Wiped Out [Countess & Lu-Chan]

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    • Wiped Out [Countess & Lu-Chan]

      Wiped Out [Countess & Lu-Chan]

      @Countess
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      Gabriel Carter Leffort

      Sie hatten es nicht kommen sehen, keiner hatte es kommen sehen, aber eigentlich war es so klar gewesen, eigentlich hätte es ihnen allen klar sein sollen. Zu lange war es schon ruhig gewesen, zu lange hatten sie keine Vorfälle gehabt und dabei war diese Gegend hier gefährlich. Gabe hatte versagt, er hatte es in dem Moment realisiert, in welchem die Bombe eingeschlagen hatte, in welchem er den Ausmaß dessen sah, noch bevor es ihn traf. Wie viele es wohl getroffen hatte? Wie viele seiner Männer sind dabei drauf gegangen? Aber gegen einen Bombenanschlag konnte man nichts ausrichten, man konnte sich nicht schützen und es früh genug wissen, um sich in Sicherheit zu bringen. Gab es überhaupt eine Sicherheit vor so etwas? Eigentlich nur ein Abstand, der groß genug war, um den Ausmaß nicht mitzubekommen, aber die Zeit für so etwas reichte in der Regel nicht aus.
      Waren sie alle tot? Fühlte sich so der Tod an, oder war das hier nur die Vorstufe davon? Was würde wohl auf ihn warten, wenn er die Augen nicht mehr öffnen sollte? Würde er sich für all das rechtfertigen müssen, was er in seinem Leben getan hatte? Eine Menge hatte Gabriel getan, eine Menge Böses vor allem, aber es war sein Job und all die Leben, die er ausgelöscht hatte, waren nötig, um andere Leben zu beschützen, die sich selbst nicht beschützen konnten. Konnte man ihm so etwas übel nehmen? Er tat bloß nur das, was nötig war, er wollte helfen, er wollte sein Leben für andere aufs Spiel setzen und dafür sorgen, dass sie vielleicht endlich ein richtiges, normales Leben führen können, ohne Angst und Sorgen, ohne ständig mit dem Gedanken zu leben, getötet oder versklavt zu werden. Natürlich ging es nicht, ohne selbst Leben auszulöschen, aber er war doch nicht mit ihnen auf die selbe Stufe zu stellen, oder etwa nicht? Würde er am Ende genauso bestraft werden, wie auch die, deren Leben er beendet hatte?

      Ein Schmerz durchzog seinen Körper, er konnte also noch nicht tot sein. Gabe bewegte seinen Kopf zur anderer Seite, er wagte es aber noch nicht die Augen zu öffnen, denn vielleicht konnte man nach dem Tod auch noch Schmerzen verspüren, vielleicht würde er gleich in der Hölle aufwachen und noch mehr Schmerzen verspüren.. Der Schmerz hörte nicht auf, er ließ ihn nicht wieder in den Schlaf verfallen, ließ ihn nicht wieder über sein weiteres Ergehen nach denken, er zwang den Mann die Augen langsam zu öffnen. Rauch war zu sehen, eine Menge Rauch, warum hatte er ihn noch nicht gerochen? Er versuchte die Nase hoch zu ziehen, aber es schmerzte, er schmeckte Blut, seine Nase schien gebrochen zu sein, deshalb konnte er den Rauch auch nicht riechen. So langsam wurde auch die Sicht klarer, der Kopf schmerzte bei jeder Bewegung, dennoch zwang sich der Blonde dazu ihn zu bewegen, um nach zu sehen, warum sein Körper so schmerzte. Er erkannte Trümmer, sie lagen über ihm, zerdrückten den muskulösen Körper, der sich nicht befreien konnte. Lange konnte Gabriel seinen Kopf nicht halten, er ließ ihn fallen, stöhnte kurz vor Schmerz, die Landung war nicht sehr sanft gewesen. Er schloss wieder die Augen, er war müde, er war fertig..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."


    • Allein und verzweifelt vegetierte Rachel tagtäglich vor sich hin. Ihren Sinn des Lebens hatte sie längst verloren, nachdem sie Abschied an ihrem einst so geliebten Bruder nehmen musste. Wobei, als einen richtigen Abschied konnte man dies nicht bezeichnen - vielmehr als Realisierung dessen, dass ihr Bruder kaltblütig ermordet wurde, als gegnerische Truppen durch ihr kleines Dorf streiften und mehr oder weniger alles Leben vernichteten, das ihnen in die Quere kam. So auch Ethan, der lediglich mit seinem Stock im Vorgarten spielen mochte. Ich wusste ich hätte ihn niemals gehen lassen dürfen.. Die vagen Bilder zogen noch immer durch ihr Unterbewusstsein, entlockten ihr Tränen und zwangen sie in die Knie. Was sollte sie auch tun? Sie befand sich mitten im Kriegsgebiet, wusste sich nicht zu verteidigen, wurde beherrscht von Angst und zu allem Überfluss verblieb sie nun auch noch allein in ihrem notdürftig mit Brettern verschanzten und einsturzgefährdeten Eigenheim. Sollte also auch nur ein einziger, feindlicher Soldat auf den Geschmack kommen nachzusehen, ob neben den in Schutt und Asche liegenden Häusern vielleicht doch etwas zu holen war, wäre das ihr Ende gewesen. Doch mittlerweile hielt sie an dem Glauben fest, dass ihre Zuflucht vielleicht doch nicht die schlechteste Wahl gewesen ist. Immerhin verweilte sie hier bereits eine ganze Weile. Wie lange jedoch, konnte sie nicht sagen. Schließlich verlor sie jegliches Zeitgefühl durch abgefeuerte Schüsse, die sowohl tagsüber als auch nachts das sonst so ruhige Dorf erhellten.

