Dreamland [Sachiko&Tristale]

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    • Dreamland [Sachiko&Tristale]

      "Verbrennt sie! Verbrennt die Hexe!", schrie eine junge Frau. "Lasst sie nicht entkommen!", rief eine Andere und streckte ihre brennende Fackel in die Luft. Ein älterer Mann näherte sich bedrohlich - mit einer Mistgabel in der Hand - der jungen Frau, die eigenartige Kleidung trug. X wirkte hilflos, hob lediglich ihre Hände in den Himmel, als Zeichen, niemandem Schaden zu wollen. "Ich bin keine Hexe!", rief X ängstlich und trat immer weiter zurück, bis sie gegen jemanden stieß. Panisch drehte sie sich um und sah Y, einen hochgewachsenen jungen Mann, der musternd zu ihr hinunter blickte. Die wütende Meute hatte bereits einen Kreis um X gebildet und bezeichneten sie immer wieder als Hexe, beschimpfen sie und forderten ihren tot. X wusste nicht wie sie in diese Welt gelangt war. Sie hatte einen Traum. Einen Traum, den sie als Kind schon so oft geträumt hatte und befand sich, wie schon immer am Anfang des Traumes, in dem Wald, den sie immer so bestaunt hatte. Ganze zwölf Jahre sind vergangen bis sie von dieser Welt erneut träumte. Es fühlte sich so echt an. Wie damals schon, als sie durch diesen Wald spazierte der so magisch wirkte. Sogar der kleine See mit diesem klaren, blau-türkis farbenem Wasser, wo man bis zum Grund sehen konnte, war noch immer dort gewesen, wie X es noch in Erinnerung hatte. Sie erinnerte sich an die Wesen, die ihre Freunde waren. An den Fuchs, der behauptete eigentlich ein Mensch zu sein und an die Königin, von der sie schon so vieles gehört hat. Nur leider nichts gutes. Nun, nur diesmal war der Traum anders als sonst. Niemand ihrer Freunde wartete an den moosbewachsenen Ruinen eines Torbogens um sie zu empfangen. Und nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens war sie dem kleinen Weg gefolgt der sie zu diesem Dorf führte. In ihren dunkelblauen Jeans mit den Löchern an den Knien, den weiß-blauen Sneakern und dem eng anliegende, hellgrauen Sweatshirt das ihre Schultern freigab, unterschied sie sich wie der Tag von der Nacht von den Frauen die hier scheinbar lebten - sie trugen mittelalterliche Kleider.
      Diese Augen, in die X nun blickte, gaben ihr das Gefühl, vertraut zu sein. Ehe sie realisieren konnte was gerade geschah umfasste der Fremde (Y) ihr zierliches Handgelenk und zerrte sie durch die aufgebrachte Menge. Männer und Frauen schrien den Flüchtigen nach und nahmen die Verfolgung auf. X wusste nicht wie ihr geschah, ob dieser Mann sie nun töten oder in Sicherheit bringen wollte. Sie hoffte auf Zweiteres und als Y in eine schmale Gasse bog und die Dunkelheit sie verschluckte, hetzte er durch eine Tür, die er sofort hinter X verschloss. Angsterfüllt blickte X zu Y, der sich gegen die Tür stemmte um zu horchen, ob die Meute an ihnen vorbei zog. Zu ihrem Glück taten sie es. Mit einem schweren Seufzen wandte sich Y zu X und streifte den Stoff seines Umhangs aus seinem Gesicht, der es bisher verhüllte. Es war ohnehin stockdunkel, weshalb weder X, noch Y viel erkennen konnten. Nur die Umrisse des jeweils anderen war zu erkennen. Erst als Y plötzlich eine Kerze anzündete und das Gesicht von ihm schwach erhellte, kam es X als vertraut vor.

      @Sachiko
    • ~ Leanh ~


      Die Nacht war schwärzer als die Tinte an Leanhs Federkiel. Jedes Wort auf dem Pergament war mit einem Kratzen verbunden, das nur gelegentlich durch eine kurze Pause unterbrochen wurde, in der er den Kiel in das ikosaedrische Tintenfass tauchte. Der junge Mann vermied es, in diesen Nächten herauszugehen, denn der Neumond könnte ihn jederzeit sein Leben kosten, sollte jemand die pelzigen, orangenen Ohren erblicken, die sein Haupt zierten oder die sieben Schwänze, die von Zeit zu Zeit mit den Spitzen unter seinem Mantel hervorlugten. Seit die Königin sich der Jagd von magischen Wesen widmete, hasste er die Neumond Nächte. Es brauchte nur einen ungebetenen Gast, einen dummen Zufall und seine Tarnung wäre dahin. Die Dorfbewohner würden ihn genauso lynchen wie die anderen Wesen, ihn foltern, töten oder noch schlimmer - ihn den Schergen der Königin ausliefern. In letzter Zeit war es ruhiger geworden, was vor Allem daran lag, dass kaum mehr ein magisches Wesen übrig geblieben war, das man hätte verfolgen können.
      Leanh ließ den Blick aus dem Fenster schweifen, vorbei an dem Kerzenleuchter auf seinem Tisch, vorbei an den Kräutern, die bündelweise von den Deckenbalken hingen, hinaus in die Finsternis. Sein Haus lag am Rande des Dorfes, ganz nah am Waldrand, so dass er einen guten Überblick über alles hatte, was in der kleinen Siedlung geschah. Normalerweise sollten die Dorfbewohner längst schlafen, aber auf dem Marktplatz in der Mitte tummelte sich eine kleine Gruppe von Leuten, die Fackeln bei sich trugen. Der junge Mann runzelte die Stirn. Was ging da vor sich? Wurde jemand vermisst, war etwas vorgefallen? Der Studie zur Blühphase von wilden Salbei, die er gerade zu Papier brachte, würde warten müssen. Leanh erhob sich von seinem Platz und eilte zur Tür, während er im Laufen die weite Kapuze seines Umhangs tief ins Gesicht zog, um seine auffälligen Ohren zu verbergen. Kaum war er aus dem Haus getreten, drangen die Stimmen aus dem Dorf zu ihm herauf. "Ich habe sie gesehen! Eine Hexe, eine waschechte Hexe!", rief die Frau des Bäckers. Einer der Bauern stimmte in ihre aufgeregte Erzählung mit ein. "Sie hatte rotes Haar und völlig fremdartige Kleider. Sie muss mit dem Teufel paktiert haben! Sie kam nicht von hier. Einfach aufgetaucht ist sie, sie kam aus dem Wald!" Leanh runzelte die Stirn. Wenn sie aus dem Wald gekommen war, dann hatte sie einen ziemlich langen und beschwerlichen Weg hinter sich. Nur ein schmaler Trampelpfad führte vom Dorf in die nächste Stadt, man brauchte zu Fuß mehrere Tage. Wie sollte eine Fremde wissen, wie sie sich dort zurechtfand, wie hatte sie dort überlebt? Nicht Wölfe lauerten zwischen den dichtstehenden Bäumen, wartend auf das nächste leichte Opfer. "Es sei denn..." Es sei denn, sie war durch das Portal gekommen. Eben jenes Portal, direkt neben dem zauberhaften kleinen See, durch das vor vielen Jahren schon einmal jemand gekommen war. Leanh erinnerte sich vage an das Mädchen mit dem dunkelroten Haar und den seltsamen Kleidern, das damals wie aus dem Nichts erschienen war. Wie verloren hatte sie beim ersten Mal an dem umrankten Torbogen gestanden, bis er und seine Freunde sie fanden. Damals hatte er seine zweite Gestalt noch nicht unter Kontrolle, so dass er sich vor Schreck in einen Fuchs verwandelt hatte, doch dem Mädchen schien das nichts ausgemacht zu haben.
      Egal wer die arme Frau war, die von den Dorfbewohnern entdeckt worden war, er musste sie finden und sicherstellen, dass ihr nichts geschah. Neben dem Eingang des gemütlichen Häuschens hing eine erloschene Fackel in ihrer Halterung. Leanh schnappte sie sich und zündete sie während des Laufens mit seinem Fuchsfeuer an. Es war gut, dass sein Haus so weit abseits stand, denn so hatte niemand seinen kleinen Trick mitbekommen können. Die Stimmen der Dorfbewohner wurden lauter, je näher er kam. "Wo ist sie? Dort hinten!" Die wütende Meute setzte sich in Bewegung, hin in Richtung des Schankhauses. Offenbar war die Fremde in einer der engen Gassen erspäht worden. Der junge Mann hielt für einen Augenblick inne und überlegte. Wenn er ihnen nachlief, konnte er die Frau nicht rechtzeitig erreichen, aber er wüsste, in welche Richtung sie lief. Er könnte aber ebenso gut um die Werkstatt des Schusters einen Bogen machen um sie, wenn er Glück hatte, in die Finger zu bekommen bevor die Anderen es taten. Auch wenn Leanh ungerne das Risiko einging, war es dennoch seine beste Chance. Er beschleunigte seine Schritte bis er die Menschenmenge erreichte, bog dann aber in eine Seitenstraße ein und rannte, so schnell er konnte. Seine Ohren zuckten aufmerksam auf der Suche nach etwas außergewöhnlichen, den Schritten der armen Frau, die als Hexe gesucht wurde. Es schien sich jemand zu nähern und er hoffte, er betete sogar, dass sie es war. Mit Mühe lugte er um die Hausecke herum - eine Gestalt näherte sich, aber es war zu dunkel, um mehr als nur ihren Umriss zu erkennen. Leanh griff nach ihrem Arm, als sie nahe genug herangekommen war und zog sie mit sich in die Nebenstraße. "Leise, sag nichts und folge mir.", flüsterte er.
    • Jahre waren vergangen, an denen Yulis diesen Traum träumte und nun, wo sie wieder in ihre geliebte Welt flüchtete fühlte es sich noch realer an als zuvor. Es roch nach dem frischen grünen Gras, ebenso wie das feuchte Holz und sogar die Rinde der Bäume fühlte sich unter ihren Fingern noch realer an. Jedoch, egal wie lange Yulis den Wald inspizierte und fasziniert von diesem Gefühl von Magie war, niemand war aufzufinden, niemand wartete am moosumrankten Torbogen, um sie willkommen zu heißen. Ob ihre Freunde sie nach all den Jahren vergessen hatten? Nachdem Yulis älter wurde und in die Pubertät kam, waren die Träume komplett verschwunden. Ihre Arbeit in einem kleinen Café nahm all ihre Zeit in Anspruch, denn die junge Frau benötigte jegliches Geld um sich das kleine Apartment, in dem sie lebte, finanzieren zu können. Nachdem ihre Eltern nach einer Beförderung ihrer Arbeit beschlossen die Stadt zu verlassen, war Yulis auf sich alleine gestellt. Sie wuchs in einer liebevollen Pflegefamilie auf, ihre leiblichen Eltern waren ihr unbekannt. Allerdings stieg ihnen schnell die Arbeit zu Kopf und fanden nur noch wenig Zeit für ihr Adoptivskind und somit war Yulis im frühen Alter schon in die Fantasy Romane geflüchtet und als junges Mädchen folgten schnell die Träume. Nun fühlte es sich in dieser Welt jedoch anders an. Nicht nur realer, sondern die Magie, die Yulis auch schon als junges Mädchen spüren konnte, konnte sie nun durch jede Faser ihres Körpers spüren, viel intensiver als zuvor aber sie fühlte sich... geschwächt an. Verschmutzt.
      Bislang hatte Yulis den Wald nie verlassen, nun aber, nach einer Ewigkeit des Wartens, stampfte sie durch die hohen Gräser und folgte dem Stück das weniger durchwachsen war. An vielen Stellen waren Büsche und Bäume zu nah aneinander gewachsen und versperrten ihr den Weg, weshalb sie weiterhin dem schmalen Pfad folgte.
      Gerade als sie glaubte, sich verirrt zu haben, konnte sie durch die immer lichter werdenden Bäume erkennen, das sich vor ihr ein großes Feld erstreckte und in der Ferne ein Dorf, das durch ihre Lampen leicht erhellt wurde. Mit einem erleichterten Seufzen folgte die junge Frau weiter dem schmalen Weg, durch den Acker hindurch, bis sie im Dorf angekommen war. Während ihrem Spaziergang durch das Dorf, in der Hoffnung ein vertrautes Gesicht zu erspähen, konnte sie die musternden Blicke der Bewohner deutlich spüren. Jedes einzelne Augenpaar richtete sich auf die junge Frau, mit dem dunkelrotem Haar und der merkwürdig aussehenden Kleidung. Auch Yulis war der Unterschied der Kleidung, zu den Bewohnern deutlich bewusst, sie befand sich in einem ganz anderen Zeitalter. "Eine Hexe?", hörte Yulis hinter sich tuscheln, als sie sich begeistert dem Marktplatz näherte, an dem sich ein Stand nach dem Anderen aufreihte. Das Dorf wäre in kompletter Dunkelheit getaucht, wären die Öllampen der Laternen nicht entfacht.
      Lediglich mit einem Ignorieren antwortete sie auf die verschwörerischen Worte der Dorfbewohner. Unwissend, wie bedrohlich ihre derzeitige Situation war. "Verschwinde, Hexe!", zischte ihr eine ältere Dame entgegen, die aus dem Fenster eines Hauses lugte. "Eine Hexe?!", reagierte eine andere Frau panisch, die sich sich an ihrem kleinen Stand befand, der mit den verschiedensten bunten Blumen befüllt war und stellte sich schützend vor einen kleinen Jungen, der ihr scheinbar half den Stand zu schließen. "Aranka, bring die Kinder zurück ins Haus!", rief ein Mann aus der Ferne. Perplex wirbelte Yulis umher, blickte in die bedrohlich funkelnden Augen, die sich ihr näherten und realisierte erst jetzt die aufkommende Gefahr. "Ich bin keine Hexe...", murmelte Yulis und spürte, wie ihr Herz begann wild gegen ihre Brust zu hämmern. Schnell war die Begeisterung an diesem Dorf verschwunden und die Angst trat ein. Die Bewohner sammelten sich zu einer Meute und drängten sie vom Marktplatz. "Seht nur, wie sie gekleidet ist! Und ihr Haar!", hörte Yulis und sah darauf eine Mistgabel, die in die Höhe gestreckt wurde. "Der Teufel schickte sie uns!", rief die Nächste.
      Taumelnd schreckte Yulis zurück und in eine dunkle Gasse hinein, in die sie gedrängt wurde. "Verbrennt sie! Verbrennt die Hexe!", schrie eine junge Frau. Wie konnte die Angst, die Yulis verspürte, nur so Real sein? Seitdem der Traum begonnen hatte, konnte sie so vieles intensiver riechen, hören und alles was sie berührte, konnte sie ebenfalls viel deutlicher spüren, ganz anders, als wie in ihren Träumen als junges Mädchen. Die Kälte, die Wärme und auch die rauen Baumrinden hatten sich genauso angefühlt, wie in der wirklichen Welt. "Ich bin keine Hexe!", rief Yulis erneut panisch. Als Zeichen niemandem Schaden zu wollen hob sie hilflos ihre Hände und ging noch weitere Schritte zurück und suchte den Schutz der Dunkelheit, den ihr die schmale Gasse bot. Plötzlich aber spürte sie wie etwas nach ihrem Arm griff und sie stolpernd um die Ecke zog. Es fehlte nicht mehr viel, bis sie glaubte ihr Herz würde gleich aussetzen und versuchte sich im ersten Moment aus dem Griff zu befreien, bis der Fremde mit gesenkter Stimme zu ihr sprach. Ob sie ihm trauen konnte, wusste sie nicht, aber ihr blieben nicht viele Möglichkeiten und diesem Fremden zu folgen, als bei dieser Meute zu bleiben, erschien ihr im Moment deutlich angenehmer. In der Dunkelheit war es schier unmöglich die genauen Gesichtszüge des höher gewachsenen Mannes zu erkennen, dennoch versuchte sie irgendeine Feindseligkeit in seinen Augen zu entdecken, jedoch vergeblich. "Die Hexe ist verschwunden!", brüllte eine Stimme aus der Gasse, wo sie sich vor wenigen Sekunden noch befunden hatten. "Sie kann nicht weit sein, findet sie!", rief eine Andere, dunklere Stimme und die vielen Schritte kamen näher, woraufhin Yulis und die in Umhang gehüllte Person, zu flüchten begannen. Yulis erkannte nicht, wohin sie rannten, das Dorf war ihr unbekannt und es war zu dunkel, als sich einen Orientierungspunkt einprägen zu können. Sie liefen auch nicht über den Marktplatz, sondern hielten sich hinter den großen Gebäuden versteckt und nutzten die Dunkelheit als Schutz.
      "Ich sah sie zurück in den Wald flüchten!", rief eine aufgebrachte Bewohnerin.
      "Nein, sie ist hier! Sie rannte ins Wirtshaus!", rief ein Anderer.
      Die Stimmen waren ferner geworden und Yulis sandte Danksagungen zum Himmel hinauf. Die Dunkelheit hatte ihre Körper in sich aufgesaugt und versteckte sie vor den Augen der Bewohner und spielte ihnen Streiche. Ließ sie dunkle Gestalten sehen, wo keine waren und lockten sie zu einer falschen Fährte. Erneut bogen sie in eine dunkle Gasse ein, rannten weiterhin im Schutz der Dunkelheit und irgendwann hetzte der Fremde durch eine Tür, die er sofort hinter Yulis schloss, als sie ebenfalls hineinstürmte.
    • ~Leanh~


      "Ein Glück, wir haben sie abgehängt.", seufzte Leanh. Die schwere Holztür seines Heims war hinter ihnen zugefallen und verbarg nun sowohl ihn als auch die Fremde vor neugierigen Blicken. Der junge Mann befestigte seine Fackel an der Wand, um die Hände frei zu haben, bevor er sich umdrehte. "Es tut mir leid, dass ich dich so überfallen musste. Du bist also die Hexe, die sie suchen?" Langsam wandte er sich an die Rothaarige mit der seltsamen Kleidung, die er nun im warmen Licht des Feuers in seinem Haus deutlich besser erkannte. "Mein Name ist Leanh, und deiner? Wie bist du zu uns gekommen?" Eine gewisse Neugier konnte er sich nicht verkneifen, so sonderbar wie die junge Frau auf ihn wirkte. In gewisser Weise erinnerte sie ihn an das Mädchen, das früher durch das Portal in seine Welt getreten war. Auch sie hatte dieses schöne, lange Haar in einem schimmernden Dunkelrot gehabt. Aber es konnte nicht sein, nicht wahr? Das Mädchen war seit sehr langer Zeit nicht mehr zurück gekehrt und Leanh hatte angenommen, dass man sie vielleicht bei ihrem letzten Besuch entdeckt hatte und sie zur Königin gebracht haben musste. "Ich muss schon sagen, es war knapp für dich im Dorf. Es reicht ja oft schon, wenn eine Frau zu hässlich oder zu schön, zu klug oder zu dumm ist, um als Hexe angeklagt zu werden, aber du scheinst mir tatsächlich etwas magisches an dir zu haben." Seine Finger griffen zu der weiten Kapuze, die noch immer seinen Kopf bedeckte, und zog sie zurück. Die buschigen Fuchsohren, die sich darunter verborgen hatten, wackelten sachte um sich aus seinem Haar zu entwirren. Auch die Augen des jungen Mannes waren die eines Tieres geworden, genau wie ein leichter Farbschatten sein Gesicht zierte. Die Aufregung im Dorf hatte seine zweite Gestalt hervorgelockt, aber für eine vollständige Verwandlung hatte es nicht gereicht. "Als magisches Wesen bist du hier Freiwild, weißt du?" Leanh machte einladende Bewegung und deutete auf einen kleinen Sessel, der vor dem erloschenen Kamin stand. "Nun setz dich erstmal, ich mache uns ein Feuer an."
    • Völlig aufgelöst starrte Yulis zur Tür, erlaubte sich nicht zu atmen und horchte ob ihnen nicht doch wer gefolgt war um gleich wie wild gegen die Holztür zu hämmern. Aber nichts.. Nur die Stimme, die der Fremde und hoffentlich Retter plötzlich erhob und zu ihrem Glück erklärte die Meute erfolgreich abgehängt zu haben.
      Schnell aber kehrte Unbehagen ein, denn Yulis kannte diesen Mann nicht und bisher war in dieser Welt nichts so abgelaufen wie sie es sonst kannte. Stumm beobachtete sie ihn also nur. Versuchte irgendeine Feindseligkeit aus seiner Gestik zu erkennen. Aber sie erkannte nichts, er hing lediglich die Fackel zurück in die Halterung die an der Wand befestigt war, ehe er erneut sprach und sich zu ihr wandte. Sofort hob sie wieder unschuldig die Hände "Ich bin keine Hexe!" platze es sofort aus ihr heraus. Diese ganze Situation wusste sie schwer einzuschätzen. Bisher war sie immer im Wald geblieben, nähe des Torbogens und diesem klaren, glitzernden Wasser, aber niemand war aufzufinden gewesen. Keiner ihrer damaligen Freunde. Erst nach einer Ewigkeit des Wartens war sie einem kleinen Trampelpfad gefolgt der sie hier her geführt hatte.
      Bevor Yulis überhaupt weiter wusste zu reagieren, verriet der Fremde dann auch schon seinen Namen und fragte nach ihrem. Leanh.. Hatte sie diesen Namen nicht schon einmal gehört? Er war ihr so bekannt... "Ich heiße Yulis." antwortete sie dann zögernd und ließ langsam ihre Hände sinken, als das Unbehagen langsam verflog. Woher kannte sie nur diesen Namen? War das ihr Unterbewusstsein, das diesen Namen in ihren Traum einbaute? Kannte sie einen Mann, der so hieß? Oder war es vielleicht nur ein Kunde, den sie in dem Café bedient hatte, in dem sie arbeitet? "Etwas magisches?", wiederholte Yulis und beobachtete, wie seine Hände zu der Kapuze griffen und sie langsam zurück zog. Ihre Augen wurden größer, als sie sah was er unter seiner Kapuze versteckt hatte. Pelzige Ohren! Yulis beobachtete wie sie wackelten und sich aus seinem wirren Haar befreiten. Ihre blau-grünlichen Augen wirkten fasziniert und wanderten musternd von seinen Ohren, zu seinem Gesicht. Seine Augen waren wie die eines Tieres, eines Fuchses und der Farbschatten war ihr ebenso wenig entgangen. Leanh... Nein, er war niemand aus ihrer realen Welt und auch kein Kunde aus dem kleinen Café.
      Fasziniert folgte sie seiner einladenden Handbewegung und ließ sich auf den Sessel fallen, ohne ein Wort zu verlieren und starrte ihn lediglich an. "Leanh..", flüsterte sie leise, mehr zu sich selbst. War er es? Der sonderbare Fuchs von damals? War er tatsächlich einer ihrer Freunde dieses Traumlandes, der sie jedes Mal an diesem moosbewachsenen Torbogen empfing? "Es sind so viele Jahre vergangen, als ich zuletzt hier war... So wie damals, als ich noch ein kleines Kind war, war ich plötzlich im Wald. An diesem alten Torbogen und dem nahegelegenen See, der so wunderschön türkis im Sonnenlicht schimmert. Niemand war dort, egal wie lange ich wartete, deshalb bin ich einem kleinen Weg gefolgt der mich hier her geführt hat.". Mit ihren schlanken Fingern fuhr sie sich durch das seidene Haar und strich ihren Pony zurück, der dann wieder zurück in ihre Stirn sprang. "Normalerweise begrüßten meine Freunde mich aber alles scheint... anders zu sein. Aber sag mal, was meinst du mit Freiwild? Was haben diese Menschen gegen magische Wesen?".
    • ~ Leanh~


      So panisch, wie sie ihre Hände nach oben riss, musste sich Leanh ein Lachen verkneifen. Er glaubte ihr, dass sie keineswegs eine klassische Hexe war, aber er konnte auch nicht leugnen, dass er verstand, warum die Dorfbewohner es glaubten. Sonst spazierte schließlich niemand durch die Straßen mit Gewändern, die nicht von dieser Welt zu stammen schienen, schon gar nicht wenn man aus dem Wald kam, der vielen der Menschen noch immer eine Heidenangst einjagte. Das Unbekannte fürchtet fast jeder, dachte er bei sich. "Schon gut, schon gut, ich glaube dir.", winkte er sanft lächelnd ab. Yulis gab ihre Abwehrposition auf und verriet dem jungen Mann ihren Namen, der dabei die Augenbrauen vor Staunen hob. "Yulis? Das kommt mir bekannt vor." Ganz sachte schlängelte sich die Erinnerung an seine einstige Spielgefährtin aus Kindertagen in sein Bewusstsein. Also war sie es doch, war sie es wirklich? Vorerst schüttelte er den Kopf, wie um den Gedanken daran zu verjagen. Das Portal war seit so vielen Jahren nicht mehr benutzt worden, warum sollte es dann jetzt auf einmal anders sein? Es war zu unwahrscheinlich. Die arme erschöpfte Rothaarige hatte sich nach seiner Einladung auf den Sessel plumpsen lassen, der sicher bequemer hätte sein können, aber leider war es das Einzige Möbelstück in seinem Haus, mit Ausnahme seines Bettes, das Leanh überhaupt als komfortabel einstufen würde. Nachdem er seine Kapuze gelüftet hatte, kniete sich der junge Mann vor den Kamin und stapelte beharrlich die sauber gehackten Holzklötze hinein, die er daneben lagerte. Seine Ohren zeigte nach hinten, damit er auch weiterhin verstand, was Yulis ihm sagte. "Du bist aus dem Wald gekommen? Bist du irgendjemandem begegnet? Normalerweise schafft es niemand ohne ein paar Kratzer dort hinaus.", fragte er hellhörig und lauschte ihrer Beschreibung. "Yulis, was glaubst du, wann du das letzte Mal hier gewesen bist, vor wie vielen Jahren?" Leanh hatte seinen kleinen Turm aus Holz fertig aufgeschichtet und hielt nun seine ausgestreckte Hand drüber. Ein Glück, dass es eine Neumondnacht war, denn sie fachte seine Zauberkräfte an wie er nun das Feuer. Glühende und knisternde Funken sprühten allmählich aus seinen Fingerspitzen und fielen in den Kamin, wo sie wie Wassertropfen zusammenliefen und ein stattliches Feuer entzündeten, ohne dass er einen Feuerstein brauchte. Eine Fackel ließ sich leichter entzünden als blankes Holz, vor allem wenn man sie in Öl getränkt hatte, aber auch das, was er sich nun in den Kopf gesetzt hatte, klappte ausgezeichnet. "Halte mich für verrückt, junge Dame, aber ich glaube wir sind uns eins begegnet." Langsam kam er wieder auf die Beine und drehte sich zu der Rothaarigen um, die mit ihrem Haar gespielt hatte. "Dieser Torbogen von dem du sprichst und der See, das war einst der Ort an dem ich mit meinen Freunden spielte. Von Zeit zu Zeit kam uns ein Mädchen besuchen, das auch so schönes Haar hatte wie du. Wir wussten nicht, woher sie kam und wohin sie wieder verschwand, aber wir warteten immer dort auf sie. Es waren andere Zeiten... bessere Zeiten. Dieses Mädchen war schon sehr lange nicht mehr bei uns. Irgendwann blieb niemand mehr übrig außer mir, der auf sie hätte warten können." Seufzend lehnte er sich an die Wand neben der Feuerstelle und ließ seinen Blick auf der jungen Frau ruhen. "Unser Königreich wird seit einiger Zeit von einer Königin regiert, die uns jagt. Die magischen Wesen, die Halbwesen, jeden, der mit ihnen zu schaffen hat. Wir wissen nicht, was mit unseren Gefährten geschieht aber bisher ist niemand jemals zurückgekehrt. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn sie dich erwischt hätten...." Gewiss wäre Yulis leichte Beute gewesen, so wehrlos wie sie auf den ersten Blick erschien. Es hätte nur ein oder zwei starke Männer gebraucht und man hätte sie gepackt, gefesselt und an die nächstbeste königliche Wache verkauft.
    • Irritiert aber dennoch fasziniert beobachtete sie Leanh, wie er sauber die Holzscheite im Kamin zu einem Turm stapelte. Seine Ohren bewegten sich wie bei einer Katze nach hinten, um genauer zu hören was man hinter ihm sprach. Seine Ohren erinnerten sie jedoch weniger an eine Katze, viel mehr an einen... einen Fuchs! Ob er vielleicht nicht doch dieser kleine Fuchsjunge aus dem Wald war? Der ebenfalls immer wieder auf sie gewartet hatte?
      Auf seine Frage antwortete sie ausführlich, erzählte ihm von dem Wald, dem wunderschönen See und dem Torbogen wo sie damals immer wieder empfangen wurde. "Wie lang?" wiederholte sie und überlegte einen Moment und beobachtete ihn währenddessen, wie er seine Hand über das Holz hielt und plötzlich glühende Funken aus seinen Fingerspitzen sprühten. "Wow, wie krass.", murmelte sie leise, mehr zu sich selbst als zu Leanh. "Sowas cooles würde ich auch gern können.", murmelte sie erneut und betrachtete ihre schlanken, langen Finger. "Ungefähr elf oder zwölf Jahre, ich bin mir aber nicht mehr sicher.", antwortete sie ihm dann auf seine vorherig gestellte Frage und erzählte von ihren damaligen Freunden. Das Feuer begann leise zu knistern und Yulis freute sich auf die aufkommende Wärme, die bald das kleine Häuschen erfüllte. Ihr Blick schweifte wieder zu Leanh als er meinte zu glauben, sie beiden wären sich bereits begegnet und lauschte aufmerksam dem angenehmen Klang seiner Stimme. Leanh... Er war es tatsächlich. Sie konnte es sich gar nicht verkneifen, ihn noch einmal genauer von Kopf bis Fuß zu mustern, als er sich erhob. Nun ist er viel größer und seine Stimme viel dunkler, abgesehen davon ist auch alles jungenhafte verschwunden. Er war zu einem attraktiven jungen Mann herangewachsen. Langsam schlich sich ein Lächeln über ihre Lippen, bis Leanh jedoch von der regierenden Königin erzählte. Unbehagen und Sorge machte sich in ihr breit. "Sie sind alle fort?", murmelte sie dann schockiert. "Das ist ja grauenvoll.". Yulis wollte nicht daran denken, was mit ihr geschehen wäre, hätte man sie gefasst. Töteten sie die Wesen? Versklavte man sie? "Was ist, wenn sie herausfinden das ich hier bin? Die Bewohner hier wissen wohl nicht das du nicht nur Mensch bist... Ich bringe dich nur in Gefahr. Oh Gott, das tut mir so leid. Hätte ich gewusst das du hier bist, wäre ich doch niemals diesem Pfad gefolgt.".
    • ~ Leanh~


      Leanh schmunzelte bei den Worten, die Yulis verwendete. „Cool“ und „krass“ hatten für ihn einen fremdartigen Klang, aber die Art wie sie die Worte aussprach, vermittelten ihm das Gefühl er wüsste, wovon sie sprach. „Nun, so besonders ist das gar nicht.“, nuschelte er und wackelte mit den spitzen Ohren vor Freude. Das Elend derer, die in den Schatten lebten, war nunmal die Einsamkeit. Wer sich versteckte, bekam selten Besuch und noch seltener Komplimente. „Bestimmt kann ich dir etwas beibringen. Vielleicht kein Feuer, keine Funken, aber irgendetwas schlummert ganz sicher in dir, wenn du Portale öffnen kannst.“ Er schenkte der jungen Frau ein wohlwollendes Lächeln. „Hast du Hunger, brauchst du etwas Wasser? Ich kann dir etwas zubereiten, wenn du möchtest. Vor allem, wenn du schon den ganzen Tag umher geirrt bist.“ Es war nicht nur die Erkenntnis, dass er Yulis kannte, sondern auch der Anstand, der es ihm gebot, sich um ihr Wohlergehen zu sorgen. Er erklärte ihr ruhig, was geschehen war, seit sie zum letzten Mal in seine Welt gereist war. Es schien wie ein ferner Traum, dass die Zeiten einmal anders gewesen sein sollten. „Ich hoffe nicht, dass sie herausfinden wo du bist. Aber für die Dorfbewohner gibt es auch nicht oft einen Grund, um zu mir zu kommen.“ Leanh seufzte. „Du hast Recht, sie wissen nicht mit Sicherheit, was ich bin. Sie ahnen es, aber ich bin nützlich für sie. Ich braue Tränke, ich stelle Salben her, ich kann kleinere Verletzungen behandeln und ihre Leiden lindern. Sie brauchen mich, daher schweigen sie, sonst wäre ich bestimmt längst abgeführt worden, wie die Anderen.“ Er schnalzte mit der Zunge und ging ein paar Schritte vor dem Kamin auf und ab, in dem inzwischen ein stattliches Feuer prasselte. „Sie wissen nun, wie du aussiehst, das ist gewiss ein Nachteil. Aber zwei Dinge kann ich für dich tun, so lange du hier bist.“, überlegte er laut. „Erstens sollte ich dir ein paar Kleider beschaffen, die besser in diese Welt passen, als in deine.“ Lange Schatten wurden von dem Feuer an die Wände seiner kleinen Hütte geworfen, wo sie tanzten und manchmal wie sonderbare Gestalten aussahen, die ihre Finger nach Yulis und ihm ausstreckten. Der junge Mann trat an seinen Tisch, auf dem noch die Unterlagen seiner Studie lagen, die er später fertig stellen wollte. „Und zweitens werde ich den lieben Leuten einen Trank brauen, der sie vor einer Hexe schützen soll. Natürlich wird es das nicht tun, sondern eher dich von ihnen. Wenn ich es geschickt anstelle, werden sie dich nicht mehr erkennen, nachdem sie das getrunken haben.“ Er legte den Kopf schief und strahlte sie an. „Was meinst du? Das sollte reichen, um dich in Sicherheit zu bringen, bevor du zurückkehren kannst.“
    • Noch immer konnte Yulis ihren Blick nicht von Leanh abwenden, erst recht nicht nachdem wie er das Feuer entfacht hatte. "Nichts besonders? Ich habe mir schon immer gewünscht magisch begabt zu sein.", antwortete sie sofort und bemerkte wie seine weich aussehenden Ohren fröhlich tanzten. Seit ihrer ersten Begegnung mit dem damals jungen Leanh zählten die Füchse zu ihren Lieblingstieren. Sie sah in diesen Tieren nicht mehr einfach nur wunderschöne Geschöpfe, seither zählten sie für sie als magische Tierwesen und immer wenn sie als junges Mädchen einen erspäht hatte, hatte sie die Hoffnung er würde sich ebenfalls verwandeln, so wie es Leanh einst tat. "Was? Das könntest du?! Das wäre ja der Wahnsinn!" meinte sie freudenstrahlend und betrachtete ihre langen Finger mit denen sie wackelte. Moment... Was hatte er da gesagt? Sofort schnellten ihre Augen zu ihm zurück. "Was sagtest du gerade? Ich soll Portale öffnen können?" sie kicherte "Wie kommst du denn auf so einen lächerlichen Einfall?". Für Yulis war es ein absurder Gedanke, auch wenn sie sich es schon oft genug gewünscht hatte. In ihrer Welt gab es nichts magisches, außer die neuesten Modelle an Handys und Gaming Ausrüstungen. "Etwas Wasser wäre freundlich." Aufmerksam lauschte sie dann seinen Worten, als er begann über die letzten Jahre zu erzählen. Es war ein unvorstellbarer und grausamer Gedanke was dieser Welt zugestoßen sein sollte. Jedenfalls war es für Yulis ein eigenartiges Gefühl wieder in der Welt zu sein von der sie vor so vielen Jahren geträumt hatte. Sie hatte nicht mehr daran geglaubt, jemals wieder hierher zurückzukehren, weniger noch diese schreckliche Nachricht zu erfahren.
      Nun aber befürchtete sie, jemand könnte ihnen gefolgt sein und wenn das der Fall war könnte Yulis sich das niemals verzeihen. Somit hätte sie die Meute direkt zu Leanh geführt und ihn in grauenvolle Schwierigkeiten gebracht. "Dies war nicht meine Absicht.", murmelte sie schuldbewusst während ihr Blick sich senkte. "Leanh das klingt sehr... einsam.". Yulis war mitfühlend, denn sie wusste was es bedeutete einsam zu sein. Zwar war man täglich von Menschen umgeben, allerdings kehrte man jeden Abend allein wieder in sein Heim. Nun, zumindest galt das für sie, denn ihr Alltag in der modernen Welt sah vermutlich ein wenig anders aus als Leanh's und abgesehen davon war sie nicht gezwungen sich zu verstecken - ihre Welt war eine ganz andere.
      Langsam erreichte sie die Wärme des flackernden und knisternden Feuers und wärmte ihre kalten Glieder. Bei der ganzen Aufregung war ihr das Adrenalin durch den Körper geschossen und war der Kälte gar nicht mehr bewusst gewesen. Erst als sie das warme Feuer spürte merkte sie, wie kalt ihr eigentlich war.
      Erst bei dem plötzlichen Schnalzen seiner Zunge wanderte sie mit ihrem Blick wieder zu ihm.
      Dann wanderte ihr Blick an ihr hinab als Leanh davon sprach ihr neue Kleider besorgen zu müssen. Vermutlich war das kein schlechter Anfang, immerhin musste diese Welt sich irgendwo im Mittelalter befinden. "Neue Kleider... da hast du vermutlich recht." murmelte sie und verfolgte ihn mit ihren Augen, wie er sich seinem vermeintlichen Arbeitstisch näherte. "Einen Trank? Aber wie sollen sie mich nicht mehr erkennen können?" für Yulis war der Gedanke das Leanh von einem Zaubertrank sprach absolut absurd. Nun, wohl genauso absurd wie die Tatsache das er nur mit seinen Fingern ein Feuer entfacht hatte... "Ein Versuch ist es wert." nickte Yulis dann, erhob sich aus dem Sessel und näherte sich Leanh um die ganzen Fläschchen und Utensilien auf seinem Tisch zu betrachten. "Wie funktioniert denn solch ein Trank? Braust du nur paar dieser Sachen zusammen oder sprichst du Zaubersprüche aus? Voll abgefahren.".
    • ~ Leanh ~


      Leanh schüttelte milde lächelnd den Kopf. "Du bist auf dem selben Weg zu uns gekommen wie immer und sofern du keine Hexe an deiner Seite hattest, wirst du es wohl selbst geöffnet haben, das Portal. Aber darum sorgen wir uns später, Yulis." Er erfüllte sein Versprechen und eilte, um ihr Wasser zu bringen. Um nicht jedes Mal zur Quelle laufen zu müssen, füllte er jedes Mal einige Glaskaraffen ab, die er in einem schmalen Regal an der Wand aufbewahrte. Das bauchige Gefäß aus Kristall hatte einen Stöpsel, den er zwischen Daumen und Zeigefinger nahm, während er einen Krug damit befüllte. "Hier bitte. Bist du sicher, dass du nichts Anderes brauchst?" Sein Schwanz bewegte sich raschelnd auf dem Boden, als er zu ihr trat um ihr den Wasserkrug zu reichen. Sie sprachen weiter und Lenah gab sein bestes, um all die Erinnerungen an bessere Zeiten nicht zu nah an sich heran zu lassen. Wenn er sich erlaubte, schwach zu werden, wurde er unaufmerksam und diese Unaufmerksamkeit konnte nicht nur ihn das Leben kosten, sondern auch die junge Frau, die er gerade in seinem Haus beherbergte. "Es ist schon in Ordnung. Man gewöhnt sich daran, alleine zu sein. Mit der Zeit ist es gar nicht mehr schlimm." Er mochte zwar nicht gut darin sein, zu lügen, aber eine Lüge an die man selbst glaubte, war in gewisser Weise auch die Wahrheit. "Wie ist es denn in deiner Welt? Früher hast du immer Geschichten von dort erzählt. Ich erinnere mich daran, wie fremd das alles klang. Hat sich bei euch auch so Vieles verändert?" Nun da er darüber nachdachte, wurde Leanh neugierig. Seit Jahren hatte er immer die gleichen Gesichter gesehen und hatte das Dorf nur kurz verlassen, wenn er in den Wald musste. Die Welt hatte eigentlich so viel mehr zu bieten und erst recht dann, wenn es nicht seine eigene war. Wie es wohl aussah, dort wo Yulis lebte? An einem Ort, an dem Magie keine Rolle spielte, an dem niemand dafür gejagt wurde, wie er geboren worden war.
      Die Wärme breitete sich aus und verwandelte das kleine, zugige Häuschen in ein gemütliches Versteck für sie beide, so lange auf den Straßen des Dorfes noch eine Menschentraube mit Fackeln und Mistgabeln nach ihnen suchte. "Gut gut, ich kann dir im Morgengrauen sicher einige Kleider beschaffen. Ich habe eine Idee, wo ich Hilfe finde. Bis dahin kann ich dir nur meine Gewänder anbieten..", er sah dabei an sich herab, "..aber wenn ich dich so ansehe, würden sie dich verschlucken bei deiner schmalen Statur." Er überragte die Rothaarige um mindestens zwei Hand breit, schätzte er, und auch sein Kreuz war natürlich breiter als ihres. Sie trat zu ihm, als er von dem Trank sprach, der ihnen ein Stück Sicherheit bieten könnte, wenn es Leanh gelang, ihn wirklich zu brauen. "Das ist eine ausgezeichnete Frage. Ich muss gestehen, ich habe es auch nie verstanden. Zunächst suche ich die Kräuter, die ich brauche. Ihre Eigenschaften, die man auch in der Heilkunst nutzt, können durch Magie gestärkt werden. Wenn ich sie dann in den Kessel gebe, zeichne ich ein Symbol auf das Metall." Er nahm seinen Zeigefinger und schwang seine Hand, wobei ein leuchtendes Symbol in der Luft zurück blieb. "Je nachdem, an was ich denke, ändert sich die Form dessen, was ich zeichne. Meine Intention besiegelt den Zauber. Und dann ist es getan, dann wirkt es." Betrübt wandte er den Blick zur Seite. "Leider habe ich dieses Handwerk aber nie wirklich lernen können, ich muss mich auf meine Instinkte verlassen und beten, dass es das tut, was es soll."