The Demonking rise again [Heavy&Caili~]

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    • The Demonking rise again [Heavy&Caili~]

      Seira Goldenrose

      Die Hände fest um den Griff ihrer großen Axt, welche sie seitlich von sich hielt, bereit bei Feinkontakt diese zu erheben und sich zu verteidigen, lief sie außer Atem durch die große, dunkle Halle aus schwarzem Stein, direkt durch das Innere durch das Schloss des Dämonenkönigs.
      Endlich hatte Seira nach vielen Jahren harten Trainings und zahlreichen gefährlichen Abenteuern, welche sie nur noch stärker gemacht hatten und ihr geholfen hatten als das zu wachsen, was sie an diesem Tag in Begriff war zu werden: eine Heldin, welche die Menschheit vor ihrer größten Bedrohung rettete, dem Dämonenkönig selbst, ein furchterregendes Monster, dessen Kraft eines jeden Dämons übertraf.
      Und Seira würde sich diesem Stellen, mit allem was sie hatte, alleine.

      In der Lage allen anderen Kämpfen aus dem Weg gehen zu können – die Bewohner des Schlosses mussten es aufgegeben haben sie aufhalten zu wollen – stand sie nun endlich vor der großen, eisernen Tür, welcher man geradezu ansehen konnte, dass auf der anderen Seite ein Bosskampf, nein, der letzte und schwerste Bosskampf von allen, auf sie wartete.
      Sie gab sich ein paar Minuten, in denen sie ihre Atmung beruhigte, sich mental auf den bevorstehenden Kampf vorbereitete und dachte dabei für einen Moment an ihre Kameraden, welche am Rand des dunklen Waldes auf sie warteten, ohne es zu wissen.
      Sie waren alle erschöpft von der harten und gefährlichen Reise durch das Reich der Dämonen, manch einer hatte Verletzungen davon getragen, welche noch nicht verheilt waren, weshalb Seira sich vorgenommen hatte zumindest diesen letzten Kampf alleine bestehen zu müssen, da sie niemanden mehr verlieren wollte.
      Sie war alles, die sie alle davon überzeugte hatte ihr zu folgen und nun würde sie diese Reise mit ihren eigenen Händen zu Ende führen.
      Sich ein Herz fassend wollte sie gerade die schweren Türen öffnen, doch sobald sie die Hand gegen das kalte Metall legte, öffnete sich diese, als hätte man sie erwartet.
      Natürlich.
      Sie hatte sich nicht gerade in die dunklen Mauern hinein geschlichen, er musste sicherlich schon längst Bescheid wissen, dass sie auf dem Weg zu ihm war... vielleicht war sie auch deswegen keinen weiteren Monstern und Dämonen begegnet, aber ihr sollte es recht sein.
      Denn diesen Kampf würde der Dämonenkönig nicht überleben, da war sie sich sicher, doch in diesem Moment, wo sie wieder ihre Axt fest in den Griff nahm, die Waffe schützend, bereit zum Angriff, vor sich hielt und mit einem festen Blick die Szene vor ihr fixierte, konnte sie nicht ahnen, was sie wirklich im Thronsaal des Dämonenkönigs erwartete.

      Während sich die Türen fast schon quälend langsam öffneten, machte Seira die ersten Schritte, zögernd, hinein, immerzu im Hinterkopf behaltend, dass eine hinterhältige Falle auf sie warten könnte, doch stattdessen erblickte sie den großen, prachtvollen und doch unheimlichen Thronsaal.
      Seira musste nicht lange suchen, um zu finden, wonach sie suchte, denn da war: der Dämonenkönig.
      Ihr Blick verfinsterte sich, bedrohlich zog sie ihre Augenbrauen zusammen, denn vor ihr war das Wesen, dass für all das Leid der Menschen verantwortlich war, der Inbegriff des Bösen, die Personifikation alles Schlechten in dieser Welt, als... sie stockte für einen Moment, ihre Gesichtszüge bildeten blanke Verwirrung, ihre Augen wurden groß, während Seira den ihr fremden Mann anstarrte... den ihr eigentlich fremden Mann, doch sie musste feststellen, dass er ihr bekannt vor kam, las kenne sie ihn bereits für eine sehr lange Zeit. Als kanntesie ihn seit einer sehr langen Zeit.

      Seira konnte das Lachen von Kindern in ihren Ohren fast schon hören, als sie sich an eine lang vergangenen, frühere Zeit erinnerte, als alles noch einfacher war, als alles noch friedlicher war, zurück zu einer Zeit, wo er noch da war.
      Das Aufeinander schlagen von Holz war durch das Dorf zu hören, während zwei Kinder sich verschmitzt angrinsten, versuchten eine Öffnungen bei dem jeweils anderen zu finden, ihn zu übertreffen, doch auch an diesem Tag ging ihr kleiner Kampf mit einem Unterschieden zu Ende, als sie sich außer Atem gemeinsam in das weiche Gras legten und wieder begannen von Abenteuern und Helden zu träumen.
      Niemals hätte sie dieses Gesicht vergessen können, es hatte sie immer bei ihren Reisen begleitet, es war ihr größter Antrieb gewesen den damaligen Kindheitstraum zu erfüllen, für Beide, nachdem er... ihr damals bester Freund... die schönen, fröhlichen Erinnerungen aus Kindheitstagen verschwanden, wurden blass um von anderen, dunkleren Erinnerungen abgelöst zu werden.
      Die Abenteurerin erinnerte sich daran, wie sie als Kind Stunden lang durch den dunklen Wald gerannt war, mit tränenüberströmtem Gesicht immer wieder seinen Namen gerufen hatte.
      Sie hatte nie glauben wollen, dass der freche Junge einfach verschwunden war, vielleicht von wilden Tieren oder Monstern getötet, sich in der Tiefe des Waldes verlaufen und nie wieder den Weg zurückfinden würde, oder schlimmeres.
      Immer wieder hatte sie seinen Namen geschrien, nach ihm in ihren Träumen gerufen, und nun...
      „Nero...“, murmelte sie, als wäre dieses Wort alleine ein Heiligtum, das nicht ausgesprochen werden sollte, schon gar nicht in einer Situation wie dieser.
      Seira war sich sicher, dass waren seine Gesichtszügeseine Augen!
      Doch was sie nicht verstehen konnte, war die blaue Haut, die Hörner, die aus seinem Kopf wuchsen und die Krallen an seinen Händen und... das er dort stand, wo sie den Dämonenkönig erwartet hätte.

      Mit einem Mal biss die Frau mit der Axt wütend, frustriert die Zähnen zusammen und ihr feindseliger Blick richtete sich zu Boden, als könnte sie nicht mehr ertragen, ihn anzusehen.
      „... was wird hier gespielt?“, raunte sie, es war unmöglich, dass das Nero war.
      Welchen Trick nutzte dieser Abschaum denn nun gegen sie?! Wie konnte ausgerechnet er es wagen sein Gesicht zu tragen?!

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      @Heaven_Lumen
    • Nero Irthil

      „Sie ist hier…“ Die ergebene Stimme seines Beraters und zugleich treuen Freundes Sarnek durchbrach die eisige Stimme, welche den Thronsaal einhüllte. Dunkel, gleich schwarzem Obsidian, ragten die Wände nach oben und formten sich zu einer spitzen Kuppel, welche den Blick auf den düsteren Himmel preisgab. Staturen von eleganten und doch mächtigen Wesen säumten die Seiten des Saales als wären sie die Säulen, welche das dunkle Konstrukt stützten. Und in der Mitte saß er, auf einen Thron bestehend aus rot glühendem Rubin, welcher sich in Form eines mächtigen Drachen emporragte. Auf diesem kunstvollen Gebilde saß der Dämonenkönig mit entspannter Haltung, seinen Kopf dabei auf einer Hand abstützend. Ein berechnendes Lächeln umspielte seine Lippen.
      „Lass die Heldin der Menschen kommen. Sie hat genug unseres Volkes geschlachtet, ich werde mich ihr nun selbst annehmen.“, befahl er in ruhiger Stimme.
      „Aber mein König…!“, begann Sarnek besorgt einzuwerfen, doch die erhobene Klaue seines Herrn ließ ihn verstummen. „Nichts aber, mein Freund. Es ist schon genug Blut geflossen und ich werde dem Einhalt gebieten. Befehle den Wachen sich weitestgehend zurückzuziehen und verschwinde.“, unterbrach Nero seinen Berater entschieden. Seine azurblauen Augen lagen auf seinem zögernden Freund, dem sichtlich nicht wohl dabei war. Doch schließlich senkte sich das Haupt des Waldgeistes, dessen Gesicht nicht mehr als ein tierischer Schädel mit mächtigem Geweih war. Die Hand, dessen Haut stark an Rinde erinnerte, legte sich auf seine Brust als er sich verneigte. Mit einem leisen Rascheln junger Blätter war Sarnek schließlich verschwunden und der König blieb allein zurück. Seine Augen lagen auf der Tür, geduldig wartend auf das was kommen möge. Er hatte bereits von der vermaledeiten Abenteurerin gehört, welche Dämon um Dämon den Gar ausmachte und mit ihren Leuten sein Territorium schändeten. Die spitz zulaufenden Zähne des Schwarzhaarigen pressten sich wütend zusammen. Wie viele Seinesgleichen mussten noch sterben, bis diese verdammten Menschen endlich genug hatten? Kannte ihre Gier keine Grenzen? War es nicht genug, dass sie ihre Mutter Erde in den Städten töteten? Sie unter Stein begruben und verbrannten? Bitterkeit erfüllte den jungen Herrscher. Nein, es wurde Zeit diesen ewig währenden Krieg zu beenden. Und der Tod der ach so gefeierten Heldin dürfte den Menschen verdeutlichen, dass niemand… niemand es wagen sollte, ihn herauszufordern. Ansonsten würde er beginnen die Dörfer und Städte niederzumetzeln, wenngleich ihm diese drastische Maßnahme bislang Unbehagen bereitet hatte.

      Es war nicht so, dass er die Menschen immer gehasst hatte. Nein, er hatte sogar einst geglaubt, er gehöre zu ihnen. Das war bevor er ihre Grausamkeit kennenlernte. Dass eben jene Wesen, die er in seiner Kindheit geliebt hatte, die wahren Monster in diesem Land waren. Nein, für sein Volk, seiner neuen Familie, würde er nicht einen einzigen Dämon mehr opfern.
      Er spürte ihre Anwesenheit noch ehe sie wirklich bei ihm war und mit einem kühlen Lächeln hob er lediglich seine Hand, dass das schwere Tor sich zu öffnen begann. Eine Frau trat ein, bewaffnet mit einer stark aussehenden Axt. Glaubte sie wirklich, sie könne damit etwas gegen ihn oder seinen berüchtigten Klingen etwas ausrichten? Nein, das war lächerlich. Dennoch, diese Axt hatte das But vieler seiner Leute gesehen und allein das genügte, um sie zerstören zu wollen. Langsam erhob er sich von dem roten Throngebilde und schritt die Stufen hinab, seine Klingen bereits in seinen Klauen liegend. Er erlaubte es sich, die Aura seiner Macht preiszugeben, welche von Unheil und Verderben sprach und begutachtete genauer die selbsternannte Heldin vor sich.
      Und erstarrte in seiner Bewegung.

      Nein, das konnte nicht… Seine blauen Seen weiteten sich als er in ihre Augen sah. Ihr Körper mochte älter sein, zu viele Jahre waren vergangen. Dennoch flackerte vor seinem geistigen Auge das Bild des aschblonden Mädchens mit den seltenen, rötlich wirkenden Augen und einem breiten Lächeln, welches von Glück sprach, auf. Ein Glück, dass er lange zurücklassen musste. Er konnte noch die nach Kohle und Eisen riechende Luft auf seiner Zunge schmecken, hatten sie sich doch so oft in der Schmiede ihres Vaters aufgehalten und ihm zugesehen, wie er seine Werkstücke formte. Nur um danach mit Holzschwertern bewaffnet das Dorf unsicher zu machen oder einem unsichtbaren Feind im Wald hinterherjagen. Schmerz ließ sein Herz sich zusammenziehen. Nein, das konnte nicht… Das war jene Abenteurerin, welche seine Leute meuchelte?!
      Die Grausamkeit dieser Erkenntnis traf ihn unerwartet hart und er konnte sie nur mit entgeisterter Miene ansehen.
      Der Traum von Abenteuern war ihrer beider gewesen vor langer Zeit, sie hatten sich sogar vorgenommen Helden zu werden. Gemeinsam, Hand in Hand. Und doch war dies nicht mehr möglich gewesen. Zumindest nicht für ihn, sie stand immerhin vor ihm und offenbar war sie all das, wovon sie als naive Kinder geträumt hatten.
      „Seira…?“, entkam es ihm ungläubig und er trat sogar einen Schritt zurück, die zuvor erhobenen Klingen kraftlos an seine Seiten hängen lassend. Er konnte sie nicht erheben. Nicht gegen sie, das war doch absurd! Das war Seira… Seine Seira, das Mädchen, mit dem er seine gesamte Kindheit verbracht hatte. Seine Freundin, seine Gefährtin in seinen albernen Streichen, welche er sich ausgedacht hatte. Jene, die ihm die Hand gereicht hatte, wenn er wegen irgendetwas betrübt war. Das Mädchen, welche nun als erwachsene Frau vor ihm stand und offenbar ebenso geschockt wirkte wie er selbst. Nero blinzelte einige Male um sich zu vergewissern, dass dies keine trickreiche Illusion eines Magiers war, welcher ihn schwächen wollte. Doch er erkannte keine Magie welche sowas verursachen könnte.
      Sie war es wirklich. Älter, reifer und verbittert wirkend, das schöne Lächeln erhellte nicht ihre Züge. Sie war stark geworden, stärker als er es sich je ausgemalt hatte. Und ihre Wut schien sich gegen ihn zu richten...
      „Nein, das kann nicht sein. Sag mir, dass das nicht wahr ist…“, kam es beinahe schmerzhaft von seinen Lippen. Von allen Menschen ausgerechnet sie? Wollten die Götter ihn bestrafen? Ihn zwingen, seine beste Freundin zu töten um seinen Land Frieden zu schenken? Nein, das konnte er nicht. Er würde es nie übers Herz bringen.. oder? Völlig durcheinander strich er sich unruhig durch sein schwarzes Haar, eine Angewohnheit, die er seit Kindeszeiten nicht ablegen konnte.



      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Ihre Hände zitterten, während sie den Griff ihrer Axt in den Händen hielt, noch immer erhoben erinnerte sie sich daran, dass sie zum kämpfen hergekommen war, um diesen Mann vor, den Dämonenkönig zu töten, doch selbst als sie glaubte, dass sich dabei einfach um einen Trick handeln musste, konnte sie nicht ihren Mut zusammen fassen und den ersten Angriff zu starten.
      Während die Abenteurerin auf den Boden starrte, versuchte Herr über die Lage zu werden, ihre komplizierten Gefühle und Gedanken zu ordnen, die sich übereinander warfen, wie wilde die Tiere. Sowohl in ihrem Kopf als auch in ihrem Herzen herrschte pures Chaos, war das der Grund, wieso noch niemand den Dämonenkönig besiegen konnte?
      Standen sie sich dem Gesicht ihrer Liebsten gegenüber?
      Ungläubig blickte sie auf, als sie die schmerzerfüllten Worte ihres Gegenübers vernahm und realisierte erst jetzt, dass auch er mit dieser Situation zu kämpfen schien.
      Hatte er nicht... hatte er nicht ihren Namen gesagt? Woher sollte er diesen wissen, wenn er nicht... wenn er nicht Nero war?
      Ein Teil ihres Herzens hoffte, dass es sich um ihren tot geglaubten Freund handelte, war froh darüber, dass er noch lebte, dass sie ihm gegenüber stehen konnte... nur nicht so!

      Seira wurde Zeuge davon, wie der Dämonenkönig sich verloren durch das dichte, schwarze Haar fuhr und für einen Moment konnte sie an seiner Stelle den Jungen von damals sehen, die selbe Geste mit den selben Bewegungen ausführen, doch ging es damals allein um einfache Entscheidungen, wie ob er lieber das Blaubeer- oder das Himbeertörtchen haben wollte, welche das damals fröhliche und aufgeweckte Mädchen von ihrer Mutter erhalten hatte, um diese mit ihrem besten Freund zu teilen.
      Doch worüber grübelte er in diesem Moment? Wenn es tatsächlich Nero war... was war geschehen? Was ist passiert? Wieso... wieso war er zum Dämon geworden?! Wer hatte ihm das angetan?!
      Und wieso... wieso war er es, der auf dem Thron des Dämonenkönigs saß?!
      Sie wusste kaum, wie sie ihre Fragen in Worte formen konnte, die Erkenntnis, tatsächlich ihrem besten Freund aus Kindertagen gegenüber zu stehen, auch wenn die Zweifel noch nicht ganz begraben waren – ich meine, wer konnte das schon glauben?! - überwältigte sie.
      Sie wollte gar nicht erst wissen, wenn ihre Kameraden reagiert hätten, wenn sie Zeuge dieser Szene hätten sein müssen... mit einem Mal hatte sie das Gefühl Nero beschützen zu müssen, aber das war doch absurd?! Er war der Dämonenkönig, verdammt nochmal!

