Das Spiel mit dem Albtraum [Medusa & Toastbrotgehirn]

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    • Das Spiel mit dem Albtraum [Medusa & Toastbrotgehirn]

      Vorstellung

      Liam Myers - @medusa
      Abigail Parker - @Toastbrotgehirn


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      Um exakt 15:30 klingelte der Handywecker von Abigail Parker. Leise grummelnd nahm sie dieses vom Nachtschrank neben ihrem Bett und schaltete diesen aus. "Warum immer so früh, ey...", murmelte die Schwarzhaarige noch völlig verschlafend. Dabei sollte man meinen, dass halb vier Uhr nachmittags nicht früh ist, sondern viel mehr spät. Doch Abigail ist eher eine Nachteule und bevorzugte es daher eher, während der Nacht zu arbeiten und generell zu leben als tagsüber. Zudem waren um diese Zeit viel weniger Menschen unterwegs. Aber nun gut. Heute musste sie früher raus, da sie noch einige Dinge für die Arbeit zu erledigen hatte. Zwar konnte sie von zu Hause aus arbeiten, doch ab und zu musste sie zum Verlag, um an Teammeetings teilzunehmen und um Gespräche mit den Chef zu führen. Und ausgerechnet heute war eines dieser lästigen Meetings gewesen.
      Gähnend trottete Abigail ins Badezimmer und nahm erst einmal eine kalte Dusche zum Wach werden. Nach der Dusche machte sie sich fertig und ließ sich dann vom Vollautomaten in der Küche eine Tasse Kaffee einschenken. Dann musste sie auch schon los. Da die junge Frau kein eigenes Auto besaß, musste sie zu ihrem Missfallen die U-Bahn zur Arbeit nehmen. Dies dauerte ungefähr eine dreiviertel Stunde. Das Meeting an sich dauerte auch seine zwei Stunden, so dass sie nach der Arbeit noch einkaufen ging.

      Wieder zu Hause angekommen, setzte sich Abigail direkt an ihren Computer, öffnete sich eine Dose Monster Energy und las sich die Kommentare zu ihrem neusten Artikel zu den derzeitig berühmten Serienkiller mit venezianischer Maske durch. Man nannte ihn auch Phantom. Die meisten Kommentare waren nicht gerade positiv gewesen. Die Leute diskutierten darüber, warum die Polizei diesen Mann immer noch nicht gefasst hatte und warum man als Mensch nur so ein Monster sein kann. Gab es nicht genug Gewalt auf der Welt? Warum musste man wahllos Menschen umbringen und warum hatte man auch noch Spaß daran? Andere Kommentare waren direkt an die Autorin des Artikels gerichtet. Man verachtete sie dafür, dass sie so euphorisch von den Morden berichtete und die Polizei so bloß stellte. Abigail musste ein wenig darüber schmunzeln. Natürlich bekam sie einen gewissen Shitstorm auf ihre Artikel zu Serienmördern, aber dies amüsierte die Journalistin mehr, als dass sie sich deswegen ihre Laune verderben ließ. Außerdem schrieb sie die ganzen Artikel auf ihrem Blog unter ihrem Pseudonym Arthemis. Niemand wusste, dass sie auch außerhalb des Blogs als Journalistin arbeitete und teils unter ihrem richtigen Namen recht bekannte Zeitschriftenartikel zur Kriminalität und Gewalt in den USA geschrieben hat.

      Nach einigen Stunden durch's Internet surfen, entschied sich Abigail auszugehen. Mittlerweile war es bereits nach 21 Uhr. Warum sollte sie nicht einen Abstecher in ihre Lieblingskneipe unternehmen? Auch wenn sie nicht gerne unter Menschen sein mochte, genoss es die Schwarzhaarige ab und zu mal in Kneipen etwas zu trinken. Außerdem hatte New York bei Nacht einen gewissen Charme gehabt und vor allem das Kneipenleben war etwas besonderes für Abigail gewesen. So stand sie vom Schreibtisch auf und ging ins Bad, um sich etwas zurecht zu machen. Dunkles Make Up, Haare etwas stylen und dann konnte es auch schon losgehen. Die Kneipe war nicht all zu weit von ihrem Apartment entfernt. Sie befand sich ungefähr 2 Blocks weiter an einer Straßenecke. Dort angekommen bestellte sie das übliche beim Barkeeper, einen Wodka Tonic und saß sich schließlich in einer der hinteren Ecken mit ihrem Laptop und dem Drink. Nur weil man ausgeht, heißt es ja nicht, dass man nicht weiterhin im Internet surfen konnte oder dass man sich dann mit anderen unterhalten musste. Ab und zu ließ sie sich aber auf ein Gespräch ein. So verging einige Zeit in denen die junge Frau ein paar Drinks zu sich nahm und etwas arbeite, ehe sie sich dann dazu entschied, wieder nach Hause zu gehen.
    • Ich werde meine Instinkte nicht eindämmen, nur um Gott zu gefallen.

      Der Mensch. Im Gegensatz zu den Tieren brachte er seine Artgenossen um – aus reiner Lust daran.
      Er gehörte ebenfalls dieser Sorte an, wenn man das so schön sagte. Wie war es möglich? Er konnte diese Frage nicht beantworten. Liam war schon seit seinen frühesten Erinnerungen immer untypisch gewesen. Er hatte nie zu seinen restlichen Gleichaltrigen gepasst, hob sich stets aus der langweiligen Masse hervor. Er war von Anfang an eigenartig, auch wenn es für manche nicht einfach war, zu akzeptieren. Liam war besonders. Anders.
      Plagten ihn die Reue oder irgendwelche Schuldgefühle? Nein, natürlich nicht. Er schämte sich kein bisschen für sein Verhalten - zweifellos war es für seine eigentliche Natur viel zu nett formuliert. Er war ein erbarmungsloses Monster.
      Doch wie sagte man so schön - Monster werden nicht geboren, sondern zu solchen gemacht. Konnte diese Aussage auch auf ihn angewandt werden? Womöglich, womöglich aber auch nicht. Er war schließlich ein besonderer Mörder, nicht so wie die anderen Täter.
      Es war gut möglich, dass das Böse immer in ihm gewesen war, seit seiner Kindheit in seinem tiefen Bewusstsein gewuchert hatte. Dadurch wurde es wohl offensichtlich, dass er schon immer ein Abschaum war, den die meisten Menschen verabscheuten und tot sehen wollten.
      Er trug aber nicht die Schuld für seine Art. Schließlich wurde Liam von der Natur oder Gott, je nachdem, was einem lieber war, mit solchen abnormalen Neigungen erschaffen. Viele würden mit seiner Meinung nicht übereinstimmen. Man wurde schließlich nicht als ein Mörder geboren. Wie konnte ein unschuldiges kleines Wesen als ein zukünftiger Verbrecher gebrandmarkt sein?
      Doch in der Natur war das Spiel viel komplizierter, sie verschonte einen nicht, nur weil man ein Säugling war. Wieso musste er sich dann schämen, für das, was er von Anfang an war? Er wurde mit dieser Tendenz geboren. Sein Leben hat nur dafür gesorgt, dass dieser Hang an die Oberfläche kam. Diese Instinkte waren für ihn natürlich, sie waren schon immer ein Teil von ihm gewesen. Warum sollte er dann versuchen, diese abnormalen Neigungen einzudämmen? Sie wurden ihm von der Natur selbst geschenkt. Diese ganze Welt war niederträchtig und in so einer Gesellschaft wurden genauso niederträchtige Menschen geboren.
      Er war nur ein weiteres Instrument dieses ganzen Systems. Nur unterschied er sich dadurch, dass er es liebte, zu töten. Menschen zu töten.

      ,, Bitte“, ertönte es leise. ,, Ich werde alles tun, was du willst“, erklang die krächzende Stimme. Er konnte kaum ihre Worte entziffern. In seinen Ohren nahm er ihr ganzes Gelaber als einzelne undurchschaubare Laute wahr. ,, Ich habe doch gesagt, dass du nicht jammern sollst“, entgegnete er mit einer ruhigen Stimme, in welcher seine Gereiztheit nicht zu überhören war. Solche Sorte von Menschen, die immer irgendetwas zum Beschweren fanden, konnte er am meisten nicht ertragen. Liam wusste, dass er nicht weiterhin seine Zeit hier verschwenden konnte. Ihre letzten Momente gingen davon, doch ihre erbärmliche Hoffnung, dass er sie trotzdem am Leben lassen könnte, schien nicht zu verschwinden. Etwas, was in seine Hände spielte, denn dann verhielten sich seine Beuten besonders brav.
      ,, Ich habe eine Tochter zu Hause“, erwiderte die Frau mit einer bebenden Stimme, ,, ich muss mich um sie kümmern!“
      Eine infame Fratze legte sich auf seinen Lippen. Seinen Stimmungswandel konnte sein Opfer nicht sehen, weil sein Gesicht von einer schwarzen venezianischen Maske bedeckt wurde. ,, Du möchtest dich um sie kümmern?“, fragte er unbeeindruckt nach. Dabei bückte er sich zu ihr runter, nahm eine ihrer freien Strähne entgegen und zog diese leicht zu sich. ,, Wo warst du dann, als du Nacktvideos von deiner Tochter gefilmt hast, um diese an weitere zu verkaufen?“ Seine Augen konnten beobachten, wie sich der ganze Ausdruck des Opfers wandelte. Diesmal waren es ihre Augen, die sich verdüsterten.
      Sein Gesicht näherte sich langsam ihrem. ,, Hm?", hakte er genauer nach. Es musste mit Sicherheit eine große Enttäuschung für sein Opfer sein, dass die einzige Karte, die sie zum Überleben hatte, ungültig war. Eine Mutter, die ihr eigenes Kind für Geld ausbeutete.
      Er sah zu, wie sie wütend wurde und ihn angreifen wollte, doch ihre Bewegungen waren viel zu langsam und voraussehbar.
      ,, Tz-tz, deine Zeit ist um“, entgegnete er ihr selbstgefällig, während seine Hände grob nach ihrem Hals griffen.
      ,, Du hast verloren“, kam es nur von ihm, als er die Frau zu würgen begann. Seine Fingerspitzen spürten, wie ihr Leben langsam dahinschwand.
      Ein befriedigendes Gefühl reizte seinen Verstand, als er die Leiche behutsam auf dem Boden verteilte. Dabei legte er ihre Hände aufeinander, wobei man auf einem Handrücken ein Tattoo erkannte, das er dem Opfer während der Gefangenschaft mit schwarzer Tinte angezeichnet hatte. Auf der besagten Stelle war der Buchstabe P sichtbar, welches von einem Quadrat umgeben wurde.
      Er drückte sich wieder hoch. Seine Fingerspitzen verspürten immer noch ein zufriedenstellendes Kribbeln. Er ließ die Leiche alleine zurück, während er aus der Gasse trat.

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    • Mittlerweile war es schon ziemlich spät geworden, als sich Abigail dazu entschied, wieder nach Hause zu gehen. Sie trank den letzten Rest ihres Drinks aus, steckte den Laptop wieder in ihre Tasche und stand vom Tisch auf. Kurz verabschiedete sie sich bei dem Barkeeper namens Dave, mit dem sie sich gut verstand, was eher ungewöhnlich für Abi war. Normalerweise war sie ein Einzelgänger, doch der Barkeeper dieser Kneipe war ein ziemlich cooler Kerl. Er war mehr der Metaller gewesen. Schwarze Klamotten, lange Haare, die zu einem Zopf zusammengebunden waren und viele Tattoos auf den Armen. Vom Aussehen wie ein harter, eiskalter Kerl, aber im Inneren hatte er den typischen weichen Kern. Und zu dem hatte er fast die gleichen Interessen wie Abigail und dementsprechend konnte die Journalistin den Barkeeper quasi zu ihren Freunden zählen. Auch wenn sie jetzt nicht so viele Freunde hatte.

      Als die junge Frau schließlich die Kneipe verließ, entschied sie sich dazu, einen kleinen Umweg zu nehmen. Die Luft in der Stadt war ziemlich frisch und kühl. Außerdem war es relativ trocken. Die bunten Neonlichter der Stadt erhellten die Straßen zusätzlich zu den Laternen. Das war das Nachtleben in New York, was Abigail so sehr liebte. Es hatte etwas magisches und doch etwas cooles an sich gehabt. Zudem war es nicht so langweilig, wie auf dem Land. Ja, mag sein, dass ein klarer Nachthimmel mit den funkelnden Sternen wunderschön sind, aber das war der Schwarzhaarigen zu kitschig. Zudem konnte man hier die Sterne aufgrund der ganzen Lichter ey nicht erkennen. Abigail hielt sich auf dem Heimweg von der Hauptstraße fern, da dort immer noch einige Leute unterwegs waren und sie nicht so gerne unter Leute sein mochte. Zudem störte sie der Lärm der Autos. Hier in den Seitenstraßen war es dann doch deutlich ruhiger, auch wenn es dafür um einiges gefährlicher war. Doch hatte die Journalisten immer was zur Selbstverteidigung dabei gehabt, wie Pfefferspray oder einen Elektroschocker. Man musste sich in so einer großen Stadt verteidigen können. Während sie also auf ihrem Heimweg durch die Seitenstraßen von New York lief, nahm Abigail plötzlich einen Schatten im Augenwinkel war. Sie blickte kurz in die dunkle Gasse und konnte zwei Personen erkennen. Eine der beiden sackte plötzlich zusammen, als die zweite Person sie zu erwürgen schien? Abigail kniff die Augen etwas zusammen, um das ganze Geschehen besser erkennen zu können. Doch es war dafür zu dunkel in der Gasse gewesen. Sie beobachtete, wie die zweite Person sich auf einmal zum Gehen umdrehte. Sofort huschte Abigail aus seinem Blickfeld und lehnte sich gegen die kalte Wand neben der Gasse. Sie versuchte kein Laut von sich zu geben, als der Unbekannte aus der Gasse trat. Sie hielt sogar die Luft an, um so leise wie möglich zu sein. Doch plötzlich schnappte sie kurz auf, als sie die venezianische Maske des Mannes erkannte. Konnte das sein? Stand dort vor ihr etwa Phantom? Der bekannte Serienkiller, den sie so sehr verehrte? Sofort legte sie ihre Hand vor dem Mund. Hoffentlich hatte er das nicht gehört! Was sollte sie nur machen? Einerseits war sie über die unerwartete Begegnung sehr aufgeregt gewesen und ihre Freude schien hoch zu sein, doch andererseits war es eine sehr gefährliche Situation. Sie hatte gerade einen Mord beobachtet und der Killer stand quasi direkt vor ihr. Abigail versuchte so unauffällig wie möglich sich in die entgegen gesetzte Richtung aufzumachen.
    • "Even psychopaths have emotions, then again, maybe not."

      Nachdem er sein Werk vervollkommnete, war er dabei, den Tatort zu verlassen. Ein leichtes Geräusch, welches eigentlich bedeutungslos sein sollte, weckte sein Interesse. Er blieb abrupt stehen, wobei er kein einziges Geräusch von sich gab, als er innehielt.
      Liam war ein viel zu aufmerksamer Mensch, um eine solche Kleinigkeit zu ignorieren. Seine Augen bewegten sich automatisch in die Richtung, aus welcher das Geraschel wahrzunehmen war. In dieser Gasse sollte sich eigentlich niemand verirren, er hatte sich diesen Ort sorgfältig ausgesucht. Doch man war wohl nicht immer gegen unerwünschte Zuschauer versichert. Er seufzte innerlich auf.
      Das war ungeplant von ihm gewesen. Etwas, was er offensichtlich am meisten verabscheute - wenn irgendetwas nicht nach seinem Plan lief. Er bewegte sich in die besagte Stelle und nachdem er eine dunkle Gestalt erblickte, packte er sie sofort an der Kleidung und stieß diese gegen die Wand. Seine rechte Hand drückte er gegen ihren Mund, während die linke sich vergewisserte, dass der heimliche Betrachter sich nicht mehr bewegen konnte. Liam legte den Kopf schief, um sein ungeplantes Opfer genauer zu betrachten. Es war eine Frau. Eine betrunkene Frau. Hervorragend. Ohne eine Sekunde länger zu verschwenden, schlug er ihr mit seinen Fingerspitzen fest in Bauch, sodass sie im nächsten Moment auf ihn fiel. Er legte ihren bewusstlosen Körper auf den Boden, so wie er es vor wenigen Minuten bei der Leiche, die nicht weit entfernt war, getan hatte. Ein Unterschied bestand lediglich darin, dass diese Frau am Leben war.
      Er durchsuchte ihre Sachen, wobei es nur eine Frage der Zeit war, bis er ihre Geldbörse fand.
      Abigail Parker - las er einmal in den Gedanken durch, nachdem er ihren Ausweis fand. Der Name kam ihm sehr bekannt vor, doch er hatte keine Zeit, um seine ganzen Erinnerungen durchzugehen. Liam wollte aufstehen und von diesem Ort verschwinden, doch dann blieb er stehen. Er beugte sich zu ihr runter. Während er einmal aufseufzte, nahm er sein Klapphandy hervor und drückte bestimmte Tasten.
      ,, Ja, hallo?“, begann er ruhig zu sprechen, während er seine Stimme absichtlich verstellte. ,, Eine Frau liegt bewusstlos auf der Straße“, redete er mit der Notrufsprecherin weiter. Dabei blickte er auf die Schwarzhaarige runter, wobei er mit seinen Händen, die von Einweghandschuhen bedeckt wurden, über ihr Gesicht strich. Mit einer beherrschten Einstellung verriet er die Adresse vom Ort. ,, Ja, sie liegt in einer Gasse“, erklärte Liam gefasst. Er hatte nicht die Zeit, sich noch länger hier aufzuhalten. Der junge Mann hoffte, dass die Sprecherin schneller ihre Arbeit erledigte, damit der Krankenwagen sich auf den Weg machen konnte.
      ,, Genau“, bestätigte er, nachdem die besagte Adresse wiederholt wurde. Anschließend legte er das Handy auf und drückte sich wieder vom Boden auf. Liam wollte endlich diese Maske von seinem Gesicht haben. Wenn man mehrere Stunden in dieser verbrachte, konnte es langsam anstrengend werden. Jetzt blieb ihm wohl wirklich nur wenig Zeit übrig, um von diesem Tatort zu verschwinden.
      Es war wohl das erste Mal, dass man sein Opfer so schnell finden würde. Eigentlich gefiel ihm diese Tatsache nicht besonders, doch er konnte in dieser jetzigen Situation eine Leiche schwer woanders verlegen. Liam seufzte tief auf - er machte es schon so häufig, was durchaus untypisch für ihn war. Indem er seinen Arm weit ausholte, schmiss er das Klapphandy auf den Boden und schlug mit dem Fuß auf dieses.
      Ihm gefiel es nicht, dass er dieses Mobiltelefon für irgendeine Göre verschwendete, die einfach nichts Besseres zu tun hatte, als um diese Zeit in die Gasse zu laufen. Doch auch dagegen konnte er in diesem Augenblick nichts machen.
      Demnach machte er sich auf dem Weg. Er wusste, welche Straßen er nehmen musste, um nicht in den Blickwinkel der Überwachungskameras zu geraten. Als er eine weitere abgelegene Gasse erreichte, nahm er den Rucksack entgegen, welchen er schon zuvor dort hingestellt hatte. Aus dieser nahm sich Liam die eingepackte Kleidung entgegen und zog diese an, wobei er die Maske und den schwarzen Overall auszog, um sie in den Rucksack zu stecken. Als er einmal durch seine blonden Haare strich, führte er gelassen den Weg fort.

      Erst nachdem er Zuhause angekommen war, die ganzen Indizien für sein Verbrechen beseitigt und eine frische Dusche genommen hatte, erlaubte es sich Liam, sich an den Laptop zu setzen. Abigail Parker - sie quälte ihn schon die ganze Zeit.
      Der Name lag frisch in seinen Erinnerungen, doch irgendetwas hinderte ihn daran, diese Person genau einzuordnen.
      Wie konnte es überhaupt sein, dass irgendeine Fremde ihm bekannt vorkam?
      Als er ihren Namen in das Suchfeld eingab und er die ersten Treffer anguckte, leuchteten seine Augen auf.
      ,, Bingo“, ertönte es mit einem amüsierten Lächeln von ihm. Natürlich kam ihm dieser Name bekannt vor. Ihre Artikel über die Kriminalität in den USA waren ihm schon einige Male unter den Augen gekommen. Liam hätte wohl nicht erwartet, dass sich hinter diesem Namen eine so junge Frau befinden würde. Wie dem auch sei. Er verlor schnell das Interesse an ihr, nachdem er seine Neugier gestillt war und er erfahren hatte, wer sie war. Der junge Mann nahm sich diesmal etwas anderes vor - und zwar die Artikel von Arthemis. Genauer gesagt, der neuere Artikel von dieser Person, denn dieser handelte von ihm.
      Diese anonyme Figur hat schon seit einer Weile seine Aufmerksamkeit geweckt. Zu sehr wollte er wissen, wer sich hinter diesem Pseydonym verbarg.


    • Alles passierte so schnell und ehe sich Abigail versah, wurde ihr schwarz vor den Augen. Es dauerte nicht lange, bis die Ärzte in der Gasse auftauchten und die Journalistin sowie die Leiche entdeckten. Sofort war die schmale Gasse voll mit Polizisten gewesen und Abigail wurde ins Krankenhaus geliefert.
      Es dauerte einige Stunden bis die junge Frau wieder zu sich kam. Sie öffnete langsam und mit einem leichtem Murren ihre Augen. Das grelle Licht der Neonleuchten blendeten sie. "Nhhh... Wo bin ich?", sprach sie leise zu sich selbst.
      "Sie sind im Krankenhaus, junge Dame.", ertönte eine ältere Frauenstimme. Abigail blickte in die Richtung aus der die Stimme kam und sah eine etwas ältere Krankenschwester, die gerade in ihr Zimmer kam. Diese nahm das Klemmbrett am Ende des Bettes in die Hand und überprüfte die Werte, sowie die Werte am Monitor. "Wie fühlen Sie sich?", fragte sie dann ihre Patientin.
      "Es ging mir schon mal besser.", meinte Abigail auf die Frage und versuchte sich ein wenig aufzurichten, wobei sie plötzlich ein Ziehen in ihrem Bauch spürte. "Auu... fuck!", fluchte sie leise. "Wie zur Hölle bin ich hierher gekommen?
      "Kann ich mir vorstellen", antwortete die Krankenschwester mit einem leichten Schmunzeln. "Man hat Sie bewusstlos in einer Gasse vorgefunden. Gedulden Sie sich einen Moment. Ich werde den diensthabenden Arzt holen." Und mit diesen Worten verschwand die ältere Frau schon aus dem Zimmer. Seufzend lehnte sich Abigail wieder zurück und starrte die Zimmerdecke an. Sie versuchte sich daran zu erinnern, was passiert war. Doch alles schien so verschwommen. Nach einigen Minuten des Wartens trat ein Mann mittleren Alters ins Zimmer. "Guten Morgen, junge Dame.", grüßte er die Journalistin. "Wie ich sehe, sind Sie wieder bei Bewusstsein."
      "Morgen? Wie spät ist es denn?", fragte Abigail verwirrt nach.
      "Es ist 5:07", antwortete der Arzt und nahm dann auch schon die Patientenakte von der Krankenschwester entgegen. Kurz blätterte er diese durch und nickte dabei. "Nun gut. Man hat Sie mit einem hohen Alkoholgehalt in der Gasse aufgefunden. Können Sie sich an irgendwas erinnern?"
      "Nicht wirklich...", antwortete Abigail ehrlich und seufzte leise. "Wann kann ich denn hier raus?"
      "Ich muss erst ein paar Untersuchungen durchführen und wenn alles okay sein sollte, dürfen Sie wieder gehen.", meinte der Doc und gab die Akte wieder zurück an seine Kollegin.

      Nach ungefähr zwei Stunden des Wartens durfte Abigail endlich das Krankenhaus verlassen. Völlig übermüdet und leicht verkatert machte sie sich auf den Weg nach Hause. "Womit hab ich das nur verdient...?", grummelte sie leise. Das Krankenhaus war eine einstündige U-Bahnfahrt entfernt gewesen, was die junge Frau ziemlich nervte. Denn gerade jetzt waren ein Haufen Menschen in New York auf den Weg zur Arbeit gewesen. Aber dennoch wollte sie so schnell wie möglich heim und sich ins Bett hauen. Sie brauchte dringend eine dicke Mütze Schlaf. Außerdem erhoffte sie sich, dass sie sich wieder genauer an den Vorfall von gestern Abend erinnern würde, sobald sie sich ein wenig erholt hatte. Während Abigail also Heim fuhr, holte sie ihr Handy hervor und ging wieder auf ihren privaten Blog. Sie las sich noch einmal ihren neusten Artikel durch, als sie plötzlich ein Blitz traf als sie den Namen Phantom las. "Natürlich!", schrie sie was schon auf und die anderen Passanten sahen verwirrt und überrascht zu ihr rüber. Abi zuckte bei den Massen an Blicken etwas zusammen und schnappte sich ihre Tasche, um in einen anderen Wagon zu wechseln. Dort lehnte sie sich gegen einer der Türen. "Natürlich!", dachte die junge Frau. "Wie konnte ich das nur vergessen?!" Sie hatte, bevor sie das Bewusstsein verlor, Phantom gesehen, gar auf Frische tat ertappt. Und natürlich hatte dieser dafür gesorgt, dass sie plötzlich im Krankenhaus aufwachte. Die junge Frau kicherte vor lauter Freude. Niemals im Leben hatte sie damit gerechnet, dass sie in einer Millionenstadt ausgerechnet den Killer treffen würde. Selbstverständlich hatte dieser keine Idee gehabt, wer sie war, doch konnte Abigail es kaum glauben. Als sie endlich zu Hause ankam, schmiss sie ihren Laptop auf ihr Bett und setzte sich sofort an ihren Computer, um einen neuen Eintrag auf ihren Blog zu verfassen. Dieser handelte über ihre Begegnung mit dem Serienkiller und all die Spannung und Euphorie die sie fühlte. Zweifelsohne hätte sie sich gewünscht, sich mit Phantom unterhalten zu können und ihn kennen lernen zu dürfen. Am liebsten hätte sie allerdings sein Gesicht gesehen. Nach der körperlichen Statur zu urteilen, musste dieser doch ein recht attraktiver Mann sein.
      Als sie endlich mit dem Verfassen des neuen Blogeintrags fertig war, fiel Abigail müde ins Bett. Es wurde nun Zeit für ihren kleinen erholsamen Schlaf.
    • “We've all got the power to kill in our hands, but most of us are afraid to use it. Those who aren't, control life itself.”

      ,, Schon wieder dieser Mistkerl“, ertönte die unzufriedene raue Bemerkung. Der erschöpfte Mann ließ sich mit einem tiefen Seufzer in den Stuhl fallen, während er für einen kurzen Moment seine Hände auf das spröde Gesicht, welches von sichtbaren Falten bedeckt wurde, legte. ,, Was ist denn passiert?“, fragte Liam mit einer ahnungslosen Stimme nach. Er wurde von dem älteren Mann mit einem vorwurfsvollen Blick ermahnt. ,, Manchmal frage ich mich echt, ob du unter einem Stein lebst“, zischte dieser wieder wütend, während er einen Ordner auf den Tisch fallen ließ. Der Blonde lachte auf diese Bemerkung nur amüsiert auf. Auf seiner Arbeitsstelle war er berühmt dafür, nicht den aktuellen Stand der Dinge zu besitzen. Anders ausgedrückt - er erfuhr über irgendwelche Begebenheiten zuletzt.
      Etwas, was überhaupt nicht zu seinem Beruf passte. Natürlich spielte er diese Eigenschaft vor. Schließlich wusste er ganz genau, worum es ging. Es gab nur eine Person, die in den letzten Monaten dem alten Mann so viele Kopfschmerzen bereitete. ,, Seid doch nicht so frech zu mir, Dr. Espinoza“, erwiderte Liam.
      Im nächsten Moment nahm er den Ordner entgegen, öffnete diesen, um sofort auf Bilder von der Leiche einer Frau zu blicken - seinem Opfer von der vergangenen Nacht. Der junge Kriminalpsychologe seufzte auf. ,, Und ich nehme mal an, dass es keine einzige Spur von ihm gibt?“, hakte er mit einem angewiderten Unterton nach. Der Profiler schüttelte erschöpft mit dem Kopf. ,, Wie kann es sein... So viele Kameras, so viele Menschen und kein einziger Anhaltspunkt!“, rief Liam halblaut aus, während er die Mappe wieder auf den Tisch legte. Er ließ sich ebenfalls in einen Stuhl fallen.
      Es war ungeplant, dass sein Opfer schnell gefunden wurde. Doch zu seiner Überraschung bedrückte es ihn nicht mehr allzu sehr. Womöglich hatte die Reaktion des berühmten Profilers, Logan Espinozas, dafür gesorgt. Es war ein befriedigendes Gefühl, zu wissen, dass er das Leben dieses alten Sacks auf den Kopf stellen konnte.
      Bevor Liam irgendwelche ermutigenden Worte erwidern konnte, wurde die Tür zum Nebenzimmer aufgerissen. Es war Ellen Gyeon, der Oberhaupt der Kriminalpsychologen und die wohl gefürchtetste Person in dieser Polizeibehörde. Sie ließ ihre Finger kurz durch die kurzen schwarzen Haare gleiten, wobei sie mit tadelnden Augen auf die beiden Männer blickte.
      ,, Euer Rumsitzen wird jetzt nichts bringen“, ertönte es von ihr entnervt, ,, setzt euch schnell an die Arbeit!“ Obwohl sie erst Ende dreißig war, so hatte sie geschafft eine hohe Stellung zu erlangen. Ihre Karriere war bemerkenswert, das stand mit Sicherheit außer Frage. Doch es konnte nach einer gewissen Zeit anstrengend werden, jeden verdammten Moment von der gleichen Person ermahnt zu werden. Liam übersah es nicht, wie immer er zu ihrer Zielscheibe wurde. Er kannte auch den Grund dafür - in ihm sah diese Möchtegern besondere Psychologin eine Bedrohung. Er war ein Mann mit großem Potenzial, der eine Gefahr für ihren Rang war. Eine viel zu große Gefahr, denn der Blonde hatte einige bewiesen, als er vor drei Monaten in seiner ersten offiziellen Arbeitsstelle aufgenommen wurde.
      Die beiden Männer hatten wohl keine andere Wahl als nachzugeben, weswegen sie von ihren Plätzen aufstanden und sich somit jeder auf seine bevorstehende Arbeit zu konzentrieren begann.

      Nachdem er wieder zu Hause angekommen war, bedeckten schon auch die ersten dunklen Wolken den Himmel. Heute hatte er keine besonderen Pläne gehabt. Auch wenn es Liam niemals zugeben würde, so hatte ihn dieser Tag eindeutig erschöpft. Es war anstrengend, wenn man für einen Mord ermittelte, den man selbst begangen hatte. Mit diesen Gedanken wollte er seinen Verstand jedoch nicht noch mehr ermüden.
      Als er ein warmes Gericht verspeiste, ließ er sich in sein großes Doppelbett fallen. Bevor er jedoch endgültig schlafen ging, wollte er nachsehen, ob die berüchtigte Arthemis irgendeinen Artikel über ihn verfasst hatte.
      Es war unwahrscheinlich gewesen, wenn man bedachte, dass nicht einmal ein ganzer Tag nach seiner Ermordung vergangen war.
      Doch war auch seine Überraschung groß gewesen, nachdem er das Gegenteil feststellte. Seine Augenbrauen ragten nach jeder Zeile, die er las, immer mehr in die Höhe. Sie hatten ihn gesehen? Und diese entflammte Wortwahl verdeutlichte nur zu gut, wie begeistert sie von diesem Treffen gewesen war. Er konnte es immer noch nicht fassen.
      Seine Augen starrten für eine gefüllten Moment auf den hellen Bildschirm. Er hatte herausgefunden, wer Arthemis war. Die Arthemis! Die berühmteste Gestalt Internets! Der einzige Mensch, der es geschafft hatte, sein wirkliches Interesse zu wecken. Und diese Person war ihm gestern über den Weg gelaufen. Nein, ihr fragiles Leben war in seinen Händen gewesen! Ein boshaftes Lächeln umrandete seine Lippen, sodass sein Mund nur eine einzige Linie formte. ,, Abigail Parker also“, flüsterte er den Namen zu sich selbst. Er hätte niemals geahnt, dass ihn diese Frau auf irgendeine Weise interessieren würde. Aber die Welt war wohl klein.


    • Abigail Parker hatte während ihres kleinen Schläfchen einen eigenartigen aber doch auch sehr aufregenden Traum gehabt. Sie träumte darüber, was letzte Nacht geschehen war, allerdings etwas abgeändert. Wie sie in die Gasse blickte und dann den Serienmörder namens Phantom dort stehen sah. Wie dieser sein Opfer umbrachte und dann auf sie zu kam. Er drückte die junge Frau gegen die kalte Backsteinmauer des Mehrfamilienhauses. Seine Hand legte sich um ihre Kehle und seine Finger drückten leicht um ihren Hals, sodass die Schwarzhaarige noch immer atmen konnte, allerdings ein wenig erschwert. Vor lauter Nervosität war ihre Atmung um einiges schneller gewesen, was man auch an der starken Brustbewegung erkennen konnte. Zudem zitterte ihr ganzer Körper und Gänsehaut breite sich auf ihrer Haut aus. Der Killer näherte sich ihrem Gesicht, genauer zu ihrem Ohr. Er trug keine Maske, weshalb sie seinen warmen Atem auf ihrer Haut spüren konnte. Dennoch konnte Abi sein Gesicht nicht sehen. Es war verschwommen gewesen. Leise flüsterte Phantom ihren Namen. "Abigail...", hauchte er schon fast.
      Was allerdings danach passierte, blieb der Journalistin verwehrt, da plötzlich das laute Klingeln ihres Handys, die junge Frau aus dem Traum riss.
      "Ach nööö...", beschwerte sich Abigail noch halb verschlafen, als sie aufwachen musste. Gähnend griff sie nach ihrem Handy, welches auf dem Nachtschrank lag und rieb sich erst einmal die Augen, bevor sie auf das grelle Display sah. Mittlerweile war es schon draußen dunkel geworden, weshalb sie das künstliche Licht für einen Augenblick blendete. Das Klingeln hörte allerdings auf. Abigail hatte zu lange gebraucht, um den Anruf entgegen zu nehmen. Seufzend ließ sich diese wieder zurück in die Matratze fallen. "Na toll, was für eine Verschwendung... Ich hätte doch noch weiterschlafen können...", sprach sie zu sich selbst. Da Abigail alleine lebte, und hauptsächlich die meiste Zeit alleine war, hatte sie sich angewohnt gehabt, Selbstgespräche zu führen. Für Außenstehende mochte das vielleicht komisch wirken, aber die bekamen es ja zum Glück nicht mit. Meistens zumindest. Seufzend blickte Abi noch einmal auf das Display und stellte fest, dass ihr Boss versucht hatte, sie zu erreichen.
      "Urrrrrgh.", grummelte die junge Frau genervt und stand vom Bett auf, um in die Küche zu gehen. Dort betätigte sie erst einmal ihre geliebte Kaffeemaschine, nachdem sie einen Becher drunter gestellt hatte. Bevor sie ihren Boss zurückrief, brauchte sie erst einmal Koffein in ihren Adern. Sie beobachte die heiße braune Flüssigkeit dabei, wie sie langsam ihren Becher füllte, ehe sie dann diesen wieder von der Maschine wegnahm und zurück zum Computer ging. Kaffee und Internet, damit konnte der Tag starten, oder eher gesagt, die Nacht. Nachdem sie also ihren Körper mit dem flüssigen Gold gefüllt hatte, war sie auch nun endlich bereit für ein Gespräch mit ihrem Boss gewesen.
      Diesen musste sie erst einmal erklären, warum sie nicht beim heutigen Meeting war und nach langem Hin und Her, sollte sie ihre E-Mails checken. Ein neuer Mordfall in der Stadt und sie sollte einen neuen Artikel über die Mentalität der Serienkiller für eine Wochenzeitung verfassen. Dabei sollte sie ein Interview mit einem Kriminalpsychologe führen. Dessen Vorgesetzte wurde schon per Mail kontaktiert. Man wartete nur noch auf seine Antwort. Der Name lautete Liam Myers. Immer wieder die selbe alte Leier, dachte sich die Schwarzhaarige. Am liebsten würde Abigail mal ein Interview mit einem Serienkiller führen. Von Angesicht zu Angesicht und natürlich würde sie da Phantom bevorzugen. Doch leider kannte sie noch immer nicht seine wahre Identität und vermutlich wusste dieser auch nicht, wer sie eigentlich war.

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