Bad Choices [TheBentoFox & Daisy]

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    • Bad Choices [TheBentoFox & Daisy]

      Bad Choices
      Zu den Extras ♥

      Danica Kalsanik
      Alle hatten gelacht und es herrschte wirklich gute Stimmung. Sie hatte ein bisschen getrunken aber das konnte sich kaum großartig auswirken. Schließlich kicherte sie lediglich ein bisschen mehr als sonst und plapperte ihren Kolleginnen etwas vor. Dann hatte jemand diese fantastische Idee noch einmal auf die Piste zu gehen. Wie wäre es mit einem Rennen? hatte jemand mit einem breiten Grinsen gesagt und alle waren begeistert, allen voran Emiri. Und dieses Mal schaff sogar ich es bis nach unten! schwor sie den anderen feierlich. Es war schon dunkel geworden, als sie endlich ankamen und der kalte Wind nüchterte sie ein wenig aus. Klarere Gedanken machten sich in ihr breit; war das wirklich eine gute Idee? Die anderen hatten das schon mal gemacht, sie waren einigermaßen erfahren, aber sie hat bei diesem Ausflug das erste Mal Skier überhaupt angefasst. Sie hatte gezögert und die anderen vorgelassen bis sie als letzte oben blieb. Sie spürte ein Kribbeln in ihrer Brust. Ein Kitzeln, als würde etwas wichtiges passieren.
      Und dann gab sie sich den Ruck. Sie sauste den Berg herunter. Viel schneller als zuvor auf der Anfänger-Piste. Hier gab es immerhin eine richtige Steigung und alle vorherigen Sorgen waren einfach verschwunden und sie hatte Spaß. Sie bemerkte gar nicht, dass die Strecke durch ein kleines Gehölz führte. Bis sie schließlich mit aller Kraft mit einem harten, unnachgiebigem Hindernis zusammen stieß. Ihr waren sofort die Lichter ausgegangen, noch bevor die junge Frau im Schnee landete. Und während sie da lag, bewusstlos in der Kälte, ging die Sonne endgültig unter und hüllte die Welt in die selbe Schwärze, in der auch Emiri versunken war. Und während sie nichts spürte, nicht einmal ihre eigene Existenz, ging ihr ein letzter Gedanke durch den Kopf, bevor sie ihren Lebenshauch ausatmete.

      Moment, ist das nicht eine wirklich dumme Art zu sterben?

      Wie lange sie in der Schwärze gewesen ist wusste sie nicht. Ob sie vielleicht für immer oder gar nicht in diesem Zustand schwebte konnte sie nicht sagen. Sie spürte keine Temperatur, keine Sorgen, keine Bewegung, keine Gedanken. Bis das ganze langsam anfing sich zu ändern. Sie wurde... bewegt. Nein, ihre Umgebung bewegte sich. Fast wie in Wellenbewegungen sackte sie hin und her. Anschließend legte sich etwas auf ihren Körper. Es lag Masse darauf. Oder war das nur ihr eigenes Gewicht? Sie spürte keinen Wind und dennoch hatte sie das Gefühl zu wandern. Mal auf mal ab. Ihre Ruhe wurde gestört, sie war verwirrt. Immer mehr kam sie zurück zu ihren Sinnen, bis sie schließlich ihre Augen aufschlug und erwachte.
      Mit dieser Sekunde wurde sie so brutal aus dieser Schwärze herausgerissen. Es war, als lege sich eine gigantische Klaue in festem Griff um ihren Körper und riss sie hinab. Sie zappelte und versuchte sich zu lösen. Sie wollte schreien, doch da begriff sie, dass sie nicht atmete. Das Gefühl zu ersticken machte sich in ihr breit und als die Panik immer größer wurde, riss sie sich schließlich endlich los aus diesem qualvollen Zustand.
      Schwer atmend und in Schweiß gebadet setzte sie sich auf. Keuchend griffen ihre Finger nach dem Stoff an ihrer Brust. Ihr Herz hämmerte wie wild und ihr ganzer Leib zitterte. Sie sah hinab auf eine edle weinrote Bettdecke mit aufwändigen Stickmustern. Noch immer hatte sie sich nicht ganz gefangen, da trat bereits die Verwirrung auf. Wo...? Sie versuchte sich an etwas zu erinnern. Sie war Ski fahren mit ihren Kollegen anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Firma. Doch irgendwie verschwammen die Bilder ein bisschen vor ihrem inneren Auge. Wie eine Stör-Sequenz in einem Video, das ihr Kopfschmerzen bereitete. Was um alles in der Welt war nur passiert? Vorsichtig schüttelte sie den Kopf und schaute sich um. Inzwischen hatte sich ihr Atem endlich beruhigt und auch ihr Herzschlag war im Begriff sich zu normalisieren. Sie fand sich in einem... riesigen Bett wieder. Es war viel zu groß für sie alleine. Hier hätten doch locker drei Menschen Platz gefunden. Ihre Augen wanderten weiter zu teuren Wandtäfelungen, riesigen Fenstern, die mit wunderschönen Gardinen zugezogen waren. Generell war dieses Zimmer allein so groß wie ihre Wohnung. Aber irgendwie war es sehr altmodisch eingerichtet. Nein, eher historisch. War sie in einem Themenpark oder etwas in der Richtung gelandet?
      "Komisch...", murmelte sie zu sich selbst. Wo waren denn dann die anderen? Schwungvoll schlug sie die Decke beiseite und zuckte heftig zusammen, als sie an sich selbst herunter sah. Was für ein... kleiner Körper. Panisch hob sie die Hände, hielt sie nebeneinander und bewegte prüfend die Finger. Was für kleine Händchen! Und was hatte sie da überhaupt an? Sie nahm den Stoff des blütenweißen Nachthemdes mit teuer wirkender Spitze am Saum in die winzigen Finger. Hat sie jemals sowas besessen? Natürlich nicht. Selbst sie begriff dass hier irgendwas nicht normal gewesen ist. Vorsichtig stand sie aus dem Bett auf. Es war ein bisschen hoch für ihre ungewohnt kurzen Beinchen, doch ein bisschen wankend kam sie schließlich auf den Boden und schaute sich dann ein zweites Mal im Zimmer um. Sie erblickte im hinteren Teil einen massiven Schreibtisch und ein hohes Bücherregal. Es gab anscheinend zwei Ausgänge aus dem Raum. Neben ihrem Bett stand eine große Kommode und zwischen den Fenstern eine Art Schminktisch mit einem wundervoll verzierten Spiegel darauf. Eilig tapste sie darauf zu, erschrak aber ganz fürchterlich, als sie ihm zu nahe kam in Angesicht der Fremden, die ihr entgegen kam. Mit einem erschrockenen Aufschrei sprang sie zur Seite, rein aus Reflex... Bis ihr wieder klar wurde, dass das da ein Spiegel gewesen ist. Was um alles in der Welt ging hier nur vor sich? Dieses Mal unerschrocken ging sie auf ihre Reflexion zu und was ihr da entgegen blickte war... definitiv nicht sie.
      Ihr Gesicht war rund und eindeutig das eines Kindes. Sie war leichenblass vom Schock. Ihre Augen waren groß und hatten eine eigenartige Flieder-Farbe. Das Haar, das ihr in leichten Locken über die Schultern fiel war hellgrau. Was für ein eigenartiges Geschöpf. Noch nie hatte sie in ihrem Leben so etwas gesehen. Zumindest nicht im echten Leben. Doch jetzt, wo sie so darüber nachdachte... War sie vielleicht in einem Cosplay Event gelandet? Ein sehr professionelles Cosplay Event? Prüfend zupfte sie an einigen ihrer Haarsträhnen, doch es war keine Perücke, die sich abziehen ließ. Was ging hier nur vor?
      Normalerweise wäre Panik sicherlich eine passende Reaktion auf diese Situation, doch war das junge Mädchen gerade so verwirrt, das ein Gefühl der Angst gar nicht zu ihr durchdrang. Sie sah von dem Spiegel zu einem der großen Fenster, die hinter schweren Vorhängen versteckt lagen. Es fiel nur an den Rändern ein bisschen Licht durch, der Tag schien auf jeden Fall schon angebrochen. Neugierig tapste sie dorthin und schlüpfte hinter die schönen Stoffe. Zunächst wurde sie mit einer solchen Helligkeit getroffen, dass sie sich mit einem murrenden Ton die Hände auf die Augen legte. Vorsichtig blinzelte sie gegen das Licht an, bis sie sich einigermaßen daran gewöhnte und schließlich einen Blick hinaus riskieren konnte. Und was sie sah verschlug ihr dermaßen den Atem und ließ sie rückwärts auf den Boden plumpsen. Ihre Augen strahlten. Was für eine Aussicht... Es war malerisch. Sie hatte anscheinend das Zimmer zur Seite eines Gartens. Es erstreckte sich quasi unter ihren Füßen eine Parkanlage mit Gras so strahlend grün, wie sie es noch nie zuvor gesehen hat. Die Büsche waren kunstvoll zurecht geschnitten und formten so unterschiedliche Figuren, eine schöner als die andere. Die Mitte wurde geziert wie von einer Krone; einem riesigen Springbrunnen. Das war ein Bild nicht von dieser Welt!