      Die Abenteurerin holte einmal tief Luft, versuchte zur Ruhe zu kommen, ihre Gedanken zu ordnen, sie konnten sich nicht für immer mit verwirrtem und ungläubigem Gesichtsausdruck gegenüber stehen, was nicht bedeutet, dass sie ihre Waffe senken würde.
      Die Gefahr, dass es sich noch immer um eine Falle handeln könnte, konnte sie nicht ausschließen, doch sie war sich sicher nicht in einer Illusion oder einem Traum gefangen zu sein.
      „... was tust du hier?“, gab Seira schneidend von sich, und sie zweifelte keine Sekunde daran, dass er wusste, wovon sie sprach.
      „Wieso stehst du dort... auf dieser Seite?! Wollten wir nicht... wollten wir nicht gemeinsam Abenteurer und Helden werden?! Nein, nein, das ist es nicht... wieso... du... du lebst?! Hast du eine Ahnung, wie lange ich nach dir gesucht habe?! Und dann bist du... bist du ausgerechnet hier?! Was ist nur passiert, Nero?!“, konnte sie die Worte nicht mehr stoppen, nachdem sie damit angefangen hatte ihren wirren Gedankengängen eine Stimme zu verleihen und konfrontierte den Mann vor ihr mit einem überhasteten Wortschwall.
      Erst als sie wieder nach Luft zu holen begann, wurde ihr bewusst, dass sie zu weinen begonnen hatte, die Tränen flossen still ihre Gesichtszüge hinab, ob aus Verzweiflung oder Freude, aus Trauer oder Glück, konnte sie jedoch selber nicht sagen.
      Sie konnte nicht anders als einen lachenden Laut ohne Freude von sich zu geben, als ihr bewusst wurde, wie lächerlich diese Situation wirkte, welch Seite sie ihrem eigentlichen Feind zeigte.
      Wann hatte sie zuletzt solche Schwäche gezeigt?
    • Nero Irthil


      Es dauerte nicht lange bis eine Flut der Fragen über Seiras Lippen perlten. Und jede traf ihn ungewollt mehr. Wie auch hätte er ihr damals sagen können, was wirklich los war. Er hätte sie und ihre Familie… und seine Familie… unnötig in Gefahr gebracht. Es war besser gewesen, dass sie ihn tot geglaubt hatte. Irgendwo hatte es Nero verletzt wenn er daran zurückdachte und sich ausmalte, wie Seira ihn mit der Zeit vergessen hätte. Aber ein anderer Teil hatte es auch gehofft, dass die Erinnerungen an ihn irgendwann verblassen würden. Er wollte sie nicht leiden sehen und doch spielte sich genau das vor ihm ab.
      Tränen begannen ihre hellen Wangen zu benetzen und ihre Augen sprachen von unglaublichem Schmerz und Leid, welches sein Verschwinden für sie bedeutet hatte. Aus Instinkt trat er sogar einen Schritt auf sie zu und hob seine Hand. Er hasste es, wenn Seira weinte. Das hatte er schon immer. Als Junge hatte er sie dann mit Albernheiten abgelenkt oder ihr seine Hälfte der gebackenen Plätzchen seiner Mutter gegeben. Anschließend war er mit seiner Hand sie ärgernd durch ihre Haare gewandert und hatte diese völlig zerwühlt, bis sie lachend sich zur Wehr gesetzt hatte. Doch weder Scherze noch süßes Gebäck würden jetzt helfen.

      Als Nero bewusst wurde, wie bedrohlich seine für ihn normale Hand auf einen Menschen wirkte, hielt er in der Bewegung inne und ließ seine Hand schließlich sinken ohne sie zu berühren. Sein Körper schien sich noch immer an jede Geste zu erinnern, welche er mit ihr getauscht hatte und die Vertrautheit war beinahe erschreckend. Bitterkeit verzerrte seine Züge.
      „Ja, das wollten wir… Helden werden… Aber ich konnte es nicht, es war mir nicht vergönnt.“, kam es leise von ihm. Auch wenn er ihren Vorwurf durchaus verstand, konnte er nichts gegen eine leichte Wut unternehmen, welche sich in ihm ausbreitete.


      „Glaubst du ich habe nicht gelitten? Was hätte ich den machen sollen, mich am nächsten Tag in dieser Form präsentieren? Damit das Dorf mich gleich hinrichtet?“, gab er sarkastisch von sich und versuchte gar nicht erst, seinen Frust zu verbergen. Er hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht! Er hatte sich nicht ausgesucht, aus seiner Heimat fliehen zu müssen wie ein räudiger Hund. Und doch hatte er fliehen müssen, die Menschen hätten ihn nie so akzeptiert!
      „Als hätte mich auch nur einer von euch weiterhin akzeptiert, als ich mich verwandelt habe. Denkst du ich habe das hier gewollt? Gewollt, dass ich eine Welt sehe, welche von Menschen niedergebrannt wird? Unschuldige, die durch eure Hand sterben? Nein, das habe ich nicht gewollt. Ich stehe auf dieser Seite weil die Wesen jemanden brauchen, der sie beschützt. Weil ich nicht zulassen kann, dass ihr jene, welche mich aufnahmen und mir eine Heimat schenkten, abgeschlachtet werden als wären sie Vieh!“ Neros Stimme wurde lauter und der Zorn bemächtigte sich ihr. Was er hier machte sollte damit wohl geklärt sein.
      Es tat weh zu wissen, dass Seira ebenso dazugehörte. Auch sie hatte Monster getötet, ohne Grund und nur des Ruhmes wegen. Dies war immerhin das Leben eines Abenteurers, auf Ruhm und Geld waren sie alle aus. Mittlerweile hasste sich der Dunkelhaarige dafür, dass er jemals den Wunsch verspürt hatte, zu solch Menschen dazuzugehören.
      „Die Welt ist anders, als wir sie als Kinder gesehen haben, Seira. Es wurde für mich Zeit erwachsen zu werden.“, fügte er kühler an als er es beabsichtigt hatte. Dabei wandte er seinen Blick von ihr ab, zu sehr erinnerte sie ihn an jene Zeiten, welche ihm so sehnlichst gefehlt hatten. Trotz seiner neuen Familie, seinem neuen Volk hatte die Hellhaarige ihm immer gefehlt.
      Sie auf diese Art wiederzusehen erschütterte Nero gänzlich. Er fühlte sich verraten. Verraten vom Schicksal, welches ihm nicht einfach irgendeinen namenlosen Helden schicken konnte, den er ohne Zögern ins Jenseits befördert hätte. Er stieß frustriert die Luft aus seinen Lungen und versuchte, seine innere Aufruhr zu beruhigen.

      „Verschwinde von hier, ich kämpfe nicht gegen dich.“, entschied er und mit einem letzten, schmerzhaften Blick wollte er Anstalten machen, zu seinem Thron zurückzukehren.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Als Nero mit erhobener Hand einen Schritt auf sie zu machte, zuckte sie instinktiv zusammen und fasste den Griff ihrer Waffe fester, es war wie ein Instinkt, der sie befiel, wenn sie auch nur die Anwesenheit eines Dämons oder eines Monsters vernahm, eine Angewohnheit, die ihr bereits das ein oder andere Mal das Leben gerettet hatte, doch als ihr bewusst wurde, wie verletzend das für ihren ehemaligen Freund sein musste, wusste sie nicht recht, ob sie nicht lieber die Waffe ablegen wollte, wenn man bedachte, dass auch ihr Gegenüber seine Waffen abgelegt hatte.
      Doch die Reaktion ihres Körpers warf ihr noch einmal schmerzhaft vor Augen, dass sie Feinde waren.

      Seira vernahm nicht mehr als ein Flüstern, ein Murmeln, von dem mächtigen Dämon ihr gegenüber – seine dunkle, starke Aura machte ihr deutlich, dass er bei weitem kein Mensch mehr sein konnte und ein weiteres mal fragte sie sich, was mit ihm passiert war, doch sie glaubte in diesem Moment kaum eine anständige Antwort zu erhalten – verstand nicht genau, was er sagte, wurde aber hellhörig. Sie wollte Antworten auf ihre Fragen, die schlimmer brannten als der Atem eines Drachen.
      Und mit einem Mal veränderte sich etwas in ihrem ehemaligen Freund, die weichen Züge, die sie an den Jungen aus dem Dorf erinnerte, verhärteten sich, zeigten Bitterkeit und Wut. Sie glaubte sogar Abscheu in seinen Augen zu erkennen, doch die Worte die nun folgten, konnte sie beim besten Willen nicht glauben.

      „Ich... ich hätte niemals-!“, machte sie einen Schritt nach vorne, hielt den Griff ihrer großen Axt nur noch mit einer Hand und legte diese seitlich an ihren Körper, nach hinten gerichtet, während sie die andere Hand auf ihre Brust legte, über ihr Herz, als könnte sie dadurch zeigen, wie ehrlich sie es meinte, doch sie stockte, für einen Moment tatsächlich über seine Worte nachdenkend und schluckte, als ihr schmerzlich bewusst wurde, dass er vielleicht recht hatte.
      Auch wenn Seira versucht hätte ihm zu helfen, nach einer Lösung zu suchen, sie war nur ein Kind gewesen. Vielleicht hätte sie ihn im Wald verstecken können, aber was dann?
      Konnte man... konnte man es überhaupt rückgängig machen? Die Abenteurerin wusste es nicht, wusste sie doch noch nicht einmal, was mit ihrem ehemals besten Freund überhaupt passiert war.
      Noch realisierte sie nicht, dass er vielleicht von Anfang an ein Dämon gewesen sein könnte.

      Bei Neros nächstem Satz hätte sie ihn am liebsten unterbrochen, ihm protestierend entgegen geschrien, denn sie war sich sicher, egal wie er aussah, egal was mit ihm passiert war, sie hätte ihn akzeptiert. Sie wagte sich nicht einmal auszumalen wie panisch der damals kleine Junge hatte sein müssen, als er mit einem Mal begann die Gestalt eines Dämons anzunehmen, welch dunkle und schwierige Gedanken er sich damals gemacht haben musste, ganz alleine, ohne dass er mit jemandem darüber reden konnte, die letztendlich zu der schwierigen Entscheidung geführt hatte sie alle zu verlassen? Die Menschen, die er über alles schätzt und liebt einfach zurück zu lassen?
      Sie wollte nicht daran glauben, dass es einfach für ihn gewesen sein könnte.
      Doch schon bald wandelten sich ihre Gesichtszüge und wechselten von Protest zu schierem Unglauben und Unverständnis, ein großes Fragezeichen lag in ihren Augen begraben, weder ihr Herz noch ihr Verstand konnte verstehen, wie er so etwas nur glauben konnte.
      Aus ihrer Sicht der Dinge war alles die Schuld der Monster und Dämonen, sie töteten die Leute, griffen Dörfer und Städte an, zerstörten das Weizen und ihr Vieh, so dass sie hungern mussten. Waren sie es nicht, die das Land der Menschen in Flammen stürzten? Waren es nicht die Dämonen, die die unschuldigen töteten, ohne eine Miene zu verziehen?
      Neros Worte verletzten sie abgesehen davon auf einer noch tieferen Ebene, als er es vielleicht ahnen könnte, denn auch sie hatte schon vor ihrem neuen Leben als Abenteurerin die ein oder andere Person verloren, welche ihr am Herz lag... und sie hatte auch geglaubt, dass Nero einer von diesen Menschen hätte sein können.

      Seine Worte waren so fremd, klangen so falsch in ihren Ohren, und doch bemühte sie sich sie zu verstehen,ihn zu verstehen, aber was er durchgemacht hatte, wusste wohl nur Nero.
      Mit einem Mal jedoch wollte dieser sie fortschicken, Seira blickte auf, als sie diese Worte hörte, von nachdenklich zu überrascht, ehe sie ohne darüber nachzudenken ihm hinterher hastete und nach seinem Handgelenk griff, ihm einen entschiedenen Blick zu warf.
      „Nein.“, gab sie bestimmt von ihr, „Ich gehe nicht, bevor du mir nicht alles erklärt hast! Nero, was um alles in der Welt ist nur mit dir passiert?! Wieso... ich verstehe nicht, wie du denkst!! Was haben dir diese Leute erzählt?! Die Menschen sind es die unter den Dämonen leiden, weißt du es denn nicht mehr? Wie sie Reisenden auf ihren Wanderwegen auflauern? Wie sie ganze Städte und Dörfer nieder brennen und damit drohen die Menschheit auszurotten? Du warst du auch einmal einer von uns! Du hast die Geschichten doch gehört! Ich töte keine Unschuldigen! Würdest.. würdest du mir so etwas wirklich zu trauen? Verdammt Nero, ich habe geglaubt du könntest einem Monster zum opfer gefallen sein! Ich bin nicht nur Abenteurerin geworden, um unseren damaligen Kindheitstraum zu erfüllen.. erinnerst du dich noch? Ich hatte gehofft, vielleicht eine Spur von dir zu finden, wir haben deinen Körper nie gefunden. Ich hatte immer gehofft... mir gewünscht dass du lebst! Ich weiß nicht welche Lügen man dir erzählt hat oder was man dir angetan hat, aber bitte Nero, lass mich dir helfen!“
    • Nero Irthil

      Nero wagte es nicht, sich umzudrehen. Er fürchtete, dass ihr Anblick nur noch mehr dafür sorgen würde, dass sein Herz splitterte. Er ertrug den Anblick der aschblonden Frau nicht, es war zu viel. All die Jahre hatte er sie vermisst, sich selbst gehasst, zu den Dämonen zu gehören. Dazu gewählt, der Stärkste unter den Wesen zu sein. Er hatte sich verabscheut, hatte gezweifelt und sogar versucht, seine Existenz zu beenden. Wäre Sarnek nicht gewesen hätte Nero sich selbst in einen dunklen Abgrund der Verzweiflung gestürzt. Natürlich hatte er sein eigenes Wesen verabscheut, hatte geschrien und geweint und doch waren die Hörner nicht verschwunden und die Klauen waren ebenso geblieben. Er hatte all jene Geschichten geglaubt, hatte geglaubt, er wäre nun dazu verdammt, den Menschen unrecht zu tun. Doch dem war nicht so, Sarnek hatte ihm ihre Welt gezeigt. Hatte ihn die friedvollen Wesen gezeigt, welche nur versuchten zu überleben. Zu überleben in einer Welt, welche von den Menschen dominiert wurde. Eine Welt, in der die Sterblichen keinen Platz ließen um den übernatürlichen Schöpfungen Mutter Natur eine Möglichkeit zum Leben zu gewähren. Er ballte seine Klaue zu einer Faust und seine eigenen Krallen schnitten ihm schmerzhaft ins eigene Fleisch, dass dunkles Blut aus ihnen hervorquoll.
      Als Seira, wie ungewohnt, ihren Namen nach so langer Zeit nicht mehr nur als eine Kindheitserinnerung vor Augen zu haben, sich weigerte zu gehen konnte er nicht anders, als sie abermals anzusehen. Zumal sie bereitwillig sein Handgelenk umklammert hielt, als wöllte sie mit aller Macht versuchen, ihn aufzuhalten. Er zuckte bei der Berührung merklich zusammen und sah einen Moment lang ungläubig auf ihre warmen Finger, welche sich um seine deutlich blassere und bläulich schimmernden Haut schlossen.
      Ihr Griff war stark, stärker als er es früher gewesen war. Diese ungewohnte und doch so vertraute Berührung ließ ihn förmlich versteinern. Sie plötzlich so viel näher vor sich zu sehen ließ ihn kurz stocken.
      Seira war nicht länger das kleine Mädchen, was er kannte. Sie war eine junge Frau geworden und obwohl er sie damals immer aufzog, dass sie viel zu klein wäre oder mal eine nervige Frau werden würde, hatte er keine Ahnung gehabt, wie sehr er sich getäuscht hatte. Vor ihm stand eine starke und mutige Frau, die sich sogar getraute, den Dämonenkönig selbst zu berühren- ohne erhobene Waffe, wie er überrascht feststellte. Hatte sie diese blutrünstige Axt eben noch fest in beiden Händen gehalten ruhte diese nun in ihrer freien Hand an der Seite. Kurz suchten seine Augen etwas in ihren, ohne dass er genau sagen konnte, nach was er genau suchte. Sie war hübsch geworden. Und größer oder stärker, als er es sich vorstellen konnte. Trotzdem hatte sie noch immer eine recht zierliche Gestalt, zumindest hatte es den Anschein von dem, was er unter ihrer Rüstung erkennen konnte.

      Die Flut ihrer Worte nahmen ihm den Atem und erinnerten Nero daran, wie naiv er einst war. Ja, auch er hatte den Erzählungen geglaubt, unwissend, dass Menschen ein verlogenes Volk waren. Er bestritt nicht, dass es nicht auch Monster gab, welchen ihren raubtierartigen Urinstinkten folgten. Es gab immer Ausnahmen, welche sich von der breiten Masse abhoben. Doch jene waren in seinem Volk rar gesät und er duldete kein sinnloses Töten in seinen Reihen. Zu viele Jahre hatte er gelernt, was es bedeutet ein Herrscher zu sein und nun gab er sich als Beschützer und Richter seines Volkes. Gewissenhaft...und ohne Zweifel... Ohne Zweifel! Warum mussten ihre Worte eben diese jetzt in seinem Herzen entfachen?! Warum begann er an seiner eigenen Existenz zu zweifeln?! Und warum fühlte sich seine Kehle so trocken an als hätte er Sand geschluckt? Eine Stimme schrie ihn innerlich an, er sollte sich von ihr losreißen, sie hinauswerfen oder ihr den Garaus machen. Doch sein Herz sprach gegen diese Stimme und er schaffte es nicht einmal, seinen Arm aus ihrem Griff zu befreien. Oder gar sie zu unterbrechen. Sie schien nichts zu wissen und versuchte dennoch, ihn zu verstehen. Wollte sie ihn verstehen? Nero wusste es nicht. Er wusste gar nichts mehr... Abermals strich er sich mit der verletzten Hand durch sein Haar und stieß ein lautes, beinahe verzweifeltes Lachen aus. Gequält sah er sie durch seine Finger hindurch an.
      Warum konnte sie nicht irgendjemand sein? Jemand den er nicht kannte? Was tat er hier eigentlich, das Leben seines Volkes stand auf dem Spiel und er schaffte es nicht einmal, seine Hand zurückzunehmen. Was war er nur für ein König... Doch er war machtlos, zu sehr hing der Teil seines alten Selbst an dieser Frau.
      Als Seira verstummte und ihre großen Augen zu ihm aufsahen, darauf wartend, dass er sich erklärte, platzte eine entscheidende Frage aus ihm heraus, die ihn quälte.

      "Fürchtest du dich nicht?" Heißer kamen diese Worte über seine Lippen und seine blauen Augen lagen direkt in ihre, als er sich gänzlich zu ihr umdrehte und damit direkt vor ihr stand. Er nahm die Klaue von seinem gesicht und legte seine Krallen unter ihr Kinn, jedoch bedacht, sie nicht zu verletzen.
      "Das hier war ich schon immer. Auch als wir noch Kinder waren, ich war nie etwas anderes als ein Monster, was ihr Menschen so verachtet.", gab er bitter von sich. Seine Worte waren wahr, Sarnek hatte es ihm gesagt. Die Wandlung hatte nur zu spät bei ihm begonnen, da seine wahre Natur durch das Leben unter Menschen in einen Schlaf versunken war. Er lächelte bitter, genoss jedoch zugleich die Möglichkeit, sie berühren zu dürfen.
      "Aber ich habe mit eigenen Augen gesehen, was Menschen diesen Wesen antun. Die Geschichten stimmen nur zum Teil. Ich kann mich nicht erinnern, wie die Reisenden erzählt haben, wie sie kleine Geschöpfe, welche Kindern ähnelten, niedermetzelten um deren Felle zu erhaschen. Kannst du es deren Eltern verübeln wenn sie Vergeltung üben? Kannst du den Wesen verübeln, dass sie über die Dörfer herfallen, welche ihren Wald für ihre Häuser niedermachten? Ihre Sümpfe vernichteten? Ihre Höhlen verschütteten? Ich habe lange daran geglaubt, Seira. Ich habe mich gehasst, dass ich einer von ihnen war. Bis ich gesehen habe warum die Dämonen so handeln... Bis ich verstanden habe, warum es mich gibt." Er stockte einen Moment, als seine Stimme zu brechen drohte. Sie hatte nach ihm gesucht. Die ganze Zeit? Hatte sie niemand anderen, welcher an ihrer Seite nun weilte? Nein, allein der Gedanke ließ ihn wütend werden. Nero schüttelte den Kopf.
      "Ich wollte zu dir zurückkehren. Oft sogar. Dir alles erklären... Aber ich wusste, du würdest Angst haben. Selbst jetzt zittert dein Körper in meiner Nähe...." Er ließ ab von ihr und zog nun auch seine Hand aus ihrer zurück, brannte ihre Haut nun unangenehm auf seiner.
      "Ich brauche keine Hilfe, Seira. Hier wurde ich aufgenommen und wertgeschätzt, was ich niemals von unserem Dorf hätte verlangen können. Ich habe jetzt meine Familie in diesem Volk gefunden. Ich will kein weiteres Blutvergießen mehr, ich will nicht mehr mit ansehen, wie Familien zerrissen werden.", drang sein sehnlichster Wunsch beinahe verzweifelt aus ihm hervor. Nein, es war Zeit, dass dieser Wahnsinn endlich endete. Aber er konnte ihn nicht beenden. Er konnte Seira trotz alledem nicht opfern, nicht dafür und nicht sie. Ein Lächeln bildete sich auf seine Lippen als er seinen Blick über sie gleiten ließ. Doch hier konnte sie nicht bleiben, bald würde Sarnek und die anderen zurückkehren. Sie wäre in Gefahr, je länger sie hier verweilen würde.
      "Ich habe den Wachen befohlen sich zurückzuhalten, aber sie werden sicherlich bald misstrauisch. Du solltest wirklich gehen, bevor sie dich sehen." Kurz griff Nero unter sein Gewand und zog an dem ledernen Halsband, welches er unter seinem Gewand bislang verborgen hatte. Zum Vorschein kam ein kleine, metallene Klinge, welches aufwändig in eine kleine Form geschmiedet wurde, sodass sie als Anhänger dienen konnte. Vielleicht sah es aus wie ein einfacher, spitzzulaufender Metallstift. Doch die Symbolik war Nero jederzeit bewusst. Es war immer ihr Symbol gewesen, ihre Freundschaft und... Ihr Versprechen, gemeinsam auf Abenteuer zu gehen... Doch er musste dieses Versprechen jetzt brechen. Er konnte sie nicht begleiten, nicht dieses Mal. Er legte die kleine Miniaturklinge in ihre Hand obwohl seine eigene allein bei dem Gedanken krampfte, seinen bislang behüteten Talisman wegzugeben. Es war alles gewesen was ihm geblieben war.
      "Ich kann unser Versprechen nicht einhalten. Es tut mir Leid, Seira..."

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Mit festem Blick beobachtete Seira ihren einst besten Freund, den heutigen Dämonenkönig, wie sie heute hatte feststellen müssen. Bemerkte, wie er sich bei ihrer plötzlichen Berührung zusammenzog, und dieser gequälter Blick, welchen sie ihr zu warf und welchen sie nie auf dem Gesicht eines Dämons jemals zu sehen werden geglaubt hatte, ließ auch ihr Herz zusammen krampfen.
      Alles an diesem Moment, an dieser Szene, an ihr Aufeinandertreffen schien so falsch zu sein, so unnatürlich, dass sich Heldin und Dämonenkönig, Mensch und Monster, so gegenüber stehen, miteinander reden, miteinander streiten, den Schmerz des jeweils anderen spüren, zu verstehen versuchten... es war so unglaublich absurd, und doch fühlte es sich richtig an, und doch bemühte sich Seira den Gedanken, dem Feind der Menschheit gegenüber zu stehen, zu verscheuchen, das Unbehagen einem gefährlichen Dämonen so nahe zu sein, ihn zu berühren,zu unterdrücken, Nero nur als denjenigen zu sehen, der er war, oder eher als denjenigen, der er einst war.
      Es gab keinen Zweifel daran, dass sich Nero verändert hatte, ein Blick, ein kurzes Gespräch hatte genügt, um das festzustellen, aber es war deutlich, dass auch sie sich verändert hatte.
      Fünfzehn Jahre war es her, als die Beiden sich das letzte Mal gesehen hatten, die unbeschwerte Kindheit war vorbei, sie waren beide Erwachsen geworden, auf ihre jeweils eigene Art und doch wünschte sich Seira in diesem Moment nichts mehr, als das sie wieder Freunde sein könnten.
      So schwer es ihr auch fiel, würde sie sogar versuchen seine Sichtweise zu verstehen, die Welt mit seinen Augen zu sehen, wenn es die beiden näher brachte. Doch wenn ihre Welt letztendlich doch verschiedener waren, als die beiden es gerne hätte... wäre sie dann in der Lage ihn zu töten? Um des Friedens, um der Menschheit willen? Sie wollte nicht daran denken.

      Die Abenteurerin starrte den Dämonenkönig verwirrt an, sie hatte alles erwartetet, doch nicht diese Worte und doch ließ sie es zu, dass seine Krallen ihr Kinn berührten, zuckte nur kaum merklich aufgrund des ungewohnten Gefühls zusammen.
      Was sie hier gerade tat war verrückt, noch vor einigen Momenten hatte sie fest daran geglaubt, dass es sich hierbei um eine Falle handelte und wenn es eine war, dann begab sie sich gerade direkt in diese. Doch diese Gedanken erschienen ihr mit einem Mal lächerlich, wenn er sie töten wollte, dann hatte er bereits genug Möglichkeiten dazu gehabt, nicht wahr?
      „Vor dir? Dem frechen Nero?“, hoffte sie schmunzelnd durch einen Witz die Atmosphäre aufheitern zu können, auch wenn das Lächeln ihre Augen nicht zu erreichen vermag.
      Instinktiv wollte Seira protestieren, Nero war kein Monster, er war es noch nie gewesen und sie wollte auch jetzt nicht daran glauben, dass er eines war.
      Es stimmte, wenn sie sich nie als Kinder begegnet wären, wenn sie sich alleine als Heldin und Dämonenkönig gegenüber gestanden hätten... so gerne die Abenteurerin das auch abstreiten wollte, wusste sie doch, dass sie keine Sekunde daran gezögert hätte ihre Axt gegen ihn zu erheben, ihre Klinge mit den seinen zu Kreuzen und ihn zu töten, sollte sie siegreich hervor gehen.
      Wäre er denn überhaupt der Nero, der ihr so am Herzen liegt, wenn er von Beginn an unter den Monstern und Dämonen aufgewachsen wäre?

      Mit Schock in den Augen lauschte sie ihren Worten, war das war? Alles? Aber... waren es nicht die Dämonen, welche das Blutbad begonnen hatten? Wollten sie die Menschen denn nicht nur verteidigen? Überleben?
      „... Rache...“, murmelte sie mit einer Erkenntnis, welche ihr nicht im geringsten gefiel, „Und die Überlebenden der Dörfer schüren den Hass gegen Dämonen und Monster...“
      War es das? Ein endloser Teufelskreis des Hasses? Aber konnte sie Neros Worten denn einfach so vertrauen? Er war der Dämonenkönig, ein Mann der durch Worte alleine ein gesamtes Königreich zu Fall bringen konnte, es war gefährlich ihm einfach nur zu glauben, auf der anderen Seite war er jedoch Nero, ein verschmitzter Junge dem er jedes einzelne Wort geglaubt hatte, selbst seinen Sieg gegen einen Bären. Die Erinnerung brachte Seira zum schmunzeln, wie konnte sie nur jemals geglaubt haben, dass der kleine Junge von damals gegen einen Bären hatte siegreich hervor gehen können?

      Erst als Nero selber es zu Wort brachte, fiel der Abenteurerin auf, dass sie tatsächlich zitterte, ihr Körper auf seine dunkle, mächtige Aura reagierte, ohne, dass sie es bemerkte und sie biss frustriert die Zähne zusammen, wollte sie das doch nicht.
      Mit einem Mal zog er sich wieder von ihr zurück, gerade, als sie geglaubt hatte Nero endlich wieder Näher zu sein, fühlte sie wieder eine große Kluft, eine unsichtbare Wand zwischen den beiden, welche sie an ihre Rollen in dieser Welt erinnern wollte, daran, dass sie mehr trennte, als verband.
      Mit einem verletzten Blick in den Augen starrte sie ihren Gegenüber an, während dieser sie fortschickte, Worte von sich gab, die durchaus von Vernunft zeugten.
      Es wäre sicherlich der beste Weg, zu gehen, bevor sich noch jemand einmischen konnte. Auch Seira musste an ihre Kameraden denken, welche sie zurückgelassen hatte, ob sie mittlerweile erwacht waren? Ob sie sich denken konnten, wo sie war und ihr gefolgt waren? Wie würde er ihnen erklären, dass der Dämonenkönig ihr Kindheitsfreund war, von dem sie die ein oder andere fröhliche Geschichte geteilt hatte? Niemand würde ihr glauben.
      Und doch, obwohl es wohl die weiseste Entscheidung gewesen wäre, hielt die junge Abenteurerin das Stück Metall, welches ihr gerade übergeben wurde, fest in der Hand und weigerte sich zu gehen.
      Sie wollte es nicht so Enden lassen, ihn nicht noch einmal verlieren, gab es denn keine Möglichkeit, dass sie wieder Freunde werden könnten?!
      „Dann... dann lass uns ein neues Versprechen machen!“, gab sie hastig von sich und griff wieder nach seiner Hand, bevor er diese zurückziehen konnte und legte ihre Faust mit dem Stück Metall auf seine Hand, um es ihr wieder zu geben.
      Wenn Nero glaubte, sie würde einfach so gehen, dann musste sie sich mehr verändert haben, als sie gedacht hatte.
      „Wenn das was du sagst tatsächlich stimmt... wenn die Dämonen und Monster alleine nicht Schuld an all dem Leid in dieser Welt sind, dann... dann... dann will ich es sehen!“, kam sie ihm instinktiv näher, ihre Augen brannten mit dem Entschluss, es hier nicht enden zu lassen, sie war nicht zur Heldin geworden um ihre Freunde zurück zu lassen!
      „Ich... ich will es sehen. Ich will deine neue Welt verstehen, Nero, wie du daran glauben kannst, dass die Dämonen und Monster die guten sind, wenn du doch mit den selben Geschichten und Erzählungen aufgewachsen bist, wie ich. Und doch... hast du nicht mit eigenen Augen zusehen müssen, wie deine Freunde von ihnen ermordet werden, wie Unschuldige verzweifelt vor den Monstern fliehen, nie die Verzweiflung in den Augen der Verbliebenen...“, richtete sich ihr trauriger Blick gen Boden, während sie das kalte Metallstück wieder in seine Handfläche gleiten ließ, ehe sie seine Hand sachte mit den ihren darum schloss und nun entschlossen ihre Hände um die seine hielt, wieder aufblickend, nachdem sie sich für einen Moment gefasst hatte.
      „Ich werde dir zeigen, dass es noch gute Menschen gibt. Ich werde dafür sorgen, dass du auch ohne diese Wut in deiner Stimme über sie reden kannst!“, gab sie fest entschlossen von sich und blickte direkt in seine Augen.
      „Bitte... können wir nicht wenigstens versuchen einander zu verstehen... wenn auch nur um der alten Zeiten willen?“, bat sie gerade zu flehend.
    • Nero Irthil

      Dem frechen Nero… Ihre Worte hallten in seinem Kopf nach und es wollte sich bereits ein eben solches schalkhaftes Schmunzeln auf seinen Lippen ausbreiten, doch hielt er es zurück. Nein, das war falsch… Das war es doch oder? Der Dämon wusste nicht mehr, was er tun oder sagen konnte. Erst recht nicht, als sie seine Hand in ihre nahm, ungeachtet der tödlichen Klauen die er besaß. Er spürte wie sie seinen Talisman zurücklegte und instinkttief hielt er das kleine Stück Metall umklammert, als hinge seine Existenz daran. Das war nicht einmal gelogen, er hatte seine letzte Menschlichkeit durch dieses sentimentale Schmuckstück bewahrt. Ohne das Wissen seiner Landsleute verstand sich.