      Mittlerweile realisierte die junge Frau jedoch, dass es Zeit wurde, sich auf die Suche nach Essbarem zu machen. Ihre letzte Ration Trockenbrot hatte sie bereits gestern Abend zu sich genommen und mehr Essen besaß sie nicht. Ein Blick nach unten zum Betrachten ihrer Beine genügte um ihr zu zeigen, dass sie beim Weiterführen dieses Lebensstils nicht mehr weit kommen würde. Außerdem grummelte ihr Magen schrecklich und schmerzte bereits seit ein paar Stunden infolge ihres Hungers, den sie nicht zu stillen bekam. Auch ihre Konzentration nahm immer weiter ab. Vor ein paar Tagen erst schmiedete sie hoffnungsvolle Pläne zur Flucht aus dieser Hölle auf Erden und nun gelangte sie an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiter kam (oder weiterkommen wollte). Rachel war ausgelaugt, litt unter extremen Schlafmangel da sie aus Angst nie mehr als drei/vier Stunden am Tag die Augen zu bekam und selbst nach all den vergangenen Wochen war kein Ende in Sicht. Nebenbei machte es die junge Frau wütend zu sehen, dass feindliche Truppen immer mehr von ihrer Heimat zerstörten - während ihr bisher noch nie jemand ins Auge gefallen ist, der auch nur annähernd versuchte dieses Dorf inklusive der Bewohner zu schützen. Stattdessen fielen ihr beim Blick durch die winzigen Öffnungen zwischen den einzelnen Brettern Tote, schwerverletzte oder zusammengekauerte und wimmernde Bewohner auf den Straßen ins Auge. Dieses Szenario verpasste ihr einen kalten Rückenschauer, weshalb sie den Blick so schnell wie möglich abwendete und sich lieber der Frage zuwendete, wie es für sie nun weiterging. Doch genau im selben Moment ertönte von draußen, nicht weit entfernt von ihrem Haus ein ohrenbetäubender, unbeschreiblicher Knall, der Rachel in Angst und Panik versetze. Schon wieder ein Angriff?

      Versteckt und die Ohren schützend hockte die junge Frau unter dem Tisch, wartend auf den richtigen Moment, wieder hervortreten zu können. Als sie sie sich halbwegs sicher war, die Luft wäre rein gewesen, wagte sie einen erneuten Blick durch die Öffnungen der Holzbretter. Was sie dort sah, glich einem Schlachtfeld und wirkte wie ein Szenario, das man sonst aus Filmen kannte. Vor lauter Schutt und Glassplittern war der hintere Teil des Dorfes, den die Explosion wohlmöglich noch erreichte, nicht wiederzuerkennen. Lediglich ein stämmiger Wegweiser, der der Wucht der Explosion trotzte, stand wie ein Mahnmal in Mitten der sonstigen Verwüstung. Sogar ein paar Bewohner schafften es anscheinend zu überleben, wie die Silhouetten von panisch nach draußen flüchtenden Menschen, teilweise schluchzend, mit vom Schock erstarrten Gesichtern verrieten. Rachel wurde im nächsten Moment aus ihren Gedanken gerissen, als es plötzlich und unerwartet an der Tür hämmerte. Zunächst ein paar Mal und als die junge Frau keine Anstalten machte, zur Tür zu gehen, wurde das Hämmern verstärkt. "Aufmachen! Ich tue dir nichts, wirklich! Aber wir könnten gerade jede helfende Hand gebrauchen, bitte!" ertönte es von draußen. Rachel zögerte, immerhin könnte dies auch eine Falle sein. Doch woher sollten feindliche Soldaten wissen, dass sie hier drin war? Die einzigen Leute die das hätten wissen können, waren die Bewohner selbst als sich jeder irgendwo verschanzte. "Na gut, einen Moment bitte".

      In Eile schnappte sie sich das Brecheisen aus dem Flur und rannte zur Tür um das Brecheisen hinter die Bretter zu klemmen und somit von der Tür zu lösen. Leider nahm dies ein paar Minuten in Anspruch, da Rachel momentan nicht ihren vollen Körpereinsatz zeigen kann. Als jedoch endlich auch das letzte Brett gelöst war, stürmte sie nach draußen und blickte in die entsetzten, verwundeten und blutigen Gesichter ihrer einstigen Nachbarn. "Rachel.. wie.. wie siehst du aus? Was ist passiert? Wie konntest du so lange überleben?" murmelten ihr ein paar der Bewohner entgegen. Doch anstatt auf die Fragen einzugehen, streckte sie die Hand und winkte ab. "Was war denn so dringend, dass ich herauskommen sollte?" drängte sie. "Du hast vermutlich von der Explosion gerade mitbekommen? Das war ein feindliches Attentat auf Soldaten, die eigentlich zu unserem Schutz und dem allgemeinen Schutz dieses Gebiets beordert wurden. Die Explosion hat aber so viel Zerstört, dass der Schutt und die Trümmer einige Soldaten begraben haben, die immer noch leben! Wir müssen ihnen helfen und dazu benötigen wir jede Hand die wir kriegen können." betonte einer der Dorfbewohner. "Verständlich. Aber ich weiß nicht, ob ich das will. Was ist, wenn die Feinde nicht weg sind und wir dabei alle sterben werden? Dann waren all die vorigen Kämpfe ums Überleben umsonst.." erwiderte Rachel mit einem Unterton von Furcht. "Rachel. Wir alle wissen was du durchgemacht hast und wie viel Kraft du uns allen gegeben hast bevor.. du weißt schon was. Aber sich einfach zurückzuziehen und nichts zu tun, ist doch auch keine Lösung. Was wäre, wenn dein Bruder unter den Trümmern liegen würde? Du würdest nicht eine Sekunde lang mit der Wimper zucken. " - "Stop! Lass meinen Bruder da raus. Ich will nicht mehr daran denken." forderte sie. "Das wissen wir doch alle. Aber vielleicht hilft es dir, wenn du jetzt jemand anderem helfen kannst. Das Leben deines Bruders konntest du vielleicht nicht retten - aber dann rette zumindest das Leben eines anderen, genau so unschuldigen Menschen". Ohne auch nur ein Wort zu erwidern, nickte Rachel. Sie wusste, dass das, was sie nun tat, etwas Gutes war und vielleicht konnte ihr das bei ihrer Überwindung vom Tod ihres Bruder ja wirklich helfen.

