Glarhiel - The Dragons Empress [Cadakon&Heaven]

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    • Glarhiel - The Dragons Empress [Cadakon&Heaven]

      Evelyn

      „..a- au…“, es dauerte seine Zeit, bis ich begann, meine Gliedmaßen langsam wieder zu spüren, nachdem die mir fremde Stimme in meinem Kopf erhallte. „Wa- auf, Evi…“, erneut erklang sie, fühlte sich seltsam vertraut und schützend an. Meine Augenlider begannen instinktiv zu flattern. Dunkle Bruchstücke der mich überspannenden Nacht drangen mir in den verschwommenen Blick. Ich spürte das taunasse Gras an meinen Händen, hörte im Hintergrund das sanfte Rauschen des Meeres. „Evelya, wach auf!“, drängend, fast schon ungeduldig nun, sprach die Stimme zu mir und ließ mich meine Augen nun vollends öffnen. Ich starrte in den schwarzen Nachthimmel, welcher übersäht war mit Sternen, die so strahlend funkelten, wie ich es noch nie zuvor sah. Mein Bewusstsein fassend, umgriff ich die langen Grasbüschel und versuchte die Müdigkeit abzuschütteln. Zwinkernd schluckte ich erstmal den Moment des Erwachens hinab, nur um danach vorsichtig meinen Kopf von links nach rechts zu drehen und meinen Körper auf meine Ellbogen hochzuhieven und mich auf ihnen abzustützen. Einzelne Haarsträhnen fielen mir ins Gesicht, während ich die vom Mondlicht erstrahlende Wiese sondierte. Nur knappe Meter vor mir, wandelte sich das so satte Gras in trockene Büschel Schilf und Sand umsäumte den Wegesrand. Glitzernd und weit tat sich ein Ozean auf, der sich wie flüssiges Silber in meine Augen legte und mit seinem ergreifenden, tiefen Rauschen ein Fernweh in mir auslöste, wie ich es selten spürte. „Na endlich… ich dachte schon, der Bann war zu stark…“, ich hörte ein Seufzen und sah mich erneut um. „Hallo?“, entkam es mir unsicher und ich versuchte mich zögerlich auf meine Knie zu rappeln, als sich vor mir etwas tat. Ich sah direkt an den Horizont, also, dorthin wo ich ihn vermutete, und erkannte, dass sich ein paar hell leuchtender Augen aus der Dunkelheit des Nichts schälten. Zuerst sahen sie aus wie zwei kleine Sterne, die mehr und mehr Licht absorbierten und sich aus der Luft plötzlich zu einem Kopf manifestierten. Leichtfüßig nun, sprang mir ein pechschwarzer Fuchskörper entgegen. Erschrocken stieß ich einen Schrei aus und taumelte in meiner halb stehenden Position zurück. Ruderte Abstand suchend mit den Armen und ließ das Geschöpf dabei nicht aus den Augen.

      Träumte ich? Mein Atem hatte sich mit einem Mal verschnellert, ich spürte wie mein Herz aufgeregt gegen meine Brust klopfte. Doch blieb das Tier ruhig sitzen, schlang den schwarzen, bauschigen Schwanz um die Vorderbeine und hatte, neugierig oder verwundert, den Kopf schief gelegt. Ich betrachtete es eingängiger. Es war nicht schwarz. Nicht völlig. Tausende kleine, weiße Punkte tanzten über sein Fell, verbanden sich durch kurze, aufleuchtende Striche zu Sternbildern, verschwanden aber so schnell wie sie gekommen sind. „Wer… Was… Wer bist du?“, um Atem ringend stieß ich jene Worte hervor. Erst jetzt fiel mir auf, wo ich mich befand. Gestresst eilte mein nun wissender Blick von links nach rechts. Ich… wo war ich? „Darf ich mich vorstellen… Lazar ist mein Name…“, er sprach nicht direkt, nein. Eher konnte ich seine Stimme nur in meinem Kopf hören. Doch schloss er die Augen und beugte seinen Kopf nach unten. Verbeugte er sich? Ich stutzte und starre den Fuchs an. Aber verstand schnell. Auch ich beugte meinen Schopf in Richtung Erde. Dann sahen mich die zwei leuchtenden Augen wieder an. „E-..“, der Höflichkeit halber, wollte ich auch meinen Namen nennen, aber wurde just von dem sprechenden Wesen unterbrochen. „Du musst mir deinen Namen nicht verraten, junge Dame. Ich weiß genau wer du bist.“, so stellte sich das Geschöpf wieder auf seine Pfoten und begann langsam auf mich zu zustapfen. Leichtfüßig, ohne Geräusche, fast schon wie ein Geist. „Du wirst dich wahrscheinlich wundern, wo du hier bist, nicht wahr?“, seine spitzen Ohren richteten sich neugierig auf und er sah zum Himmel empor. Mein Mund stand offen, aber gab ich keine Antwort, da ich vermutete, dass er die Antwort bereits kannte. „Nun, in der Welt Glarhiel. Eine Welt, die sich von der deinen so völlig unterscheidet. Du, Evelyn, wurdest von den Gottesgeschöpfen dieser Welt auserkoren, sie zu retten.“, er durchbohrte mich wieder mit seinem Blick. Warum kam es mir vor, als wären seine Augen nun strafend, fordernd und erwartungsvoll? Ich zog meine Augenbrauen zusammen und sah zur Seite hinab. „Glarhiel…“, ich rief mir den Namen gesprochen nochmal zurück und dachte stark nach. Wo… woher kannte ich… dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Mein Kopf rückte zurück auf den Fuchs. Meine aufgerissenen Augen starrten ihn an. „Ich… ich weiß wieder! Ich… stand… eben noch in der Bibliothek von London… nahm dieses Buch in die Hände… es hatte sich in die Abteilung für Sportgeschichte verirrt… ich wollte es nur zurücklegen… da… es… ich konnte nicht anders als hinein zu sehen… weil…“, langsam kamen meine Erinnerungen zurück. „… weil du mich gerufen hast… nicht wahr? Ich habe die Seiten wie hypnotisiert aufgeschlagen, ein Wort gelesen und dann wurde es schwarz um mich…“, ich griff mir verständnislos auf den Kopf, vergrub meine Hand in meinen leicht feuchten Haaren. „Ich habe dich gerufen, ja, weil du die Einzige bist, die unsere Welt von dem drohenden Krieg retten kann. Vor der Unterjochung des Drachenherrschers. Ich werde dich auf diesem Weg begleiten…“, er nickte kurz. „Am besten ist, wir suchen dir erstmal eine Bleibe, während ich dich in die Welt Glarhiels einführe…“, so wies er mir an, aufzustehen und ich tat so. Hypnotisiert und sprachlos.

      Während wir also durch die dustere Nacht spazierten, erklärte mir der stellare Fuchs Lazar so gut wie es ging, wer er war, was ich hier zu suchen hatte… wie Glarhiel aufgebaut war. Welche Ländereien, Landstriche, Berufe es gab und welche Mächte hier am Werk waren. Welche Wesen es gibt. Er sagte mir, ich sei eine Faie und das diese Rasse sehr verpönt war und nicht gern gesehen wurde. Er erzählte mir von den Nymphen, den Zwergen und Elfen… bis zu einem kurzen Augenblick glaubte ich ja, es wäre alles nur ein sehr, sehr, sehr realer Traum. Zumindest hoffte ich es. Als es sich aber eine Stechmücke in meinem Genick gemütlich machte, um ihrem Namen gerecht zu werden, wusste ich zumindest dadurch, als der juckende Schmerz und das Brennen meines Schlages, das mich im Nachhinein durchzog, dass es kein Traum war… sondern Realität. Ich war in einem Buch gefangen. Und anscheinend jene, die den Ausgang davon bestimmte… obwohl dieser schon geschrieben stand? Ich war verwirrt. Wir stoppten an einer Weggabelung. „Hier rechts geht es weiter in den Wald hinein… meine Reise endet vorerst hier mit dir, die Sonne wird bald aufgehen… und ich kann mich bei Tageslicht nicht zeigen… links wirst du zu einem kleinen Gasthaus kommen. Besser gesagt, einer Taverne. Sie ist nicht sonderlich… nun… von Luxus gezeichnet, doch sollte es für eine Nacht, oder dem Rest davon, reichen. Ich habe dir etwas Gold in deinen Beutel gelegt… so kommst du die ersten paar Tage gut durch. Keine Sorge. Ich werde dich nächste Nacht wieder aufsuchen…“, er nickte nochmals kurz. „Aber… aber wenn ich Fragen habe… spreche ich überhaupt die Sprache dieser Menschen hier?“, Panik überkam mich für einen Moment. Der einzige… nun ja, Freund… kam mir nach nicht mal zwei Stunden wieder abhanden und ich war auf mich allein gestellt. „Evi, es gibt hier keine Menschen… alle werden dich verstehen… glaub mir… und solange du keinen Klamauk anstellst, wird dir nichts passieren… halte dich einfach so gut es geht im Hintergrund, sei nett, höflich… als Faie wirst du so geschätzt.“, und so verschwanden die treuen, leuchtenden Augen mit den Glühwürmchen im Unterholz und gaben sich der Schwärze hin. „Lazar?“, unsicher trat ich einen Schritt nach. Doch war er weg. Ich presste missmutig meine Lippen aufeinander und drehte mich widerspenstig um. Ich konnte bereits von hier das schummrige Licht der Tavernenfenster sehen. Ich seufzte und sah an mir hinab. Ich besaß noch nicht mal eine Waffe, doch spürte ich die Kanten der Goldtaler an meine Hüfte drücken, als ich mich abtastete. Meine Lungen füllten sich energisch mit Lungen, als ich nun doch meine Reise weiter antrat.

      Kurze Zeit später sprang ich leichtfüßig über eine Pfütze und konnte schon von weitem das betrunkene Schnarchen eines Wegelagerers hören, so wie Lazar sie mir beschrieb. Er hang in sich zusammengefallen auf einer Bank vor dem einst massiven Holzhaus, den Humpen Bier oder was auch immer fest in den Händen umklammert und auf dem wuchtigen Bauch abgestellt. Sein Doppelkinn fraß beinahe sein Kinn auf. Ich fragte mich, wie er noch atmen konnte, zog die Augenbrauen kraus, widmete mich dann aber wieder meinem eigentlichen Vorhaben. Auf leisen Sohlen stieg ich die zwei steinernen Stufen empor und legte meine zitternde Hand um den Messingknauf der Eingangstüre. Ich drückte sie einen Spalt auf. Sofort schlug mir rauchige Luft entgegen, welche vermischt war mit dem schalen Gestank von Schnaps, Bier und männlichem Schweiß. Ich würgte kurz. Wo war ich hier nur hingeraten. Mehr und mehr drückte ich die Türe auf, meine Schulter half mit, doch stand ich ganz plötzlich in einem Raum, der zur Hälfte gefüllt war. Viele betrunkene Gestalten hatten ihre müden Körper zum Schlaf auf den Tischen abgelegt, nur wenige waren noch wach. Aber diejenigen starrten mich erstarrend an. Eine bedrückende Stille breitete sich mit einem Mal aus und jagte mir einen eisigen Schauer über den Rücken. Ich sammelte mich und stapfte eiligen Schrittes an den erstbesten freien Tisch im letzten Eck des Schankraumes. Bereits beim Eintreten erkannte ich auf der gegenüberliegenden Seite steile Treppen in den zweiten Stock. Aber ob ich hier heute schlafen wollte… Ich versank in Gedanken, als mich die mürrische Stimme des sichtlich müden Wirtes aus jenen riss. „Was willste?“, seinem Tonfall nach zu urteilen, war meinesgleichen wohl wirklich nicht sehr beliebt. Ich sah ihm kurz erstummt in die grauen Augen. „BIST DU TAUB?!“, fuhr er ungeduldig an, was mich zurückschrecken ließ. „N-nein… ein… ein Bier… bitte…“, kam es mir murmelnd über die Lippen. „Oho… ein Bitte bekommt man von euch Gesindel auch nicht oft…“, mit diesen Worten zog er von dannen. Danach merkte ich, dass sich alle Blicke erneut auf mich gerichtet hatten. Ich spürte wie sich die Röte auf meinen Wangen ausbreitete und zog die Schultern höher, versteckte meinen Schopf tiefer. Erst hier, im fahlen Licht, konnte ich erkennen, was mit mir geschehen war. Mein Ebenholz-Braunes Haar, war einer aschblonden, schulterlangen Mähne gewichen, die sich strähnig und ungepflegt von meinem Haupt schlängelten. Ich trug Kleidung aus Leinen und Leder, gleich mehrere Schichten. Eine feste Hose und hohe Krempenstiefel. Unsicher begann ich an meiner Kleidung herum zu zupfen. Es erinnerte mich stark an die Kleidung des Mittelalters. Da überkam mich wieder, was eigentlich geschehen war… ich war in einem Buch gefangen, in einer anderen Zeit, in einer anderen Dimension… was hatte Lazar gesagt? Hier gab es Magie? „Oh man…“, meine Stimme brach, als ich meinen Kopf in meinen Händen vergrub.

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      @Heaven_Lumen




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    • Alastor van Kaleth

      "Herr..." Die respektvolle Stimme drang durch die heiße, trockene Luft der verwüsteten Landschaft. Der rote Schein des mächtigen Vulkans tauchte die Umgebung des monströsen Berges in einen unheilvollen Schein, die dunkle Aschewolke, welche den Nachthimmel verdeckte, tat ihr übriges. Der Angesprochene drehte sich nicht um als er die Stimme seines Dieners vernahm. Die glühenden, goldgrünen Augen schimmerten bedrohlich durch das rote Magma unter ihm, stand er doch auf den zerklüfteten Felsen des Kraters.
      "Wo wird sie auftauchen?", fragte er noch ehe sein Untertan sein Anliegen erläutern konnte. Die kalte Stimme ließ keinen Spielraum für unnötiges Gerede, er wollte Fakten und zwar schnell. Ihm lief immerhin die Zeit davon und wenn er nicht wollte, dass seine gesamte Arbeit bis jetzt umsonst war, musste er schnellstmöglich handeln.
      "S-Sie wird laut unseren Magiern in Vikimar auftauchen, nahe der Küste. Ungefähr einem Mond* von Heute an. Dort hat es einige Anomalien gegeben und das Orakel hat sie in einer Taverne der Orcs gesichtet, welche sich dort niedergelassen haben." Die Stimme zitterte ergebungsvoll und man hörte deutlich heraus, dass der Diener jetzt lieber woanders wäre als hier. Endlich drehte sich der hochgewachsene Mann in edlen, blutroten Königsgewand herum. Ein kühles Lächeln zierte seine schmalen Lippen. Das hellhäutige Gesicht war eben, ohne eine geringe Spur des Alters und die Züge markant und erhaben geschnitten. Selbst das rotgoldene Haar wehte gleich Flammen um sein Antlitz und ließ die schwarzen Drachenhörner markant aus seinem Schädel stechen.
      "Vikimar also? Interessant, die Göttin hat also entschieden, ihre Heldin direkt unterhalb meines Territoriums erwachen zu lassen?" Beinahe hätte er laut gelacht. Was für ein verzweifelter Versuch Glarhiel vor dem zu bewahren, was er schon vor hunderten Jahren hätte tun sollen. Der Diener, mit deutlich kleineren und weniger galanten Drachenhörnern, verneigte sich tief vor seinem König.
      "Sollen wir sie einfangen und zu Euch bringen, König Alastor?", fragte er ehrerbietend. Doch bestimmend schüttelte der Angesprochene sein Haupt.
      "Nein. Ich werde mich persönlich um sie kümmern. Ich will erst sehen aus welchem Holz die vermeidliche Heldin der Prophezeihung geschnitzt ist. Vielleicht brauche ich sie noch.", grinste Alastor unheilverkündend. Eine Fremde, mit den Mächten der Götter. Eine solche Chance ließ er sich nicht entgehen, schon gar nicht, wenn er diese Frau ebenso als Waffe verwenden konnte. Sofern sie es zuließ natürlich, Alastor musste vorsichtig und geschickt umgehen. Dies sollte für einen Drachen mit seiner Lebenserfahrung jedoch kein Problem sein. Er hatte Städte und Dörfer dem Erdboden gleich gemacht, nicht alle davon mit bloßer Gewalt. Intrigen und diplomatische Unruhen zu stiften war ebenso ein spaßiger Zeitvertreib wie dem knisternde Feuer brennender Dörfer zu lauschen. Mit einer unwirschen Handbewegung scheuchte er seinen Diener hinfort, er hatte genug gehört.
      Wieder allein sah er gen Himmel und ein spöttisches Lächeln zierte seine Lippen.
      "Mal sehen, was du wirklich zu bieten hast, große Göttin!", spie er aus ehe er mit wehendem roten Umhang dem Feuer des Vulkans den Rücken kehrte. Mit großen Schritten stieg er die Obsidianen Stufen hinab, von denen er gekommen war. Seine Hand hielt ein schimmerndes Amulett fest umschlossen. Ein altes Artefakt der Elfen, welches er von einem Faie in Beschlag genommen hatte. Diese Faie waren wirklich hervorragende Diebe und für Gold taten sie tatsächlich alles. Nur zu schade, dass er dieses Gold nie zu Gesicht bekommen hatte. Nur über seine Leiche würde sich er, Alastor van Kaleth, von einer einzigen Münze seines Hortes trennen. Prüfend blickte er das Runenverzierte Stück Metall an. Es funkelte in einem silbernen Glanz und der Amethyst in der Mitte machte diesen magischen Gegenstand durchaus reizvoll für einen Drachen wie ihn. Die reptielenartigen Augen wieder nach vorne richtend verließ er den Abhang des Vulkans in Richtung des schwarzen Palastes, welcher gleich einem Bestienmaul in die Höhe stach, Zinnen, welcher schärfer als jede Klinge waren türmten sich nach oben um die wahre Größe seines Volkes zu demonstrieren. Bald schon wäre Glarhiel unter seiner Hand, es wurde Zeit, dass jemand Ordnung in diese chaotischen Ländereien brachte. Eine Ordnung, welche er schaffen würde, um diese nichtsnutzigen Kreaturen zusammenzuführen und zu leiten!

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      Die dunkle Kapuze tief ins Gesicht gezogen lehnte er sich an die hölzerne Wand der heruntergekommenen Spelunke. Ein Mond war vergangen, seit er aus von der vermeidlichen Ankunft erfahren hatte. Gewöhnlich waren die Aussagen des blinden Orakels immer präzise und genau, so hoffte er auch dieses mal auf eine zutreffende Aussage. Er hielt sich bereits drei Tage hier auf, nicht in dieser sogenannten Taverne, eher in der Gegend. Doch an dem heutigen Abend hatte er entschieden sich in das heruntergekommene Orcgebäude zu begeben. Er musste die Augen offen halten, da er keinen genauen Zeitpunkt hatte, wann und in welcher Form die Heldin hier aufkreuzen würde. Alastor wusste nicht einmal ihre Rasse und hoffte inständig, sie wäre kein Halbling, Zwerg oder noch schlimmer, ein Orcweib. Allein der Gedanke schüttelte ihn schon. Die Fähigkeiten dieser Völker in allen Ehren, doch die weiblichen Artgenossen sahen...gelinde gesagt grauenvoll aus. Mit einem Krug Met und einer Pfeife bewaffnet hatte er die Füße sehr zum Missfallen des griesgrämigen Wirtes auf den Tisch gelegt und wartete in seelenruhe. Die abgeneigten, gar verachtenden Blicke ignorierte er gekonnt. Würde er als ein Van Kaleth hier sitzen wäre die Taverne binnen Sekunden wie leer gefegt. Doch seine neue Form war...gewöhnungsbedürftig. Ihm fehlten seine Hörner und die klauenhaften Finger, mit denen er tief in das Fleisch schneiden konnte. Drachen waren jedoch seit Beginn seines Feldzuges nicht mehr gern gesehen, was für das Vorhaben des Herrschers ungünstig wäre. Kurz fuhr seine behandschuhte Hand zu seiner Brust. Unter der ledernen Rüstung und dem zugehörigen Hemd verborgen lag das kühle Silber auf seiner Haut und hielt die Illusion eines Faie perfekt aufrecht. Alastor mochte die Elfen nicht sonderlich, doch in Sachen Magie war dieses Volk beinahe unantastbar. Einzig seine Augen waren geblieben, auch wenn sich die Pupille zu einer runden Form gewandelt hatte. Rabenschwarzes Haar fiel ihm unordentlich in die Stirn, er hatte es notdürftig mit einem Lederband zusammengebunden. Die ungewohnten Stoppeln des drei Tage Bartes hatten ihn zu Anfang mehr als irritiert, doch beließ er sein äußeres Erscheinungsbild dabei. Es gab ihm etwas verwegenes und zumindest hatte er an dem eindrucksvollen Auftreten keine Einschränkungen erlitten. Sonst wäre er schon längst in eine Schlägerei dieser muskelbepackten Vollidioten gelandet.
      Dennoch, aus Vorsichtsmaßnahmen hatte er die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und sich im Schatten einer ruhigen Ecke niedergelassen. Aufmerksamkeit war das letzte, was er in diesem Moment wünschte. Murrend füllte der Wirt erneut seinen Krug und abwertend schnaubte besagter Orc, als Alastor ihm widerwillig einen Silbertaler auf den Tisch legte. Für dieses billige Gesöff Silber bezahlen zu müssen war reinster Wucher. Aber sich mit diesem hellgrünen Dickschädel anzulegen war ihm dann doch zu umständlich und etwas genervt nippte er an dem Honigwein.

      Endlich, nach Stunden - es dürfte sogar bald Morgen sein, wenn man bedachte, dass hier kaum noch einer Stehen oder Sprechen konnte- öffnete sich die Tavernentür zögerlich. Augenblicklich lag Alastors durchdringender Blick auf den Neuankömmling und interessiert zog er die Brauen nach oben. Eine junge Faie betrat das Etablissment. Sichtlich eingeschüchtert und verloren wirkend sah sie sich kurz um und huschte zu einem freien Tisch, als sie die Blicke aller spürte. Eine Faie also? Sollte das die besagte Heldin sein? Sicher war sich der Drache noch nicht, erst, als er ihre "Bitte" vernahm. Es war nicht gerade üblich für die Halbelfen, sich für irgendwas zu bedanken oder gar um etwas zu bitten. Dieses Volk war allesamt von diebischer und eigensinniger Art. Interessiert musterte er sie und war insgeheim froh, dass sie keinen Umhang wie er trug. Helle Haut wurde von einigen Sommersprossen durchbrochen, welche jedoch dem hübschen Anblick der Kleinen keinen Abwurf tat. Die Azurfarbenen Augen schimmerten selbst in dem Licht der niedergebrannten Kerzen. Einzig ihr wohl blondes Haar schien strähnig in ihr Gesicht zu hängen, ließ jedoch auf eine durchaus schimmernde Mähne schließen, sofern sie ein Bad nehmen konnte. Was in dieser Welt jedoch eher einem Luxus glich, außer man bevorzugte die eisigen Regenaufänger.

      Das Bier wurde gebracht und kurz darauf ließ die Heldin ihren Kopf in die Hände sinken. Er zog spöttisch eine Braue nach oben und grinste leicht. Nun, so verloren wie sie wirkte, konnte es sich hierbei wohl kaum um die legendäre Heldin handeln. Sie sah eher wie jemand aus, der einen Halbling nicht von einem Zwerg unterscheiden könnte. Dennoch sollte er seine Acht nicht fallen lassen, sie mochte einen schwächlichen Anblick bieten, was jedoch nicht bedeutete, dass dem auch so war. Als sich der Orc vor ihr aufbaute und sie wegen der Bezahlung anfuhr, gab sich Alastor einen Ruck und erhob sich aus seiner gerade bequem gewordenen Haltung.
      "Deinesgleichen zahlen gleich, oder ich schmeiß dich in hohen Bogen wieder raus! Kapiert?!" Herrje, dieser Typ war wirklich kein angenehmer Geselle. Gerade als Alastor einschreiten wollte konnte er ihre Finger sehen, die doch tatsächlich ein Goldstück herausfischten. Seine Augen funkelten einen Moment lang gierig bei dem schönen Schein, doch schnell genug fasste er sich und drängte sich zwischen sie und dem Orc.
      "Dein Silber, werter Wirt. Kein Grund eine Dame so derb zu behandeln, haben euch eure Frauen denn kein Benehmen gelehrt?" Letzteres höhnend aussprechend drückte er dem Griesgram ein weiteres Silberstück in die Hand. Wütend spuckte dieser vor ihm auf den Boden und verschwand wieder hinter dem schmierigen Holztresen, der dringend mal eine Reinigung notwendig hatte. Den neugierigen Gaffern einen finsteren Blick zuwerfend wandte er sich schließlich an seine Zielperson.
      "Es ist nicht ratsam an einem solchen Ort den eigenen Reichtum an Gold zu zeigen, außer du möchtest heute Nacht ein Messer an der Kehle haben.", raunte er nur für die Blondhaarige hörbar in ihr Ohr und zwinkerte ihr mit einem frechen Grinsen zu. Zumindest hatte er eine perfekte Gelegenheit, sie anzusprechen, was er sich als deutlich schwerer vorgestellt hatte. Nun von Nahem konnte er ihre Konturen besser erkennen und nutzte den kurzen Augenblick, sie eingehend zu mustern. Sie war hübsch, aber nichts besonderes... Ein wenig enttäuschte es den Drachen ja schon, hatte er...mehr erwartet. Und dies sollte seine künftige Erzfeindin sein? Da konnte Glarhiel ja gleich kapitulieren!

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      *Monde bedeutet Monate, da früher die Zeit in Mondzyklen abgerechnet wurde.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Es war wie im Albtraum. Langsam begriff ich, es überkam mich wieder… ein großer, bitterer Kloß breitete sich in meinem Hals aus und die heißen Tränen schossen mir in die Augen. Vom Hals abwärts begann sich mein Körper nun Stück für Stück zu verkrampfen und ich kämpfte damit, nicht einfach aufzugeben und in Tränen auszubrechen. Ich drückte meine Handballen auf meine Augen und atmete einmal tief durch. „Beruhige dich Evelyn… was hat Lazar gesagt… wenn du dich zusammenreißt und dich normal verhältst, droht dir keine Gefahr…“, auch wenn meine Gedanken im Moment rotierten, so half mir dieses gute Zusprechen meinerseits doch etwas. Abgewandt vom Rest der Gäste, lockerten sich meine Schultern etwas und die polternden, schweren Schritte des Wirtes ließen mich wieder aufblicken. Jetzt, zum ersten Mal, sah ich mir diesen genauer an. Im schummrigen Licht der Taverne dachte ich zuerst, es sei einfach ein sehr groß gebauter, korpulenter Mann… mit undefinierbaren Haarwuchs. Doch jetzt hatten sich meine Augen an die konstante Düsterheit gewöhnt und mir fielen die beiden Hauer auf, die aus seinem Unterkiefer ragten. Es war ein Orc, der sich mit dem übermäßig großen Bierkrug vor mir aufbaute. Wobei, in seinen klobigen Händen wirkte das Glas für mich ganz normal. Er knallte es mir wuchtig vor die Nase, auf den schäbigen, zerfurchten Tisch hinab und grunzte: „Macht eine Silbermünze.“ Ich blinzelte ihn wieder an. Zu hypnotisiert war ich davon, seine Gestalt zu verstehen. Es war unglaublich. Merklich, brauchte ich wieder zu lange, um dem Herren eine Antwort zu geben, als er sich lauthals räusperte. Es schoss mir. Silber? Ich hatte keine Silbermünzen. Nur das Gold von Lazar. Ich stockte. „Ich… ich habe…“, stotternd wollte ich ihm sagen, dass ich den Soll nicht zahlen konnte. Da dröhnte seine tiefe Stimme wieder durch den kleinen Innenraum: „Deinesgleichen zahlen gleich, oder ich schmeiß dich in hohen Bogen wieder raus! Kapiert?!", er wurde so fahrig und ungehalten, dass mich der Gestank seines Mundes auch über den Meter Abstand erreichte. Mein Körper zuckte zusammen. Was sollte ich den machen? Geradeaus, ihm irgendwie Genugtuung zu erweisen, griff ich in meinen Goldbeutel und fischte eine Münze heraus. Der Wirt stoppte im Ausholen seiner Hand. Seine Augen wurden groß und gesellte sich noch eine weitere Gestalt in die Mitte unserer Diskussion, als ich dem Orc die fein polierte Währung in die tellergroße Pranke legte. Wie verzaubert starrte dieser auf das für ihn knopfgroße Ding hinab, während der Fremde intervenierte und ihm eine weitere, nun silberne Münze in die Hand drückte und die Situation so entschärfte.

      Mit griesgrämigen Augen sah uns der Wirt noch einen Moment an. Er tat seiner Missgunst Ausdruck und spuckte geräuschvoll auf den Boden hinab, wo ich etwas angeekelt meine Lippen verzog und den Blick abwand. Mit dem Blick abgewandt suchten meine langen, feingliedrigen Finger nach dem Henkel des Glases. Eigentlich mochte ich Bier. Zumindest schmeckte es mir in meiner Welt. Aber ich wusste nicht, wie es mit den Brauereien hier aussah. Der Schaum kräuselte sich mit einer leichten, braunen Krone auf der trüben Flüssigkeit. Es könnte so etwas wie Weißbier sein, dem Zustand nach zu beurteilen. Aber weiter kam ich in meinen Gedanken nicht, denn ich fand plötzlich das unrasierte Gesicht des jungen Herren von vorhin nur Zentimeter neben mir, der mir mit tiefer Stimme ins Ohr raunte. Sein warmer Atem kitzelte meinen Hals, was mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Befangen zuckte ich zusammen. Abwehrend schob sich mein Oberkörper so weit weg, dass ein für mich angenehmer Abstand erreicht war. Mit großen, verwunderten Augen starrte ich ihm entgegen. Auch wenn es in diesen Räumlichkeiten an Licht mangelte und die kleine Kerze, die so verloren auf meinem Tisch flackerte, nur spärlich die Umgebung erhellte, so erkannte ich auch in den Schatten, wie eisig blau seine Augen hinter den schwarzen Strähnen hervorstachen, mich regelrecht durchbohrten. Instinktiv hatte ich mein Glas an mich gezogen um mich zumindest irgendwie geschützt zu fühlen. Ich biss mir auf die Unterlippe, hielt seinem Blick stand. „O-okay… ähm… danke… ich… ich versuche es zu beherzigen.“, mehr vor den Kopf gestoßen, als klar in diesem, warf ich ihm die erstbeste Antwort hin, die meine Gedanken in diesem Wirrwarr zusammenbrachten. Für normalerweise, also, würde mir das in einer Bar passieren, dass ich so unverfroren angesprochen wurde, hätte ich dem Herren mit Größe in Sprache und Mimik eine Abfuhr erteilt. Aber jetzt… wie ein verängstigter Hase nach der Treibjagt. „Schönen… schönen Abend noch…“, murmelte ich. Meine Stimme klang ungewöhnlich tief, was mich verwirrte. Hatte sich denn auch mein Körper verändert bei der Reise hierher? Ich wurde stutzig. Meine Stirn legte sich in nachdenkliche Falten und schon war mein Blick wieder auf der Schaumkrone. Unbewusst drehte ich mich von dem jungen Mann neben mir weg und sah den kleinen Bläschen zu, wie sie langsam aber sicher zerplatzten und den Blick auf die trübe Suppe namens Bier freigaben. Schnaubend hob ich das Getränk an meine Lippen und nam vorsichtig einen Schluck. Es schmeckte scheußlich. Ich wollte losprusten, das Gesöff sofort wieder ins Glas zurückspucken. Doch hatte ich bereits jetzt einen schlechten Stand beim Wirt und wollte diesen nicht noch mehr herausfordern… oder reizen. Die Götter dieser Welt wussten, dass mich dieser Koloss mit einem Faustschlag durch die Wand befördern konnte. So behielt ich den Schluck einen Moment in meinem Mund, nur um mich dann zu überwinden und das viel zu bittere, verbrannt schmeckende Getränk hinunter zu würgen. Doch war das nicht genug, vernahm ich plötzlich Gelächter neben mir. Es war der Typ von vorher, der es sich klammheimlich und ungeniert neben mir auf der Bank gemütlich gemacht hatte.




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    • Alastor van Kaleth

      Amüsiert beobachtete ich, wie die Kleine sich von mir distanzierte und wenigstens zwei Handbreit von mir abrückte. Die großen, blauen Augen wirkten erschrocken und mehr als überfordert, was mich unterdrückt Grinsen ließ. Heldin? Das ich nicht lache, ich hatte ein verirrtes Lamm vor mir, welches sich nicht einmal gegen einen klobigen Orc wehren konnte! Hatte ich vielleicht die falsche Faie angesprochen? War das hier gar nicht die Heldin? Etwas zweifelnd blickte ich zu der Blondhaarig, welche sich gerade etwas überrumpelt bedankte und etwas in ihren nicht vorhandenen Bart murmelte. Dennoch, mein Instinkt sagte mir, dass sie es war auf die ich gewartet hatte. Und mal ehrlich, Faie mochten zwar diebische Gesellen sein und als Söldner und Abenteurer bekannt, doch noch nie hatte er einen Faie gesehen, welcher mit einem Beutel Gold unterwegs war. Oder bereitwillig eine goldene Münze in die Hand eines Orcs legte. Das passte absolut nicht in das Bild dieses Volkes. Ein Faie war ähnlich gierig wie meine Wenigkeit, wenn es um das seltene Edelmetall ging. Außerdem könnte sie sich mit Gold die ganze Taverne leisten. Scheinbar wusste die junge Dame diesen Umstand jedoch nicht und genau das sagte mir, dass ich wohl auf der richtigen Spur war. Wo zur Hölle hatte die Göttin diese Faie her? Ein so weltfremdes Ding... Neugierde bemächtigte sich mir und kurzerhand nahm ich neben ihr auf der hölzernen und ziemlich unbequemen Bank platz. Meine sonderbaren Iriden waren unentwegt auf die Kleine gerichtet, welche sich von mir abgewandt hatte um an ihrem Gebräu zu nippen. Noch ein Punkt ihrer Weltfremdheit: Man trank das sogenannte Bier der Orcs nicht. Da könnte sie genauso Schlamm oder Pisse zu sich nehmen, das würde ähnlich schmecken. Einzig die Zwerge und Halblinge verstanden das Handwerk der Braukunst, dieser Grobian definitiv nicht. Deshalb blieb ich beim Honigwein, diesen musste er von Händlern erwerben und man wusste, dass er wenigstens schmeckte. Mit breiter werdendem Grinsen sah ich dabei zu, wie sie tatsächlich einen Schluck des ekelhaften Gesöffs nahm und ihr Gesicht verzog sich augenblicklich, als würde sie es gleich ausspeien. Allerdings schien die Fremde sich den Unmut des Wirtes bewusst und schluckte mit Schaudern die Flüssigkeit hinunter, was mir nun doch etwas Respekt abverlangte. Nicht einmal ich würde das freiwillig oder gegen Bezahlung zu mir nehmen, so viel war sicher. Der Ausdruck des Ekels breitete sich auf ihren Zügen aus. Rümpfte sie tatsächlich die Nase oder war sie schlichtweg...enttäuscht? Egal was es war, ich konnte nicht anders als laut aufzulachen. Sie war amüsant, das gab ich gerne zu. Ein kleines, verlorenes Lamm inmitten betrunkener Orcs, eine solche Geschichte hörte man sonst nur von feiernden Zwergen, die sich an ihren schrecklichen Witzen erprobten.

      "Nicht gerade das gewohnte Zwergische Bier. Warum bei den Feuern eines Drachen hast du dir von einem Orc diese widerliche Brühe bestellt?", entkam es mir immer noch leicht lachend und ich zog belustigt die Brauen hoch, als ich ihren säuerlichen Blick vernahm. Erbarmend reichte ich ihr meinen Krug mit Met, den sie kritisch zu beäugen schien.
      "Trink davon, es ist nur Met und schmeckt weitaus besser.", ermutigte ich sie dazu und ließ den Krug vor ihr stehen. Während ich sie abgelenkt wägte huschten meine Augen nun genauer über ihre Gestalt und ich suchte nach Anhaltspunkten ihrer Person. Zu meiner Verwunderung trug sie nicht einmal eine Waffe bei sich, was mich nun doch sehr verwirrte. In Glarhiel reiste nicht einmal der stärkste Orc ohne Waffe und auch meine Wenigkeit war zu jeder Zeit bewaffnet. Die Pfade waren berüchtigt für ihre Banditenüberfälle, Seewege waren von Piraten besetzt und die Wälder beheimateten gefährliche Bestien, welche Eindringlinge nicht gerade Willkommen hießen. Zudem herrschte immerhin Krieg, oder zumindest hatte ich ihn bereits begonnen und man wusste nie, ob man in den Dörfern oder Städten auf freundlich Gesinnte traf. Also entweder war sie eine sehr mächtige Magierin, wobei diese eigentlich ein Grimoire bei sich tragen müssten, oder sie war... einfach sehr seltsam und naiv. Letzteres wäre für mich natürlich sehr vom Vorteil und die Sache wäre schneller vorbei, als ich gedacht hatte.
      Mein gegenüber rührte den ihr dargebotenen Krug nicht an und schob ihn höflich, jedoch bestimmend wieder zurück. Ich zog nur eine Braue hoch und zuckte mit den Schultern. Wenn sie lieber diese Brühe trinken wollte, bitte. Ich war eigentlich keiner der freundlichen Sorte, der einfach aus Nächstenliebe handelte. Aber ich wollte das Eis etwas brechen um wenigstens eine Gelegenheit zu bekommen, mehr über diese Heldin herauszufinden. Anstatt sie also in ihrem Trübsal alleine zu lassen bestellte ich kurzerhand einen Met für die junge Dame. Der Wirt brachte ihn grummelnd, doch nach seiner sehr großzügigen Bezahlung schien er etwas milder gestimmt zu sein.
      "Geht auf mich.", zwinkerte ich ihr aufmunternd zu, als sie etwas zweifelnd aufblickte. "Es ist selten, in diesen Gefilden eine Volksvertreterin meienr Art zu finden. Wir Faie sollten zusammenhalten, wenn der Rest der Welt uns schon verabscheut! Auch wenn ich neugierig bin, was eine Faie mit einem Beutel voller Gold in einer ärmlichen und gefährlichen Gegend wie dieser macht.", fügte ich hinzu, um meine Tat zu erklären und senkte gleichzeitig die Stimme. Kein Anderer sollte von dem Gold erfahren, ansonsten hätten wir schneller Probleme als uns lieb war. Dabei kratzte es an meinen Stolz, mich als niederen Faie zu bezeichnen. Doch meine erhabene Drachennatur musste bis auf Weiteres im Verborgenen bleiben... Leider, ich musste mich erst an diesen kleineren Körper gewöhnen. Kein Drachenschweif, keine eleganten Hörner und auch meine Klauen fehlten mir. Aber es war zu meinem eigenen Besten.
      "Al mein Name.", stellte ich mich schließlich vor und reichte ihr aus Höflichkeitsgründen meine behandschuhte Hand, jedoch nicht ohne etwas auffordernd meine Brauen zu heben, um auch von ihr eine Vorstellung zu erhalten.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Entrüstet blinzelte ich in seine Richtung, wo sich der Fremde wohl über meine Unwissenheit kringelte. Nun, ich konnte es ihm bis zu einem gewissen Punkt nicht verübeln. Ich hatte keine Ahnung von dieser Welt und wusste natürlich auch nicht, dass Orcs, so wie er es sagte, nicht dazu geboren waren, Braumeister zu sein. Andererseits... so unwissend wie ich mich eben gab, könnte es leicht sein, dass er hinter die Scharade kam und mich durchschaute... der nächste Gedanke der mir kam war, woher sollte er annehmen, dass ich nicht von dieser Welt kam. Kontinuierlich schoben sich meine Augenbrauen zusammen und sahen den Schwarzhaarigen neben mir nun genauer an. Er saß rechts von mir. So im Porträt schien er nicht schlecht auszusehen. Aber das tat nichts von der Sache ab, dass er sich bis jetzt nicht so sonderlich beliebt machte bei mir. Ich war ihm natürlich zu Danke verpflichtet, dass er mir so selbstlos aus der Patsche geholfen hatte... aber irgendetwas sagte mir, dass diese Tat nicht ohne Bringschuld blieb. Sein unrasiertes Kinn reckte sich in Richtung seines Getränks, als er mir erklärte, ich sollte doch davon einen Schluck nehmen. Es war Met, so wie er ihn anpries. Ich kannte den süffigen Honigwein. Zu oft trank ich ihn erwärmt bei den allseits beliebten Weihnachtsmärkten, welche im mittelalterlichen Stil gehalten wurden. Ein kurzes, sehnsüchtiges Lächeln huschte über meine Lippen, als sich die Gerüche wie Phantome in meine Nase legten und ich den Geschmack der frischen Kekse beinahe auf der Zunge schmecken konnte. In Gedanken versunken, hatte mein Blick sich auf den Krug geheftet und ich hörte schon nach wenigen Sekunden das auffordernde Räuspern des Herren neben mir, welcher wartend die Brauen hochgezogen hatte. "Oh... oh nein, vielen Dank... aber ich bleib bei meinem Getränk.", unsicher zwang ich mich zu einem kleinen, schmalen Lächeln und schob ihm seinen Krug wieder an die Ecke des Tisches. Er verfolgte mein Tun mit seinen Augen. Ich musste schon sagen, irgendwie war es mir unangenehm, dass er mir keine Ruhe mehr lies. Ich kannte einfach noch niemanden hier. Wusste nicht, wie die Personen hier interagierten... ob sie Fremden wohlgesonnen waren, ob sie diese schnell mal abzogen oder hinters Licht führten... ich war noch dazu eine Frau... ob das von Vorteil war? Meine Stirn war in nachdenkliche Falten gelegt, als vor mir plötzlich ein weiterer Krug auftauchte.

      Ich sah über meine Schulter zu dem selbstsicher grinsenden Gesicht. Er sagte mir, es würde auf ihn gehen. Wohl hatte er vermutet, dass ich dem nicht traue, was er hier vorhatte. Dennoch... ich kannte den Typen nicht und gab mich nur so weit aufgeschlossen, wie ich musste. Ich nickte ihm zu und wollte mich eben nochmals bedanken, als er weiter redetete. Ich wurde stutzig. Er war auch ein Faie? Waren mir seine Ohren zuvor nicht aufgefallen, so präsenter stachen sie jetzt zwischen den schwarzen Strähnen hervor. Kurz konnte ich meinen Blick nicht davon abwenden. Die meinen mussten demnach auch so unverwechselbar erscheinen. Unterschwellig sprach mich der Fremde dann wieder auf meinen Beutel voll mit Gold an und ich erstarrte. Ich hatte mir noch keine gute Erklärung zurechtgelegt, woher ich es hatte. Wobei... was genau ging ihn das an? Und wenn er mir durch seine oberflächliche Nettigkeit nun die Information rausquetschen wollte, dann wahrscheinlich nur, um mich hinterrücks auszurauben... Diesen Trick kannte ich... auch wenn er in meiner Welt nicht für Geld angewendet wurde... Ein Schmunzeln überzog meine Gesichtszüge, einige wenige Strähnen meines Haares verirrte sich in mein Gesicht, als ich meinen Kopf nun etwas schräg legte. Ich wusste zwar nicht genau warum, aber er hatte mich neugierig gemacht. Ich würde ja gerne die Dumme spielen, die arme, schwache, die sich nicht zu helfen wusste... diesen Umstand konnte ich mir in meiner jetzigen Situation aber nicht leisten. Ich war restlos auf Hilfe angewiesen... und wenn sie nur von ihm kam. Er, der sich hier irgendetwas erschleichen wollte... als wüsste er, dass ich über ihn nachdachte, drehte er seine großgewachsene Statur in meine Richtung. Schenkte mir also nun erstmals ohne Umwege, wie dem schlechten Geflirte von vorhin, seine Aufmerksamkeit und streckte mir seine Hand hin. Er stellte sich mir als Al vor. Etwas überrascht sah ich ihm entgegen. Etwas Verwegenes glitzerte in seinen grünen Augen... war es ein Goldschleier? Mein Blick verdichtete sich. Dennoch, ich war zur Höflichkeit erzogen worden. So nahm ich vorsichtig seinen Handschlag an und legte die meine in seine. Gefühlt spürte ich, dass seine Hand um einiges größer war, als die meine... und vorallem wärmer. Doch wartete Al auf eine Antwort von mir. Unwissend, ob die Namen der Erde auch hier normal waren, wollte ich das Risiko gar nicht eingehen. Wie hatte mich Lazar genannt, bevor ich erwachte? ... "Evelya...", gab ich ihm leise als Antwort und meine Mundwinkel zuckten kurz nach oben. "Oder Eve*... wie... wie du möchtest...", mit diesen kurzen Worten, lies ich seine Hand wieder los und umfasste den Krug mit Met.

      Das Grinsen verschwand nicht aus seinem Gesicht. Mehr noch, ich hatte das Gefühl, als hätte es sich sogar verbreitert. Al hob eine Augenbraue an und machte mich dann wieder darauf aufmerksam, dass ich ihm noch eine Antwort schuldig war. Ich schluckte und ordnete meine Gedanken... ich durfte mir jetzt keinen Fehltritt erlauben... aber ich konnte noch nie gut lügen. "Nun ja ich... ich...", und plötzlich fiel es mir ein, was ich ihm auftischte. Moralisch höchst verwerflich, aber anders konnte ich mich wohl nicht retten. "... ich war eine Sklavin... ich arbeitete seit meiner Kindheit im Untergrund... wurde aufgekauft von Menschenhändlern und diente einem älteren Herren... wusch seine Wäsche, putzte seine Gemächer... er behandelte mich nie schlecht, er verachtete die Faie nicht... zumindest nicht so sehr, wie der Rest. Ich bekam zu Essen und zu Trinken... aber zuletzt blieb es das, was es war... Sklaverei... er schlug mich anfangs einmal halb tot, als ich seine teuerste Vase zerbrach... er verstarb letzte Woche und teilte sein Hab und Gut unter den Angestellten auf, da er ja nichts mehr davon hatte. Niemand von meinen Mitgefangenen hatte eine Ahnung von seinem versteckten Reichtum, auch wenn er keinen Hehl daraus machte, sein Vermögen zu präsentieren... seitdem schlage ich mich etwas durch... und bin zuletzt hier gelandet. Ich kenne diese Welt kaum... hatte nie Eigentum... ich bin ziemlich aufgeschmissen, um ehrlich zu sein.", die letzten Worte waren noch nicht mal gelogen. Um meinen Verdruss zu unterstreichen, blickte ihn, verwoben in Scham, nicht auf, während ich ihm meine Geschichte darlegte. Affektiert strich ich mir sogar über meine Narbe am Kiefer, als ich vom Totprügeln sprach. Auch jetzt war sie immer noch sehr präsent und spannte unter meiner Berührung. Danach umwob ein trauriger Schleier meine Wenigkeit. Um meine Hilflosigkeit zu unterstreichen, nahm ich einen großen Schluck des Mets und lehnte mich dann zurück.




      i constantly feel like i am stuck in the wrong timeline

    • Evelya also... Kurz ließ ich den Klang ihres Namens wirken. Er wirkte in der Tat wie der Name eines Elfenvolkes, oder in dem Falle einer Halbelfe, wobei mir die Kurzversion besser gefiel. Ich würde sie wohl einfach Eve nennen. Natürlich würde ich mich gerne gebürtig vorstellen, doch mein voller Name- und sei es nur der Vorname- könnte durchaus auf meine wahre Herkunft schließen. Zumindest wenn man mit dem Volk der Drachen ein wenig vertraut war...oder den aktuellen politischen Ereignissen. Beine triumphierend wurde mein Grinsen eine Spur breiter als ihre kleine Hand die meine ergriff. Natürlich erwartete ich kein völliges Vertrauen, doch das hier war zumindest schonmal ein Anfang, den ich mir deutlich komplizierter ausgemalt hatte.
      Um die junge Eve jedoch auf ihre fehlende Antwort bezüglich meiner Frage, was eine Faie hier machte, hinzuweisen zog ich abermals eine Braue hoch. Eine Geste welche sie zu verstehen schien und sie begann ihre Geschichte stockend, als wüsste sie nicht ob es eine gute Idee wäre, mit mir darüber zu reden.

      Als das Wort Sklavin fiel verhärteten sich meine Züge und das Grinsen schwand spurlos. Ich war nicht sonderlich gut auf Sklaventreiber zu sprechen. Auch wenn man es nicht glaubte, so war auch ich mitsamt meines Volkes der herzlosen Sklaverei durch Elfen zum Opfer gefallen. Es mag vielleicht einige Jahrzehnte her sein, doch die Narben ebenso die Erinnerungen waren noch lebendig vor meinem geistigen Auge. Man hatte uns wie Vieh zusammengepfercht um für die Elfen Erze und andere schwer zu bekommende Edelmetalle abzubauen, welche sich unter dem steinigen Fels meiner Heimat befanden. Kaum lebenserhaltende Umstände, klirrende Ketten und Hiebe mit stachelbesetzten Peitschen taten sich in meinen Gedanken auf und meine Haltung versteifte sich ein wenig. Ich hasste nichts mehr als diesen Teil der Gesellschaft Glarhiels. Ein Leben als Sklave war schlimmer als jeder Tod, den man in den Landen finden konnte. Ich betrachtete die Blondhaarige diesmal mit einem kleinen Hauch von Verständnis. Wobei sie sich glücklich schätzen durfte, an einen Herren gelangt zu sein, welcher sie halbwegs als Lebewesen achtete. Auch wenn es für mich schwer vorstellbar war, dass es hier Wesen gab, welche nicht die Faie verachteten. Und wenn, dann hatte er bislang niemand dergleichen getroffen. Er als Drache sah ohnehin jede Rasse als gleich an, welche nicht seine eigene war. Damit war ich jedoch einer der wenigen Ausnahmen und zeitgleich jener, der die Völker beherrschen wollte. Während sie von ihrer tragischen Geschichte erzählte fiel mir auf wie sie sich an eine Narbe fasste, welche mir vorher nicht aufgefallen war. Direkt entlang des Kiefers, als hätte sie dort ein Peitschenhieb getroffen. Ihre Geschichte war also nicht erlogen und offenbar schien es sie deutlicher mitzunehmen als anfangs gedacht.
      As sie jedoch von dem Gold sprach sah ich ungläubig zu der kleinen Faie. Ein verstorbener Herr welcher sein Vermögen an seine Bedienstete und Sklaven gab? In welcher Welt existierte denn sowas? Ich glaubte ihr den letzten Absatz keine Sekunde. Kein Lehnsherr, welcher bei Verstand war, würde sein Gold einer einfachen Sklavin überlassen. Wohl eher hatte das junge Fräulein vor mir ihren Herrn umgebracht und war mit dessen Schatz verschwunden. Zumindest leuchtete mir diese Variante eher ein als ihre. Vielleicht wollte sie es nicht offen zugeben? Und war deswegen so schrecklich verunsichert, weil sie vor einer Strafe fürchtete? Fragen türmten sich in mir auf und doch zog ich es vor, jede Einzelne für mich zu behalten, wenn sie schon bereitwillig zu sprechen begonnen hatte. Sie endete mit den Worten, dass sie diese Welt nicht kannte und nicht wusste wohin und was zu tun war. Dies wiederum leuchtete mir sogar ein, immerhin konnte sie nach so vielen Wintern der Gefangenschaft die jetzige Welt nicht kennen. Kaum oder keine Bildung der momentanen Lage, keine Begegnung mit anderen Völkern... Ich seufzte schwer und sah sie diesmal ohne Schalk in meinen Augen an, als sie ihren Met absetzte.

      "Sklaverei ist ein grausames Handwerk in dieser Welt... In der Hinsicht können wir uns die Hand reichen, ich kenne die Sklavenhändler und die Grausamkeit der Herren, welche einen kaufen, nur zu gut.", teilte ich sogar meine wahre Meinung zu diesem Thema. Natürlich war es für mich ebenso wenig angenehm darüber zu sprechen wie für sie und doch musste ich mich ja darauf konzentrieren, ihr Vertrauen vorerst irgendwie zu gewinnen.
      "Tut mir Leid für die Dinge, die dir geschehen sind.", sagte ich schließlich ehrlich und hob zum Toast meinen eigenen Krug.
      "Dennoch bist du zu leichtsinnig. Ich weiß, diese Welt und auch eine einfache Taverne dürften dir unbekannt sein. Trotzdem solltest du besser auf dich achten, Eve. Gerade Orcs aber auch andere Gestalten hier sind nicht besonders freundliche Gesellschaft. Du solltest als Erstes das Gold besser verbergen und es nicht zwingend hervorholen. Eventuell sogar wechseln lassen in Silber und Kupfer.", schlug ich ernst vor. Nicht dass ich etwas gegen wunderschön schimmerndes Gold hatte, doch heutzutage war es gefährlich, solchen Reichtum zu besitzen.
      "Vielleicht könnten wir eine...Abmachung treffen." Nun wieder mit meinem verschlagenen Grinsen begleitet lehnte ich mich etwas entspannter zurück.
      "Ich könnte dich zur nächsten Stadt begleiten, in der wir deine Münzen wechseln und...eine Waffe besorgen. Wie du unbewaffnet überlebt hast ist mir ein Rätsel. Ich würde dich begleiten und dir ein wenig etwas über diese Welt beibringen, ich bin als Wanderer schon ein wenig herumgekommen. Dafür bekomme ich zwei dieser schönen Münzen und wir sind quitt. Deal?" Zum einen forderte ich eine Bezahlung, weil allein die Ausstrahlung des Goldes meine Gier weckte- zum anderen weil eine selbstlose Hilfe vielleicht doch zu offensichtlich wäre. Gegen eine Bezahlung die junge Dame etwas zu begleiten sollte auch für sie unscheinbar wirken- hoffte ich zumindest.
      "Außer du hast ein anderes Reiseziel im Kopf, dann bin ich auch bereit dich dorthin zu führen. Alleine wirst du an der nächsten Weggabelung von Banditen ausgeraubt. Und wie ich schon sagte, wir Faie sollten zusammenhalten. Vor allem als...Leidensgenossen.", sprach ich unterschwellig die Erfahrung mit der Sklaverei erneut an und lehnte mich abwartend zurück, um meinerseits an meinem Met zu nippen.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Angespannt verweilte ich neben Al. Ich wusste nicht, ob er meine Geschichte schlucken würde. Doch hatte ich sie gut ausgeschmückt und die Anspannung könnte ja auch von der Aufgewühltheit diesseits kommen. Meinen Krug Met fest umklammert, starrte ich auf die leicht wabbernde Oberfläche hinab. Aber spürte ich, wie sich seine Ausstrahlung änderte. Er hatte seinen Körper angespannt, wirkte nun fast schon aggressiv, dem Kampfe mutig. Ich hörte ein Schnauben. Kurz darauf sprach der Schwarzhaarige zu mir und innerlich fiel mir eine Last von den Schultern, wie ich sie nur selten spürte. Er hatte mir geglaubt. Langsam, darauf bedacht nicht einfach erleichtert loszuseufzen, blies ich die sich angestaute Luft durch meine Nase, sodass sie mich an meinen Handgelenken kitzelte. Er hob sein Getränk zu einem Toast. Schüchtern sah ich an seinem ausgestreckten Arm empor, nur um in sein deterministisches Gesicht zu blicken. Mit einem freundlichen Schmunzeln auf den Lippen, prostete ich Al zu und nahm dann einen weiteren Schluck von dem süßlichen Getränk, dass wie flüssiger Honig meinen Hals hinabfloss. Seine nächsten Worte waren wieder dem netten Gefallen gewidmet. Neugierig richtete ich meinen Blick auf ihn und ertappte mich, wie ich kurz, schon etwas beduselt von dem Alkohol, auf seine Lippen starrte. Es war jedoch noch ein Bruchteil einer Sekunde und ich rettete mich dadurch, dass ich mir von vorne über meine Stirn fuhr und meine vorgefallenen Haarsträhnen nach hinten über mein Haupt strich. Geduldig hörte ich ihm zu und nickte darauf. Mein Blick war müde geworden. Instinktiv lies ich meine linke Hand an meine Hüfte gleiten und versuchte durch den oberflächlichen Druck der Münzen den ich spürte zu eruieren, wieviel ich noch von dem so hart umkämpften Metall besaß. Geschätzt trug ich noch mindestens zehn dieser kleinen Scheiben bei mir und da ich den Wert von Gold hier sowieso nicht wirklich verstand, zumindest vorerst, sollte es mir auch nicht weh tun, ihm für seine Hilfe zwei der Münzen abzutreten. Nachdenklich schob ich meine Stirn in Falten. Ich wog ab, wie sehr dieses Angebot ihm mehr von Nutzen war als von mir… aber wenn ich mir ehrlich war, konnte ich jedes Fitzelchen an Unterstützung gebrauchen… und möglicherweise konnte mir nächste Nacht Lazar sowieso wieder weiterhelfen, sodass ich Al´s Hilfe gar nicht mehr brauchte. Ich war noch einen Moment stutzig. Mit skeptischen Blick musterte ich das wartende, fast schon angespannte Gesicht des jungen Mannes neben mir, der so fordernd auf eine Antwort wartete und durch sein moralisch angehauchtes Schlussplädoyer meine Zustimmung erhaschen wollte. Ich schürzte die Lippen, entschloss mich dann aber, das Angebot anzunehmen.

