Fallen Devil [Aiden&Heaven]

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    • Fallen Devil [Aiden&Heaven]

      Fallen Devil

      Zur Vorstellung
      @Aiden.Nesmilas
      Lucifer

      Das zerrende, klirrende Geräusch zerriss die geschockte Stille des Saales. Gefolgt von einem dumpfen Aufprall eines Körpers. Seines Körpers, um genau zu sein. Unfähig zu realisieren, was soeben geschehen war, sackte der schöne Engel der Finsternis auf die Knie und ein gleißender Schmerz benebelte kurzzeitig seine Sinne. Das sollte wohl ein Witz sein! Seit tausenden von Jahren gab es die alte Leier des Verrates und jedes Mal prallten die Versuche eines Hinterhaltes an ihm spurlos ab. Und jetzt?! Jetzt kniete er in seinem eigenen Blut, die Dornenkette der Sichel schlang sich fest wie eine Python um seinen Brustkorb; schnürte ihm geradezu die Luft ab. Normalerweise war es keine Kunst, eine lächerliche Falle wie diese abzuschütteln und den Führer der Waffe zu zeigen, wer hier der wahre Dämonenkönig war. Aber dieses Mal… Unwillentlich kam ein Keuchen über die wohlgeformten Lippen, welches erbärmlich schwach in seinen eigenen Ohren klang. Der sonst so stählerne und erhabene Körper verlor stetig an seiner pulsierenden Kraft der Finsternis. Ihm war, als ob jemand sein gesamtes Wesen mit Gewalt herausreißen würde. Instinktiv stemmte er sich gegen diese höllischen Qualen, vergebens jedoch. Die dunkle Mähne hing ihm wirr ins blasse, von Qual gezeichnete Gesicht. Er konnte sich nicht selbst befreien, musste sich dem Schicksal ergeben. Die drachenartigen Klauen ballten sich zu Fäusten und schnitten tief ins eigene Fleisch. Doch dieser Schmerz hielt ihn im hier und jetzt, anders als die giftige Waffe um seinen Körper.

      „Dich mal so zu sehen, Satan! Eure arrogante Hoheit scheint ja sehr verwirrt zu sein!“, säuselte einer ihm nur zu gut bekannte Stimme. Zischend wurden Nuancen seiner Worte ausgesprochen, Lucifer musste die gespaltene Schlangenzunge nicht dazu sehen, die schnell über seine Lippen fuhr, als er sich diese leckte.

      Das spottende Lachen war wie Gift für sein feines Gehör und ein Dolchstoß für seinen immensen Stolz. Wie er in der Lage gewesen war, Lucifer selbst zu überwältigen, war den Gefallenen schleierhaft. Und dann auch noch vor den anderen Fürsten… Abermals stemmte der Teufel sich gegen das raubende Gefühl der plötzlich einkehrenden Leere, wollte die Ketten sprengen die in seine Flügel schnitten, aber das schwarze Eisen gab nicht nach, gleich was er tat.

      „Astaroth…!“, brachte Lucifer zwischen seinen zusammengepressten Zähnen hervor. Der dritte Fürst seiner infernalischen Welt, Herr der Lügen und der Schlangen, er hätte es wissen müssen. Des Engels Sicht verschwamm als er versuchte, den rothaarigen Übeltäter hasserfüllt anzufunkeln. Kurz darauf wurde seine Welt schwarz und…




      …keuchend erwachte Lucifer aus seinem Albtraum. Oder sollte er besser sagen aus der Erinnerung, welche sich vor Wochen- nein, waren es schon Monate?- abgespielt hatte. Der ehemalige stolze Herrscher hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Die dunklen, mit Dornen bespickten Wände der Zelle ließen nicht erahnen, welcher Tag heute war. Und langsam verschwammen diese ohnehin ineinander. Seufzend und seinen geschundenen Körper halbwegs in eine aufrechte Position zwingend fuhren seine Finger frustriert durch das rabenschwarze Haar. Es war nicht so, dass er nicht versucht hatte, hier herauszukommen. Er konnte es schlichtweg nicht und zur Hilfe kam ihm ebenso keiner. Kurz nachdem er seine Kräfte vollends an Astaroth verloren hatte, begann dieser die Fürsten auf seine Seite zu zwingen. Mit Lucifers Macht, wohlgemerkt. Es war nicht sonderlich verwunderlich für den Dämon, dass viele seiner Untertanen mehr als erfreut über den Herrscherwechsel waren. Nicht wenige verachteten und fürchteten den gefallenen Morgenstern. Doch nun, wo diese Furcht fort war, blieb nur noch Hohn und Spott für ihn übrig. Was nebenbei gesagt viel erniedrigender war als die Tatsache, dass er in seinem eigenen Kerker festsaß und nur aus dieser Zelle herauskam, wenn eine neue Folterung anstand. Sein Körper war von Brand- und Hiebwunden übersäht, sein Geist geschwächt durch schwarze Magie. Kurzum war er ein einziges Wrack. Er! Lucifer war noch nie an einem solchen Punkt angekommen, an dem er dabei war aufzugeben. Doch dieses Mal war es anders. Er hatte alles verloren. Seine ganze Existenz wurde von dem Schlangendämon binnen weniger Minuten völlig zerstört und zurück blieb ein niederer Dämon, der Lucifer nun war. Kaum mehr in der Lage das Höllenfeuer zu kontrollieren, geschweige denn einen ernsthaften Kampf gegen diese Schlange zu führen. Müde und ausgelaugt sah er auf den dunklen Boden vor sich. Bewegungen waren auf ein Minimum beschränkt, selbst seine Flügel hatte man mit eisernen Ketten durchbohrt, um ihn daran zu hindern sie einzusetzen. Mit jedem Zucken schnitt sich das schwarze Eisen tiefer in die Federn, weshalb Lucifer es vorzog regungslos zu bleiben. Noch immer tappte er im Dunkeln, was dies für eine Waffe war, die ihm die Kräfte förmlich ausgesaugt hatte. Er hatte absolut keine Ahnung und konnte leider keinerlei Nachforschungen ansetzen. Sein treuester Fürst Baal wurde von ihm ferngehalten, der Einzige, welcher sich verbissen gewehrt hatte als es geschah. Doch auch hier hatte dieser Verräter vorgesorgt und schaffte es irgendwie, Baal- den Fürsten des Zorns- unter Kontrolle zu halten. Abermals entwich ihm die Luft als Seufzen und seine rotgoldenen Miasmen, welche eigentlich eine intensive Farbe ausstrahlten, schimmerten nur trüb umgeben von einem grauen Schleier vor sich hin. Ein plötzliches Klacken und das Öffnen seiner Zelle ließ Lucifer nach gefühlten Stunden ausdruckslos aufschauen. Den Gefallen, Schmerz zu zeigen, würde er diesen Bastarden auch jetzt nicht. Doch entgegen der nächsten Folterer erkannte er ein nur allzu bekanntes und sehr selten hier anzutreffendes Gesicht.

      „Michael…?“, entkam es dem Teufel ungläubig, als der Erzengel der Tapferkeit seine Zelle betrat. Die tiefblauen Augen des blondhaarigen Engels waren dabei ernst, die Brauen zogen sich kritisch zusammen als er die Situation erkannte, in der sich der einstige Höllenherrscher befand. "Was...?", begann der Schwarzhaarige erneut, schloss jedoch den Mund sogleich wieder als zwei weitere Gesichter auftauchten. Baal und eine junge Frau, zweifellos ein Engel, welche er nicht zu kennen glaubte.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Zuriniel hielt eine besondere Position unter den Engeln inne. Es kam nicht oft vor das Gott einen Engel erwählte, oder erschuf der n Zukunft zu den hohen Erzengeln zählen sollte. Der junge Engel konnte sich glücklich schätzen, das der Herr sie mit diesem Geschenk bedacht hatte, doch in diesem Moment fiel ihr dies etwas schwer.
      Noch nie zuvor hatte sie die Hölle betreten, und all die Auren die um sichtbare und unsichtbare Wesen wabberten, waren erdrückend negativ und grausam und verzweifelt. Ihr gesamter Magen zog sich zusammen, und beinahe erlitt sie dadurch physische Schmerzen, die sie an einem anderen Ort niemals hätte ertragen müssen.
      Doch sie schlug sich tapfer, folgte mit sicheren und festen Schritten dem obersten Erzengel und einen Dämonenfürsten durch das dunkle Reich, das sicherlich auf seine eigene Art und Weise faszinierend war, wenn man es nur aus dem richtigen Blickwinkel betrachten würde. Leider hatte Zuriniel für diese Art und Weise keine Zeit, denn sie befand sich auf einer wichtigen Mission, die oberste Priorität hatte und schnell erledigt werden musste, bevor sie zu viel Aufmerksamkeit erregten.
      Wenn Zeit keine Rolle spielen würde, hätte sich dieser Aufenthalt sicherlich endloch angefühlt, was wohl auch der Zweck dieses Ortes war. Zu verdeutlichen, dass das Böse kein Ende haben würde. Ein leicher Schauer zog sich über ihre Arme, und die kleine Gruppe kam mit einem Mal zum stehen.
      Dies hier müsste die Zelle sein in der er sich befand. Er um den sich so viele Geschichten und Legenden ranken, das unmöglich alle war sein konnten. Derjenige, den sie selbst als missverstanden einschätzte ohne ihn jemals begegnet zu sein.
      Lucifer, der Morgenstern, der Lichtbringer, Samael.
      Michael musste nicht aussprechen was Zuriniel zu tun hatte. Ihre Aufgabe war es die Auren im Auge zu behalten, das sich keine unerwünschte Person nähern konnte. Das sie unerkannt und unbeschadet aus der Hölle wieder heraus kamen. Dabei konnte Zuriniel selbst nicht mehr unbeschadet herauskommen. Der Schmerz der verdammten Seelen, hatte sich bereits in ihr Gedächtnis gebrannt, und sie konnte nicht umhin sich zu wünschen ihnen zu helfen. Die Hölle war kein Ort für sie.
      Doch sie würde es niemals wagen zu klagen, weswegen sie sich nun auf die Fähigkeit konzentrierte die in ihr ruhte, und niemals bereit war zu schlummern. Sie behielt die Auren im Blick, die sie drohten zu zermalmen, und sie versuchte die Energie die von ihnen ausging so umzulenken, das die ihre keinem auffallen konnte. Es war schwer, aber umso schneller sie agierten, desto einfacher würde es sein es aufrecht zu erhalten.
      Michael öffnete den Kerkertüre, welche direkt aufschwang. Er wartete nicht bevor er hineintrat, und schnell die Lage überblickte in der sich Lucifer befand.
      Kurz nach ihrem Anführer trat auch Zuriel in die Zelle, und blickte den gefallenen Engel an. Sie konnte sich die Schmerzen nur zu genau vorstellen, und für einige Augenblicke sammelten sich Tränen in den Winkeln ihrer weißen Augen. Gerne hätte sie ihm den Schmerz abgenommen, doch dies lag nicht in ihrer Macht.
      Deswegen wandte sie ihren Blick ab, und wartete auf den Befehl Micheals, der nur lauten konnte den gefallenen Herrscher der Untwewelt von seinen Ketten zu befreien, welcher auch nicht lange auf sich wartete. Sie half Baal dabei die Ketten zu lösen, sie mussten ihn von hier fortschaffen um das Gleichgewicht des Universums aufrecht zu erhalten.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Lucifer

      Baals Anwesenheit reichte aus um den Teufel mit Erleichterung zu erfüllen. Er hatte schon geglaubt, den sanften Riesen hätte Astaroth ähnlich zugerichtet wie ihn. Dem schien jedoch nicht so, außer ein wenig blass und sehr ernst schien kein anderes Leid das grauhaarige Gesicht zu trüben. Lucifer zischte auf, als sich Baal und die fremde Frau daran machten, die magischen ketten zu entfernen. Jede Bewegung hallte schmerzhaft in seinen Flügeln wieder und ächzend ließ er sie herabhängen, als sie endlich befreit waren. Sein treuster Fürst und Freund löste mit roher Gewalt noch die anderen Ketten um seine Handgelenke wie auch den Beinen und sah aus sorgvollen, silbernen Augen zu seinem Herrn.
      "Es tut mir so leid, Lucifer. Ich...konnte nichts-!", begann der Riese bereits anzusetzen, doch entschieden schüttelte der Dunkelhaarige den Kopf.
      "Du konntest nichts tun, ebenso wenig wie ich.", entgegnete er mit erschreckend schwacher Stimme. Die andauernden Foltern sowie die lange Gefangenheit waren anscheinend nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Seine sonst so tiefe, samtene Stimme klang rau und krächzend in seinen Ohren und es war eine Demütigung, dass ausgerechnet Erzengel Michael ihn in solcher Verfassung sah. Oder der andere Engel. Unwillkürlich blickte er zu dieser und sah kurzzeitig verblüfft in das reine Weiß ihrer Augen. Schlimmer noch als wäre sie blind, ihre Augen besaßen gar keine Iris. Zumindest schien es so und kurz huschte die Frage durch seinen geist, seit wann es denn einen solchen Engel gäbe. Das war auch für ihn neu. Er hatte sogar das Gefühl, dass sie ihn ebenso zu mustern schien, doch sicher behaupten konnte er es nicht.

