Out of this World [Fuffy & Zerome]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Out of this World [Fuffy & Zerome]

      Es war ungewohnt so eine weite Reise auf sich zu nehmen. Für gewöhnlich blieben sie unter sich und verließen kaum ihre Stadt, geschweige denn den Teil des Planeten den sie für sich beanspruchten. Er war den anderen was das betraf um einiges voraus, immerhin hatte er einen Großteil des angrenzenden Festlandes bereist, doch nun in einem Raumschiff zu sitzen, dass geradewegs auf das andere Ende ihrer Galaxie zusteuerte, war etwas vollkommen anderes. Bisher hatten sie keinen Grund gehabt Raumschiffe und Raketen zu bauen, um fremde Planeten und Sonnensysteme zu bereisen. Sie hatten gewusst, dass es rein theoretisch möglich ist, doch zu welchem Zweck? Sie waren glücklich dort wo sie waren und das war es worauf es ankam. Aber dennoch... So langsam stießen sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass sie es überhaupt per Telepathie bis zur Erde geschafft hatten. Die Entfernung war doch ein wenig groß. Und selbst mit der Gedankenübertragung konnten sie lediglich Konzepte, Ideen und Gefühle austauschen. Alles materielle, alles von dem sie lernen konnten, blieb ihnen verwehrt, wehshalb recht schnell der Plan gefasst worden war die Erde aufzusuchen. Sicher hatte man dafür allerhand Nachforschungen anstellen müssen, um sicherzustellen, dass ihnen dort nichts passierte und schlussendlich hatte es Jahre gedauert bis zur Vollendung, doch nun hier zu stehen... An Bord ihres besten und einzigen Raumschiffes... Auf dem Weg zu einer gänzlich neuen Welt... Er war aufgeregt und dass nicht nur wegen all dem Unbekannten, dass ihn erwarten würde, sondern auch wegen jemandem altbekannten. Zwölf Jahre lang hatte er jeden Gedanken mit ihr geteilt. Mehr als mit irgendjemandem sonst. Es war nur angebracht deswegen aufgeregt zu sein. Endlich würde er sie sehen können. Zum ersten Mal... Wie das wohl sein würde?
      Weder das Raumschiff, noch die Delegation war sonderlich groß. Sie kamen in friedlicher Absicht, wollten die Menschen kennenlernen, ihnen ihre eigene Kultur und Lebensweise näherbringen und bei dieser Gelegenheiten auch einige andere Kommunikationsgeräte aufstellen. Die Telepathie war zwar schön und gut, doch sie konnten beim besten Willen nicht zu jedem einzelnen Menschen eine Verbindung aufbauen. Dafür waren es einfach viel zu viele. Oder aber sie viel zu wenige. Außerdem war die Telepathie begrenzt. Sie wollten ihre Kommunikationsmöglichkeiten erweitern. Vielleicht würden sie es sogar schaffen eine schnellere Verbing zwischen ihren beiden Welten zu etablieren. Denn auch wenn sie gerade mit Lightgeschwindigkeit durch das Universum rasten, dauerte die Reise dennoch viel zu lange. Zumindest seiner Meinung nach, doch das lag vermutlich vor allem daran, dass er keinen Kontakt zu Sophie herstellen konnte. Die Geschwindigkeit störte sein Empfinden. Er fand sie nicht mehr in all dem Wirrwarr, weshalb sein kopf so leer war wie schon lange nicht mehr. All seine Brüder und Schwestern zu Hause waren noch da, ebenso seine mitreisenden Kollegen. Trotzdem war da eine Leere, die er schnellstmöglich füllen wollte.
      Er hatte wenig mit der ganzen Technik am Hut, weshalb es an Bord nicht sonderlich viel für ihn zu tun gab. Er ging jedem zur Hand und half wo er nur konnte, doch schlussendlich schlug seine große Stunde erst, als sie zur Landung ansetzen und wieder langsamer wurden, um ohne Komplikationen in die Erdatmosphäre einzudringen. Nervös zupfte er an seiner Kleidung herum. Es würde noch immer etwas dauern bis es endlich soweit war und er das erste Mal einem Menschen gegenüberstehen würde. Aufgeregt war er trotzdem und lief bereits Kreise im Gemeinschaftsraum. Das er damit auch alle anderen an Bord aufbrachte entging ihm. Er fühlte gerade eindeutig zu viel auf einmal, als dass er sich Gedanken darüber machen könnte, welche Auswirkungen dieser sturm der Gefühle auf die anderen haben könnte. Ihre Gefühle bekam er schließlich noch nicht einmal mehr wirklich mit. Er hatte nur noch eines im Sinn und das war es Sophie zu finden. Etwas dass sich noch immer als schwerer als gedacht herausstellte. Nun konnte er zwar wieder Verbindung zu ihr aufnehmen, doch gab es da auch noch all die anderen Menschen, die sich anscheinend allesamt an ein und der selben Stelle versammelt hatten. Es erschwerte es ihm erneut sie zu finden und ihr auch nur eine kurze Botschaft zu übermitteln. Er würde wohl einfach darauf warten müssen bis sie einander gegenüberstanden. Ob es sie freuen würde? Sicher. Wieso sollte sie nicht? Er nahm sich die menschlichen Traditionen zu Herzen. Wen würde das nicht freuen? Auch wenn sie so fremd von den ihren schienen. Er konnte nicht behaupten, dass er sich nicht auch ein wenig darüber freute. Er brauchte es zwar nicht unbedingt, ein genaues Bild oder körperlichen Kontakt zu ihr, aber es war dennoch eine Erfahrung die er nur zu gerne machte.
      Alles war von beiden Seiten bis ins kleinste Detail geplant worden. Selbst eine Landeplattform hatte man speziell für ihr Raumschiff errichtet. Dennoch überraschte es ihn ein wenig so viele Menschen auf einem Fleck zu sehen. Sie schienen sich versammwlt zu haben. Aber warum? Der Sinn entzog sich ihm, doch er hatte sowieso keine Zeit darauf zu achten. Sie waren gelandet. Nur noch ein paar Augenblicke und sie würden Geschichte schreiben. Er war aufgeregt, aber auch erfreut und er bereute es zutiefst nichts davon mit Sophie teilen zu können. Er wüsste nur zu gern was sie in diesem Moment empfand. Würde sie überhaupt hier sein? Er hoffte es, denn ansonsten würde er sich gewiss vollkommen verloren fühlen. Und das obwohl er bereits so viele Expeditionen überstanden hatte. Was war anders an dieser? Die Tatsache, dass auch ein Blick aus einem der vielen Fenster ihm nicht hatte offenbaren können, wer die Frau war, die er suchte oder aber lag es daran, dass sies ein fremder Planet war? Was würden sie tun, wenn sie sich verschätzt hätten und das Klima ihnen hier doch schaden würde? So viele Fragen auf die er beim besten Willen keine Antwort wusste und die zeit um danach zu suchen oder überhaupt zu fragen blieb ihm nicht. Die Tür, die sie bisher von der Außenwelt getrennt hatte, schwang auf und endlich sah er sich mit dem großen Unbekannten konfrontiert. Es war anders als das was er gewohnt war. Die Luft schmeckte anders, der wind fühlte sich anders auf seiner Haut an, die Menschen unterschieden sich grundlegend von ihnen, begrüßten sie mit lauten Rufen und bunten Schildern mit Zeichen, die er nicht verstand. Alles in allem sehr einschüchternd, aber lief dennoch weiter, denn er hatte jemanden entdeckt. Auch wenn er sie nie zuvor zu Gesicht bekommen hatte, so wusste er ganz genau wer etwas weiter hinten zwischen den abgezäunten Menschenmengen auf ihn wartete. Sophie. Sie war es. Er wusste es. Sein Gespür verriet es ihm, doch die Etikette und das gute Benehmen verbaten es ihm davon zu stürmen. Zuerst waren die wichtigen Angelegenheiten an der Reihe und dann... Danach... Er war sich noch nicht so sicher was danach kam, doch er goffte einfach, dass er sich nicht allzu sehr blamieren würde. Es reichte voĺkommen aus, dass man seine Nervosität förmlich riechen konnte. Hoffentlich war das etwas das den Menschen entging, denn ansonsten wüsste er nicht wie er sihh ihr als furchtlos und stark präsentieren sollte. Etwas dass für Menschen anscheinend von Bedeutung zu sein schien. Er würde wohl einfach sehen müssen was die die Zeit mit sich bringen würde. Er komnte es kaum noch erwarten.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Mit großen Augen blickte der Junge in die Ecke des Fensterbretts, denn dort war gerade eine Spinne dabei es sich gemütlich zu machen. Sie webte eifrig ihr Netz und für einen weiteren Moment sah er ihr zu, ehe sich sein Gesicht vor Ekel verzog und er vom Stuhl rutschte, an dem er bis eben noch gesessen war.
      „Tante SoSo, ich brauche eine Zeitung!“, rief der Junge nun eilig und klammerte sich ans Bein der Angesprochenen. Mit irritierter Miene drehte sich Sophie vom Herd und dem kläglichen Versuch, Pasta zu machen, weg und blickte in die dunklen Augen ihres Neffen.
      „Möchtest du lesen? Dann solltest du in dein Buch…“ Noah schüttelte vehement den Kopf und deutete auf die Fensterbank.
      „Dort ist eine Spinne.“ So als wäre dies Antwort genug blickte er wieder in die lindgrünen Augen der Frau.
      Diese folgte nun mit gerunzelter Augenbraue seiner Beschreibung und tatsächlich, auch sie sah die Spinne. Nun in ihrer kleinen, alten Wohnung waren Hausgäste nichts Ungewöhnliches, würden doch die Dichtungen und Fenster langsam aber sicher eine Rundumsanierung benötigen. Wofür klarerweise kein Geld da war, wenn man die vielen teuren Leinwände und Farben betrachtete, die sich teils in der Küche, aber auch im Wohnzimmer sowie Schlafzimmer stapelten.
      Sophie seufzte nun und entschied sich dafür, Noah eine weitere Lektion in Sachen Erziehung zu gewähren. Sie drehte den Herd ab, die Nudeln waren ohnehin zu weichgekocht und die Kräutersauce wohl zu wenig für sie zwei. Aber heute waren ihre Gedanken definitiv mit etwas anderem beschäftigt. Nun, wenn sie ehrlich war, dann nicht nur heute, sondern die letzten 12 Jahre.
      Sie schnappte sich nun Noahs Hand und ging mit ihm zu besagter Fensterbank. Je näher sie kamen, desto mehr sträubte sich der Junge, doch gleichzeitig war er auch zu neugierig zu sehen, was gleich passieren würde.
      „Ekel ist anerzogen.“, begann Sophie nun und ließ seine Hand los. Sie selbst streckte ihre Hand nach der Spinne aus und nach einigen Sekunden kletterte das schwarze Exemplar an ihren Fingern empor. „Die Menschen ekeln sich vor Dingen, die sie nicht kennen oder seltsam finden.“
      Sie streckte nun ihre Hand mit der Spinne zu Noah und dieser wich etwas zurück. „Wenn du ihr einen Namen gibst, dann findest du sie nicht mehr so gruselig.“
      Ihr Neffe schien hin und her gerissen. Einerseits vertraute er seiner Tante blind, andererseits wurde es Zuhause mit einer Zeitung und einem kräftigen Schlag gehandhabt. „Susanne.“, murmelte er dann dennoch leise, hielt einen Moment inne, ehe er wieder nickte. „Ja, Susanne!“
      Sophie lächelte und nickte ebenfalls. „Gut, also Susanne.“ Sie öffnete nun das Fenster. „Nur weil du dich vor etwas fürchtest, muss es nicht zum Fürchten sein. Wünschen wir Susanne alles Gute auf ihrer Reise und dass sie ein schönes Netz woanders bauen kann.“ Damit ließ sie die Spinne an der Hauswand absteigen und verschloss wieder alles gut.
      „Also Noah, solche Dinge regeln wir nie wieder mit einer Zeitung, in Ordnung?“, fragte sie streng. Normalerweise war sie alles andere als taff, doch die Erziehung ihres Neffens nahm sie sehr ernst. Sie wartete, bis er brav nickte, ehe sie den Atem ausstieß und ihm liebevoll über den dunklen Schopf strich. „Dann lass uns jetzt essen, deine Mom holt dich bald ab.“
      Gemeinsam gingen sie zurück zum Esstisch und Sophie richtete die wenig appetitlich aussehenden Nudeln an, ehe sie sich setzte. Sie wünschten sich einen guten Appetit und begannen zu essen.
      „Wann kommt denn dein Freund?“, fragte dann Noah zwischen zwei Bissen und beschwerte sich Gott sei Dank nicht über den schlechten Geschmack der Speise.
      Er meinte Alae. Natürlich meinte er Alae. Beim Gedanken an jenen setzte ein Automatismus ihres Körpers ein, gegen den sie wehrlos war. Sie lächelte.
      „Laut Berechnung der Wissenschaftler soll sein Raumschiff am frühen Nachmittag landen.“, antwortete sie und konnte ein aufgeregtes Hüpfen ihrer Stimme nicht verbergen. Doch Noah schien es nicht bemerkt zu haben.
      „Und wo wohnt er?“ Eine sehr kluge Frage für einen 7-Jährigen. Noah stellte immer kluge Fragen, tat sich lediglich mit dem trockenen Unterricht in der Schule schwer. Wenn sich dort die Lehrenden nur ein wenig mehr Mühe geben würden, dann wären auch die Noten des Jungen besser, davon war Sophie überzeugt.
      „Wir haben ein paar tolle Häuser für unsere Gäste gebaut. Dazu wurde extra ein künstlicher See am Rande der Stadt angelegt. Die Häuser sind auch größer als normale Häuser, sie haben höhere Türen und breitere Durchgänge. Du weißt doch, dass unsere Freunde ein wenig größer als normale Menschen sind.“ Sophie und die anderen Auserwählten waren Teil dieses Projektes gewesen. Sie hatten Kontakt mit den Außerirdischen gehalten und konnten somit wertvollen Input liefern, was diese denn benötigten und was nicht. Es waren keine Kosten und Mühen gescheut worden, den fremdartigen Gästen eine würdige Unterkunft zu bieten, solange sie auf der Erde verweilten.
      Noah schien erst einmal zufrieden und somit widmeten sich beide stillschweigend ihrem Mittagessen.

      Für einen Herbsttag war es recht sonnig, doch trotzdem trug Sophie einen hellen Mantel und einen roten Schal mit Glitzerfäden dazwischen. Ihre Aufregung konnte sie nicht länger verbergen, doch das musste sie auch nicht. Sie befand sich hier inmitten einer grölenden und jubelnden Menschenmenge, die ebenso der Ankunft der außerirdischen Gäste entgegenfieberte. Ein nervöses Lächeln hatte sich auf die Züge der Frau gelegt und unruhig wippte sie in ihren Stiefeln auf und ab. Bald wäre es soweit und ihre Sehnsucht würde endlich gestillt werden. All die Jahre über war ihr Alae so vertraut geworden wie niemand sonst. Er kannte ihre Gedanken und umgekehrt. Sie hatte kaum mehr ein Geheimnis vor ihm und er war ihr in schönen sowie auch schwierigen Zeiten zur Seite gestanden. Es hatte sich die letzte Zeit äußerst leer und still in ihrem Kopf angefühlt und diesen Zustand würde sie gerne wieder ändern.
      Seine geistige Präsenz verglich sie gerne mit dem Meer. An schönen Tagen war es ruhig, faszinierend und tief. Es beherbergte eine Menge unentdeckter Geheimnisse und Sophie wollte sie alle ergründen. Doch sie war sich sicher, dass dieser ruhige Ozean auch anders konnte, vielleicht sogar stürmisch wie die Nordsee war. Aber sie ließe sich gerne überraschen.
      Nun schlug ihr Herz schneller und sie ballte vor Aufregung die Hände zu Fäusten. Das Raumschiff war riesig und glich keinem bekannten Ding auf Erden. Ihre Augen folgten der graziösen Landung des Schiffes, für welches eigens eine Konstruktion angefertigt worden war. Zunächst würde natürlich die Oberhäupter der Regierung die Gäste in Empfang nehmen. Es würde vermutlich Fotos, Getränke und Snacks geben. Vielleicht sogar den einen oder anderen Handschlag.
      Aber Sophie interessierte dies alles nicht. Sie wollte Alae so schnell als möglich sehen, ihn endlich von Angesicht zu Angesicht in die Augen blicken und berühren können. Für sie war erst etwas gänzlich real, wenn sie es anfassen konnte.
      Sobald der offizielle Teil vorbei war, dann würden die Auserwählten auf ihre jeweiligen Freunde treffen dürfen um ihnen die zugeteilte Unterkunft zu zeigen. Sie waren dafür verantwortlich, dass sich die Gäste wohl fühlten und recht schnell einfanden. Aus diesem Grund war heute der erste Tag ihres zweiwöchigen Urlaubes. Sie wollte alles tun, damit sich Alae möglichst rasch auf der Erde wohl fühlte. Sie wollte ihm so vieles zeigen, jetzt, wo sie endlich die Gelegenheit dazu hatte.
      Und dann stoppten ihre Gedanken. Alles andere schien plötzlich nichtig und unwichtig, denn endlich öffnete sich die Tür des Raumschiffes und die Neuankömmlinge traten daraus empor. Ohne genau zu wissen warum, fokussierte ihr Blick sofort einen der Außerirdischen und ihr Herz setzte einen Schlag aus. Das war er. Ohne eine offizielle Bestätigung und trotzdem ohne die Spur von Unsicherheit, erkannte sie ihren Alae. Er war so ganz anders, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Allzu viel konnte sie von ihrer Position aus nicht sehen, doch zweifelsohne war er grün und schien Schuppen und Flossen aufzuweisen. Er sah aus wie ein Fischmensch aus einer Fantasy Serie und nie hätte Sophie geglaubt, ihren langjährigen Freund tatsächlich einmal zu Gesicht zu bekommen.
      Sie konnte nun nicht mehr länger an sich halten und wagte es zu winken. Vielleicht würde er sie sehen.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Seine Augen waren nur auf sie gerichtet. Er betrachtete sie genauer, legte ein wenig den Kopf schief, so als würde er dadurch besser verstehen können, was er dort gerade sah. Er hatte Beschreibungen des menschlichen Aussehens gehört und doch sah sie ganz anders aus als er gedacht hatte. So winzig und das Fell, Haare wie er gelernt hatte, auf ihrem Kopf sah weich aus. Er konnte sich noch nicht einmal daran stören, dass es hier deutlich kälter war als erwartet. Der Wind war frisch, doch auch das ging erst einmal spurlos an ihm vorbei. Stattdessen musste er mit Verwunderung, dass sie ausladend mit einem ihrer Arme in seine Richtung wedelte. Was sie damit wohl ausdrücken wollte? In dieser Menschengruppe herrschte ausschließlich Euphorie vor und auch sie schienen mit ihren Schildern freudig auf und ab, hin und her zu winken. Vielleicht war es also ein Zeichnen der Freude? Auch wenn er es nicht so verstand, hob er nach einiher Zeit zögerlich seinen eigenen Arm ein kleines Stück, um die Geste langsam und unsicher zu wiederholen. Er musste nachher unbedingt danach fragen was sie bedeutete. Hoffentlich nichts schlechtes oder unangebrachtes, das ihn in Bedrängnis bringen würde. Doch für den Moment hatte er sich einfach mitreißen lassen. All die positiven Empfindungen... Sie fluteten seine Wahrnehmung und machten es ihm schwer klar zu denken. Dennoch nusste er sich zusammenreißen und konnte erst einmal keinen weiteren Blick auf Sophie erhaschen, denn aus der Masse lösten sich einige Menschen, die ihnen nun entgegen traten. Offenkundig ihre Anführer, auch wenn ihr schmuckloses Auftreten, dass kaum als Antwort zuließ und es ihm viel lieber gewesen wäre, wenn stattdessen ihre menschlichen Gegenstücke diesen Part übernommen hätten. Immerhin kannten sie einander schon. Doch anscheinend schien es dabei wohl irgendwelche Konflikte in der menschlichen Rangordnung zu geben, weshalb er sich nicht beschwerte, sonder stattdessen einfach nur nach vorn, an die Spitze ihrer kleinen Gruppe trat. Er war schließlich hauptsächlich als Diplomat hier anwesend um zwischen ihren beiden Völkern zu vermittel. Dass er dabei auch Sophie treffen konnte war eher ein glücklicher Zufall, als wirklich eingeplant gewesen, doch er konnte sich nicht beschweren.
      Es folgte eineganz ungewohnte Zeremonie mit vielen Worten und keiner wirklichen Chance etwas dazu zu sagen, weshalb sie alle nur mit großen Augen dastehen konnten, während die unzähligen Wörter auf sie einprasselten. Er verstand einen Großteil, doch der Sinn dahinter entzog sich ihm vollkommen. Dennoch... Es wäre unhöflich sie zu unterbrechen und auch wenn sie müde und geschafft von der langen Reise waren, standen sie es durch bis ihnen endlich gestattet wurde das Wort zu erheben. Erhobenen Hauptes richtete er sich zusammen mit den anderen zu ihrer vollen Größe auf, ehe er einen Moment innehielt. Er hatte diese Worte sorgfältig vorbereitet und tagelang geübt um sie nun möglichst perfekt über die Lippen bringen zu können. Etwas unsicher war er dennoch, aber er hoffte einfach niemanden mit seinen Unsicherheiten zu verärgern. Und falls doch, dann hoffte er, dass dadurch nicht diese einmalige Gelegenheit verstreichen würde und man es ihnen nicht allzu lange übel nehmen würde.
      "Wir grüßen euch. Wir sind die Quirin des Vaeros und danken euch.", erwiderte er auf die doch recht lange und ausführliche Rede der Menschen hin nur, ehe er den Kopf würdevoll ein wenig absenkte. Die Betonung war teilweise etwas falsch und mitunter klangen seine Worte doch eher hart und zischend, aber alles in allem verzeichnete er dies als kleinen Erfolg. Er hatte es hinter sich gebracht und da man sie nicht sogleich bedrohte, sondern die Stimmung allen Anscheins nach nur zu eskalieren drohte, beruhigte er sich erst einmal wieder. Er verschränkte, die Arme vor dem Bauch und ließ sich weiter durch dieses ungewohnte Kulturprogramm führen. Es wurden Speisen und Getränke ausgehändigt, die er nicht kannte und die er erst einmal unangerührt ließ, während weitere Ausführungen folgten. Mittlerweile war er ein wenig näher in Sophies Richtung getreten und nun kommte er sie in ihrer Gänze betrachten. Menschen waren wirklich klein, doch sie war noch einmal ein deutliches Stück winziger als die um sie herum. Woran das wohl lag? Auch das würde er später noch in Erfahrung bringen, doch jetzt im Moment zählten für ihn nur ein paar Worte. Man gestattete ihnen endlich sich mit den Personen zu denen sie all die Jahre über Kontakt gehalten hatten, vertraut zu machen. Etwas dass sie seiner Meinung nach gleich zu Anfang hätten tun sollen, qber was solls...
