They call me artist, they call me idol [Rheira + Sachiko]

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    • They call me artist, they call me idol [Rheira + Sachiko]

      @Rheira
      @Sachiko

      ~ Vorstellungsthread ~

      T H E Y . C A L L . M E . A R T I S T

      T H E Y . C A L L . M E . I D O L




      ╣ Moon Kang-Dae ╠

      Es war ein unangenehm frischer Morgen in Seoul, als Kang vor die Tür des Teeladens trat. Zwischen seinen behandschuhten Händen hielt er einen großen Becher Oolong-Tee mit Milch, aus dem es leicht dampfte. Ohne die Handschuhe wären seine Hände sicherlich wieder so steif geworden, dass er seinen gelieten Thermobecher nicht gut festhalten könnte. Außerdem hatte er vor, gegen Mittag noch ein wenig im Studio am Klavier zu sitzen, da konnte er keine kalten Hände gebrauchen.
      "Minusgrade im September, was hat sich denn der Klimawandel dabei gedacht...", brummte er und blickte sich verstohlen um. Von der Presse hatte ihn anscheinend noch niemand entdeckt, so dass er hoffte, er könnte sich ein neues Stammlokal für sein morgendliches Getränk suchen. Seine Armbanduhr begann zu vibrieren. Der Fluch und Segen der modernen Zeit waren Smartwatches wie seine, die jeden Anruf und jede Nachricht mit nervtötender Pünktlichkeit direkt an sein Handgelenk weiterleiteten. Kang wusste genau, dass es sein Manager war, der ihn erinnern wollte, dass der Termin in 20 Minuten starten würde.
      Mit langsamen Schritten schlenderte er durch den Park in Richtung des Hauptgebäudes seines Labels. Er konnte schon von Weitem die schier endlos weit in den Himmel ragende Glasfassade sehen, in der sich der Sonnenaufgang spiegelte. Kang nippte an seinem Tee und blieb kurz vor dem Eingang stehen. Er fragte sich, was genau sein Management ausgeheckt hatte, denn in den letzten Tagen hatte er nur kryptische Nachrichten erhalten und einige Änderungen in seinem Terminkalender gesehen.

      Wenig später saß er im Begrüßungszimmer des Inhabers der Agentur und starrte gebannt auf die Tür. "Und Sie sagen, es wird eine Kollaboration? Mit einem bekannten Gesicht? Ich bin gespannt.", sagte sein Manager. Der Inhaber, Herr Gim, nickte. "Wir sind froh, dass Sie bereits einige Vorbereitungen getroffen haben. Unsere Gäste treffen in Kürze ein, dann besprechen wir alles weitere." Kang nickte. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und zermarterte sich den Kopf darüber, wer gleich durch diese Tür kommen könnte. Seit sich seine Rookie Gruppe aufgelöst hatte und er seine Karriere als Solo-Artist aufgenommen hatte, hatte er mit niemandem mehr zusammen gearbeitet. Aber vielleicht hätte das Ganze auch etwas Gutes, dachte er, und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Auf dem Gang war das Geräusch des Fahstuhls zu hören.

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    • ____ Jumin ____

      Das Showgeschäft ist ein zweischneidiges Schwert. Während es von der einen Seite glänzt und im Sonnenlicht glitzert, ist die andere Seite scharf und grausam. Diese Welt war nicht besser, sie machte süchtig bis man daran zugrunde ging. Erst geliebt und verehrt, dann aussortiert und fallen gelassen. Solang die Schönheit der Jugend am Horizont erstrahlt lebt man ein Leben wie ein Gott, da aber nichts ewig hält, fällt man und das verdammt tief. Willkommen in der Welt der Schönen und Reichen. Dem koreanischen Idolhimmel oder auch der Garten Eden mit dem verbotenen Apfel.
      Es kam Jumin vor als wäre es gestern gewesen, als er in diesem kleinen muffigen Studio als Model gearbeitet hatte. Sich vor der Kamera präsentiert hatte und somit in dem ein oder anderen Heftchen gelandet war. Die Agentur war unbekannt gewesen, die Models die dort arbeiteten allesamt unbedeutende kleine Lichter und doch hatte man ihn in all dem Schatten gefunden. Sein Label hatte ihn auf der Straße angesprochen, war von seinem Aussehen begeistert und hatte ihn sprichwörtlich von der Straße ins Rampenlicht gerückt und nun wechselte er von dieser Agentur zur Konkurrenz, weil man ein verdammt hohes Sümmchen für ihn hatte springen lassen. Eigentlich war er nichts weiter als Ware, schön verpackt. Nachdenklich blickte er zu seinem dampfenden Starbucks-Kaffee in seiner Hand, während er an der Wand des gläsernen Aufzugs gelehnt war und durch das Glas blickte, während ein Stockwerk das nächste ablöste und all die Menschen auf den Straßen an kleine Ameisen erinnerten. Er konnte es immer noch nicht glauben, dass er so klein angefangen hatte und man nun tatsächlich wusste, wer er war. Verdammt, er hatte ja sogar einen Stagenamen:Yuno. Wie der Asteroid. Nur wurde der mit ´J´geschrieben, aber sei es drum. Seine neue Agentur war ebenso ein großes Licht wie sein altes Label und gehörte zur größten Konkurrenz. Das man es zugelassen hatte, ihn dort heraus zu kaufen, erstaunte Jumin zwar, aber er bekam so die Chance große Größen der koreanischen Idolszene zu treffen. Allen voran das Aushängeschild Viktor. Jumin sollte mit ihm zusammen arbeiten, ein neues Musikvideo herausbringen. Dies würde zum einen die Beliebtheit von Viktor steigern, zum anderen Jumins Karriere fördern. Sein schönes Gesicht war bekannt, aber nicht sein Gesangstalent und das wollte man damit ändern und einen neuen Weg einschlagen. Dafür nahm man auch ein großes Risiko auf sich und Jumin verstand nicht so genau, was der Labelwechsel damit zu tun hatte, aber sein Manager hatte entscheiden, dass dies wohl die beste Möglichkeit war um die Karriereleiter hinauf zu steigen. Niemand eignete sich besser, um schnell bekannt zu werden als Viktor. Attraktivster Bachelor und Number 1 jeglicher Coverzeitschriften. "Benimm dich bitte Yuno. Das sind verdammt namenhafte Leute und deine Chance richtig groß herauszukommen." ermahnte ihn sein Manager mit dem langen brauen Haar und dem schwarzen Anzug. Er erinnerte ihn vom Gesicht eher an eine strenge Frau als an einen Mann, wobei Yuno da nicht wirklich etwas sagen brauchte. Man hatte ihn in seiner Kindheit oft genug wegen seiner Weibervisage aufgezogen. Sein Manager jedenfalls war zwar äußerst streng, aber auch sein Mutter...ähm Vaterersatz geworden und Jumin schätzte ihn sehr. "In Ordnung", antwortete der Blauhaarige knapp. "Etwas mehr Enthusiasmus Yuno. Du siehst aus wie ein wandelner Zombie....wenn auch ein hübscher." "Danke." "Das war kein Kompliment verflucht"
      Das berühmte ´Bing´des Aufzugs ertönte und gab einen großen, langen und klischeehaft dramatischen Flur mit rotem Teppich Preis, welcher eigentlich nur eine große Flügeltür bot, welche ihnen direkt von zwei Herren mit schwarzem Anzug geöffnet wurde.


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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠


      Kang sah die Tür aufschwingen und erstarrte. In Begleitung seines Managers trat Yuno durch die Tür. Zumindest kannte Kang nur diesen Stagenamen - aber er hatte definitiv von ihm gehört. Es hieß, er hätte es durch sein ungewöhnlich gutes Aussehen bis ganz nach oben geschafft, aber es gab auch Gerüchte, es wären sexuelle Gefälligkeiten mit im Spiel gewesen. Letztendlich konnte es Kang egal sein, er selbst hatte schon einige schmutzige Schlagzeilen anwaltlich verfolgen lassen müssen. Und das, obwohl in den angeblichen Stories nicht ein Funken Wahrheit enthalten war.
      Er erhob sich zeitgleich mit Gim und seinem Manager. Im Gegensatz zu dem langhaarigen androgynen Wesen an Yunos Seite war Kangs Manager, Park Seoji, eine zu stark gebräunte Parodie von Kim Jong-Un mit 20 Jahren mehr auf der Kappe. Der kleine, untersetzte und verlebte Mann lief eifrig auf die zwei Ankömmlinge zu und verneigte sich prompt. „Welche Ehre!“
      Gim lächelte, verbeugte sich kurz und wandte sich dann an Kang. „Nun, ich darf vorstellen: Jumin Choi. Meine Herren, Sie sehen hier das neueste Juwel unserer Agentur. Wir freuen uns sehr, ihn unter unserem Dach begrüßen zu dürfen.“
      Kang stellte sich neben Seoji und Herrn Gim. Er streckte seine Hand aus, die noch immer in einem schwarzen Lederhandschuh steckte und stellte galant den Kaffee des etwas finster dreinschauenden jungen Mannes beiseite. Er setzte sein bestes Zahnpastalächeln auf und schüttelte Jumin die nun frei gewordene Hand. Er würde sich nicht vor seinem neuen Konkurrenten verbeugen, so viel stand fest.
      Neugierig ließ er den Blick über sein Gegenüber gleiten. Ein schönes Gesicht, keine Frage, ein Körper in Topform, modische Kleidung – genau wie man es von einem Idol erwarten würde. Am faszinierendsten jedoch waren Jumins Augen. Ein starkes, strahlendes Blau glänzte Kang entgegen. Es sah nicht so aus, als würde es sich um Kontaktlisten handeln was er immer heimlich vermutet hatte, wenn er die Shootingfotos in Zeitschriften gesehen hatte. „Jumin Choi, ja? Moon Kang-Dae, habe die Ehre.“, sagte er sanft, „Aber Kang reicht aus.“

      Gim hatte die zwei Manager mit sich an den großen Konferenztisch geführt. Es war ein Eichentisch, importiert aus Europa und über 150 Jahre alt. Gim war stolz, dieses Repräsentationsstück sein Eigen nennen zu können, genau wie er sich bald damit rühmen können würde, die zwei am heißesten gehandelten Jungstars unter Vertrag zu haben. Er schob jedem der Herren ein Tablet zu und bat sie, sich zu setzen, während seine Assistentin einen Projektor startete, der beinahe die ganze Wand als Projektionsfläche nutzte.
      „Viktor, Yuno, wir möchten euch gerne unser neuestes Projekt vorstellen. Wärt ihr so frei, uns ebenfalls Gesellschaft zu leisten?“, fragte er in einem honigsüßen Tonfall, der nicht zu seinem strengen Blick passte.
      Kang ließ Jumins Hand los und wandte sich dem Tisch zu. „Selbstverständlich. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, was uns blüht.“ Er lachte kurz, aber innerlich war ihm nicht zum Lachen zumute. Etwas an dieser Sache war ihm nicht geheuer. Bisher hatte er immer als Soloartist gearbeitet und ihm war auch nicht danach zu Mute, ein neues „Duo“ zu bilden. Erst recht nicht, wenn das an den Standbeinen seiner stabilen Karriere sägen könnte.
    • ____ Jumin ____

      Die großen gläsernen Fenster des Zimmers warfen die Sonnenstrahlen in den Raum, erleuchteten selbst die Menschen darin und alles erschien fast wie ein perfekt inszenierter Auftritt. Jumin hatte das Gefühl in einen Raum zu treten, mit lauter leuchtenden Edelsteinen. Der gläserne Tisch reflektierte das Sonnenlicht, genauso wie all die einrahmten CDs und Auszeichnungen die an der Wand hingen. Jumin konnte sich einfach immer noch nicht an all diese Perfektion gewöhnen, weshalb er wohl auch nicht vermeiden konnte, statt den Leuten eher den Raum um sich herum zu betrachten. Hier also war das Zentrum der Macht des größten Idol-Labels ganz Seoul. Natürlich stand seine eigene alte Agentur nur minimal hinter dieser zurück, aber dennoch wirkte alles hier anders. Größer, mächtiger und einschüchternder. Auch wenn Jumin nach außen eine unglaubliche Ruhe, vor allem aber auch Kälte ausstrahlte, war er innerlich unglaublich nervös. Das wurde nicht besser als ein kleinerer Mann auf sie zu gestürmt kam und sie überschwänglich begrüßte. "Die Ehre ist ganz auf unserer Seite. Wir kennen uns bereits, aber ich stelle mich gerne noch einmal vor: Sehun Park. Ich bin der Manager von Jumin Choi", stellte sich sein Manager mit dem schönen langen braunen Haaren vor, welche er zu einem ordentlich glatten Zopf trug, der ihm bis zu der Hüfte reichte. Er besaß ein feines Gesicht, scharf geschnittene Augen mit einem dunklen Farbton. Er war selbst noch sehr jung, weshalb oft mit ihm noch das Temperament umging, Jumin sich aber keinen besseren Manager auf der Welt vorstellen konnte. Sehun reichte den beiden die Hand, ehe sein Blick zu Viktor wanderte. "Viktor, es ist mir eine Freude." höflich reichte er auch Viktor die Hand, während dieser sich gerade Jumin vorstellte. Jumin wiederum sah eher wehmütig seinem Kaffee nach, dem man ihm einfach so aus der Hand genommen hatte. Sein Blick glich in dem Augenblick einem kleinen Hundewelpen, dem man das Spielzeug weggenommen hatte und der Blauhaarige musste den schlimmen Drang unterdrücken, sich den Becher nicht schnell wieder zu holen. Hier stand er also in seinen schwarzen Schnürboots, der schwarzen Jeans welche an den Löchern modische Risse hatte und einem weißen Shirt das ihm viel zu groß war, nur um darüber eine lässige dunkelrote Lederjacke zu tragen, in der er ebenso viel Selbstbewusstsein ausstrahlte, während er eigentlich nur seinen Kaffee zurückwollte. Da sich ihm aber Viktor oder besser gesagt Kang vorstellte, musste er sich wohl doch zusammen reißen. "Jumin", antwortete er lediglich knapp, während er ihm aber ebenfalls die Hand reichte. "Yuno...." ermahnte ihn Sehun, ehe er entschuldigend zu Viktor blickte. "Er ist schüchtern, nimm es ihm nicht übel." Der Blick von Jumin wanderte wieder zu seinem Kaffee. "Kann ich den bitte wieder haben?", daraufhin deutete er auf den Becher, den man ihm weggenommen hatte. Seufzend ließ Sehun den Kopf hängen. Herrje.
      Sehun wusste inzwischen, das sein Schützling gar nicht so unfreundlich und kühl war, wie er immer herüberkam. Er stimmte tatsächlich, dass Jumin sehr schüchtern war und sich ungemein schwer mit anderen Menschen tat. Sehun schob es auf den Hintergrund den Jumin hatte, aber es war erstaunlich, dass er vor der Kamera einen Schalter umlegte und ein komplett anderer Mensch zu sein schien, was auch sein Talent erklärte.

      Erfreut das er seinen Kaffee zurück hatte, saß Jumin alias Yuno nun mit Viktor gemeinsam auf dem zugegeben extrem bequemen gepolsterten Stuhl vor einem gigantischen Tisch der sicher ungefähr so viel wog, wie die beiden Türsteher vor der Türe draußen. Sie hatten Tablets bekommen und ihnen wurde nun der genaue Plan erläutert wie es nun mit Ihnen weitergehen sollte.


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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠


      Kang rollte leicht mit den Augen, als Jumin seinen Kaffee zurückverlangte. „Noch grün hinter den Ohren... oder arrogant.“, dachte er bei sich und nahm Platz. Im Gegensatz zu Jumin mit seinem modischen Outfit und der schrillen Haarfarbe fühlte sich Kang etwas alt. Er trug, wie so oft, eine schlichte rotkarierte Hose, geschnürte Lederschuhe, ein schwarzes Hemd und ein Brokatjackett mit goldenem Muster. Alles an ihm schrie nach Eleganz, aber er wirkte auch immer sehr steif im Gegensatz zu anderen Idols. Einzig ein recht alter, abgegriffener Kaschmirschal war auffällig an seiner Erscheinung. Meist fragte ihn aber niemand danach, man tat es als seine künstlerische Eigenart ab.

      Gim begann in aller Seelenruhe mit seiner Präsentation. „Da wir alle beisammen sind, wird es Zeit für eine Geschichte, die genau so märchenhaft ist, wie das Leben unserer geschätzten jungen Herren. Viktor und Yuno, ihr zwei werdet zu den wahrhaftigen Prinzen, die die Fans bereits in euch sehen. Für die nächsten vier Monate werdet ihr unser neues Konzept leben: die Royal Fantasy.“
      Kang runzelte die Stirn. Er legte ein Bein über das andere und faltete die Hände in seinem Schoß. Seoji nickte eifrig und schien beinahe das Geifern anzufangen. Manchmal wirkte er wie das größte Fangirl seiner eigenen Schützlinge. Auf den Tablets erschienen zwei Fotos nebeneinander gestellt – eines von Kang und eines von Jumin. Kurz darauf wechselte der Bildschirm auf eine Reihe sehr extravaganter Outfits. Man sah Schmuck, Gold, Silber, man sah historisch angehauchte, sehr detailreiche Bühnenkostüme. Sogar zwei Kronen wurden abgebildet. Kang erkannte eine von ihnen als leicht abgewandelte Kopie der englischen Königskrone.
      „Ihr beide verkörpert je einen Prinzen. Eure Geschichte lautet wie folgt.“ Ein Video startete für alle sichtbar über den Projektor. Die angenehme Stimme einer jungen Frau erzählte das Märchen zweier Prinzen, die eine gemeinsame, behütete Kindheit verlebten. Sie waren durch jedes Abenteuer zusammen gegangen und hatten sich stets die Treue geschworen. Doch als sie älter wurden, veränderte sich ihre Sicht auf die Dinge und sie entfernten sich voneinander. Als erwachsene Männer schließlich standen sie sich im Kampf um den Thron gegenüber.
      Das Video zeigte verschiedene, ausgeklügelte Kulissen: ein Schloss, einen Labyrinthgarten, einen Pavillon zwischen Rosen, einen dunklen Wald, ein Schlachtfeld und zuletzt einen prächtigen Thron, dessen Sitz mit Samt bezogen war. Kang vermutete, dass in den Studioräumen der Agentur bereits entsprechende Sets aufgebaut worden waren. Er wickelte sein Jackett enger um sich. Ohne seinen gefütterten Mantel war ihm, wie so oft, zu kalt. Zum Glück hatte er noch den karierten Schal. Unauffällig zupfte er ein wenig daran herum und zog ihn sich über das Kinn. Die Klimaanlage hielt ihre stabilen 22 Grad, aber er fühlte sich, als wäre er in der Arktis gelandet. Schon jetzt sehnte er sich danach, später ein warmes Mittagessen zu sich zu nehmen, nach dem er sich oft besser fühlte. Die Lust stand ihm nach Japchae. Während er leise vor sich hinträumte, ging die Präsentation im Hintergrund seelenruhig weiter.
      „Zum Schluss werden sich die beiden versöhnen und sich näher stehen, als je zuvor. Das symbolisiert auch den großartigen Deal, den wir aushandeln konnten, um Jumin bei uns zu haben.“ Gim grinste breit.
      Seoji wischte aufgeregt auf dem Tablet hin und her, um sich die Bilder erneut anzusehen. „Und wie bekommen wir das zeitlich geregelt? Was genau wird das Endprodukt?“, wollte er wissen. Ein anerkennendes Nicken von Gim folgte. „Gute Frage. Exzellente Frage. Wir produzieren ein Minialbum für die beiden. Jeder zwei Solosongs, am Ende ein gemeinsamer Song. Sie folgen inhaltlich den verschiedenen Stufen der Geschichte.“ Kang blickte zu ihm. „Herr Gim, Sie wissen dass ich im Normalfall alle meine Texte selbst schreibe. Wie soll das-“
      „Das wird kein Problem sein.“, unterbrach ihn Gim, „Du wirst auch weiterhin das tun, was du so gut kannst. Du und Jumin, ihr werdet eure Texte gemeinsam verfassen, wir lassen euch die gesamte kreative Freiheit. Für jeden Song wird es auch ein Video geben, was natürlich vor allem durch das Phänomen „Yuno“ getragen werden soll. Seine Tanzkünste sind herausragend, er wird die Choreographien für euch entwerfen. Für den Fall dass ihr Hilfe braucht, werdet ihr aber selbstverständlich professionelle Coaches bekommen.“
      Kang zog hinter dem Schal die Mundwinkel nach unten. Das hörte sich nach einer Menge Arbeit an, die ihm eher weniger gefallen würde. Er hatte eher gehofft, in den nächsten Monaten ein weiteres TV-Drama spielen zu können und sich eventuell somit langfristig als Schauspieler etablieren zu können. Letztendlich lag sein Schicksal aber in den Händen derer, die mit ihm am Tisch saßen. Er musterte die Gesichter von Sehun und Jumin, konnte sich aber keinen Reim darauf machen, wie sie zu dem Projekt standen.
      „Das war noch nicht alles. Es wird noch ein großes Finale geben.“ Alle Köpfe drehten sich automatisch zu Gim. „Am Ende wird das Album in zwei Editionen verkauft – eine für jeden von euch. Und wer die meisten davon verkauft, bekommt den größten Auftrag, den wir je in dieser Agentur ausgehandelt haben. Einer von euch bekommt eine Kampagne für zwei der größten koreanischen Marken: Samsung und Hyundai. Je nachdem wie gut ihr euch verkauft, stehen auch Deals mit amerikanischen Firmen im Raum.“
      „Das heißt, wer auch immer das Ganze gewinnt, wird das neue Aushängeschild für Sie, für Korea und eventuell weltweit bekannt.“, fasste Kang zusammen. Seine braunen Augen glühten beinahe, als er zu Jumin blickte. Blaue Haare, blaue Augen, er sah aus wie ein Eiskönig und Kang selbst wollte das Feuer sein, dass diesen Kerl nicht nur auftauen, sondern auch vernichten würde. In ihm brannte der Ehrgeiz bereits jetzt stärker, als bei jedem anderen Job zuvor. Nicht umsonst hatte er alles hinter sich gelassen, nicht umsonst war er so weit gekommen. Seine Hände hielten das Tablet so fest umklammert, dass ein leise knackte. Seoji legte ihm eine Hand auf die Schulter, um ihn zu beruhigen.
    • ____ Jumin ____

