The Secrets of Ivalice (TobiMcCloud & Codren)

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    • The Secrets of Ivalice (TobiMcCloud & Codren)

      Die Straßen von Deginia waren gefüllt von den wöchentlichen Marktbesuchern, die sich zu beiden Seiten der eh schon engen Straße tummelten und drängten, als die kleine Kutsche dort hindurch holperte. Gezogen von einem Miniaturelefanten - die Art von Elefant, die nicht größer war als ein gewöhnliches Kamel - bahnte sich der Wagen einen unaufhaltsamen Weg durch Menschen und andere Wägen, die, ebenso wie er, hüpfend und knarrend durch die Straßen zogen. Der Führer, ein kleiner Mann mit krummen Rücken und bösen Augen, war damit beschäftigt den Elefanten voranzutreiben und die Scharen an Menschen anzubrüllen, damit sie ihm aus dem Weg gingen, bevor das Tier sie niedertrampelte. Es war in diesem Stadtteil bei weitem nicht das gefährlichste Zugtier, nachdem vor zehn Minuten eine Horde Kriegselefanten, die fünf Mal so groß waren, mit gemächlichem Schritt vorübergedonnert waren, aber wenn solche Riesen jemanden zertrampelten, zahlte das irgendein Staatsmann aus militärischer Kasse; Wenn der Führer das tat, musste er selbst zahlen. So gab er sich die allergrößte Mühe, mit seiner rauen Stimme nach allen Seiten zu schreien, wie es auch die Kutschen vor ihm und hinter ihm taten, um einen Unfall zu vermeiden. Nur noch der Hauptstraße den leichten Abhang hinab folgen und er wäre dieses Getümmel endlich los.

      Der Wagen geriet auf der linken Seite auf einmal mit einer anderen Kutsche zusammen, die allerdings offen war und deren Benutzer mit feindseligen Blicken herüberstarrten, um einen Blick in den verhangenen Innenraum zu werfen. Für einen kurzen Moment schrammten sich Holz und Metall gegenseitig, dann zog die Kutsche weiter, nachdem die Straße nicht breit genug war, um anhalten zu können. Die Fahrer der beiden Wägen ließen es sich nicht entgehen, sich gegenseitig anzubrüllen.
      Der Trubel verschluckte sie und die Fahrt setzte sich fort, bis der kleine Elefant, langsam und wackelnd, zur Seite abtrieb und in eine enge Straße abbog. Die Leute hier drückten sich aufgebracht an die Seite, als er sich vorbeischob, und irgendein Mann rief aufgebracht:
      "Das ist keine öffentliche Straße!", woraufhin der Fahrer mit rasselndem Gebrüll erwiderte:
      "Ich zeig' dir gleich, was 'ne öffentliche Straße is'!"
      Der Elefant schlurfte unbekümmert weiter und die Empörung des Mannes schien wohl nicht groß genug sein, um ihm zu folgen. Der Wagen fuhr durch einen kleinen Innenhof, in dem zwei verkümmerte Palmen um ihr Überleben kämpften, und schleppte sich durch eine zweite Gasse, in der er fast einen Straßenmusiker überfuhr, der dicht an die Wand gedrängt sein dünnes Liedchen krakelte. Der Führer war mittlerweile verstummt, allerdings nahm er die Gelegenheit wahr, den Passanten in seinem Weg persönliche Flüche an den Kopf zu werfen, wenn sie nicht rechtzeitig auswichen. Der Elefant reagierte auf sowas nicht, seine kleinen Augen waren halb zusammengekniffen, der Rüssel hing schlaff herab. Er zog den Wagen noch durch zwei weitere Innenhöfe, unter einem Baldachin hindurch, der mit kümmerlichen Kletterpflanzen geschmückt war, und kam dann auf einem kleinen Platz zu stehen, an dem es nicht ganz so sehr zuging wie auf dem Markt. Der Führer stieg hinab, wobei sich die Rundung an seinem Rücken genau der Rundung des Vordachs anpasste, und öffnete die Tür. Hinaus stieg eine in einen dunkelgrünen Samtumhang gehüllt Frau, die ihm unter der Kapuze hervor einen kurzen Blick zuwarf.
      Danke, Geston. Warte hier auf mich, es wird bestimmt nicht lange dauern.”
      Geston brummte etwas, seine missbilligende Miene drückte gequälte Freundlichkeit aus. Er blickte sich kurz um, als die Dame ausgestiegen war, und knallte dann die Tür zu. Die Frau entfernte sich.

      Ihr Weg führte sie unter einer Brücke hindurch, die das Rollen der Fuhrwerke über ihr mit lautem Hallen widergab, und eine Treppe hinab, die durch einen kleinen, engen Tunnel führte, in dem sich einige zwielichtige Gestalten herumdrückten. Sie warfen der Frau Blicke zu, allerdings waren sie nicht interessierter als bei jeder anderen Person, und wandten sich gleich wieder ihrem Gespräch zu, kaum war sie um die Ecke verschwunden. Der Tunnel ging an einer kleinen Straße wieder empor, in der es fürchterlich nach verwesendem Fisch stank, und auf der anderen Seite wieder hinab, aber die Frau bog nach links ab, passierte zwei, dann drei Häuser, die allesamt heruntergekommen und brüchig aussahen, und verschwand dann in einer Seitenstraße. Dort nahm sie die zweite Tür auf der rechten Seite und schlüpfte lautlos hindurch.

      Das Lokal war stickig, von Rauch und sonstigen Abgasen verhüllt und die Fackeln an den Wänden wirkten Kilometer entfernt, obwohl der Laden nicht sehr groß war. Es standen etwa ein Dutzend Tische herum, allesamt so platziert, dass man den kleinen Raum optimal nutzen konnte, aber nicht einmal die Hälfte davon waren richtig besetzt. Zur Abendstunde würde sich das bestimmt ändern, aber sobald die Sonne unterging, wollte die Dame sich nicht mehr unbewaffnet in diesem Stadtteil befinden. Sie strebte einen Tisch neben einem fleckigen, undurchsichtigen Fenster an und ließ sich auf die Eckbank gleiten, die eine kleine Staubwolke ausspie, als sie sich auf sie setzte. Der Staub tanzte in den fahlen Sonnenstrahlen, die ihren Weg durch das Fenster hinein fanden, und ließ sich auf ihrem Mantel und dem Tisch nieder. Sie unterdrückte ein Husten und blinzelte mit vom Staub tränenden Augen. Es dauerte nicht lange, da war ein dicker, mit Fett beschmierter Wirt herangeschlurft und starrte sie mit teilnahmslosen Augen an.
      “Was will se?”
      Man könnte meinen, der Wirt war betrunken.
      Bringt mir…
      Die Frau warf einen Blick auf die wenigen anderen Gäste, die alle denselben Krug auf dem Tisch stehen hatten.
      Bringt mir, was auch immer alle anderen haben. Ich habe keine Präferenz.
      Der Wirt machte ein undefinierbares Geräusch, was man als eine Art Zustimmung hätte werten können, wenn er nicht so viel Galle im Mund gehabt hätte, und schlurfte davon. Es dauerte nicht lange, da hatte auch sie so einen Krug vor der Nase stehen und roch misstrauisch daran. Ein säuerlicher Gestank drang in ihre Nase, der sich in ihrem ersten Schluck bestätigte. Sie verzog die Miene und schluckte ihr aufkommendes Mittagessen hinunter, froh darum, dass die Kapuze und das fahle Licht ihr Gesicht verbargen, und richtete sich schließlich zur Tür aus. Sie war zu früh, das wusste sie, aber sie wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihren baldigen Gesprächspartner eingehend zu mustern, bevor er sich zu ihr setzen würde. Es hatte sie einige Überredungskunst benötigt den Hauptmann der Wachen zu überzeugen, dass sie ohne Begleitung hier auftauchen konnte, und die Paranoia des Mannes hatte sie nun angesteckt. Die kleinen Phiolen an ihrem Gürtel waren noch da, dessen hatte sie sich versichert, und sogar einen Dolch hatte sie mitgenommen, ein Erbstück ihrer Familie, der die kunstvollen Insignien ihres Vaters auf der Klinge besaß. So wartete sie nun auf einen Mann, von dem sie weder den richtigen Namen, noch das Aussehen oder sonstige Angaben wusste, in der Hoffnung, dass er sich als derjenige erweisen würde, den sie für ihr Anliegen benötigte.


      @TobiMcCloud

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Codren ()

    • Sich nachts an einem Lagerfeuer wärmend, prüfte der schweigsame Auftragsmörder nochmals seien nächsten Auftrag.
      Eine Frau. Alchemistin. Hohe Priorität. Deginia. Und ausgerechnet in dieser Absteige? Nicht mal Diebe oder diese zähen Echsen gingen dort hin vor Angst sich eine unheilbare Krankheit einzufangen.
      Man musste kein Genie sein um zu verstehen dass dieser Auftrag auffällig geheim sein sollte. Aber beschweren würde er sich nicht. Immerhin würde er akzeptabel bezahlt werden.
      So stand der schwer gerüstete Mann auf, steckte den Auftrag wieder ein und nahm noch einen letzten Bissen von einem über dem Lagerfeuer gerösteten Tier, ehe er sich wieder seine Maske über zog und sich in eines der vielen Zelte schlafen legte.

      Am nächsten Tag machte er sich schon früh auf, stahl einen der Wüstengilash's, da wohl keiner mehr Verwendung dafür finden würde und band am Ende noch zwei leblose Körper auf dessen Rücken fest ehe er mit seiner Fracht und seinem geborgtem Reittier das abgeschlachtete Lager seines letzten Ziel's verließ und sich in Richtung Deginia auf machte.

      Wüstengilash
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      Spät am Nachmittag, erreichte er die Stadt. Doch bevor er sich zu seinem nächsten Auftrag aufmachen würde, war das Kopfgeld seiner Fracht im Vordergrund.
      So brachte er die Leichen nach kurzer Grenzprüfung der Stadtwache zu einer Person die stets in Deginia's dunklen Gassen seine Fracht entgegen nahm. Ein schmieriger Händler der wohl sogar seine eigene Familie übers Ohr hauen würde wenn er die Gelegenheit dazu bekommt. Obendrein gehörte er auch noch der Bangaa Rasse an. Ein Echsenvolk welches Red noch nie wirklich leiden konnte.

      "Die leben nicht mehr. Dassss macht 60% weniger lohn" Sties Red's Kontaktmann mit einem erfreutem Unterton aus, als er keinen Puls an der Fracht ertasten konnte.
      Red nickte nur und hielt seine Hand hin, welche direkt ein etwas zu leicht klimperndes Säckchen auferlegt bekam.
      Damit nicht zufrieden, hob er seinen Kopf an, wodurch seine durch die Maske rot schimmernden Augen besser zu erkennen waren. Als wäre das nicht schon genug für alle die ihn kannten, gab sein Revolver auch schon ein ladendes Klicken von sich. Direkt von einer Schweißperle begleitenden Nervosität, griff der Echsenmann in seine Armtasche hinein "Okay sssschon gut! Da habe ich mich wohl nur etwas verzzzzählt."
      So folgte kurz darauf auch der Rest der Bezahlung ehe sich Red zu seinem nächsten Auftrag auf machte.

      Der Bangaa wunderte sich noch einen Moment während er Red hinterher sah. Nicht nur weil dieser den Wüstengilash zurück lies, sondern weil der erledigte Auftrag für eine ganze Gruppe gekennzeichnet war. Immerhin sollte eine ganze Nomadengruppe erledigt werden, welche mindestens 20 Mann stark war. Die zwei gesuchten Personen galten als gefährliche Raubmörder. Ganze 100 Silber gab es für jeden der Beiden, sollten sie lebend überbracht werden. Warum Red sie Tod ablieferte, entzog sich seinem Verständnis. Immerhin wusste der Bangaa ganz genau was dieser Auftragsmörder schon alles für Aufträge erledigt hat.

      Als Red nun auf die Minute genau die Tür zu diesem Drecksloch öffnete, sahen die Meisten zu ihm rüber, kümmerten sich aber kaum darum. Nur diejenigen die das Glück hatten schon mal von Red gehört zu haben, schluckten schwer und versuchten sich nicht anmerken zu lassen so lange gestarrt zu haben.