      Es klopfte und das junge Mädchen zuckte etwas zusammen. "Miss?", ertönte es von hinter der Tür, die ihr gegenüber gewesen ist. Vorsichtig lugte sie hinaus, so dass nur ihr Kopf hinter dem Vorhang hervor kam. Überfordert sah sie einmal nach links und rechts. Hier war niemand anderes, oder? War sie gemeint? Niemand hat sie bisher mit Miss angesprochen. Es klopfte erneut und ihre Finger klammerten sich erschrocken noch mehr in den Vorhang. "Miss Danica, darf ich eintreten?" Danica? Was für ein vertrauter Name! Verblüfft blinzelte das junge Mädchen. Danica... Woher kannte sie diesen Namen denn? Sie sah noch einmal auf ihre Hände und schnappte sich eine Haarsträhne in ihr Sichtfeld. Prüfend rieb sie die hellen silbernen Haare zwischen den Fingern und da kam ihr die Einsicht plötzlich wie ein Blitzschlag. Erschrocken schnappte sie nach Luft. Danica! Sie kannte nur eine Danica! Danica Kalsanik aus ihrem liebsten Videospiel! Das Aussehen würde auch passen. Zumindest von der Haar- und Augenfarbe. Aber das... das war doch absurd! Mit diesem neuen Gedankengang ließ sie den Blick noch einmal durch das Zimmer schweifen. Das Ambiente... würde schon passen. Ruckartig drehte sie sich wieder zum Fenster. Eine Aussicht, die nicht von dieser Welt war... und wenn es gar nicht ihre Welt gewesen ist? Sie schluckte. Nein, das war doch komplett haarsträubend.
      Sie hörte ein verstimmtes Seufzen hinter der Tür. "Die junge Miss scheint schon wieder nicht aufstehen zu wollen, was soll ich nur machen?" Ach Gottchen, stimmte ja, sie hatte ganz vergessen, dass von ihr immer noch eine Antwort erwartet wurde. "J-ja! Bitte... Bitte treten... Sie ein?", erhob sie ihre Stimme und stolperte dabei ein bisschen über ihre eigenen Worte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie nicht japanisch sprach. Sie wusste wirklich nicht was das für eine Sprache gewesen ist, doch anscheinend verstand sie sie ganz hervorragend. Was für ein eigenartiges Gefühl.
      Die Tür flog auf und es trat eine wunderschöne Frau ein in der Uniform einer Haushälterin. Sie musste in ihren späten Zwanzigern sein. "Guten Morgen, Miss", sagte sie mit gesenktem Blick direkt zum Bett gerichtet. Erst, als sie sich wieder aufrichtete erkannte sie irritiert das leere Bett. Erst da fiel es dem Mädchen auf, dass sie sich noch immer schützend hinter dem Vorhang versteckt hielt. "Ah, ich... ich bin hier drüben." Sie räusperte sich und jetzt kam doch eine Art der Angst in ihr hoch. Sie hatte keine Ahnung was sie hier sollte, was passieren würde. Der Gedanke in einem Spiel zu stecken war zwar noch immer absolut unmöglich aber irgendwie bekam sie ihn nicht aus dem Kopf.
      Das Dienstmädchen wirbelte zu ihr herum und erschrak richtig. "Ach du meine Güte! Miss Danica, was macht Ihr denn hinter dem Vorhang?" Also sie schien wirklich Danica zu sein. Zumindest für diese Frau. Sie schluckte wieder schwer und wurde nun doch nervös. Schon wieder räusperte sie sich. "Ich hab nur... den Garten bewundert." Die fremde Frau sah die junge Dame lange und verständnislos an, bis sie langsam anfing zu nicken. "Oh", machte sie lediglich ohne ihre Verwunderung über diese Aussage zu verstecken. Ohne weiter darauf einzugehen ging die Frau in schnellen Schritten auf sie zu und riss einfach die Gardinen auf, worauf das junge Mädchen erschrocken nach hinten wich und wieder auf den Boden plumpste. "Miss, geht es Euch geht? Um Himmels Willen, habe ich Euch wehgetan?" Schnell schüttelte sie den Kopf. "Ich bin noch nicht richtig wach.", erklärte sie sich schnell, um irgendwas zu sagen.
      Die ganze Art der jungen Dame schien das Hausmädchen entsetzlich zu verwirren. Doch was sollte sie denn tun? Sie war so verloren und überfordert mit dieser Situation, wie sollte sie sich denn verhalten. "Nun gut...", meinte sie langsam. "Dann... kleiden wir Euch wohl am besten Mal... an.", nickte sie entschieden. "Schließlich beginnt bald die Teeparty." Eine Teeparty? Wie ein misstrauisches Tier kam die silber-haarige vorsichtig hervor und ließ sich zunächst ins Bad begleiten, wo bereits eine große, luxuriöse Badewanne mit warmem Wasser bereitet gewesen ist. Komplett ungewohnt für die eigentlich erwachsene Frau fühlte sie sich schrecklich hilflos. Alles hier war so ungewohnt. Keine einfachen Shampooflaschen mit klaren Beschriftungen. Die Wanne allein ist so edel gewesen, dass sie eigentlich Angst hätte drin zu sitzen. Die Angestellte kümmerte sie sehr gewissenhaft um ihre Haare. Anschließend legte sie sündhaft weiche Handtücher um ihren zierlichen Körper. Das zarte Mädchen hatte nicht einmal Bettwäsche, die annähernd so seidig gewesen ist. Wie ein Puppe ließ sie sich hin und her mitnehmen, zeterte nicht einmal herum, war sehr geduldig und still und war schließlich gekleidet in ein wunderschönes, fliederfarbenes Kleid, das hervorragend zu ihren Augen passte. Sprachlos sah sie sich selbst im Spiegel an. Sie sah aus wie eine Puppe, unglaublich...
      "Geht es Euch gut Miss...?", fragte die Frau irgendwann aus heiterem Himmel und endlich riss die Angesprochene sich von ihrem Ebenbild los. "Verzeihung?" Fast als hätte die junge Herrin in einer komplett unbekannten Sprache gesprochen wich das Dienstmädchen etwas zurück. "Ob es Euch gut geht. Ihr... wirkt irgendwie so verändert. Ihr seid sehr still heute Miss Danica. Fehlt Euch vielleicht etwas." War sie wirklich so außergewöhnlich still? Das Mädchen hätte es gar nicht so aufgefasst, was hätte sie denn sagen sollen bisher. Daher lächelte sie als Antwort ein bisschen entschuldigend. Beinahe hätte sie sich nach alter Gewohnheit leicht verbeugt, doch sie beide scheinen sehr europäisch auszusehen und sie wollte nicht noch eigenartiger erscheinen. "Wie heißen Sie?", stellte sie einfach eine Gegenfrage, da sie ihre nicht beantworten konnte. Das schien die Frau mit den aschbraunen Haaren nun überhaupt nicht begreifen zu können. Ihr klappte der Mund auf und ohne einen Ton zu sagen machte sie ihn erstmal wieder zu, ehe sie sich fing. "Renata, Miss. Mein Name ist Renata." Oh!
      Das Mädchen nickte. "Ein schöner Name. Dankeschön Renata. Das Kleid ist traumhaft." Wieder schaute sie zum Spiegel und musste verlegen Lächeln, während sie den Saum umfasste und sich leicht hin und her schaukelte. "Es ist wie ein Prinzessinnenkleid." - "Das glauben die anderen mir nie", nuschelte Renata in sich hinein und lenkte schnell ab, als die junge Herrin sich nach ihren Worten erkundigte. "Ihr seht auch wirklich bezaubernd aus, Miss Danica. Ihr freut Euch sicherlich die Van Gards wiederzusehen." Eine Gänsehaut befiel den kleinen Körper im traumhaften Kleid, als dieser Name fiel. Van Gard...? Ihr Lächeln brach sofort ein. Also etwa doch? Unmöglich! Bis hierher hat sie sich selbst noch eingeredet es wäre vielleicht alles nur ein Traum nachdem sie mal wieder zu lange Aristocratic Sky gespielt hat. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Doch warum sollte sie ausgerechnet von der Kindheit der Antagonistinnen träumen? Zumal alles viel zu real wirkte. Sie schluckte schwer. "Wird Coleen denn auch anwesend sein?", hakte sie vorsichtig nach. Mehrmals blinzelnd neigte Renata den Kopf zur Seite. "Ich... gehe davon aus, Miss. Schließlich ist Miss Coleen Van Gard die Gastgeberin... Geht es Euch wirklich gut? Hat die lange Fahrt gestern ins Ferienhaus Euch vielleicht doch schlimmer mitgenommen, als angenommen war?" Wenn sie wirklich, tatsächlich und wahrhaftig Danica gewesen ist in diesem Moment, dann konnte sie sehr gut diese Verwirrung verstehen. Aus dem Spiel wusste sie, dass Danica Kalsanik schon von Kindesbeinen an ein sehr verwöhntes und lautes Gör gewesen ist. Ach du liebe Zeit. Sie konnte wirklich noch gar nicht verarbeiten was sie da versuchte zu begreifen. Daher spielte sie für den Moment einfach mit. Was blieb ihr denn anderes übrig?