      Jumin wusste, dass er nach Außen wie der arroganteste Kerl dieses ganzen beknackten Planeten herüberkam, aber eigentlich wollte er das gar nicht. Im Grunde war er gar nicht so unfreundlich wie er meistens den Anschein machte, er tat sich nur unglaublich schwer mit anderen Leuten. Vor der Kamera, wenn er in eine andere Rolle, ein anderes Ich schlüpfte, konnte er sich fallen lassen. Er konnte in ein Leben flüchten und war Meilen weit von seinem eigenen entfernt. Im Privaten jedoch war er wirklich unsicher und so albern es auch sein mochte, allein das er seinen Kaffee nun wieder in der Hand hielt und so etwas mit seinen Händen tun konnte, beruhigte ihn. Er hatte sich bereits daran gewöhnt, dass die Leute ihn nur wegen seines Aussehens mochten, was zählte da schon sein Charakter? Die meisten machten sich ohnehin nicht die Mühe ihn kennenzulernen und wenn man eines von Korea wusste, dann war es das man Perfektion nach Außen hin zeigen musste. Gutes Aussehen allein war das A und O und man musste sich so präsentieren, wie es die Fanbase eben wollte. Man hielt sein Image aufrecht und für eine eigene Denkweise blieb da nicht sonderlich viel Zeit. Man durfte ihn nicht falsch verstehen, er war dankbar, dass er diese Chance bekam, dass sein kleines unbedeutendes Leben endlich eine Rolle spielte. Dass er existierte, aber er war keiner dieser typischen Promis. Er war kein Viktor, der förmlich dafür geboren war ein Star zu sein. Nein, alles, was Jumin wollte, war zu singen, zu tanzen oder sich gar der Schauspielerei zu widmen. Er wollte seinem Traum folgen, dafür brauchte er gar nicht so beliebt zu sein. Solange er das tun konnte, was ihn erfüllte, ihn antrieb und einen Lebenssinn gab. Sehun hatte ihm dieses Leben geschenkt und für seinen Manager ertrug er auch all die Interviews, die er so hasste, er ertrug es hier zu sitzen mit großen Größen, die ihn so verunsicherten, dass er gar kein anständiges Wort herausbrachte. Er wollte nicht das Rampenlicht, aber er wollte diesen Traum leben. Es war ziemlich widersprüchlich, da er das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit brauchte, damit er eben das tun konnte, was er so liebte. Er konnte nicht entweder das eine oder das andere haben und das hatte Jumin zu akzeptieren gelernt. Man konnte eben nicht nur tun was einem Spaß machte. Er würde also auch lernen müssen mit Viktor zu arbeiten, der quasi die Interpretation eines perfekten koreanischen Idols war. Er konnte alles, sah gut aus und seine Fans liebten ihn. In Interviews sagte er immer das Richtige und ihm schien dieses Zahnpastalächeln förmlich ins Gesicht geklebt worden zu sein. Jumin wusste nicht, ob er den Kerl dafür bewunderte oder verabscheute.
      Auf ihren Tablets erschienen plötzlich zwei Fotos, eines von ihm und eines von Viktor. Zwei perfekte Schnappschüsse und man erkannte auf dem Bild von Jumin sofort den Widerspruch. Vor der Kamera war er wie er sein wollte und in der Realität war er dieses unsichere Häufchen Elend, welches nach Außen desinteressiert und arrogant wirkte, während es innerlich vor Nervosität am liebsten kotzen würde. Um es mal sehr elegant auszudrücken. Vor der Kamera jedoch posierte er, in seinen saphirblauen Augen funkelte ein Glanz, ein eiskaltes Feuer. Seine Lippen zu seinem sündigen Lächeln geformt, sinnlich und voller Verlangen. Vielleicht war er ja insgeheim irgendwie schizophren verlangt? Merkwürdige Vorstellung. Wahrscheinlich hatte er die letzte Nacht einfach zu viele Webcomics gelesen. Wo war er eigentlich bei dieser einen Geschichte stehen geblieben? Er musste Zuhause unbedingt nachsehen. Herr Gim erzählte ihnen währenddessen was es mit ihrer eigentlichen Zusammenarbeit auf sich hatte. Das Konzept klang interessant und Jumin hatte eine Schwäche für Kostüme, auch wenn man ihm das nicht wirklich ansah - wie so vieles. Er blickte sich also das Ganze auf dem Tablet genauer an. "Es gefällt dir, oder?", schmunzelte Sehun mit einem leisen Flüstern seinem Schützling zu. Ein leichtes Lächeln lag auf den schönen Lippen des blauhaarigen jungen Mannes. Sein Manager war der einzige Mensch auf dieser Welt der hinter seine Fassade sehen konnte, er in seinem gelangweilten Blick das Interesse erkannte und dafür liebte Jumin ihn aufrichtig. "Ja.", antwortete er knapp. Das Setting gefiel ihm tatsächlich sogar sehr. Jumin fand Fantasy ziemlich cool und vielleicht konnte man das Ganze ja damit auch noch etwas ausschmücken. Wären magische Kräfte nicht ziemlich interessant? Er wusste das man ihm mit dem Eis kategorisierte und zugegeben gefiel ihm der Gedanke eines Eiskönigs ganz gut. Wenn er sich Viktor so ansah, erinnerte er ihn an ein Feuer. Aber diese Gedanken auszusprechen war albern, oder? Während Viktor seine Frage bezüglich den Texten stellte, wurden diese fast im selben Atemzug von ihrem Gegenüber beantwortet und auch festgelegt, dass er sich um die Choreografie kümmern sollte. Das war ihm mehr als nur Recht, wenn er etwas hasste, dann wenn Schrittfolgen einfach nur lausig waren und von irgendwelchen Choreografen kamen, die kaum ihre Beine hochbekamen. Gut, wenn er sich selbst darum kümmern würde. Nach dieser Aussage spürte er den Blick von Herrn Gim auf sich, der eine Reaktion von Jumin erwartete. Seine kühlen Augen richteten sich auf den Mann vor sich, der wohl Gefallen an diesen fand, da er sie förmlich fixierte. "Ich erwarte eine großartige Tanzperformance Yuno", richtete er das Wort an ihn. Jumin nickte "Ja." Ein überraschtes Blinzeln und dann ein Lachen. "Welch Zuversicht, gefällt mir. Keine Zweifel, keine Angst - hervorragend." daraufhin widmete er sich weiter der Story. Jumin wiederum nahm schnell einen Schluck von seinem Kaffee.
      Seine Aufmerksamkeit wurde allerdings wirklich geweckt als Herr Gim plötzlich vom eigentlichen Finale und der Challenge sprach. Wie bereits erwähnt war Jumin kein Freund des Rampenlichts, aber er liebte diese Arbeit. Er liebte das Singen, das Tanzen. Er liebte die Rollen, die er spielen konnte. Diese Welt, in der er nun lebte, gesehen wurde, lebte! Er würde nicht verlieren, er würde seinen Lebenssinn garantiert nicht verlieren und schon gar nicht wegen einem alt eingesessenen Promi, der langsam von seinem Thron weichen wollte. Das erste Mal an diesem Tag blickte Jumin also direkt in die Augen von Viktor. "Dann zeig mal was du kannst, alter Mann."


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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠

      Es war wie ein Eimer kaltes Wasser, das man ihm über den Kopf schüttete. Kangs Augen weiteten sich und eine seiner Augenbrauen zuckte. Hätte man ihn mit jemandem – oder etwas – vergleichen müsse, wäre es am ehesten eine sehr, sehr wütende Katze, der man auf den Schwanz getreten war.
      „Jetzt hör mal zu du-“, setzte er an, als ihm Seoji mit dem Eifer eines Teenie Cheerleaders ein Minzbonbon in den Rachen warf. Kang hustete, um sich nicht zu verschlucken. Er konnte den festen Griff seines Managers spüren, der ihm den Oberschenkel fast zerquetschte.
      Jeder wusste, was Viktors Ruf war. Steinreich, Weiberheld, schnelle Autos, im Privatleben ein absoluter Playboy und leicht cholerisch. Gerade Kang selbst wusste, was man seinem Alter Ego nachsagte. Außer Seoji und seiner kleinen Schwester ahnte niemand, was hinter dieser Fassade steckte.
      Kang hatte nicht umsonst 8 Jahre als Trainee verbracht – er war ein grottenschlechter Tänzer, er hatte eine schiefe Nase seit sie ihm mit 12 gebrochen worden war (und bis heute dankte er Gott und Gim, die manchmal die selbe Person zu sein schienen, für seine Schönheits-OP) und sein Temperament galt als unkontrollierbar, bevor er groß rauskam. Kaum jemand wusste, warum er mit 13 sein Elternhaus verlassen hatte und sich entschieden hatte, Idol zu werden. Meistens war es Kang auch egal, aber als er diesem Rotzlöffel von Newcomer in die Augen sah, der ohnehin nur zwei Jahre jünger war als er, hätte er ihm am Liebsten einen Schlag ins Gesicht verpasst. Er hatte den Spott nicht nur in Jumins Stimme triefen gehört, er war so greifbar, dass er ihn beinahe sehen konnte.
      „Entschuldigung.“, murmelte er leise zu Seoji. Der Druck auf seinem Oberschenkel ließ nach, hinterließ aber ein unangenehmes Gefühl. Den Blick zum Boden gesenkt und sein Bonbon lutschend, lauschte er dem Rest des Gespräches.

      Seoji lächelte erleichtert. Es war nie einfach gewesen, Kang zu mäßigen, aber im Laufe der Jahre hatte es sich stark gebessert. Man musste nur vermeiden, dass irgendwer seinen wunden Punkt traf – und der war die Vergänglichkeit seines Ruhmes und seiner Jugend. „Herr Gim, mir schien, als hätten Sie letzte Woche noch etwas anderes erwähnt. Ging es nicht um einen Standortwechsel?“
      Gim brummte zustimmend. „Korrekt.“ Er wandte sich zu Sehun. „Ich weiß nicht, wie es mit Yuno steht, aber Viktor wird seinen Wohnsitz in Daegu für die Produktionszeit verlassen. Wir hätten uns gewünscht, dass auch Sie darüber nachdenken, sich zu uns zu gesellen.“ Er deutete aus dem Fenster. Eines der Gebäude in der Nähe war ein im Vorjahr gebautes Luxushotel mit 45 Etagen. „Das Palace Hotel bietet einen Service, der seinesgleichen sucht und wir haben die oberste Etage inklusive der zwei Master Suiten für unsere Zwecke anmieten können. Sie und Ihr Schützling werden im vollen Rahmen umsorgt, auf unsere Kosten versteht sich. Wir hatten uns vorgestellt Viktor und Yuno gemeinsam dort einzuquartieren, um lange Fahrtwege und häufige Terminabsprachen zu vermeiden. Die Manager bekommen ihre eigenen Zimmer mit Arbeitsplatz im Stockwerk darunter, sofern gewünscht.“
      Es knackte laut. Kang war kreidebleich geworden, als er das Bonbon zerbiss. „Hast du davon gewusst!?“, zischte er zu Seoji. Dieser zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Du warst so lange nicht in Daegu und deine Villa wird ohnehin von Mihi in Schuss gehalten..“ Sein Gesicht war das eines liebenswerten Trottels, aber Kang würde ihm später noch ordentlich die Meinung geigen müssen. Er ahnte nur bereits, dass sein hab und Gut wahrscheinlich sowieso längst dorthin gebracht worden war.

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    • ____ Jumin ____

      Oh, ein wunder Punkt. Ehrlich gesagt hätte Jumin nicht damit gerechnet, dass das große Idol Viktor so leicht zu reizen war. Das würde interessant werden, denn auch wenn Jumin im Herzen schüchtern und sanft war, wenn es um seinen Traum ging, würde er kämpfen und er hatte gelernt, dies mit allen Mittel zu tun. Er hatte einen grausigen Start in sein neues Leben gehabt und wäre er nicht Sehun in die Arme gelaufen, hätte sein Werdegang schlimm enden können. Wahrscheinlich wäre er irgendwo in der Pornoindustrie drauf gegangen, denn das einzige, was er damals zu bieten hatte, war sein Aussehen und es war auch das einzige, dass ihn am Leben erhalten hatte. Jumin war kein Mensch der auf Optik wert legte, in seinen Augen konnte der schönste Mensch grottenhäßlich werden, wenn der Charakter es war und umgekehrt ging das natürlich auch. Es war amüsant das gerade er so dachte, er der sich nach außen nicht zeigte wie er eigentlich war und Viktor, DEN Viktor verdammt nochmal gerade als alten Sack betitelt hatte. "Yuno!" ermahnte ihn Sehun mit der liebevollen Strenge einer Mutter..äh eines Vaters. "Bitte verzeih ihm. Sein Ehrgeiz ist manchmal größer als es ihm gut tut.", entschuldigte sich Sehun für seinen Schützling sowohl bei Viktor als auch bei dessen Manager. Er hatte mit Jumin wirklich alle Hände voll zu tun. Der Blauhaarige wiederum nippte einfach nur an seinem Kaffee.

      Das Gespräch verlief danach weiter als wäre nie etwas vorgefallen. Als hätten ihre beiden Idols nicht gerade vor wenigen Sekunden versucht sich gegenseitig mit ihren Blicken zu erdolchen. Tja liebes Showgeschäft, hart im Nehmen war es ja wirklich. Als es aber plötzlich um einen Standortwechsel ging, hätte sich Yuno fast an seinem Kaffee verschluckt. Moment, was? "Ein Standortwechsel? Davon höre ich zum ersten Mal Herr Gim.", wagte sich Sehun langsam an dieses sensible Thema heran. Er wusste genau wie sehr seinem Schützling dieses Thema aufstoßen würde. Nun in dieser Hinsicht waren sie sich sogar sehr ähnlich. Er als Manager leidet unter dem seltenen Phänomen, der absoluten ´Ich-Hasse-Geschäftsreisen´Phobie. Nun man konnte nicht von einem menschlichen Wesen erwarten, dass es perfekt war, auch wenn Sehun in den Augen von Jumin sehr nah dran war. Der Blick von Jumin und Sehun wanderte fast synchron aus dem Fenster, während Gim vom wohl nobelsten Hotel in ganz Seoul sprach und natürlich würde es ihnen dort an nichts fehlen, was schon ein verlockendes Angebot war, zumal sie es nicht aus eigener Tasche zahlen mussten. Allerdings...
      "Nein", kam es knapp von Jumin, während Sehun gespielt lachend die Schulter des Jüngeren drückte. "Was er meint ist, welch großzügiges Angebot Herr Gim. Wir werden selbstverständlich darüber nachdenken."



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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠



      Gim musterte alle im Raum anwesenden Personen. "Gut. Ich erwarte Ihre Antwort in den nächsten zwei Tagen. Das ist alles, was ich Ihnen an Bedenkzeit geben kann."
      Kang seufzte. "Wie sieht der Zeitplan aus?" Seoji legte den Kopf schief. Auch er hatte bisher nur die Anweisung bekommen, keine weiteren Interview-Termine anzunehmen und Jobs möglichst weit in die Zukunft zu verlegen.
      "Heute nachmittag sollen sich Viktor und Yuno erst einmal zusammen setzen und sich einen Start überlegen. Da Viktor sich hier bereits auskennt, wird er ihm die Räumlichkeiten zeigen." Er wandte sich direkt an Kang: "Die Kulissen können auch bereits besucht werden, vielleicht wollt ihr auch ein Fitting für einige der Kostüme unterbringen? Das Stylisten-Team steht euch zur Verfügung. Der Regisseur wäre auch ab 16 Uhr im Haus, falls ihr noch Ideen für die Videos haben solltet."
      Gim warf Kang eine Keycard zu. "Access all areas, nicht verlieren. Damit habt ihr auch nachts und an den Wochenenden Zutritt zum Gebäude und allen Räumen. Yuno, du bekommst deine eigene, falls du dich entscheiden solltest, im Palace Hotel unterzukommen. Bis dahin halte dich bitte an Viktor."
      Kang schaute wieder zu Jumin. Für einen Augenblick konnte er eine leichte Panik in dessen Blick aufflackern sehen. Hinter seinem Schal verborgen biss sich Kang auf die Lippe. Vielleicht war der Junge doch kein Großmaul? Er schaute ein bisschen wie seine kleine Schwester drein, fand Kang, und unterdrückte einen latenten Beschützerinstinkt. Sehun schien ein kompetenter Manager zu sein und Kang hoffte, er würde die Zusammenarbeit in die richtige Richtung lenken. Nichts war schlimmer, als kreative Differenzen oder die Kollision von Privatleben und Geschäft. Auch wenn es nicht unbedingt verlockend klang, mit einem Provokateur wie Jumin den Wohnraum zu teilen, es könnte sich durchaus aus nützlich herausstellen. Zumal anzunehmen war, dass das Hotel eine dermaßen große Suite für jeden von Ihnen hatte, dass sie sich vermutlich nie begegnen würden, außer im Fahrstuhl.
      Seoji, der fleißig auf seinem Smartphone herumgewischt hatte, brabbelte einfach drauf los. "Wie sehen die Vertragsangelegenheiten aus? Und wann startet die Produktion denn?" Mit einem leichten Wink in Sehuns Richtung wollte er andeuten, dass er gerne noch gewusst hätte, wie viel Geld jeder von ihnen für diese Angelegenheit bekam. Seojis Frau hatte nach der Heirat 4 wundervolle Kinder in die Welt gesetzt und seitdem nicht mehr gearbeitet. Kang wusste, dass sie eine liebe und treue Seele war, er hatte schon oft mit Seojis Familie zu Abend gegessen, wenn er keine Jobs hatte und es ihm einsam geworden war, aber die älteste Tochter wollte an einer renommierten Uni studieren und Seojis einziger Sohn hatte gerade die Mittelschule beendet und wollte im Ausland seinen Abschluss machen. Für Männer wie seinen Manager hing alles am Geld, nicht, weil er gierig war, sondern weil er nur das Beste für seine Liebsten wollte.
      Gims Assistentin reichte sowohl Sehun als auch Seoji einen dicken ledernen Hefter mit einem Stapel an Dokumenten, der nach etwa 300 Seiten Papier aussah. "Ich schlage vor, dass wir das ohne unsere beiden Sternchen klären. Was meinen Sie, Sehun?"

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    • ____ Jumin ____

      "Aber natürlich. Vielen Dank für ihre Geduld." lächelte Sehun charmant und drückte noch immer leicht die Schulter von Jumin. Wenn er so weiter machte, gab das noch einen blauen Fleck. "Bedanke dich Yuno", murmelte er lediglich. "Danke", kam es dann knapp darauf von Jumin, was Sehun nur verzweifelt Seufzen ließ. Ja, das würde echt Arbeit werden. Vielleicht sollte Sehun einfach konstant eine Kamera mit sich herumtragen, vor der Linse war der Blauhaarige wirklich ein ganz anderer Mensch. Sehun allerdings wusste, dass Jumin sich sehr wohl bewusst war, was für eine riesige Chance dies für ihn war. Bislang war Yuno nur als Model halbwegs bekannt gewesen, als Sehun ihn aus dieser schmierigen Agentur geholt hatte, hatte der junge Mann mit den unglaublich schönen blauen Augen sehr schnell Arbeit als Model bekommen und war heiß begehrt bei den hiesigen Modehäusern. Irgendwann hatte er Jumin einmal beobachtet wie dieser getanzt hatte und war vollkommen überwältigt gewesen. Sie hatten ein Video von ihm hochgeladen, in welchem zig Lieder und Tänze perfekt nach performt hatte von extrem großen Größen der Idolszene und das Video ging viral durch das komplette Netz. Plötzlich meldeten sich zig K-Pop Gruppen, um ihn als Backgroundtänzer anzuheuern und er durfte die ein oder andere Choreografie entwerfen. Ein Musikvideo war allerdings absolutes Neuland für Jumin. Er hatte eine schöne Stimme, aber in der Musikbranche hatte er bislang außer zum Tanzen noch keinen Fuß gesetzt. Sehun machte sich Sorgen, wie das bei einem so erfahren Idol wie Viktor ankommen würde. Immerhin mussten sie zusammenarbeiten und Jumin war alles andere umgänglich, wenn man ihn nicht besser kannte. Schauspielerei und Musik waren noch absolutes Neuland für den Newcomer und das würde die eigentliche Herausforderung werden. Was Sehun zumindest wusste war, dass Jumin absolut untalentiert war was Musikinstrumente anging, glücklicherweise kannte er keine Idolgruppe die mit Instrumenten hantierte außer es gehörte in ein Musikvideo. Wenigstens war der Ehrgeiz von Jumin ziemlich groß und er lernte schnell, das ließ Sehun hoffen, denn er hatte nicht verlauten lassen, dass Jumin keinerlei Erfahren mit Gesang und Schauspielerei hatte. Tanzen allerdings damit würde er punkten, also würden sie weder Jumin noch Sehun den Kopf abreisen. Zumindest hoffte der Brünette dies. Sein Blick lag immer noch ein wenig besorgt auf seinem Schützling, der in Seelenruhe seinen Kaffee trank und offenbar gerade feststellte, dass dieser kalt geworden war. Inzwischen unterhielt man sich weiter über das Hotel, die Proberäume und was dieses beeindruckende Label noch alles zu bieten hatte. Jumin kam trotz dessen das er dies doch von dem Studio mit Sehun kannte einfach nicht aus dem Staunen heraus. Natürlich zeigte er es nicht nach außen, aber er wusste, dass er, sobald die Tür hinter ihm geschlossen war vor Aufregung im Kreis hüpfen. Jetzt jedenfalls nickte er lediglich aufmerksam, dass er zugehört hatte und war froh, dass der Rest wohl unter den Managern besprochen wurde. "Ja, ich glaube die Jungs sollten sich nun darauf konzentrieren sich besser kennenzulernen, während wir den langweiligen Teil übernehmen", schmunzelte Sehun. Er wuschelte Jumin liebevoll durch das Haar. "Geh schon, wir sehen uns heute Abend." Jumin erhob sich lediglich schweigend, verbeugte sich aber höflich vor den anderen. "Ach Yuno?" Der Blauhaarige blieb stehen und sah zu seinem Manager. "Sei nett."
      Jumin antwortete darauf nicht, blickte kurz zu Viktor, da er nicht genau wusste, ob dieser nun ebenfalls dem Raum verließ oder nicht und ging dann nach draußen.

      Jumins Tanzvideo (Felix *-*)



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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠


      Kang registrierte den enttäuschten Gesichtsausdruck, als Jumin seinen kalten Kaffee begutachtete. Als der Blauhaarige den Raum verließ, verneigte er sich kurz und eilte ihm direkt hinterher.
      "Sei nett.", diesen Satz hatte er heute schon überdurchschnittlich oft aus Sehuns Mund gehört und es war noch nicht einmal 10 Uhr. Als die Tür hinter den beiden Idols ins Schloss fiel, wandte sich Kang mit einem charmanten Lächeln an Jumin. "Wie ich sehe, hat dein Getränk offenbar seine Dienste versagt. Falls du Lust hast, können wir dir ein besseres besorgen. Ich lade dich ein.", schlug er vor.
      Man sollte seinen Liebsten nah sein und seinen Feinden noch näher, dachte er sich. Es war ja nicht so, als hätte er viele Freunde aber Feinde wohl genug.
      Mit einem eleganten Schwung zog er sich seine Jacke über und betätigte den Knopf des Fahrstuhls. Die Security Leute, die Gims Büro bewachten, standen regungslos neben der Tür und gafften ins Nichts.
      "Gruselig, oder? Manchmal frage ich mich, ob sie stumm sind. Hab' die noch nie sprechen gehört." Er zog sein Handy aus der Hosentasche und tippte etwas ein. Jumin schien nicht zur gesprächigen Sorte zu gehören, aber er würde diese Nuss sicherlich knacken. Der Fahrstuhl öffnete sich und die leise dudelnde Fahrstuhlmusik war zu hören. Kang trat einen Schritt nach vorne und wartete ab, ob Jumin ihm folgen würde. So lethargisch er auch wirkte, irgendwie musste man ihn aus der Reserve locken können. Das Handy hatte endlich das Video geladen, das kang gesucht hatte. Er drückte auf Play. Es war das berühmte virale Video von Yuno beim Tanzen. Mit einem schmunzeln drehte er sich leicht zur Seite. "War schon beeindruckend, das muss ich zugeben. Ein paar Dinge hast du mir definitiv voraus."


      Kang hatte inzwischen zwar ein grundlegendes Verständnis für Bewegung erlangt, aber er gehörte zu den schwächeren Tänzern der Agentur. Dafür hatte er andere Qualitäten, fand er, wie seine Schauspielerei und die klassisch musikalische Ausbildung. Aber auch sein mangelndes Körpergefühl würde ihn nicht davon abhalten, dieses Spielchen gegen den Newcomer zu gewinnen und ihn damit in seine Schranken zu verweisen. "Glaub nicht, dass ich dich gewinnen lasse.", raunte er in Jumins Richtung.
    • ____ Jumin ____

      Gerade als Jumin nochmal Review alles abspielen wollte, was er darin gerade verbrochen hatte, angefangen das er eines der größten Idols aktuell einen alten Sack genannte bis hin zu einmal knallharten Nein seinem neuen Chef gegenüber, wurde er unterbrochen. Jumin bekam also erst später die Gelegenheit dazu sich unter der Bettdecke zu verstecken und Sehun die Ohren vollzuheulen. Er hatte Schritte hinter sich vernommen, gefolgt von einer ihm bekannten Stimme die ihm gefolgt war. Mit einem neutralen Gesichtsausdruck, während er innerlich glaubte gerade irgendwie mal eben explodiert zu sein, sah er zu Viktor. Dieser Mann würde also sein Partner, aber auch sein größter Rivale werden. "Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, verbünde dich mit ihm mh?", entgegnete er Viktor trocken, sah ihm dabei aber direkt in die Augen ehe sein Blick auf seinen kalten Kaffee wanderte. "Ich möchte tatsächlich Kaffee...." Jumin hatte seine dunkelrote Lederjacke während des Gesprächs nicht ausgezogen, da sie eben zu seinem Outfit gehörte und so musste er sich auch keine Jacke unterwegs von der Garderobe fischen als sie an den Security-Männern vorbeiging. Zwei Kerle genauso breit wie hoch, mit klischeehaften schwarzen Anzügen und passenden Sonnenbrillen. Sie erinnerten Jumin ein wenig an die Typen von Men in Black. Wäre ja cool, wenn jetzt auch solche Wesen herumliefen und die Kerle plötzlich in Aktion traten. Ja, eindeutig zu viele Webcomics. Als Victor davon sprach, dass die Kerle ja doch irgendwie etwas Unheimliches an sich hatten, sah sich Jumin die beiden genauer an. "Ich denke, wenn du ihnen auf den Fuß trittst, würden sie sicherlich reagieren." daraufhin legte sich ein spielerisches Grinsen auf seine Lippen, ehe er dann doch entschied lieber in den Fahrstuhl zu steigen. Als er so neben Viktor stand, fiel ihm erst jetzt auf, dass er größer als er war. Erstaunlich, dabei wirkte Viktor immer so groß, was aber vielleicht auch einfach an seiner unglaublichen Präsenz lag. Machte wohl das lange Showgeschäft aus einem. Aus den Augenwinkeln erkannte er sein Video, dass sich das Idol neben ihm gerade ansah. Er erinnerte sich gut daran und es hatte unglaublich Spaß gemacht. Es war vollkommen ungezwungen gewesen, einfach aus Spaß und ohne besonderen Hintergedanken. Es war erstaunlich, wie schnell dieses Video Anklang gefunden hatte und die Leute daraufhin anfingen ihn zu erkennen. Er ließ den anderen einfach mal Reden während sie im Aufzug standen und sie die Stockwerke wieder hinunterfuhren. Der Blauhaarige blickte aus dem gläsernen Fahrstuhl, beobachtete wie die Häuser wieder größer wurden, die Dächer und Straßen näher kamen und die Höhe langsam schwand, während Viktor weiter sprach. Erst bei seinen letzten Worten, die mehr nach einer Kampfansage klangen, hatte er innegehalten, gerade als das vertraute ´Bing´ertönte und er aus dem Fahrstuhl steigen wollte. Sein Blick wanderte noch einmal zu dem Älteren. "Mhhh? ~." säuselte er in einem Singsang-Ton. "Dann bin ich gespannt, ob du nicht nur reden kannst, sondern auch Taten folgen lässt....Vic." Mit einem Grinsen verließ er also den Aufzug.



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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠


      Kang schnaubte belustigt. "Hab ich noch nicht versucht, aber ich wette Gim würde es sogar erlauben, wenn ich sie trete."
      Dieser kleine Eisbrocken schien ja doch einen Funken Humor zu besitzen.
      Als er auf seine Stichelei reagierte, war Kang erneut überrascht. Dieser Singsang, das klang nicht nach dem Zombie, dessen Antworten bis eben noch monoton und einsilbig gewesen waren. Ihm gefiel der Klang dieser Worte. Vermutlich hatte Jumin eine sehr angenehme Gesangsstimme, die mehr als eine Oktave umfassen konnte. Mit dem richtigen Vocal Coach konnte man daraus bezaubernde Töne hervorlocken, dachte Kang. "Davon wirst du dich ja noch überzeugen können, schätze ich. Es sei denn du machst einen Rückzieher.", antwortete er ihm, als sie den Fahrstuhl verließen. Die beiden traten gemeinsam aus dem Gebäude. Vor ihnen erstreckte sich Seoul in seiner ganzen Pracht. "Wo kommst du eigentlich her? Wenn Gim dich umsiedeln will, wohnst du vermutlich nicht hier?" Kang packte Jumin am Kragen, als dieser in die falsche Richtung gehen wollte. "Hier lang. Du wirst es nicht bereuen." Er schob seine Hände in die Jackentaschen und fragte sich, wieso er sofort wieder frieren musste, als er aus der Eingangshalle nach draußen gekommen war. Der Herbst war auch nicht mehr das, was er früher gewesen war. Aus dem Augenwinkel stellte Kang fest, dass Jumin größer als er war. Unbefriedigt wegen dieser Feststellung zuckte sein Mundwinkel leicht. "Hast du eine Sonnenbrille dabei oder eine Maske? Du bist ziemlich auffällig. Das Café zu dem wir gehen, ist zwar sehr diskret, aber wir befinden uns in der morgendlichen Rush hour und ich befürchte, man wird dich erkennen." Aus den tiefen seiner Jacke fischte Kang ein Brillenetui heraus und setze seine Ray Ban auf. Der Schal würde sein Übriges tun, um das Gesicht zu verdecken. Einige Passanten warfen neugierige Blicke zu dem kuriosen Duo, das Seite an Seite die Straße entlang schlenderte. Zum Glück hatte noch niemand eine Kamera gezückt. Kang hasste es, wenn er erkannt wurde. Sobald alle nur noch "VICTOOOOR" kreischten, war sein Tag im Normalfall ruiniert. Wann immer er konnte, ließ er seinen Chauffeur bestellen und sich zum gewünschten Ziel fahren, aber sein geliebtes kleines Café würde nur unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn er mit einem Wagen der Agentur vorfuhr. Verdunkelte Scheiben und Chauffeure waren zu leicht zu erkennen, wenn es um den Promistatus ging.
      "Seid ihr eigentlich her geflogen? Mit dem Auto? Ihr seid vermutlich wirlich früh aufgebrochen. Oder wart ihr bereits vorher hier?" Kang hatte sich nicht nehmen lassen, nebenbei den Social Media Account von Yuno zu durchforsten. Es sah nicht so aus, als wäre er in den letzten Tagen irgendwo öffentlich gesehen worden. Von seinem Wechsel zur Konkurrenz wurde auch noch nicht berichtet. Vermutlich würde es bald eine Pressekonferenz geben, die das ganze Projekt vorstellen würde. Der Trubel danach wäre nicht auszudenken.
      Eine leichte Brise pfiff Kang um die Ohren. Er schüttelte sich und wünschte, er säße irgendwo neben einem Heizlüfter. Jumin hingegen sah nicht besonders verkühlt aus, obwohl er die ganze Zeit seine Jacke exakt so trug, wie er es in Gims Büro schon getan hatte. "Vielleicht werde ich ja doch alt.." Ein furchtbarer Gedanke. Je älter er wurde, desto näher rückte für Kang auch sein Militärdienst. Theoretisch hatte er noch beinahe 4 Jahre Zeit, aber die Realität sah anders aus. Sobald seine Karriere einen Knick erleiden würde, würde man ihm eine Zwangspause verdonnern und ihn zur Armee senden, das war ihm klar. Deswegen durfte er auf keinen Fall zulassen, dass jemand wie Jumin ihm den Rang ablief. Er brauchte einfach mehr Zeit...
    • ____ Jumin ____

      Bevor er in den Aufzug gestiegen war, hatte er nach der Aussage von Kang, dass dieser Gim wahrscheinlich nicht einmal böse wäre, einen Moment auf die Schuhe der Wachleute geblickt, welche so perfekt durch das künstliche Licht der überdimensionalen Lampe glänzten. Allerdings erklang die mahnende Stimme von Sehun in seinen Gedanken, dass er nett sein sollte und er versuchte den Drang zu unterdrücken, es vielleicht einmal auszuprobieren. Das allerdings Viktor, der ja nicht unbedingt gerade der spaßigste Zeitgenosse zu sein schien so kontaktfreudig erschien und ihn zu quasselte, nun das hatte ihn überrascht. Jumin fühlte sich fast wie jemand, dem dieses Idol versuchte etwas zu verkaufen. Kang der Staubsaugervertreter oder so. Der Kerl verkaufte sich auf einer Ebene, für welche Jumin noch deutlich länger im Geschäft sein musste um daran heranzureichen. Jumin aka Yuno wusste wie er sein Äußeres vermarkten konnte, aber nicht wie er auch seinen miesen Charakter in Watte packen konnte. Vor der Kamera ja, aber außerhalb. Viktor schien konstant diese Rolle spielen zu können. Sollte er das nun bewundernswert oder traurig finden? "Ich mache nie einen Rückzieher, egal um was es geht", antwortete Yuno Jumin ziemlich trocken und ging eigentlich davon aus, dass das Gespräch nach Verlassen des Aufzuges damit erledigt war und Viktor lediglich das mit dem Kaffee nur so dahin gesagt hatte. Da Viktor...oder Kang, wie sollte er ihn eigentlich nennen aber einfach nicht aufhören wollte zu reden, hatte er beschlossen das Gespräch einfach mal zu beenden, in dem er das Weite suchte, wurde aber auf interessante Art zurückgezogen. Am Kragen ....wie ein Kind. "Wenn Leute etwas nicht bereuen sollen, zerrst du sie dann immer am Kragen durch die Gegend?", murmelte Jumin seufzend entschied aber dann doch, dass er dem Idol folgen sollte. Er rollte bei der Frage ein wenig mit den saphirblauen Augen. Ja, er war bei Weitem nicht so bekannt wie Viktor und noch nicht allzu lange in dieser Branche, aber das er versuchen sollte unerkannt zu bleiben war ihm durchaus ebenfalls bewusst. Für was hielt ihn der Typ eigentlich, maximal bescheuert? Hoffentlich kackt dem Kerl ein Vogel auf dem Kopf, dann gäbe es wenigstens etwas zu lachen.
      ´Nett sein Jumin ´.
      ...
      Er setzte also eine große schwarze Sonnenbrille auf, die er mal von einem Shooting von der koreanischen Modemarke Gentlemonster geschenkt bekommen hatte und versteckte damit seine leuchtenden Augen. Jetzt konnte er den Kerl wenigstens vorwurfsvoll ansehen - super Erfindung so eine Sonnenbrille. Jumin schlenderte also durch die befüllten Straßen von Seoul, während Kang/Viktor ihn weiterhin zu quasselte und Jumin sich fragte, ob der Kerl auch mal Luft holte. Aber vielleicht gehörte der Kerl auch einfach zu der Sorte Mensch, welche sich gerne reden hörten? Sie gaben sicher ein ziemlich schräges Bild ab, während sie so durch die Straßen liefen, auch wenn man meinen sollte, dass es in dieser Stadt schon alles gibt. Es hinderte vor allem die Mädchen nicht daran ihnen tuschelnd nachzusehen. Da sie aber irgendwann nur noch schauen würden, weil Viktor gerade mehr mit sich selbst sprach, sollte er ihm antworten. Gott Jumin würde sich abends verfluchen wie unfreundlich er wieder gewesen war.
      "Ich komme aus Busan, wir sind mit dem Auto von Sehun hergefahren. Ich habe die komplette Fahrt über geschlafen, aber offenbar waren wir knapp 4 Stunden unterwegs", antwortete ihm Jumin also und reagierte erst wirklich vernünftig, als Kang wohl eher unabsichtlich verlauten ließ, dass er alt wurde. Erst sah er den anderen einen Moment perplex an, ehe er sich kichernd zur Seite drehte. Das hatte er jetzt echt nicht erwartet.


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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠


      Na klasse, Jumin hatte ihn gehört und war sich offenbar dieses Mal für eine Reaktion nicht zu schade. "Jaja, lach mich ruhig aus, dass du mich für einen alten Sack hältst, weiß ich ja schon." Kang rollte mit den Augen. Einer der Vorteile, wenn man Sonnenbrille trug. Er konnte sich ein Schnauben nicht verkneifen, aber dann lächelte er. Ausnahmsweise ein ehrliches Lächeln, keines von den professionellen "Ich ruf' dich nachher an, Sweetheart"-Lächeln, die er sonst aufsetzte. "Ich weiß, dass ich dich zutexte und dass du vermutlich Besseres zu tun hast, als mir zuzuhören, aber wenn wir die nächsten Wochen und Monate zusammen arbeiten, sollte ich dich wenigstens ein bisschen kennen, denke ich." Er linste zu Jumin rüber. Möglicherweise konnten sie wenigstens ein kollegiales Verhältnis entwickeln, sonst sah Kang schwarz für das ganze Projekt. Unabhängig davon, wer gewinnen würde. Das Bild nach außen war das wichtigste, nicht, wer man wirklich war. Diese Person, das wahre Ich, konnte man sich für später aufheben, wenn man den Idoljob an den Nagel hängte und sich zur Ruhe setzte.
      "Da drüben ist der Laden." Er nickte zu einem schmalen Schaufenster, dessen Ornamentik an den Jugendstil erinnerte. Fast die gesamte Glasfläche war mit Blumen und Topfpflanzen zugestellt. In der Erwartung, dass ihm der Blauhaarige schon noch folgen würde, schlenderte Kang zur Tür. Ein kleines Glöckchen bimmelte, als er eintrat. Innen war es warm und gemütlich. Anstelle der typischen Café-Möbel fanden sich dort Sofas und urige Ohrensessel. Bis auf zwei ältere Herren, die Zeitung lasen, war niemand außer dem Personal dort. Die Bedienung am Tresen verbeugte sich höflich. "Willkommen zurück, Herr Moon." Kang winkte kurz und setzte sich dann auf eines der Sofas, neben dem ein runder kleiner Beistelltisch stand. "Asuko, die Karte bitte. Und wir sind dieses Mal zu zweit."
      Er wartete nur noch darauf, dass sich Jumin zu ihm gesellte. Insgeheim hatte er das leise Gefühl, der Banause hatte sich vorhin aus dem Staub machen wollen und Kang hoffte, dass er das jetzt nicht nachholte. Gerade als er schauen wollte, wo sein Anhängsel blieb, bekam er eine Nachricht auf seiner Smartwatch angezeigt. Nachdenklich die Augenbrauen runzelnd beugte er sich nach vorne und stützte die Arme auf den Knien ab. "Bitte nicht... nicht jetzt..." Er raufte sich die Haare. Es gab nur zwei Gründe, warum er Nachrichten von dieser Person erhalten würde. Einer davon war, dass der unwahrscheinliche Fall eintrat und Kang heiraten würde und der andere war ein Todesfall. Da er wusste, dass bei ihm keine Vermählung ins Haus stand, konnte das Nichts Gutes bedeuten. Etwas blass um die Nase geworden, blätterte er die Nachricht weiter nach unten, um das Ende zu lesen.
    • ____ Jumin ____
      Nun es gab sicherlich deutlich bessere Möglichkeiten sich mit jemanden wenigstens ansatzweise zu vertragen, als die Person unbedingt auszulachen, aber mal ehrlich er hatte damit nicht gerechnet. Die Aussage kam so trocken und vor allem so, als wäre sich Kang selbst nicht einmal bewusst, dass er das gerade laut gesagt hatte, das Jumin gar nicht anders konnte als zu lachen. Nun eher gesagt hatte er sich ein wenig zu unmännlich zur Seite gedreht und die Hand vor den Mund gehalten, damit sein Kichern nicht auf der kompletten Straße zu hören war. "Ich lache dich an....oder so", murmelte er aber immer noch das Lachen unterdrückend, da er seine Aussage ja gerade selbst nicht glaubte und Viktor nicht so doof war und ihm das abnehmen würde. Nun vielleicht würde der Nachmittag ja nur halb so schrecklich werden. Er folgte dem Kleineren also durch die befüllten Straßen, linste nebenher in einige der hübsch dekorierten Schaufenster, welche natürlich nur die neuste Mode präsentierten und entdeckte tatsächlich im Vorbeigehen eine extrem coole Biker-Lederjacke die er sich wohl auf dem Rückweg genauer ansehen würde. Eine junge Verkäuferin mit prachtvollen blonden Locken hatte wohl sein Interesse bemerkt und winkte ihm zu, während Jumin nur etwas perplex die Hand hob, sich aber schnell dazu entschloss Viktor zu folgen. Sie beide kamen an einem unerwartet niedlichen kleinen Café an. Wenn Jumin ehrlich war hatte er den großen Viktor immer für eines dieser Designopfer gehalten, mit einem Apple, fancy Designercafes und irgendwelchen schrägen Followern die ihm auf Schritt und Tritt nach dackelten, wie läufige Hunde. Aber dem war offenbar nicht so, zumindest im Moment, was Jumin positiv erstaunte. Viktor war zuerst in das kleine Gebäude getreten bevor ihm der Blauhaarige folgte, da Jumin mit Freude eine kleine Katzenstatue vor dem Haus entdeckte und das Café somit offiziell als gut kategorisierte. Eine Katze konnte nur etwas Positives bedeuten. Als er bemerkte das Viktor bereits im Café war, folgte er ihm und es erklang beim Betreten ein Glöckchen. Das Idol sprach gerade mit einer der Angestellten, welche an ihm vorbeisah, Jumin fixierte und nickte. Jumin entschied sich dieses Mal seine Jacke an der Garderobe aufzuhängen, sodass er nur noch in seinem zu großen Shirt verblieb, was in der heutigen Zeit ja schon wieder ganz cool war, die älteren Herren mit der Zeitung aber nur den Kopf schütteln ließ. Vielleicht galt die Reaktion aber auch dem übergroßen Kürbis, den man wohl entdeckt hatte, wie Jumin es beim Zurücklaufen in der Zeitung abgedruckt erkennen konnte. Als der Blauhaarige sich gerade zu Kang an den Platz setzen wollte, sah dieser irgendwie...nun angespannt aus. Könnte vielleicht auch am Raufen der Haare liegen. "Du siehst aus wie ein Gespenst", murmelte Jumin und setzte sich dem anderen gegenüber, als dieser starr auf sein Handy blickte. "Ist alles in Ordnung?"


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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠


      "Ich hätte es wissen müssen...", flüsterte er so leise, dass niemand es hören konnte. Für eine Sekunde, vielleicht auch für ein paar mehr Sekunden, stand die Welt um Kang völlig still. Er hörte nichts, er atmete nicht und die Farben vor seinen Augen tanzten wie bunte Flecken umher, nicht wie die Gegenstände, die sie waren. Jumins Stimme riss ihn aus dem Loch, in das sein Geist langsam abzudriften drohte. "Ich... ich denke nicht..." Die Worte krochen nur langsam über seine Lippen. Sein Gesicht war völlig leer, als er sich zu Jumin drehte. Wie er da so stand in seinem Shirt, mit seiner makellosen Haut und den hellen Haaren und Augen, leuchtete er beinahe ein bisschen. Es hatte etwas übernatürliches, ätherisches an sich. Kang neigte leicht den Kopf zur Seite. "Es tut mir leid. Unerwartete Nachrichten... ich denke, nach unserer Studiotour nachher muss ich mich etwas zeitiger verabschieden." Er räusperte sich hastig. Seine Fassung kehrte allmählich zurück und auch sein Mund war kein schmaler Strich mehr, vor Panik zusammen gekniffen, sondern ein ganz normales paar Lippen.
      Asuko trat zu den Beiden an den Tisch und reichte jedem von ihnen eine hübsche Karte. Der Umschlag war aus handgeschöpftem Karton und mit einem Aquarell bemalt. Es zeigte eine Katze, ähnlich der Statue vor der Tür. Asuko selbst trug eine hübsche, beige Bluse, eine große rose Schleife um den Hals und auf ihrer Schürze prangte ein Pfotenabdruck. "Herr Moon, Sie sehen aber übel aus heute... darf ich Ihnen einen Tee anbieten? Geht aufs Haus." Kang nickte. "Asuko, ich möchte dir unseren neuen Gast vorstellen. Ich bitte um die selbe Verschwiegenheit, wie bei mir, in Ordnung?" Seine Stimme war zärtlich und warm, als er mit ihr sprach. Asuko summte nur "Hm-hm!" und grinste. Seine Haare wieder zurecht zupfend wandte sich der zerzauste junge Mann an sein Gegenüber. "Jumin Choi, fühl dich hier wie zu Hause. Das "Maison du chat" ist die wahrgewordene Fantasie von Asuko Tamaki, die hier neben uns steht. Sie kam aus Japan hierher, nachdem sie dort jahrelang in einem Maid-Café gejobbt hat. Sie ist diskret, liebenswert und wann immer du einen Kaffee brauchst, der den von Starbucks um Längen schlägt, empfehle ich dir, ihr einen Besuch abzustatten. Das Essen ist aber auch nicht zu verachten. Vor allem die Yakisoba." Da war es wieder, das Zahnpastalächeln. Kang fühlte sich nicht danach, sich nach nicht einmal zwei Stunden einem quasi Unbekannten zu erklären, also war es einfacher, professionell zu bleiben. Er hoffte nur, dass Jumin sich daraus nicht zusammenreimen würde, dass er ein unaufrichtiger Mensch war. Im Gegenteil, Kang gehörte zu den sehr direkten Menschen. Früher war er oft angeeckt mit seinem ungefilterten Gebrabbel, bis ihn Seoji zu einer Benimmschule verdonnert hatte, um seine Karriere nicht zu gefährden. But business is business und ein Konkurrent wie Yuno könnte jede Schwäche nutzen, um ihn auszustechen. Dennoch behagte es Kang nicht, wie unangenehm die Spannung noch in der Luft lag.
    • ____ Jumin ____

      Jumin wirkte zwar nach außen hin wie ein echter Kotzbrocken, aber eigentlich war er ein sehr aufmerksamer und sanftmütiger Mensch, mehr als ihm lieb war. Vielleicht hatte er es einfach gewissen Umständen zu verdanken, dass er dieses desinteressierte monotone Auftreten, dass er nur geschaffen hatte, um einfach die Dinge an sich abprallen zu lassen, nicht mehr ablegen zu können.Er schaffte es nur, wenn er alleine war oder vor Sehun. Vor der Kamera war all das noch einmal eine andere Geschichte, aber das war im Moment nicht wichtig. Gerade weil Jumin ein sehr aufmerksamer Mensch war, hatte er Kang genau angesehen. Wie er so zusammen gekümmert auf dem Stuhl saß, kreidebleich als hätte er gerade einen Geist gesehen oder seinen Chef in einem rosa Ballettkleid. Was auch immer davon nun schlimmer war. Seine vollen Lippen glichen einem dünnen Bleistiftstrich und wenn er es sich nicht täuschte, dann zitterte er. "Willst du nicht lieber jetzt gehen? Ich werde das schon verkraften, es gibt hier schließlich Kaffee", antwortete Jumin ihm. Das war seine Art zu sagen ´ich sehe das es dir nicht gut geht, mach dir keine Gedanken´. Er war sich sicher, dass jemand wie Viktor das schon richtig deuten würde. Als die Kellnerin wieder zu ihnen kam, betrachtete Jumin sie einen Moment genauer und ignorierte eher was die beiden miteinander sprachen, weil er viel zu sehr abgelenkt war von dem niedlichen Pfotenabdruck auf der Schürze und dem Design der Karte. Seine Augen funkelten förmlich ein wenig. Als Jumin ihm erklärte, was es mit diesem Café auf sich hatte, hätte sich Jumin unter anderen Umständen gefreut davon zu hören, da er die japanische Küche der koreanischen schon immer vorgezogen hatte und daher eher weniger aus seiner Heimat aß, als er eigentlich sollte. Nur konnte er der Küche hier bis auf wenige Ausnahmen einfach nicht abgewinnen. Die Japaner trafen da deutlich mehr seinen Geschmack. Ob sie hier wohl Soba hatten? Die Tatsache aber das Kang ihn gerade mit diesem falschen Zahnpasta-Lächeln ansah, kotzte ihn an. Natürlich konnte er nicht erwarten, dass ihm das Idol mal eben sein Herz ausschüttete, würde Jumin natürlich auch nicht tun, aber konnte er dieses Lächeln nicht sein lassen? Damit lullte er seine Fans ein, aber Jumin hatte bei dem falschen Lächeln das Bedürfnis auf seine überteuerten Schuhe zu kotzen. "Du musst mir nicht erzählen was los ist, das würde ich nie von dir verlangen und es geht mich auch nichts an. Aber lass dieses Lächeln sein. Es ist schrecklich." entgegnete ihm Jumin während er die Karte weiter ansah und mit Freuden feststellte, dass auf jeder Seite irgendetwas in Katzenform zu sehen war.
      GAH! Er wollte doch nett sein! Verflucht. Er hörte schon gedanklich wie er von Sehun gescholten wurde.
      "Danke für die Empfehlung des Cafés. Es gefällt mir tatsächlich. Ich denke ich werde hier öfter herkommen." einen Moment ließ Jumin seinen Blick schweifen. "Ob sie hier auch echte Katzen haben?", murmelte er nachdenklich mehr zu sich selbst.


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    • ╣ Moon Kang-Dae ╠

      „Ich bin sicher, dass Gim mich nicht gehen lassen würde.“ Kang schätzte es, dass der vorher immer so abweisend wirkende Jumin sich anscheinend dazu entschieden hatte, mitfühlend mit ihm zu sein. Er war sich ziemlich sicher, dass der Blauhaarige definitiv einen guten Kern haben musste, er wusste wohl nur nicht, wie man ihn auch nach außen hin zeigte. Alleine das leichte Funkeln in seinen hübschen blauen Augen, als er die Karte studierte, freute Kang ein bisschen. Das war auch der Grund, wieso er lieber wieder ein Lächeln aufsetzen wollte. Es sollte seinen jüngeren Kollegen nicht bekümmern müssen, was in Kangs Privatleben passierte. Gim und Seoji würden es vermutlich sowieso erwähnen.. oder eher erwähnen müssen. Er fragte sich, ob sie es schon erfahren hatten und ihm absichtlich nichts gesagt hatten, oder ob ihnen in den nächsten Stunden eine sehr unglückliche Person die Nachricht überbringen musste.
      Das Lächeln in Kangs Gesicht fror ein.Schrecklich. Ja, es war schrecklich sich verstellen zu müssen, schrecklich zu wissen, dass tausende Menschen ihn nur wegen seines falschen Lächelns überhaupt „mochten“. Und schrecklich war auch das, was er eben gelesen hatte. Trotzdem waren Jumins Worte wie ein Schlag in die Magengrube. Kang stand auf, ging zu den älteren Herren mit der Zeitung und riss das Blatt an sich, woraufhin der nun zeitungslose Herr empört ein leises „Na sowas!“ ausstieß und der andere den Kopf schüttelte. Kang brauchte nicht lange zu blättern, bis er fand, was er suchte. Der Riesenkürbis war auf der Rückseite dessen abgedruckt, was er Jumin zeigen wollte. Wortlos klatschte er seinem jüngeren Gefährten die Zeitung auf den Tisch.
      Auf der Seite prangte ganz oben das Foto eines großen, modernen Wohnhauses. Überall war das Absperrband der Polizei zu sehen. Daneben war ein schlichtes Portrait eines Mädchens abgebildet, ihr Alter ließ sich schwer schätzen. Vermutlich ging sie noch zur Schule. Kurze, schwarze Haare, ein Pony, große Kulleraugen, um die 15 Jahre alt. Ein drittes Bild: eine junge Frau, sie schien in ihren Zwanzigern zu sein, lange, braune Haare, dunkle Augen. Es war ein offizielles Foto der Polizei. Die Schlagzeile war riesig. Junge Frau in Haus von K-Pop-Star Victor schwer verletzt aufgefunden. Verrückter Fan wegen Stalking, schwerer Körperverletzung und versuchten Mordes festgenommen. Wenn man den Text nur kurz überflog, wusste man alles, was es zu erfahren gab. In seiner (dank des neuen Jobs nicht bewohnten) Villa in Daegu wurde jemand mit mehreren Messerstichen verletzt. Die Frau auf dem Polizeifoto hatte offenbar mehrere Wochen lang das Haus beobachtet, sogar Fotos davon ins Internet gestellt und war in den frühen Morgenstunden eingedrungen. Das verletzte Mädchen lag im künstlichen Koma, ihr Zustand war stabil aber kritisch. Da es Zeugenaussagen gab, die bestätigten, dass Victor schon einige Tage nicht zu Hause gewesen war und einige Kisten mit Habseligkeiten von seiner Agentur abgeholt worden waren, ging man davon aus, dass er nichts mit der Tat zu tun hatte.
      Er machte sich lediglich seines Ruhmes schuldig. Es hatte nicht nur eine Schattenseite, wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Kang fragte sich, wie die Verrückte überhaupt an der ausgeklügelten Alarmanlage vorbei gekommen sein konnte. So oder so, die Polizei würde ihn bald befragen wollen, Gim würde durchdrehen und alles, was er selbst wollte, war ab diesem Moment egal.
      „Es ist schön, dass dir das Café gefällt. Ich denke, ich gehe jetzt wirklich. Wir sehen und später.“, sagte Kang. Seine Stimme zitterte und drohte beinahe, zu brechen. Er warf einen letzten Blick zu Jumins eisblauen Augen. In seinen eigenen standen die Tränen, die er verzweifelt zurück hielt. „Und ja es gibt einen Kater, er heißt Aoba und ist das niedlichste was du je gesehen hast!“ Aus Kangs Kehle kam nur noch ein jämmerliches Krächzen. Etwas stolpernd verließ er sogleich das Café und lief nach draußen, wo er das erstbeste Taxi anhielt und einstieg.
      Asuko stand mit einem perplexen Gesichtsausdruck neben dem Fremden mit den blauen Haaren. Ihr Mund stand leicht offen, als sie den Zeitungsartikel überflog. „Oh Gott..“, presste sie heraus. Zwischen den Tischen tappste unterdessen eine schwarze Katze mit weißem Latz umher. Bei Jumin angekommen stellte sie den Schwanz auf und beäugte ihn misstrauisch. Aoba war fett, flauschig und immer skeptisch bei Menschen, die er noch nicht kannte. Seine Schnurrhaare zitterten, als er schnüffelte. Er strich kurz um die Beine des Idols und hopste dann auf Kangs Sitzplatz, auf dem noch seine Jacke lag. Schnurrend rollte er sich darauf ein. Ihn kümmerten menschliche Belange nicht, aber er mochte den warm gefütterten Stoff.



      ~ einige Stunden später ~

      Kang stieg völlig entkräftet aus dem Auto. Er nickte dem Fahrer zu, dieser verbeugte sich und die Tür wurde geschlossen. Seit dem Morgen hatte er weder etwas gegessen, noch getrunken. Sein direkter Weg aus Seoul hatte ihn nach Daegu geführt, wo er nun vor dem Kyungpook National University Hospital stand. Noch im Taxi hatte Seoji ihn angerufen und ihn an die Polizei weitergeleitet. Auf der Dienststelle hatte er zum Glück nur drei Stunden verbringen müssen, bevor man ihn gehen ließ. Man hatte ihm angeboten, ihm zusätzlichen Polizeischutz mitzuschicken, da man annahm, dass durch die Veröffentlichung der Bilder seines Hauses womöglich noch weitere Fans auf die Idee kamen, ihm aufzulauern. Kang hatte abgelehnt. Wer ihn fand, fand nur einen Haufen Elend vor sich, ansonsten war das Haus leer. Es behagte ihm nicht, dort hineinzugehen, aber er musste. Tief einatmen, tief ausatmen. Seine üblichen Augenringe schienen sich schon beinahe bis zum Schädelknochen durchzufressen. Und ihm war schrecklich kalt... er hätte definitiv seine Jacke mitnehmen sollen, dachte er sich, aber das hier war wichtiger. Man hatte ihn schon erwartet und führte ihn in den 8. Stock. Nachdem er sich einen Schutzkittel angezogen und eine Maske aufgesetzt hatte, ließ man ihn das Zimmer betreten. Man konnte über seine Familie sagen, was man wollte, aber sie ließen sich niemals lumpen. Schon gar nicht, wenn es um die Gesundheit ging. Das Zimmer war groß, ein Einzelzimmer, und hatte sogar eine Sitzecke. Um das Krankenbett herum standen zu viele Maschinen. So viele Geräte bedeuteten nie etwas gutes. An der Seite des Bettes stand ein großgewachsener Mann. Die dunklen Haare waren mit grauen Strähnen durchsetzt, sein Blick war streng und unbarmherzig. Die Hände steckten in den Taschen eines teuren Anzugs. "Kang-Dae, wie unerwartet." Seine Stimme war aalglatt. Kang trottete zaghaft näher. Er stellte sich auf die andere Seite des Bettes. Das Mädchen unter der Decke wurde beatmet. Man hatte ihr sogar ein blaues Auge verpasst, das schmerzhaft zugeschwollen aussah. Ihre Unterlippe war aufgeplatzt. Beharrlich hob und senkte sich der schmale Brustkorb. "Wird sie durchkommen...?" Die Frage war nicht mehr als ein gebrochenes Flüstern. Schulterzucken. "Die Ärzte versuchen ihr Bestes." Schweigen hüllte die Männer ein. Die Uhr an der Wand tickte monoton. Tick. Tack. Tick. Tack. Auch die Geräte folgten ihrem Rhythmus. Pieeeep. Piep. Piep. Pieeeeep. "Du weißt, dass es deine Schuld ist, oder?"


      Diese Worte stachen direkt ins Herz. Kang konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Er sackte auf die Knie und legte seinen Kopf auf die Bettkante. Eine Träne nach der anderen rollte einfach sein Gesicht herab. "Ich weiß... es tut mir leid... es tut mir so schrecklich leid..."
      Der Mann kam zu ihm herüber und hob mit dem Zeigefinger Kangs Kinn an. "Ich habe keinen Sohn mehr, wenn ich wegen dir auch keine Tochter mehr habe, wirst du dafür büßen." Kang konnte nichts sagen, er biss sich auf die Lippe. "Hast du mich verstanden?!" Keine Antwort. Es gab einen Knall. Der Mann hatte Kang geohrfeigt. "Ich gehe jetzt. Wenn ich wiederkomme, bist du verschwunden. Scher dich zum Teufel oder zumindest zurück nach Seoul." Als er gegangen war, war alles wieder ganz still. Bis auf das Ticken. Und die Maschinen.

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    • ____ Jumin ____

      Jumin konnte nicht leugnen, dass er ziemlich erstaunt war, als Kang plötzlich aufsprang und dem alten Herren plötzlich die Zeitung aus der Hand riss. Der Blauhaarige wollte ihn schon fragen, ob das jetzt neuerdings Mode war, aber er versuchte es sich zu verkneifen. Nett sein,mh? Aber all die kleinen Sticheleien, die er vielleicht noch hätte heraushauen können, so untalentiert er im Umgang mit anderen Menschen war, waren plötzlich wie weggeblasen als er den Zeitungsabschnitt auf den Tisch geknallt bekam. Irritiert sah er zuerst zu Kang, dessen Blick sagte ihm bereits alles. Jedes Wort was er hätte sagen können, erstarb in Jumin schlagartig und so senkte er den Blick und überflog die Schlagzeile. Er war nicht dumm und er konnte 1 + 1 durchaus zusammen zählen und genau aus diesem Grund wich dem Jüngeren schlagartig sämtliche Farbe aus dem Gesicht. Er wollte etwas sagen, irgendetwas aber er brachte kein Wort heraus. Jetzt wo er einmal etwas sagen wollte, konnte er es nicht. Er konnte lediglich auf den Artikel starren, auf das Foto des süßen kleinen Mädchens, welches sicherlich irgendwie mit Kang verwandt war, wenn nicht vielleicht sogar seine Schwester und Jumin drehte es förmlich den Magen um. Verrückter Fan, Stalking, versuchter Mord, schwer verletzt, ein kleines Mädchen. Jumin legte die Hand auf den Mund als er zu Kang sah. Er bekam eigentlich nur am Rande mit was das Idol da über Katzen quasselte und konnte ihm nur wortlos nachstarren, als er das süße Café verließ. Er hatte Tränen in seinen Augen gesehen....
      Jumin fühlte sich wie ein Idiot. Sein Blick wanderte zu seinen schlanken Beinen als dort ein hübscher dicker Kater um seine Beine schnurrte und auf dem Stuhl auf welchen zuvor noch Kang gesessen war Platz nahm. Im Normalfall wäre Jumin nun ausgeflippt, hätte das plüschige Wesen unabhängig davon, dass es aussah als würde es Tonnen wiegen auf den Arm genommen, geknuddelt und verkündet, das Katzen die schönsten Kreaturen dieses Planeten waren, aber er konnte nicht. Auch als plötzlich wie hieß sie noch? Asuko neben ihm auftauchte und geschockt auf den Artikel starrte, konnte er nicht reagieren. Wie in Trance erhob sich der Blauhaarige "Entschuldige, ich werde gehen." auch wenn er weder etwas gegessen noch getrunken hatte, legte er der niedlichen Kellnerin eine angemessene Summe Bargeld auf den Tisch, fischte sich im Gehen seine rote Lederjacke von der Garderobe und verließ das Café. Er holte sein Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer seines Managers.
      "Lass dir eine Ausrede für mich einfallen. Ich werde zum Krankenhaus fahren." war alles, was er sagte und legte direkt auf. Natürlich würde sich das angehende Idol dafür später eine ordentliche Menge Ärger einhandeln, aber er wusste das Sehun es verstehen würde. Jumin stand Kang nicht nah, wahrscheinlich hasste ihn DER Viktor sogar viel mehr. Sie waren Rivalen und Jumin war wahrscheinlich einer der letzten Menschen den Kang jetzt gebrauchen konnte, aber etwas sagte Jumin das es nicht richtig war den anderen jetzt allein zu lassen. Das Leben als Idol war einsam und er hatte es an den Augen von Kang gesehen. Er war einsam, sehr sogar. Hatte er Familie? Würde ihm jetzt jemand beistehen?
      Jumin wusste, dass es ihm nicht zustand und das er sich gerade eine Menge herausnahm, aber vielleicht würde ein kleiner Teil, ein winziger Teil in Viktor froh sein, dass Jumin da war. Vielleicht nicht jetzt, aber vielleicht irgendwann.
      Da sich der Blauhaarige in Seoul absolut nicht auskannte, fand er sich nur durch sein Navi halbwegs zurecht. Er hatte sich allein auf den Weg in das Hotel um das Auto zu holen, mit welchem sie herkommen waren, komplett verfahren. Sehun war zwar hingefahren, aber auch nur weil Jumin schlafen wollte, aber eigentlich gehörte der schicke Sportwagen in metallic-schwarz Jumin. Er liebte dieses Auto!
      Zusammen mit seinem Navigationsgerät, hatte er sich natürlich erst einmal erneut verfahren, sich versucht von einer Oma den Weg erklären zu lassen, war nun um ein Apfelkuchenrezept reicher, fand sich aber glücklicherweise irgendwann beim Krankenhaus wieder, welches er in der Zeitungsanzeige noch einmal nachgelesen hatte, als er diese im Internet auf seinem Handy nach der Adresse durchforstete.
      Vielleicht war Kang schon weg, vielleicht auch noch dort. Er wusste es nicht, aber er entschied vor dem Krankenhaus zu parken, auszusteigen und auf den Anderen zu warten.
      Er lehnte sich also an seinen Wagen und beobachtete den Ausgang des Krankenhauses.



      ღ For my lovely Warlock ღ