      Ein neues Versprechen.

      Ihr Vorschlag klang beinahe verlockend und Nero erwischte sich dabei, wie er sich förmlich darauf stürzen wollte, nur um sie endlich wieder an seiner Seite zu wissen. Zu wissen, dass er Seira nicht abermals verlieren würde. Ein nächstes Mal würde es danach nicht geben, das sagte ihm sein Gefühl.
      Ruhig lauschte er ihren Worten und erstaunlicherweise empfand er ihren Vorschlag sogar als gar nicht so abwegig. Die Hellhaarige näherte sich ihm noch mehr und etwas überrascht sah er auf sie hinab, war sie gegenüber ihm doch immer noch deutlich kleiner. Sie wollte es sehen? Seine Welt sehen? Und das freiwillig? Sie wollte Frieden. Die Erkenntnis traf ihn, als er in ihre entschlossenen Augen blickte, unfähig ihr zu widersprechen. Sie wollte es nicht enden lassen. Nicht so, nicht auf diese Art und Weise. Ein kleines Lächeln huschte dabei über seine Lippen. Sie war noch immer die gleiche Seira, noch genauso stur und mit dem Willen, unangenehme Situationen zu verbessern. Diesmal ging es jedoch nicht um eine schlechte Ernte, diesmal ging es um einen gesamten Krieg, den sie ändern wollte. Mit ihm.

      Nero musste zugeben, dass sie durchaus überzeugend auf ihn wirkte. Er wusste, dass er ihren beinahe flehendlichen Gesuch nicht abschlagen konnte. Noch weniger, als sich ihre warmen Hände um seine deutlich Kühleren legten und sie sanft umschlossen. Etwas überrascht atmete er tief ein und zwang sich, nicht auf die Verbindung zu sehen. Er nahm seinen Talisman gänzlich an, welchen sie ihrerseits losgelassen hatte und schüttelte dann nur den Kopf.
      „Wann hast du gelernt, so überzeugend zu sein?“, neckte er sie sachte, beinahe schon vorsichtig, als wüsste er nicht ob er es dürfte. Es sollte also noch gute Menschen geben? Menschen, welche nicht die grausamen Wesen waren, welche er kennenlernte? Einen Moment schwieg er, wägte die Vor- und Nachteile der Situation ab. Es würde nicht leicht werden. Er glaubte kaum, dass sein Volk plötzlich einen Menschen in ihren Reihen gutheißen würden… Oder die Menschen ihn. Nicht in dieser furchterregenden Form, welche er angenommen hatte. Und dennoch… Er seufzte resigniert auf und wusste, dass er in dem Moment verloren hatte, als sie begonnen hatte von einem neuen Versprechen zu reden. Er löste leicht seine Hände, nur um ihre in seine zu legen und drückte sanft zu.

      „Ein neues Versprechen also, hm?“, sagte er mehr zu sich selbst als zu seiner besten Freundin.
      „Wir…sollten einen Weg finden, wie wir nicht auffallen im anderen Reich. Du kannst mich schlecht so..“- damit deutete er kurz auf seine Gestalt-„..in eine Stadt nehmen. Und auch wenn ich meinen Dämonen befehle, dich nicht anzurühren, so werden sie Angst vor einem Menschen haben.“, gab er seine Bedenken zu, doch der Blick in ihren Augen blieb entschlossen. Er mochte diese starke Seite an ihr, wenngleich es ihm irgendwie etwas schmerzte, dass er nicht dabei war, als sie so erwachsen wurde. So ernst… das kannte er gar nicht. Er nahm seinen Anhänger an dem Lederband hoch und legte ihn wieder um seinen Hals, ehe er schließlich nickte.
      „Wir finden einen Weg… Versuchen wir es. Für unsere Freundschaft.“, sagte er letzteres jedoch etwas unsicher, ob sie überhaupt noch bereit wäre, mit jemanden wie ihm befreundet zu sein. Andererseits hätte sie ihn einfach angegriffen, wenn sie nicht noch immer an ihren Bund glauben würde. Die Anspannung fiel leicht von ihm ab, nachdem das geklärt war und diesmal etwas genauer ließ er seinen Blick über ihre Rüstung und ihrer Waffe gleiten. Dann zog er die Brauen hoch.
      „Eine Axt? Hätte ich nicht erwartet, dass du so eine schwere Waffe wählen würdest, wenn dir die Mehlsäcke damals schon zu schwer waren.“, bemerkte er leicht grinsend und genoss das vertraute Gefühl, sie zu necken. Das hatte ihm gefehlt. Als Herrscher wurde er dahingehend trainiert, mit ernstem Gesicht zu regieren. Ein Vorbild zu sein und seine Pflichten zu erfüllen. Da gab es keinen Platz für den frechen Jungen, der noch immer in seinem Inneren steckte. Und Sarnek würde seine Späße auch nicht so gut aufnehmen, zumal er ihn nicht necken konnte. Er war ein verdammter Geist, da gab es nicht viel, womit Nero ihn aufziehen könnte.


      Einen Moment zögerte er, wie er sich jetzt verhalten sollte. Doch schließlich warf er seine Bedenken über Bord, hatte er dies eigentlich tun wollen, seitdem sie den Thronsaal betreten hatte. Kurzerhand zog er Seira einfach in seine Arme und schloss seine Eigenen fest um sie. Das vertraute Gefühl der Geborgenheit ließ ihn lächeln. Wie lange war es her, seit er sie zuletzt umarmt hatte? Fünfzehn Jahre beinahe… oder war es länger? Es fühlte sich länger an… sehr viel länger, aber jetzt war sie hier mit einem neuen Versprechen und einem neuen Willen, die Dinge in die Hand zu nehmen. Erleichtert, dass sie sich nicht wehrte, stützte er seinen Kopf auf ihrer weichen Mähne ab, ehe das spitzbübische Grinsen zurückkehrte.
      „Du bist ja gar nicht gewachsen seit ich weg bin.“, stellte er nüchtern fest, wohl wissend, dass es sie ärgern würde.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Die Miene der Abenteurerin erhellte sich, als sie das Lächeln auf den Lippen ihres Gegenübers sah, hoffte, dass es ein Zeichen dafür war, dass er ihren Vorschlag annehmen würde, ein neues Versprechen mit ihr formen würde, welches er dieses Mal einhalten konnte, ungeachtete der Tatsache, wer die beiden waren, was sie waren.
      „Was meinst du? War ich nicht schon immer eine Meisterin der Überzeugung?“, erwiderte sie seinen ersten Worten, die die Stille wieder durchbrachen und mit einem Mal fühlte es sich so an, als wäre sie sich wieder so nah, wie sie es als Kinder waren, als bedeuteten die fünfzehn Jahre Trennung nichts, als könnte die Zeit dem Band der Freundschaft, welcher die beiden noch immer zu verbinden schien, nichts anhaben.
      Seira spielte bereits mit dem Gedanken, ihn an alte Erinnerungen zu erinnern, wie sie damals Tage lang gefastet hatte, nur, damit sie wieder im Wald spielen durfte, nachdem ihre Eltern es ihr verboten hatten, da es gefährlich war.
      Ja, eine unglaubliche Meisterin der Überzeugung war das junge Mädchen gewesen, wenn auch nicht mit Worten.
      Doch dazu war nicht der richtige Moment, nicht die richtige Zeit, sie wollte es aus seinem Mund hören. Wartete auf eine Antwort und hoffte, dass diese positiv ausfallen würde, doch sie wusste bereits, dass er nicht ablehnen würde, ehe er letztendlich zustimmte und Seiras Augen vor Freude zu strahlen begannen.
      Sie wusste es, er war immerhin immer noch der Nero, den sie gekannt hatte. Auch er wollte nicht, dass es so endete, auch er wünschte sich, dass es auch anders ging. Sie wollte nicht seine Feindin sein.

      „Für unsere Freundschaft!“, gab sie fröhlich und enthusiastisch von sich, als müsste sie die Unsicherheit in seiner Stimme übertönen und ihn mit ihrer guten Laune motivieren. Er hatte recht, es würde nicht einfach werden, es war gefährlich, für beide von ihnen, aber sie würden einen Weg finden und Seira war bereit diese Gefahr, das Risiko, auf sich zu nehmen. Und das nur, weil es Nero war.
      Die Abenteurerin war sogar bereit, den ersten Schritt zu machen, Zeit im Land der Dämonen zu verbringen, nur um ihm zu beweisen, dass er sich keine Sorgen machen müsste, dass es sich um keine geschickt eingefädelte Falle handelte, dass sie es ernst meinte.

      „...Hah?“, konnte sie es zuerst nicht glauben, aber nein, natürlich konnte sie das, das war nun einmal Nero wie er leibt und lebt, immer mit einem witzigen, neckenden Spruch auf den Lippen, egal wie ernst die Lage auch war. Wie oft hatte das ihre Tränen getrocknet, ihr wieder Mut gemacht, wenn es ihr mal schlecht ging?
      „Ich hab sie doch alle von A nach B getragen, oder?! Was kann ich denn dafür, dass in meinen mehr drinnen war?!“, beschwerte sie sich und verteidigte ihr kleines, junges Ich, ehe sie lachen musste.
      Mit einem Mal war all die Anspannung von ihr gewichen, der Streit, die Missverständnisse und alles, was zischen ihnen gelegen hatte war geklärt, als hätte es all diese Probleme nie gegeben, aber das stimmte nicht ganz.
      Vielleicht rückten sie in diesem Moment in weite Ferne, aber Seira wusste, dass ihre Rollen immer zwischen ihnen liegen würden, wenn sie nicht lernten, die Welt des jeweils anderen zu verstehen.

      Während sie sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischte, spürte sie mit einem Mal zwei starke Arme um ihren Körper. Die Abenteurerin blickte verwirrt auf, da sie nicht damit gerechnet hatte, dass es dieses Mal Nero sein würde, der auch das letzte bisschen an Distanz zwischen den beiden überbrücken würde, doch der verwirrte Gesichtsausdruck wandelte sich schon schnell in ein Lächeln und sie legte ihrerseits ihre Arme um ihn, um einen viel größeren, offensichtlich stärkeren, erwachsenen Nero.
      Sie hatte sich schon das ein oder andere Mal ausgemalt, wie er wohl aussehen würde, wenn sie ihm tatsächlich wieder gegenüber stehen könnte, doch hatte sie nicht erwartet, dass er mit bläulicher Haut daher kommen würde, noch dass er zum Riesen geworden war.
      Ihr wurde mit einem Mal erst richtig bewusst, dass ihr bester Freund noch am Leben war, er war nicht gestorben, er lebte, und sie lag in diesem Moment in seinen Armen.
      Wie sehr sich die anderen im Dorf doch darüber freuen würde! Aber Seira zweifelte daran, dass sie ihnen die schöne Kunde einfach mitteilen konnte, wie würde sie es ihnen denn erklären? Wie auf kritische Fragen reagieren?
      Nein, außerdem war das nicht ihre Entscheidung.

      „Und ob ich gewachsen bin!“, beschwerte sie sich mit einem Mal über seine neckenden Worte, „Du bist es, der zum Riese geworden ist! Sind alle Dämonen so groß?“, schmollte die starke Heldin, als wäre sie wieder ein Kind, ehe sie lächelte. Sie hatte diese Zeiten vermissten.

      „Nun denn... ich sollte gehen, bevor noch jemand uns hier so sieht... nicht wahr?“, meinte Seira mit einem schiefen lächeln, während sie sich zögerlich, ungewollt wieder von ihrem besten Freund trennte, nachdem sie ihn gerade erst wieder gefunden hatte, aber die Zeit spielte gegen die beiden.
      Ihre Kameraden könnte jederzeit am Tor des Schlosses auftauchen und das Blutbad fortsetzten und die Wachen könnten ebenso jeden Moment beschließen, sich einmischen zu müssen.
      Vielleicht war es besser, wenn niemand wusste, dass die Heldin und der Dämonenkönig Kindheitsfreunde waren. Zumindest noch nicht.
      „Aber vergiss nicht, ich komme wieder! Sobald ich alles geklärt und Zeit dafür habe komm ich dich wieder besuchen, versprochen, also bereite dich schon mal darauf vor mich herum zu führen, okay?“, erinnerte sie ihn noch ein letztes Mal lächelnd an ihr neues Versprechen, ehe sie die Axt – welche auf dem Boden gelandet war, nachdem sie nach seiner Hand gegriffen hatte, um ihm seinen Anhänger zurück zu geben – wieder vom Boden nahm, auf ihrem Rücken verstaute und aus dem Saal eilte.
      Als sie durch die großen, massiven Tore ging, stieß sie mit einem Mal gegen einen Fremden, gegen ein Wesen mit dem Kopf eines Tierschädels und Rinde statt Haut, doch ohne groß darüber nachzudenken, entschuldigte sie sich schnell, da sie es doch eilig hatte und keinen neuen Kampf beginnen wollte, nicht, nachdem sie gerade erst Frieden geschlossen hatten, rannte an ihm vorbei, den Gang entlang den sie gekommen war, hinaus aus dem Schloss zum Lager, dass sie und ihre Freunde errichtet hatten, um diese davon zu überzeugen in die Hauptstadt zurück zu kehren und den Dämonenkönig fürs erste in Frieden zu lassen.
      Während sie durch den Gang rannte, legte sie ihre Hand um einen Anhänger, welcher an einem ledernen Band um ihren Hals baumelte. Ein kleines Stück Metall, das Mann vage für ein eigenartig geschmiedetes Kreuz hätte halten können, vielleicht sogar als hässliches Schmuckstück durchgehen konnte, aber nur sie und Nero wusste über deren Geheimnis: es war der andere Teil zu der Klinge, welche er um den Hals trug, welche er fast an sie aufgegeben hätte.
      Gemeinsam mit ihrer Scheide bildeten die beiden Anhänger ein Schwert, geschmiedet von ihrem Vater, ein Zeichen der Freundschaft und Seira war froh, dass er es nicht aufgegeben hatte.
    • Nero Irthil


      Nero musste amüsiert lachen, als sich Seira wie zu erwarten gegen seine Neckereien wehrte. Aber für ihn blieb sie eben die kleine Seira, egal was sie sagte oder tat oder welche riesige Waffe sie auch immer führen mochte. Er löste sich langsam von ihr und beinahe sofort breitete sich ein unangenehmes Gefühl der Kälte auf seiner Haut aus, kaum dass sie wieder Abstand einnahm. Doch hatte Seira recht, sie musste verschwinden. Nicht mehr lange und einerseiner Diener würde nach ihm sehen, einfach weil es verdächtig ruhig geblieben war. Wie er erklären sollte, dass es nicht zum Kampfe kam, war dem Schwarzhaarigen selber noch unschlüssig. Sicherlich würde man sein Wort nicht hinterfragen, doch würde man auch nicht einfach so hinnehmen, dass jene Monsterschlächterin seine geliebte Kindheitsfreundin war. Er nickte auf ihre Worte hin.
      „Ich werde alles vorbereiten. Ich werde spüren, wenn du mein Land betrittst und werde jemanden aussenden, der dich zu mir bringt.“, versprach er und wusste auch, wem er sich anvertrauen müsste. Zunächst galt es, Seira sicher in seinen Palast zu bringen, möglichst ohne die wachsamen Blicke seiner Garde. Diese Monster würden ihr Leben geben um ihn zu schützen, er konnte ihnen jedoch schlecht weismachen, dass diese Abenteurerin keine Gefahr für ihn darstellte. Unruhen waren das Letzte, was Nero in seinem Königreich wünschte. Ein letztes Mal schenkte er ihr ein Lächeln ehe er nun wirklich zu seinem Thron zurückkehrte und zusah, wie mit wehendem hellen Haar durch das Tor verschwanden. Kurz schloss er seine blauen Iriden und stellte erleichtert fest, dass sich noch keine Wachen vor und hinter dem Eingang zu seinem Palast befanden. Sarnek hatte sie wirklich fortgeschickt. Er atmete etwas auf, hätte er sich nie verzeihen können, wenn seine erst jetzt wiedergewonnene Freundin gleich in die Gefahr, welche seine Monster verbreiteten, gerannt wäre.

      Auf das Nächste war der junge Herrscher jedoch nicht vorbereitet. Kaum dass Seira verschwunden war betrat sein treuer Berater den Thronsaal. Wenngleich der Schädel unbewegt blieb konnte er deutlich die Verwirrung in seinen glühenden Augenhöhlen erkennen. Mit einem schlag spannten sich die Muskeln seines dämonischen Körpers an. Kein Zweifel, er musste Seira gesehen haben. Unversehrt, heraustretend aus seinem dunklen Saal ohne die Spuren eines Kampfes zu tragen…
      „Sarnek…“, begann Nero etwas zögernd, unwissend wie viel er seinem Freund wirklich preisgeben sollte. Der Waldschrat hingegen sah nochmals zu den Toren, welche sich wieder schlossen und schließlich zu ihm zurück.
      „Das…war eben die Heldin?“, kam es schließlich mehr als ungläubig durch die knöchernen Zähne. Etwas ertappt strich sich Nero durch seine dunkle Mähne und zwang sich zu einem entschuldigenden Lächeln.
      „Ja, das war die Heldin.“, antwortete er schlicht.
      Stille
      „Ihr habt nicht gekämpft?“ – „Nein, das haben wir nicht. Wir haben…geredet.“
      Abermals Stille.
      „Ihr habt..was?!“ Nun zeichnete sich Unglauben in Sarneks Augen ab und etwas verwirrt hob er seine rindenbedeckten Klauen.
      „Geredet.“, wiederholte Nero lediglich und verbarg seinen Anhänger wieder unter seiner Herrscherrobe, bevor Sarnek diesen zu Gesicht bekam.
      „Würdet Ihr so freundlich sein mir zu erklären, was hier los ist? Und warum sich eine menschliche Monsterschlächterin dafür entschuldigt, mit mir zusammengestoßen zu sein? Was ist hier los, Nero?!“ Die sonst eher flüsternde Stimme des Waldgeistes war lauter geworden und klang nun wie die krachenden Äste während eines Sturmes. Die Blätter, welche die Schultern seiner langen Gewandung zierten, raschelten mit jedem erbosten Schritt, den er auf seinen König zutrat.
      „Ihr habt den Feind laufen lassen und nur mit ihm geredet?“ Beinahe anklagend erhob er seine Klaue und Nero stieß ein langes Seufzen aus. Er würde nicht darum herumkommen, sich Sarnek anzuvertrauen. Ihm war das Vertrauen seines Beraters wichtig und ihm hatte er es immerhin zu verdanken, dass er eine neue Heimat gefunden hatte.
      „Sie kommt zurück… Aber nicht in der Art, wie du denkst… Die Heldin ist Seira.“ Kaum sprach er ihren Namen aus schien der Waldschrat zu erstarren.
      „Das Mädchen, von dem Ihr so viel gesprochen habt?“, fragte er vorsichtig nach und Nero nickte.
      „Ja. Wir haben eine Vereinbarung getroffen. Seira und auch ich wünschen keinen blutigen Krieg mehr zwischen Menschen und Dämonen, wir werden gemeinsam an eine Lösung arbeiten. Aber dafür brauche ich deine Hilfe, Sarnek.“ Ernst sah er auf seinen Berater von seinem Thron aus hinab und schilderte ihm, was geschehen war. Sarnek lauschte seinen Ausführungen schweigend ehe er ein knarzendes Seufzen ausstieß.

      „Ihr seid nach wie vor ein närrischer Junge, mein Herr. Aber gut… wenn es Euer Wunsch ist und Ihr dieser Frau vertraut, werde ich es ebenso.“, gab er schließlich nach und dankbar lächelte Nero.
      „Ich wusste ich kann auf dich zählen, alter Freund!“, gab er zufrieden von sich und erntete einen empörten Blick.
      „Passt auf, wen Ihr hier alt nennt, Eure Majestät…“ Hah, der Waldgeist war wie immer viel zu empfindlich, wenn man ihn auf seine paar hundert Jahre ansprach. Leider war er der Letzte seiner Rasse, die anderen Waldgeister waren mittlerweile verstorben. Viele auf natürliche Art, manche jedoch auch, weil man ihren Wald, an dem ihre Lebensenergie hing, niedergebrannt hatte.
      Grinsend erhob sich Nero, voller Tatendrang alles für Seiras Rückkehr vorzubereiten. Er müsste ihr einen Raum zurechtmachen lassen und eine Verkleidung würde sie brauchen, dass sie mehr wie eine Dämonin wirkte. Sie würde für sein Volk typische Kleider brauchen. Oder zumindest die Kleider einer Dämonin. Nero konnte nicht anders als ein gewisses Maß an Aufregung zu verspüren, brannte er förmlich darauf, ihr alles zu zeigen.
      Sarnek unterdessen beobachtete seinen Herren nur mit stiller Verwunderung, ihn derart aufgeweckt und förmlich vor Glück strahlend zu sehen. So hatte sein Herr in den letzten fünfzehn Jahren nicht mehr gelächelt und seufzend fügte sich der Dämon und versuchte seinen Herren davon abzuhalten, irgendwelche Dummheiten in seiner Euphorie zu begehen. Sarnek würde sie ebenso über die Grenzen bringen und sie in das Schloss geleiten, sobald sein Herr ihre Anwesenheit verkündete. Er kannte Wege, welche vor jedermanns Augen verborgen waren. Niemand sonst sollte davon erfahren, es wäre fatal für die anderen Wesen zu wissen, dass ihr geliebter König eine Freundschaft mit einem Menschen führte. Wenn es denn eine Freundschaft war, für ihn wirkte Nero gerade eher wie ein liebeskranker Junge… Kopfschüttelnd folgte der Ältere dem mächtigsten Dämon in ihren Reihen und half ihm resigniert bei all seinen Vorhaben.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Mit einiges an Überzeugungskraft und der ein oder anderen Notlüge – konnte sie ihren Freunden und Kameraden doch nicht einfach die Wahrheit erzählen, nicht nachdem sie gekommen waren, um den Dämonenkönig zu töten. Nie im Leben würden sie ihr einfach glauben, dass der Dämonenkönig ihr Freund aus Kindertagen war und sie hatte auch weder die Möglichkeit, noch die Zeit dies zu beweisen – konnte sie ihre Gruppe von starken und erfahrenen Abenteurern davon überzeugen, in die Hauptstadt zurück zu kehren.
      Natürlich waren sie zunächst wütend und aufgebracht, dass sie ohne ihnen etwas zu sagen alleine in die Höhle des Löwen aufgebrochen war, aber in der Hinsicht dessen, was sich in dem dunklen, mächtigen Schloss abgespielt hatte, war sie doch mehr als nur froh, die Entscheidung getroffen zu haben alleine zu gehen.
      Wären ihre Kameraden mit ihr gegangen, hätten sie kaum die Möglichkeit für ein Gespräch gehabt.
      Mit der Begründung, die Verletzungen ihrer Freunde auskurieren zu müssen, dass die Sicherheit des Schlosses besser war, als sie angenommen hatten, die richtige Vorbereitung fehlten, sie noch nicht bereit waren und einen Bericht an die Königsfamilie liefern sollten, einigten sie sich darauf zunächst zurück zu kehren.
      Sie hatten es einmal so weit geschafft, sie würden es ein weiteres Mal schaffen, nicht dass Seira vor hatte in nächster Zeit auf eine „Bezwinge-den-Dämonenkönig“-Reise zu gehen.
      Es gelang ihr nicht ihre Freude gänzlich vor den anderen zu verbergen und obwohl sie sich sicher war, dass der ein oder andere etwas misstrauisch war, kannten sie sich doch bereits einige Jahre lang, konnte sie es ihren Freunden verkaufen, dass sie sich einfach auf ein anständiges Bett und eine Pause freute, während sie sich in Wirklichkeit darauf freute ihren totgeglaubten Freund wieder zu sehen, Zeit mit ihm zu verbringen, ihn ein weiteres Mal kennen zu lernen, was sich wohl verändert hatte?

      Dann war es endlich soweit, Seira hatte all ihre Pflichten erledigt, dem König persönlich von der derzeitigen Lage des Dämonenlandes berichtet, von dem, was in dem Schloss gesehen hatte, wobei sie das ein oder andere Detail ausließ.
      Hatte ihren Kameraden dabei geholfen sich zu erholen, war sie doch teilweise Schuld an ihren Verletzungen, denn sie war sich sicher, dass sie ohne sie nie an einen solch gefährlichen Ort gereist wären, wie das Land der Dämonen. Auch wenn es eine ruhmvolle Aufgabe war, den Dämonenkönig zu bezwingen und die Welt zu retten, gab es erstaunlich wenige Abenteurer, welche den Willen hatten eine solche große, schwere und gefährliche Aufgabe auf sich zu nehmen. Während sie sich früher immer darüber aufgeregt hatte, es als verantwortungslos angesehen hatte es nicht einmal zuversuchen, war sie jetzt froh über diese Motivationslosigkeit.
      Seira wusste nicht, was sie tun würde, wenn Nero von einem Abenteurer getötet werden würde, sie wollte an diese Möglichkeit gar nicht erst denken.

      Mit einem langen, dunklen Mantel, in den ein magisches Siegel eingenäht wurde, welches ihre Präsenz verbarg, die Kapuze tief über das Gesicht gezogen, fand sie sich an der Grenze des Dämonenlandes wieder, doch dieses Mal war sie nicht hier, um jemanden zu töten.
      Bei dem Gedanken, nur hier zu sein um einen Freund zu besuchen, musste sie schmunzeln und sie konnte ihre Aufregung kaum verbergen, als sie den ersten Schritt über die Grenze machte, nicht genau wissen wie dieses „Ich werde wissen, dass du da bist“ funktionieren sollte, aber sie beschloss Nero zu vertrauen, vertrat sich nur ein wenig die Beine, ohne weiter hinein in das Land zu gehen, wartete auf jemanden, auch wenn sie nicht genau wusste, auf wen sie hier wartete, als sie einen Schatten in den Bäumen ausmachen konnte und das Wesen mit dem Schädel erkannte, in welches sie bei ihrer Flucht aus dem Dämonenschloss hinaus gerannt war.
      Nicht wissend, wie sie sich verhalten sollte, lächelte sie verlegen, nickte ihm zu und hoffte, dass er tatsächlich hier war, um sie abzuholen. Es war ungewohnt einem mächtigen Monster gegenüber zu stehen, ohne ihre Waffe zu ziehen.
    • Sarnek

      Es dauerte einige Tage, doch schließlich spürte er, wie die Ungeduld seines Königs durch reine Euphorie ausgewechselt wurde. Sarnek wusste instinktiv, dass es sich um die Menschenfrau handeln musste und machte sich nach energischem Befehl nun auf den Weg. Sein Körper glitt lautlos durch die Wälder und ein Schwarm Raben folgte ihm, hielten die Augen offen nach der Frau, welche er sicher zu seinem König geleiten sollte. Das Unterholz gab nicht den leisesten Ton von sich, als er durch die dicken Stämme der alten Eichen trat, welche den Rand seines Waldes bildeten. Diese Natur war sein Reich und tat das, was er ihr befahl ohne Ausnahme. Der Wald mitsamt seiner Lebewesen war eine Erweiterung seiner Seele und zugleich sein Lebenselixier, welches mit reichhaltiger Natur seine Stärke preisgab. Der Waldschrat blieb ruhig stehen und sah der Heldin einige Augenblicke dabei zu, wie sie offenbar ebenso aufgeregt einige Schritte hin und herlief, ohne jedoch zu tief in das Land einzudringen. Natürlich hatte Nero sie gespürt, er bemerkte es immer, wenn ein Lebewesen auf seinen Boden trat. Das war nun mal die Fähigkeit, welche ihm dieses Land selbst zusprach. Das Reich hatte ihn selbst auserwählt und schenkte dem Dunkelhaarigen sein ganzes Vertrauen. Ebenso wie Sarnek, wobei er nichts gegen eine Argwohn tun konnte, welche er für die Monsterschlächterin empfand. Er vertraute ihr nicht. Nicht im geringsten. Doch hatte der alte Herr des Waldes es nicht über sein dämonisches Herz gebracht, die Freude aus Neros Zügen zu verbannen. Es war lange her, dass er derart außer sich war und die letzten Jahre waren für seinen König nicht gerade leicht, da der Krieg mit den Menschen kein leichter war. Außerdem erinnerte er sich nur zu gut daran, wie der kleine Junge, den Sarnek damals im Wald der Menschen fand, nach dieser Frau gerufen und wegen ihr geweint hatte. Auch heute noch hatte er sie vermisst, so sehr der Herrscher es auch zu verbergen versuchte. Sarnek kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er diese Frau nie vergessen konnte. Seufzend trat er ins Licht, als Seira ihn entdeckte und ließ die milde Sonne auf seine Gestalt fallen, sodass sie ihn besser ausmachen konnte. Zwischen den Stämmen sah man von ihm nichts als den knöchernen Schädel und er sollte sich zumindest Mühe geben, ihr keine angst zu machen.
      Erhaben richtete er sich vor ihr auf und sah auf die kleine Frau hinunter. Wobei Klein einerlei war, er besaß eine ziemlich große Gestalt. Größer als die seines Herrn, aber er stammte eben von den alten Bäumen ab.
      "Seira, nehme ich an? Wir kennen uns bereits flüchtig.", erhob er seine flüsternde Stimme, welche eher wie das sanfte Rauschen des Windes klang.
      "Folge mir. Mein König erwartet dich bereits."
      Er wartete ohne weiteren Worte bis sie zu ihm aufgeschlossen war und erhob dann seine Hand. Vor ihnen brachen Ranken aus dem Boden hervor, welche sich zu einem hohen, bogenförmigen Portal zusammenschlossen. Es führte direkt zum Thronsaal Neros, sodass sie nicht in Verlegenheit kämen, anderen Wesen über den Weg zu laufen. Doch bevor sie hindurchtraten hielt er inne und drehte sich nochmals zu ihr um. Die Augenhöhlen seines Schädels begannen leicht violett zu schimmern.
      "Ich hoffe, deine Absichten sind von aufrichtiger Natur. Mein Herr ist in Freude, Euch wiedersehen zu können und vertraut Euch. Ich hoffe er irrt sich nicht, ich werde nicht zulassen, dass ihr Menschen ihm etwas antut. Er hat genug gelitten.", sprach er eine sehr direkte Warnung aus und musterte die Frau nochmals eingehend.

