It´s our Time to Shine[Fuffy & Nyst]

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    • It´s our Time to Shine[Fuffy & Nyst]

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      It´s our Time to Shine
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      Es war noch dunkel als Lao an seinem besonderen Tag schon seit Stunden in seinem kleinen Zimmerchen, in der Schattenmachergilde, darauf wartete, dass die Sonne ihre ersten Strahlen durch sein Fenster wirft. Dies würde das Zeichen sein aufzubrechen, das Zeichen seinen ersten Job seit Jahren anzunehmen, dafür hatte er so lange trainieren müssen und er wollte es der Gilde endlich zurückzahlen. Sie haben ihm nicht nur geholfen in dieser Welt zu überleben, nein, sie waren da, in den schwersten Zeiten und haben ihn auch dann nicht fortgejagt, als er mehr als die Hälfte der Mitglieder auf dem Gewissen hatte. Er bereut es noch immer, weswegen er umso ehrgeiziger ist und es allen Recht machen möchte. Da noch genug Zeit war, suchte er noch fix all seine Sachen zusammen. Als erstes legte er sich seine Kette um den Hals, welche im Grunde das wichtigste Hilfsmittel seines Lebens war, nicht nur um sich selbst zu schützen, sondern auch alle um ihn herum. Anschließend zog er noch seine Jacke an, welche er für die Nacht abgelegt hatte. Jetzt fehlte nur noch seine eigentliche Abenteuerausrüstung. "Wo ist denn nur meine Dolchidolch.." plapperte er leise vor sich hin, während er seinen Schrank nach dem Objekt seiner Begierde durchwühlte. Es nahm einige Minuten in Anspruch bis er endlich seinen Dolch gefunden hatte und sich diesen an seinem Waffengürtel, welcher eng um seine Hose geschlungen war, befestigte. Lao sprang ein paar mal im Stand nach oben, um sich ein wenig aufzuwärmen und langsam aber sicher breitete sich in seinem Körper ein Gefühl der Vorfreude, aber auch ein wenig Angst aus. War er wirklich bereit wieder in die Welt hinauszugehen, um Aufträge für die Gilde zu erledigen. Bloßes Nachdenken und zu langes Grübeln würden ihm wohl kaum helfen, also beendete er die Aufwärmübung, lief in eine Ecke seines Zimmers und schnappte sich schnell sein Kurzschwert, um es ähnlich wie seinen Dolch am Waffengürtel zu befestigen. Ein kurzer Blick zum Fenster zeigte ihm, dass die Zeit gekommen war und er endlich losgehen konnte, wobei losgehen wohl nicht ganz dem entsprach was er tat, es war viel mehr ein überstütztes, hastiges Rennen. Lao wollte der erste sein, der im Gebäude des großen Gildenzentrums eintraf, denn dieses war nicht nur Zentrum seiner Gilde, sondern von allen Gilden, welche zur Stadt Zypheria gehörten. Neben vielen kleineren Gilden, war eine der großen ihm schon immer ein Dorn im Auge, Die Feuersinger. Er wusste nicht genau, warum es eine Fehde zwischen den wohl größten und mächtigsten Gilden der Stadt gab, aber jeder aus seiner Familie, wie er seine Freunde und Mentoren der Schattenmacher bezeichnete, warnte ihn vor diesen Leuten, also musste etwas Schlimmes geschehen sein und er war es nicht, der darüber zu entscheiden hatte, ob Frieden zwischen den Parteien geschlossen werden würde oder nicht.

      Wie auch immer, er war nun auf dem Weg ins Gildenzentrum, musste dafür aber erstmal eine Weile durch die Stadt wandern, da sich die Schattenmachergilde in einem äußerem Bereich der Stadt befand, einem eher ruhigen Plätzchen, welches dem Namen der Gilde alle Ehre machte. Umringt von Schatten, dunklen Gassen und hin und wieder konnte man auch Schlägereien vernehmen, die nachts in den hiesigen Lokalen üblich waren, meist aufgrund der Abenteurer, die oft viel zu viel Alkohol in sich hinein schütten. Lao kannte dies bereits aus seiner Welt, weswegen er diese Orte so gut es ging mied. Nur was es nicht immer eine Option. Beispielsweise konnte er sich noch ganz genau an den Abend erinnern, an welchem Sybas, ein mittlerweile verstorbenes Mitglied der Schattenmachergilde und damaliger Mentor von Lao im Umgang mit dem Dolch, seinen Geburtstag in einem solcher stinkenden Lokale feierte. Lao war ihm zu Liebe mitgekommen, obwohl er noch nicht alt genug gewesen war um zu trinken. Was er in dieser Nacht dort gesehen hatte, verfolgte ihn bis heute. Es war nicht unbedingt etwas Schlimmes, viel mehr..war es ihm einfach nur unangenehm gewesen dabei zu zusehen, wie sich nach und nach alle Leute das Hirn wegschossen indem sie ihre eigenen Grenzen im Alkoholkonsum überschätzten. In Erinnerungen schwellgend lief er nun durch jene Gassen und arbeitete sich Schritt für Schritt in Richtung Stadtmitte vor. Kurz bevor der junge Mann auf dem Marktplatz ankam, beobachtete er aus dem Augenwinkel heraus, dass sich gerade 3 Typen um ein junges Mädchen versammelten. Es war nichts neues für ihn, soetwas zu sehen, es war, wie soll man sagen, schon Teil des Alltages. Während andere aber einfach ihre Augen davor verschließen und still weiterlaufen ohne wenigstens sicher zu gehen, dass dem Mädchen nichts passiert, musste er helfen, auch wenn es ihn das ein oder andere Mal bereits ins heikle Situationen gebracht hat und er auch schon größeren Schaden angerichtet hat, als die eigentlichen Verbrecher. So hat er mal ein Ganzes Haus auf zwei Diebe fallen lassen und obwohl die Diebe dabei gefasst wurden und auch mit dem Leben davonkamen, entstand ein riesiger Schaden. Nicht nur musste man das ganze Holz und die ganzen Steine wegräumen, nein, auch viele Häuser und Läden, welche innerhalb der der Reichweite standen wurden beschädigt und die Schulden die dabei aufkamen, gingen direkt an die Schattenmachergilde. Lao war jedoch der Meinung, dass er es diesesmal besser machen würde, immerhin hatte er nicht umsonst ewig lange trainiert, um auch ohne seine Magie gegen ein paar Möchtegerngangster zu bestehen. Selbstbewusst lief er schnellen Schrittes zu der kleinen Gruppe Menschen und eilte so dem Mädchen zur Hilfe. "Fürchte dich nicht junge Dame, denn jetzt bin ich ja hier!" posaunte er ziemlich laut aus sich heraus und hob seinen einen Arm nach oben ballte die Hand zur Faust. Die Blicke der Männer und auch der von der Frau wanderten hinüber zu dem lauten Geräusch. Man sah einen jungen Mann mit zerzausten Haaren, Augenringen die schon fast dunkelschwarz waren, mit Verbänden an beiden Händen und einem Grinsen, dass an Peinlichkeit fast nicht mehr zu übertreffen war. Einer der Männer unterbrach dann die seltsame Stille, die nach Laos Auftreten in der Luft lag. "Sag mal Kleiner, kannst du nicht woanders dumm sein? Wir sind hier gerade beschäftigt. Schwirr ab!" Lao hatte eigentlich gehofft die Sache friedlich lösen zu können, aber das war wohl pures Wunschdenken. Innerlich seufzend wandte er sich demjenigen zu, der die Stille unterbrochen hatte. "Ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass ihr beschäftigt seid..ich dachte mir nur.." angänglich noch ganz ruhig und ohne sich großartig zu bewegen änderte sich seine Stimmlage "Ich spiele gerne mit!" in eine starke, nicht zu brechende Gewalt und ohne weiter zu zögern stürmte er auch schon los und verpasste dem Ersten einen ordentlichen Schlag ins Gesicht, woraufhin dieser aus seinen Schuhen kippte und K.O. zu Boden fiel. Lao hatte scheinbar leichtes Spiel, zumindest vorerst, denn womit er nicht gerechnet hatte war, dass unter den 3 Kerlen ein Magier dabei war, der drauf und dran war ihm ordentlich Feuer unter dem Popo zu machen. Er konnte gerade noch rechtzeitigen dem ersten Angriff des Ausweichen, wodurch der Feuerball, der eigentlich ihn treffen sollte, nun auf ein Wohnhaus zusteuerte. "Naaa, du mieses Schwein!" brüllte er ihn an und versuchte sich doch noch irgendwie in die Bahn des magischen Angriffes zu werfen ohne dabei auf seine eigene Magie zurückgreifen zu müssen, diese musste er nämlich weise nutzen, da er nicht unendlich viel Mana hatte. In letzter Sekunde konnte er den Feuerball abfangen, erlitt dabei aber ein paar leichte Verbrennungen im Gesicht und hatte nun auch ein paar Löcher in der Hose. Seiner Jacke ging es gut, denn diese war mit speziellem Material erschaffen wurden, zum einem extrem robust und doch flexibel. Lao hatte nun genug von diesem widerlichen Pack und ließ ihnen keine Chance mehr sich zu wehren. Erst schlug er den Magier KO und im Anschluss den Dritten Kerl im Bunde. "huuuh...was ein unnötiger Aufwand" murmelte er seufzend vor sich hin bevor er sich dann zum Mädchen umdrehen wollte. Zu seiner Verwunderung war dieses aber nicht mehr da, dafür aber eine Stadtwache, welche sich bei ihm bedankte. Scheinbar hatte man gesehen, dass er versucht hatte das Haus vor Schaden zu bewahren und dem jungen Mädchen zu helfen. "Ach was, ist doch selbstverständlich" rief er frei hinaus, ohne das es ihn verlegen machte. Er verabschiedete sich von der Wache, welche sich nun um die Verbrecher kümmern musste und lief weiter in Richtung Gildenzentrum, mittlerweile hatte er wohl schon mehr als genug Zeit verschwendet, dennoch hoffte er noch einer der ersten sein zu können.

      Nach einer gefühlten Ewigkeit und völlig außer Atem, kam er im Gildenzentrum neben dem Hauptplatz der Stadt an, öffnete die großen Türen der Eingangshalle und trat keuchend herein. Von allen Seiten sah man zu ihm hinüber, denn dieses Geräusch, welches er beim atmen von sich gab, klang so als wäre er gerade am Ersticken. Als man jedoch erkannte um wen es sich handelte, kicherten die Meisten nur und drehten sich wieder weg. Lao sah sich um und war enttäuscht, denn sein Ziel der erste zu sein war wohl ein gigantischer Misserfolg. Das Zentrum war vollgestopft mit Magiern und Kriegern jeglicher Art. Von den kleinen mit Zauberhut, über die Muskelberge und Hünen mit ihren magischen Waffen bishin zu scheinbar Neulingen in der Magierwelt, war alles zu sehen...und mittendrin der keuchende Lao, welcher sich nun auf den Weg zur Rezeption machte, um sich seine Magierlizens auffrischen zu lassen, ohne die man weder Aufträge erledigen konnte, noch als wahrer Magier galt..schließlich war das Nutzen der Magie ohne eine Magierlizens, nur der Königsfamilie erlaubt. Es dauerte nicht lange, da waren die Formalitäten abgeschlossen und Lao konnte sich seinen ersten Auftrag holen. Dafür gab es zwei Möglichkeiten, entweder holte man sich direkt an der Rezeption einen Auftrag ab oder aber, wie es besser war nach seiner Meinung, man ging die großen goldenen Treppen im Zentrum nach oben und warf seinen Blick über einen riesigen Raum, gefüllt mit Magier aus vielen Gilden und überall an den Wänden hingen große Tafeln mit haufenweise Zetteln daran und auf jedem einzelnen Zettel stand ein Auftrag, den es zu erfüllen galt. Die Meisten davon kamen von Bewohnern aus der Stadt, es gab aber auch richtig schwere Aufträge die von überall aus der Welt ans Gildenzentrum herangetragen wurden. Es musste ziemlich dämlich wirken, für alle die an ihm vorbeigehen, denn während er in seinen Gedanken an den riesigen Raum oberhalb der Treppen war, stand er wie angewurzelt im unterem Bereich des Zentrums herum. Als er es bemerkte war es Gott sei dank nicht zu spät und seine Kette wirkte wahre Wunder. Er riss sich zusammen und stieg die Treppen nach oben, sah sich um und lief zielgerichtet auf die erstbeste Tafel zu, um sich irgendeinen Auftrag auszusuchen. Lao betrachtete die vielen Zettel und las sich einen nach dem anderen durch, konnte sich aber nicht wirklich entscheiden....


      courage is the magic that turns dreams into reality
    • Langsam wich das nächtliche Himmelszelt und offenbarte einen flammenden Horizont. Der Zeitpunkt, wo die ersten Sonnenstrahlen das silbrige Mondlicht ersetzten, war jener Moment, in welchen Selina für gewöhnlich ihre Augen aufschlug. So auch dieses Mal.
      Sie ließ sich Zeit, gewöhnte ihre hellen Augen an das dumpfe Licht in ihrem schäbigen Zimmer, ehe sie sich flink aus dem Bett schwang. Heute war der Tag der Tage! Heute würde sie ihre erste Mission antreten und ab sofort im Dienste der Feuersinger ihre Taten vollbringen. Sie war schrecklich aufgeregt, versuchte jedoch ihre Emotionen hinter einer professionellen Maske zu verstecken. Wenn sie mit breitem Grinsen in das Gildezentrum schritt, wäre sie sicherlich unter all den professionellen Magiern eine Lachnummer und so versuchte sie dies zu verhindern.
      Mit wenigen Handgriffen hatte sie sich gewaschen und eingekleidet, ehe sie ihre dunkelblauen Gewänder glattstrich. In diesen waren silberne Fäden eingewebt, welche an Mondstrahlen erinnerten und sie somit als Mondmagierin auswiesen – fast, als würde das silberne Geburtsmahl auf ihrer Stirn nicht genügen. Sie schnappte sich eine kleine Umhängetasche, die mit allen möglichen und nützlichen Dingen gefüllt war, ehe sie zwei Dolche an ihrem Gürtel befestigte. Einige Wurfnadeln sowie kleinere Messer verstaute sie teils sichtbar und unsichtbar an ihrem Körper, ehe sie die Amulette an ihrem Hals und Handgelenken befühlte. Ja, sie waren voller Energie, gut gespeist durch ihre Fähigkeiten, so schnell könnte ihr niemand etwas Böses.
      Zufrieden mit sich, zupfte sie sich die welligen, schulterlangen Haare zurecht, ehe sie aus ihrem Zimmer trat. Der Gang war vom orangen Schein der Fackeln erleuchtet, was ihm durch die tanzenden Schatten etwas Lebendiges verlieh. Ihre Füße holten weit aus, als sie sich auf den Weg in die große Stube machte. Einige Magier waren bereits wach, doch meist waren nur die jungen Lehrlinge anwesend, welche die niederen Dienste wie putzen oder kochen verrichten mussten. Innerlich lächelte Selina, konnte sie sich doch allzu gut an ihre eigenen Lehrjahre erinnern.
      Sie schnappte sich etwas von der frisch aufgebrühten Tagessuppe und eine halbe Scheibe Brot, ehe sie sich auf einen der vielen freien Tische setzte. Wie immer speiste sie alleine, denn auch wenn die junge Frau seit ihrer Geburt in der Gilde lebte, hatte sie dennoch keine Freunde, oder fühlte sich gar wie in einer Familie. Ihre eigene Sippe war vor einigen Jahren in die Reihen der Feuersinger gewechselt, doch das böse Blut war noch lange nicht vergessen. Selbst als sie geboren worden war, ein unschuldiges, kleines Baby, hatte man in ihr eine Verräterin gesehen. Sie wurde gemieden und ignoriert – im besten Fall. Bespuckt und geschlagen in schlimmeren Fällen. Doch sie hatte sich an diese Behandlung gewöhnt und war auch teilweise dankbar dafür. Nur so hatte sich in ihr der Wille und der Ehrgeiz geformt, der sie heute ausmachte.
      Alsbald hatte sie ihr Mahl beendet, überreichte ihre leere Schüssel einem Lehrling und zog von dannen. Niemand wünschte ihr Glück, niemand achtete auf sie. Umso besser, denn wenn sie mit Ruhmestaten zurückkehrte, dann würden sie noch alle Augen machen!
      Und so trugen sie ihre mit eleganten Stiefeln besohlten Füße aus den schützenden Gemäuer der Gilde, durch die sich füllenden Straßen ihrer Hauptstadt, Richtung Gildezentrum.

      Stumm betete sie zum Mond für Schutz und Führung, ehe sie leise und still in das historische Gebäude eintrat. Natürlich wandten sich einige Köpfe nach ihr um, weder ihre Haarfarbe, noch Augenfarbe, noch das Mahl auf ihrer Stirn waren unauffällig, doch sie versteckte sich nicht länger. Früher hatte sie sich mit dem Saft der Alraune die Haare dunkel gefärbt, doch diese Zeiten waren vorbei. Sie verleugnete ihr Erbe nicht länger, sondern nahm es bewusst an. Lange hatte sie gebraucht ihr Talent zu erkennen, denn von den Gildemitgliedern hatte sie kaum Hilfe erfahren. Doch ihre eigene Sippe hatte sich um sie gekümmert, ihr die Geheimnisse des Mondes anvertraut und sie ausgebildet. Es war furchtbar, dass sie alle Unfällen oder anderen Dingen zum Opfer gefallen waren. Nur mehr Selina war übrig.
      Und genau aus diesem Grund musste sie ihre Sache gut machen. Sie musste endlich den Namen ihrer Familie reinwaschen. Sie wollte nicht länger als Verräterin dastehen, sondern als geschätztes und geachtetes Mitglied in den Magierkreisen aufgenommen werden.
      Aus diesem Grund setzte sie ein professionelles Lächeln auf, während sie durch die Reihen der Zauberer und Krieger schritt. Beherzt stieg sie nun die Treppe hoch und mit jeder Stufe gewann ihre innere Aufregung an Macht. Sie zwang sich bewusst ruhig zu atmen und unterdrückte das Zittern ihrer Hände. Heute, ja heute war endlich der heißersehnte Tag da!
      Und dann fand sie sich auf dem oberen Stockwerk wieder. Reihe um Reihe waren die verschiedenen Tafeln aufgestellt, welche alle unterschiedlichste Aufträge enthielten. Sie selbst entschied sich für eine weniger frequentierte Tafel, um das Risiko mit anderen zusammen zu stoßen und somit ihre Hellsichtigkeit auszulösen, zu vermindern.
      Sie wusste gar nicht wo sie anfangen sollte! Wem sollte sie helfen? Einen Bauern dessen Frau verschwunden war? Eine verlorene Viehherde zusammentreiben? Den neu erschienen Bergtroll zu bekämpfen? Es war wahrlich schwierig.
      Und so entschied sie sich ihr Schicksal in die Hände des Erdtrabanten zu legen und streckte ihre Finger nach dem erstbesten Auftrag aus, der ihr in die Augen stach. Dass zeitgleich auch eine andere Hand danach griff, bemerkte sie zu spät, denn da hatte sie den Zettel bereits in der Hand.
      Überrascht blickte sie auf, denn auch die andere Person hielt den Zettel an der jeweils anderen Ecke fest. Nun, es stand nirgends geschrieben, dass nur ein Magier pro Auftrag eingeteilt werden durfte, doch der gute Ton gab vor, es so bleiben zu lassen. Nur bei schwierigeren Aufträgen taten sich die Magier schon mal zusammen, doch eigentlich wurde nur ein anderer Magier auf den Plan gerufen, wenn der vorherige versagt hatte, gestorben war oder aufgegeben hatte.
      „Verzeiht“, ihre Stimme klang hell wie Silber. „aber ich beanspruche diesen Auftrag für mich.“ Sie würde sich sicherlich nicht an ihrem ersten Tag von ihrem ersten Auftrag abbringen lassen.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Die Auswahl an Aufträgen war schier unendlich, egal wohin er seinen Blick auch wandte, es hing Zettel für Zettel an Tafeln über Tafeln. Wie sollte man seinen ersten Auftrag seit Jahren wählen. Lao wusste nicht was er tun konnte, um unter keinen Umständen einen eventuell zu schweren Job zu wählen oder einen, welcher ihm viel zu einfach gewesen wäre. Er stand mit ab diesem Zeitpunkt einfach nur an ein und derselben Stelle, während es in seinem Kopf ratterte. Für andere Magier wäre es sicherlich überhaupt kein großes Problem gewesen sich binnen Sekunden für einen Auftrag zu entscheiden, der ihrem Niveau entsprach, doch für Lao, welcher im Grunde wieder ein totaler Amateur war. Seit seinem letzten Auftrag sind so viele Jahre vergangen, so vieles musste sich geändert haben. Realistisch betrachtet hat sich dies nicht, aber in seinem Kopf verfiel er immer mehr dem Wahn und dem Irrglauben es gäbe den Einen Auftrag. Man könnte meinen es würde aus seinem Kopf heraus dampfen so angestrengt wie er vor dieser Tafel stand und scheinbar sonderte er auch einen besonderen Duft ab, da plötzlich die Menge an Magiern, die sich in seiner Nähe befanden stark abnahm, so dass er nun fast allein vor dem schwarzen Brett der Aufträge stand. Natürlich bekam der junge Mann davon nichts mit, da er viel zu sehr mit seiner achso komplexen Gedankenwelt beschäftigt war und da Lao nicht unbedingt die Weisheit eines Veteranen hatte, dauerte es eine ganze Weile bis er alle Puzzleteile ordnen konnte, bis er sämtliche Optionen durchgegangen war, bis er eben diesen einen Auftrag gefunden hatte. Die größten Fragen, welche sich in seinem Kopf formten waren unter Anderen, wie viele Gegner kann ich besiegen, wie viele Monster kann ich töten, wie viel Mana habe ich noch gleich zur Verfügung, wie weit ist das Ziel entfernt, ist es ein Botenjob oder eine Begleitmission, eventuell auch ein Auftrag der mit einer bestimmten Zeit verbunden war. Nachts könnte er nicht wirklich agieren ohne Alles und auch sich in Gefahr zu bringen. Gab es Monster die nur unter bestimmten Umständen erscheinen würden und hätte er die nötige Erfahrung um solch einen Umstand herbeizuführen, war seine Magie passend zum Job, traute er sich zu diesen Auftrag alleine auszuführen, sollte er darauf achten einen schweren Auftrag zu wählen, um dadurch mehr Aufmerksamkeit zu erhalten oder sollte er sich eher bedeckt halten, würden seine Ressourcen ausreichen um Verpflegung, Ausrüstung und eventuelle Übernachtungenzu gewährleisten.

      Die Fragen in seinem Kopf nahmen langsam aber die Überhand und Lao wurde immer frustrierter, weil er auf keine klare Antwort kam und ihm dadurch die Zeit verloren ging, die eigentlich sehr wichtig war, immerhin wollte er es allen Beweisen. Wofür hatte er sonst so lange trainiert und seinen Schweiß sowie sein Blut geopfert, all die Stunden im Meditationssaal bei dem er nicht ein Wort sagen durfte, geschweige denn zu laut atmen. Es war schon fast qualvoll, aber er hatte es überstanden, da würde er nicht an solch einer Aufgabe scheitern. Lao musste doch lediglich zugreifen, ganz egal was auf dem Zettel stehen würde, ganz egal wie schwer es auch werden würde, es gab nun keinen Zeit mehr um zu zögern, lang genug hatte er warten müssen, lang genug hielt man ihn zurück, jetzt war seine Zeit gekommen, er musste nun handeln und nicht denken als wäre er irgendein Akademiker, wie ein paar der anderen Schattenmachermagier. Also griff er einfach zu, die Augen geschlossen und den Atem angehalten und tatsächlich berührte seine Hand etwas, was sich auch wie Papier anfühlte. Er hatte zunächst nur seine Hand darauf gelegt, hielt kurz inne und suchte nach einer der Ecken und griff zu. Lao hielt den Zettel so fest er konnte in seiner Hand, doch irgendetwas war seltsam, hatte er er jetzt schon einen Fehler begangen oder wieso war dieser Zettel so schwer.Er öffnete seine Augen, sah zur Tafel und bemerkte, dass der Zettel nicht mehr dorthing. Soweit sogut, aber wo war nun das Problem. Sein Blick wanderte zur Seite und dann konnte er es sehen, der erste Auftrag, den er erledigen würde, in seiner Hand…..

      Aber auch in der Hand von einer anderen Person. Das konnte doch nicht wahr sein, war es tatsächlich möglich, dass die Beiden zeitgleich den selben Auftrag gegriffen hatte. Lao war verwirrt und suchte letzlich den Augenkontakt. Vor ihm stand eine hübsche junge Frau, welche er nie zuvor gesehen hatte, was wohl nicht verwunderlich war, da er in letzter Zeit nur die Leute aus seiner Gilde vorm Gesicht hatte und er so gesehen Hausarrest auferlegt bekommen hatte. Einerseits freute er sich darüber mal in ein neues Antglitz zu schauen, doch auf der anderen Seite hielt die Person ihm gegenüber seinen Auftrag in der Hand. Ein Dilemma, welches zwingend eine Lösung benötigte. Für ihn stand fest, dass er nicht loslassen würde, so simpel es auch gewesen wäre, wollte er sich nicht umentscheiden. Er war drauf und dran seine große Klappe aufzureißen, um ihr zu sagen, dass sie seinen Auftrag loslassen sollte, doch die Frau kam ihm zuvor und ihre Stimme war wie ein stark lähmendes Gift. Sie paralysierte ihn, sodass er ganz perplex war und nicht wusste was er antworten sollte. Eigentlich war es sein Auftrag und den würde er nicht hergeben, doch warum sollte er der Magierin, die so viel Mut besaß vor ihm etwas zu sagen, nicht den nötigen Respekt zollen und sich einfach für einen anderen Job entscheiden. Lao schüttelte den Kopf und kam dann wieder zu sich. Er ließ den Zettel nicht los, ganz gleich wie lieblich ihre Stimme klang, wie hübsch sie anzusehen war, es hatte alles keine Bedeutung! Das was ihm jetzt wichtig war, ist dieser eine kleine verdammte Zettel in seiner Hand, welcher ihm wieder in den Stand verhelfen würde, den er vor vielen Jahren hatte. Er musste es tun, für sich…für die Gilde..für seine gefallenen Freunde. Lao fokussierte sich nun wieder richtig und blieb ernst während er sich dem Mädchen widmete.

      „Es tut mir Leid junge Frau, aber ich kann ihnen diesen Auftrag nicht überlassen“ kam es ernst und doch freundlich aus ihm heraus. Es war ihm schlichtweg nicht möglich auf diesen Auftrag zu verzichten, noch eher würde er wohl mit ihr zusammenarbeiten, aber auf diese Idee würde er wohl nicht kommen, da es für ihn üblich war, dass Magier Aufträge allein erledigen mussten, alles andere würde nur Schwäche zeigen und bei den Schattenmachern gab es keine Schwächlinge. Dies sah zumindest in seiner Vorstellung der Gilde so aus, doch in Wahrheit gab es auch unter ihnen Magier, die Aufträge die extrem schwierig waren gemeinsam erledigten. Bei Manchen Magiern ist es sogar recht normal immer zu zweit unterwegs zu sein, da sich beispielsweise ihre Fähigkeiten sehr gut ergänzten. Es war nur nicht überall gern gesehen und so gab es auch die Fraktion der Magier, die nicht gut auf diejenigen zu sprechen waren, welche sich bei der Auftragserledigung verbündeten. Lao´s Blick war auf das Mädchen fixiert, die nach wie vor seinen Auftrag festhielt und ebenso wenig den Eindruck machte wie er, diesen freizugeben.


      courage is the magic that turns dreams into reality
    • Selina hatte mit wahrlich allem gerechnet – ausgespottet zu werden, gestoßen, ja sogar angespuckt oder verachtet zu werden, hatte sie immerhin bereits all dies erlebt. Doch nie und nimmer hätte sie mit dem gerechnet, was sich vor ihrer eigenen Nasespitze abspielte. Ein junger Mann, vermutlich im ähnlichen Alter wie dem ihren, hielt den Zettel – ihren Zettel – fest und starrte sie an. Ihr eigener Gesichtsausdruck musste seinen ebenso widerspiegeln, denn im Moment fühlte sie nichts anderes als Überraschung.
      Zeitgleich war sie vom Eisblau seiner Augen erstaunt und regelrecht gefesselt. Wie ein kalter Wintermorgen, wo sich der Frost mit den ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages ein Wettrennen lieferte, lagen seine Iriden hübsch anzusehen in seinem Gesicht. Ein starker Gegenpol dazu waren seine auffällig orangen Haare, die eher einer Karotte, als einer natürlichen Haarfarbe glichen. Waren sie gefärbt, so wie es die eitlen Magierinnen unter ihresgleichen oft taten? Ein paar Spritzer Magie oder Pflanzentinktur und schon konnte man kirschblütenrosa Haare besitzen, falls man denn wollte. Doch irgendwie rechnete sie nicht damit, dass sich der Mann derart viel Mühe bei seinem Aussehen gab – oder vielleicht doch?
      Doch egal wie hübsch er auch anzusehen war, eines stand fest: Er hielt ihren Auftrag an einer Ecke bestimmend fest!
      Wie hoch war die Chance, dass unter all diesen Magiern und diesen hunderten von Aufträgen, jener Mann genau nach dem gleichen wie sie haschte? Diese Chance war utopisch und ging gegen Null und doch… genau so war es. Kurz überlegte Selina ihm den Auftrag zu überlassen, einfach nur, weil sie möglichem Ärger aus dem Weg gehen wollte. Sie wollte sich nicht schon an ihrem ersten Tag als zugelassene Magierin jemanden in den Weg stellen oder Missmut auf sich ziehen. Wenn man zu bestimmend agierte, konnte man schließlich Missgunst wecken und viele Magier waren höllisch nachtragend. Doch der Mann vor ihr sah genauso neu aus wie sie, ansonsten hätte er sie wohl auch gleich angeschnauzt, dass sie ihre Finger wegnehmen sollte.
      Und wenn er tatsächlich genauso ein Frischling war wie sie, wieso sollte sie ihm dann den Zettel überlassen? Sie selbst war eine eher verbissene Person und demnach nicht so frei, gleich bei der erstbesten Schwierigkeit wie ein geschlagener Hund von dannen zu ziehen. Nein, der Mond hatte sie zu diesem Auftrag geführt und den würde sie annehmen, antreten, durchziehen und erfolgreich abschließen, egal wie der Mann vor ihr darauf reagieren würde.
      Sie hatte sich nicht einmal Gedanken über den möglichen Inhalt des Blatt Papiers gemacht, denn sie vertraute voll und ganz dem Fluss der Magie und dem Wohlwollen ihres wandernden Sterns. Dieser Auftrag sollte der erste sein und diesen würde sie verteidigen, egal wie der Karottenkopf vor ihr auch reagieren würde.
      Deshalb hatte sie die Stimme erhoben, gleich von vorneherein klar gemacht, dass ihr dieser Auftrag gebührte. Mit ein wenig Selbstzufriedenheit betrachtete sie das leichte Erstarren ihres Gegenübers. Ja, sie war kein zartes Pflänzchen, welches bei der ersten Schwierigkeit aufgab, denn dann wäre sie schlicht und einfach falsch in einer Magiergilde.
      Leider hatte sich der Mann jedoch trotzdem rasch gefangen und setzte zu einer Erwiderung an. Er blieb überraschend freundlich, doch der ernste Unterton war genauso aus seiner Stimme herauszuhören wie aus ihrer. Beim Mond, warum musste er es darauf anlegen? Kurz machte sich Selina um das Bild sorgen, welches die beiden abgeben mussten, doch wie es schien waren sie relativ alleine, denn ihre Tafel blieb noch immer wenig frequentiert. Also entweder hingen hier die scheußlichen Aufträge – oder die schweren. In beiden Fällen hätte sie den Zettel also doch lieber dem anderen überlassen… doch ihr Stolz weigerte sich schlicht.
      „Mein Herr, um Verzeihung zu bitten liegt auch in meinem Interesse, doch ich kann Euch ebenso wenig diesen Auftrag überlassen, wie Ihr offenkundig mir.“, antwortete sie höflich. Sie war wohlerzogen und eloquent, was man deutlich an ihrem Umgangston heraushören konnte.
      Sie wartete einen Moment, wägte ihre Chancen ab, ihm den Auftrag einfach zu entreißen. Körperlich hätte sie sicher keinerlei Chance gegen einen Jüngling seiner Größe und sich wegen eines läppischen Stück Papiers auf ein Magieduell auf Leben und Tod einzulassen, schien ihr doch ein wenig dramatisch.
      Also blieben noch zwei Optionen: Zusammenarbeit oder Wettkampf.
      Sie ließ ein wenig ihrer Mondmagie in den Zettel fließen und sofort offenbarte sich die Geschichte hinter dem Auftrag in ihrem Kopf. Sie sah die beteiligten Personen, die aufgelöst in dieses Haus gestürzt waren, sie sah den Schreiber, der alle Daten festgehalten hatte und da! Da sah sie den Zettel mit der fein säuberlichen Handschrift klar und deutlich vor sich. Ja, mit ihrer Magie brauchte sie den Zettel nun nicht mehr, sondern hatte Licht in seine Geschichte gebracht.
      „Nun denn, dann möge der bessere Magier gewinnen.“, sprach sie und ließ im nächsten Moment das Papier los. Vielleicht fragte sich der Mann nun ob sie aufgegeben hatte. Oder sie war ihm auch schlicht egal. Vielleicht würden sie sich auch beim Einkaufen der Vorräte dieses Auftrages treffen, wer wusste dies schon?
      Selina vollführte noch einen leichten Kicks, senkte anmutig den Kopf, ehe sie auf dem Absatz ihres Stiefels kehrt machte und sich daran machte zu gehen. Der Auftrag bedarf einer kleinen Einkaufstour und die besten Elixiere der Stadt bekam man nur an einem Ort – und genau dies war nun Selinas nächstes Ziel.

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      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Es dauerte nicht lange, da er erhielt der junge Magier auch schon eine Antwort der hübschen Frau, welche seinen Auftrag in den Händen hielt, aber obwohl er ihren Worten aufmerksam zuhörte, verstand Lao ziemlich wenig, um nicht zu sagen, gar nichts. Es gab zwar sehr wortgewandte Magier in seiner Gilde, aber er selbst war keiner, viel eher war er jemand der handelt und sich dabei auf simple Sprache, unter Umständen auch auf den Slang der dunklen Gassen, verlässt. So konnten ihn die meisten Menschen verstehen, bis auf solche die in ihrem Status weiter oben standen. Scheinbar war die Magierin ihm gegenüber eine sehr gebildete Frau, die es verstand mit Worten um sich zu werfen, wie er es verstand anderen eine rein zu hauen. Das Problem des Missverstehens war jedoch nicht von langer Dauer, denn obwohl sie noch mehr von sich gab und er nach wie vor nur Bahnhof verstand, hatte die Frau den Zettel losgelassen und ihm damit, in Lao´s Augen, den Auftrag ihm überlassen. Ein wenig überrascht aber doch erleichtert verbeugte er sich vor ihr und sagte "Danke dir, hast was gut bei mir!" fast schon so laut, dass man es im gesamten Zentrum hören würde. Grinsend hob er dann seinen Kopf und sah wie die junge Magierin sich auf den Weg machte das Gildezentrum zu verlassen. Dies warf aber noch mehr Fragen in seinem Kopf auf, denn so weit er wusste war sie doch auch wegen einem Auftrag hier und jetzt ging sie einfach so wieder weg...ohne sich einen Job auszuwählen. Für ihn war es sehr seltsam und als wäre das nicht schon komisch genug blickte er plötzlich auf seine Hand, in welcher eigentlich sein erster Job auf ihn warten sollte....aber er war weg..einfach so...wie aus..Zauberei! Lao konnte es nicht fassen, zuerst musste er darum kämpfen, diesen Auftrag zu bekommen und jetzt sollte er spurlos verschwunden sein? Das war nicht möglich, also hielt er Ausschau.

      Nicht lange musste er auf die Lösung des Problemes warten, denn er sah wie ein anderer Magier mit seinem Auftrag einfach so davonspazieren wollte, aber nicht mit ihm, schließlich hatte er sich entschieden, dass es sein Job war und den würde er mit Sicherheit nicht kampflos aufgeben, wobei ein Kampf innerhalb des Zentrum wohl eher gegen sein Interesse wäre und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, dass er eiskalt verlieren würde, demnach musste eine Idee her. Mit seinen Dolchen und dem Kurzschwert würde er hier wohl nichts ausrichten können und aus diesem Grund hatte er keine andere Wahl. Lao atmete tief ein, hielt die Luft inne und atmete langsam aus, was er einige Male wiederholte. Der freche Auftragsdieb hatte sich wohl schon in Sicherheit gewogen als dann der überraschende Angriff kam. Ohne das irgendwer es merken konnte, hatte der junge Mann seine Magie aktiviert, dabei hielt er eine Kette in seiner rechten Hand, welche zuvor noch um seinen Hals hing. Lao stellte es sich ganz genau vor, freundlich wie er war ging er dem Magier hinterher und bat darum, dass dieser ihm seinen Auftrag zurückgibt. Der Fremde würde dies natürlich genauso tun und wortlos von dannen ziehen und sich an eine der anderen Tafeln aufstellen um für mehrere Minuten sinnlos an diese zu starren. Wieder und Wieder ging er diesen Ablauf im Kopf durch und setzte ihn dann in die Tat um. Eigentlich hätte er den Dieb niemals eingeholt, aber dieser lief plötzlich langsamer, sodass es ein leichtes für Lao war an ihn heran zu kommen. "Entschuldigen Sie Sir, aber der Auftrag in ihren Händen gehört mir, geben sie ihn zurück" Er musste keineswegs bitten oder gar bedrohlich wirken, er würde ihn unter allen Umständen zurück erlangen, da er seine Magie auf ihn angewandt hatte. Wie Lao es sich vorgestellt hatte, erhielt er seinen Auftrag zurück und warf nun sofort einen Blick auf den Umfang dessen was er zu tun hatte, um daraufhin alle nötigen Vorkehrungen zu treffen. Er steckte sich den Zettel in eine kleine Tasche an seinem Gürtel, die eigentlich für Tränke angedacht war, aber zur Zeit hatte er sowieso noch keine, also war dort Platz.

      Der junge Magier hatte mittlerweile so viel Zeit verschwendet, dass er ohne weiteres einkaufen gehen wollte, am besten in einem Laden, wo er all das, was er brauchte, auf einen Schlag bekam und er wusste genau wo das war. Damit er die verlorene Zeit wieder rausholen konnte, nutzte er erneut seine Magie. Er stand vor den Eingangstüren des Gildezentrums und stellte sich vor, dass wenn er diese öffnen würde, er den Laden seiner Gedanken betreten konnte. Ein Laden in der Stadt, der nur das Beste für den Magier verkaufte. Ob Elixiere, magische Begleiter, Trankphiolen, ja sogar Informationen konnte man gegen eine kleine Gebühr dort kaufen. Nachdem er seine Magie auf die Türen angewandt hatte, öffnete er sie und ging ohne groß darüber nachzudenken hindurch, schloss die Türen hinter sich und befand sich nun dort wo er auch hinwollte. Es hatte ihm gut 15 Minuten Zeit verschafft, aber auch einen Großteil seines Mana´s gekostet, doch das war es ihm wert. Bevor er jetzt mit dem Kauf von Utensielien begann, die er benötigte, hing er sich seine Kette wieder um den Hals, welche ihn davon abahlten sollte seine Magie zu verwenden. Kurz atmetete er nochmal ein und aus, bevor er sich dann in die Regale des Laden stürzte. Am Meisten würde er wohl verschiedene Tränke benötigen, welche unterschiedlichste Verletzungen beheben konnten und da er nicht wusste, welchen Gegnern er in den Weg laufen würde, musste er sich für alles wappnen, also nahm er von jeder Art 2 mit, wobei ihm dann auffiel, dass er niemals so viele Tränke tragen konnte und genau in diesem Moment, fiel ER ihm ins Auge. Ein Beutel oder eher eine Art kleiner Rucksack von dem er schon von seinen Freunden gehört hatte. Es war wohl eine Art Magie, welche es möglich machte, dass der Rucksack niemals voll sein würde. Statt sich also weiter nach Brauchbaren Elixieren umzusehen lief Lao zu dem Beutel hin und starrte ihn an, wenn man es nicht besser sehen könnte, konnte man meinen er würde davor auf den Boden sabbern. Wie verliebt schnappte er sich den Beutel und schleppte ihn mitsamt den Tränken, welche er sich ausgesucht hatte zum Verkäufer. "Ich...Ich will..das hier" brabbelte er der Frau hinter dem Holztisch entgegen. Diese verstand im ersten Moment noch nicht einmal, was genau er Alles wollte, aber es war ihr auch sichtlich egal, Hauptsache er würde auch bezahlen. Lao war so begeistert von diesem Beutel, dass er nichtmal bemerkte, wie die Verkäuferin ihm ein paar Extras mit in den Beutel packte, die natürlich auch Extrakosten haben würden. Alles worauf er gerade wartete war einen Preis zu hören, damit er bezahlen konnte, um danach endlich in sein erstes Abenteuer seit Jahren zu starten.


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    • Ihre gewählten Worte schienen ihr Gegenüber zu verwirren, doch ihre Geste des Loslassens tat ihr übriges – und wurde prompt falsch verstanden. Der junge Mann verbeugte sich und meinte in ihrer Schuld zu stehen. Selina hätte ihn aufklären können, hätte ihm sagen können, dass sie nicht gewillt war den Auftrag aufzugeben, doch es war ihr schlicht egal. Der Mann schien ein klein wenig naiv und sie wäre dumm ihn aufzuklären und zu mehr Wissen zu verhelfen. Wenn er nun also den selben Auftrag wie sie annahm, dann würde eben der bessere gewinnen und die Magierin hatte nicht vor, sich kampflos geschlagen zu geben.
      Doch ihre Gedanken verflüchtigten sich, als sie auf die Straßen der Stadt trat. Ihre Beine führten sie zielsicher durch die Gassen und nicht selten wurde sie angestarrt oder hinter vorgehaltener Hand verunglimpft. Sie konnte sich noch gut an die Zeit erinnern, wo sie ihre Herkunft verborgen hatte. Mit Alraunensaft waren ihre Haare dunkel gewesen und sie hatte stets eine Kapuze getragen um das Mahl auf ihrer Stirn zu verbergen. Doch diese Zeiten waren vorbei. Sie hatte erkannt, dass die Mondmagie ein Geschenk war und begonnen diese aktiv zu nutzen. Soweit sie wusste, war sie schließlich die Letzte ihrer Sippe und wenn sie schon unterging, dann wenigstens mit einem Inferno.
      Somit stolzierte sie mit hochgehobenem Kopf durch die teils gepflasterten Straßen. Ihre flachen Stiefelabsätze haben klackernde Geräusche von sich und unbekümmert setzte sie ihren Weg fort. Ihr Ziel war „Maggies Kuriositäten“, war dies doch der beste Ort um allerlei Elixiere, Bücher, Rezepte oder auch Informationen zu erlangen. Es war nicht billig, doch sie hatte sich mit diversen kleineren Botengängen einen soliden Grundstock zusammengespart, der ihr nun ihre Magieranfänge erleichterte. Sobald sie ihre ersten Aufträge erfolgreich beendet hatte, würde das Geld ohnehin hoffentlich fließen. Und wenn nicht… dann durfte sie sich nicht mehr auf die Straße wagen. Manch ein Magier schaffte den Sprung vom Novizen nicht zum professionellen Auftragsmagier und wurde dann seither in der eigenen Gilde versteckt. Die Reputation sollte schließlich nicht leiden und in einem Gildehaus war ohnehin genug zu tun.
      Doch daran wollte sie nicht denken, sondern konzentrierte sich lieber auf die schwere Holztür, die sie nun öffnete. Es waren rund zehn oder fünfzehn Minuten Fußweg gewesen und noch fühlte sie sich kein bisschen müde. Vermutlich lag dies an der Aufregung in ihrem Inneren, welche sie durch Disziplin gut verbarg.
      Das kleine Glöckchen an der Tür hatte ihre Ankunft verraten, doch der Laden war so voller Regale und Krimskrams, dass er fast aus allen Nähten zu platzen schien. Selina konnte also unmöglich bis zum Verkaufstresen sehen. Die Stimmen jedoch verrieten ihr, dass sie nicht die einzige Kundin im Laden war.
      Um keine weitere Zeit zu verschwenden streifte sie durch die Regale, suchte sich Heilungselixiere sowie Verbände aus. Auch das eine oder andere Stück flache Silber kam ihr unter, denn daraus könnte sie neue Amulette machen – als würden die zahlreichen um ihre Handgelenke und Hals nicht schon genügen. Kurz überlegte sie ein kleines Notizbuch zu kaufen um ihre Aufträge fein säuberlich zu notieren. Ja, es schien ihr eine gute Idee, denn somit hatte sie ein Nachschlagewerk und gleichzeitig auch eine Bestätigung ihrer Auftraggeber. Da sie nun nicht im Besitz des Zettels war, musste sie die Unterschrift ihres Auftraggebers schließlich irgendwie anders vorweisen, um das im Gildezentrum hinterlegte Geld für den erfolgreichen Abschluss freizuschalten.
      Sie erlaubte sich ein kurzes Seufzen, als sie auf die Unmengen an Gegenständen starrte, die sie in ihren Händen hielt. Zum Glück hatte ihr Vater Selina seine Umhängetasche hinterlassen, welche mit einem bodenlosen Ausbreitungszauber gesegnet war. So unscheinbar und klein sie auch war, so unendlich viel konnte sie fassen, ohne schwerer oder überladen zu werden.
      Bevor sie nun endgültig zum Tresen trat, hielt sie noch inne und überlegte. Ihr erster Auftrag war eine Begleitmission von hier zum nächstgelegenen Dorf. Der Mann hatte beschrieben zwar älter, jedoch gut zu Fuß zu sein. Normalerweise war eine Reise von einem Dorf zum nächsten kein Problem, doch der Mann schien Forscher zu sein und wollte demnach durch den Glimmerwald. Und dies war ein Problem, denn dieser Wald war voller Heimtücke und Gefahr – fast schon so, als wäre er selbst ein lebendiges Wesen. Doch Selina ließ sich von der vermeintlichen Schwere des Auftrages nicht blenden. Der Glimmerwald konnte gut bewältigt werden, wenn man über starke Bannkreise verfügte um die Nacht gut zu überstehen. Zum Glück war sie mit solch einer Macht gesegnet! Doch auch mit guter Vorbereitung oder einem Nachtlager auf Bäumen könnte man den Kreaturen der Nacht entkommen. Tagsüber war der Wald relativ friedlich und bot eine reiche Vegetation, die der Forsche offensichtlich studieren wollte.
      Ja, sie sollte nun alles soweit in ihren Händen halten um bezahlen zu können, also trat sie hinter den Regalen nach vor um genau dies in die Tat umzusetzen.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Lao musste nun nicht mehr lange warten, denn er konnte es an der Verkäuferin erkennen, jetzt würde sie gleich den von vor Wucher triefenden Preis herausplatzen lassen. Wäre er nicht ganz so dümmlich in dieser Hinsicht, würde er es vermutlich noch bemerken, aber er war ganz verblendet von diesem unglaublichen Fund, eine solche Tasche hatte er bisher noch nie gesehen und jetzt hatte er die Möglichkeit selbst ein Besitzer einer solchen zu werden, das konnte er sich nicht entgehen lassen. "Das macht insgesamt 17 Goldmünzen und 39 Silber" hallte es von seinem Gegenüber über die Tasche hinweg, die so im Weg stand, dass er nicht sehen konnte wo die Verkäuferin stand. Immerhin hatte er den Preis vernommen und es ließ seine Ohren sinnbildlich bluten. Lao´s Freunde gaben ihm zwar eine Art Taschengeld oder besser gesagt ein Startkapital, aber dieses belief sich gerade mal auf 20 Goldmünzen. Ob er so viel Geld an seinem ersten Tag, für seinen ersten Auftrag ausgeben wollen würde, mit Sicherheit. Ohne großartig weiter darüber nachzudenken, übergab er das Geld an die Verkäuferin, welche ihm wiederum den Rest zurückgab. Der Handel war vollzogen und Lao war nun stolzer Besitzer einiger ausgewählter Tränke, einer Tasche mit bodenlosem Ausbreitungszauber und sehr vielen Dingen, die er nicht haben wollte und auch nicht weiß, dass er sie besitzt, gut verstaut in seinem Beutelchen. Lao war bereits beim Verlassen des Ladens, als er kurz den Gedanken hegte sich umzudrehen, um der Verkäuferin eine Frage zu stellen, er wusste nicht wieso, aber er hatte das Gefühl, dass die Tasche zu schwer war, obwohl er doch nur die paar Tränke hineingepackt hatte. Bevor er sich jedoch der Verkäuferin widmen konnte, fiel ihm eine junge Frau ins Blickfeld, welche ihm bekannt erschien. Lao kratzte sich an der Stirn und versuchte zu überlegen und obwohl es einen Moment dauerte, hatte er die Puzzleteile wieder verbinden können. Es handelte sich um die Frau, die ihm seinen Auftrag überlassen hatte, die Frau, von der er kein Wort verstanden hatte. Er fragte sich ob sie sich mittlerweile auch einen eigenen Job geholt hatte und nun wie er dabei war seine Vorräte aufzufrischen. Mit langsamen Schritten näherte er sich und hielt neben ihr an um dann ganz einfach mit einer Bombardierung loszulegen.
      "Haaaaaallöchen, du bist doch die nette Magierin, die mir den Job vorhin überlassen hat oder? Echt voll nett von dir, danke nochmal...aber sag mal, wieso bist du danach eigentlich gegangen, hätte gedacht du würdest dir dann einfach einen anderen Auftrag suchen"
      In der Theorie würde jeder normale Mensch dem Gegenüber die Möglichkeit geben zu antworten, doch bei einem Kerl wie Lao war das ziemlich schwierig, da er nicht wirklich Luft holte und erstmal alles was er zu sagen hat, raushauen musste und das mit einer Energie die man so sicherlich nicht gewohnt war. Schließlich würde er den ganzen Laden unterhalten, denn leise war für ihn ein Fremdwort. Ihm selbst fiel es auch nie auf, nur denen mit denen er spricht.
      "Na wie auch immer, cool, dass ich dich hier treffe, heißt wohl du hast dir nen anderen Job geangelt? Hoffentlich können wir beide mit einem Erfolg zurückkehren! Wie heißt du eigentlich, wenn ich fragen darf? Also ich bin Lao! Stolzer Magier und wohl ein Neuling wie du!"
      Lao´s Monolog der eigentlich keiner war schien gar kein Ende zu nehmen, jedoch wurden langsam aber sicher die anderen Kunden in seinen Bann gezogen. Es war ungewollte Aufmerksamkeit und auch die Verkäuferin weckte den Eindruck als würde sie jeden Moment einen Knockoutzauber benutzen.
      "War schon ein starker Zufall, dass wir beide den gleichen Auftrag machen wollten nicht wahr? Hätte nie gedacht, dass mir sowas passieren könnte, aber manchmal gibt es wohl einfach solche Momente, die man nicht ändern kann...Aber JA WOW! Alles was vorher passiert war und so nicht hätte geschehen müssen um zu diesem Vorfall zu führen..glaubst du es gibt jemanden der das alles gelenkt hat..eine Art Magiergott oder so?"
      Lao machte dann tatsächlich eine ganz kurze Pause um Luft zu holen, nur um im Anschluss gleich wieder loszulegen.
      "Achja..was ich noch gern fragen wollte...Bist du eigentlich schlau? Du hast vorhin mit mir geredet, das konnte ich sehen, aber ich habe keine Ahnung was genau du mir gesagt hast, unglaublich oder? Habe mich gefühlt als wäre ich nie zur Schule gegangen..dabei hatte ich echt gute Noten...glaube ich zumindest..ist schon ne Weile her und die Gilde hat mich echt Kraft gekostet..hab wohl einiges verlernt oder sogar ganz vergessen..ich weiß es nicht"
      Ohne es zu beabsichtigen hatte er Fakten aus seiner alten Zeit, seiner alten Welt ins Gespräch eingebracht. Lao war nun fast fertig und alle Anwesenden sichtlich ebenso, aber mit den Nerven, wenn er es doch nur bemerken würde, aber das Glück ist wohl mit den Dummen.
      "Ach, du..Sorry, ich halte dich hier wohl echt auf..du hast sicher noch deinen Einkauf zu beenden und da mag ich dich nicht natürlich nicht bei stören, also lass ich dich jetzt wohl besser mal in Ruhe und vielleicht sieht man sich ja mal im Gildezentrum wieder, auf das wir erneut den gleichen Auftrag in den Händen halten"
      Lao grinste die junge Frau an und war jetzt im Grunde fertig mit allem, sodass er bereit war den Laden zu verlassen, aber aus einem ihm nicht zu erklärendem Grund hatten sich 3 wütende Typen um ihn herum aufgestellt und schauten ihn grimmig an.
      "Heyho, alles klar bei euch? Kann ich euch vielleicht weiterhelfen?"
      Er war zwar ein Idiot, aber Gefahrensituationen konnte er recht gut einschätzen, dementsprechend war er bereits in Alarmbereitschaft und drauf und dran seine Kette ein weiteres Mal abzunehmen. Seine Hand befand sich bereits daran und würde jederzeit bereit sein die Kette zu entfernen um diesen Kerlen zu zeigen,dass sie sich nicht mit dem falschen Magier anlegen sollte. Es schien fast so als würden die Männer ihre Schwäche einsehen, doch dann griff der eine doch tatsächlich nach Lao´s Kragen, der vorerst noch abwartete, denn bevor sie nicht zuschlagen würden, würde er es ebenso wenig,schließlich waren es keine Monster, keine Verbrecher, nur normale Menschen, die scheinbar ein Problem mit ihm hatten und es sicherlich auch mit Worten geregelt werden könnte, so dachte er zumindest, doch das was der eine Mann dann von sich gab änderte alles. Mit den Worten, dass Lao jetzt seine dämliche Schnauze halten sollte, holte der Mann mit seiner Faust aus und war kurz davor ihm ihns Gesicht zu schlagen,


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    • Mitten in der Bewegung erstarrte Selina, als sie überraschend eine erst seit kurzem bekannte, orange Haarpracht am Verkaufstresen erblickte. Beim Licht des Mondes, das konnte doch nicht möglich sein! Wie war der Mann so schnell vom Gildezentrum… hierher…? Sie war doch vor ihm hinaus gegangen! Er war doch noch so verwirrt gewesen, dass sie ihm den Auftrag überlassen hatte. Wie hatte er sich so schnell fangen können? Welchen Zauber hatte er benutzt, um hierher zu kommen? Portalmagie war doch unglaublich Kräftezehrend und benötigte viel Macht, nur die wenigsten beherrschten diese wirklich. Doch sie hatte ihn auch nicht auf den Straßen gesehen, solch eine Person voller übersprudelnder Lebendigkeit, mit dieser seltsamen Jacke, wäre ihr bestimmt aufgefallen!
      Sie presste die Lippen zusammen und erdolchte diesen Mann von hinten mit ihren Blicken, er schien gerade seine Waren zu bezahlen. Er hatte ihr tatsächlich ein Schnippchen geschlagen. Vielleicht war seine ganze Naivität auch nur eine Masche, und sie war darauf reingefallen? Beim Mond, was war sie nur dumm und arrogant! Sie hätte sich nicht auf seiner vorgetäuschten Verwirrung ausruhen dürfen. Nun war er hier, hatte vor ihr seine Sachen bezahlt und war ihr somit abermals einen Schritt voraus. Sie musste wohl oder übel ihre Meinung zu diesem Mann überdenken und würde ihn kein zweites Mal unterschätzen.
      Es juckte sie in den Fingern ihn zu berühren, durch ihre Magie möglicherweise ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Vielleicht erfuhr sie, was genau seine Macht darstellte? Oder wer er – bei der Nacht – wirklich war? Doch natürlich unterließ sie es. Eine ihrer größten Ängste war es, die Traumata anderer Personen zu sehen und aus diesen Alpträumen nicht mehr herauszukommen.
      Sie überlegte sich gerade ob sie sich erneut hinter einem der überfüllten Regale verstecken sollte, als sich der Dorn ihrer Ärgernis umwandte und seine eisblauen Augen an ihr haften blieben. Sie konnte regelrecht das Rattern der Räder in seinem Kopf sehen, als er offensichtlich überlegte, wo er sie gesehen haben könnte. Sie war beleidigt, achtete sie doch immer so auf ein adrettes Äußeres! Außerdem waren ihre Haarfarbe und das leuchtende Mal auf ihrer Stirn ebenfalls ein großes Wiedererkennungsmerkmal. Der Mann zerrte schon jetzt stark an ihrem Nervenkostüm.
      Doch dem war nicht genug. Mit langsamen Schritten kam er auf sie zu, blieb tatsächlich neben ihr stehen und ein Wortschwall gleich einem Wasserfall ergoss sich aus seinem Mund. Er fragte wer sie war, bedankte sich überschwänglich bei ihr diesen Job aufgegeben zu haben und fragte wieso sie sich nicht gleich einen neuen Auftrag gewählt hatte. Seine Fragen überschlugen sich fast und Selina blinzelte um sich ein wenig zu fangen. Eigentlich wollte sie ihm nicht antworten, doch die Höflichkeit gebot es ihr.
      Aber sogleich musste sie sich auch keine Gedanken mehr darüber machen, denn schon setzte er erneut an um mit ihr zu sprechen. Seine Stimme war unangenehm laut und sie trat vorsichtig einen Schritt zurück um einfach eine Grenze zwischen ihnen aufzubauen. Es war ihr unbegreiflich wie jemand solch eine Energie ausstrahlen konnte! Er glich der Sonne, die alles in ihrer Nähe zu verbrennen drohte.
      Und er verwendete seltsame Worte wie „cool“. Ja kühl war sie, doch dieses Adjektiv passte nicht in seine Satzkonstruktion, denn offensichtlich war er erfreut, dass sie sich einen anderen Job geangelt hatte? Pah, also war er doch naiv! Aber freundlich, dies musste man ihm lassen, denn er hoffte auf einen Erfolg von ihnen beiden. Dann fragte er nach ihrem Namen und nannte sogleich den seinen ebenfalls: Lao.
      Und dieser Lao war ebenfalls ein Neuling wie sie – nun, dies hätte sie keine Münze gekostet, hätte sie darum gewettet. Es war offensichtlich, dass er ein Neuling war. Sie betete zum Gezeitengott, dass sie sich nicht auch so offensichtlich dumm anstellte.
      Doch noch immer hörte er nicht auf! Kurz überlegte Selina ihn in einen Bannkreis zu stecken, der Geräusche unterdrückte. Ihr malträtiertes Trommelfell würde es ihr danken. Aber er sprach noch immer, berichtete von Zufall und hier musste sie ihm ausnahmsweise Recht geben. Sie selbst glaubte nicht an Zufälle, dafür jedoch an Wege und Hinweise, die es aufzusammeln und zu folgen galt. Nur so würde sich langsam der verschlungene Lebenspfad vor einem lichten und man konnte seiner vorgezeichneten Bestimmung näher und näher kommen. Aber dies war nur ihre bescheidene Meinung.
      Er plapperte weiter, machte seiner Überraschung über die gemeinsame Wahl des Auftrages weiter Platz und langsam aber sicher wollte sich Selina wirklich von ihm entfernen. Ihr entgingen nicht die Blicke der anderen Kunden und warnend stellten sich die Härchen an ihren Armen auf.
      Er fragte nach einem Magiergott und diese Frage ließ sie abermals irritiert die Augenbrauen runzeln. An was er glaubte oder nicht war schließlich seine Sache. Doch was er dann von ihr wissen wollte, glich schon einer bodenlosen Frechheit. Wer bitte fragte jemand anderen, ob derjenige schlau wäre? Sie war wahrlich höchst irritiert und dann noch ein kleines bisschen mehr, als er von einer „Schule“ sprach.
      Bei ihnen gab es nur eine Lehre in einem der Berufe, wenn man Glück hatte, lernte man dort Lesen und Schreiben. Wer magiebegabt war, konnte auf einen Platz bei den Magiergilden hoffen. Wer nicht, der ergatterte zumindest einen Lehrlingsposten als Schweißer, Hufschmied oder Koch.
      Wo kam der Jüngling her? Sie glaubte ihm gerne, dass er keines ihrer Worte verstanden hatte und doch machten ihn seine wirren Artikulationen auf eine Weise interessant für Selina. Er sprach so anders, erzählte von verschiedenen Dingen, die sie nicht kannte. Der Wunsch ihn zu berühren war fast übermächtig, doch sie hielt sich im Zaum.
      Endlich, endlich verabschiedete sich und scherzte sogar auch noch, dass sie wieder den gleichen Auftrag in den Händen halten könnten. Bei den Sternen, bitte nicht! Er schenkte ihr ein Grinsen, welches sie jedoch nur erneut die Stirn runzeln ließ, ehe er sich ein wenig von ihr abwandte. Er hatte sie nicht einmal zu Wort kommen lassen, wusste noch nicht einmal ihren Namen. Nein, sie hatte sich bei ihrer ersten Einschätzung wahrlich nicht getäuscht. Er war naiv und offensichtlich nicht ganz richtig im Kopf.
      Aber all diese Gedanken waren nichtig, als sich plötzlich drei Gestalten rund um ihn – und somit auch sie – aufbauten. Es war klar, dass diese nichts gutes im Schilde führten und gedanklich verpasste Selina dem Karottenkopf einen neuen Spitznamen: Unglücksrabe.
      Interessiert beobachtete sie wie seine Hand zu seiner Kette wanderte und auch ohne diese genau sehen zu können, spürte sie es – der Kette haftete Mondmagie an. Jetzt wurde es wirklich interessant für sie, denn es konnte nur jemand aus ihrer verstorbenen Sippschaft sein, die solch ein Stück angefertigt hatten. Wie kam er dazu? Das Artefakt schien mächtig zu sein, sehr mächtig. Wieso brauchte er es? Wer hatte es angefertigt?
      Sie kam leider nicht dazu ihm diese Fragen zu stellen, denn schon wurde es ernst. Der eine griff nach dem Kragen Laos, schnauzte ihn an und wie in Zeitlupe sah Selina, dass sich die geballte Faust auf das doch recht hübsche Gesicht des orangehaarigen Magiers zuzubewegen begann.
      Es blieb ihr eine Sekunde um zu entscheiden ob sie es hier drinnen, zwischen all den gefüllten Regalen, zum Kampf kommen lassen wollte oder nicht. Wenn etwas zu Bruch ging, würde sie belangt werden? Würde die Verkäuferin sie ebenso verantwortlich sehen, weil Lao so offen mit ihr gesprochen hatte, als wären sie Freunde? Bekäme sie Hausverbot und würde hier nichts mehr kaufen dürfen? Würde sie die zerstörten Waren ersetzen müssen? Würde dem mächtigen Artefakt etwas zustoßen und sie somit nie hinter das Geheimnis dessen gelangen? Erst die allerletzte Frage stellte sie sich bezüglich der Gesundheit Laos.
      Sie seufzte, hob rasch die Hand und vollführte eine elegante Drehung aus dem Handgelenk, ihre Amulette gaben einen hellen Ton von sich.
      Die Faust senkte sich, doch prallte anstatt gegen Laos Kinn, gegen eine weißliche Barriere, die bei der Berührung in prächtigen Farben schillerte. Stille und Irritation folgten. Überrascht ließ der Schläger den Kragen los und die Barriere senkte sich vollkommen.
      Selina hatte ihre Magie gewirkt und die drei Typen in einen Bannkreis eingeschlossen. Es war einer ihrer mächtigsten, der gegen verschiedene Arten der physischen und magischen Einwirkung hielt. Der Nachteil: Sie hielt nicht lange, sondern lediglich ein paar Minuten.
      Andere Barriere, die nur gegen eine Art Kraft ausgerichtet waren, wirkten deutlich länger. Doch da sie nicht wusste ob die Typen der Magie fähig waren, hatte sie lieber eine starke gewählt.
      Sie wandte sich kommentarlos ab, bezahlte ihr Zeug bei einer verdutzten Verkäuferin und machte sich auf den Weg den Laden zu verlassen.
      „Wenn ich du wäre, würde ich das Weite suchen.“, raunte sie Lao im Vorbeigehen zu. Sie hatte ihre formvollendete Hochsprache abgelegt und ihn ebenfalls per Du angesprochen. Anders würde er es ja doch wieder nicht verstehen.
      Ob er nun im Laden blieb oder nicht, war seine Sache. Sie jedenfalls würde sich auf den Weg machen und abtauchen, sodass die Typen nicht ihre Rache an ihr auslassen konnten. Sie verließ den Laden und machte sich ohne Umschweife auf, den besagten Forscher zu besuchen um ihn abzuholen, ehe sie ihn durch den Glimmerwald ins nächste Dorf bringen würde. Ihren Namen kannte Lao noch immer nicht. Sie lächelte ein wenig verschmitzt und machte sich mit gefüllten Vorräten auf den Weg.

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      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Er sah die Faust näher kommen, doch zögerte zu lang, schließlich musste er gut abwegen, wann er seine Magie nutzte, da sie äußerst begrenzt nutzbar war und er sie bereits zweimal verwendet hatte. Durch sein zu langsames Handeln, konnte er es nicht mehr verhindern, jedoch bekam er dafür ein wunderschönes Geschenk. Direkt neben ihm erschien ein helles Leuchten und auf mysteriöse Art und Weise traf der Schlag des Mannes nicht sein Kinn, sondern prallte an einer farblich schimmernden Wand ab, die sich wenige Millimeter vor seinem Gesicht errichtet hatte. Er war zwar nicht unbedingt schlau, aber diesesmal konnte er es sich zusammenreimen, seine neue Freundin musste ihm wohl geholfen haben. Er ließ seinen Blick zu den Männern schweifen und grinste sie an, um schweigend seine Aufmerksamkeit weiter zu lenken, sodass sie nun bei Selina war. Auch sie bekam ein Lächeln von ihm, aber ein anderes als die Männlein, denn sie hatte ihn aus einer misslichen Lage befreit.
      "Da muss ich dir wohl erneut danken"
      Er gab ihr einen sehr leichten Schlag an die Schulter, was für ihn eine ganz normale Umgangsform mit Freunden war, möglicherweise bei anderen aber auf Missgunst stoßen könnte, aber sie würde es schon verstehen, hoffentlich. Sie machte auch nicht den Anschein als würde sie es ihm übel nehmen, vielleicht irrte er sich auch, aber das wesentliche vergaß er erneut. Seinen Auftrag! Daran erinnert wurde er erst, als er sah wie die Magierin ihren Einkauf tätigte und sich in gewisser Art und Weise von ihm verabschiedete. Ihren Ratschlag würde er definitiv folge leisten, jedoch musste er zuvor noch etwas tun. Er drehte sich zu der Verkäuferin und verbeugte sich vor dieser.
      "Es tut mir Leid, falls ich ihnen Unanehmlichkeiten bereitet habe"
      Lao wandte sich ab und verließ den Laden samt seiner Sachen und gab den Männern zum Abschied ein Zwinkern, welches ihnen sagen sollte, dass sie sich beim nächsten Mal lieber nicht mit dieser jungen Magierin anlegen sollten. Doch egal, jetzt war es Zeit seinen Auftraggeber zu suchen, denn der Job den er angenommen hatte war eine Art Eskortmission für einen Forscher, welcher irgendwas benötigte und scheinbar Angst vor dem süßen Monsterlein des Glimmerwaldes hatte, für einen Kerl wie Lao unverständlich, aber er war auch schon ewig nicht mehr in der Umgebung der Stadt, was natürlich für seine Orientierung außerhalb eher ein Problem war und jetzt wo er so darüber nachdachte, wurde ihm bewusst, dass diese Mission für ihn ziemlich schwierig sein würde. Nicht weil er schwach war, sondern weil er sich nicht zurechtfinden würde. Aber darüber konnte er sich noch genug Sorgen machen wenn es soweit ist, jetzt musste er erstmal den Forscher finden, dafür warf er einen Blick auf seinen Auftragszettel, welchen er aus seiner Tasche zog. Er erlas sich seinen Zielort und schlich durch die mittlerweile überfüllten Straßen der Stadt. Während er vor sich hin lief, bemerkte er nicht wie er sich Selina näherte, die kurz vor ihm den Laden verlassen hatte. Erst als er in sie hineinstolperte und seinen Fokus wieder auf den Gehweh setzte, sah er die junge Frau und entschuldigte sich sogleich.
      "Oh, sorry, ich war auf etwas konzentriert..."
      Doch dann kam der erneute Schock!
      "Momentchen..du bist das!! Hey! Wir sehen uns heute echt häufig, liegt dein Auftragsziel auch in dieser Richtung? Wollen wir zusammen weiter gehen? Ich weiß deinen Namen ja noch gar nicht...möchtest du ihn mir nicht verraten? Wenn nicht, dann macht das nichts, fände es aber schade, scheinst mir nämlich nett drauf zu sein..wenn auch ein wenig ruhig, aber dafür bin ich ja da..und texte dich zu..Oh gott..ich komm mir grad vor wie ein wildes Groupie girl..total am fanboyen"
      Wieder war er laut und nervig und seine Lache am Ende machte es nicht besser, auch wenn die Aufmerksamkeit der anderen Menschen nicht auf ihn gerichtet war, da hier auf den Straßen viele rumliefen die lauter waren, aber Lao war auch noch so penetrant und zeitgleich freundlich und dumm, nichtsahnend und stets der Meinung er würde eine gute Wirkung auf andere haben.
      "Das ist schon verrückt! Aber was du da vorhin gemacht hast...das war echt krass, was ist das für eine Magie? Bist du eine Art Schildmaid? Und hey..is mir bisher gar nicht aufgefallen..aber du hast ein echtes schickes Tattoo auf der Stirn, ist das eine Eigenkreation?...Nein oder? Es kommt mir bekannt vor >.< "
      Er starrte schon fast stalkermäßig auf ihre Stirn, wobei er nach ein paar Minuten damit stoppte, aber nur um sich weiter einem seiner weiteren Monologe zu widmen.
      "Achja..du hast ja einen neuen Auftrag angenommen..worum gehts bei dir? Ich muss so nen Forscher eskortieren und wahrscheinlich ein paar Monster aus dem Weg räumen, der will in den Glimmerwald"
      Endlich hatte er mal eine Pause in seinem Redefluss, aber auch nur weil er jetzt nicht mehr wusste was er noch sagen sollte. Jetzt musste er sich wieder fokussieren um nicht zu vergessen wo er eigentlich hinmusste, aber wirklich schwer war es nicht, denn er war schon fast angekommen. Scheinbar hatte er während des Gespräches mit der Magierin einen weiten Weg hinter sich gebracht. Dann sah er es, das östliche Ausgangstor der Stadt, an welchem der Forscher auf Lao warten müsste. Um diesen nicht mehr zu lange warten zu lassen, begann er die letzten Meter zu rennen, um dann direkt vor einem Mann stehen zu bleiben, welcher aussah wie ein Forscher. Es würde geschehen, Lao war kurz davor wieder in seinen Monologsyndrom über zu gehen, aber zuvor wollte er sich noch kurz versichern ob sonst niemand auf die Personenbeschreibung passen könnte. Ansonsten wäre es ja ziemlich peinlich, wenn er einen wildfremden Menschen mit belanglosem Zeug vollquatscht.


      courage is the magic that turns dreams into reality
    • Auf dem Weg zu ihrem Auftraggeber schüttelte die Hellhaarige ein paar Mal den Kopf. Dieser verwirrte Typ – Lao – hatte ihr tatsächlich ein Lächeln geschenkt, als sie ihn vor einem Handgemenge gerettet hatte. Noch nie, mit Ausnahme ihrer Familie, hatte jemand ein Lächeln für sie übriggehabt. Mit Angst, Ekel und Gleichgültigkeit kannte sie sich aus, aber nicht mit Freundlichkeit oder gar Güte.
      Doch das Seltsamste war, als er ihr einen freundschaftlichen Schlag auf die Schulter verpasst hatte. Zum einen vermieden es die Leute sie zu berühren und zum anderen mochte sie es ebenso nicht, jemanden zu nahe zu kommen. Zu groß war ihre eigene Angst in den Strudel von Alpträumen hineingezogen zu werden, der jedem Menschen innewohnte. Doch bei Lao hatte sie nichts gesehen oder gespürt. Es war seltsam, höchst seltsam. Vor allem bei Kindern hatte sie zumeist keinerlei Probleme, diese waren noch zu jung und unschuldig, um wirklich schreckliches erlebt zu haben. Auch sah sie keineswegs ständig Bilder oder Visionen, wenn sie jemanden berührte. Doch immer, wirklich immer nahm sie schlechte Emotionen wahr, welche die Vorankündigung für Traumata waren. Doch bei diesem orangehaarigen Kerl hatte sie nichts gesehen, nichts gefühlt und dies führte zu einer großen Verwirrung in ihr. Ohne ihr willentliches Zutun wurde er interessant für sie und sie verfluchte ihre Neugierde. Wer war dieser Typ? Wieso sah oder fühlte sie keine Negativität bei ihm? Wieso besaß er ein Artefakt mit Mondlicht? All diese Fragen kreisten in ihrem Kopf und sie fand doch keine Antwort.
      Doch diese Gedanken taten hier nun nichts mehr zu Sache, schließlich hatte sie eine Mission zu erfüllen und sie war fest entschlossen, ihren ersten Auftrag gut und vor allem erfolgreich zu Ende zu bringen. Sie zwang sich daher alles in den Hintergrund zu drängen und sich weiterhin auf ihren Weg zu konzentrieren… aber sie hatte erneut nicht mit Lao gerechnet. Er schien ein Talent dafür zu haben, sie zu überraschen, denn er lief ihr abermals über den Weg.
      Und so schnell konnte sie gar nicht reagieren, ergoss sich erneut ein Wortschwall aus seinem Mund. Ob er sie jemals antworten lassen würde? Vermutlich nicht. Er fragte erneut nach ihrem Auftragsziel und ein kleines, amüsiertes Lächeln schlich sich auf ihre Züge, er hatte es also immer noch nicht herausgefunden. Er fragte dann nach ihrem Namen und erkannte ganz gut, dass er sie mit seinen Anekdoten überschüttete. Doch den letzten Teil über irgendein „Groupie girl“ verstand sie nicht, es war vermutlich auch nicht so wichtig.
      Ohne ihre bewusste Entscheidung lief es darauf hinaus, dass sie sich gemeinsam ihrem neuen Auftraggeber näherten und ihr gemeinsamer Weg von seinem lauten, fröhlichen Lachen begleitet wurde.
      Wann hatte Selina zuletzt gelacht? So richtig, aus vollem Herzen? Sie konnte sich nicht mehr erinnern. Ein klein wenig war sie auf seine unbekümmerte Art auch neidisch, doch das würde sie ihm gegenüber niemals zugeben.
      Als er ihr dann dennoch ein Kompliment bezüglich ihrer Fähigkeiten machte, schlich sich doch wieder ein zartes Lächeln auf ihre Lippen. Wer war auch schon gegenüber einem ernstgemeinten Kompliment immun? Sie jedenfalls nicht, dazu war sie zu eitel.
      „Danke“, antwortete sie zwischen seinen Atempausen. „Ja, es ist eine Art Schildmagie, aber ob ich eine Schildmaid bin, überlasse ich dir.“, bestätigte sie seine Vermutung. „Und das auf meiner Stirn ist ein Geburtsmal meines Clans, keine Tätowierung.“
      Tätowierungen waren vor allem bei niederem Gesindel nicht selten, doch Selina hingegen würde sich nie derart permanent zeichnen lassen. Sein Starren auf ihre Stirn wurde ihr dann dennoch etwas unangenehm, auch wenn sie dreierlei Reaktionen eigentlich gewohnt war. Dieser Lao war wirklich höchst seltsam, so viel stand fest. Und leider, leider stieg mit jeder neuen Wortkreation aus seinem Mund auch ihr Interesse an ihm.
      Abermals fing er die Frage nach ihrem Auftrag an und fast tat er ihr schon leid. So viel Naivität in solch einem hübschen Antlitz war fast gemeingefährlich. Sie antwortete nicht, stattdessen wanderte ihr Blick zum östlichen Ausgangstor der Stadt, wo besagter Auftraggeber bereits auf seine Magier wartete. Dass es zwei waren, würde ihn wohl ein wenig überraschen.
      Ohne Umschweife folgte sie dem nun losrennenden Lao und war über seine Euphorie ein wenig amüsiert. Sie selbst hatte einen kleinen Vorteil, da sie wusste wie der Forscher aussah, hatte sie doch in ihrer Vision gesehen, wie derjenige den Auftrag in dem Gildezentrum abgegeben hatte.
      Als sie bei den beiden Männern ankam, übernahm sie deshalb das Sprechen. „Seid gegrüßt, ehrenwerter Forscher Holger.“ Eine formvollendete Verbeugung folgte. „Mein Name ist Selina Mondschimmer und ich…“ Sie hielt kurz inne und blickte auf ihren ungewollten Begleiter. So gerne sie es auch wollte, dennoch besaß sie kein Herz aus Eis. Sie brachte es nicht fertig, ihn einfach so im Regen stehen zu lassen.
      „… und wir sind Eure Begleitung zum nächsten Dorf. Wir werden unser Bestes geben, sie vor den Ungetümen des Glimmerwaldes zu beschützen.“
      Jetzt müsste auch bei Lao der Groschen gefallen sein und er müsste verstehen, dass sie den gleichen Auftrag wie er bestritt. Ab jetzt waren sie wohl keine Konkurrenten, sondern vielmehr Partner.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Der junge Magier sah sich am Tor um, damit er niemand anderen sehen würde, der die typischen Merkmale eines Forschers hatte, denn es wäre schon ziemlich peinlich, wenn er die falsche Person ansprechen würde. Da er niemanden sah auf den seine Beschreibung, welche er sich im Kopf zurecht gerückt hatte, passte, ging er näher auf den älteren Herren zu um ihn endlich anzusprechen, wurde jedoch kurz bevor er sein Mundwerk in Lauf bringen konnte von seltsamen Worten verwirrt. Zunächst vernahm er nur eine für ihn nicht unbekannte Stimme, hatte er sie doch mittlerweile einige Male im Ohr gehabt. Er sah zu der jungen Magierin, die heute schon die ganze Zeit über eine Art Begleiterin für ihn war, da sie immer das selbe Ziel hatten und jetzt erfuhr er endlich ihren Namen, auch wenn es nicht an ihn gerichtet war, so konnte er dennoch hören was sie sagte. Lao fand ihren Namen toll, es erinnerte ihn an seine Welt, dort gab es auch eine Selina in einem seiner Lieblingsspiele und da war sie eine großartige Unterstützerin des Maincharakters. So gedankenverloren wie ihr Name ihn machte kam er erst jetzt zu dem Punkt was sie davor sagte, Forscher Holger! Ein wenig musste er zwar überlegen, aber seltsamerweise hieß doch sein Auftraggeber Holger und die Person die von Selina angesprochen wurde sollte auch noch ein Forscher sein. Gab es eventuell zwei Forscher Holger am Osttor, die einen Magier benötigten. Doch das junge Magierfräulein hatte ihren Satz noch nicht beendet und was dann folgte ließ ihn zunächst erstarren. Langsam aber sicher verstand auch er die Situation. Selina hatte überhaupt keinen anderen Auftrag angenommen, irgendwie..kannte sie alle Details seines Jobs und bestand nun darauf, dass sie ihn zusammen erledigten. Das konnte doch nicht wahr sein, woher, wie..weshalb..WAS. Er war nicht in der Lage irgendwas dazu zu sagen, es schockierte ihn einfach und scheinbar war nicht nur er verwirrt, sondern auch der Forscher, welcher übrigens überhaupt nicht so aussah wie ihn sich lao vorgestellt hatte, was nur wieder eine Frage mehr aufwarf..wie konnte Selina wissen wie Holger aussah. Er war nun so perplex, dass er nichtmal mehr die einfachsten Dinge verstand, aber immerhin konnte er jetzt die Dinge durchgehen, die sie ihm erzählt hatte, vielleicht halfen diese ihm es zu verstehen. Ihre Magie war also etwas mit einer Schildfunktion, ihr Tattoo ein Geburtsmal ihres Clans, ihr Name Selina Mondschimmer...was ihm Informationen geben könnte wäre wohl ihr Clan und ihr Mal kam ihr auch irgendwie bekannt vor, sehr bekannt, aber beim besten Willen, er konnte sich nicht erinnern, nicht genau genug. Während er im Grunde wie angewurzelt dastand betrachtete der Forscher seine scheinbar zwei Begleiter und war beinahe so verwirrt wie Lao. Er wandte sich an Selina, die ihm am vernünftigsten wirkte.
      "Habe ich sie richtig verstanden junges Fräulein, Sie und der verwirrte junge Herr dort drüben werden mich begleiten? Ich war der Annahme, dass Magier stets allein unterwegs sind. Doch nun fühle ich mich gleich ein wenig sicherer, obwohl ich zugeben muss, dass mir der Herr ungeeignet für diese Mission scheint, aber ich möchte mich nicht von seinem verhalten beeinflussen lassen, Sie beide sind sicherlich begabte Magier und ich vertraue mich ihnen an"
      Lao sah sich die Situation weiterhin nur an, hörte dann aber die Worte des Forschers, woraufhin er den Kopf schüttelte um wieder zur Besinnung zu kommen. Er musste wohl oder übel erstmal mitspielen, schließlich war es unratsam einen schlechten Eindruck auf potenzielle Stammauftraggeber zu machen. Er lief zu Holger und Selina und stellte sich erstmal vor.
      "Hey, ich bin Lao, meinerseits ein begabter Magier, verlasse mich jedoch nicht nur darauf, sondern auch auf meine physischen Fähigkeiten. Die Monster im Wald sollten keine Gefahr darstellen! Wenn es doch brenzlig werden sollte, wird uns meine Magie aus allen Situationen befreien"
      Er verbeugte sich vor dem Forscher und dadurch ebenso vor Selina um dann seinen Kopf wieder zu heben und beide anzugrinsen. Noch war die Idee nicht ganz durchgesickert, dass er nun gemeinsam mit der jungen Frau seinen Auftrag erledigen würde, aber wirklich als störend empfand er es nicht, immerhin gab es so die Möglichkeit noch mehr über sie heraus zu finden und es reizte ihn schon sehr mehr über ihre Magie zu erfahren, nicht nur weil sie ihn damit beschützt hatte, sondern einfach weil es eine Art der Magie war, die er so noch nicht gesehen hatte. Bei den Schattenmachern, waren eher physische Magiearten typisch oder auch Illusionsmagie, aber die Magie von Selina wirkte so...freundlich und geheimnisvoll. Ein wenig überrumpelt vom Ansturm des Magiers nickte der Forscher.
      "Schön sie beide kennen zu lernen, Frau Selina und Herr Lao. Wenn es ihnen recht ist, würde ich nun gerne losgehen, damit wir spätestens am Abend vor dem Wald ankommen, um dort Rast zu machen"
      Lao war beruhigt, denn der Forscher schien ihn nicht zu missbilligen, also hatte er wohl seinen ersten Eindruck gut überspielen können. Die Worte die vom Auftraggeber folgten ließen das Blut in ihm aufkochen. Es sollte endlich soweit sein, der Start der ersten Mission, der Beginn eines Abenteuers...der Anfang von Lao´s Geschichte, welche ihn zu einem der besten Magier der Welt machen würde.
      "Jederzeit bereit, Sir! Ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir den Wald nicht bei Nacht betreten sollten"
      Es würde für die beiden Anwesenden zwar kaum Sinn machen,da der Wald bei Tag und bei Nacht so ziemlich gleich gefährlich waren, jedoch müssten sie nachts auf Lao verzichten, außer sie wollen, dass alles im Chaos versinkt. Er wollte aber nicht erklären wieso er so darauf bestand nachts nicht in den Wald zu gehen, da es ihm schon ein wenig peinlich war seine Schwäche zu offenbaren, vor allem vor Selina, die er lieber beeindrucken wollte, warum auch immer.
      "Natürlich wenn es Ihnen nichts ausmacht Holger, so würde ich vorschlagen gehen wir bis zum Wald, das sollten wir bis zur Dämmerung schaffen, wenn wir jetzt losgehen und nicht zu viele Monster auf dem Weg dorthin lauern und machen dann eine Pause bis zum Morgengrauen um mit voller Kraft den weg durch den Wald zu wagen. Es geht mir dabei hauptsächlich darum, dass ihnen nichts passiert und.." er sah kurz zu Selina "..dir ebenso wenig"
      Er hatte seine Meinung kund gegeben und wartete auf eine Antwort, doch anhand seiner Körperhaltung und der Aufregung konnte man ihm ansehen,dass er es kaum noch erwarten konnte endlich loszugehen. Lao war extrem aufgeregt, denn seit Jahren würde es das erste Mal sein, dass er sich aus der Stadt begeben durfte und dass er jemanden an seiner Seite haben würde, der in Gefahrensituation aushelfen kann, beruhigte ihn ein wenig, da er sich schon einige Gedanken darüber machte wie er den Forscher in der nacht beschützen sollte, da dort seine Magie mehr schlecht als recht sein würde. Doch jetzt war Selina da und mit ihrer, für Lao, Schildmagie war sie perfekt dafür geeignet. Der Forscher hörte sich den Vorschlag von Lao an und benickte es.
      "Ich denke der junge Mann hat nicht ganz unrecht und mein Leben ist mir lieb, also sollte ich wohl einfach auf sie Beide hören"
      Der Forscher musste lachen und begann dann einfach loszulaufen, woraufhin Lao diesem folgte und grinsend das Stadttor passierte.


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    • Die Verwirrung des Forschers und Laos war herrlich anzusehen und ein klein wenig vergnügte es Selina, die Gesichtsausdrücke zu mustern. Lao schien regelrecht fassungslos und die Magierin war sich sicher, dass selbst er nun endlich verstanden hatte, was vor sich ging. Vielleicht würde er sie noch fragen wie sie sich den Auftrag doch noch aneignen konnte, wenn doch er im Besitz des Stück Papiers war.
      „Richtig, werter Forscher.“, antwortete sie ihrem Auftraggeber, der sich schneller wieder gefangen hatte als ihr neuer Partner. „Normalerweise ist es üblich, dass Magier keine Partnerschaften bilden, das stimmt, aber auf diese Art und Weise steigt Ihre Sicherheit und diese hat für uns höchste Priorität.“
      Der Forscher hatte diesen Umstand auch bereits selbst herausgefunden und wirkte doch auch ganz zufrieden mit dieser Sachlage. Er vertraute Laos Erscheinung zwar nicht gänzlich und auch Selina hoffte, dass sie sich selbst nicht soeben in eine missliche Lage befördert hatte, doch manchmal war das Glück mit den Mutigen.
      Auch Lao ergriff nun das Wort und stellte sich vor. Es war interessant ein paar mehr Details über ihn zu erfahren, auch wenn er ein klein wenig wie ein Angeber wirkte, als er so sicher war, sie aus allen Situationen heraus zu bringen. Aber vielleicht war er auch kein Angeber und seine Magie war wirklich mächtig. Schließlich war es ihm gelungen vom Gildezentrum direkt in den Laden zu teleportieren und dies ließ auf unglaublich starke Macht schließen. Selina hoffte, noch ein paar mehr Details über diesen chronisch verwirrten Kerl zu erfahren, der wirklich ihr Interesse geweckt hatte.
      Dann nahm der Forscher erneut das Wort an sich und sie besprachen weitere Details über ihre Reise. Es wurde vereinbart, nicht bei Nacht den Wald zu betreten und Selina war es recht. Ihre Magie war zwar nach Sonnenuntergang und bei Mondlicht stärker, doch man musste auch nicht sein Glück unnötig herausfordern. Ein klein wenig verwirrte sie dann trotzdem Laos Vehemenz und geistig notierte sie sich diesen Hinweis über den orangehaarigen Magier, um ihn im Auge zu behalten.
      Als Lao dann davon sprach, dass er nicht wollte, dass dem Forscher und auch ihr etwas passierte, musste sie dann doch zweimal blinzeln. Warum sagte er dies? Er kannte sie doch nicht und trotzdem klangen seine Worte aufrichtig. Sein Blick aus seinen eisblauen Augen war voller Ehrlichkeit und unbemerkt von Selinas Aufmerksamkeit bekam der eisige Panzer um ihre Fassade einen feinen Riss. Es war ungewohnt für sie, wenn sich jemand um sie sorgte.
      Laos Aufregung lag greifbar in der Luft und fast konnte Selina diese schmecken, ein klein wenig ließ sie sich davon anstecken und musste sich zwingen nach außen hin Ruhe auszustrahlen. Es wäre töricht, wären sie beide so kopflos wie Lao.
      Es war nun abgemacht und Selina nickte noch einmal um auch ihre Zustimmung zu signalisieren. Danach begann ihre gemeinsame Reise, welche höchst ungewöhnlich gestartet hatte. Die Hellhaarige folgte dem Forscher und Lao, und musterte letzteren aus den Augenwinkeln. Ein breites Grinsen trug dieser im Gesicht, als sie das Stadttor passierten und auch auf Selinas Lippen erschien ein kleines Lächeln.
      Jetzt begann es! Ihre Mission, ihr Ziel den Namen ihres Clans reinzuwaschen war zumindest ein wenig näher als zuvor noch. Egal ob sie nun mit Lao diesen Auftrag bestritt oder nicht, sie würde sich nicht von ihrer Mission abbringen lassen und war fest davon überzeugt, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
      Kaum waren sie aus der Stadt hinausgetreten, erstreckte sich eine breite Landstraße vor ihnen. Sie war zwar nicht befestigt, doch in gutem Zustand. Man sah sogar ein paar Menschen reisen, alleine oder gar mit Fuhrwerk, welche in die Stadt wollten um Handel zu treiben. Würde man dieser Landstraße folgen, käme man in einem gemütlichen Tagesmarsch zum nächsten Dorf.
      Doch dies war natürlich nicht ihr Ziel, sie würden eher nach links abbiegen, ihren Weg über ein paar schmale Feldstraßen suchen und anschließend vor dem Dickicht des Glimmerwaldes ankommen. Den Wald selber sollten sie ebenfalls in einem Tagesmarsch durchschreiten können und bräuchten somit nur einen Tag länger, als wenn sie auf der Straße bleiben würden. Doch natürlich kam dies ganz auf den Forscher an und was auch immer er in dem Wald entdecken zu versuchte.
      Noch war das Wetter klar und schön, die Sonne tat ihr Bestes um sie zu wärmen und es war insgesamt ein schöner Tag. Die doch recht gute Stimmung spürte auch Selina und ihre Schritte waren weit ausschweifend und kräftig.
      Ein paar schnellere Schritte und sie hatte den Forscher eingeholt. Es interessierte sie sehr, was dieser im Wald suchte. Nicht nur um ihre Lage besser einschätzen zu können, sondern auch einfach um ihre Neugierde zu stillen.
      „Werter Forscher, was genau ist Euer Ziel? Können wir hierbei ebenfalls behilflich sein, oder begnügt Ihr euch mit unserem Versprechen für Eure Sicherheit zu sorgen?“ Sie tat es nicht einmal absichtlich, doch ihre Ausdrucksweise war nun einmal sehr gewählt.

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    • Lao
      Endlich, ENDLICH, machte er seine ersten Schritte aus der Stadt hinaus in die fantastische, im Grunde unbekannte Welt, in welcher er nun seine zweite Chance erhält ein richtiger Abenteurer und professioneller Magier zu werden. In seinem Hinterkopf war immer der Gedanke, dass diese Mission definitiv nicht fehlschlagen durfte, denn sie würde über den weiteren Verlauf seiner Geschichte entscheiden, aber mit Selina an seiner Seite fühlte er sich aus einem ihm nicht zu erklärendem Grund weitaus sicherer und auch die Option des Versagens war komplett aus den möglichen Varianten des Auftragausganges gestrichen. Es war beinahe so, als könnte es einfach nicht schiefgehen. Doch sollte er diesen Gedankengänge sicherlich noch bereuen, denn was er nicht wusste oder es einfach nicht bemerkte war, dass man ihm schon seit dem Moment folgte als er zum ersten Mal seine Magie nutzte. Die ´Freunde´ desjenigen, dem er den Auftrag wieder entrissen hatte, haben den jungen Magier für keine Sekunde aus den Augen gelassen. Scheinbar warteten sie im Verborgenen auf ihre Chance sich Lao zu entledigen, aber sie wussten nicht welche Art von Magie er benutzte und nun war auch noch eine andere Magierin an seiner Seite, welche ebenso eine eher unbekannte Magie wie der Mann besaß.

      Auf dem Weg zum Glimmerwald, kamen die 3 an so vielen anderen Menschen vorbei und jedes Mal nutzte Lao seine Chance um neue Leute kennenzulernen, es verzögerte zwar ihre Ankunft am Wald ein wenig, aber Kontakte knüpfen war für einen Magier ziemlich wichtig, denn neben dem Gildezentrum konnten auch Aufträge direkt an einen Magier geleitet werden, diese mussten dann zwar vom Zentrum bestätigt werden, konnten so aber nicht, wie in diesem Fall, von anderen Magiern angenommen werden. Zusätzlich war Wissen eine überaus große Macht und je mehr Kontakte man hatte, umso mehr Wissen könnte man erlangen. Natürlich war Lao´s Denken eher simpler, sodass er einfach gern Neues kennenlernen wollte, vorallem jetzt, wo er außerhalb seiner Gilde war und es sich nur um kleine Gruppen hielt, die an ihnenn vorbeizogen. So konnte er bereits ein paar Händler treffen, die auch Infos über den Glimmerwald hatten. Scheinbar hatte sich ein mächtiges Wesen in diesem versteckt und es sollte dort wohl eine Gruppierung geben, die aus einem weit entferntem Land stammt. Ein Mann erzählte ihm sogar etwas von Sklavenhandel und Experimenten mit dort lebenden Monstern und Tieren. Für Lao selbst waren es nur beiläufige Informationen, die er sicherlich eh wieder vergessen würde sobald sie dort ankommen würden, aber eventuell könnte sie für den Forscher und Selina von Bedeutung sein, die theoretisch mithören konnten was er alles in Erfahrung brachte. Nicht nur die vobeiziehenden Händler und anderen Magier, welche im übrigen ziemlich argwöhnisch einen Blick zu den beiden warfen, sind in Laos Neugierde gerutscht, auch die Landschaft ansich, die Wegschilder, die Tiere, im Grunde alles, da es neu für ihn war. Früher hatte er zwar schon Missionen gehabt, doch dies war mittlerweile Jahre her und er sah ganz deutlich wie sich vieles verändert hatte. Während er immer wieder abgelenkt war, hatte Selina scheinbar die Zeit genutzt um mit dem Forscher zu sprechen, welcher die ganze Zeit über ziemlich ruhig gewesen war, hätte Lao seine Aufmerksamkeit darauf gerichtet, hätte er es sicherlich komisch gefunden. Doch auf die Fragen der Magierin antwortete der Forscher, nur konnte Lao diese Antworten nicht hören.
      "Das Ziel ist es ein paar Proben zu nehmen. Ich benötige sowohl pflanzliche wie auch tierische Endprodukte. Blut und Extremitäten sind auch in Ordnung. Das wichtigste ist aber eine Klaue von einem Glimmerwolf, ich hoffe das Besorgen dieser Klaue liegt in ihren Möglichkeiten"
      Lao der davon nichts mitbekam, sah sich noch immer freudestrahlend in der Gegend um und lief dabei einfach den Anderen immer hinterher. Würde man ihn darum bitten zur Stadt zurück zu kehren weil etwas vergessen wurde...er käme dort niemals an, denn er würde sich schlichtweg verlaufen und da er das jetzt bemerkte lief er ein wenig rot an und wandte seinen Blick zu Selina und dem Forscher. Er fragte sich worüber sie wohl gerade sprachen, wollte aber nicht nachfragen, da es sonst so aussehen würde, als hätte er nicht aufgepasst und naja, das wäre ja eine Frechheit, wobei man es sicherlich auch so schon bemerkt hatte. Nun wollte er sich aber auch ein wenig einbringen, wusste aber nicht genau wie. Lao lief zu Selina, zumindest hatte er es vor, denn er wollte sie etwas fragen, doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Er blieb auf der Stelle stehen und sein Blick trübte sich finster. Endlich hatte er es bemerkt und hoffentlich nicht zu spät. Ohne auch nur eine Millisekunde weiter darüber nachzudenken nahm er seine Kette ab und nutzte sofort seine Magie. Es wäre wohl nicht nur überraschend für die Angreifer, sondern auch für Selina und den Forscher, aber das musste er in Kauf nehmen. Bei der Aktivierung seiner Magie, strömte dieses Mal auch seine Energie unsichbar mit nach außen, sodass es einem auch kalt über den Rücken laufen könnte, immerhin hatte er eine beträchtlich starke Magie und dadurch auch eine furchteinflößende Menge an Energie oder auch Mana, gepaart mit seinem Blick, würde es einige Leute bereits in die Flucht schlagen. Leider hatte das Ganze auch seine Nachteile, doch darüber konnte er gerade nicht nachdenken, dafür war keine Zeit mehr. Hätte er das Ganze Schlamassel nur schon früher erkannt. Es war eine Gruppe von 5 Leuten, höchstwahrscheinlich alles Magier, zwei davon könnte er sichlich ausschalten indem er zweimal seine Magie nutzte, dann hätte er für den heutigen Tag nur noch eine Kugel im Lager und damit könnte er keine 3 Magier ausschalten. Dementsprechend musste Selina auch schnell schalten, er benötigte ihre Hilfe, ihre Barrieren oder Schilde, denn was für eine Fähigkeit sie nun tatsächlich hatte wusste er ja nicht. Doch zunächst galt es sein Ziel von zwei Eliminierungen zu erreichen. Nummer Eins! Lao nutzte seine Magie um Selina und den Forscher am Weitergehen zu hindern, da er vor ihnen auf dem Weg eine Gefahr vernahm, etwas am Boden, war es eventuell eine Falle aus Magie. Er stellte sich vor, dass statt seinen Begleitern einer der feindlich gesinnten Truppe in die Falle tappen würde. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, was die Falle auslösen würde, da er aber ein extrem ungutes Gefühl hatte lief er noch während er sich es sich vorstellte vor den Forscher und seine Magierfreundin und in der Sekunde als ein Mann vor ihm auftauchte und die Falle ausgelöst wurde ging alles viel zu schnell. Es war Explosionsmagie am Werk und vor Laos Gesicht ging gerade eine Art Bombe hoch, welche vor seinen Augen den Mann in viele Einzelteile platzen ließ und als nächstes wohl auch ihn, denn er hatte nicht genug Zeit um sich vorzustellen unbeschadet davon zu kommen, aber immerhin würde er es abfangen und damit die zwei Anderen schützen, hoffte er zumindest.


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    • Über den recht schönen, sonnigen Tag und die innerliche Aufregung über ihre erste richtige Mission, bemerkte die sonst so aufmerksame Magierin keine Sekunde lang die drohende Verfolgung. Zum ersten Mal seit langer Zeit war sie den Fängen der Gilde entkommen, die sie und ihre Sippe wie Untermenschen behandelten. Damals war es die einzige Chance gewesen zu überleben doch man hatte ihre kostbare Freiheit gegen die Sicherheit der Sklaverei eingetauscht und bis heute wusste Selina nicht, was davon der größere Fehler gewesen war.
      Doch nun, an der Seite der beiden Männer, fühlte sie sich auf seltsame Art und Weise frei das zu tun, was sie wollte. Sie wollte eine angesehene Magierin werden und ihr Leben selbstbestimmt verbringen.
      Aus dem Augenwinkel schielte sie immer mal wieder zum orangehaarigen Mann. Er und seine übersprudelnde Art waren gänzlich etwas anderes, als sie gewöhnt war. Doch es war überaus schön, dass jemand solch eine Lebensfreude ausstrahlte. Er riss sie und ihren Auftraggeber regelrecht mit. Oftmals blieb er stehen um Kontakte zu knüpfen und um nicht unhöflich zu erscheinen, tat sie es ihm gleich. Sie selbst wäre auf diese Idee nie gekommen und doch bewunderte sie klammheimlich seine extrovertierte Art. Kontakte zu knüpfen und somit das eigene Wissen anzureichern war eine geniale Idee, denn so erfuhren sie von einem gefährlichen Wesen sowie einer seltsamen Gruppierung, die wohl ebenfalls in diesem Wald hausen mussten. Sogar Sklavenhandel und Experimente waren Themen, doch es war fraglich wie viel davon wirklich wahr wäre.
      Selina öffnete ihr kleines, neues Notizbuch und schrieb sich ein paar der Details auf, denn so merkte sie sich dies leichter und konnte auch ein wenig ihre Reise festhalten. Sobald der Forscher auf ihre Fragen antwortete, widmete sie sich jedoch diesem mit voller Aufmerksamkeit. Er sprach von seinen Zielen und wollte auch sogleich wissen, ob sie ihm dabei helfen konnten.
      „Meine Magie ist sehr auf Schutz und Heilung ausgelegt, doch mit meinen Waffen bin ich auch im Kampf passabel einsatzbar.“, antwortete sie. Sie sprach von sich selbst wie von einem Werkzeug, hatte sie doch jahrelang nichts anderes gespürt.
      „Ich denke Lao und ich können Euch sehr wohl eine Klaue eines Glimmerwolfes besorgen.“ Sie würde nicht zugeben, dass sie nervös war, sondern alles tun, um den Auftraggeber zufrieden zu stellen. Gerade wollte sie sich dann ihrem neuen Partner zuwenden und diesen fragen, ob er über Angriffsmagie verfügte, als dieser plötzlich stehen blieb.
      Er nahm seine Kette ab, seine ungewöhnlich eisblauen Augen trübten ein und eine Kältewelle strich über Selinas Haut. Es war offensichtlich, dass Lao soeben Magie wirkte. Sofort schrillten alle Alarmglocken in der hellhaarigen Magierin auf und mit geweiteten Augen sah sie zu Lao.
      Dieser sah furchteinflößend aus, sie konnte seine überwältigende Macht spüren und erneut fröstelte sie. War dies nun ein Angriff auf den Forscher und sie? Hatte Lao nur den Naivling gespielt und rächte sich nun für ihr Einmischen? Er hinderte sie jedenfalls am Weitergehen, denn natürlich war Selinas erster Gedanke eine Flucht gewesen.
      Doch dann sah sie endlich auch die feindlichen Männer und Frauen, fünf an der Zahl, die sich ihnen näherten. Sie war so dumm! Wieso hatte sie diese nicht schon eher gesehen? Ihre finstere Absicht ließ sich bis hierher spüren und ihre Niedertracht war so greifbar für Selina, dass sie diese Personen gar nicht berühren musste, um ihre Feindlichkeit zu erkennen.
      Innerlich entschuldigte sie sich bei Lao, an ihm gezweifelt zu haben. Sie hätte ein einziges Mal ihrem Bauchgefühl vertrauen sollen, welches ihr aus irgendeinem Grund dazu riet, dem Magier mit den überraschend schönen Augen zu vertrauen. Es rebellierte gegen ihren Verstand und doch riet ihr der Instinkt dazu.
      Genauso verließ sie sich nun auf ihr Gefühl, denn sobald sie die wahre Intention Laos erkannt hatte, wirkte auch sie ihre Magie. Dies alles war nur in wenigen Sekunden geschehen und doch fühlte sie sich als stünde sie bereits Ewigkeiten hier.
      Sie wusste nicht genau, was Lao gerade tat, und doch hatte sie nicht den geringsten Zweifel daran, dass er sie rettete. Diese Gewissheit half ihr auch endlich aus ihrer Starre herauszukommen und endlich um sie drei ihre stärkste, schützende Barriere zu errichten.
      Es war keine Sekunde zu spät, denn schon trat einer der fremden Menschen vor sie auf eine verborgene Falle und wurde in der Luft zerfetzt. Eine Feuerwelle, verursacht von einer Explosion, wallte über den Boden direkt auf sie zu… und prallte am Schutzschild aus Mondlicht ab, ohne den dreien Schaden zu zufügen.
      Doch dies war es noch nicht gewesen, denn durch die Explosion aufgescheucht, kam auch Bewegung in die anderen Magier. Sie wirkten ihre Magie, oder unterließen es aufgrund Selinas Schutzbarriere, die jedoch nicht mehr lange halten würde.
      Ohne zu überlegen griff sie ihre Dolche und stellte sich dem ersten Angreifer entgegen, der dem Forscher zu nahe kam. Sie würde Laos Hilfe brauchen, wenn sie diese noch vier stehenden Personen überwältigen wollten.

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    • Lao
      In einem Moment der Unaufmerksamkeit war es zu einem fatalen Fehler seinerseits gekommen, sodass er nun kurz davor war, das zeitliche zu segnen, doch er würde sowohl Selina als auch den Forscher schützen, zumindest hoffte er es. Er schloss seine Augen und ließ es einfach geschehen, doch irgendetwas fühlte sich falsch an oder war es richtig. Lao verspürte keinen Schmerz, war er bereits gestorben, ging es tatsächlich so schnell? Lansgam öffnete er seine Augen und sah vor sich eine gigantische Rauchwolke in den Himmel ragen, aber auch links und rechts neben ihm verliefen die undurchblickbaren Rauchschwaden, doch er war unbeschadet. Beim genaueren Hinsehen, bemerkte er dann aber was ihn gerettet hatte und das obwohl er doch eigentlich der Retter gewesen sein sollte. Im Moment hatte er nur leider keine Zeit sich bei Selina zu bedanken, die ihm mit ihrer Barriere den Allerwertesten vorm Untergang bewahrt hatte. Der junge Magier wusste, dass er es nicht geschafft hatte seinen ursprünglichen Plan umzusetzen, sodass statt 3 Verbleibenden Gegner, nun 4 vor ihm standen. Es war seine Unachtsamkeit und Schwäche, dass sie nun ein ernsthaftes Problem hatten, dennoch würde er nicht aufgeben. Die Situation war schwierig und sie beide waren bloße Anfänger und ihre Gegner wohl ziemlich gerissen und eventuell auch in der Stärke einfach um ein Vielfaches fortgeschrittener, aber er hatte gerade keine Zeit zum zweifeln. Ähnlich wie Selina, griff er nach einer Waffe, zog dabei aber keinen Dolch sondern ein Kurzschwert hervor und machte sich bereit für einen Angriff. Warten, bis sich die Barriere löste oder der Wall aus Rauch verschwand, nein, diese Wand war sein Freund und Feind zugleich. Er sah kurz zu Selina und nickte ihr zu, als zumindest kleines Dankeschön und rannte dann in den Rauch und war nun nicht mehr von seinen Begleitern, aber auch nicht vom Feind ersichtlich. Lao hatte nun einige Momente für sich, um sich eine kleine Strategie zurecht zu legen und dabei war er sich sehr gewiss darüber, dass mindestens einer der Feinde in der Richtung auf sie zukommen würde aus der auch der Mann der pulverisiert wurde kam. Diesen galt es nun auszuschalten bevor dieser wusste was los war, dafür wollte er seine Magie nicht nutzen, weshalb er sich auf das Überraschungsmoment verlassen musste.
      Und tatsächlich stand jemand an dem Ort, wo Lao den rauch verließ und sofort zustach, direkt nach vorne ohne etwas zu sehen. Um sich ganz auf seine Intuition zu verlassen hatte er sogar seine Augen geschlossen und öffnete diese erst wieder als er einen gewissen Widerstand spürte. Er starrte einen entsetzten Magierjungen an, vermutlich jünger als er selbst, beinahe schon zu jung und sein Schwert steckte tief in dessen Brustkorb. Sein Gegenüber sah ihn nach Luft ringend an
      "i...ich..woll....wollte...n..nicht....ge...zwung...en...tu...t...le...lei...d"
      Lao´s Blick verfärbte sich in ein schimmerndes Grau und seine Pupillen weiteten sich, was hatte er getan, war es notwendig, war es nur eine Illusion...es war doch Notwehr, friss oder werd gefressen. Hatte er zu voreilig gehandelt? Er sah den Jungen an, der nun vor ihm zu Boden sank während er sein Schwert aus ihm herauszog und wusste nicht so recht was er tun sollte. Er ließ sein Schwert fallen und hielt den Jungen fest im Arm.
      "...Ich bring das in Ordnung! Aber merk dir eines....Such dir eine gute Gilde...geh nicht den falschen Weg"
      Er legte den Jungen sanft am Boden ab und atmetete tief durch und entschuldigte sich innerlich bei Selina. Er stellte sich vor, dass die Wunden des Jungen heilen würden und dieser mit seinem Leben davonkommen würde und dass dieser im Kampf auf der Seite von Selina und Lao mindestens einen Feind zur Strecke bringt. Sein Wille würde geschehen solange er daran festhalten konnte. Die Wunden des Jungen schlossen sich allmählich und Lao fiel auf seine Knie und spuckte Blut. Er hatte seine Magie nun bereits 4 mal benutzt und sein Körper reagierte nun auf die enorme Anstrengung. Könnte er es nur besser kontrollieren wäre er eine viel bessere Hilfe, aber so konnte er nur noch eines erledigen. Nur ein weiterer Feind, nur noch einen, dachte er sich wieder und wieder. Doch dafür benötigte er Sichtfeld oder einfach einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der restlichen Magier. Sein Blick fiel auf den Jungen, welcher ihn mittlerweile stützte und scheinbar unglaublich dankbar war, dass er ihn gerettet hatte obwohl sie Feinde waren.
      "...Wenn ich dir irgendwie helfen kann..."
      Noch bevor er es fragen konnte erklärte Lao ihm, dass er Positionen bräuchte, selbst wenn es nur eine wäre, das würde ihm genügen. Der Junge hatte eine detaileirte Angabe zu einem seiner Mitstreiter machen können und solange Lao ihm versprach nicht zu töten, gab er diese auch preis. Jetzt wo er einen weiteren Feind orten konnte hatte er nur noch eins machen müssen.
      "Hey Junge...ich werde nun meine Magie nutzen und danach zusammenbrechen...bring mich bitte zu dem Mädchen mit welchem ich hier bin und damit sie dich nicht angreift sag ihr einfach, Lao hat dich verschont.."
      Ein letztes Mal bereitete er sich vor einen Angriff zu starten, er musste sitzen, auch wenn er nur vage Angaben hatte, es musste einfach reichen, denn rest würde er dann Selina und dem Jungen überlassen. Sein Ziel war klar, seine Vorstellung bereit, und dann fing er an, wurde aber kurzzeitig von sich selbst aufgehalten, da er noch mehr Blut spuckte und ihm dadurch übel wurde, denn er konnte nicht gut mit Blut. Beim zweiten Versuch funktionierte es dann doch. Mit großem Schwung beförderte er sein Schwert in die Luft, woraufhin dieses durch die Gegend raste, durch den Rauch hindurch, an Seline und dem Forscher vorbei ohne sie zu treffen und direkt hinter einem Baum verschwand es dann und hinterließ nur einen lauten, schrillen Schrei sowie ein Geräusch als wäre jemand umgefallen. Lao selbst hatte keine Ahnung ob es so ausgegangen war, wie er er sich vorgestellt hatte, doch für eine richtig Stellung war es zu spät. Sein Augenlicht verblasste und er sackte in den Armen des Jungen zusammen. Sowohl aus seinem Mund, wie auch aus seinen Ohren floß Blut, nicht lebensbedrohlich aber schon grauslich anzuschauen. Der Junge tat was man ihm gesagt hatte und lief nun durch die Rauchwolke, die sich endlich auch verzog und das Bild dahinter preisgab. Es musste schon ziemlich seltsam aussehen wie Lao von dem Teenager getragen wurde und so aussah als wäre er gegen einen LKW gesprungen, weil er dachte er könnte ihn zur Seite schubsen. Doch noch bevor man ihn angreifen würde sprach er die Worte seines Retters aus.
      "ich..ich...BIN kein Feind...Lao hat gesagt..ich soll ihn zu dir bringen...Er...er hat..mich gerettet..ich schulde...ihm was"
      Der Junge hatte Angst, denn wenn allein dieser Mann so stark war, was wäre dann wohl die Frau für ein Monster, er wollte es nicht riskieren und benahm sich, zumal er den Drang verspürte noch etwas zu tun, etwas um seine Schuld zu begleichen. Er würde für Lao und Selina kämpfen und sich gegen seine Leute stellen, sofern noch welche übrig geblieben waren, immerhin hatte dieser Lao 2 ausgeschalten und einen die Seite wechseln lassen.


      courage is the magic that turns dreams into reality
    • Ihre Mondmagie hatte den Hitzkopf gerettet, die Explosion abgewehrt und nun überzog eine dichte Wolke aus Rauch das kleine Schlachtfeld. Und was machte Lao? Anstatt beim Forscher zu bleiben, ihrem Auftraggeber, für dessen Sicherheit sie zu sorgen hatten, rannte der orangehaarige Mann in die Rauchwolke hinein und ward nicht mehr gesehen. Selina blickte ihm fassungslos hinterher, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Gegner lenkte. Entweder floh Lao – was sie allerdings nicht glaubte, denn immerhin war er bereit gewesen mit seinem Leben für sie zu bezahlen – oder aber er stellte sich den nächsten Feinden entgegen. Er war… zu vertrauensselig, denn offensichtlich überließ er Selina voll und ganz die Sicherheit des Forschers. Er kannte sie doch gar nicht, wieso tat er das? Er wusste nichts über sie und ihre Fähigkeiten, wieso vertraute er ihr? Nur weil sie ihn zweimal bisher gerettet hatte? Möglicherweise. Ohne ihr bewusstes Zutun spürte sie eine zarte Wärme in ihrem Magen. Niemand vertraute ihr oder ihrer einstigen Sippe. Irgendwie war es ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden.
      Die Weißhaarige wiederrum riss im nächsten Moment ihre Dolche nach oben und wehrte so einen Schwerthieb eines Feindes ab. Stahl traf auf Stahl und ein hoher, singender Ton war zu vernehmen. Die dunklen Augen ihres Gegenübers funkelten grimmig und hätten Blicke töten können, wäre sie gerade stocksteif umgefallen. So jedoch machte sie einen Ausfallschritt nach hinten, duckte sich unterm nächsten Streich hindurch und ließ ihre Hand blitzschnell nach vorne stechen. Ihr Dolch durchschnitt mühelos die schweren Gewänder und versenkte sich in einer zielgerichteten Bewegung im Bauch des Gegners. Der fremde Mann schnappte nach Luft, ließ sein Schwert fallen und blickte nach unten.
      Selina zog ihren Dolch zurück, gab jedoch ihre geduckte Haltung nicht auf. Wer wusste schon, ob nicht der Feind nochmals zum Schlag ausholen würde.
      „Hinfort und versorgt Eure Wunden“, sprach sie den Mann an „oder bleibt und segnet das Zeitliche.“ Sie hatte ihm keine tödliche Wunde zugefügt, nur eine schmerzhafte, welche mit hohem Blutverlust verbunden war. Wenn der Mann sich dazu entschied zu fliehen, könnte er den Stich überleben, wenn er weiterkämpfen würde, dann würde er ausbluten wie ein frisch geschlachtetes Schwein. Selina stellte ihn vor die Wahl und der Mann… floh. Er machte auf dem Absatz kehrt und humpelte so schnell als möglich zurück zur Stadt. Am Boden zeichnete sich eine deutliche Spur aus Blut ab – er würde sich beeilen müssen.
      Dann ertönte ein Warnruf des Forschers, doch es war zu spät. Selina kassierte einen heftigen tritt gegen ihren Rücken und machte Bekanntschaft mit dem Boden. Ihre hübsche Hose wies augenblicklich ein Loch auf und darunter wurde ihre Haut ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Beim Mond, sie hatte einfach ihre Umgebung vergessen! Was für ein Anfängerfehler! Hinter ihr baute sich eine weitere finstere Gestalt auf und hob drohend die Hände, als würde sie gleich Magie wirken. Selina fasste nach einem ihrer Amulette am Handgelenk und aktivierte sie mit einer Spur ihrer Magie. Sie wusste nicht welchen Zauber ihr Gegner aktivieren wollte, doch ihre eigene Zeit reichte nicht mehr um noch eine Schutzbarriere zu erstellen, somit musste sie auf die eingespeiste Magie in ihren Artefakten zurückgreifen.
      Blitze schossen aus den Fingerspitzen der Feindgestalt, doch prallten zum Glück an ihrem Schutzkreis ab. Dieser würde so lange halten, wie das Amulett Magie in sich trug, was im Normalfall ein wenig länger war, als ihre eigens geschaffenen Barrieren. Doch solch Amulette waren auch schwierig anzufertigen und nach diesem Kampf müsste sie die Kraft des nächtlichen Mondes nützen, um es wieder vollständig aufzuladen.
      Die Luft knisterte und vibrierte, zeugte von Energie und Selina nutzte die Zeit um sich wieder aufzurichten. Sie hatte im Moment keine Chance etwas zu tun, denn sie besaß keinerlei Angriffsmagie und für einen Nahkampf waren die Blitze zu gefährlich.
      Plötzlich verebbte die feindliche Magie, die Augen des Gegners wurden trübe und er sackte in sich zusammen. Hinter ihm stand der Forscher, welcher eines seiner schweren Bücher als Waffe missbraucht hatte und dem Mann damit KO geschlagen hatte. Sofort durchströmte Erleichterung die junge Frau und beinahe wäre sie wieder zu Boden gesunken.
      Im nächsten Moment jedoch flog ein Schwert an ihnen vorbei und ein spitzer Schrei folgte. Das musste Lao gewesen sein, der soeben einen versteckten Feind in einem Baum ausgeschaltet hatte.
      Suchend blickten sich die blaugrauen Augen der Magierin um, denn endlich hatte sich der Rauch vom Kampfplatz verzogen. Kurz darauf lief ein Junge auf sie zu, der Lao halb trug, halb stützte. Sofort erfüllte Sorge ihr Herz, sowie gleichzeitig Misstrauen ihr Gesicht. Der Fremde musste ahnen was sie dachte und versuchte sich sogleich zu rechtfertigen.
      Sie hob bestimmt die Hand um seinem Stottern Einhalt zu bieten, ehe sie auf ihn zuschritt und ohne zu zögern die sanften Finger auf seine Stirn legte. Der junge Mann war völlig durch den Wind und mitgenommen, sodass es ein leichtes war seine drängendsten Gedanken zu erhaschen. Es waren fünf Angreifer gewesen und sie hatten vier davon ausgeschaltet, er sprach die Wahrheit, sie sah die letzten Gedankenfetzen der Rettung durch Lao. Er war offensichtlich kein Feind mehr und für den nächsten Augenblick waren sie alle sicher.
      „Leg ihn ab.“, befahl sie, als sie sich von der Lage ein Bild gemacht hatte und ohne weitere Zeit zu verlieren kniete sich Selina neben den bewusstlosen Lao. Er sah übel mitgenommen aus, die Haut war fahl und Blutbefleckt, seine Kleidung wies ebenfalls ein paar Blutspritzer auf und selbst aus seinen Ohren war der kostbare Lebenssaft getropft. Er schien jedoch keine äußeren Wunden zu haben, also musste dies auf Überanstrengung zurückzuführen sein – hoffte Selina jedenfalls.
      Selinas Magie selbst war zwar nur zur Hälfte ungefähr aufgebraucht, trotzdem wollte sie die andere Hälfte nicht nutzen, sofern nicht unbedingt notwendig. Daher griff sie nach einem ihrer Amulette an ihrem Hals und riss es mit einem kurzen Ruck ab. Sie platzierte das fein gearbeitete Schmuckstück auf Laos Brust und legte ihm eine Hand auf die Stirn, während sie die andere mit dem Amulett gegen seine Brust presste. Augenblicklich fühlte sie die wärmende Energie, die in dem Artefakt eingespeist war. Es war ein leichter Heilzauber, welcher etwaige innere Verletzungen lokalisieren und reparieren sollte, gleichzeitig wirkte es wie eine kräftige Mahlzeit, welche dem Orangehaarigen Energie zurückgeben sollte.
      Selina konnte deine Zauberkraft zurückgeben, doch sie konnte für Wohlbefinden sorgen und müde Lebensgeister wecken. Ihre Magie war immerhin auf Schutz, Heilung und Unterstützung ausgelegt und dies waren die Dinge, die sie wirklich gut konnte. Sie schloss die Augen und ließ die gespeicherte Magie durch Laos Körper fließen, Muskelkrämpfe, Verletzungen und Müdigkeit sollte verschwinden und zum Schluss bündelte sie die verbliebene Macht in seinem Kopf, um ihn wieder zu wecken.
      Flatternd schlug sie die Augen auf und nahm das Amulett wieder an sich. Diese Nacht würde sie zwei aufladen müssen. Langsam nahm sie auch ihre Hand von Laos Stirn und war noch immer fasziniert, dass er der erste Mensch schien, den sie gefahrlos berühren konnte, ohne seine Geheimnisse zu spüren oder schlechten Erlebnisse zu fühlen.
      „Du bist ein hirnloser Dummkopf.“, schimpfte sie sogleich und versuchte mit harschen Worten ihre Sorge um den Mann zu überspielen. Sie war außerdem auch von der Höflichkeitsform abgewichen, denn solch ein gemeinsamer Kampf schweißte zusammen. Er war immerhin bereit gewesen sein Leben für sie und den Forscher zu opfern.
      „Das nächste Mal solltest du einen Plan in petto haben, und nicht einfach ohne zu denken darauf loszustürmen!“ Sie beugte sich zu ihm hinab und runzelte die Stirn. Ihre Augen versanken beinahe in dem Eisblau seiner Iriden.
      „Wie fühlst du dich?“ Nun war die Sorge doch nicht mehr zu verstecken.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Da war nichts, es war still und leer, trotzdem hatte er das Gefühl nicht gänzlich allein zu sein, doch obwohl er seine Augen offen hatte sah er rein gar nichts, oder war es doch etwas. Es war weder hell noch dunkel, weder weiß noch schwarz, vielmehr machte es den Eindruck als hätte jemand die Farben aus der Welt entfernt und alles wäre nur noch ein Einheitsbrei. Er versuchte zu reden doch aus seinem Mund drang nicht ein einziger noch so leiser Ton. Sein Blick wanderte von links nach rechts, von oben nach, an sich selbst herunter, doch auch sich selbst konnte er nicht sehen. Was war nur los gewesen, wo war er hier. Seine Gedanken schienen noch zu funktionieren, denn diese vernahm er klar und deutlich, sie vermittelten ihm, dass er versuchte sich zu fokussieren und etwas anderes würde ihm wohl auch nicht übrig bleiben. Seine Atmung wurde ruhig und er versuchte weiterhin ruhig zu bleiben, es musste eine Erklärung geben, doch ihm wollte nichts einfallen. Wie war er hierhergekommen, wo war er, was war er...wer war er. Auf all die Fragen in seinem Kopf hatte er keine Antwort, doch plötzlich fühlte er einen stechenden Schmerz, weshalb er die Augen aufriss und vor sich einen riesigen schwarzen Schatten sah, welcher ihn mit einem ebenso großen dunklen Schwert direkt durch seinen leblosen Körper stach. Langsam aber sicher kehrten nicht nur seine Gefühle zurück, sondern auch seine restlichen Sinne, es war beinahe so als würde der Schatten mit ihm kommunizieren wollen, doch er verstand die Sprache nicht, sofern es denn eine war, aber es war eine wiederkehrende Reihenfolge an vermutlich irgendwelchen Worten.
      ~ Vraynar un tu sutopu kli Wolgayer ~
      Wieder und wieder hörte er es, aber es gelang ihm nicht schlau daraus zu werden. Lao versuchte wirklich alles was in seiner Macht lag, um es zu verstehen und auch diesen Schmerz loszuwerden, aber dieses Ding, es war so stark, zu mächtig für ihn, er konnte sich nicht bewegen. Während der junge Magier an diesem seltsamen Ort scheinbar gefangen war, gab es dort wo Selina und der Forscher auf ihn warteten ein viel größeres Problem, wovon er nichts bemerken würde und war ihm derzeit sicher auch egal, weil er niemanden dort kennen würde. in der Realität, in welcher Selina gerade dabei war Lao zu heilen, verdunkelte sich der Himmel und direkt über der kleinen Gruppe begann sich ein leuchtend roter Bannkreis auf einer dunklen Gewitterwolke zu bilden. Der eben noch so schöne Tag, wurde umhüllt von Dunkelheit. Die wärmende Sonne versteckte sich hinter den finsteren Wolken, jedoch nur in dem Gebiet wo sie sich befanden, in weiter Entfernung schien die Sonne als wäre nichts ungewöhnliches in Gange. Würde es sich nun wiederholen, würde er es zulassen. Die Worte die Lao hörte drangen über das Phänomen auch in die Welt in der sich die anderen befanden. Es wiederholte sich immer wieder und auch in der Illusion oder in dem Traum, den er gerade durchlebte ging es damit nicht vorbei, es wurde einfach nur lauter und sein Schmerz größer. Mit der Zeit materialisierte sich auch sein Körper und seine Stimme kehrte zurück.
      "Was willst du von mir? Was bist du? Wer bist du?"
      "VRAYNAR UN TU SUTOPU KLI WOLGAYER"
      Er konnte wohl keine Antwort erwarten, aber so durfte es auch nicht einfach weitergehen. Lao gab alles was er hatte, aber es war fast so als hätte er keine Energie oder eher noch, dass er nie wirklich über eine Quelle der Macht verfügte. Doch dann drang ähnlich wie es aus dieser Scheinwelt in die Realität schallte etwas anderes in sein Ohr. Es waren keine Worte, vielmehr war es eine Farbe, eine helle Farbe in dieser Dunkelheit. Sie brachte eine angenehme Wärme mit sich, die seinen ganzen Körper durchströmte, ihn mit Kraft füllte. Mit zitternden Beinen und schwankendem Blick stand er auf, die Schwertklinge noch immer in seinem Körper. Endlich hatte er es verstanden und auch wenn es lang gedauert hatte, nun wusste er was hier los war und viel wichtiger, wer er war und was er zu tun hatte. Es durfte auf keinen Fall erneut geschehen und schon gar nicht während Sie allein da draußen war. Lao legte seine Hände an das Schwert und zog es nach und nach aus sich heraus. Es gelang ihm das Schwert aus seinem Körper zu entfernen und dadurch kehrte alles was verloren war zurück. Mit zornentbranntem Gesicht blickte er die gigantische Figur vor sich an.
      "Mein Name ist Lao Mirage Highwind und ich werde nicht dulden, dass du ihr Leid zufügst!"
      Mit diesen Worten verschwand die Gestalt in dieser wirren Wahnwelt die er wohl selbst erschaffen hatte und er öffnete seine Augen in der Realität, wodurch dann ebenfalls der rote Bannkreis genauso schnell verschwand wie er entstanden war und die bedrohliche Aura die eventuell gespürt werden konnte verflog im Nichts. Das Erste was Lao nun vernahm waren die Worte einer ihm mittlerweile bekannten Person, es handelte sich um eine leichte Beleidigung, die ihm Selina an den Kopf warf, welches ihm ein kleines Grinsen ins Gesicht zauberte. Sie belehrte ihn, dass er wenigstens einen Plan haben sollte bevor er einfach so losstürmte und im Moment wollte er einfach nicht widersprechen, denn für ihn stand fest, dass sie es war, warum es keine erneute Katastrophe gab. Den Blick den er daraufhin bekam zog ihn beinahe in seinen Bann, er hätte schwören können, dass sich seine Wangen rötlich verfärbten. Es warf ihn aus seiner Bahn, weshalb er einen Moment länger benötigte, um die Frage von der Magierin zu beantworten.
      "Irgendwie ...echt seltsam, aber auch gut, so als wäre ich gerade frisch ausm Bett aufgestanden"
      Er konnte ihr gerade nicht die ganze Wahrheit sagen, auch wenn er es wollte, irgendetwas hielt ihn davon ab, aber bevor er jetzt in irgendwelche Abgründe fiel, schüttelte er lieber vorsichtig seinen Kopf und lächelte sie an und verlor sich noch einen Moment in ihren Augen. Er wusste nicht genau was er so spannend an ihr fand, aber sie hatte es ihm irgendwie angetan, weswegen er sich umso mehr darüber freute, dass sie diese Mission zu zweit absolvierten. Lao setzte sich nun hin und stützte sich mit einer Hand am Boden ab.Seufzend dachte er über die Worte nach, die er so oft gehört hatte. Er wollte unbedingt wissen was es damit auf sich hatte, doch es musste etwas negatives sein, zumindest stand es für ihn fest. Was diese Meinung noch mehr festigte war das was er aus der Scheinwelt mitgebracht hatte. Er wusste dass es da war, denn er konnte es spüren. Auf seinem Rücken, dort war etwas was nicht hingehörte, aber er würde es für sich behalten, denn die anderen zu beunruhigen war nicht in seiner Absicht. Sein Blick wanderte zum Professor, zu dem Jungen und dann zu Selina, irgendwas war noch immer seltsam und er hatte das Gefühl, dass er etwas damit zu tun hatte. Um sicher zu gehen was los war fragte er nach, immerhin war sowieso die Frage offen, wie der Kampf geendet hatte.
      "Selina? Wie geht es dir? Ich denke ihr habt es geschafft die anderen auszuschalten..bist du verletzt? Tut mir Leid, dass ich nicht mehr machen konnte...ich muss mehr trainieren und..ist irgendetwas vorgefallen während ich nicht bei Bewusstsein war? Es kommt mir hier so seltsam vor"
      Lao wandte seinen Blick nicht von der jungen Magierin ab, ließ ihn aber gezielt über ihren Körper wandern. Nicht weil er lüsterne Gedanken hatte, sondern weil er sich Sorgen machte, dass sie nicht unbeschadet aus dem Kampf hervorging und er eventuell Schuld daran hatte. Letztlich blieb sein Blick bei ihren Augen hängen.


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    • Fließend wie Wasser und warm wie der Schein einer Kerze, floss die Magie aus dem Amulett und ihrem Inneren in Laos Körper. Vor ihrem geistigen Auge konnte sie ganz genau die Regionen sehen, die Blessuren davongetragen hatten und sie ließ gedanklich ihre Zauberkraft darauf wirken. Von außen musste es für den Jungen und den Forscher so aussehen, als würde Selina in einem fast transparenten Weiß schimmern, und auch alles was sie berührte, glänzte im Mondlicht – so auch Lao.
      Es war ein leichtes für sie, ihre Magie durch die Körper verletzter Personen zu steuern, doch während sie diese berührte, wurde sie oft von Alpträumen und schlimmen Erlebnissen jener heimgesucht. Doch bei dem jungen Mann vor ihr war dies nicht der Fall. Er war so gänzlich anders, wie Selina noch keinen Menschen vor ihm erlebt hatte. Er hatte weder sonderlich, beleidigende Bemerkungen fallen gelassen, noch war sein Blick voller Abscheu. Er war so natürlich und offen, ging mit ihr um, als wären sie alte Freunde. Nichts an seinem Umgang mit ihr ließ drauf schließen, dass sie sich erst seit wenigen Stunden kannten. Er war einfach wahrhaftig und echt, und die Magierin kam nicht darum herum, dies zu bewundern. Sie selbst gab sich größte Mühe um dazuzugehören und ihr Erbe nicht länger zu verheimlichen. Sie trug ihr Geburtsmal offen, anstatt es wie früher zu verstecken. Doch bei Lao wirkte alles so ungekünstelt, er war wie er war und dies imponierte ihr.
      Umso mehr versuchte sie ihre Magie zu konzentrieren und ihm zu helfen. Immerhin war er bis vor einigen Augenblicken bereit gewesen für sie und seinen Auftraggeber sein Leben zu opfern! Niemals, nein, kein Mensch bei Sinnen würde für jemand anderen mit dem Leben bezahlen, den er gerade einmal ein paar Augenblicke kannte. Doch Lao war anders, dies sagte ihr nicht nur die Berührung und das Fernbleiben der Alpträume, sondern sein ganzes Sein. Er glich einer Rarität, einem ungeschliffenen Edelstein und ohne es zu wollen hatte er ihr Interesse geweckt. Nicht nur das einer Forscherin oder Magierin, sondern auch das Interesse einer Frau.
      Sie bündelte ihre Energie in seinem Kopf, als plötzlich die Umgebungstemperatur drastisch sank. Von einem Augenblick auf den anderen überzog eine Gänsehaut ihren Körper und die Sonne, der helle Fixstern am Himmel, wurde urplötzlich von dunklen Gewitterwolken verschluckt.
      Beinahe hätte sie dies um die Konzentration gebracht, doch Selinas Wille Lao zu heilen war stärker. Sie konnte nicht hinsehen, denn dafür hätte sie die Heilung unterbrechen müssen, doch der Forscher murmelte fassungslos etwas von einem roten Bannkreis in den schwarzen Gewitterbergen. Ihr Auftraggeber war nicht in der Lage den Zauber dahinter oder dessen Bedeutung zu erkennen, er faselte nur etwas von verschlungenen, leuchtenden Linien in der Farbe des Blutes. Anderswo schien das Wetter nicht zu eskalieren, also musste es mit Lao zu tun haben.
      Selina nahm ganz deutlich ein dunkles Gefühl war, es war wie ein Schatten, da, aber ohne Möglichkeit es zu berühren. Was beim Mond ging hier vor? Plötzlich ertönten in einem unheimlichen, fortlaufenden Rhythmus Wörter, die Selina nicht kannte. Was war dies für eine Sprache? Was bedeutete dies?
      VRAYNAR UN TU SUTOPU KLI WOLGAYER… immer und immer wieder hallten diese finsteren Botschaften über das Firmament und ein großer Druck in Selinas Innerem baute sich auf. Sie hatte Mühe dem Drang in Ohnmacht zu fallen zu widerstehen und sie bemerkte wie der Forscher und der Junge neben ihr auf die Knie gingen.
      Es war deutlich eine finstere Präsenz zu spüren und Angst flammte in ihrem Herzen auf. Sie hatte so etwas noch nie erlebt und in all ihrer Ausbildung noch nie davon gehört. Was geschah ihr? War dies Lao? Ging diese Finsternis von ihm aus? Nein, sie kannte den Mann noch nicht lange, doch sie vertraute ihm zumindest so weit um an seine Unschuld zu glauben.
      Selina presste die Augen zusammen und die Hände fester auf Laos Stirn und das Amulett. Sie durfte nicht aufhören! Irgendein tief verwurzelter Urinstinkt sagte ihr, dass sie ihre Magie weiter in seinem Körper kanalisieren musste, fasst so, als wäre ihre helle Mondmagie ein Streifen Hoffnung in diesem finsteren Himmel voller Unheil. Lao sollte sich an ihrer Magie festhalten wie an einem nicht zu zerstörenden Seil, sie würde ihn aus der Schwärze befreien, die sie rund um ihn fühlte, sie würde nicht locker lassen!
      Stück für Stück, nach und nach konnte sie spüren, dass Besserung eintrat… bis schließlich die Dunkelheit besiegt schien. Sie zog die Hände zurück und schlug die Augen auf. Sofort sah sie gen Himmel, doch so plötzlich wie das Phänomen aufgetaucht war, schien es wieder verschwunden zu sein. Dann schimpfte sie mit Lao, als sie bemerkte, dass auch er wieder bei Bewusstsein war.
      Sie beugte sich zu ihm um sicherzugehen, dass ihm kein Leid widerfahren war. Es war ein Fehler, den sie zu spät bemerkte. Die Nähe des Mannes nahm sie für einen Augenblick gefangen und sie vergaß das Atmen. Winterkälte war die Farbe seiner Augen und doch war keine Spur davon in seinem Blick zu finden. Stattdessen strahlte er eine seltsame Zuversicht und Wärme aus, welche Selina einen Moment länger beschäftigten als schicklich war. Er schenkte ihr sogar ein kleines Lächeln, welches sich ohne zu zögern in ihr Herz brannte. Irritiert blinzelte sie und brachte wieder etwas Abstand zwischen sie beide.
      Doch schließlich antwortete er, dass es ihm gut ginge und ohne es zu wollen durchfuhr sie eine unglaubliche Erleichterung.
      „Mondmagie.“, erklärte sie auf seine Worte knapp und hob ihre Hand, die sie für einen kurzen Moment weißlich schimmern ließ, um ihr Gesagtes zu unterstreichen. Offensichtlich war Lao trotz des leuchtenden Halbmondes auf ihrer Stirn noch nicht auf die Idee gekommen, dass sie eine Mondmagierin war. Nun, es war ihm nicht gänzlich zu verdenken, schließlich war sie die letzte Überblende ihrer Sippe und ihre Magie so selten, wie mächtig.
      Lao setzte sich nun auf und ohne gefragt zu werden half sie ihm ein wenig. Auch der Forscher und der Junge, die ob des gewaltigen Drucks auf die Knie gegangen waren, richteten sich etwas auf, blieben aber auch auf dem Boden sitzen.
      Lao agierte nun so wie sie es bereits von ihm gewohnt war und überhäufte sie mit Fragen und Aussagen. Sie seufzte, lächelte aber ein wenig, ehe sie den Kopf schräg legte und ihn etwas musterte.
      „Wir… haben gewonnen. Durch deinen großen Einsatz ist es uns gelungen diese Gefahr abzuwenden.“ Vorerst, fügte sie gedanklich hinzu, wollte sie doch ihren Auftraggeber nicht beunruhigen.
      „Und trainieren müssen wir wohl beide.“, antwortete sie und es fiel ihr schwer auch ihre Schwäche zuzugeben. Wenn sie ihre Magie anders, oder mehr einsetzen könnte, hätten sie vielleicht gar kein Blut vergießen müssen. Sie war noch jung, stand am Anfang ihrer Laufbahn als Magierin und hatte demnach noch eine Menge zu lernen.
      Sie bemerkte Laos Blick, der über ihren Körper glitt und sie schämte sich, dass ihre Kleidung nicht mehr in perfektem Zustand war. Dies brachte so ein Kampf nun einmal mit sich, doch für ihre Eitelkeit war dies furchtbar, doch nicht mehr zu ändern.
      „Ja, tatsächlich.“, begann sie dann auf seine letzte Frage zu antworten, deutete dann aber auf den Forscher, der das ganze Ereignis besser gesehen hatte.
      „Als Ihr ohnmächtig wart und Fräulein Selina Euch heilte, formierten sich urplötzlich aus dem Nichts gigantische Wolkentürme, so schwarz wie die Nacht selbst. Und inmitten war ein leuchtender Bannkreis zu sehen, in der Farbe des Lebenssaftes.“
      Selina fröstelte es bei diesen Gedanken und sie schlang ihre Arme um sich selbst. Sie blickte Lao an, denn sie hatte das Gefühl, dass der Mann der Schlüssel zu all dem war. „Was weißt du darüber?“

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      Und den Herzensbrecherwein
    • Lao
      Der junge Mann war gerade erst aus seinem Erschöpfungszustand erwacht, hatte jedoch schon so viele Dinge in seinem Kopf, dass er sich fragte, wieso er nicht einfach weiterschlafen konnte. Eventuell weil etwas geschehen könnte sobald er die Augen schließt, vermutlich weil...UND dann riss es ihn aus seinen Gedanken, denn er erhielt eine Art Antwort die ihn zunächst verwirrte. Selina sprach von Mondmagie, aber wer hier hatte Mondmagie. Er selbst nicht, der Junge, welchen er gerettet hatte ebenfalls nicht und der Professor schon gar nicht, sonst hätte er keine Hilfe der Magier in Anspruch nehmen müssen. Nach diesem Ausschlussverfahren musste es eigentlich Selina sein, aber sie hatte doch schon irgendeine Defensivmagie oder hatte er es sich einfach nur zusammengereimt. Er schüttelte den Kopf, denn was für eine Magie auch immer sie hatte, sie war es erneut gewesen, die ihn vor mehr Schaden bewahrte und im Grunde hatte sie auch ohne es zu wissen, sich selbst und alle hier Anwesenden beschützt, wenn nicht sogar die ganze Welt. Doch sich darüber den kopf zu zerbrechen hatte keinen Sinn für ihn. Wichtig war ihm gerade, dass es allen den Umständen entsprechend gut ging. Den Siegesworten von Selina folgend seufzte er zufrieden und sah nach oben.
      "Ich bin wirklich froh, dass dir nichts passiert ist"
      Ohne groß darüber nachzudenken hat er genau das herausgelassen was er dachte. Natürlich war er auch froh, dass ihrem Auftragsgeber nichts geschehen ist, aber irgendwie hatte ihn Selina gerade in ihren Bann gezogen. Sie war mehr als es ein erster Blick zeigen konnte und auch viele weitere Blicke würden nicht ausreichen, um hinter all ihre Geheimnisse zu schauen. Sie interessierte ihn einfach, ob nun aus Neugierde oder anderen Beweggründen, dessen war er sich nicht im Klaren. Als es dann ums Training war er wieder konzentriert, schließlich war es im Interesse von Allen, dass sie stärker werden würden und da das Trainieren immer so mühsam war und allein auch keinen Spaß machte, hatte er eine Idee und hoffte diese auch umsetzen zu können.
      "Du Selina...Würdest du mit mir gemeinsam trainieren wollen? Ich weiß zwar nicht wie ich dir helfen könnte, aber ich sehe in deiner Magie etwas, dass mir helfen könnte stärker zu werden..damit..." Er sah zum Jungen und zum Professor "ich in der Lage bin, jeden zu beschützen!"
      Er war sich sicher, dass hier alle nur so viel Schaden davon getragen haben, weil er unfähig ist seine Magie ordentlich zu kontrollieren, unfähig sie öfter am Tag einzusetzen. Es war auch nicht sonderlich hilfreich, dass er einfach bewusstlos wird wenn er seine Magie zu oft am Tag verwendet und den Nahkampf könnte er auch mal wieder ein wenig entrosten. Für ihn stand es fest, nach dem Erledigen dieses Jobs, würde er ein wenig trainieren, ob nun mit Selina oder ohne sie, es war Fakt, dass er noch zu schwach war. Nachdem sich die Lage ein wenig beruhigt hatte wurde dann seine Frage bezüglich den Geschehnissen während seiner Bewusstlosigkeit beantwortet und dabei schnürte sich seine Kehle förmlich zu. Er lauschte den Worten des Forschers und bekam es leicht mit der Angst zu tun, versuchte es aber zu verstecken, nur für einen ganz kurzen Moment hatte er einen panischen Blick, welcher beinahe sofort wieder durch seinen fokussierten Blick ersetzt wurde. Was er vernahm klang nach ähnlich wie das was er erlebt hatte in dieser..Zwischenwelt. War also er daran Schuld, dass in der Realität etwas derartiges geschah? Kurze Flashbacks zogen an seinem inneren Auge vorbei. Obwohl viele Jahre vergangen waren, die Wunden saßen tiefer als je eine heilende Magie dringen könnte. Als der Forscher seine Sichtweise präsentiert hatte sah er zu Selina, die ihre Arme um sich geschlungen hatte und es verlieh ihm das Gefühl von Reue, war er doch wohl tatsächlich Schuld daran. Die Magierin sah ihn an und fragte nach was er darüber wusste und so sehr er ihr gern alles darüber erzählen wollte, wäre es wohl besser dies nicht jetzt zu tun. Nicht solange der Forscher es hören würde, denn es wäre fatal für Lao, wenn der Forscher von seiner Unfähigkeit erfahren würde und diese verbreitete. So würde er vielleicht nie wieder Aufträge erhalten. Also musste er sich irgendetwas einfallen lassen, dass nicht allzu viel Fragen hinterlassen würde, einen Teil der Wahrheit..aber eben nicht alles. Mit ernster Miene sah er nun in die Augen von Selina.
      "Du hast Recht...so wie es sich anhört, weiß ich tatsächlich etwas darüber, kann aber nicht mit Gewissheit sagen, dass ich es verstehe. Während ich scheinbar bewusstlos war, befand ich mich in irgendeiner seltsamen Welt und vor mir war ein riesiger Schatten..der mich mit seinem ebenso großen Schwert durchbohrt hatte. Er laberte mich mit irgendeiner Sprache voll die ich nicht verstanden habe...wenn ich mich recht entsinne..war es sowas wie Vraynar und sutopu irgendwas...Ich weiß es nicht mehr so genau. Jedenfalls wollte der Schatten irgendwas von mir, aber dann war da dieses Licht und..naja..." Er musste kurz stoppen, da das nächst ein wenig unangenehm war und er schon wieder so peinlich rötliche Farbe im Gesicht bekam. "ich habe eine Stimme gehört...deine Selina...Du hast mich irgendwie motiviert da weg zu kommen..und dann...war ich wach und wieder in der Realität..hier bei euch. Ist nicht sonderlich hilfreich..aber naja..das ist was ich weiß..beziehungsweise dass was ich gesehen habe"
      Lao fühlte sich seltsamerweise ein wenig erleichtert, dass er ihr wenigstens etwas mitgeteilt hatte, sah sich aber dazu angestachelt ihr mehr zu verraten, dies müsste jedoch noch ein wenig warten. Schließlich gab es nun etwas wichtigeres zu tun. Er verlor seine ernste Miene und kehrte zu seinem schon beinahe normal grinsenden und fröhlichem Ausdruck zurück. Der Magier stand auf, klopfte sich ein wenig den Dreck von seinen Klamotten und war wie immer erstaunt, dass so gut wie alles an ihm zerissen war, nur seine Jacke nicht, die Leute haben sich damals echt Mühe beim Erstellen gegeben. Lao lief an Selina vorbei in Richtung des Forschers und des Jungen, blieb aber kurz neben ihr stehen um ihr etwas ins Ohr zu flüstern.
      "Ich...würde gerne heute abend etwas mit dir besprechen...falls du ein wenig Zeit für mich aufbringen kannst.."
      Nach seinen Worten begab er sich zu den anderen beiden und bot ihnen freundlich seine Hilfe an, immerhin mussten sie nun weitergehen. Er unterhielt sich mit dem Jungen und fragte was dieser jetzt machen wollte, immerhin waren seine Freunde...nicht in der Lage ihm zu helfen oder wer weiß was zu tun. Scheinbar verstanden sich der Auftragsgeber und der Junge sehr gut, weshalb dieser ihm einen Assitenzjob anbot. Lao war zufrieden, denn so hatte der kampf doch tatsächlich auch was positives mit sich gebracht. Lao war irgendwie voller Energie, was wohl an Selinas Mondmagie liegen dürfte, deshalb machte er jetzt auch den Eindruck als würde er gern weiter. Bis zum Wald war es nicht mehr weit und die Nacht würde bald hereinbrechen und er hatte wenig Interesse daran in noch einen Kampf dieser Art hineingezogen zu werden und im Gegensatz zu ihm schienen die anderen auch eher keine großen Reserven mehr zu haben, was verständlich ist. Dennoch wollte er wenigstens das erste Ziel erreichen und nicht schon dabei versagen.
      "Es wird bald dunkel, aber wir sollten es noch rechtzeitig bis zum Wald schaffen, für eine Pause wäre dann genug Zeit, ich hoffe sie haben dafür Verständnis Sir, aber auch für uns Magier ist es schwierig nach einem Kampf wie diesen weiter zu machen, aber ich denke sie kennen sich mit den schweren Wegen aus, schließlich sind sie ein Forscher, welcher alles gibt um seine Forschung voranzutreiben"
      Er grinste in die Runde, drehte sich nach vorne und lief dann los, dem Weg folgend, welcher zum Waldanfang führen würde. Während er weiterlief fielen seine Gedanken erneut auf den Kampf und wieso sie wohl gerade hinter ihnen her waren und da sprang es ihm ins Gesicht. Der eine Magier, der sie angegriffen hatte ähnelte dem, der heute morgen seinen Auftrag klauen wollte. War es also Rache an Lao, war er daran Schuld nicht nur Selina in Gefahr gebracht zu haben, sondern auch den Forscher...Es nagte schon an ihm, aber er konnte es nun eh nicht mehr ändern. Bei seinen Gedanken kam dann sein Tick zum Vorschein, immer wenn er grübelte legte er seine Hand auf seine Kette und GENAU da war nun ein Problem! Ganz plötzlich stoppte Lao obwohl sie nur noch knappe 100 Meter vom Ziel entfernt waren.
      "....Ich..muss nochmal zurück!..Meine KETTE..ich habe sie verloren"
      Laos Stimme war beinahe zittrig, jedoch versuchte er die Ruhe zu bewahren, aber ohne sie war er einfach aufgeschmissen. Ohne seine Kette könnte er zwar die Nacht überstehen...aber nicht den morgigen Tag. Er war drauf und dran loszustürmen.


      courage is the magic that turns dreams into reality

    • Dem jungen Mann vor ihr auf dem Boden war die Verwirrung leicht anzusehen. Fast greifbar hing jene in der Luft und Selina war sich fast sicher, wenn sie die Hand ausstreckte, könne sie diese ergreifen. Langsam schien er jedoch seine Gedanken ordnen zu können und blickte sie aus seinen Winteraugen an. Schnell flossen erneut Worte aus seinem Mund, doch dieses Mal ließen sie Selina für einen Augenblick das Atmen vergessen. Er… war froh, dass ihr nichts passiert war? Er sollte doch viel eher froh sein, dass seinem Auftraggeber nichts geschehen war, denn nur somit konnte er doch seine Pflicht erfolgreich erfüllen.
      Doch in seinen Worten schwang die Wahrheit und Aufrichtigkeit mit. Etwas, was in dieser Stadt wirklich selten der Fall war. Noch viel seltener bei Personen, die man gerade erst einige Stunden kannte. Und doch… sprach er jene Dinge aus, die auch sie so sah. Aus irgendeinem Grund wäre es schade gewesen, wenn Lao verunglückte. Sie… wollte nicht, dass es soweit kam. Und Selina selbst, mit ihrer Mondmagie, welche auf Schutz und Unterstützung ausgelegt war, war doch der perfekte Schild um Menschen vor Gefahr zu schützen. Natürlich hatte sie ihre Magie einsetzen müssen – dies hätte sie auch für alle anderen auf ihrer Seite getan. Und doch, war es dieses Mal ein klein wenig anders.
      Die Art, mit der Lao ihr entgegentrat, war erfrischend anders. Er war laut und nervig, plapperte tausend verrückte Dinge, erwähnte Welten und Umstände, die sie nicht kannte. Und trotzdem war in all seinen Worten ehrliche Wahrhaftigkeit zu spüren. Er meinte tatsächlich dies, was er sagte. Und jene Ehrlichkeit war es, die Selina irgendwie faszinierte.
      Zu weiteren Gedanken diesbezüglich kam sie zum Glück nicht, denn da sprach Lao schon davon, gemeinsam trainieren zu wollen. Leicht runzelte sie die Stirn, wog schnell Für und Wider ab, ehe sie langsam nickte. Es war sicherlich keine schlechte Idee zusammen stärker zu werden. Es war vieles leichter erreichbar, wenn man zusammen den mühsamen Pfad erklomm, als einsam umherzustreifen, gleich eines vom Rudel verstoßenen Wolfes.
      „Ja.“, antwortete sie ihm nun auch akustisch, um ihre Entscheidung zu untermauern. Sie hatte selbst noch keine Ahnung wie Laos Magie funktionierte, doch dass er außerordentlich stark war, dran bestand kein Zweifel. Es wäre sicherlich für beide vorteilig, wenn sie sich gegenseitig unterstützten und gemeinsam wachsen konnten.
      Er hatte das noble Ziel, alle Personen beschützen zu wollen. Sie war nicht ganz so gut. Sie wollte lediglich ihren Namen und den ihrer Sippe reinwaschen, indem sie anderen Personen half. Das Ergebnis wäre das gleiche, doch ihre Einstellung war unterschiedlich. So dachte sie zumindest.
      Im Anschluss wurde die Frage der Geschehnisse während Laos Bewusstlosigkeit vom Forscher beantwortet und Selina war froh, dass ihr dies abgenommen wurde. Sie hätte ich gerne darüber gesprochen, denn obwohl sie es nicht zugeben wollte, hatte sie wirklich Angst gehabt. Solch ein Phänomen war keinesfalls natürlichen Ursprungs und deshalb musste es magisch sein. Und sie hatte noch nie so etwas erlebt, wusste demnach auch nicht, wie man dem entgegentreten konnte – oder sollte.
      Sie beobachtete Lao während der Berichte ihres Auftraggebers ganz genau. Sie hatte einen Blick für Details, welcher wohl auch den wahrheitsfördernden Eigenschaften ihrer Magie entsprang. Somit war ihr die kurze Panik nicht entgangen, die im Eisblau Laos Augen für einen Moment aufgeflackert war. War dies nur die allgemeine Angst, die auch sie empfand? Oder wusste der junge Mann mehr, als er fürs erste zugeben mochte? Jetzt gerade ärgerte es sie, dass ihre sonst unliebsame Fähigkeit, in die oberen Gedanken ihrer Gegenüber eindringen zu können, bei ihm nicht wirkte. Zu gerne hätte sie gewusst, was in seinem hübschen Kopf vorginge.
      Beinahe sofort war die aufgetauchte Panik wieder verschwunden, man hätte sie für eine Einbildung halten können, und ward durch Entschlossenheit ersetzt worden. Sie hatte aufgrund ihres Unwohlseins ihre Arme um sich geschlungen und sich dazu entschieden, Lao über die Ereignisse zu befragen. Was anderes blieb ihr ohnehin nicht übrig, schließlich konnte sie bei ihm leider keine Gedanken lesen.
      Ernst erwiderte sie den Blick, den Lao ihr schenkte, und hörte gespannt zu, was der Orangehaarige zu sagen hatte. Er berichtete von einer Art Zwischenwelt, in welchen ihn ein Schatten mit einem großen Schwert durchbohrt hatte. Man musste kein Wahrsager sein, um das schlechte Omen dahinter heraushören zu können. Selina umschlag ihre Arme fester um ihren Oberkörper. Andere Welten und Schatten… dies waren Themen, die sie als junge Magierin so noch nicht kannte.
      Lao sprach weiter von seltsamen Worten, die er gesprochen hatte. „Auch wir haben hier solche Worte gehört.“, warf sie schnell ein, ehe der Mann weitersprach. Er erzählte, dass der Schatten etwas von ihm wollte, doch was es war, war ungewiss.
      Er unterbrach sich für einen Moment selbst, ehe er erneut ansetzte und zur allgemeinen Überraschung meinte er, Selinas Stimme vernommen zu haben, die ihn offensichtlich vom Schatten weggeführt hatte, bis er wieder in der Realität war.
      „Ich denke du hast meine Magie gehört, die ich in deinen Körper hineinströmen ließ. Diese hat sich wohl als Echo meiner Stimme manifestiert.“, meinte sie überlegend und hatte die leuchtende Gesichtsfarbe des Mannes gar nicht bemerkt. Sie war nicht empfänglich für dreierlei Dinge, wenn sie gerade ein wichtigeres Problem hatte. Demnach bemaß sie diesen Umstand ihrer Stimme auch keine allzu große Bedeutung bei und schien dies geklärt zu haben.
      Lao erhob sich nun und Selina tat es ihm gleich. Einen Moment später flüsterte er etwas in ihr Ohr und verwundert blinzelte sie. Er wollte etwas mit ihr im Geheimen besprechen? Nun, wenn er sich ein Tête-à-Tête vorstellte, dann würde er eine gewaltige Enttäuschung erleben. Doch wenn er wirklich nur mit ihr reden wollte, dann ja. Sie nickte zum Zeichen, dass sie verstanden hatte.
      Danach wurde noch einiges besprochen, der vor Kurzem noch feindlich gesinnte Junge bekam sogar eine Arbeit von ihrem Auftraggeber angeboten und allgemein war die Stimmung zum erneuten Aufbruch bereit. Selina verwendete etwas von ihrer Magie um ihre Kleidung wieder herzustellen und zu säubern, es stand außer Frage, dass sie halb verdreckt herumlaufen würde.
      Lao sprach das Weitergehen an und sie war froh darüber, denn so konnte sie noch ein wenig ihren Gedanken nachhängen, während sie nun alle weitergingen. Doch zu vielen Gedanken kam sie nicht, den plötzlich stoppte Lao erneut und rief sichtlich panisch, dass er seine Kette verloren habe. Selina selbst hatte einen Hang für schöne Dinge wie Kleidung und Schmuck, doch deshalb so in Panik zu verfallen? Erneut wurde ihre Neugierde geweckt und sie fragte sich, welche Geheimnisse der andere Magier noch so verbarg.
      „Ganz ruhig, ich helfe dir suchen.“, antwortete sie betont gelassen um ihm ein wenig Sicherheit zu vermitteln. Sie waren ohnehin noch nicht weit gelaufen und es war einfach die paar Meter zurück zu gehen. Sie konnte sich wage daran erinnern, wie die Kette aussah und suchte mit ihren Augen den Boden vor sich ab.
      „Was ist so besonders an der Kette?“, fragte sie ihn und überlegte, ob sie mit ihrer wahrheitssuchenden Magie das Schmuckstück womöglich schneller aufspüren könnte?

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein