State of Euphoria [Lucy feat. Pumi]

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    • State of Euphoria [Lucy feat. Pumi]

      Vorstellung --> State of Euphoria [Lucy feat. Pumi]







      Die Blondine warf den Kopf zurück in den Nacken und hielt sich die Nase zu, während sie den Rest des feinen Pulvers inhalierte.
      "Wow, das ist gutes Zeug", sagte sie.
      Ihr gegenüber auf dem Sofa saß der Besitzer des Pulvers, das sie sich soeben reingezogen hatte und von dem noch mehr auf dem gläsernen Couchtisch zwischen ihnen lag. Er hatte sie unterwegs bei einer Party aufgegabelt. Nach ein paar Drinks waren sie dann in ihrer Wohnung gelandet. Bisher bestand ihre private Afterparty aus mehr Alkohol, ein bisschen Fummeln und dem besten Kokain der Stadt.
      "Nur das Beste. Aber du solltest vielleicht ein bisschen langsamer machen", kommentierte der Mann, als sich die Blondine über die nächste Line beugte.
      Als Antwort war nur das laute Schniefen zu hören, als sie das Zeug inhalierte. Er wusste sofort, dass etwas nicht stimmte, als sie den Kopf hob und völlig abwesend wirkte. Gleich darauf fiel sie nach hinten auf den Teppich.
      "Na toll", grummelte der Mann und leerte seinen Drink.
      In aller Seelenruhe griff er seine Tasche und suchte nach dem Puls der Frau. Er fand eher ein Formel 1 Auto in ihrer Brust. Also riss er ihre Bluse auf, die so wieso nur noch von zwei Knöpfen auf Höhe ihres Bauchnabels gehalten wurde, und befestigte zwei selbstklebende Pads an ihrem Körper. Tragbare Defibrillatoren waren wirklich praktisch für sowas. Er lud die Maschine auf und schockte seine Begleitung. Ihr Körper zuckte kurz unkontrolliert von der plötzlichen Spannung, dann schlug sie flatternd die Augend auf.
      "Heilige Scheiße", keuchte sie.
      "Wenn du meinst. Die Party ist vorüber."

      "Hey. Hi. Ich glaube diese Frau hatte beinahe einen Herzinfarkt."
      Will zerrte die benommene Blondine aus seiner 62er Corvette und führte sie in die Notaufnahme. Ihm kam sogleich jemand entgegen.
      "Was hast du jetzt schon wieder angestellt, hm?", fragte der Arzt und dirigierte Will zu einer der freien Liegen.
      "Ich habe dieser jungen Dame das Leben gerettet, Alex."
      Will ließ seine Begleitung plump auf die Liege fallen, während Alex ihre Beine darauf legte.
      "Hast du wenigstens einen Namen für mich?"
      Will reichte seinem besten Freund eine glitzernde Brieftasche. Er kannte den Namen der Frau nicht.
      "Verrätst du mir, was ihr genommen habt?", fragte Alex leicht angesäuert.
      "Das Übliche."
      "Muss ich deinen Kreislauf auch spülen?"
      "Pff! Ich bitte dich. Wir wissen beide, dass ich mich im Griff habe."
      "Hast du das?"
      "Na klar."
      Grinsend marschierte Will aus der Notaufnahme, sprang in sein Cabriolet und fuhr davon, dem Sonnenaufgang entgegen, während Classic Rock aus seinem CD-Player grölte. Bis dieses dumme Ding wieder sprang und alles ruinierte.
      "Dämliches Mistteil..."

      Dr. William P. Rush stand oft vor der Entscheidung, ob er schlafen gehen wollte. Er kannte genug Kniffe, um sich eine Nacht lang wachzuhalten, ohne dabei müde zu werden oder Performance-Punkte einzubüßen. Es war alles eine Frage der Dosierung und der Balance.
      Heute Nacht entschied er sich dafür, zumindest seinen Alkoholpegel abzuarbeiten.
      Gegen halb sechts am Morgen erreichte er das Hotel, in dem er lebte. Er machte sich keine große Mühe mit irgendwas. Er kickte seine Schuhe irgendwo in die Suite, ließ sich auf das Sofa fallen, das zu kurz für seine eins neunzig war, missbrauchte sein Jackett als Decke und schloss die Augen. Die ansonsten durchzechte Nacht zeigte ihre Wirkung binnen weniger Sekunden.
    • Mary-Ann

      Ihre Absätze hallten in dem kleinen Laden, gleich nachdem die Glocke an der Tür geläutert hatte. Es war ein netter Laden um die Ecke, welchen die Brünette gerne unterstützte, wenn sie schon die Anzüge ihres Chefs zur Reinigung bringen musste. Es gab nicht viele Aufgaben, die Mary außerhalb der eigentlichen Arbeit zu erledigen hatte, aber sie tat es gerne, vor allem lag die Reinigung auf dem direkten Weg zum Hotel, in welchem sie eigentlich den Tag verbrachte.
      Mit einem Lächeln begrüßte sie die ältere Dame hinter dem Tresen, welche auf das Läuten der Glocke aus dem kleinen Zimmer dahinter raus gekommen war, brauchte sich gar nicht erst vorzustellen, die Dame wusste schon, welche der Sachen abzuholen waren. Seit drei Jahren besuchte Mary regelmäßig den Laden hier, musste alle zwei, manchmal auch drei Tage etwas her bringen und auch abholen. "Ich habe die Flecken doch raus bekommen", die ältere Dame lächelte ganz warm, nachdem sie die verpackte Kleidung auf den Tresen gelegt hatte. "Es war nicht einfach, aber die Hemden glänzen wieder weiß". Die Worte zauberten der Brünette einen noch viel breiteres Lächeln, bevor sie die Anzüge bezahlte und der Dame noch einen schönen Tag wünschte.
      Sie hatte es nicht weit bis zum Hotel, lief die Strecke gerne zu Fuß, um am Morgen die Ruhr vor dem Sturm zu genießen. Dafür, dass ihr Chef keine wirkliche Praxis führte fühlte es sich oft genug genauso stressig an. Seine Termine waren sehr häufig spontan gesetzt, einige der bekannten Namen und Gesichter riefen kurz vorher an und baten um einen Termin, selten war etwas vorher direkt geplant, aber für heute hatten sich such schon zwei Termine für den Mittag angemeldet. Inzwischen nach drei Jahren wusste Mary, wie es beim Dr. Rush ablief, wie er tickte, oder arbeitete, oft genug musste sie ihm auch schon zur Hand gehen, aber wenn sie ehrlich war, dann war es nichts im Gegensatz zu der Tatsache, dass sie ihm ihr Leben verdankte. Bisher hatte sie zwar nie wirklich das Gefühl, sie würde in seiner Schuld stehen, aber der Job war letztendlich auch nicht schlecht.

      Das Telefon klingelte, während Mary in die Straße einbog, in welcher das Hotel stand, welches sie ansteuterte. Es war das Diensttelefon, würde sich etwa ein Termin gleich ankündigen? "Turner hier", meldete sich Mary, gleich bevor sie das Foyer des großen Hotels betrat. Ihr wurde die Tür aufgehalten, sie wurde mit einem kurzen Nicken begrüßt, das sie gleich erwiderte. Sie war bekannt, ihr Gesicht war hier bekannt, sie musste sich nicht mehr an der Rezeption dafür rechtfertigen, dass sie sofort den Aufzug ansteuterte und zu einer der letzten Etagen hoch fuhr. "Eine Lidstraffung? Lässt sich heute einrichten", bestätigte die Brünette die Anfrage auf der anderen Seite der Leitung. Sie kannte den Terminkalender, kannte die Termine für heute. "Können Sie in zwei Stunden da sein?", sie könnte die Straffung noch vor dem Mittagstermin einrichten, dann wäre vielleicht der Nachmittag frei, wenn sich niemand ankündigen sollte. "Den Preis machen Sie mit dem Doc persönlich aus.. Elf Uhr ist notiert.. Natürlich können Sie von der vollen Anonymität ausgehen". Mary war sich sicher, was die Behandlung kosten sollte, lang genug machte sie das schon mit, aber sie war nicht dafür da, um die Preise auszuhandeln, sie war für die Strukturierung da.
      Kurz vor der Tür, die in das Appartement ihres Chefs führte, legte sie dann auf, griff nach der Karte für dieses und öffnete die Tür, um reinzutreten. Es war stickig und gleich auch dunkel, nichts Neues, schon deutlich schlimmere Anblicke haben Mary erwartet gehabt, an einiges hatte sie sich schon gewöhnt. Ihre Schritte waren zu hören, die Schuhe verrieten sie vielleicht schon, aber noch bevor sie mach ihren Chef sah, legte sie die Kleidung ab, um die Gardinen und zwei Fenster zu öffnen, ein wenig frischer Luft reinzulassen. "Mister Rush?", sie erblickte ihren Chef gleich auch schon auf dem Sofa, auf welchem sie ihn fast schon erwartet hatte. "Ihr erster Termin kommt in zwei Stunden". Kurz musterte sie ihn, ließ den Blick über den mäßigen Zustand werfen, es war ihm doch anzusehen, was er die Nacht wieder getrieben hatte. Mit einem Seufzer kommentierte Mary es jedoch nicht, sie stellte ihre Tasche lieber auf dem Tisch vor dem Sofa ab, zwei Tüten vom Bäcker blickten heraus, sie hatte an ein Frühstück gedacht, wollte doch gleich sicherstellen, dass der erste Drink des Tages nicht gleich sofort auf den leeren Magen gekippt wird. Aber schon trugen sie ihre Beine auch zu der kleinen Bar in der Ecke, um sich um den Drink zu kümmern.

      //Habe einfach mal improvisiert, wenn es nicht passt, sag bloß bescheid! :) //
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Irgendetwas störte. Aber in dem seltsamen Zustand zwischen der wachen Welt und der des Schlafes besaß Will weder die mentale Kapazität, noch den Willen herauszufinden, was es war. Etwa dreißig Sekunden später bemerkte er jedoch bewusst, dass sein Gehirn den Prozess des Aufwachens eingeleitet hatte. Verräter.
      Er schlug die Augen auf und blinzelte in das grelle Licht des Morgens. Wer zum Geier hatte die Vorhänge aufgezogen?! Und wer machte da so einen höllischen Lärm mit Gläsern?!
      Murrend rollte er sich auf die Seite, weg von dem Licht, und drückte sein Gesicht in die Couchkissen.
      "Du bist zu früh", beschwerte er sich in der Hoffnung, seine Assistentin würde darauf hereinfallen und ihn noch eine Weile schlafen lassen.
      Aber er wusste, dass sie wie jeden Morgen Recht hatte und er es war, der aufstehen musste. Also setzte er sich seufzend auf und griff sich eine der Tüten.
      "Warum denn hier her? Und seit wann hab ich Termine am Vormittag?"
      Will würde sich nicht als Morgenmuffel bezeichnen. Hauptächlich, weil er zu selten am Morgen aufstand. Er war eher ein Aufwachmuffel. Und die regelmäßigen Kater, die er mitbrachte, machten es nicht besser.
      Er klemmte sich das Croissant zwischen die Zähne und schälte sich aus seinem Hemd.
      "Der CD-Player in meinem Wagen hat schon wieder rumgezickt. Kannst du was dagegen machen? Wundervoll. Danke."
      Er nahm einen großen Bissen, dann verschwand er schnell unter die Dusche. Schweiß, Alkohol und das penetrante Parfüm seiner gestrigen Begleitung wurden den Abfluss hinunter gespült. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen war eine Dusche für Will keine Entspannungstherapie. Er startete damit seinen neuen Tag und der war voller Möglichkeiten!
      "Hast du mein blaues Hemd gesehen?", rief er, noch bevor er das Badezimmer mit nichts weiter als einem Handtuch um die Hüften verließ.
      "Oder soll ich lieber das weiße anziehen?"
      Er hatte einen Anzug in der Hand, den er aus irgendeinem Grund auf seinem Bett liegend vorgefunden hatte. Wahrscheinlich hatte ihn Mary dort für ihn hingelegt. War ja auch egal, er hatte Lust, ihn zu tragen.
      Er nahm seine morgendliche Bloody Mary entgegen - niemand machte diesen Drink so gut wie seine Assistentin - nippte daran und warf den Anzug auf die Couch, um die Hand für das Croissant freizuhaben.
      "Guten Morgen übrigens."
    • Mary-Ann

      Ein sanftes Lächeln bildete sich auf ihren Lippen, als ihr Chef der Meinung war, sie wäre früh dran. Definitiv war sich Mary sicher, dass sie es nicht war, neun Uhr sollte sie hier auf der Matte stehen und den ersten Cocktail des Tages zubereiten, der runter gekippt wurde, aber dafür hatte sie sich angewöhnt etwas zum Frühstück mitzubringen, den Tag ein wenig zu ordnen und zu strukturieren. Mister Rush hatte viele schlechte Angewohnheiten, er führte auch definitiv keinen guten Lebensstil, aber so erhoffte sich die Frau ein wenig Struktur und Ordnung reinzubringen, in dieses chaotische Leben. Sie hatte ihre Tasche abgestellt und war zu der Bar rüber gegangen, um nach dem ersten Glas zu greifen und aus dem kleinen Kühlschrank unter der Theke die Zutaten für eine Bloody Marry zu holen. "Sie haben gegen Mittag schon zwei Termine", antwortete die Brünette mit dem Ergreifen der Zutaten und griff auch nach den anderen Sachen, die sie benötigte. "Die Kundin besteht auf das Gespräch hier, aus Sorge zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, würde ihr Gesicht in ihrer Gegend erkannt werden", hauptsächlich war es die Angst um die Presse, um den Tratsch und Klatsch, einen Artikel, der sie in ein schlechtes Licht rücken könnte.
      Mary hatte vieles in ihrem neuen Job dazu gelernt, vor allem vieles, was nötig war, aber sie hatte sich schon damals gefreut, dass sie wenigstens ein wenig Wissen mit in dieses unbekannte Abenteuer mit nahm. Drinks waren zu Zeiten des Colleges ihre Spezialität, in einer der guten Bars der Stadt hatte sie hinter der Bar ihren Lebensunterhalt verdient, versucht die Schule zu finanzieren und irgendwie übers Wasser zu kommen, aber es war jetzt auch schon einige Zeit her und vieles war nicht mehr in Erinnerung geblieben, aber auf jeden Fall die gute Bloody Mary, welche jeden Morgen serviert werden sollte. Es war kein Hexenwerk, aber definitiv auch nicht der Lieblingsdrink der Brünette, sie machte ihn jedoch fertig und stellte ihn zunächst nur auf der Theke ab, um die Bitte nach dem CD-Player im Wagen auf ihre Agenda zu setzen. Bevor sie es letztendlich vergessen würde schrieb sie es sich lieber auf, prüfte auch gleich, ob sie für heute morgen nichts vergessen hatte. Das Wasser aus der Dusche war nicht mehr zu hören, aber stattdessen die Stimme des sich darin befindlichen Mannes. Mary blickte von dem Handy kurz auf, um darüber nachzudenken, wo sie das blaue Hemd denn zuletzt gesehen hatte, aber eigentlich sollte es sich im Schrank befinden, wenn sich ihr Chef nicht gestern mehrmals umgezogen hatte. Sie wollte eigentlich schon was sagen, doch die Frage nach dem blauen Hemd wurde überflüssig, er fragte nach dem weißen, die, ihrer Meinung nach, deutlich bessere Wahl. "Ich bin für das weiße! Es ist frisch aus der Reinigung!", antwortete die Brünette, auch, wenn sie sich dessen sicher war, dass ihr Wort nicht viel zu sagen hatte. Sie hatte zurück auf das Handy gesehen, wurde gleich auch an ihren eigenen Termin heute Nachmittag erinnert, als könnte sie den vergessen.
      Nachdem Mr. Rush seinen Drink bekommen hatte und Mary nur einen kurzen Blick auf ihn geworfen hatte, immerhin hatte sie sich in den drei Jahren daran gewöhnt, wie häufig sie Körperpartien zu Gesicht bekam, die vielleicht andere Assistentinnen von ihren Chefs nicht sahen, hatte sie die Sachen von der Theke wieder zurück in den kleinen Kühlschrank geräumt und war an ihre Tasche getreten, um selbst noch an ihr Frühstück zu denken. Ihr Chef wünschte einen guten Morgen, da schmunzelte sie ein wenig. "Ich habe heute Nachmittag einen Termin, muss eine Stunde früher los..", ihre Augen blickten nach den Mann. "Deshalb hoffe ich möglichst drauf, dass der Nachmittag heute was entspannter bleibt". Auf einem der Sessel nahm sie Platz, biss in ihren Croissant, um ihren Chef zu mustern. "Wie war die Nacht?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Neu

      "Furchtbar", gab Rush knapp zurück.
      Er verschwand wieder im angrenzenden Schlafzimmer, um sich zumindest mal in sowas wie Unterwäsche zu zwängen. Wobei zwängen das falsche Wort war, er achtete sehr auf den Komfort in allen Angelegenheiten des Lebens.
      "Nach der Party hab ich mir noch eine nette Begleitung geholt. Sie war ziemlich angetan von meinem Talent und hat mich einfach so mitgenommen. Wer bin ich, Nein zu sagen? Wir gehen also in ihr Hotel und dann fängt die an, sich komplett zuzuballern. Hat keine fünfzehn Minuten gedauert, da hatte sie einen Krampfanfall. Musste sie schocken, dann hab ich sie - weil ich so ein artiger Bürger bin - ins Krankenhaus gebracht. Alex hat sich dann weiter um sie gekümmert und ich bin brav ins Bett. Das war so gegen... keine Ahnung, ich hab nicht auf die Uhr geschaut. Aber ich hätte eine bessere Nacht gehabt, wenn ich in eine Bar gegangen wäre."
      Er schlüpfte in die Hosen und nahm einen großen Schluck seiner Bloody Mary. Mit dem Croissant im Mund lehnte er sich gegen den Türrahmen.
      "Was ist nur los mit den Leuten heutzutage? Die halten nichts mehr aus!", beschwerte er sich mit vollem Mund.
      Er musterte Mary für einen Moment. Das tat er jeden Morgen, sobald er wenigstens halbwegs bei Verstand war. Er wusste nicht, warum. Wahrscheinlich hing das damit zusammen, dass er sie vor drei Jahren jeden Tag hatte durchchecken müssen, damit ihre Verletzungen auch ordentlich verheilten. Ihre Augenbraue hatte er dreimal zusammengeflickt, weil sie seine Nähte immer wieder ruiniert hatte. Auf das Ergebnis konnte er jedoch stolz sein: Es gab so gut wie keine Narbe. Den schmalen Riss in ihrer Augenbraue konnte sie leicht überschminken. Im Allgemeinen hatte er versammt gute Arbeit geleistet und das obwohl er kein ausgebildeter Schönheitschirurg war.
      "Drei Termine... ist das ein neuer Rekord?"
      Er wusste ganz genau, welcher Termin heute auf Marys Terminkalender stand, auch wenn er immer so tat, als hätte er keine Ahnung. Aber er erwähnte es nicht, wenn sie es nicht tat. Ironischerweise hatte er keine Ahnung von seinem eigenen Terminkalender.
      "Ein freier Nachmittag klingt gut. Ich denke, damit kann ich arbeiten."
      Das Croissant war schnell vernichtet und die Bloody Mary verschwand kurz darauf. Und nur eine Minute später war Rush wieder er selbst. Naja, fast. Sein Anzug saß perfekt - das weiße Hemd war definitiv die richtige Entscheidung gewesen. Er kehrte ein letztes Mal ins Badezimmer zurück und suchte sich seine Lieblinge aus der obersten Schublade neben dem Waschbecken. Die Schublade war gefüllt mit Pillendosen, kleinen Päckchen gefüllt mit weißem Pulver oder verschiedenen Kräutermischungen und noch mehr Pillen. Die Griffe in die Schublade waren ähnlich routiniert, wie das Nähen einer Schnittwunde. Er mixte die verschienen Stoffe so genau wie ein Apotheker und mit einer Kombination aus Uppern und Downern konnte er dann endlich seinen Tag starten.
      "Ich sollte wirklich sämtliche Schönheitsbehandlungen rausnehmen. Es ist kein weiter Sprung von Botox zu Lidstraffung und von da aus geht es direkt zum Facelift. Die brauchen Zeit und jeder will sie, aber mein Ding ist das nicht. Kannst du McNamara/Troy anrufen? Vielleicht können wir einen Deal mit denen machen? Sie kriegen meine Lidstraffungen, im Tausch für ihre STDs. Ich finde, das ist ein guter Deal, findest du nicht? Ja, doch, das ist brilliant."
      Die Upper wirkten immer zu erst. Es würde etwa zehn Minuten dauern, bis er nicht mehr wie ein Frettchen auf Red Bull drauf war.

