Das schwarze Siegel [Cailemia & Arang]

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    • Das schwarze Siegel [Cailemia & Arang]

      Zu später Stunde in einer kühlen, ruhigen Nacht, war nur das Läuten von Glocken im Hafen von Riverwood zu hören. Der Nebel zog sich sanft, aber unerbittlich über den Fluss in die kleine Stadt und trug einen kühlen Schauer mit sich, der jedem überkam, der nun noch draußen umherging. Die Laternen vermochten nun nicht die gesamte Straße zu beleuchten, die Stunde der Diebe hatte geschlagen und die einheimischen wussten darum und hatten sich bereits in ihre Häuser zurückgezogen, wenn sie welche hatten. Nun traf man nur mehr Trunkenbolde oder Fremde in den Gassen an, nicht wirklich willige, aber einfache Opfer für einen schnellen Raubzug. So schritt auch heute ein Fremder durch die Straßen Riverwoods, gekleidet in einem langen schwarzen Mantel mit hochgestelltem Kragen. Seine Hände hatte er wohl zum Schutz vor der Kälte in seinen Manteltaschen vergraben, doch ging er mit geschwollener Brust, als würde an ihm nicht die Kälte nagen und zwingen seinen Kopf einzuziehen und die Schultern zu heben, um die Wärme seines Körpers anzubetteln in ihm zu bleiben. Auch ging er nicht schnellen Schrittes, um der feuchten Kälte zu entfliehen, sondern ging entspannt, aber zielgerichtet durch die Straßen. Einige Schurken waren von diesem Anblick eingeschüchtert und kehrten ihm den Rücken, andere machten einen Bogen um ihn, weil der Nebel dies auch tat. Wahrlich sah es so aus, als würde der Nebel ihn umgeben wie einen Schleier, aber behutsam wenige Zentimeter um ihn einen Bogen machen, um den Wanderer nicht zu stören. So war es dem Wanderer möglich friedlich durch die Straßen zu schreiten, ohne gestört zu werden und er traf ohne Vorfall in der Taverne, „The Irish Pub“, ein. Die Türe öffnete sich und mit dem Wanderer zog die Kälte in der Taverne ein, bis er die Tür hinter sich geschlossen hatte. Als er die Tür mit seiner Hand schloss, konnte man die nobel gestickten schwarzen Lederhandschuhe erblicken, auf denen ein großes L gestickt war und darüber wurde noch ein D gestickt, die Initialen von David Lapide. Seine Haare verdeckten zum Teil die Augenbinde, ein klares Markenzeichen für all jene, die schon einmal von diesem Edelmann gehört hatten, doch nur wenige hatten bisher von diesem Edelmann gehört und dies war ihm auch recht, war sein Äußeres doch schon auffällig genug. Auch wenn er in der Taverne angekommen war und sich seines Mantels und Handschuhe entledigte, war dies hier, ein Lokal, in dem er von vielen Leuten angestarrt wurde, nicht sein eigentliches Ziel. Er suchte die Treppe auf und begab sich in die Tiefen dieses Gebäudes, wo ein ‚Riese‘ vor einer schweren Holztüre stand, doch zur Seite trat und die Tür öffnete, als David die Stufen herunterkam. Ein freundliches Nicken, war alles, was sich zwischen Türsteher und David abspielte, bevor die schwere Holztüre hinter dem Nobelmann wieder zu viel.

      Auch hier war eine weitere Taverne untergebracht, über dessen Natur und die Vorkommnisse, die sich darin abspielen nicht zu viel erwähnt werden sollte, sind doch die Gäste dieses Ortes sehr auf ihre Privatsphäre bedacht. Also richten wir unseren Fokus weiter auf David Lapide und die Dame, die er heute hier antreffen möchte, richten wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Frau mit langen blonden Haaren, Augen wie Rubinen und der Präsenz einer Königin, konzentrieren wir uns voll und ganz auf Alisa Petranowa.

      Mit überkreuzten Beinen, und einem Drink auf ihrem Tisch wartete sie bereits eine gute Weile auf ihren Freund, der gerne einmal unpünktlich kam, nicht weil ihm Pünktlichkeit nicht wichtig war, sondern weil er wusste, wie wichtig Pünktlichkeit IHR war. Sie war es die anderen das Gefühl gab, ihre Zeit wäre wichtiger als die eigene, doch David Lapide schaffte es immer wieder sie mit seiner ungehobelten Art zu erzürnen. Weshalb sie ihn nicht mit einem Lächeln, sondern zusammengepressten Zähnen und strengem Blick begrüßte, als er an ihrem Tisch kam. Wenn man nur genug Fantasy besaß, so konnte man sich gut vorstellen, wie gerade das Knurren eines Drachen in ihrer Brust bebte und sanft Rauch aus ihrer Nase strömte. Davids, „Ich sehe du findest mich noch immer zum Anbeißen“, bevor er sich in den Sessel ihr gegenüber nieder lies, vermochte es das Knurren sogar noch einmal lauter beben zu lassen, doch der junge Mann schien davon unberührt. Nun tauschten die beiden die ein oder andere Frechheit aus, später aufreizende Bemerkungen, um mit dem anderen zu spielen, ein paar weitere Gläser Whisky und weitere Frechheiten, bis Alisa beschloss mit ihm eine Wette einzugehen. „Na gut, weiser David Lapid, wie wäre es den mit einer kleinen Wette?“, dabei bis sich Alisa auf die Unterlippe und zwinkerte ihm zu, „In einem Adelshaus nicht fern von hier ist ein Mädchen, unheilbar krank so heißtes, weltliche Medizin ist völlig machtlos. Schaffst du es ihr zu helfen, gehöre ich einen Abend ganz dir“, wobei sie mit einer Hand über ihre Brust streichelte, um klar zu machen, worauf sie hindeutete, „Warum spielst du schwer zu haben zu sein, wenn es doch schon schwer ist dich zu wollen?“, dabei stellte er sein leeres Glas auf den Tisch vor sich, doch der Blick seiner Gegenüber entging ihm nicht. Ein Funken Mordlust in den Augen einer Frau, war doch etwas, dass er sehr erregend fand. „Aber sagen wir einmal ich spiele mit, was möchtest du, wenn ich es nicht schaffe?“

      Über die Details dieser Wette, wollen wir hier nicht eingehen, war doch schon das Angebot von Alisa Petranowa bereits so anstößig, dass wir lieber ganz schnell aus dieser Taverne verschwinden, bevor wir die Gedanken der Leser noch mehr verderben. Zwar hat man munkeln hören, dass auch Alisa Petranowas Einsatz sich geändert hat, aber was auch immer die beiden ausgemacht hatten, am nächsten Morgen, klopfte David Lapid an der Türe des Ainsworth Anwesens.

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    • Mit einem warmen Schal um den Schultern, welcher sie zu dieser Jahreszeit wärmen sollte, stand die junge Frau und Erbin des Ainsworth Haushalts, adelig alleine vom Namen her, an den großen, durchsichtigen Türen ihres Zimmers, welche direkt in den Garten des Anwesens führten - dabei wirkten die sie mehr wie Fenster als Türen – und beobachtete den Regen, der unentwegt gegen das Glas prasselte.
      Sie beobachtete, wie ihre geliebten Blumen ihre Köpfe hin und her wogen, als sie in der Ferne einen schwarzen Schatten ausmachen konnte, ehe sie realisierte, dass ein Mann auf dem Weg zum Anwesen war.
      Für einen Moment spürte sie, wie ihr Herz raste, bei dem Gedanken ihr Vater könnte endlich wieder zurückgekehrt sein, doch schon bald erhielt der Schatten Konturen und Diabla erkannte, dass der fremde Mann zu jung war, um ihr Vater sein zu können.
      Sie kannte sein Gesicht nicht, konnte sich nicht mehr daran erinnern, nur die Stimmen ihrer verstorbenen Eltern waren ihr geblieben, aber sie glaubte fest daran, dass sie ihren Vater erkennen würde, wenn sie ihn sah.
      Neugierig trat sie einen Schritt näher an die Türen, fragte sich, was der fremde Mann hier wollte, waren die einzigen Menschen die ihren Weg hierher fanden die Dorfkinder, welche das Anwesen für ihre Mutproben nutzen und schon mehr als nur einmal von ihrer Gouvernanten hinaus gescheucht werden mussten, oder Ärzte und der Fremde schien beim besten Willen in keines der beiden Kategorien zu passen, so glaubte sie.
      Sie beobachtete ihn, wie er gegen die Tür des Anwesens klopfte, spielte kurz mit dem Gedanken sich in den Flur zu schleichen um ihre Neugier zu befriedigen, entschied sich dann aber doch dagegen und überließ den Besucher ihrer Gouvernanten, welche seit dem Verschwinden ihres Vaters das Sagen im Haus hatte.
      Sie fürchtete sich davor, dass er vor ihr Angst bekommen oder sie als verfluchte beschimpfen würde, weshalb sie sich wieder ihrem Buch widmete.

      Statt von einer Maid oder von einem Butler, wie es sich eigentlich gehörte, wurde dem jungen Mann die Tür von einer älteren, Mitte fünfzig Jahre alten Frau mit einem strengen Dutt auf dem Kopf geöffnete, welche den Mann zunächst für einen Moment musterte, ehe sie ihn freundlich hinein bat, da sie ihn nicht länger im Regen hatte stehen lassen wollen.
      „Wie kann ich ihnen helfen, junger Herr? Was führt sie zum Anwesen der Ainsworth?“, erkundigte sie sich sogleich.
    • Der junge Mann trat sogleich auch ein und klopfte sich die Regentropfen vom Mantel, die sich noch nicht in den Stoff gesogen hatten. „David Lapid, ist der Name. Ich wurde von einer Kollegin auf die Situation der Hausherrin hingewiesen, sie meinte ich solle mich um das Befinden der Lady Ainsworth kümmern.“, er nahm sich selbst einfach den Mantel ab und hing ihn auf einen der Hacken, „Nun, wenn sie mich nun zu meiner Patientin führen würden?“, wobei er mit dem Arm eine freundliche Geste ins Innere des Hauses gebar. „Und lassen sie sich nicht von der Augenklappe irritieren, Madam, ich bin keines Weges ein Pirat der die Dame Ainsworth rauben möchte“, ein schräges Lächeln zauberte sich auf seine Lippen und legte den Kopf dabei etwas schräg, hielt den Arm aber noch immer Oben, damit sie voran gehen würde um ihn zu führen. „Aber dennoch würde ich gerne Tinte und Papier aus dem Haus verwenden, um meine Diagnostik niederzuschreiben, wenn sie also so nett wären, dies sodann ins Zimmer der Lady zu bringen?“ Auch wenn er fremd in diesem Haus war, sprach er mit bestimmender Autorität und mit freundlichem Nachdruck in Mimik und Aussprache. „, Miss?“, erkundigte er sich noch nach dem Namen der Dame, die ihm die Tür geöffnet hatte in seinem Wortschwall mit dem er sie zu überrumpeln verscuhte, damit sie erst garnicht lange fragen konnte, wer ihm etwas erzählt hatte, welchen Berufsstand er hatte oder wieso er jetzt kam.
    • Irritiert starrte die alte Frau den jungen Mann mit der Augenklappe an, als dieser ihm versicherte kein Pirat zu sein. Statt es als Humor und den Witz zu erkennen, der es offensichtlich war, fragte sich die alte Dame, wie oft der Herr für einen Piraten gehalten wurde.
      Nachdem der Fremde seinen Wortschwall letztendlich beendet hatte, räusperte sich die alte Frau kurz, ehe sie ihren Namen nannte. Den jungen Leuten von heute konnte es wohl nie schnell genug gehen, wobei die alte Gouvernannte das Gefühl nicht los bekam, dass der junge Mann älter war, als er aussah.
      "Miss Hadleigh, freut mich ihre Bekanntschaft zu machen, Herr Lapid", sparte sie sich dieses Mal das jünger vor dem Herr, da es ihr mit einem Mal unpassend erschien.
      "Wie sie wünschen, seien sie sich versichert, dass wir ihnen dankbar sind, dass sie die Reise auf sich genommen haben."
      Die alte Frau verbeugte sich noch einmal leicht, ohne jedoch den strengen Ausdruck auf ihrem Gesicht zu verlieren, ehe sie dem jungen Mann den Weg in das Zimmer des jungen Fräuleins wies, einmal kurz anklopfte und diese dann öffnete.

      Überrascht blickte Diabla von ihrem Buch auf, als sie das Klopfen an ihrer Tür vernahm und gab ein verwirrtes und hastiges "Herein!" von sich, da sie es nicht gewohnt war. Die Gouvernannte konnte das Zimmer nach belieben betreten und verlassen und Besuch hatte sie bereits seit zwei Jahren keinen mehr erhalten, die Ärzte schienen es aufgegeben zu haben.
      Überrascht stellte sie fest, dass es der Mann war, den sie bereits flüchtig durch das Glas gesehen hatte, starrte ihn für einen kurzen Moment an, ehe sie sich an ihre Erziehung erinnerte, sich von ihrem Stuhl erhob und einen Knicks machte, um den Fremden zu begrüßen.
      "Willkommen im Hause Ainsworth, womit kann ich Ihnen helfen?", erkundigte Sie sich freundlich und war sogar froh darüber, Besuch zu bekommen, der nicht wirkte, als hätte er Angst sich anzustecken oder Opfer eines Fluches zu werden.
      "Dies ist... Herr Lapid.", stockte die alte Frau für einen Moment, als sie sich nicht sicher war, ob der junge Mann denn nun ein Doktor war oder nicht, seine Berufung musste ihr bei seinem Wortschwall entgangen sein, "Er ist wegen eurer Krankheit hier. Entschuldigt mich für einen Moment in dem ich Tinte und Papier bringe. Ich bin gleich wieder zurück."
      Überrascht blickte Diabla seiner Gouvernannten hinterher, nachdem diese sich verabschiedet hatte, da es das erste Mal war, dass sie sie mit einem der Ärzte alleine ließ.
      Etwas schüchtern und nicht sicher, wie sie alleine mit dem Herrn umgehen sollte, lächelte sie ihn an, ehe sie ihm einen Platz zum Sitzen anbot und sich erkundigte, ob sie damit beginnen sollte ihre Symptome zu schildern. Sie war an diese Prozedur bereits gewöhnt.
    • David Lapid setzte sich wie angeboten auf einen der Sessel und sah zu Diabla auf, die noch immer wie eine Lady mit ihren Händen zusammengelegt vor ihm stand und ihm bereits ihre Symptome erzählen wollte. „Bevor wir beginnen möchte ich gleich ein paar Dinge klarstellen. Erstens, ich bevorzuge es mich mit meinen Gegenübern auf gleicher Augenhöhe zu unterhalten und nicht unter ihnen zu verweilen, wenn ich Euch also bitten dürfte Platz zu nehmen?“, dabei deutete er auf den Sessel gegenüber und beschlagnahmte einfach den Raum für sich, als würde er hier wohnen, wartete ab das sie Platz nahm und legte die Arme offen auf den Tisch. „Zweitens in einer Behandlung spricht man über Dinge die sehr intim sind, daher bin ich kein Freund der Höflichkeitsfloskeln, Dinge sollten ausgesprochen werden wie sie sind, ohne Rücksicht nehmen zu müssen, dafür lassen wir dieses noble Geplapper weg, solange wir unter uns sind, bin ich David und wir sind bei Du.“, nun kam die Gouvernante auch schon mit Papier und Stift herein. „Sehr gut, ich danke Ihnen, Miss Hadleight. Wenn sie nun bitte so freundlich wären mir und der Lady Aimsworth eine Tasse Tee zu bringen, ja?“, dabei lächelte er ganz freundlich, während er sich mit dem Oberkörper zur Tür drehte und ihr mit dem Arm zur Tür wies. Wieder folgte die Dame seinen Anweisungen, aber ihm viel auf, dass ihr dies nicht ganz zu gefallen schien, doch dies war ihm egal, sie war von keinerlei Interesse für ihn, also wand er sich wieder Diabla zu, „Drittens, diese Sitzungen werden ein wenig anders verlaufen, wie du es bisher gewohnt bist. Ich werde dich Dinge fragen, die dir unangenehm oder obskur vorkommen, beantworte sie nach bestem Wissen und Gewissen, auch wenn sie dir unangenehm sind. Je öfter du der Wahrheit ausweichst, oder mir Unfug erzählst, desto unwahrscheinlicher finden wir beide eine Lösung für dein Problem.“, nun sah er sich das Mädchen genauer an und legte den Kopf schräg, „Viertens, WIR versuchen dein Problem zu lösen, nicht ICH nicht DU. Es wird Dinge geben, die nur ich machen kann, es wird Dinge geben, die nur du machen kannst und Dinge, die WIR machen müssen. Wenn du deinen Teil nicht erledigen kannst, ist das hier Zeitverschwendung und darauf habe ich keine Lust, also bemühe dich, mehr verlange ich in diesem Aspekt nicht. Was ich dir Auftrage musst du nicht perfekt Lösen, nicht Perfektion, sondern Fortschritt streben wir an. Deine Symptome sind soweit ich gehört habe auch nicht am ersten Tag des Auftretens so gewesen, wie sie heute sind, sondern haben sich entwickelt, dass werden wir auch tun müssen.“, nun kam die Dame auch wieder mit dem Tee herein und stellte ihn ab. David nahm einen kleinen Schluck und stöhnte, „Mmmhh“, dabei legte er seine Hand sanft auf Miss Hadleights Unterarm. „Fantastisch, Earl Grey, als könnten sie meine Gedanken lesen, einfach wundervoll. Ich danke ihnen Miss Hadleight, sie können uns jetzt allein lassen“, meinte er mit zuckersüßem Lächeln und blickte zu ihr hoch, unterbrach sich aber selbst beim Reden und bleib stumm, bis die Dame den Raum verlassen hatte. „Fünftens, was wir hier besprechen und du mir sagst, oder ich dir sage, bleibt unter uns und zu guter Letzt.“, nun reichte er ihr die Hand über den Tisch, „Hi ich bin David“
    • „Bevor wir beginnen...“, begann Diablas Gegenüber bereits seine Bedingungen zu stellen und ihr wurde bereits im ersten Moment bewusst, dass dieser Mann kein gewöhnlicher Arzt war, sie begann sogar daran zu zweifeln, dass dieser Mann überhaupt Arzt war, als ihr die fehlende Tasche mit Gerätschaften auffiel. Dennoch nickte sie freundlich und setzte sich, da sie kein Problem damit hatte, sich auf Augenhöhe mit Herrn Lapid zu unterhalten, wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Fremden zu und ihr wurde bewusst, wie sonderbar dieser Mann war. Es war als hätte er seine freundliche Art und Weise abgelegt, wie eine zweite Haut und sprach nun offen und ehrlich mit ihr, mit einer Körpersprache die sie nicht gewohnt war, was vielleicht auch an ihren fehlenden sozialen Kontakten liegen könnte.
      Oder auch nicht, wenn man bedachte welche Bedingungen Herr Lapid von einer jungen Dame eines edlen Hauses verlangte, durch welche jede andere Adelsfrau beleidigt gewesen wäre, doch Diabla dagegen lauschte ihm neugierig und ließ sich seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen, ehe sie zustimmen würde. Auch sie war nicht auf den Kopf gefallen jedem Fremden, der ihr angeblichen helfen wollte, auf jedes einzelne Wort zu nicken.
      Doch was das junge Mädchen besonders überraschte, war die Tatsache, dass er sich mit einem Mal verhielt, als würde ihm das Anwesen gehören und nicht ihr, als wäre sie der Besuch und nicht er, was ihr besonders dann auffiel, als er Miss Hadleight darum bat den beiden eine Tasse Tee zu machen und auch wenn es ihr nicht gefallen zu schien, den Befehlen eines fremden zu folgen, zeigte nur ihr Gesichtsausdruck ihr Unbehagen und sie verließ dass Zimmer wieder, ehe der junge Mann mit seiner dritten Bedingung fortfuhr. Und sie begann mit jeder weiteren Bedingungen immer mehr daran zu zweifeln, dass er wirklich hier war, weil er ihr helfen wollte.
      Nachdem die Gouvernante ein weiteres Mal gekommen und wieder gegangen war, lachte die junge Frau aufgrund des erfrischenden Verhaltens ihres Gegenübers in sich hinein, ehe sie im Moment gefangen ihre Hand nach der seinen ausstreckte, einen Moment inne hielt, als ihr bewusst wurde, was sie da tat, sich für einen Moment fragte, ob das wirklich in Ordnung war, ehe sie in den Augen – nein, in dem Auge, was wohl mit dem anderen passiert war? - ihres Gegenübers erkannte, dass er nicht die geringste Angst vor ihr hatte, was sie vielleicht schön früher hätte erkennen sollen, ehe sie letztendlich seine Hand nahm und lächelte.
      „Diabla, freut mich ihre... deine Bekanntschaft zu machen, David. Verzeih wenn ich das ein oder andere mal in höfliche Floskeln übergehe, ich bin nicht daran gewohnt so offen mit Fremden zu reden, aber sei versichert, dass ich mir Mühe geben werde.“, lächelte sie, ehe sie seine Hand wieder los ließ und sich gemütlich in ihrem Sessel zurücklehnte.
      „Wenn sie... du mir wirklich helfen kannst, werde ich tun, was du von mir verlangst. Ich habe nicht vor Geheimnisse vor dir zu haben und werde jegliche Fragen ehrlich beantworten, so gut es mir möglich ist. Ob es sich letztendlich jedoch nicht doch als Zeitverschwendung herausstellt, kann ich dir nicht garantieren. Keiner zuvor konnte mir helfen, wieso sind sie so zuversichtlich, dass sie... dass du das kannst? Hast du schon mal mit ähnlichen Fällen zu tun gehabt? Sind sie... überhaupt ein Arzt?“
    • Der Mann musste grinsen und behielt dieses Grinsen auch bei, als er erneut vom Tee zippte und ihn wieder auf den Unterteller stellte, wobei dieser das altbekannte leise Klirren von sich gab, als Porzellan auf Porzellan traf. Das Mädchen dachte tatsächlich sie müsse oder könne ihm versichern, es wäre keine Zeitverschwendung, dabei wusste sie nicht einmal was sie hatte, recht erquickend aber auch aufschlussreich, dass sie bei sich selbst diese Verantwortung suchte. „Ich habe noch keine Ahnung ob ich dir helfen kann“, gestand er und wandte den Blick ab zu Papier und Tinte, schob den Tee etwas zur Seite und bereitete alles vor, um mitschreiben zu können. „Immerhin haben wir noch nicht über dein Problem gesprochen, aber mir wurde zugetragen, dass es spannend genug sein könnte, um mein Interesse zu wecken. Es gibt also jemanden der denkt, ich könne dir vielleicht helfen“, denn Alisa Petranowa ging nur faire Wetten ein und wenn sie nicht daran glauben würde er hätte eine Chance, hätte sie ihm diese Wette nicht angeboten. „Und sagen wir einfach ich bin ein Experte auf Gebieten, die sich der herkömmlichen Medizin entziehen.“, nun begann er auf dem Blatt Papier zu schreiben und begann mit:
      Diabla Aimsworth
      Alter:


      „Nachdem unsere erste Anamnese eine Weile dauern könnte, werde ich manche Fragen kurz und knackig halten, ohne Höfflichkeit, ab und an will ich genauere Erklärungen und ich werde dich immer wieder unterbrechen um auf andere Details zu achten. Lass dich davon nicht verunsichern“, lächelte er ihr zu, „Außerdem werde ich vermutlich öfter recht ernst wirken, während wir reden, dass liegt daran das ich mich konzentrieren muss deine Worte zu verknüpfen damit mir nichts entgeht“, nun trank er noch einmal an seinem Tee, stellte ihn ab und nickte auf ihre Tasse, „Vergiss nicht genug zu trinken, sonst wird dir die Kehle trocken, außerdem ist es nicht gesund, wenn man zu wenig trinkt“, dann grinste er, „Hab ich einen Arzt sagen hören. Also dann, beginnen wir: Geburtsdatum?“ und so begannen die ersten noch leichten Fragen, bis er folgendes ausfüllen konnte.

      Alter:
      Beruf:
      Eltern und deren Beruf:
      Hobbys:
      Wie und seit Wann hat alles begonnen:
      Regelmäßigkeit der Symptome:

      Beschwerdesymptomatik:
      • Wo sind die Symptome:
      • Wie fühlen sich die Symptome an: (stechend, brennend, ziehend, spannend, auslaugend)
      • Ausstrahlungen: (zieht es durch den ganzen Körper, von Herz in die Extremitäten, beginnt es im Rücken und strahlt aus, betrifft es erst Arme oder Beine)
      • Was lindert die Symptome:
      • Was verstärkt die Symptome:
      • Wie geht es Morgens:
      • Wie geht es Abends:
      • Durchschlafen:
      Familiäre Krankheiten:
      Andere ernste Krankheiten oder Verletzungen:
      Angstzustände, Traurigkeit, übermäßige Freude oder Libido, Heißhunger, vermehrte Übelkeit?
      „Das war schon einiges, dass wir geschafft haben, gut gemacht.“, dann hob er seine Teetasse und seufzte, als er hineinblickte. „Und der Tee ist auch schon leer. Das wäre ein guter Zeitpunkt für eine Pause, nicht wahr? Wie geht es dir bis jetzt?“Nun endlich wieder, zeigte auch seine Mimik wieder ein freundliches Gesicht und nicht diese steinerne Statue, zu der sein Gesicht wurde, als er sie befragte, es war beinahe schon gespenstisch, als würde man mit einer lebenden Puppe sprechen.
    • „Ein Experte... aber kein Arzt.“, stellte Diabla lächelnd fest, wobei diese Worte mehr für sie selber als für ihren Gegenüber gedacht waren. Wenn ihre Gouvernante das wusste, hätte sie den Fremden sicherlich so schnell wie nur möglich raus geworfen, doch ihr gefiel der Gedanke ein Geheimnis vor ihr zu haben. Es klang für die junge Frau spannend und abenteuerlich, etwas, wovon sie nach ihrer Meinung deutlich zu wenig im Leben hatte.
      „Hast du noch mehr solcher Sprüche auf Lager? Vielleicht glaubt dir die Gouvernante so, dass du ein Mediziner bist.“, gab Diabla amüsiert von sich, ehe sie den Rat von David letztendlich annahm und einen Schluck von ihrem Tee nahm, köstlich wie immer.
      Das sie eine Weile gewartet hatte, war dennoch durchaus gewollt gewesen. Da ein starkes Fieber zu ihren Symptomen gehörte, hatte Miss Hadleigh der jungen Dame verboten heiße Getränke oder Speisen zu sich zu nehmen, aus Angst es könnte etwas auslösen oder schlimmer machen.
      Sie begann seine ersten beiden Fragen zu beantworten, nannte ihm ihr Geburtsdatum und die Tatsache, dass ihr einziger Beruf wohl der einer Erbin war. Sie hatte keinerlei Geldprobleme, da sie noch immer finanziell von ihrem Vater unterstützt wurden und es ihr ihre Krankheit kaum möglich machte, einen Beruf zu finden, fast schon, als müsste sie sich dafür rechtfertigen, dass alles was sie tat war, in ihrem Anwesen zu lesen, im Garten zu arbeiten oder ihre Freizeit mit anderen Interessanten Dingen zu füllen.
      Da verstummte sie, als ihr bewusst wurde, dass aus dem Gesicht des Mannes tatsächlich alles Leben, dass sie vor einigen Momenten noch als erfrischenden empfunden hatte, gewichen war, als saß mit einem Mal eine vollkommen andere, fremde Person vor ihr und nicht jener David, der ihre Gouvernante aus dem Raum gebeten hat, als würde das Anwesen ihm gehören.
      Erst als ihr Gegenüber vom Papier aufsah und seine nächste Frage wiederholte, konzentrierte sie sich wieder darauf diese nach bestem Gewissen zu beantworten, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte, was ihre Eltern und deren Berufe mit ihrer Krankheit zu tun haben könnten, wobei sie sich in diesem Gebiet auch nicht besonders auskannte, sie kannte die beiden ja kaum.
      „Meine Mutter ist vor vielen Jahren verstorben, mein Vater ist ein reisender Händler, soweit ich weiß.“, erklärte er ihr mit einer leichten Traurigkeit in der Stimme, welche zu verbergen versuchte, als David sich erkundigte, was denn der Beruf ihrer Mutter vor ihrem Tod war und sie sah ihn ungläubig an. Welche Bedeutung hatte der Beruf einer Toten? Aber nun gut, wenn er dadurch eine Lösung für ihr Problem zu finden können glaubte, dann würde sie ihm diese Frage beantworten. Obwohl sie keine Antwort darauf hatte. Weder sie noch die Angestellten des Hauses wussten viel über ihre Eltern, sie hatte Fragen gestellt.
      Bei der Frage nach ihren Hobbys musste sie kurz inne halten, meinte er damit alle, die sie jemals gehabt hatte oder nur jene, mit welchen sie sich zur Zeit befasste?
      Sie beschloss, so viele aufzuzählen, an welche sie sich erinnern konnte, wozu lesen, schreiben, zeichnen, Gartenarbeit und andere Tätigkeiten gehörten, welche hauptsächlich im und um das Anwesen herum verrichtet werden konnten. Einst hatte sie sich auch am Stricken oder Nähen versucht, aber schnell wieder aufgegeben.

      Sie konnte sich nicht besonders gut an das erste Mal, als sie umgekippt und mit Fieber wieder in ihrem Bett aufgewacht war, erinnern. Wie durch einen dichten Schleier hatte sie diesen Tag erlebt, konnte sich nur an die enorme Hitze und den Schmerz erinnern, den starken Kopfschmerzen und hatte das Geräusch von klirrendem Glas in den Ohren, als sie nicht einmal mehr ihr Wasserglas hatte halten können. Im Nachhinein hatte sie von Miss Hadleigh erfahren, dass sie sich fast die Finger an ihrer Stirn verbrannt hätte, wie sie mit einem Mal auf einem Spaziergang im freien umgekippt war und zurück in das Anwesen getragen werden musste, immer wieder murmelnd, welch starke Schmerzen sie hatte und das es aufhören soll, die Worte eines 13 Jahre alten Kindes.
      Sie hatte keine Wunden gehabt, keine Insektenstiche oder andere Dinge, welche ein offensichtlicher Indikator für ihren plötzlichen Anfall hätte sein können, deswegen war es ja so ein großes Rätsel.
      Es waren ungefähr zwei bis drei Wochen nach ihrem Geburtstag gewesen, an das genaue Datum erinnerte sie sich nicht. Es schien nie wichtig zu sein.
      Anfangs war über einem halben Monat nichts mehr passiert, weshalb man es als einmalige Sache abgetan hatte, doch je älter sie wurde, desto öfter kamen die Anfälle. Diabla versuchte sich an die Zeitabstände zu erinnern, welche sie noch ziemlich gut im Kopf hatte, da sie als Kind aus Angst, es könnte wieder passieren, begonnen hatte die Tage zu zählen. Es fühlte sich jedes einzelne Mal so an, als würde sie sterben.
      Die ersten vier Mal waren ungefähr ein halbes Jahr von einander entfernt, ehe aus 6 Monaten vier wurden, dann drei, dann eine, ehe aus Wochen letztendlich wenige Tage wurden und zum jetzigen Zeitpunkt sie alle drei bis vier Tage einem Anfall erlag.

      Zu den Symptomen gehörte ein brennendes Gefühl im gesamte Körper,wobei Diabla nicht sagen konnte, wo es begann oder ob es überhaupt so etwas wie einen Anfang gab. Mit einem Mal schien sich ihr gesamter Körper auf einmal zu erhitzen, ihre Körpertemperatur stieg, ehe sie letztendlich nach kühler Luft schnappend umkippte, ihr Körper die immense Hitze nicht ertragen zu können schien. Die Gouvernante meinte sogar, dass sich ihre normale Körpertemperatur seitdem angepasst hätte und ihre Hand von Natur aus warm war.
      Sie wüsste nicht, dass es etwas gab, dass ihre Symptome jemals gelindert hätte. Selbst wenn man ihr Eis auf die Stirn legte, schmolz diese, ohne dass sie es groß mitbekam. Zusätzliche Wärme dagegen, wie ein prasselndes Feuer oder eine Decke, schien diesen Zustand zu verschlimmern, nicht, wie es bei einem gewöhnlichen Fieber der Fall war.
      Ob sie nun einen Anfall Morgens oder Abends hatte, schien für Diabla keinen Unterschied zu machen und solange sie Nachts keinen ihrer Anfälle hatte, war sie durchaus in der Lage durchzuschlafen.
      Sie berichtete David, dass ihre Mutter an einer ebenso unbekannten, unheilbaren Krankheit verstorben war, weshalb die meisten Ärzte es für eine familiäre Krankheit halten, jedoch waren die Symptome unterschiedlich. Während ihre Mutter mit jedem Tag schwächer wurde, egal wie viel sie aß oder trank, bis sie verstarb,litt Diabla nur an Hitzeanfällen, ihrer restlichen Gesundheit schien es gut zu gehen, auch wenn sie aufgrund ihrer Situation nicht die sportlichste Person war.
      Andere Krankheiten hatte sie nicht gehabt, die einzigen Verletzungen, an die sich erinnern konnte, waren Kratzer und Schrammen, als sie als Kind zu schnell gerannt und gestolpert war.

      Ja, sie hatte Angst, sie fürchtete sich darüber eines Tages wie ihre Mutter einfach zu sterben, oder sie fürchtete sich vor dem nächsten Anfall, welcher ihr dem Tode nah zu sein schien. Traurigkeit? Nun... Diabla zögerte, überlegte kurz, ob sie wirklich darüber reden sollte, ob sie darüber reden wollte, erinnerte sich dann jedoch an ihre Vereinbarung und atmete einmal kurz tief ein, ehe sie sich dieser Frage stellte und ihre Gedanken in Worte zu fassen suchte.
      Ja, sie war traurig darüber, dass ihre Mutter so früh gestorben war, dass ihr Vater seit unglaublich vielen Jahren nicht mehr Zuhause war, auch wenn sie sich immer auf seine Briefe freute, die Einsamkeit, die mit den Gerüchten einherging machten ihr zu schaffen und auch wenn sie versuchte, immer alles positiv zu sehen, so konnte auch sie der Trauer hin und wieder nicht entrinnen. Sie würde nicht behaupten, dass sie übermäßige Freude verspürte, wobei sie sich nicht einmal sicher war, was sie sich darunter vorstellen konnte. Sie erfreute sich an ihren Geschichten, ihren Büchern, oder ihren Blumen und ist für Momente dann einfach glücklich, wie alle anderen auch. Mit den anderen drei Dingen konnte sie dagegen nicht das geringste Anfangen.

      „Wie es mir geht?“, wiederholte sie seine Frage und lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Sie fühlte sich, als hätte man sie gerade verhört und sie war erschöpft, so viele persönliche Dinge mit einem fremden Teilen zu müssen. Außerdem hatte es sich angefühlt, als hätte sie mit einer Wand geredet.
      „Erschöpft... würde ich sagen.“, war sich Diabla nicht sicher, als sie ihre Teetasse nahm und den Rest vom Earl Grey trank, welcher jedoch bereits kalt geworden war. Sie hatte sie so auf das Beantworten von Fragen konzentriert, dass sie ihren Tee ganz vergessen hatte.
      „Und? Hat dir das in irgendeiner Art und Weise geholfen?“, gewöhnte sie sich langsam daran David zu duzen.
    • Mit einem Lächeln nickte er ihr ein paar Mal zu und hatte dabei sein Auge geschlossen gehalten. „Mhm, gut verständlich. Du hast mir weitergeholfen.“, dann deutete er auf eine bequemere Couch in Diablas Zimmer die besser gepolstert war. „Zieh dir doch etwas Bequemes an und ruh dich etwas auf der Couch aus. Später muss ich mir ansehen, wie du dich bewegst.“ Nun stand David vom Sessel aus und streckte sich einmal gut durch, „Ich werde derweilen neuen Tee bringen, damit du Zeit hast dich umzuziehen“, dann schnappte er sich die Teetassen und Untertassen, als wäre er seit seiner Geburt zum Butler ausgebildet worden und spazierte damit aus der Tür.

      Nun betrat er die Küche und fand dort seine liebste Gouvernante an. „Oh, Miss Hadleight.“, er stellte die Teetassen auf den Küchentisch, legte die rechte Hand auf die Brust und verbeugte sich leicht. „Der Tee war fantastisch, ich hole Nachschub.“, dann setzte er sich im Halbstehen auf den Küchentisch und stützte sich mit den ausgestreckten Armen darauf ab. „Sie sind bestimmt schon lange hier im Anwesen, wissen sie ob vor Diabla dreizehnten Geburtstag irgendetwas geschehen ist. Ein seltsamer Besucher? Oder können sie mir sagen, wie genau ihr Vater an seinen Reichtum gekommen ist?“, noch bevor die Gouvernante skeptische Fragen stellen konnte, fügte er hinzu, „Es gibt Materialien, Gesteine, die giftig sein können und dem Körper schaden, dies sind neue Studien. Verstehen Sie, ich versuche herauszufinden, wo das Alles ihren Anfang genommen hat.“
      Nun ließ er sich von der Gouvernante einige Dinge erzählen, auf die ihm Diabla leider keine Antworten geben konnte, bevor er ihr noch mehr Schmeicheleien ums Maul schmierte und mit den Teetassen zurück zu Diabla kehrte.

      Die Symptome die Diabla beschrieb, waren recht eigen und ihm war nun völlig verständlich, warum die Ärzte dieser Zeit keinen Reim darauf hatten. Ihre Kopfschmerzen und die Hitzewallungen hätten gut von einer Art Migräne kommen können, dies würde auch die einsetzende Schwäche erklären, dennoch, die Hitze, Schwäche und Kopfschmerzen waren nicht richtig beschrieben. Außerdem müsste sie an diesem Fieber noch andere Symptome zeigen und sich nicht so schnell erholen. Vielleicht eine Art der Besessenheit? Doch warum hat sie keine ‚besonderen‘ Kräfte entwickelt? Bloß eine erhöhte Körpertemperatur? War diese vielleicht gedacht das Wachstum des Gastes zu fördern? Außerdem stellte sich David die Frage, ob es sich um einen Symbionten oder einen Parasiten handelte, den im Moment wirkte, das alles sehr parasitär. Auf der anderen Seite konnte es auch gut sein, dass es eine Art Strahlung war, die langsam an ihrem Körper fraß, doch dafür war sie in ihrem jetzigen Zustand zu fit. Auch ihre Psyche schien normal, zumindest für ihre Zustände. Nun hieß es eben ihre körperlichen Fähigkeiten zu analysieren, die ‚genaueren‘ Tests, würden später folgen.
      Und prompt ohne zu klopfen, trat David mit zwei Teetassen in der Hand das Zimmer.

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    • Diabla erwiderte das Lächeln freundlich, glaubte jedoch selber nicht daran, dass ihre Aussagen ihrem Gegenüber ermöglicht hatten, eine Lösung zu finden. Zugegeben, seine Methoden waren unglaublich ungewöhnlich, die junge Dame konnte sich nicht erklären, wie diese Fragen helfen könnten ihrer Krankheit auf den Grund zu gehen, aber es machte ihr im Moment Spaß und David schien nicht, als würde er ihr mit diesen Informationen Schaden wollen.
      „Wie ich mich... bewege?“, kommentierte sie seine Aussagen belustigt, während sie schief lächelte und sich fragte, welch tieferer Sinn dahinter stecken könnte.
      Dabei war es noch helllichter Tag... oh, wahrscheinlich wollte er ihren Körper untersuchen, wie es andere Ärzte vor ihm getan hatten. Es stimmte wohl, dass dies sich in ihrem derzeitigen Kleid als Schwierig erweisen würde, zumindest war das das Ergebnis, auf welches Diablas Denkprozess kam.
      Sie staunte über seine geschmeidigen, geschickten Bewegungen, ehe David den Raum verließ und sie ihm neugierig nachblickte. Nun wusste er so vieles über sie, ob sie sich wohl auch die ein oder andere Frage erlauben dürfte?

      Die Gouvernante war gerade dabei das Mittagessen vorzubereiten, sie hatten diese Woche einfach nicht genug Hände, nachdem zwei der Angestellten ihren Urlaub angemeldet hatte, und was sollte sie schon machen? Sie konnte den hart arbeitenden, jungen Leuten diesen kaum verbieten und neue Leute ließen sich schon seit Jahren nicht mehr einstellen. Selbst das großzügige Gehalt schien nicht genug zu sein, um die Gerüchte zu übertönen.
      Miss Hadleight gab einen wehmütigen Seufzer von sich, als sich die Tür öffnete und der Heilpraktiker die Küche betrat, mit zwei Tassen im Schlepptau und die alte Frau fragte sich, woher er gewusst hatte, wo die Küche war und wie er es sich anmaßen konnte, durch das Anwesen zu spazieren, als wäre es das seine.
      Gerade wollte sie etwas über diesen Umstand sagen, sich beschweren, er solle doch auf ihre Rückkehr warten oder sie rufen lassen, als Herrn Lapide das Wort an sich riss und ihren Tee lobte, gefolgt von einer geschmeidigen Verbeugung, die ihre Wut vergessen ließ. Sie wusste nicht recht, ob dieser Mann denn nun Manieren hatte oder nicht. Es war, als würde er es sich von Begebenheit zu Begebenheit aussuchen.
      Sie drehte sich wieder von dem Mann um, ohne ein Wort zu sagen, und begann einen neuen Tee aufzusetzen, als dieser begann fragen zu stellen. Somit konnte sie sich ihre nächste Frage, die bereits auf ihrer Zunge lag, sparen.
      „Um genau zu sein, arbeite ich seit der Geburt des jungen Fräuleins in dem Anwesen...“, begann sie, unterbrach sich aber selber. Zunächst starrte sie für einen Moment ungläubig gegen die Wand, ehe sie über ihre Schulter zu dem Herrn blickte.
      „Hat sie euch erlaubt, sie bei ihrem Vornamen anzusprechen?“, konnte es die alte Frau nicht glauben, ehe sie sich mit leichter Wut in den Zügen wieder dem Tee zu wand. Das ging doch nicht, ein fremder Mann darf doch nicht einfach den Vornamen der Hausherrin in den Mund nehmen, als wären sie einander vertraut. Sie würde das Fräulein auf diesen Umstand aufmerksam machen müssen, offenbar hatte sie ihre Erziehung in Ansicht von zwischenmenschlichen Beziehungen vernachlässigt. Sie schob es auf die Umstände der jungen Dame, aber es war nichts, was sie nicht nachholen können würde.
      „Was ihre Fragen angeht, muss ich sie leider enttäuschen. Der Hausherr war mir selbst ein Rätsel, als er noch hier gelebt hatte. Ich habe gehört er soll mit Stoffen und Schmuck gehandelt haben, andere sagten, er habe sich ein Imperium mit Kakao aufgebaut. Die seltsamsten Besuche, die dieses Haus bisher gesehen hatte, waren Ärzte und Heilpraktiker, die behauptet hatten, der junge Dame helfen zu können.“, erklärte sie dem jungen Mann, während sie geflissentlich an dem Tee arbeitete, ehe sie diesen auf ein Tablett stellte und einen Teekrug dazustellte, für den Fall, dass die Herrschaften noch mehr Tee benötigten. Sie musste sich um andere Dinge kümmern.
      „Verzeihen sie, dass ich ihnen bei ihrer Suche nicht weiterhelfen kann.“, verabschiedete die alte Frau den Mann mit diesen Worten, ehe sie sich wieder an das Mittagessen wand und sich über die Worte des Heilpraktikers Gedanken machte.


      Während David mit der Gouvernanten sprach, hatte sich Diabla von ihrem Sessel erhoben und ein Nachthemd herausgesucht, das schlicht und einfach war und die Gouvernante ihr erlaubte zu tragen, wenn es ärztlichen Besuch gab, wobei sie sich diesen Prozess gerne gespart hätte. Keiner hatte je etwas gefunden, wieso sollte also David etwas ungewöhnliches auffallen?
      Nachdem sie sich aus dem mehr oder minder kompliziertem Kleid befreit hatte, schlüpfte sie gerade in die Ärmel ihres Nachthemdes, als sie mit einem Mal spürte, dass es im Raum wärmer geworden war – nein, siewar es, die Wärmer geworden war.
      Im nächsten Moment wurde der jungen Dame schwindlig vor Hitze und sie hielt sich die Hand an die Stirn, stützte sich an der Lehne der Couch ab, um das Gleichgewicht zu halten und nicht sogleich umzukippen. Ihr Atem ging schneller, sie schnappte nach kühler Luft.
      Schnell, um nicht auf dem Boden zusammen zu kippen, ging sie zwei wackelige Schritte um die Couch herum, wollte sich eigentlich darauf legen, stattdessen sanken ihre Knie ein und nur ihre Arme und ihr Kopf landeten auf der Fläche der Couch, an welcher sie sich festkrallte, als könnte sie damit den eintretenden Schmerz verscheuchen, oder zumindest besser ertragen.
      Ihre Sicht und ihre Gedanken waren benebelt, weshalb ihr auch gar nicht mehr auffiel, dass sie nicht die Zeit gehabt hatte den Reißverschluss des Nachthemdes, welcher sich an ihrem Rücken befand und daher ein ungewöhnlich geformtes Muttermal preis gab, als sie bereits hörte, wie die Türe sich öffnete.

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    • Die Gouvernante schien eine ernste Frau zu sein, pflichtbewusst, aber tatsächlich um die Herrin des Hauses besorgt. Währe Alisa zugegen gewesen, so hätte er behauptet Diablas Namen absichtlich genannt zu haben, um Lady Hadeleights Reaktion zu sehen, doch in Wahrheit hatte er sich geistesabwesend verplappert, zu viel war ihm durch den Kopf gegangen, als er bei ihr in der Küche aufgetaucht war. Sie wollte ihn nicht rausschmeißen, obwohl er allein mit Diabla in einem Zimmer war und sie bereits beim Vornamen nannte, das verriet ihm das ein oder andere, zudem schien sie gestresst mit den anfälligen Hausarbeiten, aber welche Gouvernante war das nicht?

      Ruhigen Schrittes begab er sich zum Tisch, während er Diabla betrachtete die über der Couch zusammengebrochen war. Die Situation spiegelte ihre Symptome wider, weshalb er annahm, dass sie einen Anfall hatte, da sie ihn auch nicht ansprach und ihr Nachthemd noch geöffnet verblieben war. „Ich bin gleich bei dir, du bist nicht allein“, sagte er ohne jegliche Hektik und stellte die mitgebrachten Getränke unbeirrt auf den Tisch, bevor er gemächlich zu Diabla schritt und sich mit dem Rücken zur Couch neben sie auf den Boden setzte. „Leg dich hin und versuch den Schmerz weg zu atmen“, dabei griff er ihr unter die Arme und legte sie auf den Rücken, ihren Kopf in seinem Schoss gebettet. Mit seiner Hand wischte er ihr die langen roten Haare aus dem Gesicht, die vom Schweiß verklebt waren und zog Diabla an seine Brust. „Atme den Schmerz tief ein, akzeptiere ihn und atme ihn wieder aus“, begann er und legte eine seiner Hände auf ihre Stirn. Als die Haut sich traf, strömte eine Kälte aus Davids Hand und traf auf Diabla, als würde sie in einer Winternacht vor dem offenen Fenster stehen und die eisige Luft strömte auf sie zu. „Kämpfe nicht gegen den Schmerz an, oder die Hitze, akzeptiere beides und lass sie mit deiner Atmung deinen Körper verlassen.“

      Wahrlich das Mädchen glühte, als er sie aufgefunden hatte, war ihr Nachthemd noch trocken, doch jetzt war es so dunkel von Feuchtigkeit, als wäre sie stundenlang durch den Amazonas gelaufen. Wo sie auf ihm lag, spürte er durch die Kleidung ihre Hitze auf ihn überwandern, ein wohliges Gefühl würde sie nicht wie in einem Delirium gefangen vor ihm liegen. Doch nun konnte er wenigstens sagen, dass es keine gewöhnliche Krankheit war, denn die Erzählungen waren nicht übertrieben, das junge Mädchen strahlte eine Hitze aus die ein Mensch weder so schnell aufbauen, noch abbauen konnte, im normalen Fall wäre diese Hitze ein Todesurteil, denn solch ein Fieber würde einen dahinraffen.

      „Du hast es hier sehr schön eingerichtet“, meinte David dann geradeheraus und sah sich ihr Zimmer an, während seine Hand weiter ihre Stirn kühlte, als wäre sie aus ewigem Eis, unmöglich zu schmelzen und ein ewiger Quell der Frische. „Und einen wunderschönen Blick auf den Garten.“, fügte er hinzu und hatte begonnen ihren Körper leicht hin und her zu wippen, als würde er ein Kind in Armen halten und zu trösten versuchen. „Besonders gefallen mir die Amaryllis, oder auch Rittersterne. Was ist deine Lieblingsblume, Diabla?“
      Doch hatte er kein einziges Mal, seit er Diabla im Arm hielt seinen Kopf gehoben, sah er nur zu ihren Augen hinab und versuchte zu erkennen ob sich ihr trüber Blick langsam klärte. Seine Mundwinkel waren leicht nach Oben gezogen, sein Blick suchte ihren und behutsam wog er ihren Körper zu seinem. Sie wirkte im Moment so schwach und ruhig, als wäre jegliches Leben aus ihr gewichen, dabei hatte er sie als wissbegieriges, vor Freude und Lebensenergie strahlendes Mädchen kennengelernt, dass die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatte, ein besseres Leben für sich zu finden. Was auch immer sie befallen hatte, war David noch fremd, doch ihr Zusammenbruch eben, hatte ihm einige Fragen beantwortet, doch keine half ihm hinter das Geheimnis zu kommen, dass sich in ihrem Körper verbarg. Er würde ihren Körper wohl doch noch genauer unter die Lupe nehmen müssen, als nur ihre körperlichen Fähigkeiten, doch er war sich ungewiss ob er dem Mädchen dies bei ihrem ersten Treffen zumuten konnte, noch ob Lady Hadleight ihm nicht den Kopf abreisen würde, würde sie zufällig zu diesem Zeitpunkt das Zimmer betreten.

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    • Die junge Frau hörte David nicht, weder seine Worte, noch dass er hinein gekommen war, während sie sich darauf konzentrierte nicht den Verstand zu verlieren, ihre Konzentration zurück zu gewinnen oder zumindest nicht das Bewusstsein zu verlieren, aus Angst, was dann mit ihr geschehen würde. In diesem Moment wollte sie nicht sterben.
      "... atmen.", war alles, was Diabla in ihrem Zustand vernahm, nahm ihren Ortswechsel zu Kenntnis, hatte jedoch weder die Kraft, noch den Kopf dazu, sich große Gedanken darüber zu machen.
      Sie konzentrierte sich alleine auf dieses Wort, in der Hoffnung, es würde die Situation einfacher machen, angenehmer, zumindest besser zu ertragen, wenn es schon nicht aufhören wollte, und zwang sich dazu tief ein und aus zu atmen, statt wieder in eine Schnappatmung zu verfallen, was ihr jedoch nur das ein oder andere Mal gelang, schien die Hitze stärker zu werden, wenn sie nicht versuchte diese mit der Luft der Außenwelt zu kühlen, welche bereits in ihrem Hals zu warm wurde, ehe sie überhaupt in ihre Lungen gelang.
      Sie vernahm ein brummen, jemand musste ein weiteres Mal zu ihrem sprechen, hörte die Worte jedoch nicht, vernahm sie nicht, als sie eine kühle Hand auf ihrer Stirn spürte - ein Umstand, der sie bereits genug überraschte - als es mit einem Mal kühler wurde und die junge Frau vor Überraschung tief die Luft einsog.
      Es fühlte sich an, als würde die Kälte selbst ihren Körper betreten, sich von ihrer Stirn aus ausbreiten, ehe sie scheinbar auf den Ursprung der ansteigenden Hitze traf, ihr Körper mit einem Mal wärmer wurde, als würde er sich dagegen wehren, und Diabla sich zusammen zog, als sie einen heftigen Schmerz spürte, der anders war als jener, dem sie bisher ausgesetzt war.
      Instinktiv krallte sie die Hand um den Stoff, der sich über ihrer Herzgegend befand, hielt für einige Momente die Luft an, als könnte sie es dadurch erträglicher machen.
      Es war, als würde sich die Kälte einen unerbittlichen Kampf gegen Flammen liefern, ehe die Kälte gewann und sich die Flammen zu beruhigen begannen.
      Ihr gerade noch verkrampfter Körper entspannte sich, ihre Atmung begann sich zu normalisieren, als sie ihre Augen wieder öffnete und dem Davids begegnete.
      "... Blumen?", wusste sie für einen Moment weder, wovon der Mann sprach, noch wer er war, ehe sie ihren Kopf suchend zur Seite legte, ihren Blick durch die Glastüren schweifen ließ und sich ein Lächeln auf ihren Zügen bildete, als sie die Blumen erkannte.
      "Ich liebe sie alle.", lächelte sie stolz, "Aber... die Gerbera sind mir am liebsten. Es waren die Lieblingsblumen meiner Mutter... Sie hat mir immer einen Blumenkranz aus ihnen und Blausternen gezaubert."
      Die junge Frau drehte sich zur Seite, in Richtung Davids gewandt und schien es sich bequem zu machen, ehe sie einen erschöpfen Seufzer von sich gab.
      Ihre Körpertemperatur normalisierte sich langsam, wenn sie in diesem Moment auch noch ziemlich warm war, und der Nebel vor ihren Augen und in ihrem Kopf begannen langsam, sich zu richten, ihr Körper sich zu erholen.
      "... Danke...", murmelte sie, wenn sie auch nicht wusste was er getan hatte, so glaubte sie zumindest, dass er der Grund dafür war, dass sich ihr Zustand langsam normalisierte.
    • Diabla hatte sichtlich Herzschmerz, so presste sie sich doch ihre Hand auf die Brust und krallte den Stoff zusammen, ein Symptom, dass sie so nicht erwähnt hatte. Der Körper wehrte sich also tatsächlich gegen Davids eisige Berührung und ein Virus, ein Bakterium oder Strahlenschäden sowie eine Vergiftung waren damit ausgeschlossen. Wahrlich es handelte sich um etwas Übernatürliches, so wie die Menschen es nannten. Ein Parasit war für David die nahegelegenste Möglichkeit, lästige Kreaturen, doch ohne genauer zu wissen um welchen Parasiten es sich handelte, konnte der junge Mann auch nichts machen. Vielleicht aber auch doch ein Fluch oder eine Besessenheit? Nun galt es in anderen Gebieten zu forschen, doch das Mädchen war nun kaum in der Lage ihm dabei zu helfen. Selbst durch ihre Kleidung fühlte er ihren Schweiß feucht auf seiner Hand und so erschöpft wie sie war, machte sie es sich auch gleich auf dem jungen Mann bequem. „Das stelle ich mir bezaubernd vor, Diabla“, meinte er zu dem Blumenkranz, den sie getragen hatte, griff ihr unter die Beine und den Rücken, um sie hoch zu heben und ins Bett zu tragen, dabei fiel ihr Oberteil ein wenig von ihr ab, da es nicht geschlossen war und er spürte ihren warmen Rücken auf seinem Unterarm. Sie war schon abgekühlt aber noch immer erstaunlich warm, ein wohliges Gefühl.

      Behutsam legte er die Lady des Hauses in ihr Bett, strich ihr verschwitzte Haarsträhnen aus dem Gesicht und betrachtete ihre Gesichtszüge. Sie hatte makellose Haut, die mit einer zarten Bläse reizte. Nicht eine Unreinheit war darauf zu erkennen, beinahe erinnerte sie ihn an eine Vampirin, so schön und rein, als wäre sie aus Marmor künstlich erschaffen, doch ihre Haut war nicht hart oder kalt wie die eines Vampires oder Marmor, sondern warm und weich, als würde man über eine Rosenblüte streichen. Ihre Augen und ihr feuriges Haar, gerade noch wie ein kraftvolles Feuer, loderten nun nur noch schwach, nachdem sie ihren Anfall hatte.

      „Lady Hadleight wird mich vermutlich köpfen, aber dein Nachtgewand ist völlig verschwitzt und es wäre wohl besser, wenn wir dir etwas trockenes anziehen.“, dabei grinste er bis zu beiden Ohren und zwinkerte ihr zu, „Ich riskiere also vermutlich mein Leben, weil ich dir helfen will dich umzuziehen, ich bitte dich nur dies in ehren zu halten, falls deine Gouvernante mich dabei erwischt und mich zum Teufel jagt.“, dann stand er vom Bett auf und machte sich an den Ort auf, an dem er ihre Garderobe vermutete um ihr ein Nachtkleid auszusuchen. „Ich werde dir nur ein Nachtkleid bringen, lass die Unterwäsche bitte an“, bat er sie mit einer gleichzeitigen Aufforderung damit zu beginnen sich zu entkleiden.
    • Müde und erschöpft ließ sich die junge Dame von David in ihr Bett tragen, doch so erschöpft sie war, so erleichtert war sie auch, sich einige Stunden gespart zu haben, in welchen sie normalerweise die Hitze und den Schmerz ertragen musste, sowie die Angst es vielleicht dieses Mal nicht mehr zu schaffen.
      Sie drehte ihren Kopf zu dem jungen Mann, als dieser mit ihr sprach und war bemüht die Augen offen zu halten, wollte sie doch nicht unhöflich sein und ihm das Gefühl geben, als würde sie ihm nicht zuhören, wobei er ihr in ihrem Zustand sicherlich auch nicht böse gewesen wäre, wenn sie einfach eingeschlafen wäre.
      Als Reaktion auf seine Worte lächelte sie amüsiert und gab einen belustigten Laut von sich, ehe sie sich mit ihren letzten Kräften aufsetzte. David hatte Recht, es war ein unangenehmes Gefühl, wie durch den Schweiß ihre Kleidung und ihre Haare an ihr klebten, es war, als wäre sie gerade erst aus der Wanne gestiegen.
      „Sie wird dir sicher verzeihen, wenn sie sieht, wie es mir plötzlich besser geht.“, lächelte sie, ehe sie bereits begann aus den Ärmeln zu schlüpfen.
      Diabla war gerade dabei sich ihren zweiten Ärmel vom Arm zu ziehen, als sie stockte und sich etwas in ihrem Hinterkopf bei ihr meldete. Angestrengt nachdenkend versuchte sie herauszufinden, was da an ihren Gedanken nagte, als sie sich an die Stimme der Gouvernanten erinnerte, sich nie in Begleitung eines Mannes umzuziehen, gleich nach nie mit einem fremden Mann alleine in einem Raum zu verweilen, zum einen schickte es sich nicht und zum anderen... waren sie alles Wölfe. Bis heute verstand die junge Dame nicht, was die Gouvernante damit gemeint hatte, ehe sie ihren Blick fragend an den jungen Mann in ihrem Zimmer wandte, kurz überlegte, ehe sie beschloss, dass es unter den gegebenen Umständen in Ordnung sei.
      Wenn sie Miss Hadleight berichtete, dass es nur um eine körperliche Untersuchung ging, dann würde sie sicher Verständnis dafür zeigen, wäre ja nicht ihre erste.
      Somit stülpte sie das durchnässte Stück Stoff über ihren Kopf, als David bereits mit einem anderen Nachthemd an ihre Seite trat, welches sie stattdessen über ihre dem 18.Jahrhundert entsprechende Unterwäsche ziehen konnte, ehe sie sich erschöpft wieder auf das weiche Bett legte.
      „... wie hast du das gemacht?“, erkundigte sie sich neugierig und richtete ihren Blick auf den jungen Mann, „Das es aufgehört hat... meine ich.“
    • David setzte sich neben Diabla auf das weiche Bett, damit sie gemütlich mit ihrem Kopf im Kissen versinken konnte und ihn trotzdem gut im Blick hatte. Mit einem breiten Grinsen, das er auf den Wangen spannen fühlte, hob er die Schultern und ließ sie wieder fallen, „Mit etwas Glück und einem ruhigen Händchen.“, dann legte er seinen Zeigefinger auf den Mund, „Aber ein Zauberer verrät niemals seine Tricks“, dann nahm er die Hand wieder herunter und legte sie auf Diablas Hand, die noch unter der Decke herausblitzte. „Aber selbst dieser kleine Trick lindert nur die Symptome und kann nicht die Ursache bekämpfen, auf deren Suche ich noch bin“, dann drückte er sanft ihre Hand, „Aber gemeinsam werden wir den Übeltäter schon finden“, dann hob er aber den Zeigefinger der anderen Hand und zog die Augenbrauen hoch, während er sie erwartungsvoll ansah, „Doch du“, dann stupste er ihr sanft auf die Nase und hielt den Finger dort, „Wirst dich jetzt erst einmal etwas ausruhen und schlaf finden, morgen können wir dann gemeinsam weiter herausfinden was dich plagt“, dann legte er auch seine Zweite Hand auf ihre. „Ich werde dir den Tee noch auf dein Nachttischchen stellen, gibt es den sonst noch etwas, dass ich für dich tun kann?“

      Nach diesem Vorfall wollte er noch einmal mit der Gouvernante reden und sich wegen des Gesundheitszustandes der Dienerschaft informieren. Der Dienerschaft heute, aber auch derjenigen die das Haus verlassen hatten, ihre Mutter betreut hatten und auch was die Ärzte dachten, was ihre Mutter umgebracht haben könnte. Erst dachte er an eine simple Vergiftung, aber vielleicht steckte auch mehr dahinter, auch das Fernbleiben des Vaters vom eigenen Haus war eine sehr rätselhafte Komponente in diesem Puzzle, sowie seine Geschäfte die so viel Geld einbrachten. Womöglich kam dieses Geld aus anderen, etwas dunkleren Quellen als dem freien Handel, obwohl dieser in den heutigen Tagen auch sehr schmutzig war.
    • Bei seinen Worten blickte Diabla den jungen Mann fragend an. Glück? Ein ruhiges Händchen? Sie wollte gerade näher nachfragend, als David ihr erzählte, dass ein Zauberer seine Tricks niemals verrät und sie lachte dabei.
      „Kein Arzt, aber ein Experte, und jetzt auch noch ein Zauberer? Am Ende erzählst du mir noch, der Fluch wäre echt und du dessen Verursacher.“, lachte die junge Dame in sich hinein, seine Aussagen machten sie nur noch neugieriger, aber sie würde das Gespräch auf später verschieben, spürte sie doch bereits, wie sie begann in den Schlaf zu sinken.
      Als sie seine Hand auf der ihren spürte, wandte sie ihren Blick wieder auf ihn, welchen sie kurz abgewandt hatte, blickte diesen fragend, an, ehe sie seufzte und erschöpft die freie Hand auf ihre Augen legte. Das bedeutete, dass es sie jederzeit wieder erwischen könnte. Wie lange würde es dauern? Drei Tage? Vier? Oder hatte sich der Zyklus geändert, nun, da es ihr plötzlich so schnell wieder gut gegangen war? Wenn er ihr nur beibringen könnte, was er getan hatte, um den Anfall zu... „Übeltäter?“, starrte sie David ungläubig an und wusste nicht recht, ob sie sich verhört hatte oder nicht. Es gab einen Übeltäter? Was bedeutete das? War ihre Krankheit nicht natürlich? Hatte er das jemand angetan? Aber wer? Und warum?
      Als ihre Augen sich bei ihrem nächsten Gedanken weiteten und sie den jungen Mann erschrocken anstarrte.
      „Ist es etwa doch...“, war sie gerade im Begriff sich zu erkundigen, ob die Gerüchte mit dem Fluch vielleicht doch stimmten, auch wenn sie weder wusste, wieso und wer sie verfluchen wollen sollte, noch, woher David so etwas wissen konnte, es waren doch allesamt nur Märchen und Geschichten, als sie unterbrochen wurde und ein Seufzen von sich gab. Er hatte wohl recht, sie sollte lieber schlafen, bevor sie sich hier in etwas verrannte, dass ihr diesen Schlaf rauben könnte.
      „Danke... aber ich brauche nichts mehr, du hast mir schon genug geholfen, wirklich, danke.“, lächelte sie ihn müde an, ließ sich von den kühlen Händen auf der ihren Trösten, ehe sie die Augen schloss und bereits in wenigen Minuten in den Schlaf sank, als sie sich diesen endlich erlaubte und nicht mehr versuchte wach zu bleiben.

      Die Gouvernante hatte das Essen auf dem Herd stehen lassen, damit dieses köcheln könnte und machte sich gerade auf den Weg in das Zimmer des jungen Fräuleins, wollte sich erkundigen, ob Herr Lapide mit ihnen Speisen würde, wollte über die Fortschritte seiner Untersuchungen unterrichtet werden und vor allen Dingen überprüfen, ob alles in Ordnung war, als ihr bewusst geworden war, dass sie die beiden alleine gelassen hatte, was hatte sie sich nur dabei gedacht? Dabei bestand sie sonst immer damit bei der Behandlung stets Anwesend zu sein, sie musste im Alter wohl unaufmerksam geworden sein.
      Doch bevor sie das Zimmer erreichte, traf sie bereits auf den jungen Mann und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, wollte er gerade nach ihr suchen, als sie sich bereits mit weiteren Fragen des Heilpraktikers konfrontiert sah.
      „Die Dienerschaft?“, blickte diese den Herrn an, müsste sie es doch wissen, wenn einer von diesen die gleichen oder ähnlichen Symptome wie das junge Fräulein gehabt hätte, da sie sich seit ihrer Anstellung um den Haushalt des Hauses kümmerte. Sie hatte sie nach alle im Kopf, Namen, Gesichter, was sie gut konnten und besonders, wofür Miss Hadleight sie täglich tadeln musste, doch statt dem jungen Mann eine lange Liste vor zu diktieren, gab sie ihm zu verstehen, dass er ihr folgen sollte. Sie betraten das alte Büro des Hausherren, welches mit Regalen voller Bücher und Dokumenten ausgestattet war, mit einem Schreibtisch in dessen Zentrum, der kaum benutzt wirkte.
      Die Gouvernante gab dem Herrn Lapide zu verstehen, dass er nichts anfassen sollte, ehe sie eine Schublade am Schreibtisch öffnete und eine Mappe herausfischte, welche sie dem Mann reichte.
      „Alle Angestellten, die dieses Haus jemals gesehen hat, sind hier dokumentiert. Wenn sie der Meinung sind, einen Hinweis darin finden zu können, dann dürfen sie diese Dokumente gerne durchblättern, aber verstehen sie, dass ich dies nur und alleine den Umständen entsprechend erlaube. Bevor sie das Anwesen verlassen, möchte ich diese Dokumente wieder in meinem Besitz wissen.“, erklärte sie und man konnte ihr ansehen, dass sie das nicht gerne tat, aber auch die alte Frau war verzweifelt. Für sie war Diabla wie ihr eigenes Kind, dass sie ihr Leben lang aufgezogen hatte und auf gar keinen Fall wollte sie ihren Tod sehen. Sie sollte einen guten Ehemann finden, ein anständiges, einfaches und glückliches Leben führen, und nicht einer unbekannten Krankheit erliegen und somit das Schicksal ihrer Mutter teilen.
      Da sich seit zwei Jahren kein Arzt mehr im Anwesen hatte blicken lassen, sah sie in dem Herrn Lapide ihre letzte Chance.
      „Ich kann ihnen diejenigen, die mit der Mutter des jungen Fräuleins zu tun hatten, markieren, wenn sie das möchten. Die Hausherrin ist einer unbekannten Krankheit erlegen, die Ärzte konnten bis zu ihrem Ende nicht den Grund für das langsame Schwinden ihrer Kräfte nicht finden. Zunächst nahmen sie an, die gnädige Frau aß nicht genug oder nicht das richtige, ordneten ihr Diäten an und die verschiedensten Früchte, die sie essen sollte. Vielleicht hätten sie eine Lösung gefunden, wenn man es gleich als Krankheit identifiziert hätte... eine wirklich tragische Geschichte.“, seufzte die alte Frau und hielt dabei wehleidig die Hand an ihre Wange, als sie an den Tod der Hausherrin dachte.
    • Tatsächlich blieb David noch neben Diabla sitzen, bis diese eingeschlafen war und stellte erst dann den Tee neben ihren Tisch und betrachtete noch einmal ihr Gesicht. Schlafend ging ihre Atmung friedlich, ihr rosiger Mund war leicht geöffnet und sie schien tatsächlich zur Ruhe gekommen zu sein. Es wäre zu Schade für die Welt, wenn ein solch bezauberndes Mädchen sich ihr nicht voller Freude zeigen könnte und eine noch größere Schande, wenn David seine Wette verlieren würde. Es galt ein Rätsel zu lösen, den diesem Drachen von einer Frau mit russischen Wurzeln würde er sich nicht ergeben.

      Im Flur traf er auf Miss Hadweight und diese brachte ihn in das Arbeitszimmer des Lords. Wie selbstverständlich nahm der junge Mann Platz auf dem Schreibstuhl aus Mahagoni, nahm sich die Mappe mit den Dienern zu sich und begann zu blättern, „Finde ich den darin auch die Gesundheitsakten der Diener?“, doch beim Durchblättern erkannte er schon, dass hier keine solchen Details zu finden waren, also klappte er seufzend die Mappe vorerst zu und lehnte sich mit den Rücken an der Stuhllehne ab und legte die Arme auf die Lehnen des wuchtigen Holzes. David überkreuzte die Beine und betrachtete die Gouvernante mit einem langen Blick, während er schwieg und ein paar Atemzüge inhalierte. „In der Tat würde ich es begrüßen, wenn sie mir alle Bediensteten markieren können, die mit der verstorbenen und der jungen Lady Ainsworth zu tun haben. Zudem möchte ich, dass Sie mir die Krankenakte der alten Lady Ainsworth besorgen, sowie alle Briefe des Lords Ainsworth und eine Bilanz des Geldes, dass er geschickt hat. Wenn es möglich ist auch die Krankenakten der Bediensteten, sollten diese jemals über Kraftlosigkeit, Schwindel, Kopfschmerz oder brennende Augen berichtet haben. Zudem eine Liste von Freunden des Lords und der Lady Ainsworth die noch in der Stadt anzutreffen sind, sowie eine Tasse ihres vorzüglichen Earl Greys.“, dann deutete er mit der Hand zur Tür, „Das wäre soweit alles Miss Hadleight“, bevor er seine Ellenbogen auf dem Tisch abstütze und die Finger ineinander Faltete, die Mappe mit Bediensteten unter ihnen geschützt funkelte sein gelbes Auge ihrem Blick entgegen, die Mundwinkel ein gerader Schlitz. Sein Blick war unerbittlich und stach einen direkt in die Brust, als würde er einem einen Revolver fest gegen die Brust pressen.
    • Die Gouvernante konnte nicht glauben, was dieser junge Mann sich da anmaßte! Nicht nur, dass er den Platz des abwesenden Hausherren einnahm - ein Platz, der ganz sicher nicht ihm gehörte! - sondern begann ihr Befehle zu erteilen und nach Dingen zu verlangen, die weit über dem hinaus gingen, was sie als akzeptable bezeichnen würde. Was um Herrgotts Namen hatte das verschickte Geld des Lords oder dessen Briefe mit der Krankheit der jungen Lady zu tun?! Oder die Bekannten und Freunde der Hausherren?!
      Die Wut stand deutlich im Gesicht der Gouvernanten geschrieben, mit den Händen unter Brust aneinander gelegt, welche sie fester ineinander griff, als könnte sie nur so ihr Temperament zügeln und sich an die Regeln der Höflichkeit und der Etikette erinnern – welcher der Herr weit überschritten hatte – doch als sie gerade etwas sagen wollte, begegnete sie dem Blick ihres Gegenübers und verstummte mit einem Mal.
      Sie fühlte sich unwohl unter diesem Blick, presste die Lippen zusammen, ihre Intuition verriet ihr, dass es nicht der beste Moment war, um ihre Gedanken offen auszusprechen und mit einem Mal hatte sie das Gefühl jemandem, oder etwas,die Tür geöffnet zu haben, das lieber draußen hätte bleiben sollen.
      „... ich werde sehen, was ich tun kann.“, vollführte sie offensichtlich unwillig eine leichte Verbeugung, ehe sie sich umdrehte und den Raum verließ, der ihr mit einem Mal kälter vor kam. Es war ihr unangenehm, weiterhin hier zu verweilen, also beschloss sie sich zu aller nächst um den Tee zu kümmern, während sie sich Gedanken um die anderen Angelegenheiten machen würde, die der Herr Lapide von ihr verlangt hatte.
      Die Bediensteten zu markieren wäre dabei noch die leichteste Aufgabe gewesen, ob eine Krankenakte der alten Lady existierte, und wo diese lag, wusste die alte Frau jedoch nicht, hatte sich der Herr des Hauses doch damals noch um jene Angelegenheiten gekümmert, aber wenn sie existierte, würde sie wohl irgendwo in seinem Büro liegen.
      Eine Bilanz des Geldes und die Krankenakten wären auch kein großes Problem für die alte Frau, pflegte sie doch gewissenhaft Buch zu führen, doch die Briefe des Lords würde sie ihm kaum geben können, sie waren allesamt direkt an das junge Fräulein adressiert und diese behielt sie alle wie einen kleinen Schatz, bewahrte sie in einer Box, welche sich in ihrem Zimmer befinden musste, auch wenn die Miss Hadleigh nicht wusste, wo sich diese befinden könnte. Selbst wenn, was dachte sie sich denn da? Wenn er die Briefe haben wollte, würde er das junge Fräulein direkt fragen müssen. Plötzlich begann sie sich Sorgen zu machen, ob er sie auch so eingeschüchtert hatte? Er hatte ihr doch nichts getan, während sie alleine in dem Raum waren, oder? Die alte Frau beschloss das Zimmer des jungen Fräuleins zu besuchen, ehe sie dem Herrn Lapide seinen Tee bringen würde.
      Nun, was die Liste der Freunde des Lords und der Lady betraf... es gab keine.
      Miss Hadleigh wurde genau ein Jahr vor der Geburt des jungen Fräuleins eingestellt, sollte bei der Hausarbeit, bei der kommenden Geburt und dann die Rolle der Gouvernanten einnehmen, wie sie es auch getan hatte, doch hatte es nicht einen einzigen Besuch in der Zeit gegeben, in der der Lord und die Lady noch im Anwesen verweilt hatten. Keine Familienangehörigen, keine Geschäftspartner, keine... Moment. Die alte Frau hielt Inne, als sie gerade das heiße Wasser zu den Teeblättern dazu gab, da ihr ein Gedanke kam, ihr etwas eingefallen war.
      Sie hatte diese Begegnung verdrängt, da es ihr nicht wichtig vorgekommen war, jedoch war es die erste und einzige Person, welche nach dem Herrn des Hauses gefragt hatte, auch, wenn er zu diesem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise war.
      Sie erinnerte sich an einen mysteriösen, jungen Mann, den sie vor 20 Jahren vor den Toren des Anwesens herumstreunen sah, er müsste somit mittlerweile um die 40 Jahre alt sein, vermutete die alte Frau. Er war adrett gekleidet gewesen, weshalb die alte Frau ihn für ein Mitglied einer reichen Familie, vielleicht sogar des Adels, gehalten hatte, besaß rote Haare und rote Augen, welche sie an das junge Fräulein erinnert hatten, ein wahrlich großer Zufall. Miss Hadleigh versuchte sich an dessen Namen zu erinnern, was hatte er noch einmal gesagt, als sie sich danach erkundigt hatte, in wessen Namen er dem Lord etwas ausrichten sollte?
      „Ringo. Sag ihm einfach, Ringo war da, dann weiß er schon Bescheid.“, mit diesen Worten hatte sich der Fremde verabschiedet und war gegangen, ohne ihr einen Familiennamen zu nennen. Sie bezweifelte, dass der Herr Lapide irgendetwas damit anfangen konnte, aber es dürfte wohl kaum Schaden, wenn sie ihm diesen Namen auf einen kleinen Zettel schrieb. Andererseits würde dieser kaum in der Stadt anzutreffen sein... nein, sie sollte sich lieber den anderen Dingen zuwenden.
      Während sie den Tee ziehen ließ, verließ sie die Küche um nach dem jungen Fräulein, nach Diabla, zu sehen und öffnete vorsichtig ihre Tür, glaubte schon fast sie weinend vorzufinden, wie es das ein oder andere Mal der Fall war, doch stattdessen stellte sie zu ihrer Verwunderung fest, dass die junge Lady schlief, tief und fest, dabei war es gerade einmal Mittagszeit.
      Sie entdeckte das durchnässte Nachthemd der jungen Frau und legte geschockt die Hand vor den Mund, sie musste einen Anfall gehabt haben und die alte Frau hatte nichts davon mitbekommen.
      Schnell ließ sie das Nachthemd fallen, eilte an die Seite Diabla, kniete sich hastig neben das Bett und legte die Hand auf die Stirn des Mädchens, stellte jedoch fest, dass alles in Ordnung sein musste. Sie hatte sich nicht geirrt, Diabla schlief tief und fest, aber... das konnte doch nicht sein? Normalerweise dauert es zwei bis vier Stunden, bis sie sich wieder erholte, der junge Mann hatte doch nicht etwa...?
      Schnellen Schrittes eilte die alte Dame in die Küche, stellte den Tee auf einem Tablett ab, ehe sie genauso hastig in das Büro des Hausherren eilte, das Tablett vor dem Herrn Lapide auf dem Tisch abstellte und diesem direkt in die Augen blickte.
      „Hatte da junge Fräulein einen Anfall?! Habt ihr... habt ihr irgendetwas getan?! Habt ihr etwas gefunden?!“, verlangte sie sofort zu wissen, vergaß das unangenehme Gefühl, dass sie vor wenigen Momenten in diesem Raum verspürt hatte.
    • Die Gouvernante verließ das Arbeitszimmer und David schlug die Mappe auf, einen Mitarbeiter nach dem anderen ging er durch und merkte schon bald, dass die Einträge am Ende in einer anderen Handschrift geschrieben waren, sie wirkte weiblicher und würde wohl der Gouvernante gehören, also begann er mit diesen, da Bediensteten vermutlich mit Diabla zu tun hatten. Nun da er die beiden Handschriften unterscheiden konnte, würde er sich später noch genauer in diesem Raum umsehen, er wusste zwar noch nicht, wonach er suchte, doch hoffte es zu wissen, wenn er es fand. Bei den Recherchen hing er tief über der Mappe und ihm war die Frage gekommen, wann Lord Ainsworth das Anwesen verlassen hatte? Kannte Diabla ihren Vater? Oder hatte er nicht aufgepasst, als sie es erwähnt hatte? Er hätte am Vorabend nicht zu lange mit Alisa Petranow ‚ein‘ weiteres Gläschen trinken sollen, sie war eine gefährliche Frau, vor allem wenn man ihr Feuerwasser gab. Konzentrationsschwierigkeiten und immer wieder Müdigkeit, das waren ihre Geschenke für den ersten Tag ihrer Wette. Welch großzügige Dame ihn hier in die äußersten Winkel des Landes gebeten hatte.

      Papier und Feder hatte er sich bereits selbst aus der Schublade des Lords ‚geborgt‘ und er begann Notizen zu schreiben, als Miss Hadleight hereingestürzt kam und ihn mit Fragen überhäufte. Sie blickte ihm zwar ins Auge, aber David schrieb einfach weiter seine Notizen und hob dabei nicht einmal seinen Blick. Als das Rauschen von Miss Hadleights Wortschwall zu schweigen begann, wurde es still im Raum, nur das Kratzen der Feder über Papier war zu hören, während David seine Notizen fertig schrieb. Als er den Satz fertig geschrieben hatte, hob er einen Finger und lass sich alles noch einmal in Ruhe durch, eine gefühlte Ewigkeit verging, bevor Davids blick auf die Teetasse gerichtet war, er die Feder zur Seite legte, die Untertasse in die eine und die Teetasse in die andere Hand nahm. Nun lehnte er sich im Sessel zurück blickte der Gouvernante in die Augen und trank an seinem Tee, ohne den Blick abzuwenden. Absolute Stille erfüllte den Raum, bis das Porzellan aufeinandertraf, als David die Teetasse zurück auf seinen Untersetzer stellte und beides auf den Tisch stellte, der Blick noch immer auf Miss Hadleight gerichtet. Nun mit den Ellenbogen auf den Lehnen des Sessels und den Händen vor seinem Bauch zusammengelegt, hatte er ihr genug Zeit gegeben, darüber nachzudenken, wie sie mit ihm zu sprechen hatte und brachte doch noch die Güte auf, ihr zu antworten. „Geziemt das Benehmen einer Gouvernante nicht, einen Gast mit Titel anzusprechen, Miss Hadleight?“, sie stand zwar nur mit offenem Mund da und dennoch lies er sie mit einer kleinen Handbewegung, die kaum merklich war, verstummen, bevor seine Hände wieder übereinander ruhten. „Da euer Tee es, aber immer vermag meine Stimmung zu heben, reicht es mich mit Mister Lapid anzusprechen.“, nun stand der Mann, der mit seinen einen Meter fünfundachtzig doch um einen Kopf größer war als Miss Hadleight auf, umrundete wie ein Löwe den Tisch und sah ihr in die Augen. Seine Schritte waren lautlos, obwohl der alte Holzboden beim Reinigen des Raumes sonst immer krächzte, wenn man über eine Diele genau neben dem Tisch schritt. Seine Hand lag nun auf der Schulter der Gouvernante, die er mit einem festen, aber freundlichen Druck hielt. Auch wenn sein Lächeln freundlich wirkte, war der Raum gefühlt ein klein wenig kälter geworden. „Diabla“, sprach er ihren Namen nun mit voller Absicht aus, doch hielt kurz Inne, „Lady Ainsworth hatte einen Anfall, doch ich konnte die Symptome lindern. Doch stehe ich mit meinen Recherchen noch am Anfang, um ihr tatsächlich eine dauerhafte Lösung anbieten zu können. Ich zähle auf Eure Unterstützung, Miss Hadleight“, dann ging er an ihr vorbei, um das Zimmer zu verlassen. „Bringen Sie mir, wonach ich verlangt habe, auch wenn sie denken es sei noch so unwichtig. Ich werde nun das Anwesen für einen kurzen Spaziergang verlassen und zu späterer Stunde wieder eintreffen, bis dahin hätte ich gerne die gewünschten Unterlagen und eine Schreibtischleuchte“, mit diesen Worten verlies er die Residenz.
    • Miss Hadleight konnte es nicht glauben, dass sie gerügt worden war, und das von einem Gast, während sie dem jungen Mann hinterher blickte. Es dämpfte die Freude darüber, dass es dem jungen Fräulein trotz eintreffen eines Anfalles gut zu gehen schien, deutlich und wenn dadurch nicht klar gewesen war, dass tatsächlich eine Chance bestand, dass Herr – Mister, wie er ihr nun erlaubt hatte ihn zu nennen, was der alten Frau ein schnauben entwichen ließ, dass sie nur wagte, weil der junge Mann sich nicht mehr in dem Raum aufhielt – Lapide tatsächlich in der Lage sein könnte, Diabla zu helfen, hätte sie sich bereits überlegt, wie sie den jungen Mann, der ihr immer gefährlicher vor kam, aus dem Anwesen schmeißen könnte, war sich jedoch nicht mehr so sicher, ob es ihr überhaupt gelingen würde.
      Die alte Frau musste sich zunächst für einen Moment setzten, lehnte sich stattdessen gegen den Tisch, da sie es nicht wagte sich auf den Stuhl des Hausherren zu setzten, und hielt die linke Hand an ihren Kopf, spürte wie der Druck von ihr gewichen war und es im Raum wieder wärmer wurde, nachdem Mister Lapide diesen verlassen hatte.
      Sie wandte ihren Kopf zur Seite, richtete ihren Blick auf eines der Regale und musste nun wohl die verlangten Dokumente heraus kramen. Sie überlegte kurz, wo sie diese gelagert hatte, während sie sich wieder von dem Tisch abstieß, sie hatte mit einem Mal das Gefühl, als wäre sie zu alt für diesen Job geworden, und begann alle nötigen Unterlagen zusammen zu kramen und diese auf dem Tisch abzulegen, wo sich nur noch die Notizen des jungen Mannes aufhielten.
      Für einen Moment starrte sie das Papier an, überlegte es sich, einen Blick darauf zu werfen, ehe sie jedoch den Kopf schüttelte und sich selber fragte, wie sie sich auch nur solche Gedanken erlauben konnte. Auch wenn der Mann gefährlich zu sein schien, er konnte Diabla helfen, er hatte bisher nichts getan, außer ihr ein unwohles Gefühl zu vermitteln und weit über die Wünsche eines Arztes hinauszugehen, sie konnte und durfte sich nicht in seine Arbeit einmischen. Wenn er es herausfand – was sie aus irgendeinem Grund für sehr wahrscheinlich hielt – könnte er sich weigern, das junge Fräulein weiter zu behandeln, und das konnten sie sich nicht erlauben.
      Letztendlich legte sie noch eine Liste mit den Geschenken des Hausherren an das junge Fräulein an den Tisch, eine Liste die sie mit der Hoffnung, dadurch seinen Aufenthaltsort ausfindig machen zu können, geführt hatte, jedoch schienen diese aus so unterschiedlichen Regionen zu kommen, dass ein Mensch diese Strecke unmöglich in der ihm gegebenen Zeit hätte durchqueren können und bei einigen Geschenken konnte sie nicht herausfinden, woher Stoff oder Edelsteine kommen könnten. Eine Sackgasse, aber wie der Mister Lapide sagte, solle sie ihm alles bringen, so unwichtig es auch erschien und hatte er nicht in der Küche irgendetwas von giftigen Steinen gesagt?
      Zuletzt erlaubte sie es sich eines der Pergamente aus dem Stapel, den der Mister Lapide an sich genommen hatte, zu nehmen und schrieb mit der beigefügten Feder das Wort „Ringo“ darauf, starrte es für einen Moment an, und fügte noch eine Beschreibung des Aussehens hinzu, da es ihr doch zu wenig vor kam, einfach nur den Vornamen des jungen Herren auf dem Papier stehen zu lassen.
      „Möglicher Freund des Hausherren, verschwand ohne seinen Nachnamen zu nennen.“, fügte sie als kleine Randnotiz hinzu, runzelte die Stirn über das, was letztendlich herausgekommen war und fragte sich beim besten Willen, wieso das eigentlich tat. Es erschien ihr noch immer unwichtig, unbedeutend, aber nicht sie würde sich damit letztendlich herumschlagen müssen.
      „Unbekannter Aufenthaltsort.“, schrieb sie einen letzten Satz, ehe sie damit zufrieden war und wieder in die Küche ging, um zumindest die verbliebenen drei Angestellten im Anwesen zum Mittagessen in die Küche zu rufen, dürfte das junge Fräulein immerhin noch schlafen.
      Währenddessen würde sie sich überlegen, wo in diesem Haus sie eine Schreibtischleuchte auftreiben konnte, sie würde ihm wohl ihre leihen müssen.