Ruf der Erinnerungen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Ruf der Erinnerungen



      Ruf der Erinnerungen


      Genres:
      Abenteur, Coming of Age, Comedy, Fantasy(,maybe ein bisschen Romace …sollte aber nicht im Vordergrund stehen)


      Vorgeschichte:
      Jeder kennt die Geschichten der Götter und Helden des antiken Griechenlands. Entweder hat man sie im Geschichtsunterricht pauken müssen, hat mit ihnen Kontakt im Studium gehabt, hat Bücher wie Percy Jackson gelesen oder sich einfach aus eigenem Interesse an sie heran gewagt.

      Alles nur Erzählungen? Erste Versuche sich die Welt zu erklären? Nun, nicht so ganz. Jede Geschichte hat bekanntlich einen wahren Kern. Die Giganten, Titanen, Götter, die Helden und selbst die Ungeheuer existierten einst wirklich. Jedoch verloren sie sich im Fluss der Zeit. Dennoch nur weil sie nicht mehr allgegenwärtig sind, sind sie längst nicht für immer verschwunden.

      Die Menschen der modernen Zeit sind am Zenit ihres Seins angekommen. Sie erleben sich als Zerstörer und Erschaffer, es gibt kaum Grenzen. Längst haben sie gelernt sich die Natur, die Tiere und sogar den Weltraum zu Nutze zu machen.In der Zeit der Superlative muss alles schnell und einfach für den Menschen sein. Aber die Dankbarkeit für das was wir haben, ging verloren.Mit ihr auch die Ehrfurcht und der Glaube an mehr als nur das eignen Vorbild aus den Fernsehen oder von Instagram.

      Der Wohlstand der Menschen lässt die Erde leiden. So sehr, dass Gaia die Erdmutter aus ihren Schlaf erwacht. Die Sterblichen bekommen davon zunächst nur wenig mit. Doch sie und ihr Zorn sind eine große Gefahr, leider sind alle Helden längst gestorben und auch die Götter, die ihr einst entgegentraten scheinen verschwunden.

      Wie es diese kleine Erzählung bereits anspielt sind die Götter noch nicht ganz verschwunden. Es gibt sie noch, wenn auch als Schatten ihres Selbst. Was einst stolze und starke Götter waren, sind nun mal nur noch Erinnerungen… spirituelle Geister. Dazu verdammt an einen Ort oder einen bestimmten Gegenstand vor sich hin zu vegetieren. Unfähig in das Geschehen der Welt einzugreifen.

      Jetzt wo Gaia sich erhebt müssen sie aber wieder aktiv werden. Sonst sind nicht nur die Menschen für immer verloren. Nur wie? Die Lösung besteht darin sich mit einem Menschen zu verbinden. In diesen weiter zu existieren und fähig zu sein auf der Erde umher zu wandeln, in die Geschehen eingreifen zu können.

      Handlungsgeschichte:
      Die Geschichte beginnt in einer Heilanstalt für Kinder und Jugendliche mit geistigen Wegleiden. Warum genau hier? Nun. All diese Kinder (oder Jugendliche) habe bewusst oder unbewusst, in ihrer Vergangeheit, eine Verbindung mit einer griechischen Gottheit geschlossen. Nun sind sie mit dieser Verbunden und hören ihre oder seine Worte als Stimme in ihren Kopf. Doch nur sie können den Gott/die Göttin hören.Da sich seit den Zeitpunkt des Paktes auch die Auren der Kinder/Jugendlichen verändert haben und sie nun von einigen Monstern heimgesucht werden ganz zu schweigen. Diese Kreaturen können andere Menschen, die keine Verbindung zu einer Gottheit haben schlich weg nicht mehr wahrnehmen. Auch die Taten die diese begehen sind für andere Menschen so nicht sichtbar. Die Schuld bekommen meistens die Haupthelden der Geschichte. Somit hören sie Stimmen in ihren Kopf, sehen Sachen die nicht da sind und sind in ihren Wahnvorstellungen eine Gefahr für sich und ihre Umwelt. Grund genug an solch einen Ort zu landen.

      Nun gilt es sich als Gruppe zusammenzufinden und auch als solch eine zu agieren um gemeinsam die Flucht zu ergreifen. Auf der Suche nach Antworten und unter Leitung ihrer göttlichen Mentoren führt ihr Weg neben vielen Abenteuern auch zum einen erwachsen werden der Helden.

      Charaktere:

      Träger
      Göttlicher Mentor*in
      @Subenu /Perikin
      Hephaistos
      @Juvia /Jasmin
      Artemis
      @Melu /Asashio
      Poseidon
      Ares
      @Esme /Zarife
      Athene
      Aphrodite
      @Azenia / Salem, Matt
      Apollo , Hermes

      "In this world there are only corpses and future corpses,who cares if someone hates you...you'll both be dead one day anyway."


    • Montag. 6:00 Uhr. Es gab drei Arten des Erwachens, die gleichermaßen unangenehm, und darüber hinaus auch noch eine beängstigende Verwirrung nach sich zogen - sein konnten, ganz abgesehen vom zartbitteren Nachgeschmack des Gefühlschaos, dass den Schlaftrunkenen zusätzlich heimzusuchen plagte. Vier, wenn er den menschlichen Panzer in die Kategorie hinzuzählen wollte, die jeden Morgen wie eine fehlgesteuerte Kriegsmaschine durch seine Tür brach, als wolle sie das Bauelement jener Konstrukteure in seiner Stabilität prüfen und deren Erscheinung er gedanklich jedes Mal mit der Darth-Vader Theme untermalte. Oft genug hatte Àri der Tür ein Stoßgebet zugesichert, und sich gefragt, ob es dem Konstrukt als Gummi-Baum, welche dort draußen ihr Dasein frusten mussten - wohl irgendwie pseudomäßig das Feeling der Natur vermitteln sollten - nicht besser ergangen wäre. Irgendwann würde der Staat sicherlich seine einfallsreichen Ergüsse demonstrieren, und einen ganzen Gummi-ZAUN errichten. Nein. Das ganze Gebäude gummieren.
      Erschrocken schlug der Dunkelhaarige die Lider gen Decke. Nein, wohl kaum wegen der Vorstellung in einer Gummizelle gelandet zu sein - das traute er den Seelenmetzgern nun doch nicht zu - naja, nicht direkt jedenfalls - und versuchte verzweifelt sein pochendes Herzchen zu beruhigen - was sich unter der rasselnden Atmung und einem scheinbar erhören Blutdruck schwieriger erwies, wie zunächst angenommen. Genauso ungeschickt mit der Meisterung seines Lebens, fuhr sich der Halbwüchsige über das verschwitzte Gesicht, unglücklicherweise nur ein Teil nasser Stellen, die seine Kleidung in einen dunkleren Farbton tunkte und Àri erfasste die Angst, dass es möglicherweise nicht beim bloßen Schwitzen verblieben war. Rekordverdächtig katapultierten sich die Glieder des Jugendlichen aus dem Bett Richtung Bad. Erschöpft - Schlaf hatte oft genug die paradoxe Eigenschaft, für mehr Müdigkeit nach dem Aufwachen zu sorgen, ferner sogar, die Entkräftung gänzlich zu intensivieren, - stützte er die Hände auf die Ränder des Waschbeckens, blickte etwas zerstreut in die spiegelnde Sofortbildkamera - wohl die Einzige ihrer gläsernen Art, deren Funktion anhaltend ohne Filter hergestellt wurde - und seufzte erleichtert. Oder sowas. Das sprudelnde Nass vermochte zwar, seinen Wachzustand merklich zu verbessern, den Schleier des Schlummers aber hatte der frische Quell aus seinen Augen nicht wischen können. Alpträume - für einen gespannten Start in den Tag, bei Nebenwirkungen schlagen Sie bitte Ihre Vergangenheit oder Phantasie - oder nehmen Sie Ihre Tabletten! Wenigstens die Stimme, die ihn seit einiger Zeit zu belästigen wagte, schwieg. Vorerst. Benommen trat Àri aus der Beautyzone - auch wenn die Bedeutung eigentlich eher den überwiegenden Prozentsatz der weiblichen Gesellschaft betraf - und erstarrte. Ein Typ, dessen Kleidung den Anschein nahebrachte, aus einer längst vergangenen Epoche - oder gar Geschichte zu stammen, hob sich von den verästelten Schatten, die der Morgengrauen zwischen den Rolläden hindurchsickern ließ, ab und blickte ihn aus der Glänze Abendscheinder Röte an - das vielleicht Sonderbarste (mal ganz abgesehen von der Gesamterscheinung) an diesem jungen Mann waren seine Augen. Sie musterten den Schwarzhaarigen immerhin durchdringend genug, dass es ihm eigentlich hätte unbehaglich werden müssen, doch stattdessen entfesselte gerade die bizarre Intensität seiner Iriden eine noch besorgniserregend Verbundenheit, die jede unbegründete Vertrautheit zu verfestigen schien. Er wusste, dass er ihn nicht kannte, aber er fühlte, dass dieses Wesen zu ihm gehörte - ihm zu entspringen schien. "Was will...-" willst du von mir? Wollte Àri sich vergewissern, und es war, als hätte genau dieser Augenblick eine verborgene Wahrheit an die Oberfläche der Lügen beflügelt- "Will ich von dir?" hörte er sich völlig perplex die Frage beenden. "Warum stellst du keine Fragen, deren Antworten du noch nicht kennst?" entgegnete ihm eine genauso überraschend bedachtsame, wie auch gelinde gedeutet verzerrte Stimme eines zu tiefen Glockenspiels. Hab ich das nicht gerade?, dachte der Jugendliche verständnislos, und als verfüge der Unbekannte zu allem Überfluss auch über telepathische Fähigkeiten, schloss dieser unwirsch anbei: "Du du hast mich um Hilfe gerufen." Der Umstand, dass er dieses ätherische Wesen erst geschätzte 25 Sekunden zu kennen schien und bereits von diesem Höhepunkt einer irrenanstaltreifen Szenerie genervt war - eine unwillkürlich begründete Aversion gegen selbiges extraterrestrische Exemplar hegte, die vermutlich nur sein Vater bei seiner Geburt zu überbieten triumphiert hatte - ließ wohl auf einen ganz besonders ertragreichen Tag schließen, sofern er diesen nicht in einer Zelle verbringen müsse, wo er wieder beim leidigen Gedanke vorheriger Abwegigkeit angekommen war. "Wir...-" setzte Àri zaghaft an, musste die Informationsbeschaffung jedoch eines abrupten Endes herbeieilen, denn die Schritte des Panzers erklangen hart und unbeirrt auf dem Treppenflure. 6:15 Uhr. Eigentlich donnerte das Kampffahrzeug erst ab sieben - die normale Zeit des Weckrundgangs, in die Zimmer verwirrter (Un)Zurechnungsfähigkeit, aber möglicherweise empfand die Olle seine Ruhepause nicht besonders bedeutsam. "Los, ins Bad mit dir! Beeilung!" Dem Anfall einer Panikattacke nahe, riss der Jugendliche den Weißhaarigen von der Wand und bugsierte die Schwerfälligkeit einer absichtlich eseligen Sturheit auf direktem Wege zum benannten Zielort, schlug die Tür (etwas zu) schwungvoll zu und krachte mit der vergleichbaren Druckwelle eines humanoiden Meteors in die Unterlage des Bettgestells. Verwunderlich, dass dieses Klappergestell den Einschlag tatsächlich hatte abfangen können, bevor im nächsten Sekundenfluss die Brücke zum Flure aller Umherirrenden aufgerissen wurde und eine versteinerte, gnomartige Fratze zu ihm herüberglotzte - und er glaubte zu hören, wie sämtliche Felsgehärtete-Kellogs zwischen ihren Zähnen ihre letzte Ruhe fanden. "Àri - ich habe dir gesagt, dass das Licht im Bad außerhalb der Benutzungszeiten auszuschalten ist!" Benutzungszeiten, die im Grunde genommen nur für ihn galten - "Ich wünsche Ihnen auch einen guten Morgen..." zwang sich Àri der Skala "vorbildliches Verhalten" eine merkliche Note Anstand zuzuschreiben, obgleich er selbst bezweifelte, dass der Panzer einen guten Morgen überhaupt kannte. "Warum bist du schon wach?" Warum sind Sie schon hier? - hatte er eigentlich erwidern wollen, besann sich aber eines weniger tödlichen Ausgangs. Misstrauisch begann der Blick schrulliger Wiender-Schnitzel Art zwischen ihm - seinem Buch, das er sich hatte überstürzt gegriffen - und dem Bad zu pendeln. "Du hältst das Buch falsch herum." stellte sie alarmiert fest. "Ich versuche meine geistigen Initialien...-" "Um halb sieben?" "Früh übt sich, was ein Meister werden will." Hätte sie das Gesicht noch mehr verzogen, wäre sie vermutlich in den Untiefen ihrer Falten versunken. Wortlos riss das Personal die Türe zum Bad auf, schien jeden (leeren) Winkel zu inspizieren, um dann erstaunlicherweise zu konstatieren, dass dort (entgegen ihrer Erwartung und der seinen) nichts Auffälliges zugegen war. "Heute wird der Neuzugang schon um 7:00 Uhr vorgestellt, 7:30 - 8:30 Uhr ist Frühstückszeit, sei diesmal gefälligst pünktlich - bevor um 9:00 die Therapien beginnen." Liebe schadet ihrem Selbstwertgefühl - wäre wohl der passende Titel für diesen antarktischen Eisklotz gewesen. Lustlos schloss die Pflegerin abermals die Tür hinter sich und der Stationierte sprang unwillkürlich auf und stürmte etwas ungeschickt zum "Waschsalon". Leer.
      Alter..... Was... zum.... Einige Sekunden stand der Halbwüchsige einfach nur da- an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifelnd- ehe er aus seiner Starre zu erwachen schien und die Türe aufschwang. "Entschuldigung?" rief er über den Flur, "Wäre es vielleicht möglich, die Dosierung zu verringern, oder die Tabletten abzusetzen?" Der zu groß geratene Gnom bedachte ihn eines Blickes, der ganz offensichtlich die Konsequenzen abwägte - und synchron zu fragen erdreistete, ob es nicht etwas zu früh wäre, die Welt schon dem Untergang zu weihen. "Sicher, dass du ihn nicht erhöhen solltest?" Mistvieh. "Nein, ich denke...-" "Du sollst nicht denken, du sollst dich fertig machen. In einer halben Stunde 7:00 Uhr - im Speisesaal." Und damit hatte sich das Thema erledigt. Vollends. Murrend zog sich Àri in die irgendwie schmutzig sterilen Wände zurück, verlieh seinem Äußeren neuen Glanz und stand 20 Minuten später vor der Schwelle, die den Korridor mit dem Speisesaal verband. Vermutlich hätte er seine Lungen mit dem Sauerstoffvolumen eines Luftballons aufblasen,- und entlang der Decke schweben können, um darunter hängen zu bleiben wie ein verlorener Gasplanet - oder die ganzen von Kinderhänden losgelassenen Ballons, welche man auf Messen immer an der Decke entdecken mochte, so viel Luft hätte es auf der gesamten Erde nicht gegeben, als dass er sich den Mut, FREIWILLIG auf (seines Erachtens nach) bereits menschenüberfüllten Fläche zu gehen, anatmen können. Ein unsanfter Stoß entschied also über seine Hemmung und zog ihn auf irgendeinen beliegen Sitzplatz. Gut. Dann würde er jetzt auf die Ouvertüre weiterer geistiger Energiesparlampen warten- wobei er das für reine Zeitvergeudung hielt. Seine Zeit wohlgemerkt. Was interessierte ihn, wer ein potenziell und weiteres Nervenwrack war - dass ihn ohnehin nur würde nerven? Er blickte aus dem Fenster. Hach. Warum war er nicht einer dieser Gummibäume? Die durften wenigstens den Wind frischer Natur genießen und standen alle in einem ANGEMESSEN Abstand zueinander.

      @Esme
      @Azenia
      @Subenu
      @Juvia
      @amatchintowater
      @Melu
    • original-3.jpg

      Die kleine Dorfkirche lag in einem gedimmten, unnatürlich anmutenden Licht in einer Landschaft verschwommenen Grüns. Nur der breite Kiesweg vor ihr war deutlich erkennbar. Unter leisem Knirschen schritt das Mädchen auf die Kirche zu, deren Tore weit offenstanden und von denen eine Art unumgänglicher Sog auszugehen schien. Ein schwerer Druck legte sich auf ihre Brust, wie sie über die Schwelle trat. Ihre Schritte hallten laut in dem leeren Raum. Die Sitzbänke waren alle unbesetzt, nur ganz vorne am Altar stand ein verschlossener Sarg, geschmückt mit Banner und Kranz. Unweigerlich zwangen sie ihre Beine dazu sich weiter auf den Sarg hin zu bewegen. Der unangenehme Druck, welcher Zarife auf ihrer Brust verspürte kroch empor, mit jeder Sitzreihe die sie hinter sich liess, mit jedem Schritt auf den Sarg zu, bis sie glaubte eine eiserne Hand schliesse sich fest um ihre Kehle.

      Keuchend und um Luft ringend fuhr das Mädchen in ihrem Bett hoch, die Hände panisch an ihren Hals tastend. Zittern blickte Zari um sich, bis sie sich endlich besann und ihr einfiel wo sie sich befand. Die Klinik. Natürlich. Zwar war sie nun schon fast ein Jahr lang hier, aber dennoch folgte ihrem Erwachen immerzu Verwirrung. Das Mädchen atmete tief durch, während sie ihre Hände auf die Bettlaken sinken liess und für einen Moment die Augen schloss. Nur ein Traum. Der Druck auf ihrer Brust verschwand allmählich. Müde strich sich die Brünette über das Gesicht, immer noch leicht zitternd. Seit Monaten verfolgte sie dieser Traum in ihrem Schlaf, aber nie erreichte sie den Sarg. Die Bedeutung des Traumes war für Zarife so eindeutig, dass sie beschlossen hatte ihn für sich zu behalten. Wozu sollte sie es auch erzählen? Es gab nichts, was ihr über ihre Trauer hinweghelfen könnte, kein Medikament, keine Worte… Er war nun mal tot. Und das nun schon ein ganzes Jahr lang. Ihr kam es vor wie eine Ewigkeit und zu gleich, hätte es auch erst gestern sein können, so lebhaft waren ihre Erinnerungen an ihn. Nur die Zeit würde diese Wunde des Verlustes heilen können… Vielleicht.
      Apathisch blickte das Mädchen auf ihre in die Decke verkrampften Hände. Von den Gängen vernahm sie mittlerweile erste Geräusche. Schritte. Ein rascher Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es erst 6:20 war. Sie gähnte leise, wusste allerdings, dass sie nicht nochmal einschlafen können würde. Und offenbar war dies für heute ohnehin nicht so geplant. Eine Betreuerin öffnete die Türe zu ihrem Zimmer, ehe ein überraschter Ausdruck über ihr Gesicht huschte. «Schon wach? Na gut, umso besser. Um 7:00 begrüssen wir die Neuen.», informierte die junge Frau sie, ehe diese die Türe wieder hinter sich schloss und zur nächsten Tür schritt. Ein leises Seufzen entwich Zaris Lippen, ehe sie sich auf die Bettkante setzte und ihren Blick trübe durch das Zimmer schweifen liess. Was ein trostloser Ort… Doch immerhin vertrauten ihr die meisten Pfleger zu genüge, so dass das Mädchen eine, wenn auch geringe, aber immerhin eine verhältnismässig grössere Selbstständigkeit erreicht hatte. Um sie brauchte man sich nicht gleich intensiv zu kümmern. Sie war die vernünftige Verrückte, die einsah, dass sie Hilfe brauchte. Der Weg des geringsten Widerstandes. Bisher war Zari damit gar nicht mal so schlecht gefahren.
      Gemächlich erhob sich die Brünette, um sich frische Kleidung zu holen. Doch ehe sie das Zimmer verliess, wandte sie sich nochmals mit einem prüfenden Blick zu ihrem Bett um. Das Buch lag immer noch sicher im Versteck. Gut so. Dann machte sie sich auf den Weg zu den Duschen, während sie versuchte ihre Gedanken nicht länger um ihren Traum kreisen zu lassen.

      Frisch geduscht und ordentlich angezogen, machte sich das Mädchen auf den Weg zum Speisesaal. Noch herrschte ziemliche Ruhe. Im Gebäude und auch in ihrem Kopf. Doch Zarife machte sich keine allzu grossen Hoffnungen lange im Genuss dieses friedlichen Zustandes verharren zu dürfen. Zari hob kaum ihren Blick, als sie in den Speisesaal trat und sich auf dem nächstbesten Platz niederliess. Wartend betrachtete sie ihre im Schoss gefalteten Hände, während sie versuchte sich durch die Gedanken an ihr verborgenes Buch von ihrem schrecklichen Erwachen und dessen Ursache abzulenken. Sie durften lesen, allerdings hielten die Betreuer Nietzsche für zu düster, als dass sie sie diese Texte hätten lesen lassen. Anscheinend waren ihres Erachtens sowieso alle philosophischen Texte einem so zartbesaiteten Mädchen, wie Zarife eines zu sein schien, nicht zuzumuten.
    • Jasmin Taylor
      Jasmin.jpg"So laut...", murmelte Jasmin am frühen Morgen in ihrer Zelle, ehe sie sich ganz benommen aus ihrem Bett schwang und der Länge nach am aus einem Gummi ähnlichen Material bestehenden Boden landete. Sie hasste diesen Boden. Da hatte man ja mit ihren zarten Füßchen gar keinen Halt. Ächzend rappelte sie sich auf und setzte sich schließlich in den Schneidersitz hin. "Arti.. Was is' da draußen los? Was spannendes?" - "Och, nicht spannender als unsere süßen Unterhaltungen, meinst du nicht auch Jasmin?", antwotete ihr die Stimme und sie sah über die Schulter zu der noch immer auf dem Bett sitzenden Frau in altertümlicher jedoch beinahe spärlich wirkender Kleidung, die belustigt auf die Rothaarige hinuntersah. Seit so vielen Jahren waren sie nun befreundet. So viele Jahre.. Artemis hieß sie, aber der Name klang für eine damals 5 jährige viel zu Jungenhaft und viel zu komisch, dass sie sie seit jeher immer nur Arti nannte. Auch nicht viel weiblicher, wenn sie so darüber nachdachte, aber wenn Menschen sich erst einmal an etwas gewöhnt hatten, würde sie diese Angewöhnung auch nicht mehr so shcnell ablegen können.
      "Ich hoffe ja, dass bald jemand kommt um mit mir zu spielen. Nicht, dass ich mich nicht super gerne mit dir unterhalte, Arti. Du bist meine beste Freundin! Aber... die ganze Zeit nur in dieser Zelle sitzen und reden oder nichts tun.. Ich würde tatsächlich irgendwnan den Verstand verlieren, wenn ich mit keinem der Pfleger meinen Spaß haben könnte kihihi" - "Oh, du bist wirklich ein ziemlich ungezogenes Mädchen hihi" Schmunzelnd wippte Jasmin ungeduldig auf diesem viel zu gemütlichen Boden hin und her - die Hände auf ihren Knien und den Kopf wie eine Glocke mitschwingend. "Na, sonst wär ich ja nicht hier, nh? Sonst wär' ich noch bei diesen heuchelnden Leuten, die sich meine Eltern geschimpft haben. Oh, da fällt mir ein. Sollte Charlie mich bald nicht wieder besuchen? Kihihi Ich hoffe ja, dass er mir was Leckeres zu Essen mitbringt. Besser zu mindest, als das, was mir dieses Krabbelzeug bringt. Sowas selbstgekochtes wäre toll. Von dem Süßkram bekomm ich auf Dauer nur Bauchschmerzen." Kaum ausgesprochen krabbelten aus einer Ritze an der Wand ein paar Spinnen, die ihr, wie beinahe jeden Morgen, Süßigkeiten aus der Speisekammer brachten, die die Patienten nie bekommen dürften, weil die Medikamente ja sonst nicht wirkten. Zu blöd aber auch, dass Jasmin nicht wollte, dass diese Medikamente wirkten und nicht hier war, weil sie glaubte, dass sie ein Problem hätte. Problem - von wegen. Die anderen hatten eher Probleme, weil sie Jasmin nicht ansehen wollten, dass sie nun einmal eine Verbindung mit einer wirklich tollen Freundin hatte, die eben nicht für jeden sichtbar war. Laut Artemis sogar nur für sie, da sie ...irgendwie in ihr lebte. Und irgendwie auch nicht, nicht wahr? Sonst könnte sie sie ja nicht sehen und sogar ihre Berührungen fühlen, wenn sie von ihr in den Arm genommen oder lachend auf die Schulter geschlagen wurde oder sie sogar einander in die Hände schlugen, wenn sie beide mit Etwas sehr zufrieden waren. Also war es ein wenig anders, als nur in ihrem Kopf zu wohnen, nicht wahr?
      "Na, was bringt ihr mir heute Leckeres?", fragte Jasmin lächelnd und hob die zwei glasierten Donuts und einen verpackten Marsriegel von den Spinnen auf, die ihr sogleich die Beine hochkletterten. Jedes andere Mädchen hätte es wohl gestört, gerade bei Spinnen, aber nicht Jasmin. Die Tiere und Artemis waren ihre einzigen waren Freunde, schon seitdem sie ein kleines Kind gewesen war. Niemand anderes.. wollte je etwas mit ihr zu tun haben. Im Gegenteil. Sobald sie es nur versuchte..
      Sie schüttelte den Gedanken von sich und lachte heißer auf. Dass sie wirklich immernoch an diese alten Erinnerungen zurückdachte, obwohl sie diese längst glaubte vergessen zu haben. Aber das menschliche Gedächtnis vergaß wohl niemals die geistig quälenden Erinnerungen, sondern nur die schönen, was? Warum auch ein leichtes Leben haben, wenn man es 'aufregend' gestalten konnte?
      Sie biss genüsslich in einen der Donuts, während sie unter ihr Bett kroch und dort - einige Schaumstoffteile waren locker, da sie diese mit Hilfe einer kleinen Maus vorsichtig von den Nähte getrennt hatte - etwas von dem Schaumgummimaterial entfernte, der Blick auf ein versteckten Süßigkeitenvorrat gewährte. Verfallende Süßigkeiten bunkerte sie dort natürlich nicht, aber Dinge wie Schokoriegel oder ähnliche lang anhaltende Lebensmittel schon. Auch Trockenobst. Und so ließ sie den neu ergatterten Schokoriegel hineinfallen, verschloss das kleine Versteck wieder und kroch vorsichtig wieder zurück, wobei die Spinnen von eben ihr wie anhängliche zu klein geratene Hündchen auf Schritt und Tritt zu folgen schienen. Auch beobachtet, was sie da interessantes tat, hatten sie sie.
      Unter ihrem bett hervorkriechend, hörte sie nur wie Artemis belustigt kicherte. "Also.. ich würde ja mal duschen, an deiner Stelle. Alles voller Spinnweben - deine Haare sehen ja fast aus, wie die der Alten draußen." Dabei deutete sie auf die ältere Pflegerin, die sich aber mehr um das Essen kümmerte und die älteste von ihnen allen war. Ein Haarnetz sorgte dafür, dass ihr eh shcon spärliches Haar dort saß, wo es sitzen sollte und nicht versehentlich in das Essen der Patienten fiel. "Mhm.. Mach ich noch.", gab sie mampfend von sich, da sie sich den Rest des Donuts in ihren Mund steckte. Den anderen verstaute sie unter ihrer Hose mit einem sanften Lächeln. "Oho~ Darf ich raten, was du damit vor hast?" - "Ach, halt dich da raus.", knurrte Jasmin mit leicht erröteten Wangen zurück und ging dabei ins Bad um sich das Gesicht zu waschen, als auch schon ein allzubekanntes Geräusch erklang. Sie trocknete sich das Gesicht ab und grinste fies. "Showtime~", flüsterte sie vor sich hin, ehe sie zurück in ihr Zimmer trat. Die Türe war weiterhin vershclossen, aber ein Sichtfenster war geöffnet, durch das einer der Pflegepersonale hineinspähte. Kichernd tänzelte sie auf die Tür zu und lehnte sich daran, sodass ihr Gesicht nur wenige Zentimeter von dessen entfernt war. "Na endliiiiiiiiiiich~ Ich habe mich schon sooooooooooooooooooo gelangweilt. Kommst du zu mir rein, ja? Kommst du, um mit mir zu spielen, ja?" - "Weg von der Tür, du kennst die Regeln, Kleines." - "Von welcher Tür denn? Von dieser hier~?" - "Lass die Spielchen Jasmin." - "Aber ich spiele zu gerne Spielchen, besonders mit so starken Männern wie mit dir~" Er schnaubte genervt, auch wenn er sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen konnte. "Schätzchen. Es spielt keiner mehr mit dir Spielchen. Nicht, nachdem du 4 unserer Mitarbeiter ins Krankenhaus geschickt hast. Also weg jetzt von der Tür. Ich sag's ein letztes Mal." - "Und was, wenn nicht?" - "Dann küsst du den Boden." - "mhhhh~ Den Boden? Das ist doch langweilig~ Du kannst mir nicht vorschreiben was ich zu küssen habe. Ich entscheide wann ich wen küsse, wo ich wen küsse und wen ich küsse~" - "Oh man. Wie du willst. Schockt sie.", hörte man ihn in den Raum außerhalb Jasmins Zimmer zu unbekannten gesichtern sagen. Im nächsten Augenblick bekam sie einen heftigen Stromschlag, flog aufschreiend von der Tür zurück und fiel rücklings auf den Boden. Sie verlor für einige Minuten das Bewusstsein, doch das schien gerecht zu haben sie an einen Rollstohl festgeschnallt zu haben, sodass sie weder Beine, Arme noch den Kopf groß bewegen konnte, als man sie herausfuhr und in den Gang entlang zum Speisesaal verschiffte. Erst, als sie dort angekommen waren bei den anderen Patienten und sie allmählich wieder wach zu werden schien beugte sich der Pfleger über sie, der schon zuvor mit ihr geredet hatte. "Du wirst jetzt brav dich zu deinen anderen Freak-Freunden setzen, die Klappe halten und essen. Und wenn du mit Essen fertig bist, wirst du keinen Aufstand machen, sondern gleich zur Therapie gehen. Solltest du auch nur EIN krummes Ding versuchen, bekommst du für eine Woche nur noch Flüssignahrung. Lecker Vitamine und so~" Doch seine Ansprache schien sie kein bisschen beeindruckt zu haben, sie grinste ihn nur spöttisch an. "Ahhh~ wo ist denn der Spaß, wenn ich nur brav bin. Da langweilit ihr euch doch auch~" Er shcnaubte und gab ein zeichen sie loszumachen. Langsam stand sie auf und streckte sich genüsslich. Doch kaum dass einer der Pfleger ihr den Rücken dummerweise zugedreht hatte, hatte sie etwa, das in ihren Haare steckte herausgefischt, ihm den Arm auf den Rücken verdreht und zu Boden geworfen - sie oben drauf und eine scharfe Rasierklinge direkt an seinen Hals gedrückt - ehe auch shcon mehrere Elektroschocks auf sie zielten und sie belustigt grinsend die Klinge losließ. "Was denn? War doch nur Spaß. Huh? Was? Oh, ich soll sie doch alle umbringen und aufhören rumzualebern? Okayyyyyyyyy~~", trällerte sie und ihr Blick wandelte sich von unschuldig süß zu wahnhaft psychotisch, ehe sie lachend abwinkte. "Haha Versteht ihr kein Spaß? DAS haben die Stimmen nicht zu mir gesagt, keine Sorge~ Ansosnten wärd ihr shcon alle tot kihihihihihihi" Doch noch während sie belustigt kicherte, packte man sie grob am Arm und zerrte sie auf die Beine. "Auuuuu! Nicht so grob. Ich bin eine sehr zartbesaitete Lady." - "Lady, mein Arsch!" Er stieß sie auf einen der Stühle neben einem Hellhaarigen Jungen. Als der Pfleger fluchend und schnaubend wegtrat, schielte Jasmin zu dem Jungen neben ihr. Matt. Er war von all den Jugendlichen, die hier eingesperrt waren wirklich ...besonders. Nicht auf eine schlechte Art. Auf eine.. andere Art. "Hey", sagte sie leise grinsend und fischte den Donut von zuvor, ohne dass es jemand gemerkt hatte - es waren eh nur kleine Donuts gewesen - aus ihrer Hose und legte es in seine Hand, ohne hinzusehen. Mit einem Schmunzeln zog sie ihre Hand wieder zurück, als sie wusste, dass er seine Hand um den Donut geschlossen hatte. Leider, oh, leider wurden sie alle hier viel zu sehr beobachtet. Jede Beziehung, die sie miteinander aufbauen könnten, ob freundschaftlich oder anders, wurde so scharf bewertet, dass sie wohl alles täten, um einen Schwachpunkt in deren Schutzmechanismus finden zu können. Eine Möglichkeit sie zu brechen. Genau deshalb versuchten einige von ihnen, auch wenn sie Freunde oder mehr waren, dies nicht in die Öffentlichkeit zu tragen, wo man dies gegen sie hätte ausspielen können.

    • Perikin



      Ding. Ding. Ding. Ding. Ding.

      Der Junge wälzte sich im Bett rum, als er das Schlagen von Metall auf Metall vernehmen musste. Perikin wusste nicht, ob er sich bereits daran gewöhnt hatte, oder ob es ihm so langsam egal war. Dieser helle Klang, der sich langsam aber sicher mit der Zeit wie eine Art Phobie in seinen Schädel gebrannt hatte. Viele konnten im Morgengrauen das Zwitschern der Vögel vernehmen, welche einen möglicherweise schönen Tag vorher sagen konnten. Manche in dieser Einrichtung wären sicher auch in der Lage das Fenster zu öffnen, weil von ihnen keine Gefahr der Selbstverletzung aus ging. Eigentlich gehörte er dazu. Und eigentlich war das mit der Selbstverletzung so eine Sache, die er manchmal nur zu gerne überwinden wollte. Aber er hatte Schiss davor, vor den Schmerzen die dies nach sich zog. Also litt er leise vor sich hin und weiter mit dieser Qual. Anstelle von lieblichem Vogelgesang oder einem beruhigenden Regenschauer, welcher seine Tropfen abwechslungsreich gegen seine Scheibe schlagen konnte, hörte er nur dieses 'lieblichen Klank'. Klank. Klank. Klank. Klank. Ding. Ding. Ding. Ding.


      Manchmal war er sogar der Meinung gewesen es mitten am Tage zu hören und nicht nur wenn er in seinem Zimmer war. Was noch erschwerend dazu kam war diese unsägliche Hitze. Eine Wärme die, wenn man es positiv beschreiben wollte, der Wüstenhitze in nichts nach stand. 'Warum zur Hölle ist es schon wieder so verdammt warm?' Das Klingen des Metalls störte nicht nur seinen Schlaf, sondern auch seine Konzentration. Nicht, dass dies etwas Neues wäre, jedenfalls nicht für ihn. über zwei Jahren schon musste er irgendwie damit klar kommen. Vor über eineinhalb Jahren hatte der Junge damals von seinem Problem erzählt, aber niemand schien ihm glauben zu schenken. Sie fingen an ihn für verrückt zu halten, gaben ihm Medikamente, die - natürlich - nicht halfen und versuchten zumindest anfangs ein wenig sich seinem Problem zu nähern, bis ... ja, bis seine Eltern die Geduld verloren. Warum konnte er sich nicht erklären, aber das war der Zeitpunkt wo er in diese Einrichtung gesteckt wurde. Seine Eltern waren beschämt und irritiert von ihrem "Sohn". Einmal haben sie sogar einen Exorzisten kommen lassen. Dieser lief wild um ihn herum, schwang irgendeinen komischen Wedel und rief irgendwelche Geister an um das Problem zu lösen. Ein horrendes Honorar und kein Problem weniger später machte er sich dann aus dem Staub. 'Wow', dachte er, 'so einfach kommt man an Geld.'

      Ding. Ding. Ding. Ding. Ding. Ding. Klank. Klank. Klank. Klank. 'Ich hasse mein Leben, ... warum musste das ausgerechnet mir passieren?'

      Während sein Kopf irgendwelche merkwürdigen Bewegungen vollzog, die - wahrscheinlich durch seinen immer noch Komatösen Zustand - er selbst wahrscheinlich kaum steuern konnte, versuchte er langsam aber sicher irgendwie seine Augen auf zu pressen. Schwer wie Blei hielten sie allerdings Stand, seine Müdigkeit war wie so oft das Ergebnis von bestimmten Umständen. Und einer dieser Umstände hämmerte gerade wie ein Idiot auf Metall herum. Mehr schlecht als recht ließ Perikin seinen Kopf zur Seite fallen um möglicherweise einen Blick auf seinen Wecker zu erhaschen. Dunkelheit. Nein nicht ganz, der Raum war in ein leicht rötliches Licht gefärbt, so dass die Dunkelheit nicht die Oberhand gewann und strahlte eine Wärme aus, die für diese Uhrzeit ungeheuerlich unangenehm war. Zwischenzeitlich blitzte es sanft auf, wenn man das Geräusch des Metalls vernehmen konnte. Wenn er das Geräusch vernehmen konnte.

      Klank. Klank. Klank. Klank. Klank.

      Die Uhr zeigt 4:29 an. 'Ich hasse mein Leben,' mit diesem Gedanken, den er gerade noch so vollenden konnte, sprang die Uhr auf 4:30 und eine neckische Stimme kam aus der Wand 'Aufwachen, hihihihi', dann der gewohnte Schmerz in seiner Seite, an den er sich auch versuchte seit einer Weile zu gewöhnen, wurde er von einem Wesen aus dem Bett getreten und verschwand auch direkt wieder. Mit einem dumpfen Geräusch fiel er seitlings das Bett hinunter und landete heute zur Abwechslung mal mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Abgerundet wurde dies mit einem gedämpften 'Ummng' des Jungen, der danach zumindest versuchte sich aufzuraffen und wankend vor Müdigkeit seine Bettkante erwischte.
      "Moin", kam es von dem anderen Übel, welcher ihn seit Jahren plagte und mit diesen melodischen Klängen entzückte. Seiner Angabe zufolge Hephaistos, Schmied der Götter des Olymps. Bester Handwerker, Schmied und Künstler .. bla bla bla. Und dazu eine verdammte Nervensäge. Er war derjenige, der ihn um den Schlaf brachte mit seinem stetigen Gehämmer. Vor allem, ein weiterer Grund der Besorgnis derjenigen Leute, die sich versuchten um ihn früher zu kümmern... der Typ war halb nackt und nur mit einer Schmiedeschürze bedeckt. Schweiß troff ihm von seinem muskulösen Körper und er war wohl ein Inbegriff von Männlichkeit. Sein Bart und die Glatze gaben ihm eine doch sehr markante Note. Aber was die Menschen da alles reininterpretieren wenn er das erzählte war wirklich unglaublich.
      "Moin", kam es nur kurz von Perikin als Antwort als er sich ins Bad auf machte, versuchte in seinem Zustand irgendwie zu Duschen und sich fertig machte für den Tag. "Du solltest dich endlich um Raul kümmern", sprach der Bärtige ihm hinterher. 'Raul? Hatte er seinem 4:30 Uhr Weck-Vieh wirklich einen Namen gegeben?' - "Jaja..." kam es nur genervt von dem Müden zurück und blickte den Schmied fragend an nur um dann zum Temperaturregler zu sehen - welcher 30°C anzeigte. "Warst du das?" fragte der Junge sichtlich verärgert. "Nein. Ist wohl ein neues Vieh. Aber ich fand die Atmosphäre zum Schmieden passender."
      Nachdem er sich um die Temperatur gekümmert hatte, 15°C sind ihm doch wesentlich lieber, konnte er nun versuchen irgendwie wach zu werden. Nach mehreren gescheiterten Duschversuchen kam er gegen 5:15 Uhr wieder heraus und zog sich an. Der Schmied war weg und damit endlich Ruhe eingekehrt.
      "Kann er das nicht machen, wenn ich weg bin?" meckerte er immer noch erschöpft und wankte aus dem Zimmer. Irgendwas soll wohl heute gewesen sein, aber dafür hatte er grad einfach keinen Kopf, eigentlich wollte er nur schlafen. Warum war er dann auf dem Weg zum Frühstückssaal, wenn er doch im Bett bleiben konnte? Nun war er aber schon auf dem Weg - war jetzt eh egal - und setzte sich auf eine Eckbank mit Tisch. Lange hielt er das allerdings nicht durch und sein Kopf fiel vornüber mit einem 'Tock' auf den Tisch.

      Immerhin kam er so noch einmal zu ein wenig Schlaf.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Subenu ()

    • 10d96cf21910137bdbe3f00130a31d8b1f0f3ce3.jpg


      Matt

      Es war früh am Morgen aber dieser Tag hatte schon so Scheiße angefangen, dass er mit Sicherheit auch nicht besser würde und genauso oder sogar noch viel beschissener enden wird. "Maaan...so ein verdammter Mist!" grummelte er und trat gegen die gerade erst geschlossene Tür. "Davon wacht sie auch nicht auf." Konnte der Junge die belustigte Stimme tief in seinen Inneren hören. "....Ich weiß." Zischte er kein Bisschen weniger genervt als vorher. Na toll, jetzt tat ihm auch noch sein blöder Fuß weh. "Maaan!!! Dieser Tag ist verdammt beschissen!!!" Wenn man ihn so rumschrein hörte, konnte man glauben er wäre wegen Agressionsproblemen und nicht wegen Kleptomanie und ...einen scheinabr geistig verwirrten Zustand hier gelandet. "Mit der Einstellung wird er auch nicht besser. Was regst du dich so auf? Dann zeigst du deinen neuen Trick halt jemand anderen. Wer weiß vielleicht kannst du bei einer der Plfegerinnen ein paar Kekse abgreifen." Der platinblonde Junge brummte nachdenklich. Etwas Süßes bei einen Trick zu klauen war ganz lustig und versüßte einen hier mit unter wirklich den Tag, aber das gab ihn längst nicht den Kick den er sonst brauchte. Es löste einfach nicht den gewünschten Austoß von Adrenalin aus. Doch... die Beute mit Salem zu teile war immer ganz schön gewesen. Die junge Frau erinnerte ihm schon immer an seine große Schwester. Beide waren Techniknerds, wahre Junkies die ihren Kick im Gegensatz zu ihm, bekamen wenn sie irgendwelche Codes in die Tasten hauten um irgendetwas zu hacken. Das oder wenn sie an irgendetwas herumbastelten. Er hatte schon oft beobachtet wie Salem einfach zum Zeitvertreib ihren geliebten Computer in seine Einzelteile zerlegt und wieder zusammengesetzt hatte. Doch wehe jemand anderes fasste das Ding an! Junge, konnte die wütend werden. Er hatte ihr zum Zeitvertreib auch schon die ein oder andere Digitaluhr eines Plfegers besorgt. Es war sicher ganz nett wenn sie mal ein paar andere Schaltkreise zu sehen bekam. Allerdings hatte er diese entgegen ihren Drängen nicht immer alle wieder zurückgegeben. Im Gegnagsatz zu den Platinblonden war die junge Frau schon so lang an diesen Ort, wahrscheinlich wäre sie längst durchgedreht wenn sie nicht so oft schlafen würde...wobei, müsste passte da viel besser. Salem Avierta war 18 Jahre alt, eine junge Frau der eigentlich alle Türen offen stehen müssen. Doch leider war sie krank und nicht fähig ihr Leben so zu leben wie andere Jugendliche. Ihre Probleme gingen weit über die Streiterein mit ihren Eltern hinaus. Schon seit ihren 7. Lebensjahr litt sie an den Dornröschen Syndrom.

      Das Dornröschen Syndrom, ein wirklich romantischer Name. Aber so romantisch wie es klingt ist es leider nicht, im Gegenteil. Das Dornröschen oder auch klein Lewin Sydrom ist eine weitesgehend unerforschte, myteriöse und bis jetzt unbehandelbare Krankheit. Sie tritt meistens urplötzlich ab den 6. Lebensjahr bei Betroffenen auf und verschwindet genauso unverhofft nach ungefähr 10-20 Jahren wieder. Wer unter dieser Krankheit leidet schläft wie der Name es vermuten lässt unglaublich viel. Über einen Zeitraum von drei Monaten um genau zu sein. In dieser Schlafperiode wachen die Betroffenen nur 1 bis 3 Stunden am Tag oder sogar nur alle 3 Tage auf. In dieser Zeit kann man sie jedoch kaum als wirklich wach bezeichnen. Die Erkrankten verhalten sich in dieser Zeit wie Kleinkinder sind anhänglich, quengelig und haben eine sehr kleine Aufmerksamkeitsspanne. Außerdem leiden sie unter Fressattacken um ihren Energiehaushalt zu füllen. Endet die kurze Wachzeit in der Schlafperiode wieder können sie sich an nichts mehr erinnern was sie im halbwachen Zustand getan, gedacht, gefühlt oder gesagt haben. Bis zur nächsten Schlafperiode sind Betroffene jedoch in der Lage ein weitestgehend normales Leben zu führen. Aus diesem Grund lebte die Schwarzhaarige schon immer zurück gezogen in ihren kleinen, abgedunkleten Zimmer. Das einzige Licht kam von ihren Computermonitoren. Computer...Technik, das war das einzige was sie kannte und worin sie wirklich unglaublich gut war. Neben der einschneidenen Erkranung kämpfte ihre Körper mit den Folgeerscheinungen. So war sie zum Beispiel nicht wirklich fit und besaß auch kein bisschen Ausdauer, was ihre Figur nicht vermuten ließ. Dazu kam das ihr Imunsystem genauso im Arsch war wie der Rest ihres Lebens. Tjaa... ihr Los wollte man wirklich nicht tauschen. Und doch, war diese kaputte junge Frau die Person die Matt hier am nähsten stand.

      "Hey du! Was machst du hier? Du gehörst doch gar nicht in diesen Sektor der Einrichtung." Mist! "Tja, hättest du nicht so lang vor Salems Tür geschmollt hätte dich auch keine Schwester bemerkt! Ich war nie so dumm gewesen..." Eigentlich mochte der Platinblonde Hermes aber in diesen Momenten war er keine große Hilfe. Wie fast immer. Ja genau, die Stimme in seinen Inneren war Hermes Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst, der Gymnastik und somit auch der Palästra und der Magie. Der perfekte Partner für einen begabten jungen Zauberer mit Hang zur Kleptomanie. "Ja, ich weiß ich-" Begann Matt zu beschwichtigen und setzte ein undschuldiges Lächeln auf. "Ich wollte nur nach Salem sehen. Die Neuen kommen doch an. Wir sollen sie begrüßen und weil sie nicht unten. Es wurde sich schon Sorgen gemacht und ich sollte halt mal nachsenen." Es war schon immer von Vorteil gewesen, dass Matt nicht nur flinke Finger hatte sondern auch mit Worten jonglieren konnte. Da er das Meiste was er hier geklaut hatte mit einen Engelsgesicht wieder zurückgegeben und die richtigen Worte gefunden hatte, verfügte der Junge über eine Art Freifahrtschein. Zumindest hatte er mehr Freiheiten als anderen Patienten. Es vertrauten ihm sogar einige Plfeger, was wirklich die dümmste Idee war. Die Pflegerin kam nähr gestapft. "Das ändert nichts daran, dass du eigentlich nicht hier sein darfst. Außerdem hat ihre Schlafphase begonnen. So schnell wird die junge Damen niemanden begrüßen können." Na ach nee. Das war ihm auch klar. "Ja, das richte ich unten aus. Also...ich mach mich dann mal los." Bloß weg hier! "Nicht so schnell junger Mann!" Ahh, verdammt. "Was ist denn noch?" Sie wollte doch das er ging und jetzt war es auch nicht recht? "Wenn ich dich nochmal hier erwische oder heraus finde das du gelogen hast-" begann sie mit drohnden Unterton. "Ja,ja. Ich weiß schon. Dann geht es mir hier sehr viel schlechter. Hören Sie, ich hab und hätte nie im Sinn hier Unruhe zu stiften und so meine hart erarbeiteten Privilegien zu verlieren." Winkte der junge Mann ab.


      Natürlich war es damit nicht erledigt gewesen. Man sollte meinen Matt war ein großer Junge, aber es musste extra ein Plfeger seines Sektor kommen und ihn abholen. Bis kurz vor den Spiesesaal gebracht zu werden kam ihm fast albern vor. Es hatte etwas von der Zeit in der seine Mum ihn noch zur Schule gebracht hatte. "Und? Wo ist mein Abschiedskuss?" grinste er. "Übertreib es nicht Matt." Der Platinblonde seufzte. "Oh ja, ist ja gut. Ich dachte ein kleiner Scherz am Morgen hebt ihr Gemüt. Dann bleib ich halt ernst." Es gab auch Pfleger die darüber lachen konnten. "Und glaub ja nicht das du die Neuzugänge bestehlen kannst. Sie mussten ihre Sachen schon längst abgeben." Dieser Kerl kannte ihn zu gut. Dabei war das doch genau der grund weshalb er sich über neue Gesichter so freute. "Ich hab es verstanden. Stehlen und sei es nur für den Adrenalinschub ist nicht in Ordnung. Kann ich jetzt gehen? Wenn ich noch länger warte sind die guten Plätze im Empfangskomitee weg." Matt hatte es gewusst, dieser Tag war wirklich scheiße.

      Noch immer schlecht gelaunt machte er sich in den Spiesesaal und ließ sich auf einen freien Stuhl fallen. Es waren noch einige Plätze frei doch obwohl es so früh war, sahsen schon einige bekannte Gesichter hier. Super, nun konnte er hier sitzen und Däumchen drehen. Wie langweilig. Nun hangen sie hier alle hlab verschlafen rum. Es blieb auch recht still bis plötzlich Jasmin, ein Mädchen was er aus einer Gruppensitzung kannte, recht laut und unsanft auf einen Platz gebeten wurde. Bis sich die Plfeger wieder etwas entfernte machte er nichts, starrte einfach stumm gerade aus. Bis - "Ich glaub die Kleine will was von dir. Riskier doch mal einen Blick zu ihr rüber." Was sie wohl wollte? Ohne den Kopf zu bewegen blickte der junge Mann zu ihr herüber, nur um festzustellen das sie ihn so unauffällig wie möglich in die Hand legte. Aus Reflex schloss er schnell seine Hand und ließ in einer beinläufigen Bewegung den Gegenstand in seiner Jackentasche verschwinden. "Sie scheint sich ja sehr zu freun, das du es angenommen hast." bemerkte der Gott weshalb sein Träger nur seufzend die Augen verdrehte. Hier nahm man lieber was man kriegen konnte, das hatte nichts mit mögen zu tun. Aber, Jasmin war schon eine der angenehmeren Miteinsass- Patienten.

      "In this world there are only corpses and future corpses,who cares if someone hates you...you'll both be dead one day anyway."


    • Naomi

      Der Wecker klingelte um 6:30. Gleichzeitig stöhnten Naomi und Aphrodite auf. Sie waren beide keine Frühaufsteher. Halb sieben Uhr morgens war einfach noch nicht die richtige Zeit, um aufzustehen.

      Naomi stellte grummelig den Wecker aus und vergrub ihren Kopf unter die Decke. Das Gefühl vom warmen Bett war eines der wenigen Dinge, die sie an diesem Ort ein wenig mögen konnte. Es gab ihr ein Gefühl von Normalität, die sich im restlichen Gebäude nicht finden ließ. Das Gebäude hatte eine merkwürdige, unruhige Energie und es sah ihr alles einfach zu klinisch aus. Auch Aphrodite als großer Fan von Schönheit, Gemütlichkeit und Ästhetik gefiel das Gebäude nicht gerade. Eines der Dinge, die sie gemeinsam hatten.

      Gestern war ein guter Tag gewesen, keine Migräne gehabt, Aphrodite hatte sie relativ in Ruhe gelassen. Sie führten eine Hass-Liebe-Freundschaft miteinander. Auf der einen Seite konnte Aphrodite ziemlich aufdringlich sein - ständig wollte sie im Mittelpunkt ihres Lebens stehen. Sie war ständig gefühlsgeladen, mal betrübt, dann unglaublich glücklich, im nächsten Moment wütend oder beleidigt. Auf der anderen Seite war sie eine unglaublich gute Hilfe darin gewesen, Naomi in Liebesangelegenheiten zu beraten und zu unterstützen. Sie hatten sogar einen ziemlich ähnlichen Männergeschmack. Außerdem hatte Naomi von Aphrodite gelernt, wie man von anderen Leuten das bekommt, was man sich wünscht. Ein Dummchen war die Liebesgöttin definitiv nicht.


      Naomi stand auf und machte sich für den Tag fertig. Unter der Dusche summte Aphrodite in aufgekratzter Stimmung Lady Marmalade in Naomis Kopf. Aphrodite hatte -warum auch immer- mit der Zeit Freude an 2000er Pop bekommen. Naomi stöhnte auf. Den selben Musikgeschmack teilten sie nicht.

      "Wenn du schon so laut singen musst, kannst du dann nicht wenigstens ein vernünftiges Lied auswählen?", sprach Naomi laut aus. Aphrodite konnte Naomis Gedanken lesen, aber manchmal, wenn Naomi mal wieder von Aphrodite genervt war, sprach sie die Gedanken laut aus, um sich selbst die nicht vorhandene Dominanz gegenüber Aphrodite zu beweisen. Außerdem gab es dem Mädchen das Gefühl von mehr Ordnung und Kontrolle, wenn sie ihre Gedanken gelegentlich laut aussprach. Aphrodite konnte Naomis Gedanken und Gefühle mit ihrer ständig wechselnden Stimmung in ein ziemliches Chaos führen. Die Launenhaftigkeit von Aphrodite machte Naomis Leben manchmal fast unerträglich. Aber nichts war aktuell so unerträglich, wie dieser furchtbare Ort mit dem hässlichen Boden. Sie hätte damals einfach die Klappe halten sollen und niemandem von Aphrodite und ihren telepathischen Gesprächen erzählen sollen. Das war nun der Preis, den sie für ihre Offenheit zahlen musste. Sie gehörte nicht hierher, in dieses Irrenhaus. Irre Menschen gehörten hierher, nicht sie, dachte Naomi sich immer und immer wieder.

      Naomi stieg aus der Dusche und schlüpfte in ihre Kleidung, die sie sich bereits gestern Abend herausgelegt hatte. Aphrodite war nun völlig in Fahrt und sang mit lauter Stimme "Gitchie, Gitchie, yaya, dadaaa". Die einzige Möglichkeit, den Gesang von Aphrodite halbwegs zu überhören war es, Musik anzuschalten und sehr laut aufzudrehen. Aber selbst das funktionierte nur, wenn es in Ordnung für Aphrodite war. Wenn Aphrodite mal wieder im Mittelpunkt stehen wollte, konnte die Musik gegen ihre göttliche Stimme nicht ankommen.

      Fertig angezogen betrat sie den Speisesaal und grüßte einen ihr bekannten Jungen, der an ihr vorbei lief. Sie schaute sich im Saal um und erblickte Zarife, die auf einem Stuhl saß und gedankenverloren in die Gegend starte. Sie ging zu dem Mädchen und begrüßte sie mit: "Na Liebes, was schaust du denn schon wieder so verträumt durch die Gegend?"
      <3 Be the change you want to see in the world. <3
    • __oounabara_to_wadanohara_drawn_by_iceblue__sample-eeef3c69b9d5b3bf8609294659813c2c.jpg





      Montag 5:30

      "Der griechische Meeresgott Poseidon ist von großem und mächtigem Körperbau. Das heißt, er überragt die Menschen um ein Vielfaches. Wallendes Haar und ein voller Rauschebart umgeben sein markantes Gesicht. In jungen Jahren war seine Haarfarbe dunkelbraun, aber nun über die Jahrhunderte hinweg leuchtet es silbern wie die Schaumkronen des Meeres bei Vollmond. Man kann auf den ersten Blick erkennen, dass bei einem Kampf, wohl Poseidon als Gewinner abschließen würde.
      Poseidon trägt ein langes, wallendes Gewand, vorzugsweise in den Farben türkis und petrol und hat immer seinen typischen Dreizack in der Hand." ,
      las sie silberhaarige vor sich hin. Wie lange war sie schon in diesem Gefängnis und dem Gott, namens Poseidon gefangen? Würde sie je wieder das Meer sehen, oder die Salz Luft riechen?
      Still blickte sie in den Spiegel und suchte nach Ähnlichkeiten, welche sie mit dem Meeresgott beisammen hatte. Silbernes Haar, hatte sie schon immer gehabt und ihre Augen waren seit dem sie denken konnte azurblau. Mit einem Rutsch hatte sie sich von der Bettkante gleiten lassen und fragte sich, ob es wohl irgendwann einen Ausweg geben würde.

      "Immer langsam mit den Pferden. Du willst doch nicht in Schwierigkeiten geraten oder?", rauschte ihr durch den Kopf und Asashio zuckte zusammen. Sie hasste diese unbekannte Stimme in ihrem Kopf. Wieso musste sie ihn oder es hören?
      "Ich werde sicher nicht unüberlegt handeln.." flüsterte sie in den leeren Raum und bereute sofort die Antwort. Mit einer Stimme in ihrem Kopf zu sprechen, war doch völlig dumm. Ihre Hände legte sie sich ins Gesicht und schüttelte leicht ihren Kopf.
      Was dachte sie sich dabei?
      mit schleifenden Schritten, hatte sie sich ins Bad begeben und wusch sich ihr Gesicht, um den Schlaf aus ihren Augen zu entfernen.

      Wie lange war es her, dass sie mal mehr als 4 Stunden geschlafen hatte? Wann hatten die Alpträume begonnen und wann hatte man beschlossen, sie in eine Anstalt zu schicken? Nachdenklich, hatte sie sich umgezogen und schlug das Buch zu, welches sie unter ihrem Arm Platz gefunden hatte, als sie losging um zu Essen.

      Menschen...
      Noch nie liebte sie die Menschen. Ihre Blicke, oder gar manche Gerüche welche an ihnen hafteten machten ihr zu schaffen.
      Ihre Augen ließ sie über die Kinder, oder Jugendliche gleiten und versteifte, als sie sie als eine gruppe sah. Sie waren werde Verrückt, voller Pain, oder anderweitig äußerlich gefährdet. Wieso waren sie hier? Vielleicht, waren sie aus dem gleichen Grund wie sie da?

      Schnell hatte sie ihren Kopf geschüttelt um nicht auf falsche Gedanken zu kommen und nahm mit ihrem Tablett ihr Frühstück auf.
      Ihr Buch hatte sie neben den Teller gelegt und machte sich zu einem leeren Platz, um dort über die Person zu reden, welche sich einst als `Poseidon 'vorgestellt hatte.

      "Poseidon herrscht über das Meer und damit auch über die Gezeiten. Bei guter Laune lässt er neue Inseln in den Ozeanen entstehen und Seefahrer können sich über guten Wind und eine glatte See freuen. Wenn Poseidon allerdings erzürnt ist, schlägt er mit seinem Dreizacke auf das arme Meer ein und lässt es sich aufbäumen, hohe Wellen schlagen und sogar Beben auslösen. Seefahrern hilft dann nur noch ein Gebet und die Hilfe anderer Götter.
      Poseidon lebt in einem prächtigen kristallenen Palast in den tiefsten Gründen des Meeres."

      "Was für ein launenhafter Gott.", murmelte sie, als sie in einen der Äpfel biss.


      Und am Ende, sind Versprechen, doch nur Wörter

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Melu ()



    • Sieben elendige Tage. Sieben geheuchelte Tugenden und "sieben" Todsünden, - wollte man Vertrauen und den daraus resultierenden Verrat geflissentlich ignorieren - sieben Zwerge und sieben nicht minder krankhafte Verrückte. Und Verrückte erschien dem Halbwüchsigen gänzlich untertrieben. Über alle Maße. Die Zahl schien Flüche sowie gewisse Segen - welche auch immer darin inbegriffen sein sollten - zu bewahren - wobei, vermutlich um das exquisite Geschenk der Fortuna dadurch mehr auskosten und schätzen lernen zu wissen - das Glück ungefähr die Rarität oder besser, das Phänomen einer Schneeflocke im Sommer innehielt und eigentlich stets mit höhnender Abwesenheit brillierte, jedenfalls in seinem Fall. Und davon gab es viele, viele Fälle. Àri übte seine introvertierte Wachsamkeit gerade so unauffällig darin, hinlänglich Zeit damit zu vergeuden, den unerwarteten Anblick einer freigelassenen Harpyie zu verarbeiten. Ein Ungeheuer-Saurus von Mensch, die in den letzten Tagen durch euphorische Eskalation á la „durchschlagende Argumente“ nahezu tänzelnd ein Viertel Pfleger ins Hospital befördert hatte - und 16 (-4) davon mutete doch ein ziemlich signifikanter Mangel an Fach-Kompetenz an. Wer würde denn seine Sicherheit garantieren, wenn vorher jegliches Sicherheitspersonal handlungsunfähig würde? Vermutlich wie die pochende Ader der Gegenwart - nämlich niemand. Herzlichen Glück-schlumpf. Ein bisschen kam er sich vor wie auf einem albernen Musical, grotesk verzerrte Szenerie, deren Laien zwanghaft versuchten die Atmosphäre zu beschönigen, obgleich die unlängst gescheiterte Improvisation den Zuschauern vielleicht ein bisschen mehr als einen mitleidigen Applaus abgewinnen konnte - für die Mühe und die Arbeit, die sie sich gemacht, gegen Ende aber nicht gelohnt hatten. Ohnehin befand der Dunkelhaarige angeordnete Fröhlichkeit zuwider, und er hasste es, wenn andere seine instinktive Fluchtdistanz unterschritten und ihm näher bis auf eine Armlänge kamen - und mit jedem eintretenden Zellunfall schien sich die Chance auf eine adäquate Abstandsregelung zu dezimieren. Oft genug erweckte sogar das Essen den Eindruck einer Garküche zu entstammen, bei der er sich unwillkürlich gefragt hatte, ob es nicht ästhetischer, vielleicht obendrein gesünder wäre, den Koch zu essen statt dem, was dieser den Insassen zu servieren zumutete. Nur ein Gedanke.... Nicht, dass ER die Umsetzung wirklich für reell begriff, aber bestimmt - ganz sicher - gab es zwischen diesen wandelnden Gewebehaufen einige, die diese Idee im Walle ekstatischer Vorfreude präferierten. Àri schüttelte resigniert den Kopf. Niemand hat gesagt, dass es leicht wird, ja. Es hatte ihm aber auch niemand gestanden, dass sich die Prüfung schlichtweg aus der Fügung von "Ertragen" und "Aushalten" ergab. Ohnmacht. Manchmal glaubte er, unter der Komplexität des Lebens zu zerbrechen, die auf den Schultern eines viel zu jungen Wesens lastete. Etwas streifte sein Haar - diesmal war es kein Wind, kein Blick, den man fälschlicherweise für eine Berührung hätte halten können, weil es ungefähr die gleiche unangenehme Penetranz einer verflossenen Liebe maß -, und ließ den Jugendlichen halb erschrocken herumfahren. So viel zum Thema Anstand. "Ich könnte ohne Weiteres dein Vater sein." konstatierte die rostig krächzende Resonanz eines alten Mannes, von der er hätte annehmen können, einem Sägeblatt zu entsprechen - offenbar fühlte sie sich einem Holzfäller aus dem Zeitalter des Mittelalters zugehörig. "Und ich weiß, dass Sie es nicht sind." ereiferte sich der Sonderling unwirsch zu entgegnen, wobei jeder (normale) Mensch die Leidenschaft väterlicher Liebe bei seinem Erzeuger sicherlich leichthin - ohne jedwede größere Bemühung - überbieten könnte. "Grausam." Der zu Unrecht Festgehaltene bedachte den Fremden eines so verstörten Blickes, dass Selbiger die Sinnlosigkeit dieses Dialogs mit der Sehnsucht nie verwirklichter Träume zu verwechseln schien. Wortlos gab Àri den errungenen Sitzplatz auf, empfand er die Gegenwart des Unbekannten dann doch irgendwie kafkaesk, als sich freiwillig länger mittels desillusionierte Niedergeschlagenheit beeinflussen lassen zu wollen und erblickte im gleichen flüchtigen Wimpernschlag einen mehr oder minder Gleichaltrigen, dessen Müdigkeit seinen Kopf in den Schlaf gebettet hatte. Gerade zum Stehen gekommen, der Insasse erbarmte sich tatsächlich die Norm bemühter Sozialkompetenz zu berücksichtigen, wollte er den Jungen leicht an der Schulter antippen, als die schweren, anrollenden Schritte des Panzers den Boden in eine Art Vibration zu versetzen schienen, - vielleicht versuchte sie ja den Rekord "einzig lebende Dampfwalze" zu überbieten - während sie ihre Fülle durch die zu schmale Tür zwängte und Àri ein panisches Stoßgebet aussandte, dass sie doch bei Gott nicht möge, zwischen der Falzbekleidung stecken zu bleiben, bevor sie in ihrer Panik die Wände gleich einer Abrissbirne herauskatapultierte und auf Grund der Verdrängung ihrer Masse schließlich das ganze Gebäude drohte, einzustürzen. Abermals gewillt den Auberginehaarigen aus der zarten Verwebung träumerischen Erfindergeist zu locken, tauchte hinter dem femininen Asteroiden ein weiterer, genauso wenig willkommener Komplize auf, welcher seine Zielscheibe freudscher Triebe unmittelbar hatte selektiert. "Gibt es ein Problem, Auri?" säuselte das leoncsché Stimmchen maßlos überzuckert, wenngleich mit dem humorlosesten Lächeln, dass ein Lebewesen überhaupt vermochte zustande zu bringen, durch seine nun gepeinigten Gehörsinne. Der Fluchtalarmierte schien erfolgreich verführt, der ostentativ herbeigeführten Provokation ihre unterschwellige Machtdemonstration entgegenzuwirken und quittierte die Herausforderung eines genervten Augenrollens. "N-nein…." gewahrte der Jugendliche in untypisch devoter Tonlage seine eigene Unterwürfigkeit, ehe auf der Leinwand schwarz runder Tropfen plötzlich ein entschlossener Kampfgeist aufflammte. "Hmpf. Wieso? Haben Sie eins oder wollen Sie eins?“ war wohl die undiplomatischste Anbeifügung, die Àri inmitten der Unendlichkeit eines Herzschlages einfallen konnte, und DAS Stichwort, womit der moderne Gardist für Recht und Ordnung endlich Àris Untergang herbeiführen durfte. Mission complete. Oh wie gerne hätte er sich selbst geohrfeigt… Vermutlich hätte sogar der Narzisst selbst ihn für schlauer gehalten.
      Das Lächeln - einem besorgniserregenden Temperatursturz gewichen, der innerhalb markant besaiteter Gesichtskontur eine Landschaft aus Eis offenbarte und die Blitze im Grau kalter Winterstürme erahnen ließen, dass der Ausgang effektiver Manipulation auf der vernichtenden Erkenntnis endete, subliminaler Botschaft Folge geleistet zu haben, marschierte der nymphomane Pornostar - sollte man die von Zeitung kaschierten Pornohefte erwähnen, die sich der Typ jede Nacht wegen fehlender Befriedigung gab - auf die Leidensgenossen zu und spießte die Zwei gleichermaßen eines eiszapfenspitzen wie auch tödlichen Blickes auf. Unsanft ergriff die Hand des Pflegers das Haar des Schlummernden und zog dessen Kopf so grob zurück, dass dieser beinahe gegen die Stuhllehne geprallt wäre. "Schlafen kannst du bei Nacht, verstanden? Erinnert euch daran, weshalb ihr hier seid.“ zischte der Mann derart abfällig, als würde er mit dem Abfall der Gesellschaft verkehren – und ginge es nach seiner Meinung, tat er das vermutlich auch. „Wieso? Sie sind doch auch hier.“ Natürlich hätte er sich diese unsinnige Bemerkung sparen, und die Klappe halten können. Und natürlich hätte er auch nie versuchen müssen, sich umzubringen. Aber manche Ursachen (oder Menschen) … wollten nun mal schlichtweg herausgefordert werden. Dabei übersah der Dunkelhaarige – womöglich sogar ignorierte – die Problematik der Kollektivbestrafung und zog den Unschuldigen zu seiner Linken in ungeahntes Eskalationspotenzial. Arí glaubte, das Omen einer maliziös vorausahnenden Vendetta innert funkelnder Augen menschlich angespannter Sexualbegierde zu erhaschen. Manche Dinge waren wohl in jeder Welt – oder Geschichte – gleich, egal welcher Zeit sie entstammten. „Aufstehen.“, befahl der verunfallte Play-Boy und stieß Peking – so meinte der Schwarzhaarige sich halbwegs an den Wortlaut zu entsinnen, auffordernd gegen die Stirn. Die vorbeistreichenden Sekunden, die man für gewöhnlich brauchte, um sich nach dem Aufwachen in fremder Umgebung zu orientieren, vor allem, wenn es nach einer der drei unangenehmen Arten des Erwachens geschehen war, schien dem Aggressionspegel des selbsternannten Staatsanwalts gerade genug gelegen, den Patienten überstürzt an der Schulter zu packen und hochzuziehen, ohne Àri dabei selbst einen Kinnhaken zu verpassen. Die gepeinigte Seele konnte nicht mal mehr die schemenhafte Bewegung, die die Schatten des Raumes für ebenjene Bruchteile hauchdünnem Blinzeln zu erhellen vermochten, erspähen, ehe eine Gestalt, so greifbar wie Erinnerungen selbst, aus der Tiefe des Schattens emporglitt, den Weißhaarigen einen Stoß versetzte und ihn mitsamt Peking zu Boden riss. Der Kopf des Jungen traf den Sonderling beinahe so hart, wie es ein geführter Hammer mittelalterlicher Schmiede tat, der kraftvoll auf das Metall eines zu formenden Schwertes eingeschlagen wurde, derweil er sich der Illusion wähnte, das Glockenspiel seines Dorfes zu vernehmen, dem er früher immer hatte freudig gelauscht. Die flügelnde Ewigkeit vermeintlicher Ohnmacht ließ ihre grenzenlosen Herzschläge allmählich wieder erwachen, und das Einzige, was seine Sinne in jenem Augenblick erfuhren, war ein von Zorn erfülltes Fluchen. Als Arí so langsam wieder zu sich kam, obwohl er selbst daran zweifelte, jemals ganz weggetreten zu sein, erblickte er zwar gänzlich ahnend, jedoch noch immer verschwommen den auf ihm liegenden Jungen. „Ihr verdammten…!“ schnitt die verbale Klinge erboster Rachegelüste die weitaus unangenehmere Stille, „Ich werde euch…!“ „Ichiré, das reicht. Es war ein Unfall. Lasst es darauf bewenden – und begebt Euch in Behandlung, bevor Eure blutende Nase noch zu mehr Schaden kommt.“ Aha. Dann war er also nicht der Einzige, dem ein Hammer gegen den Kopf geprallt war, nur mit der seichten Nuance, dass sein Antlitz keine Verrückung der Symmetrie erfahren hatte, soweit er selbst beurteilen konnte. Schwankend richtete sich der Weißhaarige auf, schien den Blick rachsüchtig über jedes einzelne Individuum schweifen zu lassen, gegebenenfalls schickte er allen Teilnehmern, die Zeuge fach-inkompetenter Blamage wurden, eine gedankliche Morddrohung, und verließ ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren, den Speisesaal. Ruhe vor dem Sturm. Vorerst. Es dauerte ein paar weitere Pulsschläge, bis sich Àri gesammelt hatte und der ziehende Schmerz in seinem Denksystem sukzessive nachließ. Entgeistert musste er feststellen, dass der Typ bisweilen keine Anstalten, der Distanz Beschaffenheit zu verleihen, hatte getätigt, die auf eine baldige Entlastung seines Oberkörpers schließen mochte. „Sag mal Elfenjunge, willst du jetzt auf mir weiterpennen oder was? Bück dich mal hoch und geh – von – mir – runter!“ murrte der Sonderling ein bisschen schroffer, wie er eigentlich hatte klingen wollen, doch die Tatsache, im Mittelunkt des Aufsehens zu stehen, machte ihn innerlich verrückter als die Situation in ihrer Absurdität selbst pflegte zu tun.


      @TheBentoFox
    • Escur Addams
      Leise amüsiert vor sich hin summend, zählte der überaus gesellige Zeitgenosse die Schritte vor seiner Tür. Die Schritte der Pfleger und Patienten gleichermaßen. "Tap, tap, tap~", kommentierte er den Rhythmus eines Patienten, den er noch nicht zuordnen konnte wie alle anderen, während der liebreizende Mister Addams darauf wartete, dass sich auf den Gängen alles beruhigte, damit auch er endlich aus seiner kleinen zellenartigen Einrichtung hinaus gelassen wurde um das Essen anzutreten. Nur weil er als etwas seltsam aufgefasst wurde, vielleicht mit einer feinen Prise eines Psychopathen, wurde in den letzten Jahren nach etwaigen Vorkommnissen der junge Mann unter so viel Regeln und Einschränkungen gestellt, dass er sich nur geschmeichelt fühlen konnte. Wie ein Popstar unter einer Horde Irrer fühlte er sich. Als auf der anderen Seite der Tür er die Schritte zweier kräftiger Pfleger vernahm, wie sie vor dieser hielten, saß Escur in einem überaus entspannten Schneidersitz auf seiner Seite auf dem Boden und lehnte sich genüsslich zurück, die Hände hinter sich abstützend. "Du kennst das Prozedere.", vernahm er sehr dumpf die raue Stimme eines Mannes, die ihm selbst ein kleines Kichern entlockte. Wie weit stand er wohl von der Tür entfernt in diesem Moment? "Sag 'Bitte'~", säuselte der blasse Junge beinahe lieblich zurück, bevor er noch zusätzlich die Anweisung an ihn nur all zu gerne zitierte. "Du kennst das Prozedere.."
      Das Gespräch dieser Kandidaten sollte sein Ende durch die grobe Kraftdemonstration des Pflegers finden, welcher sehr kraftvoll gegen die Tür schlug um wohl seinen Standpunkt fest zu machen. Den Standpunkt, wie schwach er war und sich deshalb nicht zu ihm hinein traute, solange er nicht mit dem Gesicht zur Wand stand? "Kinky.." Dem lustvollen Lächeln auf seinen Lippen tat es keinen Abriss, doch er stellte sich bereit dem Mann die Dominanz zu zusprechen, die er versuchte sich auf solch wahrlich menschliche Art und Weise zu ergattern. Diese Freude würde er ihm heute machen, so wie jeden Tag mit mehr oder weniger viel Spielchen. Betont langsam stand er vom Boden auf und streckte erst einmal genüsslich seinen Körper durch, bevor er sich dem Prozedere, wie dieser Mann es genannt hatte, ergab und hinüber zur Wand neben seinem Bett stellte. Hände hinter dem Kopf. Stirn an der kalten Betonwand. Beine auseinander. Eine Position, die Escur lieber einem knackigen jungen Mann vor sich zusprach für ein paar Stunden innigster Zweisamkeit, wenn er ehrlich war. Doch wie erwähnt: Die Rechte des Patienten, wie sie ihn nannten, waren eng beschränkt auf das Nötigste und eher würden die Pfleger in seiner Gegenwart sterben, als ihm einen Gefallen zu erweisen. Nicht... dass Escur ihnen diesen Todeswunsch nicht sofort erfüllen würde, im Fall der Fälle. Er war doch so ein Gutmensch.
      Die Tür öffnete sich und obwohl die beiden Männer den totenblassen Jungen direkt vor sich an der Wand erkennen konnten, blickten sie sich vorsichtig um, bevor der Kleinere von beiden das Tablett mit seinen Beruhigungstabletten Escur zwischen seine gespreizten Beine auf den Boden lag und direkt wieder den Abstand suchte. "Schlucken.", kam es als kurze Anweisung worauf das Grinsen auf seinen eigenen Lippen nur größer wurde. Er genoss diese Aufmerksamkeit, die man ihm entgegen brachte. Er genoss den Respekt vor seinem Wahnsinn. Er genoss den gesamten Aufenthalt in dieser Einrichtung schon seit vielen Jahren und er genoss seine Spielchen, die er mit den Wärtern treiben konnte Tag für Tag. "Das ist sonst mein Text.." Mit diesen Worten ging Escur Addams auf die Knie und griff wie ihm befohlen wurde nach den Tabletten, die er direkt schluckte, bevor er sich zu den beiden Männern umdrehte und sie grinsend musterte. Er öffnete seinen Mund und leckte sich luzid über die Lippen, damit die Männer der Runde auch gut jeden Millimeter seines Mundraumes kontrollieren konnten. Dieser Akt war vermutlich der Einzige, den der Wahnsinnige nicht nachvollziehen konnte. Wieso sollte er freiwillig auf dieses wohlige Gefühl verzichten, welches diese Tabletten ihm verschafften? Es ging den Ärzten hierbei zwar um Kontrolle über seinen Körper, doch verstanden sie wirklich nicht, was für eine Genugtuung sie in ihm mit diesem Wunsch auslösten? Ganz abgesehen davon, dass ein müder Körper niemals seine brennende Leidenschaft im Inneren stoppen könnte, wenn er es denn wirklich wollen sollte. So sehr sich die Pfleger bemühten - in Gegenwart Escurs fehlte ihnen so viel von ihrem Selbstbewusstsein. In der Auslieferung seiner Blicke fühlten sie sich unwohl ganz ohne sein Zutun. "Können wir dann, meine Herrschaften?" Mit dieser Frage kam ein erneuter Versuch der Dominanz - ein erneuter Schlag neben die Wand gleich neben Escurs Kopf, welcher ihn glatt sich fordernd auf die Unterlippe beißen ließ. "Ich steh drauf, wenn du so bestimmend bist...", seufzte er dem Mann leise entgegen, während dessen Partner sich die Hände des Patienten griff und hinunter zog um die mit einem Seil vor seinem Körper zusammen zu binden. "Gehen wir.", ertönte es erneut von dem Stillen, welchem er beinahe ein Mangel an linguistischen Fähigkeiten zugesprochen hätte, während er den Patienten hinaus auf den nun leeren Flur stieß und die Tür hinter ihm verschloss.
      Kurze Zeit später fand er sich ordnungsgemäß im Speisesaal wieder. Damit die Pfleger sich schnell wieder anderen Dingen zuwenden konnten, drückte der Größere seine Hand grob in den Nacken von Escur um ihn zur Essensausgabe zu führen - zur süßen festen Scheibe, die die Angestellten von den 'Verrückten' trennen sollte. Gerade als er sein Tablett mit dem vorbestimmten Essen bekam - am heutigen Tag ein Pudding mit einem kleinen Löffel, damit er auch ja nichts 'Dummes' anrichten könnte, wie sie es nannten - schien ein wahrer Tumult zu beginnen, den Escur beinahe mehr genoss als die feste Hand, die ihn hielt. Zeit für einen Spruch für seine reizenden Begleitungen hatte er nicht, denn sein Blick hing gebannt an dem Schauspiel zwischen einem Jungen, welcher einer Märchenfigur ähnelte, und seinem dunkelhaarigen Begleiter, bei dessen Anblick sich der Blutliebende grinsend auf die Zunge biss. Vor ihnen ein älterer Mann, welcher bei aller Liebe nicht in dieses ästhetische Bild vor seinen Augen passte.
      Namen kannte Escur keine, denn erst heute nach langen langen einsamen 2 Monaten sollte er wieder ein Teil einer Gruppensitzung beiwohnen dürfen - um so mehr erfreute ihn das Bild des Frischfleischs in seinen Augen, welches er nur all zu gerne von den Knochen abgeschabt hätte um sein Inneres zu erblicken. Gerade als der weißhaarige Sonderfall mit seinem Essen zu einem Platz geführt werden sollte, ließ einer seiner Pfleger ab um dem Aufruhr ein Ende zu setzen. "Ichiré, das reicht. Es war ein Unfall. Lasst es darauf bewenden – und begebt Euch in Behandlung, bevor Eure blutende Nase noch zu mehr Schaden kommt." Er konnte sich nicht helfen, doch alles an diesem Anblick entzückte ihn. Der Pfleger, welcher nun alleine mit Escur war, sah ihn ernst und eindringlich an, wenn nicht gar ermahnend, während dieser nur ihm ein wenig näher kam und nach einem kurzen "...Buh!", und einem durchdringenden Lachen, welches man nicht aus einer dunklen Gasse hören wollen würde, seinen Weg hinüber zum, nun leider ein Ende gefunden habenden, Spektakel antrat. Vor den beiden Jungen, die nun sehr ulkig anzusehen ineinander verstrickt waren, kam er zum Stillstand und gerade als seine Pfleger den Mann, mit den zusammengebundenen Händen und der flüssig-ähnlichen Nahrung, weiter führen wollte, machte dieser unweigerlich klar, wer von ihrer kleinen Konstellation das Sagen hatte. Ganz ab von der beruflichen Situation zwischen ihnen.
      Escur ließ sich kurzerhand vorne über auf die beiden auf dem Boden kauernden Jungen fallen, auf dass sein eigener Körper wie eine Decke den elfenartigen Jungen bedeckte, und kopfüber er hinunter auf den Dunkelhaarigen blicken konnte. Seine Zunge tunkte er genüsslich in seine Puddingschale, die er unter sich hielt mit seinen eingeschränkten Händen. Sein Blick war eindringlich und sein Grinsen etwas, was man in einer solchen Einrichtung nur einem wahrhaft Irren zuschreiben konnte. "So früh am Morgen schon am Randalieren?~", säuselte er, während er seine Pfleger hinter sich nur protestieren hörte - jedoch nicht fühlte. Sie behielten ihren Sicherheitsabstand zwischen sich und dem blassen Körper, welcher schon seit Jahren keine Sonne mehr zu sehen bekommen hatte. "Escur, setz dich ordentlich an den Tisch und-", unterbrochen wurde der Mann von seiner ebenso reizenden Begleitung mit einem Klopfen auf seine Schulter. "Vergiss es. Lass ihn einfach essen, und wenn er einen der beiden anfasst, sperren wir ihn wieder weg und haben unsere Ruhe.", flüsterte er ihm zu, wenngleich die scharfen Ohren des blassen Patienten es trotzdem vernahmen. Damit spürte er seinen Sieg, und blieb bequem auf den Überbleibseln des Tumults zweier so hübsch anzusehender Jungen liegen. Die Haare des dunkelhaarigen Junges verlangten gerade zu danach sie fest zu packen und von einer Sekunde auf die nächste ärgerte er sich über diese Fesseln, die ihn davon abhalten sollten etwas zu tun, was seinen Charakter wieder spiegelte - während gleichermaßen schnell der Blick hinunter wanderte auf seinen Hals, welcher angesichts der Umstände ihm als viel zu rein in den Sinn kam. Es dürstete ihn geradezu ihn mit seinen blutigen Malen zu überwuchern und als sein neues Eigentum zu deklarieren - Dinge, die viel zu häufig vorkamen. Überall sah man Patienten mit Escurs Zeichen, seinem Namen oder ähnlichem in der Haut als tiefe Narben, aus vorherigen Interessensschüben, die dieser für andere empfunden hatte. Lange hielten diese Schübe zwar nicht, doch die Zeit mit ihm vergaß niemand - auch nicht die Wärter. Nun... gerade nicht die Wärter, von denen auch nicht wenige das Vergnügen hatten sein Mal zu tragen noch aus der Zeit, in der man ihn unterschätzte. Wortlos, geradezu nur mit den Blicken aus seinen kalten blauen Augen kommunizierend, starrte er ihn an, bis sein Blick auf seine Unterlage fiel. Nun zumindest auf das, was er von dieser entdecken konnte. All diese neuen Menschen, die er nicht zuordnen konnte, oder einfach nur vergessen hatte? Der Wiedererkennungswert seiner Mitmenschen hielt sich gering, so zumindest seiner Ansicht nach. Er würde sicherlich auch nach zwei Tagen vergessen, wie seine eigene Mutter aussah, bei seinem Gedächtnis.
      Wie ein Kind in einem Spielzeugladen betrachtete er die beiden für sich auserkorenen neuen Interessenspole, während er auf diese sehr unkonventionelle Art und Weise seinen Pudding zu sich nahm. Ohne freie Hand und ohne sein Tablett abzustellen war es immerhin betont schwieriger den Löffel an sich zu nehmen - wenn nicht sogar unmöglich. Und Escur hatte sich immerhin aktiv gegen die Nutzung eines Stuhles und eines Tisches und machte auch keinerlei Anstalten das demnächst zu ändern - ignorierend das das zusätzliche Gewicht seinerseits auf dem unteren Jungen eventuell als unangenehm empfunden werden könnte. "Worum ging der Streit? Um deine zarte Haut? Um sein Unvermögen dir die Zuneigung zuteil werden zu lassen, die du verdienst? Oder ist das märchenhafte Wesen zwischen uns gar ein Nebenbuhler? Erzähl es mir~"
      Als wäre es das Normalste der Welt mischte er sich ein und entschied für die beiden mit, dass er nun ein Teil von der Geschichte wäre, welche sich abgespielt hatte und er unweigerlich nicht 100% mitbekommen hatte.
    • original-3.jpg

      Trotz ihren Bemühungen ihre Gedanken weg von dem wiederkehrenden Traum zu lenken, liess sie das beklemmende Gefühl nicht los. Während sie versuchte sich an die Textstelle, die sie am vergangenen Abend gelesen hatte, zu erinnern und sich eben fragte, welche Konsequenzen sich aus den wohl berühmtesten Worten Nietzsches ‘Gott ist tot’ ableiten liessen , drängte sich eine allzu bekannte Stimme in ihren Hinterkopf. ‘Gott mag tot sein, aber deine Lieblingsgöttin ist noch immer wohl auf.’, flüsterte die Stimme, ruhig und klug klang sie. Zarife verdrehte unweigerlich die Augen. Welcher narzisstische Teil ihrer Selbst mutete sich an eine Göttin sein zu wollen? Immerhin musste die Stimme, die nur sie hörte, Produkt ihres eigenen Geistes sein. Oder nicht? ‘Ich kann nicht verleugnen wer ich bin. Aber ehrlich, Liebes, du solltest deine Aufmerksamkeit schleunigst Wichtigerem zu wenden.’ Es gab kein Entkommen, nichts konnte sie vor dieser Stimme verheimlichen, beziehungsweise vor sich selbst. «Wichtigerem… hm.», murmelte das Mädchen kaum hörbar. ‘Ja. Werde die du bist.’ Zarife seufzte leise. Die Stimme, die darauf bestand Athene genannt zu werden, neigte dazu geheimnisvoll und in Rätseln zu sprechen. Wohlmöglich war Zari heute aber einfach auch noch etwas zu müde und daher besonders lustlos, was die Unterhaltung mit der Göttin und das Verstehen derer Aussagen anging. Pseudo-Göttin. Nein, Zari hatte längst eine Erklärung gefunden, weshalb sich die Stimme, die sie seit dem Ableben ihres Vaters vernahm, ausgerechnet die einer griechischen Göttin war. Ganze Sommerabende lang hatte ihr ihr Vater aus Homers Illias und Odyssee vorgelesen, bis er dann am Ende des Sommers wieder einrücken musste und mit ihm die Sonne, die Wärme und Zarife Fröhlichkeit in einen langen Winterschlaf fielen. Zwar hatten sie verhältnismässig viel Zeit miteinander, für einen Vater, der in der Armee diente, aber doch nie genug. Zumindest Zarifes Empfinden nach. Bis er dann, vor einem Jahr auch im Sommer nicht zurückkehrte. Nur ein Sarg und ein lächerliches Abzeichen, welches Zarife erhielt. Zum Trost? Wenn ja, hatte es nicht viel gebracht.
      Auch ohne die Rückkehr ihres Vaters schien die Sonne wieder brennend heiss, die Abende waren hitzig wie eh und je und ja, selbst die griechische Mythologie erwachte in Zaris Geist zum Leben. Nur eben nicht auf die gewünschte Art und Weise. Es war kein sich Wegträumen und Eintauchen in eine mystische, fremde Welt mehr, sondern diese Stimme, die sie hierhergebracht hatte. An diesen Frühstückstisch, umgeben von Irren.
      Einem Reh ähnlich, blickte die Brünette schreckhaft auf, als ein rothaariges Mädchen einen kurzen Tumult auslöste. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber dennoch fuhr Zari bei jedem dieser Zwischenfälle zusammen. Angespannt knetete die Brünette ihre Hände im Schoss. Normalerweise beruhigte es sie, irgendwas, egal was mit ihren Händen zu machen.
      Erschrocken zuckte Zarife abermals zusammen, als sie eine Mädchenstimme ansprach und blickte verwirrt auf. ‘Liebes’ nannte sie sonst eigentlich nur Athene. Die Verwirrung in ihrem Gesichtsausdruck liess nach wie sie Naomi erkannte, ein blondes Mädchen, dem sie hier in der Klinik auch schon häufiger über den Weg gelaufen war. «Guten Morgen, Naomi.», grüsste sie die ‘Mitinsassin’ mit einem seichten Lächeln auf den Lippen, ehe sie die Schultern zuckte. «Was bleibt uns denn schon übrig, ausser zu träumen?», fragte die Dunkelhaarige zurück, während sie ihren Blick durch den Saal schweifen liess. Ihr Blick war eben zum Eingang gehuscht, als unweit von ihr die Hölle losbrach und ihr aufzeigte, dass einem hier tatsächlich auch noch, anders als eben noch angenommen, anderes übrigblieb als zu träumen. Aufmerksam, wenn auch mit undurchschaubarer Miene, verfolgte das Mädchen die Szene. Zarife glaubte die beiden, in diesem Augenblick ineinander verstrickten Jungs, an anderen Tagen hier schon gesehen zu haben. Allerdings merkte sich die Brünette kaum ein Gesicht ihrer Leidensgenossen, weshalb sie sich in diesen beiden Fällen doch nicht ganz so sicher war. Der Hellhaarige, der in strenger Begleitung eines Pflegers eintrat, hatte sie jedoch mit absoluter Sicherheit noch nie gesehen. Und seinem folgenden Verhalten nach, hätte sie sich definitiv an ihn erinnert, hätte sie einst das Vergnügen gehabt ihn kennenzulernen. Scheinbar wenig beeindruckt von dem Geschehen hob Zarife eine Braue und wandte ihren Blick von der Szenerie, die sich ihr bot ab. Vielleicht besser, nicht zu starren. «Träumen oder durchdrehen.», ergänzte sie ihre Aussage an Naomi gewandt. Ein müdes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel, wenn auch nur sekundenhaft, ehe sie an ihrem Glas Wasser nippte. Der wenig erholsame, unruhige Schlaf dieser Nacht machte sich allmählich schon bemerkbar. Zarife sass mit dem Rücken zu den Unruhestiftern und tat so als passierte gerade gar nichts Ungewöhnliches, dass sie aus der Ruhe bringen könnte. Tatsächlich wollte sie einfach nur um keinen Preis in irgendwelche, unangenehme Situationen verstrickt werden. Stattdessen liess sie also ihren Blick langsam über die vielen Gesichter wandern.

    • Perikin

      'Warum ich?' fragte sich der elfenhafte Junge, während er versuchte sich irgendwie ein Bild davon zu machen, wie bei allen Göttern er in diese Situation gelangen konnte. Eigentlich war es doch noch nicht allzu lange her, wo er zumindest versucht hatte noch eine Mütze Schlaf zu ergattern, nach seiner wiederholt schlechten Nachruhe.

      Aber an was konnte er sich erinnern?
      Während seines dringend benötigten zweiten Schlafes dachte eine bestimmte Person gehört zu haben. Nur eine einzige Person schien in dieser Anstalt dazu fähig zu sein, dass man sie an ihren Schritten, so man diese als solche bezeichnen wollte, erkennen konnte. Man kam sich vor wie im Krieg, dass diese Wuchtbrumme mit ihren Trommelschritten die anderen Pfleger zur Schlacht zusammenrief und gegen die Unbewaffneten Irren dieser Institution anführte. Wenn er es nicht besser wusste, hätte sie glatt Elfriede oder Hildegard heißen können, aber wirklich sicher, wie dieses Ungetüm hieß, war er nicht und weshalb es gerade diese Namen waren ebenfalls. Vielleicht verband er damit einfach nur einen ganz bestimmten Archetypen, wobei er allerdings nie jemanden mit dem Namen getroffen hatte. Warum sich allerdings die Lautstärke immer weiter näherte, zusammen mit anderen, die neben dem Getrommel eher untergingen, wusste er nicht.
      'Bitte, lasst mich doch einfach schlafen', waren die einzigen Gedanken des gepeinigten Langohrs.


      Dann aber erschrak er, nicht wegen eines Schmerzes, sondern auf Grund des plötzlich eintretenden Zuges an seinen Haaren, die ihn nach oben zwangen, "Schlafen kannst du bei Nacht, verstanden? Erinnert euch daran, weshalb ihr hier seid."
      'Hä, Was?' konnte er nur sichtlich überfordert von dem sich entfaltenden Moment denken, bevor ein anderer Junge, dessen Namen er grad nicht aus dem Gedächtnis hervorkramen konnte, schon mit dem Unpfleger anlegte, der Perikin so behandelt hatte. "Aufstehen" Zwar hatte er noch eine etwas unsanfte Erfahrung an seiner Stirn abbekommen, welche allerdings nichts gegen die immerwährenden Schmiedeschläge und seinen morgendlichen Weckdienst waren aber kurz darauf stieß er mit dem dunkelhaarigen Jungen zusammen nur um sich kurz darauf doch etwas verwirrt auf ihm liegend auf dem Boden wieder zu finden. Eine sichtlich verärgerte Aufforderung um diesen Zustand zu ändern kam von unter ihm. Verständlich, aber gar nicht so einfach, vor allem als sich dann noch ein sehr seltener Gast mit eigenem Personal zu ihnen gesellte und sich, warum auch immer, wie eine Decke auf ihn legte. Kurz die Augen schließend versuchte er tief durchzuatmen. 'Was ist hier bloß los?'

      "Gut, dass du Interesse an griechischen Gebräuchen hast, aber dachte nicht du stehst auf Kerle?! ... Warum stehst du nicht einfach erstmal auf?" kam eine irritiert wirkende Stimme in seinem Kopf zum Vorschein. Ernsthaft? Das ist sein Kommentar dazu? "Nein, man!" entfuhr es Perikin ausversehen, ohne auf die Unterhaltung, oder was auch immer gerade vor sich ging, einzugehen. Aber dann erinnerte er sich an die Worte, die Aufforderung, des Jungen unter ihm und von Hephaistos. Ja, das wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen. Müde streckte er sich und gab kurz einen beinahe hellen Laut von sich, der aus dem inneren seines Körpers zu kommen schien, während seine Arme und Beine seitlich aus dem Sandwich herausgestreckt waren. Es sah aus, wie eine Schildkröte, die erwachte und bereit war in den Tag zu starten. Was er sich überlegt hatte war vielleicht nicht sehr elegant, aber irgendwie musste er ja irgendwas machen und ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen wäre es sicher sinnvoll unter dem Radar zu fliegen. Also entschloss er sich das einzig richtige zu tun.........
      Perikin war nun also eine Schildkröte, zumindest stemmte er sich mit seinen Armen und Beinen wie ein solches Reptil auf den Boden und begann langsam aber sicher von dem Typen unter sich abzuwenden und weg zu tapern. Die Pfleger um ihn herum, egal was sie taten oder sagten, störten ihn überhaupt nicht. Sie schienen zu fluchen, zu bitten, betteln, Aufmerksamkeit zu erlangen - er wusste es nicht, es war ihm egal, er wollte einfach nur weg, in Richtung Essensausgabe. Hunger! Solange er noch konnte, wollte er einfach noch etwas zu beißen kriegen. Also patschte er mit seinen Händen und Füßen und seinem auf ihm liegenden 'Panzer' zur Ausgabe und kroch an den anderen Teilnehmenden Irren vorbei und hiefte sich langsam hoch. Was mit dem Panzer passierte, wusste er nicht, aber er meinte es klirren zu hören. Vielleicht eine Schüssel oder so? Egal, er wandte sich um und blickte in ein mehr oder weniger stark verwirrtes und ängstliches weibliches Gesicht, "Frühstück bitte, danke!"

      Mehr wie eine Art einen Bankräuber los zu werden gab der verschreckte Pfleger ihm ein Tablett mit Essen. Perikin nahm eines der Brötchen und legte es seinem vorherigen Panzer hin und zeigte auf die Überreste der Schüssel, "Hier, für den Pudding... oder was auch immer das war." Danach setzte er sich an den nächstbesten Tisch und begann sein Mahl, bevor es endlich losgehen sollte in den Tag. Mit einem Seufzer musste er noch einmal an das Geschehene denken und blickte verwundert in die Umliegenden Gesichter, von Pflegern und Frühstückenden gleichermaßen. "Was?" fragte er irritiert.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.
    • Jasmin Taylor
      Jasmin.jpgJasmin schmunzelte als Matt wortlos ihren Donut angenommen hatte und spürte, wie sich Erleichterung in ihr breitmachte. Erleichterung, die sie nur in seiner Gegenwart verspürte ...oder, wenn sie ihren Sopaß mit paar Pflegern und Wärtern hatte~ "Er hat es genommen~ Dein kleiner Schwarm hahaha", erklang Artemis' Stimme in ihrem Kopf - diese launenhafte Götting, die jedes Fitzelchen an Lebensabschnitt Jasmins mit Vergnügen beobachtete, kommentierte und beurteilte. Auch die einen oder anderen Ratschläge waren dabei, aber ob produktive oder eher irrelevante konnte man zu dem Zeitpunkt der gegebenen Kommentare noch nicht festlegen, weshalb Jasmin lediglich versuchte sich das ein oder andere zu merken, dass sie für notwendig empfand. Zum Beispiel, dass bei einer Eskalation ihrer Gefühle sie die Tiere allein durch diese überschwellenden Gefühle befehligen konnte Dinge zu tun. Gute Dinge, sowie auch schreckliche Dinge. Aber soweit war es bisher anscheinend noch nicht gekommen. Sie tauchten nur teils regelmäßig und teils unregelmäßig auf, um sie zu beeindrucken und einfahc nur in Jasmins Nähe zu sein. Kein wirklich negativer Aspekt, wenn man in dieser Anstalt eingesperrt und der soziale Kontakt auf ein Minimum reduziert worden war. Sie musste oftmals nicht einmal aussprechen, was sie wollte. Es war, als könnten diese Tierchen oft ihre Gedanken einfach lesen.
      Doch nur wenig später entfachte ein weiterer Tumult, den ausnahmsweise nicht SIE zu verantworten hatte! Neugierig drehte sie sich auf ihrem Stuhl herum, sodass sie nun darauf kniete und gespannt das Schauspiels - besonders das des unbekannten Gesichts - wie eine interessante Fernsehshow beobachtete. Der Unbekannte hatte etwas Wahnhaftes an sich, dass sie durchaus unterhaltsam fand, sofern man nicht Teil dieses Sanwiches war, vermutete sie. Angespannt, weil sie so gerne mitmischen wollte, vor allem, nachdem einer der Pfleger mit blutiger und gebrochener Nase davon gescheucht wurde, biss sie auf dem Nagel ihres Daumens herum. Aber vermutlich wäre es nicht klug nun aus dem kleinen Tumult einen größeren zu machen. Vermutlich wäre es klug mal die Füße still zu halten und abzuwarten, was sich so ergab. Auch als die Hälfte des Sandwiches als eine Art Schildkröte davon lief und das auf eine sehr verquere Weise, nur um sich Essen zu holen, beobachtete sie still und setzte sich wieder einigermaßen vernünftig hin, wobei wie ein Bein verschränkte und den Fuße unter ihrem Hintern vergrub. Es war so langweilig nur zuzuschauen, aber besser das als Flüssignahrung. Auf die wollte sie liebend gern verzichten. Sie hatte zwar Hunger und würde gerne was Essen, aber nicht solange diese zwei Hirnies vorne herumeierten und - im nächsten Moment klirrte es laut, als die halbe Schildkröte ihren Panzer los wurde - vermutlich jede ihrer Bewegungen eh überprüft würde. Sie könnte ja was vorhaben, gerade jetzt mit all den Scherben am Boden, die sie nur zu gerne in die Hände bekommen würde.
      Kaum hatte sie dies gedacht, tauchten von hie und da etliche Krabbeltiere auf, die sich eilig dem Scherbenhaufen näherten - seien es Ratten, Spinnen, Kakerlaken oder Ähnliches - und jedes nahm sich eine Scherbe und sogar den Löffel an sich, um kurz darauf damit eilig wegzuhasten - allen Anscheins nach, um den erschrockenen und wütenden Pflegern zu entkommen, die sich fluchend über den Ungezieferbefall der Anstalt ausließen, der, egal wie viele Kammerjäger sie riefen, einfahc immer mehr und mehr zu werden schien. Doch keiner kannte die Ursache dafür. Als alle Krabbeltiere davon geeilt und verschwunden waren in diversen Ritzen der Wände und Ähnliches, war der Boden, bis auf den traurigen Rest des Puddings wie blank gefegt, während Jasmin gleichzeitig spürte, wie etwas größerees unterhalb ihrer Hose hinaufkrabbelte. Oder war es etwas Kleines, das etwas größeres trug? Vermutlich Letzteres.
      ALs sich einer der Wachen schnaubend zu ihr drehte, um zu sagen, dass sie sich was zu Essen holen sollte, saß sie längst mit einem belegten alten Brötchen da, dass sie genüsslich mampfte. So viel dazu. Als ob sie noch nach vorne laufen müsste, wenn sie so treue kleine Skalvenfreunde besaß.

    • 10d96cf21910137bdbe3f00130a31d8b1f0f3ce3.jpgMatt Davis


      Es war länger her, dass so früh schon so viel Action herrschte. Da hatte Salem wirklich etwas verschlafen. Aber der Platinblonde konnte ihr ja im Detail davon berichten. Das oder die junge Dame hackte sich in die Kameras die hier so herumhingen. Wer hätte gedacht, dass diese verschlafene Stille so schnell einer Schmierenkomödie wich. "Seid ihr Kunst? Oder was stellt ihr dar?" Noch immer schwer belustigt lehnte Matt sich so weit in seinen Stuhl, dass er fast nach hinten umkippte. Irgendwie musste er ja an das gewünschte Adrenalin kommen. Wie Schade, dass es heute morgen nur durch simples Kippeln mit den Stuhl zu bekommen war. Vielleicht sollte er bei den anderen Jungs mitmischen... Eigentlich waren solche Situationen in denen sich mehrere Menschen ziemlich nahe kamen immer gut für Diebe. Immerhin war es dann noch leichter das Hab und Gut Anderer unbemerkt zu entwenden. Andererseits waren leichte Tricks auf den Niveau 'Einem Baby den Schnuller klauen' extrem langweilig und aus Prügelein, sowie solchen albernen Aktionen wie einem menschlichen Sandwich hielt der junge Mann sich lieber ganz heraus. "Schlage nie Schlachten, die schon verloren sind." schallte ihm die Stimme seiner großen Schwester durch den Schädel, das und ihr dämliches Grinsen welches damals ihre Lippen geziert hatte. Doch mit ihrer Aussage hatte sie gar nicht so verkehrt gelegen. "Hehe..." konnte er den Gott in seinem Inneren kichern hören. "Egal wie genervt du von ihr tust, eigentlich magst du deine große Schwester. Du würdest dir lieber Zuhause wieder ein Zimmer mit ihr teilen, statt an solch einem Ort zu verrotten." Matt entwich ein genervtes Zischen. "Klappe da drinnen", murrte er leise und erhob sich von seinem Stuhl. Die ersten paar Minuten war das Schauspiel der anderen Jungen vor seinen Augen ja noch lustig gewesen, aber jetzt war auch mal gut. Matt verdrehte die Augen, als er sich zum Tresen der Essensausgabe wand. Dieser Tag hatte Scheiße angefangen und bis auf kleinerer Lichtblicke war er Scheiße geblieben. Vielleicht würde es sich ändern wenn er etwas gegessen hatte. Wahrscheinlich nicht... aber gegen etwas zum Frühstück hatte der junge Mann nichts einzuwenden.


      Man merkte, dass heute Neue ankamen. Die Auswahl war heute weitaus üppiger als sonst. Von Salems Lieblingssachen gab es aber nicht so viel. Aber sie würde sich bei der nächsten Wachphase eh alles essbare in sich rein stopfen. Ob sie es nun gern aß oder nicht. Mit einen Mal war Gemurmel zu hören, aber der Gott war es dieses Mal nicht. Matt schüttelte den Kopf. "Alles gut junger Mann?", frage die Frau welche ihm gerade das Essen auf ein Tablett schob. "...heute scheinen alle am Rad zu drehen." Verwundert folgte er dem Blick der Dame. "Hey, wo habt ihr denn euren Freund gelassen? Oder seid ihr nun solo unterwegs in die Flitterwochen?", fragte der Platinblonde die zwei heran robbenden Kerle. Wobei... nicht, dass er gleich das andere Brötchen wurde. "Das war dann alles.", gab er der Frau zu verstehen. Er wollte nur schnell weg von den Beiden. "Danke.", murrte er als er der Dame das Tablett halb aus der Hand riss und sich zu einen neuen Platz auf machte. Etwas abseits dieses kleinen Grüppchens hinter einer unechten Zimmerpflanze aus Gummi, ließ er sich nieder. Hier bekam man nicht so viel von dem kranken Trubel mit und konnte in Ruhe essen. Matt hatte gerade von seinem Apfel abgebissen, da erklang auch wieder Hermes liebliches Stimmchen, "Achtung da kommt etwas!" Mit dem Besuch einer Ratte hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Der junge Dieb steckte sich den Apfel wie ein Spanferkel in den Mund und hob sein Tablett an. Die Ratte gab einige merkwürdige Laute von sich, stellte sich ab und an auf die Hinterbeine und schnupperte hier und da über all einmal, war aber so schnell verschwunden wie sie gekommen war. Der junge Mann legte sein Tablett nieder und spuckte seinen Apfel darauf aus. "Mann ey...", jetzt war ihm der Hunger vergangen. Der Tag war immer noch scheiße, aber zumindest nicht mehr langweilig.

      "In this world there are only corpses and future corpses,who cares if someone hates you...you'll both be dead one day anyway."


    • Das ist Verschwendung zukünftig wertvollen Lebens.


      Ein lautes Stöhnen scharrte an den behäbig steril-weiß gehaltenen Wänden wider. Noch vor wenigen Minuten hätte es wohl dem Klang einer ekstatischen Hochgefühlsaison frohlockt, das euphorische Freudejeauchzen kurz bevor stehendem Stimmenerguss war jedoch den ermatteten Sinneseindrücken genauso bauwerklich monotoner Konstruktion gewichen und am Übergang eines rapiden Gemütsabsturz' geendet, als orientiere sich Spaß lediglich an der ungesunden Strebsamkeit nach dem Ideal politischer Karriere und galt innerhalb göttlicher Direktion gänzlich tabuisiert. Zumindest oblag es nicht der Vorstellung femininer Unsterblichkeit - namens Hera - solch Freizeitkompetenz zu "legalisieren".
      "Bhoa....", folgte ein weiterer Klagelaut maskulinen Missmuts, "Ey weißte was? Seit dem ich dich kenne, macht Masturbieren echt keinen Spaß mehr." Warum tust du es dann? , ereiferte sich sein narzisstisches Persönlichkeits-Management für Moral und Ethik, die sich zu allem Überdruss erfolgreich zu kaprizieren behauptete, ein elementarer Bestandteil der zwölf olympischen Gottheiten, präzisiert: den Olympioi, zu sein. Aber warum musste diese krankhafte Episode schizophrener Entwicklungsphase ausgerechnet eine aus den ätherischen Sphären entstammende Hebamme erwählen und keinen kriegerischen (weniger nachtragenden) Gott, verdammt? "Prävention? Einfach weil ich's kann?" Die viel relevantere Frage: Weshalb begann er schon wieder eine grenzenlos nervige Diskussion die ohnehin mit seiner argumentativen Niederlage enden möge? Männer sind so primitiv. "Unkompliziert, bitte." Tz. Schamhafte Schäferstündchen. "Wenigstens verfüge ich über eine gesunde Loyalität und Beziehung zu meinem imaginären Bruder, und verweigere seiner nicht des Liebchen's Liaison." Die Menschen waren schon immer Könige im Dramatisieren und Erfinden.
      Natürlich. Solch Worte gerade aus dem Munde eines von Eifersucht getriebenen Pseudo-Wohltäters, selbstverständlich. Und darauf würde er den nahenden Diskurs bewenden lassen, sonst säße er hier vermutlich noch heute Abend am Debattieren mit einer Stimme, die um genau zu sein nur von seiner Psychose herrührte und abermals drohte, einen Konflikt zu effizieren, den er genauso gut "allein" ausschlachten könne - wenn er dies nicht gerade sowieso schon zu tun pflegte. An der gegenwärtig reellen Kontaktlosigkeit, welche sich eigentlich primär einer verzweifelten Idee verstand, täte der Zweifel wohl seine berechtigte Daseinsberechtigung gut - denn nach dem Gefühl des paranoiden Wahn's zu urteilen, begann sich sein "eigener" Geist nicht nur der geradezu anomalen Gedankenkontrolle zu bemächtigen, nein, er begriff gleichhin die Einbildung an Substanz gewinnen, und zu etwas greifbaren werden zu lassen. Resümee: Er befand sich also doch zu zweit in einem Ein-Mann-Raum. Schön. Und leicht beunruhigend... Aber nur fast.
      7:05 Uhr. Seltsam, dass der menschliche Kernreaktor seinem Zimmer bisher mit Abstinenz geschmeichelt hatte. Es oblag normalerweise ihrer Norm, spätestens um viertel vor 7 nochmals seine Wachheit zu überprüfen, lukrativer aber er entging ihr Auftauchen - oder den Ärger - gleich mit präventiver Gehorsamkeit und würde sich unverzüglich der "rituellen" Reinigung unterziehen. Nu' mach nicht so'n Gesicht, zerknirscht sein steht dir nicht. "Und du red' nicht von Moral, das klingt so schrecklich fahl." Keine Antwort - das beste, was Toni in dieser Situation je hätte widerfahren können, begab er sich kopfschüttelnd unter die Dusche und stand 15 Minten später jeglichem Schleier des Schlafes entzogen und durch vorgehaltene Direktiven adäquater Garderobe bekleidet vor dem Eingangsportal, das in das Heiligtum geradezu pathologische Reizbarkeit führte. Die schwarze Sonnenbrille und der extra modernisierte Kopfhörer richtend, während die Zunge des Weißhaarigen genüsslich den Zuckerschock runder Geschmeidigkeit entgegennahm, trat Antonius beinahe tänzelnd über die Türschwelle und ließ seine Rechte zu einem Revolver faltend horizontal durch den Raum gleiten,
      Alle haben 'nen Job, ich hab' Langeweile
      Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern
      So ist das hier im Block, Tag ein, Tag aus
      Halt' mir zwei Finger an den Kopf und mach'
      "Peng! Peng! Peng! Peng!",- ehe der junge Mann vier laut verbalisierte Schüsse abfeuerte und schließlich, die tizianroten Mundwinkel eines sanften Grinsen umscheichelt, schweigend seines Weges fortsetzte. "Antonius, du bist mal wieder zu spät!" Herzstillstand. Und falls die Gepeinigten nicht an ihrem Anblick verstorben waren, dann spätestens bei der Tinnitus-verursachenden Gehörgang-Kolik, die ihre kakophonische Megafon-Dissonanz einer Tonlage herbeiführte und sogar vermochte, die simultane Kompensation melodischer Akkordströme zu übertönen. "Nah. Ich bin nie zu früh um zu spät zu sein." konterte Ayanji gespielt gelangweilt. Die Gesichtszüge der Pflegerin hatten innert Sekunden mindestens einen Wintereinbruch erlitten und verfolgten jede seiner legeren Bewegungen ebenso präzisiert wie der Lauf einer schussbereiten HK MP5. Dann trat das "Bunkermon" demonstrativ einen Schritt auf den Weißhaarigen zu und streckte Ayanji auffordernd ihre Handfläche entgegen. "Beschlagnahmt." Toni bedurfte nicht mal einer Erläuterung - keine, die wirklich hätte Substanz annehmen müssen und begreiflich zu werden - spielte sich unterdessen die Signifikanz purer Mordlust vor dem Spielfeld prasselnder Verstimmung wider und unterstrich synchron die herrlich schlecht kaschierte Unlust der Pflegerin. "Wieso?" hakte er murrend nach, die Erkenntnis gewinnend, dass sein Erfolgspendel gerade von den Untiefen der Kanalisation jetzt zum Mittelpunkt der Erde geschlittert sein dürfte, und begann widerwillig - obgleich folgsam - Kopfhörer sowie Sonnenbrille abzunehmen. Hihihuhuhehe. Owwww Schätzchen, jetzt wird dir auch noch dein anderes Spielzeug entledigt. Hach, du hast heute aber auch kein Glück. ~ , kreuzte eine unverholen vergnügte Stimme seine Gedanken, "Sehr witzig, echt. Ein Tag ohne dich wäre wie ein Monat Urlaub, mindestens." "BITTE?!" "Eh... N-nichts persönliches, V-verzeihung..." Noch einmal wanderten ihre Iriden - ein Eiszapfen durchlöchernder Blick - prüfend über seine Ausstattung, um abschließend zu eruieren, dass der Rest seiner Habseligkeit wohl als legitimierter Umstand nachgesehen wurde. "Meinen Lolli darf ich behalten?" schloss er ostentativ schnippisch anbei. "Deinen Lolli darfst du behalten." "Danke, wenigstens etwas, was ich lecken darf." Ayan vernahm ennet des Wohlwollens und irgendwo unweit geglückt subliminaler Aufforderung zur absoluten Empörung ein paar unartikulierte Laute, während er sich systematisch der reglementierten Umgangsform distanziert hatte und sich nun eiligen Schrittes aus dem entrösteten Spannungsfeld manövrierte. Seit wann verweilte diese organismische Escurlation wieder unter ihnen? Und warum lag der Typ auf dem Boden? Viel Zeit der Lagesondierung war ihm ja wahrlich nicht verblieben, sonst hätte er vermutlich früher bemerkt, dass Aribert es ihm gleichtat. "Did i miss something important?" fragte er völlig übergangslos in die Runde, indes Toni neben Escur inne hielt und ihm einen Lolli entgegenwarf. Präventive Maßnahme. Oder der Auslöser zum Auftakt sadistischer Motivation. "Well. Motivation in motion. There's a whole generation with a new preference." Schulterzuckend flanierte ihn sein Richtungswechsel gen Esstisch. Perikin pennte pseudomäßig und schien mehr oder minder gerade einmal physisch am Geschehen teilzunehmen - wie jeden Morgen - und der Rest erweckte tatsächlich den Eindruck halbwegs friedlich gestimmt zu sein, saß selbst Jassh besorgniserregend still neben ihrem... Schwarm? Vielleicht der Grund, weshalb er ihre Anwesenheit bisweilen ohne weitere Verletzung überstanden hatte.
      "Na, Omi, was geht? Ah, und guten Morgen Zari-Fari. Wenn ich euch irgendwie behilflich sein kann: You need stuff, you call me, deal?", begann der junge Mann plötzlich das repräsentative Management für Schleichwerbung zu personifizieren, als er an den zwei jungen Damen vorbeischritt. Hrrr... Ich verbitte dir die Belästigung unschuldiger Mädchen. "Noch so'n Spruch Kieferbruch. Ich belästige hier niemanden." Oh, du bist aber zuvorkommend, Ayanji. Dass du dir extra den Kiefer brechen möchtest um die Sicherheit der Mädchen vor dir zu gewährleisten...- "Hrrrr...." Erst einige - zu lange - Sekunden später ereilte Toni sein Bewusstseinszustand, nachdem er das psychotische Erlebnis hatte über sich ergehen lassen und der Bedeutung entweder leicht irritierter Antlitze und interpretationsvielfältige Beurteilung seiner vermeintlichen Selbstgespräche oder - noch schlimmer - aus dem scheinbar hergerührten Nichts eine kurzweilige "Gemütsdeformation" gewahr wurde. "P-pardon. Es stand w-wirklich nicht in meiner Absicht... Ähm... Nun, see ya guys." Würde Hera in naher, wenngleich utopischer Zukunft einmal ihre himmlische Eminenz manifestieren - er würde sie aus ihrer Hülle wieder herausprügeln und ihren Geist an die Einsamkeit binden - für den jungen Mann die wohl schrecklichste Vorstellung ein Leben verdammt in Einsamkeit zu führen. Zugegeben, die Mehrheit würde ihn wohl reell der Diagnose "multiple Persönlichkeitsstörung" bezichtigen, aber genau diese "Mehrheit" vermochte ebenso wenig den Wahrheitsgehalt zu ermessen und falls, würden sie ihm dennoch keinen Glauben schenken und schlimmstenfalls als Proband für illegale Experimente verenden lassen. Lügen ist bronze. Reden ist silber. Und Schweigen gold.
      "Yooo Mattbällchen, little Pro-bro, what's up?" begrüßte er den Jüngeren hauchzart pathetisch, den Arm schwungvoll um die Schultern des Adrenalin-Junkies geschlungen. Die schmale Grenze zwischen Fall und lebensfroher Herausforderung überschritten, landete Matt schließlich mit einem klappernden Schallen, das der Atmosphäre ihr schläfriges Flair endgültig hatte bestätigt, auf der Erde. "Bilde ich mir das ein, oder hat die Gravitationskraft heute eine ganz besondere Affinität zu Menschen? Tja, das kommt davon, wenn man dem Stuhl seine flächendeckende Stabilität nimmt, hah. Wellya, on a serious note: Ist Salem schon erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf? Da gibt's etwas, um was ich sie bitten wollte. Es sei denn...." der junge Mann senkte die Stimme zu einem Flüstern, "Du kannst dich auch in die Außenkameras hacken."