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    • Neu

      Mary-Ann

      Die Nacht war nicht gut gewesen und so, wie es ihr geschildert wurde verstand die Frau auch relativ schnell, warum es der Fall war. Er erzählte ihr seit drei Jahren oft detailliert, was er in der Nacht gemacht hatte, was er vor hatte und was wirklich passiert ist, aber bis heute wusste Mary nicht genau, warum er es tat. Manchmal hatte sie das Gefühl er sei vielleicht einsam, denn Geld zu haben bedeutete nicht gleich jemanden zu haben und vor allem auch glücklich zu sein, aber bisher fragte es Mary nicht, sie nahm es einfach hin und wenn sie ehrlich war hörte sie dem liebend gerne zu, denn es hatte sie zum Anfang immer davon abgelenkt was passiert ist, vielleicht hatte der Mann aber auch deshalb damit angefangen? Jedenfalls war das ihre zweite Theorie dazu gewesen, warum er es wirklich tat. Oft erwischte sie sich dabei, wie sie ihn einfach nur musterte, wenn er im Raum war und gleichzeitig darüber nach dachte, was an dem Abend passiert wäre, wenn er nicht eingegriffen hätte, wenn er sie nicht versorgt hätte, wenn er ihr nicht das Leben gerettet hätte. Ob er sich dessen bewusst war, in was für einer Schuld sie bei ihm stand? Oder gar, welche Schuld sie selbst begleichen wollte?
      Es war nicht nur das Leben, welches ihr wieder gegeben wurde, es war auch der Job, die Lebensqualität und diese ausgezeichnete Arbeit, die sich der Mann mit ihren Wunden gemacht hatte. Es sah gut aus, es war kaum sichtbar, auch wenn Mary es noch immer genau sehen konnte, wenn sie in den Spiegel sah, aber es war mit Sicherheit auch nur eine reine Einbildung. Sie ließ die Gedanken auch wieder verschwinden, biss lieber von ihrem eigenen Croissant ab, um den Magen damit zu füllen, bevor ihre eigenen Gedanken ihr den Appetit verderben werden.
      Ein Schmunzeln hatte sich auf ihren Lippen gebildet, als sie nach den Terminen gefragt wurde. "Vier ist der Rekord", verbesserte die Frau ihren Chef und schüttelte ein wenig innerlich den Kopf. War das seine Art nicht darüber zu reden, was heute Nachmittag war? Vielleicht, es war wirklich schwer zu verstehen, was in diesem Mann vorging, aber inzwischen versuchte es die Frau nicht mehr, sie nahm es einfach hin und respektierte ihn sehr dafür, dass sie sich nebenbei gut um ihre Mutter kümmern konnte, auch wenn diese in der Einrichtung lebte. Heute würde es wieder darum gehen, welche Therapie ihr als nächstes helfen könnte, um die Probleme zu bewältigen, aber am meisten hatte die Frau Sorge davor, wie viel es kosten sollte, denn trotz dessen, dass sie gut verdiente, die Einrichtung war teuer und die eigene Wohnung wieder zu bezahlen..
      Für den Moment blieb die Brünette alleine zurück, ihr Chef machte sich fertig, da nutzte sie die Zeit, um ihr Frühstück zu beenden und gleich auch noch nach den beiden anderen Terminen im Handy zu sehen, ob diese auch wirklich bestätigt wurden, denn so merkwürdig dieser Job auch wirklich war, Mary nahm ihn wirklich ernst und das Einhalten der Termine war für sie eine sehr wichtige Angelegenheit, auch wenn ihr Chef es vermutlich anders sah.. Sie aß das Croissant auf, zerknüllte das Papier, in welchem er sich befunden hatte, bevor sie zu ihrer Tasche griff, um den Kaffee in ihrem Thermosbecher zu nehmen und einen Schluck zu trinken. Zeitgleich tauchte auch der Arzt wieder auf, der Anzug saß, das weiße Hemd sah wirklich besser aus, das blaue konnte sie einfach nicht so gut leiden. Er hatte aber auch gleich schon eine Idee, schien ganz aufgeregt zu sein, als er davon erzählte, dass er nun die STDs übernehmen wollte. Ein wenig verzog seine Assistentin das Gesicht. "Sie wollen wirklich die Stars und Sternchen nach ihren One-Night-Stands behandeln müssen?", das war einfach keine Thematik, mit der sich Mary beschäftigen wollte, aber sie seufzte letztendlich und nickte. "Ich frage sie in einer viertel Stunde noch einmal und rufe an, wenn Sie sich dessen wirklich sicher sind". Sie kannte dieses Spielchen, diese Medikamente, die einiges mit Menschen machen konnten.
      Die Brünette griff zu ihrem Arbeitshandy und tippte sich gleich eine Erinnerung rein. "Ich kriege die schon irgendwie überredet, wenn Sie sich sicher sind.. Ich will nicht gleich in zehn Minuten wieder anrufen müssen, weil Sie es sich anders überlegt haben, wie letztens.. mit..", kurz musste die Frau nachdenken, bevor sie es aufgab, solche Situationen gab es vermehrt schon. "Wie letztens einfach.. Außerdem grault es mir davor, dass Sie noch auf die Idee kommen, mich da mit einzuziehen und Urintests machen lassen". Oft genug hatte Mary schon mitgeholfen, irgendetwas angereicht, getan, wovon sie eigentlich keinerlei Ahnung hatte. In den drei Jahren hatte sie schon einiges neues gelernt. Sie schrieb sich die Erinnerung rein und blickte gleich wieder auf. "Schon eine Idee, was wir heute zu Mittag essen?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."