Gunfire & Roses - Deadly Sins [Lucy&Heaven]

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    • Gunfire & Roses - Deadly Sins [Lucy&Heaven]

      Gunfire & Roses - Deadly Sins
      Zur Vorstellung
      @Lucy~


      Simon Oak

      "Ich diskutiere mit dir darüber nicht, Oak!" Die donnernde Stimme des Vorgesetzten tönte durch das geräumige Büro. Der Mann in seinen Vierzigern war mehr als erbost und das vom Bart gezeichnete Gesicht verzog sich verärgert. Nun, seinen Zorn habe ich wohl genährt mit meinem Anliegen. Allerdings konnte und wollte ich seine Entscheidung nicht akzeptieren. Das war ausgeschlossen und grenzte an Autoritätsmissbrauch. Mir einen Partner aufdrängen?! Ich arbeitete schon seit Jahren allein und das mehr als erfolgreich. Meine Fallquote lag fast bei hundert Prozent. Mir jetzt einen Partner wegen einem vielleicht etwas komplizierteren Fall aufzuzwängen glich beinahe einer Beleidigung.
      "Und ich sagte ich arbeite allein, Sir!", hielt ich kühl entgegen. Ich ließ ebenso wenig mit mir diskutieren wie mein Chef vor mir. Dessen Braue zuckte gefährlich und ich wusste, seine Geduld fand langsam ein Ende.
      "Du wirst Miss Baker als Partnerin im neuen "Ripper" Fall akzeptieren oder ich entziehe eben jenen Fall deiner Befugnis!", zischte er und klatschte die Akte meiner neuen Partnerin mit wenig Sanftmut vor mir auf den schweren Holzschreibtisch. Diesmal war es an mir, das Gesicht zu verziehen und mit kalter Wut starrte ich ihm entgegen. Er drohte mir, den Fall zu entziehen wenn ich sein lächerliches Partnerspiel nicht mitspielte? War das sein verdammter Ernst? Noch dazu eine junge, unerfahrene Frau?
      "Wie bitte?", fragte ich leise und meine grauen Augen verengten sich leicht.
      "Du hast mich schon verstanden, Oak! Mit dem letzten Opfer sind bislang schon sieben Frauen durch den Irren ums Leben gekommen. Sieben! Die Presse sitzt mir im Nacken und wir kommen keinen Schritt voran. Im Internet kursieren Gerüchte, London stände unter einem Fluch oder irgend sowas. Dass der wahre Jack the Ripper zurückgekehrt ist! Es herrscht Panik unter den Bürgern und wenn wir nicht bald etwas Handfestes herausfinden sind wir am Arsch! Also ja, du wirst deine neue Partnerin einweihen, verdammt! Sie ist die Beste ihres Jahrgangs und gerade auf Psychopathen und seltsame Morde spezialisiert, ich wage zu behaupten sie kommt deiner Brillanz sehr nahe." Ein Schnauben entfuhr mir. Es war kaum vorstellbar, dass irgendjemand die Erfahrungen mitbrachte, welche ich zu bieten hatte- Jahrgangsbeste oder nicht. Zerknirscht, als mir mein Chef deutlich unter die Nase rieb, dass wir bislang im Dunkeln tappten, presste ich nur die Lippen zusammen.
      "Eine Wahl habe ich wohl nicht.", gab ich mit deutlich zynischen Unterton von mir und erntete nur ein entschiedenes Kopfschütteln. Herrlich, eine unerfahrene Partnerin in einem Fall, bei dem es um einen frauenmordenden Serienkiller handelte. Was wollte ich mehr? Ohne weiteres Wort erhob ich mich und nahm widerwillig die Akte an mich, ehe ich die Tür des Büros mit Wucht hinter mir zufallen ließ. Ich hasste es, diese gesamte Situation! Alleine wäre ich besser dran, Babysitter zu spielen war nicht wirklich mein Ding. Teamarbeit generell war nicht meins, ich bevorzugte meine Ruhe und meine eigenen Methoden, einem Fall auf den Grund zu gehen.

      Entnervt in meinem eigenen Büro überflog ich die wichtigsten Eckdaten der so hoch angepriesenen Miss Baker. Neunundzwanzig Jahre, Abschluss an eben jener Ausbildungsstätte, die ich selbst besucht hatte. Profilerin... dabei blieben meine grauen Miasmen einen Moment hängen. War heutzutage jeder, der gute Menschenkenntnis besaß, gleich ein Profiler? Ich selbst war darin bewandert, Profile der Mörder zu erstellen und ihre Schwächen im Verhör geschickt gegen sie auszuspielen. Nicht umsonst war ich von Hawkins, meinem Boss, so hoch geschätzt dass er meine Dreistigkeit in einigen Situationen durchgehen ließ. Seufzend fuhr ich mit der Musterung ihrer Daten fort. Sie sollte heute hier ankommen, nach dem Gespräch mit Hawkins gegen elf, soweit ich es richtig verstanden hatte. Ungeduldig tippten meine Finger auf der dunklen Platte meines geräumigen und makellos sauberen Tisch. Ich hasste die Vorstellung, mit jemanden zusammenzuarbeiten. Meine letzte Partnerschaft lief nicht gerade im Guten auseinander und ich hatte ehrlich gesagt wenig Lust, dies zu wiederholen. Kopfschüttelnd legte ich die Papiere zurück auf den Tisch und entschied, vorher nicht mehr an diese unschöne Situation zu denken und mich meinen Pflichten zu kümmern. Die Forensik hatte mir ihre leider sehr ernüchternden Auswertungen der letzten Beweise zugeschickt, welche ich mir auf meinem Computer ansah. Wie zu erwarten waren keinerlei Spuren des Täters an den Leichen oder dem Tatort zu finden. Nicht einmal ein verdammtes Haar, geschweige denn eine andere DNA-Spur, welche Hinweise liefern könnte. Lediglich die Methode blieb gleich, die Orte der Verbrechen waren wahllos in dem gesamten Raum Londons verteilt. Und obwohl ich versuchte ein Muster zu erkennen, selbst die damaligen Fälle im neunzehnten Jahrhundert durchgegangen war, um eventuelle Parallelen zu erkennen, so blieb ich auch hierbei weitestgehend erfolglos. Einzig der Anhaltspunkt, dass auch dieser Mörder ein Arzt sein musste, war ihm gegeben. Nachdenklich klickte ich durch die Beweise welche mir gegeben waren und ich verlor mich in den kleinen Details, sodass ich die Zeit gänzlich aus den Augen verlor.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Sophia Baker
      Vor einigen Tagen begann ich endlich ein Schreiben, auf welches ich schon gewartet hatte. Natürlich hatte ich mich nicht für diesen Job selbst beworben. Vielmehr war es mein noch aktueller Chef, der mich dem besten Polizeirevier in London weiterempfohlen hatte. Von dem Fall, der derzeit in aller Munde gewesen war, hatte ich natürlich schon gehört und mein Interesse stieg stetig. Zittrig hielt ich noch meinen Brief in den Händen, während ich im Zug nach London saß.
      "Sehr geehrte Miss Baker,
      mit großer Bewunderung möchten wir gerne um Ihre Hilfe bitten. Mister Smith hat uns nur Positives von Ihnen berichtet und uns Ihre Erfolge sowie Talente nahegelegt. Eine junge Ermittlerin, die ihre Aufgabe zu schätzen weiß und bedacht ist, für das Wohl und die Sicherheit der Menschen zu sorgen, können wir in unserem Polizeirevier nur zu gut gebrauchen. Aktuell belastet uns ein Fall von denen Sie gewiss schon einmal gehört haben. Ein Täter, der Jack the Ripper ähnelt, ermordet Frauen in London auf ganz skurrile und absurde Weise. Bisher konnten wir sieben Opfer identifizieren und diesem Täter zuweisen. Wir wissen, dass Sie in solchen Bereichen erfahren sind und laden Sie deswegen nach London ein. Wir möchten Ihnen, gemeinsam mit Ermittler Oak, den Fall vollends zuweisen und gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass wir mit einem solchem Duo den Täter fassen können. Selbstverständlich bitten wir zudem um vertrauliche Behandlung des Briefes. Wir erwarten sie mit Freude in drei Tagen auf dem Polizeirevier in London. Ehrenvoll Polizeichef Morgan".