      Danica schüttelte den Kopf. "Mir geht es gut." Gerade, als sie noch etwas sagen wollte, stürmte ein bildhübscher Junge in einem reizenden Ausgehkostüm ins Zimmer. "Dascha, musst du denn wirklich jedes Mal so lange brauchen, wir-" Er stoppte, als er den Kopf hob und das bereits völlig angezogene Mädchen erblickte. "Oh.", machte er verblüfft. Du bist ja schon fertig. Renata senkte schnell den Blick und ging einige Schritte zurück vor dem Neuankömmling. Sein Haar hatte die Farbe des Winters; ein kühles, helles Blau, das einfach majestätisch aussah in Danicas Augen. Bewundernd hielt sie den Atem an. "Wie schön", murmelte sie und lächelte sanft. Der Junge riss perplex die Augen auf und sah verständnislos wieder zu Renata. Sie verhielt sich anscheinend sehr sonderbar. Doch daran konnte sie gerade nicht denken. Stattdessen durchforstete sie ihre Erinnerungen nach ihrem liebsten aller Videospiele, in dem sie teilweise mehr Zeit verbracht hatte, als in der wirklich Welt. Weder Danica noch Coleen hatten sie großartig interessiert damals. Warum auch. Aber wenn sie sich recht entsann... In Nikolais Route ist ein Mal der Bruder der Antagonistin aufgetaucht. Die Haarfarbe müsste stimmen. Das fand sie damals schon bemerkenswert. Doch wie war noch gleich sein Name? Oh, ihr kam eine Idee, wie sie es vielleicht herausfinden könnte. "Mir geht es gut. Renata hat sich schon nach mir erkundigt." Verwirrt zog der Junge die Augenbrauen zusammen. "Renata?" Danica zeigte auf das Dienstmädchen und diese verbeugte sich schnell wieder. "Ich... ich bin Renata, Mister Anatoly." Wunderbar! Anatoly also! Zufrieden drehte die silber-haarige sich wieder zu ihrem Bruder. "Du siehst sehr gut aus, Anatoly", wechselte sie erneut unbekümmert das Thema und ging auf ihn zu. Er war ein bisschen größer als sie. Wenn sie sich recht erinnerte, müsste er auch ein paar Jährchen älter sein. "Holst du mich ab?" Direkt vor ihm blieb sie stehen, doch der Junge schien noch nicht gleich aus seiner Starre zu finden.
      Ohne Vorwarnung legte er plötzlich seine Hände an ihre Wangen. "Geht es dir wirklich gut?" Ein bisschen herrisch zog er sie zu sich und lehnte seine Stirn an ihre. "Hast du Fieber? Oder dir den Kopf gestoßen?" Meine Güte! Was für ein fürsorglicher junger Mann und das schon in seinem Alter! Es war schon sehr lange sehr, dass sich jemand solche Sorgen um sie gemacht hat. Ein schönes Gefühl, wenn auch ein bisschen ungewohnt. Sie nickte einfach. "Freust du dich nicht?", lenkte Danica schon wieder ab und Kopf schüttelnd ließ Anatoly von seiner kleinen Schwester ab. "Das ist doch nicht normal. Vielleicht hast du komisch gelegen...?", murmelte er noch zu sich selbst, ehe er ihr seinen Arm anbot und sie sich einfach unterhakte. "Ich bin kein großer Freund dieser Parties. Das weißt du doch. Der lange Weg hier her nur um dann am nächsten Tag frisch in einem fremden Haushalt zu erscheinen, Tee zu trinken, belanglose Gespräche zu führen und dann wieder nach Hause zu reisen. Was finden die anderen nur so belustigend daran?" Das Mädchen im falschen Körper hörte aufmerksam zu und sammelte dadurch schon einmal einige Informationen, die sie sich innerlich vermerkte. Zwar erwartete sie immer noch jeden Moment aus einem eigenartigen Traum zu erwachen, doch vorerst war es sicherlich nicht verkehrt das ein oder andere aufzuschnappen. Bei einem so konsequenten Traum wie diesen konnte es gut sein, dass sie sonst noch auf zehn Menschen treffen wird, die sie fragen werden, ob mit ihr alles in Ordnung gewesen ist. Auf seine Aussage jedoch blieb sie erstmal still. Schließlich wusste sie es auch nicht. Sie war noch nie auf einer Teeparty gewesen. Nicht in echt zumindest.
      Anscheinend waren es nur Anatoly und Danica, die die Teeparty bei Coleen besuchten. Daher musste sie auch niemanden mehr begrüßen, zumindest fürs erste. Wie ein Gentleman brachte ihr älterer Bruder das Mädchen zur Kutsche vor dem Anwesen und bevor sie einstig, schaute sie noch mal auf das erhabene Gebäude. Und das nannten sie also ein Sommerhaus... Vorsichtig ihr Kleid richtend ließ sie sich auf die gut gepolsterte Bank nieder und ließ sich zurück. Anatoly folgte ihr und zog hinter sich die Tür zu, ehe der Kutscher die Pferde in Bewegung brachte. Saß sie schon einmal in einer Kutsche? Nicht dass sie sich erinnerte. Wobei ihre Erinnerungen ohnehin ein bisschen eigenartig wirkten im Moment. In der angenehmen Stille im kleinen Passagierbereich gestattete Danica sich noch einmal in Ruhe ihre Erinnerungen zu durchforsten.
      Sie war dieses Jahr 23 geworden und arbeitete als Verwaltungsangestellte für eine Krankenversicherung. Sie war single. Ihr Vater war vor zwei Jahren nach einem sechs monatigen Koma verstorben und ihre Mutter hat sich schon vor ewiger Zeit eine neue Familie gesucht... Sehr viel mehr ist da nicht gewesen. Ab und an kamen ihr die Bilder einer unscheinbaren Schulzeit in den Sinn. Als sie in der Grundschule gewesen ist hatte sie sich mal schrecklich das Knie aufgeschlagen mit dem Fahrrad. Allerdings hatte sie einen ungeplanten Salto gemacht auf den sie zu dem Zeitpunkt trotz Verletzung sehr stolz gewesen ist. Ansonsten erinnerte sie sich überwiegend an den Inhalt von Aristocratic Sky. Sie wusste wie die Anfangssequenz des Prologes begann, sie konnte manche Dialoge der Männer mitsprechen und hatte mehrmals alle Enden gesammelt und immer durch die Bilder geguckt, die sie erhalten hatte, wenn sie Trost oder dergleichen brauchte. Ihr Leben klang gerade selbst in ihren Ohren ein bisschen traurig. Ihr entwich ein resigniertes Seufzen, ehe sie sich wieder auf die Strecke konzentrierte. Neugierig sah sie aus dem kleinen Fenster.
      Wie unglaublich... still es hier gewesen ist. Unfassbar wie deutlich die Abwesenheit von Autos, Zügen, Flugzeugen, Fernsehern und Lautsprechern gewesen ist. Wie schön... Vielleicht könnte sie diesen eigenartigen Traum ja noch ein bisschen genießen. Auch wenn es wirklich sonderbar gewesen ist. Sie hat das Spiel immer nur aus den gleichen Augen gesehen. Aus denen von der jungen Elisabeth, was ja auch Sinn machte. Sie war die Heldin. Danica hingegen nur ein zweifelhafter Nebencharakter, der einzig und allein dafür existierte um ein bisschen Dramatik in die Beziehungen zu bringen. Aber gut, wenn sie so darüber nachdachte, das Spiel begann erst an der Akademie. Die Charaktere sind allesamt in ihren späten Teens gewesen. Es würde also noch eine Weile dauern, bis die anderen auf Danica treffen würden. Hieß das, dass sie sich bis dahin entspannen konnte in diesem unglaublichen Luxus? Nein... nicht... nicht ganz. Sie meinte sich da an einen Teil aus ihrer Vorgeschichte zu erinnern, in dem es um ihre... ältere Schwester ging? Es hatte mit einem unehelichen Kind zu tun, so viel konnte sie noch zusammentragen. Das wäre natürlich ein unangenehmes Ereignis. Doch würde er Traum überhaupt so lange gehen? "Ich habe dich noch nie so lange still sitzend gesehen", sprach Anatoly das nachdenkliche Mädchen plötzlich wieder an und riss sie so wieder zurück in die... Wirklichkeit. Sie schaute zu ihrem Bruder und neigte leicht den Kopf zur Seite, ehe sie an sich herunter sah. Wie sie sich gesetzt hatte, so war sie verblieben, ihre Hände lagen entspannt in ihrem Schoß. Würde sie sich zu viel Bewegen hatte sie Angst könnte das Kleid zerknittern. Zumal ihr auch einfach nicht nach viel Bewegung gewesen ist. Was für ein ungeduldiges Kind muss Danica tatsächlich gewesen sein?