      Nur einer, wohl noch nicht ganz die Bekanntschaft mit Red gemacht zu haben, brach empört von seinem Tisch auf, an welchem er mit 4 weiteren Personen grade noch ein Kartenspiel spielte und ging schnellen Schrittes auf Red zu. "Du hast ja Nerven hier einfach so aufzutauchen! Wegen dir konnte ich das letzte Kopfgel........" Kaum ausgesprochen, knallte es einmal laut... gefolgt von einem weiteren. Es waren Schüsse aus Red's Pistole, die er unglaublich schnell aus seinem Holster zog um seinem Gegenüber zuerst in die Kniescheibe zu schießen und nach einem weiteren Jammeranfall, wohl hervorgerufen von Schmerzen, in die Schulter.
      So besiegte der Schock den Schmerz der pöbelnden Person. Zumal der Lauf der Pistole nun wortlos auf seiner Stirn auflag. Eine klare unausgesprochene Warnung, dass bei dem nächsten Laut alles für ihn zu Ende sein würde.

      Bibbernd und versuchend keinerlei Mucks mehr von sich zu geben, schleifte er sich zur Seite weg, damit Red seinen Weg fortsetzen konnte.. was dieser auch kurz darauf tat. Und zwar in Richtung der einzigen Ecke die ihm als richtig erschien. Keine einzige Person im Raum schrie in der Stille deutlicher nach seinem Auftrag als diese Frau die nicht offensichtlicher am falschen Ort sein konnte.
      Also ging er bis zu ihr, hielt vor ihrer Tischecke an und blickte auf sie herab ehe die direkte Frage folgte
      "Sind sie diese Person?.."
      Er hielt ihr seinen Auftrag entgegen, welcher kaum an Details verriet. Nur ihr Name, der Auftraggeber und die Bezahlung waren vermerkt.
    • Irgendeine Kirchturmglocke in der Ferne verkündete die volle Stunde pünktlich mit vier Schlägen, als die Tür aufging und ein paar Rauchfahnen hinausschweben ließ, die den eintretenden Mann zu verschlingen schienen. Die Reaktion der anderen Besucher auf den Neuankömmling war fast aussagekräftiger als er selbst, aber die Frau, welche sich gerade aufgesetzt hatte, um ihn besser sehen zu können, konnte ihren Blick nicht von ihm reißen. Gehüllt in einen allumfassenden Umhang und das Gesicht, zusätzlich zu den Tüchern, abgedeckt von einem weiten Hut, blieb der stämmige Mann im Raum stehen und schien sein Ziel zu suchen. Dabei war er bestimmt nicht bester Laune. Den einzigen Mann, der ihn hier entweder kannte, oder sich traute ihn laut anzusprechen, brachte er mit zwei gezielten Schüssen außer Gefecht, deren Knallen in den Ohren der Frau widerhallten. Sie erblickte hinter dem Tresen den Wirt, vor der Tür zur Küche, wie er den neuen Besucher mit vor Schrecken geweiteten Augen anstarrte, unfähig, sich zu bewegen. Das vorherige Desinteresse, das er bei ihr ausgestrahlt hatte, war völlig verflogen - anscheinend hatte die Ankunft des Mannes ihn nüchtern gemacht. Hinter ihm schob sich ein Küchenjunge aus der Tür, den er schnell und mit wilden Gesten wieder hineinscheuchte.

      Der Mann, der sich Red nannte, setzte seinen Weg durch ein nun totenstilles Lokal hindurch fort, blieb schließlich vor ihrem Tisch stehen und hielt einen Fetzen Pergament vor ihr Gesicht. Sie konnte ihre Überraschung nicht mehr unter Kontrolle halten.
      "Du kannst lesen?!"
      Kaum war die Frage ausgesprochen, bereute sie sie und räusperte sich rasch.
      "Ich meine, das war nicht persönlich gemeint... Ich habe zumindest schon mit einem anderen... Vergessen wir das. Setz dich, bevor man uns noch für diese Vorführung applaudiert."
      Sie war nicht glücklich über die Erscheinung des Mannes, über gar nichts an ihm, und als er sich ihr gegenüber setzte - was eine neue Staubwolke freisetzte - wünschte sie sich, sie hätte doch ein paar Soldaten mit sich genommen. Die Finger an den Tisch geklammert, versuchte sie einen Blick unter den Hut zu erhaschen, aber sie konnte nicht einmal seine Augen erkennen. Seine ganze Miene blieb ihr verborgen, ebenso wie seine gleichermaßen aussagearme Körpersprache. Sie versuchte sich zu beherrschen.
      "Du bist also der, den man Red nennt? Ich habe schon einiges von dir gehört, sogar aus erster Hand, wenn man das so nennen kann. Letzte Woche traf ich mich mit jemandem, den man Spinnenbein nennt und von dem ich erst von dir erfuhr. Vielleicht kennst du ihn sogar, es hatte sich so angehört, als würdet ihr auch gemeinsam arbeiten. Nun, dieser Spinnenbein war nicht der richtige für meinen Auftrag, aber vielleicht bist du es."
      Der Wirt schlich sich von hinten an, leise und äußerst darauf bedacht, großen Abstand zu nehmen, bevor er etwa einen Tisch weiter zum stehen kam und sich schüchtern räusperte. Die Frau konnte gar nicht fassen, wie verändert er sich in der Gegenwart von Red verhielt.
      "Etwas zu trinken, S-Sir?"
      Er unternahm sogar so etwas wie eine Verbeugung und zischte dann so schnell ab, dass die Luft hinter ihm kleine Wirbel schlug. Die Dame musste schlucken.
      "Mein Name ist Cesse Nerona, ich bin Alchemistin am königlichen Hof, wie du ja schon erfahren hast. Wie weit kennst du dich in politischen Verhältnissen aus? Ich meine nicht den Krieg, der sich von überall her anbahnt, sondern hierzulande. In Deginia. Nun, wie auch immer, lass uns einfach sagen, es gibt einige... Probleme."
      Sie betrachtete ihren Krug und holte ihn dann ein Stück näher, als befürchte sie, er würde ihn ihr wegschnappen.
      "Ich habe eine etwas andere Art von Auftrag, wie du es vielleicht gewohnt bist, deswegen möchte ich, dass du mir absolute Loyalität schwörst, bevor du diesen Auftrag annimmst. Man sagte mir, du seist professionell und diskret, aber ich will es von dir selbst hören, als eine Art Treueschwur."
      Der Wirt tauchte wieder auf, hektischer als davor und hatte es dann so eilig davonzukommen, dass er beinahe rannte. Cesse fing an um ihre eigene Sicherheit zu bangen, doch was sollte schon passieren? Wenn es stimmte, was Red sagte, dann würde er sich niemals zu soetwas herabniedrigen lassen, wie sie umzubringen und ihr Gold zu stehlen. Aber trotzdem, wer konnte ihr das schon versichern?
      "Du bekommst, wie besprochen, eine Goldmünze am Tag, entweder täglich oder alles auf einmal zum Schluss. Ich kümmere mich um deine Unterkunft, dein Essen und sorge dafür, dass du alles erhälst, was du brauchst. Die einzige Bedingung hierfür ist, dass du deinen Auftrag ordnungsgemäß ausführst - solltest du auch nur in einer Sache versagen, ist der Vertrag hinfällig. Hast du das verstanden?"
    • Neu

      Red analysierte diese Frau wie er es bei jeder Fracht tat. Doch war sie wohl die erste lebendige Fracht die so schockiert darüber war jemanden angetroffen zu haben der des Lesens mächtig ist. Sein erster Impuls wollte ihr etwas mehr Respekt beibringen, doch sah er ihr die enorme Anspannung und Nervosität aus der Nähe noch viel klarer an. Entweder hatte sie Angst oder es war ihr erstes mal mit einem Mann seiner Berufung. Ihr kurzer Erklärungsversuch sagte dann aber schon etwas mehr aus. Scheinbar hatte sie schon Bekanntschaft mit einem Auftragsmörder gemacht der die Bezeichnung in den Dreck zog. Leider gab es von dieser Sorte in Deginia viel zu viele. Er entschied sich also vorerst anzuhören was sie zu sagen hat und setzte sich ihrem Wunsch entsprechend hin.
      Wenigstens kam die Frau sofort zum Punkt und erwähnte die Spinne. Nun wunderte er sich nicht mehr weshalb sie solch ein Bild vor Augen hatte.. Selbstbeherrscht wie er war, sagte er kein Wort und regte sich nicht viel, doch als sie ihre kurze Erklärung beendet hatte, drehte er seinen Kopf zum äußerst verschmutzten Fenster, aus welchem man wohl seit Jahren schon nicht mehr durch schauen konnte. "... Ich arbeite allein." äußerte klarstellend in einer doch auffällig mechanisch klingenden Stimme aus welcher man die eigentliche kaum raus hören konnte.
      Als dann aber ihre ganze Ansprache samt befehlerischem Tonfall ein Ende fand, musste er schon innerlich grinsen. Sie war nervös, keine Frage aber den Boss raus hängen zu lassen war wohl keine gute Idee bei den meisten Auftragsmördern. Da sie aber mit den meisten Dingen Recht hatte und die Belohnung von einem Gold pro Tag alles andere als Mager war, blickte er wieder zu seiner künftigen Auftraggeberin und hob seinen Kopf etwas an wodurch rot glühende Augen zum Vorschein kamen.
      Anschließend hob er langsam seinen Arm, wodurch sich das Leder seines Mantel's knarzend mit bewegte, um seinen Hut zu greifen und langsam auf den Tisch abzulegen. Direkt danach zog er auch seinen großen roten Sandschal hinunter und zeigte dadurch was sich dahinter versteckte. Eine den komplett den Kopf verhüllende Maske die keinesfalls in dieser Gegend hergestellt wurde.

      Für einen Moment starrte er der Frau so in die Augen. Die Linsen seiner Maske färbten sich schon nach Entledigung des Schals von dem stechenden Rot zu einem tiefen Schwarz.
      "Gut." äußerte er nur knapp und nickte. "Cesse Nerona. Hiermit bestätige ich den Auftrag." noch im Satz landete ein weiteres, viel neueres und sorgfältig gefaltetes Schriftstück auf dem Tisch. Es war ein Vertrag, von Red selbst verfasst und ein bekanntes Gütesiegel von welchem die Spinne sicher ebenso berichtet hat. Es war ein für Ivalice bekannter Vertrag der bei einem Eidbruch vor Beendigung der vertraglichen Vereinbarung dafür sorgte, dass der Status, Ruf und sogar die Götter des Landes auf den Eidbrüchigen angesetzt werden. Kurz gesagt, man wird auf der Stelle von den Göttern der Wüste in die Unterwelt gerissen. Daher musste man diesen Vertrag auch mit dem eigenen Blut unterschreiben. Freiwillig nutzte kaum ein Lebewesen einen solchen Vertrag, weshalb Red davon ausging, dass dieser Beweis ausreichen sollte. Seine Unterschrift befand sich bereits auf dem Schriftstück, in einer Schrift die in Ivalice so nicht bekannt war.

      "Unterschreibe mit deinem Blut. Meine Loyalität und mein Handwerk gehören dann deinem Blut. Breche ich den Vertrag, holen sich die Götter meine Seele."
      Langsam durfte klar sein dass er seinen Namen nicht nur wegen seines blutigen Berufes hatte. Es war viel mehr das gesamte Paket. Kaum ein Name würde ihn wohl besser bezeichnen.
    • Neu

      Du bist wohl nicht sehr gesprächig, was?”, murmelte Cesse, die Augen starr auf Red’s Tuch geheftet, als würde sie dort seine Augen sehen. Ihr war unbehaglich zumute mit nichts menschlicherem, als einem Haufen Klamotten zu reden, aber sie wollte ihn auch nicht bitten, den Hut abzuziehen. Wer wusste schon, ob er es sich nicht anders überlegen würde und sie doch mit seiner Pistole ansprang. Dann plötzlich, als hätte ihre Vermutung sich bewahrheitet, hob er seinen Arm und Cesse schrak nach hinten, in der Erwartung einer Bedrohung, aber er setzte nur seinen Hut ab. Und anschließend auch sein Tuch. Was zum Vorschein kam war eine mechanische, groteske Maske, die sein ganzes Gesicht samt den Haaren verbarg und ihr wie ein starres, lebloses Ungeheuer entgegen glotzte. Cesse musste sich schon sehr bemühen, ihre Ruhe in der Gegenwart dieses unheilvollen Mannes zu bewahren.
      Was…”, begann sie, brach allerdings ab, als sie merkte, dass er selbst etwas sagen würde. Er nahm den Auftrag an. Der Vertrag glitt zwischen ihnen auf den Tisch und sie starrte noch einmal auf die Maske, ehe sie die gewöhnlichen Floskeln durchlas.
      “Ich hoffe du hälst auch ein, was du hier in solch großen Tönen von dir gibst”, murmelte sie und zog ihren Dolch, eine elegante Klinge, die zu ihrer Lebzeit noch niemals in das Fleisch eines Lebewesens gefunden hatte. Ein kleiner Stich in ihren Finger brachte den gewünschten Blutstropfen hervor, der das Papier beschmutzte. Sie packte erst den Dolch wieder weg und wischte sich dann das Blut am Tisch ab.
      Damit ist es besiegelt. Lass uns gehen und die Einzelheiten in der Sicherheit des Wagens klären.
      Red steckte den Vertrag ein und sie beide brachen auf das schäbige Lokal hinter sich zu lassen, nicht ohne eine Bezahlung von 3 Silbermünzen.

