Fast wie Vater und Sohn (Nero & Kolenta)

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    • Fast wie Vater und Sohn (Nero & Kolenta)



      @Imperator_Nero
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      Thomas Jersey:

      Ob er aufgeregt war? Natürlich war er es! Heute würde Thomas seinen hoffentlich baldigen Sohn kennenlernen. Es war der erste Tag, an dem er den jungen persönlich traf, gesehen hatte er ihn nur auf Fotos in der Akte. Das Wetter spielte zum Glück mit, die sonne schien und sie trocknete gerade die letzten Tropfen des taus auf dem Rasen und den Pflanzen. Er hatte etwas Proviant eingepackt, da die Strecke doch vier Stunden ging und er zwischendurch eine Pause einlegen würde. Seit Monaten beschäftigte er sich nun mit dem Thema, den rechtlichen Grundlagen und was er alles beachten musste. Vor einem Jahr hatte er den Antrag gestellt und vor zwei Wochen nun endlich die Antwort bekommen, das er vorbei kommen durfte. Sein Zimmer hätte er soweit auch fertig, aber den Rest wollte er dem jungen gerne überlasse und noch einiges mit ihm zusammen einkaufen, damit er sich alles aussuchen konnte. Urlaub hatte er sich auch genommen, sodass er da war, wenn sich der kleine entschied bei ihm zu wohnen. Es würde eh eine Woche Probe geben, eine Art schnupper Woche, in denen sie sich kennenlernen würden.
      Der Mieter fing an zu brummen, als er den Schlüssel umdrehte und endlich fahrbereit war. Einmal atmete er nochmal tief durch bevor er aufs Gas drückte und los fuhr.

      Vier einhalb Stunden brauchte er, bis er endlich auf dem Hof fuhr, einen Parkplatz gefunden hatte und den Mieter seines Wagens endlich ausschalten konnte.
      Zehn Minuten war er früher da, so wie er es sich ausgerechnet hatte. Bei jedem Termin war er zu früh, das zwang ihn sein Anstand auf. Er steckte sein Handy und Portmonee in seine Hosentasche, bevor er Ausstieg und schließlich den Wagen abschloss um zur Eingangstür zu gehen.
      Er klopfte und eine Dame öffnete ihm lächelnd die Tür, sie stellte sich als Haushälterin und Betreuerin der Kinder vor und führte Thomas dann ins Wohnzimmer. Sie bot ihm schon einmal einen Kaffee an, den er dankend annahm, bis er auf den jungen wartete. Er würde nichts überstürzen und ihm versuchen Zeit zu geben, sodass er auf ihn zu kommen konnte. Er besprach noch kurz etwas mit der Dame, einige rechtliche Dinge, während er den Kaffee trank. Danach gingen sie dann tatsächlich ins "Spielezimmer" in dem sich die Kinder scheinbar gerade aufhielten.
      "Benjamin!" Rief sie ihn dann und auch Thomas hatte ihn bereits erblickt. Ihm fiel direkt der Bär auf, den der junge mit sich trug, als er auf sie zu kam. Thomas kniete sich hin und lächelte den jungen direkt an "hallo Benjamin! Mein Name ist Thomas...ich würde dich heute gerne einmal kennenlernen und vielleicht etwas mit dir spielen wenn du magst" stellte er sich dann liebvoll vor. Die Dame hatte erzählt, das Benjamin wusste das er heute kommen würde, was das alles hier hoffentlich etwas vereinfacherte. "Einen tollen Teddy hast du da...darf ich seinen Namen erfahren?"
      Nimm das Leben nicht so schwer,du kommst da eh nicht lebend raus
      <3
    • Benjamin

      Der kleine Junge saß im Spielzimmer des Heims, hatte seinen Teddybären Martin fest im Arm. Er wusste, dass heute jemand kommt, um ihn zu besuchen. Ein Mann.
      Vor lauter Angst hatte sich Benjamin heute von den anderen Kindern ferngehalten, saß lediglich auf dem Boden und baute mit ein paar Bauklötzen ein Haus. Es war aber nicht irgendein Haus, was er da baute. Es war SEIN Haus. Das Haus, in dem er für immer bleiben wollte.
      Das Haus, indem er mit seinen Freunden sicher war und niemand einfach verschwinden konnte. Denn das taten all seine Freunde. Verschwinden. Es tauchten plötzlich Männer und Frauen auf und am nächsten Tag waren seine Freunde immer weg und kamen nie wieder. Nun sollte auch ein Mann zu ihm kommen. Er wusste, was das bedeutete.