      "Ich freue mich auf den Tee.", sagte sie einfach als Antwort. Sicherlich würde es auch reichlich Gebäck geben...

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    • Coleen van Gard
      "Ugh.." Als Carly erwachte, hatte sie die schlimmsten Kopfschmerzen, die man sich nur vorstellen konnte. "Ich.. hab wirklich.. zu viel getrunken..", nichts-ahnend wie recht sie junge Frau wirklich hatte, erwachte sie in einem ungeheuer weichem Bett, wie ihr auffiel. Sie sah auf die Bettdecke, die aussah, als wäre sie für eine 6-Jährige ausgesucht worden und hob sehr skeptisch die Augenbraue. Als sie ihren Blick durch das Zimmer streifen ließ, schloss sie nur direkt wieder die Augen und presste ihr Gesicht in ihr Kissen. Alles wirkte so groß.. Sie hatte definitiv zu viel getrunken. Noch bevor sie wieder die Lust fasste einen erneuten Start in den Tag zu wagen, öffnete sich die Tür und ein überaus lautes fast schon gesungenes "Schahaatz~ Der Morgen lacht~" betrat den Raum. "Nicht jetzt, okay, Mum?..", antwortete die junge Frau müde und ruppig, als ihre vermeintliche Mutter ihr einfach die Bettdecke weg zog und Carly aus dem Bett hob - als würde sie überhaupt nichts wiegen! Als sie in das Gesicht der Frau sah, wurde ihr eigenes sofort perlweiß. Das..war nicht ihre Mum. "W-Wer bist du denn!? Hey! L-Lass mich runter!! Was..!?", panisch zappelte Carly auf den Armen dieser Fremden herum, als sie bemerkte wie.. kurz ihre Arme und Beine waren. Überhaupt.. Sie.. war unglaublich klein!! Was war denn jetzt los..!? "Nicht in diesem Ton, Coleen. Da bin ich extra heute selbst zuhause geblieben um mit dir die süßen Kleinen Kalsaniks zu begrüßen, und du verleumdest mich direkt..", enttäuscht seufzte sie Frau und setzte Carly auf den Stuhl vor dem Spiegel, wobei... ihr.. beinahe die Augen raus fielen. Wie viel hatte sie denn getrunken..!? In diesem Spiegel, das war nicht sie. Diese Frau war nicht ihre Mum. Das hier... war definitiv nicht ihr Zimmer. Ehe sie sich versah, holte diese fremde Frau ein Kleid aus dem Schrank, welches verdammt noch mal mehr Tüll hatte als rechtlich erlaubt sein sollte. "...Das zieh ich nicht an, vergiss es.", entschied Carly für sich, doch da hatte sie die Rechnung ohne diese Frau gemacht. "Coleen, dein Ton ist heute wirklich unangebracht. Wenn Anatoly und Danica ankommen, hoffe ich wirst du deine Laune doch etwas zügeln." Anatoly.. und Danica...? Was zum... Coleen..?!
      "Mo-moment. Wie hast du.. mich.. genannt.. Mutter?" - "Coleen? Das ist doch dein Name, Schatz, geht es dir nicht gut? Sollen wir die Teeparty absagen?"
      Coleen. Anatoly. Danica. Okaaay... Carly hatte wirklich viel zu viel getrunken. 'Kommt auf die Liste. Kein Alkohol mehr. Nie wieder. Wenn man dann so verrückte Träume von.. einem Spiel hat.. Verrückt. Aber... hey. Wieso eigentlich nicht?', dachte sich die junge Frau im Folgenden in der Rolle der Coleen van Gard und spielte einfach mit. "Verzeihung.. Mutter? Natürlich ziehe ich dieses große.. lila.. Etwas an." Damit war die Geschichte für ihre Mutter erledigt und sie kleidete ihr kleines Mädchen begeistert in ein dunkel-lilanes Prinzessinnenkleid ein, unter dem Coleen schon beim Anblick wusste, dass sie darunter schwitzen würde wie ein Schwein. Seufzend sah sie in den Spiegel und.. bemerkte.. wie ihre Haare sich blau färbten. Blau? Blau? Wieso blau?!
      "Wieso bist du traurig, Schatz? Gefällt dir das Kleid nicht?", ertönte es von ihrer vermeintlichen Mutterfigur, worauf Coleen schnell etwas peinlich berührt den Kopf schüttelte, welcher sich noch während des Schüttelns rosa verfärbte passend zu ihren erröteten Wangen. Ein kleines Lachen kam von Miss van Gard, welche sich direkt zu ihrer Tochter hinunter hockte und ihr über den Kopf streichelte. "Du weißt doch, Schatz.. Es ist okay.. Mach dir keine Gedanken darüber, was die Leute sehen oder nicht sehen.. Denk nur daran, was du siehst. Du musst dich für keine Gefühle schämen und wenn du traurig bist oder dich unsicher fühlst.. Dann ist Mami da... Mami wird immer für sich da sein.." Mit diesen Worten schloss diese Frau Coleen in ihre Arme und einen Moment fühlte es sich an als würde ihr Herz stehen bleiben. So.. könnte Coleens Vergangenheit wirklich ausgesehen haben, oder? Am Anfang.. wo sie noch ihre Eltern besaß.. Ihre Mutter könnte wirklich so liebevoll gewesen sein... Coleens Charakter wurde im Spiel nicht näher untermauert, aber sie war bestimmt unsicher als sie klein war, wegen all den Gefühlen, die sie absonderte. Sie hatte ja.. gar keinen Schutz. "Es.. geht schon, Mutter. Danke. Du.. hast von einer Teeparty geredet?", wechselte die wechselhafte junge Fra-.. das wechselhafte junge Mädchen das Thema, wobei der Rosaton wieder zurück zu dem betrübten unsicheren Blau wechselte und dort verblieb. "Ich bringe dich in den Garten, deine Gäste kommen sicher bald!", freute sich die Mutter als wäre es ihr eigener Geburstag und brachte Coleen an der Hand raus in den Garten an einen vorbereiteten riesigen Tisch, der eher aussah als ginge es um ein Adels-Bankett als um eine einfache Teeparty. Mit einem kleinen Lachen kommentierte das kleine Mädchen die Aufmachung der Szenerie und schüttelte nur den Kopf. Na gut... Sie würde mitspielen. Wie oft hatte man schon die Möglichkeit von so einem Festessen so lebhaft zu träumen?
    • Danica Kalsanik
      Diese Welt ist wirklich unbeschreiblich schön gewesen. Danica dachte schon sie wäre in die Illustrationen des Spiels verliebt gewesen aber es war gar nicht zu vergleichen mit dem, was sich direkt vor ihren Augen abspielte. Gerne hätte sie nie wieder etwas anderes gesehen. Der strahlendblaue Himmel war durchzogen von gelegentlichen Verfärbungen, die entfernt an die Polarlichter erinnerten, allerdings waren sie überall. Ein Streifen hier und einer dort. Gelegentlich verflochteten sie sich und zogen dann wieder auseinander. Aus dem Spiel wusste Danica, dass das die Zeichen einer Schutzkuppel gewesen ist, die mit Magie am Himmelszelt aufrecht gehalten wurde. Allerdings sah es für sie aus, als würden Sterne in allen Farben, die ihr bekannt waren Ballet tanzen.
      Sie konnte sich nicht satt sehen. Ihre Augen strahlten und reflektierten das Spektakel. Anatoly hingegen würdigte der Außenwelt keinerlei Beachtung. Seine Augen hingen einzig und allein auf seiner sonderbaren Schwester. Der gerade erst zwölf-jährige war viele Jahre gealtert durch dieses Mädchen. Kaum ist sie da gewesen hat er anfangen müssen zurückzustecken. Danica hatte allen Sorgen bereitet mit ihren emotionalen Ausbrüchen. Als sie erfahren hatte, dass ihre Fähigkeiten mit dem Tod in Verbindung standen, hat sie Tage lang durch geschrien, hat sich verweigert an ihrem Unterricht teilzunehmen und hat den gesamten Tisch beim Abendessen auf den Boden geschmissen. Ganna war nur leider auch nicht sehr viel selbstständiger. Das dumme Mädchen hatte dauernd Schwierigkeiten, verliebte sich in jeden ihrer Lehrer und litt dann an schrecklichem, gebrochenem Herzen, wenn sie schließlich erfuhr, dass sie nicht ihre Braut werden konnte. Zwischen diesen zwei schrecklichen Menschen, die alle Aufmerksamkeit verlangten, von ihren Eltern, von dem Personal, ja eigentlich von der ganzen Welt, blieb nicht mehr sehr viel für Anatoly übrig.
      Mal abgesehen davon, dass er sich auch gar nicht traute, um mehr Aufmerksamkeit zu fragen. Darauf hinzuweisen, dass er Hilfe bei etwas brauchte. Es hatte ihm schwer zugesetzt in seinem jungen Alter. Und umso verwirrter ist er gewesen von seiner Gegenüber. Ihre Stimme hatte sich verändert, sie sprach deutlich ruhiger, ein bisschen tiefer sogar, wie er meinte. Ihre Haltung. Ihre Attitüde. Dieser Blick, den sie plötzlich für die Dinge um sich herum hatte. Sie erkundigte sich nach den Namen der Angestellten, bedankte sich bei ihm für selbstverständliche Dinge und beschwerte sich nicht nur nicht, sondern lenkte gezielt von der Frage nach ihrem Wohlergehen ab. Gehörte das vielleicht zu ihren Fähigkeiten? Machte diese Verbindung mit dem Tod das mit einem? Mit gerunzelter Stirn sah nun auch der Junge nach draußen. Sah sie vielleicht in diesem Moment etwas anderes, als er? "Du bist wirklich komisch, Dascha, weißt du das?", seufzte er schließlich und sah das Mädchen wieder prüfend an. Sie drehte verwundert den Kopf in seine Richtung und schenkte ihm ein zartes Lächeln mit entschuldigender Note, ehe sie leicht ihre Schultern zuckte. "Aber... ich mag es. Du bist... so definitiv erträglicher! Also bleib noch eine Weile so, dann können wir uns alle erholen!" Der Junge machte einen Hmpf Laut und schaute nahezu beleidigt wieder aus dem Fenster. Seine Wangen hatten einen leichten Rotton angenommen. Er hat noch nie ein ruhiges Gespräch mit Danica führen können, geschweige denn hat er jemals das Verlangen verspürt ihr ein Kompliment auszusprechen.
      Danica derweil freute sich sehr über seine Aussage. Es stimmte, dass ihre Rolle wohl bereits in ihrem kurzen Leben einen ziemlich festen Eindruck hinterlassen hat. Und irgendwie ist sie gerade froh um diesen Traum gewesen, wenn er auch nicht lange halten könnte.
      Plötzlich hielt die Kutsche an und der Kutscher stieg ab, um die Tür zum Passagierraum zu öffnen. Anatoly machte deutlich, dass Danica vorgehen sollte und so ließ das junge Mädchen sich von dem Mann vorsichtig helfen. "Dankeschön", sagte sie mit einem Nicken zu dem Mann mit dem grauen Bart, ehe sie ihren Rock glatt strich und darauf achtete, dass er keine allzu deutlichen Falten bekommen hat und sie auch nicht falsch darauf gesessen hat, ehe sie beide dann das umwerfende Anwesen der Van Gards betraten.
      Zum Glück hatte Danica sich bei Anatoly eingehackt. So konnte er sie einfach mitziehen, wenn sie drohte an irgendetwas stehen bleiben zu wollen, um es eingehender zu betrachten. Sie sind sofort von einem Butler in Empfang genommen und nach hinten in den Garten gebracht worden. Das junge Mädchen hatte schon gedacht der Garten im Ferienhaus wäre das schönste gewesen, das sie je gesehen hat, doch da hat sie sich doch mächtig geirrt. Ihr Herz fing sofort an höher zu schlagen, als sie die Aufmachung sah, die für sie bereitet wurde. Unglaublich, einfach nur surreal und unfassbar.
      "Herzlich Willkommen, ihr Lieben!", rief eine euphorische Stimme. Und eine strahlende Schönheit kam in Danicas Sichtfeld, mit ihr zusammen war ein bildhübsches Mädchen in einem Kleid mit ähnlicher Farbe wie ihr eigenes. War das vielleicht einfach so etwas wie die Farbe der Widersacher? "Guten Tag, Lady Van Gard. Es ist schön Euch wiederzusehen.", erwiderte Anatoly den Gruß. Seine Schwester indessen behielt ihre Augen felsenfest auf Coleen. Bisher hatten die Begegnungen in dieser Welt... in diesem Traum sie ziemlich überrascht. Vielleicht würde es bei Coleen ähnlich werden? Zielstrebig ging sie auf das andere Mädchen im selben Alter zu. Noch ist sie ein bisschen größer gewesen und nickte, als sie direkt vor ihr stand. "Hallo."

    • Coleen van Gard
      "Herzlich Willkommen, ihr Lieben!", hörte die aktuell blauhaarige kleine Dame ihre Mutterfigur hinter sich und zuckte merklich zusammen. 'Okay.. Eine Teeparty... wie kompliziert kann das schon werden..?', sprach sie sich innerlich Mut zu, bevor sie sich umdrehte und sehr edel mit einem unsicheren Lächeln einen Knicks vollzog. "Guten Tag. Schön, dass Ihr es einrichten konntet zu erscheinen. Setzt Euch doch!", etwas unsicher deutete sie auf einen der Stühle für ihre Gäste, während Coleens Mutter sichtlich erfreut drüber war, wie höflich ihre kleine Tochter jetzt doch wieder war. Von ihrer Mutter ließ sich das kleine Mädchen auf den Stuhl helfen und für einen Moment hätte sie schwören können, in ihrem Kopf hätte ihr Herzschlag nachgehallt. Nun... war sie doch etwas nervös. "Miss und Mister.. Kalsanik. Ich hoffe, Eure Reise war angenehm. Bitte... Bedient Euch. Ich meine..", mit einem kleinen Kichern deutete der Spross der van Gard-Familie auf den Berg auf Essen vor sich. ".. Es ist beinahe genug Essen für eine ganze Armee. Ich hoffe also, Ihr habt Hunger mitgebracht.."
      Das.. war gut. Doch. Da war sie sich fast sicher, zumindest schien ihre Mutter völlig aus dem Häuschen. Erst jetzt betrachtete Coleen ihre neuen Gäste etwas. Danica war.. wirklich süß als Kind, daran gab es keinen Zweifel. Sie wirkte auch noch so lieb. 'Wie konnte aus ihr so eine Zicke werden?', schoss es der Blauhaarigen durch den Kopf, doch schüttelte den Gedanken auch schnell wieder ab. Ihr Traum musste ja nicht wirklich... 'realitätsnahe' sein, richtig?
      Es kam eine ungewöhnlich junge Dienerin mit langen blonden Haaren zu Tisch und begann allen Gästen einzuschenken, welche Coleen danach mit einem leichten Nicken wieder zu entschuldigen wusste. Jedoch.. konnte man ihr ansehen, dass sie sich etwas unwohl fühlte. Wenn es nicht ihre Körpersprache verraten würde, dann die Farbe ihres Haares, das zwischen einem besorgten Blau und einem peinlichen Rosa hin und her wechselte, so schnell wie man nur gucken konnte. Der Wechsel ging so lange von Statten, bis sie die Hände ihrer Mutter auf ihren Schultern fühlte. "Alles ist gut, Schatz. Ganz ruhiig~", flüsterte sie Coleen direkt in ihr kleines kindliches Ohr. Das.. war nicht ihre echte Mum. Das war nicht die Stimme der Frau, die Carly spät nachts heiße Schokolade gebracht hat, wenn sie Albträume hatte und ihr Geschichten über Prinzessinnen und Ritter erzählte, die sie retten würden. Das hier.. war die Stimme der Frau, die versuchte 'Coleen' alles zu geben, was sie konnte. Ihrem einzigen Kind. Sie wusste nicht... ob sie von der Stimmt beruhigt sein sollte, oder nicht, aber sie versuchte dieser Frau trotzdem die Freude zu machen und strich ihr etwas über die Hand. "Danke, Mutter. Es geht mir schon viel besser.", beruhigte Coleen sie und widmete sich erneut ihren Gästen. "Bitte, verzeiht, wenn ich heute etwas launisch erscheine. Die Sonne tut mir nicht sonderlich gut. Bitte. Uhm...", nach einem kurzen unsicheren Blick zur Seite, lächelte das kleine Mädchen wieder ihren Gästen entgegen - insbesondere Danica. "Ich... bin etwas nervös. Ich hoffe, das bereitet Euch keine Unannehmlichkeiten.."
      Nervös war eigentlich gar kein Ausdruck mehr. Obwohl es 'nur' ein Traum war, wirkte alles so unglaublich real. Das Essen... Die Umgebung.. Die Berührungen dieser Frau. Tatsächlich vermied Coleen sehr bewusst es, nach dem Gebäck und dem Tee zu greifen, aus Sorge, man würde ihr den Schreck ansehen. Die Gebäckstücke erinnerten sie an eine alte Puppenstube - es sah beinahe so gut aus, dass es nur surreal sein konnte! Und der Geruch des Pfefferminztees war atemberaubend schön, doch ihre Anspannung und Nervosität verboten ihr einfach danach zu greifen.
    • Danica Kalsanik
      Wie interessant! Fasziniert betrachtete Danica wie sich das wunderschöne Haar dem Mädchen ihr gegenüber stetig veränderte. Es wirkte regelrecht lebendig und während Coleen das sehr unangenehm schien, kam die silber-haarige aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Im Spiel hatte sie ein oder zwei Mal die Farbe gewechselt, was auch nicht als Animation dargestellt gewesen ist. Dass es in Echt so ein Spektakel wäre, wer hätte das gedacht! Irgendwann bestätigte die Gastgeberin, was ihre Besucher bereits erkannt hatten. Anatoly war der erste, der sich ein Stück Kuchen nahm. Stumm fragte er auch ihre Schwester was sie wollte und zeigte einzeln auf die Stücke vor sich. Erst dadurch war das junge Ding dazu verleitet ihre Aufmerksamkeit dieser atemberaubenden Auswahl zuzuwenden. Ihre Augen wurden groß und nun sah sie wirklich wie ein Kind aus. Das war ja ihre eine Schwäche. Dem konnte sie schon in ihrem echten Leben nicht widerstehen. Doch dermaßen luxuriöses Gebäck und dann auch noch in solchen Mengen... das hätte sicherlich zwei Monatsgehälter gegessen.
      "Bitte das Stück mit der Erdbeere", setzte sie an und Anatoly nahm es bereits. "Und das daneben mit der Schokoladenglasur", ergänzte sie schnell, als er gerade im Begriff gewesen ist sich zu setzen. Fragend sah er zu seiner Schwester. Oder doch eher verständnislos? Doch er sagte nichts und nahm das zweite Stück auch noch, doch Danicas Augen klebten immer noch an den himmlischen Naschereien. "Oh, ist das da hinten mit Trauben?" - "Dascha!", ermahnte der Junge sie entsetzt. "Verzeihung, Miss Coleen und Lady Van Gard, wir vermuten, dass Danica sich vielleicht in der Nacht den Kopf angestoßen hat, sie scheint heute den ganzen Tag schon nicht sie selbst zu sein.", entschuldigte Anatoly sich schnell im Namen seiner Schwester. Diese schaute ihn verblüfft an. Sie soll sich im Schlaf den Kopf angestoßen haben? Was für eine lustige Erklärung. Sie fing an leise zu kichern bei der Vorstellung, beruhigte sich dann aber wieder mit einem letzten amüsierten schmunzeln, als ihr älterer Bruder sie anfunkelte.
      Schnell räusperte sie sich und nickte. "Den Kopf angestoßen.", nickte sie, als würde sie seine Worte befürworten und machte einen ersten Bissen von ihren Kuchen. Und oh, sie war wohl wahrlich im Himmel. War das vielleicht passiert? War sie gestorben und war im Himmel gelandet? Oh, wenn interessierte es, wenn sie solches Essen zu sich nehmen konnte! "Köstlich", murmelte sie genüsslich und sah wieder zu Coleen. Wirklich ein eigenartiger Traum. Doch wenn sie schon einmal hier gewesen ist, dann könnte sie auch eigentlich ein bisschen Spaß haben und vielleicht würde sie so ja auch ein bisschen die Situation entspannter gestallten für das arme Mädchen. Daher begann Danica zu lächeln. "Dankeschön für die Einladung Miss Coleen. Wir haben uns sehr gefreut herzukommen. Da fällt mir ein, ich hatte einen sonderbaren Traum letzte Nacht." Skeptisch schaute ihr Bruder zu ihr. Was würde jetzt kommen. "Stellt es euch vor! Ich hab geträumt ich wäre in einer Welt, die ganz anders ist, als diese hier. Es gab keine Magie und trotzdem hatten sie Kutschen, die ganz ohne Pferde fuhren." Sie sprach ganz entspannt und nahm sich dabei eine Tasse Tee, in die sie sanft pustete. "Und es gab schwarz getönte Glasscheiben, die bewegliche Bilder zeigen konnten. Oh, und es war was ganz Normales, das Frauen Hosen trugen! Und das nicht nur zum Reiten!"

    • Coleen van Gard
      Etwas verwundert betrachtete das kleine Mädchen, wie Danica ein Kuchenstück nach dem nächsten verzehren wollte. Als sich ihr Bruder dafür dann auch noch entschuldige, entwich Coleen ungehalten ein süßliches Kichern, und schnell hielt sie sich eine Hand vor den Mund und wand ihr Gesicht von dem Schauspiel ab, während sich ihre Haare peinlich berührt in einem hellen Rosa-Ton hielten. "Esst nur, esst nur, es ist wirklich genug da!", winkte sie ab, ihr Lachen weiter weggedreht von ihren Gästen und mit einem ermahnenden Blick von ihrer Frau Mutter auf sich. "Coleen, das ist nun wirklich unhöflich..!", flüsterte sie von hinten, eher wie eine Anstandsdame als eine Mutter, worauf sich das Kind schnell wieder fing und schmunzelnd zu ihren Gästen sah, mit einem entschuldigendem Nicken. In dem Spiel hatte man Danica niemals mit Süßigkeiten gesehen, es war... unerwartet gewesen, wie vernarrt sie doch in die Naschigkeiten war. "Einen Traum?", fragte sie letzten Endes interessiert nach als es zu Sprache kam. Sie rechnete mit einem Traum, der für Kinder in diesem Alter angebracht wären. Regenbogen, Einhörner, Zuckerwatte... der übliche Kram.
      Doch als ihr Gast anfing zu sprechen, fiel Coleen alles aus dem Gesicht. Ihr Haar färbte sich verwirrt und überrascht und auch irgendwie ertappt perlweiß und ihr Gesicht machte es ihm nach. Sie war wie erstarrt. Ihr.. Traum... klang.. wie die echte Welt.. Wie viel muss man denn trinken um in einem Traum aufzuwachen, indem jemand von einem Traum erzählt, der die Welt beschreibt, in der man aufwachen wird?! Kurzzeitig wie unter Schock winkte ihre Mutter mit einer Hand vor Coleens Gesicht herum. "Schatz? Schatz? Schahaatz?" Doch keine Reaktion. Erst als sie mit ihrer Hand auch Coleens Kopf berührte, zuckte sie merklich in sich zusammen und räusperte sich stark verlegen, doch das perlweiße Haar hielt sich. Damit hatte Danica sie einfach eiskalt und vor allem unerwartet erwischt. "Was für ein.. sonder..barer Traum, den Ihr da hattet, Miss..", beurteilte sie sichtlich verspätet die Ausführung des Traumes. Es war unübersehbar, wie sie mit der Situation nicht umgehen konnte und dem Blicken ihrer Traumgestalten aus dem Weg ging, jedoch gab es ihr den Mut sich ihrer Tasse Tee anzunehmen. Sie wollte nur etwas mit ihren nervösen Händen machen. Sich erneut räuspernd, pustete sie ungeduldig in ihren Tee und genehmigte sich ein Schluck und... tatsächlich. Es fühlte sich.. unsagbar echt an, für einen Traum. Was für ein verrückter Tag das doch war... Nein, was für ein verrückter Traum das doch wahr. "Danke.. für.. uhm.. das Teilen.. Ihres Traumes mit uns..", fügte sie noch unsicher, aber nun etwas lachend über sich selbst hinzu. Als wenn es sie so nervös machte, dass eine Traumgestalt in ihrem Traum die reale Welt ansprach... Wie albern, alleine der Gedanke... "Er war wohl.. recht... aufregend für Sie..?", spekulierte das kleine Mädchen darauf, dass solch ein Traum für jemanden, der in solch einer Welt wirklich sich zuhause fühlen würde, doch recht eigenartig sein musste. Zumindest verriet das überraschte Gesicht ihrer Mutter beim Gedanken an diesem Traum das rückschließen.
    • Danica Kalsanik
      Es ist so unglaublich viel passiert, seit diesem Tag, dachte Danica Kalsanik sich, als sie im Salon ihres Elternhauses saß, die Beine leicht angewinkelt aus dem Fenster blickend, während sie auf die Kutsche wartete. Inzwischen war sie ausgewachsen, ihr silbernes Haar lag ihr in schönen Locken über die Schulter und um ihren schlanken Körper schmiegte sich eine schneeweiße Bluse mit einem langen schwarzen Rock. Ihre Finger hielten eine Tasse Tee umfasst, den sie seit einigen Minuten versehentlich hat abkühlen lassen. Ihr entwich ein leises Seufzen. So viel war passiert in den letzten neun Jahren. So viele Ereignisse, dass es sie schwindelig werden ließ.
      Coleens Reaktion damals auf ihren dummen Scherz bzgl der wirklich Welt hatte sie verraten. Vor allem, als sie weiter gemacht hatte. Die Arme konnte ohnehin nichts verstecken und mit einer weiteren eigenartigen Traumgestalt, die diese magische Welt plötzlich mit der tatsächlichen Realität verband war zu viel für sie gewesen. Ein kleines Lächeln zog an Danicas Lippen, als sie an das überforderte, puppenhafte Mädchen dachte. Sie hatten im Stillen zueinander gefunden und hatten sich mit sehr unterschiedlichen Gefühlen wieder getrennt. Eine weitere Stunde wurde zu einem Tag. Ein weiterer Tag wurde zu einem Monat. Und schließlich, vor ihren Augen, unter diesem fantastischen, weiten Himmel mit den Ballet tanzenden Sternen, wurde ein weiterer Monat zu einem Jahr und keine der beiden konnte länger ignorieren, dass das hier kein Traum gewesen sein konnte. Sie waren hier. Das waren ihre Körper. Sie konnten schrecklich schmerzen, ohne dass sie aufwachten. Im Sommer hat Danica schon dutzende Male im Gras gelegen und das wärmende Licht der Sonnenstrahlen auf ihren Wangen gespürt. Sie lag so lange da, bis es wärmer und wärmer wurde. Und erst, wenn ihre Haut begann zu stechen schlug sie langsam ihre Augen auf und blickte den tanzenden Farben entgegen.
      Unter ihrem Blick sah sie wie ihre Hände größer wurden, ihre Finger länger. Ihre Sicht entfernte sich weiter vom Boden und schon bald hatte sie wieder eine Augenhöhe, die ihr einst vertraut gewesen ist. An diesem Tag vor so vielen Jahren hatte sich alles verändert. Nicht nur für sie selbst. Gerade für die Kalsanik Familie. Anatoly war der erste, der seine neue Schwester in Empfang genommen hatte. Doch auch ihre Eltern und ihre große Schwester waren nicht weniger verwirrt gewesen. Das Personal erschrak am Anfang vor der plötzlich ganz veränderten Art. Neue Probleme taten sich auf und alte waren einfach verschwunden. Wie sonderbar, hatte Danica auf die ein oder andere verblüffte Frage geantwortet und war weiter ihres Weges gegangen.
      Kurz nach ihrem Erwachen hatten auch ihre Fähigkeiten angefangen zu blühen. Ihre Augen wurden geöffnet, ihre Ohren verstärkt. Ihre Sinne waren geschärft für alles das, was nicht hier und auch nicht an einem anderen Ort gewesen ist, sondern in der Zeit selbst. Zuerst hatte sie Misses Nina Sutherland kennengelernt. Eine so reizende Dame, die nicht mehr auf dieser Welt verehrte als Vergissmeinnicht. Wie sehr wünschte sie sich nur diese Blumen herbei. Ihr Mann war im Krieg gefallen, doch hatte er ihr versprochen durch die Blüten von Vergissmeinnicht würde er immer bei ihr sein. Eine von so vielen romantischen Geschichten aus ihrem Leben, die sie der jungen Danica angefangen hat zu erzählen unter der großen Vase im Flur, die stets mit ihren wertvollen Erinnerungen gefüllt wurde. Nach und nach kamen mehr und mehr, stellten sich vor, begrüßten das neue Medium in der Familie, priesen sie für ihre Ruhe und den Respekt, mit dem sie den Tod herein bat. Doch sie hatten schnell begriffen, als sie ihnen von ihrem eigenen, ersten Leben erzählt hat. Die Verstorbenen und die Betroffenen waren die einzigen, die von ihrer kleinen Reise in diese Rolle wussten. Mehr Menschen einzuweihen ist weder in ihrem, noch in Coleens Interesse gewesen.
      Gemeinsam hatten sie auf ihrem Bett gesessen über duzenden von Zetteln, auf denen sie alles niedergeschrieben hatten, was sie noch von den Spielen und den Werdegängen der Antagonistinnen wissen um so gut wie nur irgendwie möglich den schrecklichsten der Ausgängen entgegen zu wirken. Anfänglich hatten sie noch Hoffnung gehabt, dass die Geschehnisse gar nicht eintreffen mussten... bis zum Unglück, das Coleens Eltern verschluckte. Sie waren auf der einen Seite vorbereitet gewesen. Doch wie bei ihrem ersten Vater war es dennoch ein Schlag. Selbst wenn ein Mensch über Monate seine Augen nicht öffnete und man wusste, dass jeden Tag der Moment kommen könnte, an dem er den letzten Atemzug macht, ist man doch so einsam wenn es dann tatsächlich passierte.

      "Dascha, mein Engel, bist du bereit?", sprach eine warme Stimme sie von der Seite an, während sich eine große Hand vorsichtig auf ihre Schulter legte. Die junge Frau blickte langsam auf in das entspannte Gesicht ihres Vaters. Er trug ein kleines Lächeln, das den Bart über seiner Lippe ein wenig anhob. Dieser Anblick war ein Luxus, an den Danica sich hat gewöhnen dürfen. Ob sie bereit war... Eine gute Frage. So viel war geschehen. Und jetzt war der Tag also tatsächlich und wahrhaftig gekommen, an dem sie anfangen sollten zu spielen. Der Tag, auf den sie schon so lange gewartet haben. Heute würde sie in die Akademie aufbrechen, ihrem Bruder hinterher. Langsam senkte sie den Blick, stellte ihre Tasse Tee wieder auf den Tisch und sah noch einmal nach draußen. "Heute ist ein so schöner Tag, Vater.", sagte Danica mit ihrer ruhigen, klaren Stimme.
      Der Mann folgte ihren Augen und seufzte ein wenig traurig. "Das stimmt. Doch ohne dich wird es ab morgen so still sein. Jetzt ist Ganna bei eurer Tante, du und Anatoly an der Akademie. Wer soll uns denn noch begrüßen, wenn deine Mutter und ich nach Hause kommen? Wem sollen wir die ganzen neuen Bilder und Skulpturen schicken?" Theatralisch atmete der Mann hörbar aus. "Ich schätze ich habe keine andere Wahl! Deine Mutter und ich müssen wohl noch ein Kind bekommen!" Danica schmunzelte und ihr entwich ein kurzes Kichern. Den Tod von Coleens Eltern haben sie leider nicht verändern können. Doch Gannas Verderben war noch nicht in Stein gemeißelt. "Direkt zwei wären besser." Das Oberhaupt der Familie lachte laut auf. "Das ist mein Mädchen! Na komm, die Kutsche wartet schon, so schwer mir der Abschied auch fällt."
      Und der Abschied fiel ihm schwer. Ihrer Mutter jedoch ebenfalls. Die schöne Frau hatte schon angefangen zu weinen, als nur die Koffer in die Kutsche geladen worden sind. "Und du versprichst mir, dass du gut auf dich Acht geben wirst? Du wirst dich nicht verlaufen in der großen Stadt? Halte sich immer schön an deinen Bruder! Und wehe du kommst dick nach Hause, ich habe vorher einen Brief an die Akademie geschickt und ihnen gesagt, dass du furchtbar allergisch gegen Süßspeisen bist und der Konsum dessen strengstens überwacht werden muss!" Das hatte sie. Daran zweifelte die Frau mit den silbernen Haaren keinen Augenblick. Verstohlen schielte Danica an der kleineren Dame vorbei zu ihrem Vater und dieser deutete unauffällig einen Daumen nach oben und nickte beschwichtigend. Das Mädchen begann zu lächeln. "Ich werde euch schreiben." Ihre Mutter nickte. "Bitte! Ich erwarte deine Post und lasse sie mir hinterher schicken, egal wo wir sind! Ich habe übrigens einige Sachen für Anatoly eingepackt, aber auch für Coleen, vergiss nicht sie ihnen zu geben, ja, mein Kind?" Danica nickte und verabschiedete sich endgültig von ihrem Elternhaus und setzte sich in die Kutsche, die sie fort tragen wird in eine neue Herausforderung...