      "Wir haben keine Zeit mehr!", zischte Michael etwas ungehalten und spähte nach draußen. So ungern Lucifer mit diesem Mistkerl auch einer Meinung war, er hatte Recht. Seine verbliebene Kraft zusammenkratzend richtete er sich auf und warf dem Engel einen düsteren Blick zu.
      "Du hast eine menge zu erklären, Michael!", zischte er wütend. Andererseits sollte er froh sein, endlich aus diesem Loch zu kommen... Baal stützte ihn so gut er konnte als sie durch die finsteren Gänge huschten, begleitet von den Schreien der Verdammten.
      "Astaroth wird es bemerken...", murmelte Lucifer als er kurz einen Blick zurückwarf.
      "Wird er nicht, dafür habe ich gesorgt.", entgegnete Michael knapp im Flüsterton, ehe er- die fremde Engelsfrau voran- sie weiter zu Eile herrschte. Ihr Ziel schienen die Portale zu sein, welche die Hölle mit den anderen Dimensionen verband. So verschafften sich die Dämonen Zugang zu den elysischen Sphären des Himmelsreiches, ebenso der irdischen Welt der Sterblichen. Für gewöhnlich waren diese Dimensionsübergänge jedoch streng bewacht, aber offenbar schien dies heute nicht der Fall. Das genaue Gegenteil sogar, keine dämonische Seele war weit und breit in der zerklüfteten Landschaft außerhalb seiner Mauern zu sehen. Doch ehe Lucifer fragen konnte erreichten sie die violett scheinenden Konstrukte bereits, welche eine wasserähnliche, dunkle Oberfläche freigaben.
      Vor diesen Portalen stehen bleibend ließ Baal, welcher ihm dezent und möglichst unauffällig geholfen hatte, von Lucifer ab und trat zurück. Die Brauen zusammenziehend sah er zwischen seinem Fürsten und Michael hin und her.
      "Was beim Höllenfeuer habt ihr vor?", entkam es ihm ungeduldig, als sich nichts von alldem erschloss. Noch weniger, dass zwei Engel - die geflügelten Heuchler seines verhassten Vaters- sich in seinem Reich befanden und ihn offenbar in eine andere Dimension bringen wollten. Sich halbwegs aufrechthaltend, so gut es mit den erlittenen Wunden ging, blickten die roten Augen zu seinem alten Freund. Baal lächelte bitter und nickte Michael entschieden zu.
      "Du bist hier nicht mehr sicher... Astaroth hat deine Hinrichtung befohlen und... Ich wusste mir nicht zu helfen. Du musst von hier weg und Michael ist leider der Einzige, der dir dabei helfen kann." Noch immer verwirrte Lucifer die Situation mehr als dass er sie begriff und sein Verstand war zu benebelt um zu begreifen.
      "Achte gut auf ihn, Engel." Mit dieser eindeutigen Drohung an den Blondschopf verschwand Baal noch ehe der Teufel im Entferntesten etwas fragen oder tun konnte, um ihn aufzuhalten.
      "Ihr...bringt mich in die Menschenwelt?" Verachtung färbte seine schwache Stimme und Lucifer überkam das Verlangen zu würgen. Das war ja herrlich, ohne jegliche Kräfte und noch dazu von Engeln auf die Erde gebracht. Konnte er noch tiefer sinken?
      Er konnte. Bei Michaels nächsten Worten brach für ihn förmlich eine Welt zusammen und der Tod schien plötzlich herzlich Willkommen.
      "Nein. Wir bringen dich nach Hause... Im Himmel sollte kein Dämon dich erreichen können und du bist vorerst in Sicherheit." In diesem Moment wünschte sich Lucifer, er wäre zur Hinrichtung hier geblieben und überlegte ernsthaft zurück in diese Zelle zu kehren. In den Himmel? Er?! In welchem Jahrhundert? Nie im Leben würde er vor Gott zu Throne kriechen und um Schutz betteln, das konnte Michael vergessen! Er mochte vielleicht abermals gefallen sein, diesmal als Dämon, trotzdem... sein Stolz war noch nicht erloschen und etwas Ehre behielt er sich im Blut. Doch eine Wahl blieb ihm nicht, als er unsanft von Michael durch das Portal gestoßen wurde, dessen andere Seite ihn mit viel zu grellem Licht begrüßte.
      Die kurzweilige Reise, der Transport von Körper und Geist an einen anderen Ort, reichte aus um Lucifer nun auch den Rest seiner Kräfte zu nehmen und erschöpft sackte er auf dem kristallenen Boden in die Knie. Seine Gedanken und seine Wahrnehmung wirkten wie ein verworrener Nebel und wäre nicht die Hand seines verhassten Bruders gewesen, wäre er wohl nach vorne umgekippt.
      "Rühr mich nicht an...", schaffte er es noch leise zu knurren ehe ein leiser Befehl an seine Ohre drang, der definitiv nicht von Michael stammte: "Schlaf jetzt!"
      Danach wurden seine Auenlider schwer und eine dunkle Welle traumlosen Schlafes übermannte ihn.


      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar

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    • Zuriniel

      Es war einfacher gewesen ihre Augen von ihm abzuwenden, so lange er nicht gesprochen hatte, doch sobald sie seine Stimme hörte - die nicht an die eines Herrschers oder Engels erinnerte- musste sie wieder zu ihm sehen. Nur schwach erkannte Zuriniel die Aura um ihn herum, die schwarz schien wie die finsterste Nacht selbst. Hass wabberte um ihn herum, und schien als wollte er sie zerstören, selbst in dem geschwächten Zustand Lucifers.
      Zuriniel hätte ihren Blick früher abwenden sollen, denn nun blickte der Gefallene sie direkt an, was für einen kurzen Moment einen unangenehmen Schmerz in ihr aufflammen lies. Sie war beherrscht genug um es ihm nicht zu zeigen, um es keinen zu zeigen, was wohl jeder höher gestellte Engel schaffen sollte. Es wurde doch von ihnen erwartet unantastbar zu sein, selbt wenn sich der junge Engel selbst nie so gefühlt hatte.
      Doch es gab keine Zeit um sich weitere Gedanken zu machen. Ihre Sinne wurden wieder auf ihre Umgebung gerichtet und ihre Aufmerksamkeit wurde nun hier auf voller Ebene benötigt. Die Schreie der Verdammten, die gequälen Seelen, machten ihre Aufgabe nur noch anstrengender und komplizierter. Michael hätte sie besser auf diesen Ort vorbereiten sollen, oder sie hätte ihm nicht mit so einer Leichtfertigkeit begehen sollen.
      Sie konnte den gesprochenen Worten nicht folgen, nicht in dieser Umgebung, gingen sie diese ohnehin nichts an. Das einzige ws zählte war es nun heil wieder in ihre Heimatzu kommen. Heil zurück in den Himmel, der ihr schon nach dieser kurzen Zeit in der Hölle wie eine Erlösung erschien.

      Erst als ihre Füße wieder den himmlishcen Boden berührten war es Zuriniel möglich aufzuatmen. Dieser Ausflug hatte sie einiges an Kraft gekostet, und liebend gerne hätte sie sich nur zurück gezogen. Doch ihre Aufgabe war noch nicht erledigt, sie hatte noch etwas vor sich bevor sie sich slebst die Ruhe geben konnte, die sie brauchen würde um selbst zu regenerieren.
      Wieder blickte sie zu Lucifer, der sich nicht richtig auf den Beinen halten konnten. Überrascht hob sie ihre Augenbrauen, in der Hölle hatte seine Aura undurchdringlich Schwarz gewirkt, doch wenn sie ihn nun betrachtete schienen sich Mitternachtsblaue Strudel um ihn zusammeln, die ihr im ersten Augenblick schwer fielen zu deuten. Schmerz und Trauer. Das musste es gewesen sein, was sie gespürt hatte als sie ihn vorhin betrachtet hatte, als er an den Boden der Zelle gekettet lag.
      Er hatte einen unfassbaren Leid ausgesetzt sein müssen, um diese tiefen Gefühle noch immer verbergen zu müssen.
      Sie würde ihm helfen, sie musste ihm helfen, es stand kein anderer Weg für sie fest, weswegen sie leicht ihre Hände ausstreckte, um ihn zu helfen zu schlafen. Es würde erträglicher für ihn sein, bis sich um seine Wunden gekümmert werden konnte.
      Sie wagte es nicht ihn zu berühren, auch wenn er dadurch schneller eingeschlafen wäre.
      "Schlaf jetzt", sprach sie leise, und als seine Augen zufielen, und Micheal von ihm abließ, lies sie seinen Kopf auf ihren Schoß sinken, um ihn auch im Schlaf mehr Ruhe schenken zu können.

      Michael und Zuriniel hatten Lucifer in eines der himmlischen Gemächer gebracht und seinen geschundenen Körper in eines der Betten gelegt. Für diesen Zeitraum war es ihr möglich das sich ihre Kräfte zurück zogen, und sie den ganzen Schmerz abschütteln konnte der sie seit der Hölle begleitete. Sie konnte sich nicht vorstellen was es mit ihrer Seele angerichtet hätte, wenn sie dort unten solange hätte sein müssen wie er.
      Sanft lag ihr Blick auf Lucifer, während sie über seinen Schlaf wachte.
      Die beiden Engel waren noch nicht lange in den Gemächern des Teufels, als Gott auftauchte. Er war hier um seinen Sohn selbst im Empfang zu nehmen, selbst wenn er wusste das dieser in diesem Moment nicht anzusprechen war. Und selbst wenn konnte Zuriniel sich nicht vorstellen, dass er gut mit sich hätte sprechen lassen können oder wollen oder... Gotts Stimme hallte von den Wänden wieder als er sich an Michael wandte und nach dem Verlauf ihrer schnellen Mission fragte. Ein kurzer Berichtet wurde erstattet, der später bestimmt noch einmal ausführlicher besprochen wurde.
      Erst dann wandte sich Gott an Zuriniel, die sich bis dahin im Hintergrund gehalten hatte. Sie war immer im Hintergrund, denn noch hatte sie nicht die Berechtigungen die sie in Zukunft erwarten würde.
      "Berichte mir von seinem Zustand."
      Zuriniel nickte ergeben, und betrachtete noch einmal den Gefallenen, bevor sie sich wieder an Gott wandte und ihr Haupt senkte.
      "Sein Zustand ist kritisch, Herr. Sein Geist ist verletzt, und so schwach das es mir schwer fällt ihn wahrzunehmen... Seine Energie... Seine Kräfte, sie sind nur noch so schwach vorhanden, das auch diese nicht wahrzunehmen sind, ich habe lange gesucht um die überreste entdecken zu können." Zuriniel war mehr oder weniger geübt in ihrer Gabe, und vieles davon hatte sie schon im Kerker gemerkt, andere Dinge erst sobald sie im Himmel waren, und sie sich auch besser auf ihn hatte konzentrieren können.
      "Wirst du ihm helfen?"
      Die Frage ob Zuriniel es konnte stand nicht zur Debatte, selbst wenn leichte Zweifel in ihr keimten.
      "Es wird möglich sein, es wird schwer sein, und zunächst muss sein Körper heilen, bevor sein Geist geheilt werden kann", gab sie dannihre Einschätzung ab. Wer war sie ihr Wort gegen Gott zu richten? Ohnehin stand ihr entschluss fest etwas zu tun, nachdem sie das ganze Leid erkannt hatte, das tief begraben lage, aber sicherlich niemals schlummerte.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Erzähler

      Gott sah auf den gefallenen Morgenstern hinab und seufzte schwer. Wenngleich sein Sohn ein fehlgeleitetes Kind war, so hatte er diese Folterung nicht verdient. Die Augen des mächtigsten Wesen ruhten auf dem schwer atmenden Lucifer, dessen Gesicht selbst in der Bewusstlosigkeit von Schmerz verzogen war. Die sonst so erhabene Gestalt wirkte eingefallen und in allen Maßen kraftlos, ein Umstand, welcher für Lucifer keineswegs normal war. Zuriniel endete mit ihrer Einschätzung und Elohim* nickte verstehend. Natürlich, sein Körper aber ebenso sein Geist waren durch die jüngsten Ereignisse stark geschwächt. Dazu der Umstand, dass seine Kräfte kaum mehr greifbar waren, besorgten den Himmelsherrscher sehr.
      "Wie konnte sowas passieren, Vater?", erhob nun Michael seine Stimme. Der blondhaarige Erzengel sah mit einer Mischung aus Entsetzen und Schock auf seinen Bruder, dazu mischte sich ein Hauch von Mitleid, was man bei dem Erzengel der Tapferkeit nur selten zu Gesicht bekam. Gott seufzte und nahm auf der Bettkante platz, welche nur sachte unter seinem Gewicht nachgab. Die lange, weiße Mähne des älteren Mannes verbarg für einen Moment sein Gesicht, als er nachdachte. Er hatte noch nie von einem Fluch gehört, welcher einem solch mächtigen Wesen wie seinem Sohn wirklich die Kräfte rauben konnte. Doch sein Instinkt hatte ihm eine Vorahnung geschenkt, schon vor langer Zeit. Ein Grund, weshalb Gott Zuriniel geschaffen hatte. Er wusste der Tag würde kommen, an dem sie die Einzige wäre, welche in der Lage wäre, dem Teufel zu helfen. Allerdings hatte er es sich nicht so drastisch vorgestellt, wie die Situation nun war. Hätte Michael seine Sorge nicht bekundet, dass Lucifer zum wiederholten Male nicht am Meeting der Welten teilnahm, wäre es auch niemandem aufgefallen und der Dämon wäre... Nein, daran wollte Elohim nicht denken. Es war gut, dass sie ihn rechtzeitig gefunden hatten und Baal eine geheime Nachricht dem Erzengel überbracht hatte. Wohlgemerkt war dieser Fürst weitaus besonnener als sein König. Baal mochte zwar Lucifer bei seiner Rebellion gefolgt sein, doch hatte er nie einen direkten Hass auf Engel entwickelt und stand Lucifer seit Äonen als Berater zur Seite. Dieses Mal wurde er von dem Verräter Astaroth überwacht und nur dank einem glücklichen Zufall hatte er Michael eine Nachricht zukommen lassen können. Nachdenklich lagen die schillernden Augen Gottes, welche alle Farben des Spektrum widerspiegelten, abermals auf den verwundeten Körper.
      "Astaroth muss einen Weg gefunden haben. Wir werden Nachforschungen anstellen müssen, deshalb wäre es besser, Uriel und Gabriel von den Ereignissen zu berichten. Weise sie in die Situation ein aber: Kein Wort zu einem anderen Engel. Der Gedanke, dass der Teufel nun in unseren Reihen wandelt, könnte zu Unruhen führen." Gottes Worte waren sanft, dennoch ließ seine Stimme keine Widerworte zu, als er zu seinem anderen Sohn blickte. Michael nickte verstehend und verneigte sich tief. Mit letztem Blick auf seinen dunklen Bruder wandte er sich ab und verließ den Raum. Schließlich sah der Himmelsherrscher zu seiner neusten Schöpfung, dem Engel der Vergebung. Tatsächlich hatte Gott sie geschaffen im Wissen, dass es Vergebung in der irdischen Welt immer weniger gab. Sei es jene, anderen zu vergeben oder jene sich selbst zu verzeihen. Und bislang hatte sie ihre Aufgabe gewissenhaft und mit Herzblut erfüllt.
      "Ich werde seinen Körper weitestgehend heilen. Die oberflächlichen Wunden seines Körpers werden schnell schwinden. Bei seinen Schwingen mache ich mir jedoch Gedanken, sie wurden von silbernen Dämonenfesseln stark verwundet. Er wird sie eine Weile nicht benutzen können, vielleicht ist das jedoch auch besser so.", begann er sachte zu sprechen.
      "Er wird sich wehren und verschließen. Vor allem nachdem ich mit ihm gesprochen habe, wenn er wieder genesen und ausgeruht ist. Du wirst ihn beruhigen müssen, Lucifer hegt einen großen Groll gegen mich und das Himmelsreich. Gib dein Bestes." Damit nickte er der Engelsfrau zu und mit einer Bewegung seiner Hand ließ er die zerrissene Oberbekleidung verschwinden. Die helle Haut war übersäht mit diversen Hieb und Stichwunden und für einen Moment schloss der Weißhaarige seine Augen. Lucifer litt... das hatte er schon immer und dennoch war dieses Ausmaß an Peitschenwunden und Messern auch für das älteste Wesen ein Schrecken. Kein Wunder, dass er bei Eintritt in den Himmel nicht einmal mehr Stehen konnte! Seine Hand legte sich behutsam auf die Brust seines Sohnes und gleißendes Licht hüllte diesen für einen Moment ein. Die Wunden, einige bluteten sehr durch die Anstrengung der Flucht, schlossen sich wieder und die Zeichen der Gefangenschaft fingen an mehr und mehr zu verschwinden. Nach einigen Sekunden war das Schauspiel auch wieder vorbei und prüfend begutachtete er seine Arbeit. Nicht ohne jedoch die kreuzförmige Narbe auf Lucifers Brust zu bemerken, welche sein Gesicht beschattete. Er wusste nur zu gut woher diese Wunde stammte... Ein anderes Detail wiederum erstaunte ihn, als er ein rubinrotes Kreuz entdeckte, welches neben seinem Hals auf dem Kissen gelandet war. Für einen Moment hingen die Regenbogenaugen ungläubig an dieser Kette, welche er selbst seinen Sohn einst geschenkt hatte. Er...hatte sie noch immer, nach all den Jahren? Kopfschüttelnd breitete der Allvater eine Decke über Lucifer aus, welcher nun ruhiger zu atmen schien und wohl endlich einen angenehmeren Schlaf hatte, als zuvor.
      "Bleibe bei ihm bis er aufwacht. Ich lasse einige Kleider bringen, danach will ich mit ihm im Thronsaal sprechen. Hol dir Michael zur Hilfe, sollte er sich vehement dagegen wehren." Damit verließ Gott ebenso den Raum und kehrte in das Herz des kristallenen Palastes zurück. Er hatte einiges über das er nachdenken musste bevor er mit seinem Sohn sprach...

      Lucifer

      Schmerz. Das und grelles Licht blendet den Teufel, als er langsam zu sich kam. Stöhnend vor den ungewohnten Eindrücken schlossen sich seine roten Miasmen augenblicklich wieder. Verflucht, warum war es hier so entsetzlich hell?! Lucifer fühlte sich ausgelaugt, wenngleich die brennenden Schmerzen seiner Wunden verebbt waren, was ihn etwas irritierte. Tastend griff er sich an die brennende Kehle und musste mehrmals blinzeln, da dieses Licht seine Augen beinahe erblinden ließ. Was... Luft füllt seine Lungen, jedoch schien es nicht genug und keuchend versuchte er, zu Atem zu kommen. Verdammt, was war hier los?! Die Umgebung schien zunächst verschwommen, doch langsam schärften sich die Umrisse. Eine ihm bekannte und doch so verhasste Decke, bestehend aus blauschimmernden Kristall, ließ ihn entsetzt einatmen. Ätzend richtete er sich auf, versuchte sich zu erheben. Doch Schwindel erfasste seinen Körper, die gesamte Welt drehte sich und er sackte zurück in die weichen Kissen. Verzweiflung und Schmerz raubten ihm beinahe abermals die Sinne. Warum wollte sich sein Herz nicht beruhigen? Warum... schlug es plötzlich so schnell und hart gegen seinen Brustkorb, obwohl es sich Jahrhunderte nicht gerührt hatte?!
      "Was..." Wie ein Blitz traf Lucifer die Erinnerung an das, was geschehen war. Entsetzen breitete sich in ihm wie ein tödliches Gift aus. Er war...im Himmel. Im Himmel! Dem Ort, welchen er mehr als alles andere verabscheute. Hergebracht von seinem verhassten Bruder und dem seltsamen Engel ohne Iris... Halbwegs in eine sitzende Position kommend rutschte ihm die Decke von seinem Körper und mit Verblüffung bemerkte er die fehlenden Wunden. Ihm schwante Übles... Sein Blick suchte den Raum ab ehe er an dem Engel von zuvor hängen blieb. Sie war hier, dieses Mal sah er jedoch direkt in eine sturmgraue Iris. Gedanken um den seltsamen Umstand konnte er sich jedoch nicht machen, als ihm bewusst wurde, dass sie ihn die ganze Zeit beobachtet haben musste. Dieser Umstand behagte ihm ganz und gar nicht und bitter presste er die Lippen zusammen und verbarg das Kreuz um seinen Hals in seiner Hand. Albern, das wusste Lucifer. Und dennoch war ihm nicht wohl dabei, wenn jemand Fragen dazu stellte.
      "Was soll das alles?", brachte er schließlich hervor und war erleichtert, dass seine Stimme wieder ihren kraftvollen Klang besaß. Wut floss in jene ein und ein indirekter Befehl, ihm zu antworten.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Als noch nicht einmal Gott eine Antwort auf Micheals Frage zu haben schien, krümmte Kummer sich um Zuriniels Herz. Es jagte ihr etwas Angst ein, war dies für sie noch kein fremdes Gefühl, was ihrem jungen Leben geschuldet war. Besorgt wagte es die Engelsfrau erneut zu Lucifer zu blicken, das erste Mal nicht auf seine Aura fokusiert und ihre Kräfte benutzend. Auch ohne seine Aura hätte sie schnell feststellen können wie sehr dieser schöne Mann litt. Denn auch wenn sein gesicht vor Schmerz verzehrt war, würde kein Wesen abstreiten können dass er ein verblüffendes Äußeres hatte.
      Sie wandte ihren Blick dann wieder ab, denn selbst wenn sie ihre Kräfte nicht einsetzte erkannte sie die Auren der Anwesenden - Gott war eine Ausnahme- und egal was sie tat, sie erkannte die Gefühle und sie konnte nicht anders als mit zu fühlen, es fiel ihr in manchen Angelegenheiten so schwer, die fremden Gefühle von ihren eigenen zu trennen, dieser hier war einer. Dieser Schmerz und der Hass war so übermächtig.
      Zuriniel lauschte den Worten Gottes, nachdem Michael gegangen war umso aufmerksamer. Immerhin galten sie jetzt ihr, ihr alleine. In Anwesenheit von Michael galten Worte selten ihr alleine, oder waren überhaupt für sie gedacht. Manchmal zog sie sich auch selbst aus diesen Angelegenheiten heraus, es geschah einfach auch wenn Zuriniel keine genaue Begründung dafür hatte. Immerhin war es ihre Bestimmung ein Erzengel zu werden, viele Dinge gingen sie genauso etwas an, wie die anderen Engel an ihrer Seite. Immer wenn sie darüber nachdachte, war die einzige Idee die ihr kam, das sie sich noch nicht als würdig erwiesen hatte. Doch auch das würde noch kommen, Zuriniel war dem sehr gewiss.
      "Ich werde immer mein Bestes geben", bestätigte sie dann den Wunsch des Allvaters. Sie würde ihr bestes geben, sie hätte es auch ohne Gottes Anweisung getan, doch nun fühlte sich Zuriniel nur noch motivierter. Motivierter, aber sie erkannte auch langsam welchen Ausmaß das ganze hatte. Wie schwierig diese Aufgabe werden würde. Jemand der sich verschließt und wehrt... Wenn man gegen etwas ankämpft was einen helfen soll wird die Hilfe nur noch schwerer. Unermesslich schwerer. Doch Zuriniel würde sich davon nicht erschrecken lassen.
      Als Gott Lucifers Wunden heilen wollte, erhaschte auch sie einen Blick auf seinen geschundenen Körper, und es hätte sie wohl beinahe genauso erschreckt wie es auch ihn erschreckte, wenn sie davor nicht schon einen Blick auf seinen Geist geworfen hätte. Dieser hatte einen Ähnlich schlimmen Zustand, nur das man diesen nicht so einfach heilen konnte.

      Mit einer Verbeugung, als Gott den Raum verlies, bestätigte sie dass sie ihre Aufgaben gewissenhaft erfüllen würde. Zuriniel richtete sich erst wieder auf, als die Türe zugefallen war. Eine Weile stand sie einfach nur da, wartete auf die Kleider, und sobald diese eingetroffen waren, setzte sich auch der Engel der Vergebung endlich. Es tat gut sich zumindest auf diese Weise etwas auszuruhen.
      Die meiste Zeit über meditierte Zuriniel, und versuchte dabei immer ein wenig die Aura des Gefallenen im Blick zu behalten, damit sie sicher gehen konnte das sich sein Zustand nict verschlimmerte, in dem Fall hätte sie wohl sofort eingreifen müssen.
      Deswegen wusste Zuriniel auch direkt bescheid als der Morgenstern wieder zu Bewusstsein kam. Gerne hätte sie ihm ihre Hilfe angeboten, doch wusste sie, dass er diese nicht annehmen würde, noch das er einen Versuch wertschätzen würde.
      Es dauerte etwas, bis er wohl endlich zu begreifen schien das er nicht alleine war, und sein Blick direkt ihren traf. Gerne hätte sie ihn angelächelt um ihn zu verdeutlich das von ihr keine Gefahr drohte, doch am Ende lies sie es. Sie hielt es für weiser wenn sie ihm gegenüber Neutral auftrat, das würde vermutlich mehr bewirken. Ein geschundener Geist konnte Freundlichkeit nicht über den weg trauen, und dieses Misstrauen würde es allen Anwesenden schwerer machen.
      Beinahe wären Zuriniel die Worte 'Gottes Plan' aus dem Mund gerutscht als Lucifer fragte was das alles sollte. Nicht weil sie sich über ihn oder Gott lustig machen wollte, nein es war etwas das die Engel untereinander sagten, wenn sie die Antwort auf eine Frage nicht wirklich kannten, oder sie so offensichtlich war, das man die Frage als überflüssig betrachten konnte. In dem Fall war es einfach so, dass die Sache zu kompliziert war um sie in Worte zu fassen, und Zuriniel auch gar nicht wusste ob sie befugt war ihre Auffassung des ganzen preiszugeben.
      "Ich bin mir nicht sicher ob ich dir eine sinnvolle Antwort auf deine Frage geben kann", meinte sie dann schlicht und stand auf um die frischen Gewänder zu ergreifen. Zuriniel konnte nicht umhin um zu erkennen das es ihm unangenehm war, dass sie seine Kette erblickt hatte... Dabei hatte sie es schon zuvor, und sie konnte sich darauf auch keinen Reim machen.
      Mit den Gewändern in der Hand trat sie dann zu ihm, und legte sie neben ihn. Vermutlich würde er sich wohler fühlen, wenn er die Kleidung trug und seine Kette wie zuvor unter diesen zu verbergen. "Wenn du Hilfe benötigst, oder etwas anderes, stehe ich zur Verfügung."
      Und sobald er angezogen war, und sich etwas an all die neuen Umstände gewöhnt hatte würde sie ihn zu Gott bringen, so wie es ihre Aufgabe war.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Lucifer

