I hate you, Sweetie. [Arang & LuChan]

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    • I hate you, Sweetie. [Arang & LuChan]

      I hate you, Sweetie. [Arang & Lu-Chan]

      @Arang
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      Abigail

      Seit einer Stunde schon saß sie auf der Treppe und wartete darauf, dass ihr Bruder endlich auf sein Telefon sehen wird. Es war noch früh, es war gerade erst neun Uhr am Morgen und in der Regel war der Brünette nicht vor Mittag auf, er hatte einen ganz anderen Lebensstil gehabt, als es seine Schwester hatte. Die Augen waren schon total rot, aber seit einigen Minuten kamen keine Tränen mehr raus, als hätte Abi all diese schon verbraucht. Sie fühlte sich elendig und am liebsten wollte sie einfach irgendwo weg fahren, ganz weit weg ans Ende der Welt, aber sie konnte ihren Job, um den sie sich so sehr bemüht hatte, nicht einfach zurück lassen und zu ihren Eltern wollte sie definitiv nicht hin. Immer wieder vibrierte ihr Handy, David versuchte sie zu erreichen und ihr zu erklären, dass das alles ein Missverständnis war, war es aber definitiv nicht, sie hatte ihn gesehen.. In ihrem Bett, gleich mit ihrer besten Freundin. Allein der Gedanke daran, was vor zwei Stunden passiert ist trieb doch wieder neue Tränen an die Oberfläche, aber Abi blinzelte sie lieber weg und versuchte es noch ein Mal bei ihrem Bruder, irgendwann wird er mit Sicherheit abheben.
      "Gott..", murmelte der Mann am Telefon, als es seine Schwester schon wieder aufgeben wollte. "Es ist viel zu früh Abi, was willst du?". Begeistert schien er nicht zu sein, er wollte mit Sicherheit einfach weiter schlafen. "K-kannst du mir.. Die Tür aufmachen.. bitte?". Durch das viele Weinen schien ihre Stimme brüchig zu sein und nach dem Schluchzen war Jonathan definitiv klar, dass seine Schwester am Weinen war. "Was ist los, Abi?", stirnrunzelnd setzte er sich auf und schien nicht mehr ganz so müde zu sein, wie es vor einen Moment noch der Fall gewesen ist. "Ich.. stehe vor der Tür". Es hatte einen kurzen Augenblick gedauert, in welchem sich der Brünette eine Boxershort über gezogen hatte, um aus dem Zimmer zu eilen und die Wohnungstür aufzuschließen. Da saß sie, wie ein Häufchen Elend auf der Treppe gegenüber der Tür. "Abi..", Jon runzelte die Stirn, war sich nicht sicher, was los war, aber nach dem Zustand seiner Schwester zu urteilen nichts Gutes. Sie hatte sich erhoben, hatte die Reisetasche neben sich stehen lassen, um ihrem Bruder einfach nur in die Arme zu fallen. "Er hat mich betrogen..", sie schluchzte wieder, die Worte auszusprechen war nicht einfach, die Tränen rannten ihr wieder über wie Wangen, während sie die warme, nackte Haut ihres Bruders spürte. Sie hatten nicht immer eine sehr gute Beziehung zueinander gehabt, als Kinder haben sie sich oft gestritten und sich nicht leiden können, erst nach dem Auszug aus dem Elternhaus stabilisierte sich ihr Kontakt und auch wenn die Blondine es nie für Möglich gehalten hätte, sie konnte auf ihren Bruder wirklich zählen.
      Er legte seine Arme um sie, um ihr über den Rücken zu streichen. "Alles gut..", flüsterte er ihr entgegen, während er innerlich seufzte. Er war zu verkatert, um sich jetzt darum zu kümmern. "Soll ich dich zu Sam bringen?", fragte er gleich daraufhin, die beste Freundin würde doch die bessere Person für so etwas sein, vor allem, da Jon seine Beziehungen auf einer Hand abzählen konnte. Abi schluchzte wieder. "Sie lag mit ihm im.. Bett", erklärte sie auch schon und konnte die Tränen gar nicht mehr zurück halten. Ihr Bruder verstand jetzt die ganze Sache, er verstand ihre Situation, verstand die Reisetasche, die sie mit hatte. Er seufzte zunächst. "Komm erstmal rein", nur langsam ließ er sie los, um ihr den Weg ins Wohnzimmer zu deuten, während er die Reisetasche ergriff, um sie im Flur liegen zu lassen. Die Haustür schloss er wieder. "Ich ziehe mir mal was an". gesagt getan, denn während sich die Blondine im Wohnzimmer ein klein wenig umsah, hatte sich ihr Bruder eine Jogginghose und ein T-Shirt angezogen, um zu ihr zu kommen. Er gähnte und streckte sich in der Tür. "Jetzt noch einmal von vorne.. Du hast David mit Sam erwischt?". Abi nickte ein klein wenig unsicher. "Ich.. kam von der Nachtschicht.. und.. und..", sie wollte sich nicht daran erinnern. "Da lag er mit ihr in unserem Bett.. Nackt..". Die Frau biss sich auf die Lippe, um nicht noch einmal los zu heulen. "Und scheinbar. Geht es was länger mit den beiden". Die Tränen rannten ihr dennoch stumm über das Gesicht. Jon seufzte, ehe er sich durch die Haare fuhr, jetzt wird er noch jemanden an der Backe haben, der Beziehungsprobleme hatte.. Er war dafür nicht gemacht. "Setz dich, ich mach uns einen Kaffee", so viel besaß er wenigstens. Abi nickte und setzte sich auf die Couch im Wohnzimmer, um sich um zu sehen, viel zu selten war sie hier gewesen. "Warum bist du nicht zu Mom und Dad hin?", fragte ihr Bruder,während er in der Küche versuchte Überblick zu behalten. Abi seufzte. "Damit mir Mom vorwerfen kann, dass ich ihn vergrault habe? Niemals.. Außerdem, kann ich meine Arbeit nicht einfach aufgeben.. Kann ich nicht einfach, nur ein paar Nächte hier bleiben?". Jon seufzte. "Wir sind hier schon zu zweit sehr .. eng beieinander", er blickte ins Wohnzimmer zurück, konnte seiner Schwester nicht einfach die Hilfe verwehren. "Aber kriegen wir schon hin".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ethan

      „Brrrrrrrrr Chhhhhhuuu bbbrrrruuuuu“, hörte Ethan bereits die Kaffeemaschine in der Küche erklingen, doch er konnte sich noch nicht dazu aufraffen die Augen zu öffnen, stattdessen öffnete er weit den Mund und stöhnte. Knurrend und murrend drehte er den Kopf im Polster, während er am Bauch mit ausgestreckten Armen lag, doch eine wirklich bequeme Position konnte er nicht mehr finden. Warum musste der Kerl auch mitten in der Nacht Kaffee machen und ihn damit aufwecken?! Langsam stemmte er einen Arm nach den anderen in die Matratze und hievte sich aus dem Bett. In Boxershorts bekleidet saß er noch auf der Bettkante, bis die Kaffeemaschine ihr Lied beendete und rieb sich die Augen. Ein Blick zur Ihr am Schreibtisch ließ ihn erneut aufstöhnen, es war doch schon 9 Uhr morgens. Es wunderte den blonden trotzdem, dass sein Freund schon munter war, hatte der doch so einiges getankt. Schnell schnappte sich Ethan eine neue Boxershort, Socken, ein frisches Shirt und eine frische Jogginghose, riss das Fenster zum Zimmer auf und machte sich auf den Weg ins Bad, unwahrscheinlich, dass sich sein WG Kollege jetzt schon ins Bad wagen würde.

      Die Tür geöffnet schritt er auch schon in den Gang zum Bad und sah Jon bei der Kaffeemaschine stehen, zwei Tassen daneben. Abi hatte er nicht erblickt, stand sie doch hinter der Wand in seinem toten Winkel, gerade weil Ethan seine Klamotten zum Gruß erhob, „Morgen! Und wie oft den noch, ich trinke keinen Kaffee“, dann war er schon im Bad verschwunden.