      An der besagten Stelle angekommen, befand sich vor den Bewohnern ein riesiger Trümmerhaufen geziert von einzelnen Körperteilen und Massen an Blut der bereits ums Leben gekommenen Soldaten. Ist es nicht irgendwann genug? Seufzend inspizierte sie den Trümmerhaufen weiter, ging umher und suchte nach Überlebenden oder Geräuschen die auf Überlebende hinweisen konnten. Als sie nach mehrmaligen Umrundungen den Rücktritt anstreben wollte, ertönten unter dem Trümmerhaufen allerdings von Schmerz durchzogene Geräusche. "Kommt her. Hier ist jemand, ich glaube er lebt noch!" , schrie Rachel und deutete auf die Stelle, aus der die Geräusche ertönten. Ohne etwas zu erwidern packten alle Dorfbewohner mit an und schoben ein Trümmerteil nach dem anderen zur Seite, bis der Oberkörper des Soldaten freigelegt war und er zumindest wieder einen vernünftigen Zugang zu Luft besaß. "Keine Sorge, halt durch. Du hast es gleich geschafft." ermutigte sie den noch unter Trümmern gefangenen Soldaten, während sie hinter ihm hockte um seinen Kopf vorsichtig auf ihrem Schoß zu stützen und ihre zärtlichen Hände auf seinen Wangen ruhen ließ. Sie wusste nicht, ob der Soldat ansprechbar war oder vielleicht schon längst bewusstlos wurde, doch sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben. Die Dorfbewohner setzten ihre Rettungsaktion fort und befreiten nun ebenfalls den Unterkörper des Soldaten. Im Anschluss hievten sie alle den Soldaten gemeinsam aus dem Trümmerhaufen und Rachel setzte sich mit ihm auf eine Wiesenfläche oder das, was davon noch übrig war. Sie achtete weiterhin darauf, dass sein Kopf auf ihrem Schoß gestützt blieb da sie nicht sicher sein konnte, dass er sich vielleicht eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Beim näheren Betrachten des jungen Mannes fiel ihr außerdem auf, dass eine Menge an Blut aus seiner Nase hervorgetreten sein musste. Die Nase sieht zudem ziemlich gebrochen aus, vielleicht auch nur verstaucht. Dennoch ist klar, dass der Mann erst einmal zur Ruhe kommen muss um sich und seine Kräfte generieren zu können. "Ab jetzt wird alles gut" wisperte sie zu dem Mann und nahm gleichzeitig eine Flasche Wasser entgegen, die ihr von einem der Dorfbewohner hingehalten wurde. Zunächst nahm sie einen winzigen Schluck aus der Flasche und brach zugleich in Husten aus, da ihre Kehle so ausgetrocknet war dass selbst der kleinste Schluck Wasser ihre Kehle reizte. Im Anschluss führte sie die geöffnete Flasche ganz langsam und vorsichtig an den Mund des Mannes heran und kippte diese leicht, damit er einfacher trinken konnte. "Wenn du mich hörst, dann trink etwas. Du wirst es brauchen."
      my review on life so far:

      ★ ☆ ☆ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Eigentlich sollte er stolz auf sich sein, eigentlich. Die Auszeichnungen, die bei seinen Eltern im Wohnzimmer hingen und die Abzeichnungen an seiner Ausgehuniform machten doch deutlich, wie viel er in seinem Leben schon erreicht hatte, aber Gabriel war sich gar nicht sicher, ob er wirklich auf sich stolz sein wollte. Wenn er ehrlich war, dann waren diese Auszeichnungen und Abzeichnungen nichts, im Gegensatz dazu, was er hier eigentlich erreichen wollte. Er wollte Menschen helfen, er wollte ihnen helfen ein ruhiges Leben zu führen so, wie es sich gehörte. Jeder sollte ein Anrecht darauf haben, Kinder sollten ohne Angst aufwachsen dürften, sie sollten ihre Kindheit genießen, sollten zur Schule gehen und eine Bildung bekommen können und nicht hungern und um ihre Eltern trauern, die sie in diesem sinnlosen Krieg verloren haben. Gabe wollte kein Held sein, er wollte auch nicht zuhause gefeiert werden, er wollte das, was ihm möglich war, den anderen bieten können. Seine Eltern waren eher stolz auf ihn und waren stolz auf die Tatsache, ihr Sohn war ein Colonel in der Army, er hatte eine hohe Position und verdiente gut Geld, aber letztendlich waren sie auch stolz darauf in ihrem Freundeskreis angeben zu können, denn als Soldat hatte man ein sehr hohes Ansehen in der Gesellschaft, dabei war es genau das, war der Mann nicht wollte, doch er hatte es schon aufgegeben gehabt das zu verändern, seine Energie steckte er lieber in anderes.

      Gabriel war gar nicht stolz auf sich, er war innerlich fast schon sauer, wütend, denn er hatte es nicht kommen sehen, was passiert ist, er hatte nicht alles mögliche versucht, um die Menschen hier zu beschützen, er ist wie ein Dominostein einfach umgefallen und hat die nächste Welle mit sich mitgerissen. Wie lange er eigentlich da lag konnte er nicht sagen, es hätten vielleicht fünf Minuten, oder eher fünf Stunden sein können. Es kam ihm vor, als hätte er vor Ewigkeiten seine Augen erst aufgemacht, aber seine Erinnerung schien nicht ganz klar zu sein, vielleicht hatte er seine Augen noch gar nicht erst aufgemacht, vielleicht war er gerade erst dabei seine Augen aufzumachen.
      Eine Stimme riss ihn aus den Gedanken, eine weibliche Stimme rief etwas, aber auch wenn sich der Mann anstrengte, er wusste nicht, was sie schrie. Halt durch..bekam er mit. Hatte er es sich eingebildet, oder war es eine Wirklichkeit? Hatten noch welche überlebt? Würde ihn jemand hier raus holen, ihn gesund machen und ihm die Chance geben diese Menschen hier zu beschützen? War sein Team noch am leben? Das Gewicht auf seinem Körper lockerte sich, er konnte wieder Luft bekommen, konnte wieder besser atmen und schnappte sofort nach Luft, kaum war es ihm möglich. Als sein Kopf bewegt wurde verzog der Soldat kurz sein Gesicht, er hatte Schmerzen, die sich gleich wieder lösten, als er auf etwas weiches traf. Warm und weich..
      Seine Beine wurden erlöst, das Gewicht wurde ihm genommen und mit einem Mal spürte er auch den Schmerz im rechten Bein, war es etwa gebrochen? Oder hatte er ganz andere Probleme gehabt? Er konnte hier nicht einfach liegen bleiben, es war zu gefährlich, wenn er es tun wird, aber auch wenn sich Gabriel dazu entschloss, er schaffte es nicht seine Augen noch einmal zu öffnen. Er versuchte es, doch das Schwarz nahm ihn wieder ein, nahm ihm die Geräusche in der Umgebung wieder weg und ließ ihn in Unsicherheit schwimmen.
      Ab jetzt wird alles gut.. Innerlich schreckte der Mann zusammen, als er die Stimme wahr nahm, die mit ihm sprach. Wie lange war er dieses Mal weg gewesen? War er überhaupt schon mal geistig da gewesen, seit dem Einschlag der Bombe? Wem gehörte die Stimme, die mit ihm gesprochen hatte? Ein Husten war zu hören, ein wenig später spürte er Wasser an seinen Lippen. Die Kehle schien vertrocknet zu sein, aber schlucken war so schwierig. Er sollte etwas trinken, wenn er sie hören konnte, wer war das? Gabe versuchte etwas zu trinken, der erste Schluck ging gut, der zweite nicht mehr, er verschluckte sich und fing an zu husten. Der Brustkorb schmerzte, es fühlte sich wie tausend Messerstiche an, verdammt, was war nur los mit ihm? Ein wenig drehte er sich, um es besser abzuhusten, dann legte er den Kopf wieder zurück auf dieses weiche, warme Kissen.. Sein eigenes Bett in seiner Wohnung wäre jetzt toll, die weiche Matratze, ohne Schmerzen, die Müdigkeit war wieder da. "Danke", murmelte er nur leise, eine Stimme versagte ein wenig, Gabe musste sich räuspern, dann war wieder diese Dunkelheit in seinem Kopf vorhanden..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das sich vor ihr abspielende Szenario kam ihr so unwirklich vor. Auch wenn sie wusste, dass ihr Bruder längst nicht mehr unter den Lebenden verweilte, weckte der unter ihr ruhende Soldat jede noch so schreckliche Erinnerung wieder auf, die sie so schnell wohl nicht zu verarbeiten vermochte. Eigentlich ähnelte der Tag einem völlig normalen, abseits von den von Angst und Schrecken gezierten, wie man sie momentan eher beschrieben hätte. Als ihr Bruder noch lebte, wurde das Dorf zwar ebenfalls zur Zielscheibe einiger böser Männer - allerdings war es zu dem Zeitpunkt noch völlig legitim, den Jüngeren das Verlassen des Hauses zu erlauben. Weit hinaus zu gehen traute sich sowieso niemand und da ihr Bruder lediglich im Vorgarten spielen wollte, war Rachel sich sicher, ihn gut genug im Auge behalten zu können. Dass dieser Tag jedoch der Anfang von viel Schrecklicherem einläuten würde - damit konnte beim besten Willen kein einziger der Bewohner rechnen - so auch Rachel nicht. An diesem Tag wurde ihre alltägliche Verrichtung des Haushaltes abrupt von zwei ohrenbetäubenden Schüssen unterbrochen indessen sie dazu gezwungen war, zum Fenster zu stürmen, um nach ihrem sich noch immer draußen befindenden Bruder zu sehen. Ein Blick genügte jedoch um ihren Körper beben zu lassen. Sie kaute auf ihrer Unterlippe und ihr Magen verkrampfte und verdrehte sich vor Schock. Im nächsten Moment rannte sie so schnell sie konnte in den Vorgarten und brach augenblicklich neben dem leblosen, mit Blut verschmierten Körper ihres so unschuldig aussehenden Bruders zusammen. Sie griff mit beiden Händen unter seine Achseln und zog ihn so vorsichtig wie sie nur konnte auf ihren Schoß, beugte sich mit tränengefüllten Augen zu ihm hinunter und brach sogleich in bitterlichem Weinen aus. "Nein.. nein.. das.. kann nicht sein! Bitte, wach auf! Ich kann dich doch nicht einfach so gehen lassen!" schrie Rachel aus tiefster Kehle, was binnen weniger Minuten ein paar Dorfbewohner aus ihren Häusern lockte, die sich mit winzigen und langsamen Schritten näherten. "Warum hilft denn keiner von euch? Was steht ihr da einfach so herum?!" brüllte sie abermals mit einem vor Wut und Trauer rotglühendem Gesicht. Die Dorfbewohner schwiegen weiterhin aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Keiner brachte auch nur einen einzigen Ton über die Lippen. Das sowas passieren würde, damit hatte keiner von ihnen gerechnet. Das Schlimmste an der ganzen Sache war allerdings, dass kein Verantwortlicher für den Tod ihres Bruders zu sehen war und seine kaltblütigen Mörder ohne gerechte Strafe davonkommen würden, nur um im Anschluss wohlmöglich weitere Leben von unschuldigen Menschen zu rauben.