      Er hörte seinen Namen und drehte sich um. Seine Betreuerin Holy rief ihn. Neben ihr ein großer Mann, der plötzlich auf ihn zu kam.
      Schnell hob er Martin und drückte ihn an seine Brust.
      Sein Atem wurde schneller, sein Herz klopfte in seiner kleinen Brust wie wild.
      Er fing an, Martin etwas ins Ohr zu flüstern: "Mann ist da, Martin. Jetzt muss ich verschwinden. Tu was!", flüsterte Benjamin und hielt dann Martin nach vorn.
      Mit verstellter Stimme fing er an, zu antworten: "Ich bin Martin", die kleine Bärentatze wurde zu einem Winken gehoben.
      "Beni ist mein bester Freund", fügte der Bär hinzu.
      Es war eine kleine Eigenart von Benjamin, zuerst Martin für ihn reden zu lassen bis er sich endlich traute, mit jemand anderem zu reden. Martin war nicht so ängstlich wie er und konnte immer auf Leute zugehen.
    • Thomas Jersey:

      Er achtete darauf das er genügend Abstand einhielt, um dem Jungen keine Angst ein zu jagen. Er wollte ihm alle Zeit geben, die er gebrauchen könnte, schließlich wurden sie -hoffentlich- noch viel Zeit zusammen verbringen.
      Etwas überrascht war er dann doch als ihm der Bär hingehalten wurde und er anfing über ihn zu sprechen. Er zögerte, spielte dann aber einfach mit "hallo Martin! Freut mich sehr dich kennenzulernen. Es ist toll das ihr so gut befreundet seit...meinst du Benjamin hätte Lust etwas mit uns beiden zu spielen? Und hättest du auch Lust? Ich habe gesehen das ihr dort etwas baut... dürfte ich es mir eventuell ansehen?" Fragte er ruhig nach und lächelte weiterhin.
      Wenn es Benjamin half so aus sich heraus zu kommen und sich sicherer zu fühlen, machte er einfach mit, um eine bessere Bindung zu ihm zu bekommen.
      Außerdem war es in diesem Alter vollkommen normal, das sie Fantasy Freunde entwickelten und mit ihnen oder durch diese sprachen. Er sah kurz auf das gebaute vom Kind, welches noch vor ihn saß und lächelte "das sieht nach einem tollen Gebäude aus! Vielleicht könnt ihr mir Mal bei meiner Arbeit helfe? Ich bin Architekt und gestalte Häuser von anderen Menschen" erklärte er schmunzelnd und gab ihn dadurch weitere Informationen von sich Preis.
      Da das sitzen auf den Knien zu anstrengend und schmerzhaft wurde, hatte er sich in den Schneidersitz gesetzt und seine Hände auf seine Beine abgelegt, dennoch blieb sein Oberkörper aufrecht und gerade. Auf seine Körperhaltung gab er besonders acht, da er viel im Büro saß und er somit schon höhere Rückenprobleme bekam. Thomas hoffte mit seiner Arbeit ein Thema gefunden zu haben, das Benjamin interessieren könnte. Er wollte auf jeden Fall ein Thema haben, das ihnen beiden zusagte und über das sie sprechen könnten, zumindest eines.
      Die anderen Kinder sahen teilweise zu ihnen oder beschäftigten sich komplett mit sich selbst. Schön hatten die Kinder es hier auf jeden Fall. Der Architekt hatte ein Heim oftmals mit einem düsteren Ort verbunden und mit traurigen Kinder, aber das war hier überhaupt nicht der Fall.
      Nimm das Leben nicht so schwer,du kommst da eh nicht lebend raus
      <3
    • Benjamin