      Während alle anderen an Ort und Stelle abzuwarten schienen, konnte er nicht anders als ihr entgegen zu gehen. Er konnte fühlen wie seine Flossen aufgeregt zuckten, für den Moment ignorierte er das jedoch. Er hatte nur eines im Sinn und versuchte möglichst schnell den Abstand zwischen ihnen zu überbrücken. Irgendwo in der Mitte trafen sie sich, er hielt noch immer eines der kleinen Menschengläser in beiden Händen, in dem sich eine merkwürdig blubbernde Flüssigkeit befand. Selbst diese war uninteressant, im Vergleich zu der Person, die er nun endlich vor sich hatte. Endlich konnte er sie wieder als Präsenz in seinen Gedanken spüren. Er war glücklich und das war auch so ziemlich das erste was er ihr mitteilte. Er schleuderte ihr eine gewaltige Welle telepathischer Freude entgegen, ehe er den Kopf senke um seine Stirn an ihre zu legen und die Augen zu schließen. Endlich... Er hatte ihr schon immer so nah sein wollen und nun... Er wusste gar nicht was sie noch wissen wollen könnte. Er hatte gar nicht die Zeit dazu um darüber nachzudenken, sondern verharrte erst einmal nur schweigend in dieser doch eher unbequemen Position. Stunden schienen zu verstreichen, in denen lediglich das zu zählen schien was in ihren beiden Köpfen vorging. Er fasste ihr die Reise der letzten Tage zusammen und erfreute sich im Gegenzug an all den Erlebnissen, die sie in dieser Zeit gemacht hatte, ehe er sich fast schon schwermütig von ihr löste. Nur langsam hob er den Kopf an, um sich erneut wieder auftecht hinzustellen und zu ihr hinab zu schauen. Ein einziges Wort kam ihm leise über die Lippen. Sophie. Während er ssie erneut betrachtete und hoffte, dass ihr Name so korrekt war. In seinen Ohren klang er so hart und lieblos. Kein Vergleich zu der melodischen Art und Weise, die er von ihr gewohnt war und er musste wirklich dem Drang widerstehen seinen Kopf zu senken. Er wollte ihr beweisen wie selbstbewusst, sicher und auch schön er war, nur deshalb hatte er sich schließlich in seine schönsten Roben geworfen und fast schon schon zu viel Schmuck angelegt. Nur um ihr zu gefallen und er hoffte wirklich, dass es Wirkung zeigte. Auch wenn er das noch nicht so wirklich sagen konnte. Er hatte genug eigene Gefühle, die alles durcheinanderbrachten. Er kommte ihre noch nicht so im Blick behalten wie er es gern tun würde, wären das hier andere, normalere Umstände.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Sophies Augen weiteten sich, als sie den Blick von Alae auffing. Er sah sie wirklich an! Jegliche restlichen Zweifel, wer ihr bis dato nur geistiger Freund war, zerstreuten sich im Wind. Er blickte sie an und für einen Moment blendete sie den Lärm rings um sie aus. Wie durch Watte hörte sie nur mehr gedämpft die freudigen Rufe und wie durch Zeitlupe konnte sie sehen, dass Alae langsam aber doch eine Hand hob. War er unsicher? Vermutlich, sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er sich sicherlich Sorgen machte, um nichts Falsches zu tun. Sie lächelte jedoch, als er ihr wirklich zurückwinkte. Diese kleine Geste schien auch den anderen Menschen nicht verborgen zu bleiben und diese reagierten mit noch lauteren und energischeren Rufen.
      Genau dies war der Grund, warum in den Filmen die Aliens meist bösartig auf die Menschheit reagierte. Anstatt vorsichtig und zurückhaltend zu sein, musste ihre Rasse die Neuankömmlinge regelrecht überfordern.
      Dann verschwand ihr Freund aus ihrem Sichtfeld und sie hatte Zeit die anderen Ankömmlinge zu mustern. Sie stand zwar zu weit weg um detaillierte Einzelheiten zu erkennen, doch ein paar Unterschiede fielen ihr schon auf. Die einen waren größer, die andren zierlicher, wieder andere wiesen kleine Flossen an ihren Köpfen, Ellenbögen oder Hüften auf, andere trugen hochwertig aussehende Stoffe, wieder andere schienen schüchtern. Es war faszinierend zu sehen, wie große Unterschiede es zwischen ihnen gab, es erinnerte sie ein wenig an die menschliche Rasse.
      „Hast du deinen gesehen?“, fragte nun eine männliche Stimme hinter ihr und überrascht drehte sie sich um. Sie blickte in grüne Augen, welche fast gänzlich von einem roten Haarschopf verdeckt wurden. Henry war wie sie einer der Auserwählten und einer der Führungskräfte in der Sternwarte, somit ihr Boss.
      Sie nickte und lächelte. „Du deinen auch?“ Er schüttelte jedoch den Kopf.
      „Es waren einfach zu viele, ich wusste nicht, wer…“ Etwas hilflos zuckte er mit den Schultern und sie legte ihm mitfühlend eine Hand auf die Schulter.
      „Er wird sich sicher zu erkennen geben.“, meinte sie aufmunternd und Henry zuckte abermals mit den Schultern. Gemeinsam ließen sie nun den Blick zu der Festlichkeit schweifen, bei der sie nicht stören sollten. Menschen legten nun einmal Wert auf Gepflogenheiten, oder vielmehr auf die Zurschaustellung von Rängen, Positionen und Macht. Und Sophie? Als technische Assistentin hatte sie ungefähr so viel zu sagen wie ein trockener Schwamm mit dem man eine Kreidetafel säubern wollte.
      „Aber ein wenig ekelig sehen die schon aus, oder?“, wollte Henry nun erneut wissen und ein wenig schockiert über seine Worte blickte sie ihn an.
      „Ekelig?“, wiederholte sie und sah wieder zurück zu der Delegation. Es wurde eine festliche Rede gehalten und allen erdenklichen Partnern gedankt sowie ein herzliches Willkommen auf der Erde ausgesprochen. Die Frau nahm sich einen Moment um über die Worte ihres Chefs nachzudenken. Sie war keine Lügnerin und wollte innehalten, um in sich hinein zu hören. Aber…
      „Nein, finde ich nicht.“ Sie schüttelte den Kopf um ihre Worte zu unterstreichen. „Ich finde sie sehen interessant aus. Ganz anders als wir, aber faszinierend. Ich bin gespannt ob die Haut glatt und kalt wie die eines Fisches, oder doch ganz anders ist.“, plapperte sie munter weiter.
      Henry lachte ein wenig und schüttelte den Kopf. Es hatte sich auch auf ihrer Arbeitsstelle ihr interessiertes und begeisterungsfähiges Wesen herumgesprochen.
      „Du bist unverbesserlich.“, murmelte er, legte ihr zum Abschied eine Hand auf die Schulter und verschwand in der Menge. Vermutlich um über ihre – für ihn seltsamen – Gedanken mit seinen anderen Kollegen zu tratschen.
      Doch Sophie war es egal, denn sie hatte jetzt nur noch Augen für Alae. Dieser trat ein wenig nach vor um nun selbst das Wort zu erheben. Die Lautsprecher des Pultes würden ihr zum ersten Mal seine echte Stimme vermitteln und sie hielt erneut den Atem an.
      Seine Stimme klang ganz anders und doch wieder sehr gleich wie in ihrem Kopf. Die Worte waren etwas hart und zischend, doch der Wirkung taten sie keinen Abbruch. Gänsehaut breitete sich in ihrem Körper aus. So hörte er sich also tatsächlich an. Die Menge tobte und jubelte noch mehr und Sophie lächelte stolz. Sie hätte nicht so viel Mut gehabt, einen fremden Planeten zu bereisen und dann auch noch vor so vielen Leuten in einer ungewohnten Sprache zu sprechen.
      Dann verschwanden er und seine Leute wieder zwischen den Frackträgern und Sophie wartete ungeduldig ihn endlich treffen zu dürfen. Geduld war noch nie ihre Tugend gewesen doch gerade jetzt glich die Warterei einer wahren Folter.
      Bald jedoch schien dieses Programm ein Ende zu finden und ihre Augen erblickten ihren Freund erneut. Er stand nun ein ganzes Stück näher als zuvor und unverhohlen und mit großem Interesse musterte sie ihn. Er war wirklich beeindruckend groß, fast würde sie eine Leiter benötigen. Stumm dankte sie Gott, dass er sie selbst nicht auch ganz so klein erschaffen hatte. Wenn sie so groß wäre wie ihre Schwester, mit ihren 160 cm, dann hätte sie vermutlich wirklich ein Problem damit, Alae in die schwarzen Augen mit den roten Iriden zu blicken.
      Sie betrachtete seine Flossen, sofern es welche waren, die von eleganter Form und einer überraschenden Zartheit waren. Ihre Spitzen verfärbten sich in Orange- und Rottöne. Es waren herrliche Farben, die sie sogleich an einen Sonnenuntergang denken ließen. Er wäre ein schönes Bild zu malen – vielleicht würde er ihr irgendwann Modell stehen?
      Seine Kleidung schien hochwertig und er war über und über mit Schmuck behangen. Es waren seltsame Gegenstände, doch teilweise mit hoher Geschicklichkeit gefertigt. Ob es bei ihnen auch den Beruf des Goldschmiedes gab? Fragen über Fragen stürmten auf sie ein.
      Aber dann rückten all ihre Neugierde und Unsicherheit in den Hintergrund, denn plötzlich setzte sich ihr Freund überraschenderweise in Bewegung. Für einen Wimpernschlag verharrte sie selbst an Ort und Stelle, ehe sie ebenfalls losging. Zunächst langsam und gesittet, doch zum Schluss wurde sie immer schneller.
      Die Menschenmassen schienen vor Alae regelrecht zurückzuweichen und Sophie kam dies gelegen, denn somit konnte sie problemlos dazwischen hindurchschlüpfen.
      Und endlich… endlich stand sie vor ihm und er vor ihr. Sie musste den Kopf in den Nacken legen um ihn zu betrachten. Er sah wirklich fremdartig aus, fast zum Fürchten anders, aber ihr was es egal. Endlich spürte sie wieder den vertrauten Ozean in ihren Gedanken, oh wie hatte sie ihn vermisst!
      Und er sie scheinbar ebenso, denn ungebrochene Freude und Glück durchströmten sogleich ihre Gedanken. Sein Sturm an Emotionen brachte sie dazu tatsächlich feucht schimmernde Augen zu bekommen. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie tatsächlich ein paar Tränen vergießen. Aber wäre dies schlimm? Immerhin stand vor ihr das Wesen, welches sie in den letzten 12 Jahren so intensiv kennengelernt hatte.
      Und egal was sein Äußeres auch sagte, sie wusste um seine Sanftheit und Liebenswürdigkeit. Dies bezeugte auch die nächste Geste, die er tat. Er legte sanft seine Stirn an ihre, obwohl doch solch ein Größenunterschied zwischen ihnen herrschte. Sie stellte sich automatisch auf die Zehenspitzen, um ihm die Sache etwas zu erleichtern.
      Eigentlich war sie überrascht über eine derartige Geste, hatte sie ihn doch als rein geistiges Wesen kennengelernt. Hatte er sich durch sein Studium der Menschen ein Bild von ihren körperlichen Bedürfnissen machen können? Oder bezog er sich ganz auf sie, da er wusste, wie wichtig ihr Berührungen waren? Sie wusste es nicht, schloss lediglich die Augen und genoss die überraschende, ungewohnte und doch wohltuende Nähe zu Alae.
      Er erzählte ihr telepathisch von der Reise und im Gegenzug erzählte sie ihn von ihren Tagen. Es war seltsam für sie, einen Tag ohne den geistigen Kontakt zu ihm zu verbringen und zum Glück hatte sich dies nun wieder geändert. Ihr Gehirn brauchte schon fast das vertraute Rauschen des Meeres in ihren Gedanken, wusste sie immerhin, dass sie somit nicht mehr alleine war. Schnell wischte sie sich doch ein paar verräterische Tränen von ihren Wangen. Ihre Emotionen waren außer Rand und Band.
      Irgendwo klickten Kameras, natürlich war auch die Presse hier anzutreffen und langsam schienen auch die anderen Menschen und Quirin aufzutauen und ebenfalls den Kontakt zueinander zu suchen.
      Sie lösten sich voneinander und Sophies Augen suchten wieder die seinen. Es war ungewohnt in schwarz-rote Iriden zu blicken, doch sie würde sich sicherlich daran zu gewöhnen. Für ihn war es sicher ebenfalls ungewöhnlich einen Menschen vor seiner Nase zu haben.
      „Alae.“, hauchte sie nun fast ehrfürchtig seinen Namen. So viele Jahre und endlich trafen sie sich. „Wie fühlst du dich? Du musst müde sein.“ Solch eine Reise würde an niemanden ohne Spuren vorübergehen.
      Soll ich dir dein Zuhause zeigen?, fragte sie auf telepathischem Weg. Sie wusste noch nicht was ihm lieber war, geistig oder real zu kommunizieren.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Die grellen Lichter von der Seite waren im ersten Moment etwas störend, doch er konnte nicht einordnen welchem Zweck sie dienten und wo sie überhaupt herkamen, weshalb er es dabei beließ. Sie taten ihm nichts, also würden sie schon nicht so schlimm sein. Außerdem unternahm auch Sophie nichts gegen sie und das war schlussendlich die einzige Bestätigung, die er brauchte. Sie wusste was hier am besten zu tun wäre als hielt er sich an sie. Das hier war ihre Heimat und er war sich sicher, dass sie alles daran gesetzt hatte, dass ihnen kein Schaden zugefügt wurde. Außerdem... So richtig auf die anderen Geräusche und Eindrücke konnte er sich sowieso nicht konzentrieren. Nicht wo sie jetzt endlich vor ihm stand. Aus der Nähe wirkte sie noch viel kleiner, gerade so groß wie ein Kind. Und doch wirkte sie vollkommen anders. Irgendwie ähnlich, vertraut aber doch von Grund auf verschieden. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht sich ein Bild von ihr zu machen. Zumindest kein körperliches. Ihm hatte ihr geistiges Äußeres vollkommen genügt. Es war wunderschön gewesen. Sie hatte einen bemerkenswerten Charakter und solch ehrliche Gefühle. Es hätte ihm ausgereicht, doch jetzt... Jetzt wo er sie vor sich hatte, bereute er es nicht, sich hierher begeben zu haben. Sie sah vollkommen anders aus als er selbst, trug merkwürdige Kleidung und kaum Schmuck, trotzdem... Ihr Fell schien weich, ihre Augen warm... Es war die richtige Entscheidung gewesen sie endlich auf diesem Wege kennenzulernen. Auch wenn sie ihm gerade sämtlichen Wind aus den Segeln nahm. Die Vorfreude war noch da, doch er wusste nicht so recht wohin mit ihr. Momentan verströmte er sie einfach und er war wirklich froh, dass alle anderen mit ihren eigenen Menschen beschäftigt waren. Nicht auszudenken wie peinlich das sonst werden würde...
      Er blickte auf sie hinab, war sich nicht sicher, ob er sich nicht besser vor sie knien sollte, um es ihr zu vereinfachen ihn anzusehen, doch sie war kein Kind... Das würde sich nicht gehören und er wollte sie nicht beschämen. Nicht vor all den Menschen, die sich hier versammelt hatten. Vielleicht würden sie später eine andere Möglichkeit finden. Außerdem... Sie würde ihn gewiss nicht die ganze Zeit über so ansehen, oder? Gerade tat er das selbe, doch irgendwann gäbe es nichts neues mehr zu sehen und dann würde auch er den Blick abwenden. Aber wenn sie dann noch immer in seine Richtung schauen würde... Machten das Menschen so? Sollte er den Blick nicht abwenden? Er war sich nicht sicher, weshalb er ihn erst einmal auf ihr ruhen ließ. Schließlich hatte er sich sowieso noch nicht satt gesehen. Ganz besonders nicht an ihrer merkwürdigen Kleidung. Wie sie wohl funktionierte? Er verstand nicht wie man sie anzog, also setzte er auch das auf seine mentale Liste von Dingen, die er sie zu einem späteren Zeitpunkt noch fragen wollte. Hoffentlich würde man ihnen Zeit zu zweit gewähren. Sicher... Zusammen mit den anderen, aber er wollte nicht wieder von all den Fremden belagert werden. In ihrer Nähe fühlte er sich geborgen, doch manches konnte man sich einfach nicht aussuchen. Darauf hoffen würde er trotzdem.
      Das Wasser in ihrem Gesicht verwirrte ihn. Er fixierte es, versuchte herauszufinden ob so der regen hier funktionierte, kam aber zu keinem eindeutigen Schluss, was es damit auf sich haben könnte. Auch dies wanderte auf seine Liste. Wenn es so weiter ging, würde es auf jeden Fall nie langweilig werden. Nicht dass es das könnte, wenn Sophie hier war. Sie hatten sich zwölf Jahre lang bestens unterhalten ohne sich zu langweilen, warum sollte es jetzt also anders sein? Es war zwar alles anders, aber zumindest das sollte sich doch nicht ändern oder? Er war sich noch nicht sicher, aber dafür blieb so wieso keine Zeit zum Nachdenken. Sie sprach seinen Namen aus und er konnte nicht behaupten, dass es ihm missfiel. Sicher schwang die Unsicherheit der menschlichen Stimme darin mit, die beim besten Willen nicht dafür ausgelegt war ihre Sprache zu sprechen, doch er verstand was sie sagte und es stimmte ihn trotz alle dem glücklich. Wie ein leichtes Brummen schwang seine Freude in seinen Gedanken mit. Sein Name aus ihrem Mund... Er konnte es noch nicht richtig fassen. Es schien so unwirklich und doch... Das hier war die Realität. All das passierte gerade wirklich und auch wenn er nicht wusste wie er damit umgehen sollte, es könnte nicht besser sein.
      "Sophie...", er stoppte kurz, genoss selbst noch einmal wie ihr Name aus seinem Mund klang. Sicher sprach er ebenso holprig wie sie, aber es schien sie nicht zu stören. Er fühlte sich ein wenig in seinem Tun bestärkt und fuhr deswegen fort. Sollten seine Fehler zu fatal sein, würde sie ihn schon darauf hinweisen und dann könnte er noch immer davon absehen so mit ihr zu kommunizieren und zu ihrer altbekannten Form der Gespräche zurückkehren. Für den Moment jedoch... Er wollte diese fremde Sprache genießen. Er hatte sie schließlich nicht umsonst gelernt, sondern ausschließlich für sie. "Ich... Ich bin glücklich.", antwortete er ihr wahrheitsgemäß. Eine Aussage, die er so noch nie getätigt hatte. Alles was Gefühle betraf mussten sie nicht in worte fassen. Es ließ sich viel leichter, viel schneller einfach zeigen. Und doch... Hier war es anders und es drückte nun einmal genau das aus was er empfand. Wenn auch nicht in all seiner Komplexität, die er gern vermittelt hätte. Doch dafür reichten Worte wohl einfach nicht aus. Er war froh, dass er trotzdem noch die Möglichkeit hatte es geistig besser vermitteln zu können. Anders würde die Tiefe dieser Worte einfach nicht bei ihr ankommen, denn mittlerweile strahlte er förmlich von innen heraus vor positiven Empfindungen und wusste gar nicht mehr wo hin damit. Wenn es weiter so ging, würde er Sophie noch damit erdrücken. Hoffentlich verkraftete sie das. Bisher hatte er nie mitangesehen, welche Auswirkungen so etwas auf einen Menschen hatte. Hoffentlich schadete es ihr nicht.
      Soll ich nicht mit dir sprechen? Habe ich dich damit verärgert? Verzeih mir., erwiderte er, sobald die Botschaft in seinem Kopf ankam. Er hoffte, dass er nicht zuvor schon irgendetwas falsch gemacht hatte, aber er war einfach so überglücklich gewesen... Er würde wohl einfach noch ein wenig länger und härter üben müssen um mit den Standards der Menschen mithalten zu können, denn er wollte nichts lieber als noch einmal ihren Namen sagen. Und bis es soweit war, würde er alles daran setzen um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Auch wenn die Menschen wohl ganz andere Pläne für sie bereithielten. Er hätte noch stundenlang hier stehen und einfach nur die Anwesenheit der anderen und ganz besonders von Sophie zu genießen, doch wenn sie weiter mussten...
      Eine zweite Heimat. Sehr gern., fuhr er fort und blickte sie dann erwartungsvoll an. Wo sie ihn wohl hin führen würde? Er wusste, dass die Menschen speziell etwas für sie errichtet hatten, doch wo genau sich das befand... Er hatte keine Ahnung, aber so könnte er mehr Zeit mit ihr verbringen und das war schlussendlich alles auf das es ihm ankam. Werden die anderen uns begleiten? Ich möchte dir meine Brüder und Schwestern vorstellen und deine gern kennenlernen., fügte er hinzu, denn auch das war etwas wichtiges. Gemeinschaft. So sehr er sie auch nur für sich beanspruchen wollte, nicht nur er, sondern auch die anderen würden Wert darauf legen. Bisher hatte er schließlich nur wenig über sie austauschen können. Das meiste hatte er für sich behalten, doch nun von Angesicht zu Angesicht... Das war sicher um ein Vielfaches besser als sich über mehre Ecken durch die Köpfe einer Vielzahl von Individuen miteinander bekannt zu machen. Zumindest was die Seite der Menschen betraf. Für sie war das vollkommen in Ordnung. Doch sie waren hier um ihren neuen Freunden das Leben zu erleichtern, also sollten sie das auch tun.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Es war als stünde die Welt tatsächlich still. Es war wie nach einem langen Tag nach Hause zu kommen, so fühlte sich die Begegnung mit Alae für Sophie an. So lange hatten sie lediglich telepathischen Kontakt, ließen den jeweils anderen an ihrem Leben teilhaben. Doch dass jene Person nun wahrlich da vor ihr stand, konnte ihr Verstand noch nicht begreifen. Sie blickte ihn an wie eine seltsame Kostbarkeit, wie ein verblassender Traum, der beim nächsten Blinzeln wieder in die Gefilde des Unbewusstseins schweben würde. Doch er war real, ihr Alae stand hier vor ihr. Ihr bester Freund, den sie seit 12 Jahren stets an ihrer Seite gewusst hatte. Niemand, mit Ausnahme ihrer Mutter und Schwester, war so lange bei ihr geblieben wie dieses fremdländische, exotische Wesen vor ihr. Er war ihr eine unsagbare Stütze gewesen und kannte wohl alle wichtigen Erlebnisse ihres Erwachsenenlebens.
      Sie konnte sich gar nicht sattsehen an ihrem Freund. Ob ihm dies unangenehm war? Gar peinlich? Sie wusste es nicht, doch hatte für etwaig anderes auch ihren Körper zu wenig im Griff. All ihre Willenskraft musste sie aufbringen um ihn nicht ständig zu berühren.
      Sie versuchte seine Mimik zu deuten, doch das fremde Gesicht und die unbekannte Rasse sagte ihr einfach viel zu wenig, um auch nur irgendwas daraus ablesen zu können. Sie würde ihn regelrecht studieren müssen, um aus seinen Gesichtszügen und Regungen schlau zu werden. Eine Aufgabe, die sie nur allzu gerne annehmen würde.
      Doch was sie ganz genau wahrnahm, war die Verwirrung ob ihrer dummen Tränen. Für ihn musste dies alles furchtbar andersartig sein und vielleicht auch überfordern. Es tat ihr wirklich leid, so zu reagieren, doch sie konnte nicht anders. Aber Alae, ihr Alae, hatte sie noch nie dafür verurteilt ein Mensch zu sein. Er verstand vielleicht nicht immer die Komplexität ihrer Gefühle – sie selbst ebenfalls nicht – und doch hatte er ihr nie das Gefühl gegeben seltsam zu sein oder sich ob ihrer Emotionen schämen zu müssen. Sie hoffte, dieser Wesenszug war tatsächlich auch im realen Leben so.
      Als sie nun seinen Namen ausgesprochen hatte, fühlte sie die Vibrationen der Freude in seinen Gedanken und somit auch in ihren. Es fühlte sich gut an, doch auch etwas überfordernd, da ihre eigenen Gefühle gerade ohnehin Achterbahn fuhren.
      Nun war es an ihm nochmals ihren Namen zu nennen und die dummen, heißen Tränen flossen erneut ihre Wangen hinunter. Wie lange hatte sie auf diesen Moment gewartet? Eindeutig zu lange! Denn es klang toll. Das Meer in ihrem Kopf verband sich langsam aber sicher mit dem realen Wesen vor ihr und sie konnte gar nicht aufhören glücklich zu lächeln.
      Nun antwortete ihr Freund auf ihre Fragen und ein Stein – nein, eine ganze Lawine – fiel ihr vom Herzen. Er sagte er sei glücklich und sie empfand das Gleiche. Er schien also seine Reise oder ihr Treffen nicht zu bereuen und sie nickte kräftig, um ihm dies ebenfalls zu vermitteln. Ihrer beider Glück schien sich gedanklich zu ergänzen, zu vervollständigen und das daraus resultierende Crescendo an Gefühlen war beinahe zu viel für die Braunhaarige.
      Ihr Herz flatterte gleich einem Vogel in ihrer Brust und sie wusste nicht ob sie in der Lage war noch breiter zu lächeln. 12 Jahre… sie hatte 12 Jahre gewartet.
      Doch gedanklich sprach er weiter und kurz verfinsterte sich ihre Miene. Sie hatte nicht gewollt, dass er sich entschuldigte, gab es doch auch keinerlei Grund dafür. Sie schüttelte nun langsam den Kopf und lächelte anschließend wieder sanft.
      „Es gibt nichts zu verzeihen. Ich wollte dich nur nicht gleich mit der menschlichen Sprache überfordern.“, antwortete sie ihm nun wieder mittels akustischer Sprache. Wenn ihm dies lieber war, würde sie natürlich mit ihm sprechen.
      „Wir werden in einem großen Fahrzeug zu eurer Unterkunft gebracht.“, erklärte sie ihm nun. „Die anderen werden sich uns ebenfalls anschließen, doch es kann zu Wartezeiten kommen.“ Die menschlichen Auserwählten waren dazu angehalten, sich genügend Zeit zu nehmen und sich ganz den Bedürfnissen ihrer intergalaktischen Freunde anzupassen. Außerdem war das Fahrzeug extra groß und adaptiert, um allen viel Platz zu bieten.
      „Gerne würde ich deine Brüder und Schwestern kennenlernen. Auch meine Familie brennt darauf, deine Bekanntschaft zu machen.“ Sie streckte ihm nun die Hand entgegen, hatte sie doch keinerlei Berührungsängste.
      „Ich hoffe, eure Häuser gefallen euch. Wir haben auf Privatsphäre geachtet, aber auch auf eure Gemeinschaft.“ Die Bauten glichen Reihenhäusern, wo man durch einen Schritt in den Garten sofort mit den anderen verbunden war und gemeinsam im künstlichen See baden oder entspannen könnte.
      „Folge mir, bitte.“, forderte sie ihn nun freundlich auf.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Er verstand nicht alles. Wenn er ehrlich war, verstand er kaum etwas von dem was hier vorging. Dennoch... Es störte ihn nicht. Es bestätigte lediglich seine Annahme, dass es noch unzählige Dinge gab, die sie entdecken konnten und das spornte nur den Entdecker in ihm an. Er war darauf vorbereitet all das hier zu ergründen. Brannte regelrecht schon darauf und konnte es gar nicht erst erwarten endlich damit loszulegen. Er wollte Sophie Fragen stellen, an ihrer Seite diese fantastische, neue Welt entdecken, sie verstehen lernen. Es konnte gar nicht früh genug damit losgehen. Am liebsten hätte er gleich damit begonnen, doch es gab anderes zu tun. Er hielt immer noch das merkwürdige Gefäß mit der brodelnden Flüssigkeit in seinen Händen und hatte auch so noch einige Unklarheiten, die er lieber vorher klärte, als danach. Ganz besonders was das Sprechen betraf. Er war froh, dass sie so schnell darauf zurückkam, auch wenn er glaubte, dass sie nicht so recht verstand, was ihm solche Sorgen bereitete. Sollte er versuchen es ihr zu erklären? Sie schien keinen Wert darauf zu legen und es schien sie nicht zu stören, dass er Fehler machte... Er sollte es dabei belassen. Zumindest vorerst. Er könnte sie später darüber aufklären... Wenn sie danach fragte oder wenn sich erneut die Gelegenheit bot. Ja... r würde es erst einmal auf später verschieben. Nun hatten sie schließlich alle Zeit der Welt. Müssten sich nicht mehr an unterschiedlich verlaufende Tag- und Nachtzyklen und Tagesabläufe halten. Nun waren sie zusammen und würden mehr als genug Zeit füreinander finden.
      "Ich habe 12 Jahre für diesen Moment gelernt. Es ist nicht perfekt. Ich habe noch viel zu lernen vor mir.", erwiderte er wahrheitsgemäß, würde sich nun aber nicht mehr so schnell unterkriegen lassen. Zumindest solange sie unter sich waren. Die anderen Menschen konnte er noch nicht gut genug einschätzen, aber zumindest in ihrer Nähe fühlte er sich damit wohl. Immerhin hatte er sich hauptsächlich so sehr bemüht, um besser mit ihr kommunizieren zu können. Er hatte ihre Stimme hören und sie verstehen wollen. Gespräche im Kopf waren einfach nicht damit vergleichbar. Sie übertrugen lediglich die Bedeutung der Worte, doch den klang ihrer Stimme... Er hatte ihn heute zum ersten Mal gehört und es war die Mühen wirklich wert. Er wollte sie von nun an öfter hören und wenn das hieß, dass er sich mehr anstrengen und seine Fähigkeiten verbessern musste, dann würde er genau das tun. Lernen machte ihm schließlich irgendwie Spaß. Ganz besonders aus diesem einen Zweck. Sophie besser verstehen zu können... Momentan schien das noch Wunschdenken zu sein und er musste wirklich dagegen ankämpfen, um sie nicht die ganze Zeit verwirrt zu mustern, doch wenn sich das bald ändern sollte... Er konnte es kaum erwarten endlich zu verstehen woher das Wasser in ihrem Gesicht kam oder weshalb sie immer wieder ihre Zähne präsentierte. Es schien nicht als Drohung gemeint zu sein und sie schien sich zu freuen, aber den Sinn verstand er trotzdem nicht.
      "Ein... Fahrzeug...?", wiederholte er ihr Wort so gut es eben ging, doch die Bedeutung dahinter entzog sich ihm. Er konnte lediglich den Kopf schräg legen und in ihren Augen eine Antwort suchen. Über dieses Wort war er bisher noch nicht gestolpert. Oder zumindest konnte er sich nicht daran erinnern. Die anderen Worte ließen darauf schließen dass es sich dabei um eine Art Gefährt, vielleicht ein Tier, handelte, dass sie zu ihrem Heim hier bringen würde. Er war gespannt wie es aussehen würde. Ob es auch Fell hatte wie die Menschen? Wenn es sie alle transportieren konnte, musste es groß sein. Würden sie darauf reiten? Vermutlich. Wie sonst sollten sie sich darauf fortbewegen? Wo sie es wohl untergebracht hatten? Während der Landung hatte er nichts dergleichen entdecken können, aber vielleicht war es ihm auch einfach entgangen. Er hatte schließlich seit dem Beginn ihrer Reise nur Platz für eine einzige Person in seinen Gedanken gehabt. Da konnte ihm so etwas schon einmal entgehen. Doch jetzt... Ihn interessierte wie man solch ein großes Geschöpf pflegte. Sie hatten zwar auch Tiere, doch zur Fortbewegung? Das kannte er nur von den Völkern im Landesinnern und diesen Reittieren war er noch nie besonders nahe gekommen. Das war nun also vermutlich seine Chance. Ob es ihn verstehen könnte? Das wäre fantastisch. Was Sophie wohl dazu sagen würde. Würde es sie freuen? Er hoffte darauf und das brachte nur die Aufregung zurück.
      Er hatte viel von ihrer Familie gehört. Oder zumindest von den Menschen, die sie als Familie bezeichnete. Für ihn zählte jeder seiner geistigen Kameraden zur Familie. Sie mochten weder Blut noch Bruthöhle teilen, doch im Geiste waren sie eins und das war es was zählte. Hier auf der Erde schien das anders zu sein, doch er kannte kein Wort um die anderen Meschen korrekt zu bezeichnen, weshalb er den einfachsten Weg gewählt hatte. In gewisser Weise schien sie verstanden zu haben was er damit hatte ausdrücken wollen. Und selbst wenn nicht... Sie würden sich schon irgendwie arrangieren. Spätestens wenn sie mit den anderen zusammentreffen würden, würde sich das irgendwie ergeben. Und bis dahin folgte er ihr nur allzu gern, wohin auch immer sie ihn führen mochte.
      Sein Gang wirkte ebenso wie sein gesamtes Auftreten erhaben, doch Sophie zu Liebe bemühte er sich keine allzu große Schritte zu machen. Es dauert ein wenig bis er einen passenden Rhythmus gefunden hatte, der einigermaßen mit dem ihren in Einklang war, so dass sie nebeneinander laufen konnten. Er war immer wieder einen Blick zur Seite auf sie herunter und konnte es noch immer nicht fassen. Er war wirklich hier. Vor so vielen Jahren schien es noch unmöglich zu sein und nun... Nun war er hier neben ihr und konnte sein Glück kaum fassen. Nie... Nie im Leben hätte er mit solch einer Wendung gerechnet. Nie hätte er gedacht jemandem so faszinierenden zu begegnen, der ihn regelrecht in seinen Bann ziehen würde. Und nun stand sie doch vor ihm. Es schien unglaublich. Was die anderen wohl sagen würden? Er hatte so vieles mit ihnen geteilt und doch... Für sie würde diese Begegnung ganz anders sein als für ihn. Trotzdem hoffte er, dass seine Brüder und Schwestern sie ebnso in ihrer Mitte akzeptieren würden wie er selbst. Immerhin gab es keinen besseren Platz für sie als dort. Und so gern er das auch über die anderen auserwählten Menschen gesagt hätte... Niemand schien eine solch innige Bindung zueinander aufgebaut zu haben wie sie. Erklären konnte sich das niemand, aber vielleicht zeigte das einfach nur, dass sie mehr übereinander lernen mussten, ehe sie perfekt miteinander im Einklang harmonieren konnte. Sie beide waren also nur die Ausnahme. Trotzdem... Wenn das dabei herauskam, war er nur allzu gern die Ausnahme, die die Regel bestätigte. Er könnte sich keinen besseren Verlauf dieser Begegnung vorstellen. Er könnte sich niemand besseren als Sophie vorstellen. Weder Mensch, noch Quirin, noch irgendein anderes Wesen des Universums. Sie war perfekt. So undeutbar dieser Begriff auch war. Sie entsprach ihm voll und ganz. Zumindest in seinen Augen.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • War es verwerflich, dass sich Sophie wünschte, sie würde Alae für sich alleine haben? Nicht um ihn zu erdrücken, sondern weil sie sich zu sehr um ihn sorgte. Es war eine gänzlich fremde Welt, es war doch schon einem Wunder, dass er hier einfach so atmen und überleben konnte. Doch der Mensch selbst glich einem Selfmade-Gott ohne Gewissen. Sie wusste nicht wohin sie wollten, besaßen aber nahezu jede Kraft die sie brauchten, um sich selbst zu zerstören. Und genau vor solchen Dingen wollte sie ihren Freund beschützen. Er sollte die Welt – ihre Welt – Schritt für Schritt entdecken, ohne dabei zur Schau gestellt werden wie eine Amphibie im Terrarium. Sie würde auf ihn aufpassen, dies hatte sie sich geschworen und diesen Schwur würde sie erfüllen. Nie könnte sie es sich verzeihen, wenn ihrem langjährigen Begleiter ein Leid geschehen würde.
      Doch dass sie sich die Welt in zuckerrosa Farben ausmalte, dafür war sie zu oft enttäuscht und ausgenutzt worden. Sie wusste sehr wohl, dass es auch die Kehrseite, die AAB, gab – die Anti-Alien-Bewegung. Die hier versammelten Menschen mochten den Quirin wohlgesonnen sein, der Begegnung regelrecht entgegen gefiebert haben, doch natürlich gab es die Schatten. In jedem System gab es sie, diejenigen, die sich dagegen auflehnten und die Welt einfach nur brennen sehen wollten.
      Aber Sophie würde nicht von seiner Seite weichen, dorthin wo Alae gehen wollte, würde auch sie gehen. Wenn er mehr Freiraum brauchen würde, würde er sich sicherlich bemerkbar machen. Doch solange dies nicht geschah, würde sie ihn nicht alleine lassen. Zumindest in den zwei Wochen, in denen sie nun Urlaub hatte. Und danach? Da hatte sich womöglich schon ihr Gewissen beruhigt, wenn sie sah, dass sich ihr Freund einigermaßen an die Erdendinge gewöhnt hatte.
      Sie folgte nun seinem Blick zu dem Sektglas, welches er in seinen großen Händen hielt. Sie war beeindruckt von seiner Sensibilität und nahm sich vor, große Krüge mit Henkel zu kaufen. Vielleicht konnte er dann aus solchen Gefäßen besser trinken. Mit einem Lächeln nahm sie ihm das Glas ab und reichte es dem nächstbesten Kellner, der die Geste mit verschiedenen Dingen bewirtete.
      Danach wandte sie sich wieder ihrem Freund zu, als er von den 12 Jahren sprach, in denen er ihre Sprache gelernt hatte. Sie war noch immer tief berührt von dieser Geste, war es doch schließlich ein Opfer für die Menschheit. Immerhin hätte auch sie sich anstrengen können die exotische Sprache der Quirin zu lernen, hatte es jedoch nach ein paar Versuchen aufgegeben. Ihr schien, als wäre der menschliche Kehlkopf nicht dafür gemacht, diese Laute auszusprechen.
      „Du bringst sicherlich genug Geduld auf, auch die letzte menschliche Sprache noch zu erlernen.“, ermutigte sie ihn und meinte ihre Worte ernst. Es war kein Geheimnis, dass sie beide unterschiedlich lange Lebensspannen hatten und wenn Alae wollte, besaß er sicherlich genug Ehrgeiz und Intellekt, zumindest die am häufigsten gesprochenen Sprachen zu erlernen. Sie selbst wies dafür überhaupt kein Talent und auch nicht die Geduld auf.
      Dann wiederholte er das Wort Fahrzeug mit einem fragenden Ton und abermals musste sie lächeln. Natürlich kannte er weder das Wort noch die Bedeutung. Sie war manchmal wirklich zu gedankenlos. Die heutige Ankunft, seine Bekanntschaft, die Vorfreude, die sich nun in Wellen von Glück Bahn brach… all dies war für ihre oft hochtrabenden Gedanken zu viel. Ihre Konzentration hing an einem seidenen Faden und am liebsten hätte sie einfach wild darauf losgeplappert. Sie bemühte sich jedoch sachlich zu bleiben und nickte.
      „Ein Fahrzeug ist eine Gerätschaft, um Dinge, wie zum Beispiel Menschen, Lasten oder Lebensmittel, zu transportieren.“ Sie hoffte sie erklärte ihm die Dinge einfach genug, damit er sie verstand, jedoch nicht auf eine kindliche Weise wie sie es bei Noah machte. Denn das Wesen vor ihr war alles andre als ein Kind. Er war höchst intelligent, aufmerksam und einfühlsam.
      „Es gibt verschiedene Arten an Fahrzeugen, in allen Variationen, Größen und Formen.“ Sie selbst besaß einen Fiat Twingo in Rosa, immerhin liebte sie auffällige Farben und ihr war es in diesen Dingen interessanterweise egal, was die Leute von ihr dachten. Sie hatten ohnehin alle schon ihre vorgefertigte Meinung zu nahe allen Dingen auf dieser Welt. Was brachte es da noch mit der Norm zu schwimmen? Und genau dies waren die Gründe, warum sie so an den Quirin – besonders an Alae – interessiert war. Diese hochentwickelte Spezies nahm sich nicht einfach so heraus über allen anderen zu stehen. Was sie bisher von ihnen kannte, so strebten sie Harmonie und Gleichheit an und sie fand dieses Denken wunderschön. Sie wollte mehr so wie sie sein und bemühte sich, dieses heroische Ziel auch in ihrem Alltag zu verankern.
      Als diese Dinge zumindest für den Moment geklärt waren, gingen sie los. Sie war feinfühlig genug um zu merken, dass er sich ihren Schritten anpasste und ihr Herz machte einen freudigen Sprung. Genauso hatte sie ihn sich vorgestellt. Er war äußerst bedacht mit ihr, sanft im Umgang und stets rücksichtsvoll. In all den Jahren war er gedanklich kein einziges Mal laut mit ihr geworden oder hatte sich keine Zeit für sie genommen. Sie hatte ihn mit ihren lächerlichen Alltagsproblemen belasten dürfen und sogar hier, auf ihrem eigenen Planeten, nahm er Rücksicht auf sie – normalerweise sollte es umgekehrt sein.
      Bald schon kamen sie bei den Bussen an, die extra für die Quirin umgebaut worden waren. Es waren Doppeldeckerbusse, wie man sie normalerweise vom Sightseeing her kannte. Doch sie waren nicht geschlossen, sondern bereits die unterste Etage war offen, sodass man leicht ohne Dach einsteigen konnte. Der Nachteil hierbei war natürlich das Wetter, denn wenn es regnen sollte, müssten sie alle mit Schirmen hier sitzen. Doch heute strahlte die Sonne mit Sophie um die Wette, ihrer Meinung nach ein äußerst gutes Omen.
      Sie nahm sich die Freichheit heraus den Bus über die extra breiten Treppen zuerst zu betreten, damit sie Alae zeigte, dass dieses Material keine Gefahr darstellte. Es mochte hart und kalt wirken, doch giftig war es nicht.
      „Dies ist eines der größeren Gefährte, ein Bus.“, fing sie nun ungefragt zu erklären an. Innerlich meldeten sich ihre Selbstzweifel. Wollte er denn wirklich eine Erklärung von ihr hören? Oder drängte sie sich auf, wie ihr oft ihre Mutter vorgeworfen hatte? Sie holte tief Luft und sprach weiter, ihr Freund würde sich hoffentlich melden, wenn sie ihm auf die Nerven fallen würde. „Betrieben wird dieser Bus mit einer Mischung namens Benzin. Es ist ein Erzeugnis aus einer Ressource, die auf der Erde bald zur Neige geht, darum sind die klügsten Köpfe der Welt daran, Alternativen zu finden.“ Die Sache mit der Öl-Lobby und deren erfolgreiche Verhinderungen jene Alternativen überhaupt zu entwickeln, verschwieg sie. Es war im Moment nicht wichtig.
      Sie setzte sich nun auf einen der Sitze. Jede zweite Reihe waren die Sitze entfernt worden, um den Gästen Beinfreiheit zu garantieren. „Möchtest du neben mir sitzen, oder hast du dann zu wenig Platz?“, fragte sie ihn. Mit Alae war es immer leicht zu kommunizieren. Völlig wertfrei konnte sie ihm Fragen stellen, ohne auf unterschwellige Botschaften achten zu müssen. Es war einfach – Frage, Antwort, Gegenfrage. Und ihre Naivität kam mit dieser einfachen Regelung gut zurecht.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Eine Gerätschaft zum Transport also. Ähnlich ihrem Raumschiff vermutlich. Jedoch leider kein Tier. Er hatte dem irgendwie entgegen gefiebert, immerhin hatte er mehr als genug Erzählungen von Sophie über die unterschiedlichsten Tiere gehört. Anscheinend lebten sie in etwas namens Zoo. Ob er sich diesen Lebensraum auch ansehen durfte? Er würde sie danach fragen, denn wenn die Tiere ebenso wundersam wie die Menschen waren, hätte er noch jede Menge zu lernen. Selbst ihre Fotbewegungsmittel schienen sich grundlegend von den ihrigen zu unterscheiden. Hoffentlich hatten sie genug Zeit, damit er einen genaueren Blick darauf werfen konnte. Er verstand zwar kaum etwas von Technik, lag sein Spezialgebiet doch eher in den Sprachen und Kulturen anderer Rassen, doch das hieß nicht, dass er nicht zumindest versuchen wollte das Grundprinzip zu verstehen. Seine Brüder und Schwestern würden es ihm besser erklären können, wenn es ihn interessieren sollte, denn auch sie würden es sich ganz sicher nicht nehmen lassen so ein unbekanntes Gefährt näher unter die Lupe zu nehmen. Er war wirklich gespannt. Wie es wohl aussehen würde? Er machte sich Gedanken darüber, kam aber zu keinem Ergebnis. Hatte Sophie jemals ein Wort über diese Fahrzeuge verloren? Gewiss, doch es war sicher nur beiläufig. Er hatte nicht datauf geachtet. Hoffentlich wurde ihm das jetzt nicht zum Verhängnis...
      Zum Glück hatte er Sophie an seiner Seite, die ihn nicht nur zu dem Ungetüm führte, sondern ihm auch nützliche Erklärungen dazu anbot. Andere Quirin oder Menschen bemerkte er noch nicht, weshalb er nach einigem Zögern näher an die Maschine herantrat. Sie überragte ihn und war auf merkwürdige, runde Rollen montiert, dernen Zweck er nicht ergründen konnte. Er begnügte sich erst einmal nur damit alles ganz genau zu betrachten, spielten sensorische Reize doch eher eine untergeordnete Rolle für ihn. Die Oberfläche erschien glatt und eben. Sie hatte die Farbe von kaltem Stein, doch das schien es nicht zu sein. Es war etwas anderes. Kein Stein, ihm aber dennoch gänzlich unbekannt. Irgendwie der äußeren Hülle ihres Raumschiffs ähnlich... Er konnte es nicht erklären, lauschte stattdessen lieber Sophies Erklärungen, die sich mittlerweile in das Innere begeben hatte. Alles in allem doch sehr ähnlich zu dem was er von ihrem Raumschiff kannte. Selbst durchsichtige Fenster hatte es, durch die er neugierig erst Sophie und dann den Rest des Innenlebens betrachten konnte. Sitze... Jedoch waren sie nicht aus dem selben Material. Sie waren nicht glatt oder eben, sondern erinnerten ihn von der Textur eher an Sophies Haare. Auch die Sitze wirkten weich. Er fragte sich ob sie sich wohl gleich anfühlen würden...
      "Benzin? Wir könnten helfen eine Lösung zu finden. Euer Plant ist reichhaltig. Es gibt Lösungen.", erwiderte er nach einem Moment des Schweigens, während dem er endlich seine Finger auf das kalte Material gelegt hatte. Er hatte gedacht es wäre ähnlich, doch es war trotzdem vollkommen anders. Hart und kühl. Zumindest dort wo es die Sonne nicht wärmte. Er konnte es nicht direkt mit dem Mantel des Raumschiffs vergleichen, aber er war sich sicher, dass dort ein gewaltiger Unterschied bestand. Doch er konnte nicht sagen inwiefern. Außerdem wollte er Sophie nicht länger warten lassen. Es war zwar noch niemand anderes in Sicht, aber das Innere wirkte um ein Vielfaches interessanter als die äußere Hülle, weshalb er sich davon erst einmal wieder losriss, um stattdessen ebenfalls die Stufen in das Innere des Busses zu erklimmen. Sicher musste er um einiges öfter stoppen als Sophie, weil irgendetwas seine Aufmerksamkeit erhaschte. Da war einerseits die nerkwürdige Steuerzentrale im vorderen Bereich, dann die merkwürdigen weichen Sitze und schlussendlich auch das große Loch wo eigentlich eine Decke sein müsste. Erinnerte er sich falsch? Gab es auf der Erde nicht so etwas wie Regen? Oder mussten sich die Menschen nicht dagegen schützen? Sie wirkten viel anfälliger für Nässe, aber zumindest die Kälte schien ihnen nicht zuzusetzen. Im Gegensatz zu ihm und seinesgleichen. Die Temperaturen hier waren deutlich geringer, aber gerade noch aushaltbar. Doch wenn das für Menschen in Ordnung war... Es irritierte ihn im ersten Moment nur ein wenig, doch sie sollten am besten wissen was gut für sie war und was nicht. Sie sollten wissen was man sich als Mensch zumuten konnte. Und wenn das bedeutete keine Dächer zu benötigen... Sie sparten gewiss an einer ganzen Menge deswegen.
      Er war etwas abgelenkt gewesen, hatte den Kopf in den Nacken gelegt um nach oben in den Himmel zu schauen. Er glich dem zu Hause und wenn er ehrlich war, war es trotz allem noch derselbe. Zumindest den Himmel hatten sie die ganze zeit über geteilt. Bisher war er es gewesen, der ihre Gedanken und Welten miteinander verbunden hatte, doch gerade wegen dieser Gedanken überraschte es ihn ein wenig so plötzlich wieder Sophies Stimme zu hören. Ertappt wandte er sich ihr zu und blinzelte ein paar Mal, so als könnte er dadurch besser verstehen was sie zu ihm gesagt hatte. Für gewöhnlich war er nie so unaufmerksam, doch gerade war all das so neu... Er konnte einfach nicht anders und senkte den Kopf ein wenig, um sie nicht direkt anzusehen. "Verzeih, ich habe nicht zugehört.", erwiderte er und versuchte nicht allzu deutlich werden zu lassen wie unangenehm das war. Trotzdem schaffte er es nicht den Blick lange genug gesenkt zu lassen. Sicher gehörte das zu seinem guten Benehmen dazu, aber er interessierte sich zu sehr dafür wie sie reagieren würde, als dass er sich an diese Regel halten könnte. Hatte er sie damit enttäuscht? Würde sie wütend werden? Er hätte eindeutig besser datauf acht geben sollen. Für gewöhnlich war er doch auch nicht so unachtsam. Doch jetzt gerade... So viele Eindrücke prassleten gerade auf ihn ein. So viele Fragen schwirrten in seinem Kopf. Er konnte beim besten Willen keine Ordnung dort hinein bringen. Selbst wenn er wollte, er könnte nicht. Es war zu viel auf einmal, doch ob sie das verstand? Er glaubte fest daran, doch ob die Menschen auch solch einer Überlastung an Empfindungen empfanden? Er war sich nicht sicher und ob er das anschaulich erklären konnte...
      Es war nicht meine Absicht. Ich höre dir gern zu. Es ist nur... Bisher war mir nicht bewusst, dass wir die ganze Zeit über den selben Sternenhimmel geteilt haben. Ich habe mich dir immer so fern gefühlt, aber nun... Nun zu wissen, dass wir trotzdem verbunden waren... Es bringt mir Freude., versuchte er sigh trotz allem zu erklären, während er zwei vorsichtige Schritte auf sie zu machte. Würde sie das genauso sehen? Sie hatte schon immer viele seiner Ansichten geteilt. Warum also nicht auch diese? Sie waren immer viel zu weit voneinander entfernt gewesen, doch jetzt waren sie trotz alle dem irgendwie miteinander verbunden. Wenn auch nur durch ewige Finsternis, die von funkelnden Sternen erhellt wurde. Selbst wenn sie nicht ewig so beieinander sein konnten... Es schaffte doch einen gewissen Frieden in seinem Innern. Mit ein wenig Fantasie konnten sie im Himmel den Stern des geweils anderen entdecken und dann wirkte die Entfernung zwischen ihnen gar nicht mehr so weit. Es machte alles irgendwie erträglicher, falls sie irgendwann einmal Abschied voneinander nehmen mussten, was er nicht hoffte. Er blieb gern hier um sein Leben dem Studium zu widmen und es an sophies Seite zu verbringen. Seine Familie war in Gedanken schließlich immer bei ihm...
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Alae glich einem Forscher in einer faszinierend fremden Welt, er betrachtete alles genau, schien sich alle Details einzuprägen und war überaus interessiert an all diesen Dingen. Sophie schmunzelte, denn in gewisser Weise war er genau das: Ein Forscher mit einem unermesslichen Wissensdrang, der für seine Sehnsucht nach neuen Erlebnissen selbst seine Heimat hinter sich ließ. Genau solche Personen, Wesen, brauchte es, um voranzukommen. Es waren jene bekannten Denker und Forscher, Entdecker und Philosophen, die keine Angst vor Veränderungen oder Neuerungen hatten, die ihre jeweiligen Rassen voranbrachten. Viele galten als verrückt oder revolutionär, wurden allzu oft belächelt oder nicht ernst genommen. Doch es waren jene Freigeister und Querdenker, die für jeden erdenklichen Meilenstein in der Geschichte verantwortlich waren.
      Und nun? Nun waren er und Sophie mitten in solch einem Meilenstein, formten die Geschichte und konnten die Zukunft daraus mitgestalten. Es war spannend und beängstigend zugleich, doch die Frau war sich sicher, wenn Alae und sie an einem Strang zogen, zusammen waren, dann konnten sie diese Umgewöhnung schaffen und das jeweils beste für ihre beiden Rassen herausholen.
      Sie beobachtete ihren intergalaktischen Freund dabei, wie er den Bus aufs genaueste inspizierte. Vielleicht wollte er wissen wie dieses Gefährt funktionierte? Nun, dann würde sie einen Mechaniker aufsuchen und ihn danach fragen. Sie wollte alles ihr Mögliche tun, um den Aufenthalt auf der Erde so schön und erfüllend für Alae zu machen, wie nur irgend denkbar.
      Dann sprach ihr Freund von Benzin und bot ihr an, der Menschheit bei der Suche nach Alternativen zu helfen. Sie nickte auf sein Angebot hin und würde dies ihren Chefs in der Sternenwarte weiterleiten. Diese hatten sicher bessere Möglichkeiten solche Dinge an die richtigen Stellen weiterzugeben. Sophie selbst dachte nun an die bisherigen Alternativen, die allesamt auch negative Seiten hatten. Wasserkraftwerke dezimierten den Fischbestand stetig, Solaranlagen waren aus Seltenen Erden gefertigt und Akkumulatoren benötigten wiederum eine Menge Energie, die die Menschheit noch nicht wirklich zur Verfügung stellen konnte. Windkraft schien die einzig wirklich saubere Energiequelle zu sein, doch natürlich wurden durch die großen Anlagen auch ganze Landschaftsbilder zerstört. Ja, die Menschheit wollte alles und war nicht bereit, etwas zurück zu geben.
      Dann beobachtete sie ihn weiter, wie er die Fahrerkabine und den Rest des Gefährts genau unter die Lupe nahm. Worüber er wohl nachdachte? Sie wünschte sich dringend seine Gedanken und möglicherweise Fragen dazu zu hören. So lange waren sie auf der geistigen Ebene verbunden gewesen. Ihre langen Gespräche und philosophischen Diskussionen vermisste sie. Ja, eigentlich hatte sie in der Zeit seiner Reise alles vermisst. Doch sie verstand, wenn er erst Zeit brauchte und sich an alles halbwegs gewöhnen musste. Sie selbst konnte sich nicht vorstellen auch nur annähernd so ruhig und gesittet zu reagieren, wenn sie auf einem fremden Planeten landen würde.
      Dann konnte sie sehen wie er den Kopf in den Nacken legte und den Himmel betrachtete. Sie folgte seinem Blick, konnte jedoch nichts Interessantes in dem überraschend schönen Blau erkennen. Trotz Sonne zog sie ihren Mantel etwas enger um sich und wartete geduldig, bis Alae bereit war weiter mit ihr zu sprechen. Noch waren sie alleine, doch dies konnte sich jeden Augenblick ändern.
      Dann wandte sich Alae ihr wieder zu, doch anstatt einer Antwort auf die Frage des Sitzplatzes zu bekommen… entschuldigte er sich bei ihr. Selbst dies tat er in einer erhabenen und formvollendendeten Art, er war fast wie ein Prinz aus einem der Märchen, die sie Noah oft vorlas. Doch was sie wirklich störte war, dass er sie nicht ansah dabei. Fast, als würde er sich wirklich dafür grämen, nicht aufgepasst zu haben. Dabei war dies doch völlig in Ordnung! Er hatte eine irrsinnig lange Reise hinter sich, war auf einem fremden Planeten angekommen und hatte zum ersten Mal Menschen gesehen! Es war nur allzu verständlich, dass er all die sensorischen Eindrücke erst einmal verarbeiten musste.
      Sie lauschte im Anschluss seiner Erklärung über den Sternenhimmel, den sie wohl immer geteilt hatten. Es brachte ihm Freude und ihr… Freude war kein Ausdruck für die Gefühle, die sie für ihn empfand. Er war der Bruder, den sie sich immer gewünscht hatte. Er war dieses eine Wesen, auf dass sie sich immer verlassen konnte und jetzt über den Sternenhimmel nachzudenken, löste ungewohnte, tiefe Gefühle in ihr aus. Ihr Herz zerschmolz bei seinen Worten. Sie hatte noch nie etwas romantischeres gehört. Selbst die Lyrik der großen Liebesgeschichten kam da kaum heran, waren jene doch nicht real. Doch dies hier, das war mehr als echt.
      Ohne es bewusst wahrzunehmen stand sie auf und trat nun ebenfalls auf ihn zu. Es kribbelte ihr schon die ganze Zeit unter der Haut und bisher hatte sie zu viel Respekt und Anstand besessen, ihren Bedürfnissen nachzukommen. Doch seine Entschuldigung, die sie niemals von ihm gefordert hätte, und seine Erklärungen zum gemeinsamen Himmel, all diese Dinge brannten sich in ihr Gehirn und formten dort eine unauslöschbare Erinnerung.
      Endlich war sie ihm so nahe, dass sie ihn berühren konnte. Langsam hob sie die Hand und legte sie vorsichtig auf seine Brust. An dieser Stelle saß bei Menschen das Herz, ob es bei den Quirin ebenfalls dort war? Sie würde ihn später danach fragen.
      Doch im ersten Moment glitten ihre Gedanken ab, denn etwas viel Interessanteres hatte ihre Sinne erfasst. Seine Haut spürte sich überraschend warm und ledernd an. Diese haptische Erfahrung fühlte sich gut an und am liebsten hätte sie ihre Finger neugierig über seine Haut wandern lassen. Doch dies wäre unschicklich gewesen, dies wusste selbst sie.
      Alae, es gibt nichts zu entschuldigen., sprach sie ihn gedanklich an, sobald sie sich wieder genug konzentrieren konnte. Du darfst hier sein wer du möchtest und du darfst dir genug Zeit nehmen, um all diese Dingen auf den Grund zu gehen. Nimm dir deine Freiheit und genieße deinen Aufenthalt hier. Sie lächelte ihn sanft an.
      „Du musst dich für solche Dinge niemals bei mir entschuldigen.“ Sie hoffte, sie hatte ihm ihre Denkweise etwas erklären konnten. Sie hatte den größten Respekt vor seinem Mut und seinen Fähigkeiten. Die Menschen waren im Vergleich zu den Quirin schwach, gehässig und selbstsüchtig.
      „Ich finde den Gedanken schön, dass wir denselben Himmel teilen. Es macht den Gedanken erträglicher, wenn ein Teil meiner Familie zumindest ebenso die Sterne betrachten kann, wie ich auch.“ Dass sie Alae zu ihrer Familie zählte, war ihr schon längst klar. Immerhin war er wie ein Bruder für sie. Ein hochgeschätztes Familienmitglied, welches immer ein Teil ihres Herzens besitzen würde.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Sie antwortete ihm nicht, wiederholte ihre Frage kein zweites Mal, was ihn dazu veranlasste seinen Kopf wieder zu senken. Er konnte den Ausdruck in ihrem Gesicht nicht deuten und auch ihre Gefühlswelt warf Fragen in ihm auf. Dort war Freude, schöne Erinnerungen, Neugierde, ein wenig Verwirrung, doch all das machte für ihn keinen Sinn. Es war nicht das was er in dieser Situation erwartet hatte. Sollte sie aufgrund seiner Unachtsamkeit nicht viel mehr enttäuscht oder gar verletzt sein? Er verstand nicht was in ihr vorging, doch am liebsten wäre er zusammengeschrumpft um dem Blick zu entgehen der auf ihm lag. Er versuchte sich klein zu machen und nicht allzu sehr in ihrer Gefühlswelt herumzustochern. Er verstand diese Situation noch nicht in ihrer Gänze und so interessant Sophie im Moment auch schien. So viele Fragen ihm auch auf der Zunge brannten, gerade fehlten ihm einfach die Worte. Er war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, bemerkte wieder nicht was sie tat und war mehr als nur erschrocken, als sie so plötzlich in seinem Blickfeld auftauchte. Wenn er so hinunterschaute, konnte er sie direkt ansehen, doch das schien nicht der Grund zu sein aus dem sie auf ihn zu getreten war. Unter anderen Umständen hätte er vermutlich wieder fragend seinen Kopf zur Seite gelegt, doch jetzt gerade... Er kam gar nicht dazu, denn dann lag auch schon eine warme Hand auf seiner Brust.
      Er konnte sich noch nicht einmal erschrecken. Er schien viel mehr erstarrt, während sein Blick auf ihrer Hand ruhte und er sie mit großen Augen musterte. War das ein Angriff? Hatten Menschen solche Fähigkeiten? Aber er spürt nichts. Außerdem... Sophie würde ihm niemals etwas tun. Er wusste schließlich, dass sie noch nicht einmal den gruseligen Wesen in ihrem Heim, den Spinnen, etwas antun konnte. Was also bezweckte sie mit ihrer Berührung? Es dauerte eine ganze Weile, bis er verstand. Den Großteil seines Gedankenganges hatte er der Neugierde in ihrem Kopf zu verdanken. Konnte es sein...? Anscheinend hatte nicht nur er das Bedürfnis verspürt in Erfahrung zu bringen wie sich ihr Haar anfühlte. Ihr schien es ähnlich zu gehen und jetzt wo er ihre Hand auf seiner Haut spürte, konnte er den Grund dahinter nur zu gut verstehen. Ihre Hände waren weich, ein wenig wärmer als er selbst und auch wenn Berührungen unter seinesgleichen eher ungewöhnlich und nur für besondere Momente in Zweisamkeit aufgehoben wurden, konnte er sie nicht von sich schieben. Stattdessen begann er sich langsam aus seiner Starre zu lösen, hob den Kopf wieder ein Stück an und richtete sich ein wenig gerade auf, um ihren Gedanken in seinem Kopf zu lauschen. Sie bewegten etwas in ihm. Auch wenn alles hier so fremd zu sein schien... Sie räumte ihm so viele Freiräume ein, schien sich an keinem seiner Fehler zu stören... Es war ungewohnt und doch... Er wollte es nicht anders haben, auch wenn es vieles gab an das er sich gewöhnen musste.
      Zu dem allgemeinen Gefühl der Freude und Glückseeligkeit in seinem Innersten, gesellte sich wieder das zufriedene Brummen, das immer lauter zu werden schien je weiter es aus den Tiefen seiner Gefühle und Gedanken hervorkam. Ihre Worte berührten ihn, auch wenn er nicht erklären konnte warum. So langsam verstand er warum die Menschen sich so sehr auf Gesten verließen. Ihr Wortschatz war so begrenzt... Er konnte damit unmöglich all das ausdrücken was in ihm vorging. Ob er sich auch an diesen Berührungen versuchen sollte? Er wusste nicht ob sie Sophie das vermitteln würden, was er versuchte auszudrücken, doch es wäre immer noch besser, als wenn er versuchen würde, es ihr auf einer unbekannten Sprache zu erklären, die ihr im Nachhinein nur Angst einjagen würde, wenn sie sie in ihrer Gänze zu hören bekam. Im Vergleich zu ihrer menschlichen Sprache wirkte sie mit der harten Aussprache, den vielen Konsonante, Zischlauten und unterschiedlichen Betonungen, die keinen Sinn zu ergeben schienen, fast schon animalisch. Außerdem würde sie sowieso kein Wort davon verstehen. Trotzdem... Irgendwie musste er zu ihr vordringen. Der Moment verlangte förmlich danach. Ebenso wie das Glück in ihnen beiden, dass sie überhaupt erst hier zusammengeführt hatte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wer wusste schon wann er eine weitere Möglichkeit dazu bekommen würde.
      Zögerlich hob er seine eigene Hand um sie vorsichtig auf der von Sophie zu platzieren, die immer noch auf seiner Brust lag. Unter seiner eigenen wirkte sie noch viel winziger. Seine Finger waren lang und er konnte problemlos ihre ganze Hand bedecken. Dennoch... Er ließ sie einfach darauf liegen, genoss für einen kurzen Moment die ungewohnte Weichheit unter seinen Fingern, ehe er ein weiteres Mal seine Augen schloss um, sich zu ihr nach vorn zu lehnen und seine Stirn an ihre zu legen. Fast automatisch wurde er ruhiger. So aufgeregt er gerade auch noch gewesen war, weil er so etwas ungewohntes wagte, jetzt fühlte sich alles wieder richtig an. So als müsste es nur so und nicht anders sein. Als wäre das hier genau der Platz an den er gehörte. an den sie beide immer gehört hatten. Als würde es wirklich eine höhere Gewalt im Universum geben, die sie genau an diesem Ort, zu dieser Zeit zueinander geführt hatte. Er glaubte nicht daran und doch viel es ihm gerade in diesem Moment wirklich schwer etwas anderes zu denken.
      Einen Moment schwieg er, wog ab was nun am besten zu tun wäre, entschied sich dann aber dazu, dass sie lange genug nur in den Gedanken des jeweils anderen existiert hatten. Nun standen sie sich gegenüber und das wollte er ausnutzen, um ihr eine entsprechende Antwort zu geben, denn nicht nur sie sah ihn als Familie...
      "Endor", murmelte er ihr leise zu. Hoffentlich verständlich genug für sie damit sie sich dieses Wort merken konnte. Es war ihm schließlich wichtig. Wichtig noch als sein eigener Name. Ebenso wichtig wie es ihm war, ihren Namen zu kennen und fehlerfrei auszusprechen. Doch vermutlich sollte er zumindest noch eine kurze Erklärung hinzufügen, ehe er von ihr erwartete, dass sie sich solch ein nichtssagendes Wort merkte. Also öffnete er seine Augen um ihren Blick zu suchen, ehe er es ein weiteres Mal aussprach und dann von Neugierde geplagt seine andere Hand nach einer ihrer Haarsträhnen ausstreckte. Sie fühlten sich wirklich weich an. Noch weicher als er gedacht hatte, doch das würde vermutlich nicht ausreichen um sich zu erklären. Er überlegte einen Moment, bis ihm etwas einfiel. "Familie... Endor... Sophie... Endor... Du bist wichtig. Die Sterne verbinden, aber ich werde nicht gehen, wenn dich das schmerzt. Ich werde bleiben.", versuchte er es ein weiteres Mal, fühlte sich aber noch immer etwas eingeschränkt mit der menschlichen Sprache. Ob ihn Sophie dennoch verstand? Zumindest der letzte Teil sollte irgendwie Sinn für sie ergeben, aber alles andere... Er konnte nur auf das Beste hoffen und ansonsten... Nun... Dann müsste er wohl einfach mehr lernen bis er sie es verstehen lassen konnte. Die Menschen mussten schließlich auch Mittel und Wege haben um sich zu erklären. Aber ob er Sophie danach fragen sollte? Es wäre sicher nicht die beste Idee. Vielleicht könnte ihm einer der anderen Menschen helfen. Doch das konnte warten. Er hatte sie zwar unbedingt kennenlernen wollen, doch nun... Sie konnten ruhig noch ein wenig länger auf sich warten lassen. Er hatte noch so viel, dass er mit ihr teilen wollte, für dass er jedoch keine Worte fand, weshalb er lieber noch etwas so verharren wollte. Wenn auch nur, ihr zu liebe und weil ihm diese menschlichen Berührungen doch irgendwie gefielen. Sie waren ungewohnt wie alles hier, doch ebenso wenig erschreckend noch angsteinflößend. Lediglich neu, doch daran gewöhnen konnte er sich trotzdem.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Es tat ihr regelrecht weh zu sehen, wie ihr geschätzter Freund erneut seinen Kopf senkte. So als müsse er um Entschuldigung bitten, wo doch längst keine nötig war. Hatte er gar Angst vor ihr oder ihren Reaktionen? Dieser Gedanke ließ Furcht in ihrem Herzen aufgehen wie frischer Grassamen nach einem Regenguss im Frühling. Niemals könnte doch dieses Wesen etwas tun, was sie dermaßen verärgern würde, dass er ihr nicht mehr in die Augen blicken konnte. Waren es doch seine Seelenfenster, die sie nur zu gerne stundenlang studiert hätte. Doch so wie es jetzt war, seine demütige Haltung, dies gefiel ihr gar nicht. Sie wollte nicht, dass er sich in irgendeiner Weise zurücknahm. Wenn, dann sollte sie sich zurücknehmen, ihre Hand von seiner Haut nehmen und ihm den Platz und Raum geben, den er brauchte – sowohl physisch als auch psychisch. Doch das konnte sie nicht, war sie doch einfach zu glücklich, neugierig und überwältigt, ihn vor sich stehen zu haben.
      Aber wie konnte sie ihm dies noch klar machen? Ließ sie ihn doch bereits all ihre Emotionen fühlen, zu denen sie imstande war. Genügte es nicht zu spüren, wie unglaublich froh und erleichtert sie war, dass er hier auf der Erde wohlbehalten angekommen war? In der letzten Zeit waren ihre Tage von steter Sorge um ihn und die restliche Delegation gewesen. Es hatte keine Stunde gegeben, wo sie nicht an ihn gedacht hatte.
      Als sie es gewagt hatte die letzte Distanz zwischen ihnen zu überbrücken und ihre Hand auf seine Brust zu legen, war ihr Alae regelrecht erstarrt – und erneut flackerten Zweifel durch ihr Bewusstsein. War es falsch ihn zu berühren? Oder berühren zu wollen? Sie wusste natürlich, dass die Quirin diese menschliche Art der Zugehörigkeit, diese Gesten, nicht wirklich brauchten, oder zumindest nur im geringen Maß. Aber sie brauchte diesen Kontakt dringend. Sie musste sich einfach davon überzeugen, dass er hier war, real und kein Hirngespinst ihrer sehnsüchtigen Gedanken. Sie musste ihn berühren um sicher zu gehen, dass er sie wahrnahm und ihre ehrlichen Worte auch wirklich verstand. Doch vielleicht machte sie gerade mit jener Berührung alles falsch. Vielleicht sollte sie… ja sie sollte wohl definitiv die Hand senken und zurücktreten. War es doch schließlich das Letzte was sie wollte, ihn in Verlegenheit oder gar Abwehrhaltung zu bringen.
      Doch gerade als sie ihre Gedanken in die Tat umsetzen wollte, hob ihr andersartiger Freund seinen Kopf. Endlich richtete er sich wieder auf, verzichtete auf diese devote Geste, die so gar nicht zu dem herrlich erhabenen Geschöpf passen wollte. Nein, groß, präsent und über die Schlechtheit der Menschen erhaben – ja, so gefiel er ihr viel besser.
      Sie fragte sich ob nun ihre Worte oder ihre Berührung ihn aus seiner anfänglichen Starre gerissen hatten, doch im nächsten Moment schon war diese Frage obsolet. Ihr Geist wurde mit Freude und Glückseligkeit gefüllt, vermischte sich mit ihrer eigenen Gefühlswelt und zwang sie, tief einzuatmen. Solch breites, oder vielmehr tiefes, Gefühlsspektrum war ihr fremd und sie brauchte einige Wimpernschläge, um sich annähernd daran zu gewöhnen. Dann empfing sie auch das Brummen, welches ihr zuvor schon aufgefallen war. Es war, wie wenn dieses Gefühl, oder Geräusch, sich von ihm weg ausbreitete und jede ihrer Zellen bis in die hinterste Ecke ihres Körpers erfüllte. Es berührte sie auf so vielen Ebenen – geistig, seelisch und körperlich. Fast hätte sie seine Freude greifen können und dies machte sie noch glücklicher. Ob es verboten war, sich so gut zu fühlen? Möglicherweise.
      Ob all dieser tiefen Empfindungen hatte sie ganz vergessen, dass sie sich eigentlich von ihm lösen wollte. Sie hatte ihn mit ihrem Bedürfnis nach Nähe nicht überfordern wollen, war jedoch zu selbstsüchtig gewesen, die Berührung gleich wieder zu unterbrechen, als er erstarrt war. Doch gerade als sie sich dazu durchgerungen hatte, tat er etwas unerwartetes. Langsam, fast schon zögernd, hob er nun seine eigene Hand und legte sie auf ihre. Aus großen Augen blickte sie nun auf seine Brust, wo ihre beiden Hände sich berührten und übereinander lagen. Es fühlte sich überraschenderweise vertraut an, egal ob dies nun das erste Mal war, dass sie diese Geste erlebte. Genau so hatte es sich angefühlt, wenn er ihr Trost gespendet hatte, sich eines ihrer dummen Probleme angehört hatte. Sie hatte sich sicher und beschützt gefühlt, auch wenn diese Empfindungen nur seiner telepathischen Gesellschaft entsprungen waren. Aber dies hier? Es fühlte sich um ein Vielfaches besser an.
      Seine Hand war groß, sehr groß im Vergleich zu ihren. Ob ihn dies störte? Fand er ihre Haut ekelhaft? Oder gar ihr Aussehen? Noch nie hatte sie sich darüber Gedanken gemacht. Aber als sie nun die Unterschiede zwischen ihnen erkannte, schossen ihr diese unwillkommenen Dinge regelrecht in den Kopf. Seine langen Finger waren mit schönen, sauberen und kurzen Nägeln ausgestattet. Ob er normalerweise Krallen hatte? Wie die eines Tigers? Sie würde ihn danach fragen.
      Dann lehnte er sich abermals zu ihr und drückte sanft seine Stirn gegen ihre. Ihre bis dahin wirren, kreisenden Gedanken kamen fast automatisch zum Stillstand und sofort breitete sich ein wohliges Gefühl der Zusammengehörigkeit in ihr aus. Sie tat es ihm gleich, indem sie die Augen schloss. Er war so groß im Vergleich zu ihr, gute 35 bis 40 Zentimeter würden sie beide unterscheiden und doch tat er ihr den Gefallen und beugte sich zu ihr herab. Es musste höllisch unbequem sein, aber… erneut war sie selbstsüchtig und genoss seine seltsam vertraute Nähe. Es war ein herrliches Gefühl und es spürte sich einfach richtig an. Wie zwei Puzzlestücke, die endlich ihr jeweiliges Pendant gefunden hatten. Wenn sie zusammen waren, dann ergab plötzlich alles Sinn für Sophie.
      Erst seine gemurmelten Worte verankerten ihr Bewusstsein wieder in der Realität. Sie war in geistigen Sphären geschwebt, von denen sie vorher nicht einmal geahnt hatte. Und hier, alleine inmitten des Busses, ohne die störenden Geräusche, blitzenden Kameras oder die Energien der anderen, hatte sie sich ganz in der Harmonie zwischen ihnen verloren gehabt.
      Er sprach nun ein seltsames Wort aus, welches in ihrem Innersten widerhallte. Sie öffnete fragend die lindgrünen Augen. Endor… En…dor… Endor? Wenn er dieses Wort nannte, dann musste es wichtig sein. Sie versuchte es sich zu merken und erfasste seinen Blick, den er bereits auf sie gerichtet hatte.
      Doch noch bevor er sich erklärte, fasste er eine ihrer lockigen Haarsträhnen und für einen Moment war sie verwirrt. Was hatte nun dieses Wort mit ihren Haaren zu tun? War es seine Neugierde, die ihn dazu verleitet hatte, ihr das quirinische Wort für Haare zu nennen? Was er wohl erst dazu sagen würde, wenn er einen Hund sah? Eine Katze? Eine Frau im Pelzmantel?
      Und noch ehe sie danach fragen konnte, erklärte Alae ihr seine Bedeutung. Er verdeutlichte ihr immer alles so, dass sie es auch wirklich verstand. Zumindest für ihren flatterhaften Geist war es eine schöne Erklärung, die Sinn machte. Demnach bedeutete Endor wohl Familie. Das Wort passte hervorragend und beschrieb auch ihre eigenen Gefühle für ihn perfekt. Er erachtete sie als wichtig und ehe sie ihm noch selbiges sagen konnte, sprach er davon, bleiben zu wollen, wenn sie sein Verlust schmerzte.
      Sie blinzelte, einmal, zweimal, ehe sie die Tragweite seiner Worte verstand – oder zu verstehen glaubte. Er wollte bleiben, wenn sie ihn darum bat? Er wollte bleiben, wenn es ihr wehtat ihn gehen zu lassen? Mit solchen Dingen spielte man nicht, so etwas sagte man nicht einfach so, wenn man es nicht ernst meinte. Und sie kannte Alae lange genug, um ihm seine Ernsthaftigkeit stets zu glauben. Noch nie hatte er sie angelogen, zumindest hatte sie es bisher nicht entdeckt, und davon ging sie auch nicht aus. Menschen bedienten sich Lügen, verbargen ihr wahres Ich unter einem Haufen Makeup und teurer Kleidung. Aber die Quirin? Nein, diese Wesen waren viel weiterentwickelt, besaßen ein höheres Bewusstsein als ihre eigene Rasse. Alae meinte tatsächlich ernst, was er sagte und unweigerlich führten seine Worte dazu, dass sich erneut ihre Augen mit Tränen füllten. Jeder andere würde wohl denken sie wäre übergeschnappt, wenn sie ständig nur weinte, ob Alae dies auch von ihr dachte? Sie hoffte nicht.
      Doch egal wie sehr ihr selbstsüchtiges Herz auch wollte, dass er bei ihr bleiben würde, denn sie zweifelte keine Sekunde an seinen Worten, so falsch fühlte es sich auch an. Sie lehnte sich etwas zurück, brachte Abstand zwischen sie und zog auch langsam ihre Hand unter der seinen hervor. Ihr verräterischer Körper protestierte sofort, als er die fehlende Wärme und Nähe bemerkte, doch für ihre nächsten Worte konnte sie es nicht gebrauchen, dermaßen abgelenkt zu sein.
      „Alae…“, fing sie an und blickte ihm in die roten Pupillen. „Niemals könnte ich verlangen, dass du bleibst. Nicht auf der Erde, nicht bei mir.“ Sie schüttelte langsam den Kopf. „Wir sind Geschwister im Geiste und als deine Schwester darf ich dich nicht nur für mich beanspruchen. Auch der Rest deiner Familie hat das Recht auf deine Nähe und Gesellschaft.“ Sie könnte es sich nie verzeihen, wenn er ihretwegen seine Familie nie wiedersehen würde. Sie selbst könnte sich auch nicht von ihrer Schwester, Mutter und schon gar nicht von Noah trennen.
      Sie hoffte, sie konnte ihm klar machen, was sie damit meinte. Es war schwierig, doch sie versuchte es erneut. „Bitte denke nicht, ich weiß deine großmütige Geste nicht zu schätzen. Wir Menschen sind schlecht, denn einer meiner größten Wünsche wäre es, wenn du bleiben würdest.“ Und zwar solange sie lebte, aber sie durfte nicht so selbstsüchtig sein.
      „Aber ich bin nur ein Familienmitglied von vielen.“ Er hatte ihr vorhin den Status als solches zugesprochen, zumindest hatte sie es so verstanden. „Und ich bin erst seit zwölf Jahren an deiner Seite. Deine anderen Familienmitglieder haben mehr Rechte als ich und diese würden dich sicher sehr vermissen, wenn du so viele Jahre fern bleibst.“
      Sie kämpfte damit, ihn erneut berühren zu wollen. Es war ein starker Drang, dem sie jedoch jetzt nicht nachgeben durfte. „Ich würde mir wünschen, du bliebest. Doch manches Mal sind unsere eigenen Wünsche viel zu selbstsüchtig und halten uns von dem ab, was richtig ist. Also es wäre falsch, dass du wegen deinem Aufenthalt auf der Erde, deine Familie so lange nicht wiedersiehst.“
      Sie hoffte sie hatte ihm ihren Standpunkt klar genug gemacht. Geistig versuchte sie ihm die Gefühle zu übermitteln, die seine Worte in ihr ausgelöst hatten. Freude, Dankbarkeit und auch das Gefühl, etwas falsch zu machen, wenn sie ihn bitten würde zu bleiben. Die Bandbreite an Emotionen war schlicht überwältigend für Sophie und dennoch hoffte sie, er könnte sie ansatzweise verstehen und würde sich nicht erneut entschuldigen. Wenn er abermals glaubte, etwas falsch gemacht zu haben, würde es ihr Herz überaus schmerzen.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Dass sie sich so plötzlich von ihm löste, kam unerwartet. Er hatte damit gerechnet, dass sie noch ein wenig länger so verharren konnten, einfach um in den positiven Empfindungen des Anderen zu baden, doch auch wenn Sophie im ersten Moment von diesen überrannt zu werden schien, gesellte sich schnell etwas anderes hinzu. Unsicherheit. Nervosität. Beim besten Willen nichts gutes und das verwirrte ihn. Sie hatte bis gerade eben noch so überzeugt gewirkt. So fröhlich und unbeschwert. Und nun entzog sie sich ihm. Er verstand diese Reaktion nicht. Er hatte gedacht sie sah das genauso wie er. Sie waren jetzt endlich zusammen. Nicht nur nach seinen Vorstellungen, sondern auch nach denen der Menschen. Sie waren sich begegnet, hatten sich gesehen, lernten sich nun auch so kennen. Was also hatte er falsch gemacht? Waren seine Berührungen nicht die richtigen gewesen? Verstanden die Menschen sie falsch? Anders als sie es taten? Hatte er sich zu viel herausgenommen? War er doch zu forsch gewesen? Dabei hatte er gedacht, dass genau das einer der Wesenszüge der Menschen war. Irgendetwas hatte er ganz eindeutig falsch getan. Nur was? Seine Gedanken fuhren rastlos herum, suchten nach dem Fehler kommten ihn jedoch nicht finden. Weder bei ihm noch bei Sophie. Es hätte perfekt sein sollen und doch... Es schien gerade irgendwie schiefzulaufen, wenn sie ihn nicht richtig verstand. Dabei meinte er das alles doch wirklich ernst...
      Sophies Worte halfen ihm ein bisschen dabei Licht ins Dunkel zu bringen, auch wenn sie nicht alles aufklärten. Wollte sie nicht, dass er bei ihr war? Störte sie seine Anwesenheit? Nein... Das war es nicht. Aber wie sollte er ihr begreiflich machen, dass das kein Problem war? Dass er mehr als zufrieden mit dieser Entscheidung war? Dass er sich nicht sehnlichster wünschte als hier zu verweilen? Wie erklärte er ihr das mit seinem begrenzten menschlichen Wortschatz und einer eingeschränkten Gefühlswelt, die momentan in das vollkommene Gegenteil umgeschlagen war. Wo vorher noch Freude und Glück in seinem Innersten gestrahlt hatte, saß nun Unsicherheit gepaart mit einer gewissen Enttäuschung. Er sollte sich nicht entschuldigen und doch... Es erschien ihm angebracht. Aber das würde ihr noch viel weniger gefallen, also verbat er es sich. Stattdessen hob er seinen Kopf wieder an, nur um ihn dann auf die Seite zu legen, während er nachdachte. Er brauchte einen Einfall. Irgendeine Idee. Er wollte nicht, dass sie so darüber dachte. Bemerkte sie nicht wie sehr es ihn bewegte, dass ihm endlich diese Gelegenheit gegeben wurde? Dass sie einander endlich richtig begegnet waren? Dass nicht nur er mit ihrer Verbindung zufrieden und erfüllt war, sondern dass auch er endlich einen Schritt auf sie zugehen konnte? Bisher war es immer nur Sophie gewesen, die sich hatte anpassen müssen. Die auf all die neuen Eindrücke hatte reagieren müssen. Er wollte ihr etwas dadür zurückgeben. Auch wenn es nur solch unbedeutenden Dinge wie das Erlernen ihrer Sprache, die er noch immer mehr schlecht als recht beherrschte, oder seine Reise hierher anbieten konnte. Das wog sich gewiss niemals im Leben mit all dem auf, was sie ihm gegeben hatte. Sophie hatte ihm einen Platz in ihren Gedanken zur Verfügung gestellt, zahlreiche Geschichten, Erlebnisse, Gefühle mit ihm geteilt. Er wollte all das zurückgeben, doch im Moment war es einfach noch nicht möglich. Sie würde sich noch ein wenig gedulden müssen, doch er würde für all das aufkommen sobald er konnte.
      "Sophie...", versuchte er mit leiser Stimme ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen. Überlegte kurz welche Geste angebracht war und streckte schlussendlich ebenso wie sie einige Momente zuvor seine Hand aus um sie auf ihre Brust zu legen. Etwa auf die selbe Stelle, die sie auch bei ihm ausgewählt hatte. Seine Hand ruhte dort einfach, während er mit seinen Augen versuchte ihren Blick einzufangen. Bisher war ihm entgangen, dass sie die Farbe mit einigen ihrer Gewässer teilten, in denen besonders viele, junge Pflanzen heranwuchsen. Es erwischte ihn im ersten Moment ein wenig auf dem falschen Fuß. Veranlasste ihn dazu ein weiteres Mal innezuhalten um den Anblick zu genießen, ehe er fortfahren konnte. "Ich erfülle deinen Wunsch. Ich bleibe.", seine Stimme klang nicht unbedingt fordernd, doch ein gewisser Nachdruck schwang dennoch in ihr mit. Er wagte es nicht den Augenkontakt zu brechen, versuchte aber dennoch sie nicht allzu sehr anzustarren, während er seinen Standpunkt weiter für sie offenlegte. "Sophie... Du bist wichtig. Endor.", erneut wiederholte er das Wort und übte leichten Druck mit seiner Hand gegen ihre Brust aus, damit sie verstand, dass er sie damit meinte und niemand anderen. "Verstehst du? Alle sind Familie. Sie sind immer bei mir.", fuhr er fort und gab ihr zur Verdeutlichung einen kurzen Einblick in all die dumpfen Stimmen im seinem Kopf, die ihm versicherten, dass alle noch immer genau an dem Platz waren an den sie gehörten. Dass es ihnen allen gut ging. Sie alle waren da, auch wenn er sie nicht sah. Genauso wie Sophie immer da gewesen war. Doch natürlich musste er ihr das erklären... Woher sollte sie es auch wissen? Auch das war wieder etwas das für sie vollkommen unbekannt war. Er durfte sie nicht damit überfordern.
      "Auch sie teilen den selben Sternenhimmel. Sie sind da wenn ich sie brauche und sie sind da wenn nicht.", fuhr er fort, nachdem er für sie das Fenster zu den anderen wieder geschlossen hatte, bevor er noch zu viel für sie wurde. Er kannte es nicht anders, er war daran gewöhnt, dass immer ein Teil fremder Gefühle und Gedanken in ihm mitreiste, doch für sie musste das erdrückend wirken. Es war viel auf einmal. Schon die Gefühle einer einzelnen anderen Person konnten zu viel werde. Die Menschen kamen mitunter noch nicht einmal mit ihren eigenen Empfindungen klar. Er wollte sie nicht damit unter Druck setzen. Für ihn war das normal Zustand. Es wäre schlimmer wäre das leise Surren der anderen nicht immer irgendwo in seinem Hinterkopf zu hören. Es war beruhigend und hoffentlich half es ihr zu verstehen. "Meine Entschuldigung sind nicht falsch. Deine Wünsche sind nicht falsch. Sie sind wichtig. Ich bleibe. Ich bleibe so lange es dich schmerzt mich gehen zu lassen. Ich bleibe so lange bis ich alles kenne. Ich will entdecken. Hier.", erneut schob er seine Hand gegen ihre Brust diesmal ein wenig fester, jedoch nicht so sehr, dass er sie wegschieben, gar zum Fallen bringen konnte. Er wollte einfach nicht länger missverstanden werden. Er wollte, dass er zu ihr durchdrang. Dass er seine Entscheidung schon vor viel längerer Zeit getroffen hatte. Schließlich waren zwölf Jahre nur für ihn eine kurze Zeit. Für einen Menschen hingegen... Es musste einer Ewigkeit gleich kommen. Er hatte sich also beim besten Willen nicht noch länger gedulden können. Nicht wenn so vieles auf dem Spiel stand. Er so vieles riskierte, verlieren könnte. Wer wusste schließlich schon wie viel Zeit sie zusammen hatten? Es konnte viel oder wenig sein, doch in beiden Fällen wollte er das Beste daraus machen. Das Meiste ihm mögliche erleben. Er hatte einfach nicht länger abwarten können. Doch ob das für einen Menschen, für Sophie ebenso einschüchternd wirkte? Sonst brauchte er sich keine Gedanken um zeit machen. Sie kam und ging in einem stetigen Fluss. Alles ging seinen gewohnten Lauf. Doch nun...
      "Sophie... Endor... Lass mich bleiben. Es ist auch mein Wunsch. Lass ihn uns teilen, wie wir den Hinmel geteilt haben.", fügte er schlussendlich noch hinzu um seine Ausführungen endlich abzuschließen. Mittlerweile konnte er sich einfach nicht mehr mit der Menschengeste zufrieden geben. Einfach seine Hand reglos dort liegen zu lassen.... Sicher... Es mochte eine tiefere Bedeutung für die Menschen haben. Vielleicht symbolisierten sie dadurch ihre Verbundenheit, doch er fühlte sich ihr trotzdem noch so fern. Er hatte direkten Einblick in alles was in ihr vorging, doch trotzdem... Er fühlte sich ihr wieder fremd. Auch er wollte die Nähe wieder spüren, in der Hoffnung, dass sie sich ihm nicht schon wieder entzog. Dennoch senkte er nur langsam den Kopf. Es schien fast so als würde er abwarten, ob sie sich wieder von ihn entfernte, wenn sie erkannte was er vorhatte. Vorsichtig, fast schon zögerlich beugte er sich wieder zu ihr hinab. Hinter der Stirn ruhte der Verstand. Das Schönste an einem jeden Wesen, dass sich dieses bedienen konnte und so war es fast als könnten sie sich berühren. Sophies Verstand und sein eigener. Vereint zu einem großen Ganzen. Für ihn als Quirin gab es nichts, dass Verbundenheit besser verdeutlichen konnte. Sie schwangen auf der selben Wellenlänge und gestatteten es einander so nahe zu sein. Sie erlaubten einander tiefste Einblicke in ihr Innerstes, während ihr Geist verschmolz und man kurzzeitig meinen könnte er wäre eine Einheit. Sicher war vieles davon nur eine Übertreibung, doch das Sinnbild gefiel ihm. Sophie klar zu machen wie viel sie ihm bedeutete... Es gab niemanden bei dem er das auch nur gewagt hätte, doch sie... Sie ließ er nur zu gern an dem leichtfüßigen, flattrigen Gefühl in seiner Brust teilhaben, dass er jedes Mal dabei verspürte. Hoffentlich würde sie jetzt endlich erkennen was er meinte. Noch offensichtlicher konnte er es doch gar nicht mehr machen. Oder funktionierte das bei Menschen anders? Gab es einen Paarungstanz von dem er nichts wusste? Ein Balzritual? Er hoffte es nicht, denn ansonsten könnte er sich schon einmal sein wigenes Grab schaufeln. Er hatte bereits viel gesehen, doch die Menschen hatten ihnen immer so ähnlich gewirkt... Waren sie doch viel verschiedener als er gedacht hatte?
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Zweifel und Verwirrung waren Kinder derselben Mutter: Unsicherheit. Und jetzt gerade konnte Sophie all dies in Alaes Gesicht sehen, oder vielmehr in ihrem Inneren fühlen. Es tat ihr furchtbar weh ihn so zu erblicken aber das Schlimmste daran war, dass es ihre Schuld war. Wie hatte sie nur so gedankenlos sein können? Er war gerade einmal wenige Augenblicke auf ihrem Planeten und sie brachte ihn dazu sich schuldig und unsicher zu fühlen. Was war nur los mit ihr? Normalerweise war sie doch immer diejenige, die es allen anderen recht machte. Und nun? Sie schaffte es nicht einmal ihrem ältesten Freund eine Freude zu bereiten, sondern handelte mal wieder gänzlich kopflos. Sie war wirklich eine anstrengende Person. Kein Wunder, dass ihre Mutter stehts ihre Schwester bevorzugt hatte.
      Auch nach ihren vorsichtig gewählten Worten blieben Unsicherheit und Enttäuschung in seinem Innersten bestehen. Sie konnte es ganz deutlich fühlen. Es schmeckte bitter und schnitt regelrecht in ihr eigenes Herz. Sie hatte wohl den Jackpot abgeschossen, indem sie ihn jetzt schon solch eine herbe Enttäuschung bereitete. Dabei wollte sie doch nur nicht egoistisch sein! Sie wollte sich an den Quirin ein Beispiel nehmen und edel und großmütig handeln. Immerhin war diese hochentwickelte Rasse so freigiebig mit ihren Fähigkeiten und Ideen, die der ganzen Menschheit nutzten. Aber Sophie hatte es scheinbar doch nicht geschafft, ihr eigenes Selbst etwas mehr zu erheben, etwas Besseres sein zu wollen, als sie schlicht und einfach nicht war. Es war enttäuschend und Alae hatte sicherlich recht damit, dieses Gefühl zu empfinden, war sie doch auch von sich selbst enttäuscht.
      Erneut ihren Namen mit seiner fremden und doch vertrauten Stimme zu hören verursachte ihr einen kleinen Schauer ihrer Haut. Noch nie hatte jemand ihren Namen so ausgesprochen. Es klang regelrecht ehrfürchtig, so als wäre sie tatsächlich etwas Besondres. Sie blickte abermals zu ihm auf, nur um dann seine Hand auf ihrer Brust zu spüren. Er hatte treffsicher ihr Herz erwischt, welches unter seinen langen Fingern heftig pochte. Kopierte er lediglich ihre Geste, oder wusste er wirklich, was diese bedeutete?
      Überrascht über seine Bewegung, blickte sie ihn fragend aus großen Augen entgegen. Es verstrich ein quälend süßer Moment, wo sie seine roten Iriden, eingebettet in samtenes Schwarz studieren konnte. Er inspirierte sie, wusste er das? Wenn heute Zeit bliebe, würde sie heute noch eine Malstudie zu seinen Augen beginnen. Sie hatten selbst etwas von einem nächtlichen, sternenlosen Himmel und ein roter Planet saß genau in deren Mitte.
      Seine weiteren Worte ließen sie kurzzeitig den Atem anhalten. Er… wollte bleiben. Er erfüllte ihren Wunsch und wollte bleiben. Sogar ein Hauch von Dominanz oder Nachdruck glaubte sie in seiner Stimme vernehmen zu können. Alae war sonst so ruhig und gesittet, doch offensichtlich konnte er auch durchsetzungsfähig sein. Es war eine neue, bisher wenig entdeckte Seite an ihm und Sophie kam nicht darum herum, dass ihr diese auch gefiel.
      Erneut sagte er ihr, dass sie wichtig war, verwendete abermals dieses neue Wort, Endor. Hieß es doch nicht Familie? Der leichte Druck auf ihr Herz versuchte ihr wohl etwas zu sagen, aber was? War Endor eine Art Kosename? Ein Wort, welches nur sie meinte, nicht seine restliche Familie? Warum hatte sie sich nie mehr Mühe gegeben seine Sprache zu lernen? Er hatte es doch umgekehrt auch auf sich genommen, die ihre zu lernen. Vielleicht würde sie ihn bitten ihr doch wenigstens ein paar Worte beizubringen. Jetzt, wenn er bei ihr war, fiel es ihr sicher leichter eine halbwegs korrekte Aussprache zu erlernen.
      Erneut sprach er davon, dass seine Familie immer bei ihm war. Doch was dann kam, auf das hätte sie niemand vorbereiten können. Als würde er seine Schutzschilde fallen lassen, ertönte plötzlich Geflüster in ihrem Kopf. Ihr entfuhr ein Keuchen, als all die geistigen Empfindungen auf sie einprasselten. Der Ozean, den Alae für sie verkörperte, schwoll urplötzlich zur reißenden Sturzflut an und Sophie konnte all diese Stimmen kaum unterscheiden, geschweige denn verstehen. Alae schaffte dies? Ständig und überall war seine Familie mit ihm verbunden? Es war ein schöner und tröstender Gedanke, nie alleine sein zu müssen und doch würde sie diese Lautstärke auf die Dauer nicht aushalten. Dass ihr Alae dies fertigbrachte, zeigte ihr erneut wie unterschiedlich sie doch waren. Er war ein hochentwickeltes, geistiges Wesen mit schier unbegrenzter Gedankenmacht und sie war ein einfacher Mensch, der schnell alterte, anfällig war für Krankheiten und schon nur mit einer Stimme in ihrem Kopf manches Mal überfordert war.
      Zum Glück schloss er die Schotten seines Geistes wieder und augenblicklich verstummten die flüsternden Stimmen und in ihrem Kopf wurde es wieder still. Nun, fast still. Nur die zwei Stimmen – ihre und Alaes – blieben zurück, so wie es in den letzten zwölf Jahren fast immer gewesen war.
      Erneut hob er die Stimme und half ihrer schwächelnden Konzentration damit wieder auf die Sprünge. Wie er es als geistiges Wesen nur so lange ausgehalten hatte mit ihren sprunghaften Gedanken mitzukommen? Irgendwann würde sie ihn danach fragen. Doch was er dann sagte, ließ sie etwas schmerzhaft lächeln. Er wolle so lange bleiben, wie es sie schmerzte ihn gehen zu lassen. Er wollte entdecken und ein erneuter Druck auf ihre Herzgegend folgte. Dies löste somit ein abermaliges Herzpochen aus, welches sie sich nicht ganz erklären konnte. Aber wenn er bleiben wollte, solange es sie schmerzte ihn gehen zu lassen, dann wäre dies wohl für immer. Korrektur: Solange sie lebte.
      Seine abschließenden Worte trafen sie abermals bis ins Mark. Er bat sie, ihn bleiben zu lassen, wäre es doch auch sein eigener Wunsch. Er wollte diesen Wunsch mit ihr teilen, so wie sie bisher den Himmel geteilt hatten. Es war ein schöner Gedanke und trotzdem fühlte er sich nicht richtig an. Etwas in ihr sträubte sich, seine Entscheidung einfach so hinzunehmen. Konnte er hier glücklich werden? Würde seine Familie ihm diese Entscheidung erlauben? Wirkte sich die Atmosphäre der Erde in einigen Jahren nicht negativ auf ihn aus? Wäre er auf der Erde genauso willkommen wie auf seinem eigenen Planeten? Oder würde er sich irgendwann ausgegrenzt fühlen? Würde er es bereuen, bei ihr geblieben zu sein? Hatte er sie und die Erde irgendwann satt? Wäre es fair, wenn er sie im hohen Alter sterben sehen würde?
      All diese Gedanken und Fragen überfluteten ihren Geist und seine Worte und ihre Zweifel hielten sich die Waagschale. Es war zu schön um wahr zu sein. Sie wollte ums Biegen und Brechen nicht, dass er in einigen Monaten, Jahren, Jahrzehnten wieder verschwand und doch wollte sie ihn nicht davon abhalten. Sie hatte Angst, dass er etwas bereute oder vorhandene Chancen nicht wahrnahm. Wenn er bleiben würde, würde er mit einem anderen Quirin aus der Delegation eine Familie gründen können? Fände er dort eine Partnerin, die ihm ebenbürtig war, die genauso etwas Besonderes war wie er selbst auch? Sie hoffte es sehr.
      Wenn man sich um jemand anderen mehr sorgte als um sich selbst, wie hieße das dann? Nannte man dies dann… Der Gedanke kam ihr abhanden, als sie nun seine erneute Bewegung beobachtete. Langsam, fast schon zaghaft, beugte er sich erneut zu sich herab. Er war richtiggehend zärtlich und ihr Herz schmerzte regelrecht bei so viel Rücksichtnahme. Niemals hätte sie ihn zurückweisen wollen oder abweisen mögen, dafür war er ihr schlicht zu wichtig. Und wahrscheinlich war das Aneinanderlegen der Stirn einfach eine typische Geste seines Volkes. Vielleicht sogar ähnlich dem Händeschütteln ihrer Rasse?
      Sie atmete nun tief ein, ehe sie sich ein wenig auf die Zehenspitzen stellte um sich ihrem Freund entgegen zu strecken. Sanft legte sie ihre Stirn gen seine und um auf den Zehenspitzen nicht das Gleichgewicht zu verlieren, wagte sie es sich mit beiden Händen an seiner Brust fest zu halten. Sie schloss die Augen und genoss die Brandung des Meeres in ihrem Kopf. Ihre Gefühle fuhren noch immer Achterbahn, waren jedoch durch seine Berührungen deutlich ruhiger.
      „Wenn du wirklich bleiben möchtest, dann würdest du mir wahrlich einen großen Wunsch erfüllen.“, sprach sie leise. Sie öffnete wieder die Augen. „Aber bitte bleibe nur, wenn du es auch wirklich willst. Nicht nur meinetwegen.“ Diese Sache wollte sie nochmal klarstellen.
      „Und ich verspreche dir, alles mir Mögliche zu tun, um deinen Aufenthalt hier auf Erden so schön als möglich zu machen.“ Sie fühlte die Wärme seiner Haut unter ihren Fingerspitzen, es war höchst angenehm und versprach Sicherheit.
      „Ich hoffe du findest trotz deiner Entscheidung auch hier auf Erden dein Glück, diesem will ich nämlich auf keinen Fall im Weg stehen.“ Das Thema Kinder war für sie nie wichtig gewesen, hatte sie doch auch Noah, der für sie wie ein Sohn war. Doch für andere mochte es durchaus wichtig sein. Und wenn Alae sich für ein Leben auf Erden entschied, dann hoffte sie, dass eine geeignete Partnerin für ihn innerhalb der Delegation dabei war. Mit seiner Sanftmut und Ruhe wäre er sicherlich ein großartiger Vater.
      Aus der Ferne konnte sie nun ersten Lärm hören. Vermutlich hatten sich die restlichen Quirin und Vertrauenspersonen ebenfalls auf den Weg gemacht.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Er war froh darüber, dass sie nicht erneut auf Abstand ging, sondern ihm dieses Mal sogar ein Stück entgegen kam. Es beruhigte ihn ein wenig. Anscheinend hatte er doch nicht ao viel falsch gemacht wie er gedacht hatte. Zumindest nicht ganz so viel, dass sie sich von ihm abwenden könnte. Oder aber seine Worte hatten sie endlich erreicht. Verstand sie endlich was er damit gemeint hatte. Er war sich noch ein wenig unsicher hatte im Moment aber sowieso nicht die Möglichkeit dazu sich weitere Gedanken deswegen zu machen. Viel lieber kostete er den Moment in vollen Zügen aus. Bemerkte nur beiläufig, dass sie beide Hände an seine Brust legte. Offenbar war das wirklich eine bedeutsame Geste für die Menschen. Doch jetzt verunsichert nach ihrer Bedeutung zu fragen erschien ihm auch unpassend. Also ließ er seine Hand einfach dort ruhen wo sie die ganze Zeit über gewesen war, während er Sophie gestattete ihre Hände ebenso in der Mitte seiner Brust zu positionieren. Es war ein merkwürdiger Ort für eine Berührung, doch das traf bei ihnen wohl auf so ziemlich jede Stelle ihres Körpers zu die nicht ihre Stirn war. Es würde schon einen tieferen Sinn haben. Und selbst wenn nicht... Irgendwie gefiel sie ihm trotzdem. Er konnte Sophies Finger auf seiner Haut spüren und das fühlte sich zwar einerseits mehr als ungewohnt, andererseits aber auch vollkommen richtig an. Fast so als gäbe es keinen besseren Ort um sie abzulegen. So als wäre sein Brustkorb genau der richtige Platz für ihre Hände. Als hätte er nur darauf gewartet, dass es endlich dazu kam.
      Dass Sophie dieses Mal an Ort und Stelle verharrte auch während sie sprach bedeutete ihm viel. Es dauerte zwar ein wenig bis er träge die Augen geöffnet hatte um sie anzusehen, doch er erwiderte ihren Blick nur, ehe er zu einer Antwort ansetzte. "Ich bleibe. Wegen mir und dir. Mir gefällt es.", erwiderte er leise, ehe er die Augen wieder schloss und sich eine wohlige Wärme in ihm ausbreitete. Nichts könnte schöner sein. Nichts was er auf diesem oder irgendeinem anderen Planeten finden würde, könnte an diesen Moment heranreichen. Er würde ihm auf ewig im Gedächtnis bleiben, auch wenn er nicht allzu schön begonnen hatte. Jetzt gerade konnte er kaum fassen, dass er erst vor wenigen Stunden auf der Erde gelandet war. Und nun... Nun durchströmte ihn bereits solch eine Glückseeligkeit. Nie hätte er damit gerechnet wie fantastisch es sein könnte, diese Verbundenheit aus nächster Nähe zu spüren. All die Jahre hatte sie bereits bestanden und nun... Nun wirkte sie noch viel naher so unendlich greifbar. Er konnte es nicht glauben was sich ihm da gerade offenbarte. Er war ein Forscher, er wollte mehr darüber in Erfahrung bringen. Mehr über Sophie wissen. Alles untersuchen. Herausfinden was sie verband, was sie voneinander unterschied, was sie zusammengeführt hatte. Es gab so vieles zu entdecken. So vieles dass er noch inner nicht verstand. Auf dass er gerade zum ersten Mal stieß. Es war unbeschreiblich...
      Er lauschte ihren Worten nur zu gern. Ließ sie eine ganze Weile in seinem Geist nachhallen. Genoss den Klang ihrer Stimme und ließ das Gesagte erst einmal auf sich wirken, ehe er die Augen wieder öffnete und sich eine Frage in ihm breitmachte? "Glück?", wiederholte er ihr Wort ein weiteres Mal und musterte sie dann erneut fragend. Er glaubte seine Bedeutung zu kennen, aber wieso wollte sie dann dass er mehr davon finden sollte? Brauchte er viel davon? Reichte das Glück einer einzelnen Sache nicht aus? Brauchte es viele? Oder war auch das nur eine Ausdrucksweise der Menschen? Selbst wenn... Wie sollte Sophie jemals in seinem Weg stehen? Wenn überhaupt würde sie dazu gehören. Was redete sie da also? So etwas würde schon nicht passieren, weshalb er ihr diesen Gedanken lieber schnell wieder mit einer gedanklichen Versicherung, dass so etwas shon nicht passieren würde, inklusive der geballten Ladung Glücksgefühle, die er gerade verspürte, austrieb. Leider blieb für mehr keine Zeit, denn die anderen bahnten sich ihren Weg hierher vor und in solch winer eindeutigen Position von anderen entdeckt zu werden... Für diese Scham waren sie beide eindeutig noch nicht bereit. Außerdem wollte er keine unnötigen Fragen beantworten müssen. Mehr oder weniger sollte es ihnen allen zwar schon klar sein was gerade in ihm vorging, aber er zögerte es trotzdem lieber noch ein wenig heraus. Sophie sollte sich nicht unbedingt sofort einer Befragung unterziehen müssen. Sie waren schließlich gerade erst angekommen. Sie brauchtw gewiss erst einmal einen Moment um sich daran zu gewöhnen, dass sie nun hier waren. Also löste er ihre Verbindung wiedr in dem er sich langsam aufrichtete, die Augen jedoch niemals von ihr nahm. Lediglich seine Hand zog er noch wieder zu sich zurück, ehe er abwartend auf sie hinab sah.
      "Du fühlst dich weich an.", durchbrach er das Schweigen schlussendlich, doch um ihr diese Beobachtung fast schon mit einer Spur kindlicher Naivität in der Stimme zu offenbaren. Im Gegensatz zu ihr war er fast schon hart, dabei war er immer der Meinung gewesen, dass sie eine wirklich weiche Spezies waren. Doch anscheinend übertrafen die Menschen das noch einmal. Nicht dass es etwas zwischen ihnen änderte. Es war einfach eine faszinierende Beobachtung seinerseits, von der er gern noch mehr machen würde. Oder eher gesagt wollte er noch viel mehr von ihnen mit ihr teilen, denn ansonsten würde er sie nur vergessen, weshalb er fortfuhr. "Du bist warm.", fuhr er fort und konnte gar nicht mehr wirklich aufhören. Er fügte einfach noch eine ganze Menge mehr interessante Dinge über ihre Augen, ihre Haare und ihre Stimme hinzu. Zu etwas anderem kam er gar nicht, denn da betrat auch schon einer der anderen das komische Gefährt. Den Menschen der ihn begleitete, kannte er nicht, doch er hatte auch nicht wirklich auf sie geachtet. Er hatte nur Augen für Sophie gehabt, doch nun einen seiner Brüder wiederzusehen stimmte ihn erneut, auf eine andere Art und Weise froh.
      Auch er war fasziniert von der Maschine und er war sich sehr sicher, dass er als Techniker und Miterbauer des Raumschiffs um einiges mehr davon verstand als er selbst. Er hatte alles nur bewundern können, wohingegen er sicher einiges verstand. Ob er ihm wohl etwas davon erklären konnte? Er würde später danach fragen. Sophie war wichtiger und er fragte sich, ob er sie einander vorstellen sollte. Er hatte ihr seine Brüder und Schwestern vorstellen wollen, doch war nun der richtige Zeitpunkt? Vermutlich. Also stupste er ihr vorsichtig mit seiner Unterarmflosse gegen den Arm, um ihre Aufmerksamkeit erst auf sich selbst und dann auf den dunkelbläulich schimmernden Quirin zu lenken, der gerade so aussah, als überlegte er wie er dieses Fahrzeug am besten auseinander und wieder zusammenbaute, ohne dass es jemand bemerkte. Er schien in seine eigene kleine Welt abgedriftet zu sein weshalb er es auf sich nahm Sophie seinen Namen zu verraten. Die beiden würden schon noch ihre Gelegenheit bekommen einander kennenzulernen. Außer er würde auf noch mehr faszinierende Gerätschaften stoßen, die seine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchten.
      "Untryr Bane", sprach er für sie seinen vollständigen Namen aus, damit sie ihn zumindest einmal gehört hatte, ehe er ihr die Kurzform verriet, dür die sich jeder Einzelne von ihnen entschieden hattw um es den Menschen leichter zu machen. "Bane. Er hat das Schiff gebaut. Er kann mit Benzin helfen.", fügte er noch einige nützliche Informationen für sie hinzu, weil er nicht wusste was sie interessierte und was nicht, weshalb er erst einmal einen weiteren Blick auf ihn warf, während er auf ihre Antwort wartete. Er war größer und auch älter als er selbst. Hatte bereits sein erstes jahrhundert hinter sich, doch wirklich ansehen tat man ihm das nicht. Sie veränderten sich nicht mehr viel sobald sie ausgewachsen waren. Erst mit dem Tod trat das letzte Mal eine Veränderung auf. Ihre Stimme verstummte, doch bis dahin war noch Zeit. Und ansehen kommte man das einem sowieso nicht. Außerdem war es unbedeutend. Sie waren quicklebendig und wie auch er selbst hatte er seine besten Gewänder für die Reise angelegt. Auf die Unmengen an Schmuck hatte Bane jedoch zum größten Teil verzichten. Leidlich der ein oder andere Armring schmückte ihn. Aber er hatte auch keinen Grund gehabt irgendjemandem zu imponieren. Warum hätte er sich also die Mühe machen sollen?
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Sophie wusste nicht ob sie tatsächlich das richtige tat, doch konnte sich das Falsche so gut anfühlen? Vermutlich nicht, oder doch? Waren nicht immer die schönsten Dinge gleichzeitig auch die gefährlichsten Sünden? Für diesen einen herrlichen Moment schob sie jedoch erstmal diesen unnützen und beängstigenden Gedanken beiseite. Sie ergab sich ganz dem Gefühl der Harmonie zwischen ihr und Alae. Es war herrlich, sie waren wie zwei aufeinander abgestimmte Instrumente, die gemeinsam den perfekten Ton bildeten. Sie waren wie eine Symphonie, die nur sie beide hören konnten und es stimmte Sophie wahrlich froh, dass nun endlich der Tag X gekommen war und die Quirin tatsächlich hier gelandet waren. Wie lange hatte sie dem schon entgegengefiebert? Sehr, sehr lange. Immerhin waren zwölf Jahre für einen Menschen eine unglaublich lange Zeit. Genau in diesen zwölf Jahren war sie zu einer Frau herangewachsen, hatte ihre Ausbildung beendet, einen Job angenommen, eine Wohnung bezogen und sich das erste Mal verliebt. Dass diese Beziehung durch einen Betrug seinerseits in die Brüche gegangen war, daran wollte sie nicht denken. Doch natürlich war auch sie selbst schuld, Martin war nie müde geworden dies zu erwähnen.
      Ihre Hände kribbelten dort, wo sie Alaes Haut berührte, die so gar nichts mit Fischen gemein hatte. Ob sie sich anders anfühlte, wenn sie nass wäre? Vermutlich. Am liebsten hätte sie dies gleich herausgefunden, doch ihre Neugierde musste sie noch zügeln. Es war weder der passende Ort, noch der passende Moment dafür.
      Aus trägen Augen blinzelte Alae sie an und versicherte ihr nochmal, dass er bleiben würde. Gut, ihr selbstsüchtiges Herz war nach diesem mehrmaligen Nachfragen nun nicht mehr gewillt ihn gehen zu lassen. Sie brauchte ihn, er war so lange ihre mentale Stütze gewesen, sie hatte sich so sehr an ihn gewöhnt, sie wollte ihn nicht mehr missen. Sie hatte versucht ihn davon abzuhalten, doch er war erwachsen genug, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Wenn er tatsächlich bleiben wollte, dann freute sich ihr Herz und geriet darüber fast aus dem Takt.
      Er schloss seine interessanten Seelenfenster erneut und dies gab ihr Zeit ihn genauer zu betrachten. So als hätte sie ihn nicht die ganze Zeit über bereits angesehen. Aber er sah einfach so anders aus! Nichts hatte sie auf seinen Anblick, seine Züge, seinen Körperbau, die Flossen oder seine schimmernde Haut vorbereiten können und ja, sie genoss dieses fremdartige Aussehen. Es war etwas Besonderes, hob ihm von der Norm ab und gab ihr die Gelegenheit etwas Neues kennen zu lernen und ihren Horizont zu erweitern. Sie versuchte sich alles an ihm einzuprägen, nur um einen Wimpernschlag später erneut hinzusehen.
      Mit seiner nächsten Antwort ließ er sich Zeit, die sie ihm gerne gewährte, hatte sie doch vorhin genau dies erwähnt. Die ganze Menschheit musste mit ihren galaktischen Freunden Geduld haben und ihnen genug Zeit und Freiraum lassen, dann würde sich sicherlich etwas wunderbares daraus ergeben, dessen war sie sich sicher.
      Er fragte nun nach dem Glück und natürlich würde sie ihm diese Redensweise erklären. Bevor sie jedoch dazu kam, ließ er sie wieder gedanklich an seinen Überlegungen teilhaben und versicherte ihr, sie wäre niemals im Weg. Ja, sie würde sich auf alle Fälle größte Mühe geben, diesem Versprechen nachzukommen! Er sollte sein Glück finden und sie würde ihn dabei tatkräftig unterstützen. Seine Glücksgefühle überschwemmten sie wie warmes Wasser, lullten sie ein und umgaben sie wie ein schützender Kokon. Wenn er das mit ihr machte, fühlte sie sich schwebend wie auf einer Wolke, auf der ihr niemand auch nur ein Leid zufügen konnte. Ob sie dies auch konnte? Konnte sie es fertigbringen, dass sich Alae bei ihr sicher fühlte? Denn das tat man nun einmal, wenn man eine Familie, wenn man wie Geschwister füreinander war.
      Sie wollte gerade ansetzen ihm die Sache mit dem Glück zu erklären, als er sich langsam von ihr löste. Er hatte recht, die anderen wären sonst nur aufgehalten mit ihrer Fahrt und für solch innige Begrüßung hatten sie beide nun wohl mehr als genug Zeit gehabt. Sie selbst zog ihre Hände zurück und stellte sich wieder mit beiden Beinen fest auf den Boden.
      Überrascht blickte sie ihn an, als er ihr erklärte sie fühle sich weich und warm an. Er nannte ihr Details zu ihren Augen und ihrer Stimme und es machte sie glücklich, dass er solch ein aufmerksamer Freund war. Sie hatte Angst gehabt, er fände sie ekelerregend, so wie eben Menschen Spinnen ekelig fanden. Doch nach seinen Erklärungen glaubte sie, dass er sie viel eher mit den Augen des Forschers betrachtete und sich weder vor ihr graute, noch fürchtete.
      Auch sie wollte ihre Beschreibungen von ihm teilen, doch da betraten nun wirklich die anderen das Gefährt. Sie erblickte einen bläulich schimmernden Quirin, der sich genauso interessiert wie ihr Alae umsah. Erst das sanfte Anstupsen ihres Freundes zog ihre Aufmerksamkeit wieder auf diesen zurück. Er stellte ihr nun den interessiert dreinblickenden Fremden vor und nannte ihr seinen Namen. Zum Glück auch die abgekürzte Version davon, sie merkte sich solche Dinge ohnehin nicht so leicht.
      Auf seine weiteren Erklärungen hinsichtlich des Schiffbaus und der Mithilfe bei dem Benzinproblem, musterte sie den anderen nochmal genauer. Sie versuchte sich ein Bild von ihm zu machen und sich seinen Namen zu merken. Sie würde definitiv mit ihrem Chef darüber sprechen. Die Menschen brauchten wahrlich die Hilfe ihrer außerirdischen Freunde, denn ihre eigene Spezies stand aufgrund der Umweltproblematik und der Überbevölkerung ohnehin auf dem Scheideweg.
      „Es freut mich, ihn kennenzulernen. Aber jetzt sollten wir ihn nicht stören. Er sieht aus, als möchte er in Ruhe überlegen.“, antwortete Sophie und lächelte leicht versonnen. Mit solch überbrodelnder Neugierde kam sie hervorragend zurecht, war sie doch selbst auch nicht anders.
      „Wir sollten uns setzen, damit wir den anderen Platz machen um sich ebenfalls umzusehen und danach hinzusetzen.“, schlug sie nun vor. Sie war schon sehr aufgeregt Alae und seinen Brüdern und Schwestern ihre neuen Behausungen zu zeigen. „Und meine Frage vorhin lautete, möchtest du neben mir sitzen, oder lieber ein wenig mehr Freiraum?“ Sie deutete auf die Doppelsitze, die zwar für zwei Personen ausgelegt waren, doch sie hätte kein Problem damit Alae auch ein wenig mehr Raum zu geben.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Er hatte nicht von ihr erwartet, dass auch sie etwas zu seinem Äußeren sagte. Er brauchte keine Bestätigung. Allein die Tatsache, dass es sie nicht störte ihn zu berühren, reichte ihm aus um seine Annahme in dieser Hinsicht zu bestätigen. Sie hatte selbst darauf bestanden und auch ihre Gefühlswelt verriet ihm mehr als genug. Auch wenn ihn ihre Vergleiche interessiert hätten. Er würde wohl noch nicht einmal mit der Hälfte davon wirklich etwas anfangen können, also vielleicht war es auch einfach besser so. Immerhin fehlten auch ihm irgendwie die richtigen Worte um ihrem fremden Aussehen gerecht zu werden. Sicher erinnerte sie ihn an Vieles, doch das einem Menschen begreiflich zu machen, schien ihm zumindest im Moment noch unmöglich. Vielleicht könnte er irgendwann später all dem was gerade noch nicht nach draußen vordringen konnte einen Raum geben den sie beide verstanden. Und bis dahin... Er würde wohl einfach sein bestes geben und versuchen alles so gut es nur eben ging zu erklären. Dasselbe tat sie für ihn schließlich auch und bisher kamen sie damit mehr als nur gut zurecht. Warum also etwas daran ändern? Es war eine gute Dynamik die sie beide hatten, auch wenn sie eher auf eine weite Distanz ausgelegt war. Sie würden sie wohl einfach ein wenig anpassen müssen jetzt da sie ein wenig näher beisammen waren, doch das sollte nun wirklich kein Problem darstellen.
      Er hätte Bane wirklich gern begrüßt, doch sie hatten sich erst vorhin gesehen und er schien gerade wirklich zu sehr in Gedanken versunken zu sein, als dass man ihn stören sollte. So gern er ihm Sophie auch richtig vorgestellt hätte... Das musste wohl einfach warten bis er sich an all den menschlichen Erfindungen auf ihrem Weg satt gesehen hatte. Und bis das eintraf... Nun... Das konnte dauern, also verwarf er den Gedanken erst einmal wieder. Dann würde er eben später mit den anderen fortfahren. Außerdem gab es da noch den anderen Menschen, der sich bereits auf einem der vorderen, weichen Stühle niedergelassen hatte. Ob Sophie ihn kannte? Bei den Menschen funktionierte es nicht wie bei ihnen... Wie hoch waren also die Chancen? Wie viele der Menschen kannte sie? Wie viele gab es überhaupt? Je mehr Zeit er huer verbrachte desto mehr Fragen schlichen sich in seinen Kopf über die er zuvor noch nie so nachgedacht hatte. Für gewöhnlich stellte er sie ihr aber auch einfach, wenn sie ihm einfielen und erhielt dann eine Antwort. Doch jetzt gerade? Es gab so viel interessantes zu betrachten und entdecken, dass er seine Fragen immer wieder hinten an stellte. Er wusste schon gar nicht mwhr was er sich alles hatte merken wollen. Dabei ließ ihn sein Gedächtnis doch sonst nicht im Stich was das betraf. Nun gut... Es ließ sich nicht ändern.
      Er beobachtete noch ein wenig den anderen Menschen am Fenster. Er schaute nach draußen und schien nicht sonderlich an ihnen interessiert zu sein. Ein wenig Schade, aber vielleicht war er auch einfach nur schüchtern oder wie auch immer die Menschen das nannten. Er wollte sich aber auch nicht allzu sehr auf ihn festfahren, immerhin hatte er deswegen beim letzten Mal Sophie nicht zugehört und nun wäre es ihm fast ein weiteres Mal passiert. Und das bei ein und derselben Frage... Immerhin wusste er nun was sie zuvor von ihm hatte wissen wollen und war über diese neugewonnene Information mehr als nur glücklich. Er hatte gar nicht mitbekommen wie sehr es ihn noch beschäftigt hatte zuvor keine Antwort zu erhalten, doch nun... Nun war er zufrieden damit und folgte Sophie nur allzu gern zu einem der Sitzplätze, um sich, ohne überhaupt erst eine Antwort zu geben, neben ihr niederzulassen. Was war das schon für eine Frage? Wenn er die Wahl hatte, würde er natürlich neben ihr sitzen. Auch wenn er befürchtete, dass sie so neben ihm viel zu wenig Platz hatte. Er war zwar nicht sonderlich breit, aber seine langen Arme oder auch seine Flossen konnten ihr durchaus im Weg sein, weshalb er lieber zweimal an sich hinabsah um sicherzugehen, dass nichts irgendwie zu weit abstand und sie dadurch einschränkte. Als er sicher war, dass alles an seinem gewohnten Platz war, konnte er sich endlich dem weichen Polster zu wenden auf dem er saß. Es war nicht vergleichbar mit Sophies Haaren, aber es fühlte sich trotzdem unfassbar faszinierend an. Wie hatten sie das nur hinbekommen? Pflanzenfasern? Nein... Zumindest glich die Textur in keinster Weise der seiner Kleidung. Probeweise befühlte er auch diese noch einmal um einen besseren Vergleich ziehen zu können, doch er war sich sicher, es bestand keinerlei Unterschied. Was verwendeten sie also dann? Bevor er jedoch mit seiner Fragerei fortfuhr sollte er Sophie lieber erst einmal antworten. Außerdem brannte ihm noch viel mehr auf der Zunge, als nur die Art der weichen Sitzfasern.
      "Es ist genug Platz für zwei.", stellte er fest, blickte dann aber doch noch einmal zu ihr herüber. "Bin ich zu dicht?", fragte er vorsichtig nach, weil er trotz seiner zuvor getroffenen Maßnahmen noch immer nicht sicher war ob er nicht doch zu viel Platz einnahm. Menschen mochten zwar kein Problem mit Kontakt haben und sie waren sich vor wenigen Augenblicken deutlich näher gekommen, aber vielleicht störte es sie nun. Vielleicht störte sie sein Schmuck? Berührte er sie damit irgendwo? Nicht dass sich eine spitze Ecke in ihre weiche Haut bohrte. Sie wirkte um einiges verletzlicher als seine eigene. Er suchte sie also noch ein weiteres Mal mit den Augen ab um sich wirklich sicher zu sein, dass sie nichts störte. Er wollte diesen Platz neben ihr wirklich gern beanspruchen, doch wenn er sie damit stören sollte... Es bereitete ihm eine ganze Menge Sorgen mit denen er nicht so recht umzugehen wusste. Sie hatte sicher nur das beste für ihn im Sinn gehabt, doch er kam nicht drumherum alles auf sie zu projezieren. Ihr sollte es ebenso gut gehen wie ihm und dafür würde er sorgen. Wenn auch auf seine mehr als nur unbeholfene Art und Weise.
      "Es ist in Ordnung?", erkundigte er sich noch ein letzten Mal nachdem er zum gedühlt tausendsten Mal geprüft hatte, dass alles bei ihr seine Richtigkeit hatte. Erst dann kommte er sich ein wenig entspannen und lehnte sich nun endlich auch mit dem Rücken an. Dieses Gefühl war noch einmal vollkommen anders und ließ ihn im ersten Moment zurückschrecken. Jetzt wo er es so betrachtete... Es fühlte sich eher wie ein Tierfell, als eine Pflanzenfaser an. Davon hatte er in seinem Leben zwar noch nicht all zu viele begutachten können, doch er war sich ziemlich sichr, weshalb er seinen Kopf fast sofort zurück in Sophies Richtung wandte um ihr diese aufregende Neuigkeit mitzuteilen. "Welche Tiere verwendet ihr? Sie sind so weich. Wie sehen sie aus? Was ist diese Farbe? Tarnt sie?", begann er und verlor sich bald darauf wie gewohnt in einem Schwall aus Fragen. Das er sich eigentlich bezüglich des Menschen vor ihnen hatte erkundigen wollen und dass sich weitere Quirin und auch Menschen zu ihnen gesellten, schien er vollkommen auszublenden. Gerade zählten nur seine Fragen und Sophies möglichst ausführliche Antworten darauf. Ee konnte sich einfach nicht länger zurückhalten. Außerdem hatte er sich alles hier genau angesehen. Nun war der Zeitpunkt all das zu fragen das ihn bisher beschäftigt hatte. Oder zumindest das was ihm noch einfiel. Hoffentlich konnte ihm Sophie weiterhelfen. Aber sie wusste eigentlich immer auf alles einen Rat oder eine Antwort. Er verließ sich was das betraf also voll und ganz auf sie.
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Als sich Sophie vom Gespräch mit Alae losgelöst hatte, nickte sie dem anderen Mann höflich zu. Sie kannte ihn nicht gut, er war immer ein Eigenbrötler gewesen und etwas tat ihr Bane leid, denn mit diesem Typen – sein Name war ihr entfallen – war es möglicherweise gar nicht so leicht zu kommunizieren. Selbst jetzt hatte er sich einfach gesetzt und ließ den armen Bane einfach stehen und sich selbstständig umsehen. Sie hatte das Bedürfnis auf ihn zuzugehen und ihm die Dinge zu erklären, wovon sie doch selbst auch keine Ahnung hatte. Aber sie hätte es wenigstens versucht. Ob sie auch so unhöflich zu Alae war? Sie hoffte nicht.
      Den Menschen selbst kannte sie von ihren gemeinsamen Treffen. Denn zu Anfang wurden gemeinsame Gruppengespräche abgehalten mit all den Vertrauenspersonen der Quirin. Man sollte sich austauschen, über die Erfahrungen berichten und sich gegenseitig weiterhelfen, wenn man dazu in der Lage war. Es glich einem Treffen der Anonymen Alkoholiker, doch natürlich basierte dies auf anderen Dingen. Sie sollten ihre Erfahrungen teilen, auch mit Wissenschaftlern und Psychologen, denn man wollte mehr über das fremde Volk lernen und gleichzeitig auf ihre mentale Gesundheit achten. Es war schließlich nicht für jeden Menschen leicht, seinen Geist plötzlich mit einem fremden Wesen zu teilen. Auch wenn diese die besten Absichten versichert hatten, es hätte leicht sein können dass ihre Körper von den anderen übernommen worden wären und dann hätten die Quirin leichtes Spiel gehabt die Menschheit zu infiltrieren.
      Ja, besonders die Anfangszeit war kompliziert gewesen. Sie waren überwacht worden, nicht nur gesundheitlich und mental, sondern auch von der Polizei. Diese hatte eigens dafür eine Task Force gegründet, um schnell einzugreifen, sollte man überschnappen. Zum Glück hatten sich diese Vorsichtsmaßnahmen als unbegründet herausgestellt und nun war alles gut.
      Gerade in dieser Anfangszeit war ihr Alae eine große Hilfe gewesen. Sie hatte ihm immer schon sehr vertraut und sich eher durch die Überwachung der Menschen eingeschränkt gefühlt. Er hatte ihr beigestanden, denn von ihrer Mutter und Schwester war sie verachtet worden, sich plötzlich mit einem Alien den Geist zu teilen. Und nun? Ihre Schwester benötigte sie einfach um auf Noah aufzupassen und ihre Mutter duldete sie lediglich.
      All diese tiefgreifenden Gedanken wurden durch den Blick auf diesen Mann ausgelöst und Sophie musste sich zusammenreißen um nicht gänzlich den Fokus zu verlieren. Alae war nun wichtig, nicht ihre eigene Familientragödie. Auch kam nun mehr Bewegung ins Spiel, andere Menschen waren ebenfalls eingetroffen, begleitet durch ihre jeweiligen Partner. In der Menge konnte sie den Rotschopf Henrys entdecken, dessen Partnerin scheinbar eine weibliche Quirin war. Sie winkte ihm kurz und er nickte ihr zu.
      Dann bewegten sie beide sich auf einen der Sitzplätze zu und ließen sich gemeinsam auf solch einem Zwei-Sitzer nieder. Er hatte ihr noch keine Antwort gegeben, also fasste sie es als in Ordnung auf, wenn sie sich neben ihn setzte. Dies war wohl eines der menschlichen Talente, keine Antwort genau so auszulegen, wie es für einen selbst am besten passte.
      Sobald sie saßen schien Alae jedoch ein wenig nervös zu werden. Er betrachtete sie ganz genau und ließ seinen Blick über ihren Körper schweifen. Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, dann hätte solch ein Blick anzüglich sein können. Doch das hier war Alae, niemals würde er sie mit den gierigen Augen eines Menschen betrachten. Er sorgte sich um sie ob sie denn genug Platz zur Verfügung hatte und diese Geste alleine rührte sie schon wieder. Sie musste sich heute dringend einen traurigen Film ansehen, um so richtig weinen zu können. Dann wären ihre Tränen hoffentlich wieder versiegt für die nächste Zeit. Es war schrecklich so sentimental zu sein. Und peinlich obendrauf.
      Dann jedoch gab er ihr doch noch eine Antwort und meinte, es wäre genug Platz für sie beide. Sie nickte daraufhin und lächelte. „Keine Sorge, du bist nicht zu dicht.“, antwortete sie dann auf seine Fragestellung. Als Mensch war man es zumindest gewohnt, zur Zeiten der Rush Hour oder in einem Club mehr als dicht nebeneinander zu stehen. Und in einer Disco war der eigene Körper sowieso Freiwild und wurde betatscht, egal ob man nun wollte oder nicht.
      Abermals machte er sich an ihrem Platzproblem – welches kein Problem war – zu schaffen und nochmals schmunzelte Sophie. Es war wirklich rührend, wenn er sich so um sie sorgte und sie wagte es beruhigend eine Hand auf seinen Arm zu legen.
      „Es ist wirklich alles in Ordnung.“, versicherte sie ihm dann mit fester Stimme. Sie ließ ihn an ihren Gefühlen teilhaben, damit er ihr glaubte. Sie würden sich dringend Zeit nehmen müssen, ein paar der grundlegenden Sachen zu klären. Zu aller erst sollten sie sich wohl gegenseitig versprechen, den Mund aufzumachen, wenn den jeweils anderen etwas stören sollte. So würde man diese übertriebene Vorsicht von beiden Seiten vielleicht etwas schmälern.
      Sie senkte ihre Hand wieder, als er sie nun zur Polsterung der Sitzgelegenheiten befragte. Er schien recht aufgeregt und die Fragen purzelten nur so aus ihm heraus. Genau diese Neugierde liebte sie, denn er brachte es fertig, sie über solch alltägliche Dinge neu nachdenken zu lassen.
      Sie hob einen Finger an die Lippen und tippte dagegen, als sie über seine Fragen nachdachte. Diese zu beantworten war gar nicht so leicht. „Nun, es gibt verschiedene Arten von Stoffen. Baumwolle ist wohl die Häufigste davon. Dies ist das Produkt einer Pflanze und sieht aus wie kleine, weiße oder hellgelbe Wolken. Es wächst vor allem dort wo es warm ist. Dann gibt es Seide, welche glaube ich von einer Spinnenart hergestellt wird. Erinnerst du dich? Das sind die kleinen, schwarzen Tiere mit den vielen Beinen.“ Mit ihren Händen versuchte sie das Krabbeln einer Spinne nachzumachen. Dann unterbrach sie sich jedoch selbst und schüttelte den Kopf. „Nein, es waren keine Spinnen, sondern die Kokons von Raupen! Genau.“ Sie nickte einmal zur Bestätigung.
      Dann fuhren ihre Hände über den Polsterbezug neben ihrem Oberschenkel. „Und dann gibt es noch künstlich hergestellte Stoffe aus Fabriken, Viscosefasern zum Beispiel. Dieses ist sehr beständig, leicht zu reinigen und auch günstig. Also ich denke diese Polsterung gehört in jene Kategorie.“ Bevor er sie noch dazu fragen konnte, hob sie abwehrend die Hände. „Wenn du wissen willst wie dieses künstliche Verfahren vonstattengeht, dann kann ich versuchen eine Führung in einer Fabrik zu ergattern. Da bin ich sonst überfragt.“ Sie lachte hell und schüttelte den Kopf. Sie hätte wohl tatsächlich vor seinem Besuch mehr über solch allgemeinen Dinge lernen sollen.
      Dann jedoch wurde sie wieder ernst. Es schienen soweit alle ihre Plätze eingenommen zu haben. „Wenn der Bus losfährt, könnte es holprig und laut sein. Nicht so wie bei einer Reise durchs All, aber dennoch.“, warnte sie ihn. Sie würde nicht sagen, er brauche keine Angst zu haben, denn für sie war Alae das mutigste Wesen, das sie kannte. Immerhin hatte er eine Reise ins Unbekannte angetreten und war jetzt wahrlich hier, neben ihr.
      Sie konnte nicht widerstehen und fuhr mit einem Finger an einer seiner längeren Flossen entlang, die etwas in ihre Richtung stand. „Deine Farben gefallen mir. Du siehst für mich aus wie ein Teich in einem Wald, von solch einem schönen Grün, aber hier…“ Sie deutete auf seine Flossen. „Bist du in den Farben eines Sonnenuntergangs getaucht.“ Es war die perfekte Farbkomposition wie sie fand. Ob er sie verstand?

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein
    • Wie ein Schwamm sog er ihre Worte regelrecht in sich auf. Klebte an ihren Lippen und glitt fast schon beiläufig ein weiteres Mal mit seinen Fingern über den Stoff. Es stammte also von keinem Tier... Wirklich Schade... Er hätte sich gern davon überzeugt wie es sich vorher anfühlte, wenn es noch warm war. Doch dass sich so etwas künstlich herstellen ließ... Sie kamen sehr gut damit zurecht ihre Kleidung und das wenige bisschen Stoff das sie brauchten aus den Fasern einiger Wasserpflanzen herzustellen, immerhin gab es bei ihnen nicht allzu viele Tiere die Fell aufwiesen. Oder zumindest nicht in solchen Mengen, dass es sich lohnen würde es zu verwenden. Außerdem war es unpraktisch sobald es nass wurde. Die Tiere mochte es vor Nässe und Kälte schützen, doch sobald man es verabreitete... Nun... Dann wurde es unbrauchbar. Doch dass die Menschen so viele verschiedene Möglichkeiten hatten war faszinierend. Er würde sie gern alle mit eigenen Augen sehen und vergleichen um herauszufinden ob sie sich alle so merkwürdig und dennoch so weich anfühlten oder ob das lediglich für dieses Visko... galt. Er hatte sich beim besten Willen nicht merken können wie es richtig hieß. Diese Sprache wies eben auch für ihn gewisse Hürden auf. So viel Mühe er sich auch gab damit es wirkte als würde es ihm leicht von der Hand gehen, so viel Arbeit steckte auch dahinter. Jeder der für diese Reise auserwählt worden ist, trug etwas zum großen Ganzen bei. Die meisten waren Wissenschaftler, Ingenieure, hatten ihr Raumschiff entworfen und erbaut oder wussten wie man es steuerte. Er hingegen brachte nichts davon mit ein, war aber derjeniger der sich am besten auskannte was die Menschen betraf. Sophie hatte einen großen Teil dazu beigetragen in dem sie immerzu und unermüdlich seine vielen fragen beantworter hatte. Nur dadurch war er so gut geworden und konnte nun hier sein. Er hatte ihr wirklich eine ganze Menge zu verdanken und allein deswegen sollte er sich noch viel mehr anstrengen. Es galt noch so viel zu lernen. So viele Fragen zu stellen. So viele Dinge zu entdecken. Er konnte unmöglich jetzt schon damit aufhören. Er wollte mehr wissen. Doch irgendwann schien auch Sophie an ihre Grenzen zu stoßen.
      Er begnügte sich erst einmal mit dem was sie ihm erzählen konnte und fokussierte sich stattdessen auf die Dinge über die sie allen Anscheins nach etwas mehr wusste. Eine Pflanze und ein Tier von dem er so noch nie etwas gehört hatte. Faszinierend. Eine Spinne kannte er. Ob eine Taupe etwas ähnliches war? Warum sonst sollte man sie verwechseln? Für ihn klangen die beiden worte zumindest nicht ähnlich. Aber vielleicht wirkte das auch nur so auf ihn, weil er sich nicht auskannte. Seine Fragen bremste es dennoch nicht aus. Er fuhr fort immerhin hatten sie ansonsten sowieso nicht allzu viel vor. Er bemerkte die anderen, die zu ihnen stießen nur am Rande und würde sie Sophie später vorstellen, wenn sie sich alle etwas wohler in diesem Fahrzeug fühlten und sich damit vertraut gemacht hatten. Der anfängliche Versuch mit Bane hatte ihm das vor Augen geführt. Sie brauchten wohl alle ein wenig Zeit um sich einzugewöhnen. Für gewöhnlich hätte er das sofort erkennen müssen, doch im Moment herrschte auch in ihm absolutes Chaos. Sophies Gefühle waren näher denn je und das brachte ihn doch ein wenig aus der Fassung. Auch er musste sich erst daran gewöhnen, doch schon bald würde er wieder ganz der alte sein und könnte auf sie alle Rücksicht nehmen wie es sich gehörte.
      "Wolkenpflanzen und Spinnen die ihr Raupen nennt... Ich möchte es gern sehen. So etwas haben wir nicht. Alles bei uns ist so...", erwiderte er und bot ihr einen Zipfel seines Hosenbeines an, damit sie sich selbst von dem merkwürdig glatten Stoff überzeugen konnte. In seiner Heimat wehrte er die Luftfeuchtigkeit ab, eignete sich sogar zum Schwimmen und ermöglichte ihnen all das was wichtig für sie war, aber er war ganz anders als ihrer. Und wenn es so viele verschiedene Arten gab... Ob sich etwas auch ähnlich wie ihr Stoff anfühlte? Ob die Menschen etwas vergleichbares hatten? Stellten sie es auch aus Pflanzen her? In seinem Kopf sammelten sich neue Fragen, die beantwortet werden wollten, weshalb er auch sie Sophie stellte und geduldig auf ihre Ausführungen zu jeder einzelnen davon wartere. Selbst wenn sie etwas nicht wusste gab er sich damit zufrieden. Er kannte das Problem schließlich auch. Selbst wenn er wollte, er konnte nicht alles verstehen. Und das musste er auch gar nicht. Dadür gab es andere, die einem helfen konnten und das Sophie gewillt war so jemanden für ihn zu suchen, reichte ihm vollkommen aus. Wenn das in Aussicht stand konnte er auch noch etwas länger an seinen Fragen festhalten. Sie bemühte sich schließlich für ihn und es war wirklich Schade, dass er ihr nicht einmal ansatzweise so viel zurückgeben konnte, einfach weil er kaum etwas präsentieren kommte, außer sich selbst, das bisschen Stoff oder seinen Schmuck. Ob sie gewillt wäre mit ihm zu kommen und Vaeros zu besuchen sollte sich ihr eine Chance bieten? Sicher nicht für immer schließlich schien sie sich schwerer von ihrer Heimat trennen zu können als er, doch zumindest für einen Augenblick. Es gab so viel dass er ihr zeigen wollte. Die beiden Monde am Himmel, das grün schimmernde Meer, den Sternenhimmel und wie er für ihn die ganze Zeit über ausgesehen hatte und schlussendlich auch all die anderen Quirin. Er wollte sie ihr nur zu gern vorstellen. Jeden einzelnen von ihnen. Das würde zwar etwas länger dauern, aber er war sich sicher sie könnten sich die Zeit nehmen. Wenn sie wollte könnte er sie auch jetzt bereits mit jedem Einzelnen bekannt machen. Den Quirin würde es so ein ganzes Stück besser gefallen und natürlich würde er sie kein weiteres Mal alle auf Sophie einprasseln lassen. Einmal hatte gereicht um ihm zu verdeutlichen, dass es sie zu sehr mitnahm, als dass er es ein weiteres Mal probieren sollte. Außerdem gab es erst einmal all diejenigen, die mit ihm gekommen waren. Sie sollten eindeutig Priorität haben, weshalb er den Gedankengang erst einmal wieder verwarf. Sich stattdessen erneut auf ihre Worte konzentrierte.
      "Die Reise war sehr leise. Die Gedanken nicht schnell genug. Sie haben uns nicht erreicht. Es war ein wenig einsam zum ersten Mal so wenige zu sein...", erwiderte er auf ihre Worte hin und in seiner Stimme schwang eine gewisse Traurigkeit mit. Er war froh nicht hatte alleine reisen zu müssen. Die Leere und die Stille wäre sonst gewiss unerträglich gewesen. Sie war so schon schwer auszuhalten gewesen, doch zwischen seiner Aufregung und Nervosität hatte er es ein wenig verdrängt. Jedoch daran zu denken wie es wäre vollkommen allein zu sein... Er konnte sich nicht vorstellen wie sich ihr Innerstes angefühlt haben musste bevor er zu ihr gestoßen war. War es nun für sie ebenso schrecklich wenn er nicht da war? Er hatte sie währenddessen vermisst... Aber ob das auf Gegenseitigkeit beruhte? Er sammelte sich einen Moment, ehe er genau damit fortfuhr. "Ist es schwierig... Vollkommen allein zu sein? Ist es nicht... Einsam?", versuchte er seine Gedanken so gut es ging mit seinen wenigen Worten auszudrücken. Er hätte ihr gern die anderen vorgestellt, doch im moment gab es wichtigeres zu ergründen. Oder zumindest dachte er das bis sie ihn mit einem vollkommen anderen Thema aus der Bahn warf. Anscheinend hatte er zu schnell gesprochen und war mitten in ihre Aussage geraten, doch das änderte nichts daran, dass er lediglich als Reaktion seine Augen weiten konnte.
      Bisher hatte er sich nie solche Gedanken darüber gemacht. Jeder von ihnen sah irgendwie anders aus, wies eine vollkommen andere Farbvariation auf. Doch direkt angesprochen wurde so etwas selten. Es war ein Fakt. Nicht mehr nicht weniger. Sie waren bunt wie die Kiesel am Grund des Meeres. Jeder hatte sich einen anderen zum Vorbild genommen und das war gut so. Doch nun... Hatte sie sich vorhin auch so gefühlt? Flatterhaft als würde ihn die Freude datüber jeden Augenblick aus dem Sitz heben und davontragen? Er hoffte es, denn es war ein weiteres, schönes Gefühl, dass er mehr als nur gern von nun an öfter fühlen wollte. Es war nur angebracht etwas darauf zu erwidern, auch wenn sein Kopf noch immer zwischen Einsamkeit und den flattrigen Flügelschlägen eines gefiederten Tieres schwebte. Er konnte nicht anders, brachte er doch schließlich kein einziges Wort über die Lippen, streckte ihr schlussendlich also nur seinen Arm hin, um ihr zu verdeutlichen, dass sie ihn gern berühren durfte. Ihre Finger tanzten sowieso schon über die dünne Haut seiner Armflosse und ginterließen dabei eine kleine Spur aus Glücksgefühlen auf seiner Haut. Er hatte kein Problem damit mehr davon zu spüren. Wenn er ehrlich war, wollte er sogar nichts anderes, doch sie dazu zu zwingen... Nein... Wenn sie wollte, dann würde er es ihr erlauben und ansonsten wäre es auch in Ordnung. Er wollte ihr einfach dabei zu sehen. Spüren wie fröhlich es sie machte und sich selbst daran erfreuen. Es bewegte etwas in ihm, doch er hatte keine Ahnung was genau das war. Wunderschön war es trotzdem...
      "We may die if we take a stand here. But staying gives us the chance to change our destinies."

      Xenoblade Chronicles - Dunban
    • Sophie hatte sich Mühe gegeben alles so einleuchtend wie möglich zu erklären, leicht war es trotzdem nicht. Es stellte sie vor eine gewisse Herausforderung, an solche alltäglichen Dinge zu denken doch vermutlich würde sie sich daran gewöhnen müssen. Für Alae war alles neu, wirklich alles! So musste sich ein Säugling fühlen, doch jener wies nicht die nahezu grenzenlosen geistigen Kapazitäten ihres Freundes auf. Alae konnte nachfragen, entdecken, er- und begreifen und würde dies wohl alles fein säuberlich kategorisiert in seinem Hirn – vielleicht sogar in einem Buch – niederschreiben. Selbst jene Dinge, die er aus ihren Erzählungen kannte, waren neu für ihn, hatte er doch immerhin jetzt die Möglichkeit alles in ihrer neuen, gemeinsamen Realität zu erfassen.
      Es stimmte Sophie wirklich unglaublich froh, ihre Welt mit ihm teilen zu dürfen. Noch immer schwebte sie wie auf Wolken und würde wohl noch einige Tage brauchen, bis ihr Verstand wirklich kapiert hatte, dass ihre langjährige Stütze nun tatsächlich bei ihr war.
      Er wiederholte ein paar ihrer Worte auf ganz eigene Weise und sie freute sich, dass er diese Dinge so gut annahm und auch sehen wollte. Vielleicht sollte sie mit ihm in einen Zoo gehen, und in Museen und ihm Bücher zeigen, eine Bibliothek wäre auch keine schlechte Idee. Oder sie besorgte ihm ein Handy mit Sprachsteuerung, dann konnte er Siri und Co. ganz einfach fragen was er wissen wollte… nein, das würde sie unterlassen. Sie wollte, dass er Zeit mit ihr versbrachte und sich nicht selbst durch ein kleines, technisches Gerät ersetzen. Nein, das würde sie zu verhindern wissen und abermals kam der Egoismus der Menschen durch.
      Danach lenkte er ihre Aufmerksamkeit auf den Stoff den er selbst trug und ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, berührte sie den dargebotenen Zipfel seines Hosenbeines. Es fühlte sich überraschend glatt an, fast wie Seide und Plastik gemeinsam. Würde da Wasser abperlen, so wie sie es vom Gefieder von Enten kannte? Vermutlich, wusste sie doch, dass die Quirin hervorragende Schwimmer waren und solch einen Stoff vermutlich brauchten. Sie dachte an ihre eigenen Badeanzüge und Bikinis, diese brauchten trotz des seltsamen Stoffes Zeit um zu trocknen. Wie toll wäre es, sich nie wieder umkleiden zu müssen, weil der Stoff nach dem Verlassen des Wassers einfach trocken bliebe?
      Aber für weitere Luftschlösser blieb keine Zeit, denn Alae stellte ihr die nächsten Fragen, die sie so gut sie konnte beantwortete. Sie war mit sich selbst unzufrieden, dass sie nicht alles wusste, was er denn wissen wollte. Es zeigte wie gewöhnlich für sie die Dinge geworden waren, wie selbstverständlich. Dabei war sie bemüht ein achtsames Leben zu führen doch wenn sie ihre Ausführungen so betrachtete, schien sie weit davon entfernt. Ob er sie für dumm hielt? Sie hoffte nicht, könnte es ihm aber nicht verdenken. Aber dafür würde sie sich Mühe geben seine unbeantworteten Fragen durch etwas oder jemand anderes lösen zu lassen.
      Dann sprach er von der Reise, die sehr leise für ihn gewesen war. Fast hätten ihr seine Worte ein Lachen entlockt, jedoch natürlich nicht um ihn auszulachen, sondern einfach, weil sie so unterschiedliche Auffassungen hatten. Er sprach von den fehlenden Gedanken und dies konnte sie nachvollziehen, hatte sie es doch schließlich selbst erlebt, wie still es in ihrem Kopf plötzlich gewesen war. Es musste für ein geistiges Wesen wie Alae schrecklich sein, plötzlich anstatt eines ganzen Orchesters, nur mehr ein Streichquartett zu hören. Er wirkte wirklich traurig und sie betrachtete ihn mitfühlend. Doch sie hatte eigentlich die sensorische Lautstärke gemeint, die so ein Flug im All mit sich brachte. Ein Raumschiff war für sie vielleicht mit einem Auto vergleichbar und je schneller man fuhr, desto lauter wurde alles. Oder verhielt es sich in der Schwerelosigkeit mit den Geräuschen anders? Vermutlich.
      Dann fragte er sie nach der Einsamkeit und einen Moment stutzte sie, wusste sie doch nicht was genau er damit meinte. Sie überlegte einen Augenblick, ehe sie glaubte eine passende Antwort gefunden zu haben. Dafür hatten sogar ihre Finger innegehalten, die bis jetzt seine Flossen inspiziert hatten.
      „Du meinst in meinem Kopf?“, fragte sie zur Sicherheit trotzdem nach, begann aber schon mit einer versuchsweisen Erklärung. „Nun, ich denke ich war so lange nicht einsam, bis ich dich traf.“ Damit meinte sie freilich nicht ihr jetziges physisches Treffen, sondern ihr mentales.
      „Für dich ist es normal, all die Stimmen der anderen zu hören. Für mich war es normal nur meinen eigenen Gedanken zu lauschen.“ Dass jene Gedanken oft Kapriolen schlugen, vermied sie anzusprechen. Er kannte sie jetzt lange genug, um all ihre Zweifel und Hirngespinste zu kennen.
      „Also ich meine, wenn du nicht weißt, wie etwas sein kann, dann vermisst du es auch nicht.“ Machte dies irgendwie Sinn für ihn? Sie hoffte es. „Aber wenn du fragst ob ich während deiner Reise einsam war, dann lautet die Antwort Ja.“ Es war kein Geheimnis, wenn er wollte könnte er die dunklen Emotionen sehen, die sie versuchte weit in ihren Hinterkopf zu schieben. Er war schließlich ein wertvolles Familienmitglied und natürlich war sie traurig gewesen, ihn für eine längere Zeit nicht zu erreichen. Sie hatte keinen guten Draht zu ihrer Mutter, telefonierte nicht täglich mit dieser, so wie es oft andere erwachsene Menschen machten. Die Rolle zum täglichen Austausch hatte bei ihr ganz einfach Alae eingenommen und sie war nicht gewillt, dies wieder zu ändern. Eigentlich wollte sie fragen ob er auch sie vermisst hatte, oder nur seine Familie auf seinem Heimatplaneten. Aber die Frage kam ihr dann doch ein wenig seltsam vor und sie ließ es bleiben.
      Ihr großer Freund schwieg und dies war in Ordnung für sie. Sie selbst plapperte zu gerne, doch schließlich wohnte sie alleine in ihrer überfüllten Wohnung und war daher auch das Schweigen gewohnt. Anstatt also eine Antwort zu erhalten, streckte er ihr jedoch überraschend seinen Arm hin, den sie die ganze Zeit über schon in Beschlag genommen hatte. Kurz runzelte sie überrascht die dunklen Augenbrauen, ehe sie wieder sanft lächelte. Es war wohl eine Geste, die sie zur Abwechslung nicht fehlinterpretierte. Offensichtlich bot er ihr an, ihn weiter zu berühren und sie fand diese Einladung mehr als großzügig von ihm. Nicht jeder, auch nicht jeder Mensch, kam mit solchen Berührungen klar. Sie war froh, dass es bei ihm anders schien, waren diese doch für sie äußerst wichtig.
      Als langsam aber sicher alle zu sitzen schienen, fuhr der Bus mit einem kleinen Ruck los. In diesem Augenblick ließ sie die Hand wieder sinken, um Alae wieder etwas Raum zu geben. Es war kühl durch das fehlende Dach und sie hoffte, ihr Freund würde nicht krank werden. Konnten Quirin überhaupt eine Erkältung haben? Sie würde ihn bei Gelegenheit danach fragen. Doch jetzt hieß es erstmal ihm die Möglichkeit geben, ihr weitere Fragen zu stellen. Schließlich bewegten sie sich nun durch die ganze Stadt und vielleicht tauchte hier und dar noch das eine oder andere Rätsel auf, in dessen Ursprung sie Licht bringen könnte.

      Nach rund einer halben Stunde befanden sie sich am richtigen Ort. Die Schanze der Rakete war natürlich ebenfalls außerhalb der Stadt gewesen, ansonsten hätten sie nie so viel Platz gehabt. Nun waren sie ein wenig durch die Straßen gefahren, um erneut an den anderen Rand der Stadt zu gelangen.
      Schon von weitem sah man eine hohe Mauer mit Wachpersonal. Es war leider eine Sicherheitsmaßnahme, die sie treffen mussten. Sophie war sich nicht sicher, ob es nun dem Schutz der Quirin vor radikalen Gruppierungen diente, oder zur Überwachung von jenen. Es war grausam solch Mauern zu ziehen, doch sie hatte hier kein Mitspracherecht gehabt. Die Menschheit ging nun einmal von sich selbst aus und es war offensichtlich, dass sie somit auch anderen nicht gänzlich traute.
      Bald schon ließen sie das Tor und somit die Zäune hinter sich und zum Glück befanden sie sich nun in einem weitläufigen Park. Schon von weitem sah man putzig gestaltete, doch gleichzeitig auch große Häuser, die in einem Halbkreis um einen See herumstanden. Sie alle besaßen kleine Gärten und auch ein schmaler Streifen Standstrand war auszumachen. Sophie hoffte wirklich sehr, dass Alae und den anderen ihre Behausung gefiel.
      „Welches Haus gefällt dir am besten? Eher eines am Rand oder in der Mitte? Du darfst dir eines aussuchen, das dürft ihr alle.“ Sie müssten sich nur untereinander selbst absprechen, falls zwei das gleiche Haus bevorzugten.

      Habe keine Honigwaben
      Aber meine Unglücksraben
      Halten ein die Essenszeiten
      Kommen Kummerbrot bereiten
      Und den Herzensbrecherwein