      „Also gut… das Gold sei dir sicher… sofern du deine so hoch angepriesene Hilfe auch bis zuletzt durchziehst.“, mein Blick verengte sich und ich ließ ihn auf seinem Gesicht ruhen. Hatte sein Ego einen kleinen Knacks abbekommen? Oder täuschte es mich, dass er mich nun etwas zerknirscht ansah? Ich hob meine Augenbrauen. Ich würde nicht die Partei sein, die sich nicht an eine Abmachung hält. Kurz breitete sich Stille aus. Wobei es auch zuvor nicht wirklich laut in den Räumen war. Nun aber kam mir diese von leisem Schnarchen durchzogene Ruhe richtig beklemmend vor und das möglicherweise toxische Gemisch dieser Luft kratzte wie Gabelzinken an meiner Kehle. Sie ließ mich räuspern… und husten. Und als wäre das nicht schon genug, gab mein Bauch im nächsten Moment ein unliebsames Knurren von sich. Überrascht umgriff ich diesen mit einem Arm. Meine Augen hatten sich peinlich berührt geweitet. „Es wäre wohl das Beste, wenn wir gleich aufbrechen… denn wenn das Bier der Orcs schon nicht genießbar ist, dann will ich gar nicht wissen, wie ihr Essen schmeckt…“, zum Schluss hin, dämpfte ich meine Stimme. Ja, ich hatte mir bei dem Hausherren bereits die Sympathie vertan… doch herausfordern wollte ich ihn trotzdem nicht. So leerte ich den Rest meines Mets und hob mich etwas schummrig auf meine Beine. Wohl, ich hatte lange keinen Alkohol mehr getrunken… oder war dieser in Glarhiel generell stärker? Fest entschlossen setzte ich nun einen Schritt vor den anderen. Ich blickte nicht mehr zurück, auch wenn ich die missbilligenden Blicke der restlichen, wachen Anwesenden spüren konnte. Der Tritt nach draußen, war wortwörtlich ein Schlag ins Gesicht. Die taufrische Morgenluft benetzte meine Wangen und durchzog meine verrauchte Kleidung. Sie hinterlies einen feinen Film auf meiner Haut und legte sich perlig in mein Haar. Ich nahm einen tiefen Atemzug der so pur schmeckenden Luft und seufzte tief. Am Horizont erkannte man wie sich die Sonne tief über den Erdrand schob und die sonst so grauen Wolken in ein zartes Rot tauchte. Fein flimmerten die ersten Strahlen durch die nebeldurchzogenen Äste. Die letzten Glühwürmchen tanzten ihre nächtliche Ballade zu Ende, die wenigen Sterne wurden vom aufscheinenden Sonnenlicht verschluckt. Ein neuer Tag brach an. Al schloss zu mir auf. Die Arme in die Hüften gestützt. Wie er so dastand, konnte ich nicht anders, als ihn mit einem typischen Macho zu vergleichen. Er nickte mir zu und so begannen wir, gemeinsam unseren Weg fortzusetzen.




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    • Eine Weile schien sie tatsächlich zu zögern und innerlich biss ich die Zähne zusammen. Doch nach einer Weile stimmte sie zu, unter der Voraussetzung, dass ich das schöne Gold erst nach erfolgreichem Geleit erhalten würde. Der Umstand ließ mich leicht grinsen. Ich hatte kurz tatsächlich Sorge, dass Eve hier nein sagen würde. Ich hätte es ihr nicht verübelt, immerhin war ich ein kompletter Fremder. Sollte sie wirklich auf einer heiligen Mission sein, so würde sie natürlich ihrer Umgebung misstrauen. Und mir sollte sie eigentlich am allerwenigstens trauen, immerhin war ich jener, der sie letztlich in ihr Verderben führen würde. Das konnte die kleine Faie jedoch nicht wissen und auch sonst niemand hatte Kenntnis von seinem Vorhaben. Mit Ausnahme der Magier seines Reiches, welche er einweisen musste. Die Gedanken schnell verschiebend und mich wieder fassend wollte ich gerade zu einer Antwort ansetzen, als ein eher undamenhaftes Geräusch von ihrer Magengegend kam. Belustigt darüber verkniff ich mir nur schwer ein Lachen. War da jemand hungrig? Leider unterschrieb ich ihre vermutete Aussage sofort. Orcs waren keine gute Brauherren und noch weniger gute Köche- außer man hatte eine Vorliebe für rohes Fleisch, an dem noch Fell und Knochen hingen. Mir schauderte allein bei dem Gedanken daran, weshalb ich mit einem kurzen Blick zum Wirt zustimmte.
      "Es ist besser hier nichts zu essen. Ich würde meine Hand ins Feuer legen dass er Glassplitter in deinem Mahl verstecken würde, aus Prinzip...", merkte ich an und erhob mich schließlich, nachdem ich den Rest meines Kruges geleert hatte. Die dunkle Kapuze wieder über mein Haupt ziehend sah ich der jungen Frau nach, welche offenbar konzentrierten Schrittes den Ausgang ansteuerte. Wenn mich nicht alles täuschte waren ihre blassen Wangen bereits leicht vom Honigwein gerötet, was mir nur ein spöttisches Kopfschütteln abverlangte. Viel zu vertragen schien sie ja nichts, ich saß hier bereits seit Stunden und leerte meine Krüge, als ich gewartet hatte. Glücklicherweise sah sie meinen Ausdruck nicht, war sie damit beschäftigt die knarzende Tür ins freie aufzustoßen und ich folgte ihr, nicht ohne zuvor noch dem mir grimmig nachblickenden Wirt ein arrogantes Grinsen zu schenken. Dieser schnaubte nur wütend und schnell beeilte ich mich, nach draußen zu kommen. Die Dämmerung brach bereits herein und die taufeuchte Luft war eine angenehme Abwechslung im Gegensatz zu der Rauchverpesteten der Taverne. Trotzdem dankte ich im Stillen meinem dunklen Umhang, welcher mich etwas von der frühmorgendlichen Kälte schützte. Wenn ich eines hasste dann war es Kälte. Gut, in diesen Bereichen des Landes nahe der See war es noch erträglich, hier fiel immerhin kein Schnee.

      Die Hände leicht in die Seite gestemmt sah ich den heller werdendem Horizont entgegen und kurz zögerte ich, wohin ich die Heldin nun führen sollte. Es wäre zu auffällig gleich in meine Heimat zu bringen, ich wusste nicht, ob sie wirklich so unwissend war wie Eve sagte.
      Ich spürte ihren Blick auf mir ruhen und nickte ihr kurz zu, ehe ich den Weg wies. Nicht ohne vorher jedoch einen einfachen Apfel aus meinem Beutel zu kramen und ihr zuzuwerfen. Mit einem frechen Grinsen auf den Blicken bemerkte ich ihren verwirrten und leicht beschämten Blick.
      "Nicht dass du mir auf halben Weg noch verhungerst, Eve.", konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen. Schließlich drehte ich mich um im Wissen, sie würde mir folgen, und schlug einen Weg durch die engen Pfade des Waldes ein. Eine große Stadt war in Vikimar nicht zu finden, diese kleine Provinz bestand nur aus zusammengewürfelten Dörfern von den unterschiedlichsten Rassen. Wir müssten den Seeweg nehmen um in ein nächstgrößeres Reich zu gelangen. Die Grenzen zu meinem Land waren ohnehin zu stark bewacht und ich könnte uns wohl kaum in meiner jetzigen Form Zutritt verschaffen. Ich schlug einen südlichen Pfad ein, wusste ich von einem Fischerdorf, in dem wir uns einen Kahn mieten könnten.

      Der Wald erstreckte sich noch im schummrigen Licht des Morgens vor ihnen und mit sicheren Schritten, welche kleinere Äste unter meinen Stiefeln zerbrechen ließ, führte ich sie durch den kaum ersichtlichen Pfad. Ich hatte absichtlich einen Weg abseits der Straße gewählt, da ich jenen nicht über den Weg traute. Im Wald waren wir zumindest geschützter vor den Blicken neugieriger Augen. Das Unterholz machte die Reise nicht gerade leicht und oft mussten wir kleinere Umwege aufgrund dornigen Büschen oder vom Sturm gestürzten Bäume einschlagen. Umgeben von nichts als dem Gesang der Vögel und dem leisen Rauschen der Blätter verliefen die Stunden im einvernehmlichen Schweigen. Das leise Tropfen des Taus begleitete uns noch als die Sonne ihren Weg hinter den bergigen Gipfeln hervorkämpfte und einen angenehmen, spätsommerlichen Tag ankündigte. Ab und an sah ich hinter mich um nachzusehen, ob Eve mit meiner Geschwindigkeit mithalten konnte. Glücklicherweise war sie als Faie ebenso leichtfüßig wie meine Wenigkeit und sie schien problemlos meinem Schritt folgen zu könnte. Nicht ohne sich jedoch argwöhnisch umzusehen.
      Als die Sonne bereits hoch stand gönnte ich uns eine kleine Pause und reichte ihr ein wenig Proviant, ebenso einem Trinkbeutel. Ich selbst nahm lediglich einen Schluck Wasser und verzichtete auf die Speisen. Wir würden mehr als einen Tag unterwegs sein und sollten daher besser rationieren, zumal es mir nichts ausmachte, ohne auszukommen.
      "Wir müssen für eine Stadt den Seeweg nehmen. Hier in Vikimar wirst du nur kleine Dörfer finden, kaum groß genug um einen Händler oder gar einen Wechsler zu beherbergen. Aber am Ende dieses Waldes ist ein kleines Fischerdorf, in dem wir uns einen Kahn besorgen können um weiter nach Kalraq zu kommen. Die dortigen Städte haben viele zwergische Handelsmeister und eine gute Waffe finden wir sicherlich ebenso für dich.", erhob ich nach einer Weile meine Stimme, sah dabei jedoch in den Wald hinein. Vielleicht eine Angewohnheit meinerseits, doch einer unübersichtlichen Umgebung traute ich wenig und behielt daher jede Bewegung des Waldes wachsam im Auge.
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    • Bevor wir unseren Weg nun bestritten, kam in der Luft etwas rundliches, rotes auf mich zugeflogen. Zuerst konnte ich es nicht einschätzen. Meine Augen hatten komischerweise zu tun, die Schärfe von alleine einzustellen. Es wunderte mich nicht. Ich trug in der richtigen Welt Kontaktlinsen… und manchmal auch die von mir verhasste Brille. Möglicherweise würde ich sie hier brauchen… oder auch nicht. Wenn es stimmte was Lazar mir erzählte – was dachte ich da… natürlich gibt es hier Magie -, dann würde ich alsbald meine Fähigkeiten entdecken. Und wenn diese schon in mir schlummerten… eventuell hatten sie meine Kurzsichtigkeit geheilt. Im nächsten Moment schnellte mein Arm empor und fing aus der Luft den Apfel auf, den Al mir so selbstlos zuwarf. Er war beinahe größer als meine Faust und strahlte mir in sattem Rot entgegen. Ich warf ihm ein dankbares Lächeln zu und begann, nachdem der junge Mann vor mir losging, ihn zu essen. Der unterschwellige Hunger hatte mich beinahe blind werden lassen. Während ich das Obst schon fast in mich reinstopfte, um das gröbste Bauchknurren zu besänftigen, wurde die Umgebung um mich dunkler, fast schon düster. Auch wenn die Sonne am Aufgehen war und ihre wärmenden Strahlen in alle Richtungen über die Welt schickte, so finsterer war es nach wie vor hier in diesem mir unbekannten Unterholz… in dieser unbekannten Welt… geführt von diesem… Meine Augen schnellten vom matschigen Waldboden, welcher übersäht war, mit Blättern, kleinen Zweigen und Zapfen, hinauf in das Genick des Wanderers vor mir, welcher sein Haupt unter der schweren Kapuze versteckte. Ich stoppte in meiner Kaubewegung und ließ mich bewusst ein wenig nach hinten fallen. Was machte ich hier? Was hielt ihn davon ab, mich nicht jede nächste Sekunde in den Wald zu zerren und mir alles zu nehmen, was ich hatte…? Meine Gedanken begannen Karussell zu fahren. Der kalte Angstschweiß breitete sich auf meiner Stirn aus. Ein Schauer, eiskalt und meine Innereien zusammenkrampfen lassend, arbeitete sich meine Wirbelsäule hinab. Ich zwang mich selbst, jetzt nicht in Panik zu verfallen. Immerhin gab er mir den Apfel… dennoch… ich sollte ihm nur so weit vertrauen, wie es in meiner Situation nötig war. Alsbald er mir geholfen hatte, eine Waffe zu finden und mein Geld zu wechseln, würden unsere Wege sich wieder trennen. Bestärkt durch diesen Gedanken konnte ich mich wieder beruhigen… und mich auf die Schönheit konzentrieren, die mich umgab.

      Nun endlich nahm ich das leise Singen der Vögel wahr, welches sich von denen in meiner Welt nicht wirklich unterschied, aber dennoch anders klang. Das sanfte Summen der erwachenden Bienen, erfüllte die sich langsam erwärmende Luft. Es roch nach Pilzen, Moos und fallendem Laub. Ein später Sommertag, der sich bereits dem Herbst widmete. Im Hintergrund röhrte ein Hirsch… oder etwas, das einem Hirsch ähnlich war. Sollte sich mein Gesichtsausdruck als argwöhnisch darstellen, dann nur, weil mich all diese Gleichheit die Glarhiel zu meiner Welt aufwies, überraschte, gar schon fast stutzig machte. Natürlich bemerkte ich auch, dass sich Al von Zeit zu Zeit zu mir umkehrte, um zu sehen, ob ich noch da war… was meine etwas übertriebene Annahme von vorhin, schon wieder zunichtemachte. Ich seufzte leise. Dann, ganz plötzlich klang die Stimme des jungen Mannes wieder zu mir durch. Er sagte, wir würden an der gleich aufkommenden Lichtung eine kurze Pause machen. Ich nickte und lies mich in kleinem Abstand neben ihm nieder, als wir uns auf das noch etwas nasse Moos niederließen. Der Schwarzhaarige reichte mir etwas von seinem Proviant und gab mir zu Trinken. Ich versuchte nicht gierig auszusehen, als ich mir das Stück vom mit Butter beschmierten Schwarzbrot einverleibte. Ich dachte nach… meine letzte Mahlzeit in meiner Welt lag auch schon eine Weile zurück… auch war es noch Tag gewesen, als ich aus London verschwand und hier erwachte. Ebenso konnte ich nicht einschätzen, wie lange ich wirklich dort im Gras gelegen bin… geschweigedenn wie lange die Tage hier dauerten. Meine Augenbrauen zogen sich langsam zusammen… wie immer, wenn ich zu sehr in Gedanken verfiel. Fast schon erleichtert atmete ich durch, als Al wieder zu sprechen begann und mir erklärte, wie unser weiteres Verfahren sein würde. Mein neugieriger Blick legte sich in sein vom Dreitagebart überzogenes Gesicht. Während ich kaute, nickte ich leicht und räusperte mich im nächsten Augenblick. „Und… wie lange werden wir noch unterwegs sein? Ich kann mit den Entfernungen … und den Städten… noch gar nichts anfangen…“, entschuldigend zuckte ich mit den Schultern und knabberte verhalten an dem Rand des Brotes, während mein Blick dem seinen folgte. Es war mir schon aufgefallen, dass er eine gewisse Vorsicht an den Tag legte… fast schon, als würde er mit irgendetwas rechnen. Ich tat es ihm nach und sah mich um. Bemerkte dann plötzlich die seichte Stille, die sich um uns ausgebreitet hatte. Fast, als würden uns die erstummten Tiere vor etwas warnen...




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    • Alastor van Kaleth

      Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie hungrig meine neue Begleitperson zu sein schien und kurz huschte ein Lächeln über meine Lippen. Hunger war ein schreckliches Gefühl, welches sogar in Schmerzen enden konnte. Außerdem wusste ich nicht wie lange sie nun schon umherirrte, ohne eine anständige Mahlzeit. Als sie schließlich ihre eigene Stimme erhob wandte ich kurz meinen Blick von dem tiefen Wald ab.
      "Es werden definitiv einige Tage. Die Überfahrt auf dem Wasser wird etwas dauern, sollte aber sicherer sein als den Bogen über das Festland zu laufen. Da kämen wir zu nahe an den Feind heran und die mögen zufällig keine Faie.", antwortete ich wahrheitsgemäß. Gut, Drachen mochten weniger verurteilen, welcher Rasse man entsprang, jedoch mochte meine Sippe es nicht, auf Fremde zu treffen. Und noch weniger seit dem Zeitpunkt, an dem ich den Krieg begonnen hatte. Unsere Mauern konnten denen der Zwerge tatsächlich Konkurrenz machen und jene Männer auf deren Zinne waren allesamt tödlich. Mittlerweile hatten wir uns wirklich zu einer dominierenden Spezies entwickelt, fernab jeglicher Sklaverei. Und dem würden wir auch nie wieder eine Chance geben!
      "Ich denke in einer Woche dürften wir Kalraq erreicht haben. Dort gibt es eine Zwergenstadt mit ehrlichen Münztauschern und guten Ausrüstungshändlern. Vielleicht findest du von dort aus auch deinen Weg, den du folgen willst- jetzt wo du deine Freiheit erhalten durftest. Aber wir müssen vorsichtig sein. Zwerge sind unsereins gegenüber mehr als misstrauisch und es dürfte schwer werden, in ihre Stadt hineinzukommen." Letzteres kam etwas resigniert über meine Lippen. Dieses kleinwüchsige Volk war einmalig, leider auch extrem stur. Doch ich selbst hatte einige Angelegenheiten, die ich in Kalraq klären wollte. Einen Pakt mit einem Zwergenmeister der Schmiedekunst würde für mein Reich deutliche Vorteile bringen. Ein Versuch war es zumindest wert und ich hätte wenigstens noch eine sinnvollere Aufgabe als dieser Faie hier zu folgen.

      Die Geräusche unserer Umgebung verebbten plötzlich. Selbst die Blätter schienen ihren Bewegungen innezuhalten und aufmerksam richtete ich mich gerade auf. Ich suchte im dichten Grün nach einem Anhaltspunkt, welcher von einer Bedrohung sprach. Schweigende Vögel und ein Wald, welcher den Atem anhielt, konnte nichts Gutes bedeuten. Außerdem gab es hier in Vikimar unangenehme Bestien, welche durch die Wildnis streiften. Schlimmer noch als jeder Orc und jeder Bandit. Langsam erhob ich mich und bedeutete Eve still zu sein, indem ich meinen Finger an meine Lippen legte. Schließlich machten meine Drachenaugen eine Bewegung in einiger Entfernung aus und ich presste die Lippen zusammen. Es schien ein Waldschrat zu sein, dämonische Wesen deren Haut der Rinde des Baumes ähnelten. Offenbar zog er durch diesen Wald seine Runden und nur zu gerne würde ich vermeiden, diesem zwei Meter hohen Biest entgegenzutreten. Es waren unschöne Gegner, welche ihre gesamte Umwelt gegen einen benutzten. Von Wurzeln und Ranken bis hin zu den Tieren, die sie korrumpierten. Glücklicherweise war das gehörnte Wesen gute zwanzig Meter entfernt und hatte uns durch den anders wehenden Wind nicht wittern können. Jetzt durften wir uns nur sehr ruhig verhalten und der Schrat würde uns nicht im geringsten bemerken. Ich hätte zwar die Fähigkeiten, dieses dämonische Waldwesen zu besiegen, nicht jedoch ohne mich zu verraten. Die Rinde war sehr hart, die Ranken und Dornen machten es einem unmöglich, näher heranzukommen und die Diener des Geistes griffen ohne Unterlass an. Alles etwas, was meine wahre Form erfordern würde. Ein normaler Faie besaß keinerlei Chance gegen ein solches Ungetüm. Auch wenn ich kurz überlegte, ob ich es dennoch wagte. Immerhin gab ein Kopf eines solchen Wesens locker zweihundert Goldstücke her, wenn man es zu den richtigen Leuten brachte.
      Das Wesen, dessen Kopf ein riesiger Knochenschädel war, nicht aus den Augen lassen winkte ich Eve zu, dass sie sich erheben und mir folgen sollte. Abermals machte ich sie darauf aufmerksam, still zu sein und deutete auf das Wesen, was mich dazu veranlasste. Es war schwer für normale Augen dieses Ding inmitten der Bäume auszumachen, doch dank einem heulen, welches der Waldschrat plötzlich von sich gab, dürfte nun auch die Kleine wissen wie ernst die Situation war. Ich meine... von einem Waldschrat musste sie gehört haben, das waren mitunter die gefährlichsten Wesen in Glarhiel! Sie hießen nicht umsonst Herren des Waldes und ihre lange Lebensspanne machte sie einerseits weise aber auch gefährlich. Dieser hier durfte besonders alt sein, die Wälder Vikimars waren schon viele hunderte Jahre alt..-
      Ich schlich lautlos voran und achtete genau wo ich hintrat. Einen Ast zu zerbrechen wäre jetzt denkbar ungünstig und zu meiner Erleichterung schien die kleine Faie meinem Beispiel zu folgen. Immer wieder Blicke zu dem Biest werfend steuerte ich einen kleinen Abhang an. Dessen felsigen Wände dürften uns eine Weile vor den Blicken verbergen, vielleicht würde der Schrat in einigen Minuten auch weiterziehen. Unsere Stimmen mussten ihn angelockt haben, als wir miteinander sprachen und innerlich schallte ich mich selbst einen Narren, so unvorsichtig gewesen zu sein. Ich reichte Eve meine Hand als wir den felsigen Hang erreichten um ihr dabei zu helfen, in die Felsnische zu gelangen, welche uns Deckung geben sollte.

      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Meine Augen huschten unsicher von Al, in die Ferne des Waldes und wieder zurück. Ich hatte das sorgenvolle Stirnrunzeln in seinem Gesicht durchaus erkannt, sodass mir klar wurde, dass diese plötzliche Stille im Wald nichts Natürliches war. Als ich wieder meinen Blick ins Unterholz schicke, entkam mir das Ungetüm nicht mehr. Ungläubig weiteten sich meine wasserblauen Augen und ich presste meine Lippen unangenehm überrascht aufeinander. Es stolzierte mit solcher Erhabenheit durch die Wälder, welche seine sonst so schwerfällige und plump erscheinende Gestalt wieder zu Nichte machte. Ich wusste nicht, was dieses Wesen darstellte, aber deutete mir Al an, leise zu sein. Ich hatte gehofft, seine ernsten Züge hätten sich etwas entspannt, nachdem auch er den wandelnden Baum mit Rinde und Blätter erblickte… weder noch, er blickte noch etwas griesgrämiger drein als zuvor. Alles was ich in diesem Moment einfach inständig hoffte, war, dass Al wusste was zu tun war. Er schien nämlich einen Augenblick unschlüssig… fast als würde er überlegen das Untier vielleicht nicht doch anzugreifen. Ein zweifelndes Glitzern breitete sich in dem grünlich goldenen Schimmer seiner Augen aus, dann ermattete es geschlagen. Fast, als hätte der junge Mann neben mir seinen Meister gefunden. So war es, dass er sich langsam auf seine Beine erhob, darauf bedacht keine falsche Bewegung zu machen. Er deutete mir zu, mich auch zu erheben, ihm zu folgen. Ich schluckte. Al wusste noch nicht, dass ich ein ziemlicher Tollpatsch sein konnte. Ungeschickt, mit zwei linken Händen… und verkehrten Füßen, wenn man noch eines drauf setzten wollte. Aber gelang es mir sichtlich leicht, lautlos und geschmeidig aufzustehen. Noch nicht mal ein Ästchen brach unter der Belastung meiner Beine, was mich einen Moment erstaunt innehalten ließ. Erst als das Heulen des Wesens die Lichtung durchbrach, zuckten meine Schultern hoch und mein Kopf verschwand zwischen jenen. Al sah nochmals tadeln zu mir hinab, aber ich schenkte ihm nur ein verzweifeltes Lächeln, hob meine Handflächen dem Himmel gerichtet neben mir empor, zeigte ihm so eine stumme Entschuldigung. Er verdrehte die Augen und schlich vor. Naserümpfend blickte ich ihm noch einen Moment hinterher und heftete meinen Blick dann auf seine Füße, speicherte seine gesetzten Schritte in meinem Kopf und versuchte in dieselbe Stelle wie er zu treten. Falls es unter seinem Gewicht keinen Ast zerbrochen hatte, dann unter dem meinem wohl erst recht nicht. So wandelten wir eine kurze Zeit lang durch das dicht verwachsene Buschwerk des Waldes. Konzentriert wie ich war, konnte ich nicht sehen, wo uns der junge Herr hinmanövierte und zog überrascht die Augenbrauen empor, als ich die felsigen Steinklippen rechts und links von mir wahrnahm. Kurz verstand ich nicht gleich, dann leuchtete mir aber ein was Al vorhatte. Imposant leichtfüßig nahm er den kleinen Abhang vor ihm und landete, trotz der kleinen Breite der Nische, auf federnden Füßen. Es ging vielleicht zwei Meter in die Tiefe, nichts, was ich wahrscheinlich nicht auch geschafft hatte… aber dann bei weitem nicht so elegant. So pinnte ich meine Augen kurz auf seine mir entgegengestreckte Hand, ging in die Knie, um sie zu ergreifen und hopste dann, so leise es mir gewährt war, neben ihn auf den von Blättern übersäten Boden.

      Ich hatte es geschafft! Kurz blieb ich noch in dieser halben Kauerstellung, ich wollte nicht, dass Al mein erleichtertes Lächeln sah. Fast schon zu motiviert, zu schnell erhob ich mich wieder zu voller Statur und da kam, was kommen musste. Ich hatte die Schräge der Nische nicht miteinberechnet und knallte mit der Stirn gegen eine vorstehende Kante des Felsen. „Ah!“, von dem mich plötzlich durchfahrenden scharfen Schmerz an meiner rechten Augenbraue überrascht, gab ich einen erschrockenen Laut von mir und fasste mir mit meiner freien Hand an mein Gesicht. Ich spürte bereits, wie sich das warme Blut über meine kühle Haut legte. Meine Züge hatten sich zu einer schmerzlichen Grimasse verzogen und wurden nur noch genervter, als ich meine Hand von meiner Stirn löste und auf das hellrote Blut auf dieser hinabsah. Doch brannte etwas anderes auf mir. Mein Blick schnellte zu Al, der mich schockiert und mit zusammengepressten Lippen anstarrte. Zuerst dachte ich, er konnte kein Blut sehen, oder hatte sich genauso erschrocken wie ich… dann blühte es mir. Ich spürte wie mir die Farbe aus dem Gesicht wicht und meine Mimik an Ausdruck verlor. Schnell, ungeachtet meiner Verletzung zog mich der junge Mann näher in die Nische, drängte mich beinahe in die letzte Ecke, drückte mich in eine knieende Position und baute sich so gut es ging über mir auf, warf seinen Mantel über uns beide. Meine rechte Körperseite war an den kalten Felsen gepresst. Über meinen Rücken war der warme Arm des Mannes gelegt. Er hatte mich etwas näher gezogen. Ich spürte seinen Atem meine linke Wange streifen. Doch diente es ganz allein dem, dass wir hier, in der kargen Düsterheit des Waldes, unter dem doch breiten Kleidungsstück Schutz fanden. Seiner Reaktion nach zu urteilen, musste dieses Wesen auch aus dieser Entfernung unglaublich gut hören können. Ich biss mir auf die Lippe und schloss meine Augen. Wie peinlich… und vor allem töricht, so zu reagieren… na gut, ich wusste es nicht besser. Trotz meiner vorzeitigen Erleichterung, das Getier wäre weitergezogen, hörte ich über uns, nicht weit entfernt, das dumpfe Stapfen seiner Beine… oder Hufe? Ich kniff die Augen zusammen. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wenn Al, großgewachsen wie er war, schon nicht dagegen kämpfte, dann musste dieses Wesen für einen Einzelnen einfach zu stark, zu übermächtig sein. So konnte ich auch die Anspannung des Schwarzhaarigen spüren, als sein Griff an meiner Taille noch etwas stärker wurde. Er war auch nervös… Das unglücklichste was uns jetzt passieren konnte war, dass es meine Verletzung witterte. Mein Blut hatte sich bereits eine kleine Spur links und rechts an meinem Augen hinab gesucht, drängte sich durch meine Mundwinkel auch in jenen, tropfte mir aber spürbar das Kinn hinab. Auch wurden meine Beine langsam taub. Ich hoffte inständig, dieses Ding würde einfach weiterziehen.




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    • Alastor van Kaleth

      Erleichtert bemerkte ich, wie sie meine Hilfestellung annahm und sie ergriff meine Hand. Ich stütze leicht ihr Gewicht, als sie zu dem kleinen Vorsprung hüpfte und atmete etwas angespannt aus, als sie glücklicherweise keinen Laut von sich gab und zunächst neben mir hocken blieb. Meine Aufmerksamkeit war der Umgebung gewidmet und ich versuchte zu lauschen, wo das große Ungetüm sich aufhielt. Doch meine Unachtsamkeit gegenüber der kleinen Faie wurde mir selbst zum Verhängnis, als ich plötzlich einen dumpfen Aufprall gepaart mit einem lauteren Schmerzenslaut vernahm. Entsetzten breitete sich in mir aus und mein Kopf fuhr zu ihr herum. Oh, das sollte doch wohl ein Witz sein! Wie konnte man nur so unschicklich sein, ausgerechnet jetzt?
      Schockiert sah ich zu Eve und sah, wie ihre Züge vor Schmerz verzerrt waren und sogar ihr Faie-blut langsam die Schläfe hinablief. Ich presste die Lippen zusammen um einen fluchenden Ausruf zu verhindern, doch war ich unruhig. Das war nicht gut, gar nicht gut. Der Waldschrat hatte dies sicherlich gehört und die plötzliche Totenstille um uns herum ließ selbst mein Drachenherz nervös schneller schlagen. In dieser Form konnte ich nichts gegen so ein Biest ausrichten, nicht wenn ich die Illusion aufrecht erhalten wollte. Es wäre fatal, wenn sie nach nur einem knappen Tag mein wahres Ich zu Gesicht bekam. Mir waren die Hände gebunden und dieses Gefühl mochte ich gar nicht. Offenbar schien die Blondhaarige ebenso zu verstehen, was sie gerade getan hatte. Ihre ohnehin schon helle Haut wurde aschfahl und Schrecken kroch in ihre Züge.
      Dann hörte ich sie, die Krähen in der Ferne. Sie waren die Augen des Walddämons und schnell zog ich die verfluchte Faie weiter in die enge Felsspalte hinein. Sie etwas unsanft näher auf den Boden drückend entledigte ich mich meines Mantels und dankte der Länge diesen, da ich ihn über uns beide ausbreitete um uns vor den Blicken der schwarzen Vögel abzuschirmen. Durch den Schatten der felsigen Wände und der dunklen Farbe des Leders sollte es zumindest ein wenig Deckung verschaffen. Instinktiv drückte ich Eve enger an mich, dass auch kein Teil ihres Körpers hervorlugte und versuchte sie halbwegs in dieser unangenehmen Position zu halten. Ihre Taille mit einer Hand umfassend und den anderen Arm über unseren Köpfen haltend, damit der Mantel nicht verrutschte, konzentrierte ich mich auf jedes Geräusch. Ich konnte Eves schnellen Atem auf meiner Haut spüren, ebenso die Angst, welche sie empfand. Und um ehrlich zu sein war auch ich bis aufs äußerste angespannt. Meine Finger umfassten sie fester als ich die dumpfen Töne der mächtigen, verwurzelten Beine wahrnahm. Direkt über uns... Das Knarzen, welches die Bewegungen des uralten Dämons von sich gaben, klang gefährlich nahe. Ich konnte nicht nach oben sehen, da das Leder uns die Sicht versperrte und doch wusste ich, dass es direkt über uns lief. Auf den Felswänden, welche mit trockenem Laub bedeckt waren. Es hatte sie gehört und suchte nach uns. Im Stillen war ich beinahe versucht einer Gottheit zu danken, dass der Waldschrat seine verdammten Wölfe nicht bei sich hatte. Diese würden unseren Geruch sofort wahrnehmen und dann hätten wir verloren.
      Gezwungener Maßen versuchte ich so ruhig wie möglich zu atmen und verhielt mich ganz still. Ich hörte die Krähen schreien, welche in einigen Metern höhe mit ihren Flügeln schlugen, auf der Suche nach dem Urheber des Geräusches. Erst als ich spürte, wie Eve leicht zu zittern begann durch die Anstrengung- oder der Angst, so genau konnte ich das nicht sagen- sah ich im Dunkeln zu ihr hinunter und strich beinahe beruhigend über ihre Seite. Sie durfte jetzt nicht aufgeben, nicht jetzt wo die Situation nicht schlimmer hätte sein können.

      Das Knarzen verstummte und offenbar war das Wesen stehen geblieben. Versuchte es uns zu wittern? Das wäre schlecht, Eve war verwundet und der Geruch ihres Blutes stieg selbst mir in die Nase. Kurz konzentrierte ich mich, als mir die einzige Idee kam, wie wir hier lebend rauskamen. Ich rief in meinen Gedanken nach meinem Begleiter, dem untoten Raben Corvus. Er würde meinen Ruf immer vernehmen, egal ob laut oder nicht. In diesem Moment schimmerten meine Augen für einen Moment mehr golden auf als grün, nutzte ich meine Magie um das Tier zu rufen, welches ich am Leben erhalten hatte.
      Tatsächlich hörte ich nach einer weile meinen treuen Freund, welcher schnellere und lautere Schreie von sich gab und den Waldschrat damit irritierte. Dieser setzte sich hörbar wieder in Bewegung und verschwand über unseren Köpfen, um der Sache auf den grund zu gehen.
      Eine ganze Weile blieb ich noch mit Eve im Deckung des Mantels, ehe ich diesen schließlich sinken ließ und mich kurz etwas erleichtert auf den Boden sinken ließ, dabei eine Hand in meinem dunklen Haar vergraben.
      "Das war knapp...", flüsterte ich und stieß angespannt die Luft aus. "Corvus, mein Rabe, hat ihn an das andere Ende des Waldes gelockt, wir sollten ihm so schnell nicht mehr begegnen...", erklärte ich mich kurz und sah prüfend zum Himmel. Ein Hauch Sorge erfasste mich ja schon, hoffte ich inständig, dass der Waldschrat meinem Vogel nichts antat, weil er in diesen Gefilden fremd war. Das Rauschen des Windes kehrte zurück und selbst die Insekten und Vögel schienen wieder zurückzukehren. Etwas kopfschüttelnd sah ich schließlich zu ihrer Platzwunde und suchte in meiner Tasche nach einem sauberen Stück Stoff, welches ich mit dem Wasser, welches eigentlich unsere Ration sein sollte, durchtränkte.
      "Hätte nicht gedacht, dass du so ein Tollpatsch bist, Eve.", kam es strenger als gewollt von mir während ich mit dem Tuch über ihr Gesicht fuhr um das Blut wegzuwischen und zeitgleich ihre Wunde zu säubern. Es hatte schlimmer ausgesehen, als es eigentlich war. Ich kam nicht umhin ihr noch immer blasses Gesicht zu bemerken. "Alles in Ordnung?", erlaubte ich mir zu fragen. Natürlich hatte die weltfremde Faie bislang noch keine Begegnung mit einem Herren des Waldes gehabt, wie auch. Die meisten überlebten so ein Aufeinandertreffen nicht. Und es war immer besser, wenn man diese Wesen in Frieden ließ. So viel Gold sie auch bringen mochten, diese Dämonen hielten ihre Wälder am Leben und schenkten ihnen reichhaltige Vegetation und Leben. Sie gehörten zum Gleichgewicht Glarhiels und sollten daher lieber weiter in Einsamkeit gelassen werden.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Entkräftet biss ich mir auf die Unterlippe. Das schmerzende Ziehen und die aufkommende Taubheit in meinen Beinen, verführte meinen Körper vor aufkommender Schwäche zu zittern. Kämpfend mit mir selbst, ergriff auch ich den Arm von Al um mich an diesen zu klammern. Ich dachte nicht daran, noch einen Moment länger in dieser Position auszuhalten und doch zwang ich mich dazu. Meine Zähne fest zusammengebissen, ruckte mein Kopf erst wieder etwas empor, als auch ich das aufgeregte Krächzen eines einzelnen Raben vernahm. Zittrig atmete ich durch und traute mich meine Augen wieder zu öffnen. In der Dunkelheit des Mantels, der uns so selbstlos vor den Blicken des Ungetüms schützte, strahlte nur an den kleinen Schlitzen am Boden und an der Seite unserer Häupter Licht fasrig herein. Gedacht an jenes, trugen die dumpfen Schritte das mir unbekannte Wesen von uns weg und ich konnte spüren, wie auch die Anspannung in Als Körper stetig abnahm. Es war mir zuvor nicht aufgefallen, wie sehr auch er unter diesen nervenaufreibenden Situation litt. Er traute sich wieder ruhiger zu atmen, das Stocken in seinem Atemfluss klang ab und nach nur wenigen gefühlten Augenblicken lüftete der junge Mann den Mantel über uns und gab unsere Körper wieder der Umwelt frei. Er fiel beinahe etwas in sich zusammen. Aber auch ich konnte nicht anders, als im ersten Moment tief Luft zu holen, diese anzuhalten, mich ungeachtet der Enge zwischen den Spalten auf den Hintern zu setzen und darauf hin meine tauben, kribbelnden Beine auszustrecken. Kurz herrschte Stille. Ich konnte unser angestrengtes Atmen hören, als wären wir einen Marathon gelaufen. Ich hatte vergessen, wie sehr einen die Angst lähmen und auszehren konnte. Von Scham begleitet, sanken meine Lider etwas hinab. Mein Blick hang trotzdem an dem Schwarzhaarigen, der uns das Leben gerettet hatte. Ich hörte ihm zu, auch wenn ich mich im Moment nur darauf konzentrieren wollte, dass das eingeschlafene, kribbelnde Gefühl aus meinen Beinen verschwand. Al erklärte mir, dass er einen Raben, seinen Raben, gerufen hatte, der das Wesen weggelockt hatte. Ich sah ihm entgegen, merkte wie sein Blick doch sorgenvoll in die Luft glitt. Dann überkam mich wieder ein schuldiges Gefühl und ich lenkte meine ermatteten, blauen Augen in Richtung des Waldbodens. Der Wind begann wieder zu säuseln, trieb raschelnd das welke Laub vor sich her. Zaghaft begannen die Vögel wieder ihr Lied zu singen, das Quietschen, Pfeifen und Summen der restlichen Waldbewohner erschallte wieder rings um uns. Es war ein beruhigendes Orchester der Friedlichkeit und ich erwischte mich bei dem Gedanken, nun einfach meine Augen zu schließen und in dieser nun wieder gefahrfreien Umgebung ein Nickerchen zu halten. Zögerlich wollte sich mein Körper diesem Wunsch schon hingeben.

      „Hätte nicht gedacht, dass du so ein Tollpatsch bist, Eve.“, erklang es dann neben mir. Ertappt huschte mein Blick, geweitet und nach wie vor schuldbewusst, zu Al. Er war etwas näher gerutscht. Sein Gesicht sprach Bände der Enttäuschung … oder war es Tadel. Ich konnte es ganz schwer deuten. Er verschwamm mir etwas im Blicke. Begann ich etwa zu weinen? Ich kniff meine Augen kurz zusammen und zwinkerte die Tränen weg, die sich wirklich begonnen hatten in meinen Wimpernkränzen zu stauen. Er streckte seinen Arm aus, wohl um mir mit dem durchnässten Tuch über das Gesicht zu fahren und mein Blut wegzuwischen. Wohl eher aus Reflex, als durch wirkliche Angst, zog ich meinen Kopf etwas von ihm zurück. Sorge hatte sich in meine Augen gelegt, als unsere Blicke sich trafen, doch ließ ich es geschehen. Ich hielt ihm meine Wange hin und zuckte etwas zusammen, als er über die offene Stelle an meiner Augenbraue strich. Er fragte mich im Anschluss, ob alles in Ordnung sei. Unschlüssig tastete ich die geschwollene Stelle ab, verzog etwas meine Lippen und rieb mir dann die Augen, nur um mir mit einem schweren Einatmen die strähnigen Haare über mein Haupt zurück zu streichen. Ich lies mir mit meiner Antwort etwas Zeit. Länger als ich wollte. Aber ich konnte einfach keinen ordentlichen Satz formen. Als Al sich nochmals vorbeugte, schon wie vorhin in der Taverne, um mir eine Antwort zu entlocken, seufzte ich tief. „Entschuldige… ich… ich bin müde… und… stehe irgendwie immer noch etwas neben mir. Ich war unvorsichtig… und unachtsam. Ich…“, mein zerknautschter Blick suchte entschuldigend den seinen. „… danke, Al.“, zögerlich formte sich ein dünnes Lächeln auf meinen Lippen. „Wir sollten uns einfach beeilen, in die nächste Stadt zu kommen… so bin ich dir mehr Last als Hilfe.“, der Gedanke an diesen Umstand hätte mich schon von Anfang an begleiten sollen, doch wurde mir erst jetzt wirklich klar. Mehr als ein wehrloses Anhängsel, dass ihm im schlimmsten Fall nur selbst schaden könnte, war ich im Moment nicht. Vorsichtig ergriff ich die Felsvorsprünge links und rechts von mir und zog mich, etwas schummrig im Blick, auf die Beine, aber nicht, ohne zuvor die Umgebung zu sondieren. Ich richtete meinen geknickten Blick stur vor mich, auch wenn mein selbsternannter Reiseführer noch im Sitzen verweilte. Wenn ich schon nicht dieswärtig eine Hilfe sein konnte, so wollte ich zumindest nicht klein beigeben und die Motivation zur Umsetzung unseres Planes verlieren.




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    • Alastor van Kaleth

      Mein Blick wich keine Sekunde von ihrem mehr als mitgenommenen Gesicht. Es war ihr deutlich anzusehen, wie sehr Eve diese eben erlebte Situation mitgenommen hatte. Und um ehrlich zu sein, auch ich war zwischenzeitlich etwas nervöser geworden. Ich hasste den Gedanken, tatsächlich schwach zu sein und meine wahre Natur nicht zeigen zu können. Wir konnten von Glück sprechen, dass wir nicht gezwungen waren uns mit diesem Dämon auseinanderzusetzen. Es wäre beinahe lächerlich gewesen, wenn ich nach nicht einmal einem ganzen Tag der ach so gepriesenen Heldin leichthin offenbart hätte, dass ich der ihr größte Feind war. Nein, das wäre eine Schande mit der ich nicht hätte leben können. Ihren dünnen Dank und das mehr gezwungene Lächeln kommentierte ich nur mit einem leichten Hochziehen meiner Schultern und nickte verstehend. Allerdings sorgte ihre nächste Aussage dafür, dass ich die Brauen zusammenzog. Wir hatten wohl eine nicht sehr selbstbewusste Faie hier, welche sich selbst als Last betitelte. Zugegeben, ganz gelogen war es nicht. Ich war nicht für den Job eines Babysitters geschaffen, hatte mich jedoch damit arrangiert, immerhin galt es zum Wohle der Drachen und damit meinem Volk. Ich sah dabei zu wie sie sich nach oben zog und allein ihre unsichere Körperhaltung sagte mir, dass diese Frau keine Stunde mehr würde laufen können. Sie hatte eine Wunde an der Schläfe und den gerade größten Schock ihres Lebens gehabt. Und so ungern ich es zugab, allein meine Neugierde ihr bezüglich verbot es mir, die Blondhaarige jetzt schon sterben zu lassen. Nicht bevor ich nicht wusste, welche Kräfte diese entsetzlich schwache Eve vor mir besaß, dass sie die eine war, welche die Göttin auserkoren hatte. Nicht bevor ich nicht wusste, ob ich sie für meine Zwecke benutzen könnte. Immerhin war ich durchaus dazu bereit, die vermeidliche Heldin in meinen Reihen zu begrüßen, wenn sie meine Macht damit stärken könnte. Und der erste Schritt war nicht nur das Vertrauen sondern auch eine gewisse Bindung zu ihr aufzubauen. Ungerührt blieb ich sitzen und sah ihrem Versuch, uns zum Weiterreisen zu bewegen noch eine Weile zu, ehe ich mich erbarmte und meine Stimme erklingen ließ.

      "Warte, Eve. Komm wieder her und setzte dich. Eine kurze Rast wird uns nicht umbringen, außerdem sollten wir nicht zu voreilig die Deckung hier hinter uns lassen.", hielt ich sie vom weitergehen zurück. Ich erhob mich zwar um einiges galanter als sie, behielt jedoch meine Stellung nahe der Felswand. Um ehrlich zu sein brauchte ich einen triftigen Grund, dass ich ihr nicht indirekt sagte wie schwach sie wäre. Und momentan waren diese steinigen Wände die beste Deckung, welche wir hier bekommen würden. Und ich könnte ein wenig der Zeit nutzen, um mehr über diese so sonderbare Faie herauszufinden. Vielleicht sogar den Namen ihres verstorbenen Herren, diese Geschichte interessierte mich einfach aus persönlichen Gründen sehr.
      "Du bist verletzt. Du solltest dich ein wenig ausruhen und um ehrlich zu sein wurden wir bei unserer Rast unterbrochen, sodass ich selbst noch eine Weile ruhen würde, bevor es weitergeht. Keine Angst, wir finden schon schnell genug eine Stadt, dass du mich loswerden kannst." Letzteres neckend ausgesprochen schenkte ich ihr ein freches Zwinkern und grinste dabei, ehe ich meinen Mantel, der noch eben als Deckung diente, auf den Boden ausbreitete. Auffordernd darauf klopfend ließ ich mich wieder darauf nieder und behielt Eve dabei im Auge, welche nur sehr zögernd wie mir schien tatsächlich sich selbst dazu durchrang, sich wieder zu setzen. Ich wusste noch nicht, ob sie mir traute oder ob ihr Misstrauen zu groß wäre. Aber ich war nicht umsonst ein Meister der Worte, wenn ich es nicht herausfinden könnte. Zumal sie sich an mich gewöhnen müsste, die Stadt, welche ich im Sinnen hatte, war noch weit weg und wir würden sie auch nicht binnen zwei Tage erreichen. Sie müsste sich wohl oder übel mit meiner Gesellschaft arrangieren und genau das wollte ich zu meinem Vorteil nutzen.
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    • Kurz noch ruhte mein Blick in der Ferne. Es waren die Worte des jungen Mannes durchaus zu mir durchgedrungen, doch rang ich mit mir. Wie fast immer, wenn ich mit etwas nicht einverstanden war, wollten meine Arme sich eingeschnappt vor meiner Burst verschränken. Aber diesmal zwang ich sie verkrampft zum Gegenteil. Kurz formten meine Hände eine Faust, mein Blick glitt schneidend meine rechte Schulter hinab, wo Al bereits wieder auf seinem Mantel Platz genommen hatte. Auffordern klopfte er auf den dunklen Stoff, sah mich dabei ein, ließ mich keinen Moment aus den Augen wie mir schien. Ich rümpfte die Nase. Mein Körper stand ihm halb abgewandt. Nur zögerlich kam ich aus meiner Starre und kehrte mich wieder zu ihm um. Schweigend richtete sich mein Blick auf ihn hinab. Schlussendlich hatten seine Worte Wirkung gezeigt. Ich spürte bereits jetzt, nur durch den kleinen Anflug von Stress und Unbehagen, wie heimtückisch die Wunde an meinem Auge zu pochen begann und sich in pulsierendem Stechen über meine gesamte Schläfe, sogar hinab zu meiner Wange arbeitete. Noch eine Weile zu rasten wäre wohl oder übel keine schlechte Idee. Ein nachgebendes Seufzen verlies meine Kehle, ich schnalzte unbeholfen mit der Zunge und ließ mich wie ein nasser Sack neben ihn fallen, nur um dabei ein noch unwohleres Ächzen auszustoßen und die Beine im Schneidersitz an mich zu ziehen. Wieder fielen mir meine strähnigen, blonden Haare ins Gesicht. Ich musste einen fürchterlichen Anblick abgeben. Ungewaschen und ungepflegt. Al hingegen erschien, obwohl er seinen Drei-Tage-Bart wohl in Ehre trug, erhaben und trotz der wenigen Maßnahmen, die man hier für Hygiene treffen konnte… gepflegt, fast schon erpicht darauf, sich regelmäßig zu waschen. Ich zog kurz meine Augenbrauen kraus. Ich würde wirklich gerne wissen, wie ich aussehe. Ob mein Gesicht das selbe blieb, ob ich meine bernsteinfarbenen Augen erblicken würde, wenn ich in einen Spiegel sehe… das meine dichte, dunkelbraune Haarpracht diesem strähnigen, schmiergrauen Etwas gewichen war, ließ sich nicht mehr bestreiten.

      Meine Ohren empfingen amüsiertes Kichern. Herumfahrend erblickte mein großgewordener Blick das grinsende Gesicht des Schwarzhaarigen neben mir. Kurz noch huschten meine Augen von links nach rechts, mögliche Gründe für sein Amüsement finden wollend. „W-was?“, kam es mir dann unsicher über die Lippen. „Ist wirklich alles in Ordnung? Sicher, dass du dir deinen Kopf nicht doch zu hart gestoßen hast?“, er legte schmunzelnd eine Hand über seine grinsenden Lippen. Ich starrte ihn an. Immer noch im Missverstehen. Seinem Blick folgend, der unbestritten über mein Gesicht wanderte, versuchte ich Al zu folgen. „Du hast irgendwelche Worte von dir gegeben, die ich nicht verstand… für einen Moment dachte ich auch, du hättest dich in Trance gemurmelt.“, wieder versuchte er nicht einfach loszulachen. Ich musste wirklich eine lustige Erscheinung für ihn sein. Erst spät verstand ich was er meinte. Meine Finger lagen über meinen Fangen, als würden sie diese abtasten. Ertappt ließ ich meine Hände sinken und wich seinem Blick aus, jedoch entging mir dabei nicht, wie Farbe in meine Backen schoss und ihnen eine leichte Röte verpasste. Ich begradigte meinen Rücken und schob eine meiner Hände im meinen Nacken, um diesen zu umfassen. Fast zeitgleich hoben sich meine Augenbrauen empor. Ich räusperte mich. „Entschuldige… das passiert mir einfach immer, wenn ich zu sehr in Gedanken ab… wenn ich zu sehr nachdenke…“, ich rettete mich im letzten Moment. Beinahe wollte ich ein Wort benutzen, dass in dieser Welt wohl nicht benutzt wurde. Ich hätte mich in keinem Fall erklären können, woher ich diesen Ausdruck kannte. Doch schien ich das Interesse des Schwarzhaarigen neben mir geweckt zu haben. Interessiert richtete auch er sich etwas gerade. „Ach so? Nun, wie wäre es, wenn du mir sonst noch etwas über dich erzählst… immerhin verbringen wir noch etwas Zeit miteinander.“, da war es wieder. Dieses selbstsichere Grinsen, dass er auch schon in der Taverne zum ersten Mal aufblitzen hat lassen. Mein Blick lag auf ihm. Ich spürte die Unruhe in mir aufkochen. Verdammt… darauf war ich nicht gefasst gewesen.

      Gut. Was hatte ich ihm bereits gegeben… im Schnelldurchlauf spielte ich meine bisherigen Aussagen meiner Person ihm gegenüber durch. Ich hätte mir das echt vorher überlegen sollen. So unterdrückte ich ein Seufzen. Ich war Al schon viel zu lange eine Antwort schuldig. Fast schon brennend spürte ich seinen Blick auf mir liegen. Insgeheim hoffte ich, er würde mein Zögern damit in Verbindung bringen, dass ich „jahrelang in Sklaverei“ gelebt hatte. Meine Lunge erkor sich dazu, einen tiefen Atemzug zu nehmen. Danach lies meine Hand nur langsam meinen Nacken los und glitt vorsichtig vor mir hinab in meinen Schoß. Ich musste behutsam vorgehen. „Nun… meinen Namen kennst du ja bereits… Evelya… Evelya O´Dyna um genauer zu sein.“, ich machte eine Pause. O´Dyna war der Zuname einer Irischen Sagengestalt, passte aber auch gut in diese Welt hier. „Um ehrlich zu sein, kann ich dir nicht sagen, wie alt ich bin… ich weiß nicht, wann mein Geburtstag ist…“, fuhr ich fort. Und das war noch nicht mal gelogen. „Das ich als Sklavin gearbeitet habe, weißt du auch ebenso bereits. Nun, ich lerne die Welt als solches hier erst kennen.“, etwas hoffnungsvoller hob ich meinen Blick aus dem wasserblau meiner Augen dem Himmel empor. Ein zaghaftes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Ich ließ meine Hände an meinen Beinen hinab streifen und ertastete ein weiteres Indiz, dass ich meiner Geschichte beifügen konnte. Dann wurde ich wieder nachdenklich. „Auch wenn ich die Jahre in Gefangenschaft lebte, habe ich eine Vorliebe für die Poesie entwickelt. Wenn immer es geht, schreibe ich die kleinen Verse, die mir kommen nieder. Lesen und Schreiben wurde mir von einer der Kammerzofen meines ehemaligen Herren beigebracht.“, mir entkam ein Lachen, beinahe so, als wäre meine Lüge Wirklichkeit gewesen. „Sie sagte immer, ich wäre ein armes Ding. So jung und zum Zwang gezwungen. Ich tat ihr Leid, und so übernahm sie die Rolle der Mutter, die ich nie wirklich hatte. Wir mussten uns immer heimlich des Nachts treffen. Die Strafe und Folter für dieses Vergehen der Lehre für Verwirkte wollte sich keiner von uns beiden ausmalen.“, ein fast schon melancholisches Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Um uns sangen die wenigen Vögel ihr bezirzendes Lied. Der Schrecken von eben, war schon fast wieder vergessen...




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    • Alastor van Kaleth

      Zufrieden sah ich dabei zu, wie die sogenannte Heldin sich schwerfällig neben mir niederließ, als hätte sie einen schweren Kampf hinter sich. Es beruhigte mich zu wissen, dass sie trotz allem sogar gewillt war, meinem Wort Folge zu leisten. Vielleicht war es aber eher dem Umstand geschuldet, dass ich ihr kaum eine Wahl ließ. Kurz fuhren meine Augen über ihre eher kümmerliche Gestalt. Ich wollte nicht darüber nachdenken wie lange sie schon ziellos umherwandelte, so mitgenommen ihr Äußeres war. Gedanklich vermerkte ich mir, dass wir definitiv ein Badehaus aufsuchen sollten, sobald wir in der nächsten Stadt angelangt waren um die kleine Faie etwas aufzuhübschen. So konnte ich sie schlecht weiterhin umherlaufen lassen.
      "Wie lange bist du eigentlich unterwegs?", fragte ich meine Begleiterin. Doch offenbar war sie derart tief in ihren Gedanken versunken, dass sie meine Worte nicht einmal wahrnahm. Mit einer hochgezogenen Braue neigte ich etwas meinen Kopf zu ihr, doch starrte sie weiter nahezu apathisch vor sich hin und ihre Lippen begannen zusammenhangloses Zeug zu murmeln, was sich mir nicht erschloss. Etwas irritiert musterte ich sie, wie sie weiterhin Selbstgespräche führte und offenbar gar nicht mehr ihre Umgebung wahrnahm. Eine Weile sah ich ihr dabei zu, bis ich schließlich nicht mehr an mir halten konnte und ein ersticktes Lachen verlauten ließ. Ich gab mir größte Mühe, nicht wirklich laut loszulachen aber dieser seltsame Anblick machte es mir wirklich schwer.
      Offenbar war dies auch der Grund, weshalb sie aus ihrer Trance erwachte und deutlich verunsichert sah sie zu mir.
      "Ist wirklich alles in Ordnung? Sicher, dass du dir deinen Kopf nicht doch zu hart gestoßen hast? Du hast irgendwelche Worte von dir gegeben, die ich nicht verstand… für einen Moment dachte ich auch, du hättest dich in Trance gemurmelt.“, gestand ich auf ihren mehr als verwirrten Blick und versuchte dabei, eine so neutrale Mine wie möglich beizubehalten. Es Misslang kläglich und ich versuchte erneut ein amüsiertes Lachen zu unterdrücken. Das sie daraufhin sogar errötete war schon beinahe als niedlich zu bezeichnen und ihre gemurmelte Rechtfertigung ließ mich grinsend aufblicken. Oho eine Angewohnheit also? Nun, wo diese war gab es sicherlich noch mehr, was ich in Erfahrung bringen konnte und zugegeben spielte dies meinem eigentlichen Plan, mehr über sie in Erfahrung zu bringen, sehr deutlich in die Karten. Ich stieg also harmlos auf das Gespräch mit ein und ermutigte sie, von sich selbst zu erzählen. Immerhin musste ich mehr über die Heldin wissen. Am Liebsten jedes noch so kleine Detail. Jede Schwäche, jede Stärke...jeden Charakterzug und jedes Begehren in dieser kleinen Faie. Informationen waren wertvoller und mächtiger als jede Waffe und jeder Zauber je sein könnte. Ein Umstand, den ich in dem Krieg gelernt hatte. Kenne deine Verbündeten, aber kenne deine Feinde besser. Und genau das war der Grund, weshalb ich selbst derart erfolgreich- nahezu gefürchtet- in diesen Ländereien war. Gleich wie stark mein Gegner war; gegen mich, Alastor, kam niemand an. Weil ich jede Armee und jeden Versuch, die Drachen zurückzudrängen, im Kern zerstörte und die Pläne wie Glas zerspringen ließ. Und mit dieser...Bedrohung, auch wenn es mir lächerlich erschien, sie so zu bezeichnen, würde ich mir Zeit lassen. Sie selbst wirkte weit weniger wie eine wahre Heldin, viel mehr wie ein verängstigtes Lamm welches den Weg nicht kannte. Schwer vorzustellen, dass ausgerechnet sie jene sein sollte, welche mich aufhalten könnte. Mich! Beinahe hätte ich freudlos aufgelacht. Es war beinahe eine Beleidigung der Göttin mir jemand so unfähiges vorzusetzen. Trotzdem... Ich wollte nicht zu schnell urteilen, ich kannte sie nicht gut genug um zu wissen, ob dieses ganze Verhalten nicht doch nur Scharade wäre. Demnach galt es vorsichtig zu sein und abzuwarten und glücklicherweise kannten wir Drachen eine nahezu endlose Geduld. Das kam mit der Lebensspanne, welche uns geschenkt wurde. Man lernte zu warten. Man lernte mit anzusehen, wie die Zeit ihre Spuren hinterließ. Und man lernte, dass einem nichts lieb und teuer sein sollte.