      Eine Person, die Jack the Ripper ähnelte, ermordete in London Frauen. Ebenso wie Jack the Ripper, schlitzte er ihnen die Kehle auf und entfernte die Gebärmutter. Anschließend stellte er die Frauen zur Schau. Bei diesem Gedanken musste ich leicht kichern. Ein älterer Mann, der im Sitzabteil neben mir saß, starrte mich die ganze Zugfahrt über entrüstet an. Vermutlich schien ich ihm suspekt. Dazu kam die Tatsache, dass ich hin und wieder ein Kichern von mir gab - wie jetzt. Langsam drehte ich meinen Kopf zu ihnen und sah dem Mann tief in die Augen. Erstaunlich, dass er nicht den Blick von mir nahm, setzte ich meine Mundwinkel zu einem breiten Grinsen. Dann sagte ich laut: "BOO!" und kicherte erneut, als der Mann aus seiner Trance herauskam und zusammenzuckte. In diesem Moment kündigte der Zugführer den Bahnhof in London an und ich stand auf. Den Brief packte ich in meine Handtasche und verließ den Zug. Zum Abschied winkte ich dem Mann noch einmal süffisant zu und trat auf die Schwelle des Bahnhofes. Alles hier schien so riesig, was mich für einen kleinen Augenblick ziemlich faszinierte. Ich blieb längere Zeit stehen und betrachtete das große gewölbte Dach und die Massen an Menschen, die hier herumliefen. So viele sorglose Gesichter, die keinen blassen Schimmer davon hatten, was eigentlich so passierte oder eher dachten, dass ihnen so etwas Schreckliches doch niemals passieren würde. Einer von ihnen könnte sogar unser Mörder sein oder sogar das nächste Opfer. Ich kicherte vergnügt und lief endlich weiter. Das ganze hier würde mich wohl eine Weile unterhalten. Ich nahm mir ein Taxi bis zum Londoner Polizeirevier. Vor diesem parkten einige Polizeiautos und über dem Haupteingang schmückt ein großes Wappen, darunter stand 'Police'. Nun, alles sah so perfekt und geleckt aus. Sogar der graue Beton schien mich anzustrahlen. Langweilig. Mir war klar, dass ich mich ziemlich zusammenreißen musste. Ich hasste das! Nachdem ich dem Taxifahrer endlich sein Geld durch das Beifahrerfenster gereicht hatte, fuhr er auch schon los und ich atmete einmal tief durch, um vielleicht nicht direkt völlig Banane zu wirken. Erhobenen Hauptes schob ich die Glastür auf und betrat das Revier. "Guten Tag, darf ich Ihnen behilflich sein?", fragte mich eine kleine Polizistin auf die britischste höfliche Weise, mit der man jemanden nur begrüßen könnte. "Baker. Mister Morgan möchte mich sehen", meinte ich nur schroff. Die Polizistin runzelte kurz die Stirn. Sie hatte sicher mehr von mir erwartet. Mehr Freundlichkeit und mehr Informationen. Tja, Püppchen, gibts von mir eben nicht. Ich verkniff mir ein Kichern. "Ms. Baker selbstverständlich, bitte folgen Sie mir", sagte sie wieder freundlich und lächelte mich an, ehe sie die Richtung vorgab. Ich lief ihr hinterher und beobachtete, wie ihr blonder Pferdeschwanz von einer zur anderen Seite während des Gehens schwankte. Das sah irgendwie ulkig aus und irgendwie hatte es eine leicht hypnotisierende Wirkung. Meine beiden langen rosanen Zöpfe, die eher herunter hingen, wippten nicht so rhythmisch. Vielleicht sollte ich sie mir etwas höher binden.
      Wir liefen den langen Flur entlang, anschließend zwei Stockwerke nach oben. Hier war wohl das Morddezernat. Sie klopfte gegen eine braune massive dunkle Holztür. Sehr altmodisch, aber passend. Eine tiefe Stimme gab den Befehl hereinzukommen. Die blonde kleine Frau öffnete die Tür nur einen Spalt breit, steckte ihren Kopf hindurch und war nun ziemlich kleinlaut. "Entschuldigen Sie die Störung, Mr. Morgan. Ms. Baker ist eingetrof-...", wollte sie sagen, doch Mr. Morgan ließ sie ihren Satz nicht beenden. Er sprang sofort von seinem Stuhl auf. "Ja, dann lassen Sie sie herein, Herrgott. Worauf warten Sie!", pustete er laut heraus und sofort stieß die Frau die Tür auf. Mir gegenüber stand nun ein großer mächtiger Mann, mit wenig Haar auf dem Kopf, dafür aber mehr im Gesicht. "Ms. Baker. Es ist mir ein Vergnügen", meinte Mr. Morgan und breitete seine Arme glückselig mit einem Lächeln auf den Lippen aus. "Mrs. Jones. Sie können gehen", meinte er dann weniger freundlich zu der Polizistin. Die blonde Frau nickte eifrig, sah mich im Vorbeigehen einen Augenblick lang an und verschwand, nachdem sie die Tür hinter sich schloss. "Guten Tag Mr. Morgan. Es freut mich ebenfalls", meinte ich freundlich und lächelte gezwungen. Nach der Begrüßung unterhielten wir uns noch eine Weile und er erklärte mir alles Nötige. Das meiste jedoch sollte ich mir durch das studieren der Akten aneignen, aber damit hatte ich natürlich gerechnet. "Ich werde Sie nun Ihren neuen Partner vorstellen", meinte Mr. Morgan und am Liebsten hätte ich im Strahl gekotzt. Eigentlich brauchte ich keinen Partner, aber es wäre wohl mühseliger Mr. Morgan davon zu überzeugen, als es einfach über mich ergehen zu lassen. "Ja", meinte ich kurz angebunden und verließ gemeinsam mit Mr. Morgan das Büro. Es waren nur wenige Schritte bis zum Büro von Mr. Oak. Mr. Morgan klopfte an, wartete jedoch nicht auf ein Befehl und trat einfach so Herein. "Oak. Hier ist Ms. Baker. Ich wünsche Ihnen beiden viel Erfolg", meinte er nur und ließ uns beide dann alleine. Mr. Oak und ich würden uns hier ein Büro teilen, jedenfalls solange bis der Jack the Ripper-Imitator gefasst würde. "Nun...", meinte ich. "Ich habs nicht so mit langen Reden und eigentlich will ich auch nur meine Ruhe. Ich möchte mir gerne die Akten ansehen", sagte ich zu ihm. Der schwarzhaarige junge Mann, der wohl nicht sehr viel älter als ich zu sein schien, sah mich unbeeindruckt an.
      Wir alle fliegen hier unten...
    • Simon Oak

      Beinahe schon entnervt vernahm ich die Schritte meines Vorgesetzten. Und wie immer kam dieser Idiot ohne irgendeine Form der Höflichkeit einfach herein, ohne eine Antwort abzuwarten. Gezwungener Maßen sah ich von meiner Arbeit auf und sah nahezu ausdruckslos zu den beiden Eindringlingen, welche mich so unsanft unterbrochen hatten.
      "Oak. Hier ist Ms. Baker. Ich wünsche Ihnen beiden viel Erfolg", war alles, was der Chief zu sagen hatte. Natürlich war das alles, sein mehr als warnender Blick war mir nicht entgangen, doch erwiderte ich ihn lediglich kühl und nichtssagend. Wenn er glaubte ich würde Babysitter für irgendeinen aufgezwungenen Partner, noch dazu einer Frau, spielen dann irrte er sich gewaltig. Wenn sie mit ihrer Arbeit nicht hinterherkam und meine Geschwindigkeit nicht beibehalten könnte, dann sollte sie zurückbleiben und mich meinen Job erledigen lassen. Kurz musterte ich die junge Dame, welche nun mit mir allein in meinem Büro gelassen wurde. Sie war nicht nervös, nicht einmal ein wenig. Ihre Haltung war beinahe entspannt, als würde sie nichts fürchten und sich ebenso wenig darum zu kümmern, nun hier zu sein. Ich würde es nicht als Desinteresse betiteln, was ich in ihrem Gesicht erkennen konnte. Viel mehr Unmut darüber, mit mir hier zu sein, wie ihre nächsten Worte mir auch bestätigten.
      "Ich habs nicht so mit langen Reden und eigentlich will ich auch nur meine Ruhe. Ich möchte mir gerne die Akten ansehen" Meine Miene blieb unergründlich bei ihrer recht kargen Vorstellung. Sie verdeutlichte, dass sie offenbar ebenso wenig an einer direkten Teamarbeit interessiert war wie ich selbst. Dabei wirkte sie kaum wie eine erstklassige Ermittlerin, zumindest erinnerte ihr Körper an den eines Kindes. Die lächerlichen zwei Zöpfe des pinken Haares, die großen, rotbraunen Augen und das viel zu rundliche und jugendhafte Gesicht. Ihr Körper wirkte ebenso wenig wie jemand, der sich einem erwachsenen Mann stellen könnte, wenn es die Situation erforderte. Trotzdem nahm ich mich selbst in meinem Urteil etwas zurück, da ich bislang noch nichts über diese Miss Baker wusste und demnach auch nicht ein verfälschtes Urteil bezüglich ihrer Person ziehen wollte.
      "Dann sind wir uns ja einig.", erwiderte ich nur kühl im Bezug auf die Ruhe, welche ich durchaus wertschätzte. Es reichte schon, dass ich jetzt gezwungen war mich mit ihr auszutauschen, sofern ich etwas neues fand. Und sie ebenso. Was hatte sich der Chief dabei nur gedacht, mir ein kleines Mädchen vorzusetzen? Es war beinahe schon erniedrigend. Aber gut, es war die Arbeit und diese zu erfüllen war meine oberste Priorität. Solange die Pinkhaarige sich nicht darin einmischte und mich behinderte würde ich mir versuchen, Mühe zu geben. Und bei dem kleinsten Anzeichen, dass sie der Sache nicht gewachsen war, könnte ich noch immer ein Veto einlegen, sie im Team zu haben.

      Meine Hand wies auf den hohen Aktenschrank. "Die bisherigen Unterlagen sind in den Akten oben links, zweite Reihe. Fotografien des Tatorts, Forensische Beweise, Autopsie Berichte und diverse Befragungen der Angehörigen und Freunde einiger Opfer. Wenn Sie damit fertig sind, sich einzulesen, sollten Sie sich etwas beeilen. Ich habe am Mittag die Eltern des letzten Opfers vorgeladen und werde Sie befragen. Sie werden ebenso anwesend dabei sein, mir aber nicht in die Quere kommen.", begann ich mit nüchterner Stimme zu sprechen, während ich bereits wieder auf meiner Tatstatur tippte.
      "Laut Ihren Unterlagen sind Sie Profiler. Dann können Sie ja zeigen, wie gut Sie darin wirklich sind und mir ein Verhaltensmuster erstellen in den Situationen, in welche ich die Angehörigen bringen werde.", fuhr ich mit meinen Anweisungen fort. Tatsächlich waren die Eltern von Susan Morrison etwas...seltsam. Susan war zweifellos auf den Weg zu ihnen, als es geschah und der letzte Anruf vor ihrem Mord ging an ihre Mutter, was diese jedoch bei ihrem ersten Gespräch mit keiner Silbe erwähnte. Mein Instinkt sagte mir, dass ich nicht leichtfertig diesen Umstand als Familiendrama abtun sollte und wenn Miss Baker hier wirklich so eine hervorragende Profilerin wäre, so würde ich es austesten wie weit ihre Fähigkeiten reichten. Schließlich sah ich ein letztes Mal zu ihr auf und diesmal waren meine kühlen Augen beinahe stechend.
      "Ich hoffe für Sie, dass Sie wissen welche Bedeutung dieser Fall besitzt und dass Sie ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen, Miss Baker." Es war eine schlichte Warnung meinerseits. Deplatzierte Arroganz und Gelassenheit bezüglich der Gräueltaten waren bei mir nicht geduldet. Diese Morde waren eine ernstzunehmende Sache, eben weil sie für eine Panik der Masse sorgten und an das wohl schlimmste, geschichtliche Ereignis erinnerten. Für mich war in dieser Hinsicht Respekt gegenüber dem Fall ein Muss und ich diskutierte diesbezüglich auch nicht.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."