Poisened Love - The Witch of Tamarien [Daisy&Heaven]

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    • Poisened Love - The Witch of Tamarien [Daisy&Heaven]

      Poisened Love - The Witch of Tamarien

      zur Vorstellung
      Schreibpartner @Daisy

      Kalt und dunkel ragte die Silhouette der in Fels geschlagene Stadt inmitten der Nacht gen Himmel. Die kantigen Türme schienen sich zu messen, welcher Höher schien und welcher wohl am Ehesten den rauem Ton dieser hier lebenden Barbaren gerecht wurde. Die Menschen in dieser Stadt waren gelinde gesagt eher auf Muskelmasse statt Verstand bezogen. Etwas, was einen normalen Mann vielleicht abschrecken würde, sich hinter die Mauern der Burg zu stehlen. Doch nicht die verhüllte Gestalt, welche mit einer Hand an dem steinernen Sockel einer Königsstatur hing. Jene Staturen waren in den eingeschlagenen Nischen der Felswände angebracht, welche das Ungetüm von einer Burg gleich einem Halbkreis umgaben. Die unbewegten Gesichter waren gen fernen Ozean gerichtet, unwissend was in dieser Ferne lag und wohin das unendliche Nass führen würde. Der Mann hing leichthin an einem dieser Sockel. Keineswegs in Angst um den metertiefen Abgrund unter ihm, welcher die leicht erleuchteten Pflasterstraßen preisgab, die sich wie ein Netz durch die grauen Gebäude schlängelten. Manche waren in hellen Fackeln erleuchtet, andere wiederum so schwarz wie die Nacht, in denen der Schlamm festgetreten war und der Geruch von Armut die Luft verpestete. Es war gleich wie viele Städte er in seinem Leben gesehen hatte, irgendwo waren sie alle gleich. Nicht von der Architektur, nein... Sie ähnelten sich jedoch in ihrer Struktur. Prunk und stattliche Mauerwerke auf der einen Seite, zerfallene Hütten und dreckige Ställe auf der anderen. Von seinem hohen Standpunkt war die Kluft zwischen Arm und Reich leicht zu erkennen. Doch wenn man unten auf diesen einsamen Straßen wandelte, verschloss man Augen und Ohren vor diesen Umständen und dem leisen Weinen hungriger Kinder. Kopfschüttelnd glitten seine Augen weiter und suchten die Burgmauern ab. Zwerge sollen diese Stadt in dieses Gebirge geschlagen haben, doch galt jenes Gerücht nur einer alten, nichtigen Legende. Wer auch immer diese Burg mitsamt darunterliegender Stadt errichtet hatte, war nicht unbedingt darauf vorbereitet, dass ein Angriff von oben käme. Die Mauern waren dick, beinahe so dick dass kein Katapult sie durchbrechen könnte. Doch der Eitel der alten Könige, in Form großer Gesteinsfiguren oberhalb der Mauern, waren ein Fehler. Aber welcher normale Mensch würde sich auch in schwindelerregenden Höhen hinreißen lassen? Keiner bei gesundem Verstand zumindest. Und niemand würde es erwarten... Doch ihn hatte man freiwillig hineingelassen. Wer würde nicht einen Grafen des größten Handelspartners Willkommen heißen? Ein schmales Lächeln zierte seine Lippen. Die Wachen und auch der Baron dieses Steinkolosses waren naiv, um nicht zu sagen völlig zurückgeblieben. Keine Prüfung seiner Worte, kein Argwohn. Entweder war er überzeugend genug als Graf oder aber diese Barbaren einfach nur dämlich. Gleich was es war, er hatte einfach die steilen Felswände zu den Staturen erklimmen können, sein Gastquartier war immerhin nicht wirklich weit entfernt. Und nun saß er hier und wartete, zählte die Augenblicke langsam, um sich die Zeit erahnen zu können. Beinahe akkurat auf seine Berechnung trat eine junge Schönheit auf den verlassenen Burghof unterhalb der Baronsgemächer. Die Tochter des hiesigen Herrschers, in ihren Händen ein parfümierter Brief ihres Liebhabers. Oder zumindest glaubte sie dies. Der ganz in Schwarz gekleidete Mann hob die Armbrust mit seiner freien Hand an, welche er nicht zum festhalten benötigte und kurz schimmerten seine Augen golden auf, als der Mond durch die Wolkendecke brach. Er hatte sein Ziel und einen gezielten Schuss später brach die Frau zusammen. Noch ehe die Wachen realisieren konnten was geschehen war, oder gar die Richtung ausmachen, war der Schatten bereits verschwunden und die Statur im Stein wirkte so verlassen wie zuvor.




      "Es tut mir Leid, Graf Lucidas... Aber mein Herr ist leider mit seiner Trauer des nächtlichen Mordes beschäftigt. Wir werden Euch kontaktieren, sobald mein Herr in der Lage ist, mit Euch über den Handel zu sprechen." Der Kammerdiener verneigte sich tief vor dem Dunkelhaarigen, welcher mit einem verständnisvollen Lächeln auf ihn herabsah.
      "Ich verstehe diese Umstände nur zu gut. Gibt es schon Anhaltspunkte, wer die Tochter des Barons ermordet hat?", fragte er mitfühlend. Der Diener seufzte schwer und nickte, ein Schatten huschte über die eigentlich beherrschten Züge des schütteren Mannes.
      "Es war der Geliebte selbst... Die Wachen haben ihn unweit der Tat betrunken vom Met gefunden... Und die Armbrust. Bei morgigen Sonnenaufgang wird er gehängt, wenn Ihr dem Spektakel beiwohnen wollt?" Letzteres fragend gestellt bot der Diener des Hauses eine weitere Nacht in den Gastquartieren an. Wenngleich dem Grafen nichts fehlte, lehnte er höflichst ab.
      "Ich lasse den Baron seine stumme Trauer und mache mich auf den Rückweg. Ich habe leider noch einige Geschäfte zu führen und werde wieder in Nazar gebraucht. Wir hören bald wieder voneinander, dessen bin ich mir sicher." Damit verneigte sich Lucidas galant und mit einem letzten Lächeln verschwand er im Inneren der Kutsche.
      Kaum im Schutze des dunklen Vorhangs, welcher ihn von der Außenwelt abschirmte, atmete er aus und sein zuvor freundliches Lächeln schwand völlig aus seinen edlen Zügen, welche von seinem getrimmten Bart geziert wurden.
      "Damit sollte der Auftrag zu Eurer Zufriedenheit erfüllt sein.", sagte der Dunkelhaarige und hob auffordernd eine Braue. Ihm gegenüber saß eine verhüllte Gestalt. Grinsend nickte der Mann unter der Kapuze und ein schwerer Sack Gold landete in den Händen des vermeidlichen Grafen.
      "Gute Arbeit. Ich hatte nicht erwartet, dass Ihr eine tragische Liebesgeschichte inszeniert, Meister Aaron." Die krächzende Stimme klang beinahe widerlich aufgeregt bei dem Gedanken. Der Angesprochene, Aaron nahm nur wortlos das Gold entgegen. Natürlich hatte er dafür gesorgt, dass beide Ziele sterben. Eines davon durch die Hand des Barons selbst. Er war kein Narr, der perfekte Mord war immerhin einer, bei dem man ihn nicht einmal ansatzweise damit in Verbindung bringen konnte. Außerdem mochte Aaron die Rolle des sanftmütigen Grafens, es wäre eine Schande, wenn diese wegen einem Patzer auffliegen würde.
      "Sollen wir Euch wirklich nicht in die Hauptstadt mitnehmen?" Verneinend schüttelte der Assassine den Kopf. "Ich finde meinen Weg schon, bringt mich nur zum Waldesrand.", befahl er kühl und widmete sich danach nicht weiter den krächzenden Erzählungen seines Auftraggebers. Die Mission war abgeschlossen und damit bestand keine Notwendigkeit mehr, mit diesem Alten zu sprechen. Zudem wartete sein treuer Gefährte Nocturne auf ihn, ein schwarzer Friese mit ausgeprägter Ausdauer für lange Reisen. Und ehrlich gesagt fühlte er sich auf dem Rücken seines Pferdes wohler, als in einer Kutsche wie dieser.

      Leise bog sich das Gras unter seinen schweren, dunklen Lederstiefeln die bis zu seinen Knien reichten und dort von einer Hose aus gleichem Material abgelöst wurde. Einem Schatten gleich wallte ein dunkler, ärmelloser Mantel bei jedem Schritt hinter ihm her. Die schwarze Kapuze dessen tief ins Gesicht gezogen bestieg er sein gleichfarbiges Pferd, welches etwas abseits des Ganzen an einem Baum gebunden auf ihn wartete. Nervös scharrte der pechschwarze Friese leicht mit den Hufen, als sein Reiter noch einen Moment länger als Nötig an diesem Ort verweilte und sein Gesicht der Kutsche, die nun zwischen dem dichten Unterholz des Waldes verschwand, zuwandte. Schmale Lippen, umgeben von dunklen Bartstoppeln, verzogen sich zu einem leichten, müden Lächeln. Es war wohl mehr ein Anzeichen eines Lächelns, da sich die Mundwinkel kaum hoben. Dennoch, es strahlte Zufriedenheit aus doch zu gleichen Maßen auch eine seltsame Melancholie, dass dieser Auftrag seine Zeit verschwendet hatte. Aber dafür besaß er nun einen vollen Geldbeutel und war für seine vor sich liegende Reise abgesichert und sein Magen war freundlicherweise durch des Barons Gastfreundschaft gefüllt, ebenso wie seine Vorräte. Mit diesem leisen Lächeln lenkte er sein Pferd auf einen überwucherten Pfad, von dem er auch gekommen war. Trabend bannte sich der Hengst seinen Weg durch den dunklen Wald, vorbei an dichten Sträuchern und mächtigen Holzstämmen die mit Moos überwuchert waren. Das gleichmäßige auf und ab bei jedem Schritt den der treue Kamerad des Assassinen voransetzte, ließ Aaron mehr und mehr in einen Schlaf gleiten. Die letzten Nächte kam ihm dieser Luxus nicht zugute, war er doch zu sehr mit der Planung des Anschlages beschäftigt, als das er sich auch nur einen Moment der Ruhe gönnen konnte. Seine Augen verschwanden hinter sich müde senkenden Lidern und sein Kopf kippte leicht nach vorn bis das Kinn auf der Brust ruhte. Sein Pferd wusste schon den Weg zu jenem Ziel, welches er seit Beginn von drei Monden ansteuerte: Heartia. Oder besser gesagt einer heruntergekommenen Behausung inmitten eines Waldes, fernab eines Dorfes. Keine Zeugen welche ihm im Weg standen und jede Menge Möglichkeiten, sein Ziel genauer zu untersuchen. Aaron überließ Nocturne die Führung. Er vertraute dem intelligenten Kaltblut völlig. Alles was er jetzt brauchte, war Schlaf, sein Körper war durch diverse Umstände nicht mehr ganz so beständig wie Anfangs… und Morpheus Arme griffen bereits nach ihm und hüllten ihn in eine angenehme Dunkelheit, die von einem traumlosen Schlaf sprach.

      Tage und einigen Informanten später erreichte er den dunklen Wald, in dem er die Hütte der jungen hexe finden sollte. Wobei zu bezweifeln war, ob sie wirklich eine Hexe wäre oder nicht einfach eine kräuterkundige Frau. Für die abergläubischen Menschen hier war jeder, der Anders war, bereits gefährlich und hatte mit schwarzer Magie zu tun. Aaron hingegen betrachtete die Sache eher nüchtern, obgleich sie größte Wichtigkeit für seine Gilde besaß. Und für ihn, so ungern er das auch zugeben würde. Sein wachsamer Blick versuchte jedes kleine Detail seiner Umgebung aufzunehmen, um irgendwelche Regungen oder Hinweise auf eine hier lebende Frau zu gewinnen. Nocturne blieb still und trabte leise weiter durch den schmalen, windigen Pfad, an dessen Ende wohl das besagte Hexenhaus auf ihn warten sollte. Noch immer trug er die Gewandung des Grafen Lucidas. Er würde sich zwar nicht als dieser ausgeben, doch die Gewandung eines Adeligen schützte ihn einerseits vor Raufbolden und Banditen- sie würden es nicht wagen, sich mit der Gilde der Adligen anzulegen- und zum Anderen konnte er sich noch immer als reisender Händler oder diverser Abenteurer ausgeben. Zumindest das Schwert an seiner Seite würde der Geschichte eines Abenteurers eher Glauben schenken, die Montur aus Leder und Samt erledigte den Rest. Die Kapuze von seinem dunkelbraunen Haarschopf gleitend lassend fixierte er die nächste Biegung, hinter der er meinte, eine Behausung ausmachen zu können.

      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Gloria Bonhu
      Der Wald hinter dem kleinen verschlafenen Dörfchen ist ein wirklich schöner Ort gewesen, wenn man sich die Mühe machte ihn zu betrachten. Die Bäume wuchsen hoch empor, waren gesund und legten ein malerisches Blätterdach über den nahezu ungerührten Boden. Es gab einen Bach, der in einen kleinen Wasserfall mündete. Hier und da lichtete sich das Dickicht für unterschiedlich große Rasenflächen, die die unterschiedlichsten Blumen und allen nur erdenklichen Farben beherbergten. Selbst die wuchernden Dornenranken an vielen Enden und Ecken hatten ihren besonderen Charm und versteckt in ihrem Schatten war Glorias Lieblingsort in diesem Wald. Wenn ihre Seele mit der Dunkelheit verschmolz und sie eins mit dem Wald werden konnte, sie von Blatt zu Blatt im Wind springen konnte, harrte sie am liebsten mitten in den Dornenbüschen aus. Ihre sonst so gefährlichen und schmerzenden Stacheln konnten sie nicht verletzen. Im Gegenteil, wenn es auch ein äußert alberner Gedanke gewesen ist, sie fühlte sich von ihnen beschützt. Als trage sie eine harte Rüstung, die nicht zulassen würde, dass unerwünschtes Leid der jungen Frau zu nahe kam.
      Meditierend ist sie auch heute wieder an dem Ort ihres Rückzuges gewesen. Am frühen morgen war Gloria mit den ersten Sonnenstrahlen aufgestanden, um ihre übliche Runde zu machen zu ihren ausgestellten Fallen. Nur um festzustellen, dass auch heute wieder kein Hase seine sanften Pfoten in den Auslöser gestellt hatte. Es waren auch keine Fische in ihren kleinen Käfig geschwommen und ihre kleine Plantage mit Orangen zeigte auch noch keine Früchte. Wo auch immer sie sich hindrehte, ihr Hunger schien heute nicht gestillt zu werden. Daher hatte sie sich seufzend ihres Körpers entledigt und ihre Seele von der Schwärze verschlingen lassen. In diesem Zustand hatte sie nicht nur keine Grenzen, sondern würde ihre fleischlichen Leiden auch für eine lange Zeit nicht spüren können. Das war in Ordnung. Dann war heute eben wieder einer von diesen Tagen. Zum Abend hin würde sie die Fallen erneuern und dieses Mal wird sie bestimmt etwas finden. Sie könnte es auch noch einmal oben in den Bergen versuchen. Vielleicht kann man bereits von den wilden Brombeersträuchern essen.
      Ja vielleicht. Wenn gar nichts half dann müsste sie sich vielleicht wieder bei einem ihrer Beschützer melden... Im Austausch für ihre Gifte sind sie bereit gewesen Glorias Vorräte aufzustocken, da sie selbst kaum voran kam auf dem Markt und die meisten Menschen sich weigerten ihr ihre Waren zu geben. Allerdings würde das auch wieder bedeuten, dass vermutlich ein Mensch sterben müsse. Oder zwei? Drei? Sie hat inzwischen selbst den Überblick verloren wie viele der todbringenden Fläschchen sie bereits widerwillig in die Hände dieser Männer gegeben hat. Aber vielleicht war das auch besser so. Sie wollte es eigentlich gar nicht wissen. Wollte nichts mitbekommen, keine Namen, keine Umstände hören. Sie wollte in den kleinen, schönen Fläschchen keine Gesichter, keine Schicksale sehen... Doch wenn sie ehrlich mit sich selbst gewesen ist, dann tat sie das bereits. Sie malte sich aus zu welchen Zwecken ihre Mixturen missbraucht wurden und Gloria kämpfte bei jeder Übergabe mit sich selbst die Ampullen einfach auf dem Boden zerspringen zu lassen.
      Komplett aus ihren Gedanken und ihrem schlechten Gewissen heraus gerissen erschreckte die junge Frau, als plötzlich schwere Hufe in ihrer Nähe auf den Boden auftrafen. Sie wagte sich aus ihrer großen Dornenkrone heraus und blinzelte in das Tageslicht einem Reiter entgegen, der gemächlich auf sie zuritt. Im ersten Moment konnte die junge Frau gar nicht greifen, was sie da sah. Sie dachte sie träume vielleicht, als die Gestalt immer deutlicher wurde. Doch das Wiehern, das Klappern von diversen Schnallen am Zaumzeug, das gelegentliche Schnauben und schließlich die lauter werdenden Schritte der großen Kreatur machten es Gloria unmöglich an einer Halluzination festzuhalten. Neugierig wagte sie sich noch ein bisschen weiter vor und schlüpfte in den Schatten eines großen Steines. Anschließend einen Baum. Ein verlassener Baumstamm. Immer wieder verringerte sie Stück für Stück den Abstand zwischen dem Fremden und seinem Gaul, doch in seinen Schatten traute sie sich nicht hinein. Nein, aus sicherem Abstand betrachtete sie die edle Kleidung, die der Mann trug. Die teuren Stoffe, je länger sie hinsah desto mehr Verzierungen konnte sie entdecken. Seine Hände, fest um die Zügel gelegt wirkten groß und unnachgiebig, während sein Blick stetig starr auf ein Ziel fixiert zu sein schien. Seine Haltung war kerzengerade. Wenn Gloria es beschreiben müsste, dann strotzte er nur so vor Disziplin... Es erinnerte sie ungemein an die Wachen des Gefängnisses. War dieser Mann vom Militär? Was war es, dass es ihn an diesen Ort vertrieb. Sie hatte schon so viele Jahre niemanden hier erblickt, wenn es sich dabei nicht um das ein oder andere verirrte Kind handelte. Gloria beobachtete ihn mit einer Faszination, die gepaart mit einem Schrecken davor gewesen ist, dass er vielleicht tatsächlich Böses im Schilde hatte.
      Doch dann erblickte sie sein Gesicht. Den ordentlich getrimmten Bart und augenblicklich musste sie sich vorstellen, dass er bestimmt nach Seife roch. Wer so gepflegt aussah... Er hatte sicherlich viel Geld. Was um alles in der Welt machte ein reicher Mann allein auf einem Pferd in diesen Wäldern? Und dann auch noch so tief im Dickicht? Ihre Augen wanderten zu dem Schwert, das an seinem Pferd befestigt gewesen ist. Es war versteckt in einer dunklen Scheide. Und doch wusste Gloria, dass es sich dabei um eine Waffe handeln musste. Diese Situation wurde ihr immer unbegreiflicher. Sie wechselte blitzschnell die Seite und erblickte Taschen, die voll Proviant zu sein schienen. Ab diesem Moment war es gänzlich um die Dame geschehen. Wie bei einem ausgemergelten Tier hingen ihre Augen fest an diesen großen Taschen. Brauchte einer alleine so viel Proviant? Wie lang musste seine Reise sein, um so viel zu essen? Ob er... wohl vielleicht etwas über hatte? Was, wenn er sich verlaufen hatte und Gloria aus Dankbarkeit für eine Weisung einen Apfel abgab...?
      In ihrer Träumerei fiel es Gloria entsetzlich spät auf, dass sie und der Fremde genau auf ihre kleine, heruntergekommene Behausung zusteuerten. Erst, als sie den Weg, auf dem sie wandelte wieder erkannte, blickte sie auf und sprang augenblicklich in die Schatten der großen Bäume. Warum war er denn so tief hier her gekommen? Ihr Hunger war auf einen Schlag vergessen und das Misstrauen übernahm gänzlich die Kontrolle über die junge Frau.
      Ihr Herz klopfte schnell und in ihrer Nervosität verlor sie mehr und mehr die Konzentration, so dass ihr Körper Stück für Stück zu seiner eigentlichen Form zurück fand. Doch nicht einmal das konnte sie nun interessieren. Ihre Hände an der alten Baumrinde beobachtete sie den Mann mit Argusaugen, der vor ihrer Hütte hielt und von seinem edlen Ross abstieg. Jede ruckartigere Bewegung seinerseits brachte sie sacht dazu zusammenzuzucken und immer mal wieder mehr hinter den Baum zu ducken. Was wollte er hier, wenn er sie nicht einsperren wollte? Zielstrebig steuerte der Mann die Pforte ihres armseligen Reiches an und klopfte. Bestimmt. Mit Nachdruck. Gloria entwich ein wimmernder laut. Oh das war nicht gut oder. Sie sah an sich selbst herunter. Wie schmutzig sie aussehen musste neben diesem Mann. Sicherlich machte sie einen verwilderten Eindruck in ihrem alten, farblosen Kleid, der kaum vorhandenen Corsage und ihrem an manchen Stellen bereits zerfetzten Umhang. Wenn er sie nicht schon einsperren wollte, dann bestimmt nach nur einem Blick auf dieses Geschöpf, das einsam im Wald lebte. Es klopfte erneut und Gloria riss den Kopf wieder zu dem unbekannten Herren. Als auch dieses Mal niemand antwortete, entfernte er sich endlich von der Tür und begann sich ein wenig umzusehen. Unruhig tippte die Frau auf die raue Oberfläche des Baumstammes und kratzte sacht darüber. Was sollte sie tun? War es das für sie? Musste sie sich damit abfinden, das man sie nun endgültig von hier vertreiben wollte?
      Innerlich bereitete sie sich bereits auf die Flucht vor. Sie betrachtete den Boden und versicherte sich genauestens davon bis wohin die Schatten reichten und wie weit sie hinaus ins Licht treten musste. Wie schnell sie wieder in ihre körperlose Form springen könnte. Vielleicht würde es ihr in den Bergen doch besser gehen... Vielleicht fand sie dort ja auch ein verlassenes kleines Häuschen... Gloria holte tief Luft und sprang aus ihrem Versteck, als der Mann Anstalten machte um ihr Heim herum zu gehen und in die Fenster zu blicken. "Verzeihung!", sagte sie selbst laut genug, dass sie sich erschreckte. "Habt Ihr... den Weg verloren?" Obwohl alles in ihr sehr aufgewühlt gewesen ist, rührte sich keiner ihrer Muskeln. Wie eine Puppe stand sie da, die Arme hingen an ihrem Körper herunter und ihr Gesicht wirkte wie aus Porzellan. Nichts sprach von dem Sturm, der in ihrem inneren tobte.
      Now that I know your name
      I'm finally able to spell perfection.
    • Aaron van Threys

      Tatsächlich kam eine alte und ziemlich heruntergekommene Hütte in Sicht. Armut und Verfall hatten wohl bei der Hexe auch keinen halt gemacht. Noch immer zögerte Aaron, sie als richtige Hexe anzuerkennen. Er wusste immerhin kaum etwas über diese Frau. Die Spione der Bettler Gilde haben sich seltsamerweise etwas bedeckt mit ihren Informationen gehalten und es hatte einige Kronen gebraucht, jemanden überhaupt zum Reden zu bringen. Aaron wusste, dass die Mitglieder des Bettlerkönigs alles geldgierige und verschlagene Menschen waren und trotzdem, mit der richtigen Menge an Gold waren sie alle Käuflich. Und dennoch stimmte etwas nicht, als er den letzten Informanten nach genaueren Informationen befragte. Mehr als ihre Lokation und eine grobe Beschreibung ihres Aussehens hatte er nicht mehr erfahren können. Was ungewöhnlich war, bedachte man den Umstand, dass die Informanten der Bettler selbst die kleinsten Geheimnisse der Herzöge kannten. Aber gut, Aaron musste nehmen, was er hatte. Nocturne hielt gehorsam in respektvoller Entfernung zur Hütte und behände sprang er vom Rücken seines einzigen Freundes. Innerlich hatte sich der Assassine bereits seinen Hintergrund zurechtgelegt. Er wollte als Adam Gordon, einem reichen Händler und Investor auftreten, welcher den Rat einer Kräuterkundigen Hexe brächte. Letzteres war auch nicht gelogen, immerhin brauchte er tatsächlich jemanden wegen seiner...ungewollten Krankheit. Seine behandschuhte Hand erhob sich und klopfte an die hölzerne Tür. Doch es blieb ruhig, nichts regte sich im Inneren der ärmlichen Behausung. Sein Gehör war mehr als gut und er würde es merken, sobald sich auch die leisesten Schritte näherten. Aber nicht ein Ton drang zu ihm. Abermals klopfte er, diesmal nachdrücklicher. Immer noch nichts und etwas irritiert zog er die Brauen zusammen. Gut, es dürfte nichts ungewöhnliches sein, wenn die Frau gerade irgendwo im Wald unterwegs wäre. Dennoch ärgerlich, er hatte wenig Lust, hier ewig auf diese Hexe zu warten. Lautlos seufzte er und drehte sich dann herum. Die Hütte war gut versteckt, große und alte Bäume umgaben sie und schützten vor fernen Blicken. Der Wald im allgemeinen war sehr durchwachsen, Pfade waren nur spärlich vorhanden und verliefen sich des Öfteren im Nichts. Ohne Beschreibung hätte selbst der Braunhaarige länger gebraucht, sie zu finden. Seine goldenen Augen suchten weiter, nach Details und Hinweisen, die ihm mehr Informationen geben würden. Doch viel gab es hier nicht zu sehen. Die Hütte wies morsche Stellen und diverse Löcher im Strohdach auf, dass selbst ein kleines Feuer nicht gänzlich vor Wind und Wetter schützen dürfte. Kräuter waren an manchen außenliegenden Haken befestigt, damit sie im Sonnenlicht schneller zu trocknen vermochten. Allerdings entdeckte er keinen Stall oder ähnliches, was auf Nutztierhaltung hinweisen würde. Unweigerlich fragte er sich, wie die Frau überleben konnte, ohne dass sie gleich der Bauern Acker bestellte und Vieh heranzog. Sicher, diese Gegend und auch das Dorf war alles andere als Wohlhabend. Er war hindurchgeritten und die Verhältnisse dort waren ärmlich. Schlamm und Dreck zierte die Wege des Dorfes, auf denen die Kinder spielten und die Tiere geführt wurden. Ein Anblick, den man oft genug in dieser Welt sah. Aaron war beinahe froh, dass es ihm als Mitglied der Assassinen an nichts fehlte. Sein Geldbeutel war dauerhaft gefüllt und seine Behausung, sollte er sie einmal benutzen in seiner Heimat, war die eines Adligen würdig. Auch wenn bei ihm kein unnützer Prunk platz fand und sie daher etwas leer zu sein schien. Alle mal besser als dieses Dorf oder gar diese Hütte.



      Gerade wandte er sich zu der Seite der Behausung, um sie zu umrunden und eventuell einen Blick auf das Innere zu erhaschen, als ihn eine Stimme aufschreckte. Tatsächlich war er kurz schockiert, er hatte niemanden kommen hören. Was bei seinen Fähigkeiten eigentlich unmöglich war. Doch sein Schreck verflüchtigte sich binnen weniger Sekunden wieder, als er die zierliche Frau vor sich in Augenschein nahm. Das dunkle Haar, die klaren Augen... Das müsste seine Zielperson sein, welche offenbar etwas unsicher obgleich seines Auftretens zu sein schien. Mit einem beruhigenden Lächeln trat er auf sie zu und deutete eine Verneigung an.
      "Keineswegs. Ich bin hier, weil ich jemanden suche, den ich um Hilfe bitten möchte.", antwortete er in sanftem Ton. Er wollte sie weder argwöhnisch noch ängstlich werden lassen, zudem ihm schien, ein freundlicher Gentleman wäre hier wohl eher angebracht. Er sah ihr direkt in das helle Gesicht und verinnerlichte ihre Züge. Doch bei ihren Augen stockte er kurz, als ihn ein seltsames Gefühl beschlich. Sie schienen wie seltsame Seen zu sein, welche einen tieferen Einblick gewähren wollten. Doch sah Aaron nichts, nur einen grauen Nebel und schnell schüttelte er dieses seltsame Gefühl ab.
      "Aaron van Threys ist mein Name, Händler und Wanderer aus Nazar und ich suche nach einer Heilkundigen, die mir bei einem...kleinen Problem helfen könnte. Ich bezahle welchen Preis auch immer sie verlangt." Kurz verstummte er, als ihm klar wurde, dass er tatsächlich seinen echten Namen benutzt hatte. Eigentlich hatte er sich eine andere Identität ausgedacht und dennoch hatte er sich als sich selbst vorgestellt. Nicht, dass sein wahrer Name irgendwo bekannt wäre... Ein Instinkt hat ihn diesbezüglich ehrlich werden lassen und fürs erste entschied Aaron sich, diesem Instinkt zu vertrauen.
      "Könnt Ihr mir helfen, diese Dame zu finden?", fragte er mit leichtem Lächeln. Er wusste natürlich, das gesuchte Frau sich direkt vor ihm befand, gekleidet in schwarz und weiß. Doch zu eröffnen, dass er wusste, wer und was sie war, dürfte wohl kaum ihrem Vertrauen zusagen. Nocturne schien unterdes ein Interesse an der Hexe gefunden zu haben und näherte sich ihr zögerlich und doch aufgeschlossen, an ihr zu schnuppern. Der Friese schien neugierig zu sein und der Assassine ließ ihn fürs erste gewähren. Sein Pferd war ein sanftmütiges und treues Tier und stellte somit keine Gefahr da. Dass er sich jedoch für eine im Wald lebende interessierte wunderte den Reiter leicht.
      "Mein Freund Nocturne scheint Euch ja zu mögen.", stellte er etwas amüsiert fest.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
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    • Gloria Bonhu
      Es wirkte fast so, als wären der Mann, den sie bei seinem strengen Ritt beobachtet hatte und dieser.. freundlich auf sie zukommende Herr zwei gänzlich verschiedene Personen. Gerne hätte Gloria behauptet es wäre diese scharfsinnige Erkenntnis, die ihr Misstrauen ihm gegenüber schürte. Doch dem war ganz und gar nicht so. Er war groß. Das war der Punkt Nummer eins. Er kam näher. Punkt Nummer zwei und letzten Endes Sprach er sie auch noch an und stellte ihr eine Frage. Es brauchte nicht viel, um die junge Frau zu verunsichern. Mit jedem Schritt, den er auf sie zu trat, machte sie einen halben zurück. Seine Stimme wirkte weich wie wilder Honig, doch hatte sie eine raue Note, die an die gefährlichen Bienen erinnerte, die ihren Honig verteidigen wollten. Und ebenso wie wilder Honig waren auch die Augen dieses Mannes. Welch absurden Anblick stellte er dar hier, mitten im Nirgendwo vor ihrer furchtbaren Hütte. Wie ein schlechter Witz schien seine Präsenz regelrecht zu leuchten an diesem schattigen Ort, der eben wegen dieser Dunkelheit ihr zu Hause gewesen ist. Erst nach einem langen Moment, in dem ihre Feindesfurcht ein bemerkenswertes Maß erreicht hatte, drang zu Gloria durch, was dieser Herr von sich gegeben hatte.
      Sie stolperte ein bisschen über seinen Namen. Aaron war... ein Name. Es hatte ihr schon sehr lange niemand mehr seinen Namen gesagt und sich vorgestellt. Genau genommen hatte sie vielleicht 3 Menschen auf dieser Welt mit Namen. Und der eine stand lediglich auf dem Grabstein seines Besitzers. Daher konnte sie nicht anders, als ein kleines, wenn auch kaum merkliches Gefühl der Freude empfinden inmitten ihrer Panik und ihrer Skepsis. Das war also Aaron. Wie erstaunlich... Sie musste sich vorstellen, wie jemand im Dorf mit dem Finger auf ihm zeigte, ein Kind, das im Dreck spielte und an seine Mutter die naive Frage richtete, ob das ein Ritter sei. Und Gloria könnte nun antworten "Nein, das ist Aaron." So sehr Gloria sich mit dem Namen des Fremden beschäftigte und ihn gedanklich in den Händen hielt wie einen seltenen Edelstein, wurde ihr bewusst, dass er sie nicht nach ihrem Namen gefragt hatte. Nein. Stattdessen hatte er sie nach einer Heilkundlerin gefragt? Hier? Der jungen Dame kam nicht einmal in den Sinn, dass er sie selbst meinen könnte.
      Ein wenig entwaffnet hob sie die Brauen und holte gerade Luft, um zu einer Antwort anzusetzen, als das große Pferd des Mannes auf sie zutrat und sie augenblicklich wieder versteinerte. Ja, Menschen verunsicherten sie. Sehr. Doch Tiere. Große Tiere. Ganz besonders Reittiere! Die waren mindestens genauso schlimm. Nun trat sie für jedes Mal, das das Pferd seinen Kopf in ihre Richtung reckte einen Schritt zur Seite, bis sie schließlich wieder die Rinde des Baumes an ihren Fingerspitzen spürte und blitzschnell hinter diesem verschwand und Schutz suchte, ehe sie langsam wieder an ihrem Baum vorbei zu dem Herrn sah.
      "Hier draußen gibt es nichts. Nur diese alte Hütte und..." Die schwarz-haarige verschluckte ihren Satz und presste die Lippen aufeinander, als sie soeben betonen wollte, dass sie es gewesen ist, die hier lebte. Das war möglicherweise erstens nicht sehr klug. Und auf der anderen Seite schämte sie sich wirklich ein wenig für ihre Bedingungen. Obwohl ihr Leben praktisch im Schatten statt fand, hatte sie noch nie so sehr das Gefühl im Schatten von jemand anderem zu stehen. "Ihr seid gewiss am Dorf vorbei gekommen. Dort gibt es einen Arzt und einen Apotheker, beide sind nicht gut. Ich weiß Euch nicht zu helfen." War das zu harsch? Aber sie wusste es doch auch nicht! Was sollte sie anderes sagen, um ihre Aussage versöhnlicher klingen zu lassen? Schließlich war sie sich immer noch nicht sicher, ob er sie nicht vielleicht verhaften wollte. Oder konnte für ihre ungehaltene Zunge. Erneut stieg Panik in ihr auf und Gloria fehlten gänzlich die Worte für diese Situation. Daher stolperte es einfach von ihren Lippen nach einer deutlich zu langen Pause. "A-Aaron." Da, sie hatte ihn beim Namen genannt. Das war doch freundlich oder? Gloria selbst hatte es immer gemocht, wenn jemand sie beim Namen genannt hat. Vielleicht entschädigte es ihn für seine lange Reise ohne sein Ziel erreicht zu haben.
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    • Aaron van Threys

      Herrje, diese Kleine schien noch unsicherer als ein Kind im Armutsviertel Nazars zu sein. Kurz hielt Aaron inne und studierte das mittlerweile verängstigende Ding, welches sich hinter einem Baum vor dem sanftmütigem Pferd versteckte. Nocturne selbst schien sichtlich irritiert und schnaubte leise, dabei den Kopf schieflegend. Als sein echter Name gestottert und nach langer Pause über ihre Lippen kam lächelte er leicht. Sie schien eingeschüchtert von seiner Präsenz, was nicht ungewöhnlich war. Ein wohlgekleideter Fremder der jemanden suchte, natürlich erweckte das Misstrauen. Und bei ihr, als Hexe wie sie sich noch nicht zu erkennen gegeben hatte, war dies wohl besonders der Fall. Hexen waren in diesen Zeiten Gejagte der Adligen, welche mit Vorliebe Anderlinge verbrannten- wenn sie gnädig waren. In den Städten dieser verruchten Gilde wurden regelmäßig diverse Folterungen und Morde an solchen Anderlingen vorgeführt, um ein Exempel zu statuieren. Grausam und unnötig, ein Elf würde nie einem Menschen etwas tun, dafür war dieses Volk zu zurückgezogen und friedlich.
      Kurz schwieg er und sah nachdenklich zu der Dunkelhaarigen, die wohl nur wenige Winter jünger war, als er selbst. Er musste sich etwas einfallen lassen, offenbar war ein freundliches Auftreten und die Bemerkung einer stattlichen Belohnung nicht genug.
      "Da war ich bereits, aber sie kennen sich leider nur bedingt mit Kräutern aus und in meinem Fall reicht das leider nicht.", bemerkte er auf ihre Aufforderung, zum Dorf zu gehen. Er ging zwei Schritte auf den Baum zu und blieb dann in einiger Entfernung stehen, als er bemerkte, wie sie ihre Nägel in die Rinde bohrte. Wohl dazu bereit, jederzeit vor ihm wegzurennen. Unnütz, aber das konnte sie ja nicht wissen. Ihm entkam niemand, auch keine Hexen, Magier oder sonstige okkulten Gestalten.
      "Du brauchst keine Angst zu haben, ich werde dir kein Leid zufügen.", versprach er nun etwas sanfter und schenkte ihr ein Lächeln. Mit Absicht ließ er die gehobene Ansprache fallen. Sie schien dem Assassinen unnötig und überflüssig. Das junge Ding schien ihm ohnehin wenig wert darauf zu geben. Noch musste er sie nicht fürchten, immerhin brauchte er etwas von ihr und sollte sie laut seinem Herrn auch am Leben lassen.
      "Lebst du hier in dieser Hütte? Es ist gefährlich alleine im Wald, besonders für eine junge Frau.", wechselte er das Thema, um ihrer Vorstellung etwas näher zu kommen. Dabei war er bedacht, dies als neugierige Frage klingen zu lassen. Es sollte keine Feststellung sein, welche sie noch mehr ängstigen würde. Doch sehr zu seinem Verdruss erhielt er keine Antwort, stattdessen schien sie ihn wie gebannt aus ihrem Versteck heraus anzusehen. Als hätte sie noch nie einen Mann gesehen. Wobei, so unbeholfen wie sie schien gegenüber Fremden war dies gar nicht mal so abwegig. Wenn sie tatsächlich den Großteil ihres Lebens hier in Einsamkeit verbracht hatte, würde sie natürlich eine normale Unterhaltung nicht führen können.
      Ein lautes Grummeln ließ sie beide innehalten. Er konnte geradezu beobachten, wie ihre blassen Wangen sich rot färbten und Scham in ihre Züge trat. Offenbar war dieses Grummeln, welches einem hungrigen Wolf alle Ehren machte, von ihrem Magen gekommen. Ein Blick auf ihren zerschlissenen Umhang und der doch recht dünnen Gestalt ließ ihn kurz seufzen. Sie nagte ebenso am Hungertuch, wie viele in der heutigen Zeit.



      Er wandte sich zu seinem Pferd und spürte förmlich ihre dunklen, blauen Augen in seinem Rücken, als er nach dem Verschluss der ledernen Satteltasche griff. Darin befand sich sein üppiger Proviant und blindlings griff er nach einem halben Laib Brot und einem Apfel. Er konnte es hinter sich leicht rascheln hören und wusste, dass sie sich aus ihrem Versteck gewagt haben musste. Seltsam, jetzt konnte er jeden Schritt und die kleinen, schnellen Atemzüge ihrerseits hören. Warum also hatte er sie nicht kommen hören? Mit einem neuen Lächeln drehte er sich mit dem Laib in der Hand zu ihr um und etwas amüsiert sah er den Hunger in ihren Zügen klar und deutlich.
      "Machen wir es doch so... Ich teile etwas von meinem Proviant als Zeichen, dass ich keine Gefahr für dich bin. Und du...erzählst mir ein wenig von dir und dieser Hütte. In Ordnung?" Vielsagend ließ er seine Hand etwas wedeln, um sein Tauschgut zu demonstrieren. Sicherlich könnte er ihr noch etwas an Obst oder Trockenfleisch abgeben, es würde ihm nicht wehtun und er würde nicht gleich am Hungertod sterben.
      "Ich muss diese Hexe wirklich dringend sprechen. Jemand hat mir ein Gift verabreicht, mir kann also kein einfacher Arzt dabei helfen.", betonte er nochmals mit Nachdruck um den Ernst seiner Lage zu unterstreichen. Dies war diesmal kein Teil seiner Rolle. Er war tatsächlich einem grässlichen Gift zum Opfer gefallen, ausgerechnet in jenen eisigen Hallen, welche für ihn eigentlich so sicher schienen. Allein der Gedanke an die wohl bald wiederkehrenden Krämpfe und der Atemnot drehte sich ihm der Magen um. Er konnte es nicht auf die leichte Schulter nehmen, er wusste, dass seine Kräutertinktur sein Lebensende nur verzögerte. Aufhalten konnte er es nicht und sobald die Wirkung des notdürftigen Gegengiftes nachließ, kamen die Anfälle mit erhöhter Intensität wieder. Aaron fürchtete den Tod nicht, er brachte ihn und lebte ein Leben, welches nun mal gerne mit dem Ende dessen spielte. Und dennoch wollte er seinem Gildengenossen, welcher ihn vergiftet hatte, seinen Triumph nicht gönnen. Sein Stolz hatte in der Hinsicht die Oberhand und er weigerte sich, an so einem miesen Anschlag zugrunde zugehen. Dabei sollte die machtvolle Hexe der Gerüchte doch die richtige Ansprechpartnerin sein. Zumindest hoffte er es, langsam war er mit seinen Ideen am Ende und wusste nicht weiter. Er hatte unzählige Heiler und Apotheker aufgesucht, auf der Suche nach einer Lösung für diese...Krankheit. Anders konnte er die ausgelöste Wirkung des Giftes nicht beschreiben. Seine Lungen machten ihm u schaffen und während der Anfälle schmerzte sein Herz, als würde es von einem glühenden Stilette durchbohrt werden. Im lief ein kalter Schauer über den Rücken. Der letzte Anfall war bereits drei Tage her, doch die Wirkung der Kräuter dürfte bald nachlassen. Aaron schüttelte seinen Kopf, war er es diesmal, der in Gedanken versunken war.
      "Also...?", hackte er nach und wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Dunkelhaarige.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
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    • Gloria Bonhu
      Gleich mehrere Aussagen, die der gut gekleidete Mann traf, sorgten dafür, dass Glorias Ohren zu zucken schienen und er ihre ganze Aufmerksamkeit gewann. Zum einen war es die Art und Weise, mit der er ihr versicherte, dass er ihr kein Leid zufügen wollte. Seine Stimme wurde sehr sanft und vorsichtig, ihr war als könnte sie das Lächeln auf seinen Lippen durch seine Worte vernehmen. Ein Umstand, der Gloria gänzlich unbekannt gewesen ist. Wenn sie es beurteilen müsste, dann machte es den Eindruck, als würde er in ähnlicher Manier zu einem Kind sprechen. Doch sie selbst ist nie so sanft angesprochen worden. In den wenigen Interaktionen, an die sie sich tatsächlich erinnern konnte, sei es nun mit ihrer Mutter oder auch im Gefängnis oder auf der Straße, so ist sie auch als Kind meistens angeschrien worden. Andere Male hat man sie an den Haaren hinfort gezogen oder nach ihr getreten. Hänseleien, an die sie Jahre lang nicht mehr gedacht hat kamen zu ihr zurück wie ein fernes Echo. Doch so vorsichtig und bedacht. Gewählt und irgendwie auf seltsame Art und Weise auf Augenhöhe... Das passte nicht zu seinem Erscheinungsbild. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass eine so große Hand wie die seine etwas anderes kannte als Schmerzen zuzufügen. Das Schwert, das er bei sich trug bestätigte in ihren Augen diese These.
      Sie duckte sich leicht zurück in ihr Versteck, als der Mann versuchte ein Gespräch zu ihr zu suchen und sie danach fragte, ob sie in dieser Hütte lebte. Und wieder spitzten sich ihre Ohren. Es soll gefährlich gewesen sein... Für eine junge Frau allein... Was? So viele Aspekte dieser Aussage verwirrten sie. Zunächst einmal wunderte es sie überhaupt, dass dieser Mensch, der ganz öffensichtlich in einer ganz anderen Welt als sie lebte, sie überhaupt als Frau zu betrachten schien. Des weiteren was sollten hier schon für Gefahren lauern? Er war schließlich der erste Mensch, der sich so weit zu ihr hinaus traute. Was ihre Theorie erneut stützte, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Gloria war stolz auf sich aufgrund dieser logischen Schlussfolgerung und dass ihr Misstrauen sie offensichtlich vor Gefahren beschützt hatte. Sie kam fantastisch alleine zurecht und-...
      Ihre Gedanken verstummten, als ihr Bauch anfing laut und wehleidig von ihrem schrecklichen Hunger zu jammern. Reflexartig legte sie eine Hand an ihren Bauch, fast als könnte sie so die unangenehmen Laute wieder zurück drängen. Doch es war geschehen. Ihre Wangen fingen an heiß zu werden und peinlich berührt wollte sie sich am liebsten einfach abwenden als ihre Ohren erneut gespitzt wurden. Zielsicher ging Aaron zu seinem Pferd. Die Seite mit dem Essen. Gloria wusste genau welche Seite die mit dem Essen gewesen ist... Wie hypnotisiert folgten ihre Augen jeder Bewegung seiner Hände während er an der Tasche hantierte und Gloria schließlich essen hin hielt. Äpfel, wunderschöne, knackig aussehende Äpfel und ein ganzes Laib Brot! Ihr war gar nicht aufgefallen, wie sie ein Stück weit aus dem Schutze des Baumes kam um diese... Schönheit zu betrachten. Hatte sie je etwas perfekteres erblickt als diese Äpfel? Diese Rundung... Dieser Glanz. Gloria hatte zum ersten Mal das Bedürfnis zu weinen bei einem solch rührenden Anblick.
      Alarmiert riss sie den Kopf wieder hoch, als Aarons Stimme wieder erklang. Deutlich näher, als Gloria es zulassen wollte und sie machte wieder einen ordentlichen Satz zu ihrem Baum, wenn sie auch dieses Mal davor verweilte und nicht wieder dahin nach Schutz suchte. Er bot ihr dieses Essen an? Wirklich? Für Informationen über sich selbst?! Was für ein abstrusen Tausch! Gloria war nicht im entferntesten so viel Wert wie diese Spieße. Und dann fiel das Wort, das in ihren Augen einen Funken der Erkenntnis brachte. "Achso!", sagte sie ganz verblüfft. "Ihr sucht eine Hexe!" Es war offensichtlich, dass jetzt erst der Groschen zu fallen schien. Sie zeigte auf sich selbst. "Die Dorfbewohner nennen mich so. Sie sagen ich bin eine Hexe." Dass sie sich selbst mit dieser Aussage in Gefahr brachte wusste Gloria nicht. Sie wusste nicht einmal, was eine Hexe sein sollte.
      Doch gerade ging es auch nicht um sie, sondern um Aaron. Seine Stimme und sein Blick wurden ernster und die junge Frau hatte das Gefühl noch ein wenig kleiner zu werden. Jedoch vergaß sie sogleich ihre Ängste, als er mit der Sprache heraus rückte, dass er vergiftet wurde.
      Gloria schaute wieder zu dem Essen in seinen Händen und der Hunger flüsterte ihr verführerisch zu, dass sie diesem Mann helfen sollte. Sie kannte sich schließlich mit Giften aus, vielleicht wäre sie tatsächlich in der Lage ihm zu helfen. Und einem anderen Menschen sollte man doch helfen, nicht wahr? Ihre schlanken Finger hoben sich in die Richtung der Äpfel. Sie hatten unzählige kleine Narben und sobald sie realisierte, was sie im Begriff gewesen ist zu tun, riss sie ihre Hand schnell wieder weg und versteckte sie unter ihrem Mantel. Sie sollte nicht einfach zu Essen von einem Fremden annehmen. Andererseits kannte sie jetzt seinen Namen. War er dann noch ein Fremder?
      "Würdet Ihr... mit mir zusammen essen?" Schnell korrigierte sie sich. "Verzeihung, ich weiß nicht, ob ich Euch helfen kann. Ich lebe alleine hier und habe angefangen die Pflanzen der... Umgebung zu studieren. Ich bin nicht weise und hab keine schlauen Bücher über Kräuterkunde gelesen... Wollt Ihr dennoch... Euren Proviant mit mir teilen?" Gloria mochte vielleicht hungrig sein. Und wie hungrig sie gewesen ist. Doch sie war keine Wilde und wenn andere das von ihr behaupten möchten.
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    • Aaron van Threys

      Beinahe hätte er über ihren naiven Ausruf gelacht. Natürlich hatte er gewusst, dass sie die gesuchte Hexe war. Jedoch hatte er nicht erwartet, dass sie es ihm derart offen und sichtlich verblüfft ins Gesicht sagte. War sie denn tatsächlich derart weltfremd? Wusste sie nicht, wie gefährlich es war, sich selbst als Hexe zu offenbaren? Wäre er ein Mitglied der Aristokraten Gilde wäre jetzt ein neuer Scheiterhaufen in ihrem Dorf errichtet auf dem sie stehen würde. Aaron war es jedoch ganz recht, wenn sie etwas... naiv um nicht zu sagen unbeholfen war. Es machte ihm die Dinge wesentlich leichter, an sie heranzukommen. Und die Einfachheit, mit der er sie durch einfache Nahrung locken konnte, war geradezu lachhaft. Warum hatte man ausgerechnet ihn, den Meisterassassinen der Gilde, für dieses kleine Mädchen ausgesandt? Er konnte nicht anders als sie mit einem wehrlosen Kind zu vergleichen, auch wenn ihr Körper schon der einer Frau war. Neugierig blickte er der gierigen, schmalen Hand entgegen, welche die Hexe nach seiner Gabe ausstreckte. Doch anstatt diese zu ergreifen wie erwartet zog sie schnell ihre Finger zurück, als hätte sie sich verbrannt. Obendrein verbarg sie ihre Haut unter ihrem Gewand. Als hätte er nicht ihre Wunden bemerkt. Aaron war geschult auf diese Details, und woher auch immer ihre kleinen Wunden stammten, offenbar schien sie nicht erpicht darauf diese zu zeigen. Dennoch konnte es ihm in diesen Moment nicht gleichgültiger sein. Ihn interessierten ihre Schnitte nicht, solange diese nicht tödlich oder von ihm verursacht wurden. Er beobachtete ihre Reaktion und war beinahe versucht, die Stirn kraus zu ziehen. Immerhin schien sie selbst nicht sonderlich überzeugt von sich selbst und ihren Fähigkeiten zu sein. War er hier wirklich richtig? Immerhin sollte sie den Erzählungen nach einer der stärksten Hexe des gesamten Landes sein. Bewaffnet mit einer Macht, welche selbst für die Gilden gefährlich werden würde, ganz zu schweigen von den Dorfbewohnern und städtischen Menschen. Er hatte viele Gerüchte gehört, viele vorzeitlichen Prophezeiungen einer schwarzen Hexe, welche das Land in Chaos versinken lassen würde. Und nun stand er vor ihr, dieser besagten Großhexe und glaubte, dass ihm ein übler Streich gespielt wurde. Hatte man ihm zum Narren gehalten? Ihn zu einem wehrlosen Weib geführt, welches höchstens Spitzwegerich von Bärlauch unterscheiden konnte?! Wenn dem so war, würde er denjenigen ausweiden... Für den Moment blieb ihm jedoch keine Wahl als sich zu fügen. Der Auftrag kam direkt von seinem Herren, dem Gildenmeister und Töter des einstigen Kaisers selbst. Er musste sich fügen, immerhin galt er als rechte Hand des Todes. Und er verdankte seinem Anführer zu viel, als dass er wegen einem einfachen Zweifel umkehren würde. Aaron blieb nichts, als sich seufzend zu ergeben. Er nickte der vorsichtigen Frage der Hexe aufmunternd zu und blieb trotz seiner Gedankengänge perfekt in seiner Rolle als freundlicher Wanderer in Not.



      "Wir werden sehen ob du mir helfen kannst, ich vertraue einfach auf das, was ich über dich gehört habe. Ich teile dennoch mit dir.", antwortete er schließlich und nahm kurzerhand die Tasche seiner Vorräte an sich. Wenn er ein Mahl mit ihr teilen sollte, so wollte sich der Braunhaarige dem nicht in den Weg stellen.
      "Ich hoffe es stört dich nicht, wenn ich mein Tier von seinem Zaumzeug und dem Sattel befreie. Wir haben einen weiten Weg hinter uns und Nocturne braucht ebenso etwas Ruhe, wie ich. Er ist vom ruhigen Gemüt und wird keine Schwierigkeiten bereiten, etwas Gras dieser Lichtung oder Klee der hier wächst wird ihm genügen.", fügte er dem hinzu und löste ohne sie anzusehen unterdessen die Schnallen des schweren Zaumzeuges seines Hengstes. Nocturne würde nicht ausbüchsen, dessen war sich Aaron sicher. Nach der langen Reise hatte sich sein Freund die Erlösung des Gewichtes verdient, sein Hab und Gut würde er ohnehin hinein in die Hütte tragen. Viel hatte er nicht dabei, seine Waffen waren sorgfältig in seinem Kleiderbeutel verborgen, mitsamt der dunklen Kluft, und fielen für neugierige Augen unter dem Jutestoff gar nicht auf. Er wartete gar nicht erst auf die Erlaubnis und legte mit flinken, sicheren Griff das Leder ab, welches das Tier zu tragen hatte. Den Sattel ebenso wie das Zaumzeug legte er neben den Eingang zu dem bescheidenen Heim. Der Schatten bezweifelte, dass irgendjemand in dieser verlassenen Gegend umherwanderte, geschweige denn sich an einem Sattel vergreifen würde. Und das Kaltblut konnte sich zudem zur Wehr setzen und aufbrausend werden, wenn sich ihm Fremde näherten.
      Mit dem Beutel des Proviants und seiner spärlichen Reisemitführung drehte er sich erwartungsvoll wieder zu der Schwarzhaarigen um. Abermals trafen seine goldenen Miasmen auf ihre dunklen Seen, welche noch immer dieses seltsame Gefühl eines grauen Schleiers auslösten. Aaron würde sich schon noch daran gewöhnen, vielleicht irritierte ihn nur die ungewöhnlich intensive Augenfarbe dieser Frau. Wobei seine unter den Menschen gar nicht vertreten war. Zumindest hatte er bislang niemanden mit den Augen eines ewigen Sommers gesehen.
      "Verrätst du mir auch deinen Namen? Ich habe mich und meinen treuen Begleiter ja bereits vorgestellt.", versuchte er es an einer harmlosen Konversation, welche sie nicht gleich wieder auf Abstand gehen ließ. Sie war erstaunlich flink darin, in Deckung zu springen, wie ihr vorheriger Satz Richtung Baum gezeigt hatte.
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    • Gloria Bonhu
      Inzwischen waren es zehn Jahre, dass Gloria hier außerhalb jeden anderen Lebens hauste. Zehn Jahre Einsamkeit, dem fünf lange Jahre im Gefängnis voran gingen. Im Sommer vor ihrem Geburtstag war ihre Mutter gestorben. Davor war sie der einzige Mensch, mit dem sie großartig zu tun hatte. Die Nachbarskinder sollten nicht mit ihr spielen und von der Gilde ist sie nicht aufgenommen worden nach dem Ableben ihrer Mutter. Halineus war der einzige Mensch, an den sie denken konnte, der im Entferntesten in der Lage gewesen wäre irgendwas über sie zu erzählen. Was also kann dieser Mann nur über sie vernommen haben? Was hat man ihm erzählt, dass er den ganzen Weg hier heraus geritten war für sie? Das machte alles in Glorias Augen keinen Sinn. Sie begriff die Welt nicht mehr und fühlte sich unwohl in dieser Schwebe des Unwissens was hier überhaupt vor sich ging. Und zu ihrem größten Entsetzen schien der Fremde es sich recht gemütlich machen zu wollen. Zumindest sprach sein Verhalten davon, dass er bereit gewesen ist eine Weile zu bleiben. Gloria wurde nervös. Er gab ihr zu Essen. Das war ein Fakt, den sie definitiv nicht außer Acht lassen konnte. Er verdiente ein wenig Gastfreundschaft von ihr. Aber... Sie... Ihr Heim... Niemals würde es diesem edlen Mann genügen.
      An Ort und Stelle beobachtete sie Aaron bei seinen Taten und presste unsicher ihre Lippen aufeinander, als er den Sattel vor ihrer Pforte abstellte. Er wollte bleiben oder? Es sah danach aus als würde er bleiben wollen. Naja, aber vielleicht ja nicht lange. Zumindest sobald er die heruntergekommene Hütte von innen gesehen hatte. Ihr Körper setzte sich erst in Bewegung, als er sie noch einmal direkt ansprach. Zuvor hatte sie seine Worte zwar angenommen, fühlte sich aber nicht, als wäre sie berechtigt oder prädestiniert zu antworten. Doch nun fragte er sie nach seinem Namen, nachdem er seinen eigenen und dem von seinem Pferd verraten hatte. Ein bisschen verwundert wendete Gloria den Blick zu seinem Gefährt. Er hatte seinem Pferd einen Namen gegeben...? Es musste ihm sehr wichtig sein. Unwillkürlich stieg ein Unwohlsein in der jungen Frau auf. Plötzlich tat es ihr Leid, dass sie so weggesprungen war vor dem großen Tier. Beinahe so, als hätte es ihre Gedanken gelesen kam der Hengst wieder auf sie zu und senkte den Kopf, um an ihr zu schnuppern. Doch so sehr sie sich auch vornehmen würde, sie sprang sogleich von ihm weg und machte schnelle drei Schritte auf Aaron an ihrer Hütte zu.
      "Mein Name ist Gloria", stolperte es ihr schnell über die Lippen. Vorsichtig kam sie zu ihm die wenigen Stufen zur Pforte hinauf. Unsicher stand sie vor ihm. Er wollte anscheinend eintreten. Und sie sollte ihn einlassen... Oder? Sollte sie das lieber lassen? Aber was könnte sie sonst tun? Sich im Wald verstecken bis er weg war? Vielleicht würde er dann ihr zu Hause anzünden! Sie gab sich einen Ruck und öffnete die Tür. Das kleine Häuschen ist niemals ein Ort des Luxus gewesen, auch nicht als es wohl neu und bewohnt gewesen ist. Doch nun mit Gloria als einzige Einwohnerin merkte man die Spuren des Alterns sehr deutlich. Es hatte anscheinend zwei große Zimmer. In einer Art Wohnstube stand ein Kamin mit einer Kochstelle. Auch hier hingen an den Wänden Kräuter zum Trockenen. Es gab keine Schränke oder dergleichen. Alles was sie an Werkzeug besaß lag auf zwei alten Regalen. Mit einem Ruck zog sie einen alten Esstisch von der Tür, sie hatte noch nie hier dran gesessen und schob ihn schnell in die Mitte des Raumes. So heruntergekommen es hier auch gewesen ist, Schmutz fand man bei Gloria keinen. Das war die Sache, auf die sie wert legte. Sie wusste, dass Schmutz krank machte, sie hatte es an ihrer Mutter erlebt.
      In ihrem eigenen Heim fing sie an sich deutlich forscher zu bewegen. Sie wusste genau was sie wo fand und so eilte sie in das zweite Zimmer, das hinter einer Stück versteckt gewesen ist und schnappte sich den Stuhl, um ihn in die Stube zu tragen. Einen weiteren Stuhl holte sie noch von draußen. Sie gehörten nicht zusammen. Der eine war höher als der andere und aus komplett anderem Holz. Im Allgemeinen wuselte sie recht zielstrebig durch die Gegend, hielt dann abrupt an und wendete sich in eine andere Richtung. Sie beschaffte augenscheinlich beinahe alles, was sie besaß; zwei Teller, wieder unterschiedliche, frisches Wasser, das sie in einen Krug füllte, ein scharfes Messer und stellte alles sehr ordentlich auf dem alten Tisch ab. Sie fühlte sich lächerlich, als sie zum Schluss die Tafel betrachtete. Vielleicht hätte sie es doch lassen sollen... Vorsichtig blickte sie schließlich auf zu Aaron. "Ich versuche nicht Euch zu beleidigen, wirklich.", versicherte sie schnell bevor er sich dafür entschied sie festnehmen zu lassen aufgrund dem, was sie ihm höchstens bieten konnte. Es fühlte sich entsetzlich eigenartig an. Noch nie zuvor hat sich in diesen Wänden ein anderer Mensch mit Gloria aufgehalten. Sicherlich war das Häuschen selbst ganz verwundert über diesen Umstand. Sie nahm ihm schnell die Äpfel ab und wusch sie noch einmal gründlich ab, bevor sie sie in einem Korb, den sie noch aus ihrem Zimmer zog auf den Tisch stellte. Sie nahm einen heraus und fing an ihn in den Händen in zwei zu schneiden. Dabei sah sie zu Aaron auf. "Ihr spracht von einem Gift unter dessen Wirkung ihr leidet. Was sind denn die Anzeichen? Und wann habt ihr Es eingenommen, wisst Ihr das? Ich- Autsch!" Die Dame unterbrach sich selbst und zuckte zusammen, als sie sich in ihren Daumen schnitt. Schnell ließ sie den Apfel zurück in den Korb fallen, um nicht auf das Essen zu bluten und legte ihre Lippen um die Wunde, die sich zu den unzähligen anderen Schnitten gesellte.
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    • Aaron van Threys

      Gloria also... In der Tat hatte er ihren Namen noch nicht gehört und lediglich eine Zeichnung ihres Äußeren sowie die Lokation herausgefunden, in der sie lebte. Nicht, dass ihn Namen sonderlich interessierten, er hatte mittlerweile so viele Namen, dass er wusste, sie wären lediglich Schall und Rauch. Bedeutungen sprach er den Namen weniger zu. Dennoch nickte er dankend auf ihre Vorstellung hin. Immerhin konnte er sie schlecht die ganze Zeit als Hexe oder kleines Mädchen rufen, das würde sich auf Dauer doch seltsam anfühlen. Er verbarg gekonnt ein wissendes grinsen, als er die versteifte Haltung bemerkte. Gloria war es sichtlich nicht wohl dabei, dass er sich quasi selbst einlud und seine Sachen abgelegt hatte. Dennoch widersprach sie nicht, brave Hexe, dachte er schmunzelnd und ließ ihr den Vortritt. Die Tür öffnete sich knarzend und gab den Blick in das schäbige Innere preis. Wie zu erwarten herrschte hier tatsächlich der Armutsstand. Es gab zum ersten Anschein hin nur zwei gleichgeschnittenen Räume, die spärlich durch das Licht der Fenster erhellt wurde. Dennoch war es geräumiger als erwartet, Möbel schien die Schwarzhaarige nicht viele zu besitzen, als dass sie diesen kleinen Wohnraum hätte vollstellen können. Dafür drang ihm jedoch der Duft von trockenen Kräutern in die Nase. Lavendel stach besonders auffallend hervor, doch auch der leicht scharfe Geruch von Spitzwegerich, ebenso der Minze, mischten sich dazu. Natürlich, das hätte er sich denken können. Als Kräuterfrau und vom Dorf betitelte Hexe wäre es seltsam, wenn sie keine Zutaten für eventuelle Tinkturen und Salben hier hätte. Was ihn wiederum verwirrte waren vereinzelte toxische Wurzeln und Blüten, welche er nur selten gesehen hatte. Um genau zu sein nur in der Verwendung des Alchemisten in seiner Heimat. War sie eine kleine Giftmischerin oder nutzte sie diese zur Heilung starkem Fiebers und großer Wunden? Aaron konnte es schlecht einschätzen, wobei Gloria wohl kaum so wirkte, als könnte sie irgendwem etwas zuleide tun. Dafür war sie schlichtweg zu weltfremd und schüchtern. Noch während Aaron sich unauffällig umsah schien die kleine Hexe plötzlich um einiges energischer und sicherer zu sein. Sie schob einen alten Tisch in die Mitte des Raumes und huschte hin und her, um diesen zu decken für ihr gemeinsames Mal. Er ließ sie vorerst in Ruhe ihrem Wahn nachgehen und war etwas enttäuscht, dass sich hier nicht mehr Hinweise auf ihre Person befanden. Einzig die Sauberkeit ließ ihn darauf schließen, dass sie gleich ihrer ärmlichen Verhältnisse sich dennoch bemühte, ein gepflegtes Heim zu besitzen. Wären die vereinzelten Löcher im strohbedeckten Dach nicht... Wie zur Hölle überlebte man in einem heruntergekommenen Haus wie diesem eigentlich die bitteren Winter? Diese waren in Tamarien nicht gerade für ihre Milde bekannt und rafften jeden Zyklus viele Menschen dahin, wenn der eisige Frost und die tosenden Stürme kamen.





      Leider konnte er in den angrenzenden Raum noch nicht blicken, obgleich er ohnehin kaum erwartete, dass sich dieser von dem hier unterschied. Höchstens einige Felle oder Stroh als Nachtlager, vermutete der Assassine zumindest. Sicher behaupten konnte er es natürlich nicht.
      "Ich versuche nicht Euch zu beleidigen, wirklich." Aus seinen Gedanken gerissen blickte der Braunhaarige schließlich zu dem gedeckten Tisch und der unsicheren Hexe. Sie schien ja wirklich schrecklich unsicher zu sein. Er musste mit ihr wohl wirklich vorsichtig umgehen, dass sie nicht bei der kleinsten Ungereimtheit sich vollends in ihr Schneckenhaus zurückzog...
      "Das tust du nicht, ich begrüße die Gastfreundschaft.", entgegnete er lächelnd und - so hoffte er- beruhigend. Er konnte nicht umhin ein wenig mit ihr zu sprechen als sei sie ein verschrecktes Kind, aber genau das sah der Goldäugige in seinem Ziel. Bereitwillig ließ er ihr das Obst und legte selbst das Laib Brot sowie etwas Trockenfleisch auf die beiden Teller. Er selbst aß nur wenig, sein Körper war darauf trainiert, auch mit wenig Nahrung die volle Leistung zu bringen. Und so konnte man seine Vorräte besser rationieren, nicht immer war ein Baron so großzügig wie der zurückgelassene. Er nahm ihr gegenüber platz und sah ihr eine Weile dabei zu, wie sie begann die Äpfel entzweizuschneiden.
      "Ihr spracht von einem Gift unter dessen Wirkung ihr leidet. Was sind denn die Anzeichen? Und wann habt ihr Es eingenommen, wisst Ihr das? Ich- Autsch!" Zunächst konzentrierte er sich auf ihre Worte, sah dann jedoch zweifelnd auf den Finger, in den sie sich geschnitten hatte. Also wirklich... Aaron erschlossen sich langsam die ganzen Schnitte an ihren Händen, wenn sie so unschicklich mit einer Klinge umging. Der Assassine legte kurzerhand seine Handschuhe ab und ließ sie neben seinem Stuhl legen. Er seinerseits griff nun nach dem Messer und übernahm die Aufgabe. Auch wenn es diesmal keine Kehlen oder Glieder waren, welche er schnitt, so waren seine Bewegung schnell und sicher.
      "Vor fünf Monden... Jemand hat es mir auf einer Abendveranstaltung verabreicht, ohne dass ich es bemerkt habe. Die Anzeichen sind starke Krämpfe, Atemnot und... Schmerzen im Brustkorb." Höllische Schmerzen, fügte er gedanklich hinzu.
      "Müdigkeit und Kraftlosigkeit folgen dem und auch wenn meine Tinktur bislang ein wenig Linderung verschafft hat, kann sie das Gift nicht neutralisieren. Die...Anfälle werden schlimmer, sobald die Kräuter aufhören zu wirken.", erklärte er ernst. Aaron war es nicht wohl dabei, dass er diese eindeutige Schwäche offenbaren musste. Dennoch wusste er, dass Gloria wissen musste, womit sie es zu tun hatte. Und je eher dieses Problem los war, desto schneller konnte er mit seinem Auftrag weitermachen... Noch während er sprach reichte er ihr fertig geschnittene Apfelstücke, welche leichter zu essen sein sollten, hatte er sie immerhin in feine Stücke geschnitten.
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    • Gloria Bonhu
      Verwundert blickte die Dame auf, als Aaron den Apfel an sich nahm und öffnete für einen Moment noch den Mund, um etwas dazu zu sagen, dass sie diesen Apfel haben wollte. Unterließ es dann allerdings und überließ ihn ihm. Dass er ihn für sie schneiden könnte kam ihr nicht im Entferntesten in den Sinn. Nein, stattdessen wartete sie darauf das Messer zurück zu erhalten und lauschte seinen Ausführungen, während sie bewundern durfte wie unglaublich geschickt der Mann zu sein schien. Das bestätigte jedoch durch und durch ihre Vermutung, dass die Hände dieses edlen Herrn eindeutig gefährlich sein mussten. Schnell sah sie von ihnen wieder in das ordentlich rasierte Gesicht, um der Erklärung bzgl. des Giftes zu lauschen. Dabei stolperte sie ein bisschen über die Formulierung, dass er das Gift vor Fünf Monden eingenommen habe. Was... wollte er ihr damit sagen? Meinte er für fünf Tagen? Aber was hatte der Mond damit zu tun? Wurde es nachts etwa schlimmer? Es musste sehr schlimm sein, wenn es nach so kurzer Zeit bereits derartig heftig ausschlug. Langsam nickte sie, wenn sie sich auch offensichtlich viele Gedanken machte. "Ich... verstehe...", dachte sie. Als Aaron fertig gewesen ist hielt er ihr sehr zu ihrer Überraschung nicht das Messer wieder hin, sondern den geschnittenen Apfel.
      Erschrocken sah sie ihm in die Augen und realisierte erst da diese Geste und unweigerlich schlich sich ein Ausdruck der Rührung in ihre Augen und ein zartes Lächeln, wenn sie nun auch ein bisschen verlegen wurde. So etwas Nettes hatte man noch nie für sie gemacht. "D-Danke!", stolperte sie etwas über diese Freundlichkeit und nahm sich vorsichtig ein Stück und biss hinein. So schnell sie konnte jedoch versuchte sie dies wieder zu verdrängen und sich auf das zu konzentrieren, was er ihr erzählt hatte. Mit einem nachdenklichen Ton sah sie herüber zu ihren trocknenden Kräutern. Doch auf Anhieb viel ihr keine Mixtur ein, die diese Wirkung haben sollte. Erst recht eben so unglaublich schnell. Sie nahm noch einen Bissen von dem Apfel und bekam eine regelrechte Gänsehaut vor Genuss. Sie wollte es sich nicht anmerken lassen, wie gierig sie eigentlich alles Essen auf dem Tisch vernichten wollte. Sie wusste genau, dass Gier den Tod bedeutete und sie musste dankbar sein und vernünftig aufteilen. Dann hätte sie sicherlich bedeutend länger etwas von dem Mahl.
      Gloria versuchte sich mit dem Gift vom Schlingen abzulenken und erhob sich recht plötzlich von ihrem Stuhl, um um den Tisch zu ihrem Gast herum zu gehen und vor ihm stehen zu bleiben. "Bitte legt die Arme hinter den Rücken und bringt sie nicht hervor, bis ich es sage", verlangte sie relativ plötzlich. Sobald er ihrer Bitte jedoch folgte kam sie ihm noch ein bisschen näher und stand bald so dicht vor dem Herren, dass ihre Körper sich beinahe berührten. Sie hob ihre Hände zu ihrem Gesicht, zögerte dann allerdings und wog ab, ob es ihn vielleicht anwiderte von ihren Fingern berührt zu werden. Sie entschied sich dafür sie zu senken. "Bitte schaut zu mir auf. Legt den Kopf etwas weiter in den Nacken. Und betrachtet am Besten..." Sie sah auf zu ihrem ramponierten Dach. "In das Loch dort oben!" Genaustens betrachtete sie seine Pupillen und im Allgemeinen den Zustand seiner Augen, ob sich ein Schleier darüber gelegt hatte oder nicht, wie es bei sehr vielen Giften der Fall gewesen ist. Nicht jedoch bei ihm, was Gloria nachdenklich ausatmen ließ. Sie richtete sich wieder auf und wollte ihm gerade Bescheid geben, dass er sich wieder rühren darf, als Aaron von selbst seine Hände wieder hervor brachte.
      Gloria war so erschrocken, dass sie heftig zusammen zuckte zurück stolperte und noch während dem Fall auf den Boden in die Schatten in Deckung sprang. Was hatte er vor? Wollte er sie angreifen? Blitzschnell wanderte sie durch die Schatten an die andere Seite des Zimmers und lauerte für einen Moment, um seine Reaktion zu beobachten. Nach einer Weile tauchte sie langsam wieder auf. Angefangen mit ihren leuchtenden Augen und dann ihrem Körper, der zuerst als schwarze Substanz zurück fand und dann mehr und mehr Form zurück erlangte. "Ich... ich hab gesagt tut Eure Hände erst wieder hervor wenn ich es sage!", rechtfertigte sie sich noch immer ganz aufgewühlt mit einem sachten Vorwurf in der Stimme. Sie kam ihm nicht näher, sondern blieb hinten an der Wand. "Ich kann auf den ersten Blick nicht erkennen welches Gift es war. Die meisten zeigen sich in irgendeiner Form nach außen, erst recht wenn es so stark ist wie das Eurige.", teilte sie ihm noch immer den Sicherheitsabstand bewahrend mit.
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    • Aaron van Threys

      Für einen Moment herrschte Ruhe, nur unterbrochen von ihrem gestottertem Dank, obwohl es lediglich eine einfache Geste seinerseits war. Langsam sollte Aaron wirklich aufhören, sich über sie zu wundern, oder darüber, dass sie selbst einfache Gesten nicht zu kennen schien. Die Menschen des Dorfes waren ohnehin nicht sonderlich gut auf sie zu sprechen und es war ein Wunder, dass keiner von ihnen zu den Adligen Nachricht gesandt hatte, um sie auf einen Scheiterhaufen zu verbrennen. Doch die Furcht vor den Reichen und Mächtigen war in diesem kleinen Dorf noch größer, als die vor einer einsamen Hexe im Wald. Er brach das Schweigen nicht und sah nur dabei zu, wie ihre blauen Seen zu den Kräutern wanderten und die Brauen sich nachdenklich zusammenzogen. Sie schien ernsthaft darüber nachzudenken und ging innerlich wohl die Möglichkeiten durch. Doch natürlich hatte Aaron nicht die benötigten Informationen, um welches Gift es sich handelte. Owen, das Gildenmitglied, welches ihn vergiftet hatte, war spurlos verschwunden nach seinem geglückten Anschlag. Wobei diese miese Schlange wohl nicht erwartet hatte, dass er fünf Monde lang bereits gegen diese Krankheit ankämpfte. Fünf verdammte Monde! Und er kam dennoch nicht voran, nicht einmal sein Gildenmeister hatte ihm helfen können. Einzig die Tinktur aus Mohn und Tollkirsche half ihm, die Schmerzen und Anfälle zu vermindern. Kurz schwiffen die Gedanken des dunkelhaarigen Killers zurück an den verhängnisvollen Tag. Die Mauern aus Eis an den permanent kalten Klippen des Elhelsyan Empires kamen vor sein geistiges Auge. Die Mauern der bislang eingenommenen Festung waren seit er denken konnte sein Heim. Und so seltsam es auch klang, dies als Assassine u sagen, Aaron hatte sich immer in diesen dunklen Hallen sicher gefühlt. Er war dort aufgewachsen und trotz der brutalen Methoden, Kinder wie ihn zu stählen und zu trainieren, hatte der Gildenmeister immer auf ihn Acht gegeben. Aaron entwich ein lautloses Seufzen. Es wäre seine Zeremonie gewesen, als nächster Gildenmeister und Nachfolger seines Herrn. Und genau an diesem Abend wurde er vergiftet und von dem schlimmsten Anfall, den er sich vorstellen konnte, heimgesucht. Natürlich war die Zeremonie vorüber und anschließend wurde er trotz des kritischen Zustandes auf eine Mission geschickt. Normal war dies nicht, doch sein Herr empfand das Schicksal der Welt extrem wichtig. Und nun saß er vor seinem Auftrag und wartete auf eine Möglichkeit zu erkennen, was sie zu tun imstande war. Stattdessen saß ein kleines Mädchen vor ihm, was nicht im entferntesten den Anschein erweckte, überhaupt magische Kräfte zu beherbergen.

      "Bitte legt die Arme hinter den Rücken und bringt sie nicht hervor, bis ich es sage", wurde er plötzlich aus seinen Erinnerungen gerissen und kurz blickte er sie etwas irritiert an, ehe er dennoch Folge leistete. Er verschränkte seine Arme hinter dem Rücken wie sie ihm sagte und zog etwas neugierig geworden kurz die Brauen hoch, als die junge Frau sich ihm näherte, dass ihm ihr Geruch nach Kräutern, frischem Gras und einen leichten Hauch von Harz entgegenschlug. Eine angenehme Kombination, jedoch zu erwarten von jemanden, der sein ganzes Leben im Wald verbrachte. Er rührte sich nicht und blickte auf, als sie ihn darum bat. Sein tiefes Gold traf auf ihre unglaublich blauen Augen. In der Tat hatte er ein so klares Meeresblau noch bei keinem Menschen gesehen. Ihre Augen wirkten einerseits so unschuldig und doch lag ein Schleier über ihnen, welchen er nicht zuordnen konnte. Zudem kam abermals dieses seltsame Gefühl und er meinte für einen Moment, in einen grauen Nebel zu blicken, der ihm seltsam vertraut vorkam. Als dieses Gefühl ihm zu intensiv wurde sah er wie angeordnet zu dem Loch in der Decke ihres Heims, nicht wissend, was das bringen sollte. Er hörte sie laut ausatmen und ihr Atem striff sein Gesicht, ehe sie sich wieder aufrichtete und er aus Reflex die nach hinten verschränkten Arme wieder sinken ließ. Dass er sie damit jedoch erschreckte war ihm zunächst nicht bewusst. Die Schwarzhaarige zuckte heftig zusammen. Gerade wollte der Auftragsmörder zu einer Entschuldigung ansetzen, als sie plötzlich spurlos verschwand, obwohl sie gerade noch direkt vor ihm stand. Leicht entgleisten Aaron die sonst so gefassten Züge und er blinzelte einen Moment. Gloria war wie vom Erdboden verschluckt und obwohl seine Sinne scharf waren und ihm eigentlich selten etwas entging, konnte er sie nirgends entdecken. Sie war weg... So viel zum Thema, dass er an ihrer Existenz als Hexe zweifelte. Obwohl er noch nie davon gehört hatte, dass Menschen mit magischen Fähigkeiten sich in Luft auslösen konnten. Normalerweise brauchte es einen Zirkel, welcher ein Portal öffnete...
      Seine Augen suchten die Hütte ab und aus innerem Instinkt spannten sich seine Muskeln an. Nur schwerlich unterdrückte er das Verlangen, nach seinem verborgenen Dolch zu tasten.




      Schließlich machte er eine...Bewegung am anderen Ende der Hütte aus und kurz weiteten sich seine Augen ungläubig. Gloria...Sie...kroch förmlich aus den Schatten, als wäre sie Teil der Dunkelheit. Ihr Körper gab kurz die schwarzen Umrisse eines nicht greifbaren Wesens dar, ehe die junge Frau wieder normal an der Wand außer seiner Reichweite lehnte. Auch als sie sich rechtfertigte rührte sich Aaron vorerst nicht. Das war neu. Auch für jemanden wie ihn, obwohl er schon viel in seinem Leben gesehen hatte. Einen wandelnden Schatten? Damit wusste er jetzt nichts anzufangen und noch weniger, wie er zukünftig mit diesem Wissen umgehen sollte. Als wäre nichts geschehen, oder wahrscheinlicher um diese Situation die mehr als unangenehm für sie schien, aufzulösen, wechselte sie das Thema zurück zu seiner Vergiftung. Aaron schwieg eine Weile ehe er die Luft ausstieß, und sich durch sein dunkelbraunes Haar fuhr, welches an manchen Enden doch länger als gewollt gewachsen war.
      "Anscheinend bist du...tatsächlich eine Hexe.", kam es ihm schließlich über die Lippen und er räusperte sich leicht. Er wies auf den Stuhl auf dem sie eben noch gesessen hatte und dem begonnenen Mahl.
      "Wie ich schon sagte, ich tu dir nichts... Ich wollte dich nicht erschrecken.", erklärte er seine Aktion und unterzog seinem Ziel eine erneute, diesmal interessierte Musterung.
      "Setz dich, dann sprechen wir weiter.", bat er. Wobei es ungewollt einen leicht befehlenden Unterton annahm. Geduldig wartete er eine Weile, bis Gloria sich tatsächlich wieder hinsetzte, ehe er für sich entschied, das Schattenthema später anzusprechen und vorerst ihren Themenwechsel anzunehmen.
      "Das Gift hat sich eher in eine Krankheit gewandelt, fürchte ich. Nach meinen eigenen Untersuchungen scheint es sich auf meine Organe zu legen, weshalb die Reaktion auch so stark ausfällt. Ich bin hier um mit dir gemeinsam herauszufinden, was genau mich vergiftet hat. Und nach dem was ich eben gesehen habe dürftest du mir wirklich dabei helfen können.", schloss er und sah ihr direkt in die Augen.
      "Du wirst von mir kein Leid erfahren, immerhin bin ich wirklich auf deine Hilfe angewiesen. Ansonsten... Mich wird die Tinktur nicht ewig vom sterben abhalten." So nüchtern wie er es auch aussprach, Aaron drehte sich allein beim Gedanken schon der Magen um und zum ersten Mal verspürte er den Wunsch, nicht zu sterben.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Gloria Bonhu
      Die naive junge Dame begriff nicht im Geringsten, was in dem Mann in ihrer Stube vorging in diesem Moment. Sie verstand seinen entgeisterten Gesichtsausdruck nicht, die Hand, mit der er sich durch sein Ebenholz-farbenes Haar fuhr. Ihre magischen Fähigkeiten sind für sie selbstverständlich nichts außergewöhnliches gewesen. Dass er so perplex darüber werden sollte kam ihr gar nicht als Möglichkeit in Frage. Genauso wie sie sein leichtes Entsetzen nicht begriff konnte Gloria auch nicht ganz diesen Unterton deuten, den er so plötzlich in der Stimme hatte. Ihre Schultern zuckten sanft zusammen, als er sie zurück zum Tisch zitierte. Aber auf eine eigenartige Art und Weise, die Gloria auch tatsächlich nicht in Worte fasste, gefiel ihr dieser Unterton. Zumindest mochte sie ihn lieber als die Manier, mit der er vorher gesprochen hat. Sie schien besser damit umgehen zu können. Daher folgte sie seiner Bitte auch nach einem kurzen Momemt des Zögerns und wendete nicht ihren Blick ab, als seine Worte ernst zu werden schienen.
      Das Gift, er beschrieb es mehr mit einer Krankheit, die er nicht begreifen konnte. Verständlich, dachte sich die junge Frau, wenn man seine Symptome dazu bedachte. Erneut gab er ihr in aller Deutlichkeit zu verstehen, dass er ihr nichts tun würde, weil sie beide gemeinsam eine Lösung für ihn finden würden. Gloria wollte direkt Einspruch erheben. Erstaunt weiteten sich ihre Augen und sie öffnete bereits den Mund, um ihm klipp und klar zu sagen, dass sie nicht wusste, was das gewesen ist und sicherlich auch nicht das Wissen auf die Schnelle erlangen könnte, als die Worte fielen, die ihr sogleich mit eine Schlag die Luft aus den Lungen zogen und ihr herz dazu bewogen sich schmerzlich zusammen zu ziehen. Entweder half Gloria ihm und sie fanden gemeinsam ein Gegenmittel oder er würde sterben. Unfähig sich zu rühren schaute sie Aaron über den Tisch hinweg an. Ihr Atem ging flach und ihre Lippen standen immer noch vom Versuch zu widersprechen leicht geöffnet.
      So wenig Gloria diesen Mann auch verstand. So wenig sie auch jemals in der Lage sein wird ihn zu verstehen. Sie verstand diesen Blick. Sie konnte sehr gut begreifen, was in den Falten um seine Mundwinkel lag. Sie erkannte sofort die Schwere, die seine Augenbrauen leicht herunter drückte und sie ihn zusammenziehen ließ. Wenn Gloria auch nichts auf der Welt kannte, dann die Angst vor dem Tod. Zu leben und zu wissen, dass man sterben würde. Im Gefängnis war sie jeden Morgen mit dieser grausamen Erkenntnis erwacht und hätte sie ihren guten Freund Hal und ihre Schutzpatronin nicht gehabt, die ihr den Weg hinaus gewiesen hat, sie wäre auch sicherlich im Verließ gestorben. Was, wenn das alles einen Grund hatte? Sie damals im Gefängnis Glorias Ruf erhört hatte um nun hier, in ihrem Auftrag Aaron, dem ersten Menschen, der den Weg zu ihrer kleinen Hütte gefunden hatte zu helfen. Sie trug schließlich den Namen der Heiligen. Sie teilte bereits so viel mit ihr. Warum also nicht auch diese Aufgabe? Was, wenn die kleine Gloria nun selbst die Schutzpatronin für diesen Mann sein sollte?
      Ihre Lippen schlossen sich wieder, ihre Hände lagen in ihrem Schoß und die ganze Zeit über hat sie nicht ihre Augen von dem Mann genommen. Nur sehr zögerlich nickte sie. "Ich... werde tun, was immer in meiner Macht steht, Aaron..." Es war noch immer eigenartig seinen Namen zu sagen. Erst recht mit dem Hintergrund, dass es möglicherweise der Name sein könnte, für den Gloria bereits so viel durchgestanden hatte. Der Name, der ihr von nun an etwas bedeuten sollte. Der Name, den sie von nun an beschützen wollte. Sie spürte, dass es richtig gewesen ist. Und wenn es auch nur reine Sympathie für seine Situation gewesen sein könnte. "Was ist es, das Ihr als Gegenmittel verwendet? Oder sollte ich lieber Symptomblocker sagen?" Sie sah zu seinen Fingern. "Habt Ihr irgendwelche Verfärbungen, die auch aufgefallen sein könnten? Gelbliche Haut oder vielleicht verfärbte Glieder? Oft auch an den Füßen und Zehen." Sie suchte wie wild nach allem, was ihr einen Anhaltspunkt bieten könnte. Schnell schnappte sie sich noch ein Stück des Apfels und sprang dann auf, um ins Nebenzimmer zu verschwinden. Dieses Mal ließ sie die Tür einfach auf und gestattete es somit, dass Aaron einen Blick hinein erhaschen konnte. Tatsächlich besaß Gloria ein Bett. Es war alt und sicherlich nicht das bequemste, aber es war ein tatsächliches Bett. Zudem befand sich eine Kommode im Raum und anscheinend auch noch ein Schrank. Gloria bahnte sogleich ihre Kommode an und kam mit einem alten Buch wieder zurück. Es war abgegriffen und in einem schweren Ledereinband. Sie schlug es auf. Es entpuppte sich als eine Art Tagebuch. Die Schrift hatte sich verändert ab etwa der Hälfte der Beitrage. Darin waren verschiedene Pflanzenarten abgebildet, zwischen unglaublich vollgeschriebenen Zeilen konnte man immer mal wieder kleine Zeichnungen und Hinweise entdecken und hier und da sind auch Blätter und Zweige, Blüten und Knospen getrocknet gewesen.
      Gloria blätterte hin und her und versuchte sich an die verschiedenen Kräuter und Blumen zu erinnern, die möglicherweise ähnliche Wirkungen hervorrufen konnten aber auf diesem Wege fiel ihr nichts ein, was so stark sein könnte. Nach einer Weile atmete sie schwer aus und biss sich nachdenklich auf den Daumen. "Verflucht, ich hatte Hoffnung, dass Großväterchen etwas in dieser Richtung eingetragen haben könnte. Aber alles was ich hier finde ist Sehverlust." Unbedacht wurde ihr Biss ein bisschen zu fest und sie erwischte die eben noch verletzte Stelle und zog schnell ihre Hand weg. "Autsch...", murmelte sie und wedelte leicht mit der Hand, um somit die Schmerzen wegzubekommen. Mit einem enttäuschten Ton ließ die Dame sich wieder auf den Stuhl fallen und schnappte sich das letzte Stück des aufgeschnittenen Apfels. "Wie oft kommen denn die Anfälle? Ist Euch da vielleicht eine Regelmäßigkeit aufgefallen? Tritt es auf nachdem Ihr Euch gut angestrengt habt oder vielleicht direkt nach dem Essen? Und wie häufig befallen Euch diese Schmerzen?" Gloria belog sich selbst mit all diesen Fragen. Das wusste sie genau. Denn egal was die Antworten darauf auch sein mögen, sie würde es nicht wissen. So etwas großes hat sie niemals hergestellt und sah sich auch beim besten Willen nicht in der Lage dazu. Ein wenig beschämt senkte sie die Schultern. "ich weiß wirklich nicht, wie ich helfen kann."
      Now that I know your name
      I'm finally able to spell perfection.
    • Aaron van Threys

      "Ich... werde tun, was immer in meiner Macht steht, Aaron..." Ungewollt erleichterten ihn diese Worte. Er musste eine Lösung finden, wenn er nicht innerhalb der nächsten drei Monde verenden wollte. Und nach dem, was er jetzt gesehen hatte, hätte der Assassine mit ihr wohl eine erhöhte Chance, ein Mittel zu finden. Kurz verkrampften sich seine Finger etwas in dem Gedanken an die nächsten Anfälle, welche er wohl oder übel mit Gloria teilen musste. Aaron sträubte sich innerlich dagegen, einen derartigen Anfall je vor ihr zu erleben, doch steuern konnte er es leider nicht und dagegen ankämpfen auch nicht. Beinahe lautlos stieß er die Luft aus seinen Lungen und er konzentrierte sich wieder auf die Hexe, welche gerade weitersprach. Eine Flut an Fragen perlte ihr über die Lippen, als würde sie fieberhaft nach Anhaltspunkten suchen. Doch wirklich Zeit zum antworten blieb dem Jäger nicht, da die junge Dame vor ihm immer mehr Fragen in den Raum hineinwarf und schließlich aufsprang, als hätte sie einen Geistesblitz. Etwas irritiert von diesem sprunghaften Verhalten sah er ihr nach und endlich öffnete sie die Tür zu ihrer Schlafkammer, die er vorher nur erahnen konnte. Tatsächlich war diese mehr möbliert als der Raum in dem sie speisten. Sogar ein richtiges Bett befand sich in dem dunklen Raum, welches ihn etwas stutzig machte. Er hatte sich geirrt, etwas, was dem Braunhaarigen nicht oft passierte. Immerhin hatte er angenommen, sie würde ein einfaches Nachtlager besitzen, vielleicht ein oder zwei Felle. Kurz pressten sich seine Lippen zusammen, hasste er es doch, wenn er Falsch lag. Auch wenn er kleine Details nicht wissen konnte, immerhin kannte er die Schwarzhaarige gerade mal eine knappe Stunde. Vorhersehbar war für ihn noch gar nichts, erst recht nicht nach ihrem doch ungewöhnlichen Auftritt als...Schatten? Er hatte nicht einmal einen richtigen Namen dafür, wie er ihre Magie beschreiben sollte oder welche Art von Kraft dies sein könnte. Dabei kannte er sich in vielen Bereichen aus, das musste Aaron, wenn er den höchsten Zielen des Landes nachjagte. Dennoch... Gloria war bislang noch ein einziges Rätsel und selbst seine Annahme, sie wäre nicht jene aus der apokalyptischen Prophezeiung, musste er revidieren.
      Gloria kam mit einem angegriffenen Buch zurück, was Aaron sogleich neugierig machte. Sollte dies eine Art Grimoire sein? Oder Aufzeichnungen ihrer Kräuterkunde? Nun, wohl eher Letzteres. Er hatte nicht gesehen, wie Gloria in irgendeiner Art und Weise eine Formel rezitiert hätte oder einen Zirkel gezeichnet, um zu verschwinden. Was zumindest ein Anhaltspunkt dafür war, dass sie sich nicht denselben Methoden wie Magiern gütig tat. Manisch, zumindest wirkte es für den Dunkelhaarigen so, als seine goldenen Augen auf den Seiten hingen, welche Zeichnungen und eine unleserliche Schrift zeigten, blätterte die Hexe durch das Buch. Nur um schließlich frustriert aufzugeben, anscheinend hatte sie nichts gefunden was hilfreich wäre. Dass sie sich dabei sogar in den Finger biss ließ ihn mit gehobener Braue schweigend seinen Teil denken. Hätte er ihre Macht nicht selbst gesehen würde er bitter auflachen und sich verabschieden, so viel stand fest.
      Weiter ging ihre Fragerei und langsam musste Aaron wirklich aufpassen, sich ihre gesamte Flut zu merken, die sie gestellt hatte. Als ihre eisigen Tiefen schließlich auf ihm ruhten, ihre Lippen verschlossen und offenbar fertig mit der Fragerei, konnte er ein leichtes Kopfschütteln nicht verhindern. Ihre beschämten Worte, sie wüsste nicht wie sie helfen könne, machten ihm nicht gerade Mut.Seufzend richtete er sich etwas gerader auf und stützte beide Arme auf dem knarzenden Tisch ab, um endlich mit dem Antworten zu beginnen. Nach kurzem sammeln der gestellten Fragen begann er lieber von vorne.

      "Als Gegenmittel für die Anfälle benutze ich eine Mixtur aus Tollkirsche, Mohn und Lavendel. Es verzögert die Intervalle um einige Wochen bei der richtigen Dosierung, jeden Tag könnte ich es aufgrund der toxischen Nebenwirkungen der Tollkirsche nicht nutzen. Allerdings scheint sich das Gift trotz dessen weiter auszubreiten, sobald die Wirkung nachlässt sind die Schmerzen meist ums zweifache verstärkt. Mittlerweile...kann ich während dem nicht einmal mehr stehen." Letzteres fügte er merklich leiser und deutlich bitterer hinzu. Er wurde noch nie in die Knie gezwungen und nun schaffte es ein vermaledeites Gift! Wie tief war er in seiner Würde als Auftragsmörder gesunken...?
      "Verfärbungen gibt es keine von denen ich weiß. Meine Haut ist normal, ebenso die Augen oder die Zunge. Das war mitunter das Erste, was ich kontrolliert hatte.", musste er leider ihren Ansatz zunichte machen. "Die Häufigkeit ist erschreckend regelmäßig. Meine Tinktur wirkt immer für wenigstens einige Tage, meist bis zu einer Woche. Danach schwächt sie ab, egal ob ich mich körperlich angestrengt habe oder nicht. Manchmal..", fuhr er zunächst fort, unterbrach sich jedoch einen Augenblick selbst. Aaron meinte, dass er sich nach dem Schlaf schwächer fühlte. Ob dies jedoch ein Anzeichen für das Gift war oder einfach der Umstand, dass sein Körper an Stärke verlor, wusste er nicht.
      "Manchmal fühle ich mich schwächer, wenn ich geschlafen habe.", rang er sich schließlich durch, auch dieses Detail auszusprechen. Wenn er Hilfe wollte musste er wohl oder übel ehrlich zu der Dunkelhaarigen sein. Egal wie wunderlich sie auch wirken mochte. Oder tollpatschig. Fest stand, dass ihm keine Wahl blieb. Seufzend fuhr er sich durch sein braunes Haar ehe er wieder aufblickte.
      "Ich weiß selbst nicht mehr, wie ich mir helfen könnte. Aber...vielleicht finden wir gemeinsam einen Weg, wenn wir der Sache auf den Grund gehen.", sagte er sich schließlich wieder fassend im gleichen Tonfall wie zu Beginn ihres Treffens. Er sollte seine Maske beibehalten, das durfte Aaron nicht vergessen. Ohne sie war er nichts...
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    • Gloria Bonhu
      Noch während Aaron sprach und ihr von seinem Gegenmittel erzählte, schaute Gloria über ihre Schulter zu der kleinen Feuerstelle, wo gerade ein wenig Lavendel bereits trocknete. Lebhaft versuchte sie irgendeine Form der Lösung zu finden. Doch es war wirklich aussichtslos. Das überstieg gänzlich Glorias Wissen und ihr Können. Tatsächlich hatte sie auch wirklich nicht mehr so viele Kräuter hier. Sie blätterte nach hinten zum Buch, wo eine kleine Inventarliste angefertigt gewesen ist. Was auch immer der Plan sein würde, wenn sie diesem Mann in irgendeiner Form helfen wollte, musste sie aufstocken, das ist klar gewesen. Vielleicht würde ihr ein Ansatz ja auch kommen, wenn sie die verschiedenen Kräuter beisammen sah und sie präparierte. Gloria hatte sich ein wenig in Sicherheit gewogen. Es hatte ihr nichts mehr ausgemacht, dass Aaron sich in diesem kleinen Häuschen befand. Sie störte sich nicht einmal daran, dass er Einsicht in ihr Buch hatte. Doch dann zuckte sie etwas zusammen, als sich seine Tonlage wieder veränderte. Ein bisschen die Augenbrauen zusammenziehend sah sie zu ihm auf und wich unwillkürlich einen Schritt zurück.
      Dabei schlug sie in einer fließenden Bewegung das Buch zu, das sie von den Toten erhalten hatte. Gloria verstand selbst nicht was es gewesen ist, doch sie fühlte sich als müsse sie Acht geben, wenn er so mit ihr sprach. Dass es damit zusammenhängen könnte, dass Aaron selbst Acht auf seine Worte gab, wenn er zu ihr sprach wie zu einem Kind ahnte sie nicht. Es war einfach ein innerer Instinkt, der eingeschaltet wurde. Unbewusst duckte sie sich leicht und fand schließlich wieder dem Mann gegenüber Platz. "Mir fehlt hier in der Stube eine ganze Menge meines eigentlichen Inventars. Ich... bereite Euch Tee. Und wenn Ihr gestattet würde ich Euch dann einen Moment alleine lassen." Sie wartete keine Antwort ab. Sie war nutzlos, wenn es nicht um ihre Kräuter ging. Wieso also sollte er sie hierbehalten wollen? Das wäre für Gloria abwegig genug, dass sie keinen Moment zögerte. Schnell war die Kochstelle erhitzt und sie bereitete recht geschickt einen Tee zu. Sie kannte sich nicht mit bekannten oder beliebten Teemischungen und bereitete deswegen einfach einen entspannenden Tee zu, den sie selbst sehr gerne trank.
      "Bitte", servierte sie die Tasse mit dem warmen Getränk. "Es gibt hier recht wenig zu tun. Zurück ins Dorf dauert es eine ganze Weile und der Weg sollte auch nicht mehr bestritten werden, ab der Dämmerung. Ihr könnt Euch allerdings wenn Ihr möchtet ein bisschen am Bach erholen und frisch machen. Er ist hinter dem Haus, einige Meter in die Richtung", erklärte sie ihm und zeigte aus dem Fenster heraus. "Aber bitte passt auf Eure Füße auf. Ich habe hier und da ein paar Fallen aufgestellt für kleines Wild." Frech, wenn auch mit einem letzten fragenden Blick, ob es ihr auch wirklich gestattet gewesen ist, beugte sie sich rüber zum Leib Brot und riss sich ein bisschen ab. Es fiel ihr so schwer nicht der Gier zu verfallen aufgrund des schrecklichen Hungers, der an ihr genagt hat. Doch Gier wurde von der Schutzpatronin nicht toleriert und sie wollte wirklich kein zweites Mal bestraft werden. Sie zog ihren Mantel über ihren Kopf, schnappte sich einen geflochtenen Korb von der Feuerstelle, machte einen entschiedenen Schritt und ließ sich verschlucken von den Schatten mitsamt dem leeren Korb.
      Zielstrebig und dieses Mal sogar ein wenig gehetzt machte Gloria sich auf den Weg zu den Bergen. Allerdings war die Reise mit Gepäck bedeutend anstrengender, als wenn sie nur die Kleidung am Leibe tragen würde. Bereits der leere Korb war genug, dass sie gelegentlich Pausen machen musste und schwer atmend und angestrengt kam sie schließlich an bei dem alten Garten des Großväterchens. Kriechend auf allen vieren kam sie aus den Schatten und ächzte angestrengt auf, ehe sie den Kopf schüttelte und den Korb neben sich fallen ließ. Materie durch die Schatten zu ziehen war vergleichbar damit als hätte man schwere Gewichte am Körper. Kleidung fühlte sich an als wäre sie komplett durchnässt und alles weitere schien das dreifache Gewicht anzunehmen. Und dieses Mal hatte Gloria sich wirklich beeilt für diese Strecke. Normalerweise nahm sie sich drei Stunden. Heute war sie in einer halben hier. Sie ließ sich auf den Boden fallen, ihr Kopf lag somit direkt neben dem kleinen Grabmal, das sie hier errichtet hatte. "Hallo Großväterchen", keuchte Gloria und lachte leicht über sich selbst. Mit den Händen fuhr sie sich durchs Gesicht und kam nun endlich wieder zu Atem.
      "Es ist was unglaubliches passiert. Du würdest es mir nicht glauben, wenn du am Leben wärst." Ächzend erhob sie sich wieder und machte sich mit dem leeren Korb, den sie nun beinahe wegwarf, so überrascht sie über das fehlende Gewicht gewesen ist, auf den Weg zu dem ausladenden Kräutergarten. Großväterchens ganzer Schatz. "Ein Mann ist heute zu meiner Hütte gekommen! Auf der Suche nach mir, kannst du dir das vorstellen?", rief sie ein wenig lauter, während sie anfing zu arbeiten. Sehr geschickt trennte sie Dornen von Pflanzen, schnitt vorsichtig Wurzeln in zwei, legte Blüten in ein Tuch. So ungeschickt sie auch mit einem Messer sein mochte, an einer Schere oder einer Dorne würde sie sich niemals verletzen können.
      "Er wird gequält durch ein schreckliches Gift und ich habe keine Antwort für seine Leiden", jammerte sie ein bisschen und lehnte sich schließlich einen Moment zur Ruhe kommend in hockender Haltung zurück. Fast schon ein bisschen bedauernd blickte sie auf in den Himmel, der ein letztes Mal von einem unglaublichen Leuchten ergriffen wurde vor der Dämmerung. Unten im Tal, in ihrem Wald musste es bereits duster sein. "Es ist so schade, dass ich dich nicht um Rat bitten kann. Ich sehne mich nach jemandem, der mich weisen kann." Langsam drehte sie mit einem Lächeln ihren Kopf zum Grabmal. "Dabei habe ich doch jemanden, der mich weist. Die heilige Gloria gibt auf mich acht. Doch manchmal erhöre ich nicht ihren Ruf oder sie überhört den meinen... Wie gierig das schon wieder ist. Ich sollte nicht mehr verlangen.", tadelte sie sich schließlich selbst und schüttelte entschieden den Kopf. Zügig sammelte sie noch alles weiter ein, die das sie gebrauchen könnte und machte auch noch einen kleinen Abstecher auf einer großen, weiten Blumenwiese, um einen kleinen Strauß für den armen, einsamen Mann u pflücken, der hier in den Bergen ganz allein verstorben war. Alles, was er zurück gelassen hatte waren seine Kräuter und ein Buch, das die Dorfbewohner seiner Heimat nicht mehr haben wollten. Bemüht arrangierte sie ihm die Zierde und verbeugte sich tief in ihrer Demut und ihrer Dankbarkeit, ehe sie den gefüllten, schweren Korb an sich nahm, noch einmal tief Luft holte und ähnlich als würde sie in kaltes Gewässer springen, sich kopfüber in die Schatten stürzte, um zu Aaron zurück zu kehren.
      Sie kam komplett an ihre Grenzen. Immer wieder sprang sie aus den Schatten, kaum einen Kilometer schaffte sie am Stück, ehe sie beinahe zusammenbrach. War der Hinweg schon anstrengend gewesen, fühlte sich der Rückweg an, als würde sie sterben. Zwei Stunden benötigte sie und das auch nur, weil bereits tiefste Nacht gewesen ist und sie deswegen nicht mehr auf den Weg achten musste. Ächzend kam sie aus dem Boden in der Stube. Schwer landete der Korb vor ihr und sie selbst stürzte direkt daneben, halb im Schatten, halb in der physischen Welt. Ihre Wange berührte den kalten Boden und sie genoss das Gefühl in vollen Zügen. So blieb sie regungslos liegen und war stolz auf sich. Sehr sogar. Nur sehr langsam nahm der Rest ihres Körpers wieder Gestalt an und nach für nach gaben die Schatten ihre Beine frei. Ihre Muskeln schienen alle zu pulsieren und lahm zu sein. Doch sie war auch ein wenig stolz auf sich selbst. Soviel musste sie zugeben.
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    • Aaron van Threys

      Alleine mit dem Tee in der Hand sah Aaron abermals dem unglaublichen Ereignis zu, dass Gloria sich selbst in Schatten wandelte und den Korb mit ihr verschwand. Er hatte sich nicht wirklich an diesen Anblick gewöhnt, wie auch konnte er eine solche Macht so leichthin annehmen. Kurz, von der plötzlichen Stille umgeben, sah er sich etwas misstrauisch um. Er traute keinem Schatten mehr, wenn er wusste, dass die Kleine durch jene wandelte. Zugegeben würde jeder Spion oder Informant vor ihren Fähigkeiten auf die Knie fallen und selbst er als Assassine musste gestehen, dass solche Fähigkeiten selbst für ihn von unschätzbarem Wert wären. Damit würde ihn wirklich keiner mehr das Wasser reichen, wenn er aus dem Schatten heraus morden könnte. Aber dies blieb leider Wunschdenken und seufzend leerte Aaron den zugegeben sehr köstlichen Tee. Das konnte die kleine Hexe zumindest schonmal gut, das gab er gerne zu. Das heiße Getränke wärmte sein klammes Inneres und beruhigte ihn auf seltsame Art. Kurz war er versucht, die Inhalte zu erraten, verschob diese Idee jedoch wieder. Neugierde zählte eigentlich nicht zu seinem Charakterzug. Zumindest nicht dem dieser Maske die er trug. Seufzend erhob er sich, nachdem Gloria tatsächlich das Haus verlassen hatte. Er nutzte die Gelegenheit um jene schäbige Hütte genauer unter Augenschein zu nehmen. Zu seinem Bedauern brachte ihm das jedoch wenig, diese Frau hatte weder Wertgegenstände noch etwas, was man als Persönlich bezeichnen konnte. Abgesehen von dem handgeschriebenen Buch von- was hatte sie gesagt?.. ach ja, irgendeinem Großväterchen. Vielleicht der vorherige Besitzer des Hauses? Wenn dem so war schien er wohl in keinen reicheren Verhältnissen als die Schwarzhaarige gelebt zu haben. Etwas verärgert, dass er seine Zeit verschwendet hatte, wandte er sich ab und verließ die Hütte durch die knarzende Tür. Sein treuer Freund Nocturne graste unweit von ihm entfernt und schenkte ihm lediglich ein Schnauben als Begrüßung, ehe der Hengst weiter über das feuchte Gras schritt. Noch stand die Sonne am Himmel, doch eine leichte Röte zeichnete sich bereits am Himmel ab, welche von dem nahenden Abend sprach. Gloria hatte einen Bach erwähnt und zugegeben war eine kleine Erfrischung genau das, was er jetzt brauchte. Den ihm gewiesenen Weg nehmend hörte er schon von weitem das leise Plätschern des klaren Nass und nach kurzem studieren seiner Umgebung legte er sein samtenes Gewand ab. Sein lederner Harnisch wäre ihm zwar lieber, aber dies wäre wohl zu auffallend.
      Kurz erlaubte sich der Braunhaarige seine goldenen Augen zu schließen und das kühle Nass auf seiner Haut zu genießen, als er sich mit einem sauberen Tuch wusch. Tatsächlich war sauberes Wasser in dieser Welt Mangelware, wenn man nicht gerade das nötige Kleingeld für die riesigen, luxuriösen Badehäuser der Großstädte besaß, war man auf einfache Wassertrogen oder Zuber angewiesen. Wenn man so etwas überhaupt besaß, die meisten Dörfer hatten nur Zugang zu den verdreckten Flüssen und Seen und demnach ging die Hygiene wörtlich gesehen den Bach runter. Der ärmliche Lebensstil tat den Rest um Krankheiten hereinzulassen. Unwillkürlich erinnerte sich Aaron an die kleine Provinz Izar, in welcher er einst eine ganze Familie inklusive der Kinder ausrotten musste. Dieses Land war Opfer vieler Überfälle von der See und dem über ihnen liegenden Elhelsyan Empire. Tote hatten die Wege gesäumt, das Wasser war vergiftet von Unrat und den Verwesungsspuren der Raubmorde. Ohne sauberes Wasser war alsbald ein Großteil der Provinz von Krankheiten heimgesucht, welche zunächst die Tiere und schließlich die Menschen dahinrafften. Nie würde er den unerträglichen Gestank vergessen, welcher über den Dörfern gehangen hatte, als wäre es ein dunkler Nebel der Pestmaid... Schnell verscheuchte er die unangenehmen Gedanken und wusch sie förmlich von seinem Körper, ehe er sich wieder ankleidete. Mittlerweile war der Himmel in ein tiefes Rot übergegangen, welches die Farbe des Blutes widerspiegelte. Ausdruckslos sah er einer Weile dem Schauspiel zu, auf einem herausragenden Stein nahe der Hütte sitzend. Es war seltsam, warten zu müssen. Nicht, dass Aaron es nicht gewohnt war. Seine Anschläge verlangten immer ein hohes Maß an Geduld. Doch das hier war etwas anderes. Er wusste nicht einmal wohin die Hexe verschwunden war. Also blieb ihm nichts anderes, als die Zeit irgendwie totzuschlagen. Ein innerer Instinkt sagte ihm, dass sie erst nach Einbruch der Dunkelheit zurückkehren würde. Die Zeit nutzte er um sein Schwert zu polieren, ebenso kümmerte er sich um seine verborgenen Dolche und Wurfmesser. Doch dies dauerte nicht lange, zudem musste Aaron aufpassen, dass Gloria nicht plötzlich hinter ihm auftauchte.

      Letztlich nichts wirkliches mehr, was er erledigen könnte, legte er sich einfach auf das weiche Gras und sah dabei zu wie immer mehr Sterne am Himmel erschienen. Seine Gedanken schweiften ab zu jenem verhängnisvollem Tage, an dem er vergiftet wurde. Er! Der größte Killer ganz Tamariens, fiel auf die älteste Methode des Tötens herein und trank aus dem heiligen Kelch der Bruderschaft, in welchem das Gift wohl am Gold gehaftet hatte und nicht im Wein selbst. Sein Meister war entsetzt gewesen und die falsche Schlange Owen wurde kurz darauf hingerichtet, als man ihn als Schuldigen identifizieren konnte. Etwas zu übereilt, empfand Aaron. Er hätte Owen leiden lassen um aus ihm herauszuquetschen, welches Toxit er verwendet hatte. Er hätte Informationen gebraucht, doch die Mitglieder der Bruderschaft waren zu schnell... Aaron seufzte schwer ehe er sich etwas mühsam wieder aufrichtete. Seine Stirn fühlte sich heiß an und er biss die Zähne zusammen. Die Kräuter schienen langsam nachzulassen! Verdammt, er dachte er hätte noch einige Tage, bis es sich verflüchtigte! Etwas angestrengt von dem einfachen Akt des Aufstehens machte sich der Dunkelhaarige langsam auf den Weg zurück in die Hütte und entfachte dort das erloschene Feuer neu, was die Behausung in flackerndes Licht tauchte. Das Essen stand noch immer auf dem Tisch und etwas resigniert portionierte er auf Glorias Teller etwas von dem Brot und dem Trockenfleisch, ebenso schnitt er erneut einen Apfel und verstaute den Rest wieder in seiner Tasche. Er selbst nahm nahe der Feuerstelle platz und verschränkte die Augen schließend seine Arme. So wartete er auf das kleinste Geräusch, welches von ihrer Heimkehr berichtete. Und tatsächlich, nach einer gefühlten Ewigkeit hörte er zunächst einen schweren Korb der auf dem Boden landete und sah auf. Nur um eine völlig erschöpfte Schwarzhaarige auf dem Boden liegend zu sehen. Kurz blinzelte er wegen dem etwas kuriosen und doch besorgniserregenden Anblick, ehe er vorsichtig auf sie zutrat.
      "Alles in Ordnung?", fragte er schließlich und kniete sich neben sie, um ihr eine Hand zum aufstehen zu reichen. Sie sah ziemlich erschöpft aus, als hätte es ihr viel Kraft gekostet, den Weg auf sich zu nehmen. Seine Augen fanden den Inhalt des Korbes, welcher förmlich überquoll an den verschiedensten Kräutern. Wo hatte sie die bitte alle her?
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
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      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Gloria Bonhu
      Es dauerte eine ganze Weile, bis Gloria wieder zu Atem kam. Sie hatte sich wirklich überanstrengt wie noch nie zuvor. Als Aaron sich zu ihr kniete und ihr die Hand reichte, machte sie instinktiv einen großen Satz zurück und brachte somit wieder Abstand zwischen die beiden. Mit ihren Händen stützte sie sich hinter sich ab und wollte gerade etwas sagen, als der Luftmangel es ihr verweigerte. Resigniert legte sie den Kopf in den Nacken und atmete noch einmal tief durch, nicht ahnend, dass sie einem Mörder ihren nackten Hals entblößte. Sie wäre ein lächerlich leichtes Opfer für einen Auftragsmord gewesen. Mit einem Kopfschütteln atmete sie zwar immer noch schwer, doch regelmäßiger. "Entschuldigung", brachte sie endlich über die Lippen. "Etwas anderes als mich selbst durch die Schatten zu ziehen ist... schwer." Dabei machte sie nicht deutlich, dass es bei dieser Aussage um das reine Gewicht ging. Als Gloria wieder einigermaßen aufnahmefähig gewesen ist, blickte sie zu dem entzündeten Feuer und realisierte eine angenehme Wärme in ihrer Hütte, die allerdings keineswegs von der Hochstelle herrührte. Sie kam zurück und jemand war da... Was für ein eigenartiges Gefühl. Ihr Herz machte einen Sprung und plötzlich erschien ihr schäbiges kleines zu Hause in einem komplett anderen Licht. Ihre Augen fielen auf Aaron und alles in ihrem Gesicht änderte sich. Besorgt zog sie die Augenbrauen zusammen und verführt von dem warmen Gefühl seiner Anwesenheit legte sie ein kleines bisschen ihrer Berührungsängste ab.
      Achtsam beugte sie sich vor und krabbelte auf allen vieren etwas zu dem Mann hin. "Geht es Euch gut...? Ihr seht blass aus." Sie machte vor ihm Halt und streckte eine Hand zu ihm aus. Ihre Finger berührten fast seine Wange, als sie erschrocken ihre Hand wieder zurück zog und dann vor ihm auf dem Boden saß, ihre Hände unter ihrem Mantel um ihren Körper versteckt. Nach einem kurzen Moment der Orientierung ging Gloria der nächsten unüberlegten Handlung nach. Sie stützte sich mit den Händen auf dem Boden ab und kam so mit ihrem Gesicht dem Mann näher und näher, bis schließlich ihre Stirn auf der seinen lag. Wieder legte sie ihre Stirn besorgt in Falten und ging einen Schritt weiter, um sich sicher zu sein und legte ihre Lippen vorsichtig an seine Stirn. Sie wusste, dass sie Lippen temperaturempfindlicher gewesen sind, woran sie auch genauer festmachen konnte, ob seine Temperatur nur durch das Feuer wärmer gewesen ist als ihre, oder sein Körper von innen aufheizte. Sie entfernte sich wieder von ihm und richtete sich auf. "Ihr habt Fieber!" Fieber war gefährlich, Fieber war böse. Gloria konnte nicht anfangen zu zählen wie oft ihre Mutter Fieber hatte, bevor sie dahin gerafft ist.
      Schnell erhob Gloria sich wieder von dem Boden. "Bedeutet das, dass Euer Gegenmittel schwächer wird?" Schnell holte die schwarz-haarige Wasser aus einem Fass auf ihrer Veranda und setzte das Wasser für einen Tee auf. Dabei wirbelte sie herum und entdeckte das vorbereitete Essen und blickte dann wieder zu ihren Kräutern und Beeren. Vielleicht könnte sie eine Suppe zubereiten. Aber erstmal Tee. "Bitte setzt Euch. Habt ihr noch weitere Leiden?" Langsam breitete sich Panik und Angst in ihren Knochen aus. Was sollte sie denn machen, wenn er jetzt einen Anfall bekam? Ihre Augen gingen wieder zu dem Korb. Sie hatte die Kräuter aufgestockt, um nach einem Gegenmittel zu suchen. Doch wie sollte sie das so schnell machen, wenn er es direkt benötigte? Oh Himmel...
      Now that I know your name
      I'm finally able to spell perfection.
    • Aaron van Threys

      Natürlich nahm das schreckhafte Ding seine Hilfe nicht an und brachte trotz der sichtlichen Erschöpfung einigen Abstand zwischen sie. Aaron seufzte lediglich und schüttelte den Kopf. An sie heranzukommen war wirklich eine nervenaufreibende Aufgabe, wenn sie bei jeder Geste oder ihr dargereichten Hand zurückschreckte. Gleichzeitig war sie überaus naiv ihm gegenüber und mit hochgezogener Braue sah er dabei zu, wie sie ihm ihre Kehle entblößte. Die helle Haut hob sich deutlich von ihrer schwarzen Haarpracht ab und für einen Moment hingen seine Augen daran. Es wäre ein leichtes, mit einer fließende Bewegung diese weiße Haut rot zu färben, das wusste sie nicht. Dennoch, sie schien merklich entspannter zu sein, als sie das Feuer ebenso wie den gedeckten Tisch bemerkte. Als sie ihm die Schwierigkeiten der Schattenwanderung erläuterte, horchte er interessiert auf. Ihr war es also ein schwieriges Unterfangen, etwas- oder jemanden- durch die Schatten zu ziehen. Das war durchaus eine wertvolle Information, welche er sich merkte. Vielleicht kam es ihm irgendwann ja einmal zugute, wenn es darum ging, die Hexe nach erfolgreichem Auftrag sowie der Heilung umzubringen. Immerhin hatte er klare Anweisungen, dass er Gloria- sollte sie sich nicht den Wünschen der Gilde fügen- eliminieren sollte. Und Aaron wusste, dass jemand wie sie vom großen Nutzen wäre, aber ebenso viel Schaden anrichten konnte, wenn sie einer anderen Gilde in die Hände fiel.
      Jene Gedanken behielt er vorerst für sich und etwas irritiert sah er dabei zu, wie Gloria auf allen Vieren wieder zu ihm kam. Der Jäger rührte sich nicht und wartete etwas unsicher ab, was die junge Frau vorhatte. Bei einer anderen Dame hätte er eventuell geglaubt, sie wolle ihn auf spezielle Art verführen, doch Gloria war dazu zu unschuldig und wusste womöglich nicht einmal, was das bedeutete. Demnach etwas neugierig, was sie vorhatte und doch recht angespannt ließ er es zu, dass sie näher kam und die Hand nach ihm ausstreckte. Beinahe sofort zog sie diese wieder zurück, noch ehe ihre Finger ihn berührten. Stattdessen kam die besorgte Frage, ob es ihm gut ging und etwas bitter biss er die Zähne zusammen. Sah man ihm das etwa so leicht bereits an? Vielleicht war er etwas blass, doch seine Haut hatte nie wirklich einen dunklen Ton gehabt. Aaron verfluchte diese Krankheit und die kommende Schwäche, sobald seine Tinktur nachließ.

      Noch während er in seinen Gedanken gefangen war und ein kurz angebundenes: "Mir geht es gut!", sagte holte ihn die Hexe abrupt aus seinen kreisenden Flüchen. Er spürte plötzlich ihre Lippen auf seiner Stirn in einer beinahe unschuldigen Geste und erstarrte. Sein ganzer Körper spannte sich an als sie so unerwartet handelte. Was zur Hölle...? Schnell hatte sich Gloria wieder gelöst und nahm ihre seltsam kühlen Lippen von seiner erhitzten Stirn. Unfähig etwas zu sagen starrte er die Kleine nur entgeistert an, die stumme Frage, was das sollte, mochte wohl direkt in seinen Augen ablesbar gewesen sein. Ihr Ausruf, er habe Fieber, bekundete er dafür mit einem unterdrückten Seufzen.
      "Es...verliert an Wirkung, ja. Aber mir geht es gut.", wank er auf ihre plötzliche Wachsamkeit ab. Sie war unterdes aufgesprungen und auch er erhob sich langsam wieder. Sie schien geradezu panisch zu werden, als sie offenbar mit ihren Lippen seine Temperatur gemessen hatte. Die Hand hätte auch gereicht und wäre dem Assassinen bei Weitem lieber gewesen. Sie war sich schon bewusst, dass sie das allgemein in der Männerwelt nicht unbedingt öfters praktizieren sollte? Ein anderer als er könnte das falsch interpretieren und sie wüsste wahrscheinlich nicht einmal, dass man solche Gesten nicht leichtfertig gegenüber dem anderen Geschlecht austauschen sollte. Aaron schüttelte nur den Kopf und legte zwei Finger an seine Schläfen, welche nebenbei gemerkt tatsächlich sehr an Temperatur zugenommen hatten. Während das Wasser über der Kochstelle gemächlich erhitzt wurde, versuchte er die Aufregung der Hexe zu besänftigen.
      "Es ist in Ordnung, wirklich. Ein Tee und etwas Schlaf und es geht mir wieder besser.", erhob er seine Stimme leicht, als er merkte, dass sie nicht wirklich dem Gesagten Beachtung schenkte. Gloria schien seltsam aufgewühlt und der Dunkelhaarige konnte nur mutmaßen, warum dem so war. Schlaf klang tatsächlich gerade mehr als Verlockend. Nach der Reise und den Ereignissen war er seltsam erschöpft. Nicht nur körperlich, mit dieser Frau umzugehen hatte ihn auch nervlich etwas erschöpft, da er solche Menschen definitiv nicht gewohnt war. Und das wollte etwas bedeuten bei jemand so anpassungsfähigem wie ihm.
      "Lass mir einfach etwas Ruhe.", bat er schließlich in alter Manier und lehnte sich in dem hölzernen Stuhl, auf dem er platz genommen hatte, etwas zurück.
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
      After all, the world is a stage. And a stage is a world of entertainment."

    • Gloria Bonhu
      Tatsächlich ahnte Gloria nicht im Geringsten was ihr Unbedachtheit in ihrem Gast auslöste. Sie kannte Leidenschaft nur durch die verkommene und unangenehme Welt ihrer Mutter und auch damit ist sie schon sehr, sehr lange nicht mehr konfrontiert gewesen. Sie handelte in bestem Wissen und Gewissen lediglich seine Temperatur abgeschätzt zu haben. Nicht mehr und nicht weniger. Schnell bereitete sie alles für seinen Tee vor. Dieses Mal wählte sie von einer Mischung, von der sie wusste, dass sie schläfrig machte, genauso allerdings auch das Immunsystem ein bisschen stärkte. Es war das beste, mit dem sie sich in diesem Moment zu helfen wusste, als Aaron auch schon seine Stimme ein wenig erhob und Gloria zu ihm herum wirbelte. Erschöpft ließ er sich auf den Stuhl fallen und bat um ein wenig Ruhe. Ruhe. Ja. Schlafen. Sie drehte sich zu ihrem Schlafzimmer und überlegte, wann sie das letzte Mal ihre Bettwäsche gewechselt hatte und entschied prompt, dass diese Frage allein ein Indiz dafür gewesen ist, dass sie Aaron besser den frischen Satz drüber ziehen sollte. Und den jetzigen könnte sie direkt waschen gehen sobald er eingeschlafen ist. Wenn er Fieber hatte würde er sicherlich viel schwitzen. Hatte sie noch genug Seife?
      Man konnte deutlich von außen Glorias Gedankenprozess erkennen. Erst war sie zum Schlafzimmer gedreht, dann schaute sie in Richtung Bach, dann wieder zum Zimmer und zurück zum Tee, ehe sie wieder zu Aaron schaute und nickte. Ruhe, wenn er Ruhe brauchte, dann würde Gloria ihm seinen Wunsch erfüllen. Ein kleines bisschen ruhiger als zu vor, eigentlich nur um ihn nicht zu stören, bereitete sie zunächst seinen Tee zu und stellte ihn ihm hin. Die Chance nutzte sie schnell, um ein Stück des fertig geschnittenen Apfels zu klauen. Nicht jedoch ohne einen fragenden Blick an Aaron zu richten und damit seine Erlaubnis zu erhalten. Anschließend machte Gloria sich daran ihr Bett für ihn herzurichten. Sie zog die alte Bettwäsche ab und schmiss die Laken achtlos in die Stube, ehe sie alles feinsäuberlich ausklopfte und prüfte ob es auch weich genug für ihn gewesen ist. Die Antwort war natürlich nein. Gloria fand ihr Bett bequem aber ihr Vergleich ist auch eine blanke Holzbarre gewesen. Schnell öffnete sie die Schubladen ihrer kleinen Kommode im Schlafzimmer und schnappte sich alle ihre Geräte, die sie darin finden konnte, um die gesammelten Kräuter zu bearbeiten und stellte sie auf dem Tisch in der Stube ab. Immer wieder wollte sie in ihre hektischen Bewegungen zurück verfallen, erinnerte sich allerdings immer wieder daran sich zu zügeln.
      "Bitte", sagte sie irgendwann mit einer einladenden Handbewegung. "Nehmt gerne das Bett. Es... ist wirklich nicht luxuriös. Aber ich schätze besser als... nichts." Bei allem, was sie ihm bot wollte sie stetig ein Entschuldigung dran hängen. Aaron nahm ihr Angebot nicht gleich an, was Gloria auch nicht weiter störte. Sie nahm das Essen und stellte es zu ihm auf die Seite des Tisches, sodass sie auf der anderen genug Platz hatte und beginnen konnte. Erst legte sie alles feinsäuberlich aus, alle unterschiedlichen Arten und Blüten, die sie gesammelt hatte. Dann fing sie an nützliches von unnützem zu trennen. Alles, was sie nicht brauchte schmiss sie vorerst achtlos auf den Boden. Anschließend fing sie an zu einem Pulver klein zu reiben, Saft aus den Beeren zu pressen, Kräuter über der Kochstelle aufzuhängen. Es war ein erschreckend beruhigender Abend für Glorias empfinden. Das Knistern und Knacken des Feuers, die ruhigen, konzentrierten Geräusche der Arbeit, selbst die Schritte auf dem alten knarzenden Boden, das gelegentliche Klimpern, wen Gloria versehentlich ein Glas an das andere stieß. Jedes noch so kleine Geräusch wurde ihr plötzlich bewusst und aus dem Nichts heraus bahnte sich eine verlegene Röte auf ihr Gesicht, als sie daran dachte, dass jemand anderes diese Geräusche vernahm. Es war so entsetzlich eigenartig nicht allein zu sein. Sie könnte jetzt einfach etwas sagen und... Aaron würde wissen, dass sie es gesagt hatte.
      Besuch zu haben war irgendwie... gruselig. Hatte es immer diesen Beigeschmack der Einsamkeit mit sich, wenn man daran dachte bald wieder alleine sein zu müssen?
      Now that I know your name
      I'm finally able to spell perfection.
    • Aaron van Threys

      Er sah der jungen Frau dabei zu, wie sie durch das Haus wuselte und sogar das Bett frisch zu beziehen schien. Er hob nur eine Augenbraue, verstand er damit doch ihre indirekte Andeutung, er solle heute dort übernachten. Für ihn kam das nicht in Frage, er würde die Freundlichkeit eines Zielobjektes nicht annehmen und zur Not hatte er selbst eine Decke dabei, auf die er sich legen könnte. zudem würde er eine Frau wie sie weder auf einem Boden noch in den Schatten schlafen lassen. Letzteres vermutete er instinktiv eher, dass sie sich in der dunklen Nacht wohl wieder in diese Form wandeln würde und dieser Gedanke behagte ihn ganz und gar nicht. So faszinierend, wie diese Fähigkeit auch sein mochte, er sah mit Skepsis und Vorsicht darauf. Nur, weil sein Körper geschwächt war, würde er nicht beginnen unvorsichtig zu werden oder sich unnötigen Luxus wie dem eines Bettes genehmigen. Er schwieg allerdings und ließ sie vorerst machen, lieber widmete er sich den heißen Getränk in seiner Hand. Etwas herb und doch schmackhaft, allerdings führte der Kräuteraufguss dazu, dass er sich tatsächlich müde fühlte. Zu ihrem fragenden Blick wegen des Apfels nickte er nur zum gesamten Teller, der immerhin für sie gedacht war und nicht für sich selbst. Als sie letztendlich, mit verschiedenen Messern, Stößeln und anderen alchemistischem Werkzeug bewaffnet, ihre Ernte begutachtete wies sie schließlich auf das Bett. Sie sagte ihm, dass er es verwenden sollte und entschuldigte sich dennoch für den mangelnden Luxus. Aaron schüttelte nur den Kopf, sodass ihm einige braunen Strähnen in die Stirn fielen. Verstand sie denn nicht, dass es bereits ein Luxus war, überhaupt ein Bett zu besitzen? Sie schien wohl eher wenig Vorstellung davon zu haben, welche Menschen in den heutigen Zeiten als Reich galten. Und trotz der ärmlichen Behausung war sie noch einer der Bürgerinnen, welche mehr besaß als die meisten. Ein Dach über dem Kopf, ein warmes Feuer und sogar ein altes Bett. Etwas, was die Kriegsflüchtigen, welche auf der Straße schliefen, nicht behaupten konnten. Gloria jedoch in der Hinsicht zu belehren schien ihm verschwendeter Atem, weswegen er es bei seinem Schweigen beließ. Etwas interessierte war er jedoch, als sie begann die Kräuter und Beeren zu bearbeiten. Blütenköpfe wurden von ihren Stängeln getrennt, der Saft aus den Wurzeln gezogen oder die Blätter kleingehackt. So unschicklich sie zuvor mit einem einfachen Messer gewesen war, so geschickt war sie in der Handhabung der Heilpflanzen, was ihn nun doch etwas überraschte. Der Boden war übersät mit nicht benötigten Teilen der Pflanzen und der Duft dieser Arbeit erfüllte bald den Raum. Tatsächlich schien sie sich dabei zu entspannen, ihre Bewegungen waren ruhig und sicher, anders als ihr Verhalten wohlbemerkt. Zu dem Knistern des Feuers gesellten sich ihre leise tapsenden Schritte, welche hier und da eine Diele knarzen ließ. Ebenso das Rascheln der Kräuter oder das dumpfe Geräusch des Stößels erfüllte die Luft, als sie in einvernehmlichen wenn auch seltsamen Schweigen im selben Raum verblieben.
      Unterdes begann er seine Tontasse langsam zu leeren und meinte, etwas wie Lavendel und Baldrian herauszuschmecken. Den etwas säuerlichen Geschmack, der dabei mitschwang, konnte er nicht ganz zuordnen. Kaum war der Becher jedoch geleert fühlte er, wie die Erschöpfung langsam ihren Tribut forderte und sein schmerzender Kopf nach Schlaf verlangte. Er erhob sich und schien damit die Hexe in ihrem Tun zu stören, da sie plötzlich innehielt und zu ihm sah. Sein Bündel mit dem wenigen und doch wichtigem Hab und Gut an sich nehmend zog er eine dunkle Wolldecke heraus. Schließlich wandte er sich wieder zu ihr, darauf bedacht sein Gepäck vorsichtig auf den Boden abzusetzen. Sie musste nicht unbedingt den dumpfen Aufprall seiner Armbrust, welche noch immer in den anderen Kleidern verborgen lag, hören.
      "Danke für das freundliche Angebot, aber ich werde nicht dein Bett belegen, Gloria.", sagte er schließlich bestimmt. Er hielt demonstrativ das gefaltete Stück Stoff nach oben. "Die Decke und ein Platz nahe der Feuerstelle reicht mir völlig. Und zur Not übernachte ich bei meinem Pferd wie ich es die letzten Tage getan habe.", fuhr er unbeirrt fort. Umstimmen lassen würde er sich nicht, gleich was sie sagte, auch wenn er seine Stimme weitaus weniger harsch klingen ließ und dies nur mit einer freundlichen Bestimmtheit sagte. Schließlich schob er den Teller dezent in ihre Richtung.
      "Das hier ist übrigens alles für dich gedacht, du solltest etwas mehr essen.", schloss er und fuhr kurz mit seinen goldenen Augen über ihre dünne Gestalt. Etwas mehr würde ihr sicherlich guttun...
      "Hahaha! It's the purest kind, my dear.
      Reality!
      True passion!
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    • Neu

      Gloria Bonhu
      Verwundert blickte die junge Frau zu ihrem erschreckend genügsamen Gast, der doch tatsächlich Anstalten machte, sich vor dem Kamin auf dem Boden auszustrecken. Sofort sprang sie von ihrem Stuhl auf und öffnete den Mund, um zu protestieren. Allerdings wies er sie relativ streng und zügig zurecht. Seine Stimme wirkte lauter in der Dunkelheit und der Stille der Nacht in Glorias kleiner Hütte und schnell verlor sie den Wunsch ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Unwohl folgten Glorias Augen Aarons großer Gestalt wie er sich durch den Raum bewegte und letzten Endes den Teller mit Essen wieder zu ihr schob. Sie hatte den Blick darauf gesenkt und blickte schließlich langsam wieder zu ihm auf. Bevor sie etwas sagte sah sie dem Mann tief in die Augen. Es war fast als würde sie etwas darin suchen. Eine Diskussionsgrundlage vielleicht oder eine geringe Chance, dass er doch mit sich reden ließ. Jedoch endete ihre Suche in einem leisen Seufzen und ergeben senkte sie ihre Schultern.
      "Ihr müsst essen", sagte sie fast schon mit einer Bitte in der Stimme, die zugleich eine gewisse Hilflosigkeit gegen seine Sturheit ausdrückte. "Ihr seid ohnehin geschwächt. Ich habe auch so bereits besser gegessen als an den meisten Tagen." Sie schob den Teller zu ihm zurück. "Gerade das Fleisch... Eurer Körper braucht die Kraft dringender als ich. Ich kämpfe nicht gegen ein unerklärliches Gift, das von innen zu zerfressen scheint." Er machte ihr wirklich Sorgen. Gloria konnte schwer einschätzen, ob sie die Situation über- oder er sie unterschätzte. So oder so, schienen alle beide sehr unterschiedliche Prioritäten im Umgang miteinander zu zeigen. Was eine Situation gewesen ist, mit der die junge Frau nicht sonderlich umzugehen wusste. Sie schaute wieder zu der Feuerstelle, wo Aaron seine mitgebrachte Decke und eine Tasche abgestellt hatte. Sie wollte seinen Wunsch respektieren, wenn er sagte er wolle nicht in ihrem Bett nächtigen. Dennoch konnte sie sich die folgenden Wort nicht verkneifen. "Ich denke auch es wäre besser für Euch in einem Bett zu schlafen..." Es war sehr genuschelt, doch ihre Worte waren gut zu vernehmen in der sonst so einsamen Stube.
      Sie erhob sich langsam und blickte zu ihrem spärlich dekorierten Schlafzimmer. "Bitte gestattet mir es Euch wenigstens ein bisschen angenehmer zu gestalten.", fuhr sie fort ohne eine Antwort oder einen Sinneswandel des dunkel-haarigen zu erwarten. Zügig nahm sie die eben neu bezogene Decke von ihrem Bett und faltete sie einmal längs zusammen, dass sie ein wenig Polsterung bot und legte sie auf den Boden als seine Schlafstelle aus, bevor sie aus dem kleinen Haufen mit der vorherigen Bettwäsche den Deckenbezug nahm und ihn einige Male zusammen legte, um damit die Oberfläche seiner Tasche zumindest ein bisschen zu polstern. "Ist das ein Kompromiss?", fragte sie noch einmal an Aaron gewandt und warf noch ein Holzscheit ins Feuer, um die Flamme am Leben zu erhalten. Es ging noch eine kurze Weile hin und her doch dann schien die Erschöpfung des Mannes und die Resignation über die Sturheit seiner Gastgeberin zu überwiegen und er ließ sich auf der improvisierten Schlafstelle nieder.
      Das Essen hatte er ihr über gelassen, was Gloria dazu bewegte den Kopf zu schütteln und sich wieder an ihre Arbeit zu setzen. Dabei sprangen ihre Augen jedoch immer wieder von den Präparaten zu dem Teller, schnell zurück zu ihren Händen und dem Teller. Schließlich schaffte sie es nicht zu widerstehen und genüsslich schnappte sie sich ein Stück des Trockenfleisches und der Geschmack entlockte ihr so ein wohliges Seufzen, dass sie sofort darauf zu dem eingeschlafenen Aaron sah, um sich zu vergewissern, dass sie ihn nicht geweckt hatte. Dabei versteinerte sie nahezu, als sie die große Gestalt eingehender betrachtete, Sie zog die Augenbrauen zusammen und legte das halbe Stück Trockenfleisch zurück während sie sich vorsichtig von ihrem Stuhl erhob darauf bedacht keinen Laut zu machen. Ihre Füße tauchte sie in die Schatten, um die Dielen nicht zu knarzen zu bringen und ließ sich hinter dem Mann nieder. Sie beobachtete eine Weile sein angestrengtes Gesicht um flackernden Schein der Feuerstelle. Sein Körper war umgeben von den dunklen Nebeln eines Alptraumes. Allerdings umgaben sie nicht seinen Kopf. Sie beugte sich leicht zur Seite, um ihn genauer zu betrachten. Nicht der Hals, nicht die Arme. Es begann bei seiner Brust und breitete sich darüber ein wenig aus in einem eigenartigen Fluss.
      Das war... eigenartig. Hatte er nur einen "kleinen" Alptraum? In unbändiger Neugier ließ sie ihre Hände zu Schatten werden, mit denen sie sich links und rechts von seinem Kopf abstützte um sich hinunter zu beugen. angefangen mit ihren Haaren zog sich die Dunkelheit wie eine Kapuze über ihren Kopf, sodass ihre Stirn durch die des Mannes drang, als sie aufeinander trafen. Sie drang in das innere Auge ihres Gastes ein, wie sie es schon das ein ums andere Mal bei ihrem Freund Halineus getan hat, doch zu ihrer Verwundert erwartete sie dort nichts. Reine Schwärze war es was ihren Gast anscheinend plagte. Irritiert richtete sie sich wieder auf und gab sich selbst ihre wahre Gestalt zurück. Nachdenklich blickte Gloria ins Feuer. Er hatte darauf bestanden an der Feuerstelle und nicht in ihrem Zimmer zu schlafen. Hatte sie seine Intentionen missverstanden und er fürchtete sich vor der Dunkelheit? Ein Teil in ihr wollte ihn einfach in Frieden lassen, um zu ruhen. Doch schon wieder fixierten ihre Augen den schwarzen Nebel. Geräuschlos erhob sie sich und kniete sich nun zu seiner Seite.
      Vorsichtig hob sie eine Hand und ließ sie durch die Nebelschwaden ziehen und zuckte sogleich heftig zusammen, als sie einen Widerstand verspürte. Das war neu. Das war... sogleich zog sie ihre Hand zurück. Was um alles in der Welt geschah mit dem Mann. Sie konnte sehen, dass er sich weiterhin quälte. Möglicherweise schlimmer als zuvor. Was sollte sie nur tun? Sollte sie ihn wecken? Innerlich kroch Panik in ihr hoch und plötzlich fühlte sie sich schrecklich gehetzt. In einer absoluten Kurzschlussreaktion tauchte sie ihre Hand in die Schatten und griff ein zweites Mal in den Nebel. Ein entsetzlich unangenehmes Gefühl breitete sich in ihrer Hand aus und die Gänsehaut wanderte rauf bis zu ihrer Kopfhaut. Sie hielt etwas in der Hand, es fühlte sich an, als würde sie etwas in der Hand halten und es wand sich und wollte ausbrechen. Panisch drückte sie fester zu. Was sollte sie tun, was sollte sie tun? Was um alles in der Welt sollte sie tun?! Aufgeregt schaute sie hin und her, blickte zu Aaron und... zog. Sie versuchte was auch immer sie da ergriffen hatte aus ihm heraus zu ziehen, was seinem Wirten entsetzliche Schmerzen zu bereiten schien. Er richtete sich sofort mit einem Schmerzensschrei auf und in ihrer blanken Panik schrie Gloria auch los, noch immer den Nebel fest im Griff behaltend. Es musste ein schreckliches Bild für Aaron sein Glorias Schattenhand in seiner Brust zu sehen. Das konnte die junge Frau sich lebhaft vorstellen und während sie panisch hin und her schaute entschied sie sich schließlich in letzter Sekunde dafür von dem Ding abzulassen und sofort ihre Hand wegzuzuziehen und von dem Mann wegzuspringen.
      "Es... Es tut mir leid!", stolperten die Worte direkt von ihren Lippen. "Da war ein Schatten... Nein ein Nebel. Ein dunkler, schwarzer Nebel um Eure Brust und er sah aus wie ein Alptraum, aber er hat sich seltsam verhalten. Ich wollte ihn mir ansehen und ich... ich weiß nicht was es ist aber ich konnte den Nebel greifen, das geht eigentlich nicht, ich denke es sollte nicht gehen, das ist noch nie passiert. Es hat sich schrecklich angefühlt! Wie eine Parasit, fast wie eine Schlange und ich hab versucht es rauszuziehen aber...", sie stoppte sich selbst und rutschte schuldbewusst und entschuldigend auf den Knien noch ein wenig zu ihm hin. "Tut mir leid, geht es Euch gut?"
      Now that I know your name
      I'm finally able to spell perfection.