      Geston blickte den neuen Besucher mit gehässigem Blick entgegen und öffnete dann mürrisch die Tür. Sie beide setzten sich in dem engen Innenraum gegenüber und kurz darauf rollte die Kutsche langsam an.
      Hier drinnen müssen wir uns zumindest nicht darum sorgen, dass uns jemand zuhören wird. Bis zum Palast werde ich versuchen, alles nötige zu erklären.”
      Sie setzte sich erst zurecht und streifte dann ihren grünen Umhang ab, um ihn sauber gefaltet in einer kleinen Schublade unter ihrer Bank zu verstauen. Dann setzte sie sich auf und versuchte recht professionell zu wirken, während sie ihre Gedanken sammelte.
      Das eigentliche Problem begann vor etwa vier Monaten, aber so früh will ich gar nicht beginnen. Mich beschäftigen eher die Geschehnisse von vor zehn Tagen, weshalb ich auch erst jetzt um Hilfe Suche bei… Freiberuflern. Du wirst das bald verstehen, wenn du erst alles gehört hast.”
      Von draußen drang irgendeine Beschimpfung von Geston herein, aber sonst blieb es recht still.
      Wie du vielleicht mitgekriegt hast, gab es vor zehn Tagen einen Anschlag auf unseren Hofmagier, Ilyas Elmaer. Ich kenne Ilyas gut und weiß daher, was für eine Schwere dieser Angriff auf unsere Sicherheit hat. Er wurde vor zehn Tagen an einem Nachmittag in seinem Kräutergarten von zwei Männern angegriffen, die ihn dort überrumpelten und auch getötet hätten, wenn er in seiner Panik kein Feuer Inferno entfacht und die halbe Nord-West-Seite entzündet hätte. Du musst wissen, dass sein Garten sich im Nordwesten des Palastes befindet, weil er im Schatten der Sonne sein will, wenn er sich tagsüber dort aufhält. Normalerweise bekommt dieses Recht nur der König und seine Familie, aber weil Ilyas schon so viele Jahre im Dienst des Hofes steht, hat er diesen kleinen Garten als Belohnung erhalten. Nun musst du außerdem noch wissen, dass der Garten sich im zweiten Stock befindet - was an sich nicht schwer erreichbar wäre, wenn das Hauptgebäude nicht von zwei Mauern umgeben wäre, die äußere und innere Mauer. Wenn wir gleich hindurch fahren, wirst du sehen, dass es bei beiden Mauern genau zwei schwer bewachte Tore gibt, die ausnahmslos niemand passieren kann, ohne sich vorher der Untersuchung der Soldaten unterzogen zu haben, die dort Wache halten. Selbst die königliche Kutsche kann nicht ohne weiteres passieren und der Hauptmann gibt sich größte Mühe damit, diese Regelung aufrecht zu erhalten. Das bedeutet, wer auch immer die Angreifer waren, muss sich über die Mauer gehangelt und die Wachen obendrauf ausgeschaltet haben, die aber keinen Angriff zu berichten haben. Er muss es also anders geschafft haben, in die innere Mauer und dann noch am Palast herum zur Nord-West-Seite zu gelangen, um dort die Säulen nach oben in den zweiten Stock zu klettern. Bis heute sind die Täter noch nicht gefunden, aber ich will auch nicht so lange warten, bis sie sie gefunden haben. Verstehst du, was das alles bedeutet? Entweder wir haben es hier mit richtigen Profis zu tun, die sich mit Unsichtbarkeitszaubern und sonst was durch Tore schleichen können - oder aber unsere eigenen Soldaten haben sie hindurchgelassen. Du verstehst nun zum Teil, weshalb ich es mir nicht erlauben kann, einen staatlichen Soldaten als Wachmann anzuheuern, aber das ist auch noch nicht der einzige Vorfall, wegen dem ich um deine Hilfe suche. Im Palast gibt es mit mir insgesamt fünf Alchemisten: Kerim Akkar, Beluar Maglynn, Elre Luor, Aimer Phisys und mich, die alle dieselbe Aufgabe haben, nämlich dem König zur Seite zu stehen und seinen Wünschen nachzugehen. Normalerweise ist das auch kein Problem, da wir alle im Palast wohnen und seiner Majestät sowohl privat, als auch öffentlich zur Seite stehen können, aber höre mich an: Vor einer Woche ist Kerim ausgezogen, um “Uchonis” zu finden, ein seltenes Kraut, das nur erblüht, wenn es Vollmond gibt - Vollmond war vor sechs Tagen, wenn du dich erinnerst, und er ist noch nicht wieder zurückgekehrt. Beluar ist vor vier Tagen nach Porrib versetzt worden, anscheinend weil die Armee vor Ort irgendein Heilmittel für böse Entzündungen benötigt, nachdem Heilkräuter in letzter Zeit so rar geworden sind. Elre hat am selben Tag die Stadt verlassen, weil irgendeine Alchemisten Gruppe nach der Hilfe eines königlichen Alchemisten entsandt hat und seine Majestät sich viel bezahlen hat lassen um Elre auszusenden. Und Aimer ist vorgestern gegangen, anscheinend um die Lagerbestände an unserem Stützpunkt in Vosec zu prüfen, dort, wo bald die Schlacht vorbereitet wird. Er wird noch unterwegs sein, aber alle anderen, mindestens Kerim, hätten mittlerweile zurück sein müssen. Normalerweise würde ich mir darum keine Gedanken machen, denn auch ich gehe häufiger auf Reisen und komme erst spät zurück, aber in solchen Zeiten des Krieges, würde unser König nicht sämtliche Alchemisten aussenden lassen - alle bis auf mich! Aber ich fürchte schon, dass ich die nächste sein werde, die man irgendwo hin bestellt, um meine Künste dort einzusetzen. Nur darf ich den Palast nicht ohne Alchemist zurücklassen, meine Befürchtung geht allerdings auch weiter dahingehend, dass es eine Reise ohne Wiederkehr sein wird. Lass mich die Lage nun also verdeutlichen: Unser Hofmagier, der einzige und wahre Hofmagier, der genug Zauberkraft besitzt um das gesamte Haus vor einem Angriff zu schützen, ist außer Gefecht gesetzt, liegt verbrannt und trostlos in einem Krankenbett und schwebt von einer Ohnmacht zur nächsten. Die Heilkräuter gehen uns, wie schon erwähnt, zur Neige und unsere Gehilfen sind allesamt draußen in der Wüste, um neues Kraut zu suchen und zu finden. Unsere anderen Magier, die Nekromanten, die Arkanmeister, die Elementare, wurden alle dafür entbehrt in dem Krieg zu kämpfen, der vor unserer Tür steht - wieso sollten sie schließlich auch hier sein, wenn unser geliebter Hofmagier der einzige ist, dem man den Schutz des Königs anvertrauen kann? Ich glaube, ein paar Magierlehrlinge befinden sich noch am Hof, aber was ich damit sagen will: Alle Verteidigung, die der königliche Palast zu dieser Stunde aufbringen kann, besteht aus gewöhnlichen Fußsoldaten und vielleicht einer handvoll Ritter. Neben mir mit dem erbärmlichen Fetzen Wissen an Elementarmagie, den ich aufbringen kann, und dem Hofmagier, der vor drei Tagen das erste Mal für zwei Minuten aufgewacht ist, gibt es niemanden, nicht ein Lebewesen im Palast, das Magie beherrscht. Wenn sich in diesem Moment jemand dazu entschließen würde, die Sandsteinmauer mit einem kräftigen Zauberspruch anzugreifen, würde ihn niemand aufhalten. Und die Mauer würde zudem zerfallen wie ein Haufen Sand.”
      Cesse holte tief Luft und blickte dann für einen Moment an den Vorhängen vorbei auf die Straße hinaus, als wollte sie sich vergewissern, dass sie immer noch fuhren. Mittlerweile ging die Straße wieder eine kleine Anhöhe empor, was bedeutete, dass sie sich gleich der Auffahrt zum Palast näherten.
      So sieht die Situation im Moment aus. Es gibt einige andere Details, die dich jetzt noch nicht interessieren müssen, doch das ist das, was mich am Meisten beschäftigt. Es ist gut, jemanden mit deinen Fähigkeiten dafür in der Nähe zu wissen. Jemand, der sich an Verträge hält.”
    • Neu

      Zugegeben. So leichtfertig hatte Red noch nie jemanden so einen Vertrag unterzeichnen sehen. Wusste sie überhaupt dass die Risiken für beide Vertragspartner bestand? Naja. Vollkommen egal. Sollte er sein Geld nicht bekommen, war sie das Problem der Götter. Das Geld würde er sich im Anschluss schon besorgen.
      Etwas genervt war er dann aber doch als die Frau direkt aufstand und die Details unterwegs besprechen wollte, grade als er sich etwas Luft verschafft hatte. Eine scheinbar recht ungehaltene Person. Sei's drum. So landete der Schal und der Hut wieder an seiner ursprünglichen Position ehe er seiner Auftraggeberin folgte. Das konnte was werden...

      Abgesehen davon, dass er sich in einer so großen Zielscheibe wie dem Wagen, nicht mal einen Moment sicher fühlen konnte, plagte ihn nur eine Sache noch mehr. Das unaufhörliche Geschnatter der Frau. Jedes mal wollte er fragen ob sie nicht einfach zum Punkt kommen könne, fing sie erneut an etwas zu erklären was ihn nicht interessierte. Ob Hofmagier, Stadtmauern, Kriege zwischen stumpfsinnigen Ländern oder irgendwelchen Sicherheiten. Alles was er wissen musste war, was er letztenendes tun sollte und das war laut seinem Vertrag, die Frau zu schützen. So atmete er nach all der Zeit der pausenlosen Erklärung ein mal genervt durch und nickte. "Okay. Der Feind ist unbekannt, schlug im Verborgenen zu und du hast nun Angst und willst einen Bodyguard. Verstanden."
      Er konnte es noch nie verstehen wie sich das Volk stets hinter Mauern und angeheuerten Soldaten versteckten und sich so sicherer fühlten. Red kannte selbst eine Hand voll Amateure die eine Sandsteinmauer mit passendem Equipment überwinden konnten. Wenn dazu noch ein sorgfältiger Plan aufgestellt wird, ist kein Palast wirklich sicher und keine Mauer zu hoch.
      Sollte er es der Frau sagen? ... Nein. Besser nicht. Wenn er sie beschützen sollte, wäre es besser sie ruhig zu halten und nicht Schreckhaft gegenüber jedem kleinen Stein werden zu lassen.

      Schon jetzt ging er eine mögliche Anzahl an Leuten durch die ihre beschriebene Tat hätten durchziehen können. Tatsächlich kamen ihm nur 2 Personen in den Kopf. Doch warum sollten sie die Verteidigung von Deginia schwächen? Beide lebten hier und hatten Familie. Es hätte keinen Sinn ergeben.
      Trotzdem. Die Fronten mussten, solange er noch mit der Frau unter 4 Augen war, geklärt werden. Also beugte er sich ihr entgegen, eine Hand seit Vertragsbeginn stets am Holster ruhend.
      "Hört mir zu Frau Nerona. Mich interessiert der Krieg nicht. Machtspiele zwischen Ländern sind etwas für die Obrigkeit. Mich interessiert nur mein Auftrag und dieser ist in diesem Fall, dich zu beschützen. Wenn ich diesen Auftrag, wie ihr es verlangt habt, auch auf jeden Fall erledigen soll, dann sorgt dafür dass wir nicht mehr in einer klappernden Zielscheibe umher fahren, ihr euch die feine Kleidung abgewöhnt und auf MICH hört solange wir in der Umgebung anderer sind." Seine Worte waren finster und glasklar offen gelegt. Diesen Ton hatte er sich angewöhnen müssen, da er schon viele Aufträge hinter sich hatte, in welchen sich die Auftraggeber für die eigentlichen Profi's hielten. So lehnte er sich wieder etwas zurück und lies die nächsten Worte etwas ... ruhiger wirken. "Versteht mich nicht falsch. Ich weiß nur zu gut wie es sich anfühlt plötzlich umringt von Gefahr zu sein. Doch folgt in diesem Zustand auch ein Fehler den nächsten. Wenn ihr also einen versicherten Schutz genießen wollt, hört ihr besser auf meine Worte was die Reise betrifft. Ihr sagt mir was erledigt werden muss und ich sorge für die Umsetzung. Habt ihr damit ein Problem, kann ich nicht für euer Leben garantieren."

      Um die Sache noch etwas zu beschleunigen, empfand er es nun als angebracht ihr seine Forderungen zu unterbreiten. "Also. Damit wir verstehen können wovor ich euch schützen muss, brauche ich Informationen mit denen ich etwas anfangen kann. Zeigt mir also die Nord-West Seite, gebt mir den Wachplan einer jeden Wache und den Grundriss des Palastes. Nichts davon werde ich bei mir behalten, keine Sorge. Ich brauche nur einen klaren Überblick."
      Während der Fahrt sondierte er schon alles was sich durch den kleinen Spalten zum Fenster ergab. Die Mauern, die Abstände zu einander, die Anzahl der Wachen, die Dicke der Mauer, die Steigungen.. Klar war bisher, dass der Eindringlich/die Eindringlinge ihr Handwerk wohl verstanden. Keine Amateure. Die Vorfreude machte sich breit
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      Cesse blieb der Mund offen stehen bei der Frevelhaftigkeit ihres Begleiters. Zuerst sprachlos, aber dann nach und nach zorniger werden, beugte auch sie sich nach vorne, um mit ihm auf gleicher Augenhöhe zu sein.
      "Du scheinst vergessen zu haben, dass ich dich beauftragt habe und nicht andersrum, wenn also jemand auf etwas hören muss, dann bist das du, der auf mich hört. Und ganz davon abgesehen", sie lehnte sich zurück, "wird dich gefälligst das interessieren, was auch mich interessiert. Wenn ich also etwas von Krieg rede, ist das auch dein Belangen, denn unser König gehört zu dieser "Obrigkeit" und wird mich zu Rate ziehen, wenn es darum geht, mit welchen Flüssigkeiten die Soldaten ihre Waffen beschmieren, damit ihren Feinden die Haut auf den Knochen verbrennt. Tu diese "Machtspiele" also nicht als uninteressant ab! Wenn du mich beschützen willst, musst du dich auch damit befassen, womit ich mich beschäftige."
      Zornig und in Rage geredet blickte sie wieder aus dem Fenster, als der Wagen sich in die Schlange einfädelte, die sich vor dem Tor angestaut hatte. Einen Moment noch würde es dauern, bis einer der Soldaten Geston entdeckte und ihn durchwinken würde, um vor allen anderen kontrolliert zu werden. Der kleine Mann gab sich schon größte Mühe, entdeckt zu werden.
      Trotz dieses äußerst unbehaglichen Starts der beiden, fuhr Red gleich fort zu reden und widmete sich in aller Seriosität wieder seinem Auftrag. So gern Cesse ihm gerade noch den Hut vom Kopf geschlagen hätte, sie bewunderte doch seine Professionalität.
      "Nach hinten können wir gleich gehen, man darf den Garten wieder betreten. Für die Pläne und den Grundriss muss ich den Hauptmann bitten, er behält Übersicht davon."
      Die Kutsche ruckelte wieder an und blieb kurz darauf wieder stehen, ehe die Tür aufging und ein glatzköpfiger Soldat den Kopf hereinsteckte.
      "Mylady", brummte er beim Anblick der Alchemistin und ließ seinen Blick dann auf Red verweilen.
      "Meine Begleitung", stellte Cesse Red äußerst knapp vor und der Soldat murmelte etwas, was sich anhörte wie "die Frauen heutzutage", ehe er die Tür so scharf zuknallte, dass die ganze Kutsche erzitterte, und ließ sie durchwinken.

      Die äußere Mauer war zehnmal so groß wie gewöhnliche Häuser und mindestens genauso dick, so auch die innere Mauer. Das großzügige Tor, durch das sie hindurchritten, hatte auf beiden Seiten Eisentüren, durch die die Soldaten durch die Mauer nach oben gelangten. Oben hatten sie ihre regelmäßigen Plätze, aufgereiht wie Steinfiguren standen sie dort unbeweglich und blickten auf ganz Deginia hinab. Hinter der Mauer ruhte dafür ein grünes Paradies, soweit das Auge reichte. Gras, kurz und saftig, erstreckte sich zu beiden Seiten der breiten Straße in alle Richtungen, kaum einen Fleck auslassend. Gewundene Palmen, lebhaftes Gestrüpp und zierliche Blumen drängten sich zu Teilen an kleinen Wassetümpeln, oder aber wucherten ungezähmt über die vielen kleinen Wege, die sich dort entlang schlängelten. Sie waren gut besucht: Adelige und zu einem nicht geringen Anteil Bedienstete schlenderten durch die vielen kleinen Gärten, in angeregte Gespräche vertieft, als gäbe es auf der ganzen Welt nichts schlimmeres als ein Rosenstrauch, der einem das Tuch zerreißen konnte. In unregelmäßigen Abständen schoben sich auch kleine Häuser zwischen die vielen Pflanzen, kleine Wintergärten, in denen häufig Wasser sprudelte. Am Rand dieser Idylle, an beiden Mauern, sorgten kleine Wachhäuser für Ordnung, jedes für etwa fünf Wachen ausgelegt und alle paar Meter entlang an die Mauern geschmiegt. In den Gärten selbst gab es nur wenig Wachen, dafür tummelten sie sich an der Straße, bereit, jeden verdächtigen Besucher herauszupflücken. Cesse sah aus dem Fenster und hielt es dann vonnöten, eine Erklärung zu dem Schaubild abzuliefern.
      Die Bediensteten haben ihre Unterkünfte auch innerhalb dieser äußeren Mauer, aber sie liegen auf der Nordseite, weil dort der Palast solch einen Schatten wirft, dass dort niemals die Sonne scheint. Sie haben ihre eigenen Tore in den Mauern, durch die sie in die Stadt hinaus und in den Palast hinein können, aber da sieht es ungefähr so aus wie hier.”
      Der Wagen ruckelte dahin, etwa fünf Minuten dauerte die Fahrt, bis sie endlich am zweiten Tor angelangt waren. Auch hier gab es Kontrolle und diesmal musste Cesse sich sogar ausweisen.
      Alchemistin Cesse Nerona”, sagte sie dem Wachmann und hielt ihm ein Siegel hin. Er nickte nur und die Kutsche passierte das Tor.

      Das Hauptgebäude des Palastes war ein gigantischer Komplex, der in der Mitte in einem runden Turm endete. Um ihn herum gab es kleinere Türme, allesamt an das Hauptgebäude angeschlossen und in einer Formation, dass man meinen könnte, es wären Soldaten in einer Armee. Am äußersten Rand hob sich ein Glockenturm über alles hinweg empor, der auf seinem Weg einige Ausgucke bot, die im Moment von Soldaten besetzt wurden. Insgesamt bestand der Palast aus einem Hauptgebäude, zwei kleineren Bauten und dem Glockenturm. Das meiste war an das Hauptgebäude mit einem Übergang angeschlossen.
      Meine Kammer liegt im Ostturm, das ist der nächste zum Glockenturm. Dort wirst du auch ein Zimmer bekommen, ich lasse dir eins von den anderen Alchemisten geben. Die Bibliothek befindet sich im ersten Stock im Palast und das Labor einige Etagen unter der Erde, aber das erkläre ich dir besser am Grundriss. Allgemein befinden sich die wichtigsten Räume im Berg.”
      Der Berg selbst, wenn auch kein großer, war die eigentliche Ursache für die hohe Lage, die der Palast besaß. Während die innere Mauer noch recht hoch lag, so war die äußere Mauer schon einiges niedriger. Die Straße hatte noch immer einen leichten Aufgang, als sie sich den Ställen näherten.
      “Wir sind da!”, schnorrte Geston durch das kleine Fenster nach hinten und zog an den Leinen. Der Elefant trottete weiter, angeregt durch den Geruch von Heu.
      “Stehenbleiben du lebendiger Sack verfaulter Rüben!”, polterte Geston los, aber schließlich konnte nur ein Stallknecht die Kutsche zum Stehen bringen, indem er sich wagemutig gegen den Elefanten stemmte. Obwohl es eine Miniatur seiner Gattung war, hatte er doch eine ordentliche Kraft.
      “Ich bitte gnädigst um Verzeihung, Mylady”, brummte Geston vor sich hin, als er ihnen die Tür aufmachte und die beiden aussteigen ließ. Cesse gab ihm ein Silberstück.
      Füttere den Elefanten, sonst fällt er beim nächsten Ausritt um.
      “Ich bin kein Stallknecht, Mylady.”
      Geston stackste davon, behielt allerdings die Münze.
      Lass uns zum Garten gehen.”

      Der Kräutergarten lag, wie schon angekündigt, im zweiten Stock des Hauptgebäudes auf einer freien Fläche, die an einer Seite mit dem Turm im Nordwesten verbunden war. Er war nicht sehr groß, vier Beete fanden hier gerade mal Platz, zusammen mit einer Bank und einem kleinen Wassertrog, oder zumindest dem, was davon übrig war. Der Ruß des Infernos war bereits von den Wänden gekratzt worden, aber der Boden war noch staubig und verbrannt und die Kräuter waren zu kümmerlichen Fetzen zerfallen. Zwar liefen hier einige Bedienstete herum, aber keiner machte sich daran, die Erde der Beete auszuwechseln oder die Asche einzukehren. Abgesehen davon stoben sie sowieso davon, als sie Red’s massige Gestalt erblickten.
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      Red konnte während seiner Erklärung schon sehen wie das Blut seiner Auftraggeberin zu kochen begann. Gewundert hat es ihn nicht. Viel mehr hatte er mit so einer Reaktion gerechnet, weswegen er sie auch in ihrem kleinen Anfall vollkommen ignoriert hatte um sich die Umgebung anzuschauen.
      Erst als ihre Maßregelung vorüber war, lies er sich die Gegend nach dem Verlassen des Wagens zeigen.
      Schnell wurde ihm wieder klar wie sehr er diese Dekadenz hasste. Der Garten alleine schien lediglich schön aussehen zu sollen... fraß vermutlich aber genug Wasser um ein ganzes Viertel durstiger Kinder zu versorgen.. Seine Ansicht kümmerte die Frau aber ohnehin nicht, warum also die unnötige Mühe.

      Nach dem ganzen hin und her, der Unterkunft, unzähligen Schwachpunkte in der Verteidigung und Wohnlage der ansässigen Sklaven, kam die Frau endlich zum wesentlichen. Der Tatort an welchem der Hofmagier überrascht wurde.
      "Eine Schande dass hier schon so viele Beweise vernichtet wurden... All das Gold, die Berater und Hofnarren... und doch nutzt keiner seinen Kopf." Es rutschte ihm fast schon raus aber sich seit den Mauern zu beherrschen, fiel sogar ihm wahrlich schwer.
      Doch um seiner Aussage Kraft zu verleihen, wies er auf mehrere Bereiche hin. "Dort.." sein erstes Ziel. "Es waren insgesamt 4 Personen anwesend." Seine Erklärung folgte glasklar der Schmauchspuren und Rückstände der Asche. Die Attentäter waren offenkundig vorbereitet und beherrschten obendrein den ein oder anderen Schutzzauber, immerhin blieben 3 kleine Kreise von der Asche und den Verbrennungen unbeschädigt und nahezu penibel sauber. Als hätte man diese Stellen erst frisch gereinigt, natürlich nachdem die Asche ein klein wenig für Verschmutzung gesorgt hatte. "Amateuren entgeht so etwas leicht..." fügte er stets verachtend hinzu.
      "Und dort im größtenteils verbrannten Gonglius Strauch.." folgte etwas lauter um die Distanz zu Cesse zu überbrücken während er sich den Tatort genauer ansah ".. Ein Kleidungsfetzen. Nicht von eurem teuren Hofmagier. Es ist schwarz, etwa 5x10 cm groß. Offenbar von einem Umhang. Schwarz gekleidete Attentäter sind zwar keine Seltenheit aber wenn sie es bis hier hin schafften und unbehelligt wieder flüchten konnten, sollten eure ach so aufmerksamen Netzwerke den Täterkreis etwas eindämmen können oder?"

      Zwar hatte Red noch den ein oder anderen Hinweis entdeckt, doch wusste er nicht warum er diesen erwähnen sollte. Vorerst musste er sich ein klares Bild über seine Lage und den Auftrag machen bevor er all seine Informationen weiter geben würde.
      Doch ahnte er schon seit dem Kontakt mit der Frau, dass deutlich mehr hinter dem Auftrag sein musste als nur ein simpler Bodyguard Job. Hier sprangen so viele Soldaten rum, dass es fast schon eine Beleidigung für ihn war so im Dunkeln gelassen zu werden.

      Es war langsam an der Zeit die richtigen Informationen zu bekommen, also blieb ihm nur die direkte Konfrontation.
      Er verringerte den Abstand zu ihr bis auf wenige Zentimeter, wodurch der Größenunterschied recht deutlich wurde.
      "Nennt mir den wahren Grund weshalb ich hier bin. Einen Tatort können einige, wesentlich günstigere Söldner, untersuchen. Wofür werden meine Waffen genau benötigt? Drei ausgebildete Attentäter für einen Hofmagier? Das erscheint mir etwas übertrieben. Ein Profi hätte diesen Job alleine ausgeführt. An mich ist aber niemand heran getreten. Es müssen also welche außerhalb der Stadt gewesen sein und da direkt 3 genommen wurden, war der Auftrag sehr wichtig. Wichtig genug einen fähigen Magier ein solches Chaos anrichten zu lassen. Anschließend kommt eine Alchimistin die auffällig lange um den eigentlichen Punkt umher schwafelt zu MIR um mir einen Auftrag zu erteilen in welchem ich... WAS genau tun soll?"
      Gegen Ende war wohl auch in seinem Stimmton zu hören dass er es Satt war für Dumm verkauft zu werden. Zwar hatte er einen bindenden Vertrag unterschrieben, doch wusste wohl keiner zu was er genau fähig war wenn er mal die Fassung verlieren würde.
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      Red schien es wohl äußerst eilig zu haben Cesse und dem Rest des Palastes zu zeigen, wie nachlässig sie waren mit der Sicherstellung von Spuren und Cesse fiel nichts anderes ein - gedemütigt wie sie war - zu murmeln:
      "Eines Tages werde ich es vielleicht bereuen, dass du so scharfsinnig bist."
      Aber wenn Red es gehört hatte, schenkte er dem keine Beachtung. Stattdessen baute er sich vor ihr auf, ein halber Riese, der noch viel unheimlicher wirkte, wenn man wusste, was hinter dem verhüllenden Tuch versteckt lag. Cesse wollte zurückweichen, konnte aber nicht. Ihr Blick suchte nach einer Fluchtmöglichkeit wie ein eingesperrtes Tier.
      "Gut, ich gebe dir Antworten auf alle deine Fragen, aber wenn du sie auch nur einer anderen Person erzählst, werde ich höchstpersönlich dafür sorgen, dass dein nächster Happen Essen dein Todesurteil wird."
      Sie sah sich noch einmal um, die letzte Möglichkeit, einen Ausweg zu suchen. Aber niemand beachtete sie und niemand kam zu ihr, um sie zu retten. Sie seufzte.
      "Komm mit mir. Was ich dir erzähle, ist nicht für alle Ohren bestimmt."
      Sie durchquerte den Garten und hielt auf den Übergang zum Nordwest-Turm zu. Es war eine einfache Brücke, abgeschirmt durch ein rundes Dach. In der Mitte des Übergangs, wo beide Enden ausreichend von ihnen entfernt lagen, blieb sie stehen.
      "Ich erzähle dir das nur einmal, also pass gut auf. Was ich hier mache ist theoretisch Hochverrat, stelle deine Fragen also jetzt oder nie wieder."
      Sie holte tief Luft.
      "Wir Alchemisten haben in den letzten Jahren einen besonderen Wunsch des Königs umsetzen wollen, nämlich die Umwandlung von Sand zu Wasser. Wie du dir vorstellen kannst, ist das kein einfaches Unterfangen, weil es kaum Eigenschaften gibt, die die beiden Elemente teilen und auf derer man eine Formel entwickeln könnte. Allerdings haben ein paar Forscher vor vier Monaten eine Höhle unter der Oase der Tiefe gefunden, die weit größer ist, als wir anfangs gedacht haben. Und an der Decke, direkt unter dem Wasser, befindet sich schwarzes Gestein von der Größe eines kleinen Hauses, dessen Ablagerungen - kleiner, feiner Staub - das letzte Mittel in unserer Mischung brachte. Wir haben an diesem Tag den Durchbruch erlangt.
      Eine Woche später hat Kerim die erste Morddrohung erhalten, ein einfacher Fetzen Papier, auf dem steht, dass er seine Untersuchungen einstellen soll, bevor noch etwas passiert. Der Bote des Briefes wurde aufgehalten und befragt, aber er meinte, er habe ihn von einem anderen Boten erhalten, der es wiederrum von einem anderen Boten erhalten hatte. Nach und nach haben auch die anderen, einschließlich mir, so einen Brief bekommen und eine Woche darauf hätte es fast eine tödliche Explosion im Labor gegeben, wenn Aimer uns nicht durch Zufall gerettet hätte. Ich glaube nicht, dass es dieselben Personen waren, die es auch auf Ilyas abgesehen haben, aber sie haben sich genauso unbeschwert Zugang zum Palast verschafft, wie die Attentäter. Wobei ich glaube", sie senkte die Stimme, "dass man nicht versucht hat ihn zu töten. Wer ist schon so dumm und greift einen Magier - einen Hofmagier - frontal mit Schwert und Messer an? Nur Idioten oder jemand, der genau weiß, was er tut."
      Sie entspannte sich wieder ein wenig.
      "Wer auch immer es ist, der uns hier bedroht: Er scheint sich nicht durch Mauern aufhalten zu lassen und hat wohl ein Problem damit, dass wir versuchen, endlosen Sand in endloses Wasser zu verwandeln. Und du sollst mich beschützen, wenn sie angreifen, denn die Attacke auf den Magier war sicherlich nur die Vorbereitung auf ihr eigentliches Unterfangen. Nein, mehr als das. Wenn das hier alles schief läuft, wenn die Mauern einfallen und man kommt, um der Stadt ihren Herrscher zu berauben, dann will ich, dass du mich so weit weg bringst, wie es nur irgendwie möglich ist. Nach Kelding oder so, vielleicht sogar noch weiter. Ich werde nicht meine Lebzeit damit verbringen auf den Tod zu warten, auch wenn man mir dafür vielleicht Verrat anhängen wird, das ist mir ganz gleich. Wenn die anderen schon tot sind, bin ich die einzige, die die Formel kennt und herausfinden kann, wieso man mit solcher Eindringlichkeit versucht, uns von ihr abzuhalten."
      Sie entfernte sich ein Stück und blickte zum Boden hinab.
      "Ich denke übrigens nicht, dass selbst du stark genug bist sie ganz aufzuhalten, aber du kannst es gerne versuchen."
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      Endlich rückte die Frau mal mit etwas Handfestem raus, also hörte er sehr aufmerksam zu.
      Von Alchemie hatte er zwar überhaupt keine Ahnung, doch hörte sich dessen Vorhaben doch schon etwas zu Utopisch an. Selbst wenn es nur ein wahnwitziger Versuch des Unmöglichen war, hätte das sicher schnell die Runde gemacht, so wie es nun auch der Fall zu sein schien.
      Als Cesse dann auch ihren eigentlichen Wunsch zum Auftrag äußerte, blickte er auf um ihr direkt in die Augen sehen zu können.
      Der kleine Satz am Ende, dass er nicht stark genug sei, forderte wohl einen kleinen Beweis ein. Dieser folgte nun mit einem sehr schnellen Zug seiner Waffe, wesen Mündung direkt unter dem Kinn der Frau anlag. Mit etwas Druck, sorgte er dafür dass sie biss zur nächsten Wand gedrückt wurde, ehe sich die Linsen seiner Maske von Schwarz zu Rot färbten.
      "Für einen Alchemisten, wäre ich nicht so voreilig. Seit unserem Treffen hast du ein paar fatale Fehler gemacht." Sein Kopf neigte sich etwas zur Seite. "Du hast soeben Hochverrat begangen, hast einem Fremden direkt in den Palast geführt und wichtige Informationen geteilt. Ich kenne nun die Abläufe der Wachen, leicht zu überwindende Ein- und Ausgänge und obendrein wärst du noch eine sehr wertvolle Geisel die mich meinem Ziel ein ganzes Stück näher bringen kann."

      Einen kurzen Augenblick lies er sich diesen Moment entfalten... bis sein Revolver klickte. Er war nicht geladen.
      Nun lies er wieder von ihr ab und entfernte sich etwas von ihr. Kaum eine Sekunde nachdem Red wieder still stand, kam eine Wache in einiger Entfernung durch seinen Patrouillengang vorbei. Red wusste schon jetzt Haar genau wann er freie Hand zum Handeln hatte und wann er sich zurück zu halten hat.
      Doch hörte es damit nicht auf. "WENN das alles stimmt was du mir eben gesagt hast, verlange ich 2 Goldmünzen pro Tag." Sicherlich dürfte das für Verwirrung sorgen, so hatten beide doch längst einen Vertrag abgeschlossen.
      Kurzerhand holte Red diesen hervor und wies auf diesen hin "Und übrigens. Dein größter Fehler. Du hast dir diesen Vertrag nicht durchgelesen." Nun riss er diesen in zwei hälften und entgegen jeder Erwartung von göttlichem Richtspruch, geschah nichts. "Unter Halunken, Dieben und zweitklassigen Auftragsmördern, würdet ihr vermutlich längst die nächste zu betrauernde Alchemistin Deginia's sein." Noch während er sprach, lud er seinen Revolver mit Kugeln, die kurz deutlich sichtbare Runen, welche leicht bläulich pulsierten, aufwiesen.
      So lies er die Trommel seiner Waffe schnell drehen, schlug sie ein und steckte den Revolver mit einer kunstvollen Drehung an seinem Finger perfekt in seinen Holster verschwinden ehe seine Worte folgten. "Ich nehme den Auftrag an. Offiziell."
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      Cesse konnte gar nicht begreifen was vor sich ging, als ihr Rücken gegen die niedrige Mauer der Brücke prallte und sie sich dagegenstemmte, als versuche sie, das Gestein hinter sich hinunter zu drücken. Ihr Blick traf die falschen, nun roten Augen von Red und sie verspürte den äußerst mächtigen Drang sich zu ducken und diesem roten Licht zu entgehen. Sie wagte es nicht etwas zu erwidern, die Stimme hätte ihr dafür auch gefehlt; Stattdessen verharrte sie schweigend, jede Faser in ihrem Muskel angespannt und den Blick auf Red's rotes Tuch gerichtet, damit sie nicht in seine Augen sehen musste. Einige Sekunden verharrten sie so, dann hob sich das Gewicht der Pistole gegen ihr Kinn ab und beide richteten sich in einer fast synchronen Bewegung auf. Cesse entspannte sich ein wenig, mehr noch, als sie die Wache entdeckte, die neugierig stehenblieb, um das Duo zu betrachten. Red ließ sich davon gar nicht beirren, aber Cesse überlegte einen Moment den Soldaten herbeizurufen, ehe sie es sich doch anders überlegte und ihn mit dem Wink ihrer Hand weiterschickte. Der Mann gab ein unmerkliches Nicken von sich und schlenderte weiter.
      "Nun, Red - nachdem ich mir jetzt denken kann, wieso du so heißt - nichts hält dich davon ab mich hier und jetzt zu töten, aber wirst du es dann überhaupt noch bis zur äußeren Mauer schaffen? Ich habe dir vielleicht erzählt, dass wir keine magische Sicherheit hier drinnen haben und du hast dir die Soldaten auf der Mauer anschauen können, aber alles weißt du noch lange nicht. Ich würde es mir also gut überlegen mit deiner Waffe herumzuspielen, wenn du vielleicht ein Bruchteil von den Verteidigungssystemen unseres Palastes weißt."
      Die vorherige Angst wurde langsam mit Zorn und schließlich Selbstbewusstsein überspült, was Cesse dazu veranlagte, nun selbst auf Red zu zu gehen und ihn mit einem Blick anstarrte, in dem ein Unwetter wütete, das drohte sich gleich auf Red zu entladen.
      "Und glaube bloß nicht, dass du dir an mir nicht die Finger verbrennst! In der Zeit, in der du deinen Revolver ziehst, ziehe ich an meinem Gürtel und das Gemisch an Tränken, die sich über den Boden ergießen, wird dich wünschen lassen, du hättest niemals eine Lunge gehabt!"
      Für einen Moment starrten sich beide noch an, was wirkte wie ein stilles Gefecht zorniger Blicke - obwohl Cesse nicht recht einschätzen konnte, ob Red auch wirklich böse blickte - und dann trennten sie sich. Der Vertrag fand eine stille Annahme.

      Als hätte er auf diesen Moment gewartet, trabte ein junger Mann plötzlich um die Ecke und strebte auf sie beide zu, den Kopf hocherhoben, der Rücken gerade; Ein Produkt vollkommener Anmut, wenn man es so wollte. Er blieb etwa einen Meter von ihnen entfernt stehen, schloss die Beine, verschränkte die Hände hinter dem Rücken, seine jugendlich leuchtenden Augen auf Cesse gerichtet. Es war Berandt, ein Bote des Königs.
      "Wir haben überall nach Euch gesucht, Alchemistin. Es gibt eine Botschaft des Alchemistenverbundes in Dervitz, wollt Ihr sie Euch ansehen?"
      Cesse hob überrascht die Augenbrauen.
      "Natürlich. Ist es etwas wichtiges?"
      "Wir haben nicht darin gelesen."
      Sie blickte zurück zu Red, der immer noch regungslos vor ihr stand und nickte dann.
      "In meinem Zimmer?"
      "Sehr richtig, Mylady."

      Ihr Zimmer konnte man als eine Ansammlung verschiedener Arten von Papier nennen, darunter trockenes Wüstenpergament, aber auch richtig gebundene Bücher, die zweifellos im Ausland gefertig worden waren. Die Wände waren ausnahmslos mit Regalen zugestellt, bis auf einen Fleck, an dem ein kleines Fenster für das Licht sorgte. Hauptsächlich Geschichtsbücher standen auf den eisernen Unterlagen, aber auch ein nicht unermesslicher Bestand an Alchemie verbarg sich hier, genauso wie einige Bücher über Kräuterkunde und Geologie. Das Zimmer war groß, allerdings dominierte, neben dem Bett, ein riesiger Schreibtisch die meiste Fläche, der zuweilen selbst als Regal galt und sich unter weiteren Haufen von Papier versteckte. Beim aufmachen der Tür stieß diese an einen Bücherstapel, der für einige Momente hin und her schwankte.
      "Das ist er, ganz sicher, das ist die Einladung die Stadt zu verlassen und mich an irgendeinen Ort zu begeben, wo sie mich ungestört beseitigen können", murmelte sie leise vor sich hin, zielstrebig auf den Tisch zustapfend. Es gab dort eine einzige Fläche, die sie sonst als Armlehne benutzte, und auf der jetzt ein zierlicher, kleiner Umschlag lag. Sie riss ihn in ihrer Ungeduld völlig auseinander, bis sie dessen Inhalt hatte. Sie überflog den Fetzen Papier wortlos, dann blickte sie auf, Red's Anwesenheit zog ihre Augen magischerweise auf ihn.
      "Ich hatte recht, sie bestellen mich hinaus in die Wüste, weil man eine Leiche gefunden hat."
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      Red blickte die schnaubende Frau an während sie auf ihn ein wetterte. Wirklich in rage brachte sie ihn damit nicht. Sie würde die Welt außerhalb der Mauern ganz sicher noch früh genug erleben und einen angemessenen Schutz besser zu schätzen lernen. Vielleicht war ihre Reaktion ja auch gar nicht so schlecht. Schwäche wurde in der Wüste stets hart bestraft und sie hatte zumindest mehr Eier in der Hose als die meisten Banditen, so viel stand fest.
      Er erinnerte sich an das letzte Camp, welches er "infiltrieren" sollte. Jeder zweite dort machte sich in die Hose wenn eine geladene Pistole an eine wichtige Körperstelle gehalten wurde. Die Frau hingegen wurde durch so etwas wütend. Eine Eigenschaft die er sich merken würde.

      Als sie dann endlich mit ihren Drohungen fertig war, folgte er wortlos den nächsten Geschehnissen bis sie in den Räumlichkeiten seiner Auftraggeberin endeten.
      Der Gesichtsausdruck der Frau verriet ihm genug über den Inhalt des unerwarteten Briefes. Ein Moment auf den Red schon gewartet hatte. Entweder vermutete er den Überfall einer Wache oder tatsächlich die selbe Methodik wie bei den anderen genannten Alchemisten.
      "Zeig her.." erwiderte er stumpf als er ihr auch schon den Brief aus der Hand riss und an diesem roch. Beim ausatmen grummelte er hörbar als würde ihn etwas daran gewaltig stören.
      Und so war es auch.
      Nun ging alles ganz schnell. Red schnappte sich eine Phiole von dem Gurt den Cesse zuvor als gefährlich angedeutet hat, vertraute dabei klar ihrer Drohung und warf diese vor die Füße des königlichen Boten. Die Phiole zerbrach dabei und hinterlies eine breite Pfütze einer dampfend blummernden, scheinbar nicht ganz angenehmen Substanz. Noch im selben Atemzug zog er geschwind seinen Ärmel hoch und richtete diesem Arm auf die Beine des Boten. Zugleich sprangen zwei Sprossen auf Red's Arm auseinander. Eine geschickt ausgetüftelte Armbrust zeigte sich, die so schnell wie sie erschien auch schon zwei unangenehme Eisenbolzen in die linke und rechte Kniescheibe des Boten versenkten.
      Natürlich fiel dieser sofort schmerzerfüllt und die Knie, wodurch sich die Bolzen unweigerlich tiefer hinein drückten. Reflexartig schaffte es der Bote dann aber doch noch die Hände auf den Boden zu pressen um sein Gesicht nicht in der grünen Lake wieder zu finden. Doch brachte das nicht viel. Red stand schon vor ihm und legte seinen Fuß auf des Boten Rücken, bereit ein mal kurz etwas Kraft anzuwenden um das Gesicht seines Ziels die letzten paar Zentimeter zum Boden finden zu lassen.
      Die giftigen Gase der grünen Lake zeigten dabei schon schnell ihre schmerzhafte Wirkung. Blasen bildeten sich auf des Boten Haut, welche wohl erheblich brannten.
      "Also?" fragte Red fast schon etwas zu gelassen. "Sag es jetzt und führe dein Leben mit dauerhafter Gehhilfe fort oder sag es nicht und..." Red gefiel die Vorstellung was diese Substanz alles an Schäden anrichten konnte, also musste er selbst überlegen wie seine Drohung enden würde "...ich weiß nicht. Vielleicht wirst du dann zu einem blinden Krüppel oder ein blinder Krüppel mit erheblichen Atemwegs Verletzungen. Die Frau dort hat genug Temperament um sehr grauenvolle Substanzen zu erschaffen. Zuzutrauen wäre es dieser doch, oder?" leicht erhöhte sich der Druck bis das Gesicht des Boten nur ganz knapp vor der grünen Flüssigkeit stehen blieb.

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      "Was tust du da?!", kreischte Cesse entsetzt, in dem Versuch, Red's Gedankengang zu folgen. Er hatte an dem Brief geschnuppert und nun versuchte er den Boten zu erledigen. Für Cesse stand fest, dass dieser Mann nicht wusste was es bedeutete, einen funktionierenden Verstand zu besitzen.
      "Geh weg von ihm! Und von dem Seldium!"
      Sie hechtete hinter dem Schreibtisch hervor und wirbelte den Blätterhaufen auf, der sich auf den Boden ergoss. Eins dieser Blätter schwebte in aller Seelenruhe hinab und sog die Flüssigkeit in sich auf, woraufhin aber nichts passierte.
      Der Bote dagegen, der junge Berandt, der bisher geglaubt hatte, ihm würde in den sicheren Mauern des Palastes nichts zustoßen, überwandt derweil seinen ersten Schock und stieß einen spitzen Schrei aus, dem bald dicke Tränen folgten, die sich ebenso mit dem Seldium vermischten und laut zischten. Durch das Geräusch aufgeschreckt, oder vielleicht durch Red, der sein Gewicht verlagerte, als Cesse versuchte ihn von Berandt wegzuzerren, zuckte er zurück und streifte mit dem Finger die Pfütze. Das vorherige Zischen veränderte sich zu einem beängstigenden Rauschen und ein leichter Dampf stieg empor, der aber gleich verpuffte. Berandt's Schreien steigerte sich jäh zu einem regelrechten Brüllen, das nichts mehr Menschliches an sich hatte. Spätestens jetzt war auch der letzte Bewohner des Turmes aufgeschreckt und nur einen Moment später krachte auch schon die Tür nach innen auf und spuckte zwei Soldaten aus, denen ein dritter folgte, die Augen in Alarmbereitschaft weit aufgerissen, die langen Schwerter bereits gezogen. Cesse sprang ein Stück zurück, überwältigt von den Ereignissen.
      "Was ist hier los?!", brüllte der eine über das Geschrei hinweg, ein graubärtiger Soldat, der eine Narbe am Hals trug. Sein Blick haftete sich gleich auf Red, als wäre er magisch angezogen worden, und die Miene verfinsterte sich sichtlich.
      "Mylady, geht weg von ihm! Wir werden uns darum kümmern!"
      "Das war ein Unfall! Nicht wahr?!"
      "Erzählt das besser dem König, wir nehmen ihn in Gewahrsam!"
      Red wehrte sich nicht, was auch äußerst ratsam war, wenn man in einer Situation wie seiner steckte. Man versuchte außerdem den weinenden Berandt vom Boden zu heben, aber Cesse war so schnell herangesprungen, dass der Soldat, der ihn hochgehoben hatte, ihn ruckartig losließ, als habe er sich verbrannt.
      "Warte! Nicht anfassen!"
      Sie fummelte ein Fläschchen aus ihrem Gürtel hervor und träufelte den Inhalt auf Berandt's Hand. Einige Tropfen fielen herab, das Seldium zischte erneut. Der Soldat blickte besorgt drein.
      "Bring ihn ins Krankenzimmer, sag der Schwester, sie soll ihn nicht behandeln, bis der Finger nicht weg ist! Sie wird wissen was ich meine, wenn es soweit ist."
      Berandt blickte entsetzt empor, seine von Tränen verweinten Augen vor Qual ganz glasig.
      "Wie bitte?!"
      "Sei froh, dass es nicht deine Nase ist!"
      Er brach in einen neuen Heulkrampf aus, was Cesse als Zeichen sah, den Soldaten endgültig wegzuschicken. Plötzlich allein im Zimmer, schmiss sie achtlos ein paar mehr Papiere auf das Seldium und vergewisserte sich, dass alles davon aufgesogen wurde, bevor sie hinausstürmte.

      Einige nervenzerreissenden Stunden später, als die Sonne sich schickte unterzugehen, stapfte Cesse schnaufend die engen Stufen zu den Kerkern herab, die dünne Jacke gegen die Hitze ausgezogen. Wie die meisten Arbeitsräume befand der Kerker sich auch im Berg, allerdings direkt über dem Schmelzofen, der in der Nacht die Wärme lieferte und deswegen allem in seiner Umgebung eine stickige Hitze verlieh. Dem Kerkermeister vor ihr schien das nichts auszumachen; Der rundliche Mann tänzelte vergnügt die Treppe hinab, als ob er sich ins Badehaus begeben würde.
      "Euer Bruder is' das, ham' se gesagt?"
      "Er ist ein bisschen Wirr im Kopf."
      "Mein Beileid."
      Er führte sie scheins in einen beliebigen Gang und summte ein leises Lied, das Cesse auch irgendwo her kannte, aber sie war von den Ereignissen des Tages zu erschöpft, um ihn darauf anzusprechen.
      "Hier sin' wir, Zelle zwei-eins-vier. Vermin hat mir endlich beigebracht Zahlen zu lesen."
      Er grinste vergnügt, während er nach dem richtigen Schlüssel suchte. Cesse würde ihn für einen absoluten Taugenichts halten, wenn sie nicht schon miterlebt hätte, wie der Mann sein eigenes Körpergewicht zu seinen Gunsten einsetzte, um seinen Gefangenen die Flucht zu verübeln. Die engen Gänge hier waren definitiv zu seinem Vorteil.
      "Hat keinen Ärger gemacht, der Junge. N'ja, 'n bisschen vielleicht. Das übliche."
      Er schloss auf und enthüllte Red, dem man zwar die Waffen entnommen, aber seiner restlichen Ausrüstung nicht beraubt hatte. Cesse hätte ihm gerne diese dumme Maske vom Gesicht gerissen.
      "Komm mit, Bruder. Jetzt wirst du sicher keine Anfälle mehr haben, nicht wahr? Er ist wirklich schwer von Begriff", wandte sie sich an den Kerkermeister, der wissend nickte.
      "Ich hab' schon deutlich schlimm're als ihn erlebt, Mylady. Der is' noch harmlos."
      "Wenn du nur wüsstest."
      Sie nahm Red schweigend in Empfang und machte mit ihm genauso wortlos einen Abstecher zur Waffenkammer, in der er seine Waffen zurück bekam. Zurück an der Oberfläche suchte sie sich sehr wortkarg einen ungestörten Platz und ließ ihrem Frust freien Lauf.
      "Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?! Bist du wahnsinnig?! Ich habe den ganzen Nachmittag damit zugebracht den König davon zu überzeugen, dass du nur mein armer, verwirrter Bruder bist, den ich mit in den Palast nahm, damit du niemanden belästigst, aber das anscheinend nicht funktioniert hat! Wenn du dich nicht ein wenig zusammenreißt, werde ich dich auf einem Bein hüpfen und ein Lied trällern lassen, sobald uns jemand beobachtet! Und dafür verdienst du kein Goldstück mehr! Verstanden?!"
    • Neu

      Kaum als der wilde Schmerz aus den Lungen des Boten hinaus brach, klappte sich die Armbrust wieder ein. Dass Cesse versucht hatte ihn zu bewegen, hatte er gar nicht mitbekommen. Seine Konzentration galt in diesem Moment nur dem Boten und jede noch so kleinste Bewegung die ihm eventuell mehr verraten könnte.

      Als dann aber die Soldaten den Raum fluteten, lies Red von seinem Verhör ab und ging einen Schritt nach hinten ehe er seine Hände zur Aufgabe anhob, dabei aber für keinen Moment seinen Blick vom Boten lies.
      Was nun folgte war wohl das Übliche. Nichts neues für Red. Wer es regnen lies, muss auch den Matsch verkraften, sagte er sich selbst stets nach seinen Verhören.
      Die Waffen und alle Gegenstände die nicht zu seiner Kleidung gehörten, legte er freiwillig bei der Durchsuchung ab, samt einem klaren Hinweis seine Maske nicht anzurühren. Die Soldaten schienen damit keine Probleme zu haben, da sie weder ein Werkzeug, noch eine Waffe zu sein schien.
      So wartete Red still in der Mitte seiner Zelle stehend ab bis Cesse ihn abholen würde. Was dann auch zu später Stunde geschah. Der perfekte Zeitpunkt.

      Die üblichen Drohungen abwartend, beantwortete er nur mit einer kleinen Bewegung. Es war eine Münze die er Cesse entgegen schnippte. Qualitativ nicht mal ansatzweise mit dem Gold des Palastes vergleichbar. Auch die Prägung war eine Andere. So zierte diese Münze ein zweiköpfiger Rabe. "Blutgeld.." folgte nach einem kleinen Moment. "Du hast dich gewundert wie die Attentäter hier hinein kamen. Ich würde mit der Befragung des Boten anfangen. Diese Münzen haben nur auf dem Harai Schwarzmarkt Wert und nun rate mal was dort am meisten gehandelt wird? Verträge mit Meuchlern. Obendrein roch der Brief genau so wie das schwarze stück Stoff im verbrannten Garten. Zufälligerweise tat das der Botenjunge auch. Nichts seit ich hier bin roch bisher danach. Ein Gemisch aus Glycerin, Schwarzpulver und einem verkommen Gesöff dass es nur auf dem besagten Schwarzmarkt gibt."

      Kurz darauf blickte er in den Himmel. Die Nacht schritt voran und sollte in wenigen Augenblicken seine dunkelste Zeit erreicht haben. Wenn ihn nicht alles täuschte, stand der nächste Schock wohl kurz vor der Tür. "Ihr seid doch eine gute Alchemistin oder? Wie hies dieses grüne Zeug noch gleich? Seldium." Red blickte sich die ganze Zeit um ohne auf Cesse zu achten, als wäre er auf der Suche nach etwas in der Ferne. An einem Ort, weit von den Beiden entfernt, verblieb sein Blick ehe er seinen Ledermantel ablegte und drei Bauteile von seinem Rücken enthackte. "Hinter mir bleiben.." meinte er leise. Er ging zwar stark davon aus dass Cesse wieder glaubte er würde sie nicht alle beisammen haben, doch baute er die drei Teile trotzdem weiter zusammen, was am Ende doch tatsächlich ein großes, veraltet wirkendes Präzisionsgewehr in den Händen hielt. "Ich würde es begrüßen wenn ihr mir ein paar mit Seldium gefüllte Patronen herstellen könntet. Das könnte sich früher oder später auszahlen"

      Kaum ausgesprochen, knallte es laut. Eine Explosion genau aus der Richtung von den Gemächern von Cesse. Groß genug um alles was sich darin befand zu zerstören aber zu klein um die Mauern mit sich zu reißen. Doch verharrte der Blick von Red nicht etwa in der Richtung von wo die Explosion kam, sondern knappe 200 Meter davon entfernt.
      Das zusammen gesetzte Gewehr nun angelegt, zielte er scheinbar ins Nichts. Nur ein hoher Punkt der Mauer, gefolgt von vielen weiteren Metern der Mauer. Doch dann.. Schuss.
      "Ich glaube wir haben eine weitere Person die sich gerne Verhören lassen möchte." meinte Red gelassen und baute sein Gewehr wieder auseinander und hakte es wieder auf seine kleine Halterung am Rücken ehe er im Anschluss wieder seinen Mantel über warf, was das Gewehr fast schon unsichtbar wirken lies, da das Leder keine Silhouette preis gab.
    • Neu

      Red offenbarte eine Münze, wie sie Cesse zuvor noch nie gesehen hatte. Sie war recht dünn, die Oberfläche rau und uneben, so als hätten Jahre des Tausches sie verändert.
      "Blutgeld?", wiederholte sie ungläubig und kurz darauf: "Harai Schwarzmarkt?" Sie verstand keins von beidem, allerdings konnte sie sich aus Red's Erzählung einen Eindruck davon machen. Die Münze in ihrer Hand kam ihr plötzlich vor wie ein Totensiegel und sie wünschte, Red würde sie zurücknehmen. Es gab anscheinend vieles, von dem sie nichts wusste und auch nichts wissen wollte, wenn sie es sich recht überlegte.
      "Aber er kann die Münze doch auch woanders hergehabt haben, oder nicht? Ich meine, als Bote kommt er mit vielen Sachen in Berührung, vielleicht hat er sie nur so eingesteckt, oder als Zahlung behalten für... Was weiß ich. Irgendwas anderes. Hörst du mir überhaupt zu?"
      Sie versuchte so etwas wie ein Anzeichen einer Regung hinter seiner Maske zu erkennen, aber sie war verhüllend wie immer. Aber natürlich hörte er ihr nicht zu.
      "Seldium hieß es."
      Sie wollte seinem Blick folgen, aber mehr als die fernen Lichter der Fackeln konnte sie nicht entdecken. Was im Gottes Namen ging im Kopf dieses Mannes vor? Er sprang von einer Sache zur nächsten wie ein läufiges Kamel, das gerade seinem Zuchtpartner vorgestellt wurde. Sie wusste nicht, ob sie ihm vertrauen sollte, oder ihn lieber gleich zurück in den Kerker bringen lassen sollte, bevor sie es doch noch bereuen würde. Noch konnte sie ihn unter Kontrolle halten.
      "Was?"
      Er hatte ihr leise einen Befehl zugeraunt, den sie jetzt zögernd befolgte, noch immer nicht sicher darüber, was sie denn nun tun sollte. Die nächsten Soldaten waren nicht weit entfernt, sie würden sogar ihr Winken noch sehen können. Aber dann war sie auch wieder auf sich allein gestellt, war das wirklich eine so gute Idee?
      Über die Schulter hinweg beobachtete sie, wie er anfing irgendeine Maschinerie zusammenzubauen - erst nach ein paar Sekunden erkannte sie, dass es sich um ein altes Gewehr handelte. Sie schnaubte.
      "Du bist verrückt."
      Seine nächste Frage bestätigte sie in dieser Aussage, allerdings blieb ihr keine Zeit, darauf zu antworten. Hinter ihnen krachte es, ein ohrenbetäubendes Scheppern drang zu ihnen herab und ließ sogar für einen Moment den Boden vibrieren. Cesse schrie entsetzt, ein hohes Quieken wie das einer Maus, und starrte fassungslos den Turm empor, in dem vor ein paar Sekunden noch ihr Zimmer gelegen hatte. Nun klaffte dort ein riesiges Loch und das ganze Gebilde wurde von einem Zittern erfasst.
      "Sammelt alle Wachen zusammen! Hier entlang", drang es von weiter unten her und kurz darauf stürmten schon zwei Truppen Wachen die Brücke, auf der sie sich befanden, um mit lautem Gebrüll in den Turm zu schwärmen. Von irgendwoher verlangte man, dass Ilyas geholt werden soll.
      "Mein Zimmer", flüsterte Cesse, die starren Augen auf das Loch gerichtet. "Die ganzen Bücher. Ich hätte die Bücher retten sollen."
      Sie hörte Red etwas sagen und drehte sich um. Der Mann war schon mit zielstrebigen Schritten dabei, die Treppe hinab zu gehen.
      "Hey! Was ist mit meinem Zimmer?"
      Irgendein Soldat rempelte sie von hinten an und sie taumelte ein Stück nach vorne.
      "Was ist mit dem Boten! Red!"
      Aber er ging einfach gleichgültig weiter und schließlich hatte sie keine andere Wahl, als schnell zu ihm aufzuholen, den Blick noch immer alle paar Sekunden auf den Turm richtend, den man wohl schleunigst irgendwie stabilisieren sollte. Sie werden das schon schaffen, versuchte sie sich einzureden, aber ihr Kopf war bei all den schönen, wunderbaren Büchern, die dort oben in den Regalen standen und nur darauf gewartet hatten, von ihr durchforstet zu werden. Sie versuchte sich an Red zu wenden, aber der hatte nur Augen für irgendeine Person, die er getroffen hatte. Cesse verstand die Welt nicht mehr. Schließlich riss sie sich von dem Anblick des Chaos ab und heftete sich an Red's Fersen.

      Die Wachen auf der Mauer waren zu sehr damit beschäftigt, mit offenen Mündern auf den Ort der Explosion zu starren, als sich darum zu kümmern, dass Cesse und Red vor der Mauer zum Stehen kamen und sich in dem wuchernden Gestrüpp umblickten. Er war der erste, der den schwarzen Schuh entdeckte und führte sie zu einem Blumenstrauch, in dem - äußerst verdreht und verrenkt - ein Mann in schwarzer Robe lag. Man konnte nicht erkennen, ob er noch lebte, allerdings muss er schon großes Glück gehabt haben, Red's Schuss und den Fall von der Mauer zu überleben. Cesse beugte sich über ihn.
      "Ist er tot?"
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      Red kam nicht umher sich erneut darüber zu amüsieren wie leicht es war in einem Palast für Unruhe zu sorgen. Oder wie schnell ein nicht ausreichend geplantes Eindringen schief gehen konnte, was sich wohl auch der angeschossene Mann nun dachte, falls er den Schuss überlebt hat.

      Am Geschehen angekommen, durchsuchte Red die Gegend und anscheinend wusste auch Cesse dass es jemanden zu finden galt. Als sie den Eindringlich dann sogar fand, ging er zu den Beiden rüber und war doch ein wenig enttäuscht. "Also doch keine Jakahn.."
      Von der Frage seiner Begleitung abgelenkt, fragte er sich nun das Gleiche und trat ein mal wuchtig in die seitliche Schusswunde. Als keine Regung zu vernehmen war, kniete er sich hinunter und fühlte den Puls. "Kein Puls mehr.. Und definitiv nicht vom Jakahn Klan."
      Nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte, sah er Cesse an und versuchte sich ein wenig mehr zu erklären, was er in der Regel nicht tat, doch schien es in diesem Fall wohl angebracht zu sein.
      "Die Erklärungsnot beim König und das Abholen aus dem Gefängnis sollte dich lange fern von deinen Gemächern halten. Viele Anzeichen haben für den Jakahn Klan gesprochen. Sie planen ihre Attentate präzise im voraus und verlangen dafür viel Geld. Doch haben sich unsere Wege schon das ein oder andere Mal gekreuzt.. was bedeutet dass sie oft nicht an ihre Belohnung kamen." Schnell fiel ihm auf dass er nicht unbedingt die Person für lange Erklärungen war, also wollte er es nun doch auf's Äußerste runter brechen. "Kurz gesagt. Diese Person hat sich verhalten wie ein Jakahn. Sogar den vermuteten Fluchtplan hat er passend gewählt. Dennoch ist er keiner, denn diese wären einer Kugel aus der Entfernung ausgewichen. Wir haben es also mit Spielfiguren zu tun, die ich noch nicht herleiten kann."

      Für diesen Moment, in welchem er sich versuchte sich ganz leicht in die Karten schauen zu lassen, sprang der Todgeglaubte ruckartig auf, zog in der selben Bewegung einen Dolch und holte zu einem schnellen Stich in der Richtung von Cesse aus. Zugegeben, damit hatte Red nicht gerechnet, also reagierte er für seinen Geschmack viel zu spät. Seine Hand griff die des Attentäters erst als die Spitze des Dolches grade eben die Kleidung von Cesse berührte, ehe die Bewegung stoppte.
      Über diese Überraschung nun sehr erzürnt, griff Red so feste zu dass das Handgelenk des Angreifers augenblicklich knackte und der Dolch zu Boden fiel.
      Im zweiten Moment übertrumpfte die Freude aber dem Zorn. "Na was sagen wir denn dazu? Ein freiwilliger Kandidat" Direkt folgte eine harte Kopfnuss um den Eindringlich ins Reich der Träume zu schicken.
      Den nun nur noch am Gummiartigen Handgelenk hoch gehaltenen Körper, lies Red nun los und kümmerte sich direkt um Cesse. Er wusste nicht ob die Klinge vielleicht vergiftet war oder ob sie eventuell einen Schock davon tragen würde, also sah er ihr in die Augen und nahm ihre Hand um zu spüren ob sie eventuell zittert. "Ist alles in Ordnung? Hat dich die Klinge berührt?"
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      Nach einer weiteren Erläuterung von Personen, von denen Cesse noch nie etwas gehört hatte, erwachte der Tote plötzlich zum Leben und stieß nach vorne, so ruckartig, dass Cesse gar keine Zeit hatte, sich zu bewegen. Red's Reflex, mit dem er den Angreifer stoppte, verdankte sie es schließlich, dass er ihr nicht den Bauch aufschlitzte, aber die Bestürzung darüber setzte dennoch ein. Im Anblick Reds wohl ausgeprägten Fähigkeiten fühlte Cesse sich wie ein unerfahrenes Kind, als sie dennoch einen Schritt nach hinten stolperte, obwohl der Angreifer schon in Gewahrsam genommen wurde. Red war sogleich an ihrer Seite und zum erstenmal wurde ihr klar, wie unwichtig die Bezahlung war, wenn er es schaffte, sie selbst vor Überraschungen wie dieser zu bewahren. Ebenso wurde ihr bewusst, dass sie ohne ihn wahrscheinlich ihren letzten Tag erlebt hätte.
      "Mir geht's gut", murmelte sie und blickte an sich hinab. Dort, wo der Dolch sie erwischt hätte, klaffte ein winziges Loch in ihrer Kleidung, durch das die Spitze noch gestoßen war. Sie selbst war unversehrt, allerdings jagte es ihr einen Schauer über den Rücken zu wissen, dass die Klinge so spitz war um mühelos durch ihren Stoff zu schneiden und sie nicht mal eine Fingerbreite mehr gebraucht hätte, um sie zu erwischen. Plötzlich war sie ziemlich froh darum, dass Red in diesem dunklen Garten so nahe bei ihr stand.
      "Nehmen wir ihn mit?", fragte sie schließlich scheu, in den Gedanken dabei, dass er jeden Moment erneut aufspringen und sie angreifen könnte.
      "Seine Leute werden doch sicherlich nach ihm suchen, oder nicht?"
      Sie blickte zurück zum Palast und fügte hinzu:
      "Und wo sollen wir hin?"
      Zurückzugehen erschien ihr als äußerst töricht, jetzt, da sie wusste, dass ihre Feinde allgegenwärtig und unsichtbar waren, aber sie konnte auch nicht ohne alles vom Palast weggehen. Die vielen Kräuter, die im Labor gelagert waren, würde sie so schnell nicht wiederbekommen und die einzigen Tränke, die sich noch an ihrem Gürtel befanden, waren Hebrum, Zantian, Fiskolium, Gebriet und den letzten Rest vom Tannum, das sie vorher auf Berandt's Hand getröpfelt hatte, damit konnte sie auf Dauer nicht sehr viel anfangen. Und Berandt lag noch immer da oben, der Verräter im selben Raum mit Ilyas, den man wahrscheinlich auch noch beseitigen würde. Ganz abgesehen davon musste sie mehr Gold einstecken, wenn Red an ihrer Seite bleiben sollte. Nein, noch konnte sie nicht vom Palast weg und als sie sich wieder zu ihm umdrehte, machte sie sich darauf gefasst, ihm genau das zu erzählen.
    • Neu

      Zwar schien Cesse ziemlich überrumpelt und etwas angeschlagen, doch war das unter diesen Umständen wohl mehr als nachvollziehbar. Nun galt es also nichts zu überstürzen. Sie würde mit der Zeit schon noch um einiges mehr abstumpfen, befürchtete er mehr oder weniger.
      Zumindest konnte sie noch rational denken. So stimmte er zu als sie ihre Vorräte und den Boten erwähnte. "Selbstverständlich. Für diese Nacht wird nichts mehr passieren. Kein Auftragsmörder würde nach einer solchen Aufruhr noch versuchen einen Auftrag zu erledigen. Wir schlagen im verborgenen zu wenn keiner damit rechnet, nicht wenn jeder so alarmiert ist dass er jeden Stein 3 mal umdreht. Natürlich gibt es ausnahmen aber diese steht vor dir. Abgesehen von mir kenne ich nur eine weitere Person die so eine Situation zu seinen Vorteil nutzen könnte und das ist Jhin. Lebt in Kelding und... sagen wir einfach dass ich mir sicher bin dass er nicht dahinter steckt."

      Anschließend griff er sich eine Schulter des Bewusstlosen und sorgte dafür dass das Gelenk mit einem unangenehmen Geräusch hinaus sprang. Selbiges tat er bei der anderen Schulter. Zwar war die zweite recht überflüssig, da die Hand nicht mehr zu gebrauchen war, doch ging er stets auf Nummer sicher.
      Den nun definitiv handlungsunfähigen Mann über seine Schulter frachtend, nickte er Cesse zu. "Ich überlasse dir was wir nun als erstes tun. Mein Auftrag ist es für deine Sicherheit zu sorgen. Was mit den Leuten um den Boten herum geschieht, interessiert mich nicht. Ich glaube zwar nicht dass er eine besondere Bedrohung darstellt aber selbst ein humpelnder Hund kann noch beißen. Wenn dir dieser Ilyas also was bedeutet, würde ich dir diesen Ort empfehlen. Eventuell kriege ich noch etwas aus dem Boten raus."
      Danach sah er sich die Kleidung von Cesse an. "Und sobald wir dich für die Reise fertig machen, solltest du vor allem dafür sorgen vor langen Sandmärschen gewappnet zu sein. Sorgt euch nicht über das Gewicht. Das werde ich übernehmen."
    • Neu

      Auch von Red gab es keine Widersprüche und so machten sie sich wieder auf den Rückweg, den unbekannten Mann über Red's Schulter, dessen Arme lose herab baumelnden. Cesse überkam die Übelkeit, wenn sie an das Knacken dachte, mit dem Red seine Schulter ausgerenkt hatte. Sie versuchte, nicht mehr daran zu denken, bevor sie sich in seiner Gegenwart noch übergeben würde, aber es erforderte einige Anstrengung.
      Sie hatten kaum einen Fuß in den Palast gesetzt, da entdeckte sie ein Soldat, der kurz darauf schallend verkündete:
      "Alchemistin Nerona ist hier!", woraufhin noch mehr Soldaten auftauchten, um sich scheins zu vergewissern, dass sie es wirklich war. Man begann sie mit Fragen zu durchlöchern und irgendwo verlangte man auch nach Hauptmann Fedrin, aber Cesse schob sich weiter, Red dicht hinter ihr.
      "Lasst ab von mir, es geht mir gut! Und lasst meinen Bruder auch in Ruhe!"
      "Mylady, Ihr befindet Euch in größter Gefahr. Bitte, kommt mit uns zu den Bediensteten Gemächern, wir werden sie streng bewachen."
      "Kommt gar nicht in Frage, ich habe zu tun!"
      Sie beeilte sich vom Eingang wegzukommen, in der paranoiden Auffassung, der ganze Andrang würde die Aufmerksamkeit auf sie lenken.
      "Weg, sage ich!"
      Schließlich kamen sie hindurch und Cesse fing an zu laufen, sie konnte die Ungeduld nicht mehr bezwingen. Das Krankenzimmer befand sich über der Bibliothek und der Weg dorthin war wie ausgestorben. Schließlich übernahm Red die Führung und öffnete die großen Türen, hinter denen die Betten lagen.
      Drinnen war es still, von einigen Betten kam leises, röchelndes Atmen, doch der Bote war schnell zu finden. Er lag auf dem Rücken, beide Beine in Verbänden gehüllt, die Arme ausgestreckt. Er starrte ziellos gegen die Decke, als würde er in einem Tagtraum versunken sein. Das bleiche Gesicht zeigte keine Regung und schließlich mussten sie feststellen, dass er nicht mehr lebte.
      "Es ist uns wohl jemand zuvorgekommen."
      Sie musterten ihn eindringlich, aber äußere Wunden gab es nicht. Cesse sah sich um, aber von den Schwestern war keine Spur zu sehen.
      "Ilyas!"
      Sie rannte davon zu seinem Bett, einem verbrannten Haufen Fleisch. Die Haare waren weg, der Körper in blutige Laken gehüllt. Sie beugte sich zu ihm hinab, musste aber feststellen, dass er nicht bei Bewusstsein war. Sein Atem ging flach.
      "Können wir ihn mitnehmen?", fragte sie an Red gewandt, die Augen vor Sorge weit geöffnet. "Man wird ihn bestimmt auch noch töten."
    • Neu

      Red lies sich nichts anmerken, was wohl auch durch seiner Maske gar nicht so schwer war, aber er hasste so eine Ansammlung an aufdringlichen Personen. In ihm steigerte sich langsam aber sicher ein ganz unwohles Gefühl was ihn doch etwas nervös werden lies, doch bevor er die Kontrolle darüber verlieren würde, hatte es Cesse dann doch geschafft beide durch zu ringen und fing sogar an zu laufen. Nichts hätte Red grade begrüßender angenommen als vor diesem Pulk zu flüchten.
      Die Nervosität sank glücklicherweise recht schnell, also übernahm Red nun die Führung, immerhin wusste er anhand des eingeschlagenen Weges genau für welchen Ort sich Cesse entschieden hat.
      Mit der getragenen Last voran, brach er die Tür im vollen Lauf aus den Angeln und richtete sofort seinen Revolver in den Raum um eine Bedrohung sofort ausschalten zu können.
      Als ihn nichts besorgte, steckte er diesen wieder weg und beobachtete auch erstmal den Boten.
      "Vermutlich ein starkes Gift. Ich sehe keine Wunden die nicht von mir stammen. Ein gutes Zeichen. Das schließt auch Familie Luck'Thar aus." um Cesse direkt für die Zukunft etwas mehr Informationen zu geben, erklärte er sich anschließend. "Das ist keine wirkliche Familie. Sie finden es nur Eindrucksvoller. Zumindest sind sie nicht ganz so schlecht im Umgang ihrer Berufung, doch verabscheuen sie alle Arten von Gift. Die sind recht altmodisch und bevorzugen gestachelte Hämmer und Kolben."

      Nach seiner kurzen Erklärung sah er auch schon in die Augen einer fast schon flehenden Cesse. Tief durch atmend gab er nach und schulterte nun auch die zweite Person über seine andere Schulter. Wohl ein recht ungewöhnliches Bild, immerhin trug Red zwei ausgewachsene Personen ohne auch nur die geringsten Anzeichen von Mühe zu äußern.
      "Geht voran."
      Meinte er ruhig um ihr daraufhin zu folgen.