      Nero Irthil

      Beinahe ungeduldig wartete Nero in seinem vertrauten Thronsaal. Seine Wachen vor dessen Toren hatte er mit einer Ausrede fortgeschickt, sie sollen in den Sümpfen nach dem Rechten sehen, da sich dort ein neues Wesen Zufluchtsuchend niedergelassen hatte. Wenigstens schien es den gepanzerten Echsenwesen einzuleuchten und sie hatten keine weiteren Fragen gestellt. Es wäre jedoch unvorteilhaft, wenn der eigentlich einsame König plötzlich in Begleitung aus dem Saal treten würde. Zudem hatten seine Wachen eine besondere Witterung für Menschen, welche er unterbinden wollte. Nero wartete und sein Herz schlug so schnell wie seit Jahren nicht mehr, als er daran dachte, Seira bald alles zeigen zu können. Ihr die Schönheit seiner Welt zu offenbaren. Und zugegeben auch darauf, wie sie mit seiner Verwandlung in eine Dämonin wirken mochte...
      Endlich. Das Portal seines Beraters begann aus dem Boden zu sprießen und formte sich zu einem Bogen aus Holz und Blättern, ehe eine grüne, wasserähnliche Oberfläche sich bildete, durch die alsbald schon beide zu ihm stießen. Beinahe automatisch breitete sich ein Lächeln auf seinen Lippen aus, als er Seira unter dem dunklen Mantel erkannte. Ihre hellen Haare blitzten verräterisch unter der Kapuze hervor.
      "Ist alles gut gegangen?", fragte er an Sarnek gewandt, welcher sich leicht verneigte.
      "Meine Krähen berichten von keinem Monster, welches uns gesehen haben könnte, mein Herr. Dennoch sollten wir die Illusion schnellstmöglich erschaffen, damit ihr menschlicher Geruch unterdrückt werden kann.", gab der Waldschrat zu bedenken und zustimmend nickte Nero. Doch bevor er begann wandte er sich an seine beste Freundin und breitete dieses Mal seine Arme einladend aus.
      "Willkommen zurück, Seira. Oder sollte ich besser sagen: Willkommen in meinem Reich. Zuvor hatte ich nicht die Gelegenheit dazu.", gestand er und nickte Sarnek zu, welcher das Portal verschwinden ließ und sich zunächst einige Meter entfernte, um ihnen ihren Raum zu geben.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      „Ähm... ja, freut mich.“, bemühte sich die Abenteurerin um ein freundliches Lächeln ihrem Gegenüber gegenüber, war sich aber unsicher, ob sie ihm ihre Hand ausstrecken sollte, um diese schütteln, wie es die Menschen immer machten, wenn sie sich zum ersten Mal trafen oder ob sich Dämonen auf andere Art und Weise begrüßte und Seira merkte in diesem Moment, dass sie nichts über die Monster wusste.
      Aber sie hatte auch nie einen Grund gehabt, mehr über sie herauszufinden, alles was ihr wichtig erschien war, wie sie sie besiegen konnte und mit einem Mal schämte sie sich dafür.
      Sie schluckte kurz, nervös, aufgeregt hoffte sie, nicht allzu unhöflich zu erscheinen, aber würde man von einem Menschen denn mehr erwarten?
      Die Abenteurerin schloss zu ihm auf, wartete darauf, dass er die Führung übernehmen würde, damit sie ungesehen bis zum Schloss kommen konnten und konnte es nicht verhindern, ihren gegenüber anzustarren und zu beobachten.
      Sie konnte sich nicht daran erinnern jemals einem solchen Monster begegnet zu sein, er war sogar noch größer als Nero und Seira fühlte sich umso kleiner in seiner Gegenwart, fast schon wie ein Kind, dass einem Erwachsenen gegenüber steht.
      Doch statt sich umzudrehen und voran zu gehen, hob er mit einem Mal seine Hand, wodurch er einen fragenden, verwirrten Blick von Seiten der Abenteurerin erntete und sie wurde zeuge davon, wie Ranken aus dem Boden heraus sprossen und sich zu etwas formten, das wohl ein Portal sein sollte, als Seira bereits verschwommen den Thronsaal durch die schimmernde, wasserartige Membran ausmachen konnte.
      Kein Wunder, dass er so schnell hier sein konnte.
      Lächelnd betrachtete sie neugierig das Gebilde, dass sich vor ihnen erhoben hatte, als sie einen Blick auf sich zu spüren glaubte und ihren Kopf zu ihrem Gegenüber wandte, wo sie seinem Blick begegnete und sofort erstarrte.
      Ungläubig lauschte sie seinen Worten, ehe sich Seiras Blick zu Boden wandte. Natürlich, sie hätte nicht erwarten sollen, dass jemand außer Nero sie einfach annehmen würde, wie sie war und ihr keinerlei Misstrauen gegenüber haben würde, aber sie wollte nicht, dass jemand glaubte, sie würde Nero etwas tun.
      Schon gar nicht, wenn ihr alter Freund dieser Person so sehr vertraute, dass er über die Situation und wohl auch dem Versprechen der beiden Bescheid wusste.
      Somit blickte sie wieder vom Boden auf, nachdem sie sich in Lippe gebissen hatte und bemühte sich nun dem Blick der bedrohlich leuchtenden Augen entschlossen zu begegnen und legte dabei ihre rechte Hand über ihr Herz, als würde diese Geste ihre Aussagen bestärken.
      „Glaub mir, ich will nicht Neros Feind sein. Ich werde weder ihm noch sonst jemandem von eurem Volk während meiner Anwesenheit etwas antun, ich schwöre es auf meine Ehre als Abenteurer.“, versuchte sie ihre Gefühle durch Worte zu vermitteln, ihren Gegenüber davon zu überzeugen, dass ihre Vorhaben von edler Natur ist.

      Letztendlich schien er zufrieden genug mit ihrer Aussage zu sein, vielleicht ignorierte er sie auch einfach nur, so genau konnte Seira es nicht sagen, da sie sein Gesicht nicht zu deuten vermochte, doch er ließ zu, dass sie ihm durch das Portal folgte und es dauerte nicht lange, bis sie Nero wieder sah.
      Zwar hatte sie sich an sein neues Äußeres noch nicht gewöhnt, aber sie wusste, dass er es war, bläuliche Haut hin oder her und sie konnte nicht anders als zu lächeln und sich darüber zu freuen. Sie erinnerte sich zurück an das erste Mal, als sie Nero bei seinen Eltern auf der Farm besuchen kommen durfte, wie nervös und aufgeregt sie damals war, doch ein einziges Wort von ihrem besten Freund und ihre Nervosität war wie weg geweht.
      Seira wurde Zeuge von dem Austausch der Beiden, beobachtete sie und war sich nicht sicher, wie sie mit der deutlichen Zurschaustellung ihrer Diener-Meister-Beziehung umgehen sollte.
      Auch sie hatte begriffen, dass Nero tatsächlich zum Dämonenkönig geworden war, aber es fiel ihr schwer sich den verschmitzten, frechen Jungen, welcher für keinen Spaß zu Schade war und immer eine Idee für einen Streich auf Lager hatte, auf einem Thron vor zu stellen. Auch daran würde sie sich zuerst gewöhnen müssen. Sie fühlte sich ein wenig fehl am Platz, wie es ihr auch oft im Schloss des Königs erging, hoffte aber, dass sich dieses Gefühl bald legen würde.

      Seira wandte ihre Aufmerksamkeit ihrem Freund zu, welcher sie nun direkt ansprach und blickte ihn zunächst mit großen Augen an, ehe sie lachen musste und ihm um den Hals fiel, wie sie es immer als Kinder getan hatten, wenn sie sich begegnet waren.
      Für die Beiden war eine Umarmung zur Begrüßung geworden und sie fühlte sich so nostalgisch und freute sich darüber, dass er es offenbar nicht vergessen hatte.
      „Begrüßt der Dämonenkönig all seine Gäste so?“, neckte die Abenteurerin Nero, während sie die Umarmung genoss.
      „Illusion?“, fragte sie letztendlich, als sie an die Worte des Monsters dachte und sich dabei vornahm bei Gelegenheit nach seinem Namen zu fragen.
      Stimmt, sie hatte sich noch keine Gedanken darüber gemacht, wie sie in ihrer Gestalt als Heldin unbeirrt durch die Reihen der Dämonen und Monster schreiten sollte.
      Doch offenbar hatte ihr bester Freund da schon weiter gedacht und sie lächelte gespannt darauf, was er sich einfallen lassen hatte.
      Mit einer gewissen Vorsicht, verstand sich, denn man konnte nie wissen was in Neros Kopf vor sich ging.
    • Nero Irthil


      Kaum waren seine Arme ausgebreitet sprang ihm Seira bereits in diese und mit einem breiten Lächeln fing er sie auf, ehe er sie festhielt.
      "Nicht alle, nur besondere Gäste.", antwortete er auf ihre freche Frage und grinste dabei nur. Er konnte Sarneks ungläubigen Blick auf sich spüren, doch scherte es den Dämonenkönig nicht im geringsten, was sein Berater in diesem Moment dachte. Seira war wieder hier, bei ihm und dieses Mal freiwillig. Ohne Axt in ihrer Hand und ohne Schmerz in ihren schönen Zügen. Während sie nach der Illusion fragte spielte er kurz nachdenklich mit einer Strähne ihres hellen Haares. Würde er es nicht besser wissen würde er ihr Äußeres ja dem eines Engels zuordnen, doch er wusste, dass sie genauso schalkhaft sein konnte wie er selbst. Es tat ihm leid, dass sie ihre Gestalt verbergen musste, doch sah er keine andere Wahl.
      "ja, ich muss dich in eine Illusion hüllen, welche dich wie einen Dämon erscheinen lässt und deinen Geruch verbirgt. Ansonsten könntest du meine Leute ziemlich erschrecken und... es wäre hinderlich, wenn ich dir alles zeigen möchte.", gab er ehrlich zu und sah entschuldigend auf sie hinab.
      "Ich hatte an einen Bergtroll oder einer Harpyie gedacht, passend zu dir versteht sich." Da war es wieder, sein breites, freches Grinsen. Für seinen eher gemeinen Scherz löste sich seine Freundin von ihm und schlug ihn erbost in die Seite. War das Troll etwa zu viel für sie gewesen? Er lachte nur, tat ihr Schlag ihm nicht weh und die Empörung auf ihren Zügen war einfach zu köstlich, um nicht darüber lachen zu können.
      "Ich mache nur Scherze. Du wirst die Gestalt einer einfachen Wald- und Wiesendämonin annehmen. Deine Haarfarbe werde ich ändern müssen, aschblond ist in unseren Reihen nicht vertreten. Es wäre zu auffallend und das ist das Letzte, was wir erreichen wollen.", wurde seine Stimme nun ungewöhnlich ernst und er ging einmal prüfend um sie herum. Er hatte schon eine grobe Idee und hoffte einfach, dass es funktionieren würde. Schließlich blieb er vor ihr stehen und warf ihr einen beruhigenden Blick zu.

      "Es könnte sich etwas seltsam anfühlen, aber bleib für einen Moment ruhig.", sagte er leise ehe er seine Klaue auf ihr Brustbein legte, von dem sich kleine, bläuliche Flammen ihren Weg um ihren Körper suchten. Seine eigenen Augen glühten für einen Moment in der tiefen Farbe des Ozeans auf als er seine Magie um sie herum legte, dass sich die neue Form gleich einer schützenden Hülle um ihre Haut legte. Die Flammen würden sie nicht verbrennen, vielleicht eine gewisse Wärme entwickeln. Dennoch sollten diese angenehmer Natur sein. Nero schloss schließlich seine Augen um sich besser konzentrieren zu können, ehe er sie wieder öffnete und zurücktrat.
      Das Feuer um Seira herum fiel zu Boden, als würde es seinen Zustand zu Wasser verändern und zum Vorschein kam eine Dämonin mit ihren Zügen.
      Einen Moment starrte Nero sie ehrlich perplex an. Er hatte vieles erwartet. Sich vieles vorgestellt und sogar gedacht, es würde sie lächerlich scheinen lassen und er könne sie aufziehen. Doch die Frau vor ihm mit dem feuerrotem Haar und den zwei kleinen, schwarzen Hörnern war alles andere als amüsant. Im Gegenteil, er musste sogar leicht schlucken, hatte er nicht erwartet sie würde eine solche Schönheit werden. Nicht dass sie vorher hässlich war, doch dieser Körper zeigte eben jene Vorzüge der weiblichen Gesellschaft seines Volkes. Baff konnte er nur einige Male blinzeln ehe er sich räusperte und kurz seinen Blick abwandte.
      "Das...sollte genügen.", brachte er hervor und wies mit seiner Hand auf die kristallene, schwarze Wand des Saales, in der sie sich betrachten konnte.
      "Hätte nicht erwartet, dass es so schön aussieht...", murmelte er ganz leise zu sich selbst und wich gekonnt dem Blick seines Beraters aus, welcher ein krächzendes Lachen ausstieß. Schön dass der alte Mann Spaß hatte..., dachte sich Nero nur säuerlich und schüttelte den Kopf. Sich halbwegs wieder fassend wandte er sich wieder an seine beste Freundin.
      "Damit dürften wir unbeschwert durch dieses Land gehen können.", lächelte er wieder zufrieden.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Gerade wollte die Abenteurerin dem Dämonenkönig versichern, dass es kein Problem für sie war ihre wahre Gestalt zu verbergen, im Gegenteil, es war besser, wenn sie als eine von ihnen angesehen werden würde, wenn sie das wahre Wesen der Welt der Dämonen und Monster erfahren wollte, zumindest sah sie dies so – sie wollte sich gar nicht erst ausmalen, wie vielen Dämonen und Monstern sie über den Weg laufen könnten, mit welchen sie das ein oder andere Mal die Klingen gekreuzt hatte und sie konnte beim besten Willen von so jemandem nicht erwarten, sie freundlich aufzunehmen – doch bevor sie ihre Gedanken in Worte fassen konnte, zeigte sich ein weiteres Mal Neros freche Seite und Seira konnte nicht glauben, dass er sie tatsächlich mit einem Bergtroll oder einer Harpyie verglich! Das war doch unerhört!
      Daher konnte sie nicht anders als ihrer Empörung Luft zu verschaffen und vergaß dabei vollkommen, dass die beiden nicht alleine waren und dachte nicht daran, dass das Anwesende Monster ihre Tat als einen Angriff gegen seinen König verstehen konnte, aber glücklicherweise war dem nicht so.
      „Hmpf, dass will ich doch hoffen, wehe ich muss letztendlich doch als Troll umher laufen!“, verschränkte die Abenteurerin noch immer etwas wütend über seine Aussage die Arme vor der Brust und fixierte Nero fast schon mit einem drohenden Blick, um sicher zu gehen dass er sich an seine Worte haltend würde und ihr nicht doch beschloss einen Streich zu spielen, aber dafür schien seine Miene zu ernst und mit einem tiefen Atemzug gab sich Seira Mühe sich wieder zu beruhigen, auch wenn sie sich noch immer fragte, wie man sie mit einem Troll oder einer Harpyie vergleichen konnte.
      Wenn dann glich sie doch eher einer weisen Lamia oder einer mächtigen Kriegerin, so fand sie und nickte dabei, als würde sie sich selber zu stimmen.

      Die Abenteurerin vertraute Nero, ließ zu dass er seine Magie um sie hüllte, betrachtete seine leuchtenden Seen mit großen Augen – es waren Momente wie diese, wo sie daran erinnert wurde, dass er mehr als nur Nero war, dass der Mann, der Dämon, vor ihr der Dämonenkönig war – und erwischte sich dabei die leichte Wärme, welche sich um ihren Körper zu hüllen begann, zu genießen und merkte kaum, als die Prozedur vorbei war.
      Neugierig betrachtete Seira zunächst ihre Arme und bemerkte, dass ihre blasse Haut etwas dunkler geworden war, ehe sie zu Nero aufsah und ihm einen fragenden Blick schenkte, als sie bemerkte, wie er sie einen Moment zu lange anstarrte, ehe er sich von ihr abwand.
      War etwas schief gelaufen? Sah sie eigenartig aus? Sicherlich musste es doch lächerlich aussehen, als Abenteurerin plötzlich in der Gestalt eines Dämons vor ihm zu stehen, aber die neckende oder gar bösen Scherze blieben aus, wie sie fest stellen musste.
      Doch war Seira viel zu sehr damit beschäftigt, ihre neue Gestalt zu betrachten, als dass sie seinem ungewöhnlichen Verhalten viel Aufmerksamkeit schenkte und wandte sich der kristallenen Wand zu, wo sie ihr neues, dämonisches Ich betrachten konnte.
      Sie musste zugeben, dass es nicht annähernd so furchterregend wirkte, wie sie es sich vorgestellt hätte, im Gegenteil, ohne die Hörner hätte man sie sicherlich auch für einen Menschen halten können, fand sie zumindest.
      Sowohl ihre Haar, als auch ihre Augenfarbe hatten sich verändert und doch konnte man in ihrem neuen Gesicht Seiras Züge erkennen, so dass sie sich nicht ganz so fehl am Platz fühlte und sich sogar selbst im Spiegel erkennen konnte.
      Lächelnd staunte die Abenteurerin darüber, wie gut die Illusion war. Wenn sie es nicht besser wüsste, hätte sie tatsächlich geglaubt, in einem neuen Körper zu stecken.
      Es war schon lustig die Gestalt einer Dämonin in der Kleidung einer Abenteurerin zu sehen und Seira blickte verwirrt von ihrem Spiegelbild auf, als sie das krächzende Lachen des Monsters hörte. Ob sie in den Augen von Dämonen und Monstern doch eigenartig aussah?
      Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Nero zu, welcher das Wort an sie gewandt hatte und sie schenkte ihm ein Lächeln.
      „Wunderbar! Ich kann es kaum erwarten zu sehen, in welcher Welt du aufgewachsen bist, wo du die ganze Zeit über gesteckt hast und mit welchen Leuten du so aufgewachsen bist.“, konnte Seira es ehrlich kaum erwarten zu entdecken, was Nero so verändert hatte, dass er vom Glauben, die Dämonen und Monster seien die Bösen, abgekommen war und stattdessen einen Hass gegenüber Menschen entwickelt zu haben schien, was sie etwas traurig machte, wenn sie ehrlich war.

      Nun war zwar das Problem mit ihrem Aussehen geklärt – passendere Kleidung lag auch schon bereit, wie Seira später feststellen würde – doch gab es noch eine Sache, die sie geklärt haben wollte und wandte sich somit an das Monster, welches sie hierher gebracht hatte und streckte ihm mit einem freundlichen Lächeln die Hand aus, in der Hoffnung in kein kulturelles Fettnäpfchen zu treten, und wollte sich nun offiziell vorstellen, wollte versuchen mit Neros Freunden auszukommen, die für ihn da gewesen waren, als sie es nicht konnte.
      „Ich glaube, wir haben uns noch nicht richtig vorgestellt, mein Name ist Seira Goldenrose und ich werde wohl nun für eine Weile hier bleiben. Freut mich eure Bekanntschaft zu machen. Ich hoffe doch es ist in Ordnung nach eurem Namen zu fragen...?“
    • Nero Irthil

      Über Seiras Begeisterung konnte er nur sanft Lächeln. Sie wollte wirklich sein Reich kennenlernen, seine Welt erkunden. Mit ihm. War es eigentlich erlaubt, sich so glücklich dabei zu fühlen? Wahrscheinlich nicht, doch war es Nero egal. Er hatte ihr so viel zu erzählen, so viel zu zeigen. Und er würde jede Sekunde davon genießen, dessen war er sich sicher. Der Dämon wünschte sich inständig, sie möge die Schönheit seiner Welt erkennen und sie lieben lernen, so wie er es vor so vielen Jahren getan hatte. Er wünschte sich, sein Volk würde sie akzeptieren, sie vielleicht sogar ebenso schätzen lernen wie er es tat. Noch immer etwas befremdet von ihrem ungewöhnlichem Äußeren sah er dabei zu, wie seine beste Freundin selbst den ersten Schritt machte und sich an Sarnek wandte. Dieser schien sie eine Weile zu mustern, Nero meinte sogar, soetwas wie Überraschung in seinen Augen zu sehen. Doch schließlich ergriff der Waldschrat die ausgestreckte Hand der Abenteurerin und umschloss sie mit seinen hölzernen Klauen.
      "Sarnek. Ich bin der Berater und ein Freund meines Herrn.", erwiderte der Dämon und nickte ihr zu. Nero grinste dabei nur leicht. Er wusste wie sehr sich Sarnek gegen diesen Plan sträubte, umso zufriedener stimmte es ihn, dass er über seinen Schatten sprang und sich ihr versucht freundlich vorstellte.
      "Sarnek war zudem derjenige, der mich im Wald gefunden hatte.", erläuterte Nero weiter, damit sich Seira ein Bild von der Wichtigkeit des Waldwesens machen konnte.
      "Er hat auf mich aufgepasst und mir alles beigebracht, was ich heute weiß.", gestand er und ein Hauch Dankbarkeit floss in seine Worte mit ein. Sarnek wandte seinen tierischen Schädel zu seinem König und das Gebiss schien sich zu einem Lächeln zu formen.
      "Und trotzdem bist du noch immer ein Kindskopf.", entkam es dem Berater, ehe er den Kopf schüttelte und wieder Formalität annahm. Er straffte seine Haltung und begradigte diese, als er die Hand des Menschen losließ und sie musterte. Die Illusion war nahezu perfekt, selbst aus der Nähe konnte man nicht sagen, dass sie eigentlich ein Mensch war.

      "Ich muss noch eine Warnung aussprechen, Mensch.", erhob er wieder die Stimme und Nero seufzte. Mensch. Diese Bezeichnung für Seira mochte er nicht wirklich, es erinnerte ihn an das noch ungelöste Problem, vor dem sie standen. Der Konflikt ihrer Rassen...
      "Du musst darauf Acht geben, was du tust in deiner Zeit hier. Dieses Äußere ist nur eine Illusion, es ist nicht echt. Lass dich von niemanden berühren, es würde auffallen." Nero seufzte tief. Nun, er hatte Seira ja schlecht in eine echte Dämonin verwandeln können. Das wäre zu viel des Guten. Doch er ahnte bereits eine lange Moralpredigt des Walddämons und ging dazwischen.
      "Schon gut, Sarnek. Ich erkläre ihr alles Weitere. Warum ruhst du dich nicht ein wenig aus und hältst hier im Palast die Stellung während ich unterwegs bin?", meinte er mit einem Lächeln. "Damit Ihr Euch vor Euren Pflichten davonstehlen könnt? Glaubt nicht, ich habe den Papierkram nicht gesehen, der im Arbeitszimmer wartet!", grollte Sarnek wenig begeistert und etwas ertappt zuckte Nero zusammen.
      "Nun..ich war beschäftigt, Seiras Anwesenheit vorzubereiten. Sei ein Freund und hilf deinem König aus, ja?" Er lachte leicht als er die säuerliche Miene vernahm, doch fügte sich Sarnek relativ zügig seiner Bitte und ließ die beiden zurück.
      Etwas verlegen wandte sich Nero wieder an seine Kindheitsfreundin.
      "Was Sarnek sagen wollte- oder besser dich stundenlang damit belästigt hätte... Ich kann die Illusion nur aufrecht erhalten, wenn du dich nicht zuweit von mir entfernst. Sobald du außer der Reichweite bist wird die Illusion wieder fallen. Und... die hier.."- Er hob seine Hand und legte sie auf ihre roten Haare, ehe er durch die Hörner einfach durchgriff - "..sind nicht echt. Das heißt es sollte niemand dir so nahe kommen, dass er diese Illusion bemerkt. Aber mache dir keine Sorgen, ich bin ja bei dir und die meisten werden gebürtigen Abstand halten.", versuchte er sogleich de Ernst der Lage etwas zu mildern. Zu gespannt war er auf das, was sie über seine Welt zu sagen hatte. Aufgeregt ergriff er ihrer beider Hände und eine wohl bekannte Abenteuerlust ergriff ihn.
      "Was willst du zu erst sehen? Den Palast? Die Wälder? Oder doch lieber die Moore und ihre Bewohner? Wir könnten auch in die Berge gehen.", zählte er die ganzen Möglichkeiten auf. Es gab so viel zu sehen... So viel zu erleben. Nero selbst kam nur selten aus seinem Palast heraus, zu viele Pflichten banden ihn an diesen Ort. Doch er liebte das Gefühl des Reisens und seine Ländereien zu besichtigen. Die Familien zu sehen welche ihr Leben in Frieden fristeten, die verschiedenen Monster kennenzulernen. Selbst er als König dieser lernte jedes Jahr neue Arten kennen, welche Zuflucht in seinem Reich suchten.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      Geduldig wartete die junge Frau darauf, dass ihr sich Gegenüber letztendlich doch dazu entschloss ihre Hand zu schütteln, woraufhin ihr Lächeln ein Stückchen breiter wurde, fühlte es sich doch wie ein kleiner Sieg an, wen man die Größe des Unterfangens betrachtete, welches sie sich vorgenommen hatte. Denn es wäre wundervoll, wenn Neros Freunde sie auch einmal als Menschen, nicht in der Form einer Dämonin, annahmen und Sarnek – welcher ihre wahre Gestalt und ihre wahre Identität kannte – schien der erste Schritt dazu zu sein.
      Sie stellte fest, dass sich seine Klaue tatsächlich wie raues Rinde anfühlte, ein ungewohntes Gefühl und noch immer schwebte in ihrem Hinterkopf herum, dass sie einem mächtigen Dämonen gegenüber stand, aber weder Seira noch Sarnek ließen sich ihre Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Rasse anmerken.
      Als der Riese ihr seinen Namen nannte, klingelte etwas im Hinterkopf der Abenteurerin, als hätte sie diesen Namen bereits einmal gehört und als Nero ihr erklärte, wer Sarnek für ihn war, erinnerte sie sicher wieder. Diesen Namen hatte der Dämonenkönig bei ihrer letzten Auseinandersetzung genannt. Er war es, der für Nero da war, als sie es nicht konnte, was ihr ein bitteres, schuldiges Lächeln auf die Lippen zauberte.
      Und doch gab sie ein leises Danke von sich und drückte seine Klaue etwas fester, in der Hoffnung sie könnte damit ausdrücken, wie dankbar sie dem Wesen mit dem Schädel war, dass er sich um ihn gekümmert hatte, ehe sich Hand und Klaue wieder voneinander trennten. Sie hasste es, dass sie nicht an seiner Stelle hatte sein können, aber das war nichts, was die Abenteurerin ändern konnte. Vielleicht war das auch das beste gewesen.

      Fragend blickte Seira auf, als noch eine Warnung auf sie wartete und sie hatte erwartet, ein weiteres Mal daran erinnert zu werden, Nero und den anderen Dämonen und Monster nicht zu schaden – sie war wohl noch immer Mensch für sie, obwohl er nun ihren Namen wusste, wie? Nun gut, dann würde es ihre Herausforderung sein, ihn dazu zu bringen Seira beim Namen zu nennen – doch stattdessen wurde sie nur daran erinnert, dass ihr neues Äußeres nichts weiter als eine Illusion war, was ihr ein schiefes Lächeln auf das Gesicht zauberte.
      Glaubte er wirklich, sie hätte es noch nie mit einer Illusion zu tun gehabt? Zugegeben, Illusionen waren wirklich eine furchterregende Sache, sie hatte sogar das Treffen mit Nero als eine gehalten, da sie nicht glauben kann, dass er der Dämonenkönig war – was sie immer noch nicht so richtig begriffen hatte – aber sie hatten eine Schwachstelle. Sobald man wusste, was Illusion war und was echt, hatte diese keine Macht mehr über einen. Der schwierige Teil war Illusion von Realität zu unterscheiden, aber Seira bezweifelte, dass sie das einem Dämon erklären musste, es wusste es sicher besser als sie.
      Sie nickte nur brav, hörte seiner Erklärung zu, erfuhr jedoch nichts neues, als Nero ihn daran hinderte weiter zu sprechen und seinem Berater einen Berg an Papierarbeit aufbrummte, so wie Seira es verstanden hatte und sie fragte sich, ob sie vielleicht zu einem unguten Zeitpunkt zu Besuch gekommen war.
      Stimmt, Nero war der Dämonenkönig, doch... was tat ein Dämonenkönig, abgesehen vom bekämpfen von Helden und Abenteurern? War er... konnte man ihn mit dem König der Menschen vergleichen? Zumindest wollte Seira nicht glauben, dass er unschuldige Seelen peinigte, das passte einfach nicht zu ihrem Kindheitsfreund.

      „Achso?“, war die Abenteurerin letztendlich doch überrascht darüber zu hören, dass sie in Neros Nähe bleiben musste, damit die Illusion sich nicht auflöste, aber es schien logisch, wenn man darüber nachdachte. Ob es ihn wohl ermüdete, die Illusion aufrecht zu erhalten?
      „Keine Sorge, was glaubst du denn, wer ich bin? Die großartige Abenteurerin Seira Goldenrose, ich weiß schon auf mich aufzupassen, aber es ist schön zu hören, dass ich den Schutz des Dämonenkönigs persönlich genießen kann.“, gab die junge Frau selbstbewusst von sich. Er brauchte sich beim besten Willen keine Sorgen zu machen, Seira war optimistisch und glaubte, dass schon alles irgendwie gut gehen würde, und wenn nicht, dann würde sie schon dafür Sorgen.
      In ihrem Weltbild gab es nichts, dass sich nicht nur genügend Anstrengung und harter Arbeit richten lassen würde und sie hatte sich vor genommen ihr Bestes zu Geben, was diese Angelegenheit betraf.
      „Hm? Wie, du hast noch gar keine Tour geplant?“, neckte sie ihren besten Freund grinsend, „Lass uns nach draußen gehen, ich fürchte der Palast würde mich nur überfordern. Aber zuerst sollten wir meine Abenteurerausrüstung gegen etwas... dämonischeres austauschen.“
      Sie erinnerte Nero daran, dass er die Illusion umsonst auf sich angewendet hatte, wenn sie menschliche Kleidung trug, doch glücklicherweise hatte er wohl bereits daran gedacht und sie konnte sich in ihrem Zimmer – welches direkt neben Neros lag, wie sie erfuhr – umziehen, indem dieser auf der anderen Seite der Tür wartete, damit die Illusion in Takt blieb.
      Seira staunte nicht schlecht über das Zimmer, es hatte zwar noch immer den dunklen, unheilvollen Vibe des Dämonenschlosses, doch das Zimmer einer Taverne war nichts im Vergleich dazu.
      Es erschien ihr etwas viel und sie hoffte, sie würde hier Nachts schlafen können, ehe sie in neuer Montur wieder zu Nero schloss.
      Das Messer – welches sie statt ihrer Axt zur Selbstverteidigung auf ihrer Reise mitgenommen hatte – war nun unter dem Rock versteckt, statt direkt unter ihren Shorts an ihrem Oberschenkel zu sehen.
      Sie hatte zwar nicht vor, es zu nutzen, aber die Abenteurerin war daran gewöhnt immer eine Waffe bei sich zu tragen und sie fühlte sich unwohl, geradezu schutzlos, wenn sie keine bei sich trug.
      „Okay, wir können los, wohin zuerst?“, griff Seira mit Euphorie erfüllt nach Neros Hand, wie sie es immer als Kinder getan hatte und stellte fest, dass sie sich langsam an die Klauen gewöhnte.
    • Nero Irthil

      Noch immer konnte der Dämon es nicht fassen, dass er tatsächlich die Chance bekam, seiner Seira in die Gefüge seines Reiches einzuführen. Um ehrlich zu sein hatte er sich dies schon oft vorgestellt. Öfter als er bereit war, zuzugeben. Allerdings hatte er sich nie erträumt, dass jener Tag tatsächlich kommen würde. Sein Blick lag auf der nun verwandelten Seira, der ihm ungewohnten, roten Mähne und den stechend blauen Augen. Sie war hübsch, keine Zweifel. Auch wenn er ihr wahres Äußeres definitiv bevorzugte.
      Nickend geleitete er sie zu ihrem Gästezimmer, einem großen und elegant eingerichteten Gemach neben dem seinen. Natürlich hatte er ihr Kleider besorgt, damit sie nicht so offensichtlich in der Rüstung einer Heldin durch seine Reihen schritt und zufrieden lächelte er, als sie damit wieder aus ihrem Raum hinaustrat. Es stand ihr wirklich gut, sie sollte öfters überlegen ein Kleid zu tragen.
      Sein Blick huschte kurz zu ihrer Hand, welche aufgeregt seine ergriffen hatte und kurz huschte ein angedeutetes, warmes Lächeln über seine Lippen. Offenbar hatte sich ihre Dynamik, welche sie seit ihrer Kindheit besaßen, nicht verändert.
      "In die Stadt.", erwiderte er nun wieder mit seinem üblichen Grinsen.
      "Unterhalb meines Palastes befindet sich die Hauptstadt der Dämonenwelt. Ich dachte wir beginnen dort, damit du dir einen ersten Eindruck verschaffen kannst. Außerdem sollten wir in den Mengen kaum auffallen." Kurz unterbrach er sich und warf ihr einen prüfenden Blick zu, während sie durch die Gänge schritten.
      "Oder... ist dir nicht wohl dabei, gleich so vielen Wesen zu begegnen?", fragte er etwas vorsichtig nach. Immerhin wimmelte es dort von Dämonen jedweder Art, ob niederer Rasse und schwach oder den starken Völkern angehörig. Für einen Menschen dürfte dies wohl eher beängstigend wirken. Vor allem da es in den Straßen manchmal ziemlich chaotisch zuging. Nicht so schlimm wie es vor seiner Amtszeit als König war, es gab weder Verbrechen noch Gräueltaten in den Gassen wie vor 15 Jahren. Er hatte viel ändern müssen, als er begonnen hatte sich in diese Gefilde einzufinden. Sehr viel. Die Dämonen waren nicht unter Kontrolle und es galt das Recht des Stärkeren, was jedoch zu internen Konflikten und Kämpfen führten. Die Wesen waren zu jener Zeit wahrlich Monster, welche kein Halt vor einander machten. Doch eben diese Rangkämpfe hatte er mit als Erstes abgeschafft. Jeder war gleichgestellt, egal ob schwach oder stark. Ein Umstand, der vielleicht durch seine menschliche Zeit besonders geprägt war und sich hier tatsächlich umsetzen ließ.
      Zu Spät bemerkte er die entschlossenen Worte seiner Freundin und den ermutigenden Druck ihrer Hand, welche seine eine Spur fester umschloss. Sie war tapfer, das musste er ihr lassen. In seiner Nähe dürfte ihr jedoch nichts geschehen, dafür war sein Stellenwert zu hoch und jeder wich seiner Präsenz aus oder ergab sich demütig vor ihm. Er nickte entschlossen.
      "Dann steht der Plan fest. Vielleicht findest du auf dem Markt ja etwas, was dir gefällt. Lass es mich wissen.", ermutigte er sie grinsend und führte sie zielsicher durch die gleich bleibenden Korridore, ehe sie die Treppen nach unten erklommen und das große Tor, welches den Eingang zu seinem Palast symbolisierte, in Sicht kam. Vor diesem stand jedoch jemand, den Nero in diesem Moment lieber nicht gesehen hätte. Zumindest nicht, wenn er Seira an seiner Seite hatte.

      Er stieß ein tiefes Seufzen aus.
      "Verhalte dich unauffällig. Das ist mein General...", raunte er leise an die Hedin und ließ ihre Hand los. Gerade rechtzeitig, als der Dämon sie entdeckte. Das zuvor grimmige Gesicht des Generals hellte sich merklich auf und ein breites Grinsen zierte seine Lippen.
      "Eure Majestät.", deutete er eine Verbeugung an und sein verbliebenes Auge funkelte spöttisch. Das andere war mit einem schwarzen Tuch abgedeckt und nur zu gut konnte sich Nero an den Tag erinnern, als er sein verwundetes Auge hatte entfernen müssen. Doch trotz diesem Verlust blieb der General seiner Armee sein unbesorgtes Selbst.
      "Wie ich sehe hast du viel Freizeit, wenn du hier stehen kannst um Däumchen zu drehen.", erwiderte Nero kühler als normal. "Hatte ich dir nicht einige Angelegenheiten übertragen, Darius." Diesmal zog er eine Braue hoch und eben genannter zuckte etwas zusammen, sich dabei verlegen hinter die zwei großen Hörner greifend.
      "Puh...Ja, da war ja was...", gestand er ehe er in freundschaftlicher Manier seinen Arm um Neros Schulter legte. Er war annähernd so groß wie sein König selbst und musste sich daher nicht erst strecken, als er seinem besten Freund in versöhnlichem Versuch in die Seite schlug mit seinen behandschuhten Händen. Sein Körper war wie immer gekleidet in der dunklen Rüstung und sein todbringendes Breitschwert hing an seinem Rücken befestigt. Jene Klinge, die bereits viel Blut gesehen hatte.
      "Aber du bist selber Schuld, wenn du alle Wachen abziehst, Nero. Einer muss ja für deine Sicherheit garantieren, zumal vor kurzem erst Menschen hier eingedrungen sind." Die zuvor eher gelassene Stimme wurde ernster und das violette Auge bohrte sich vielsagend in Neros blaue Iriden. Dieser seufzte nur schwer und schlug sachte auf den Kopf des Kriegers. Er wusste, wie viele Sorgen sich sein Freund hier um ihn machte. Darius war trotz seiner draufgängerischen Art immer noch ein sehr loyaler und ergebener Freund, welcher wahrlich für ihn durch die Flammen gehen würde.
      "Ich kann gut auf mich selbst aufpassen, Darius. Mach dir wegen der Menschen keine Sorgen.", erwiderte er nur mit einem kurzen Seitenblick zu seiner Begleitung. Er konnte schlecht vor seinem Freund beichten, dass er ein Friedensabkommen plante. Darius hasste die Menschen aus tiefster Seele und er würde dem nie zustimmen, zu oft hatte er gegen sie gekämpft um Dämonen zu beschützen oder ihre Grenzen zu sichern. Dafür war es viel zu früh.
      Ein anerkennendes Pfeifen holte Nero aus diesen Gedanken und etwas erschrocken sah er zu dem hochgewachsenen Dunkelhaarigen, welcher sich zu Seira gebeugt hatte.
      "So ist das also. Hast du die Wachen abgezogen damit du ein ungestörtes Rendezvous haben kannst? Ich dachte du hättest kein Interesse an Frauen, du hast selbst Lamia abgewiesen. Und mal ehrlich, sie ist das heißeste was die Dämonenwelt zu bieten hat." Darius lachte rau auf und begutachtete die rothaarige Dämonin vor ihm genauer.
      "Mhm, aber die Kleine ist auch ganz süß. Warum hast du mir nichts gesagt? Ich dachte ich bin dein bester Kumpel! Brauchst du gute Ratschläge für sie?" Etwas vorwurfsvoll wandte sich das eine Auge auf Nero, der nun etwas betreten sich räusperte als Darius dreckig zu lachen begann. Na herrlich, genau diese Art von falschem Eindruck hatte Nero eigentlich nicht gewollt und kurz fuhr er sich durch sein langes Haar. Entschieden zog er Seira zu sich, als sein Freund gerade die Hand nach ihr ausstrecken wollte und schenkte ihm einen warnenden Blick.
      "Vielleicht weil ich weiß, welchen Frauenverschleiß du hast, alter Freund." Darius zuckte etwas mit den Schultern und hob seine Hände.
      "Schon gut, schon gut. Ich fass die Kleine nicht an, Eure Hoheit.", grinste er zwinkernd und wandte sich wieder zu Seira.
      "Darius, oberster General der Dämonenwelt. Zu Euren Diensten, Miss...?" Fragend hob er die Braue und schenkte der Frau vor sich eines seiner verdammten Lächeln, mit denen er sich sonst jede Tür und Frau öffnete. Nero seufzte entnervt. Das fing ja gut an.


      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Seira Goldenrose

      „Hmhmm... eine Stadt?“, gab Seira mit einem dazu passenden verwunderten Blick in den Augen. Sie hatte nicht erwartet dass Dämonen wie Menschen Städte oder Dörfer bildeten, auf der anderen Seite gab es dieses riesige, imposante Schloss, so weit hergenommen war es also nicht, obwohl sie immer gedacht hatte Dämonen würden wie Monster und wilde Tiere im freien Leben, vielleicht in alten Ruinen der Menschen, aber dass sie ihre eigenen Städte errichteten, daran hatte die Heldin beim besten Willen bisher keinen einzigen Gedanken verschwendet.
      Seira liebte es von einer Stadt zur nächsten zu reisen, die vielen verschiedenen Kulturen und Menschen kennen zu lernen, auch wenn es Dämonen und Monster waren, sie konnte es kaum erwarten zu sehen, was sie erwartete.
      Wenn sie schon von der Kleidung und dem Leben im Osten überrascht gewesen war, wie würde sie dann erst reagieren, wenn sie mitbekam wie die Kultur und das Leben einer Rasse, die nicht weiter von den Menschen entfernt sein konnte, war?
      Die junge Frau würde lügen zu behaupten, dass sie nicht wenigstens den Hauch von Sorgen oder Ängsten besaß, immerhin befand sie sich hier direkt in der Höhle des Löwen, ein Fehler und vielleicht würde sie ihr Leben verlieren, wenn nicht schlimmeres, auf der anderen Seite fühlte sie sich sicher, so lange nur Nero an ihrer Seite sein würde.
      Und da dieser versprochen hatte nicht von der ihren zu weichen – letztendlich ist die sehr froh darüber, dass die Illusion seine unmittelbare Nähe benötigt – konnte sie sich sicher sein, dass schon alles gut werden würde, oder zumindest redete sie es sich ein.
      „Es wird schon alles gut werden Nero, hast du schon vergessen wie tapfer ich bin?“, grinste sie breit und drückte seine Hand, nicht sicher ob sie damit ihm oder sich selber Mut machen wollte, vielleicht auch beide.

      „Oh, ein Souvenir? Klingt doch...“, klatschte sie, interessiert an der Aussicht ein Erinnerungsstück mitnehmen zu können, ehe ihr Kindheitsfreund ein Seufzen von sich gab und ihr mitteilte, dass sie seinem General gegenüber stehen.
      Da Seira bisher nur auf ihn geachtet hatte, wandte sie ihren Blick nun von dem Dämonenkönig ab und hätte sich schon fast alleine mit ihrem Gesichtsausdruck verraten, als sie eine Gestalt erblickte, welche ihr leider viel zu bekannt war und sie betete innerlich, dass die Illusion funktionierte.
      Nicht nur, dass sie es nicht gleich zu Anfang zu einem Kampf kommen lassen wollte, nein, ohne ihre Axt blickte sie bereits ihrem Tod in die Augen.
      Darius, einer der mächtigsten Dämonen, denen die Heldin jemals begegnet war, den sie bisher nie ganz besiegen und welchen sie nicht nur einmal nur knapp entkommen konnte und ausgerechnet diesem Mann stand sie nun gegenüber und wurde Zeuge seiner fröhlichen, sorglosen Persönlichkeit, statt dem vor Hass triefenden Blick, den sie eher gewohnt war und sie wusste beim besten Willen nicht wie sie mit einem Mann umgehen sollte, der bisher nur ihren Tod gewollt hatte, was jedoch auf Gegenseitigkeit beruhte.
      Und nun schien es, als ob Nero und Darius... zumindest sehr gute Freunde waren, von dem her, was sie mitbekam und sie fühlte sich mit einem Mal schuldig. Denn was die beiden anwesenden Männer in diesem Moment nicht wusste: sie war es, die Schuld am Verlust seines Auges war.
      Bei der kleinsten Erwähnung von Menschen zuckte Seira zusammen, aus Angst direkt enttarnt worden zu sein. War die Illusion den gut genug für jemanden, der sie kannte?! War sie das?!
      Wie angewurzelt blieb sie neben Nero stehen, wartete angespannt darauf, ob sich ihre Sorgen nicht doch bewahrheiten würden und unterdrückte den Impuls sich hinter dem Riesen Nero zu verstecken, rückte eher ein paar Schritte zur Seite, als Darius seinen Arm und die Schultern des Dämonenkönigs legte.Sie hoffte einfach unbemerkt zu bleiben, ein einfacher Dämon wie sie verdiente doch wohl kaum die Aufmerksamkeit eines Generals, oder? Oder?!
      Nun, falsch gedacht, denn offenbar war allein die Tatsache, dass sie sich in der Gegenwart des Dämonenkönigs befand, Grund genug um sie zu bemerken und die Gegebenheit, dass sie eine Frau war, war offenbar Grund genug Nummer zwei.
      Als Seira die Aufmerksamkeit des Generals auf sich zog, gab sie sich Mühe ein Lächeln aufzusetzen, wenn sie jetzt floh, würde es das ganze nur noch komplizierter machen und in Gedanken wiederholte sie immer und immer wieder die Hoffnung, nicht erkannt zu werden.
      Das Lächeln stellte sich letztendlich als etwas nervös heraus und ansonsten blieb die Abenteurerin still und hoffte, sie würde als schüchtern und langweilig abgestempelt werden, um nicht weiterhin Darius Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen.
      Erschrocken sah sie den Dämon vor ihr an, als dieser seine Hand nach ihr auszustrecken begann, doch bevor sie auch nur einen halben Schritt zurückgehen konnte, wurde sie von Nero an seine Seite gezogen, wofür sie ihm unendlich dankbar war und ein Seufzen unterdrücken musste, was ihr jedoch glücklicherweise gelang.
      Aber natürlich war Seira damit noch nicht vom Haken, wieso konnte es denn nicht so einfach sein?!
      „Ohm... ähm... ich bin...“, versuchte die nun Dämonin geradezu panisch nicht dem Blick des obersten Generals zu begegnen, machte dabei ein paar Schritte hinter Nero, als würde sie am liebsten hinter diesem verschwinden und stellte nervös fest, dass sie keine Ahnung von Dämonennamen hatte, aber den ihren konnte sie beim besten Willen nicht verwenden!
      „Lu-Luxuria!“, hatte die junge Frau letztendlich einen gefunden, den sie einst gehört hatte und hoffte nur, dass dieser Name keine Probleme mit sich brachte, auf der anderen Seite hatte Seira bereits Probleme: der Dämon, mit welchem sie eine innige Feindschaft führte, war Neros oberster General und offenbar Freund.
      Das konnte doch nur gut ausgehen, nicht wahr?
    • Nero Irthil

      Beinahe schon wachsam sah Nero seinem General entgegen, welcher nicht locker lassen wollte. Oh verfluchter… Über einen Namen hatten sie noch nicht gesprochen, das hatte er gänzlich vergessen, dass sie schlecht mit ihrem wahren Namen um sich werfen konnte. Wobei, er selbst wusste nicht, wer die Heldin der Menschen war bis sie vor ihm gestanden hatte. Allerdings hatte er als König auch weniger mit den Menschen zu tun als Darius zum Beispiel. Er war regelmäßig in den gegnerischen Ländereien unterwegs und sorgte für Ordnung, befreite gefangene Dämonen oder stellte sich mit seinen Vertrauten den Abenteurern und Wachen des Königs. Kurz huschte sein Blick zu Seira, als sie einen Namen stotterte, welcher sogar gar keine Seltenheit in seinem Land war. Luxuria also? Hatte sie ihn irgendwo aufgeschnappt? Und wenn ja wo? Wann? Es erschreckte ihn, wie wenig er eigentlich von Seiras Leben wusste. Seit er seine Heimat verlassen hatte war es schwer gewesen, weiterhin nach ihr zu sehen. Er wusste nicht was sie alles erlebt hatte, welche Freunde sie nun besaß, wie sie den Weg als Abenteurerin beschritten hatte. Er wusste nichts und das machte den Schwarzhaarigen mehr zu schaffen als er angenommen hatte. Es frustrierte ihn regelrecht. Sicher, ihr Verhalten war wieder ganz wie früher aber sie beide waren eben nicht mehr die kleinen, naiven Kinder. Sie hatten beide zu viel erlebt dafür. Nero nahm sich vor, dieses Abkommen zu nutzen, um mehr über die Hellhaarige zu erfahren. Er wollte alles wissen, bei dem er nicht bei ihr hatte sein können.
      Darius legte sein charmantes Grinsen nicht ab und deutete eine Verneigung an.
      „Ein hübscher Name für eine hübsche Frau.“ Nero warf ihm einen finsteren Blick zu. Er hatte sie lange genug aufgehalten und er konnte spüren, dass es seiner Freundin unwohl war, in so kurzer Zeit bereits auf einen mächtigen Dämon gestoßen zu sein. Sie versteckte sich regelrecht hinter ihm.
      „Okay, schon verstanden, Herr. Ich lass euch beide in Ruhe, viel Spaß bei dem Date.“, lachte Darius als er Neros eisigen Blick auffing und wedelte harmlos anmutend mit seiner Hand. „Aber du musst mir trotzdem erzählen wo du sie gefunden hast. Ich kenne eigentlich jede schöne Frau in diesem Land, aber sie ist mir neu.“ Darius violettes Auge lag diesmal entschlossen auf den blauen seines Freundes. Nero wusste, er käme nicht an diesem Gespräch vorbei und er sollte sich in einer ruhigen Minute mit Seira beraten, welche Geschichte sie ihm auftischen wollten. Darius war vielleicht unbekümmert anmutend, doch war er trotz allem ein gestählter Krieger, welcher mit Argusaugen alles verfolgte, was in ihrem Land geschah. Und er traute niemanden, selbst den Dämonen in ihren eigenen Reihen nicht. Das würde noch schwierig werden… Seufzend schüttelte der Dämonenkönig sein Haupt als sein Freund mit einem amüsierten Lachen seinen Weg fortführte und hinter dem nächsten Korridor verschwand.

      Er wartete einen Moment ehe der Schwarzhaarige ausatmete.
      „Er wird nicht locker lassen…“, meinte er wenig begeistert und zog Seira kurzerhand wieder an ihrer Hand mit sich, um endlich seinen Palast zu verlassen.
      „Darius mag vielleicht flirtend und ausgelassen wirken. Aber in seiner Nähe solltest du vorsichtig sein, was du sagst. Er ist mein oberster General und das nicht ohne Grund. Er misstraut jedem, wahrscheinlich wird er dich auch alleine überraschen nur um von dir zu hören, woher du kommst und wie du mich kennengelernt hast. Die Wahrheit können wir ihm schlecht sagen… Wir sollten deiner Illusion auch etwas Glaubhaftigkeit verschaffen. Tut mir leid, dass ich bis jetzt nicht daran gedacht habe… Bei den Dämonen der Stadt mache ich mir wenig Gedanken, du wirst kaum interessant für sie sein. Aber bei Darius…“ Neros Stimme war ungewohnt ernst und sein Blick nachdenklich. Er legte bereits jetzt einige Informationen zurecht, welche er eventuell in ihrer Geschichte einbauen könnte, die Darius nicht sofort durchschaute. Seira sollte so lange wie nötig in seinem Königreich unbeschwert bleiben können. Demnach musste er sich wohl wirklich darum kümmern, dass niemand dafür sorgte, dass sie an ihrer Meinung über sein Volk festhielt. Das war das Letzte, was er wollte. Er wollte ihr doch die Schönheit zeigen, den Frieden… Und nicht das Misstrauen. Kurz hielt er auf der Brücke inne, hatte er sie die ganze Zeit doch mit sich gezogen und etwas entschuldigend sah er auf ihre Hand.
      „Tut mir leid. Hattest du eben Angst vor ihm?“, fragte er deutlich sanfter und seine bis eben noch härteren Züge wurden weicher.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar