Besonders [Subenu & Sheireen]

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    • Besonders [Subenu & Sheireen]

      @Subenu

      Nori

      "Wenn sie dich erwischen ist es aus", pflegte mein Vater mir immer zu sagen. Auch wenn es mich nie sonderlich interessierte war ich mir der Gefahr stets bewusst. Trotzdem streifte ich täglich mit meinen Freunden, welche auch alle Besondere waren, durch die Straßen auf der Suche nach Brauchbarem und Essen. Da wir unerwünscht in der Gesellschaft waren lebten wir versteckt im Untergrund - wie Ratten.
      Seitdem es technisch möglich ist Gehirne zu transplantieren züchtet die Firma Future Industries Menschen, um anschließend deren Körper zu verkaufen. Ich bin einer dieser Körper, nur wurde ich wegen meines Gen-Fehlers aussortiert. Durch die jahrelang Zucht gingen einige Gene verloren, wie rote Haare oder mehrere Gliedmaßen. Ich habe Ersteres und nur durch Glück überlebt, da die Wissenschafter nur die fehlerhaften Basen in meiner DNA sahen und mich daher aussortierten. Wenn sie gewusst hätten, wie wertvoll ich bin, wäre ich wie alle anderen Körper in einer Röhre aufgewachsen und für neue Klone benutzt worden.
      Stattdessen schmiss man mich mit den anderen Mutationen in den Müll, wo wir von Ramsid gerettet und anschließend aufgezogen wurden. Menschen aus dem Müll zu retten ist leichter, als sie aus den Fängen der Firma zu befreien. Daher werden nur wir Besonderen vom Untergrund gerettet. Ich hatte Glück im Unglück, denn ich bin ein Klon und mir ist es erlaubt zu leben.
      ***

      Wenn ich gewusst hätte, dass das meine letzten Worten zu Yorid wären, dann hätte ich es nicht gesagt. Der Gedanke an den Ausdruck in seinem Gesicht schmerzt mich und ich schließe die Augen.
      "Manchmal frage ich mich, warum ich dich liebe", schmiss ich ihm an den Kopf und rannte davon, genau in die Hände der Soldaten. Mein ganzes Leben versteckte ich mich vor den Wissenschaftlern und nun haben sie mich doch in ihren Klauen. Meine Gedanken schweifen ab zu meinen Freunden, meiner Familie. Sie werden mich nicht aus der Gefangenschaft befreien, weil das Risiko dabei getötet zu werden viel zu groß ist. Ich bin zum Tode verurteilt.

      Der Transporter, in welchem ich mich befinde, fährt unruhig und ich habe Mühe auf der Bank sitzen zu bleiben. Da meine Hände hinter meinem Rücken gefesselt waren würde ich meinen Sturz nicht einmal auffangen können, doch das war im Moment mein geringstes Problem. Wenn ich nicht auf eigene Faust entkommen kann, dann werde ich nicht mehr lange zu leben haben. Die Monster werden mich aufschneiden, meine DNA analysieren und mich für weitere Klone benutzen. Wahrscheinlich werde ich sogar an ein reiches Schwein verkauft, damit dieser in meinem Körper leben kann. Jawohl, MEIN Körper! Aber da habe ich wohl nicht mehr viel mitzusprechen. Angst um m ich habe ich keine. Schon immer war mir klar, dass ich mich nicht mein ganzes Leben vor ihnen verstecken kann. Allerdings habe ich naiver weise geglaubt, dass ich irgendwann bei der Rebellion entdeckt werden würde. Dass wir irgendwann stark genug sind, damit wir uns endlich zur wehr setzen und für unsere Rechte kämpfen können, anstatt weiterhin im Untergrund wie Abschaum zu leben, in der ständigen Angst erwischt zu werden.
      Doch nun ist alles, was ich zu erreichen versuchte umsonst gewesen. Vereinzelte Normale, die ebenfalls die heutige Gesellschaft verändern wollten, schlossen sich uns an und waren bereit für eine bessere Welt zu kämpfen. Ramsid, mein Ziehvater und Kopf der Untergrund-Organisation, missfiel mein Vorhaben eine Armee aufzubauen, damit wir endlich in Frieden unsere Leben leben können. Er versuchte uns einzutrichtern, dass es das Beste für uns ist versteckt zu bleiben und nichts Auffälliges zu unternehmen. Doch ich wollte nicht auf ihn hören und versuchte dennoch eine Rebellion anzuzetteln, was mit letzten Endes nicht gelungen war.
      Ich ging fest davon aus, dass ich irgendwann in einem Kampf erschossen werden würde, oder den Sieg gegen die Wissenschaftler miterlebe. Niemals hätte ich gedacht so früh in ihren Fängen zu landen - lebendig. Dabei war ich nur in die Arme der Soldaten gelaufen, weil ich Yorid mit einer Anderen sah. Wäre dieser Mistkerl einfach loyal gewesen, oder hätte soviel Eier gehabt mit mir Schluss zu machen ... dann würde ich jetzt hier nicht sitzen. Ich würde -
      Der Wagen bremst abrupt und bleibt letztendlich stehen, was mich aus meinen Gedanken reißt. Mein Puls schnellt in die Höhe, da ich nicht weiß was mich hinter den dicken Metalltüren des Transporters erwarten wird. Sind wir schon am Ziel oder versuchen meine Leute doch mich zu befreien? Gebannt starrte ich auf die geschlossene Tür zu meiner rechten und versuche zu lauschen, was draußen vor sich geht. Allerdings sind die Wände so dick, dass ich nur undeutliches Stimmenwirrwar hörte.
      Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ein helles, weißes Licht blendete meine Augen. Während ich versuchte mit zusammengekniffenen Augen etwas zu erkennen, wurde ich unsanft an der Schulter gepackt und aus dem Transporter gezerrt. Ich konnte mich nur mit Mühe auf den Beinen halten, während ich versuchte mit dem Soldaten Schritt zu halten. Ohne Rücksicht darauf, dass ich erst die Stufen von dem Wagen heruntersteigen musste, zerrte er mich hinter sich her. Arschloch. Trotz meiner aussichtslosen Lage versuchte ich mir einen Fluchtweg auszudenken. In der Halle, in welcher ich mich befand standen mehrere Soldaten mit Waffen in ihren Händen. Keine Chance jetzt etwas zu versuchen.
      Der erbarmungslose Griff des Mannes schmerzte an meinem Arm, doch ich ließ es mir nicht anmerken. Diese Genugtuung würde ich ihm nicht geben.
      Alles hier war weiß, sogar die Waffen, welche die Soldaten zu meiner Rechten und Linken trugen. Sie liefen schräg hinter mir, falls ich doch versuchen würde mich zu wehren. Wir gingen einen hell beleuchteten Gang entlang. Meine Augen schmerzten von der Helligkeit, da es in dem Transporter keine Lichter gab.
      Nach einem kurzen Fußmarsch durch mehrere weiße Gänge, welche alle gleich aussahen, hielten wir vor einer ebenfalls weißen Tür. Zu meiner Überraschung befand sich dahinter weder eine Zelle, noch eine Folterkammer. Der Soldat mit dem unsanften Griff löste meine Fesseln und stieß mich anschließend grob in den Raum. Direkt nachdem ich drinnen mein Gleichgewicht wiederfand verschloss er die Tür hinter mir und verriegelte sie. Entkommen unmöglich.
      Der Raum, in welchem ich mich befand, war eines dieser hochmodernen Wohnungen, wovon ich zwar bereits hörte aber noch nie eine mit eigenen Augen sah. Überall sah ich Technik, doch ich besaß nicht das nötige Wissen diese zu benutzen. Staunend lief ich in dem großen Raum umher und sah mich um. Alles war festgeschraubt, sogar die Fernbedienung auf dem Tisch. In dem Badezimmer gab es nicht einmal Handtücher, stattdessen war in der Wand ein Gerät eingebaut, welches heiße Luft auf mich bließ. Alles war kindersicher gemacht, es gab nicht einmal irgendwo Ecken oder Kanten, an denen ich mich verletzen konnte. Sogar die Wände waren gepolstert!
      Mutlos ließ ich mich auf dem großen, weißem Sofa nieder und zog meine Beine eng an meinen Körper. Aus dem Fenster konnte ich die ganze Stadt sehen, was wirklich atemberaubend aussah. Doch wirklich genießen konnte ich es nicht, da ich mich fragte wie es nun weiter gehen würde. Sollte ich mich hier vorerst in Sicherheit wiegen um mich anschließend zu foltern, damit ich den Aufenthaltsort von meinen Freunden preisgab? Darauf konnten die Schweine lange hoffen, von mir würden sie keine Informationen erhalten.
      Seufzend legte ich meinen Kopf auf meinen Knien ab und schloss die Augen. Meine Gedanken schweiften ab zu meinen Freunden, wobei ich an Yorid denken musste. Arsch, nur wegen ihm war ich hier. Wenn ich ihn jemals wiedersehen würde, dann würde ich ihn grün und blau schlagen.. Wobei ich ihn niemals wiedersehen werde, keinen von meiner 'Familie'. Niemand würde es riskieren durch eine Rettungsaktion geschnappt oder getötet zu werden. Unsere oberste Regel lautete: Lass dich nicht erwischen, mach nichts auffälliges. Wer gefangen wird, ist fort. Keiner wird gerettet. Es wäre einfach viel zu riskant bei Future Industries einzubrechen. Sie wissen weder in welchem der zahlreichen Gebäude ich bin, noch in welchem Raum. Das Risiko war zu groß. Klone aus dem Müll zu retten war dagegen leicht, dieser wurde nicht bewacht. Die Idioten merkten nicht einmal, dass wir regelmäßig dort waren und die weggeworfenen Babys mitnahmen.
      Ich werde hier nicht mehr lebendig rauskommen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass sie meinen Körper für horrende Summen verkaufen werden. Mir bleibt nur noch die Frage, wie viele Stunden ich noch zu leben habe. Eine einzelne Träne kullerte über meine Wange, während ich auf mein Ende wartete.
      Wir leben zu sehr in der Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei völlig, die Gegenwart zu genießen.
    • Erias

      "Heute ist es also soweit?!"

      In Gedanken versunken wurde ich früh morgens geweckt, sehr unsanft möchte ich hinzufügen. Warum müssen die 'Wichtigen' Dinge immer morgens sein? Eine Bedienstete in mein Zimmer, "Nachricht vom Institut, Subjekt 15 wurde gefunden und für die Übergabe vorbereitet. Es wird sofortige Anwesenheit erwartet Mr. Jen." Professionell ging sie der Tatsache aus dem Weg, dass ich selbst noch unbekleidet war und machte eine respektvolle Verbeugung. 'Hat das nicht noch Zeit bis Mittag?' wollte ich ihr antworten, aber es wäre vergebene Mühe gewesen. Immerhin war sie nur Überbringer der Nachricht. Mit einer knappen Handbewegung winkte ich ab, "Sagt ihnen, dass ich komme,... demnächst. Bringt dem Subjekt was zu essen. Mit Frühstück ist der Erstkontakt sicher einfacher." Die Bedienstete bestätigte ihre Anweisung und kehrte mir den Rücken, bevor sie den Raum verließ. Mit einem ächzen ließ ich mich wieder ins Bett fallen. War es wirklich schon so weit gewesen. Jetzt wo er 20 geworden war? Sein Stiefvater, Dr. Charles Wist, hatte vor 14 Jahren das erste Mal die glorreiche Idee privat 'Subjekte' unterzubringen und damit sein Vermächtnis, sollte er denn je wirklich sterben, an seine Nachkommen weiter zu geben. Meistens handelte es sich um besonders seltene Körper. Früher noch normal, heute eine Rarität. Bei dem Gedanken musste ich mir selbst an den Kopf fassen. Alleine der Gedanke Menschen nur als Körper zu betrachten und die Lebensform, die Person und den Charakter dahinter der Existenz zu berauben... Ein Schauer lief über meinen Rücken. Einer der Gründe, warum er seinen Vater verabscheute.

      Vor 14 Jahren wurde meine Mutter eingesammelt. Sie war nicht überdurchschnittlich schön, nicht überdurchschnittlich intelligent. Nein, sie hatte wohl einfach eine bessere genetische Veranlagung für eine sanfte Haut. Mit einem Kopfschütteln versuchte ich mich der bizarren Realität zu entledigen, aber erfolglos. Ein Jahr später war seine ... Schwester?... Stiefschwester? ... ein weiteres Mitglied zu der Familie hinzugekommen. Auch wenn sie ein Produkt seines verabscheuten Vaters war, hatte ich sie im Laufe der Zeit lieb gewonnen. Seine kleine Melli. Im Gegensatz dazu war seine ältere Stiefschwester, Yvonne. Sie würde dieses Jahr ihr viertes Subjekt zum spielen bekommen. Dieses sadistische Miststück wurde dieses Jahr 23 und sie hatte eine Obsession von der Macht über andere. Dass ihr Lebewesen zu Füßen lagen und ihr gehorchen mussten, dass sie mit ihnen verfahren konnte und durfte, wie es ihr beliebte. Man konnte richtig sehen, wenn sie sich auf ihr nächstes Spielzeug freute. Dr. Wist war mit Sicherheit Stolz auf sie, wenn er sich nicht anderen Dingen widmen würde. Yvonne allerdings war vermutlich wie eine Art junge, neu geborene und geistig jugendliche Version seiner Selbst gewesen. Ihr Drang mit ihren Subjekten zu 'spielen' führte auch dazu, dass sie im laufe der Zeit zwei davon unbrauchbar Beschädigt entsorgen musste. Wenn man versuchte einen Körper und die Bestandteile auseinander zu nehmen und in verschiedenster Form wieder zusammen zu setzen, hatte das schon mal ungewünschte Folgen für ein Lebewesen. Aber das hinderte sie nicht an weiteren Abscheulichen Taten, was mir selbst immer wieder den Schrecken und die Auswüchse der heutigen Gesellschaft klar und deutlich vor Augen geführt hatte.

      'Aber nichts desto trotz war es heute mein Tag. Wie sollte ich mit der Situation umgehen? War ich dazu überhaupt in der Lage? Will ich das überhaupt?' Die Gedanken schwirrten mir im Kopf herum, als ich im Bett lag und an die Decke starrte.
      "Was mache ich denn jetzt?" fragte ich unwissend in die Luft bevor ich wieder eingenickt war. Nach wer weiß wie langer Zeit erwachte ich dann doch, endlich würden manche meinen. Hilft ja doch alle nichts. Mit mehreren tiefen Atemzügen versuchte ich Energie in meinen Körper zu ziehen und zog mich an. Aus dem Fenster im Flur heraus konnte ich in der Nähe das Institut sehen.
      'Mein erstes Subjekt' dachte ich verbittert und musste den Gedanken mühselig zermahlen.

      ***

      Im Institut angekommen war sie schon für ihn in einer Art Verhörzimmer untergebracht, wo das Subjekt noch einmal auf Tauglichkeit getestet wurde. Damit wurde solange gewartet, bis bestätigt wurde, dass ich im Nebenzimmer angekommen war. Zwar machte sich langsam Unruhe und Verärgerung breit, aber das war mir persönlich herzlich egal. Als ich dann schließlich im Nebenzimmer platz nahm konnten sie endlich beginnen. Ich allerdings bekam große Augen, als ich Sie sah. Lange rote Haare, wunderschön, jung.
      Und sie sollte .... sein Subjekt werden?
      "Wirklich?" sagte ich ungläubig, als ich sie sah.
      'Wirklich?' dachte ich an Dr. Wist und was er wohl mit ihr vor hatte.

      Nach einer langen Weile des Haderns überwand ich mich dann doch endlich zu ihr in den Raum zu treten. Warum kam es mir nur so vor, wenn ich mich darauf mehr vorbereiten müsste als sie? Obwohl sie doch eigentlich das Opfer hier ist? Wie dem auch sei... Mit meiner Hand an der Klinke öffnete ich die Tür und sah jetzt direkt das Mädchen vor mir. Ohne ein Wort zu sagen setzte ich mich auf einen Stuhl, schaute sie mit ruhiger und gelassener Miene an.
      Was stelle ich denn jetzt an?
      Wie mach ich das am Besten?
      Sicher wäre es gut von ihr zu erfahren, oder?

      "Moin," lächelte ich sie an und begann freundlich mit ihr zu sprechen, "lass uns einander kennen lernen. Ich bin Erias."
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.

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    • Nori

      Ich erwartete, dass jeden Augenblick Soldaten zur Tür hereinstürmen und mich mitnehmen würden, doch nichts geschah. Stattdessen starrte ich eine ganze Weile auf die verschlossene, weiße Tür. Alles hier drin war weiß, sogar der Teppichboden. Natürlich musste es Teppich sein, an einem härterem Boden könnte ich mich immerhin verletzen. Gelangweilt stand ich auf, versuchte meine Angst zu unterdrücken. Mehr als töten können sie mich nicht, richtig? Allerdings glaube ich nicht, dass sie mich foltern werden. Zumindest nichts, was mich verletzen könnte, immerhin ist mein Körper eine besonders wertvolle Ware. Ich würde schon einen Weg finden mich umzubringen, wenn ich das wirklich wollen würde. Ich überlegte, ob es nicht besser wäre, wenn ich es einfach jetzt tun würde. Immerhin wären sie so nicht in der Lage meinen Körper zu verkaufen, zumindest vermutete ich das. Oder ... vielleicht musste ich mich nicht umbringen, sondern einfach nur verstümmeln. Oder mir die Haare abschneiden. Irgendwas, damit sie mich nicht mehr verkaufen konnten. Damit ich am Leben blieb.
      Aufgebracht und verzweifelt sah ich mich in meinem Käfig um. Nichts. Nichts brauchbares, das ich verwenden konnte, um mich zu verletzen. Selbst der Seifenspender war angeschraubt. Yorid erzählte mir mal, dass man aus Klopapier ein Messer bauen konnte. Doch nicht einmal das befand sich in dem Badezimmer.
      Mit einem lauten Knall flog die weiße Tür auf, was mich erschrocken zusammenzucken ließ. Wie erwartet kamen zwei Soldaten rein, in Begleitung von einer Bediensteten. Schnell schlossen die Soldaten die Tür wieder, damit ich auch nicht auf dumme Gedanken kam.
      "Du bist also die Besondere ... du musst dich waschen, bevor dich jemand so dreckig sieht." Die Bedienstete rümpfte die Nase. Es stimmte, besonders angenehm roch ich nicht. Zudem war meine Haut mit Schmutz bedeckt, da ich heute noch nicht dazu kam mich zu waschen. Duschen besaßen wir im Untergrund zwar keine, doch ein Eimer mit Wasser erfüllte auch seinen Zweck.
      Als ich mich weigerte mich zu bewegen wurde ich von einem der Soldaten unsanft in das Badezimmer geschubst. Wenn ich so wertvoll war, sollten sie mich auch gefälligst so behandeln. Der Soldat bekam einen grimmigen Blick von mir, doch mehr konnte ich sowieso nicht ausrichten. Wehren brachte nichts, sie waren viel größer und stärker als ich. Zudem hingen an ihrer Taille schwere Schlagstöcke und ein Elektroschockgerät. Das wusste ich, weil ich bereits gesehen hatte, wie einer von meinen Freunden damit geschockt wurde. Es war wahrlich kein schöner Anblick gewesen, wie sein Körper sich krümmte und zuckte. Das wollte ich auf keinen Fall am eigenen Leib erfahren.
      Der Soldat zeigte mit seinem Finger auf eine Dusche.
      Verwirrt betrachte ich die Dusche. Es gab keinen Vorhang, lediglich eine dünne Plexiglasscheibe, damit das Wasser nicht im gesamten Badezimmer verteilt wurde. Erwarteten diese Leute ernsthaft, dass ich mich nackig auszog und duschen ging, als würde es mir nichts ausmachen? Die haben sie doch nicht mehr alle!
      Ich drehte mich zum protestieren um, doch der Soldat war schon weg.
      Warmes Wasser prasselte auf mich herab und ich genoss die wohlige Wärme.

      Gerade als ich mich fragen wollte, wie genau ich mich ohne Handtücher abtrocknen soll, kam aus der Wand vor mir und von der Decke warme Luft. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen.
      Dankbar, dass sich keiner mehr im Raum aufhielt sah ich mich um. Auf einem Stuhl, welcher mitten im Raum stand, lag ein Bündel frischer Kleidung. Natürlich war die Farbe weiß.
      Nachdem ich fertig war überlegte ich kurz, ob ich doch einen Fluchtversuch starten sollte. Ich sah mich in dem Raum um, doch sah keine Möglichkeit wie ich entkommen könnte. Hier waren weder Fenster, noch ein Luftschacht verbaut.
      Mit einem tiefen Atemzug öffnete ich die Tür und trat in das Wohnzimmer. Zu meiner Überraschung war keine Person hier, ich war alleine. Verwundert sah ich in jeden Winkel, doch ich konnte nirgendswo einen Menschen erkennen. Gerade als ich meine Haare zu einem Zopf flechten wollte ging die Tür erneut auf, doch diesmal betrat nicht ein Soldat den Raum, sondern ein junger Mann. Wortlos setzte er sich auf einen Stuhl, welcher vor dem Wohnzimmertisch stand. Sein Blick verriet mir überhaupt nichts. Ich wusste nicht, ob er sich freute eine menge Geld mit meinem Körper zu verdienen oder ob es ihm egal war.
      "Moin", lächelte er plötzlich und ich blickte nur verwirrt zurück. Wie angewurzelt blieb ich stehen, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.
      "lass uns einander kennen lernen. Ich bin Erias." Warum war er so freundlich zu mir? Wollte er, dass ich mich in Sicherheit wog, nur um mich anschließend zu töten? Das ergab keinen Sinn für mich.
      "Wozu, ihr werdet mich doch sowieso nicht lange am Leben lassen", entgegnete ich, als ich endlich meine Sprache wiederfand. Trotzig verschränkte ich meine Arme vor meiner Brust und sah den jungen Mann grimmig an. Mir egal wie nett er war, Freunde würden wir bestimmt nicht werden. Jemand, der in dieser Firma arbeitet, kann nur ein schlechter Mensch sein. Anschließend drehte ich meinen Kopf zum Fenster, ich wollte ihn nicht mehr sehen. Ich wollte gar keinen mehr sehen. Alles was ich im Moment wollte, war mich irgendwie aus den Klauen von Future Industries zu befreien.
    • Erias

      'War das immer so schwierig mit den neuen Ankömmlingen?' er blickte dem Mädchen hinterher die sich patzig verschloss und eine betont abneigende Haltung einhielt. 'Aber vielleicht... war das eher normal die normale Reaktion? Sie redete davon, dass wir sie töten wollen.'
      Mir gingen gerade schon einige Dinge durch den Kopf, und ich bin erst einen kurzen Moment hier. 'Kann ich bitte wieder nach Hause?' seufzte ich leise. Im Grunde kenne ich die Firma und ihre Machenschaften überhaupt nicht und war nur in dieser Position wegen meines Vaters. Mit Verbitterung versuchte ich den Gedanken weg zu wischen und mich wieder auf sie zu konzentrieren.
      'War es egal, was ich sagen würde? Ich meine, sie ist ja nun sowas wie meine Sklavin, oder? Und sie gehört mir jetzt, oder wie läuft das?' Das Yvonne das so einfach von statten brachte und darin voll und ganz auf ging ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen.
      'Wenn ich mit ihr machen kann, was ich will... dann kann ich sie ja auch leben lassen und sie sinnvoll einsetzen, oder? Oder wäre das in irgendeiner Weise gegen irgendwelche Bestimmungen? Gute Idee!'
      Ich nickte und begab mich mit bedächtigen Schritten neben die rothaarige ans Fenster und blickte über die Stadt.
      'Was sah sie sich da wohl an?' fragte ich mich und versuchte ihrem Blick zu folgen. Aber das einzige was ich wohl im Moment finden würde wären Löcher in der Luft gewesen. Langsam hatte sich mein Puls auch wieder gesenkt und meine Nervosität war so gut wie weg. Dann sprach ich einfach in die Ferne, wohl wissend, dass sie die einzige wäre die ihm zuhören könnte. Und selbst wenn sie sich dagegen sträubte, sobald sie die Worte hörte, waren sie angekommen.
      "Das mit dem Töten..." Mit einer kurzen Unterbrechung merkte ich jetzt schon den fahlen Beigeschmack des Themas. Und ein falsches Bild sollte sie auch nicht von mir bekommen, zumindest dafür will ich sorgen. Ruhig versuchte ich die nächsten Worte mit Bedacht zu wählen.
      "Solange du dich an mich hältst wird dir hier nichts geschehen. Dafür werde ich sorge tragen." So sehr es sie wahrscheinlich in dieser Situation verstören musste, so sehr wollte ich versuchen ihr einen Hoffnungsschimmer zu geben. Ich drehte mich zu ihr und blickte sie mit einem ehrlichen Lächeln an. "Aber im Gegenzug möchte ich dich erst mal besser kennen lernen... Du hilfst mir also, dir zu helfen. Was sagst du dazu?"
      Im Grunde wusste ich, das sie nur sehr wenige Chancen hatte hier irgendwie am Leben zu bleiben. Und wenn ich sie nicht für tauglich halte und als Subjekt akzeptiere.... Vielleicht würde sie dann wirklich sterben? Das ist etwas, was ich nicht wollte. Nicht, wenn es in meiner Verantwortung liegt.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      Ich vernahm das der Fremde seufzte, doch ich versuchte es zu ignorieren. Seinen Namen hatte ich bereits wieder vergessen, ich würde ihn sowieso nicht brauchen. Wahrscheinlich würde morgen bereits ein neues Gehirn in meinem Kopf sein.
      Als er sich neben mich stellte wich ich protestierend ein paar Schritte zur Seite. Am Liebsten wäre ich alleine und würde auf meinen Untergang warten, doch ich besaß keine Rechte ihn wegzuschicken. Vermutlich würde er gehen, wenn ich ihn attackieren würde. Allerdings würde das für mich jedoch ein noch schnelleres Ende bedeuten. Mein Herz klopfte wie wild, während ich abwartete was nun passieren würde. Will er mich wirklich einfach nur kennen lernen? Aber wozu? Ich verstehe das nicht. Immerhin bin ich doch hier um verkauft zu werden, oder nicht? Macht es denn sinn, die Persönlichkeit kennen zu lernen, die sowieso schon bald nicht mehr existieren wird?
      "Das mit dem Töten..." , fing er an zu sprechen und ich zuckte zusammen.
      "Solange du dich an mich hältst wird dir hier nichts geschehen. Dafür werde ich sorge tragen." Mit solchen Worten hatte ich nicht gerechnet. Meinte er das etwa ernst? Verwundert ließ ich meine Arme sinken, drehte meinen Kopf und blickte ihn verwirrt an. Soviele Gedanken schossen im Moment durch meinen Kopf. Doch alles was ich herausbrachte war ein leises "Warum?"
      Sein Lächeln, was sehr ehrlich wirkte rief verschiedene Gefühle in mir hervor. Einerseits war ich erleichtert, dass er mir helfen wollte. Andererseits misstraute ich ihm. Wollte er mich in Sicherheit wiegen, nur um mich anschließend doch zu verkaufen? Das würde ich im Moment nicht ertragen.
      "Mach mir keine Hoffnungen am Leben zu bleiben, wenn du es nicht wirklich so meinst. Ich kenne dich doch gar nicht, woher soll ich wissen, dass du die Wahrheit sagst?" Meine Worte waren eher geflüstert als laut ausgesprochen. Mein Herz pumpte Adrenalin in meinen Körper, ich hatte Angst. Konnte er wirklich für meine Sicherheit garantieren, war das Möglich? Befand er sich in so einer hohen Position, dass er einfach beschließen konnte, dass ich nicht verkauft wurde? Ungewollt breitete sich Hoffnung in mir aus. Obwohl ich nicht glaubte, dass er mich wirklich beschützen konnte, klammerte ich mich an diesen Strohhalm, welchen er mir zu reichen versuchte. Vielleicht würde es wirklich funktionieren und ich könnte durch ihn von hier fliehen, zurück zu meinem Zuhause. Das wäre wirklich schön.
      "Aber im Gegenzug möchte ich dich erst mal besser kennen lernen... Du hilfst mir also, dir zu helfen. Was sagst du dazu?" Wieder erntete er einen verwirrten Gesichtsausdruck meinerseits und wieder bekam er ein geflüstertes Wieso von mir zu hören. Ich konnte mir sein Verhalten einfach nicht erklären.
    • Erias

      Scheinbar war mein Vorgehen nicht ganz so einfach, wie ich es mir erhofft hatte. Nur Verwirrung erntete ich. Was sollte ich also tun um mehr von ihr zu erfahren? Vielleicht würde es ihr helfen in einer anderen Umgebung zu sein? Aber wohin? Zu mir nach Hause wäre eine Option, aber es wäre ziemlich Riskant. Riskant... wäre es für sie wahrscheinlich überall hier, oder? Warum habe ich mich bisher nur nicht mit der Arbeit, dem Institut und ... Ein leichtes Kopfschütteln später vertrieb ich die Gedanken daran, was ich in der Vergangenheit hätte besser machen können. Das würde im Moment niemandem Helfen, aber sie schien ein Schlüssel dazu zu sein, was ich versäumt habe. Jetzt muss sie mir nur noch Vertrauen. Vertrauen? Wie könnte sie mir einfach so Vertrauen? Einem Fremden, in einer Fremden Umgebung... Ein stiller Seufzer entglitt mir und ich kratzte mich am Hinterkopf. Wenn sie schon von Töten sprach... und wenn ich daran denken musste, was meine große Schwester mit ihren 'Subjekten' angestellt hatte. Dann wäre es nur logisch wenn sie sich, vor dem was sie erwarten könnte, fürchtete.

      Ich drehte mich um und ging zur Tür und drückte einen der Knöpfe. "Gordon, bereiten sie die Limousine vor. Für mich und Miss... meinen Gast, zur Villa." Ohne auf eine Bestätigung zu warten nahm den Finger von der Sprechanlage und ging wieder zu der Rothaarigen. Wenn ich sie hier weg bringe und zu mir nach Hause... es ist ein Glücksspiel und es ist ungewiss wie sein Vater drauf reagierte, oder was passieren würde, wenn Yvonne sie sehen würde. Aber sie hatte auch schon Subjekte mitgenommen. Und dort ist es einfacher für mich auf sie aufzupassen.

      Nachdem ich mich wieder zu ihr begab rieb ich mir am Nasenbein und überlegte wieder. "Du gehörst mir, Offiziell. Also wird dir vorerst nichts anderes übrig bleiben, als mir Vertrauen zu müssen. Das ist natürlich viel verlangt aber ich denke ich kann meinen Teil des Versprechens eher einlösen, wenn du mit mir kommst. Dort bekommst du ein Zimmer für dich und alles was du benötigst. ... Außer natürlich deiner Freiheit." Der letzte Satz gefiel mir selbst überhaupt nicht. Ein fader Beigeschmack wäre untertrieben ausgedrückt. Also lehnte ich mich zu ihr und flüsterte, "Erzähl mir mehr. Über dich, die Welt da draußen, die Sicht auf das Institut... ich möchte es wissen, damit ich nicht den selben Fehler mache wie... andere. Und wenn ich wieder normal spreche, erzähl mir nur das gröbste, bevor wir abgeholt werden, okay?"

      Damit endete ich mein flüstern ihr gegenüber, "Also... erzählst du mir nun von dir und wie du hier zu mir gekommen bist? ... Und wenn der Wagen da ist, gehen wir."
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

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      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      Auf meine Fragen erhielt ich keine Antwort. Wieso auch, immerhin war ich nur eine lästige Begleiterscheinung zu einem seltenen und wertvollen Körper. Genervt verschränkte ich erneut meine Arme vor der Brust und wand den Kopf zur Seite richtung Fenster. Im Moment gäbe es so viele Orte, an welchen ich lieber wäre als hier. Doch keiner dieser Orte konnte ich von hier oben erblicken, zumal die Meisten von ihnen unterirdisch lagen.
      Als der Junge einfach zur Tür lief, einen Knopf drückte und etwas mir unverständliches sagte fing mein Herz an schneller zu klopfen. Ich wusste nicht was er vorhatte, was er mit mir vorhatte. Schnell blickte ich mich um auf der Suche nach einem Ausweg, doch vergeblich. Die Fenster besaßen keine Griffe und an der einzigen Tür, welche nach draußen führte stand der Fremde. Egal was er vorhatte, ich musste wohl oder übel mitmachen. Ob er sein Angebot mich zu beschützen ernst meinte wusste ich nicht, doch was blieb mir für eine andere Wahl als ihm einfach zu vertrauen? Gerade als ich versuche mir einzureden, dass mir nichts passieren würde drehte er sich um und sprach folgenden Satz: " Du gehörst MIR." Zwar sah ich, wie sein Mund sich weiter bewegte, doch seine Worte kamen nicht bei mir an. Ich ... er sah mich also als seinen Besitz, wie ich es mir von anfang an gedacht hatte. Erschrocken bließ ich meinen Atem aus und taumelte ein paar Schritte zurück. Mit Dingen, welche einem gehörten, durfte man machen was man wollte. War das seine Aussage? Das ich nun zu seinem Spielzeug geworden war und er sich nach Lust und Laune an mir austoben wollte? Blanke Panik stieg in mir auf. Nein, das würde ich nicht zulassen. Niemals würde ich es dulden, dass ein anderer Mensch mit mir macht was ihm beliebte. Eher würde ich es riskieren bei einem Fluchtversuch erschossen zu werden!
      Mit Hasserfüllten Augen starrte ich dem Fremden direkt in seine Augen. Er hatte aufgehört zu sprechen. Ob seine Worte wichtig waren konnte ich nicht sagen, denn ich hatte sie nicht gehört.Noch bevor ich reagieren konnte war der Fremde bei mir und hielt mich am Arm fest, damit ich nicht weglaufen konnte. Aber wohin hätte ich bitte schön laufen sollen, aus diesem Käfig gab es kein Entkommen für mich. Langsam beugte er sich zu mir, woraufhin ich angewidert den Kopf wegdrehte. Wenn er einen Kuss von mir wollte, dann musste er ihn sich mit Gewalt holen. So leicht würde ich es ihm nicht machen. Allerdings gingen seine Lippen nicht zu meinem Mund, sondern zu meinem Ohr.
      "Erzähl mir mehr. Über dich, die Welt da draußen, die Sicht auf das Institut... ich möchte es wissen, damit ich nicht den selben Fehler mache wie... andere. Und wenn ich wieder normal spreche, erzähl mir nur das gröbste, bevor wir abgeholt werden, okay?", flüsterte er kaum hörbar. Erschrocken riss ich die Augen auf. Lies ich mich von meinem Hass auf die Firma blenden, wollte dieser Junge mir wirklich nur helfen? Verwirrt blickte ich ihn an, als er seinen Kopf wieder zurückzog.
      "Ich .. äh", stammelte ich. "Was für ein Wagen?" Vielleicht hätte ich ihm vorhin doch lieber zuhören sollen, anstatt in meinen hasserfüllten Gedanken zu versinken. Naja, musste er es mir eben noch einmal erzählen.
      "Offensichtlich bin ich nicht freiwillig hier", entfuhr es mir trotzig. Was dachte er denn, wie ich hier gelandet war? Das ich einfach zum Haupteingang marschiert bin und rief 'Hier bin ich nehmt mich gefangen'? Also wirklich, ein bisschen mehr Grips hätte ich von ihm schon erwartet.
    • Erias

      War es wirklich so schlimm für sie? Aber warum schaute sie mich denn mit so hasserfüllten Augen an? War das Angebot nicht eigentlich in ihrem Sinne, oder hat es sie etwa verschreckt, dass ich sie 'mein Eigentum' genannt habe. Aber anders hätte ich es im Moment nun mal nicht ausdrücken können - es war halt so. "Was für ein Wagen?" - Verwundert schaute ich sie an. Wie 'was für ein Wagen' dachte ich mir und war mir nicht sicher ob sie überhaupt zugehört hatte. Das würde zumindest ihr jetziges Verhalten erklären. "Offensichtlich bin ich nicht freiwillig hier" - "Offensichtlich...." antwortete ich ihr irritiert, wandte mich von ihr ab und versuchte mich zu konzentrieren. "Offensichtlich... hast du mir nicht zugehört. Wobei es auch welche gibt die freiwillig hier sind. Aber deinem Verhalten nach zu urteilen gehörst du definitiv nicht dazu." Einen Seufzer konnte ich nicht zurückhalten und rieb mein Nasenbein.

      'Es muss kurz und knapp sein, ansonsten muss ich sie wirklich einfach mitschleppen und von hier weg bringen. So sehr sie sich auch sträuben würde. Aber... vielleicht lenkt sie ja doch noch ein.' Einen weiteren Versuch ist es wert. Kurze Zeit später drehte ich mich wieder zu ihr, trat ihr gegenüber und schaute auf sie herab. Ich wusste wo in diesem Raum die Kamera war und wo die Glaswand, also begann ich deutlich zu sprechen. "Hör mir jetzt genau zu. Du gehörst mir offiziell." Daran angefügt sprach ich leise, fast schon flüsternd weiter, "ich will dir nichts tun, versuch mir zu vertrauen und spiel einfach mit. Dann kann ich versuchen dir zu helfen, okay?"
      Am Ende fügte ich noch etwas zum begonnenen Spiel hinzu, "Ich werde dich mit nach Hause nehmen um dich zu trainieren, wie es schon meine Schwester mit ihren Spielzeugen tat," "... verstehst du einfach mitspielen, für die Zuschauer."

      Nun musste
      sie es aber wirklich mitbekommen haben, dass er zumindest versuchte ihr nichts böses tun zu wollen. "Also... komm mit, wir bringen dich hier weg." Dann nahm er das Mädchen an der Hand, führte sie hinaus und würde sich wieder auf den Weg zu ihm nach Hause machen. Da würde er hoffentlich mehr erfahren, mit weniger Augen, die ihn beobachteten.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      Offensichtlich hörte ich ihm nicht zu, das hatte er schon richtig verstanden. Immerhin teilte er mir eben mit, dass ich nun sein Besitz sei. Da war es doch verständlich, wenn seine restlichen Worte bei mir nicht mehr ankamen.
      Wer lies sich denn freiwillig gefangen nehmen? Der Fremde bekam einen verständnislosen Blick von mir, wobei er wahrscheinlich ebenfalls nicht wusste, warum man sich selbst diesem Reich der Finsternis ausliefert.

      Zu meiner weiteren Verwunderung kam er mir, nach kurzem Nachdenken, erneut ziemlich nahe. Diesmal jedoch drehte ich nicht meinen Kopf weg, sondern hielt seinem Blick stand. Bei seinen Worten zogen sich erst meine Augenbrauen zusammen, bevor sie nach oben gingen. Ich verstehe. Er sprach also nur in mein Ohr, damit die Leute hinter der Kamera nichts davon mitbekamen. Ich musste dem Drang die Kamera anzuschauen sehr widerstehen, aber ich schaffte es.
      "Okey", antwortete ich ihm. Er sollte wissen, dass ich ihn jetzt verstanden hatte. Vielleicht schätzte ich ihn falsch ein und er war doch kein Monster, wer weiß. Das würde ich noch früh genug in Erfahrung bringen.
      Anschließend griff er einfach meine Hand und lief mit mir zum Ausgang. Widerwillig ließ ich ihn mich hinter ihm herziehen, denn ich wollte nicht seine Hand halten. Mitspielen war für mich in Ordnung, aber ich wollte keinen näheren Kontakt zu anderen Menschen. Dafür war ich im Moment noch viel zu aufgewühlt. Er führte mich durch endlose weiße Gänge, in welchen ich schon nach der ersten Abzweigung die Orientierung verloren hatte. Mir war es ein Rätsel, wie sich hier jemand zurechtfinden konnte.
    • Erias

      Gottseidank hat sie mir endlich zugehört! Nun heißt es nur noch, dass wir unser kleines Schauspiel einigermaßen gut über die Bühne bringen können. Immerhin hängt davon jetzt nicht mehr nur ihr Leben ab, sondern möglicherweise auch meins. Da ich den Wagen bereits gerufen habe konnte ich sie endlich von hier weg bringen. Die beste Wahl wird immer noch das Haus meines Vaters sein. Zwar gibt es dort einige Menschen, die mir einen Strich durch die Rechnung machen könnten, allen voran meine große Schwester, aber immerhin gibt es nicht so viele Sicherheitskameras im Haus und die Sicherheitsvorkehrungen, die es gibt kenne ich selbst gut genug. Das sollte also eigentlich kein Problem sein, oder?... Hoffentlich klappt alles. Lange hatte ich sie an der Hand mitziehen müssen, aber in der Zwischenzeit hat sie etwas aufgeholt und kommt von alleine mit. Ich bin froh, dass ich mir vorher einen Weg gemerkt habe, sonst hätte ich es mit Sicherheit nicht aus diesem Irrgarten geschafft. So eine blöde Planung, wer denkt sich so einen Mist aus? Durch viele Gänge, die alle irgendwie gleich aussahen, durch Türen die in weitere gleiche Gänge führten bis wir endlich an einem rettenden Fahrstuhl angekommen waren. "Na endlich!" ächzte ich erleichtert. Bald würden wir bei mir sein und nicht mehr in diesem... weißen Bunker. Während sie im Fahrstuhl auf das Parkdeck gebracht wurden teilte er ihr noch einmal grob den Plan mit. "Wir verlassen das Institut, steigen in die Limousine und werden zu mir gebracht. Dort kann ich vorerst für dich Sorgen, solange es nötig ist. Verstanden?" Langsam begann mein Herz vor Adrenalin immer schneller zu schlagen als das schöne Mädchen meinen Plan mit mir in die Tat umsetzen wollte. Danach würden sie weiter sehen. "Das Größte Problem... würde wohl meine Schwester darstellen." Mein Blick war unsicher aber ernst, "Aber es ist dennoch sicherer dort." Ich nickte, mehr zu meiner eigenen Versicherung. Das Parkdeck erreichten wir ohne Probleme und endlich konnten wir durchschnaufen, als wir im Wagen saßen. Glücklicherweise handelte es sich um einen Wagen mit großem Sitzabteil für die Fahrgäste hinten und einem abgetrennten Fahrerbereich. Ich merkte jetzt erst wie die Anspannung aus meinem Körper wich, als ich mich in den Sitz fallen lassen konnte. Sie hatte ich vor gelassen, sodass sie sich selbst setzen konnte. Die Fahrt selbst sollte nicht lange dauern bis wir auf das große Gelände der Villa, die mitten in der Stadt gelegen hatte, eingetroffen waren. Es war ein riesiges Anwesen, gerade genug für den Mann, der die heutige Gesellschaft mitbegründet hatte.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

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      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      Nach einer Ewigkeit des Laufens kamen wir endlich an einem Fahrstuhl an. In diesem sprach er erneut mit mir, weshalb ich mir extra Mühe gab ihm diesmal zuzuhören.
      "Verstanden", gab ich ihm zur Antwort ohne ihn dabei anzuschauen. Er hielt immer noch meine Hand fest und ich wehrte mich nicht dagegen. Mit geschlossenen Augen nahm ich einen tiefen Atemzug. Ich gehöre ihm, daran werde ich mich wohl oder übel gewöhnen müssen. Das hieß allerdings nicht, dass ich mir alles gefallen lassen musste ... oder? So leise wie möglich atmete ich wieder aus, damit er mich nicht seufzen hörte. Ich musste stark bleiben, irgendwie würde ich schon einen Weg finden nach Hause zu kommen. Es musste einen Weg geben.

      Ich staune nicht schlecht, als mir einer der Soldaten die Tür zu der Limousine aufhält. Drinnen gibt es sehr viel Platz und ich setze mich auf einen weichen Ledersitz, welcher sich sehr bequem anfühlt. Die Fensterscheiben sind getönt, weswegen ich nicht nach draußen schauen kann, was mich nicht sonderlich störte. Ich war es gewohnt unter Tage zu leben, ohne Fenster.
      Die Fahr dauerte länger als ich vermutete und während der gesammten Fahrt sprachen wir nicht ein Wort. Ich wusste auch nicht, wie ich ein Gespräch hätte anfangen sollen. War das was ich sagen würde, überhaupt von Bedeutung? Ob er sein Versprechen mich zu beschützen ernst meinte konnte ich immerhin nicht sagen. Vielleicht sagte er das auch nur, damit ich mich in Sicherheit fühlte und er anschließend mit mir machen konnte, was er wollte. Unbemerkt entglitt mir ein Seufzer.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt der Wagen an und die Tür wurde geöffnet. Ich wartete, doch ein Diener hielt mir seine Hand hin, um mir beim Aussteigen zu helfen. Ich staunte nicht schlecht, während ich mich umsah. Der weiße Kies, auf welchem ich stand, glitzerte im Sonnenlicht. Das Haus vor mir, das eher einem Schloss glich, war atemberaubend. Riesengroß und mit wundervoller Architektur strahlte es eine enorme Autorität aus. Fast schon ehrfürchtig folgte ich dem Diener die weißen Marmortreppen hinauf zur Eingangstür. Drinnen führte ein roter Teppich auf einem weißen Marmorboden eine ebenfalls weiße Treppe hinauf, welche sich an der Wand nach rechts und links teilte. Ich staunte nicht schlecht über den glitzernden, goldenen Kronleuchter, welcher über mir zu schweben schien. Alles hier fühlte sich wie ein Traum an, als wäre ich eine Prinzessin, welche ein Schloss betritt. Als ich jedoch den Jungen sah, welchem ich nun gehörte schloss sich mein Mund und meine Gedanken kamen wieder in der Wirklichkeit an. Ich war keine Prinzessin in einem Schloss, sondern eine Gefangene in einem Gefängnis. Überall konnte ich Kameras erkennen und Diener, welche geschäftig hin und her wuselten. Den Rücken durchgestreckt lief ich dem Jungen hinterher.
    • Erias

      Mit einem verständnisvollen Lächeln betrachtete ich die Reaktion meiner neuen Mitbewohnerin in diesem Haushalt. Sicherlich war es etwas zu hoch gegriffen sie im Moment als Mitbewohnerin zu bezeichnen, allerdings hoffte ich ihr ihre Sorgen zumindest so weit es geht zu nehmen. Das änderte natürlich nichts an dem Umstand, dass sie mir gehörte. Bedeuten, dass ich alles mit ihr machen würde, tat es aber nicht. Jedenfalls nicht für mich. In Wirklichkeit wusste ich noch gar nicht wirklich was ich mit ihr anstellen sollte. Vielleicht war dies mitunter Teil eines Plans seines Vaters? Herauszufinden wie verschieden Menschen in bestimmten Situationen agieren oder reagieren. Ich wusste es nicht, denn das Wichtigste war jetzt die Person neben mir. Sie war mein, aber dann wieder doch nicht - verständlich, denn sie war gegen ihren Willen hier. Nachdenklich gingen wir über den Teppich, während ich mir überlegte: was jetzt?

      Mein Blick wanderte umher und betrachtete die riesige Eingangshalle der Residenz. Warum habe ich mir nie wirklich Gedanken darum gemacht, wie groß dieses Haus wirklich ist? Wenn ich mir ihre Reaktion so ansehe... Ist das wohl mehr als erschlagend für sie. Mit einem Nicken hatte ich mich entschieden. "Das 'Haus' muss wahrscheinlich überwältigend für dich sein. Ich werd' dich ein wenig herumführen, damit du weißt wo was zu finden ist. Natürlich glaube ich kaum, dass es auf Anhieb alles im Gedächtnis bleiben wird."

      Zwar musste ich kurz auf sie warten, bis sie sich etwas von dem neuen Anblick erholte, aber konnte dann mit der Führung beginnen. Aus seinen Erinnerungen versuchte ich es selbst zusammen zu stellen, wie man das Haus am besten beschreiben könnte. Nachdenklich hielt ich mein Kinn in Daumen und Zeigefinger und zeigte dann zur weißen Marmortreppe, die sich vor uns erstreckte. "Ich muss selbst ein wenig schauen, wie ich dir alles zeige, aber hier ist mehr oder weniger der größte Knotenpunkt des Anwesens." Mein Zeigefinger versuchte mit einer Halbkreis-Bewegung von unserer Position hinter die Treppe zu deuten und begann mit der Erklärung, "Unten, hinter der Treppe ist ein Durchgang zu Arbeitsbereich, wichtigen Treff- und Konferenzräumen sowie eine große Küche. Man kommt auch von oberhalb der Treppe in den Trakt, der hauptsächlich für geschäftliche Tätigkeiten gedacht ist. Dort ist sowohl eine Treppe als auch ein Fahrstuhl in den Keller. Wobei Keller vielleicht etwas untertrieben sein könnte. Dort sind Labore, unsere Sicherheitskräfte und so weiter." Bei dem Gedanken spitzte ich meine Lippen überlegend und musste instinktiv mit den Schultern zucken. "Zu den Seiten gibt es nicht nur die Treppen, die nach oben führen, sondern natürlich ebenfalls Fahrstühle. Man kann ja nicht immer nur Treppen laufen, oder?" Das kurze Lachen konnte ich mir dann einfach nicht verkneifen. Treppen steigen ist nun nicht unbedingt eines meiner Lieblingsbeschäftigungen.

      "Zu deiner Rechten ist der Wohn- und Lebensbereich meiner Familie. Wobei Familie... Dort sind auch Gästezimmer für wichtige ... nun ... Gäste, oder auch andere denke ich. Sehr opulent und mit allen Annehmlichkeiten muss ich schon sagen. Dort sind noch einige Zimmer frei." Mit einer ausladenden Handbewegung klappte ich meine Hand zur linken Seite, "Uuunnd zu deiner Linken ist der Wohn- und Lagerbereich für unsere Angestellten, Haushälter... all die Menschen, die du hier so rum wuseln siehst. Jeder Bereich hat natürlich auch seine eigenen Toiletten, falls es mal dringend sein sollte. Aber ansonsten sind die Räume meist jeweils damit ausgestattet. In manchen Räumen, zum Beispiel für die Gäste, ist sogar ne Küche." Bei der Vorstellung musste ich mit dem Kopf schütteln, denn wenn ich es so erzählte... kam mir die Absurdität selbst unglaublich vor. Aber in welches Zimmer soll ich sie bringen? Wäre es sinnvoll oder klug sie zu den Angestellten ... oder doch lieber in meine Nähe zu bringen. Ist das etwas, was ich sie entscheiden lassen sollte? "Komm, ich zeig dir mal eines der Gästezimmer."

      Ich schritt also voran und erklomm die Treppen zu meiner Rechten und führte sie weiterhin auf weichem Boden durch verschiedene Türen, bis wir in einem langen Flur angekommen waren. Wirklich Augenmerk auf meine Umgebung legte ich in der Zeit nicht wirklich. Die Bilder meines Vaters und verschiedener Familenangehöriger habe ich schon oft genug zu Gesicht bekommen, so dass ich mir nicht die Zeit nehmen wollte um vor Ehrfurcht vor ihrem Portrait zu erzittern, oder so ähnlich. Die Zimmer waren alle mit eigenen Türen versehen, die in nicht gerade geringen Abständen zueinander die Wand säumten. Die Eingänge wirkten fast wie Eingänge zu einem Haus auf der Straße, mit Raumbezeichnung und eigener Nummer. Nach einer Weile kamen wir vor einem Zimmer an: 033 - Menea. "Wenn du möchtest, schau es dir gerne an, dann kannst du das Zimmer haben. Das wäre dann mehr oder weniger in meiner Nähe." Ich zeigte den Flur weiter, "Zwei Türen weiter wäre mein Zimmer. Wenn das für dich in Ordnung ist. Ansonsten zeige ich dir ein Zimmer drüben bei den Angestellten. Mein Wunsch wäre es aber, wenn du hier bleiben würdest." Mit einem Lächeln öffnete ich dann die Tür, wies ihr mit ausladender Gestik den Vortritt, "Nach dir Nori."
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

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      Es ist deine Zeit.
    • Nori
      Bei der Führung durch das Anwesen staunte ich nicht schlecht. Überall blieb ich stehen und betrachtete entweder kunstvoll gestaltete Möbel, Säulen oder Gemälde. Für ihn war all dies nichts besonderes mehr, doch ich sah diesen Luxus zum ersten Mal. Ich versuchte mir soviel es ging von dem zu merken, was er mir erzählte. Vielleicht würden diese Informationen für einen Fluchtversuch noch wichtig sein, doch die Informationen waren viel zu viel. Das Gebäude war unglaublich groß, viel größer als ich es mir jemals vorstellen konnte. Vermutlich würde ich mich hier ständig verlaufen.

      Am Ende der Tour fragte er mich, welches Zimmer ich gerne hätte. Meine Wahl bestand aus einem bei den Angestellten, wo vermutlich ständig reges treiben herrschte und ich mich nicht unbemerkt bewegen konnte. Das andere war in der Nähe von seinem Zimmer, bei dem wahrscheinlich weniger Leute rumwuseln würden als in dem anderen Flügel. Welcher das war hatte ich schon wieder vergessen, mein Kopf schmerzte bereits von den vielen Dingen, die ich mir merken sollte. Der Junge, dessen Namen ich immer noch nicht weiß, öffnete mir die Tür und ließ mich vorangehen. Ich staunte nicht schlecht, als ich das Zimmer sah. Es war viel größer und luxuriöser, als das Zimmer, in welchem ich zuerst gefangen gehalten wurde. Zudem bestand es nicht aus einem Zimmer, sondern aus mehreren. Das Badezimmer war so groß, wie der Aufenthaltsraum bei uns im Untergrund. Darin befanden sich ein Whirlpool und eine Dusche, zudem war der Raum von prunkvollen Fliesen umgeben. Das Wohnzimmer grenzte direkt in eine Küche, welche ebenfalls sehr groß war. Allerdings glaubte ich nicht, dass ich sie jemals benutzen würde. Zwar wusste ich ein wenig, wie man kochte, doch ich vermutete, dass die Angestellten diese Aufgabe übernahmen. Im Wohnzimmer befand sich eine sehr gemütlich aussehende Couch, mit einem ebenfalls sehr großem Fernseher. Ich hatte das Gefühl, dass alles in diesem Gebäude riesig war. Musste da jemand etwas kompensieren? Grinsend sah ich mich weiter um. Das Schlafzimmer war ebenfalls sehr groß, mit einem wunderschönen Himmelbett. Staunend ließ ich meine Finger über den weichen Stoff der Bettdecke streichen. Anschließend ließ ich mich auf das Bett fallen. Nunja, viel eher musste ich reinspringen, da es ziemlich hoch war. Die Matratze war weicher als alles, was ich bisher kannte. Unmerklich entglitt mir ein lauter Seufzer. Ich könnte sofort einschlafen.
      "Ich bleibe hier", murmelte ich. Mein Kopf war halb in der Decke versunken, weswegen meine Worte recht undeutlich klangen. Er würde mich schon verstehen. Ein wenig hin und her rollend machte ich es mir gemütlich. In Fötusstellung mit einem Kissen unter dem Kopf starrte ich ihn an. Meine Worte bedeuteten eigentlich, dass er mich alleine lassen sollte. Ich war müde.
      "Ich möchte schlafen", wiederholte ich deshalb meine Bedürfnisse. Vielleicht würde er es ja jetzt verstehen. Mir war es egal, dass es mitten am Tag war. Dieses Bett wollte ich erst einmal nicht mehr verlassen.
    • Erias

      Mit einem Lächeln beobachtete ich ihre Reaktion während sie sich in der 'Wohnung' umgesehen hatte. Großes Erstaunen war ihr anzusehen und es schien das erste Mal seit einiger Zeit gewesen zu sein, dass sich ihre Laune wieder angehoben hatte. Ich folgte ihr still und genoss es selbst, wie sie diese unbekannte neue Welt entdecken durfte. Leider war es sicherlich immer noch ein Gefängnis, aber zumindest konnte ich versuchen ihr diese Last so gut es ging von der Seele zu nehmen. Sicherlich war dieser neue Wohnraum ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen, aber natürlich nicht der letzte. Wie sie sich geradezu auf das Bett gestürzt hatte ließ ihn leicht lachen, denn dieses schien es ihr mehr als nur angetan zu haben. Als das Mädchen fast schon in der Bettdecke verschwand und erleichtert etwas murmelte rollte sie sich wie ein Kätzchen zusammen. Süß sieht sie auf jeden Fall aus und vielleicht würde sich bald auch ihre Einstellung zu ihm ändern, zumindest zu ihm. "Ist gut, wenn irgendwas ist, kannst du am Haustelefon im Eingangsbereich die 0 drücken und kommst zur Hausverwaltung. Wenn du ihnen da meinen Namen nennst und deinen Wunsch, dann wird dir geholfen. Oder du wählst die 7, darunter bin ich eingespeichert." Allerdings musste ich danach kurz überlegen, ob ich ihr meinen Namen deutlich vermittelt hatte. Ich meinte mich zu erinnern, dass ich es ganz zu Anfang tat, aber da war sie noch ... In der Tür vom Schlafzimmer drehte ich mich mit einem sanften Lächeln noch einmal zu ihr. "Erias heiße ich. Erias Koahu Jen. ... Na, dann ruh dich aber mal aus. Achja, wenn du was zu trinken brauchst... im Kühlschrank sollte was sein. Ansonsten- bis später."
      Mit einem kurzen Handwink verließ ich nicht nur das Zimmer sondern auch die 'Wohnung' nur um einige Meter weiter in meinem Zimmer zu verschwinden. Eigentlich hatte ich nichts weiter vor und legte mich aufs Sofa und genoss ein wenig die Ruhe. Was soll ich nur mit ihr machen? Vielleicht ein wenig die Gegend zeigen, oder etwas unternehmen. Vielleicht hat sie ja auch Ideen dazu? Vielleicht sollten wir ja zusammen kochen, dann wüsste sie zumindest, dass das Essen in Ordnung wäre.

      Während meine Gedanken ein wenig umher schweiften, nickte ich selbst unbemerkt ein.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      "Erias Koahu Jen", wiederholte ich leise murmelnd seinen Namen. Ich nickte kaum merklich und schloss meine Augen. Mit meinen Armen umklammerte ich eines der weichen Kissen und entspannte mich. Ich wusste nicht wieso, doch der Wechsel der Räumlichkeiten hatte meine Stimmung grundlegend verändert. Momentan war ich nicht mehr wütend und verängstigt, sondern sehr müde und wiegte mich in meiner kleinen Blase in Sicherheit. In diesem Bett würde mir niemand etwas antun, zumal Erias mir versprochen hatte, dass er mich beschützen würde. Dennoch war ich immer noch misstrauisch ihm gegenüber, denn er war weiterhin ein Fremder für mich.
      Noch bevor ich weiter über ihn grübeln konnte fielen mir die Augen zu und ich versank in einen traumlosen Schlaf.

      Langsam öffnete ich meine Augen und schnellte kurz darauf in die Höhe. Kerzengerade saß ich in einem sehr weichen Bett und fragte mich, was das für ein Ort sei und wie ich hier hergekommen war. Kurz darauf fiel mir alles wieder ein. Meine Entführung. Der nette Junge, der versprochen hatte mich zu beschützen. Mein neues "Zuhause". Leise seufzend löste ich mich von dem Decken und Kissen wirrwar, welches ich veranstaltet hatte und stand auf. Vorsichtig öffnete ich die Schlafzimmertür, eine Wache in meinen neuen Räumlichkeiten erwartend, doch die Wohnung war leer, weswegen ich mich dafür entschied mich etwas umzuschauen. Zu meiner Überraschung waren diese Räume nicht kindersicher gemacht, es befanden sich sogar scharfe Messer in der Küche. Kurz überkam mich die Versuchung eines zu nehmen, doch ich entschied mich dagegen. Mit einem Messer ging man nicht zu einer Schießerei, das würde nur tödlich enden. Zudem besitzen die Wachen Elektroschockgeräte, wodurch sie mich sofort lahmlegen könnten. Ein gewalttätiger Ausbruch kam daher nicht in Frage. Stattdessen entschied ich mich dafür den Kühlschrank aufzumachen und mir etwas zu Trinken heraus zu nehmen. Anschließend nahm ich mir einen Apfel von der Schale auf der Arbeitsfläche der Küche und machte es mir auf dem Sofa im Wohnzimmer bequem. Noch nie hatte ich meine eigenen Räumlichkeiten, daher wollte ich die Situation wenigstens etwas genießen und für einen Moment vergessen, dass ich eine Gefangene war. Zudem besaß ich noch nie einen Fernseher, weswegen ich verzweifelt versuchte ihn zum Laufen zu bekommen. Doch anstatt etwas interessantes einzuschalten fuhr ich die Jalousien herunter und spielte eine sehr laute Musik ab. Verzweifelt versuchte ich die Musik wieder auszuschalten, doch ohne Erfolg. Meine Niederlage einsehend hielt ich mir die Ohren zu und lief zum Telefon, auf welchem ich die Ziffer 7 wählte. Bitte lass es die richtige Nummer sein...
      Als am anderen Ende endlich jemand abhob, brüllte ich "Hilf mir!" in die Sprechanlage, wobei meine Stimme vermutlich von der Musik übertönt wurde. Wer auch immer hier vorher lebte stand auf aggressive Musik. Ich versuchte eine Antwort zu hören, doch ohne Erfolg. Stattdessen vernahm ich nur das Dröhnen der Musik und die Vibration des Basses. Überfordert von der ganzen Situation ließ ich mich an der Wand nach unten gleiten, mir noch immer die Ohren zuhaltend, und wartete auf meine Rettung.
    • Erias

      Sie ging mir einfach nicht mehr aus den Gedanken. Nun sah ich sie auch schon in meinen Träumen vor meinen Augen und musste an ihre Situation denken. Ein Mädchen mit so seltenen Eigenschaften heutzutage, gefangen genommen und festgehalten nur um dann in meinen Armen zu landen. Was, wenn sie nicht die Einzige ist, was passiert sonst noch so, das nicht mit den Augen der breiten Öffentlichkeit zu sehen war? Mein Stiefvater war immerhin ein berühmter Mann - nein er war DER berühmte Mann dieser Welt. Und ich bin mir nicht sicher, aber wenn ich es mir so recht überlege... mit meiner Mutter war es wahrscheinlich ähnlich gelaufen, oder? Gegen ihren Willen gefangen genommen, geschwängert und der Familie einverleibt. Aber damit hatte ich immerhin ein durchaus angenehmes Leben führen dürfen, abgeschottet von dem was draußen wirklich vor sich ging, oder zumindest das wahre Gesicht seines Vaters und Future Industries. "Aber was ist, wenn sie lügt? Hätte sie einen Grund in dieser Lage darüber zu lügen oder bin ich diesbezüglich zu Naiv und Gutgläubig?" langsam begann ich in einer Art Halbschlaf angekommen zu sein bei dem ich wieder mehr Kontrolle über meine Gedanken hatte und potenziell aufwachen konnte, wenn ich denn wollte. Allerdings war dieser Zustand etwas, was ich zu schätzen gelernt hatte. Immerhin war ich so für mich alleine, normalerweise ungestört und es war mir einfacher meine Gedanken zu fokussieren. Leider half das alles nicht wirklich, denn so würde ich mich sicher nur im Kreis drehen ohne auf ein Ergebnis zu stoßen. Ich musste mehr darüber erfahren und das würde bedeuten, ich musste selbst tiefer in das Biest vordringen - das Biest namens Future Industries. Und Nori war mein Schlüssel, der mir bei der Wahrheitsfindung helfen würde. Vertrauen war diesbezüglich etwas wertvolles, was wir beide uns gegenseitig erst einmal verdienen müssen. Um zu zeigen, dass ich es ernst mit ihr meine darf ich nicht nachlässig sein.

      Also öffnete ich schließlich meine Augen und war gerade auf dem Weg in die Küche um etwas leichtes zu essen vorzubereiten als das Telefon klingelte. Immerhin schien sie sich meine Nummer gemerkt zu haben, oder war es vielleicht wer anders? Nach kurzem weg trat ich ans Telefon als mir ein höllisch chaotischer Lärm entgegen prasselte und ich gerade so eine Stimme darunter ausmachen konnte. So etwas wie Verzweiflung ausmachend entfernte ich den Hörer etwas verwundert von meinem Ohr und hängte auf. Das war mit Sicherheit sie, aber was macht sie denn bloß? Tief durchatmend verließ ich meine Räumlichkeiten und konnte dumpf aus der Richtung ihrer 'Wohnung' Geräusche ausmachen. In diesem Augenblick wurde ihm bewusst, wie wirklich extrem gut schallisoliert die Wände waren. Man hatte einen guten Grad an Freiheit in jeglicher Hinsicht, was die Nutzung der eigenen Räume anging, aber musste sie das direkt so auskosten? Nachdem ich die Tür zu ihr öffnete kam mir eine laute Druckwelle an Musik entgegen, die mir es schwer machte einzutreten. Kurz umblickend verzog sich mein Gesicht etwas, weil es mir für den Augenblick doch etwas laut war und die Musik zwar tendenziell seinen Geschmack traf, aber doch etwas zu derbe gewesen ist. Dann sah ich sie kauernd und Ohren zuhaltend an der Wand beim Telefon. Jap, sie war es die ihn angerufen hatte. Also ging ich zuerst zur Anlage um zuerst die Lautstärke abzumildern und dann vorerst auszuschalten. Mit einem leicht hämischen Grinsen blickte ich zu ihr, "Hätte nicht gedacht, dass du auf so eine Musik stehst und dann noch in der Lautstärke. So kann man sich irren, hm?" Langsam schritt ich zu ihr und hielt ihr meine Hand hin, immerhin ein wenig Anstand war ihm zuteil geworden und wollte ihr auf die Beine helfen. Kurz darauf überlegte ich kurz und wollte ihr zumindest ein wenig Hilfe anbieten - ihr sprichwörtlich die Hand reichen. "Wenn du Hilfe brauchst oder Fragen hast, dann raus damit. Du scheinst nicht allzu sehr mit dem Kram auszukennen, oder? Und wenn du etwas machen möchtest, schau ich, was sich tun lässt. Klingt doch gut, oder?"
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      Erleichtert atmete ich auf, als endlich Stille in meinen Räumlichkeiten einkehrte und ich meine Hände von den Ohren nehmen konnte, ohne Angst haben zu müssen, dass meine Trommelfelle platzen könnten.
      "Danke..", murmelte ich beschämt und kam wieder auf die Beine. Erst als ich bereits stand bemerkte ich, dass er mir aufhelfen wollte.
      "Ich wollte eigentlich nur den Fernseher anmachen, aber ich kenne mich mit so etwas überhaupt nicht aus, offensichtlich..", versuchte ich mich zu rechtfertigen. Hoffentlich dachte er nicht, dass diese grausame Musik meinem Geschmack entsprach. Ich wusste nicht einmal welche Musikrichtung das war, es klang wie direkt aus der Hölle. Verlegen verschränkte ich meine Arme vor der Brust und betrachtete Erias.
      "Kannst du mir vielleicht die wichtigen Dinge erklären? Zum Beispiel, wie ich vermeide nochmal so ein Konzert zu verursachen. Oder wie ich die Jalousien wieder nach oben bekomme, ich bevorzuge die Sonnenstrahlen hier drin als die Dunkelheit. Von letzterem hatte ich bereits genug gehabt." Kurz driften meine Gedanken an mein Zuhause ab, im Untergrund. Dort gab es keine Fenster, aus denen man nach draußen hätte schauen können. Wir konnten uns glücklich schätzen eine Belüftungsanlage gehabt zu haben, um wenigstens frische Luft atmen zu können. Andererseits wäre es dort unten sehr stickig gewesen. Wobei man sich daran wahrscheinlich auch gewöhnen kann.
      Mein Blick nahm wieder meine aktuelle Umgebung war und ich erschrak für einen kurzen Moment. Ich vermisse mein Zuhause und meine Freunde sehr. Statt bei ihnen zu sein bin ich hier gefangen und werde sie nie wieder sehen, was an meiner Laune nagt.
      Seufzend brach ich den Blickkontakt und ging in einem angemessenen Abstand an ihm vorbei und ließ mich auf das Sofa fallen. Die Beine angezogen legte ich meinen Kopf darauf und wartete, dass Erias mir einen Technik-Crashkurs gab.
    • Erias

      Zwar hielt ich ihr die Hand hin, dennoch schien sie sich von alleine aufraffen zu wollen, was ich still beobachtete. "Kein Problem", erwiderte ich ihren Dank und beobachtete still, wie sie sich selbst auf die Beine hievte. Nach der Erklärung von Nori, sich mit solchen Dingen nicht auszukennen, hoffte sie auf eine Einweisung in den Umgang mit den Gerätschaften, die ihr eben noch Probleme bereiteten. Ich beobachtete sie noch etwas und war mir nicht sicher, aber ihre Laune schien sich etwas geändert zu haben, was sich auch am Verhalten zeigte. Vorerst setzte ich mich neben sie und blickte sie verständnisvoll an. Ich konnte mir nicht wirklich ausmalen, was wohl in ihrem hübschen Köpfchen vor sich gehen würde, aber das alles musste sie wohl doch eher überfordern. "Tut mir leid. Das muss alles wirklich viel auf einmal für dich sein." Meinen Körper ließ ich etwas nach hinten in die Kissen des Sofas fallen und atmete selbst erst einmal tief durch. Vielleicht wäre das erst einmal der sinnvollere beginn, ihr nach und nach alles näher bringen, ihre Neugier zu entfachen und sie mit Wissen zu füllen. Mit einem leichten Lächeln beugte ich mich kurz darauf wieder nach vorne. "Na gut, dann mal los!" quoll aus mir hervor, als ich mich wieder vom Sofa erhob und sanft ihre Hänge nahm und sie vorsichtig vom Sofa auf die Beine zu mir zog. "Dann versuch ich dir mal ein bisschen zu zeigen." Allerdings blickte ich mich noch fix etwas um, weil etwas dafür fehlte... Nach etwas umschauen erblickte ich das fehlende Puzzlestück und nahm eine eher simpel aussehende Fernbedienung und nahm Nori bei der Hand und führte sie zuerst zu den Jalousien. "Ich denke es ist alles ein wenig Übung und Gewöhnungssache, aber so schwer ist es eigentlich gar nicht. Die Geräte sind zwar etwas altmodischer Art... allerdings hast du die Möglichkeit alle Dinge entweder so zu bedienen, wie es ursprünglich angedacht war, oder du benutzt alles in dieser Wohnung mit dieser Fernbedienung hier." Behutsam nahm er ihre Hand und führte diese an einen von zwei Schaltern, die an der Wand neben den Jalousien angebracht waren. Über jedem Schalter war zudem ein kleines Lämpchen - beide zeigten im Moment Rot an. Zusammen mit ihrer Hand fuhr ich zu einem der Schalter und drückte behutsam, dass er sich umschaltete und mit einem Surren begann sich die eine Jalousie langsam zu öffnen. Nach und nach begann sich das Licht von außen seinen Weg in die Wohnung zu bahnen.

      Dann zeigte ich ihr die Fernbedienung - diese war versehen mit verschiedenen Knöpfen, Symbolen und ein paar Ziffern. "Die Wichtigsten Funktionen der Geräte in dieser Wohnung lassen sich mit dem Teil hier steuern." Ich zeigte ihr die verschiedenen Dinge, die auf der Fernbedienung zu sehen waren und versuchte mich recht kurz und eindeutig zu halten. "Das wichtigste: Du zeigst mit der Bedienung auf das Gerät, das du bedienen möchtest. Ganz oben hast du einen Knopf, der zu einer Hälfte grün und zur anderen Hälfte rot ist. Damit kannst du Geräte ein oder aus schalten, zum Beispiel den Fernseher, die Musikanlage - eben Geräte, die man an und ausschalten kann. Das Licht sollte damit auch umschaltbar sein. Hier hast du oben zwei Pfeile, einen nach oben und einen nach unten, wie der Knopf an der Wand hier, richtig?" Ich drückte ihr die Fernbedienung in die Hand und zeigte damit auf die noch geschlossene Jalousie und führte einen Finger an den Knopf mit dem Pfeil nach oben und drückte zusammen mit ihr. Über der Jalousie und am Schalter vor ihnen leuchtete eine grüne Lampe und das bekannte Surren erklang, begleitet von einer sich öffnenden Jalousie. Dann drehte ich mich mit ihr um, nahm sie mit zum Fernseher und zur Musikanlage und zeigte ihr die verschiedenen Knöpfe und Schalter auf die selbe Weise - wobei es bei der Musikanlage noch zusätzlich ein Rädchen für die Lautstärke gab. Dann zeigte ich ihr die restlichen Knöpfe auf der Fernbedienung. Symbole neben Knöpfen, Pfeile die zur Seite gingen, die Zifferntasten und zusätzlich ein kleines Rädchen wie das von der Musikanlage. Die Knöpfe waren zum einschalten bestimmter Kanäle, zum weiterschalten, zum lauter oder leiser schalten der Lautstärke oder auch für die Erhöhung und Verringerung der Stufe bei verschiedenen Küchenmaschinen. Die Fernbedienung war wirklich DAS Mittel zum Schalten und Walten in der Wohnung. Man könne alles auch mit den entsprechenden Bedienungen oder manuell am Gerät selber nutzen, aber für den alltäglichen Gebrauch eignete sich die Fernbedienung hervorragend.

      "Wenn du möchtest, kannst du dir Zeit lassen und ... ich hoffe es war nicht alles zu überwältigend für dich? Ich hab extra versucht dir die Dinge auch direkt zu zeigen, weil ich es besser finde, als es nur erklärt zu bekommen. Wenn du willst kannst du damit erst mal ein wenig rumspielen und in der Zwischenzeit mach ich was zu essen oder so? Oder ... gibt es noch etwas anders was ich für dich tun kann? Ansonsten setz ich mich erstmal auf das Sofa und sehe dir beim erkunden zu und stehe für fragen bereit?!" Wie bereits angekündigt setzte ich mich wieder auf das Sofa und blickte sie an und hielt ihr die Fernbedienung, die ich zu der Zeit wieder in der Hand hatte, in ihre Richtung und gab ihr ein Lächeln. Erst jetzt überkam mich ein leicht beschämtes Gefühl, was mich etwas erröten ließ, wenn ich daran dachte, dass ich ihr eben die ganze Zeit so nahe gewesen war und die vielen Berührungen während der Erklärung. Dennoch versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen und lächelte weiter.
      Hier könnte natürlich ein kluger, emotionaler oder witziger Spruch stehen.

      Aber warum nutzt du nicht einfach kurz die Zeit und gönnst dir eine kurze Pause?

      Es ist deine Zeit.
    • Nori

      Ich zuckte zusammen, als Erias plötzlich meine Hand ergriff und mich vom Sofa zu dem Fenster zog. Normalerweise fasste man nicht einfach so fremde Personen an, doch anscheinend hatte er was dies betrifft keine Hemmungen. Da er es nur gut meinte zog ich meine Hand nicht zurück, stattdessen lies ich mich von ihm durch den Raum führen, damit er mir sämtliche Technik erklären konnte. Ich hatte gehofft, dass sein Körperkontakt nur bis zu den Jalousien ging, doch wollte er mir lieber die Technik direkt zeigen, sodass ich mir direkt merken konnte, wo ich für was draufdrücken musste. Gar keine schlechte Idee, da so wahrscheinlich mehr in meinem Gedächtnis hängen bleiben wird, als wenn er es einfach nur vorzeigt. Aufmerksam hörte ich zu und nickte an den richtigen Stellen. Meine Gedanken kreisten dennoch oft darum, dass er mich hätte fragen müssen, ob er mir überhaupt so nahe sein darf. Ich seuftze in Gedanken. Meine Privatsphäre werde ich wohl erst einmal nicht mehr haben, solange ich hier gefangen und das Eigentum von diesem Typen bin. Anstatt grimmig zu schauen bemühte ich mich darum ein leichtes Lächeln aufzusetzen und mir mein Unbehagen nicht anmerken zu lassen. Ich nickte an den richtigen Stellen und versuchte mir soviel wie möglich zu merken, damit ich nicht noch einmal hilflos in einer Ecke sitzen und auf Hilfe warten musste.

      "Danke für die Führung", sagte ich am Ende des Technik Crashkurses. "Nein es war nicht zu viel, ich denke ich konnte mir alles gut merken." Noch bevor ich antworten konnte, dass Essen eine sehr gute Idee war um meinen Magen zu beruhigen, setzte er sich schon auf die Couch mit einem grusligen, aufgesetzt gewirktem Lächeln. Er versuchte echt krampfhaft, dass ich mich hier wohlfühlte. Irgendwie ist das schon süß. Ich bemerkte die Röte auf seinen Wangen, konnte mir allerdings nicht erklären woher sie kam. Langsam ging ich auf ihn zu und nahm die Fernbedienung aus seiner Hand, welche er mir netterweise in meine Richtung streckte.

      "Ehm... Danke", brachte ich zögernd hervor und wusste nicht so recht, was ich jetzt sagen oder tun sollte. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich dazu mit der Fernbedienung in die Küche zu gehen und mich ein wenig umzuschauen. Anscheinend war die Technik hier zum Großteil selbsterklärend, doch für einen Technik-Neuling wie mich war es immer noch etwas zu viel. Mit dem Rücken an die Mittelinsel gelehnt betrachtete ich die Schränke. In welchem davon wurde das Essen versteckt? Nachdenklich legte ich die Fernbedienung auf mein Kinn und versuchte herauszufinden, was davon der Kühlschrank war. Nach kurzem Nachdenken entschied ich mich für die größte Schranktür und lag damit sogar richtig. Als ich die Tür öffnete klappte mir meine Kinnlade runter. So viel Essen hatte ich noch nie in einem Kühlschrank gesehen, und das war alles für mich? "Wooow", entfuhr es mir und ich versuchte wieder einen normalen Gesichtsausdruck zu bekommen. Allerdings glaube ich, dass mir das nicht wirklich gelang. Nach kurzem Suchen in der großen Vielfalt entschied ich mich für Rührei und holte eine Eierpackung heraus, welche ich hinter mir auf die Arbeitsplatte der Mittelinsel stellte. Soweit so gut. Wo befanden sich nun die Pfannen, das Öl und ein Pfannenwender? Dann brauchte ich auch noch Teller, Besteck und etwas zu Trinken ...

      "Erias?", rief ich etwas lauter, damit er mich drüben im Wohnzimmer hören konnte. Anschließend drehte ich mich um und blickte in seine Richtung. "Kannst du mir bitte helfen? Ich weiß nicht wo hier alles steht. Ich wollte Rührei machen, aber du kannst auch gerne etwas anders kochen, wobei ich dir helfen kann." Den Kühlschrank wieder schließend wartete ich darauf, dass er zu mir kam und mir beim Kochen half.