      Rachel dachte, mit der Zeit würde der Schmerz vergehen und sie nicht mehr ganz so schlecht fühlen lassen. Doch sie hatte sich geirrt. Alles in ihr schmerzte fürchterlich. Immerhin gab es nichts, was einen Menschen auf den Tod vorbereiten konnte. Besonders dann nicht, wenn er ohne Vorwarnung auftrat. Man war nicht einmal in der Lage den Schmerz zu beschleunigen, um damit abschließen zu können. Man wird einzig und allein von Trauer überwältigt, die wie eine Welle unerbittlich über einen einbricht. Rachel fragte sich, eine Zeitlang ob es nicht weniger schmerzhaft gewesen wäre unter Wasser geblieben zu sein, statt jemals wieder geatmet zu haben. Sie war drauf und dran ihren letzten Atemzug mit dem ihres Bruders zu tun - doch stattdessen wollte sie versuchen, aus der Finsternis aufzutauchen und weiter zu schwimmen. Nicht aber in nächster Zeit - bevor das nämlich möglich war, musste sie den Schmerz zunächst besiegen.

      Ein Husten weckte Rachel aus ihrem Delirium. Zunächst erschreckte sie sich leicht, bis sie bemerkte, von wem das Husten ausging. Ein Stein fiel ihr vom Herzen - sie hatte es geschafft. Sie hatte es geschafft, einen unschuldigen Menschen vor dem Tod zu bewahren. Eher gesagt - den ersten Schritt in die Richtung getan. Schließlich musste sie sich noch um seine Wunden kümmern, bevor er im schlimmsten Fall an diesen verstirbt. Hier draußen war allerdings nicht der richtige Ort dafür. Jederzeit könnten feindliche Truppen erneut aufkreuzen und sie alle ausrotten. Also beschloss sie kurzerhand, den Soldaten zurück zu ihrem Haus zu bringen. Dort wären sie zumindest vorübergehend sicher gewesen. Als Rachel ihre Lippen öffnete um etwas zu sagen, bemerkte sie, dass der Mann unter ihr langsam aber sicher erneut das Bewusstsein verlor. Nein nein nein.. nicht jetzt, wir müssen hier weg! Ihre von Angst erfüllten, glasigen Augen wanderten zu ein paar der Dorfbewohner, die sich immer noch in ihrer Nähe aufhielten. Entschlossen sagte sie: "Wir müssen ihn zu meinem Haus bringen. Hier draußen sind wir nicht sicher und ich möchte mir nicht umsonst die Mühe gegeben haben, mich um ihn zu kümmern, nur um ihn gleich darauf an eine weitere Explosion zu verlieren.". Die Dorfbewohner nickten und vorsichtig stützte Rachel den Nacken des Soldaten, während sechs weitere Dorfbewohner den restlichen Körper mit ihren Armen in die Luft hievten, damit er gerade und unter hoffentlich weniger Schmerzen in ihr Haus getragen werden konnte. Auf dem riesigen, noch einigermaßen intakten Sofa wurde der Mann dann schließlich abgelegt. "Danke.. den Rest schaffe ich allein." wisperte sie den Dorfbewohnern zum Abschluss entgegen und machte sich sogleich auf ins Badezimmer, um mit einem kühlen, in Wasser getränkten Waschlappen, einigen Schmerztabletten, einem Glas Wasser, Verbänden und Desinfektionsmittel zurückzukehren. Bevor sie anfing sich um die Wunden und Verletzungen zu kümmern, studierte sie das Gesicht des Mannes. Er sah so friedlich aus und noch dazu bildhübsch. Aber das tat momentan nichts zur Sache, also schüttelte sie den Kopf um ihre Gedanken loszuwerden und sich weiter auf seine Verletzungen zu konzentrieren. "Wenn du mich hören kannst, tut es mir bereits jetzt schon leid. Du hast dir ein paar ordentliche Wunden zugefügt und ich befürchte, das wird gleich ziemlich weh tun." warnte sie den Mann, bevor sie den kühlen Waschlappen schonmal auf seiner Stirn ablegte und mit einem in Desinfektionsmittel getränkten Tuch anfing, die Kratzer und Wunden in seinem Gesicht sachte abzutupfen. Das tat sie im Anschluss auch mit den restlichen, offenliegenden Wunden an seinem Körper. Jetzt kam der unangenehmere Teil. Sie umklammerte seine Wade des verletzten Beines so vorsichtig, wie es ihr nur möglich war und legte dieses hoch auf einen Berg bestehend aus Kissen, während sie im Anschluss versuchte, dieses so gut wie es nur ging mit Verbänden und einem massiven Stück Holz zu fixieren. "Tut mir Leid.. ich bin keine Ärztin und habe keine Ahnung, ob das überhaupt hilft." entschuldigte sie sich, wissend, dass er sie wahrscheinlich immer noch nicht hörte. Aber das war ihr egal. Er sollte wissen, dass sie da war und sich um ihn kümmerte, damit das Schicksal ihres Bruders nicht noch jemand anderen heimsuchte. Zuletzt legte sie die Tabletten auf den Tisch neben dem Sofa, inklusive dem Glas Wasser und nahm seine Hand in die ihre. "Auf dem Tisch liegt Schmerzmittel, du wirst es wahrscheinlich brauchen. Ich bin hier, wenn etwas sein sollte. Aber zunächst muss ich nochmal raus und versuchen, Lebensmittel zu besorgen wenn wir beide das hier durchstehen wollen.". Ein kaum hörbarer Seufzer überkam sie, bevor sie sich vom Sofa erhob und in Richtung Haustür schlenderte.
      my review on life so far:

      ★ ☆ ☆ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Die Dunkelheit erstreckte sich immer weiter um ihn herum, sie schien ihn einzunehmen, ihn nicht mehr los lassen zu wollen und Gabe war sich nicht sicher warum. War er jetzt tot? Hatte sein Leben ab jetzt gar keinen Sinn mehr? Dabei war er noch so jung, wie konnte es sein, dass er sein Leben aufgeben musste, wenn er es noch nicht einmal richtig gelebt hatte? Er wollte doch eine Frau finden, Kinder kriegen und sie aufwachsen sehen, sie ab und zu Mal am Wochenende zu seinen Eltern geben, um seine Frau schön auszuführen und ihr die Welt zu zeigen, sie mit ihr gemeinsam zu erkunden. Er wollte doch eine bessere Welt schaffen, für sich, seine Frau und vor allem seine Kinder, sie sollte ohne Probleme aufwachsen, sich keine Sorgen um Kriege, oder Anderes machen, sorgenfrei sollten sie sein. Am Ende wollte der Mann doch nichts anderes, als ein normales Leben zu führen, mit seiner Frau gemeinsam auf der Veranda zu sitzen und den Enkelkindern beim Aufwachsen zuzusehen, aber scheinbar wurde er dieser Möglichkeit beraubt und nicht nur er, wie es wohl seinem ganzen Team ging? War noch irgendjemand von ihnen am leben? Einige von ihnen hatten Frau und Kinder, eine Familie, die Zuhause auf sie wartete und sie würden nicht wieder kommen, um gemeinsam mit den Kindern dieses Jahr Weihnachten zu feiern, sie werden nicht zu den Geburtstagen da sein, zu den Aufführungen.. Und wer war daran Schuld? Gabe und die Tatsache, dass er es nicht hat kommen sehen.

      Als Gabriel seine Augen wieder öffnete war es still um ihn herum und er realisierte relativ schnell, dass er nicht mehr von den Trümmern und dem Rauch umgeben war. Er war in einem Haus, in einer Hütte, jedenfalls sah es nach Sicherheit aus, was seine innere Panik gleich schon wieder ein wenig beruhigte. Aber wer hatte ihn hier her gebracht? Der Mann versuchte sich zu erinnern, er riss sich zusammen, aber er konnte sich nicht an ein Gesicht erinnern, lediglich an eine Stimme, die mit ihm gesprochen hatte, die ihm was zu Trinken gegeben hatte. Eine junge Frau, danach klang es, und kaum realisierte er das schon riss er die Augen komplett auf, um sich aufzusetzen und nach der Frau zu sehen. Lebte sie noch? Ging es ihr gut? Gabriel bereute jedoch schnell sich aufgesetzt zu haben, es zog und schmerzte in der Brust und im Bauch, der Schmerz nahm ihm kurz den Atem weg, zwang ihn dazu sich wieder hin zu legen, um die Augen zu schließen und tief Luft zu holen. Einatmen.. Ausatmen.. Ganz langsam entließ er die Luft aus seiner Brust, bevor er wieder die Augen öffnete, kaum war der Schmerz lockerer geworden.
      Er konnte die Frau nicht erkennen, aber kaum öffnete der Soldat seinen Mund, um einen Laut von sich zu geben, merkte er das Kratzen im Hals, welches ihn davon abhielt ein Wort zu sagen. Er blickte sich lieber wieder um, sein Bein ist bandagiert worden, ob es gebrochen war konnte er nicht sagen, aber es war verarztet worden, wo blieb also die Frau? Oder hatte ihn jemand anderes hier her gebracht? Noch einmal versuchte sich Gabriel auf zusetzen, er zog sich ein wenig hoch, um sich mit dem Rücken an die Wand anzulehnen, um das kleine Haus zu betrachten, in welchem er nun lag. Es war heruntergekommen, aber es war aber wie es aussah sicher, jedenfalls ein kleines Versteck, in welchem sich der Soldat ein wenig erholen konnte. Seine Augen erblickten aber noch andere Sachen, die Tabletten neben sich zum Beispiel und etwas Wasser. Mit zittrigen Händen ergriff Gabe das Glas, führte es zu seinem Mund, um einen kleinen Schluck davon zu nehmen. Seine Brust schmerzte, als er schluckte, aber dem Hals tat es sehr gut, es erleichterte ihm so einiges. "Hallo?", versuchte er es mit seiner Stimme, die sich noch kratzig anfühlte. Es kam nichts, er versuchte es ein weiteres Mal, aber vergeblich. War ihr etwas zugestoßen? Gabe konnte sich nicht regen, es fiel ihm schon schwer genug sich aufzusetzen, sitzen zu bleiben, vielleicht sollte er sich lieber wieder hin legen und ein wenig schlafen? Aber wie sollte er ruhig schlafen, wenn er nicht wusste wo die Person hin war, die ihn hier her gebracht hatte. Letztendlich entschloss er sich dazu die Tabletten zu nehmen, die auf dem Tisch lagen, sie zu schlucken in der Hoffnung, es würde bald wieder mit den Schmerzen besser werden. Dann versuchte der Soldat sich in Erinnerung zu rufen, was überhaupt passiert war. Eine Bombe, ein Anschlag, viel Rauch, viele Schreie, viele Schmerzen.. Der Mann versuchte es gar nicht mehr, er öffnete gleich wieder seine Augen, die Panik, die er dabei spürte war zu viel, sie war zu viel auf einmal und es erklärte immer noch nicht, wo die Frau hin war, dessen Stimme er vorhin gehört hatte.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ganz gleich wohin sie beim Verlassen ihres Unterschlupfes auch blickte, das einst so mühevoll errichtete Dorf glich mittlerweile lediglich einem riesigen Trümmerhaufen. Die meisten Behausungen lagen in Schutt und Asche aus denen nur noch Qualm empor stieg und dieses Szenario rief die schrecklichen Erinnerungen an Bomben und Waffengefechte zurück. Rachel schluckte den Kloß der sich derweil in ihrem Hals bildete hinunter und setzte ihre Suche nach Vorräten fort, auch wenn sie nicht genau wusste, wo sie überhaupt suchen sollte. Schließlich verschanzten die anderen Dorfbewohner sich ebenfalls in noch aufrecht stehenden Gebäuden und alles, was es dort an Vorräten geben könnte, brauchten sie vermutlich selbst. Gleichzeitig konnte die junge Frau sich aber nicht vorstellen, dass keiner der Überlebenden ihr zu helfen vermochte. Schweren Herzens klopfte sie also an die nächstbeste Tür die sich ihr bot, mit Hoffnung auf Hilfe. Im nächsten Moment öffnete die Tür sich einen winzigen Spalt weit, gerade so, dass ein älterer Herr seine Nase hindurchstecken konnte. "Was willst du?" - "Bitte, können Sie mir helfen? Ich habe einen der verletzten Soldaten bei mir untergebracht aber wir werden das hier nicht länger als ein paar Tage überleben, wenn wir keine Vorräte finden.." - im nächsten Moment knallte der ältere Herr die Tür wortlos zu. Der Hoffnungsschimmer in Rachels Augen verschwand augenblicklich. Besonders, weil die junge Frau panische Angst davor hatte, bei den restlichen Häusern ebenfalls so kaltblütig abserviert zu werden, obwohl sie stets alles tat, um zu helfen. Wieso hatte sie bei der Rettung des Soldaten trotz ihres eigenen Zustandes überhaupt geholfen- wenn sie nun wie ein Außenseiter behandelt wurde? Sie hätte vorher wissen müssen, wie egoistisch und eigensinnig die Bewohner waren und dass Rachels Hilfe lediglich dazu dienen sollte, dass die Anderen eine Aussicht auf Rettung hatten. Nicht aber, weil ihnen irgendwas am Wohlergehen dieses Mannes oder Rachels lag. Deshalb beschloss sie, künftig nicht mehr bei anderen Bewohnern um Hilfe zu suchen - sondern stattdessen die restlichen Trümmer auf eigene Faust zu durchsuchen. Irgendjemand muss doch etwas verloren haben.. oder zumindest liegen gelassen haben.

      Ein paar Blocks weiter entdeckte Rachel etwas, das aussah wie ein Lager. Vermutlich von den feindlichen Trupps die sich hier auf ihren Angriff vorbereitet hatten. Abgesehen von der Tatsache, dass noch ein bisschen Krempel herumlag, sah es ziemlich verlassen aus. Also blickte Rachel sich sicherheitshalber ein letztes Mal um - bevor sie auf das Lager zusteuerte. Sie stürzte sich auf die Rucksäcke und kramte umher, bis sie ein paar Dosenkonserven in den Händen hielt und schnappte sich einen weiteren, leeren Rucksack, um die Funde darin zu verstauen. Bei den restlichen Rucksäcken fand sie noch ein paar Flaschen mit unterschiedlichen Mengen an Wasser, Verbandsmaterial, Tabletten und eine Pistole. Während sie Letzteres in der Hand hielt, überkam sie ein mulmiges Gefühl. Mit diesem Ding war sie in der Lage dazu, das Leben eines Menschen einfach so auszulöschen.. doch in der jetzigen Situation wäre die Waffe wohl keine schlechte Wahl gewesen, weshalb sie diese ebenfalls in den Rucksack zu den anderen Dingen packte. Viel mehr war hier bedauerlicherweise nicht zu holen, aber wenigstens ein paar Tage Zeit, um Kräfte zu sammeln. Rachel stülpte sich den Rucksack über den Rücken und trat den Rücktritt an, erblickte in der Ferne allerdings eine kleine Gruppe von Soldaten, die genau so aussahen wie die, die ihr Dorf zerstörten. Verdammt..
      Rachel ging in die Hocke und nahm einen anderen Weg als den vorigen für die Rückkehr. Als sie ihren Unterschlupf erblickte, atmete sie kurzzeitig erleichtert auf und beschleunigte ihr Tempo allmählich. Ein letztes Mal drehte sie sich um - die Luft war rein. Also öffnete sie schnellstmöglich die Tür, trat hinein und warf den Rucksack in die andere Ecke des Raumes nur um kurz darauf an der Tür lehnend zusammenzusacken. Ein falscher Schritt, ein zu lautes Geräusch und diese Gruppe hätte sie bemerkt. Vermutlich wäre sie dann bei ihrem Bruder gewesen - oder diese Dreckskerle hätten ihr noch weitaus Schlimmeres angetan. Zitternd biss sie sich auf die Unterlippe, schloss die Augen und versuchte sich zu beruhigen - schließlich hatte sie im Moment keine Zeit dafür, Schwäche zu zeigen wenn sie hier jemals lebend rauskommen wollte. Des Weiteren trug sie nun die Aufgabe, für das Wohlergehen des verletzten Soldaten zu sorgen, der ihr den Weg hieraus vermutlich vereinfachen könnte. Zumindest wusste er sich zu verteidigen im Gegensatz zu Rachel. Apropos Soldat. Binnen einer Sekunde öffnete sie die Augen schlagartig und blickte zum Sofa, auf dem der Soldat ruhte. Mittlerweile lag er jedoch nicht mehr dort, sondern saß aufrecht. Er war also wach, endlich. Ohne sich weiterhin etwas von ihrer bedrückten Stimmung anmerken zu lassen, erhob die junge Frau sich und stolzierte auf den jungen Mann zu. Er sah zwar immer noch nicht anders aus im Vergleich dazu, als er noch bewusstlos war - aber immerhin wusste Rachel nun, dass er noch lebte und stark genug war, sich aufrecht hinsetzen zu können. "Du hast mir einen Schrecken eingejagt.. ich dachte, ich würde dich verlieren." Röte schoss ihr ins Gesicht nachdem sie bemerkte, wie falsch der Schluss klang. "I-Ich meine, ich dachte du stirbst. Immerhin bist du meine letzte Hoffnung auf einen Ausweg aus dieser Hölle." korrigierte sie und setzte ein leichtes Lächeln auf. "Ich habe es tatsächlich geschafft ein paar Vorräte zu besorgen - leider ist es nicht viel. Jedoch genug, uns ein paar Tage Zeit zu verschaffen. Wobei wir uns schnellstmöglich auf den Weg woanders hin begeben sollten. Auf dem Rückweg habe ich noch ein paar dieser Bastarde als Gruppe erblickt und ich vermute dass es nicht lange dauern wird, bis sie hier abermals aufkreuzen werden." seufzte die junge Frau, bevor sie sich neben dem Soldaten auf dem Sofa niederließ. "Ich bin übrigens Rachel, freut mich dich kennenzulernen.".
      my review on life so far:

      ★ ☆ ☆ ☆ ☆
    • Gabriel Carter Leffort

      Für einen Moment hatte Gabriel seinen Kopf noch einmal nach hinten gelehnt, um durch zu atmen. Der Schmerz ließ nur langsam nach, die Tabletten brauchten immer einen Moment, um zu wirken, aber er war schon allein dankbar dafür, dass es überhaupt welche gab, dass er wirklich welche bekommen hatte. Wie die Frau an diese gekommen war war eine andere Frage, aber letztendlich war es vielleicht auch egal, viel wichtiger war die Tatsache, dass es wirklich welche gab, denn das Ziehen im Bein und in der Brust, vor allem aber auch in seinem Kopf, waren ohne der Zaubermittel nur kaum erträglich. Wie er das nur überlebt haben konnte? Aber wenn er selbst am leben war, konnte es doch auch sein, dass vielleicht noch andere aus seinem Team es geschafft hatten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering war, die Hoffnung war viel größer. Gabriel sollte sich vielleicht zusammen reißen und nach ihnen suchen gehen, nach der Frau suchen, die er vorhin gehört hatte, auch wenn er sich dessen bewusst war, dass die Gefahr vermutlich noch immer da draußen lauerte. Wie sollte er einfach hier warten und hoffen, dass die anderen klar kamen? Er war der Colonel hier, er war der Leiter dieser Gruppe und er konnte sie nicht alle einfach alleine und zurück lassen!
      Die Tür wurde geöffnet und gleich wieder geschlossen, da nahm der Soldat seinen Kopf wieder hoch, um die Augen zu öffnen und eine Frau zu erblicken, die einen Rucksack in eine Ecke des Raumes warf. Sie sah unterernährt aus, sah nicht sehr gesund aus, vor allem schien sie gerannt zu sein, ihr Brustkorb hob und sank sich viel zu schnell, als wäre sie außer Puste. Gabriel wollte etwas sagen, er öffnete auch für einen Moment den Mund, aber sein Hals kratzte noch ganz schön, er hatte Sorge, es würde nichts wirklich sinnvolles und verständliches da raus kommen. Er schloss den Mund wieder, beobachtete die Frau für die nächsten Momente, bis ihre Augen auf seine trafen. War das Erleichterung in ihren Augen zu sehen? Oder eher Angst? Er konnte es nicht einschätzen, sein Gehirn wollte aber noch nicht gänzlich funktionieren. Sie sprach mit ihm, hatte Angst um ihn gehabt, da bestätigte er für sich die erste Einschätzung, es sah wohl nach Erleichterung aus. Ein wenig lächelte der Mann ihr zu, als sie ihre Wortwahl verbesserte, er war ihr Ausweg von hier, ja, das wollte er gerne sein, aber in diesem Zustand sollte sie wohl froh sein, wenn er sich noch als ein menschliches Schutzschild anbieten kann, für mehr war er nicht zu gebrauchen, jedenfalls noch nicht. Dennoch schien es Überlebende des Angriffs zu geben, damit wird es Menschen geben, die man von hier fort schaffen könnte, um sie in Sicherheit zu bringen, ein erstes Ziel, welches sich der Mann merkte. Er horchte wieder, kaum hatte die Frau wieder das Wort ergriffen, sie hatte Vorräte besorgt, deshalb war sie verschwunden, jetzt verstand Gabriel, den Grund für ihren Zustand an der Tür wurde ihm auch relativ schnell klar, sie hatte die Feinde erblickt, die sie mit Sicherheit früher oder später hier erblicken könnten. Ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste: Schnellst möglich für ein anderes Versteck sorgen, ohne, dass sie erblickt werden. Die Liste würde sich mit Sicherheit noch weiter füllen, aber zunächst was das Gesund-Werden an erster Stelle, oder eher so weit fit, dass er hier raus konnte, ohne bei jedem zweiten Schritt zusammen zu brechen.
      Die Blondine setzte sich zu ihm, ein wenig Platz bot das Sofa immerhin, weiter rutschen konnte der Soldat aber nicht, er hatte Sorge, dass der Körper ihm mit Schmerzen dafür danken wird. Rachel war ihr Name, da lächelte der Mann sachte, bevor er ihr seine rechte Hand anbot, um das Kennenlernen vollständig zu gestalten. "Gabriel". Er räusperte sich, die Stimme war noch ziemlich verkratzt, aber das würde gleich schon werden. "Danke.. Für einfach alles". Es war nicht selbstverständlich, dass sie das alles für ihn getan hatte. "Ich glaube.. Ich habe nur ein paar Rippen gebrochen.. der Fuß wird schon in Ordnung gehen.. Wir werden hier raus kommen.. Hats du irgendwelche Waffen?". Ohne dessen würde es sonst schwierig werden.

      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."