      Doch für den Moment konzentrierte ich mich auf ihre Erzählungen. Jene Geschichten aus den Zeiten ihrer Sklaverei und wenn ich ansonsten eigentlich nichts empfand, in diesem Thema konnte ich durchaus Verständnis hervorbringen. Meine eigene Brandnarbe auf meiner Schulter schien sich mit dumpfen Schmerz bemerkbar machen zu wollen, doch verdrängte ich dieses aufkommende Gefühl meiner eigenen Nostalgie. Ich schwieg und ließ sie reden. Sie sollte sprechen über alles, was ihr in den Sinn kam. Und es erstaunte mich ehrlich gesagt, dass sie tatsächlich eine Ader für Lyric besaß. Poesi also? Eine Träumerin? Lieder und Balladen gab es in diesen Landen weit mehr als genug, aber nur wenige entsprachen der tatsächlichen Wahrheit. Keine Ballade sprach von den Umständen, in denen sich Glarhiel befand. Kein Lied sang von der Kluft zwischen Arm und Reich, dem Dreck in denen die Verstoßenen leben mussten. elbst die Sklaverei meines Volkes war verschönert worden und natürlich wurden wir als blutrünstige Bestien abgestempelt, weil sich keiner die Mühe machte, hinter die Ereignisse zu blicken. Und natürlich...gab es selbst Lieder über mich. Lieder welche von tiefer Furcht sprachen und mit als feuerspeiendes Ungetüm krönten, welches eine Übertreibung dessen war, was man von uns Drachen hielt. Zugegeben, ich besaß die Form einer solche Bestie, jedoch vermied ich sie weitestgehend. Das Gefühl berstender Knochen, wenn ich mich verwandelte, war keine angenehme Erfahrung.

      Sie schloss ihre Erzählung mit einem traurigen Lächeln, als würde sie dieser Erinnerung nachhängen und mein Blick ruhte eine Weile aufmerksam, beinahe schon lauernd auf ihren Zügen. Doch schnell schwand der stechende Blick meinerseits und ich setzte das Grinsen auf, welches sie von mir kannte, kaum dass ihre eisblauen Augen zu mir huschten. Es war mir wichtig, dass sie so wenig wie möglich von meinem wahren Selbst mitbekam. Dieses würde kaum eine Regung zeigen, was sie sicherlich mehr als verunsichern würde.
      "Wie steht es mit dir?", fragte sie plötzlich und ich hob beide Brauen etwas überrascht an. Gleiches mit Gleichem, was? Hah, wenngleich ich bereits einige Geschichten zurechtgelegt hatte um meine Tarnung zu unterstreichen war ich trotzdem nicht gerade begeistert davon, mich als wertloser Faie zu geben. Es widersprach meinem Stolz, mein wahres Selbst derart zu verbergen und doch hatte ich wohl keine Wahl.
      "Über mich gibt es nicht wirklich viel zu erzählen.", begann ich seufzend und lehnte mich gegen die steinerne Wand hinter mir, um eine bequemere Haltung einzunehmen.
      "Eine richtige Familie habe ich nicht. Ich kenne meine Eltern nicht und kümmere mich auch wenig darum, wann ich geboren wurde. Ein großer Teil meines Lebens fand ähnlich wie bei dir ebenso in der Sklaverei statt. Das...Dorf in dem ich lebte wurde gänzlich von den Schwarzmarkthändlern überrannt. Keiner konnte ihnen entkommen." Ich änderte die Geschichte etwas ab, ich konnte ihr schlecht sagen dass dies vor zweihundert Jahren geschah. Aber ich hatte dennoch das Gefühl, diesbezüglich ehrlich zu ihr zu sein. Immerhin war dies eine unschöne Gemeinsamkeit welche wir teilten und auf diese Art würde es mir leichter fallen, ihr Vertrauen zu gewinnen.
      "Ich habe meine Narben noch heute von dieser Zeit. Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wann ich mich von diesem Joch befreit habe." Ich lächelte bitter und zog etwas mein Hemd von meiner Schulter, um das Brandmal in Form eines Adlers zu zeigen.
      "Ich hatte kein Glück mit meinen Herren. Sie waren weder sanft zu mir noch haben sie mich als ein lebendes Wesen betrachtet. Seit ich frei bin genieße ich diese Freiheit auch und reise umher. Wohin mich mein Weg führt, diese Welt ist groß. Sie zu sehen und zu erleben ist ein seltenes Geschenk." Ich ließ den Stoff wieder über die Narbe gleiten und verdeckte diesen Schandfleck. Warum ich ihr dies gezeigt hatte war mir im Moment selber schleierhaft, normalerweise verbarg ich dieses Zeichen der Schwäche vor jedem. Aber etwas in ihren Augen hatte mich tatsächlich dazu bewogen, meine Geschichte zu unterstreichen.
      "Ich jage dem Gold hinterher und guten Geschichten.", zuckte ich mit einem wieder typischen Grinsen mit den Schultern und streckte mich etwas.
      "Ruh dich noch eine Weile aus, ich sehe mir etwas die Umgebung an ob der Weg vor uns sicher ist.", erhob ich mich schließlich. Mir war nicht ganz wohl, dass der Weg zu ihrem vertrauen über mein eigenes Trauma führte und es widerstrebte mir etwas, diese Schwäche zuzugeben. Ich reichte ihr etwas von dem Mahl welches wir nicht groß anrühren konnten und zwinkerte aufmunternd, ehe ich Anstalten machen wollte, mir etwas die Beine zu vertreten. Wohl mehr aus dem Grund, weil ich kein Mitleid von ihr wollte.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Aufmerksam hörte ich meinem Gegenüber zu. Nachdem ich ihm meine erfundene Geschichte auf die Nase gebunden hatte, und meiner Meinung nach sogar sehr überzeugend gewesen bin, wartete Al noch einen Moment um sich meine Erzählung durch den Kopf gegen zu lassen. Er grinste mich an. Was mich ehrlicherweise etwas stutzen ließ. Meine nachdenklich verzogenen Augenbrauen ließen sich nicht lockern, zumindest nicht gleich. Erst als ich nach seiner Vergangenheit fragte, tauschten wir die Plätze unter den Erstaunten. Ich musste beinahe etwas schmunzeln, als ich die Überraschung in seinem Gesicht erkannte. So hatte ich ihn zuvor nicht erlebt. Es war beinahe so, als wäre er noch nie darauf angesprochen worden und ich hätte in diesem Moment eine Grenze überschritten. Dennoch… er zögerte einen Moment, suchte mit seinen stolzen Augen, die etwas von dem überheblichen Glanz verloren hatten, die Umgebung ab… fast als wollte er sich aus der Affäre ziehen. Ich legte mein Haupt schief und sah ihm zu, wie Al kurz verzweifelte. Dann aber, begann er doch zu erzählen. Ich konnte nicht anders, als nun wieder selbst die Erstaunte zu sein. Aber verlies das Staunen schnell meine Züge, als Al mir seine kalte, schmerzliche Geschichte darlegte, die, im Gegensatz zu meiner, wahr war. Langsam, ich konnte es direkt spüren, sanken meine Mundwinkel hinab. Er zeigte mir eine Narbe auf seiner Schulter und mein Atem stockte. Meine Augen umwoben Fältchen der Traurigkeit und lang konnte ich meinen Blick nicht mehr auf seinem ausdruckslosen Gesicht halten. Aber schien es für ihn Vergangenheit und er schien damit klar zu kommen. Also riss auch ich mich wieder zusammen und begradigte meinen zusammengesunkenen Körper wieder, als Al mit einem gleichgültigen Schulterzucken seine Geschichte endete. Er streckte sich durch, ich wand meinen Blick ab. Al meinte, ich sollte mich noch etwas ausruhen und im nächsten Augenblick tauchte das Essen, welches wir zuvor nicht genießen konnten, wieder vor meinen Augen auf. Mit großen Augen hob ich meinen verzurrten Haarschopf empor und sah dem Grinsen seinerseits wieder entgegen. Mit einem zögerlichen Lächeln und einem leisen „In Ordnung.“, nahm ich das kleine Päckchen entgegen und nickte ihm zu, sodass ich verstanden habe, was Al vorhatte.

      So ging er von dannen. Ich hörte das dumpfe Knacken seiner Schritte im Unterholz noch eine Weile, dann rankte sich Stille um mich. Lauschend drehte ich meinen Kopf herum, aber konnte ich nur mehr das sanfte Rauschen des Windes und das nun wieder frohe Lied der Vögel hören. Ein Räuspern verlies meine Kehle, doch dann öffnete ich mit zitternden Fingern das eingeschnürte Stück Stoff, in welchem ein frisches Stück Schwarzbrot, beschmiert mit Butter, ein paar lose Kirschtomaten, ein halber Apfel und so etwas, dass aussah wie Trockenfleisch, herumkullerte. Zaghaft griff ich nach dem Schwarzbrot, brach mir ein Stück davon ab und schob es mir in den Mund. Der Rand war knusprig, ich schmeckte Kümmel, Anis… und ein fremdes Gewürz, dass ich nicht zuordnen konnte. Nach dem Brot war die Tomate dran, die ähnlich süß schmeckte wie jene aus meiner Heimat. Ich kaute eifrig darauf herum und atmete danach tief durch. Ich merkte erst jetzt, dass ich sehr unterzuckert war. Meine Müdigkeit war beinahe greifbar und das Zittern meiner Hände kannte ich, wenn ich zu lange auf dem freien Trainingsgelände zum Bogenschießen war, ohne Pause zu machen und etwas Nahrung zu mir zu nehmen. Ich genoss das karge Mahl noch einen Moment länger, ehe ich mich zurücklies und mich an dem kalten Stein anlehnte. Mein erschöpfter Blick richtete sich zum Himmel. Ich konnte hinter dem Mosaik der Blätter das zarte Blau des Himmels erkennen. Die Sonne legte sich in Schattierungen durch die Äste, fiel nur fasrig auf den Waldboden. Der Blick verschwamm mir. Meine Lider begannen zu flattern, fielen mir zu. Kraftlos, aber angestrengt versuchte ich sie offen zu halten, aber ich gab dem Wunsch meines Körpers nach sich zu erholen. Ich erkannte den Moment nicht, an dem ich einschlief, aber spürte ich, wie meine Hand locker lies und die letzte Tomate kugelte aus meiner Handfläche, hinaus auf meine Fingerglieder.

      „Eve…“, ich kannte die Stimme, die mich rief. „Eve, du musst vorsichtig sein.“, sie drang zu mir aus der Schwärze meines traumlosen Schlafes. „Nicht alles was du siehst, ist wahr. Sieh hinter die Oberfläche… Eve… sei vorsichtig…“, es war Lazar der zu mir sprach. Ich erkannte das Leuchten seiner Augen in der Ferne. „Sieh hin, Eve…“, sie kamen näher, Feuer hinterlegte sie, fraß sie auf, es näherte sich mir, verbrannte meine Hände, als ich versuchte mich zu schützen. Der stechende Schmerz durchdrang meinen Körper und lähmte mich zugleich. Ein greller Schrei ertönte in der Dunkelheit. „EVE!“, etwas hatte mich an der Schulter gepackt. Ich fuhr hoch und schlug mit einem unterdrückten Schrei hoch. Mein Herz schlug fest gegen meine Brust, ich spürte die Übelkeit in meinem Rachen. Meine geweiteten Augen starrten einem Bein entgegen. „Eve…“, gestresst fuhr mein Schopf herum, erkannte zuerst die große Hand auf meiner Schulter, dann das verwirrte Gesicht Als über mir. Ich stieß seine Hand weg und rappelte mich hoch. „Alles in Ordnung?“, ich weiß, er fragte es der Sorge wegen, aber ich überhörte es für einen Moment. „J-ja… ja… ich… ich habe schlecht geträumt… es war… alles gut.“, ich strich mir über mein fahles Gesicht und vergrub meine rechte Hand in meinen Haaren, meine linke stütze sich an meiner Hüfte ab. Ich beruhigte meinen Atem, strich mir den kalten Schweiß von der Stirn und schloss für einen Moment meine Augen. Was… hatte ich eine Vision?




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    • Alastor van Kaleth

      Natürlich war mein Beweggrund, die seltsame Faie zurückzulassen, nicht unbedingt meiner Besorgnis bezüglich der Sicherheit geschuldet. Nein, ich brauchte einfach einen Moment für mich selbst, in dem ich endlich dieses dämliche Grinsen fallen lassen konnte, welches ich ihr gegenüber immer zur Schau trug. Meine Gesichtsmuskeln waren daran kaum gewöhnt, in meiner Heimat hatte ich kaum genug Gründe zum Lächeln. Höchstens ein kaltes Heben meiner Mundwinkel war alles, was meine Untergebenen und Feinde zu Gesicht bekamen. Ich hatte mich schon vor langer Zeit jeglicher Emotionen entsagt, sie machten einen lediglich schwach und verwundbar. Zwei Dinge, welche ich mir nicht leisten konnte. Nicht mehr zumindest. Seufzend lief ich den dicht bewachsenen Pfad etwas voraus und behielt die von Sträuchern durchzogene Gegend inmitten der alten Laubbäume im Auge. Der Waldschrat schien weitergezogen zu sein und etwas besorgt sah ich gen Himmel, auf der Suche nach Corvus. Er hatte den Dämon weggelockt und obwohl ich wusste, dass dieser Vogel nicht sterben konnte, beunruhigte es mich, dass er nicht sofort an meine Seite zurückkehrte. Vielleicht kam diese innere Unruhe auch von dem Umstand, dass ich dieser angeblichen Heldin etwas von meinem wahren Ich erzählt hatte. Jener Sklaverei. Nicht im Detail ehrlich, aber dennoch hatte ich mich nur zu lebhaft an die Qualen erinnern können. Und ich hasste dieses Gefühl. Ich hasste es aus tiefster Seele, dass dieser Schandfleck gebrannt in meinem Fleisch niemals verschwinden würde. Man hatte mich damit gezeichnet, und das nicht nur körperlich. Meine Zähne knirschten als sich meine Kiefermuskeln etwas zu sehr anspannten. Sicher, diese Abscheulichkeiten lebten schon lange nicht mehr. Dafür hatte ich mit meinem Volk gesorgt. Dennoch, es gab solche Ungetüme von Personen noch in Glarhiel. Die Rassentrennung war nur zu deutlich, die Königreiche unsicher und unstrukturiert.
      Nahezu anklagend sah ich gen Himmel. Warum hatte sich die Gottheit dieser Welt entschieden, mich aufhalten zu wollen? Waren meine Beweggründe nicht verständlich und sogar richtig? Ein ganzes Land in so einem chaotischen Stand wie es jetzt war... Was war falsch daran, es mit Züchtigung und dominierender Hand zur Ordnung zu zwingen? Was war falsch daran, jene Schwäche, welche sich Führung der Städte und Ländereien nannten, zu eliminieren um selbst die Dinge in die Hand zu nehmen? Ich verstand es nicht. Es war mir unklar, weshalb sich nun eine bislang schweigsame Gottheit einmischen wollte. Natürlich kannte auch ich die Geschichten um diese Sagengestalt. Aber wo war diese ach so begnadete Göttin, als mein Volk in Ketten lag? Wo war sie, als Kriege mein Land zerstörten und kaum mehr als eine unfruchtbare, karge Landschaft hinterließ? Wo war diese ach so geliebte Göttin vor zweihundert Jahren? Sie war nicht da gewesen als wir sie gebraucht hatten. Ein sehr deutliches Statement für meine Wenigkeit. Und wenn sie mich als Böses darstellen wollte- bitte... Dann würde ich ihr das Monster geben, was sie sehen wollte. Und dafür würde ich ihre heilige Retterin mit in das Verderben ziehen... Denn eines war sicher: Empathie war für mich mittlerweile ein Fremdwort und es würde mir ein großes Vergnügen sein, diese schweigsame Faie schreien zu lassen. Nachdem ich sie für mich gewonnen hatte verstand sich. Ein wenig Spaß konnte immerhin nicht schaden.

      Meine sonderbaren Augen wandten sich von dem klaren Himmel ab, dessen Sonne nun bereits am Wandern war. Wir sollten definitiv bald weiter, bevor die Dunkelheit anbrach würde ich gerne diesen Wald verlassen haben. Immerhin gab es keine Garantie, dass der Waldschrat nicht doch noch widerkehrte und inmitten der Finsternis der Nacht war diese Kreatur noch stärker als zuvor- und seine Wölfe zahlreicher... Ein Krähen über mir ließ sich nahezu erleichtert abermals aufblicken und ich streckte meinen Arm aus, damit mein treuer Gefährte auf diesem landen konnte. Etwas empört wie mir schien zupfte sich das Tier seine zerzausten Federn zurecht und seine dunklen Augen, in denen ein leichtes Rot schimmerte, sahen nahezu vorwurfsvoll zu mir auf. Diesmal zierte ein echtes Lächeln meine Lippen als ich über das dunkle Gefieder strich.
      "Ich weiß, ich weiß. Du magst diese Walddämonen nicht. Aber du warst meine einzige Chance ihn abzulenken!", entschuldigte ich mich bei dem Tier. Als würde er meckern klackerte er noch immer aufgebracht mit dem Schnabel. Corvus hasste wirklich diese Monster. Sein Problem war eher, dass diese Kreaturen durchaus erkannten, dass der Rabe auf meinem Arm ein untotes Geschöpf war. Ich hatte ihn vor langer Zeit gefunden, nahezu zerfetzt und trotzdem um sein Leben ringend. Und...aus irgendeinem Grund hatte ich ihn mit meiner Magie verwandelt und halte ihn seither am leben. Dafür war er ein hervorragender Späher, die Burgmauern der nächsten Ziele aus der Sicht eines unscheinbaren Vogels zu beobachten war selbst für mich ein sehr großer Vorteil in diesem Krieg. Der Vogel beruhigte sich nach seiner kleinen Litanei auch wieder und schmiegte sich dankbar in meine Liebkosung, welche ich ihm gestattete. Er hatte mir immerhin einen ziemlich unangenehmen Kampf erspart.
      "Kehre nach Cheres zurück. Berichte meinem obersten General, dass ich mit der Heldin auf dem Weg nach Kalraq bin. Er soll sich mit den anderen ein wenig von unserem Reiseweg zurückziehen, bis ich herausgefunden habe, wer diese Heldin ist. Ich will keinen einzigen Drachen auf unserem Weg sehen müssen.", raunte ich nun deutlich leiser meinem alten Freund zu und Corvus neigte dabei leicht seinen schwarzgefiederten Kopf als Zeichen des Verstehens. Schließlich erhob sich die Kreatur wieder in die Lüfte und ich drehte mich erst um, als ich ihn nicht mehr sehen konnte. Ich für meinen Teil sollte nun wirklich langsam zurückkehren und die Blonde zum Weitergehen ermutigen. Vielleicht hatte sie sich bis jetzt auch wieder beruhigt.
      Kaum zwischen den Felsspalten hindurchgetreten fand ich Eve schlafend an die Wand gelehnt vor. Doch schien es wenig erholsam zu sein, ihr Gesicht war verzogen als litte sie unter Schmerzen und Schweiß zierte als feiner Film ihre Stirn. Sie zuckte im Schlaf. Ein Albtraum offensichtlich. Ich konnte es ihr nicht verdenken, nach so einem behüteten Leben sogleich Bekanntschaft mit einer boshaften Kreatur zu machen schien nicht spurlos an ihr vorbeizugehen. Wobei ich dies als Schwäche empfand. Sie schien mir im allgemeinen nicht stark und sehr in sich gekehrt, es würde schwer werden, sie dazu zu bringen mir zu vertrauen. Leicht genervt aufseufzend kniete ich mich vor sie und legte meine Hand auf ihre Schulter, um diese leicht zu schütteln.
      "Eve... Wach auf!", sprach ich sie deutlich an doch sie schien sich noch immer in ihren dunklen Träumen zu plagen. Nun doch etwas verwirrt über die offensichtliche Intensität ihres Traumes schüttelte ich sie sachte etwas fester und rief erneut lauter ihren Namen. Plötzlich zuckte sie mit einem unterdrückten Aufschrei zusammen und nahezu panisch fuhren ihre rastlosen Augen kurz umher, ehe sie endlich mich zu erkennen schien. Dabei stieß sie in einer eindeutigen Geste meine Hand von sich, als würde es sie anwidern. Nur mühsam unterdrückte ich ein Augenrollen. So dramatisch müsste sie nun auch wieder nicht sein. Dennoch fragte ich nach, ob alles in Ordnung wäre und ließ meine Stimme dabei sogar sorgevoll klingen. Doch schien dies nicht einmal richtig zu ihr durchzudringen. Ich glaubte ihr keine Sekunde, dass alles in Ordnung wäre, sie sah aus als hätte Eve gerade einen Geist gesehen. Oder etwas Schlimmeres. Nun war es an mir leise zu seufzen und ich legte kurz meine Hand, mit der inneren Vorbereitung gleich wieder abgewiesen zu werden, diesmal auf ihrem Haarschopf ab.
      "Dir kann nichts geschehen, Eve. Lass dich nicht von deiner Angst übermannen durch die neuen Eindrücke dieser Welt. Ich pass schon auf, dass du heil in der nächsten Stadt ankommst.", sprach ich beruhigend auf sie ein und nahm selbst meine Hand nach wenigen Sekunden wieder von ihrem blonden Schopf.
      "Wir sollten weiter. Es wird bald Dunkel und bis dahin will ich den Wald hinter uns lassen. Es ist nicht mehr weit, wir finden hinter dem Rande dieses Waldes ein kleines Dorf, in dem wir vorerst eine Bleibe finden können.", fuhr ich unbeirrt fort und erhob mich aus meiner halb-knienden Haltung wieder. Auffordernd streckte ich meine Hand aus um ihr aufzuhelfen, ließ jedoch in meinen Augen deutlich werden, dass ich diesmal erwartete, dass sie meine Hilfe annahm und sich zusammenriss.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Es dauerte noch einen Moment, bis ich mich wirklich beruhigt hatte. Auch wenn Al es gut gemeint hatte damit, seine Hand auf meinem Kopf zu platzieren, so fühlte es sich für mich nur an, wie ein weiterer, schwerer Ballast auf meinen Schultern. Erst danach konnte ich mich dazu bewegen, seinen Blick zu erwidern. Meine Augen brannten glasig, fast so, als bekäme ich Fieber. Aber mehr führte ich es darauf zurück, dass ich kaum geschlafen und gegessen hatte. Ich war ausgelaugt. Dennoch… Al half mir und ich wollte ihn nicht hängen lassen. Als atmete ich einmal kurz durch, seufzte schwer und ergriff seine Hand. Dann nickte ich wieder. „Natürlich… entschuldige… wir… wir sollten wirklich weiter.“, diesmal mit mehr Stärke in der Stimme. Und da ich meine Entscheidung untermauern wollte, nun mehr Hilfe als Anhang zu sein… „Ich… ich kann deine Tasche nehmen… als … Ausgleich…“, auch wenn ich professionell wirken wollte, als ich meine Hände in die Hüften stemmte, so machte ich wohl einen mehr erbärmlichen Anblick. Al war schon zwei Schritte vorgegangen und drehte sich mit einem verwirrten Gesicht zu mir um. Seine Augenbrauen waren tief gesunken, als hätte er sich eben verhört. Dann überkam ihn wieder dieses selbstgefällige Grinsen. Er griff über seine Schulter und schleuderte mir seinen Seesack in hohen Bogen entgegen. Fast schon ein bisschen fest. Es traf mich ungünstig auf der Brust und ließ mich keuchen. „Übernimm dich halt nicht.“, er zwinkerte mir wieder zu und kehrte mir seinen breiten Rücken zu. Ich musste schmunzeln, legte mir aber den Riemen der Tasche über die Schulter und stapfte ihm schweigend hinter.

      Es verging etwa ein halber Tag. Die Landschaft rund um uns veränderte sich kaum. Der Wald erstreckte sich noch weit vor und neben uns, ehe wir endlich den Waldrand erreichten. Die Sonne war bereits gewandert… hätte ich noch meine Uhr gehabt, würde ich jetzt nachsehen, ob mein Gefühl mit dem Stand der Sonne übereinstimmte… aber ich schätze die Tageszeit auf den späten Nachmittag bis Abend ein. Blinzelnd drehte ich mich um mich selbst herum um unsere Umgebung in mich einzufangen. Die Wiese zu unseren Füßen wurde karger, ich konnte Meeresrauschen hören. Die Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase und ich konnte mir ein Niesen nicht unterdrücken. Nachdem ich mich gefangen hatte, suchten meine tränenden Augen die Gestalt des jungen Mannes, welcher immer ein paar Meter vor mir gegangen war. Al war stehengeblieben. Seine Arme in die Hüften gestemmt. „Eve… komm her…“, rief er mir über seine Schulter zu. Ich war kurz etwas verwundert, trat dann aber näher an ihn heran. Es fiel mir erst dann auf, dass das Gelände vor uns abschüssig wurde. Wir standen auf einem kleinen Hügel vor einer Senke, die in einer Art Bucht endete. Über dem silbern strahlenden Kiesel waren die Pfahlbauten eines bescheidenen Fischerdorfes angelegt. Es gab zwei größere Häuser über dem Meer, die wie Bootshäuser aussahen. Ein langer Steg führte aufs Meer hinaus und mündete auf dem strohig aussehenden Gras an Land. Spärlich und mehr schlecht als recht wurden die übrigen, kargen Häuser von einem Holzzaun umsäumt, bildeten somit die leicht einnehmbare Grenze. Abgelegen stand ein etwas brüchiger Schuppen. Neben dem Rauschen des Meeres, drangen wenige Stimmen und das eifrige Gackern von Hühner zu uns empor. „Dort unten werden wir uns ein Boot für die Überfahrt mieten… wir sollten die Eigentümer aufsuchen.“, entschlossen verschränkte Al seine Arme vor der Brust und lies seinen Blick kurz über die Ländereien schweifen, ehe er sich daran machte, den Hügel hinabzusteigen.

      Er wank mir hinter sich her und lief die letzten Meter am Abhang hinab. Ruhig begann Al sich umzusehen. Ich sah ihm dabei zu, wie er leisen Schrittes von einer Tür zu anderen ging und anklopfte. Doch schien es im ersten Moment so, als würde das Dorf wie ausgestorben sein. Auch meine Augenbrauen kräuselten sich verwirrt zusammen. Ich biss mir auf die Unterlippe und lies meinen Blick schweifen, kniff ihn etwas zusammen. Hinter den halb geschlossenen Vorhängen erkannte ich eine Bewegung. Als würde sich der schwarze Stoff nach innen kräuseln, im leichten Wind der Bucht. Doch irgendetwas sagte mir, dass das nicht der Wind gewesen war. Hatte ich da noch eine Fingerspitze am Saum erkannt? Ich wurde skeptisch und rümpfte meine Nase. Die murmelnde Stimme des jungen Mannes der mich begleitete durchdrang die Luft, die mit dem Rauschen des Meeres hinterlegt war. "... möglicherweise sind sie alle abgehauen... oder verstecken sich...", Al hatte seine Hand an seinen von Dreitagebart ummantelten Mund gelegt und wog seine Stirn in nachdenkliche Falten. Zögerlich trat ich näher. "Ich denke... ich denke die Bewohnerinnen verstecken sich in den Häusern.", ich flüsterte. "Nun ja, weil...", zaghaft deutete ich an unseren Körpern auf und ab. Es war kein Geheimnis, dass man unsere Rasse verachtete. "Oh... meinst du sie fürchten sich? Nun, da können wir dann lange warten...", Al gab ein Seufzen von sich und murmelte noch ein paar Worte, doch mein Blick war schon wieder in Richtung des einen Häuschens gedriftet, wo ich die doch eindeutige Bewegung sah. Ich atmete tief durch. "Warte hier...", meinte ich dann nur kurz und drehte mich um. Auch wenn ich ihn nicht mehr im Blick hatte, so hörte ich das Erstaunen in Al´s Stimme. "Was hast du vor? Glaubst du, du kannst sie umstimmen? Viel Glück dabei!", es kam mir vor wie ein verhaltenes Lachen das seine Worte umschmückte, als würde er nicht erwarten, dass man Plan aufging. Aber ich war entschlossen.

      „Entschuldigt bitte…“, ich war vorsichtig in meiner Annäherung und suchte im Dunkeln nach dem Glitzern der Augen, dass ich zuvor schon gesehen hatte. Und erneut erkannte ich es, wie es zurückwich vor mir. „Nein nein, keine Angst! Hier…“, ich griff wirsch in meinen Beutel mit Gold und hielt dem Schemen eine der Münzen hin. „Wir… wir wollen uns ein Schiff für die Überfahr von euch mieten… wäre… wäre das in Ordnung?“, langsam, das Geld präsentierend trat ich näher an das Fenster heran. Ein kleiner Kopf, war nun endlich im Licht der Sonne zu sehen. Zuerst dachte ich, es wäre ein Kind, dann sah ich, dass es bloß eine kleine Frau war. „Ein Halbling…“, schoss es mir durch den Kopf. Ich kannte diese Rasse von Lebewesen aus einem meiner Lieblings-Fantasy-Bücher… ich merkte, wie mein nervöses Herz anfing zu schlagen. Die rötlichen Locken hangen der durchaus hübschen Frau, die möglicherweise mein Alter hatte, in das von Sommersprossen überzogene Gesicht. „Die… Die Boote… sind alle in Kalraq. Unsere Männer hatten einen großen Auftrag von Silberbrasse… sie sind alle fort… bis morgen früh.“, ihre Stimme klang flach, fast als würde sie sich fürchten mit mir zu sprechen. Meine Ohren zuckten auf und ich erschrak fast. Das war das erste Mal, dass sie so etwas taten. Doch konnte ich das Flüstern der restlichen Frauen und Kinder wahrnehmen. Es war zuerst nur ein kleines Rauschen, dann brachen klare Worte und Sätze hervor. Meine Augen leuchteten. Das war unglaublich. Doch… so schnell es kam, so schnell war es vorbei. Mein Blick war abgewandt, als ich mich der Realität wieder hingab. Ich ergriff ein zweites Stück Gold. „Ist es trotzdem möglich, dass wir hier nächtigen und morgen eines der Boote aufkaufen, für die Überfahrt nach Kalraq?“, ich versuchte den Namen der Stadt… oder des Landteiles, genau so auszusprechen wie der Rotschopf vor mir, um nicht aufzufallen. Kurz sah sie mich skeptisch an, ergriff dann aber das Gold und verschwand im Haus. Ich hörte wieder Stimmen, das kurze Klappern von metallischen Teilen. Dann erschien die Frau wieder und überreichte mir einen Seilzug sowie ein hölzernes Ruder. „Nehmt zeitig das Eichenholzboot mit der roten Reeling. Es gehört dem Trunkenbold des Dorfes. Er ankert immer etwas abgelegen, westseitig der Felsklippen…“, sie nickte den Strand hinab. „Er sollte es gar nicht merken, wenn er sich bereits bei der Rückfahrt wieder die Hucke volltrinkt…“, ein kurzes Lächeln war auf ihrem rundlichen Gesicht zu sehen. Sie zögerte wieder. „Ich kann euch keinen Schlafplatz in den Häusern anbieten… aber der Schuppen bietet Platz für euch beide. Es gibt Heu am Boden… und Wolldecken…“. Ich sah ihr dankbar entgegen und nickte verstehend, ehe mein Blick zu dem brüchigen Holzgebaut schwenkte. „Vielen Dank. Ich danke euch.“, ich schenkte der bis zuletzt Fremden einen warmen Blick und wand mich ab.

      Mein Körper schwappte beinahe über vor Stolz. Aber war ich auf die Reaktion von Al gespannt. Der stand immer noch da, mit seinen verschränkten Armen. Als er mich auf sich zukommen sah, hob er die Augenbrauen empor. „Wir dürfen im Schuppen schlafen… Die Boote sind alle in Kalraq… aber wenn wir morgen nicht verschlafen, dürfen wir das Boot des Dorfsäufers kapern. Dafür, dass ich sie nicht umstimmen kann, hab ich gut verhandelt, oder?“, fast schon etwas hochnäsig warf ich dem Macho seinen Seesack wieder zu und kehrte meinen Schritt um, hinauf zum Schuppen. Das ich einfach nur nett war, ließ ich ihn nicht wissen...




      i constantly feel like i am stuck in the wrong timeline

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      Alastor van Kaleth

      Wie erhofft meinerseits erreichten wir den Strand noch ehe die Sonne zu sinken begann, welcher sich mehr als steinige Bucht herausstellte, in der sich einfache Holzbauten befanden welche das verschlafene Fischerdorf darstellte. Einfache Stege führten zum Meer, an denen zweifellos Schiffe anlegen mussten. Doch die Ärmlichkeit der Behausungen gab mir kaum Hoffnung, hier ein wirklich stattliches Boot ergattern zu können. Doch mussten wir nehmen, was die Leute dort bereit waren, uns zu geben. Und in den Gestalten der Faie dürfte sich dies als schwierig herausstellen. In Gedanken ging ich bereits einige verlockende Angebote durch, welche ich diesen schrulligen Bewohnern entgegenbringen würde, doch offenbar wollte meine bislang sehr stille Begleitung dies übernehmen. Ich sah sie einen Moment lang an, ehe ich sie gewähren ließ. Wenn die werte Heldin meinte, sich beweisen zu wollen stünde ich ihr nicht im Weg. Zudem es Zeit wurde, dass sie etwas mehr an Sicherheit gewann. Sie war mir zu still, war zu schwächlich und alles in mir als Drache sträubte sich dagegen, sie als meine Rivalin zu sehen. Ich bräuchte nur einen Schwenk meiner Hand und es wäre Geschichte. Ich würde abwarten, bis wir die Stadt erreichten um mir dort ein genaueres Bild zu machen von ihr. Nachdem sie ein Bad genommen hatte und anständig gegessen hätte. Sie wirkte noch immer entsetzlich gebrechlich, selbst meine Tasche hatte sie mehr schlecht als recht mit sich geführt- von ihrem "Fang" wollte ich jetzt nicht beginnen.
      Während Eve an einem Fenster mit einer Bewohnerin sprach nutzte ich die Zeit, mich etwas genauer umzusehen. Ich bewegte mich nicht vom Fleck, doch meine Augen wanderten aufmerksam umher. Vikimar lag direkt an der Grenze zu meiner Heimat. Den Dörflern hier war es ebenso bewusst, welch gefährliche Stellung sie hier besaßen. Die richtigen Häfen unterlagen bereits meiner Kontrolle, welche sich weiter südlich befanden. Dieses Dorf war bislang in meinen Augen uninteressant, auch wenn man hier Zähne und teilweise sogar Pfähle in den Boden gerammt hatte, um eine klägliche Abwehr und Grenze zu schaffen. Dabei war ich ehrlich gesagt sogar froh, dass ich mich bislang nicht um dieses Fischerdorf geschert habe. Immerhin ermöglichte es uns so eine recht entspannte Überfahrt. Dennoch sollte ich Anweisung geben, es baldmöglich einzunehmen. Die Strecke nach Kalraq war ein wertvoller Handelsweg, gleich ob die Schiffe groß oder klein sind. Die Güter der Zwerge waren rares Gut und konnten durchaus für diverse Widerständler von Nutzen sein. Sobald Corvus zurückgekehrt wäre würde ich mich darum kümmern, dass dieses Dorf mir unterlag- nachdem wir das Boot lange verlassen haben, verstand sich.

      Unbeeindruckt sah ich zu Eve, welche sich in ihrem kleinen Erfolg zu Sonnen versuchte. Leichthin fing ich mein Gepäck auf und zog nur eine Braue hoch. Wurde hier jemand arrogant? Ein Grinsen unterdrückend nickte ich lediglich. Wahrscheinlich hatte man einfach Mitleid mit ihrem heruntergekommenen Auftreten. Die Halblinge hier waren als friedliches Volk bekannt und demnach wohl etwas bereitwilliger, zu handeln.
      "Dorfsäufer?", wiederholte ich dennoch während ich zu ihr aufschloss und zu dem Holzschuppen sah, welcher wohl kaum den frischen Wind der See von uns abhalten würde. Das Dach hatte bessere Zeiten gesehen, das Holz war dank der Feuchte bereits morsch und ausgewellt.
      "Also sind wir auf jemanden angewiesen, der selbst trinkt wie ein Fisch und den Wellengang mit seinem wankenden Schritt ausgleicht... Klingt vielversprechend." In meiner samtenen Stimme war kein Vorwurf zu hören, viel mehr eine gewisse Belustigung. Aber mir war es gleich, wie wir über das weite Nass kämen. Hauptsache er steuerte das Boot nicht gegen das nächste Riff und fand den Weg. Offenbar war dieser Trunkenbold jedoch der Einzige, der sich wahrscheinlich nicht daran stören würde, zwei Faie mit sich zu führen. Demnach klopfte ich ihr sachte auf die Schulter und setzte wieder ein neckendes Grinsen auf.
      "Gut gemacht. Dann solltest du ein wenig Ruhe und Schlaf nachholen, du wirkst so als würdest du dich kaum auf den Beinen halten können. Ich wecke dich morgen früh.", sagte ich lediglich mit sanften Nachdruck. Auf See konnte ich sie nicht so geschwächt gebrauchen. Sie musste etwas essen und sich ausruhen, der Weg über das Wasser war lang und nicht gerade ein Zuckerschlecken. Mit etwas Kraft bekam ich die Tür, welche in rostigen Scharnieren lag auf und ließ der Dame den Vortritt. Das Innere roch gewöhnungsbedürftig, Stroh bedeckte den Boden und an den Wänden fanden sich einige einfache Werkzeuge. Mehrere Wolldecken waren in einer freien Stelle im hinteren Eck auf dem Boden aufbewahrt und ich zweifelte, ob sich nicht bereits die Motten daran gütlich getan hatten. Das schwindende Tageslicht ließ den kleinen Schuppen nur umso dunkler und weniger einladend erscheinen, doch es war das beste Nachtlager was wir gestellt bekämen. Und immer noch besser als auf den spitzen Steinen der Bucht zu schlafen. Ich lehnte meine Tasche an die Holzwand und untersuchte die Decken, welche in einem halbwegs akzeptablen Zustand schienen und breitete zwei von ihnen in etwas Entfernung voneinander auf dem Boden aus.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."