      Lucifer machte nur ein abfälliges Geräusch auf ihre schlichte Antwort. Typischer Engel, nichtssagende Kreaturen welche wohl auch ihre Flügel ausreißen würden, wenn Gott es befahl. Angewidert wandte er seinen Blick von der Engelsdame ab, was sich als Schwierigkeit erwies, als sie auf ihn zutrat. Was mit seiner alten Kleidung geschehen war wollte Lucifer lieber nicht wissen. Sicher hätte er in diesen Lumpen nicht mehr herumlaufen können, doch als sie das Bündel zu ihm legte zog er nur die Brauen hoch. Er korrigierte sich selbst. Er würde lieber in den zerrissenen Lumpen zeigen als in diesen....Kleidungsstücken! Sie waren nicht nur in grauenhaftem Weiß, nein sie stanken förmlich nach dem elysischen Reich. Ein spottendes Lachen kam ihm über die Lippen. Wusste die Kleine denn nicht wen sie vor sich hatte. Einen Ellenbogen auf seinem Bein abstützend sah er sie nur mit einem breiten grinsen an.
      "Hilfe? So wie du beim Entkleiden geholfen hast?", verhöhnte er sie und und beobachtete dabei ihr Gesicht auf irgendeine Regung. Engel waren so unglaublich streng, geradezu versteift. Sie machte offenbar auch keinen wirklichen Unterschied, wenngleich sie ihn irritiert anzustarren schien. Oh Mann, tat Gott seine Engel denn gar nicht aufklären. Kopfschüttelnd verlor er das Interesse daran, sie aufzuziehen. Es gab ohnehin nicht die gewünschte Reaktion. Ein Mensch wäre vor Scham im Boden versunken. Eine Dämonen sofort auf die Annonce angesprungen aber hier kam keine richtige Reaktion, was ihn langweilte. Seufzend lehnte er sich wieder zurück, froh darüber, dass sein Körper zumindest nicht mehr von Schmerzen gepeinigt wurde. Verachtend sah er auf das weiße Hemd und zugehöriger Hose.
      "Das werde ich nicht anziehen.", sagte er schließlich und rümpfte die Nase. Nur über seine Leiche würde er in einem von Engel verpesten Gewand herumlaufen! Er war vielleicht tief gesunken, wirklich tief... Wenn man bedachte dass aus dem mächtigsten Dämon aller Zeiten nun gerade mal ein niederes Abbild dessen übrig geblieben war. Er spürte sie einfach nicht mehr. Die Wogen der Finsternis hatten ihn verlassen, nicht einmal das Höllenfeuer würde ihm noch gehorchen. Lucifer mochte ein beinahe unzerstörbares Ego haben, jedoch zerrte seine schwache Erscheinung erheblich an seinem Stolz. Und das ausgerechnet er, der Richter der Verdammten und Gefallener Engel, jetzt diesen geflügelten Abschaum etwas schuldig war, wurmte ihn noch mehr. Trotz seiner zwielichtigen Persönlichkeit war Lucifer ein Mann der Ehre und leider gebot ihm diese Ehre, den Engeln etwas schuldig zu sein. Oder noch schlimmer...seinem Vater. Allein der Gedanke ließ einen bitteren Geschmack in seinem Mund sich ausbreiten. Aber welche Wahl hatte er? Beinahe war er versucht, seine langen Finger in seiner dunklen Mähne zu vergraben, als sich ihm der Magen umdrehte. Er fürchtete das Gespräch mit seinem Vater, um das er nicht drumherum kommen würde. Lucifer hatte seit seinem Fall nicht mehr mit dem alten Mann gesprochen und bei jedem Meeting tunlichst vermieden, auch nur ein Wort darüber zu verlieren, dass der Alte nicht anwesend war. Allein der Gedanke ihn nach tausenden Jahren wiederzusehen erfüllte ihn tatsächlich mit einer sehr seltenen Angst.
      Lucifer wurde jäh aus seinen Gedanken geholt als plötzlich sein verhasster Zwillingsbruder vor ihm stand. Michael sah mit hochgezogenen Brauen zu ihm und ein wenig fester umgriff Lucifer das Kreuz um seinen Hals, als sein Gesicht sich deutlich verdüsterte. Der Engel verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf das Kleiderbündel. Augenblicklich sah Lucifer mit giftigem Blick zu dem Engelsweib, offenbar hatte sie ihn gerufen als er in Gedanken war.
      "Bring mir was Schwarzes...!", befahl Lucifer dem Erzengel, der ein trockenes Lachen hören ließ.
      "Im Himmel gibt es deine Farbe nicht, Lucifer. Leb damit und stell dich nicht so an!"- "Ich zieh das nicht an, vergiss es!"- "Dann trittst du eben nackt vor unseren Vater, deine Entscheidung." Stille. Beide Brüder funkelten sich gegenseitig wütend an und versuchten den jeweils anderen mit eisigen Blicken zu erdolchen. Schließlich knurrte Lucifer frustriert auf und packte grob den weichen Stoff.
      "Raus hier, alle beide!", blaffte er übel gelaunt. Das triumphierende Grinsen Michaels hätte er ihm am liebsten von den Lippen geschnitten. Wäre er doch nur in dieser kalten Zelle geblieben... Das war mit Abstand der schlimmste Tag seines Lebens, so viele Demütigungen gleichzeitig hatte er noch nie erlebt. Missmutig streifte er sich den Stoff über und rümpfte angewidert die Nase, als sein Körper in dem weißen Engelsgewand gekleidet war. Er fühlte sich absolut unwohl darin, erinnerte es ihn leider viel zu sehr an sein altes, naives Ich. Nach einer Weile verließ er den Raum, nachdem er seine Kette unter dem weißen Stoff des Hemdes verborgen hatte. Michael, ebenso das Weibsstück warteten auf ihn. Kurz schien der Blondhaarige die Brauen hochzuziehen, als er Lucifer erblickte.
      "Ein Wort, Engel...", gab der Teufel warnend von sich.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Leider war es nicht zu übersehen, was er von ihr und diesem Ort hielt. Selbst wenn Zuriniel es versucht hätte, war die Verachtung in seiner Aura - die sie als grüne Flecken in all dem dunklen wahrnahm- nicht zu übersehen. Wäre dies hier nun eine andere Person gewesen, hätte Zuriniel sich bestimmt verlegen in den Nacken gefasst, da sie aber genau wusste wer er war, versuchte sie weiterhin Neutral zu wirken. Es war einfacher, immerhin schien ihm dies gewohnt zu sein, zumindest erkannte sie nichts was ihn hätte irritieren können.
      "Hilfe? So wie du beim Entkleiden geholfen hast?"
      Irritiert zog sie ihre Augenbrauen zusammen. Sie verstand nicht wirklich was er von ihr wollte. Selbst wenn sie ihn auch entkleidet hätte, wäre daran nichts verachtliches gewesen. Immerhin hatten seine körperlichen Wunden geheilt werden müssen, und mit den Lumpen die er getragen hatte, wäre das alles unnötig kompliziert geworden. Außerdem schien ihr genau das noch mehr der Grund zu sein ihm zu helfen.
      Wenn dies seine Art von Humor war - was sie eher vermutete, sein Lachen und Grinsen verrieten ihr dies- dann verstand sie ihn nicht. Zuriniel tat sich schon schwer mit dem Humor der anderen Engel, immerhin waren viele der Witze die diese teilten älter als sie. Um einiges älter als sie. Das einzige womit sie mehr oder minder umgehen konnte war menschlicher Humor. Dies lag unter anderen an den ausgiebigen Studien die sie über diese hatte führen müssen.
      Es blieb jedoch nicht weiter Zeit darüber nachzudenken, das der große Lucifer nun schien sich quer stellen zu wollen. So ein Verhalten kannte sie von Kindern, oder den Leuten die auf eine andere Art und Weise am Geist geschunden waren. Für einen kurzen Moment spielte der junge Engel mit dem Gedanken ihn einfach von diesen Trotz zu befreien. In seinem Zustand wäre es keine Kunst seine Aura so zu lenken, dass seine Gefühle in eine andere Richtung wanderten, die Bewegung der Aura einfach nur ein wenig zu verschieben und schon hätte sie das Problem unter Kontrolle. Allerdings empfand es Zuriniel nicht unbedingt als fair seinen Zustand auszunutzen um es sich selbst einfacher zu machen. Sie würde einfach auf Gott hören und Michael würde sich um dieses kleine Problem kümmern. Sie konnte wirklich nur hoffen, dass er es später anerkennen konnte und sie somit eine Vertrauensbasis hatten, dass sie seine Aura und seine Gefühle nicht manipulierte um für sich einen Vorteil daraus zu schlagen.

      Es dauerte nicht unbedingt lange, da war Michael dann auch schon eingetroffen, und kümmerte sich um diese kleine Angelegenheit. Er kannte seinen Bruder wohl noch immer gut genug, denn es brauchte nur wenige Worte um Scham, oder Demut in den Gefallenen hervorzurufen, was wiederrum Michael zu amüsieren schien. Zuriniel war es immer schwer gefallen Michael zu lesen, weswegen es sie in diesem Moment ein wenig mit stolz erfüllte.
      Auf Lucifers Anweisung verlies sie dann mit ihren Vorgesetzten den Raum und wartete geduldig auf ihren Gast. Konnte man Lucifer denn als Gast betrachten? Die ganze Situation war schwierig einzuschätzen, und sie wollte sich noch nicht einmal falsche Gedanken erlauben. Falsche Gedanken konnten sich schnell in falsche Handlungen manifestieren, falsche Gedanken waren der erste Weg in ein Leben das nicht für sie gedacht sein sollte.
      Es dauerte nicht lange, da kam Lucifer auch schon aus den Gemächern hervorgetreten, und Zuriniel musste ein wenig lächeln. Er schien wie für diese Klamotten gemacht. Er wirkte wie ein Puzzlestück das hier gefehlt hatte, auch wenn sie es vielleicht nie bemerkt hatte.
      Da Michael und Lucifer sicherlich wieder angefangen hätten zu streiten, oder sie weiterhin nicht beachtet hätten, räusperte sich der junge Engel dann.
      "Wir sollten keine Zeit verschwenden, der Allmächtige wartet bereits auf uns", meinte sie dann höflich.
      Michael blickte Zuriniel jetzt an, und es schien das erste Mal zu sein, seitdem er das Zimmer betreten hatte, dass er überhaupt auf sie achtete. Leicht zuckte sie dann nur mit den Schultern, sie hatte keine Lust darauf Zeuge eines Streites zu werden, den sie nicht schlichten konnte. Sie hatte heute schon sehr viele Mühen auf sich genommen, das war ein Thema für einen anderen Tag.
      Auf ein Nicken von Micheal ging dieser dann vor, und erwartete wohl das Lucifer und Zuriniel ihm folgten. Das würde Zuriniel auch tun, doch sie überlegte sich ob sie sich beeilen sollte und neben Michael gehen, warten sollte um hinter Lucifer zu gehen oder...
      Was überlegte sie überhaupt? Sie wollte ihm nicht das Gefühl geben eingekesselt zu sein, oder dass sie sich für etwas besseres hielt. Sie würde einfach mit den nötigen Abstand neben ihm laufen! Zuriniel würde alles geben für eine einigermaßen gute Basis, immerhin wollte sie ihre Aufgabe so gut erfüllen wie es ihr möglich war, und wenn sie Lucifer helfen wollte, musste zumindest etwas... Vertrauen, und Respekt da sein sonst würde das alles niemals funktionieren können.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Lucifer

      Zu seiner Überraschung trat der Engel- er kannte ihren Namen immer noch nicht, jedoch war es ihm auch egal- zwischen den bereits keimenden Streit der Brüder. Offenbar schien sie die Situation lesen zu können, dass Michael und er nicht gerade die friedlichsten Zeitgenossen waren, wenn sie sich gegenüberstanden. Beide verzogen nur das Gesicht und wandten sich voneinander ab, im stillen Einverständnis, fürs Erste die Streitigkeiten und den Zorn beiseite zu legen. Es brachte Lucifer auch nichts, sich jetzt mit dem Erzengel zu zanken. In seiner momentanen Verfassung hatte er eh keine Chance gegen den Blonden. Dafür würde er alles zehnfach zurückbekommen, wenn er endlich seine Kräfte wiedererlangen konnte!
      Mit den beiden Engeln im Geleit, obwohl Lucifer den Weg wohl im Schlaf finden würde, liefen sie durch die strahlenden Korridoren. Der kristallene Palast war das Herzstück des Himmels, die darunterliegende, magische Landschaft war jedoch noch atemberaubender. Zu seiner Zeit hatte er sich des Öfteren aus dem Palast geschlichen, nur um die herrliche Natur und fremdartigen Wesen zu genießen. Schnell schlug der Teufel diese Gedanken nieder. Der Himmel war nicht länger sein Heim und genau genommen war alles hier für ihn schmerzhaft vertraut. Jeder Flur, jeder Raum...einfach alles. Und dabei hatte er gehofft, dass er es vergessen hätte in den vielen Jahrtausenden der Finsternis. Lautlos, damit weder Michael noch der andere Engel es bemerkten, seufzte er und sah kurz zu den hohen Fenstern hinaus. Der Himmel mitsamt seiner hell strahlenden Sonne und dem tiefsten Blau, was man sich vorstellen konnte, begrüßte ihn förmlich. Bitter presste er die Lippen zusammen. Es war lange her, dass er Sonne auf seiner Haut gespürt hatte, welche so hell war, dass sie frisch gefallenem Schnee gleichen konnte. Gott hatte ihm sein Leben hier genommen... Aber er hatte sich aus der Asche erhoben und neu begonnen, ein eigenes Reich geschaffen, welches schön wie grausam zugleich war. Melancholie fraß sich in sein dunkles Herz und abermals wurde ihm bewusst, warum er den Himmel samt Bewohner verabscheute.
      Ihre Schritte hallten auf den leeren Gängen wieder und Lucifer kannte den eingeschlagenen Weg. Der Thronsaal Gottes... Das Herzstück des Palastes und Zentrum der gesamten Macht. Je näher sie ihrem Ziel kamen desto zögernder wurde Lucifer in seinem Schritt. Regelrecht verunsichert starrte er auf die riesige, zweiflügelige Tür, die sich vor ihnen erhob. Hatte sich ihm vorher nur der Magen umgedreht, so wurde ihm jetzt schlecht. Sehr schlecht und er musste leicht schlucken, als er eine eindeutige Präsenz hinter den Türen wahrnahm.
      Michael vor ihm drehte sich zu ihm um. Einen Moment meinte der Teufel so etwas wie Mitleid in seinen Augen zu sehen, doch der Engel hatte sich schnell geräuspert.
      "Vater erwartet dich..." Ach... Lucifer wusste das nur zu gut selbst. Wenn möglich wurde seine blasse Haut noch fahler als er mit unruhig schlagendem Herzen auf die edle Verzierung des Tores blickte. Er war versucht umzudrehen, sich eine Ausrede einfallen zu lassen, nur um von hier wegzukommen. Doch das verbot ihm leider sein Stolz, er würde sich lächerlich machen und ewig konnte er nicht vor Gott davonlaufen. Die Hände zu Fäusten geballt, dass keiner der Anwesenden sein Zittern bemerkte, trat er einen kleinen Schritt näher an die Tür heran. Plötzlich öffnete sich diese wie von Geisterhand und etwas erschrocken machte er sofort wieder einen Schritt zurück. Gott hatte ihn bemerkt und forderte ihn zum Eintritt auf. Kurz seine rotgoldenen Miasmen schließend versuchte sich der Dunkle zu beruhigen und nahm schließlich seine Kraft zusammen, um einzutreten. Keiner seiner beiden Begleiter folgten ihm und kaum war er eingetreten, schlossen sich die Tore wieder. Er war gefangen... in diesem Atemberaubenden Thronsaal Gottes.

      Wenn der Palast schon hell und ehrerbietend wirken mochte, so verblasste der Kristall im Gegensatz zu diesem Monument. Gleißendes Licht wurde von den kristallenen Wänden gebrochen, in welchen man die unberührte Natur der Erde sehen konnte. Jene Illusion ließ den gesamten Saal lebendig wirken, selbst die Gesänge exotischer Vögel war zu vernehmen. Ebenso der Geruch des Waldes, gemischt mit der salzigen Luft der Meere. In der Mitte des Saals ragte sich ein kristallenes Gebilde in die Höhe, welches sich zu einem gewaltigen thron formte, welcher den Kreislauf des Lebens nachstellte. Jene Gebilde zeigten die Entstehung des Lebens bis hin zu dem knöchernen Tod in einem Konstrukt wahrer Kunst und Schönheit. Gott saß wie zu erwartend auf jenem Kunstwerk und mit einem schmalen Lächeln blickte er auf Lucifer hinab. Dieser fühlte sich schrecklich nichtig und klein neben seinen Vater, jetzt noch schlimmer als zuvor.
      "Lange nicht gesehen, Samael.", begrüßte er ihn und Lucifer zuckte merklich zusammen. Gottes Stimme war so sanft wie der Flügelschlag eines Schmetterlings und doch so kraftvoll wie die tosenden Wellen der Meere. Er hatte sie so lange nicht vernommen, dass es ihn beinahe überwältigte. Doch schnell fing er sich und straffte seine Gestalt.
      "Du weißt, dass ich diesen Namen hasse.", entgegnete er nur kalt und erntete ein belustigtes Lächeln des Älteren.
      "Ich habe gehört was geschehen ist. Michael hat dich auf meinen Befehl hergebracht, also hege keinen Groll gegen ihn.", begann sein Schöpfer im unbeirrten Tonfall, welcher Lucifer nur schnauben ließ.
      "Sicher, und großzügig wie du bist hast du mich hier gefangen genommen, nicht wahr?" Seine dunkle Stimmte triefte vor Wut und Sarkasmus zugleich. Gott seufzte nur über die Sturheit seines ältesten Sohnes.
      "Wäre es dir lieber in der Hölle zu sterben? Bedenke, dass auch du Teil des Gleichgewichtes bist und ich es nicht erlauben kann, dass du dein Leben vor falschem Stolz lässt!" Letzteres erklang lauter, beinahe einem Donnergrollen gleich und Lucifer schluckte die unhöfliche Bemerkung unwillkürlich hinunter.
      "Tze... Dann gib mir meine Macht zurück und die Sache ist erledigt.", murrte er widerwillig und versuchte, möglichst unbeeindruckt von seines Vaters Ausstrahlung zu sein. Das war jedoch so gut wie unmöglich, noch immer besaß Gott die erhabene Gestalt, welche Lucifer einst so geliebt hatte. Der Himmelsherrscher verließ seinen Thron und trat auf seinen Sohn zu, diesmal war sein gesicht beschattet von Sorge.
      "Das...steht leider nicht in meiner Macht. Ich weiß nicht, was Astaroth für eine Macht benutzt hat um dich so hinzurichten, aber ich kann dich nicht mit einem Fingerschnippen wieder herrichten. Du...musst daran arbeiten, sie wieder zu erlangen. Dein Wissen, deine Magie... Und das kannst du nur hier, woanders würden sie dich finden. Mir gefällt die Situation ebenso wenig wie dir, aber wir haben keine Wahl." Wie ein eisiger Regen prasselten diese Worte auf ihn nieder und verdammten Lucifer. Sagen konnte er daraufhin nichts, zu sehr wirbelten gemischte Gefühle in ihm empor. Gott schien seine Aufruhr zu spüren und trat etwas zurück.
      "Nutze die Chance um wieder zu stark zu werden. Die Archive und Trainingsplätze stehen dir zur Verfügung..." Das waren seine letzten Worte, als sich das Mächte Wesen abwandte und Lucifer beinahe fluchtartig den Raum verließ. Draußen warteten die anderen zwei auf ihn, doch er mied ihre Blicke gekonnt. Das...war ein absoluter Albtraum!

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Auch wenn Zuriniel es versuchte, und oft sehr gut hinbekam, war es ihr dieses mal nicht möglich gewesen, einfach zu ignorieren was in den Auranebel neben ihr alles passierte. Bei all den verschiedenen düsteren Farben, war es ihr auch sicherlich nicht mehr möglich gewesen, dies alles ohne ihre Kräfte zu deuten, weswegen sie sich eigentlich sehr sicher war dass ihre Augen nun wieder aussahen wie zwei leere weiße Flecken. Zuriniel bekam es oft nicht mit wenn das passierte, manchmal passierte es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, Michael fiel es vermutlich nicht mehr auf, aber einige andere Engel schienen immer wieder verwirrt darüber zu sein, da sie sich nicht sicher waren was sie gerade beobachtet hatten.
      Nun sie konnte nichts daran ändern, auch in diesem Moment nicht und es störte sie auch sichtlich wenig. Lucifer schenkte ihr ohnehin nicht viel Aufmerksamkeit und es war besser, wenn sie seine Gefühle kannte die ihn hier umgaben. Und das was sie erkannte überraschte Zuriniel wirklich sehr. Sie hatte nicht damit gerechnet, und so begann sie sich ein wenig schuldig zu fühlen, dass sie sich das doch näher angesehen hatte.
      Von dem Moment an versuchte sie sich mehr auf den Weg zu konzentrieren, aber es war mehr als nur schwer, und es war auch wirklich schwer vor der Türe zu warten. Irgendwie war sie neugierig was Gott zu sagen hatte, auch wenn sie sich ihren Teil gut denken konnte. Sicher sein konnte sie jedoch nicht, doch damit würde sie gut leben können. Sie würde damit leben müssen.
      Während des wartens vermied sie es in Michaels Richtung zu blicken, er sollte sich nicht unfühlen, indem er wusste das sie ihre Fähigkeiten noch immer mehr als nur bewusst aufrecht erhielt und benutzte. Etwas verunsichert begann Zuriniel mit dem Tuch zu spielen, das um ihr linkes Handgelenk gebunden war. Das weiche Gefühle unter ihren Fingern beruhigte sie immer ein wenig, und den grauen Stoff zu erblicken half ihr auch immer, sich daran zu erinnern was ihr Ziel war.
      Dieses Tuch hatte sie von Gott geschenkt bekommen, und es war der Stoff mit dem sie ihre Augen immer verband, und dennoch sehen konnte. Das Tuch das ihr half für die Zeit in der sie es trug, zu verhindern dass sie all die anderen Auren um sich herum wahrnahm. Ihre eigne konnte sie selbst niemals ausblenden, dafür spürte sie diese immer. Manchmal riss sie, zwickte, schlug, in anderen streichelte sie sanft, tröstete und hielt sie. Vielleicht fiel es ihr deswegen so einfach mit ihren Gefühlen und denen der anderen umzugehen, weil sie gar keine Chance hatte ihre eigene zu übersehen, selbst wenn sie manchmal etwas überschattet werden konnten.

      Es fühlte sich an als würden die Tore zum himmlischen Thronsaal viel zu schnell geöffnet werden, und umso schneller kam auch Lucifer wieder heraus. Ein kurzer Blick auf sein Gesicht genugte ihr - abgesehen von seiner aufgebrachten Aura- um festzustellen das er irgendwie gehetzt wirkte. Zuriniel musste ihn dafür nicht einmal in die Augen schauen. Sie hätte ihm auch nicht ins Gesicht blicken müssen, es ergab sich einfach so.
      Gott hatte es so vorrausgesagt, trotzdem war es noch einmal etwas anderes ihn so zu sehen. Es machte es um eine ganze Spur echter.
      "Ich geleite dich gerne wieder zu deinen Gemächern, wenn du noch etwas Ruhe benötigst. Oder möchtest du lieber an einen anderen Ort?", sie konnte sich dabei nicht zurück halten und ein kleines Lächeln zierte ihre Lippen.
      Zuriniel war sehr bestimmt, das nicht sie und Michael weiterhin um ihn herum schwirren mussten. Einen Streit der beiden könnte das alles noch zerbrechlicher machen, und das konnten sich alle sparen. Michael war bestimmt beschäftigter, und alle zusammen hatten heute genug erlebt.
      Sie ging dann schon einige Schritte, weg vom Thronsaal, um den Hotspot entfernter zu sein. Sie sah dann noch einmal über die Schulter um Michael zu zu nicken, als abschied und das sie sich darum kümmern würde. Sie konnte sich immerhin auch noch dann an ihn wenden wenn es wirklich große Porbleme geben sollte, aber bis dahin musste sie versuchen ihre Aufgabe zu erfüllen, und Lucifer helfen zu genesen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Erzähler

      Gott seufzte tief, als sich die Tore hinter seinem flüchtenden Sohn schlossen. Er wusste nur zu gut um den Groll, den sein Ältester gegen ihn hegte und es verbitterte das allmächtige Wesen, so sehr von seinem Kind gehasst zu werden. Nicht nur das, Lucifer schien ihn geradezu zu fürchten, als würde er vor erneuten Strafen zittern. Strafen, welche Gott seinem Sohn niemals antun würde. Er fand, dass Samael lange genug gelitten hatte und es Zeit wurde, dieses Beil zu begraben. Er erfüllte seine Rolle inmitten der Verzweiflung und Finsternis mehr als gewissenhaft und trotz seiner zynischen und arroganten Ader war er pflichtbewusst. Und nun war das Gleichgewicht durcheinander, selbst jetzt konnte Gott spüren, wie die Fügung aus den Angeln gerissen wurde, in jenem Moment den Lucifer seiner Kräfte beraubt wurde. Astaroth mochte momentan seine neue Macht feiern und triumphieren, doch konnte dieser Narr von einem Dämon diese Kraft nie kontrollieren. Er war nicht wie Lucifer, er hatte nicht die körperliche Stärke, diesen ganzen Eindrücken und Fähigkeiten gerecht zu werden. Gott schloss seine schillernden Augen. Er hatte in einer Vorahnung diesen Tag kommen sehen und wusste, welche fatalen Folgen kommen würden. Schneller, als ihnen lieb war. Ein Grund, weshalb er Lucifer hier behielt. Er musste dem gefallenen helfen, seine Macht zurückzuerlangen oder zumindest ein gewisses Maß an Fähigkeiten, Astaroth zu bezwingen. Und das musste er durch hartes Training und Lernen, etwas, was dem ehemaligen Morgenstern wohl fremd wäre. Gott hatte ihn immerhin mächtig und in allen erdenklichen Maßen perfekt geschaffen, dass der Engel nie auch nur einen Finger rühren musste, um sich neue Talente anzueignen. Sie waren einfach da und flossen ihm förmlich zu. Nun musste sein stolzer Sohn wohl oder übel in den Geschmack kommen, wie es war, wenn man einfach und nicht allmächtig geboren wurde. Ein Umstand, welcher das mächtige Wesen lächeln ließ. Es wäre gut für das überschätzte Ego des Teufels, etwas Demut zu erfahren und - sofern Zuriniel erfolgreich wäre, auch Vergebung zu lernen. Fürs Erste musste die Genesung des Dunklen schnell voranschreiten, wenn er sich erst einmal von dem Schock ihres Aufeinandertreffens erholt hatte. Auch jetzt noch spürte der Himmelsherrscher die aufgebrachte Aura des Dämons, welcher sich zügig von seinem Heiligtum entfernte.
      "Behalte ihn im Auge... Aber unauffällig, gebe ihm den nötigen Raum zum atmen!", schickte er seine Gedanken zu Michael, welcher zweifellos seinen Bruder folgen würde, wenn er diesen Befehl nicht erhalten hätte. Er spürte nur die Bestätigung seines Befehls im Erzengel und schließlich fanden die regenbogenfarbenen Augen wieder hinter den hellen Lidern hervor. Nun hieß es für ihn abwarten und die geschehen im Auge zu behalten. Direkt eingreifen würde er kein zweites Mal, nun lag es an Lucifer selbst, seinen Weg zu wählen welchen er beschreiten würde. Nicht einmal für ihn, welcher Zugang zu allmöglichen Zeitsträngen besaß, hatte eine Ahnung wie es ausgehen würde. Dafür war Lucifer zu unbeständig, als dass er etwas genaues voraussagen konnte. Und doch hoffte Gott auf seine Vernunft.

      Lucifer

      Lucifer mied den Blick beider Engel und reagierte auch nicht auf die Worte des Engelsweibs. Sein einziger Gedanke war, so schnell wie möglich hier wegzukommen. Er wollte nicht länger in der Nähe Gottes verweilen, umso mickriger und schwächer kam sich Lucifer vor. Und das war nun mal ein Gefühl, welches er abgrundtief verabscheute. Er stand schon immer im Schatten des Himmelsherrschers, doch noch nie war ihm das so drastisch bewusst wie jetzt. Deswegen nahm er erstaunlich kooperativ des Engels Vorschlag an, ihn zurückzugeleiten. Jedoch nicht in diesen Raum, er wollte raus aus diesem Palast... Weg von den vergifteten Mauern des Heiligtums. Kaum, dass Michaels Präsenz mit einer knappen Warnung, er solle keine Dummheiten anstellen, verschwand fiel dem Teufel das Atmen um einiges leichter. Er meinte sogar, das etwas seiner Anspannung verschwand. Eine Weile lief er schweigend neben der Engelsfrau her und warf einen kurzen Blick zu ihr herüber. Wenigstens war sie hübsch anzusehen- wobei das wohl auf jeden Engel zutreffen würde. Erstaunlicherweise waren ihre Haare dunkel, von einem ebenholzfarbenen Ton und ihre Augen im stürmischen Grau. Normalerweise hatte Gott eine Vorliebe für hellhaarige Engel, deren Augen das Blau des Himmels spiegelten. Michael war ein Paradebeispiel dafür. Weshalb sein Vater ihn selbst damals gänzlich nach anderen Maßen erschuf, und ihm mitternachtsschwarzes Haar und rotgoldene Augen schenkte, wusste Lucifer bis heute noch nicht. Den Gedanken verwerfend glitt sein Blick weiter über die Wände und jenen riesigen Fenstern, welche den Blick auf das darunterliegende preisgaben. Gleich einem Labyrinth erstreckten sich unzählige Gänge zum Herzen des Himmels, von vielen verschiedenen Gebäudeteilen des Palastes. Normalerweise legte ein Engel diese Distanz nicht zu Fuß hin und flog einfach durch die Lüfte, ehe er durch die glaslosen Fenster in entsprechenden Korridor zu seinem Ziel landete. Gemächer, Kammern der Arbeit und weite Trainingsplätze lagen in der Tiefe am Fuße des mächtigen Konstruktes. Hier und dort schienen sich klare Wasserfälle aus den Nischen der Türme zu ergießen und landeten als feiner Nebel irgendwo im Untergrund. In der Ferne, beschienen und dadurch erstrahlend von der Sonne, lag die Kuppel das Archives. Einem Ort, der Lucifer beinahe ein wehmütiges Gefühl entlockte. Das Wissen dort drinnen war endlos, so viele Schriften und Bücher über alles. Und er meinte wirklich alles. Vielleicht konnte es nicht schaden, dort mal wieder vorbeizusehen... Seine Augen glitten nun auf die Ostseite, den Fensterbögen zu seiner Rechten und kurz zog sich sein Inneres zusammen. Am östlichen Teil des kristallenen Ungetüms erstreckte sich ein Turm in die Höhe. Einst war dieser Ort im strahlenden Gold gekleidet und ein edler Anblick, nun erkannte Lucifer nichts als eine dunkle Ruine. Es war sein altes Gemach, sein Turm, in welchem er seine freie Zeit verbracht hatte. Kurz wurden seine Schritte langsamer und verleiteten ihn tatsächlich zum stehen bleiben. Eigentlich hatte er gedacht, Gott hätte diesen Schandfleck niedergerissen, nachdem er den Himmel verlassen hatte. Aber erschreckenderweise schien dem nicht so und er stand noch immer, nur noch kläglich von der Sonne beschienen. Zu spät spürte er den Blick der Engelsfrau und fasste sich wieder.
      "Bring mich in das Gelände außerhalb des Palastes.", lenkte er schnell ab und ließ seine Stimme in gewohnter Manier gebieterisch klingen.
      "Ich will nicht den ganzen Tag in diesen grässlichen Mauern verbringen...", murmelte er mehr zu sich selbst als zu ihr. Schließlich fassten seine sonderbaren Miasmen sie wieder genauer ins Auge. "Und nenn mir deinen Namen, Weib. Gutes Benehmen scheint euch Engeln ja immer noch fremd. Ich habe dich bislang nicht gesehen, du bist wahrscheinlich ein Frischling, nicht?" Letzteres provozierte er mit dunklem Grinsen. Ein naiver, wohl sehr junger Engel wurde mit ihm alleine gelassen. Nicht der weiseste Schritt, dachte er sich. Aber tatsächlich konnte er sich an keinen Engel mit ihrem Äußeren erinnern und Lucifer kannte viele Engel auf die...ein oder andere Art und Weise. Er war gespannt zu welcher sie gehören würde.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Es war nicht unbedingt erstaunlich, dass Lucifer dem Vorschlag so schnell zustimmte, auch wenn es ohne Worte geschah. Jeder Narr hätte ihn ansehen können, dass er hier weg wollte. Vielleicht war Zuriniel auch ein wenig zu überzeugt davon, dass sie nicht merkte wie sehr es ihr eigentlich half Auren erkennen zu können.
      Eine Weile lief sie einfach nur still neben ihm her, um ihn seine Rühe zu gönnen, und wenn er etwas wollte würde er von sich aus kommen. Er würde somit, nun ob gewollt oder nicht einen Schritt auf sie zumachen müssen und sie würde ihm nicht unbedingt irgendetwas aufzwingen. Das schien ihr fürs erste der bessere Weg zu sein.
      Als Lucifer dann stehen blieb, blickte Zuriniel automatisch in die selbe Richtung. Sie kannte diesen Ort, sie hatte Geschichten gehört und darüber gelesen. Dort hatte er einst gelebt, vermutlich waren es einige schöne Erinnerungen, und vermutlich schmerzten sie umso mehr, vor allem jetzt in diesem Moment.
      Der junge Engel konnte gar nicht an sich halten, und ihn mit ihren weißen Augen anzusehen. Die Schwarze Aura zu betrachten, die immer mal wieder kleine Farbklekse sehen lies. Bisher hatte sie nur all die negativen Gefühle entdeckt, doch egal was sie sah und was für eine Macht ihn trotz seines Verlustes umspiegelte, konnte sie sich nicht vorstellen das dies alles war. Zuriniel konnte einfach nicht daran glauben, das nur all diese negatvität und all dieser Schmerz in diesen gefallenen Engel ruhte. Allein die Vorstellung machte die Engelsfrau etwas traurig, das war bei weiten kein schönes Leben.
      Sie zuckte dann etwas zusammen als er wieder begann zu sprechen. Es passte im Moment nicht in ihre Gedanken, doch sie nickte dann leicht.
      "Gerne", meinte sie dann lächelnd. Sie hatte kein Problem ihn hinaus zu bringen. Und da sie wusste dass seine Flügel verletzt waren, würden sie ohnehin laufen müssen, weswegen sie auch wieder langsam los ging. Sie ging auch langsam, dass sie zur Not, falls es ihn nicht gut genug ging, ihm eine Ausrede geben konnte sich nicht zu sehr zu beeilen.
      Als Lucifer dann meinte, dass die Engel keine manieren hatten, musste sie ein wenig lachen. Dem konnte schon so sein, sie hatte in den ersten Momenten nicht daran gedacht sich vorzustellen, immerhin kannten hier alle ihren Namen. Es war eher schwer sich diese unendlich vielen Namen zu merken, unter all den anderen Dingen die sie lernen musste. Und dann... nun, warum sollte sie sich mit Dingen aufhalten, die ihn bis dahin nicht interessierten? "Mein Name ist Zuriniel. Ich wollte dich nicht mit Dingen konfrontieren die dich nicht interessieren, also bitte ich um Verzeihung für diese Unhöflichkeit."
      Sie sah zu ihm, und erkannte das Grinsen in seinem Gesicht, vermutlich meinte er nur das sie die neueste Schöpfung des Herren war, das es keine schlaue Sache war, dass sie hier mit ihm war. Dabei wusste er noch nicht einmal warum ausgerechnet sie hier war. "Ich bin Gottes neueste Schöpfung, ich denke es ist passend mich als Frischling zu bezeichnen. Überraschend das dir keiner davon erzählt hat", meinte sie dann leichthin, und langsam kamen die beiden bei einer langen Treppe an, die hinunter und danach auch weiter hinausführte. Aber es war sicherlich nicht verwunderlich, dass er sie noch nie gesehen hatte. Noch war Zuriniel nicht bei den Treffen der Welten dabei, und auch viele andere Engel hatten noch nicht die Ehre sie wirklich kennen zu lernen. Es gab eine gewisse Gruppe der es erlaubt war, vielleicht sollte ihr Existenz erst dann allen bekannt gemacht werden, sobald sie bereit war ein Erzengel zu sein.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Lucifer

      Zuriniel... Kurz ließ der Schwarzhaarige den Namen auf sich wirken und suchte in seinen Erinnerungen nach einem Anhaltspunkt, diesen Namen schon einmal gehört zu haben. Vergebens, wie sie selbst bestätigte, war sie die jüngste Schöpfung Gottes. Ihr kleiner Seitenhieb, dass ihn niemand davon in Kenntnis gesetzt hatte, bekundete er nur mit einem spöttischen Heben seiner Brauen.
      "Glaubst du ich werde über jeden belanglosen Engel informiert, den der alte Narr meint, schaffen zu müssen? Nein... mich interessiert nur, wie tugendhaft ihr wirklich seid, jeder Engel trägt bereits eine Sünde in seinem Herzen." Mit wissendem Lächeln bemerkte er ihren deutlich verwirrten Blick. Allerdings log er nicht, er war generell jemand, der sich auf die schmerzhafte Wahrheit verließ. Sie schien wissen zu wollen, wie er dies meinte und kurz hüllte sich der Dämon in Schweigen um ihre Neugierde zu locken. Als sie ihm widersprechen wollte schüttelte er nur den Kopf und gebot ihr mit einer Hand zu schweigen.
      "Ich lüge nicht diesbezüglich. Nehme dir Michael als Beispiel, seine Sünde ist Zorn. Uriels ist Gier nach Wissen und Weisheit, Raphael ist fixiert auf seine Schönheit.", begann er aufzuzählen. Tatsächlich waren die Erzengel nicht frei von Makel, wie man sie immer gerne darstellte. In Momenten der Unachtsamkeit konnte man hinter die hellen Fassaden sehen. Und nebenbei gesagt hatte Lucifer mittlerweile ein Gespür für die Sünden anderer entwickelt.
      "Der Himmel ist nicht so unbefleckt, wie du glaubst Kleine.", grinste er wieder. Es gefiel ihm, Zweifel in andere Herzen zu säen und zuzusehen wie diese wuchsen. Zweifel konnten ganze Königreiche vernichten...oder Engel dazu bringen, seinem Pfad zu folgen.
      "Ich könnte dir auch über Gott diverse Sünden erzählen, die in diesem Mistkerl leben. Aber diese aufzuzählen würde zu lange dauern!", lachte er bitter auf. Die Kleine war noch zu naiv um dies zu verstehen oder schlicht zu jung. Lucifer hingegen hatte Jahre damit verbracht, auch die Erzengel zu beobachten. In seiner Himmelszeit war es ihm nie aufgefallen, doch als Dämon sah er die Dinge etwas klarer und ohne Verschönerung. Uriel beispielsweise hatte die Bibliothek von Alexandria selbst in Feuer aufgehen lassen, da er nicht wollte, dass Menschen auch nur ein Buch aus dieser lesen konnten. Michaels Hass und Zorn ihm selbst gegenüber dürften für sich sprechen. Und Raphael war es nicht wert, auch nur einen Gedanken an ihn zu verschwenden.
      "Bleibt nur noch die Frage, was deine Sünde ist, Zuriniel.", raunte er verheißungsvoll und sah dank seiner deutlich größeren Statur auf sie hinab.
      "Für welche Tugenden bist du bekannt? Oder stecke ich hier mit einem niederen Engelsweib fest?", fuhr er seine Fragerei fort. Er wollte wissen von welchem Schlag diese Frau war. Ob sie irgendwann ihre schrecklich langweilige und neutrale Haltung aufgab. Eine Puppe wollte er nicht in nächster Zeit an seiner Seite, wenn er mit dieser Situation ohnehin schon unzufrieden war. Es musste etwas geben was sie dazu brachte, diese beigebrachte Kontrolle aufzugeben und genau das würde Lucifer finden. Eine Art Zeitvertreib konnte man sagen, wenn man bedachte, dass es hier oben im elysischen Reich schrecklich langweilig und unaufregend war. Zudem wollte er erahnen können, welche Fähigkeiten sie besaß. Er hatte wenig Lust sie am eigenen Leib zu erfahren, wenn sie ihn schon so entschieden begleitete. Und der Weg zum Diamanttor war lang, sie hatten also alle Zeit der Welt.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Über jeden belanglosen Engel. Seinen Hochmut zu spüren war nicht schwierig, wenn er ihn so offensichtlich mit sich herum trug. Natürlich konnte er nicht erahnen, dass sie irgendwann in naher Zukunft auch ein Erzengel sein würde, und egal wie man dies betrachtet, trug das Erz vor dem Engel nicht dazu bei, sie als belanglos zu betiteln. Einmal abgesehen davon, das jeder Engel seinen nutzen erfüllte und von belang war. Jeder trug zu dem Leben bei, so wie sie es kannte, wie viele kleine Zahnräder in einer riesigen Uhr.
      Jeder besaß eine Sünde. Nun gut, eine war vermutlich übertrieben, Zuriniel kannte alle Sünden, noch war sie vielleicht nicht bereit jede Sünde in jedem zu erkennen, aber eine Sünde machte für sie keinen großen Unterschied. Sie war nicht hier um Leute zu verurteilen, und am wenigsten würde sie Gott verurteilen, denn keiner konnte erahnen welche Last der Allvater zu tragen hatte. Jeder dieser Individuen hatte sein eigenes Leben, das bestimmt viel komplizierter war als dies von Zuriniel. Zuriniels Leben war bisher sehr schlicht und einfach und durch Ehrgeiz getrieben ihre Pflicht zu erfüllen. Allerings wusste sie, dass ihr komplizierter Part noch auf sie wartete, so wie auf jedes Wesen das Gott geschaffen hatte.
      Gerne hätte sie ihm gesagt, dass die Sünden nicht ihr Problem waren, und das sie wissen wollte was er eigentlich damit erreichen wollte - ja sie war Jung, und sie war voller Vergebung und guten Intentionen, aber das bedeutete noch lange nicht das sie nicht lange genug Lebte um zu wissen, das Gott keinen von ihnen Fehlerfrei erschaffen hatte- doch er hob nur seine Hand um sie in Geheimnisse einzuweihen. Gut, sie hatte die anderen Erzengel nie nach ihren Sünden betrachtet, es war auch zu schwer um es eindeutig erkennen zu können... Es war also neu für sie, jedoch nicht erschütternd.
      Trotzdem arbeitete es etwas in ihren Kopf, doch dann fragte er sie nach ihren Sünden, und sie betrachtete ihn erneut aus weißen Augen. Er versuchte sie zu manipulieren, das erkannte sie genau. Sie konnte die Strömungen in seiner Aura erkennen, aber so einfach ging es nicht. Nicht mit Sünden, nicht mit Streiterein. Wieder legte sich ein Lächeln auf ihre Lippen.
      "Wäre es denn so schlimm, wenn ich ein Engel von niederen Rang wäre?", fragte sie freundlich nach, und betrachtete weiterhin seine Aura, die wohl eine Abneigung aufbauten. Er wollte nicht mit einen niederen Engel beisammen sein, gut.
      "Aber nein, mach dir keine Sorgen darum. Mein Rang ist hoch genug, ich bin der Engel der Vergebung und der Nächstenliebe."
      Mit Sünden konnte er sie nicht manipulieren, mit Sünden würde sie auf die anderen Engeln nicht herabsehen. Wie sollte sie auch?
      "Hast du noch mehr Fragen, um herauszufinden welche Sünde in mir ruht?", fragte sie dann nach als sie sich wieder abwandte, um den Weg ordentlich fortzuführen. Es war sicherlich interessant herauszufinden was er von ihr denken würde, heraus zu finden wovon er dachte das es ihre Sünde war. Denn selbst wenn Zuriniel sich ihrer Fehler nicht bewusst wäre, wäre genau dies der erste Weg zu Vergebung. Zu wissen was sie falsch machte.
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    • Lucifer

      Lucifer begann laut zu lachen. Na herrlich, er steckte hier mit einem Engel der Vergebung und der Nächstenliebe fest. Das setzte dem ganzen Ereignis, selbst dem des verfluchten Verlustes, auch noch die Krone auf. Das war zu viel... Ungeniert lachte er teils amüsiert und teils aber auch unglaublich frustriert auf, eine Hand an die Stirn dabei legend. Das war einfach nur zu viel. Das sollte Gottes Plan sein? Er hetzt ihm eine Hündin seinerseits auf den Hals, die noch an Vergebung und Liebe dachte? Das sollte doch der wohl schlechteste Witz seit Jahrhunderten sein?!
      "Dein Ernst?", fragte er als er sich endlich wieder beruhigt hatte, noch immer das Lachen auf seinen edlen Zügen.
      "Vergebung? Nächstenliebe? Kleine, das sind keine Tugenden, das sind Wunschvorstellungen! Der alte Mann auf dem thron selbst kann nicht einmal vergeben, warum solltest du es dann irgendeinem Menschen beibringen. Sie sind gierige, niedere Wesen. Welche nicht einmal in der Lage sind, sich selbst zu lieben. Deine Rolle ist so amüsant, dass es schon beinahe traurig ist, dass ein hübscher Engel dafür verschwendet wird." Er schüttelte nur den Kopf darüber und führte den Weg fort. Beinahe tat diese Frau ihm leid.
      "Und was ist mit deinem Namen? Einen größeren Zungenbrecher hatte sich Gott nicht einfallen lassen können? Ich habe ja wirklich fast Mitleid mit dir, Engel.", grinste der Teufel verhöhnend und versuchte noch während seiner Worte auf den Grund ihres Herzens zu sehen. Allerdings konnte er nur eine verschwommene Angst erkennen, als er in ihre grauen Augen blickte, was ihn dann doch mehr verbittert zurückließ als gedacht. Na herrlich, offenbar hatten nicht nur seine körperlichen Fähigkeiten nachgelassen. Abermals versuchte er es und dennoch sah er weder ihr wahres Begehren, noch ihre größte Furcht. Er spürte Angst vor etwas, doch was es genau war konnte er nicht bestimmen. Frustriert gab er auf und wandte seinen Blick ab. Er musste zusehen, dass er das Training schnellstmöglich aufnahm, was ihn zu seiner nächsten Frage führte. Insgeheim hatte er seinen Entschluss schon getroffen, diesen Engel der Vergebung zu seinen Vorteilen zu nutzen. Sie schien ihm gegenüber neutraler eingestellt als alle anderen Engel des gesamten Himmels und hatte Verbindungen zu Michael oder seinem verhassten Vater. Etwas, was er früher oder später nutzen könnte, um sich in den feindlichen Rängen einen Vorteil zu schaffen. Er verbarg seine Gedanken jedoch gekonnt, nur für den Fall, dass sein Vater noch ein Auge auf ihn hatte, und sah sich etwas aufmerksamer um. Als er noch im Himmel wandelte kam es nie vor, dass die Gänge oder gar Lüfte in diesem Teil des Palastes wirklich leer waren. Es wunderte den Teufel, dass ihm bislang kein anderes, geflügeltes Insekt begegnet war.
      "Wie kommt es, dass hier kein Engel weit und breit zu sehen ist? Haben alle Hausarrest oder sind auf Mission?" Etwas zweifelnd blickte der Schwarzhaarige sich um. Es war tatsächlich seltsam, so leer hatte er den Himmel nicht in Erinnerung.
      "Oder habt ihr sie alle weitestgehend von hier ferngehalten, damit niemand weiß, dass ich hier bin?" Nun klang seine Stimme schärfer als beabsichtigt und ertappt wie ihm schien sah Zuriniel zu ihm auf. Das war es also...
      "Ich hatte es mir schon gedacht.", kam es ihm leise, mehr zu sich selbst als zu der Braunhaarigen, über die Lippen. "Wie soll ich Hilfe von Wesen wie euch erwarten, im Wissen, dass ich immer gefürchtet und verachtet werde?" Ungewollt bitter kam ihm diese Frage über die Lippen, doch ohne eine Antwort abzuwarten oder gar zu verlangen beschleunigte er seine Schritte ein wenig um endlich aus diesen verfluchten Mauern hinauszukommen.

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      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Sie verstand nicht warum er lachte und sie hätte es auch niemals erahnen können. Lucifers Worte trafen sie hart. Nicht deswegen, weil sie nicht selbst an Vergebung und Nächstenliebe glaubte. Nein, es war viel mehr, dass sie Angst hatte das mehr Leute dachten wie er. Dass sie so wenig an diese Dinge glaubten, das es... hoffnungslos schien. Und dann begann er auch noch über ihren Namen zu spotten. Zuriniel fand das ihr Name sehr schön war, Gott hatte ihn mit Liebe ausgesucht. Weiß und Rein.
      Hatte er nicht erst von der beflecktheit dieses Ortes erzählt? War es so verdenklich das Gott eine Lösung für diese Sache wollte. Das er eine Lösung wollte, das diese Tugenden nicht mehr nur Wunschträume waren?
      Schweigend folgte sie ihm dann, dachte mehr nach, versuchte selbst sich wieder zu ermuntern. Der Gefallene hatte viel hinter sich, er wurde verbannt... Vielleicht fiel es ihm genau deswegen so schwer an Vergebung zu glauben. Und das Obwohl er heute auch schon vergeben hatte. Er hatte seinen Fürsten vergeben, das er nichts hatte tun können. Er hatte ihm auch sicherlich verziehen das er Michael bescheid gegeben hatte. Michael und er hatten sich nicht gestritten, weil sie da war und dies war doch der erste Weg um jemanden irgendwann vergeben zu können. Einen Streit vermeiden war immer ein guter Anfang. Immerhin hätte keiner der beiden auf sie hören müssen. Michael war stärker als sie und ihr Vorgesetzter, Lucifer war der gefallene Engel, er war der gefallene Herrscher und bekannt für all diese bösen Dinge. Er war ein Herrscher und hatte sich trotzdem von ihr aufhalten lassen?
      Aber all diese kleinen Sachen wurden sehr schnell vergessen, vor allem wenn man über die Vergebung selbst nachdachte, und die Nächstenliebe die damit verbunden war.
      Etwas in Gedankenverloren begann sie an dem Tuch um ihr Hangelenk zu spielen. Vielleicht sollte sie das alles noch mehr motivieren, aber sie war jung und sie hatte ihn bisher noch nie gesehen. Sie hatte das alles nicht erwartet, und ihr wurde umso klarer wie schwer diese Aufgabe eigentlich war. Aber so schnell würde sie sicherlich nicht aufgeben. Das konnte sie nicht, sie würde Gott nicht enttäuschen. Und Michael und all die anderen die sich auf sie verließenn.
      Da sie so in Gedanken war, kam seine Frage wirklich überraschend und sie konnte ihr Schuldbewusstsein nicht einfach abschalten. Alleine durch seine Frage erkannte sie die Verbitterung dahinter. Sie erkannte wie es ihm ergehen musste. Von allen gehasst zu werden war ein schweres Schicksal aber das konnte sie ihm nicht abnehmen. Aber sie konnte zumindest ein Engel sein der ihn nicht verachtete oder fürchtete. Vielleicht konnte ihm das helfen.
      Sie folgte ihm dann, auch wenn er seinen Schritt beschleunigte, und überlegte wirklich was sie ihm sagen konnte, ohne das er dachte sie bemitleidete ihn.
      "Ich verachte dich nicht", meinte sie dann schlicht. Das tat sie nicht. Sie hatte keine Vorurteile, ja sie wusste das er einst sehr gefährlich war, aber im Moment nicht. Im Moment brauchte er hilfe. Und ja, er hatte Fehler begangen, aber das... Es hatte sein müssen, er war wichtig für das Gleichgewicht, und es war seine Aufgabe in der Hölle zu herrschen. Wie konnte sie ihn verachten für etwas das er eigentlich tun musste um ihr aller Universum aufrecht zu erhalten?
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    • Lucifer

      Der Dämon schnaubte nur bei ihrem einfachen Satz. Als ob, es gab kein Wesen in diesem Universum, welches ihn nicht hasse und fürchtete! Keines! Und sobald er seine Macht wiedererlangt hätte würde auch Zuriniel vor ihm zurückweichen. Dunkel lächelnd bleib er stehen, was das Engelsweib ihm gleichtat. Sich vor ihr aufbauend nahm er ihr Kinn zwischen seine Finger und sah spöttisch auf sie hinab.
      "Lüg mich nicht an, Engel. Es gibt kein Wesen, welches meine Wenigkeit nicht verachten würde. Dafür klebt zu viel unschuldiges Blut an meinen Händen.", raunte er mit finsterer Stimme während seine Augen sich einen Moment in der Farbe des Blutes zeigten.
      "Ich mag jetzt schwach vor dir stehen aber sobald all das hier vorbei ist wirst auch du erkennen, warum mich die Engel meiden." Damit ließ er ihre Haut wieder los und entfernte sich von ihr, um den eigentlichen Weg wieder aufzunehmen. Als wäre nichts geschehen schlenderte er auf das diamantene Tor zu, welches endlich nach draußen in die zugegeben wunderschöne Landschaft führte. Wenngleich der Dämon den Himmel verabscheute, die riesigen Wälder mitsamt der sagenhaften Kreaturen waren auch für ihn ein bezaubernder Ort. Wohl der Ort, den er fortan sehr oft aufsuchen würde, da hier Gottes erdrückende Präsenz nicht jederzeit spürbar war.
      "Außerdem hast du meine Frage nicht beantwortet, wo die anderen Engel sind.", fügte er seinen vorher gesagten Worten noch an und sah mit arroganten Grinsen zu der Dunkelhaarigen. Wenn sie ihm keine Antwort geben wollte würde er es schon selber herausfinden, er konnte sich die Antwort ohnehin denken. Gott wollte keine Unruhen in seinen Reihen und Lucifer war nun mal darauf spezialisiert, Unruhen zu stiften. Ob in Besitz seiner Mächte oder nicht, er wusste was er tun musste, um Verlangen und Zweifel in den gefiederten Mistviechern zu säen.

      Endlich durch das meterhohe Tor hinaus tretend erlaubte sich der Morgenstern einen tiefen Atemzug. Als würde eine Last von ihm abfallen schloss er einen Moment die Augen und genoss die Sonnenstrahlen auf seiner Haut. Es tat gut, weg von seinem früheren Gefängnis zu sein. Etwas anderes war der Himmel in seinen Augen nicht, der Palast war ein einziges Gefängnis. Früher schon und am heutigen tage erst Recht. Dafür fühlte er sich bei dem Anblick des eigentlichen, wahren Himmelsreiches so viel wohler. Riesige Baumwipfel erstreckten sich weit in den Himmel, höher und kräftiger als jeder irdische Baum. Pflanzen von sonderbaren, grellen Farben sprossen aus dem saftig grünen Boden, welcher nur von einem schmalen Weg aus Rosenquarz unterbrochen wurde. Jener Weg welcher von den Toren hinein in den besagte Wald führte, dessen Ende im endlosen Ozean seinen Platz fand. Der seichte Wind ließ die bizarre Landschaft, mit schwebenden, kleineren Inseln und mächtigen Bergketten zu ihrer Rechten, nur noch magischer wirken. Die Natur war jene, welche das eigentliche Paradies widerspiegelte. Jene Welt, welche Lucifer angestrebt hatte, als er rebellierte. Eine unangetastete Welt voller Leben, nicht in den Händen der zerstörerischen Sterblichen. Am tiefblauem Himmel über ihnen zeichneten sich bereits die zwei Monde ab, welche des Nachts das elysische Reich in silbernes Licht tauchten. Lucifer nahm den Anblick tief in sich auf. Er hatte ihn vermisst, wenn er ehrlich war. Eben jene Schönheit, die ihm weder Erde noch Hölle bieten konnte. Und verflucht, er würde seine Zeit hier so oft wie möglich verbringen. Eventuell gelang es ihm ja auch sein nerviges Gefolge loszuwerden? Mit einem hinterhältigen Lächeln auf den Lippen, welches die Frau hinter ihm nicht sehen konnte, machte er sich auf den gepflasterten Weg Richtung Wald. Er kannte diesen. Sehr gut sogar, ihn und jene Lebewesen darin. Als Engel hatte er so oft dort zwischen den schützendem Grün Zuflucht vor seiner Verantwortung gesucht. Ob die Tiere ihn hier noch erkennen würden? Ein Teil von ihm hoffte es, die farbenfrohen, edlen Vögel oder jene Tiere des dichten Unterholzes, welcher eher den menschlichen Sagen entsprangen, waren die wohl sanftmütigsten Geschöpfe des gesamten Himmels.





      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar

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    • Zuriniel

      Etwas gezwungen blieb sie stehen, immerhin baute Lucifer sich vor ihr auf, als wäre es sein ultimativer Plan in ihrem Herzen Angst zu erwecken. Also lies sie es zu, dass er nach ihren Kinn griff, es war wohl die erste Berührung die sie seit Jahren wirklich erlangte. Es gab kaum einen Grund warum sich die Engel gegenseitig berühren sollten, denn selbst freundschaftliche Verhältnisse waren Körperlich doch disntanzierter. Es benötigte also wirklich viel ihrer Disziplin um deswegen nicht leicht zusammen zu zucken.
      Es fiel ihr schwer zu verstehen, warum es Lucifer so schwer fiel ihr zu glauben, dass sie ihn nicht verachtete. Vor wenigen Augenblicken hatte sie ihm noch offenbart, dass sie der Engel der Vergebung und der Nächstenliebe war. Das alles überschnitt sich nun einmal nicht mit Verachtung jemanden gegenüber der das tat was er tun musste. Es überschnitt sich auch nicht damit, dass sie auf ihn und seine Sünden herabblickte. Denn selbst wenn Lucifer nicht an die Vergebung glaubte, er wusste doch selbst das es sie gab oder gegeben hatte. Und jeder Engel kam seiner Tugend doch mehr oder weniger nach, außer sie kamen auf den falschen Weg, wofür er doch selbst ein Musterbeispiel war.
      "Ich wüsste nicht, was mir eine Lüge bringen sollte", meinte sie nur auf seine Anschuldigungen. In dieser Situation brachte es nichts, außerdem wollte sie doch eine Ebene schaffen, auf der sie aufbauen konnten um seine Schwäche wieder zur Stärke aufzubauen.
      Als es dann wieder weiterging brauchte Zuriniel einige Momente um sich von der überraschenden Berührung und seinen blutroten Augen zu erholen. Sie hatte viele anstrengende Tage erlebt, doch dieser schaffte es jetzt schon recht weit nach vorne.
      "Die anderen Engel, sind überall anders. Es wäre schwer, wenn ich die Auskunft über jeden einzelnen kennen würde."
      Es wäre nicht unmöglich, sie konnte ihre Auren sehen, wenn sie sich genau darauf konzentrierte könnte sie sicherlich jede im Auge behalten, so wie sie es in der Hölle getan hatte. Und genaso konnte sie die anderen Engel auch mehr oder minder von Lucifer und sich fern halten, wenn es sein musste. Aber das war wie gesagt alles anstrengend und schwer.
      "Ich denke jedoch auch, das selbst wenn ich es genau wüsste, nicht dazu befugt wäre jeden Standort preiszugeben", setzte sie dann ihre Überlegung laut fort. Sie fühlte sich ohnehin schon etwas unwohl damit, das sie jederzeit wissen konnte, was jemand fühlte, sie wollte die Leute nicht auch noch dieser Privatsphäre entziehen.
      Was Zuriniel viel mehr verwunderte war, das er gar keine Fragen dazu stellte, warum ausgerechnet sie ihn begleitete und über ihn wachen sollte, als er schlief. Und es wunderte sie auch das er nicht nachfragte, was ihre Kräfte waren. Sie würde ihn darauf nicht ansprechen, aber das kam ihr eher seltsam vor. Warum interessierte es ihn so sehr, wo sich alle anderen herum trieben? Er würde doch wissen, das es keinen Sinn hatte diese aufzusuchen. Zuriniel war an seiner Seite, und auch wenn Michael nicht hier war, konnte sie sich zumindest sicher sein, das er nicht zulassen würde, wenn Lucifer versuchte Chaos in die Reihen der Engel zu schleußen.

      Zuriniel möchte es hier. Sie hatte es schon immer gemocht, soweit sie sich zurück erinnern konnte. Leider hatte sie selten Zeit um tatsächlich hier her zu kommen. Und vermutlich würde sie auch jetzt nur hier her kommen können, wenn sie sich m Lucifer kümmern sollte und er hier sein wollte.
      Vielleicht war das gar kein schlechter Ort für die Behandlungen. Er schien sich hier auch wohler zu fühlen, soweit sie es erkennen konnte. Selbst mit seiner fehlender Stärke war er schwer zu lesen. Nicht unmöglich, und leichter als die Erzengel, doch all das finstre machte es nun einmal schwerer die kleinen Nuancen erkennen zu können.
      Zuriniel lies hier etwas mehr Abstand zwischen sich und Lucifer, um ihn einfach diese Momente zu geben. Sie konnte ihn nicht alleine lassen, aber zumindest konnte sie ihm das Gefühl geben, etwas mehr Freiheit zu haben.
      Eine weile gingen sie und umso weiter sie in den Wald kamen, desto mehr Lebewesen nahm sie um sich herum war. Es war anders als bei Engeln, Dämonen und Menschen, doch auch Tiere besaßen ihre Aura. Sie war anders zu lesen, und wenn Zuriniel es jemals hätte beschreiben müssen, hätte sie es mit einer fremden Sprache erklären können.
      Hin und wieder erblickte man eines der Tiere zwischen den Bäumen und Büschen, oder oben am Himmel, und irgendwie wirkten sie etwas neugierig. "Ich denke sie kennen dich noch", meinte Zuriniel dann leise mehr an sich selbst gerichtet als an ihn.
      Er musste wohl viel Zeit hier verbracht haben, es war also kein Wunder das er in dieser stressigen Situation hier zuflucht suchte.
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    • Lucifer

      Genervt von ihr verdrehte er bloß die Augen. Wie konnte man nur so furchtbar steif sein? Hatte er wirklich mal zu dieser Spezies gehört? Er konnte es kaum glauben und schüttelte nur den Kopf. Zuriniel war bislang so schrecklich grau und monoton wie alle anderen Engel auch. Wahrscheinlich besaß sie nicht einmal besondere Fähigkeiten und konnte anderen nur das Gefühl geben, die Situation wäre nicht so schlimm. Vergebung... das war einfach nur absurd! Dennoch musste Lucifer zugeben, dass er etwas neugierig war, was es mit ihren Augen auf sich hatte. Als sie aus der Hölle flohen hatte sie keine Iris, doch jetzt, wenn er sie ansah, blickten ihm graue Miasmen entgegen. Etwas seltsam und es war ersichtlich, dass es mit ihrer Kraft zusammenhing. Außerdem hatte Michael, der eigentlich jeden Engel aus seiner Welt fernhielt, trotzdem in die Hölle gebracht. Aus welchem Grund war dem Gefallenen nicht klar, er war zu geschwächt gewesen, um sich an alle Details zu erinnern. Der Teufel schwieg jedoch und sprach keiner seiner vielen Fragen aus. Es wurmte ihn, dass er nicht in der Lage war, ihre Angst zu erkennen. Dass selbst sein Blick getrübt war, der ihm bislang nie im Stich gelassen hatte. Und noch mehr, dass er trotz der unschönen Situation von ihr abhängig war. Ein Wort der Frau und man würde ihn vermutlich hier einsperren, zumindest traute er es Michael zu, ihn beim kleinsten Regelverstoß in Ketten zu legen. Er musste vorsichtig sein und traute diesem Weib keine Sekunde. Er kannte die Engel viele Jahre schon und er wusste, dass diese Wesen nie so rein waren wie sie schienen- und um ein vielfältiges Hinterlistiger waren sie auch...
      Seine Gedanken wurden durch den tiefen Wald um sie herum abgelenkt. Pflanzen, welche es auf Erden nicht länger gab, wucherten hier nur so aus dem fruchtbaren Boden. Die Luft war von einem Summen und Zwitschern erfüllt, ebenso dem leisen Rauschen des Windes in den Bäumen und Sträuchern. Nur zu gern hätte sich Lucifer in die Lüfte erhoben um sich auf einer der vielen Baumkronen niederzulassen. Doch allein der Gedanke, auch nur einen seiner Flügel zu bewegen, verursachte ein unschönes Ziehen in den angelegten Schwingen. Noch immer waren diese Wunden nicht verheilt, wie auch- Die Flügel waren das mit Abstand empfindlichste was ein Engel besitzen konnte. Und wurden sie verletzt erholte nicht einmal er sich so schnell davon. Etwas frustriert darüber, dass er nicht einmal in der Lage war, zu fliegen ging er weiter. Mittlerweile abseits der Wege durch das dicke Grün des Unterholzes. Die Ranken und Wurzeln boten hierbei kein Hindernis für ihn, im Gegenteil. Als würde ihn dieser Ort wie ein alter Freund begrüßen. Ein Gedanke, welcher ihn lächeln ließ. Immer mehr der sonderbaren Geschöpfe lugten aus ihren Verstecken hervor, neugierig und wohl wissend, wer ihr Reich betreten hatte.
      "Ich denke sie kennen dich noch" Ihre leisen Worte hätte er beinahe überhört, doch unweigerlich huschte dabei ein Lächeln über seine sündhaften Lippen.
      "Ich habe ja auch genug Zeit mit ihnen verbracht.", antwortete er lediglich. Ein Paar großer, blauer Augen sah aus dem Schutze der Büsche zu ihm. Ein kleiner Schnabel, dem eines Papageien, lugte dabei aus seiner Deckung hervor und schmunzelnd ging Lucifer in die Knie. Er blendete den Engel neben sich aus und streckte seine Hand nach dem Wesen aus, welches gurrende Geräusche von sich gab. Eine Weile geschah nichts, doch dann raschelten die Blätter und der kleine Kauz näherte sich langsam seiner Hand. Kurz daran schnuppernd, sofern das mit diesem Schnabel möglich war, und der sonderbare Kopf legte sich vertrauensvoll in die Hand des Teufels. Die fuchsähnlichen Ohren zuckten freudig und der lange Schweif wickelte sich sogleich um seinen Arm, als wöllte der Kleine ihn begrüßen. Ein leichtes Lachen bildete sich in seiner Kehle und er erhob sich wieder, den kleinen Kauz nun auf seinem Arm sitzend. Gurrend schmiegte sich das Wesen in seine Streicheleinheiten und schien aufgeregt mit seinen Flügeln zu flattern.
      "Du bist groß geworden.", stellte Lucifer amüsiert fest. Diesmal klackerte das Wesen stolz mit seinem Schnabel.



      Etwas schwer wurde sein Herz dennoch, als er realisierte, wie lange es schon her war. Damals hatte er den kleinen Kauz- er hatte absolut keine Bezeichnung für ein solches Wesen- gefunden als dieser von einem der größeren Bäume gestürzt war. Am Flügel war noch immer die kleine Narbe zu sehen, welche Lucifer versorgt hatte. Ohne das Wissen von Michael und Gott wohlgemerkt, er hatte sich sehr oft herausgeschlichen aus dem Palast, was sicherlich nicht unbedingt toleriert worden wäre. "Deine Flügel sehen gut aus, scheinbar sind sie verheilt.", murmelte er mehr zu sich selbst, begutachtete dabei aber dennoch nochmal die Stelle um sicher zu gehen. Albern vielleicht, da dieser Unfall viele tausende Jahre her war und trotzdem war es ihm noch lebhaft in Erinnerung.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Zuriniel

      Sie hätte nicht abgestritten das er viel Zeit mit ihnen verbracht hatte, jedoch hatte er auch schon lange Zeit nicht mehr mit ihnen verbracht. Es war doch nicht unwahrscheinlich das Tiere vergaßen. Vermutlich hatte Zuriniel nur keine gute Vorstellung wie Lucifer war, bevor er gefallen war. Sie hatte noch nicht einmal eine perfekte Vorstellung davon wie er alsHerrscher der Hölle war. Sie kannte ihn nun lediglich als denjenigen der zwei mal gefallen war. Zwei mal von dem Ort verstoßen an den er gehörte. Auf sie hatte Lucifer eben einen ganz anderen Eindruck.
      Und dennoch, die Wesen an diesen Ort, vermittlten zumindest den Bruchteil eines kleinen Eindrucks von dem was einmal war. Voller Erinnerungen auf die Zuriniel nicht zugreifen konnte, schimmerten ihre Auren. Und auch die Energiebewegungen der Pflanzen schienen vertraut. Es war ein Farbenfrohes spektakel, so das Zuriniel gar nicht genau wusste wohin sie blicken sollte. Man konnte auch behaupten, dass das ganze sie im ersten Moment doch etwas überforderte, es würde ein wenig dauern bis sie sich daran angepasst hatte. Es war eben selten, dass sie die PFlanzen so sah, und dann auch noch die Tiere, alle um diese dunkle Aura herum.
      Sie hatte es ihm einfach nicht zugetraut.
      Schließlich wusste Zuriniel doch wohin sie sehen sollte, als Lucifer auf die Knie ging. Sie hielt weiterhin etwas abstand und beobachtete was er dort tat. Es war ein Herzerwärmendes Bild was sich ihr dort preisgab. Wie vertraut er mit dem Tier umgin und wie sehr es sich freute. Und dann sein lachen.
      Zuriniel hatte zu viele Geschichten über den Gefallenen gehört, sie hatte nicht geglaubt das er so freundlich hätte lachen können. Spottend ja, hämisch auch... Aber das. Mit großen Augen starrte sie ihn einfach an. Beobachtete weiter, das konnte sie ohnehin gut, und ohne das sie es merkte begann sie sich auch wieder mehr auf seine Aura zu konzentrieren.
      Sie erkannte die Melancholie die ihm wohl eine Erinnerung bringen musste. Es war sicherlich schwer, sein ganzes Leben war mit sicherheit schwer gewesen und es würde nicht einfacher werden. Es war viel zu verständlich, dass erso fühlte. Und wie besorgt er trotz der Umstände um dieses Tier war.
      Zuriniel begann mit ihren Band zuspielen, um nicht an ihre Haare zu gehen. Es war schon schlimm genug das sie diesen nervösen Tick hatte, sie musste sich nicht auch noch andere zu legen. Das hier war offensichtlich etwas privates, und sie störte es mit sicherheit. Diese kleinen Unsicherheiten trug Zuriniel immer mit sich herum, seitdem sie erschaffen wurde. Es war schwer seinen Platz zu finden, an einen Ort der so lange ohne dich existiert hatte.
      Langsam kamen auch die anderen Geschöpfe mehr aus ihren Verstecken, und Zuriniel - die sich eben wie ein Eindringling vorkam- zog ihre Auro soweit zusammen, dass die Tiere sie nicht fürchten mussten. Manche würden sie vermutlich gar nicht mehr erkennen können. Ihre eigene Aura begann auf ihrer Haut zu brennen, wollte das sie damit aufhörte, aber das hatte Zeit, das hier war erträglich, sie hatte es schon öfter getan.
      Ein kleiner Haufen von den Wesen hüpfte nun auch um die Füße Lucifers herum um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit ihren Ohren die Flügeln glichen kamen sie sogar bei manchen Sprüngen hinauf bis zu seinen Kopf. Ihre Aura, soweit Zuriniel das einschätzen konnte, war ansonsten recht ängstlich und hätte sie ihre nicht eingezogen wären diese drei kleinen wohl niemals aufgetaucht. Zuriniel konnte also nur lächeln, selbst wenn ihre Haut drohte ein wenig zu verbrennen.
      Das alles war anstrengend, und sie spürte das, wenn man sie nun ansah, man erneut keine normalen Augen erkennen würde. Doch Lucifer war ohnehin beschäftigt, und sie würde es früh genug merken um ihren eigenen Blick abzuwenden. Er sollte sich um ihre Eigenheiten noch keine Gedanken machen, das hier schien ihn zu beruhigen und schenkte ihm ein gelichgewicht, das sie nicht unterbrechen würde.

      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "