some mistakes are made [vrtnkng & Lu-Chan]

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    • some mistakes are made [vrtnkng & Lu-Chan]

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      some mistakes are made [vrtnkng & Lu-Chan]

      @vrthnkng

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      Madeleine

      Welchen Tag der Woche wir es hatten konnte Maddie schon länger nicht mehr sagen, denn in dieser dunklen Kammer, oder eher in diesem dunklen Gefängnis, wie sie es gerne nannte, verlor sie jegliches Gefühl für die Zeit. Ihre Knochen waren müde, hatten keine Lust mehr den Tag über auf der Matratze zu verbringen, auf welcher sie seit Tag eins ihre meiste Zeit verbrachte. Selten durfte Maddie hoch, selten durfte sie diesen Keller verlassen und beim Vorbeigehen mal aus dem Fenster schauen, aber selbst das hatte ihr bisher nie etwas gebracht, denn sie wusste nicht einmal, wo sie sich hier befanden. Es war ein Haus im Wald, jedenfalls sprachen die ganzen Bäume, die sie aus dem Fenster gesehen hatte dafür und dafür sprachen auch die fehlenden Geräusche von Draußen, die sie hier erreichten. Es gab ein ganz kleines, winziges Fenster auf der anderen Seite des Raumes, es war zu und vor allem mit einem Geländer gesichert, es wäre aber auch nicht groß genug, damit die junge Frau dort durch passen könnte, aber ab und zu setzte sie sich gerne daneben und lauschte dem Geräusch des Regens, wie er auf den vermutlich grünen Boden fiel und den Bäumen die nötige Energie gab. Viel mehr gab es in ihrem kleinen Gefängnis auch nicht, bis auf die halb kaputte Lampe an der Decke, die ein klein wenig Licht spendete und den Büchern an ihrem Bett, dessen Zeilen sie schon inn und auswendig kannte, aber irgendwie musste man sich die Zeit hier vertreiben, was sollte sie denn sonst machen? Manchmal lag die Frau einfach nur in ihrem Bett und sprach Mandarin mit sich selbst, sie war noch nie ein Profi in dieser Sprache gewesen, hatte sich aber hart daran gesetzt, in der Zeit noch vor ihrer Entführung, um mal eine andere Sprache zu lernen, als spanisch und italienisch, die beiden Sprachen ähnelten sich ohnehin sehr. Sie wollte keines der Worte vergessen, die sie damals gelernt hatte, erinnerte sich an die alten chinesischen Lieder, die ihr Lehrer gesungen hatte. Was Maddie wohl geben würde, um diesen älteren, immer fröhlichen aber recht strengen Mann zu sehen. Sie hatte ihn so oft verflucht, weil sie den gleichen Aufsatz immer und immer wieder schreiben musste, um sich dessen bewusst zu sein, wie sich die Bedeutung ihrer Sätze schlagartig änderte, wenn sie ein Wort veränderte, aber so hatte sie gelernt und letztendlich war sie sehr froh gewesen, Mister Wu als ihren Lehrer gehabt zu haben. Sie würde aber auch gerne ihre Eltern wieder sehen, auch wenn sie sich zuletzt vor allem mit ihrem Vater darüber gestritten hatte, dass sie definitiv nicht Wirtschaft studieren wollte, auch wenn es mit ihren Sprachen von Vorteil sein würde. Die Blondine würde am liebsten einfach irgendjemanden anderen sehen, als das, was sie hier jeden Tag zu Gesicht bekam. Es gab nicht viele Herren in dieser Hütte, oder Haus, was es auch immer war.. Sie hatten alle komische Spitznamen, aber Maddie hatte ihnen irgendwann in ihrem Kopf ihre eigenen gegeben, um irgendwie ein wenig Normalität wieder zu bekommen. So gab es einen großen, dünnen Mann mit Schnurrbart, der sie sehr an ihren Onkel Pablo erinnerte, den nannte sie dann auch so, es gab sonst auch noch Mr. Besserwisser, mit dem sich die Frau schon einmal angelegt hatte, als er den anderen weiß machen wollte, Galileo wäre nur eine Geschichte, aber nach der gebrochenen Rippe, die sie davon trug hatte sie ihren Mund auch schon wieder gehalten und ihre Diskussionen mit ihm nur noch in ihrem Kopf geführt. Es gab sonst noch Dumm und Doof, zwei Brüder, wie Maddie es einschätzte, sie waren nicht gerade die größten Genies hier, Chinatown, der Kerl, der wirklich immer wieder nur asiatische Nudeln aß und Ihn. Ihr wirklicher Entführer hatte keinen Namen, jedenfalls machte sich da die Frau nicht die Mühe ihm einen zu geben, er war einfach Er. Sie redete sich ein, sich von der ganzen Sache zu entfernen, wenn sie ihm keinen Spitznamen gab, wenn sie einfach so tat, als würde er nicht existieren, aber das tat er leider und er öffnete auch schon die Tür, womit mehr Licht in den kahlen Keller eintraf.
      "Hat sich unsere Göre endlich entschieden?!", er klang genauso genervt, wie er sich vor einigen Minuten verabschiedet hat, oder vielleicht Stunden? Hier schien die Zeit so endlos zu sein. Aber was sollte sich Maddie entscheiden? Ah, da war ja was gewesen, bevor er sie wieder in diese Dunkelheit gebracht hatte. "Du weiß, wenn du nicht redest, muss ich dir wehtun". Seine Stiefel quietschten ein wenig bei jeder Stufe, die der Mann nach unten nahm. Wann die Frau aufgehört hatte wirklich zu sprechen? Eigentlich ziemlich zum Anfang, als ihr ihre Worte nichts Gutes gebracht hatten.
      Nach vierundzwanzig Stufen war er bei ihr unten angekommen, oh wie oft die Blondine die Stufen schon gezählt hatte.. Vierundzwanzig Stufen in die Freiheit.. Naja, noch mehrere Türen dazwischen und einige Männer, die größer und stärker, als sie waren.. Noch dazu bewaffnet. Er blickte runter zu ihr, musterte den zarten Körper unter dem Krankenhaushemdchen, welches Maddie zum Bedecken bekommen hatte. Bevor sie sich jedoch sicher sein konnte, was er denn jetzt von ihr hören wollte war er schon bei ihr und seine Hand an ihrer Kehle, er drückte ihr die Luftröhre zu und das unangenehme Gefühl gleich zu ersticken machte sich wieder breit. "Ich muss dir wirklich..wirklich wehtun, wenn du nicht mit mir reden willst". Das lustige war eigentlich, dass es egal war, was Maddie tun würde, sie würde für alles bestraft werden.. Sie kämpfte gegen die Panik an, die sich in ihrem Körper breit machte, kämpfte gegen das Gefühl weinen zu müssen, stattdessen blickte sie ihm direkt in die Augen, um ihm deutlich zu machen, dass sie keine Angst hatte. "Spiel.. nicht.. mit den großen Jungs, Honey..". Sein Mundgeruch war zu fühlen, auch wenn sie das Gefühl hatte gleich wieder in Ohnmacht zu fallen. Maddie kämpfte, sie würde nicht so schnell aufgeben, lieber sollte er sie töten. Sie nahm ihre Kraft zusammen und spuckte ihm ins Gesicht, woraufhin er sie direkt los ließ. Sie bekam wieder Luft, doch kaum hatte sie einen Atemzug genommen, schon spürte sie den Schmerz in ihrer Wange. Er hatte sie schon wieder geschlagen, wie schon etliche andere Male. "Miststück!", rief er und fuhr sich durch das Gesicht, um die Spucke weg zu wischen. "Kein Abendessen für dich! Verstanden?!".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Mit dem einhergehenden Nebel, welcher seinen Weg bereits in der Dunkelheit in den Zwischenräumen der ganzen Baumhorde fand, hatte der Wald wieder seine natürliche Ruhe erlangen können. Mit dem nächtlichen Regen war dieser mit dem Waldboden nur damit beschäftigt gewesen, das Wasser in sich aufzuziehen, welches in den Morgenstunden nur noch von Blatt zu Blatt als keine Tropfen weiter nach unten transportiert wurden. Die Wassertropfen fanden auch ihre Wege auf die vorbeiziehenden Autos, die sich mit dem Herumfahren ihrem Standort bewusst werden wollten und mit ihren Motoren langsam wieder Unruhe in das Tierwesen im Wald brachten, die schnellstmöglich ihre Flucht ergriffen, trafen mal die grellen Scheinwerfer auf dessen Umrisse, die nicht nur Gefahr ausstrahlten, sondern auch eine Unruhe, die nur die hitzige Situation im Inneren des Autos widerspiegelte. Es war keine Stimme zu hören, hatten sich bereits den Waldgeräuschen angepasst, auch wenn die Räder etwas anderes besagten, die sich mühsam durch den gebildeten Schlamm zogen mussten. Alles davon war nötig gewesen, die Anweisungen dafür waren schon deutlich früher ausgesprochen worden, denn diese Mission hatte eine Wichtigkeit, was das Stillen von Rache und das Stillen damaliger Schulden anging. Man würde sich nicht nochmal beruhigen lassen, dafür waren sie schon zu weit gegangen und die Neugier zu hoch, was ein damaliger guter Freund nicht alles in seiner geringen Zeit sich aufbauen konnte. Anders als es sein Herz ausdrückte, blickten die braunen Augen tiefenentspannt aus dem Fenster hinaus, versuchten zwischen den ganzen Bäumen und Steinen im ganzen Nebel etwas zu erkennen, solange ihre Koordinaten nicht der hölzernen Waldhütte näher kamen und doch einen gewissen Abstand hatten, um das Wetter zu ihrem Nutzen verwenden konnten.
      Beomseok war alleine auf dem Rücksitz, war von den beiden vorderen Männern ungestört, die sich über ihren Standort unterhielten. Seine Arme waren verschränkt gewesen, das Bein über das andere überschlagen, während sein Fuß sich einem Rhythmus widmete, welcher nicht weiter mehr existierte als in seinen eigenen Gedanken. Die Stille des Chefs war die Gewöhnung gewesen, umso gewöhnlicher auch immer wieder diesem im Blick zu haben, mit der damaligen Stummheit war der Schwarzhaarige einzige Sprechhilfe seine Gestik und Mimik, die die Männer schon zu gut verstanden. Sie konnten in der Stille mit im kommunizieren, etwas, was die Gruppe wohl gefährlich machen konnte, denn die Ausdruckslosigkeit in seinem Gesicht machten ihn für Feinde unlesbar, vor allem doch unberechenbar. " Wir sind da. ", sprach er wortkarg ins schwarze Walkie Talkie in seiner Hand, die er zum Sprechen sogleich anhob. Nacheinander hatten sich die Männer alle nacheinander aus ihren Autos begeben, konnten sie auf einer freien Waldfläche neben der Straße parken, die vermutlich den Holzstapeln zufolge zum Holzhacken verwendet wurde. Sie sammelten sich als verschiedene Gruppierungen bei dem jungen Mann, der nur auf die Nachfolger wartete. Waren sie alle zusammen, begann auch er seine letzten Worte. " Ihr kennt alle eure Aufgaben, führt sie so schnell wie möglich aus und lasst euch nicht ablenken, solange ihr keine weiteren Anweisungen von mir hört. Wir wissen nicht wer sich dort alles befindet, sie werden jedoch allesamt um ihr Leben betteln, verstanden? " Der Plan war bereits einige Zeit früher ausgeklügelt gewesen, es war alles aufeinander aufgebaut und konnte nur noch damit unterbrochen werden, sollten sich ihre Gegner früh genug etwas ausgedacht haben, was sie in einen Verlust stürzen würde. Mann kannte jedoch den Anführer der Gruppe im Wald, man kannte seine Impulsivität und die Unproduktivität, die er sich damit verschuldete. Damals waren die beiden unzertrennlich, sie waren ein gut eingespieltes Team, weil sie sich ergänzten. Kaum mehr zu glauben, denn seitdem Beomseok seine Stimme wieder hatte, brauchte er niemanden mehr.
      Im Nebel waren sie kaum mehr zu erkennen, schon gar nicht in der ganzen schwarzen Kleidung, die sie sich allesamt zuvor anzogen. Bennet blickte auch schon auf seinen schwarzen Mantel, welcher mit dem Nebel kleinste Wassertropfen auf dem Stoff des Mantels ansammelte, diese jedoch schon wegzustreichen, wäre nicht nötig. Er war so zuversichtlich so schnell aus der Hütte wie möglich zu sein, dass der Mantel nur wieder nass werden würde, bevor er überhaupt trocknen konnte. Damit sah er zur Armbanduhr, wollte unbedingt die Zeit abschätzen, wann er nicht wieder im Auto saß und nicht vielleicht doch entspannen konnte, weil alles glatt lief.
      Allesamt waren die Männer um das Haus versammelt, hatten verschiedene Standpunkte aufgenommen, um den Schwarzhaarigen im Auge zu haben. Sie spielten Katz und Maus, im Minutenabstand würde man den Männern in der Hütte ihre Fluchtwege abziehen, weil die Männer genau in diese einbrechen würden. Die Hütte war klein, die Möglichkeit konnte gut darin bestehen, dass sie in der Überzahl waren, weil sich Beomseok ungerne überraschen ließ. Die braunen Augen sahen nur noch ein einziges Mal umher, sahen sich auch die nähere Umgebung um und den Himmel, sollte man die Hütte nicht möglicherweise mit Drohnen überwachen. Doch es war nichts, es sah viel zu sicher aus, hatten sich die Gegner hier etwa nur abgesetzt, hatten sich hier entspannen wollen, solange sie an keine größere Anzahl von Mitgliedern kommen konnten? Was auch immer es war, die flache Hand des Koreaners wurde empor gehoben, sogleich hatten die Männer ihre Waffen geladen und setzten sich in die Startposition, bis man ihnen ihr Zeichen gab. Dieses erfolgte bereits im kleinen Details des Mannes, der bloß seinen Zeigefinger abknickte, um die erste kleine Mannschaft den Beginn machen zu lassen. Mit einem Schuss hatten sie die Fenster aufgebrochen und waren die ersten Schreie zu hören, sah man nur, wie er den nächsten Mittelfinger runternahm. Der nächste Flugweg wurde abgeschnitten, die Männer rannten in den Hintereingang, die ersten Schüsse und dessen Lautstärke hatten die Vögel wieder zum wegfliegen gebracht. Mit dem runtergenommen Arm machte sich die letzte Gruppierung hinein, mitsamt dem Schwarzhaarigen, der ein anderes Ziel verfolgte. Der Erste lag bereits, hatte sich zu langsam eine Waffe besorgt, ein viel zu bekanntes Gesicht. Beomseok trat nur über diesen und blickte sich nach seinem eigentlichen Ziel um, wo blieb denn nur sein guter alter Freund? Sein Weg brachte ihn in den Hauptraum des Gebäudes, machte sich zur guten Zielscheibe, welches er bloß sich selbst zu Nutzen machte und in jegliche Türen schoss, an welchen man zu ihm linste. Er ließ sich ablenken, da konnte er nur noch dabei zusehen, wie jemand die Kellertür aufriss und sich in diese hineinstürzte, als würde er von dort etwas wichtiges holen können.
      Die braunen Augen verengten sich und hatten sich mit der nächsten Sekunde wieder weit geöffnet, als würde er nun realisiert haben, wen er da laufen sah. Mit großen Schritten hatte er sich selbst durch die Tür gemacht und übersprang sogleich die ersten Treppenstufen, um den Mann vor sich von seinen Stufen hinuntertreten zu können. Man brachte den Fremden zu stürzen, das Gefluche hatte seinen damaligen Freund verraten. Es war ein Warnsignal, welches zwei weitere Männer hinunter gehen ließen, um Beomseok zur Hilfe zu kommen. Diese sind durch ihn hindurch geeilt, während ihr Anführer bloß in der Ruhe die letzten Treppenstufen hinunterlief, er wollte sich zum letzten Mal das markante Gesicht einprägen, bevor er es nie wieder sehen dürfte. Im Augenwinkel waren Gitter zu erkennen, die sich jedoch aus den Augen herausfilterten, sie gehörten nicht zur Haupthandlung, erstmal. Die Männer packten ihren damaligen Anführer schon, hatten diesen für Beomseok schon hergerichtet, der nicht mehr weiter auf das Gespräch wartete. Er hatte dem Verräter seine Schusswaffe an die Stirn gehalten, der sich erst dagegen wehrte, doch letztendlich demnach wieder fixiert wurde. " Wo ist mein Geld? ", fragte er, schon ganz darüber im Klaren, wie die Geschichte enden würde. Man entgegnete ihm nur ein Lachen, ein Kopfschütteln. " Du meinst mein Geld! Du hast doch einen Scheiß gemacht und standest nur im Weg, du hast mein ganzes Geschäft kaputt gemacht! " Mit einer Hand deutete er seinen Männern darauf hin, nichts zu tun, ihn nur festzuhalten, während Beomseok nur in die Hocke ging, versuchte den letzten Blick seines alten Freundes einzufangen. Er sprach wieder nicht, die Nervösität seines Gegenüberen hatte ihn dafür nur schon genug zufrieden gestellt. Die braunen Augen hatten der Panik zugeguckt, die Versuche, sich aus seinen Blicken zu holen und das fehlende Geld zu erklären, während der Schwarzhaarige nur schief grinste. " Fahr zu Hölle.. " Er drückte ab, gab seinen Männern die Blicke, um diese zum Loslassen des Mannes zu bringen. Er blieb für weitere Momente gehockt, hielt seinen Blick jedoch zu den Männern nach oben, um diese mit einem Kopfnicken wieder nach oben zu befördern, ihr Plan war es immer noch, hier alles zu verwerten, was bloß möglich war. Mit einem tiefen Seufzen blickte er herablassend unter sich, sah sich das Blut an und die Haare, an welchen er seinen guten Freund für einen Moment zu sich nach oben zog. Nein, die Kraft sparte er sich lieber.. Seine Finger ließen seine Haare wieder los, ließ den Kopf auf den Boden abprallen, er war wertlos gewesen.
      Zögernd raffte sich der Schwarzhaarige wieder auf, blickte und trat langsam von dem leblosen Körper weg, um nicht gleich in den Blutfleck zu geraten. Eine unidentifizierte Bewegung brachte ihn jedoch dazu, schnell am Geschehen vorbei zu gucken, zu den Gittern, die er vorher wahrnahm. Sein Blick traf direkt den der toten Dame, nein, sie lebte, aber sie hatte doch schon längst tot zu sein. Irritiert runzelte er die Stirn, das blonde Haar hatte sich schon vor einigen Jahren in seinem Kopf festgebrannt, genauso wie die blauen Augen, die eine Unschuld ausstrahlte, die schon aussagten, dass sie all dies hier nicht verdient hatte. Er kannte sie gut, ohne sie jemals wirklich gesehen zu haben, sein Freund hatte damals fanatisch über sie mit ihm gesprochen, sie müsse unbedingt entführt werden. Ganz war Beomseok sich nicht sicher, wie er zu reagieren hatte, sahen die braunen Augen nur an ihr runter, solange er überlegte. Als ihn die Gedanken jedoch wieder erreichten, hatte er kurz gezuckt, seinen Mantel ausgezogen und ihr diesen durch das Gitter gereicht, nachdem er sich das Schweizermesser noch aus diesem holen konnte. Seine Worten wurden wieder von der fehlenden Stimme runtergeschluckt, doch es war ein anderes Gefühl, als das er damals hatte. " Du bist Madeleine, oder?", fragte er bereits, während er mit einem Schuss ins Schloss und dem Schweizermesser das Schloss aufbroch, ihr zumindest die Freiheit geben konnte, aus diesem herauszutreten. In seinem Körper verarbeiteten sich die damaligen Eindrücke der Dame, warum er diese nicht einsperren wollte, doch mit einem tiefen Atemzug hatte er diese aus sich heraus löschen wollen. " Wir nehmen dich gleich mit, hab' keine Sorge "
    • Madeleine


      Sie hatte wieder in die Dunkelheit an die Decke gestarrt, als würde dort die Antwort auf die Frage, wie sie wohl am Besten aus diesem Gefängnis raus kommen würde, versteckt sein. Ihre Rippen schmerzten, er hatte sie noch zwei Mal getreten, bevor das Gitter wieder zu fiel und Maddie zusammengekauert auf der Matratze lag. Die Ohrfeige war wohl gemeinsam mit dem fehlenden Abendessen nicht Bestrafung genug gewesen, er musste noch vor seinen Jungs einen drauf hauen, das war ihr aber auch schon vor ihrer Tat bewusst, aber erst der Schmerz beim Atmen erinnerte sie daran, dass es eine wirklich dumme Idee gewesen ist. Die Blondine sprach schon seit einer geraumen Zeit nicht mehr, jedenfalls nicht in Anwesenheit dieser.. Männer, da blieben ihr ihre Taten als Einziges Mittel übrig, um sich hier zu wehren. Warum sie nicht mehr sprach? Irgendwann wurde sie sich dessen bewusst, dass es wohl nichts brachte, wenn sie ihre Worte für solche Vollidioten verschwendete, da konnte sie genauso gut schweigen und das brachte ihr bisher genau die gleichen Effekte ein, da war es doch ganz simpel, für was sie sich entschied. Es war ja auch nicht so, dass Maddie nicht mehr kämpfte, aber der Kampf schien aussichtslos zu sein, denn in diesem Gefängnis gab es keinen Ausweg, hier gab es keine Möglichkeit mal raus zu kommen, außer der wöchentlichen Dusche, die es gab, wenn sich die Blondine nicht allzu frech benahm, aber die Versuche aus den Händen der Männer zu entkommen waren bisher so schmerzhaft gewesen, sie waren einfach viel zu viele, gegen sie selbst.
      Reifen waren von draußen durch das leicht gekippte, kleine Fenster an der Wand zu hören, es durchbrach diese Stille des Waldes und fiel auf, oder die Fantasie ging wieder mit ihr durch. Maddie stellte sich oft vor, wie es wohl wäre, wenn sie hier einfach raus spazieren würde, wenn sie einfach nur über die Leiche ihres Peinigers steigen könnte, um mit einem erhobenem Haupt das Haus zu verlassen. Sie wollte ihn dabei nie umbringen, nein, so weit würde sie nicht gehen, aber die Vorstellung, er würde von dem SEK Kommando umgebracht werden, welches das Haus hier stürmen würde war einfach herrlich gewesen und versüßte ihr gleich die Schmerzen in der Brust, die sich weiter ausbreiteten..

      Ein Schuss war zu hören. Maddie war sich ein klein wenig unsicher, denn Schüsse waren hier im Haus etwas seltenes, auch wenn sich die Männer da oben wohl schon einmal gegenseitig abgeknallt haben sollen. Ihre Brust zog sich noch einmal zusammen, dieses Mal nicht vor Schmerz, sondern eher vor Hoffnung, die in ihr aufblühte. War vielleicht die Vorstellung des SEKs nicht ein Traum, nicht ein Wunschdenken, sondern eine Vorahnung? Niemals, so etwas gab es nicht und die Blondine war sich sicher, dass sie auch nicht in die Zukunft sehen konnte. Ein weiterer Schuss fiel, gleich auch der nächste und so langsam breitete sich doch ein klein wenig Panik in der Frau aus. Langsam und vorsichtig setzte sie sich auf, wohl darauf achtend nicht zu schnell zu machen, denn ihre Rippen schmerzten sehr. Es waren hastige Schritte zu hören, etwas fiel um, würde es gleich ihre Erlösung, oder doch den Tod bedeuten? Was, wenn man nicht auf der Suche nach ihr war, wenn es ihr noch schlimmer ergehen wird, als das, was hier war? Die Tür öffnete sich, jemand fiel hinein und damit auch das Licht, welches den Keller ein klein wenig erleuchtete. Maddie bekam Angst, das war definitiv nicht das SEK, was da rein stürmte, oder irgendeine andere Organisation, die auf der Suche nach ihr war. Die Panik stieg weiter, langsam, vor allem darauf bedacht keine Geräusche zu machen, rutschte die Blondine bis zu der Ecke des kleinen Raumes, in welchem sie gefangen war. Sie spürte die kalte Wand an ihrem Rücken, ihre Hände spürten rechts und links die Mauer, aber da fühlte sie sich sicher.
      Es kam jemand runter, es folgten noch mehr Personen der Treppe nach unten, ob sie für sie da waren? Nein, denn durch das schwache Licht von Oben kommend erkannte Maddie, dass es sich hier um ihn handelte, um den Mann, der sie hier rein geworfen hatte. Sie hatten ihn, jemand hatte ihn wirklich, das war doch nur ein Traum. Eine fremde Stimme ertönte, Er lachte, er wollte sich wehren, würde man ihn jetzt töten? Fest presste die junge Frau ihre Hände an ihrem Mund, um nicht zu schreien, aber kaum ertönte der Schuss, schon wanderten ihre Hände zu ihren Ohren, um sich diese zuzuhalten. Es hallte im ganzen Keller, es war auch zu spät, aber sie reagierte aus Angst und Panik. Fahr zu Hölle.. Ja, da würde sie sich Ihn auch wünschen, am liebsten von Anfang an, damit sie nicht in dieses Loch landen musste, aber er war jetzt tot.. Ihr Peiniger war tot!
      War es jetzt mit ihr vorbei? Würde sie das gleiche Schicksal treffen, würde sie gleich eine Blutlache unter ihrem Körper vorfinden, wenn ihre Seele hier raus kommen wird? Was wohl ihre Eltern sich gerade denken? Glauben sie, sie sei schon tot? Vielleicht würde man sie auch nicht bemerken, vielleicht konnte sich Maddie schützen! Sie zog ihre Beine an, um die Füße aus dem Licht zu nehmen, sich in der Dunkelheit höhlen zu können, aber es war die falsche Entscheidung, denn der Kopf drehte sich zu ihr, sie war geliefert.. Sie war tot, dessen war sich die Blondine sicher. Schwer schluckte sie, ihre Augen wollten sich nicht lösen, als der Mann zu ihr sah, er runzelte die Stirn? Vielleicht doch ihre Rettung? Vielleicht war es noch nicht vorbei mit ihrem jämmerlichen Leben? Es sprach keiner, diese Stille in diesem Raum nahm sie wieder ein und wollte sie für immer verschlucken, nie wieder her geben. Eine erste Bewegung war zu sehen, er zog seinen Mantel aus, er wird doch nicht..? Nein, nein, er sollte sie lieber verprügeln und ihr Schmerzen zubereiten, als.. Nein, der Mantel wurde ihr durch das Gitter gereicht, sie sollte es nehmen, aber sie zögerte.. Einen Moment hatten ihre Augen zwischen dem Stoff und dem Mann hin und her gesehen, bis sie danach griff und sich wieder zurück zog. Der Stich in ihrer Brust signalisierte ihr, dass sie zu schnell war, aber die Angst, dass ihr etwas passieren könnte war größer, als der Schmerz.
      Die blauen Augen musterten den Stoff in ihren Händen, sie roch ein angenehmes Parfüm, spürte gleich schon eine Wärme, die sich im Mantel ausgebreitet hatte, weil er getragen worden war. Die Augen blickten erst auf, als sie ihren Namen hörte, woher wusste er, wie sie hieß? Doch ihr Retter? Maddie nickte sanft, aber zögerlich, bevor sich alles in ihrem Körper versteifte. Es gab wieder einen Schuss, er hallte durch den Raum, aber so schnell die Blondine ihre Augen zugekniffen hatte, so sehr hatte sie auch Angst sie wieder zu öffnen. Es tat ihr nichts weh.. Er hatte gar nicht auf sie geschossen, hatte er wirklich nicht? Metall war zu hören, ihre Neugierde siegte, während sich die Frau den Mantel nur noch weiter an ihren dünnen Körper drückte. Das Schloss wurde geöffnet, die Tür zu ihrem Gefängnis wurde geöffnet und kaum waren seine Worte gefallen schon blickten die blauen Augen wieder zu dem Mann.. Sie würden sie mitnehmen.. hab' keine Sorge. Drei Worte, die gleichzeitig so viel auslösten.. Erleichterung machte sich in Madelaine breit, sie würde hier rauskommen und ihr Peiniger lag auf dem Boden. Sie würde hier rauskommen.. Auch wenn sie sich noch nicht dem Ausmaß bewusst war, der folgen wird. Sie würde hier rauskommen..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das gewaltige Geräusch, die hohe Lautstärke der Schusswaffe gehörte für ihn zur Gewohnheit und war seine Gewöhnung nicht der Grund für seine fehlende Reaktion auf den Schuss, dann waren es vermutlich die geschädigten Trommelfelle, die sein Hörvermögen auf an dutzend hinuntersetzten, um überhaupt die laute Geräuschkulisse noch ertragen zu können, ohne weiteren Schaden anzunehmen. Schusswaffen wurden von ihm herum getragen wie andere es mit Kugelschreiber taten oder ihrem Handy, da sah er keinen wirklichen Unterschied drin, doch das machte vermutlich auch einfach die Grunderfahrung mit Dingen, die man sich sonst nur Gewalttaten zu Nutzen machte. Da war er nur selbst für einen Moment innerlich überrascht darüber, dass die Blondine vor ihm sich so erschrocken zeigte, bevor ihre fehlende Gewohnheit bei Schusswaffen endlich ihm in den Kopf kam. Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch auch schon wieder vorbei, er hatte sich nur weiter mit dem Fokus auf das Schloss auf die Knie gesetzt um die Splitter aus dem Schloss hinaus zu bekommen, sodass er dieses endlich entfernen konnte. Er ließ sich nicht von den Geräuschen oben an seinem Aufbrechen hindern, schüttelte dennoch den Kopf, als er eine Vase zerbrechen hörte. Mit dem Schloss, welches zu Boden knallte, stand Beomseok jedoch selbst schon auf und sah zur Dame, die nur noch von den frei beweglichen Gittern von ihm getrennt wurde. Vorsichtig hatte er die Gittertür geöffnet, entfernte sich letztendlich jedoch selber von dieser, um der Dame den nötigen Abstand zu geben, die vermutlich mit ihrer Unsicherheit selbst gar nicht zurecht umzugehen wusste. Doch er bestätigte ihr bereits, er würde sie mit sich nehmen, da hoffte er bloß sie nicht allzu sehr mit seinem Auftreten einzuschüchtern, wie es doch schon oft genug der Fall war bei anderen Situationen.
      Der Schwarzhaarige kannte ihre Situation, wie sie in diese hineingeworfen wurde und wie sie doch zuvor gar nichts damit zu tun hatte, ihre blauen Augen bewiesen nur ihre Unschuld in jener Zeit in welcher sie sich hier befand. Sie kannte sich hier nicht aus, weder schien sie zuvor Erfahrungen mit Gewalt, noch mit Schusswaffen zu haben und trotz alledem fand man in ihr einen Nutzen, welchen sie sich vermutlich selbst nicht bewusst war, den war sich nie jemand bewusst. Sie gehörte hier nicht hin, das war zumindest ihm schon früher bewusst gewesen, doch mehr als die Aktionen seines Freundes abzulehnen konnte er nicht tun, sie waren gleichberechtigt gewesen, in die Geschäfte des Anderen wurde sich nicht eingemischt, zumindest nicht, bis man die Gouverneurstochter in ihre Freundschaft brachte.
      Fragend sah er zu ihr wieder auf, nachdem er eine Weile das Schloss auf dem Boden musterte, seine unsaubere Arbeit kritisierte, doch das konnte er wohl auch später nochmal mit sich selbst austragen, sollte ihm wieder am Abend langweilig sein. Sie lief nicht hinaus, noch hatte sie den Mantel angezogen, weswegen er die Augenbraue hob. " Zieh den Mantel an, oben ist es kalt. ", erklärte er ihr nur, warum er ihr diesen überhaupt reichte, ihm war sowieso warm vom Lauf zur Hütte und der Aufregung, den Mann endlich bluten gesehen zu haben. Die Tür hatte er noch weiter geweitet, sodass sie gar nicht erst wieder zurückschlagen konnte, um sich von dieser zu entfernen und ihr lieber die Hand zu reichen, um ihr aus ihrer damaligen Zelle herauszuhelfen, der Keller war nun Geschichte für sie gewesen, auch wenn Beomseok nun auch nicht gänzlich wusste, was er mit der jungen Frau anzufangen hatte. Schließlich konnte er sie nicht einfach freilassen, sie zu ihrem Vater fahren, der würde den jungen Mann mit seiner damaligen Kooperation mit ihrem Entführer bloß für das bestrafen, wofür der tote Mann nicht mehr zu bestrafen war. Andererseits würde er sie doch auch nicht gefangen halten können, wenn man sie bei ihm finden würde, würde es ihn genauso den Kopf kosten. All das, nur weil er sein Geld wiederhaben wollte.. Erst hatte er sie aber aus dem Beweisfund der Hütte zu holen, musste wohl selbst einiges bei ihr wieder gut machen, wenn er denn nicht ihren Entführer nur weiter sein Vorhaben ausreizte, bis er diese auch wirklich ohne das erstmalige Verständnis des Asiaten in die Tat setzte. Es war hier wieder zu viel gewesen und die Armbanduhr verriet ihm nur wieder, dass er seine Rekordzeit von 20 Minuten bereits überschritten hatte, es gab schließlich einen Überraschungsgast hier in der Hütte, mit welcher gar nicht mehr zu rechnen war.
      Während er auf seine Uhr blickte, hatte er nur weiter auf die ersten Schritte gewartet. Erwartungsvoll sahen die braunen Augen wieder zu diesen, nur um in der nächsten Sekunde ihre Haltung wieder zu stabilisieren, viel Bewegungsfreiheit bekam sie wohl nicht. Deswegen hatte er ihr um die Schulter gegriffen, behielt sie relativ nah an sich, als er bei ihr nichts verdächtiges an Gegenständen fand, die ihn verletzen könnten. Der eine Arm galt ihr dazu, sich an die ersten Schritte zu gewöhnen, während er mit der anderen Hand letztendlich das Geländer der Treppe festhielt, um sie aus dem Keller zu befördern. Er machte langsam, achtete auf die Füße der Frau, um sich ihrem Tempo anzupassen. Sie benötigten ihre Zeit, diese ließ sie ihm auch, solange man die beiden nicht im Licht aus dem Keller erblickte. Neugierig hielten die ersten schwarz bekleideten Männer an, die umher liefen und verschiedene Dinge nach ihrem Wert inspizierten. Man hatte bereits einige Dinge zusammengeworfen, vermutlich die Objekte von keinem Wert, denn einiges davon sah schon kaputt gemacht aus. Als sie letztendlich ganz oben ankamen und auch die Männer verstanden, was bei ihnen so lange bräuchte, hatte man der Dame bereits einen Stuhl zum Hinsetzen gegeben, wenn auch die Blicke ihres Chefs genau auf diesen Stuhl deuteten.
      Beomseok hatte noch organisatorische Dinge zu erledigen gehabt, konnte nicht sofort verschwinden ohne bald wieder hier aufzukreuzen, weil die Männer etwas nicht mitnahmen. Ein letztes Mal blickte er zu den blonden Haarsträhnen, bevor er sich einige Schritte von dieser entfernte, sich die bereits angeschleppten Dinge ansah und selbst prüfte, ob er mit seinen Männern die gleiche Wahrnehmung dafür hatte, was Wert hatte und was nicht. " Ihr nehmt alle Dokumente und Waffen mit, seid vorsichtig mit Schmuckstücken und elektronischen Geräten.. Geht nochmal einen Rundgang, bevor ihr die Gasleitungen manipuliert. ", erklärte er, ließ sich nicht von dem Mann mit der Armbanduhr stören, welchem er jedoch seine ganze Aufmerksamkeit verleiht, hatte man ihm das Schmuckstück gezeigt. Es war seins, es war schon seit Jahren seins gewesen, bevor man ihm die Uhr mit der hohen Geldsumme stiehl. Er nahm die Uhr an sich und musterte diese ausgiebig, sie hatte Gebrauchsspuren und als er diese an die Nase hielt, kam ihm ein Duft entgegen, welchen er nur von seinem Freund kannte, er wollte schon immer diese Uhr haben.. Mit einem Schnauben schmiss er die Uhr achtlos zu den wertlosen Dingen, daraus würde er nicht mehr viel herausbekommen, er wollte es nicht mehr. " Fahrt mir den Wagen vor und ladet die ersten Sachen in den Kofferraum, wir fahren in 5 Minuten ab. " Das "Wir" hatte er deutlich auf sich und der Blondine bezogen, die von den Männern nur schon wieder verwirrt gemustert wurde, doch sie suchten noch nicht nach einer Erklärung, einige kannten die Dame schon von damaligen Plänen unter ihrem alten Chef. Einer der Männer nickte auch schon und machte sich aus der Hütte, um den Wagen zu holen. Die Männer begaben sich nach oben, so auch wie es für wenige Momente der Schwarzhaarige machte, bloß um mit einem bloßen Stick in der Hand von oben zu verschwinden. Er steckte es sich in die Hosentasche, bewegte sich danach nicht weiter vom Fleck neben der Gouverneurstochter, bis er die Scheinwerfer durch die offene Tür erblickte. Damit hatte er auch ihr wieder seine Blicke geschenkt, hielt ihr den Arm hin, um sie sogleich mitnehmen zu können. Offen sprach er bisher nicht mit ihr, das würde er im Auto tun, wenn sie aus der Hütte raus sind.
      Am Auto angekommen hatte man ihnen die Tür offen gehalten, der ersten Tür am Rücksitz hatte man jedoch den Manieren entsprechend der Blondine offen gehalten, da war Beomseok lieber zur anderen Tür gelaufen. Die offenen Türen gaben schon den Temperaturunterschied an, der Innenraum des Autos wurde schon genügend beheizt, schließlich hatten sie ein wenig zu fahren. Derjenige, der ihnen den Wagen vorfuhr, hatte es sich genauso zur Aufgabe gemacht den Wagen auch wieder nach Hause zu fahren, zumindest wenn dieser seine Zigarette zu Ende geraucht hat. Während sie für einen Moment die Zeit alleine hatten, er die Tür hinter sich schloss, musterte er Madeleine wieder. Es ließ sich nicht schon reden, dass sie ziemlich mitgenommen aussah, da konnte er nicht anders als nur laut ausatmen. " Hast du schon was zu Essen bekommen? ", fragte er, wollte nicht noch, dass sie ihm hier zusammenbrach, da würde sie ihm schließlich keine Informationen geben können. Deswegen war es wohl erst wichtig gewesen, sie ordentlich wieder zu versorgen und ihr Eis zu geben, schließlich waren die Teenie-Mädchen in den Filmen nach Eis doch auch wieder glücklich, nicht?
    • Madeleine

      Unsicherheit machte sich in ihr breit, nahm sie fast schon ein und ließ sie beinahe daran ersticken, denn Maddie war sich nicht sicher, was sie nun wirklich tun sollte. War das alles vielleicht ein Traum? Oder ein Witz? Würde der Mann die Waffe auf sie richten, wenn sie sich rühren würde? Er hätte es getan.. Aber Er lag auch in einer Blutlache auf dem Boden, da blickten die blauen Augen für einen Moment hin, um gleich auch wieder nach dem anderen Mann zu sehen, nach ihrem möglichen Retter. Er schien das Schloss auf dem Boden zu mustern, schien für einen Moment gar nicht zu ihr zu blicken, sich gar nicht um sie zu kümmern, ob er ihre Reaktion bloß sehen wollte? Vielleicht würde er gleich lachend das Tor zuknallen, nachdem die Blondine auf die Beine gekommen wäre, vielleicht würde er nach treten und ihr die Rippen komplett brechen, die sicherlich von dem letzten Tritt schon wieder angeknackst waren. Wie oft ihr doch schon was gebrochen wurde, wie oft sie ihr hier schon weh getan haben, um Informationen zu entlocken, oder ihr einfach zu zeigen, wie viel Macht man hatte. Seit dem ersten Tag, den sie hier gelandet war, fragte sich die Frau dabei immer und immer wieder, wie sie es verdient hatte, warum sie ausgerechnet hier war, aber die Antwort schien eigentlich auf der Hand zu liegen..
      Die braunen Augen hatten zu ihr gesehen, hatten sie gemustert, bevor sich eine der Augenbrauen hob. Maddie begriff, dass sie nicht das Richtige getan hatte, sie sollte aus diesem Gefängnis aus kommen, hatte sie ihn vielleicht falsch eingeschätzt? Der Mann erklärte ihr den Grund des Mantels in ihrer Hand, den Mantel hatte sie doch schon fast vergessen gehabt und blickte zu diesem runter, der sich in ihren Händen befand. Er roch gut, er fühlte sich warm unter ihren Fingern an und er sollte sie scheinbar wärmen. Wie sehr sie sich doch die letzten Wochen eine warme Decke gewünscht hatte, um nicht zu frieren, war das vielleicht der Wunsch, der in Erfüllung gehen sollte? Ein klein wenig unsicher und vor allem mit langsamen Bewegungen hatte sich die Blondine den Mantel um die Schultern gelegt, um langsam ihre Arme in die viel zu großen Ärmeln gleiten zu lassen. Die noch von dem Mann gespeicherte Wärme nahm sie ein, gab ihr plötzlich das, was ihr all die Zeit doch gefehlt hatte und das angenehme Parfüm war um sie herum zu riechen.
      Mit dem Mantel um ihren zarten Körper und der damit neu gewonnenen Wärme hatte Maddie nun auch die Kraft dazu sich langsam von der Matratze zu erheben, auf der sie in der Ecke gesessen hatte. Ihre Beine waren es nicht mehr wirklich gewohnt viel zu laufen, auch wenn sie die erste Zeit über in der kleinen Zelle versucht hatte sich zu bewegen, doch mit den ersten Schmerzen hatte sich die Frau auch immer weiter zurück gezogen und war irgendwann auch nur noch dann aufgestanden, wenn sie hoch gehen durfte. Doch so unsicher ihre Schritte da gewesen sind, so unsicher waren sie auch jetzt, während ihr der Mann die kleine Tür noch weiter auf hielt, damit diese nicht zufallen konnte. Ihr wurde die Hand gereicht, sie wurde gehalten, um ihre Schritte zu unterstützen und die Wärme, die aus dem Mantel heraus kam, wurde durch die Nähe des Mannes nur noch verstärkt. Es zog in der Brust, aber Maddie atmete mehrmals tief durch und zwang sich dazu nicht daran zu denken. Es dauerte einen Moment, aber dann erblickte sie die Freiheit, das Wohnzimmer, welches sie sonst immer nur flüchtig gesehen hatte. Es war hell draußen, es war Tag, es roch ganz anders, als im Keller. Viele verschiedene Eindrücke erreichten die Frau, die sich aber viel mehr auf das Laufen konzentrierte und versuchte, nicht immer wieder einzuknicken. Es war vergeblich, denn sie konnte es nicht verhindern das ein, oder andere Mal zu stolpern, beinahe zu fallen, doch dafür war der Mann an ihrer Seite, der sie noch immer nicht los ließ. Die Blondine wurde gemustert, sie wurde angesehen, ihr Blick glitt gleich sofort zu Boden, sie wollte sich nicht wie ein Schauobjekt fühlen, aber das tat sie doch wirklich..
      Madelaine war sehr dankbar dafür, dass sie sich setzen konnte, denn die Treppe und der Weg bis zu dem Stuhl hatte seine Kraft gefordert und vor allem einiges an Schmerzen an den Rippen und am Fuß. Es gab einiges, was die Männer mit ihr angestellt hatten, da brauchte man sich nicht zu fragen, oder zu wundern, was die Frau noch alles an schlecht verheilten Wunden hatte. Sie atmete im Stuhl durch, ließ ihre Schultern ein wenig fallen, denn der Mantel über diesen schien so schwer zu sein, als würde sie ihn nicht lange tragen können. Sie blickte sich nicht mehr um, solange die Blicke der anderen auf ihrem Körper zu spüren waren, erst, als die Stimme zu hören war, die ihr aus dem dunklen Keller geholfen hatte, wagte sie es zu den Sachen zu sehen, die im Wohnzimmer versammelt waren. Die Gegenstände kannte sie nicht, jedenfalls eine Menge davon, einiges hatte sie gesehen, aber war es wirklich wichtig? Es schien wichtig zu sein, denn die Männer sollten die wertvollen Sachen mitnehmen, war das hier vielleicht wirklich alles geplant gewesen? War ihre Rettung vielleicht wirklich geplant? Nein, diese Hoffnung hatte sie schon seit langem verloren, sie würde hier niemals rauskommen, aber nun schien es so anders auszusehen, war es vielleicht doch ein Traum? Es schien einer zu sein, denn es hieß, dass sie in fünf Minuten abfahren würden. Würde sie mitkommen dürfen? Oder musste sie mitkommen, um ein vielfach Schlimmeres zu erleben, als was ihr hier zugestoßen war? Maddie bekam Angst.. Sollte sie vielleicht versuchen zu fliehen? Aber sie war verletzt, sie hatte doch diesen Weg hier her schon kaum geschafft. Ihr Blick sank sich wieder, als die Männer zu ihr blickten, was war so interessant an ihr? So langsam kam sie sich vor wie ein Affe im Zoo, der von außerhalb betrachtet wurde, als würde es so selten sein einen zu sehen..
      Das Auto schien da zu sein, Scheinwerfer erhellten das ohnehin schon helle Zimmer, da wurde ihr ein Arm hin gehalten, zu dem die Blondine ein wenig überrascht hin blickte, bevor ihre Augen weiter nach oben sahen. Das erste Mal konnte sie den Mann richtig mustern, der ihr aus ihrem Käfig raus geholfen hatte. Er war asiatischer Herkunft, sah so aus, wie die Schauspieler in den Dramen, die ihre beste Freundin immer gern gesehen hatte.. Koreaner? Vielleicht, aber er hatte etwas hartes, fast schon kaltes an sich und seinem Gesichtsausdruck, auch wenn die Geste von ihm gleichzeitig so warm und barmherzig war. Maddie griff nach dem Arm, ließ sich auf die Beine und gleich zum Auto helfen, denn was sollte sie hier noch? Er war tot. Er wurde vor ihren Augen getötet und Er war nicht mehr in der Lage sie hier gefangen zu halten. Was die neue Zukunft für sie hieß? Das wusste die Frau nicht, aber wenn sie es nicht herausfand, wenn sie nicht in dieses Auto stieg, dann konnte sie auch nicht wissen, ob sie nicht je wieder nach Hause finden wird. Sie stieg ein, die Tür wurde ihr offen gehalten, lud sie ein in dieses warme Auto, denn die Wärme, die von Innen ausging umhüllte sie noch bevor sie sich wirklich rein gesetzt hatte. Das Leder war warm, es klebte nicht an ihrer Haut, der Wagen sah neu aus, er roch neu.. Maddie schluckte schwer, sie war sich nicht sicher, wo sie hier gelandet war, aber dann war wieder die Stimme zu hören.. Ob sie was zu Essen bekommen hatte? Kein Abendessen für dich! Verstanden?! -Nein, es gab schon länger nichts und es würde eigentlich auch nichts geben, aber Er war ja auch tot.. Sie schüttelte ihren Kopf, mit dem Gedanken ans Essen spürte sie auch gleich schon ihren Hunger, bevor sie unsicher zu dem Mann hoch blickte. Er musterte sie, warum tat er es schon wieder? Aber dieses Mal blickte Maddie nicht weg, stattdessen schüttelte sie ihren Kopf noch einmal, dieses Mal ein klein wenig entschlossener, um zu zeigen, dass sie wirklich nichts gegessen hatte, aber das war doch ihrem Körper schon sicherlich anzusehen, oder nicht? Da zog sie den Mantel ein wenig enger an ihren Körper, um diesen darin zu hüllen, bevor ihr Blick zu der Konsole vorne am Fahrerplatz blickte. Ihre Augen weiteten sich, mit dem Blick auf das Datum, welches neben der Uhrzeit auf dem elektronischen Display zu sehen war. Verdammt.. Sie war schon zwei Jahre von Zuhause weg...
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die dunklen Augen hatten nach möglichen Details an ihrem Körper gesehen, nach Dingen die ihm vielleicht genug offenbaren konnte, wie man mit der Blondine neben sich umging, doch der schwarze, lange Mantel hatte vermutlich den Hauptteil jener Geschichte verdeckt, als das er an diese so schnell rankommen könnte. Sie würde mehrere Male in seinem Mantel reinpassen, so suchte er nur noch nach ihren Handgelenken, die einen ersten Eindruck über ihr Gewicht erzählen konnten, doch diese waren ihm aus seiner Perspektive nicht zu erkennen. Es waren mittlerweile zwei ganze Jahre gewesen, in denen man sie hier gefangen hielt, zwei Jahre waren es, in denen sich die beiden nicht wieder vertrugen und ihre Macht gegeneinander ausspielten. Beide strotzten nur vor Stolz und Ehre, die sie nicht ablegen würden, vor allem doch nicht vor dem neuen Gegner. Sein alter Freund war schon immer ein Fan von härteren Methoden gewesen, das zu kriegen was er gerade begehrte, da war eine Entschuldigung nicht zu erwarten gewesen und genauso wenig eine sanftere Herangehensweise an der Gouverneurstochter, die nun ein Problem für den Schwarzhaarigen werden würde. Ganz wusste er nicht über die Pläne ihres Entführers bescheid, er hörte diesen nach der zweiten Erklärung gar nicht erst zu, weil es endlose Zeitverschwendung für ihn war. Doch es schien wichtig gewesen zu sein, denn die Anzahl der Toten waren dieselben Ziffern gewesen, wie er die damaligen Verräter zählte, die damals an den Verschwörungstheorien seines Freundes interessiert waren. Der Schwarzhaarige war deutlich länger in diesem Geschäft gewesen als sein Freund, doch von seinen Erfahrungen ließ sich dieser nicht überzeugen, er war durchgedreht, wollte das Unmögliche mit seinen eigenen Händen möglich machen. Geklappt hat es jedoch nicht, dafür reichten nur wenige Schüsse, doch dafür konnte er zwei ganze Jahre lang darüber bestimmen, wie viel die junge Frau zu essen bekam, die auf seine Frage hin nur den Kopf schüttelte.
      Sie hatte bisher nichts gegessen, da war die Zeitspanne vom Nicht-Essen genauso fragwürdig gewesen, denn dem Mann war einiges zuzutrauen. Es war ja schon ein Wunder, dass dieser solange überhaupt aushielt sie nicht umzubringen, doch dieses kleine Wunder behielt Beomseok lieber für sich, er hatte sie nun nicht noch weiter zu verunsichern, wenn diese doch schon genug erlebt hatte. Dabei fuhr dieser nicht mal nur auf die Schiene des Mitleids, ihm war nur bewusst wie schwer es ist, plötzlich der Unschuld genommen zu werden, in andere Geschäfte gewickelt zu werden, deren Existenz zuvor einem gar nicht erst klar war. Er hielt immer Abstand von solchen Geschichten, unter seiner Führung gehörte niemand Unerfahrenes dazu, es würde nur von seiner eigenen Naivität zeugen jemanden zu sich zu holen, der die Gefahren in seinen Geschäften nicht fand. Madeleine konnte jedoch nicht so schnell wieder aus seiner Branche hinausgezogen werden, deswegen kümmerte er sich mit dem nächsten Augenaufschlag darum, warmes Essen zu Hause zu bekommen. Das Handy wurde jedoch auch gar nicht erst wieder aus den Händen genommen, er würde nicht einfach tatenlos im Auto sitzen können. So fragte er bei seinen Männern nach Neuigkeiten, sagte auch gleich seine heutigen Termine ab und schickte jemanden dazu, dem neuen Besuch ein bestimmtes Zimmer freizuräumen. Mit einem kurzen Blick aus dem Fenster überlegte er selbst, was er so schnell noch erledigen konnte, doch weiteres fiel ihm nicht ein. Die vorbeiziehenden Bäume konnten schon die hohe Geschwindigkeit wiedergeben, die große Waldlandschaft kam ihnen zum Vorteil, damit wären sie nur umso schneller wieder zu Hause, solange sie noch vorsichtig genug auf den nassen Straßen waren. Er schaltete seufzend das leuchtende Display ab, lehnte sich vor um möglicherweise vorne erkennen zu können, wie lange sie wohl noch brauchten. Ihr Fahrer blickte jedoch auch schon nach hinten, sah sich auch flüchtig die Dame wieder an, bevor er zu seinem Chef blickte. " Wir brauchen noch eine halbe Stunde. " Beomseok nickte, lehnte sich danach nach hinten, um für einen Moment die Augen zu schließen. " Zu Hause steht schon was zu essen, mit neuer Kleidung müssen wir improvisieren. ", sprach er in den beheizten Raum, hatte damit defintiv nur die Blondine angesprochen, denn der Fahrer sah auch schon wieder ab, nachdem er seine Worte verstand. Da hatte sich der Fahrer lieber auf das Lenkrad und auf die Straße vor sich konzentriert, wenn auch er für wenige Sekunden von der Gaspedale trat, weil er die Wegweiser zu lesen hatte.

      Es war eine lange halbe Stunde gewesen, die sie dort noch im Auto zu verbringen hatten, doch die Wärme hatte die Wartezeit und die Sehnsucht auf das eigene Heim wieder deutlich angenehmer gemacht. Der fehlende Mantel machte sich nicht bemerkbar, die Heizung tat schon seinen eigenen Teil um den männlichen Körper aufzuwärmen, bis sie am Haus ankamen. Die Wärme des Hauses war für ihn eine ganz besondere gewesen, in der er sich deutlich besser entspannen konnte, wenn jedoch nicht sofort. Darauf hatte er zu warten, bis er in sein eigenes Zimmer konnte und sich dort ausruht, zumal er sich gerade noch um seinen Besuch zu kümmern hatte, welcher er einen Pizzakarton zuschob, hatten sie sich endlich in der Küche befunden. Die Glastür zur Küche wurde geschlossen, stören wollte er sich nicht von den anderen, solange sie sich nur innerhalb dieses Zimmers befanden. Sie würden schon bald hoch gehen, er würde ihr Kleidung zusammensuchen, davon hatte er schon zu viele. Seinen Pizzakarton ließ er erst zu, hatte ihr jedoch mit der Hand bereits gezeigt, sie könnte bereits anfangen. Er reichte ihr noch ein Glas mit Wasser, wie er es auch mit sich selbst tat. Nach dem ganzen Stress wollte er sich erst mit einem Schluck Wasser belohnen, zu schnell begann sein Kopf zu rauchen, weil seine Gedanken keinen Platz zum Aussprechen dieser hatten. Beomseok fiel es schwer, Madelaine nicht zu beobachten, dafür war sie ihm noch ein zu großes Rätsel und das Fragezeichen in ihm darüber zu groß, was er denn nur mit ihr anfangen wollte, wie er es mit ihr zu lösen hatte, ohne sich selbst zu gefährden. Es gab so einige Lösungen, doch er konnte ihre Konsequenzen nicht abwägen, er müsste sich deswegen noch so einige Male den Kopf zerbrechen. Seine Hand fuhr ihm über den Hals, wollte den schwarzen Halskragen ein wenig hinunterziehen, sein Wärmeempfinden wandelte zu viel. Die andere Hand stellte langsam wieder das Glas ab, hatte er von diesem genug gehabt, um die Blondine anzusprechen, das hatte er vermutlich bisher noch zu wenig gehabt. " Weißt du was er von dir wollte, Madelaine? ", fragte er bloß, ohne seine eigenen Beweggründe für diese Frage offen kundzugeben. Das würde sie wohl noch früh genug wissen, hatte sie ihn nur zu fragen, wenn auch das vermutlich ein wenig Mut bräuchte. Seine Mimik erzählte ihr immer noch zu wenig, sein Gesicht schien fast wie Porzellan, selbst die Mundwinkel bewegten sich nicht oft, solange man ihnen keinen Grund dazu gab. Er gab keinem die Möglichkeit ihn zu lesen, solange er dies nicht erlaubte und genau das tat er selten, es blieb seine Ausrede, seine Makel nicht selbst wahrzunehmen, diesen nicht auf den Grund zugehen. Er nahm sich lieber die Zeit, ihr auf den Grund zu gehen und seinem alten Freund, selbst nach Jahren konnte er sich noch nicht von diesem lösen, wenn er auch wollte. " Ich zeige dir gleich dein Zimmer, wenn du es wünscht, kannst du auch baden gehen. " Zum Duschen stufte er sie bisher noch zu schwach ein, doch wer wüsste bloß, wie viel Kraft in ihrer zierlichen Statur sein konnte. Ihrer Vorgeschichte nach wohl sicherlich nicht viel, doch wollte sie überheblich sein, sollte sie dies nur gerne tun, er nahm nicht gerne die fürsorgliche Rolle ein, er war nicht gut in dieser Rolle, wie er fand,
    • Madeleine

      Ein wenig fühlte sich die Frau wie ein kleines Mädchen, welches aus den Fängen einer bösen Gestalt gerettet wurde, mit dem Unterschied, dass man ihr hier jetzt glaubte, dem kleinen Mädchen vermutlich nicht so wirklich. Sie fühlte sich wie ein Objekt, welches ausgestellt und von allen betrachtet wurde, wie ein kleines Wunder, mit welchem man nicht gerechnet hatte, dabei sollte sie sich doch zu gut fühlen, während die Bäume an ihr vorbei zogen und sie sich immer weiter von dieser grausamen Hütte entfernte. Aus dem Augenwinkel heraus versuchte sich Maddie während der Fahrt ein besseres Bild über den Mann zu machen, der ihr scheinbar das Leben gerettet hatte, es gelang ihr ihn ein wenig zu mustern, während er auf sein Handy blickte, wie lange sie doch so eines nicht mehr in der Hand gehabt hatte.. Damals wollte sie es doch kaum weg legen, wollte mit allen ständig schreiben und wissen, was in der Welt passiert, wollte die meisten Likes auf Instagram kriegen und über verschiedene andere Plattformen Fotos und Videos von den Partys schicken, von denen ihre Eltern nie etwas gewusst hatten. Es war merkwürdig, wie wichtig ihr dieses Ding damals erschienen ist, jetzt war es nur noch unwichtig, es interessierte sie nicht mehr und eines konnte Maddie definitiv sagen: Sie hatte sich verändert. Vielleicht nicht ganz zum Guten, denn sie war stiller geworden, als hätte sie eine bestimme Anzahl an Worten, die ihr zur Verfügung standen, sie ist ruhiger geworden, was vielleicht nicht ganz negativ war, aber sie hatte vor allem sich selbst aufgegeben und das, das war mit Sicherheit das Schlimmste von allem. Es war nicht gut die Hoffnung zu verlieren, den Glauben zu verlieren, aber sich selbst aufzugeben war damals schon mit das Schlimmste für sie und es ist leider eingetroffen, genauso wie alle anderen Dinge, vor denen sie sich irgendwann mal gesorgt hatte, jedenfalls irgendwo tief in ihrem Inneren.
      Mit Sicherheit hatte der Mann gemerkt, dass sie ihn gemustert hatte, dass sie seine Züge im Gesicht beobachtete, aber solange er auf sein Handy blickte fand es die Blondine nicht unangenehm, hatte auch erst weg gesehen, als er das Handy weg legen wollte, da konzentrierten sich ihre Augen lieber auf den Weg draußen, auf die vorbeiziehenden Bäume, die Straßen und die anderen Dinge, die sie doch so lange nicht mehr gesehen hatte. Zwei Jahre waren eine verdammt lange Zeit, es waren zwei Weihnachtsfeste, die sie nicht mit ihren Eltern gefeiert hatte, zwei Geburtstage ihre Mutter, an denen Maddie sie nicht mit einem von Herzen kommenden Geschenk überraschen konnte, es waren auch zwei Feiern ihres Vaters, die jedes Jahr geschmissen wurden, um die Geburtstage der Jungs der Familie zu feiern, die wirklich nah beieinander lagen. Oh, diese Feste mochte die Blondine sehr, da kam die ganze Familie zusammen, es wurde gelacht, gefeiert und gestritten, aber trotz dessen sah man sich einfach nur zusammen wieder. Ob ihre Eltern ohne sie Thanksgiving gefeiert hatten? Welche Farbe der Baumschmuck zu Weihnachten hatte? Wie roch es wohl in der Küche, als ihre Mutter wieder den ganzen Tag zu Weihnachten in der Küche gestanden hatte? Hatte sie wieder Ente gemacht? Tränen stiegen der jungen Frau in die Augen, sie hatte doch schon so lange nicht mehr geweint, aber sie konnte diese zurück halten, konnte sie weg zwinkern und sich nichts anmerken lassen, bevor mit ihr gesprochen wurde. Eine halbe Stunde, in Ordnung, es würde etwas zu Essen gegen, hervorragend! Die Kleidung, ja gut, sie war sowieso nicht wirklich viel gewohnt.

      Als sie am Haus ankamen musste Maddie die Wärme des Wagens verlassen und sich in die große weite Welt bewegen, welche sie als so kalt empfand. Der Mantel hielt sie warm, während der Fahrt hatte sie sich diesen eng um ihren Körper gehüllt, um sich daran zu erinnern, wie es sich wohl anfühlte umarmt zu werden. Sie ließ den Gedanken sein, als sie aussteigen musste, ihre nackten Füße berührten den kalten Boden, es schien alles so kalt zu sein, als hätte die ganze Welt ihre Wärme verloren. Langsam und vor allem mühsam hatte die Frau aber das Haus betreten, war dem Mann gefolgt, der sie aus dem Gefängnis im Keller befreit hatte, um festzustellen, dass das Haus eine gewisse Wärme ausstrahlte. Es fühlte sich gut auf ihrer Haut an, auch wenn ein Teil der Wärme noch von dem Mantel aus ging, viel wichtiger schien aber der bekannte Geruch zu sein, der sich auf dem Weg in die Küche immer weiter ausbreitete. Woher kannte Maddie ihn? Sie kam darauf gleichzeitig mit dem Zuschieben des Kartons zu ihr, es war ganz simpel und einfach: Pizza. Wie lange sie diese schon nicht mehr gerochen hatte?Ewigkeiten!Und gegessen? Noch viel länger! Ihr Magen meldete sich, der Hunger war plötzlich so schmerzhaft, es zog schon fast in die Rippen, aber dennoch war ein Lächeln auf den zarten Lippen zu sehen, als die dünnen Hände den Karton öffneten und die blauen Augen die Pizza erblickten. In diesen leeren Augen fand sich wieder ein klein wenig Leben, es fand sich Hoffnung wieder und das alles nur mit dem Anblick einer simplen Pizza. Doch so sehr sich die Frau darüber freute, so schnell kam auch die Unsicherheit wieder in ihr hoch und ihre Augen blickten sofort zu dem Mann, der ihr ein Glas Wasser hin stellte. Auch wenn sie sich dessen bewusst war, dass das Essen für sie war war sich Maddie gleichzeitig so unsicher, ob sie es essen durfte. Ihr Magen schmerzte, aber dieses Mal von der Vorstellung, wie es das letzte Mal in der Hütte geendet hatte. Der Mann deutete darauf, dass sie schon essen konnte, da setzte sie sich langsam, blickte noch einmal in den Karton hinein, ehe die Hände von selbst eines der Stücke raus nahmen. Der Käse zog sich, es war heiß und plötzlich war es ihr nach weinen zumute. Noch vor einer Stunde hatte sie es nicht gewagt jemals wieder von einer Pizza zu träumen und nun biss sie einfach dort hinein. Ob es ein Traum war? Nein, dafür schmeckte sie viel zu gut und dieser Geschmack war überall im Mund zu spüren. Die Blondine seufzte zufrieden, schloss ihre Augen für einen Moment und genoss es einfach, dass sie was warmes zu essen bekam. Sie war so dankbar, so scheiße dankbar, dass ihr dieses Fluchwort wieder durch den Kopf ging. Ein Leben.. Es bestand eine Hoffnung auf ein Leben!
      Maddie öffnete ihre Augen wieder, als der Mann mit ihr sprach. Er fragte sie danach, ob sie wisse, was Er von ihr wollte. Sie war dem Asiaten so unendlich dankbar, dass er den Namen nicht aussprach, denn es gab für Ihn keinen Namen. Er nannte sie Madeleine, das hatte bisher nur ihr Vater gemacht, oder ihre Mutter, wenn sie mal sauer auf die Blondine war, alle anderen nannten sie immer Maddie, selbst ihre Großeltern. Aber ob sie wisse, was man von ihr wollte? Ja, gewiss.. Es gab nur zweierlei, was man von ihr wollte, entweder das Geld ihres Vaters, oder das und noch seinen Rückzug im Senat.. Vielleicht auch noch einige Informationen, die sie nicht geben konnte, denn sie hatte sich bisher nie mit der Arbeit ihres Vaters wirklich auseinander gesetzt, Maddie wollte mit Politik nichts zu tun haben.
      Sie schluckte schwer und legte das Stück wieder zurück, um nach dem Glas Wasser zu greifen. Ihre Lippen fühlten sich plötzlich so trocken an, ihre Kehle genauso.. Die Worte blieben ihr im Hals stecken, sie wollte nicht reden, sie konnte nicht reden, er hatte ihr doch ihre Stimme genommen. Die blauen Augen sahen nach dem Wasser im Glas, bevor sich ihre Schultern bewegten, um damit anzudeuten, dass sie keine Ahnung hatte, aber das stimmte nicht und ihr Seufzen verriet es vermutlich. Madeleine blickte hoch, musterte den Mann vor sich, der wie eingefroren zu sein schien, bevor sie nickte und ihm damit eine endgültige Antwort auf die Frage gab. Letztendlich sprach sie kein Wort, nahm aber ein Schluck Wasser, bevor ihre Hände nach dem Stück Pizza griffen, um es weiter zu essen. Der Hunger in ihr schien unendlich zu sein, aber die Pizza tat ihr gut. Sie sollte gleich noch ein Zimmer bekommen, konnte sie also wirklich nicht zurück? Nie wieder? Ein Bad, da blickte die Frau gleich wieder hoch. Wie sollte sie je wieder aus der Badewanne kommen? Mit ihrer eigenen Kraft ganz sicher nicht so einfach, aber dennoch nickte sie zögerlich, bevor sich ihre Mundwinkel kurz bewegten. Wo war sie hier überhaupt? Was war das hier? Aber kaum öffnete sie den Mund, schienen die Worte auch wieder verloren zu sein, wäre es wirklich so schlimm, wenn sie einfach nie wieder was sagen würde?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es war die bloße Hirnrissigkeit eines einzelnen Mannes zu denken, einzig und allein eine Person blonden Schopfes würde ihm den Ruhm und das Reichtum schenken, hatte er dessen Geheimnisse ausgeschöpft und den Körper letztendlich entsorgt, um seine elendige Versuche zu vertuschen, mit der wenigsten Mühe an seine Informationen zu kommen. Es ging schnell nicht mehr darum, sich etwas durch eine Leistung und durch große Arbeit zu verdienen, hatte die bereits erreichte Macht den Sauerstoffzugang zum Gehirn verstopft, sich dort wie ein Parasit eingenistet, um sich und seinen Gift nur weiter auf der Erde zu verbreiten. Die Entführung der Gouverneurstochter hatte ein neugieriges, erschaudertes Publikum mit Angst und Schrecken angezogen, sie hatten allesamt dem dunklen Geheimnis gefolgt und wollten wie die Polizei das Ende des Falls wissen, die bereits ihr Fleisch und Blut rund um das Mysterium Madelaine Rose Clarksen opferten. Die Jahre hatte man die Akten aufbehalten, wollte diese keinesfalls wegschmeißen und wertvolle Details verschwenden, die der Gouverneur teuer bezahlte. Der Fall wurde künstlich aufrecht erhalten, unzählige Zeugenberichte hatten die Polizei auf eine falsche Fährte gelockt, während der Asiate in seinem Büro interessiert den Verlauf betrachtete, bloß darauf wartete, dass man die Entführung zu einem Cold Case machte. Er kannte seinen alten Freunde, er kannte seine Macken so gut wie kein anderer und doch war er umso überraschter, zu was dieser doch letztendlich fähig war. Da war die Überschätzung vorprogrammiert gewesen, er würde das Mädchen bereits vor einer großen Weile umgebracht haben, es nicht ausgehalten haben, keinerlei neue Daten zu bekommen, Beomseok recht geben zu müssen.
      So hirnrissig die Aktion von seinem alten Freund war, so hirnrissiger vermochte es von ihm selbst zu sein, sofort von der jungen Dame eine Antwort zu bekommen, ob sie selbst Näheres wisse. Sie verneinte es schließlich, deutete zumindest ihre fehlende Ahnung an, die ihm auffällig zu lange brauchte. Ob sie Angst vor ihm hatte, egal in welche Richtung ihre Antwort gehen würde? Er trank einen Schluck Wasser mit der Hoffnung, es würde seine Stimme ein wenig sänftigen, nicht ganz so schroff wie alles andere an ihm wirken, doch dafür bräuchte es vermutlich deutlich mehr als nur Wasser, es gab zu viele Einflüsse. Es ertönte ein Seufzen ihrerseits, weswegen er das eigene Glas bloß an seine Lippen ansetzte, nicht weiter daraus trank. Er wollte seine Sicht auf sie behalten, solange sie ihm über ihre damalige Zeit erzählen würde, zumindest über die Gründe für ihren Aufenthalt bei dem Unbekannten. Es bildete sich eine Spannung in ihm auf, etwas in ihm bebte als würde er schon zu nahe an sein Ziel kommen, doch die Spannung löste sich mit dem nächsten Moment wieder. Er bekam nicht direkt, was er brauchte, zumindest nicht in dem Ausmaß wie er es wollte, denn sie nickte nach seiner Frage nur entschieden. Madelaine hatte ihre Antwort überdenkt, wenn sie auch nicht gänzlich mit der Sprache rauskommen wollte. Drum blickten die braunen Augen nur auf ihre Lippen, während seine Hand langsam das Glas wieder abstellte und an den weiteren Verlauf nachdachte. Sie sah geschwächt aus, da war es vermutlich das Beste ihr direkt ihr neues, vorzeitiges Zimmer zu zeigen und ihr einen Bad anzubieten, um ihr den ersten Schock nehmen zu können, sie nicht zu sehr mit seinem Wesen zu beeinflussen, bevor ihre ersten Eindrücke verfestigt waren. Seine Hand glitt zum verschlossenen Pizzakarton, hatte diesen einhändig geöffnet, während er weiterhin die Lippen der Blondine musterte, die sich zu bewegen schienen, wenigstens die Anstalt dazu machten. Es geschah jedoch nichts, da begann er lieber zu essen, versuchte selbst ein wenig Energie zu tanken, wie lang sein Tag noch werden würde war noch in den Sternen geschrieben. Solange hatte er jedoch zumindest ein wenig die Pizza aufessen können, hatte auch der Gouverneurstochter ihre Zeit zum Kräftetanken gegeben, wenn er ihr wohl auch gleich ihre Schlafmöglichkeit zeigte und sie diese auch gleich nutzen konnte. Bringen würde es nichts, sie weiterhin wachzuhalten und etwas aus ihr herauszuquetschen, wenn sie sich noch nicht bereit genug dazu zeigte. Zumal es so aussah, als hätte man ihr nicht nur die Freiheit entzogen, dafür nutzte sie ihre Stimme bisher zu wenig, doch Beomseok neigte auch gerne dazu etwas zu überanalysieren, da wartete er noch auf die richtigen Anzeichen.

      Letztendlich hatten sich beide jedoch satt essen können, so hoffte es doch der Schwarzhaarige, der die beiden Pizzakartons in die nächste Ecke packte, um die benutzte Fläche freizuhaben. Die Gläser packte er an das Waschbecken, ehe er wieder an sie herantrat, ihr seinen Arm anbot, um mit ihr das bereits Besagte zu erfüllen. Sie hatten einige Treppenstufen zu laufen, wenigstens war es nur das zweite Geschoss gewesen, welches er ihr auswählte. Er hätte sie in seiner Nähe, in seinem Büro würde er erkennen können, wann sie sich hinunter begab und wie lange ihre Rückkehr dauern würde. Es waren weniger Männer zu durchlaufen, die sie vielleicht weniger einschüchtern könnten, jederzeit war ihr jedoch auch ein anderes Zimmer auszusuchen, hatten sie anderes für sie organisiert. Bevor es überhaupt zu einem Zimmerwechsel kommen würde, hatte er sie von der Küche hinausgeführt und ihr den Weg hinauf gezeigt. Sie sind an so einigen Räumen vorbei gelaufen, allesamt hatten sie deutlich mehr dunklere Elemente als helle, hatten ihn denn die Architekten nicht an den Haaren gezogen und ihn zu etwas anderem überredet, nicht jeder hatte seinen Stil befürwortet, doch es war ihm relativ. Da hatte er schon gerne mit den Männern darüber gewitzelt, was er nicht sonst noch alles schwärzen würde, um es an ihn und seinem Geschmack anzupassen, es waren zu viele Dinge. Längere Pausen hatten sie jedoch nicht eingelegt, zumindest nicht um sich hier überall umzusehen, mehr ginge es da um ihr die Entspannung zu geben, überhaupt weiterzulaufen. Beomseok ließ sie ihr Tempo entschieden, lief nur als Stütze mit, zumindest bis sie an den Treppen ankamen. Da riss ihm wohl ein wenig der Geduldsfaden, wenn es nicht einfach der eigene Willen war, der definitiv nicht lange auf diesen Treppen verweilen wollte. Wirklich lange dachte er jedoch auch nicht nach, wenn er nicht schon mit seinem lauten Seufzen seine Entscheidung traf. In Sekundenschnelle hatte er die Arme um sie gegriffen, hatte schließlich bereits eines an sich, mit welchem sie sich bei ihm wenn nötig Hilfe suchte. Der Koreaner hob sie hoch, ehe er selbstständig mit ihr die beleuchteten Treppenstufen hinauflief, um kurzen Prozess zu machen. Es war für ihn nichts gewesen, was sonderlich an Kommentaren brauchte oder vorzuwarnen war, dafür fehlte es ihm wohl auch an den richtigen Manieren unter anderen Menschen. Waren die Treppenstufen jedoch bereits überschritten und sie befanden sich wieder auf festem Boden, blickte er sich nochmal nachdenklich um, dachte nach, ob er sie die letzten Meter wieder laufen lassen sollte. Doch er entschied sich um, lief die Schritte alleine und vermerkte sich ihr leichtes Gewicht zumindest als Aufwärmung für den möglich späteren Sport, sollte er zu diesem nochmal kommen. Er lief jedoch deutlich langsamer als auf den Treppenstufen, deutete auf das gläserne Büro, welches bereits auf den Treppenstufen gut zu sehen war. " Merk dir das Büro. ", hatte er bloß erwähnt, erklärte ihr es noch genügend, wenn sie in ihrem Zimmer angekommen waren. Beomseok hatte sie auf dem Bett niedergesetzt, hatte sich damit wieder genügend Abstand zu ihr eingeholt, sie sollte sich nun auch nicht weiter über seine Absichten sorgen, so war es schließlich nur ein verkürzter Transportweg, um Schwung in die Sache zu bringen. Wiedermals seufzte er, sah er sich nochmal hier umher, ob man das Zimmer wenigstens genügend entstaubt hatte, sich überhaupt darum kümmerte. Die ersten Schritte liefen seine Füße zu einen der Möbelstücke, glitt mit dem Finger über dieses, es wurde neustens sauber gemacht. Mit dieser Sicherstellung konnte er sich wieder zu ihr umdrehen und ihr endlich erzählen, was es mit dem Büro auf sich hatte. " Solltest du etwas brauchen oder sollte irgendwas sein, geh jederzeit zum Büro zurück, du wirst mich die meiste Zeit dort finden oder im Zimmer, zu welchem die Tür im Büro führt. ", erklärte er ihr, suchte in ihrer Mimik danach, ob sie ihm folgen konnte. " Die anderen werden dir sonst auch helfen. ", fügte er noch hinzu, wenn er auch nicht erklärte, wer denn alles die anderen sind. Doch das hatte Zeit, man konnte es später alles nacheinander erklären und darüber erzählen, wie das alles so hinauslief, dass man sie von dort rettete. Jetzt war jedoch nicht der richtige Moment, der Schwarzhaarige fühlte sich da nicht in der richtigen Stimmung, auch wenn er sich in diese hineinversetzte, sollte sie jetzt schon Antworten brauchen. " Das Bad ist direkt nebenan, also würdest du lieber baden gehen, oder willst du dich ausruhen? "
    • Madeleine

      Es wurde nicht mehr darauf eingegangen, dass sie sich dessen sicher war, was Er von ihr gewollt hatte, aber Maddie war sich selbst auch nicht so ganz sicher, warum sie ausgerechnet die Wahrheit sagen wollte, vielleicht hatte sie die Hoffnung, sie könnte dadurch schneller nach Hause? Durfte sie denn überhaupt jemals wieder nach Hause? Ihre Eltern waren sehr schwierig, vor allem die Tatsache, dass ihr Vater seit einigen Jahren schon seinen Posten hatte vereinfachte das Leben der Blondine nicht, ganz im Gegenteil, sie musste sich mit Sachen rumschlagen, mit denen sich andere in ihrem Alter nicht beschäftigen mussten, aber erfolgreich konnte sie sich immer davor drücken nicht in die Angelegenheiten ihres Vaters eingemischt zu werden. Sie wollte nicht in die Politik gehen, das interessierte die Frau nur gering, sie interessierte sich für ganz andere Sachen, oft genug hatte sie das auch ihrem Vater deutlich gemacht, er hatte deshalb irgendwann abgelassen und sie vor allem damit in Ruhe gelassen, dennoch... Die ganzen Parties und Feiern musste sie mit besuchen, denn was wäre der Gouverneur, wenn seine beiden Frauen aus seinem Leben ihn nicht begleiten würden, um gut neben ihm auszusehen? Wie oft sich Maddie dafür in Schale werfen musste, wie oft sie Kleider tragen musste, die wirklich nicht angenehm waren, in denen sie eigentlich durchgängig ihren Bauch einziehen musste, um keine einzige Falte zu zeigen. Sie hasste diese Parties, musste sich dabei mit Menschen unterhalten, die sie nicht im geringsten interessierten und das Kennenlernen potentieller Heiratskandidaten war sowieso das Schlimmste daran, denn sie sollte am besten jemanden heiraten, der ihrem Vater auch was bringen könnte, der seine Firma leiten könnte, seine Fonds weiterhin unterstützen wird, aber trotz der Tatsache, dass ihr Vater ihr ein Leben aufzwingen wollte, welches überhaupt nicht nach ihren eigenen Vorstellungen war vermisste die Blondine den Mann sehr, genauso sehr, wie ihre Mutter. Wir gern sie sich doch in den Arm nehmen lassen würde, um all diese Anspannung der letzten Jahre los lassen zu können.. Sie würde gerne das Parfüm ihrer Mutter riechen können, von ihrem Vater gesagt bekommen, dass sie mehr für die Kameras lächeln sollte, seinen dämlichen Geschichten zuhören, die sie schon inn und auswendig kannte, aber das alles lernte man erst zu schätzen, wenn es zu spät war. Ob ihre Eltern überhaupt noch dachten, sie würde leben? Oder haben sie sich mit ihrem möglichen Tod schon abgefunden? Um ehrlich zu sein wusste Maddie selbst nicht, ob sie bis hier hin überhaupt noch leben würde, sie hatte nicht damit gerechnet gerettet zu werden, auch wenn sie noch nicht sicher war, ob es alles eine Rettung war..
      Es wurde nicht weiter darauf eingegangen, was sie denn wusste und was sie nicht wusste, vielleicht wusste der Asiate ihr gegenüber, dass sie nichts sagen wird? Ihr war es einfach nicht danach zu sprechen, der Kloß in ihrem Hals war so riesig.. Sie hatte doch schon so lange nicht mehr gesprochen, da würde es nichts ausmachen, wenn sie es weiterhin nicht tun würde, stattdessen widmete sich Maddie dem Essen zu, denn ihr Hunger schien riesig zu sein. Es war auch erstaunlich, dass ihr kleiner Magen beinahe die ganze Pizza rein bekam, aber darüber machte sie sich keine Gedanken, hatte stattdessen einfach gegessen und aus dem Fenster gesehen, um vielleicht für einen Moment den Mann und die Tatsache auszublenden, dass er sie ständig ansah. Ob er Antworten suchte? Oder vielleicht erwartete? Dessen war sie sich nicht wirklich sicher, aber sie war sich dessen ganz klar sicher, dass sie das Essen gebraucht hatte. Zufrieden hatte sich die Frau zurück gelehnt und das Wasser im Glas langsam geleert, bis auch der Asiate fertig war und den Platz auf dem Tisch auch wieder sauber machte. Wie lange es her war, dass Madeleine das letzte Mal in einer Küche, ganz normal am Tisch gegessen hatte? Sie erinnerte sich nicht mehr daran, aber das musste sie auch nicht, denn vielleicht.. würde sie es jetzt wieder öfter können, jedenfalls war da die kleine Hoffnung an ihrer Seite, dass es besser werden wird, als die Zeit eingesperrt im Keller.

      Sie sollte mitkommen, wortlos wurde ihr der Arm angeboten, um ihr auf die Beine zu helfen, das Angebot nutzte Maddie auch, um langsam wieder aufzustehen. Der stechende Schmerz in der Brust an ihren Rippen ließ sie kurz Halt machen, bevor sie ihre freie Hand zu einer Faust ballte, um über den Schmerz drüber zu stehen. Die Beine waren noch immer ziemlich unsicher, aber es war in Ordnung, denn auch wenn dieser Mann ihr noch immer fremd war, sie hielt sich an ihm fest, um in dem schnellsten Tempo, welches ihr möglich war, mitzukommen und die Räume zu sehen, die ihr gezeigt wurden. Es hatte alles mehr einen düsteren Stil, jedenfalls wurde es ziemlich dunkel gehalten, aber es war gar nicht mal so schlecht, jedenfalls im Vergleich dazu, was die Blondine die letzten beiden Jahre über gesehen hatte. Die kahlen Mauerwerkwände waren nichts im Vergleich zu dieser.. Villa hier. Und auch nichts im Vergleich zu dieser ewig langen Treppe, jedenfalls kam es Maddie so vor, während sie die Stufen nach oben blickte. Sie war sich dessen sicher, dass das jetzt definitiv eine Herausforderung sein wird, wollte sich deshalb gleich schon den Mantel auf ihren Schultern weiter über die Schultern runter ziehen, um die Stufen anzugehen, da entschied sich der Asiate an ihrer Seite ganz anders, denn ehe sie da überhaupt etwas realisieren konnte hatte er sie schon gehoben und die Treppe nach oben getragen. Überrascht hatte sie dabei nach seinem Oberteil an der Brust gegriffen, denn damit hatte die Blondine nicht gerechnet, bevor sie für einen Moment die Luft anhielt, um das Ziehen in ihrem Brustkorb wieder ignorieren zu können, oh mit den Rippen wird sie sich definitiv länger herum schlagen müssen!
      Erst seine Stimme ließen sie wieder inne halten und sich darauf konzentrieren, was sie hier eigentlich zu Gesicht bekam. Ein gläsernes Büro sollte sie sich merken, kurz blickten ihre Augen drauf, dann waren sie eigentlich auch schon in einem Zimmer angekommen in welchem sie auf dem Bett wieder los gelassen wurde. Es fühlte sich so viel weicher, als die Matratze auf dem Boden des Kellers an, es war ganz angenehm und nachdem Maddie auch mit der Hand über die Bettwäsche fuhr war sie sich sicher, dass sie diese Nacht deutlich besser schlafen wird, als es die letzten Nächte waren. Wenigstens warm wird es sein.. Ihre Augen blickten aber auf, blickten nach dem Mann, der sich umsah, der gleich kontrollierte, ob es sauber war? Es würde der Frau sowas von egal sein, ob das Zimmer hier entstaubt wurde, oder nicht, sie war schon für das dankbar, was sie hier hatte. Der Asiate drehte sich um, die blauen Augen ließen ihn nicht los, musterten ihn gleich noch einmal in diesem anderen Licht und der Tatsache, dass er sie bis hier her getragen hatte. Er erklärte aber gleich auch das Büro, sprach davon, dass er dort zu finden sein wird und sein Zimmer gleich dahinter war. Maddie nickte, als scheinbar eine Antwort von ihr erwartet wurde, auch wenn sie sich sicher war das Zimmer hier nie wieder zu verlassen, sie traute keinem von ihnen, niemanden! Und sie würde auch definitiv nichts sagen.
      Ihre Augen suchten nach dem Bad, nach der Tür, die dahin führen würde, bei der Frage, ob sie lieber baden gehen, oder sich ausruhen wollte. Kurz überlegte die Blondine.. Sie war schon gefühlte Ewigkeiten nicht mehr duschen, oder gar baden, roch bestimmt nach der Nässe im Keller, nach dem eingetrockneten Blut und dem Rauch.. Aber wie sollte sie je aus der Badewanne wieder raus kommen? Schon wieder bildete sich dieser schwere Kloß in ihrem Hals, sie konnte es nicht einmal selbst sagen, was erwartete der Mann nur von ihr? Aber vielleicht würde sie sich schon besser fühlen, wenn sie baden konnte? Ihre Augen glitten zu dem Mann zurück, bevor Madeleine seufzte und ihm mit der Hand auf die Tür deutete, die bestimmt zum Badezimmer führte. Sie würde kein Wort raus bringen, definitiv nicht, der Kloß im Hals war zu groß und die Angst, sie würde dann gleich heulend hier zusammenbrechen war noch viel größer. Ganz gleich, wie aussichtslos ihre Situation zu sein schien, sie würde keine Schwäche zeigen..

      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es war nichts anderes alles Stille, welches man ihm entgegen brachte. Weder die Beschreibung wurde weiter kommentiert, seine Erzählung darüber wo sie ihn finden würde sei etwas geschehen, noch seine Entweder-oder-Frage wurde ihn mit einer Stimme beantwortet. Die schwächliche Blondine hatte ihm kein einzigen Ton geschenkt, ihm eine Bestätigung darüber gegeben wo er bei ihr stand, welche Gefühle er letztendlich bei ihr auslöste. Er hatte einige vor und unter sich vor Furcht zittern sehen, er hatte mehr angsteinflößende Gesichter gesehen als Tage, die er regelmäßig in der Schule verbrachte und trotzdem schienen die Emotionen von Madeline so vermischt zu sein, dass er diese Furcht, eine Art von Angst und Panik kaum aus ihrem Gesicht herausfiltern konnte. Sie hatte sich verschlossen, sich emotional für ihn kaum erkenntlich gemacht und es ihm nur umso schwerer gemacht, sein eigenes Verhalten an sie anzupassen, zumindest so gut wie es ihm überhaupt möglich war. Sie hatte ihn mit der eigenen Medizin behandelt, blieb stumm und hatte ihm keine Aufgreiffläche gegeben, woran er sein Gespräch, seine langsam aber sichere Aufklärung leiten konnte. Sie sprachen beide nicht über den Vorfall, dass er sie gefunden hatte und wie sie die letzten zwei Jahre verweilte, es war wie als hätten sie durch andere Zufälle zueinander gefunden, als existiere der dritte Part ihrer ganzen Geschichte nicht, Beomseoks alter Freund. Er wurde angesprochen, zumindest von ihm, doch das Thema wurde mehr oder weniger tot geschwiegen, der geistige Zustand der Gouverneurstochter ließ sich noch nicht erklären. Wenn sie jedoch weitere Schäden davon trug, von dem toten Mann der Freiheit beraubt worden zu sein, dann konnte er die junge Frau auf keinen Fall abgeben. Zumindest solange nicht, bis er ihren gesundheitlichen Zustand einschätzen konnte und erkannte, ob es mit diesem auch wieder bergauf gehen würde, auch wenn es hier nun mal auch kein deutliches Zuckerschlecken werden würde. Er konnte ihr hier keinen Freigang zu allem möglichen geben, schon gar nicht den freien Zugang zu allen möglichen Dingen im Internet, schließlich war damit ein Hilferuf schnell durchgezogen. Alleine würde sie nicht erneut die Welt erkunden können, den Männern waren mit Frauen nur teilweise zu vertrauen, sie versuchten zu gerne ihr Glück bei den Frauen und suchten die Bestätigung bei ihnen, wie groß und stark diese sich doch präsentieren konnten. Er schnaubte selbst, gab jedoch auch keine Anzeichen darauf weswegen er sich so zeigte, er brauchte deutlich mehr Zeit. Doch ob er sie bekam war unverständlich, die Blondine war ein neuer Hauptbestandteil seines Alltages. Diesen hatte er auch die Möglichkeit gegeben, den Tag bereits selbst zu planen und nachdem diese still vor sich her blickte, hatte sie letztendlich an ihm vorbei zur Badezimmertür gezeigt, wessen Zeigefinger er für einen Moment mit den Augen folgte. " Okay. ", bestätigte er es bloß, gab seine eigene Meinung nicht weiter dazu ab und hatte sich eher daran gemacht, sich bereits von der Wand abzustoßen und das Bad des Zimmers zu öffnen. Er ließ sie offen, um Madeleine mit dem Einblick in dieses bereits vorzubereiten, wo sie sich gleich befinden würde. Beomseok lief ein wenig umher, hatte im Regal einige Handtücher hinausgeholt und bereit gelegt, während das heiße Wasser bereits in die Badewanne hineinlief. Seine braunen Augen suchten weiteres im Bad ab, suchten nach weiterem, was er beizulegen hatte, doch erstmals war nichts zu holen. Zumindest solange er in die ein und die selbe Ecke blickte, denn als er wieder die Badewanne erblickte, hatten ihn die ganzen schmückenden Gefäße gepackt. Eines dieser wurde geöffnet, wurde ins Bad gegeben, solle sie sich zumindest in einem Schaumbad entspannen. Anders waren diese Gefäße auch nicht weiter zu verbrauchen, das Zimmer stand hier leer.
      Als für ihn alles fertig zu sein schien, hatte er auch langsam das Wasser wieder abgestellt und kam aus dem Bad hinaus. Die braunen Augen hafteten wieder auf der Frau, ihre Kleidung wurde untersucht, auch wenn sein eigener Mantel ihm den Anblick erschwerte. Geduld brauchte er, sein Ehrgeiz ließ ihn vermutlich anders wirken lassen als er war, anschließend denke man er wäre irgendein Perversling. " Ich nehme dir den Mantel schon ab. ", erzählte er, wartete bloß bis auch sie ihm die Zustimmung dazu gab und zog ihr diesen ab, um ihn für den Moment auf das Bett zu werfen. Er bot ihr wieder die Hand ab, ehe er sich gleich von dannen machte, alles was sie im Bad machen würde, war nicht mehr seine Sache. Alles war am Platz, welchen sie schnell zu erreichen hatte, mehr bräuchte sie nicht und hatte sich drum nicht sonderlich weiter durchzuforsten, wenn es auch so schon mit ihren Bewegungen schwer genug war. Seine Hand glitt wieder in ihre Richtung, bot ihr diese an, sodass er ihr zum Bad helfen konnte. Hatten sie diese letzten Schritte erledigt, verabschiedete sich der Asiate auch schon für die Zeit, die sie im Bad verbringen würde. " Mach dich bemerkbar, wenn was ist. ", erzählte er bloß, schloss die Tür hinter sich und verschwand gänzlich, baden konnte sie vermutlich schon selbst.

      Da hatte er sich auch lieber langsam um den weiteren Verlauf gekümmert, das hier auch nur das Geringste nicht aus der Reihe und aus dem Plan tanzte, fehlende Organisation könnte ihm wertvolle Zeit kosten. Genauso auch den Verstand, denn während er den Flur entlang lief, hatte er leise auf koreanisch vor sich hin geflucht. Er hätte sich mit dem Teufel angelegt, hatte sich damals mit ihm verbündet und würde sich einen Kobold heraufbeschwören wollen, um seiner elenden Verdammnis endlich entkommen zu kommen. Das Fluchen hatte erst gestoppt, als sein Handy sich meldete, die Männer wären im Wald fertig mit ihren Aufgaben und waren auf dem Weg. Er seufzte selbst bloß erleichtert, lief jedoch selbst durch sein Büro vorbei, um mit dem Durchlaufen des Schlafzimmers letztendlich auch an seinen begehbaren Kleiderschrank zu gelangen. Es hatte sich schon deutlich genug Kleidung aufgestaut, die er nicht weiter mehr trug, nur finden musste er diese. Seine Kleidung überwog mit deutlich dunklen Farben und gefiel ihm letztendlich nach dem Kauf etwas nicht, versauerte es am Kleiderhaken und wartete bloß drauf, bis nicht vielleicht eines der anderen Männer daran seine Freude finden würde. Bis dahin hatte es jedoch ein anderen Nutzen, so suchte er sich einiges heraus, würde sich nicht weiter darauf entscheiden, vor allem bei den Hosen konnte er sich schließlich nicht wirklich entscheiden. Beomseok sammelte bloß einen kleinen Stapel zusammen, für die Blondine war ohnehin einiges zu kaufen, bis dahin verharrten die beiden bei seiner alten Kleidung. Lange blieb er auch nicht im Kleiderschrank, eher setzte er sich in sein Büro mit dem Stapel und holte den USB-Stick aus seiner Hosentasche, um den Inhalt dessen sogleich auf seinem Bildschirm zu finden. Als er den Speicher jedoch öffnete, hatte man ihn wieder hinausgeworfen, er bräuchte das richtige Passwort. Wiedermals schnaubte er, lehnte sich ein wenig vor, um die offensichtlichsten Informationen des alten Freundes in den Balken zu tippen. Die flache Hand knallte er leicht auf den Schreibtisch, blieb währenddessen noch ruhig, wenn auch etwas sein eigenen Knall übertönte. Sein Kopf zuckte in die Richtung, in der sich die Dame befand, um mit dem Kleiderstapel nach dem Rechten zu suchen. " Madeleine? ", fragte er im Schlafzimmer, blieb vor der Badezimmertür stehen. Der Schwarzhaarige war sich nicht sicher was geschah, er konnte nicht darauf zählen, dass sie ihm antwortete. " Klopf, wenn ich nicht reinkommen sollte. ", erwähnte er, ergriff bereits die Türklinke, um nur noch abzuwarten.
    • Madeleine

      Er hatte sie alleine in diesem großen, sauberen Badezimmer mit der vollen Badewanne gelassen und um ehrlich zu sein fühlte sich die Frau schon ein klein wenig Fehl am Platz, sie war sich nicht sicher, ob sie träumte, oder das alles wirklich der Wirklichkeit glich. Am liebsten wollte sie sich kneifen, um genau das herauszufinden, aber ihre Sorge war groß, sie würde dadurch nur wieder in diesem feuchten, dunklen Keller landen, in welchem ihr Alptraum weiter gehen wird. Es fühlte sich so gut an einen vollen Magen zu haben, keinen Hunger zu verspüren, aber es fühlte sich gleich so fremd an, hier in dem Bad zu stehen. Das Bad in dem Haus ihrer Eltern war auch so groß und vor allem so schön warm, durch das warme Wasser in der Wanne, durch den fehlenden Mantel fehlte ihr die Wärme, die sie vorhin noch verspürt hatte. Es roch gut, der Schaum zauberte der Blondine ein kurzes Lächeln auf die Lippen, auch wenn sie sich nicht ganz sicher war, warum der Asiate so etwas besaß. Ob es vielleicht noch andere Frauen in diesem Haus gab? Bisher hatte sie nur die männlichen Vertreter ihrer Spezies gesehen, aber vielleicht sollte sich Maddie auch nicht den Kopf damit zerbrechen, sondern viel lieber in die Wanne steigen, die schon dazu einlud. Unsicher blickte sie sich dennoch ein Mal im Bad um, um festzustellen, ob sie wirklich allein war, auch wenn der Asiate vorhin raus gegangen war. Sie erblickte einen großen Spiegel und verspürte gleichzeitig den Drang danach sich anzusehen, wie lange sie das doch schon nicht getan hatte. Sah sie sehr mitgenommen aus? Konnte man ihr die Spuren der letzten zwei Jahre ansehen? Hatte sie viel abgenommen? Ihr Magen protestierte, er alarmierte, deutete an den Inhalt gleich wieder nach oben zu befördern, aber die Neugierde der Frau siegte letztendlich und sie wagte es mit langsamen Schritten auf den Spiegel zuzulaufen. Ihre Rippen schmerzten, aber sie hatte in den letzten Jahren gelernt dies zu ignorieren, jeglichen Schmerz auszublenden, um nicht diesen zu verfallen und sich gleich brechen zu lassen. Lernten so etwas etwa Agenten? In vielen Filmen konnte man doch sehen, wie lange sie gefoltert wurden, um letztendlich kein einziges Wort zu sagen, bis sie gerettet worden wären, oder einen Moment der Unachtsamkeit nutzten, um sich selbst zu befreien. Aber Maddie war kein Spezialagent, sie hatte keine Informationen, die man haben wollen würde, oder? Bilder waren vor ihrem geistigen Auge zu sehen.. Ihr Vater hatte ihr so viel erzählt, aber damit konnte niemand anfangen, definitiv nicht, deshalb schob sie die Gedanken gleich ganz weit ab, um sich auf den Blick in den Spiegel zu konzentrieren.
      Einige Momente hatte die Blondine einfach nur da gestanden und ihre Panik versucht zu unterdrücken. Sie erkannte sich kaum selbst wieder.. Ihr volles, langes Haar glich eher einem missglückten Versuch sich selbst die Haare zu schneiden, ihre zarte, fast schon makellose Haut war fahl, grau und vor allem viel zu blass, die Narben in ihrem Gesicht zerstörten das Bild der braven Maddie von damals fast schon komplett. Tränen stiegen in die blauen Augen, welche das Leuchten verloren haben, als würden sie nur noch auf das Ende warten, welches ihnen bevorsteht.. Lange hatte die Frau gezögert, aber sie ließ letztendlich das dünne Hemdchen zu Boden fallen, um sich mit ihren Händen den Mund zuzuhalten, um ihr Schluchzen zu unterdrücken, es sollte keiner draußen mitbekommen, dass ihr eigener Anblick sie ekelte, sie schockierte und ihr Angst bereitete. Die blauen Flecken überzogen den sehr dünnen, fast schon mageren Körper, die Stelle an der Brust, in welche Er heute früh getreten hatte war blau, gleichzeitig auch grün, lila und gelb, der Bluterguss zog sich runter entlang der Stelle, die Maddie so weh tat. Der Anblick, den sie von sich in Erinnerung hatte, von der jungen Frau, die gerne ein klein wenig zeigte, was sie besaß, war vollkommen verschwunden, vor ihr stand das Opfer einer Entführung ohne eines wirklich erdenklichen Grundes. Nein, das war immer noch falsch, aber solange sie sich einredete, sie wüsste nicht, was sie hier tat, vereinfachte es die Qual um ein Vielfaches. Vielleicht.. War es besser, dass sie nicht nach Hause konnte? Was würden ihre Eltern bloß zu diesem Anblick sagen? Ihre Mutter würde doch komplett zusammen brechen.. Sie nicht wieder erkennen, nein.. Das war nicht die Madeleine, die vor zwei Jahren noch sich Nachts raus schlich, um mit ihren Freunden auf die Party zu fahren, von der niemand erfahren durfte, es war auch nicht die Madeleine, die mit ihrem gelernten Mandarin die Gespräche ihres Vaters mit China übersetzte, es war auch nicht die Madeleine, die die Welt verändern wollte.. Es war ein Monster, ein eiskaltes, stummes Monster, welches vor ihr stand, eines, welches sich vor sich selbst ekelte.

      Es hatte einige Momente gedauert, aber Maddie hatte sich von ihrem eigenen Abbild los reißen können, um in die Wanne zu steigen. Sie hatte die Zähne fest dafür zusammenbeißen müssen, aber die Wärme des Wassers ließ den Schmerz gleich schon für einen Moment verschwinden. Es fühlte sich so gut an, das getrocknete Blut, den Dreck und diesen ekeligen Geruch von sich waschen zu können, die Frau blieb auch in der Wanne, bis das Wasser kälter wurde, denn sie hatte Sorge aus der Wanne raus zu steigen. Der Asiate hatte ihr gesagt, sie sollte sich bemerkbar machen, wenn sie Hilfe bräuchte, es wäre gut, wenn ihr jemand aus der Wanne raus helfen würde, aber wie sollte sie sich nur bemerkbar machen? Kurz machte die Blondine ihren Mund auf, aber es kam kein Ton, als würde sie keine Stimme mehr besitzen. Schwer schluckte sie danach, ob sie jemals wieder ein Wort sprechen könnte? Diesen Gedanken verwarf sie gleich schon wieder und überlegte sich, wie sie aus der Wanne am besten steigen konnte. Es gab nicht viel, was ihr helfen würde, aber letztendlich griff die Frau an die Seiten der Wanne, um sich mit aller Kraft und mit zusammen gebissenen Zähnen nach oben zu stemmen. Kaum konnte sie langsam auf die Beine griff sie nach der Halterung für den Duschkopf, die Metallstange sah sehr gut und vor allem sicher aus, was sie für die ersten Momente auch war, jedenfalls, bis eines der Beine aus der Wanne war, dann landete der schwache Körper auch schon auf den kalten Fliesen vor der Badewanne. Ein stechender, heftiger Schmerz durchzog Maddie, als sie auf der Seite ihrer angeknacksten Rippen landete. Für einen Moment hatte sie nichts hören können, war mit dem Kopf gleich auch auf den Fliesen aufgeprallt, ohne Gnade, aber am schlimmsten war der stechende Schmerz in der Brust, der ihr das Atmen nicht mehr ermöglichte. Sie versuchte Luft zu holen, aber es blieb bei den Versuchen, während das Piepen in ihren Ohren immer lauter wurde. Am liebsten hätte sie geschrien, hätte geflucht, wie es die alte Maddie getan hatte, stattdessen biss die neue Maddie ihre Zähne zusammen und drehte sich auf den Rücken, um sich die Seite zu halten, die so schmerzte. Die Rippen waren jetzt definitiv durch, da brauchte sie keinen Arzt für, um das festzustellen, aber die Feststellung half ihr nicht bei ihrem Problem mit der fehlenden Luft, die sich langsam bemerkbar machte. Die Tür ging auf, sie erblickte ein Paar Schuhe, während sie ihre Augen wieder zusammen kniff, um sich zusammen zu reißen und nach Luft zu rangen. Die Lungen füllten sich, vorerst, der Schmerz in der Brust ließ sie die Luft gleich auch wieder ausatmen, während das verdammte Piepen in den Ohren endlich nach ließ. Das war eine dumme Idee gewesen, eine wirklich wirklich dumme Idee.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Das momentane Misslingen beim willkürlichen Herausfinden des Passwortes hatte ihn aus den Fokus gebracht und konnte ihm das kurzzeitige Gefühl von Triumph entnehmen, der sich mit der gelungenen Mission im Hause seines zweijährigen Feindes in ihm ausbreitete. Es war wie als hätte es keinen einzigen Erfolg gegeben, denn er brauchte den Inhalt des USB-Sticks, zumindest denkt es doch Beomseok, es bräuchte irgendeine deutliche Definierung darüber, was ihm denn die Gouverneurstochter bringen würde, einen Grund, warum sich sein alter Freund so sehr in die Entführung dieser vernarrte. Der schwarze Schopf witzelte gerne darüber, dass er sie doch einfach zu einer Verabredung bitten sollte, doch wurde der Sarkasmus des Asiaten nur mit Aggressionen und Verschwörungen erwidert. Man ließ ihn in die Leere blicken, wird in einem leeren Raum gestehen lassen, wie es bloß nur wieder der Fall wurde, verdammt. Das Passwort ließ ihn nicht in Ruhe, wenn er es nicht lösen konnte, müsse er die Antwort in allen mitgebrachten Objekten finden, wenn nicht in der Blondine, die ihm doch definitiv nicht früher die Antwort geben würde, als wenn er die ganzen Akten durchstöbern würde.
      Doch von Madelaine war nicht vieles im Klaren, zumindest was die momentanen Daten anging, wie es um ihre Psyche ging und letztendlich auch um ihre Gesundheit, die sich mit dem Knall als vermutlich ein wenig angeknackst zeigen würde. Er hingegen blieb jedoch noch einen Moment vor der Tür stehen, wartete darauf, ob man ihm nicht irgendein Zeichen oder eine Andeutung darauf geben würde, doch es kam nichts. Die braunen Augen musterten die eigene Füße vor sich, während die Türklinke mit der umschlossenen Hand hinunter gedrückte wurde. Das Rauminnere ließ ihn einmal hinaufsehen, zumindest war dies der Plan gewesen doch ehe er den Blick nur ein wenig erhob, blieb dieser bei der liegenden Frau stehen, die um Luft rang. Sofort war ihm nicht klar, was bisher geschehen ist, außer das sie gefallen war. Auf dem Boden befanden sich die ersten Wasserpfützen, als sei sie sofort mit dem Hinaustreten umgefallen sein, weswegen er sich noch darum bemühte, nicht selbst auszurutschen und noch gegebenenfalls auf sie zu fallen. Sie hatte keine Möglichkeit bekommen, sich noch zu bedecken und dies war vermutlich auch eines ihrer winzigsten Probleme. Ihr Körper konnte die Umstände ihrer Freiheitsberaubung gut zeigen, so war es umso leichter ihre Rippen zu erkennen und das Problem, welches sich mit dieses zum Teil identifizieren ließ. Er schnaubte, hatte ein Handtuch über sie gelegt, nur um mit dem nächsten Moment in die Knie zu gehen. Schlecht konnte er sie hier liegen lassen, schlecht war es jedoch ebenso, sie bis zum Bett zu tragen, doch anderes blieb ihnen nicht übrig. " Halt den Rücken für einen Moment gerade.. ", erklärte er nur, hatte ihr damit wohl auch gleich eine Warnung gegeben darüber, was er nun machen würde. Seine Hände folgten bloß dem Fliesenboden, versuchten nur selbst vorzeitig die richtige Position zu finden, ehe er selbst Schuld an einer übermäßigen Bewegung ihres Oberkörpers bekommt. Beomseok zählte auch für sie hinunter, bis er dann seine großen Hände unter sie legte und sie mit der nächsten Sekunde hochhob, sich langsam mit vom Boden abdrückte und sich langsam wieder auf die Füße begab. Danach hatten die Beine sich nur darum gesorgt, die Schritte schnell genug zu machen und sich mit den Armen nicht zu vergreifen, auch als er letztendlich vor dem Bett stand, zum Vorteil beider. Der Oberkörper des Schwarzhaarigen hatte sich mit dem Ablegen im Bett langsam mit hinunter gebeugt, um bloß ein erneutes Fallen auf die Seite zu verhindern. Als sie lag, hatte er nur mit einem weiteren Schnauben die Hände unter ihr hinausgezogen, das Handtuch mit ihnen besser über sie gemacht, um nur gleich seine Hosentaschen nach seinem Handy abzusuchen. Als er dieses ergreifen konnte, wählte er sogleich eine allzu bekannte Nummer seinerseits. Als er den ersten Ton erhörte, richtete er sich jedoch stattdessen wieder an die Blondine, legte die freie Hand auf den oberen Brustkorb, um ihr gleich einen möglichen Halt zu geben. " Einatmen. ", sprach er nur ruhig, gab ihr einen Takt vor, um zu versuchen ihr langsam die Panik hinauszutreiben, wenn auch das Atmen ihr sehr wohl schwer fiel. Die Hand nahm er immer wieder von ihr, hatte sie auszuatmen und legte sie sogleich wieder auf sie, hatte sie einzuatmen. Schlussendlich blieb ihm die Sprache schließlich weg, hatte damit eher den Arzt zu verständigen, er solle herkommen. Vieles blieb nicht zu besprechen, Beomseok sprach über einen Notfall, nicht über die Schnittwunden, die sich die Männer hin und wieder bei ihren gefährlichen Spielereien zufügten. Der Arzt sprach über einen gewissen Zeitrahmen, in welchem er da sein und sich alles angucken würde, wenn auch der Schwarzhaarige zumindest die Richtung benannte, in welche es gehen würde. Bei den ganzen Hämatomen war sich aber auch dieser nicht ganz sicher, was es denn letztendlich wirklich war. Der Arzt legte mit dem Zuknallen einer Autotür auf, ließ die beiden die Minuten noch alleine und vor allem ließ er Madeleine mit ihren Schmerzen alleine, die auch er ihr momentan nicht entnehmen konnte. Helfen konnte er nur gering, auch als eine seelische Unterstützung war er vermutlich nur relativ gut einzusetzen, dafür fehlte ihn einiges. Doch er versuchte es wenigstens, wenn er auch nochmal die Männer anzurufen hatte, den Weg für den Arzt freizuräumen. " Der Arzt ist spätestens in einer Viertelstunde da, danach ist dir geholfen. ", erklärte er, wenn es auch noch nicht fest war, immer wieder konnten böse Überraschungen geschehen, davon bewältigte er schon genug. Er hatte ihre Atmung sogleich weiter mit seiner Hand angeleitet, wenn es ihr überhaupt möglich war, denn ihr Ringen nach Luft würde noch ganz andere Probleme mit sich ziehen, sie würde bloß weiter mit ihrer eigenen Panik spielen, was nicht zu gewinnen war. Sein Blick richtete sich für einen Moment auf den Mantel, der hier noch lag und hatte diesen sogleich auch wieder auf sie gelegt. Er bedachte, ihr nicht zu viel Gewicht aufzulegen, hatte deswegen auch nichts weiteres mehr über sie gelegt und sich bloß darum gesorgt, sie mit der Atmung von den Schmerzen wegzulenken, wenn auch nichts anderes besser helfen würde, als sofortige Schmerzmittel, doch er konnte ohne dem Arzt nichts verabreichen, was gut genug war, um überhaupt Wirkung bei ihr zu zeigen. Sie warteten nur, anderes blieb ihnen auch gar nicht übrig. Die Hoffnung war nach dem Warten nur noch größer, als auch letztendlich seine Kamera auf dem Handy meldete, ein weiteres Gesicht auf dem Grundstück erkannt zu haben. Der Arzt war sich über die Eingangsmöglichkeiten bewussten, hatte keine Schwierigkeiten hineinkommen zu können, weswegen Beomseok diesen nur erneut anrief, um ihm den weiteren Weg zu ihnen hinauf zu geben.
    • Madeleine

      Es gab einige Arten zu sterben, die Maddie schon immer Angst gemacht haben und dazu gehörte definitiv das Ersticken, gleich nach der Angst lebendig verbrannt zu werden. Es war ein Gefühl der Machtlosigkeit, wenn die Kehle zu gedrückt wurde und die Luft nicht mehr hinein strömen konnte, um die wichtigsten Organe zu versorgen, um sie weiterhin arbeiten lassen zu können, während man mit der restlichen Kraft darum kämpfte wieder eine richtige Luftzufuhr zu bekommen. Er hatte sie sehr oft an der Kehle gepackt, hatte ihr seine Macht demonstrieren wollen, in dem er ihr eines der Wichtigsten Sachen zum Überleben nahm: Den Sauerstoff. Anfänglich hatte die Blondine Panik in ihren Augen gehabt, sie hatte Panik verspürt und sich dagegen gewehrt, bis ihr schwarz vor den Augen wurde, irgendwann hatte sie aber erkannt, dass sie ihre Panik nicht nach außen hin tragen durfte, dass sie ihr Pokerface aufsetzen und ihm zeigen musste, dass es ihr egal war, wenn sie jetzt sterben würde, denn Maddie erkannte auch sehr schnell, dass sie nicht sterben würde, wenn sie Ihm nicht das geben würde, was er haben wollte. Es hatte irgendwann funktioniert, sie konnte sich irgendwann beherrschen und die Panik aus ihren Augen verbannen, auch wenn sich diese weiterhin in ihrem Körper erstreckte. Sie war auch jetzt zu spüren, sie nahm quasi den ganzen Körper ein und ließ ihn steif werden, wenn auch gleich der Schmerz wieder durch schoss, als könnte sie ihn überhaupt vergessen. Es war wie ein Messer, welches immer und immer wieder in ihre Seite gestochen wurde, wenn Maddie versuchte Luft zu holen, sie ließ es deshalb sein, wollte erst gar nicht damit anfangen, bis ihr Körper wieder nach Sauerstoff schrie, sie dazu zwang wieder Luft zu holen, ganz gleich wie sehr es weh tat.
      Sie fluchte nicht, sie schrie nicht, sie biss einfach ihre Zähne zusammen, selbst, als der Asiate seine Hände unter sie legte, um sie hoch zu heben. Ihren Rücken sollte sie durch drücken, unmöglich, bis er sie wirklich hoch hob und der Schmerz sie genau das tun ließ. Verdammt, konnte er sie nicht einfach auf dem kalten Fliesenboden liegen lassen? Am liebsten einfach sterben lassen? Tränen fanden ihren Weg in die blauen Augen, aber die Blondine wagte es nicht diese zu öffnen, sie kniff sie lieber fest zusammen, um vielleicht den Schmerz ein wenig ausblenden zu können. Verdammt, nicht einmal ihre Regel hatte ihr je im Leben solche Schmerzen zubereitet, vermutlich war selbst Kinder-Kriegen ein Klacks hier gegen, aber sie brauchte Luft, sie brauchte Sauerstoff und am liebsten den Tod, oder Schmerzmittel, je nachdem, was schneller wirkte.
      Ihre Atmung ging schneller, sie hyperventilierte gleich schon, um zwar Luft zu kriegen, aber nicht zu tief einatmen zu müssen, es war der perfekte Weg, wenn es nicht gleich so gefährlich wäre. Die Atmung setzte aber auch aus, kaum spürte die Frau das weiche Bett unter sich und kaum war der Schmerz wieder deutlich spürbarer. Der Asiate hatte sie in Bett getragen, er musste auch seine Arme weg nehmen, aber dafür hielt Maddie ihre Luft einfach an, ihr war vorhin schon aufgefallen, dass es damit für einen Moment erträglicher war. Kaum waren seine Arme weg, schon wollte sie wieder versuchen nach Luft zu rangen, da merkte sie die Hand auf ihrer Brust, bevor die Anweisung zum einatmen kam. Sie versuchte sich zusammen zu reißen, versuchte tiefer einzuatmen und ihre Gedanken auf die Hand auf ihrer Brust zu legen, ließ die Luft aber gleich wieder raus, kaum war die Hand auch wieder runter von ihr. Das Tempo wurde ihr vorgegeben, wortlos verstand sie die Anweisung, versuchte sie gleich umzusetzen, während ihre Ohren mit hörten, was neben ihr geschah. Der Asiate rief jemanden an, er sprach von einem Notfall.. War sie der Notfall? Würde sie Hilfe bekommen? Wie lange würde es dauern? Sie konzentrierte ihre Gedanken wieder auf die Hand auf ihrer Brust, auch wenn der Schmerz sich weiter ausbreitete, er weiter zu spüren war. Ablenkung war eine gute Sache, die hier auch sehr gut klappte, bis sie hörte, dass es eine gute viertel Stunde dauern könnte. Die Panik wollte wieder an die Oberfläche.. Fünfzehn Minuten?! Sie würde das niemals durch halten, niemals! Eher wollte sie sterben, sie wollte den Asiaten am liebsten anflehen, ihn darum bitten ihr den Gnadenschuss zu verpassen, bis seine Hand wieder auf ihrer Brust landete. Es wurde wärmer, auch wenn durch den Schmerz Maddie keinerlei Kälte verspürte, irgendetwas weiteres wurde auf sie gelegt, aber was? Für einen Moment traute sie sich ihre Augen zu öffnen, auf die Decke über sich zu starren, da lief ihr gleich auch schon eine Träne die Wange entlang. Es drehte sich alles, da wurden die Augen wieder zu gekniffen.. Fünfzehn Minuten.. Eine Qual.. Eine Qual, bis die Worte des Asiaten wieder zu hören waren. Oh, sie liebte seine Stimme jetzt schon, oder eher die Tatsache, dass er den Arzt anwies, wohin er kommen sollte.. Nur noch ein klein wenig durch halten, Maddie, dann wird es auch schon besser gehen.

      Es war laut geworden, es war jemand dazu gekommen, aber kaum entfernte sich der Asiate von ihr und damit auch die Hand auf ihrer Brust war die Panik schon wieder da. Der Schmerz war unerträglich, die Stimmen schienen um sie herum wirr zu sein, kein klarer Gedanke konnte erfasst werden. Es pikste in der Ellenbeuge, bevor es warm wurde und sich die Wärme immer weiter im Körper ausbreitete. Eine Stimme sprach mit ihr, aber mit der Wärme, die sich immer weiter ausbreitete wurde sie auch klarer und der Schmerz weniger. Schmerzmittel.. Gott sei Dank hat diese jemand erfunden. Langsam traute sich Maddie tiefere Atemzüge zu nehmen, der Schmerz war noch da, aber er war erträglich und das Atmen schien ihr mit dem Moment immer leichter. Sie traute sich die Augen zu öffnen, an die Decke zu sehen und die Tränen in ihren Augen wegzublinzeln, um eine klare Sicht zu haben, aber wenn sich ihr Kopf jetzt so leicht anfühle. "Madeleine?", die Stimme kannte sie nicht, aber woher wusste der Mann ihren Namen? Ihre blauen Augen blickten nach der Stimme, erblickten scheinbar den Arzt, der ihr die Schmerzmittel verabreicht hatte. Er sah besorgt aus, vielleicht auch überrascht? Hatte er sie erkannt? Würde er ihr Hilfe holen und sie hier raus holen? Die Blondine schluckte schwer, sie blinzelte mehrmals, während sie gemustert wurde. Er warnte sie vor, es würde hell werden, dann leuchtete die Taschenlampe schon und sie kniff ihre Augen vorerst zusammen, bevor seine Finger sie auf hielten. Er schien rein, bevor das Licht wieder verschwand. "Was tut dir so weh?", seine Augen schienen nach einer Wunde zu sehen, da blickte die Blondine an sich runter, erblickte den Mantel, den sie vorhin doch noch getragen hatte. "Darf ich?". Er wollte ihn ihr runter ziehen, da nickte sie, wenn auch nur ganz leicht, sollte er tun und lassen, was er wollte, um ihr diese scheiß Rippen zu versorgen. Verdammt, warum konnte sie nicht einfach nur vor sich hin fluchen, wie jeder normale Mensch?
      Sein Blick wirkte besorgt, ja, ihr Anblick war nicht gerade das Schönste. Die Narben, die Hämatome und die kleinen Verbrennungen von Zigarettenstummel gaben kein gutes Bild ab, aber es war ein Arzt, oder nicht? Seine kalte Hand berührte das Hämatom an der Seite der Brust, bevor er leicht drückte, da zog Maddie die Luft scharf ein, verdammt, das tat weh! Sofort ballten sich ihre Hände zu Fäusten, sie kniff ihre Augen wieder zusammen, bevor er den Druck auch wieder nahm, um sie besorgt anzusehen. "Bist du drauf gefallen?", fragte er, da versuchte sich die Frau wieder zu beruhigen, öffnete langsam ihre Augen, um zu nicken, bevor ihre Augen nach dem Mann sahen. Er sah verwirrt aus.. Kniff seine Augen ein wenig zusammen, da nickte sie noch ein Mal, misstraute er ihren fehlenden Worten? "Möchtest du nicht mit mir sprechen?". Er schien sie wieder genau zu mustern, da schluckte Maddie schwer, und versuchte sich in den Laken des Bettes unter ihr zu vergraben. Ihr Blick wich seinen aus, sie wollte sich nicht damit beschäftigen, warum sie jetzt nicht mit ihm sprach und nicht sprechen wird. "Kannst du denn noch sprechen?", er formulierte die Frage um, wollte vielleicht einen medizinischen Aspekt dahinter sehen, da zuckte die Frau mit ihren Schultern, sie wusste es nicht wirklich, bevor sie ihre Schultern an zog, als würde sie damit Schutz suchen. Er seufzte, er schien mit der Antwort nicht zufrieden zu sein, aber er ließ es bleiben weiter nachzufragen und blickte wieder auf das Hämatom an der Brust. "Wurde da gegen geschlagen? oder gegen getreten? Bist du irgendwie die Treppe runter gefallen? Das sieht nicht so aus, als wäre es erst gerade jetzt passiert". Maddie blickte wieder zu dem Arzt, bevor sie mehrmals nickte, um ihn anzudeuten, dass es die richtige Antwort war. Er blickte zu ihr, wiederholte langsam, was er aufgezählt hatte, da nickte sie bei den ersten beiden Sachen, bevor sie schwer schluckte. Er seufzte. "Ich denke definitiv gebrochen", damit bestätigte er ihren Gedanken gleich auch schon. "Was tut dir noch weh.. Der Kopf?", sie nickte. "Bist du drauf gefallen?", wieder nickte sie. "Ist dir übel?", sie schüttelte den Kopf, der Mann seufzte, bevor er sich durch die Haare fuhr. "Ich nehme an, da ist noch mehr?", wieder nickte Maddie, bevor sie ihren Blick wieder weg nahm, es war ihr vielleicht doch langsam unangenehm über sich zu reden. "Gut", der Mann erhob sich, um nach seiner Tasche zu greifen. "Ich lasse dir Schmerzmittel da.. und wir bandagieren die Brust, um die Rippen in Form zu halten, damit wirst du atmen und dich bewegen können.. Das kann aber.. Wochen dauern.. und ich müsste mir den Rest ansehen". Er seufzte, als würde es den Mann nicht wirklich glücklich machen. "Es wird wehtun, aber wenn ich fertig bin, wird es dir besser gehen".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Der Arzt kannte sich hier aus, er hatte schon einige Male komplizierte Wege durch das ganze Gebäude unternehmen müssen, um irgendwie an einen Notfallpatienten herankommen zu können, man hatte hier schon einige Situationen gemeinsam durchlebt. Wenn auch nicht immer der Patienten sein Leiden durchleben konnte, eher erlitten einige daran. Doch das war das große Risiko ihres Berufes hier, wer hier groß werden wollte, hatte jederlei von Lebensfreude spontan abzulegen und sich von jenen Dingen zu lösen, die einen zögern ließen. Beomseok hatte jeden seiner Männer genau darauf aufmerksam gemacht, jene Leute, die vor seinen Füßen um eine Chance baten sich beweisen zu können und es sich wagten, in die kühlen Augen zu blicken, die jeden ohne zu blinzeln erlegen konnten, die seine Zeit mit der Bettlerei verschwendeten. Schwäche hatte in seinem Geschäft nichts zu suchen, seiner Überzeugung nach war die eigene Stärke überhaupt dafür verantwortlich, warum er sich überhaupt die Jahre lang halten konnte. Anders wäre er im eigenen Mitleid ertrunken, ob nun freiwillig oder nicht und jeder in seinem Geschäft, der sich nicht genauso an der Oberfläche halten konnte, hatte in seiner Gegend nichts zu suchen, in keinen der verschiedenen Universen und Parallelwelten, in denen er noch zu leben schien.
      Madeleine hatte es vermutlich weniger verdient, sich nun selbst in der Welt des Schwarzhaarigen zu befinden und in dieser so viel erleiden zu müssen, wie es gerade der Fall war. Doch sie hielt sich ebenso an der Oberfläche auf, ertrank nicht, zumindest für die meiste Zeit ihren beiden ewig anfühlenden Jahren, die sie in den Händen seines Feindes lagen, der nur allzu gerne auch den schwarzen Schopf in den Händen halten würde und von diesem den Schutz erhalten wolle, den er schon zu lange von ihm erhielt. Sein alter Freund ertrank nicht, hatte sich mit einer Sauerstoffflasche in den Untergrund bewegt und war mit dem Sauerstoffmangel am durchdrehen, er gehörte mehr tot als alle anderen, doch war der Asiate damals nicht gewillt dies sofort zu tun. Der Streit der beiden hatte zu viel ausgelöst, zu viel durcheinander gebracht, welches noch zu entwirren war, bevor er sich auf die Suche begeben konnte, die mit der Dame glimpflich ausging. Beomseok hatte einen neuen Gast bei sich, müsste sich noch entscheiden, ob er nicht noch zum Pronomen 'Bewohner' zu wechseln hatte, denn sollte der Verdacht auf ein Rippenbruch sich bestätigen, würde er sie nicht gehen lassen können, dafür stand er zu sehr in der Verbindung mit seinem Feind, für welchen er sonst seinen Kopf hinzurichten hatte. Dafür war jedoch der Art da, dem er mit einem Handzeichen in das Zimmer wies, in welchem sich die Gouverneurstochter befand. Der schwere Koffer wurde von dem Asiaten abgenommen, wurde neben Madeleine platziert, um den Arzt sein nötiges Material herausholen zu lassen. Die beiden hatten nur wenige Floskeln miteinander getauscht, dafür hatten sie schon am Telefon genügend sprechen können, so waren beide nun eher still, um sich aufmerksam um den Zustand der Blondine zu kümmern.
      Der ältere Mann hatte sich sofort daran gemacht, überhaupt die junge Frau untersuchbar zu machen, gab ihr scheinbar Schmerzmittel, welche er mit dem Anlehnen an der Wand begutachtete. Er hielt sich wieder raus, beobachtete nur das was vor ihm geschah, um sich selbst wieder rein mit seinem Gewissen zu machen, zu verstehen, welche weiteren Schritte er auf dem Schachbrett zu machen hatte, um hier als Gewinner herauskommen zu können. Der Arzt war sich selbst gar nicht sicher, was er für ein Gefühl auszudrücken hatte, als er die Gouverneurstochter vor sich hatte, doch schien dieser dies aus seines Gedanken zu verbannen, zumindest solange sich der ältere Mann um seine Untersuchung kümmerte. Dafür hatte er letztendlich ihr auch den Mantel abnehmen wollen, weswegen Beomseok für einen Moment sich vom Geschehen wegdrehte und selbst überlegte, ob seine Anwesenheit hier von Nöten war. Schließlich war Madeleine bisher nicht am Sprechen gewesen, vielleicht schüchterte jedoch auch er sie dabei gerade so ein? Mit einem Räuspern hatte er sich erstmals zu Wort gewechselt, um wenigstens das Ohr des Arztes zu bekommen. " Ich dreh' eine Runde, wenn was ist.. Ruf an. ", zum Verdeutlichen hob er sein Handy hoch, welches er sich in die schwarze Stoffhose packte, um sogleich damit nach einer Bestätigung hinauszulaufen. Für einen Moment blieb er noch stehen, nachdem die Tür hinter sich geschlossen war, um nicht vielleicht eine weibliche Stimme zu hören, doch es war nichts zu empfangen.
      Da setzte er seinen Weg wieder den Flur entlang fort, wenn auch seine Beine ihn nur langsam und zögerlich von dem vorherigen Ereignis wegtraten. Nachdenklich strich er sich den Pony aus den Augen, dachte mit einer offenen Sichtweise auf dem was vor ihm steht, würde er deutlich besser verstehen können, was auch hinter ihm momentan geschah, doch symbolisch tat sich nichts im Inneren des Koreaners. Er zog tief die Luft ein, hielt diese in sich während er die Treppen hinunter lief. Erst mit der letzten Treppenstufe hat er die Luft wieder aus sich abgestoßen, trennte sich von den momentanen Gedanken, um sich an den Teil des Plans binden zu können, welcher noch nicht in Chaos zerbrach. Die Männer waren unten bereits angekommen, waren bereits dabei gewesen einiges abzuladen, worauf er zustieß. Sie hatten sich bereits Kartons besorgt, um die Dinge von A nach B transportieren zu können, ihre Fleiß wurde schließlich mit einem früheren Feierabend belohnt, welches jedoch noch mit der Situation oben auf der Kippe stand, noch im Unwissen des Chefs hier selbst. Es hatte sich eine kleine Schlange an einen der Vans gebildet, wurde nur noch strenger eingehalten als der schwarz Gekleidete sich ihnen näherte, um sich selbst ein Bild zu machen. Die Arme wurden verschränkt, hatte selbst in das Innere des Vans geblickt, um sogleich den nächstbesten in der Schlange anzusprechen. " Berichterstattung. ", sprach er bereits, ohne dem Gegenüberen einen Blick zu schenken, solch Manieren hatte man lange bei ihm zu suchen. Der angesprochene Mann blickte erst verwundert hinein, hatte jedoch mit dem Schieflegens des Kopfes von Beomseok schon verstanden, das er mit seiner Vorahnung recht hatte. Am Adamsapfel war bei dem starken Mann zu sehen, dass sich dieser noch die Sorge zeigte, er würde nicht die Informationen geben können, nach denen insgeheim gefragt worden war. " Wir haben alles aus dem Büro genommen, was zu holen war. Im Kaminschacht haben wir ein Safe gefunden- " Es klingelte ein Handy, woraufhin ein Großteil die Taschen abtastete, ob sie Schuld an der Unterbrechung des Gesprächs waren, doch Beomseok nahm selbst gelassen sein Handy heraus und ging ran, der Arzt wolle ihn oben für ein Gespräch haben. Er hörte den Worten des Arztes für einen Moment noch zu, richtete sich jedoch auch schon wieder an den vorher sprechenden Mann. Seine Finger deuteten auf sein braunes Augenpaar, ehe er mit den beiden Fingern in der Luft nach rechts von seinen Augen wegwischte. Der Mann nickte verständlich, erkannte die stille Post, der Schwarzhaarige würde es sich zu einem späteren Zeitpunkt ansehen wollen. Damit hatte er sich auch wieder von dannen gemacht, lief den ganzen Weg wieder hinauf, um den hinauslaufenden Arzt zu mustern.
      " Hm? ", fragte er mit einem Ton nach der Bedeutung des Gesprächs, doch der Arzt hatte bereits schon begonnen. " Die Gouverneurstochter, bist du verrückt geworden? " Der Arzt sprach offen seine Meinung aus, so wusste er gut genug darüber bescheid, dass ihn Beomseok mit sich selbst gleichstellte, ihn nicht wie einen Angestellten ansah und ihm deswegen einen höheren Freiraum gab, was Grenzüberschreitungen anbelangte. " Ich bin da nur zufällig reingerutscht, erzähl' mir lieber was du zu sagen hast. ", entgegnete er sogleich, benötigte nun nicht noch andere Einflüsse, die auf ihn und seine Gedanken einsprachen. Der Arzt seufzte nur in seinem weißen Kittel, hatte vermutlich noch in seiner Praxis Zeit verbracht und konnte diesen nicht ablegen, ohne wichtige Zeit zu verlieren. Beide hatten sich an die gegenübere Wand des dunklen Flures gestellt, um bereits über den Zustand von Madeleine zu sprechen. " Sie konnte sich wieder stabilisieren, hat aber einen Rippenbruch. Ich habe es weites gehend behandeln können, sie bräuchte Ruhe.. Aber da steckt noch einiges anderes drin, was ich in meiner Praxis untersuchen und behandeln muss. ", erklärte er langsam, wenn auch ihn noch einige Gedankengänge plagten, vor allem was die Stille von Madeleine anging. Der Schwarzhaarige hatte währenddessen wieder seine Arme vor der Brust verschränkt, hörte halb zu, sein Blick war bis zu einem gewissen Punkt auf dem Boden. Als er jedoch seine Praxis ansprach, sahen die braunen Augen wieder hoch, um ihm sofort seine Antwort zu geben. " Nein. " Die männliche Stimme klang schon zu entschieden dafür, dass ihm noch gar nicht bewusst war, worüber der Arzt nun genau sprach und was dieser nicht noch alles ahnte, weswegen er Madeleine mit sich nehmen wollte. Der Arzt seufzte nur verzweifelt, war sich die voreilige Art des Schwarzhaarigen genau bewusst. " Sie ist unterernährt, hat Verbrennungen und Hämatome am ganzen Körper und vermutlich die ein oder andere Prellung. Lass mir erst gar nicht von den Dingen sprechen, die sich noch nicht mit dem bloßen Auge zeigen lassen. " Der Arzt ging einen Schritt wieder auf die Tür zu, blieb jedoch wieder stehen und sah zu Beomseok. " Sie spricht kein einziges Wort und bringt keinen Ton von sich, ohne meine Gerätschaften kann ich nicht erahnen, was im Inneren nicht noch alles passiert.. Das kommt dir doch bekannt vor, oder, Bennet? "
      Der Braunäugige biss sich auf die Innenseite seines Mundes, hatte sich beim Nachdenken etwas von dieser abgekaut, bevor er überhaupt nur ein Anzeichen darauf gab, ob er dem Arzt auch wirklich zuhörte und nicht einfach in seiner eigenen Welt gefangen war. Doch die Worte des Arztes kamen jedoch bei ihm an, der Plan des Arztes war jedoch trotzdem nicht im Gefallen des Gangsters, es würde nur wieder Mühe kosten, alles zu planen und sie für die Zeit von hier verschwinden zu lassen. Der Arzt war noch nicht fertig gewesen, hatte jedoch mit der Aussprache des Vornamens seines Gegenüberen gestoppt, um ihn angesprochen fühlen zu lassen. Doch als er merkte, dass er ihn noch nicht ganz überzeugen wollte, ließ er seine Pause beenden und wollte fortfahren, was er nicht noch alles über Madeleine erzählen konnte in den wenigen Momenten, die er mit der Frau hatte. Doch Beomseok hatte die Augen bereits geschlossen, hatte es damals immer als Anzeichen dafür benutzt, dass er weiteren Worten nicht mehr zuhören wird. Der Arzt beließ es also erstmal, um den großen Mann vor sich zu mustern, bis dieser zu Ende gedacht hatte, der Arzt hatte genau so einen Dickkopf. " Hilf ihr beim Anziehen, ich schau, was sich machen lässt. "
    • Madeleine

      Ihr Kiefer tat ihr schon von dem Zusammenbeißen ihrer Zähne weh. Die Schmerzen schienen trotz des Schmerzmittels unerträglich zu sein, aber dennoch bekam es Maddie nicht auf die Reihe auch nur einen einzigen Laut von sich zu geben. Es war schon fast so, als würde sie keine Stimme besitzen, als wäre nichts mehr da, was früher einmal gewesen ist. Tränen liefen ihr schon länger über die Wangen, es hatte mit dem Aufsetzen angefangen, denn der Arzt hatte ihr erklärt, dass er ihr die Rippen abbinden musste und dafür sollte sie lieber sitzen, denn das Drehen von einer, auf die andere Seite würde nur noch mehr Schmerzen mit sich bringen. Ein Mal hatte es die Blondine probiert sich selbst aufzusetzen und sich zu halten, aber auch wenn die Kraft, die sie dafür anwenden musste, vorhanden war, so war der Schmerz nicht auszuhalten und letztendlich landete sie wieder zurück auf ihren Rücken. Der Atem beschleunigte sich, ihre Panik wuchs, ihr Schmerz wuchs mit jeder Sekunde, bis sie sich selbst daran erinnerte, dass ihr geholfen werden sollte. Nach wenigen tiefen Atemzügen war der Schmerz weniger, die Intensität hatte nach gelassen und das Atmen fiel ihr leichter. Ein lauter Seufzer neben ihr ließ sie ihre Augen wieder öffnen und damit hatten sich die ersten Tränen gelöst, hatten ihren Weg über die Wange aufgenommen.
      "Lass mich dir helfen", hatte der Arzt gesagt und blickte Maddie fast schon bemitleidend an, als würde er genau wissen, wie sehr es in Wirklichkeit weh tat. Es fühlte sich wie tausende Messerstiche an, die allesamt gleichzeitig in ihre Brust von der Seite zu stießen. Es war, als würde ihr jemand von Außen die Rippe raus ziehen wollen, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob das in Wirklichkeit sich genauso anfühlen würde. Letztendlich merkte die Frau aber eine kühle Hand, die von unten nach ihrem nackten Rücken griff, um sie dort zu stützen, die andere landete gleich auf der Seite, an der die Rippe gebrochen war,was die Blondine für einen Moment die Luft scharf einziehen ließ. Der Schmerz ließ wieder nach, nachdem sie sich an diese Hand gewöhnte und kaum hatte der Arzt bis drei gezählt erhob sich Madeleine mit seiner Hilfe, um sitzen zu bleiben. "Sehr gut", lobte er sie, bevor er langsam die Hände runter nahm. Links und rechts neben sich hatte sie ihre eigenen Hände abgestützt, um wirklich sitzen zu bleiben. "Tief Luft holen", befahl der Mann, was die Blondine auch tat, bevor er die Bandage ansetzte und schnell um den schmalen Oberkörper wickelte. Es schmerzte, was Maddie sofort ihre Zähne zusammenbeißen und ihre Augen zusammenkneifen ließ, sie wagte es nicht zu atmen, hielt die Luft in der Luft fest, während es immer enger um ihren Oberkörper wurde. "Fertig", sprach der Arzt, als er die Bandage nur noch befestigte, da wagte sie es langsam und bedacht die Luft wieder raus zu lassen, um festzustellen, dass es sich schon deutlich besser anfühlte. Vorsichtig atmete sie ein, es war aushaltbar. "Besser?",fragte der Mann und blickte sie an, um irgendeine Reaktion zu sehen. Maddie nickte mehrmals mit dem Kopf, um erleichtert festzustellen, dass es wirklich besser war, es war auf jeden Fall angenehmer. "Sehr schön", stellte der Mann dann auch fest, bevor er ihr dabei half sich langsam zurück zu legen, ja, es war wirklich schön.
      Mehrmals atmete die Blondine erleichtert durch, stellte fest, dass das Leben ohne Schmerzen doch viel schöner sei, vor allem auch viel erträglicher, sie bemerkte damit aber erst spät, dass der Mann am Bett sie mehrmals musterte. Erst, als er ihr ins Gesicht blickte, die Stirn runzelte, blickte sie zu ihm rüber, um feststellen zu können, was das Problem war. "Hast du Angst?", fragte er direkt, ohne ihr einen Grund für seine Frage zu nennen, aber Maddie schüttelte nur sanft den Kopf, Angst hatte sie schon lange nicht mehr, selbst vor dem Tod nicht. Wenn man einige Zeit in Angst lebte, dann lernte man diese nicht mehr zu spüren, sich nicht mehr zu fürchten. Hörbar atmete der Mann aus, er schien unzufrieden zu sein. "Ich bin gleich wieder da", verkündete er auch schon, bevor er den Mantel ergriff, der vorher auf ihr gelegen hatte, um sie zuzudecken. Er verließ das Zimmer, ließ die Frau alleine mit ihren Gedanken, ihren Sorgen. Wovor sollte sie Angst haben? Würde ihr hier was passieren? Selbst wenn, was änderte es an ihrem derzeitigen Zustand? An ihrer Zukunft? Sie hatte keine mehr.. Auch wenn sie fest stellen musste, dass der Asiate deutlich mehr für sie tat, als irgendjemand die letzten Jahre über. Er hatte ihr was zu essen gegeben, einen Arzt besorgt.. Aber was für einen Hintergedanken hatte er? Was war der Grund für all das?

      Einige Zeit blieb Maddie alleine, hatte das Gefühl eine halbe Ewigkeit die Decke über sich anzusehen, auch wenn sie sich gewiss dessen bewusst war, wie sich wirklich eine Ewigkeit in der Dunkelheit anfühlte. Sie war müde geworden, oder hatte eher die Müdigkeit langsam gespürt, die sie durch den Schmerz vermutlich verdrängt hatte, oder aber die Medikamente gaben ihr einen Grund dazu müde zu sein. Das Bett fühlte sich so weich und einladend ein, aber der Arzt hatte doch noch was vor, oder nicht? Er hatte davon gesprochen gleich wieder da zu sein, wann war denn gleich? Seine Tasche mit den ganzen Sachen stand noch hier.. Er würde doch nicht einfach verschwinden, oder nicht? Bildete sich die Blondine etwa was ein? Würde sie gleich wieder in der Dunkelheit aufwachen? In diesem nassen, dunklen Keller?
      Die Tür ging auf, der Arzt schien erleichtert zu sein, als er auf die Blondine blickte. Hatte er erwartet, sie würde verschwinden, oder was war das Problem? "Ich helfe dir beim Anziehen", verkündete er, bevor er sich daran machte seine Sachen einzupacken, die auf dem Bett und auf dem Nachtschrank lagen. "Dann fahren wir in meine Praxis.. Ich muss dich untersuchen, dich verarzten, ich kann dich nicht in diesem Zustand hier lassen". Verwundert blickte Maddie zu ihm, heiß das, sie würde ins Krankenhaus kommen? Sie würde verarztet werden und dann nach Hause können? Vielleicht bekommt jemand mit, wer sie ist! Es gab Hoffnung! Aber Moment.. Sie erinnerte sich an das eigene Spiegelbild... Ihre Eltern durften sie so nicht sehen.
      "Ist das in Ordnung?", fragte der Mann auch gleich schon, während er auf eine Reaktion wartete. Knapp nickte die junge Frau, es würde ihr geholfen werden, es würde sie jemand wirklich versorgen. Ein Oberteil wurde ihr besorgt, es gab einen Klamottenstapel im Zimmer, woher kam dieser? Hatte der Asiate ihn gebracht? Aber wann? Der Mann half ihr wieder beim Aufsetzen, jetzt mit der Bandage tat es weniger weh, die Mittel wirkten endlich auch. Langsam hob Maddie ihre Arme, um das Oberteil anzuziehen, es war lang, hätte als ein Kleid auch gut durch gehen können. Die Hose war ihr zu groß, viel zu groß, aber sie wurde eng zusammen gebunden, so konnte sie wenigstens nicht rutschen.. Klamotten, wie lange war es her, dass sie welche trug? Und wie lächerlich war die Tatsache, dass sie sich wie ein kleines Kind darüber freute welche an zu haben?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Seinen übrig gebliebenen, letzten Partner in der näheren Umgebung hätte er Herz aller liebst momentan in die Verdammnis schicken können, so war dieser Teil des Problems, der ihn zu einer weiteren Umplanung brachte. Anders war es nicht zu lösen, würde Beomseok ihre Heilung nur weiter herauszögern, stehe er auch selbst einem möglichen Informationsaustausch mit der Gouverneurstochter im Wege. So hatte er dem Arzt bereits empfohlen, ihr beim Anziehen zu helfen, solange er sich mit dem erneuten Entlanglaufen des Ganges wieder Gedanken zur Planung machte. Dem Arzt konnte er weitestgehend seiner Gesundheit anvertrauen, wenn auch er sich immer gegen eine Behandlung sträubte. Doch seiner geschäftlichen Zukunft traute er ihm nicht zu, diese nahm der schwarze Schopf einzig und allein selbst in die Hand und so war es ihm deutlich wichtig, die Zone rund um der Praxis unter Bewachung zu haben, solange er sich mit Madeleine beim Arzt und seiner vertrauten Umgebung befand. Der Arzt schien schockiert darüber, dass jemand wie er die Gouverneurstochter bei sich hatte, vor allem mit dem Zustand ihrerseits. Genauso wie seine Kameradschaft auf eine Aufklärung zu warten hatte, hatte auch der Arzt auf solches zu warten und wurde mit nur einer kurzen Erklärung davon abgehalten, sich eine eigene Theorie zu machen und möglicherweise zu versuchen höhere Mächte einzuschalten, die Beomseok und seine Pläne durchschreiten konnten. So weit dachte er aber nicht, wenn er es auch in Erwägung zog, so persönlich nah waren sich die beiden schließlich auch bisher nicht, sie hielten sich auf einer professionellen Bindung zueinander, sie waren bloß Arzt und Patient, wenn insgeheim auch Geschäftspartner. Sein Geschäftspartner verschwand sogleich auch wieder in das zugeordnete Schlafzimmer Madeleines, um ihr sogleich zu helfen, während auch der Asiate kehrt in seinem Weg machte und wieder von der Tür ins Schlafzimmer weglief. Bevor er jedoch seine Mannschaft zusammentrommelte, hatte er sich wieder in das gläserne Bürogehäuse verschanzt, um sich dort wieder an den erhellten Bildschirm zu setzen, welcher immer noch das falsche Passwort anzeigte. Er versuchte sich gar nicht erst wieder daran, lieber nahm er den USB-Stick wieder an sich und hatte gleich sein Laptop an sich genommen, welchen er unter seinen Arm klemmte. Der Stick verschwand wieder in seiner Hosentasche, nur andere Schuhe würde er sich gleich anziehen, die momentanen hatte er mit der engen Schnürung satt gehabt. Er nahm sich den Moment, um auf dem Bürostuhl zu sitzen, er hatte sowieso die Männer anzuleiten. Er rief einen der Männer an, nannte Namen die sich und einen Wagen bereit zu machen hatten. Es hatte alles schnell zu laufen, weitere Zeitverschwendung würde er nicht mehr in Kauf nehmen.

      Die Fahrt hatte seine kurze Zeit in Anspruch genommen. Beomseok hatte sich um einen größeren Wagen bemüht und nahm diesen sogleich in Einsatz, um auch der Blondine die Fahrt so schadensfrei wie möglich zu verwirklichen, bevor sie nicht gleich noch andere Verletzungen zu behandeln hatten. Er hatte sie mit sich beim Rücksitz gehabt, man hatte sie hingelegt, wie man sie auch in den Wagen getragen hatte. Der Arzt war in seinem eigenen Wagen und fuhr den Weg vor, die kleine Gruppe von Männern mit Maddie nur vorsichtig hinterher, während der schwarze Schopf im Bann seines Smartphones war. Er ließ sich von den Männern zu Hause schreiben lassen, was für Besonderheiten sie nicht womöglich fanden und welche Dinge interessanter waren, als ihr Äußeres erst wiedergab. Doch den Männern war selbst das Schnüffeln verboten gewesen, das würde der Chef schon selbst übernehmen, bevor die Informationen in womöglich falsche Hände geriet, mit seinem damaligen Freund hatten sie bereits auch jeweils schwarze Raben in der Masse gehabt, die dem Asiaten den Rücken zeigten. Sie lebten allesamt nicht mehr, er hatte jedoch keine Sicherheit ob es nicht noch weitere in der eigenen Gruppe war, weswegen er lieber alleine die Führung hielt. Zu einigen Personen war er jedoch vertrauter gewesen, diese nahm er hier auch gleich mit und hatten mit dem Betreten der Praxis Maddie tragen lassen bis zur Liege, die der Arzt ihnen zuschrieb. Beomseok hatte zuletzt die Praxis betreten, hatte noch einen analysierenden Blick durch das Außengelände schweifen lassen, er hatte sich an einem stillen Ort niedergelassen, hatte vor allem Patienten aus den höheren, sozialen Schichten, die zu sehr mit sich beschäftigt waren, als das sie sich von einem wie dem Gangster stören ließen.
      Hinter sich schloss der Asiate alle Türen und hatte sich letztendlich mit Maddie und dem Arzt alleine im Zimmer aufgehalten, doch hatte er nicht vor gehabt im weiteren Geschehen eine größere Rolle einzunehmen, er wollte bloß beobachten, bewachen und seiner Arbeit nachgehen, solange er hier zu warten hatte. Die Arztpraxis wurde vorzeitig geschlossen, keine weiteren Patienten angenommen waren es Aufgaben, die hier die eiligen Assistentinnen nicht übernehmen konnten, die immer wieder hier am Herumlaufen gesehen werden. Doch alles war bereits leer gewesen, so wurde die Tür des eigentlichen Raumes noch gar nicht geschlossen, der Arzt hatte seines eigenen Leuten den weiteren Verlauf ansagen wollen. So kam die erste junge Dame her, hatte in den Schränken gewühlt und organisierte das erste Material, mit welchen der Arzt arbeiten wollte. Zur Beratung standen immer kleinere Tische in den Räumen, welchen sogleich auch Beomseok besetzte und seinen Laptop auf diesem öffnete, den USB-Stick hatte er jedoch noch in seiner Hosentasche gelassen. Der Arzt lief letztendlich die letzten Runden umher und hatte sich auch einiges aus den Schränken geholt, bevor er sich hinsetzte und die Handschuhe auszog. " Ich werde noch einige Untersuchungen an dir machen, sollte es dir zu viel werden, heb die Hand und wir machen eine Pause. " Über einen Nachschub von Schmerzmitteln sorgte sich der ältere Mann noch nicht, dafür wirkten die Schmerzmittel vermutlich zu stark, als diese schnell aufzustocken waren. Die braunen Augen sahen für die ersten Momente den beiden zu, wollte wissen, wie der Arzt die ersten Dinge anging und die nächste Zeit ankündigte, um womöglich auch Madeleine zu beruhigen, er würde hier nicht gegen ihren Willen arbeiten wollen. Der Arzt hatte seinen letzten Blick durch die Tür gemacht, hatte sogleich zwei der jungen Damen beim hineinlaufen zugesehen, die dem Arzt zur Hilfe kamen. Einer der jungen Frauen sah jedoch auch zu dem schwarz gekleideten Begleiter, wenn ihr Blick wohl auf einer Art Nervosität ausdrückte, die hatte er bereits des Öfteren bei ihr mitbekommen. " Hast du was? ", fragte dieser scharf, richtete seinen Blick nur auf sie, während der Kopf sich schon auf den Laptop richtete. Man sah bloß, wie die zierliche Statur sich anspannte, als würde sie etwas von ihm wegen ihren Blicken befürchten, ehe sie überhaupt zu sprechen wagte. " N-Nein, was sollte ich denn haben? ", fragte sie anschließend zögernd, als würde ihr Inneres gerade beben. " Einen Kaffee oder so. ", entgegnete der schwarze Schopf, hatte sich bloß zu gerne daran unterhalten, die Assistentin unnötig einzuschüchtern, man hatte ihm ja die perfekte Vorlage dafür gegeben. Der Arzt hatte bereits den Herzschlag abgehört, wollte einfach anfangen, während er nur mit einem Grinsen den Kopf schüttelte. Man kommentierte es nicht, die andere Assistentin war die Spielereien von ihm bereits gewöhnt gewesen, weswegen sie bloß die Instrumente vor ihrem Gebrauch desinfizierte. " Achso, klar.. ", verstand sie endlich, hatte sich am Klemmbrett in ihren Händen festgehalten, während sie schon fast auf dem Weg war, ihm seinen Kaffee zu holen. " Braucht ihr sonst was? ", fragte sie, der Arzt überlegte kurz. " Bring uns Wasser, Kaffee ist gerade unvorteilhaft. "

    • Madeleine

      Müde.. Sie war so furchtbar müde, die Schmerzmittel hatten ihr zwar das Atmen und vor allem das Leben erleichtert, aber dafür hatte die Blondine Probleme damit wach zu bleiben. Alles um sie herum schien zu verschwimmen, während sie immer wieder damit kämpfte nicht wieder einzuschlafen, ob sie überhaupt geschlafen hatte? Vermutlich, denn wenn jemand sie jetzt fragen würde könnte sie nicht sagen, wie sie in den Wagen gekommen war, mit samt des Asiaten, der sie gar nicht erst beachtete. Ignorierte er sie mit Absicht? Oder hatte er wirklich etwas Wichtiges zu erledigen, weshalb er sich so sehr auf sein Smartphone fokussierte? Letztendlich war Maddie selbst zu müde darüber nachzudenken, sie schloss lieber ihre Augen wieder, um sie gleich wieder aufzumachen, als eine Delle in der Straße das Auto ein wenig rütteln ließ. Es war ganz angenehm, wie sie auf dem Weg sanft hin und her gewiegt wurde, aber wie verdammt war sie in diesen Wagen gekommen und wohin fuhren sie? Das letzte, woran sie sich erinnerte war die Tatsache, dass der Arzt ihr dabei half sich anzuziehen, danach fingen die Schmerzmittel vollkommen an zu wirken. Der Arzt! Stimmt, da war ja noch etwas, da erinnerte sich die Frau jetzt langsam wieder, sie würde ärztliche Hilfe bekommen, es sah nicht gut aus, aber wen wunderte es schon? Sie jedenfalls nicht. Sie wollte nicht wissen, was alles in ihr kaputt war, allein die Tatsache, dass sie sich keine Sorgen mehr darüber machte, dass sie nicht sprach bedeutete nichts gutes, aber ihr war einfach so vieles egal geworden, das glaubte man fast schon nicht mehr. Ob da jetzt noch mehr innerlich kaputt war war ihr doch egal, oder vielleicht redete sich die Frau genau das ein.
      Sie öffnete ihre Augen noch einmal, musterte den Mann in schwarzen Klamotten.. Er sah jung aus, er war definitiv kein Chinese, hatte sie aber darüber nicht schon mal nach gedacht? Koreaner! Er war definitiv Koreaner, da war sich Maddie sicher, mit diesem Thema hatte sie sich im Rahmen ihres Mandarin-Unterrichts auseinander gesetzt. Asien und seine verschiedenen Sprachen.. Ja, es war ein Koreaner, einem Japaner gleich er definitiv nicht. Aber mit der neu gewonnen Information schlossen sich die Augen wieder und damit wurde es wieder schwarz, ob sie wieder eingeschlafen ist? Das nächste, was Maddie sah waren die Herrschaften, die sie trugen. Die Wände um sie herum glichen einer Praxis, stimmt, sie sollte ja von dem Arzt weiter untersucht werden, ihr sollte Hilfe zu kommen. Wo war der Koreaner hin? Ihre Augen erblickten ihn nicht, aber die Blondine war zu müde gewesen, um ihren Kopf zu drehen, er würde schon irgendwo stecken. Der Gedanke verflog wieder, als man sie auf eine Liege legte, als der Arzt wieder zu sehen war und die erste junge Frau, die von Maddie sofort gemustert wurde. Es war die erste Frau, die sie seit ihrem Verschwinden sah, aber sie war zu beschäftigt Sachen aus den Schränken zu besorgen, wofür brauchten sie das alles bloß? Der Arzt war zu sehen, kurz nach ihm auch der Koreaner wieder, verdammt, es fühlte sich alles wie in einem Rausch an. Ein wenig musste die Blondine über diese Tatsache schmunzeln, sie fühlte sich so fremd in ihrem Körper gerade, wie damals, als sie sich traute mit ihrer besten Freundin einen Joint zu rauchen. Das Gefühl war der Hammer gewesen, aber der Hunger danach fast schon unermesslich. Sie hatten die ganze Nacht gekichert, sich blöde Dinge erzählt und versprochen, es niemandem zu verraten.. Ja, Maddie konnte es niemandem erzählen, keine fünfzehn stunden später landete sie in diesem Käfig in dem feuchten Keller..
      Eine Träne wollte an die Oberfläche kommen, zwang sie dazu an die Decke zu sehen, um sich abzulenken, um nicht daran zu denken, was sie bisher alles verloren hatte, was damals war. Mit ihr wurde gesprochen, der Arzt wollte Untersuchungen machen, sie sollte sich melden, wenn es ihr zu viel wurde, durfte sie es jetzt schon tun? Die ganze Situation überforderte sie seit zwei Jahren, vor allem das jetzt, was sollte das? Was war das hier überhaupt? Okay Maddie, gib der Panik keine Chance, lass sie nicht an die Oberfläche.. Sie nickte, um dem Mann zu zeigen, dass sie es verstanden hatte, dass er los legen konnte, sollte er doch machen, was er wollte, sie war ihm doch sowieso ausgeliefert, das war ihr schon klar gewesen. Er legte jedoch nicht sofort los, sprach noch mit den Frauen, seit wann waren noch zwei weitere im Raum? Wann waren sie hier rein gekommen? Die Blondine war sich bewusst, dass die Schmerzmittel stark waren, aber litt ihr Bewusstsein wirklich so stark darunter? Stimmen waren zu hören, ihre Augen blickten hin, der Asiate sprach wieder, sie musterte ihn. Würde er jetzt im Raum bleiben? Er hatte einen Laptop mit dabei, ob er den Stick schon gefunden hatte? Er hatte ihn nicht sonderlich gut versteckt gehalten, in der Hütte im Wald, Er hatte aber auch keinerlei Zugang zu ihm gehabt, ein kleines Schmunzeln bereitete es der Blondine schon, manchmal war es vielleicht doch besser zu schweigen. Zwei Jahre.. Zwei verdammte Jahre hatte sie es durch gehalten und ihm den Code nicht verraten, jetzt war der Mistkerl tot und diese Genugtuung war riesig, dass Er nicht das bekommen hatte, was Er haben wollte.

      "Ich werde dir alles erklären, was ich tue, in Ordnung?", der Arzt war auf einem Hocker zu ihr gerollt, hatte sich noch einmal Handschuhe angezogen, um die Blondine zu mustern. Ob seine Angestellten wussten, wer sie war? Wie sie wohl dazu gezwungen werden ihren Mund zu halten? Maddie nickte. "Ich werde einen Ultraschall machen, um mir ein Bild davon zu machen, wie es in deinem Inneren aussieht". Er deutete auf das Gerät, welches ihm hin geschoben wurde. Er wollte wissen, wie es in ihrem Inneren aussah, da wollte Maddie fast schon lachen, es sah katastrophal aus, mental war sie mit Sicherheit schon längst tot, aber sie regte sich nicht, nickte zu, als er das Oberteil hoch heben wollte. Das Gel war kalt, er Kopf des Ultraschalls drückte ganz schön, es fühlte sich ungewohnt an, vor allem glitschig. Der Mann sah sich alles an, den Bauch, die verschiedenen Organe, die sich dort befanden, machte oft Halt, guckte sich etwas genauer an und speicherte Bilder. Madeleine konnte sowieso nicht sagen, was er da sah, sie blickte die Decke an, um die Flecken auf dieser zu zählen. Immer wieder fielen ihr die Augen zu, öffneten sich aber gleich wieder, wenn es irgendwo drückte, oder sie aber die Luft scharf einzog, weil die Stelle doch weh tat. Der Arzt sprach mit seinen Helferinnen, er sprach Verletzungen an, die vermutlich gewesen waren, er sprach von einem Milzriss, diversen kleineren Verletzungen, vor allem aber auch alten, die schon verheilt waren. Oh, wie oft Er Maddie doch in den Bauch getreten hatte, kaum war sie auf den Boden gefallen, wie oft hatte Er noch zugeschlagen?
      Der Arzt seufzte, legte den Ultraschallkopf weg, um sich Papier zu nehmen und das restliche Gel von Maddies Haut wieder abzuwischen. Glücklich sah er nicht wirklich aus. "Muss ich dich gynäkologisch untersuchen?", er hörte sich fast schon.. gekränkt an? Oder vielleicht eher ängstlich? Vielleicht wurde ihm auch einfach nur der Ausmaß der Qualen langsam bewusst, die die Frau durch machen musste? Sie schluckte schwer und blickte an die Decke. Was wollte er sie damit fragen? Ob sie vergewaltigt wurde? Die Antwort schien ihr gar nicht so einfach zu sein, denn während sie krampfhaft versuchte gegen die Erinnerungen zu kämpfen, die vor ihr geistiges Auge wollten wurde der Kloß in ihrem Hals immer größer. Sie antwortete nicht, mied den Blick und wünschte sich nichts anderes, als jetzt einfach in einen tiefen, harten Schlaf zu fallen, aus welchem sie nicht mehr raus kommen würde. "Madeleine..", seine Stimme schien sanft zu sein, während sie ihre Augen doch wieder schloss. "Du brauchst keine Angst zu haben". Sie schüttelte den Kopf, nein, Vergewaltigung war es nicht gewesen, aber Qualen, die sie zum Reden bringen sollten. Ihre Augen öffneten sich wieder, der Blick glitt zu dem Asiaten, den Grund dafür konnte sie sich selbst nicht erklären, aber es war die einzige Person im Raum, die ihr mehr, oder weniger vertraut war. Was sie in ihm suchte? Das wusste Maddie selbst nicht, weshalb sie wieder an die Decke blickte. Der Arzt seufzte, er zog sich die Handschuhe aus. "Wir machen zuerst einen Ultraschall, okay?", er erhob sich. "Dann kannst du mir immer noch auf die Frage antworten". Sollte er doch machen, was auch immer er wollte..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."

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    • Der hell aufleuchtende Bildschirm des Laptops vor ihm hatte ihn bereits in den Bann gezogen, bevor er sich überhaupt daran machen konnte, den gewünschten Kaffee anzunehmen, welcher mit seiner geistigen Abwesenheit letztendlich nur vorsichtig neben ihn abgestellt wurde. Er starrte die leere, weiße Zeile an, die ihn nach dem Passwort fragte, um ihm überhaupt den Inhalt des USB-Sticks zeigen zu können. Selbst die Bezeichnung des Speicherplatzes blieb ihm ohne die geheime Silben- und Ziffernmischung verwehrt, er wüsste nicht mal was er letztendlich dort finden würde, vielleicht war es gar bloß eine Falle, um die Zeit des Schwarzhaarigen zu verschwenden und ihn von den Dingen zu blenden, die gerade durchaus wichtiger und aufzuhalten waren? Beomseok konnte seinem alten Freund nicht mehr trauen, definitiv nicht mehr, und umso mehr zweifelte er daran, ob er doch wirklich so durchgeknallt war wie der Asiate ihn zumindest einschätzte. Es war nichts abzusehen, genau so wie die Zeit die er noch an diesem verdammten Stick verbringen würde, um an die Daten zu kommen, die man ihm einst beraubte, die immer noch im Besitz des hier Sitzenden sein sollten. Man hatte seine eigenen Pläne zu Schaden kommen lassen, wussten doch die beiden Freunde genau, wie widersprüchlich ihre Prinzipien und ihre Ziele waren. Er dachte nach, es wäre der Glückstreffer seines bisherigen Lebens das Passwort in diesem Moment herauszufinden, überhaupt in der nächsten Zeit, denn ob ihm seine Techniker halfen, war ebenso fragwürdig. Er lehnte sich zurück, streckte die Beine aus und die Finger auf der Tischoberfläche hatten in ihrer Reihenfolge den Tisch berührt, ein dumpfes Geräusch abgelassen, welches der Schwarzhaarige beim Nachdenken begutachtete. Was könnte er nur als Passwort gewählt haben, welche Zifferkombination lag ihm nahe, etwa sein Geburtsjahr, sein Geburtsdatum, seine Lieblingszahl.. oder nicht doch eher den Verlust der Geldsumme, den er bei Beomseok verursachte? Man hörte ihn nur schnauben, was war schon zu überlegen, schließlich müsste er allesamt eintippen, um seine Vermutungen zu bestätigen, nichts mit einem Fragezeichen zu hinterlassen. Bloß geduldig hatte er zu sein, er würde selbst die Nächte wach bleiben, bis er das Passwort hatte.
      Er hatte sich selbst ein wenig von der Behandlung seines neuen Gastes ausgegrenzt, hatte er selbst zu wenig zu sagen, als das er ihre Behandlung fortschreiten könnte. Doch er hörte mit, was nun mit der Dame geschah, was man ihr für Verletzungen zumutete und jene Vermutungen, die weiter zu untersuchen waren, als das sie gefährlich so stehen zu lassen. Man hatte einen Ultraschall machen lassen, einiges entdeckt und während er selbst weiter nachdachte, sich nicht doch kurz vom Arzt abwandte und etwas in die Passwortzeile eintippte, weil ihm wieder etwas einfiel. Es verhalf ihm jedoch nichts, so saß er nur entspannt und erkundigte sich mit einem Schluck des noch heißen Getränks bei seinen Männern, ob bei ihnen etwas Auffälliges zu beobachten war. Doch sie waren mitten im Herbst, es war kalt und der immer wieder kehrende Nebel und Regen störten auch so manche Spaziergänger daran, ihren üblichen Wanderweg abzulaufen. So hatte er auch das Smartphone wieder abgelegt und letztendlich auch die Tasse, um zur Untersuchung neben ihn zu blicken.
      Die braunen Augen musterten die Assistentinnen, die eilig die Arztinformationen aufschrieben und abtippten, ihm bereits das Material für seine nächsten Schritte reichten, um einen schnellen Ablauf zu haben. Dies wurde jedoch angehalten, hatte der Arzt wieder mit der blonden Gouverneurstochter gesprochen, die schon fast wie erwartet keinen Ton von sich gab, um ihm eine genauere Antwort zu schenken. Die Atmosphäre hatte eine andere Stimmung angenommen, wenn es sich nicht nur einfach für ihn so anfühlte, doch auch die jungen Damen hatten sich erschrocken gezeigt, man konnte ihnen alles aus den Augen ablesen, das hatte er schon zu oft getan. Gänzlich hatte er das vorherige Gespräch nicht mitbekommen, zumindest den Hintergedanken dazu nicht, weswegen er nur interessiert zu der Gruppierung blickte, wenn auch seine Mimik anderes erzählte. Sein Gesicht schien immer noch unberührt von der ganzen Situationen, spürte dafür jedoch auch schnell genug den Blick, der auf ihn haftete. Madeleine sah ihn an, ihre Intention dahinter konnte er nicht sofort erahnen, weswegen er den Blick nur erwiderte, bis sie ihre blauen Augen wieder abwandte. Er musterte sie weiterhin, sah sich die blonden Strähnen an die von der Liege herabfielen, weil sie auf dieser ihren Platz nicht fanden. Sie hatte unter dem Streit zweier Freunde leiden müssen, deutlich, denn die Liste von Verletzungen war lang. Lang genug, dass auch der Asiate seine eigentliche Verantwortung für die gesamte Situation zu verstehen begann, der Blick der Blondinen konnte es nur bestätigen, wenn auch sie womöglich einen anderen Grund zu sehen hatte. Die braunen Augen liefen eine blonde Haarsträhne ab, ehe er zu Boden blickte, den Kopf sogleich wieder auf den Laptop richtete, als würde ihm damit die Entscheidung leichter fallen. Der Arzt wollte einen weiteren Ultraschall machen, hatte auf eine Antwort gewartet, er zeigte sich sehr geduldig mit ihr. Beomseok zog nochmal tief die Luft ein, war er wirklich verantwortlich dafür gewesen? Sicherlich, aber in was für einem hohen Grad war er es? Das würde ihm niemand mehr beantworten können. Entspannt hatte er die eingezogene Luft wieder ausgeatmet, diente es dafür, einen klaren Kopf zu bekommen.
      Der schwarze Schopf ist aufgestanden, gleich nachdem es der Arzt tat, um auch den Stuhl direkt hinter ihm herzuziehen. Er stoppte direkt neben der liegenden, jungen Frau, die mit dem frei gelegten Bauch den Ansatz eines Tattoos zeigte. Es blieb jedoch nicht lange das Augenmerk seinerseits, hatte er nur wieder in die blauen Augen gesehen, um aus diesen etwas herauszulesen. Beomseok würde sie nicht noch weiter im Stich lassen können, dafür kannte er sich zu gut mit ihren Gefühlen aus. Sie war anderen hilflos ausgesetzt, ohne sich körperlich und sprachlich gegen die Aktionen zu wehren, sie hatte zwei volle Jahre durchlebt, in denen sie zu vereinsamen drohte. Ihre Seele müsste letztendlich genauso wirr sein wie es bereits ihr Körper mit den ganzen Verletzungen war, er könnte sich für Schlimmeres nicht weiter in das Rampenlicht der Schuld setzen. Doch war er auch keine große Hilfe, erahnte er es doch selbst sogleich, denn seine Hand zuckte nur hilflos, sollte er ihr sie reichen, hatte sie noch Schmerzen, dass sie diese woanders auszustrahlen hatte? Er zog seine Hand zurück, sie war zu sehr in Blut und Pech getunkt worden, wie würde er bloß solch eine Hand reichen können. Sein Blick hatte sich zu dem Arzt gerichtet, fand dort seine Flucht darin und sperrte seine Gedanken wieder ab, um sich wieder die Distanz in der Gesamtsituation zu holen.
    • Madeleine

      Es war demütigend gewesen, die ganze Situation war demütigend. Sie lag wehrlos auf der Liege, hatte sich den Untersuchungen hin gegeben, hatte den Arzt einfach machen lassen, während sie alle nur einen bemitleidenden Blick für sie übrig hatten. Verdammt, sie sah nicht gut aus, sie sah schrecklich aus und es fühlte sich auch eigentlich wirklich schlecht an, aber die Schmerzmedikamente ließen es sich irgendwie nicht mehr greifbar anfühlen, als würde Maddie über den Schmerzen schweben, als würden sie kilometerweit weg von ihr sein, nicht erreichbar. Machte es ihren Anblick besser? Sie bezweifelte es, sie hatte noch immer die Erinnerung an ihr Selbstbild in dem Spiegel im Badezimmer, musste aufpassen, dass sie mit der Erinnerung daran nicht womöglich noch wieder Tränen an die Oberfläche befördern lässt, sie wollte nicht weinen und sie würde nicht weinen, das würde ihren Abgrund bedeuten. Stattdessen versuchte sich die Blondine auf etwas anderen zu konzentrieren, sie versuchte ihren Kopf zu dem Ultraschallgerät zu drehen, aber sie erkannte nichts, das Licht spiegelte sich zu sehr darin, deshalb blickte sie wieder zu der Decke, die ihr vielleicht mehr sagen konnte. Das Gel auf ihrem Unterleib war kalt, der Kopf drückte und kurz verzog sie das Gesicht, als es schmerzte. Der Arzt blickte von dem Bildschirm auf, blickte zu der jungen Frau, um sie zu mustern. "Tut das weh?", fragte er gleich, da nickte Madeleine sanft, der Druck wurde weniger, aber sein Gesicht nicht entspannter, der Mann blickte wieder auf den Monitor, drückte ein paar Tasten, murmelte etwas zu seinen Helferinnen, die andere Sachen am machen waren. Sie brauchte dringend eine Ablenkung, ihre Gedanken konzentrierten sich zu sehr darauf, was passiert war, was ihr widerfahren ist, sie wollte hier nicht zusammenbrechen, wollte nicht einfach zeigen, wie müde sie war, wie fertig sie war.
      Jemand ganz anderes trat in ihren Blickradius. Der Asiate hatte sich auf sie zubewegt, hatte sich dazu gestellt, warum war es ihr nicht aufgefallen, dass er sich erhoben hatte? Was wollte er, warum war er nicht zurück am Laptop? Hatte Maddie ihm mit ihrem vorherigen Blick etwas zu viel signalisiert? Sie blickte zu ihm, er blickte in ihre blauen Augen, die seine dunklen direkt musterten. Sie wollte etwas in ihnen sehen, irgendeinen Gedanken, den er gerade im Kopf hatte, warum er sich zu ihr bewegt hatte. Seine Hand zuckte, die blauen Augen blickten direkt hin, um sie zu mustern, was sie vor hatte, es war keine Angst, die sie spürte, sie hatte keine Angst mehr in ihrem Leben, es war die Hilflosigkeit, die ihr gerade Panik bereitete. Ihre Augen blickten wieder zu ihm hoch, kaum wurde die Hand wieder zurück genommen, ganz gleich, was er sich überlegt hatte, er nahm es zurück. Noch immer wusste Maddie nicht, wer er überhaupt war, aber er war der, der den Blick abwendete, der weg sah und sich scheinbar irgendetwas anderes überlegt hatte, während ihre Augen ihn noch immer musterten.

      Der Arzt hatte geseufzt, hatte den Ultraschallkopf wieder weg gelegt, um Maddie zu mustern, die ihre Augen von dem Asiaten nahm, um den Arzt anzusehen. Er erwartete etwas von ihr, öffnete seinen Mund gleich schon, um ihn gleich wieder zu schließen. "Ich würde zuerst gerne die Rippen und einige andere Knochen röntgen, ja?". Vielleicht würde die Frau so erfahren, was mit ihrem Fuß eigentlich war. Seit Wochen konnte sie nicht mehr richtig laufen, aber vielleicht war es gar nicht mal so wichtig, vielleicht hätte sie einfach nur zurück ins Bett gemusst, um nie wieder ihre Augen zu öffnen. Sie nickte sanft mit ihrem Kopf, nahm den Blick aber runter, ehe sie auf die Decke über sich blickte. Sie war viel interessanter, als der ganze Rest hier. Der Arzt hatte nichts zu dem Ultraschall gesagt, er hatte entweder etwas gesehen und wollte nicht darüber reden, oder er wollte es nicht in ihrer Anwesenheit, sein besorgter Blick konnte nicht davon sprechen, dass da nichts war.
      Der Blondine wurde geholfen sich aufzusetzen, sie hielt sich kurz die Seite, an der die Rippen verletzt waren, musste aber fest stellen, dass es vielleicht gar nicht so schlecht mit den Schmerzmitteln war. Mit einem Rollstuhl sollten die Mädels sie einen Raum weiter bringen, es drehte sich alles, aber Maddie hielt sich fest, sie hielt sich wach. Sie war vor allem nicht ganz aus dem Raum raus, da hörte sie schon das Seufzen des Arztes und seine Worte.. "Ich hoffe für dich wirklich, dass du mit der Sache nichts am Hut hast". Der Asiate war doch gar kein Part dessen gewesen, bis er in dem Keller aufgetaucht war, oder nicht? Sie erinnerte sich nicht an ihn, in keinster Weise, aber da war die Tür auch schon hinter ihr zu und ein dunkler Raum erwartete sie. Ihre Hände griffen nach dem Rollstuhl, Panik wollte sich ausbreiten, aber das Licht, welches angemacht wurde zeigte ihr definitiv etwas anderes, als einen Keller. Auf die Liege musste sie sich setzen, dann fuhr ein komisches Gerät über ihren Kopf entlang, die Panik ließ aber kaum nach, dunkle Räume waren einfach nicht ihr Ding..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Mit jeder weiteren Sekunde und mit jedem weiteren Ergebnis, welches er sich durch die Reihen an Untersuchungen schlussfolgern konnte, brachte selbst den erfahrenen Arzt an Grenzen der Unfassbarkeit, schon aufgrund des fehlenden Wissens, was nun letztendlich wirklich mit der verletzten Gouverneurstochter geschah. Sie wurde entführt, das sogar für zwei ganze Jahre, doch die Umstände waren nicht klar, die Situation in welcher sie sich befand, bevor Beomseok sie genau aus dieser herausholen konnte. Sie war stumm, mehr körperlich als geistig anwesend und der einzige indirekte Zeuge, der lebend war und seine Stimme nutzen konnte, war der gleichgültige Asiate, der sich schon gegenüber dem Arzt mit seiner eigenen Geschichte ahnungslos zeigte. Man bekam nichts aus ihm raus, keine Details die nicht lebensnotwendig waren, keine Daten, die der Arzt nicht selbst prüfen konnte. Es war nicht nur schwer, dass er damals nicht sprechen konnte, es war deutlich anstrengender, dass er nicht mal die englische Sprache beherrschte, selbst das Hören ihn Schwierigkeiten bereitete. Der Arzt konnte sich noch gut daran erinnern, als ihn nach einigen Terminen der Asiate seinen Namen aufschrieb. Er war Linkshänder, beherrschte die englische Schrift damals nur so gut wie die eines Grundschulkindes. Der Einzige, der dem Arzt noch dabei helfen konnte Beomseok eine richtige Diagnose zu geben, war er. Derjenige, der diese ganze Situation systematisch aufbaute und den Arzt weder mochte, noch gern bei sich hatte.
      Zum Zweck erster Röntgen wurde Madelaine in einem Rollstuhl in einen anderen Raum geführt, sodass sie nicht lange auf eine Fortsetzung zu warten hatten, schließlich war die verletzte Dame deutlich müde und hatte anstrengendes hinter sich gehabt. Ihre Abwesenheit wurde auch direkt zu einem ernsten Gespräch mit dem Asiaten genutzt, der weiterhin an der Liege stehenblieb, als hätte er nicht erkannt, dass Madelaine für wenige Momente weggebracht wurde. Doch seine Position änderte sich erstmals, als der Arzt bereits seine Hoffnung aussprach, dass der schwarze Schopf nichts damit zutun hatte. Seine Füße hatten ihn wieder zu dem Stuhl getragen, auf welchem er zuvor saß und sich an das Passwort versuchte. Der Tat folgte er auch dieses Mal für kurze Zeit, hatte lieber noch einmal ein Passwort eingetippt, ehe er dem Arzt wieder seine Aufmerksamkeit schenkte, der bereits versuchte seine Sorgenfalten wegzustreichen. Maddie war ein schwieriger Fall, schließlich sprach sie auch nicht über die letzten zwei Jahre vor ihrer Befreiung, wenn man diese auch so nennen konnte, denn die Absicht ihres Retters war noch nicht eindeutig, es war ihm selbst doch noch gar nicht eindeutig. Die tiefbraunen Augen hatten die Statur des Arztes gemustert, ehe er sich dazu entschied, den Kopf zu schütteln. Wieder fuhren die Finger still über die schwarze Tastatur, um weiteres einzutippen, es ploppte wieder die rote Schrift auf. Der Arzt verschränkte die Arme, wusste doch schon selbst genau, das da was mit seinem damaligen Kumpanen nicht stimmte, er verschwand auch wenige Monate, bevor auch der Fall der verschwundenen Maddie auftauchte. Das schwere Ausatmen des Arztes hatte den Raum gefüllt, ehe er sich neben Beomseok stellte, ihn konfrontieren wollte. " Er war es. ", kam man ihm jedoch entgegen, war Beomseok doch intelligent genug die Situation zu analysieren und auch den Verdacht des Arztes nachzuvollziehen. Der Arzt spannte sich mit den verschränkten Armen nur noch weiter an, blickte sicherheitshalber zur Tür, ob ihre Informationen nicht noch an Dritte gebracht werden konnten. Der Arzt schwieg eine Weile, zögerte jedoch dabei, den Blick wieder auf seinen langjährigen Patienten zu richten, er war in Gedanken noch bei Maddie und ihrem Verschwinden. Das schwarze Wesen war tiefenentspannt, in ihm kreiste es jedoch ebenso, doch eher um die Zukunft, statt um die Vergangenheit. " Was traust du ihm zu? ", fragte der Arzt letztendlich, kam einen kleinen Schritt näher, vor Bennet brauchte er sich nicht zu fürchten, er kannte ihn zu gut. Trotzdem hieß dieser es nicht willkommen, ihm so nahe zu stehen, während er selbst bloß saß. Er ließ sich auch in keinem Gespräch dominieren lassen, so stand dieser zu seinen Worten auf, seine Mimik kaum anders, als beim Eintritt der Praxis, beim Eintritt und Austritt der hölzernen, durchnässten Hütte. Die Hände wurden in den Taschen der schwarzen Hose gesteckt, genauso wenig die der Arzt sich vor Beomseok zu fürchten hatte, fürchtete Beomseok sich nicht vor dem Arzt, zumindest menschlich gesehen nicht. Niemals würde er vor seinem Gegenübern die Hände und dessen Bewegungen einschränken, es wäre bei einigen Personen ein fataler Fehler. " Izaiah?.. Alles. "