      Im Bad lagen ein paar von Jons Klamotten herum, die Ethan mit dem Fuß alle in eine Ecke beförderte, „Schlampiger Kerl“, schüttelte er den Kopf und gönnte sich eine Dusche mit Kokosshampoon und Granatapfel Duschgel. Im vergleich zu jemand anderem in dieser WG, zog er aber die Armaturen und die Glasscheibe ab, damit sich keine Kalkflecken bildeten, vermutlich ein Schaden den Ethan von einer über zehn Jahre langen Beziehung mit sich trug. Noch die Zähne geputzt und rein in die frischen Klamotten, die alte Boxershort in den Wäschekorb dafür…….. der einen halben Meter neben Jons dreckigen Klamotten stand, weshalb Ethan wieder einmal den Kopf schütteln musste, doch da erkannte er auch schon den Grund warum die Klamotten nicht im Korb waren. Er war zum Bersten gefüllt, aber sein Mitbewohner hatte es nicht über sich gebracht, die Wäsche zu waschen und nun durfte Ethan seufzend daran seine dreckige Wäsche in die Waschmaschine zu packen und den Waschgang einzulegen.

      Frisch gepflegt kam Ethan nun also mit einem herzlichem, „Junge, ich bin nicht deine Tussi, wie wäre es, wenn du deine Wäsche mal selber waschen würdest?“ und der spitze, anklagende Ton den Ethan ansetzte war ein typischer wenn er mit Jon ‚ernsthaft schimpfte‘. Dafür musste man wissen das Jon tat was er wollte, mit Frauen spielte und auch mit anderen Menschen und dreist seine Grenzen auslotete, verarschte und was ihm halt gefiel. Bei Ethan hatte er das aber schnell unterbrochen, da dieser im Gegensatz zu anderen mit brutaler Härte einen Gegenschlag ansetzte, wenn Jon auch nur ein klein wenig zu seinen Grenzen gehen wollte. Und so stapfte er in die Küche um sich eine Tasse Tee zu gönnen und Jon zu sagen, er solle die N64 anwerfen, dann würde er einen Joint bauen, aber als er in die Küche kam, erwartete ihn kein fröhlicher Kiffertag, zumindest nicht gleich.
    • Abigail

      Ein klein wenig verwundert blickte die Blondine zu ihrem Bruder, ehe sie sich vom Sofa wieder erhob, um die dünne Jacke auszuziehen, welche sie sich über ihre Arbeitsklamotten gezogen hatte. Seit sie in der Notaufnahme arbeitete trug sie ein schönes Bordeauxrot, auch wenn sie sich sowohl ihre Kasacks, als auch ihre Hosen selber waschen musste. "Zu zweit?", fragte sie und ließ die Jacke auf dem Sofa, um zu ihren Bruder in die Küche zu kommen. Die Maschine gab merkwürdige Geräusche von sich, aber sie bereitete einen Kaffee zu, den Abi dringend brauchte, oder Schlaf... Und vielleicht eine Gehirnwäsche, um endlich an etwas anderes zu denken. "Ja, ich habe seit kurzem einen Mitbewohner", gab ihr Bruder zu, doch bevor er weiter sprechen konnte war auch schon eine männliche Stimme zu hören. Eigentlich wäre die Blondine von einer Frau ausgegangen, aber seit wann würde ihr Bruder sein Junggesellenleben aufgeben, um mit einer Frau zusammen zu wohnen? Niemals, da war ein anderer Mann doch wahrscheinlicher.
      Abi blickte hin, wollte sehen, wer es war, aber sie bekam den männlichen Mitbewohner nicht zu sehen. "Aber wir kriegen das hin.. Ethan ist harmlos..". Jon zuckte mit den Schultern, ehe er seiner Schwester einen Becher mit Kaffee vor die Nase hin stellte. Ethan kannte sie, jedenfalls flüchtig, so oft, wie er bei ihnen zuhause gewesen ist, oder ihr Bruder von ihm damals sprach war es nicht schwer ihn nicht zu kennen, aber wie lange war es her, seit dem sie sich das letzte Mal gesehen haben? Vermutlich eine Ewigkeit. "Es wäre nur vorübergehend, Jon.. Bis ich was habe", sie wollte diese Ruhe in der Männer-WG nicht stören, wollte nicht da mitten drin stehen, brauchte einfach nur eine Bleibe. Jon seufzte, er schüttelte ein wenig den Kopf, bevor er einen Schluck aus dem Becher nahm. "Hast du heute schon was gegessen?". Er machte sich immer Sorgen, was ihre Krankheit anbelangt, jedenfalls seit dem der Brünette seine Schwester ohnmächtig im Bad aufgefunden hatte, vor einigen Jahren. Die Krankheit war plötzlich ausgebrochen, es hieß mit ihren sechzehn Jahren, der Körper könnte kein Insulin mehr produzieren und angefangen hatte es mit einem Wochenende alleine, ohne Eltern und gleich einem Aufenthalt in der Notaufnahme. Abi konnte bis heute nicht dieses besorgte Gesicht vergessen, welches neben ihr im Krankenhaus auf eine Nachricht wartete, vielleicht war auch dieser Vorfall der Anfang einer wirklich guten geschwisterlichen Beziehung, denn auch wenn Jon nicht so wirkte, seit diesem Vorfall machte er sich immer wieder Sorgen um seine Schwester, achtete auf ihre Werte, ihre Ernährung. "Ich habe keinen Hunger", entgegnete Abi und schüttelte etwas den Kopf, griff gleich schob nach dem Zucker, um den Kaffee zu süßen. "Abi", der Ton wurde strenger. "Ich habe noch kein Insulin nehmen müssen heute", manchmal hasste sie es, fühlte sich bemüttert. Jon seufzte, schüttelte seinen Kopf bevor er sich einem der Schränke zu widmete, um das Glas Nutella raus zu holen, er wusste doch, wie sehr seine Schwester Schokolade mochte. "Du musst mir kein Essen machen", entgegnete sie auch gleich schon und zog ihre Nase hoch, um gleich auch die letzten Tränen unter den Augen weg zu wischen. Sie sah bestimmt grausam aus. "Halt den Mund und erzähl lieber, wie es dazu kommen konnte, dass dieser Idiot es gewagt hat.. Ich habe dir doch gesagt, dass er ein Vollidiot ist". Jon prüfte, ob das Brot noch gut war, roch kurz dran, bevor er ordentlich was von der Schokoladencreme drauf packte.
      "Du hast das über jeden Freund gesagt, den ich hatte", murmelte die Blondine und musste seufzte, daß Wasser wurde unter der Dusche abgestellt. "Und jeder war ein Idiot!", Jon schüttelte den Kopf und setzte seiner Schwester gleich schon das Brot vor die Nase. "Und jetzt iss, kontrolliere dein Zucker und dann reden wir weiter". Schritte waren zu hören, der männliche Mitbewohner betrat die Küche, kaum hatte er über Jon und seine Wäsche gemeckert. Abi blickte kurz hin, sie sah vermutlich schrecklich aus. "Ich.. Ziehe mich erstmal um, dann esse ich, okay?". Die Arbeitskleidung los werden und sich wohler fühlen wäre vielleicht das erste Ziel.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Geschwollene Augen, zerrüttete Haare, eine Körpersprache die verklingen ließ ich breche zusammen und Mundwinkel die auch kein Lächeln für den Anstand zu Stande brachten, als sie Ethan sah, verrieten dem Jungen der gewöhnt ist Menschen zu lesen mehr, als er wissen wollte. Jon sah zwar ein wenig mitgenommen aus, dies wirkte aber mehr nach Kater und Mitleid, nicht Trauer, also betrafen die schlechten Nachrichten nur Abi und nicht die ganze Familie, vermutlich also etwas mit ihrem Job, Liebe, Freunde oder ihrer Wohnung.

      Als Abi an ihm mit eingezogenem Schwanz vorbei schlich, begrüßte er sie wenigstens, „Hi Abi“ und nickte ihr schlicht zu, lehnte sich mit der Schulter in die Tür nachdem sie weg war und widmete sich seinem WG-Kollegen mit verschränkten Armen vor der Brust und nickte ihm zu, „Also ist heute nichts mit Kiffen, Saufen, Feiern, Mr.Waschmaschinen sind ein NoGo?“, dann sah er hinter sich, als Abi im Bad verschwunden war und wartete auf eine Antwort, „ODER ist heute erst recht Kiffen, Saufen, Feiern?“
    • Abigail

      Abi war nicht in der Laune dazu irgendwelche Leute anzulächeln, überhaupt Kontakt mit irgendjemanden zu haben, sie wollte lieber aus diesem Alptraum aufwachen und sich vor allem nicht so elendig fühlen, so verarscht und betrogen. Es war nicht einfach gewesen, hier her zu kommen und nach Asyl zu bitten, es war aber noch viel schwerer bei seinen eigenen Eltern aufzutauchen und sich anhören zu müssen, dass man womöglich selbst schuld war. Ihre Mutter wsr eigentlich eine sehr tolle Person, lediglich in einem Thema war sie ganz anders und das betraf immer David. Fünf Jahre lang schon schwärmte die Frau für ihren beinahe Schwiegersohn, war der Meinung er wäre der beste Fang, den Abi hätte machen können, denn ihrer Meinung nach konnte er sie gut in den Griff kriegen, ihre Launen unter Kontrolle bringen und eigentlich dafür sorgen, dass die Blondine nicht mehr arbeiten musste, aber sie wollte es doch selbst so sehr. Schon bei jedem kleinen Streit hatte ihre Mutter zu ihrem jetzt Ex-Verlobten gehalten, war meist der Meinung Abi wäre einfach zu stur, oder viel zu launisch, dabei waren es die letzten Begriffe, mit denen sie sich selbst identifizieren würde, nun, vielleicht war sie ein klein wenig stur.
      Die Frau hatte ihre Hand zu Begrüßung gehoben, steuerte aber viel lieber ihre Reisetasche an, um sie in das Badezimmer mit zu nehmen. Es roch gut, es roch nach einer Mischung aus Kokos und Granatapfel, was ihr für einen Moment einen kleinen Stich in der Brust versetzte. Sam hatte ein Kokosshampoo benutzt..diese...
      Letztendlich konnte Abi nicht anders, als ihren Rücken gegen die Tür zu lehnen und gegen die Tränen zu kämpfen, die wieder an die Oberfläche wollten, wie lange und wir viel konnte ein Mensch überhaupt weinen?!

      Jon hatte geseufzt und sich durch das Gesicht gefahren, kaum war seine Schwester aus dem Blickwinkel verschwunden. Er hatte sie ein einziges Mal im Leben so fertig gesehen und das letzte Mal war auch eine ganze Weile her, sie war doch sonst immer die starke, erfolgreiche und er der, der sich einfach nur ausruhen konnte, weil man nichts von ihm erwartete. Ethan war in der Küche aufgetaucht, hatte gleich schon nach dem Tagesablauf gefragt, wollte wissen, was denn nun für den Tag geplant war. Ein wenig genervt schüttelte der Brünette den Kopf, er war nicht auf seinen Freund sauer, aber der Tag fing nicht gut an. Um sich abzulenken ergriff er lieber seine Zigaretten, um sich eine zwischen die Lippen zu stecken und sie gleich anzuzünden. "Keine Ahnung", antwortete er ehrlich. "Abi bleibt ein paar Nächte hier..", verkündete er gleich schon, während er einen tiefen Atemzug mit der Zigarette nahm, um den Rauch gleich wieder raus zu lassen. Er spürte eine leichte innerliche Wut, gleichzeitig aber auch die Müdigkeit in seinen Knochen. "Dieses Arschloch hat sie einfach mit ihrer besten Freundin betrogen". Er schüttelte ein wenig ungläubig seinen Kopf, während der Mann an dem Daumennagel knabberte, als würde er dadurch eine Antwort bekommen. "Bist du nicht eigentlich mit der Wäsche dran? Warum holen wir uns nicht einfach jemanden, der das macht?!".

      Abi hatte einen Moment gebraucht, um sich zu sammeln, das Gesicht zu waschen und vor allem in den Spiegel zu sehen. Sie sah genauso aus, wie sie sich fühlte, einfach elendig und fertig, aber am liebsten würde sie das Lächeln aufsetzen, welches sie bei der Arbeit auch immer in jeglichen Situationen hatte. Sie zog ihre Arbeitskleidung aus, um sich was simples, gemütliches anzuziehen, eine Leggins und ein Oberteil reichte dafür aus, ihr Blick glitt zu der Wäschesammlung, zuhause hatte sie die Wäsche ihres Bruders auch immer mit gewaschen, weil er es nicht auf die Reihe bekam. Wenn sie hier bleiben wollte, musste sie sich irgendwie revanchieren, auch wenn Jon mit Sicherheit nichts haben wollte.
      Die Tasche nahm sie wieder mit, stellte sie im Flur ab, um in die Küche zu sehen. "Ich muss meine Arbeitskleidung waschen", sie hatte vor allem in ihrer Aufregung nichts mit. "Ich mach dir die Wäsche mit". Sie meinte Jon, der gleich schon ein Grinsen auf die Lippen bekam. "Schwesterherz! Bleib so lange du möchtest!".
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    • Gedankenverloren griff Jon nach seinen Zigaretten und bereits jetzt hob Ethan eine Augenbraue und starrte auf das Päckchen, dann zündete sich dieser Kerl tatsächlich die Zigarette in der Küche an. Auch wenn Jon es nicht wusste, hatte seine Schwester ihn jetzt davor bewahrt, dass er ihm die Kippen nicht gleich wegnahm. Er presste die Lippen aufeinander und stellte sich mit noch immer verschränkten Armen vor der Brust in der Tür gerade hin und seine Augen funkelten wie die einer Raubkatze kurz vor dem Sprung. Trotz zusammengepresster Lippen lächelte er Jon an und legte den Kopf schräg. „Scheiß Sache, verstehe ich gut“, presste er hervor und nickte ihm zu, als er die Wäsche ansprach, „Ich dachte jeder wäscht sein Zeug, hast du etwa vor deine Schwester dafür einzuspannen?“, dann winkte er in die Luft und ging zu dem kleinen Pflänzchen auf dem Küchentisch, neben dem eine Sprühflasche stand, nahm diese zur Hand und sprühte das kleine Pflänzchen an. „Aber weißt du was ich nicht verstehe?“, nun grinste er Jon an, es war dieses böse Grinsen, dieses Grinsen bei dem man wusste: Gleich würde etwas schreckliches passieren, das Grinsen, dass einen sofort die Augen skeptisch zu Schlitzen ziehen lässt und das tat Jon auch, „Warum du dich nicht an,“ sprach er ganz freundlich und zuvorkommen zu seinem Freund, „KEIN RAUCHEN IN DER WOHNUNG, halten kannst“, und dabei fing er an Jon wie eine böse Katze mit der Sprühflasche zu besprühen, „Aus, böser Jon!, BÖSER JON! Im Wohnzimmer darf man Kiffen, pur, aber in der Küche und den Schlafräumen ist es VERBOTEN!“, und er sprühte fröhlich weiter, während Jon versuchte sein Gesicht hinter seinen Oberarmen zu verstecken und die Kippe in die Luft hielt. „Ich zahl dir dreifache Miete für einen ALL Inclusive Vertrag, selber schuld wenn du das Kleingedruckte nicht liest und dich selbst verpfändest, jetzt aus mit dem Ding oder willst du dir von deinem nächsten Aufriss wieder anhören müssen du schmeckst wie ein Aschenbecher den man ausleckt“, dabei grauste es Ethan den es kurz schauderte, wobei er die Zunge rausstreckte. Nun stellte er die Flasche wieder ab und ging in Richtung Flur, „Zwing mich nicht dich mit einer zusammengerollten Zeitung zu züchtigen, Ferkel“, ja Ethan hatte Geld und mit der Miete finanzierten sie sich das Gras, den Alkohol und noch so einiges, dafür lies er sich von einem Kumpel in der Kanzlei seines Vaters einen netten Mietvertrag schreiben, der Jon wenn man so wollte zu seinem Leibeigenen machte, wenn man es so auslegen wollte und wenn es Ethan eben gerade passte, spielte er es aus. Nicht das einer der beiden jemals auf Ernst machen würden und einen Rausschmiss, oder Mietrückvergeltung einfordern würden, es diente rein, um sich gegenseitig zu verarschen. Es reichte für normal, wenn Ethan so etwas sagte, damit Jon murrend spurte, denn wenn er es nicht tat, war Ethan die schlimmste Ehefrau, die man sich vorstellen konnte.

      Die Kippe war schon im Abfluss verschwunden, damit die Sprüherei aufhörte, da kam Abi herein und bot ihm an die Wäsche zu machen. Freudig und mit ausgestreckten Armen wollte er seine Schwester umarmen, doch Ethan war schneller, rollte ein Times Magazin zusammen und schlug Jon damit auf die Pratzen. „Nein, ganz bestimmt nicht du fauler Sack!“, nun ‚zielte‘ er mit dem Magazin auf Jon und dann hinter sich in Richtung Bad, „Du bist jetzt ein netter Bruder, schwingst deinen Arsch ins Bad und machst deine Wäsche und die Wäsche von deiner Sis mit, sonst behalt ich ALLES, dass wir von der Miete gekauft haben das Wochenende für mich.“, und dabei sah er ihn herausfordernd an, den es hielt sich um eine riiieeeeßen Menge Gras, doch die Menge war nicht das Problem, oder die Drohung sondern: Mach die Wäsche, oder du musst während dem Chillen aufstehen um dir Zeug zu holen und dafür 15 Minuten Bahn fahren und auf die Faulheit von Jon war verlass. „Also Mon Amie, schwingst du dich ins Bad?“, dabei stemmte er die Hände mit Magazin bewaffnet in die Hüften.
    • Abigail

      Es war ein Bild, welches die Frau so gar nicht kannte, oder gar nicht dessen gewohnt war. Ihr Bruder, der sonst immer die Zeit eher dafür nutzte nichts zu tun und vor allem nur das zu tun, was er wollte, wann immer er wollte, wurde hier dazu angehalten nicht in seiner eigenen Wohnung zu rauchen? Auf dem Weg aus dem Bad zurück zu der Küche hatte Abi nur einen Teil des Gesprächs mitbekommen, hatte jedenfalls definitiv mitbekommen, dass hier das Rauchen verboten war. Natürlich, das Kiffen war ihr nicht neu, ihr Bruder hatte schon einiges ausprobiert, einiges vor deren Eltern geheim gehalten und nicht nur ein Mal musste die Blondine ihren Bruder decken, damit ihm der Geldhahn nicht zugedreht wurde. Noch immer wurde er von Vaters Geld hier unterhalten, weil er sein drittes Studium angefangen hatte, aber bisher konnte er noch nicht ein einziges Fach abschließen, immer wieder hatte der Brünette eine neue Idee, was er machen wollte.
      Abi hätte die Wäsche gemacht, es lohnte sich nicht ihre Arbeitskleidung alleine zu waschen und sie hätte ihrem Bruder gern den Gefallen getan, aber scheinbar hatte Ethan etwas dagegen. Erzog er ihren Bruder jetzt etwa? Es gab ein paar Schläge mt der gerollten Zeitung, was der Blondine kurz ein Schmunzeln auf die Lippen bereitete, aber nur kurz. Jon verdrehte die Augen, er war bereit es zu machen, wenn er es denn musste. "Vergiss alles, was ich gesagt habe", sprach er noch kurz zu seiner Schwester, während er die Küche verließ. "Er ist definitiv nicht harmlos". Jon verließ die Küche. "Vergiss dein Brot nicht, Abi!". Sie verdrehte selbst ihre Augen, ihr Bruder sollte sie damit in Ruhe lassen, er sollte sich um die Wäsche kümmern. "Ich habe deine Gedanken gehört!", rief er aus dem Bad heraus, da seufzte die Blondine und ergriff den Teller mit dem Brot, bevor sie zu dem anderen männlichen Mitbewohner des Hauses blickte. Kurz musterte sie ihn. "Erziehung tut ihm gut", kommentierte sie und blickte auch zu ihrem Kaffee, den sie auch mit nahm, um sich im Wohnzimmer auf die Couch zu setzen. Sie würde was essen, nur um einer Diskussion aus dem Weg zu gehen, während sich ihr Bruder wohl um die Wäsche kümmerte.
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    • Bis Jon im Bad verschwunden war, hatte er ihm mit der Zeitung in der Hand nachgekuckt und diese in seine freie Handfläche geschlagen, dass er es leise hören konnte. „Geht doch“, murmelte Ethan und dachte sich er könnte ihm jetzt auch noch den Kaffee wegschütten, damit er nicht gleich überdreht ist, doch schon hörte er ein „Ich habe deine Gedanken gehört“, hmm, vielleicht lernte Jon ja tatsächlich dazu, dass sollte Ethan nicht bestrafen, der Kaffee bleibt also. Abi schnappte sich ihr Frühstück und meinte Erziehung würde ihrem Bruder guttun, worauf Ethan nur schmunzeln konnte und sich Teewasser aufstellte, eine Tasse daneben stellte und auch schon den Beutel reinhängte. Ethan war kein Frühstücker, weshalb er sich einfach so auf die Couch zu Abi setzte, er lümmelte sich ins Eck der L förmigen Couch und sah zu ihr, „Also Erziehung würde ich es nicht nennen, denn das würde voraussetzen, er würde die Dinge auch tun, wenn ich nicht da wäre, oder wenn jemand anderes ihn um etwas bittet“, dann grinste er und nickte ihr zu, „Er hat nur Angst davor, was ich zu tun bereit bin, wenn er es nicht tut. Ich verrate dir keine genauen Tricks aber pass auf“, dann zwinkerte er ihr zu, „Aber kein Wort zu ihm darüber“, da kam Jon auch gerade frisch und fröhlich vom Wäschemachen zurück und der Teekocher war fertig. Gerade als Jon sich niedersetzen wollte, sagte Ethan, „Hey Jon, mein Teewasser ist gerade fertig geworden, kannst du mir aus der Küche den Tee holen?“, dieser sah in die Küche und nickte, „Ja klar“, und verschwand wieder in der Küche. Ethan legte den Zeigefinger auf die Lippen um Abi zum Schweigen darüber zu bringen, dass ihr fauler Bruder gerade für jemanden Tee holt, der selber hätte aufstehen können, doch bevor Jon dies hätte sehen können war der Finger schon weg, er kam in das Wohnzimmer und stellte die Tasse auf den Tisch, doch statt einem Danke bekam er ein, „Echt jetzt?“, und sah Jon an, als wäre er komplett Irre, worauf dieser nur natürlich, „Was?“, fragte. „Na soll ich den Beutel nass auf den Tisch klatschen, oder was?“, worauf Jon meinte, „Na du kannst ihn ja in der Tasse lassen“, worauf Ethan den Kopf schräg legte und ihn mit großen Augen ansah, als würde er sagen: Man tut sich nicht weh, wenn man aus dem zehnten Stock springt. „Steh jetzt auf und bring eine Untertasse“, und bevor Jon sprechen konnte grinste Ethan und lachte ihn kopfschüttelnd an, „Und vergiss nicht den Löffel, komm erst gar nicht auf die Idee mir nachher zu sagen:“, nun tat er als würde er Zukunftsjon blöd nachäffen „Du kannst den brennheißen Beutel ja auch um deinen Zeigefinger wickeln“, dann nickte er in die Küche und lachte dabei, als wäre das erzählte bereits passiert gewesen. Auch Jon lachte, machte sich aber tatsächlich auf in die Küche. Ein Meisterwerk, denn die typische Antwort war: Geh selbst.
      Ethan verbeugte sich ein wenig vor Abi und deutete mit der rechten Hand eine Verbeugung an, wie sie Zauberer machten, wenn sie einen Trick gezeigt hatten. Dann richtete er sich auf, „Hab gehört du pennst jetzt bei uns auf der Couch?“
    • Abigail

      Eigentlich hatte Abi sich vorgestellt, dass sie heulend im Bett liegen wird, um in Mitleid zu baden und vor allem sich klar zu werden, was der Grund dafür war, dass ihre beste Freundin und ihr VERLOBTER was miteinander anfingen, aber stattdessen saß sie hier, auf der Couch ihres Bruders und biss in das Nutellabrot hinein, um ihre morgendliche Dosis Insulin gleich spritzen zu können, während sein Mitbewohner ihr zeigen wollte, wie gut er schon erzogen war. Jon machte schon immer, was er wollte, er tat selten etwas für andere und war meist nur daran interessiert den größten Gewinn für sich raus zu holen, aber er schien Angst vor Ethan, seinem eigentlich besten Freund zu haben, jedenfalls wurde es der Blondine so erklärt. Sie biss in das mit der Schokoladencreme belegte Brot, während sie das Spektakel betrachtete und wissen wollte, was Ethan meinte. Er wollte sich seinen Tee bringen lassen, forderte gleich auch noch eine Untertasse und einen Löffel, da musste Abi zugeben, dass sie so etwas nicht erwartet hätte. Natürlich sprach sie kein Wort darüber, es wurde ihr mit einem Finger auf den Lippen verboten, aber dieses Schauspiel wollte sie auch nicht zerstören, es lenkte sie ab von ihren eigentlichen Problemen, der fehlenden Wohnung und auch dem gebrochenen Herzen. Ein klein wenig musste sie schmunzeln, als sich ihr Bruder wieder in die Küche bewegte, wie sein bester Freund es wohl mit ihm schaffte? Vielleicht hätte er ihrer Mutter gleich noch ein paar Tipps geben können, um ihr zu helfen, ihren Bruder ein klein wenig zu erziehen. Nun, er war jetzt Mitte Zwanzig, da konnte man es gleich auch aufgeben.
      Abi sah ihrem Bruder nach, der in der Küche verschwand, biss noch einmal in ihr Brot, Schokolade konnte sie ein klein wenig aufmuntern, da sprach der andere männliche Bewohner des Hauses. "Mhmm", stimmte sie gleich auch schon seiner Frage zu, sie würde es wohl. "Bis ich was eigenes habe". Es war jedenfalls so der Plan, aber eine Wohnung zu finden gestaltete sich hier in der Gegend definitiv schwerer, vor allem, wenn man die Arbeit erst vor Kurzem angefangen hatte. "Ich gehe euch auch nicht auf die Nerven", jedenfalls war das auch der Plan, ursprünglich nur Jon, aber jetzt gehörte wohl Ethan auch dazu.
      Die Blondine zuckte mit den Schultern. "Ich bin sowieso die meiste Zeit arbeiten". Jon trat wieder zurück ins Wohnzimmer, um die Sachen zu bringen, die gefordert wurden. "Sie kriegt mein Bett", oh wie nett, was war mit ihm nur passiert? "Du machst doch eh meiste Zeit nur Nachtschichten". Jon zuckte mit den Schultern und warf sich zu den Beiden aufs Sofa. "Hast du schon mit Mom geredet?". Abi schüttelte den Kopf und nahm lieber einen Bissen ihres Brotes, um ja nicht darüber reden zu müssen. Sie würde es vorerst auch nur ungern tun.
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    • „Ich geh euch auch nicht auf die Nerven“, Ethan sah betreten weg und lachte kurz auf, „Na das Versprechen können wir dir bestimmt nicht geben“ und lachte kurz auf, worauf ein „Ich bin sowieso die meiste Zeit arbeiten“, folgte, eigentlich wollte der Blonde seine Gegenüber nach ihrem Job ausfragen, doch Jon machte ihm einen Strich durch die Rechnung und bot ihr bereits das Zimmer des Hausherren an, was wie eine nette Geste klang war ein eigentliches: Du pennst eh, wenn ich es nicht brauche, also stört es mich nicht, bestätigt durch das: Du bist eh immer auf Nachtschichten, worauf Ethan, bevor er aus seiner Teetasse schlürfte ein leises, „Oho, ein echter Chevalier“, entfleuchte, sowie ein fieses grinsen. Worauf Jon sich lachend zu Ethan wandte, „Aha? Und wo ist deine Ritterlichkeit, werter Herr. Du könntest ihr dein Bett anbieten, wenn sie nicht Nachtschicht hat“, meinte Jon und wollte Ethan damit auf die Couch verfrachten, damit er selbst im Bettchen bleiben konnte, wenn Abi nachts schlafen wollte. Lächelnd stellte Ethan seine Tasse auf den Tisch und griff sich mit einer Hand aufs Herz, „Jon“, dabei tat er überrascht und wirkte schauspielerisch gerührt. „Deine Schwester? Ich bin geehrt das du sie mir ins Bett legen willst und so viel vertrauen entgegenbringst, mich für gut genug empfindest, aber du weißt doch, dass ich im Moment nichts ernstes will.“, dann neigte er sich auf der Couch zur Seite, damit er an Jon vorbei zu Abi sehen konnte, er sah aus wie ein Weiberheld der jedes unsichere Mädchen in einer Bar einfach mit heim nehmen konnte und sah gespielt traurig zu Abi, „Es tut mir Leid, Darling. Da hast zwar wunderschöne blaue Augen, die an die Tiefen des Meeres erinnern, Haut so blass und rein wie Alabaster“, dann wurde sein Ton etwas provokanter, „Und Titten in denen man ein Motorboot machen möchte, aber“, doch bevor Ethan seine ‚tiefe‘ Enttäuschung weiter aussprechen konnte, hatte Jon unter Abi schon einen Couchpolster hervorgezogen und prügelte auf Ethan ein, „DU VOLLLDEPP“,, Ethan sprang auf nahm sich auch einen Polster und schon standen die beiden vor der Couch und prügelten sich mit zwei kleinen Pölstern.
    • Abigail

      Es war ihr nicht klar gewesen, auf was sie sich da einlässt, bis die beiden Jungs beide im Wohnzimmer zu sehen und damit auch kennen zu lernen waren. Jon kannte Abi schon, sie wusste um seine manchmal verrückt-nervende Art, sie wusste aber auch um seine Sprüche, denn mit ihm war sie auch groß geworden, aber es war ihr nicht bewusst gewesen, wie die beiden Jungs gemeinsam drauf waren. An Ethan erinnerte sie sich nur wenig, die beiden Jungs hatten viel Zeit miteinander verbracht, hatten viel gelacht und waren oft laut genug gewesen, in dem Zimmer gleich neben Abi. Wie oft sie sich auch Nachts raus geschlichen haben war auch nicht mehr auf zwei Händen abzuzählen, aber für eine gewisse Summe hatte die Blondine ihren Bruder auch bisher kein einziges Mal verraten, auch wenn sie sich dessen bewusst war, was er im Leben schon alles getan, oder ausprobiert hatte.
      Letztendlich hatten die beiden einen Spaß darüber gehabt, dass Jon seine Schwester ins Gästezimmer legen wollte, Ethan stieg darauf ein, entschuldigte sich gleich schon für die Abfuhr, die er ihr erteilen wollte, wählte aber vor allem seine Worte gezielt. Abi seufzte, es hätte ihr definitiv klar sein sollen, dass der beste Freund ihres Bruders genauso ein blödes, übertriebenes Arschloch war, wie Jon selbst, dabei hatte sie so ein gutes Gefühl, noch bevor sich ihr Bruder dazu gesetzt hatte. Die beiden schlugen sich gegenseitig mit den Polstern, waren in ihrer eigenen Welt, wie es aussah, da wollte sie nicht stören, wollte sich nicht daran beteiligen.
      Abi hatte das Brot mit der Schokoladencreme gegessen, hatte vor allem den schon lauwarmen Kaffee runter gehauen, um sich vom Sofa zu erheben und die beiden Männer in ihrer Welt zu lassen. Der Teller und die Tasse landeten in der schon vollen Spülmaschine, der Haushalt war einfach noch nie Jons Ding gesehen, was man definitiv sehen konnte, aber es war kein Problem einen Tab rein zu werfen, um die Spülmaschine an zu schalten. Abi fühlte sich müde, sie war wirklich fertig und würde am liebsten in einen tiefen Winterschlaf fallen, um vorerst nie wieder aufzuwachen. Sie blickte wieder ins Wohnzimmer. "Jon?", fragte sie ihren Bruder gleich. "Ich leg mich hin, okay?". Sie würde sein Bett dafür definitiv neu beziehen, dieser Kerl brachte gefühlt stundenweise eine neue Bekanntschaft mit sich mit, das war schon bei ihren Eltern so gewesen.
      Nach Spaß war es der Blondine einfach nicht, auch wenn es in einer anderen Stimmung sicher lustig gewesen wäre, den beiden Männern zuzusehen.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Jon nickte ihr erschöpft und schnaufend zu, den die beiden Jungs schenken sich im Kissenkampf nichts, es war sogar soweit, dass Jon, der Sport ja für Mord hielt, sich bereits mit den Armen an den Beinen stützte. „Ja klar.“, nickte er ihr zu. Ethan hob noch schnell den Arm als Abi sich schon umdrehen wollte. „Wann stehst du auf? Und du isst alles, oder?“ Er nickte ihrer Antwort zu und schon verschwand sie ins Schlafzimmer. „Soo“, sagte Ethan und ließ sich mit Jon auf die Couch fallen, „Ich werde jetzt hier mit dir noch meinen Tee genießen und mich dann in den Park begeben. Nach dem Mittagessen können wir dann abhängen“, prosteten die beiden mit den Tassen zusammen.

      Ethan lief ein paar Runden durch den Park, trainierte mit einer Gruppe von Freunden und meditierte abschließend in der frischen Luft. Es wäre schön gewesen, hätte Jon einen Balkon, auf dem er die Sonne genießen konnte, aber es war eben, wie es war. Später sah er noch im Supermarkt vorbei und kaufte neben den Sachen für das Mittagessen auch noch Gemüse und andere Dinge für den Kühlschrank, die nicht unbedingt in einer Männer WG anzutreffen waren, aber sie waren ja jetzt zu dritt.

      Wieder zu Hause war Jon am Gammeln auf der Couch und Ethan fragte ihn, ob er nichts für die Uni zu tun hätte, doch dieser hatte nun eine willkommene Ausrede: Meine Schwester schläft in meinem Zimmer, ich will sie nicht wecken, um meine Sachen zu holen. Ethan schüttelte den Kopf, räumte die Sachen in der Küche weg und gönnte sich eine wohltuende Dusche, bevor er sich in beige bequeme Stoffjeans und ein weißes T-Shirt kleidete, seine Armbanduhr anlegte und sich wieder in die Küche auf machte um zu kochen. Heute würde es etwas Simples geben, als kamen Zwiebel und Knoblauch in die Pfanne, in der er später die Tomaten-Basilikum Sauce für die Spagetti machte. Der Duft aus der Küche breitete sich schnell in der Wohnung aus, immerhin hatte Jon irgendwann einmal die Tür in der Küche kaputt gemacht, weshalb es eigentlich keine Tür, sondern nur mehr ein Türrahmen war.
    • Abigail

      Sie hatte kurz Halt gemacht, als man mit ihr gesprochen hatte, hatte zu den beiden Männern auf der Couch gesehen, um Ethan gleich wieder zu mustern. Als Antwort zuckte sie vorerst mit den Schultern. "Gegen drei, vielleicht vier", antwortete Abi dann, sie wusste nicht, ob sie denn überhaupt schlafen konnte. "Ich esse alles", auch wenn sie Diabetikerin war, es war ihr meistens unwichtig, was es war, sie spritzte dementsprechend die nötige Menge Insulin, um es wieder auszugleichen, nicht gerade sehr gesund, aber damit kam die Blondine klar.
      Letztendlich war sie dann weiter gegangen, hatte gewusst, welches Zimmer ihrem Bruder gehört, hatte ihm damals geholfen die Möbel hoch zu tragen und sie aufzubauen, das andere Zimmer hatte Jon damals nur wenig genutzt, er hatte die Wohnung einfach genommen, weil sie günstig war und recht zentral lag, da war es ihm egal, ob es drei, oder zwei Zimmer waren. Die Blondine nahm ihre Tasche aus dem Flur gleich mit, wollte ihre Sachen im Zimmer abstellen, um sich gleich umzusehen, besaß ihr Bruder überhaupt eine weitere Bettwäsche zum wechseln? Oder musste sie davon ausgehen, dass er eine ein ganzes Jahr lang drauf hatte, bis sie sich selbst schon runter zog? Letztendlich fand sie eine Wechselbettwäsche, roch nach dem Waschmittel ihrer Mutter, entweder nutzte Jon das selbe, oder aber es war eines der Geschenke, die ihm ihre Mutter immer wieder machte. Er war noch immer ihr kleiner Sohn, der nicht auf zwei Beinen stehen konnte, regelmäßig gab es von der Frau Essenspakete, oder solche kleinen Geschenke.

      Abi hatte nicht schlafen können, sie hatte eine Zeit lang die Decke angestarrt, auch wenn sie sich wahnsinnig müde fühlte, oder sie schloss die Augen, um noch einmal darüber nachzudenken, was passiert ist. Es war eine schlimme Situation für sie, so hart hatte sie noch nie jemand verletzt, aber nach Weinen war es ihr auch nicht mehr. Kurz war sie eingenickt, aber keine halbe Stunde später klingelte schon ihr Wecker, der Zucker musste gegen Mittag wieder gemessen werden, um gegebenenfalls entgegen zu wirken, auch wenn Abi nichts bis auf das Nutellabrot hatte.. Sie seufzte, hatte sich erhoben, das Handy an ihren rechten Oberarm gehalten, um den unter der Haut implantieren Chip auszulesen. Seit drei Jahren musste sie sich nicht mehr selbst picken, es reichte dieser Chip, der alle zwei Jahr ausgewechselt werden musste. Das Handy spuckte nichts erfreutes aus, ihr Zucker war ein wenig niedrig, aber mit etwas zu Essen würde es gleich besser werden, auch wenn es der Blondine nicht nach Essen war. Der Geruch vom Mittagessen kam trotzdem durch die geschlossene Tür zu ihr durch, es roch gut, aber ihren Appetit steigerte es dennoch nicht. Zu aller Erst entschloss sich die Frau eine Dusche zu nehmen, ein wenig wach zu werden und vielleicht Energie für die Arbeit zu tanken. Die Waschmaschine schien fertig zu sein, ihre Klamotten waren aber noch nass, zum Glück fand sie noch einen Kasack und eine Hose in Bordeauxrot, sie hatte vorhin einfach nur wahllos Klamotten in die Tasche geworfen gehabt, war sich gar nicht erst sicher gewesen, was sie alles mitgenommen hatte.
      Geduscht und mit nassen Haaren kam sie wieder aus dem Bad raus. Es war noch zu früh für Arbeitsklamotten, die Blondine hatte sich etwas gemütliches wieder angezogen, um langsam in die Küche zu schlendern, sie musste ihren Zucker heben. "Habt ihr was Süßes da? Saft, oder so? Ich brauch was mit Zucker". Sie hätte auch Zucker pur essen können, aber das schmeckte nu wirklich nicht. Es gab wohl Spaghetti mit einer Tomatensoße, vielleicht hatte sie doch ein klein wenig Appetit? Nur ein klein wenig?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Während Ethan in der Küche mit einem Kochlöffel die Sauce umrührte, kam auch schon die neue Mitbewohnerin hereingeschlendert. Nun da Abi munter war und fertig geduscht, stellte er die Sauce vom Herd, das Essen war schon fertig. Grinsend sah er zu ihr, „Ich dachte mir schon das Bier allein im Kühlschrank nicht mehr ausreichen wird.“, dann ging er zu diesen und öffnete die Türe, die sich wie bei einer kleinen Schatztruhe öffnete, während das Licht herausstrahlte. „Süßes gibt es vor dem Essen nicht, ABER ich habe für dich“, nun begann er auf eine Flasche nach der anderen zu zeigen, „Naturtrüben Apfelsaft, Johannisbeersaft, Multivitaminsaft, Marillensaft, Orangensaft, Zwetschkennektar oder verschiedenste Eistees in der halb Liter Flasche: Weißer Tee mit Maracuja-Pfirsich, oder lieber der Klassiker schwarzer Tee mit Zitrone?“, nun sah er Abi an nickte, während er meinte, „Tja, Sweetie. Du hast die Qual der Wahl“, dann trat er vom Kühlschrank weg, damit sich Abi darüber stürzen konnte. „Essen ist fertig, also kannst du dich auch gleich zum Tisch setzen“, dann richtete er auch schon an drei Tellern an und stellte sie auf den Tisch. Jon hörte Ethan dann gleich rufen, „Zu Tisch“, doch dieser erdreistete sich zu sagen, „In drei Minuten“, worauf Ethan fröhlich pfeifend einen Timer auf seinem Handy stellte und dabei böse grinste, bevor er sich Abi gegenüber zu seinem Teller setzte. „Ich habe etwas mehr gekocht, dann kannst du den Rest in die Arbeit mitnehmen“, meinte er ganz beiläufig und drehte sich den ersten Löffel mit Nudeln. Nun grinste er ihr mit Essen im Mund entgegen und meinte nach dem Schlucken, „Wenn du auf isst, bekommst du sogar etwas aus der geheimen Schoko-Lade die ich vor Jon verstecke mit in die Arbeit“
    • Abigail

      Eigentlich hatte Abi schon immer gedacht, dass ihre Mutter schlimm war, sie hatte sie nach der Diagnose auf eine Diät setzen wollen, die ausgeglichen sein sollte, die ihren Zucker nicht zu sehr steigen lassen sollte, um das Insulin in einer normalen Dosis zu brauchen. Außerdem hatte die Frau für alles immer etwas zu sagen, einen Rat, den man lieber annehmen sollte, wenn einem das Leben noch lieb war. Doch hier lernte die Blondine eine Person, die noch deutlich schlimmer war, die alles im Griff zu haben schien, wasbihr vor allem in diesem Moment mächtig kocht passte. Sie hatte nichts im Griff, ihre beste Freundin hatte sich ihren Verlobten geschnappt und nun musste sie bei ihrem Bruder wohnen, vorübergehend jedenfalls.
      Es gab nichts Süßes vor dem Essen, was die Frau seufzen ließ, bevor ihr aufgezählt wurde, was es alles an Säften hier gab. Heilige Scheiße, wessen Idee war das denn gewesen? Hatte ihr Bruder in diesem Moment übertrieben, oder war es Ethan, der jetzt auf ihrer Abschussliste stand. "Ich muss nur meinen Zucker heben", entgegnete Abi, nachdem ihr der Platz vor dem Kühlschrank frei gemacht wurde. Innerlich verzog sie das Gesicht bei dem Spitznamen, den sie bekommen hatte.. Sweetie.. Ja . Lieber nicht..
      Sie schnappte sich den Orangensaft, um nach einem Glas zu suchen und sich etwas einzugießen, allein der Geschmack im Mund tat ihr sehr gut. Es gab auch was zu Essen, ihre Augen blickten zu den Tellern, die angerichtet wurden. Ihr Bruder wurde gerufen, ein merkwürdiges Verhältnis zwischen den beiden, Jon wurde dabei schon fast wie ein Hund behandelt, aber gut, Männerfreundschaft, da zuckte sie innerlich mit den Schultern drüber und setzte sich lieber an den Tisch. Das Glas stellte sie zu ihren Teller, nickte dankbar, als ihr etwas hin gestellt wurde, bevor sie das Besteck ergriff, um das Essen durch zu mischen. Es wurde für sie mehr gemacht, sie konnte was mit in die Arbeit nehmen, ihr Blick glitt wieder zu Ethan, um ihn kurz zu mustern. "Danke", bedankte sie sich gleich schon, aber warum tat er das? Hatte Jon seine Finger da im Spiel, oder was war der Grund dafür, dass sie hier so behandelt wurde?
      Die Schokolade, die ihr angeboten wurde, sollte sie aufgegessen haben, ließ ihr Mundwinkel kurz zu einem sachen Lächeln zucken, aber selbst die Schokolade konnte sie nicht aufheitern. Dennoch nickte Abi dem zu, nahm den ersten Bissen, um fest zu stellen, dass sie doch keinen Hunger, auch keinen Appetit hatte, aber sie würde was essen. "Schmeckt gut", merkte sie gleich auch an, es war nicht schlecht gewesen, wirklich, aber ein weiterer Bissen ließ ihre Tränen wieder stumpf über die Wangen laufen. Wird sie jetzt jedes essen an David erinnern?! Wann nimmt so etwas sein Ende?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Ethan machte sich über seine Nudeln her, bemerkte aber trotzdem Abis Träne. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie sonderlichen Hunger haben würde, er konnte sich noch lebhaft an sich selbst erinnern. „Keine Ursache“, meinte er zuerst und schnaufte kurz aus. „Ist ein tiefer Stich was?“, fragte er, ohne eine Antwort zu erwarten. „Bei mir hat es drei Monate gedauert, bis ich halbwegs über den Damm war und ich denke selbst nach einem Jahr werde ich noch hin und wieder daran kauen“, er zuckte die Schultern und stocherte in seinem Essen, „Aber nach drei Monaten ist es soweit in den Hintergrund gerückt, dass man es nur mehr im Hintergrund hat und sich nicht immer ungewollt schrecklich aufdrängt. Ist wie ne Wunde, die Wundheilungsphasen müssen alle durchmachen, aber es wird besser und besser.“, er hob kurz die Gabel wie zum Gruße, „Bei mir waren es die Frau mit der ich seit 10 Jahren zusammen war mit meinem Bruder, obwohl das wer eigentlich keine Rolle spielt, es war dieses Gefühl das man niemandem vertrauen kann, egal wie lange man ihn kennt, das wirklich an mir genagt hat“, er zuckte mit den Schultern, „Deswegen gönne ich mir hier ein oder zwei Jahre eine Auszeit und versetze mich zurück in das Leben eines Studenten. Lass die Sau raus und falls ich mich erholt habe, starte ich wieder ein normales Leben.“, dann stopfte er sich wieder die Nudeln in den Mund.
    • Abigail

      Abi hatte jetzt nicht gedacht, dass sie hier am Mittagstisch darüber reden wird, was ihr widerfahren ist, sie hätte am liebsten nie wieder mit auch nur irgendjemanden gesprochen, aber Ethan fing das Thema selbst an, merkte an, dass es ein tiefer Stich war. Die Blondine schluckte schwer, das Essen gefiel ihr jetzt, doch nicht mehr, stattdessen wollte sie sich wieder unter ihre Decke vergraben und einfach nur in Ruhe gelassen werden, aber der blonde Mann erzählte ihr, dass es bei ihm drei Monate gedauert hatte, ehe er halbwegs wieder in Ordnung war. Ein wenig überrascht blickte Abi auf, teilten sie wirklich jetzt das gleiche Schicksal? Er sprach weiter, erzählte, dass es einer Wunde glich, dass es aber besser wird, das hoffte dir Frau sehr, sie wollte sich nicht ewig so elendig fühlen, wollte ihr altes Leben wieder zurück, ihr glückliches Leben. Wie lange die Affäre wohl schon ging? Sie machte seit neustem nur noch Nachtdienste..
      Sie senkte ihren Blick wieder, stochterte im Essen herum, während ihr erzählt wurde, was dem Mann widerfahren war. Sein eigener Bruder und die Liebe seines Lebens.. Hart.. Sehr hart.. Das konnte sie sehr gut nachvollziehen. Sie seufzte. "Es war meine beste Freundin.. Die.. Ich seit Klein an kenne", erzählte sie, auch wenn sie das Gefühl hatte, ihre Stimme würde bald brechen. Abi fuhr sich mit dem Handrücken entlang der Augen, um die Tränen weg zu wischen. "Es fühlt sich an wie eine Ohrfeige... Eine dauerhafte Ohrfeige". Sie nickte sich selbst zu, als würde sie das bestätigen müssen, da klingelte das Handy, der Timer war wohl um, ihr Bruder war aber noch immer nicht zu sehen.
      Abi blickte auf, sie fragte sich, was es jetzt für eine Strafe für Jon geben wird, dass er nicht aufgetaucht war, gleichzeitig nahm sie aber eine Portion Nudeln in den Mund, um darauf zu kauen. "Was hilft, damit es aufhört?", scheinbar hatte der Mann schon mehr Erfahrung damit. "Was lässt es aufhören?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der Timer ertönte und Ethan legte das Besteck zur Seite, „Aufhört?“, lachte er kurz trostlos, „Du kannst dich ablenken, das verdrängt es für eine Zeit, aber früher oder später kommen die Tränen dann doch“, er stand auf und wanderte zu Jons Portion, stellte den Alarm ab und ging zur Anrichte um in einer Lade mit Plastikschüsseln zu graben. „Aber das muss doch auch so sein. Ich habe das Gefühl einfach umarmt, mich mit ihm hineingesteigert und hinter mich gebracht. Wenn man dagegen ankämpft dauert es doch nur länger, aber auseinandersetzen muss man sich sowieso damit“, nun gab er das meiste der Portion in die Plastikdose, die im Kühlschrank verschwand, aber den restlichen Teil warf er in den Biomüll. Nun waren keine Nudeln mehr da… zumindest nicht das Jon von denen im Kühlschrank wusste. „Ich meine nicht man soll sich so hineinsteigern, dass es wie ein Sumpf ist, aus den man nicht rauskommt, weil man es nicht akzeptieren will“, kratzte er die letzten Nudeln in den Müll und räumte Jons Teller in den Geschirrspüler. „Aber man kann sich selbst die Frage stellen, was einen den jetzt noch stört. Der Verlust eines geliebten Menschen, aber das ist ebenso. Man wird aber früher oder später wieder jemanden kennen lernen.“, er zuckte mit den Schultern, „Jeder wird anders mit der Situation umgehen denke ich“, meinte der Junge und setzte sich wieder an den Tisch, „Was mir am meisten gefehlt hat in dieser Zeit, war jemand bei dem ich mich sicher fühle, zu dem ich ins Bett krabbeln kann und einfach nur rumliegen wo ich weiß, hier passiert mir nichts.“, nun begann er wieder zu essen.
    • Abigail

      Es würde nicht mehr aufhören, jedenfalls meinte Ethan relativ schnell auf ihre Frage, dass sie sich lediglich ablenken konnte, dass sie es verdrängen konnte, aber die Tränen würden noch immer kommen. Während er sich erhob und irgendetwas mit dem Essen machte blickte Abi auf ihre eigene Portion und musste fest stellen, dass sie sich das alles ganz anders vorgestellt hatte. Würde sie etwa nie wieder jemandem wirklich trauen können? Würde sie nie eine Beziehung richtig eingehen können, aus Angst das Gleiche noch einmal durch machen zu müssen?
      Ethan sprach vom Auseinandersetzen, damit befassen wollte sich die Blondine aber nicht, sie wollte, dass es sich einfach besser anfühlt, als es wirklich ist, dass sie wieder zurück zu ihrem Leben kommen kann, dass sie einfach nur darüber hinweg kommt. Er sprach aber weiter, erklärte, was ihm die meiste Zeit über gefehlt hatte. Ja, Abi hätte gerne jemanden, der sie jetzt einfach nur in den Arm nehmen und ihr zeigen wird, dass es am Ende des Regens noch einen Regenbogen geben wird, aber bisher schien es nicht so sein, bisher schien es so, als würde sie hier ihr Leben irgendwie in den Griff kriegen können. Sie seufzte, versuchte ein klein wenig weiter zu essen, auch wenn es ihr nicht danach war, aber sie war schon durch ihre Erkrankung so dünn, wenn sie jetzt aufhören würde überhaupt zu essen, würde es nicht nur Probleme mit dem Zucker, sondern auch mit dem Gewichtsverlust geben.
      "Ich habe das Gefühl, als könnte ich nie wieder jemandem trauen.." sprach sie und legte das Besteck zunächst zur Seite, um einen Schluck des Saftes zu nehmen. "Ich habe auf einen Schlag die zwei wichtigsten Personen verloren... Ich habe einfach keine Ahnung, wohin mit mir". Das Gespräch war schon mal hilfreicher, als der Seufzer ihres Bruders vorhin und seine Bemerkung, sie solle doch ein Brot essen, um ihren Zucker in den Griff zu kriegen. Mehrmals schüttelte die Blondine ihren Kopf. "Echt, keine Ahnung".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • „Das kommt wieder“, versicherte er Abi und aß gemütlich an seinen Nudeln, „Ich kann dir nur sagen, wie ich das geregelt habe, bis sich das alles wieder legt. Du hast das Gefühl du kannst keinem mehr trauen, aber worauf trauen? Kann ich deinem Bruder trauen, dass er die Wohnung sauber macht, wenn ich weg bin? Niemals. Kann ich ihm vertrauen, dass er nicht mit meiner Freundin schlafen würde, wenn sie scharf ist?“, nun hob er eine Hand und wackelte damit, als würde er es Abwegen und legte dabei die Stirn in Falten. „Da sich diese Frage aber gar nicht stellt, kann mir doch vollkommen schnuppe sein, ob ich ihm dabei vertrauen kann. Was ich damit sagen will: Du hast genügend Personen, denen du trauen kannst, die Frage ist wobei. Ich weiß das Jon mein Gras stiehlt, ich weiß das er beim Kartenspielen bescheißt, aber was solls, stört mich ja nicht. Aber ich kann auch darauf vertrauen, dass er mir Hilft, wenn er muss, außer es geht um sensible Dinge, den das ist nicht sein Ding.“

      Ethan ging zum Kühlschrank und holte sich nun etwas Marillensaft heraus, „Und was meinst du mit wohin mit dir?“, dann setzte er sich mit einem großen Glas wieder zu Tisch. „Dir stehen alle Türen offen, warum jetzt entscheiden. Tu doch einfach ne Weile was du willst, dann wird das Leben dich schon wieder in eine Richtung mitnehmen. Hör auf deinen weisen Bruder und lebe dein Leben“, grinste er und tat als wäre er ein buddhistischer Mönch.