      Benjamin setzte sich neben sein Bauwerk, hielt Martin weiterhin fest in seinen Armen. Der große Mann verunsicherte ihn. Bisher kam noch nie ein fremder Erwachsener zu ihm.
      Seine Augen wurden größer als er hörte, dass Thomas Häuser machte. Der Griff zu Martin wurde lockerer.
      "Du baust Häuser? Wie meins?", fragte Benjamin, vergaß vor lauter Faszination, dass Martin das Sprechen übernehmen sollte. "Aber was ist ein Arschidept?", fragte er leise hinterher.
      Er besah sein Bauwerk und fing an, es mit Stolz zu erklären: "Da ist die Tür. Eine gaaaaaanz große Tür! 50 Meter groß!" Mit dem Finger zeigte er immer deutlich, welchen Raum er meinte. "Und da ist das Wohnzimmer. Da passen 1000 Menschen rein und die sitzen in riesigen Stühlen!", sagte er und deutete auf die vereinzelten Bauklötze in dem Raum. "In der Küche kocht ein Roboter aaaaaallllleeeesss, was man essen möchte! Pizza, Nudeln, Kekse. Und das telepopiert ... telefo ... tere ... ähm ...", Benjamin stockte.
      Das Wort wollte ihm einfach nicht über die Zunge. "tetepolieren? Tene... telezakieren?", auch der zweite Versuch scheiterte. Verzweifelt sah der Kleine zu Martin. Dieser schien jedoch auch nicht zu wissen, wie dieses Wort auszusprechen war. Vorsichtig sah er zu Thomas. Langsam stand der Kleine auf und tapste zu Thomas. Leise flüsterte er ihm ins Ohr: "Wie heißt das?"
    • Thomas Jersey:

      Er wollte ihm wirklich keine Angst einjagen, aber als Kind würde er wohl ähnlich reagieren. Doch schien Thomas das richtige Thema angesprochen zu haben und er durfte die echte Stimme des jungen hören. Sofort lächelte er glücklich und nickte "genau!" Sagte er freundlich "ein arch-i-tekt, Architekt " sagte er langsam und deutlich um ihm zu helfen "ich zeichne eine Idee, wie ein haus aussehen könnte, entweder von innen oder außen und das wird dann gebaut, wenn der Kunde zufrieden ist" erklärte er grob. "Wenn du Mal bei mir bist kann ich es dir genauer zeigen! Vielleicht kannst du mir auch helfen" schlug er dann vor. Wenn man es sah, verstand man es besser als bei der Erklärung.
      Schmunzelnd hörte er ihm dann aufmerksam zu und nickte interessiert. So hatte er als Kind tatsächlich auch angefangen und wollte das schließlich als Erwachsener weiter machen. Er musste direkt an seine Kindheit denken.
      "Oh, er teleportiert das Essen zu einem? Das ist eine hervorragende Idee!" Lobte er ihn "tele-por-tieren" sagte er nochmal langsam.
      "Es ist aber auch ein schweres Wort" gab er zu um ihn zu beruhigen.
      Er fand es ziemlich süß wie er dafür zu ihm gekommen war und ihm das Zugeflüstert hatte. "Ich arbeite gerade an einem Kindergarten...dabei könnte ich sehr gut deine Hilfe gebrauchen, du weißt als Kind besser als ich was man unbedingt braucht. Was meinst du braucht ein Kindergarten? Oder wie sollte er aussehen? Dann kann ich das bei meiner Arbeit einbauen"
      Nimm das Leben nicht so schwer,du kommst da eh nicht lebend raus
      <3
    • Benjamin

      Als Thomas seinen Beruf erklärte, sah Benjamin ihn mit offenem Mund an. "Ich will auch Häuser machen, wenn ich groß bin!", erklärte er voller Freude. "Ich darf helfen?!", seine Augen fingen an zu strahlen als er das hörte.
      Voller Begeisterung hörte er Thomas zu. Behutsam setzte er sich neben ihn, musste den Kopf beinahe in den Nacken legen, um ihm in die Augen sehen zu können.
      "Ein Tindergarten braucht gaaaaaanz viele Spielsachen! Und eine Hüpfburg, die sooooo groß ist!", Benjamin strecke die Arme so weit aus wie er konnte, um die Größe der Hüpfburg zu beschreiben, steiß dabei aber eine Wand deines Bauwerks um. Erschrocken blickte der Kleine zu den umgeworfenen Bauklötzen. "Ups", hauchte er und setzte Martin zwischen sich und Thomas und fing an, die Wand wieder aufzubauen. Aber schon nach ein paar Steinen stockte er, besah nochmal sein teils zerstörtes Werk. Hektisch griff er nach Martin, drückte ihn fest an sich und fing leise an zu weinen. Durch sein Ungeschick war nun sein Traumhaus kaputt gegangen. Die Außenwand des Wohnzimmers war nun zwischen den riesigen Stühlen verteilt, hatte diese teilweise abgerissen.
    • Thomas Jersey:

      Irgendwie fiel ihm ein Stein vom Herzen, als der kleine so mit ihm sprach. Den Teddy ignorierte er für einen kurzen Moment. Tatsächlich hatten sie eine gemeinsame Interesse, was es einfacher machen würde mit ihm eine Beziehung aufzubauen.
      Er lachte kurz, als Benjamin ihm erzählte was er alles in Kindergarten einbauen würde. Den groben Umriss hatte Thomas tatsächlich bereits fertig, aber es schadete nie jemand anderen darauf schauen zu lassen.
      Deswegen hörte er ihm weiter aufmerksam zu, erschrak aber selbst, als er hörte wie das Häuschen kaputt ging. Eigentlich hatte er nun mit einem weinenden Kind gerechnet, aber Benjamin baute die Wände einfach wieder auf. Erleichtert seufzte er kurz, da er noch nicht wusste, wie er mit traurigen Kindern umgehen sollte. Diese Gedanken hätte er wohl nicht haben dürfen, denn nun ergriff der junge doch sein Teddy und fing das weinen an. Panisch überlegte der Mann was er machen könnte, doch ihm viel nichts besseres ein "ich helfe dir! L...lass uns dein Haus wieder aufbauen ja? Das ist nicht so schlimm, andere Häuser werden ja auch manchmal repariert" sagte er beruhigend fing an, langsam und sehr vorsichtig, einen Stein auf den nächsten zu setzen, so wie er es noch im Kopf hatte.
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    • Benjamin

      Benjamin seufzte, hob sein verheultes Gesicht an. "Aber deine Häuser gehen bestimmt nie putt!", merkte er an und zog die Nase hoch. Leicht schielte der Junge zu Thomas rüber, als dieser anfing das Haus wieder aufzubauen. Martin wischte ihm seine letzten Tränen weg. Sein Haus nahm wieder Gestalt an. "Stopp!", sagte er und korrigierte den Stein, den Thomas zuletzt gesetzt hatte. "Da ist doch die Tür, du Dummerchen!".
      Martin an seine Brust pressend setzte er den Stein richtig und seine Trauer schien wie weggefegt. Schließlich musste er jetzt aufpassen, dass Thomas alles richtig macht und nicht wieder eine Tür zumauerte.
      "Ich mag dich", sagte Benjamin, baute dabei jedoch einfach weiter und schenkte Thomas keinen Blick. Stattdessen stapelte er weiterhin Stein auf Stein und versuchte sein Gebäude zu retten.
    • Thomas Jersey:

      Er lächelte ihm zu "auch meine Häuser gehen nach einiger Zeit kaputt oder etwas bricht ab...wir machen es stabiler" schlug er vor und wurde in seinem tun unterbrochen. Schmunzelnd sah er ihm dabei zu, wie er das Haus weiter aufbaute und war froh das er nicht mehr weinte.
      Nebenbei zeigte er ihm, dass das Gebäude stabiler wird, wenn er die Bausteine versetzt legt. Nachdem das Häuschen wieder stand klatschte er leicht "super! Guck Mal, das ging doch super" merkte er an "du bist richtig gut" lobte er ihn. "Was magst du denn noch so machen? Malst du gerne? Oder spielst du gerne Brettspiele?" Fragte er interessiert, einfach um mehr über den kleinen heraus zu finden und ihm näher zu kommen. Ein wenig wusste er ja schon durch die Akte von Benjamin. Jedoch hatte er diese bewusst nur überflogen, um ihn persönlich kennenzulernen und keine Vorurteile aufzubauen. Er wollte einfach er selbst sein, dann wüsste er am besten, ob es mit ihm und Benjamin klappt.
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    • Benjamin

      Benjamin strahlte über beide Ohren als man ihn lobte. Sein Bauwerk war nun wieder vollendet und besser als vorher. Nun konnte es wirklich nicht mehr einstürzen. Alle Wände waren einsturzsicher, die Fenster doppelt gesichert, das Alarmsystem auf dem neusten Stand und die Roboter-Bediensteten sorgten für die Sicherheit.
      Doch dann wurde Benjamin mit einer Frage aus seiner Freude gerissen. Leicht verwirrt blickte er zu Thomas, griff intuitiv nach Martins Pfote. "Äh ...", begann er zu überlegen.
      Der Kleine hatte im Kinderheim alles andere als einen geregelten Tagesablauf. Jeden Tag kamen neue Herausforderungen auf ihn zu. Jeden Tag verschwanden Kinder, neue tauchten auf, die Betreuer wechselten, mal kam ein Arzt, mal ein Therapeut. Das einzige, was wirklich konstant blieb waren die Essenszeiten und Martin.
      Nach einigem Grübeln gab der Kleine aber eine konkrete Antwort: "Geschichten!", sagte er. "Ich liebe Geschichten. Am liebsten mit Drachen oder Rittern", schwärmte er. "Magst du auch Geschichten?", fragte er den Größeren.
    • Thomas Jersey:

      Er bemerkte den Stimmungswechsel von Benjamin und sah ihn besorgt an. Wahrscheinlich zog er sich eher zurück und konnte daher nicht direkt auf diese Frage antworten, da es einfach nichts gab was er sonst machte. Nun gab er doch eine Antwort und Thomas lächelte "oh ja! Ich liebe Geschichten und Bücher allgemein. Zu Hause habe ich eine kleine eigene Bibliothek. Ich könnte dir ja Mal was vorlesen, wenn du magst" schlug er vor während er den jungen vor sich betrachtete.
      Er bekam immer mehr das Gefühl das sie zueinander passen könnten und viel Spaß zusammen haben würden. Ob es wirklich stimmte, würde die Zeit zeigen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm das er bereits zwei Stunden hier war, die Zeit war sehr schnell vergangen und das lag eindeutig daran, das er so viel Spaß mit Benjamin gehabt hatte. Es würde natürlich auch Tage geben, an dem es anstrengender sein würde, aber auch diese Tage würden sie locker rum bekommen.
      Die Erzieherin beobachten die beiden, das hatte er bereits bemerkt, jedoch würde er versuche so gut es ging mit Benjamin umzugehen, egal ob sie nun zu schauten, oder auch nicht, es machte ihn nicht nervös und da die Dame lächelte machte er sich sowieso keine Sorgen.
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    • Benjamin

      "JAAAAAAA, Vorlesen!", gab der Kleine begeistert von sich. Schwerfällig stellte er sich auf seine Beine, schnappte sich seinen Bären Martin und hatte sich schon aus dem Staub gemacht. Vorbei an den anderen Kindern, lief Benjamin in einen anderen Raum. Die Wände waren mit dunklem Stoff behangen, von der Decke hingen von den Kindern gebastelte Buchstaben. Ein großer flauschiger Teppich nahm den Großteil des Raumes ein. Er war übersäht mit Kissen unterschiedlichster Größe und Farbe. An den Wänden standen kleine Regale, sie waren kaum größer als der wandelnde Meter selbst. Die Regale waren gefüllt mit Kinderbüchern, die teils grellen Farben der Cover strahlten einem im Vergleich zu dem sonst gedeckten Raum förmlich an. Es war eindeutig der Leseraum.
      Verwirrt drehte Benjamin sich um. Kein Thomas. Flink drehte er sich wieder um und watschelte zu dem großen Mann. "Komm, komm, komm!", sagte er, nahm ihn an die Hand und zog ihn bis zu den Büchern.
      Es passierte nicht oft, dass sich jemand bereit erklärte, dem Kleinen etwas vorzulesen. Seine Betreuer hatten oft nicht die Zeit dazu und vertrösteten ihn immer auf ein anderes Mal. Doch nun hatte er endlich jemanden gefunden, der ihm sein Lieblingsbuch vorlesen kann.
      Beinahe hektisch kramte Benjamin im Bücherregal bis er endlich das Objekt seiner Begierde gefunden hatte. Er setzte Martin vor dem Regal ab und zeigte seinen Schatz mit einem breiten Lächeln. "Das da!", kommentierte er seinen Fund.
    • Thomas:

      Das der kleine sich so sehr freute brachte den größeren zum lächeln. Lesen konnte er gut und vorlesen würde er durch ihn auf jeden Fall lernen. Wenn er wollte, würde es zum Ritual werden, wenn Benjamin bei ihm wohnte. Der kleine war bereits verschwunden, als Thomas noch Aufstand. Ruhig und gelassen folgte er ihm. Scheinbar war er jedoch zu langsam gewesen und wurde ungeduldig mit gezogen. Thomas musste lachen und ließ sich mit ziehen. "Ist ja gut!" Lachte er und hockte sich hin, um das Buch an sich zu nehmen. "Oh ein schönes Buch! Das lese ich dir doch gerne vor" kurz richtete er sich auf und setzte sich auf einen der Stühle "du darfst gerne auf meinen Schoß, oder wir stellen einen Stuhl nahe genug dran, du solltst schließlich auch etwas sehen" schlug er lächelnd vor und würde ihn die Entscheidung lassen. Auf dem Schoß zu sitzen würde ja auch etwas Überwindung kosten und benötigte eine gewisse Nähe, die er beim kleinen nicht genügend einschätzen konnte. Kennen taten sich die beiden ja auch erst seit ein paar Stunden.
      Als es sich Benjamin gemütlich gemacht hatte begann er das Lesen. Seine Stimme veränderte sich zur jeder Szene und es war ihm nicht zu schade seine Stimme, bei den verschiedenen Charakteren zu verstellen.

      Der Tag verging schnell, sie konnten das Buch noch zu Ende lesen und er verabschiedete sich am Abend dann von Benjamin, bevor er nach Hause musste.
      Zwei Wochen vergingen und das Wochenende kam näher. An diesem Wochenende sollte Benjamin zu ihm kommen. Er sollte übernachten, sodass sie sich besser kennenlernten. Dieses Wochenende würde auch entscheiden, ob er entgültig bei ihm einziehen würde. Das sollte Benjamin schließlich mitbestimmen. Thomas freute sich wirklich sehr darüber und klopfte an der Tür an, um Benjamin abzuholen und mit zu sich zu nehmen.
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    • Benjamin

      Es wurden sich Kissen zurecht gerückt und Benjamin lauschte seiner Lieblingsgeschichte. Martin trennte die beiden von einander, dieser saß zwischen ihnen und hörte ebenso interessiert dem Geschehen zu.
      Tatsächlich schafften sie das komplette Buch an einem Stück, nur eine kleine Toilettenpause von Benjamin unterbrach das Abenteuer kurze Zeit.
      Am Abend verabschiedete der Kleine seinen neuen Spielkameraden wieder. Die folgenden Tage gestalteten sich wieder wie gewohnt für Benni. Man fand selten Zeit für ihn, nur die anderen Kinder spielten ab und an mit ihm ein paar Spiele. Damit kam er aber gut klar. Er brauchte niemanden, Martin war ja schließlich immer da.
      Die Zeit verflog und es kündigte sich wieder Besuch für Benjamin an. Seine Betreuerin erklärte ihm, dass Thomas wiederkommen würde. Dieses Mal dürfe er sogar mit ihm gehen, um bei ihm zu übernachten. Es bereitete dem Kleinen Bauchschmerzen, dass ihm nun das selbe Schicksal zuteil werden würde, wie seinen bisherigen Freunden. Er würde also auch verschwinden. Die anderen Kinder bekamen vor ihrem ewigen Verschwinden ebenfalls Besuch von Erwachsenen. Danach hat er sie nie wieder gesehen. Nun war er an der Reihe. Seine Angst wuchs täglich.
      Die Kinder vernahmen ein dumpfes Klopfen, die Betreuerin öffnete die Tür zur Einrichtung. Benjamin wusste, was auf ihn zukam. Kaum hatte er Thomas gesehen, brach der Kleine in Tränen aus und klammerte sich an seinen Bären. "ich will nicht verschwinden!", schluchzte er unter Tränen und stammelte dies immer wieder vor sich her.
    • Thomas:

      Der Mann freute sich wirklich den kleinen Jungen wieder zu sehen und würde ihm heute wohl jeden Wunsch erfüllen. Als er herein gebeten wurde, war er sich jedoch nicht so sicher ob dies überhaupt passieren würde. Benjamin weinte...er weinte als er Thomas erblickte. Es schmerzte ihn ziemlich bei dieser Reaktion. Das er jetzt nicht jubelnd in die Luft sprang könnte er nachvollziehen aber das. Durch das weinend verstand er erst nicht, was der junge von sich gab, aber beim genaueren zuhören konnte er es sich denken. Verschwinden? Er war sichtlich irritiert aber auch auf die Betreuerin reagierte Benjamin nicht. Daher ging er kurzerhand selbst auf den jungen zu und kniete sich zu ihm "Hey großer! Du verschwindest doch nicht. Du kannst jederzeit hier her zurück kommen. Wir können auch hier bleiben, wenn dir das lieber ist" sagte Thomas besorgt und hoffte ihn damit zu beruhigen "Guck Mal Martin ist doch auch bei dir...der lässt dich auch nicht los." Sagte er lächelnd. "Ich wollte dich nur zu mir nach Hause einladen... für zwei Tage. Mit dir ein Haus gestalten, Geschichten lesen...und vielleicht ein Eis essen. Und dann bringe ich dich hierher zurück." Fügte er hinzu. Das er etwas überfordert war musste er zugeben. Sein Herz schlug in seiner Brust wie wild und ihm wurde sehr warm. Er wollte nichts falsch machen, sodass man sagen könnte er dürfe doch kein Kind adoptieren. Schließlich waren die Augen immer auf ihn gerichtet, wenn Benjamin bei ihm einziehen sollte. "Martin kommt natürlich mit!"
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    • Benjamin

      Man versuchte, auf ihn einzureden, doch er reagierte nicht. Erst Thomas konnte seine Aufmerksamkeit wecken.
      Kurz hörte er auf, zu weinen, rieb sich die Tränen aus dem Gesicht. "A-aber die anderen ... Ki-inder sind a-auch alle verschwunden!", erklärte er schluchzend. "Erwachsene haben sie mitgenommen und ... dann waren sie für immer weg!"
      Benjamin zog die Nase hoch, wischte sich abermals die letzten Tränen weg.
      "Muss ich jetzt auch verschwinden? Wie die anderen Kinder?", fragte er nochmal vorsichtig, verlor wieder ein paar Tränen, die über seine Wangen kullerten. Martins Kopf war von den vielen Tränen schon feucht, was Benjamin nicht davon abhielt, ihn immer noch fest zu knuddeln. Ohne ihn würde er keinen Schritt hier weg machen. Wenn er schon verschwinden musste, dann nur mit ihm!
      Bei einer Sache wurde er jedoch hellhörig. "Wir gehen Eis essen?", fragte er mit einem leichten grinsen im Gesicht. "Was für Eis?", hängte er hinten dran und sah voller Neugierde den Größeren vor ihm an.
    • Thomas:

      Seine Erklärung überraschte ihn etwas, aber er verstand was der kleine meinte. "Sie sind nicht verschwunden...sie haben eine neue Familie gefunden. Sie wohnen bei netten Menschen. Ich wollte dich heute nur einladen mich bei mir zu besuchen. Du darfst gerne das Wochenende bei mir bleiben und am Freitag bringe ich dich wieder her! Du wirst nicht verschwinden, das verspreche ich dir!' sagte er ehrlich und hatte sich nun auf den Boden gesetzt.
      Als er nach dem Eis fragte musste Thomas schmunzeln "wenn du das gerne möchtest würde ich das gerne machen! Egal welches, du darfst es dir aussuchen" versprach er ihm und sah zur Betreuerin auf. "Magst du hier kurz warten? Ich muss noch etwas unterschreiben...dann fahren wir Eis essen okay?' er folgte der Dame kurz ins Büro und klärte mit ihr die rechtlichen Dinge und unterschrieb alles, was sie ihm vorlegte. Danach begab er sich wieder zu Benjamin "also gut...wenn du mit mir mit kommen magst könnten wir jetzt los fahren" er reichte ihm die kleinen Schuhe und seine Jacke und würde ihm auch beim Anziehen helfen, wenn er das wollte.
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    • Benjamin

      Allmählich glaubte er dem Größeren, dass er nicht verschwinden würde. Vielleicht würde er sich gar nicht in Luft auflösen, sondern nur bei Thomas bleiben. "A-aber du musst ganz dolle aufpassen, dass ich nicht verschwinde, ok?"
      Das Kinderlächeln schoss weiter in die Höhe bei der Vorstellung, sich jedes Eis aussuchen zu können, was er haben wollte. Er stellte sich einen riesigen bunten Eisbecher mit viel Schokolade und Streuseln vor. Bei jedem Streusel, den er sich vorstellte, stieg die Vorfreude weiter und der Kleine dachte an eine Meeeeeengeeee Streusel.
      "Wir warten", antwortete er vom Boden aus. Thomas ging mit seiner Betreuerin weg, während Benjamin anfing mit Martin ein Klatschspiel zu spielen, um sich die Wartezeit zu vertreiben. Zwar war Martin nicht besonders gut in diesem Spiel, aber Benjamin gab sich viel Mühe, es ihm beizubringen und insgeheim spielte der Kleine extra schlecht, um seinen Freund nicht allzu traurig zu machen. Niemand mochte es, wenn er ständig nur verlor.
      Der Große kam wieder. Benjamin und Martin bemerkten ihn erst, als er anfing zu reden. Verdutzt sah der Kleine hoch, nickte zustimmend und kam in einigen schwerfälligen, aber geübten Bewegungen auf seine kurzen Beine, um Thomas zu folgen, der ihm seine Schuhe und Jacke reichte. Stumm schlüpfte er in seine Schuhe und stand nun vor einem der größten Probleme seines Alltags: der Schleife!
      Zwar zeigte ihm seine Betreuerin bereits, wie das funktionierte, aber so ganz fest wollte das Fadenkonstrukt nie bleiben. Er fing an, eine Schlaufe zu bilden und überlegte kurz. "Ähm ... und jetzt hier. Das da durch. Drum herum und ... äh ...", kommentierte Benjamin das Schleifebinden, was jedoch in einem Knäulbinden endete. Auf seinem Schuh befand sich nun ein Knubbel aus Schnürsenkeln. Sogar sein Finger war noch drin verpackt. Hilfesuchend sah er zu Thomas hoch, zog währenddessen weiter an dem Knäul, in der Hoffnung, seinen Finger aus der Falle zu lösen. Es gelang nicht.