür nicht ein Unbeteiligter leiden müssen. Ich nahm mir vor in Zukunft nicht mehr so lange zu warten, bis ich bei Problemen mit einer Person diese offen ansprach. Vermutlich hätte ich mit Ingrid schon vor ein paar Monaten schluss machen sollen, bevor unsere Art der Kommunikation eskalierte. Dann wäre vermutlich auch keiner verletzt worden.
      Ich lächelte Tom matt zu. "Schätze, das hätte schon viel früher passieren sollen. Nanami, ist alles okey? Deine Wange sieht schlimm aus." Nach dieser Aktion wollte sie womöglich nicht mehr mit mir singen, wobei das Thema Ingrid ein für alle mal durch war.
    • Nanami Han

      Ich war immer noch dabei den Schlag zu verarbeiten, als ich bemerkte wie zwei Männer meine Arme griffen. „Was zum..“, entfloh es mir leise. Dachten diese Männer ernsthaft ich würde mich auf ihr Niveau herablassen und zurück schlagen? Nein, so ein Mensch war ich nicht. Fast schon wollte ich es hinnehmen und würde mich danach sicherlich nie wieder hier blicken lassen oder auf einem Konzert, als Nysair einschritt und meinen Abgang verhinderte. Etwas überrascht beobachtete ich, wie stattdessen seine Bodyguards an mir vorbei zu Ingrid und ihren Handlangern wanderten und diese aus dem Raum führten. Natürlich lies dieses Biest es sich nehmen, mir einen tödlichen Blick zuzuwerfen. Ich musste zugeben, dass es mich schon etwas erleichterte, allerdings würde das ganze wahrscheinlich nachfolgen haben. Welchen Ausmaße vermochte ich mir noch nicht zu denken. Im nächsten Moment spürte ich einen sanften Druck an meiner Schulter, langsam sah ich zu der Frau und nickte auf ihre Frage hin. Ich streckte meine Hand nach dem Kühlpad aus und starrte eine Weile darauf. Ganz allmählich kam das Gefühl ich meiner Wange wieder. Es war ein pochender Schmerz, der schlimmer wurde, wenn ich mein Gesicht verzog. Wenn das Blau werden sollte, wäre es lustig die Geschichte dahinter auf Arbeit zu erzählen. Vorsichtig legte ich das kalte Päckchen auf meine Wange. Gott war das kalt, aber allemal angenehmer als der Schlag eben. Ich lächelte leicht, als Nysair sich entschuldige und setzte mich neben ihn auf die Couch. Scheinbar wussten hier viele um die Probleme von dem Paar, denn direkt sprach einer der Tänzer den jungen Mann an. Oh man, schrecklich wenn ich daran dachte, was er mit ihr durchgemacht haben musste. Ich nahm das Kühlpad aus dem Gesicht und fuhr über meine kalte Haut. Ich glaube ich konnte genau spüren wo sie ihren Handabdruck hinterlassen hatte. Als Nysair dann wieder das Wort gezielt an mich richtete, setzte ich ein sanftes Lächeln auf. „Mir gehts gut, sieht wahrscheinlich schlimmer aus als es ist.“, antwortete ich ruhig. Vielleicht log ich dabei ein bisschen, es tat schon ziemlich weh. So fühlte sich ein Schlag einer frustrierten Frau anscheinend an. „Wenigstens trug sie keinen Ring.“, sagte ich und lachte etwas. „Hätte nicht gedacht, dass mich sowas Backstage erwarten würde.“, fügte ich an und nahm mir eine der Flaschen die ich neben das Sofa gestellt hatte. Verrückt, einfach verrückt. Wahrscheinlich würde ich gleich aufwachen und feststellen, dass das alles hier nur ein Traum war.
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    • Nysair Vennán


      Ich lächelte matt. Nur wegen mir wurde Nanami geschlagen, was mir schrecklich Leid tat.
      "Ich mach es wieder gut", sagte ich und betrachtete mit zusammen gezogenen Augenbrauen ihre Wange. Das würde definitiv ein fetter blauer Fleck werden. Eigentlich wollte ich sie Backstage haben um noch ein wenig mit ihr zu singen, in anbetracht ihrer Wange schlug ich mir diese Idee jedoch aus dem Kopf.
      Ben klopfte dem Mädchen kurz auf die Schulter, wobei er vermutlich seine Kraft falsch einschätze, da sie durch das Klopfen ein wenig zur Seite gerissen wurde. Anschließend setzte sich Ben wieder auf seinen Platz und nahm sich ebenfalls ein Getränk vom Tisch, welches Nanami zuvor geholt hatte.
      "Reife Leistung der Bitch deine Meinung zu sagen", meinte er. Allerdings sah er dabei nicht mich an, sondern Nanami. Stimmt. Anfangs gab sie den Forderungen von Ingrid nach, bis sie merkte, was für eine Person sie wirklich war. Zudem trauten sich viele Fans nicht offen ihre Meinung zu sagen aus Ehrfurcht vor einer berühmten Person zu stehen, was ich ehrlichgesagt nicht wirklich nachvollziehen kann. Auch berühmte Personen sind nur Menschen, sie sind weder perfekt noch machen alles richtig.
      "Ich habe morgen hier nochmal ein Konzert. Hast du Lust mich zu begleiten?", fragte ich gerade heraus. Für solche Anlässe konnte man ab und zu VIP-Tickets gewinnen, mit welchen man die Erlaubnis hatte vorne in einem bestimmten Bereich in der Nähe der Bühne zu stehen und nach dem Konzert Backstage durfte. Natürlich gab es dafür auch einen extra Raum, in welchem die VIP-Leute sich aufhalten durften, getrennt von meinem Team. Diese Tickets gab es jedoch nur zu bestimmten Abenden und waren meistens innerhalb Minuten ausverkauft, wobei sie meiner Meinung nach viel zu überteuert waren. 150 Euro nur um Backstage zu dürfen? Das ist wucher! Leider habe ich bei den Preisen nichts mitzubestimmen, das übernimmen alles meine Manager. Mit Finanzen und dergleichen habe ich nichts am Hut, ich singe einfach nur und fahre zu den Terminen, welche meine Manager für mich geplant haben.
      Allerdings dachte ich bei meiner Frage, ob sie mich gerne begleiten würde, eher daran sie mit auf die Bühne zu nehmen. Dafür müssten meine Gesangstrainer sie kurz unterrichten und mein Choreograoph ihr alles erklären, wofür die Zeit ziemlich knapp wurde. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mich mit ihr super verstehen würde, nach der Aktion mit Ingrid.
      "Also nicht nur Backstage, sondern auf die Bühne...", ergänzte ich meine Frage und bereute sie sogleich, da ich die Befürchtung hatte, sie mit meiner Aufforderung zu überrumpeln. Dennoch blieb ich dabei und wartete gespannt auf ihre Reaktion.
    • Nanami Han

      Ich musste etwas lächeln, als Nysair meinte er würde es wieder gut machen. So gesehen war es nicht seine Schuld, schließlich hatte er nicht seine Hand in mein Gesicht geknallt. Trotzdem nickte ich zustimmend. Im nächsten Moment brachte mich Bens Hand etwas aus dem Gleichgewicht, vielleicht weil ich nicht darauf eingestellt war, dass er sie mir auf die Schulter legen würde, aber vielleicht auch weil ich den Schlag noch nicht ganz verarbeitet hatte.
      Kurz darauf setzte er sich zu uns und sah mich an. Ein leises Kichern entfloh mir. "Naja, alles lasse ich dann doch nicht auf mir sitzen.", erwiderte ich. Auch wenn es komisch war einer viel berühmteren Person die Meinung zu sagen, aber sie hatte es offensichtlich verdient. Ich hatte schon lange aufgehört mich selbst klein zu reden. Ehe ich länger über die ganze Geschichte nachdenken konnte, bat Nysair mich zu seinem nächsten Konzert zu begleiten. "Ehm, ja sicher, warum nicht.", antwortete ich fast wie aus der Pistole geschossen. Meine Gedanken überschlugen sich etwas, ich hatte schon damit gerechnet ich dürfte nie wieder auf ein Konzert von ihm. Schon gar nicht nach dieser Aktion mit Ingrid eben, doch ich malte wohl wie oft wieder alles nur schwarz.
      Nachdem er seiner Einladung noch was beifügte, stand mir kurz der Mund offen. Ich sollte was? Erneut dieses unbeholfene Lachen. "Du möchtest mit mir singen?", fragte ich nochmal, als wäre die Frage nicht eindeutig genug gewesen. Nervosität machte sich in mir breit, es war ja nicht so als hätte ich noch nie vor Menschen gesungen. Ich mochte es. Nach gestern bekam ich mehr und mehr das Bedürfnis vor größeren Menschenmassen zu singen, doch so spontan? Es wäre schon morgen und da ich oft auf seinen Konzerten war, wusste ich wie viel Arbeit in der ganzen Show steckte. Choreografien, Songs, alles müsste auf mich angepasst werden. Oder eher ich müsste mich anpassen.
      Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Kopf oder Bauch. Ich antwortete das erste, was mir in den Sinn kam.
      "Okay, gerne.", antwortete ich schließlich. "Ich müsste noch auf Arbeit anrufen, die Vorlesungen kann ich morgen auch sausen lassen, aber ich habe keine passenden Klamotten. Ich weiß ja nicht inwiefern ich eingewiesen werden müsste.", erklärte ich selbstsicher. Ich würde das schon packen, oder nicht?
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    • Nysair Vennán


      Als sie ihre Arbeit erwähnte zog ich kurz meine Augenbrauen zusammen. Natürlich, nicht jeder kann seine Arbeitszeit frei wählen beziehungsweise wird pro Tag bezahlt anstatt jeden Monat einmal.
      "Ich habe nicht daran gedacht das du arbeitest", teile ich ihr meine Gedankengänge mit und mein Lächeln wurde schwächer. "Natürlich möchte ich nicht, dass du mit deinem Arbeitgeber Probleme bekommst oder im schlimmsten Fall sogar gefeuert wirst. Also sag mir bitte nur zu, wenn das wirklich in Ordnung geht. Andernfalls finden wir bestimmt noch einen anderen Abend, an welchem ich dich mit auf die Bühne nehmen kann." Ich positionierte meine Beine erneut im Schneidersitz und schaute sie nachdenklich an. War meine Bitte, dass sie mich morgen begleiten sollte, vielleicht doch etwas überstürzt? Immerhin waren es bis morgen Abend nur noch ein paar Stunden, in welchen sie die Choreographie lernen musste und wir wenigstens etwas üben sollten im Duett zu singen. Ben bemerkte meine nachdenkliche Miene und unterbrach meinen Gedankengang mit seinen Worten.
      "Wie wäre es mit nächster Woche Samstag? Da bist du zwar nicht hier in der Stadt, aber dein Konzert ist nur anderthalb Stunden von hier entfernt. Dann hättet ihr mehr Zeit alles vorzubereiten und Nanami bekommt keinen Ärger mit ihrem Chef." Stolz auf sich und seinen Vorschlag grinste er von einem Ohr zum Anderen. Ben liebte es Lösungen für Probleme zu finden, egal wie abstrakt seine Ansätze manchmal waren. Ich zuckte mit den Schultern, mir war beides recht. Solange es für sie keine Probleme bereitet, ich für meinen Teil wollte einfach nur mit ihr singen. Wobei Ben diesmal wirklich recht hatte.
      "Das stimmt, nächsten Samstag wäre wirklich besser. Dann musst du nicht auf deiner Arbeit anrufen und bis dahin sind es noch fünf Tage, in denen wir die Choreo mit dir durchgehen können und die Lieder üben." Zwar müsste ich mich dann noch ein wenig gedulden, aber vermutlich war mehr Vorbereitungszeit gar nicht so schlecht.
    • Neu

      Nanami Han

      Nachdem ich mich kurz erklärte, bemerkte ich wie sich Nysairs Gesichtsausdruck änderte. Auch ich setzte ein eher schiefes Lächeln auf, dass sich erst mit Bens Vorschlag wieder auflockerte. Es war wohl vernünftiger das ganze um eine Woche zu verschieben. Somit hätte ich auch Zeit meine Schichten zu tauschen. Bei der Uni brauchte ich mir keine Gedanken zu machen, schließlich hatte ich nicht viele Pflichtvorlesungen und wenn, dann waren diese Morgens. Um mit Nysair gemeinsam zu singen, würde ich auch komplett auf Schlaf verzichten. "Das klingt super! Ich werde morgen früh direkt meinen Chef anrufen und meine Schichten umplanen, eigentlich habe ich auch noch einige Tage Urlaub, da wird sich sicherlich was schieben können.", antwortete ich freudig.
      Direkt ging ich im Kopf durch ob ich noch genug Sportsachen hatte, ich konnte zum Training schlecht ständig in den gleichen Klamotten kommen. Aber vor einiger Zeit hatte ich eine ganz ausgeprägte Fitness Phase, zu der mich eine Freundin überredet hatte. Im Rausch bestellte ich mir direkt drei Trainingssets, die ich seit dem bisher ein mal getragen hatte. Ich war nicht die unsportlichste, aber jeden Tag zwei Stunden trainieren musste ich dann auch nicht. So würden die Sachen wenigstens nicht einfach im Schrank liegen oder als Hausklamotten umfunktioniert werden.
      "Also, habe morgen keine Vorlesung und muss auch erst Nachmittags arbeiten. Falls du mit mir einige Lieder durchgehen möchtest oder dich einfach unterhalten möchtest, hätte ich noch etwas Zeit.", sagte ich direkt an Nysair gewandt. Wahrscheinlich würde ich morgen sonst einfach ausschlafen und etwas aufräumen bevor ich zur Arbeit gehe, aber das sind Sachen die ich auch verschieben kann. Der kleine Vorfall von eben war schon fast vergessen und mein Gesicht tat auch nicht mehr ganz so weh. Vielleicht würde das noch ein ganz schöner Abend werden.
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