      Danica hatte einen klaren Plan entwickelt wie sie so uninteressant wie möglich sein konnte für ihre Mitschüler und sich so gar nicht erst die Chance ergab mit den Geschehnissen der Heldin in Verbindung zu treten. Und auch, wenn es sie ernstlich schmerzte; sie ritt die Welle der Teufelsbraut. Ganz der Erwartung ihrer Mitmenschen entsprechend kleidete sie sich dunkel und schlicht. Ihre Haare trug sie mit Stolz meistens offen, damit jeder sie sofort erkannte. Mit ihrer Mimik ging sie besonnen um und gelegentlich würde sie dafür sorgen dass die Fantasie der reichen Schüler ein bisschen angekurbelt wurde. Sie hatte ein gutes Gefühl bei diesem Vorgehen.
      Und so schritt sie erhobenen Hauptes am nächsten Tag nach einer langen und anstrengenden Reise durch die großen Tore der Akademie. Ihr Herz hämmerte wie wild in ihrer Brust. Ihre Hände die sie vor sich hielt zitterten leicht. So sehr sie es auch versuchte, sie konnte ihre Augen nicht losreisen von diesem Majestätischen Schloss, das sich bis in den Himmel hinauf zu erstrecken ließ. Diese Schönheit ließ ihren Gang und ihren Atem stoppen. Wie oft hat sie sich in den Geschichten dieser Welt verloren? Sie schaute herab auf den tadellosen weißen Steinweg, der sich bis in die Hallen zog. Wie oft hatte sie sich hier im Park vor der Schule schon verliebt? Wie oft hat sie davon geträumt ein Teil dieser brillanten Welt zu sein, Geschichten gelesen und Theorien aufgestellt, nur um irgendwie mit dazu zu gehören.
      Und jetzt war sie wirklich hier. Danica blickte nun zu den anderen Schülern links und rechts um sie herum, die an ihr vorbei gehen. Jetzt war sie endlich hier und hatte das Schicksal von Öl, das ins Wasser wollte. Alles blühte um sie herum in den Farben des Frühlings. Jeder Mensch, der einen Sicherheitsabstand zu ihr einhielt war wie eine Blume, fast zu schön um betrachtet zu werden. Und mitten in diesem Farbenmeer stand sie, hoch empor wie ein verdorrter Baum mit toten schwarzen Ästen.
      Vorsichtig glättete sie ihren Rock und nutzte die Gelegenheit um tief durchzuatmen. Durch die Nase ein, durch die Lippen wieder aus. Sie würde es schaffen. Sie beide werden es bezwingen. Dieses Spiel oder besser gesagt das Ende davon. Und dann werden Coleen und Danica gemeinsam ein ruhiges Leben genießen können als Teil dieses wundersamen Märchens.

    • Coleen van Gard
      "Uuuuund, fertig~", säuselte die nun zu einer jungen Frau heran gewachsenen Coleen mit unglaublich selbstbewusstem roten flammenden Haar vor sich hin, als sie das letzte Stillleben an die Wand des neuen Zimmers hing, in dem sie nun jeden Tag ihre geliebte Danica sehen würde, statt nur mit ihr Briefe auszutauschen. Mit einem Satz sprang sie vom Bett und sah sich um. Danica würde es lieben!.. Oder hassen. Coleen van Gard hatte sich die Freiheit heraus genommen das gesamte Zimmer schon optisch in Beschlag zu nehmen und einzurichten und für die kleine Süßigkeiten-Maus hatte sie viel zu viele bunte Bilder von Torten und anderem Gebäck aufgehangen, die sie extra hatte von ihrem Berater Cedric besorgen lassen. Mit einem Lachen dachte sie zurück an seinen irritierten Blick, als sie ihm die Weisung erteilte. "Ich werde ihn vermissen..", grinste sie vor sich hin und wusste ganz genau, dass sie gerade gelogen hatte. Sie würde ihn und sein ständiges Gemecker sicher nicht vermissen, immerhin war er viel zu neugierig und war viel zu unausgesprochen unentspannt mit Coleens Plan, den Männern und diesem Spiel aus dem Weg zu gehen, umgegangen. Mit einem Blick in den Spiegel, stemmte sie eine Hand in die Hüfte und war voller Zuversicht. "Ab heute... mag ich einfach Frauen.", sprach sie es noch einmal laut vor sich aus, während sie sich übertrieben männlich die weiß-blaue Jungs-Uniform zurecht zog. Alleine für diese Stiefel hätte Coleen in ihrem alten Körper sterben können! Dass sie damit die Blicke auf sich zog, wusste sie zwar, allerdings würden die Menschen die Botschaft verstehen und die Love-Interests wären kein Problem für sie mehr. Sollte Elisabeth ruhig ihren Weg gehen und ihr Happy-End bekommen, sie würde ihr definitiv nicht im Wege stehen.
      Im Gegensatz zu Danica war Coleens Ziel nicht den Leuten Angst zu machen, das würde auch gar nicht funktionieren... Wer sollte dieses Regenbogenmonster auf ihrem Kopf auch schon ernst nehmen? Nein, Coleen hatte ganz das Schicksal der wahren Coleen aufgegriffen und machte die Männerwelt im Business verrückt und naja.. Was im Business klappte, konnte genauso gut in der Liebe funktionieren. Ein paar süße Sprüche zu ein paar Frauen und schon wäre sie die lesbische Geschäftsfrau ohne Eltern, die kein Mann ansprechen wollen würde. Denn es gab bei ihr nun mal nichts zu holen so. Kein Erbe, keine liebe Hausfrau, keine Frau, die auch nur ihren Körper geben würde. Sie hatte sich selbst einfach der Männerwelt entzogen und war betont stolz auf ihre grandiose Idee!
      Und ihre Freundin wird sich sicherlich darüber freuen, dass sich Coleen selbst als ihre Mitbewohnerin aufgedrängt hatte, auch wenn sie es vielleicht noch nicht wusste. "Hah~ Meine liebste Danica!~", säuselte sie und machte eine verliebte Drehung auf einem Bein. Für diese Worte musste sie nicht einmal viel vorspielen, denn sie liebte diese Frau. Sie war wie die ruhige große Schwester, die sie einfach brauchte um in dieser Welt nicht verrückt zu werden. So richtig schien sie sich nicht an all das zu gewöhnen, aber Danica war ihr Fels in der Brandung. Die Frau, die sie wieder zurück auf den Boden holte und Mut machte! Ganz aufgeregt setzte sie sich vor der Tür auf den Boden und legte ihre Beine in einen Schneidersitz. War das männlich? Ein Schneidersitz?
      Unsicher setzte sie sich noch ungefähr fünf Mal um, bevor sie doch wieder zurück zu ihrer Ursprungsposition kam und so verweilte. Mit einem ungeduldigen Blick auf die teure Ebenholz-Standuhr, die sie hatte aufstellen lassen, zog die junge Frau zwar einen Schmollmund, doch sie ließ sich nicht entmutigen. Aber wenn sie ehrlich war... Sie konnte es gar nicht abwarten, Danica endlich wieder zu sehen! Ihr Plan war idiotensicher, ihre Freundin war ihre Zimmergenossin - nichts in aller Welt könnte jetzt noch schief gehen. Da war sie sich sicher! "Ohhh~ Liebste Danica~", wiederholte sie immer wieder in einem Sing-Sang den Namen ihrer Freundin und Gefährtin.
    • Danica Kalsanik
      Eigentlich hatte die junge Frau gehofft ein Mal tief durchzuatmen würde reichen, um sich anschließend wieder in Bewegung zu setzen. Doch es war gar nicht so einfach ihr Herzklopfen zu verdrängen und eine unnahbare Ausstrahlung zu mimen. Zwar war sie von Natur aus ein bisschen schüchtern, was ihre Mimik anbelangte, aber das war nun wirklich kein natürliches Phänomen. Sie stand hier wahrhaftig vor der Akademie des vereinten Magistrats! Doch ein gutes hatte ihr Verhalten wirklich; Es verwirrte die Menschen um sie herum.
      Das in schwarz gekleidete Mädchen, das inzwischen ihre Hände vor der Brust umklammerte und Minuten lang auf einen Punkt in die Ferne starrte. "Das ist doch..." - "Ja, das muss sie sein." - "Oh Gott, was tut Sie da? Meinst du sie beschwört böse Geister?" - "Ich weiß es nicht, kann sie das?" - "Oh, wir sollten uns besser von ihr fernhalten!" Danica hatte ein angespanntes Lächeln auf den Lippen. Oh wow. Diese Rolle schien sie ja wirklich einwandfrei zu verkörpern. Jetzt war es noch schwieriger sich einfach aus ihrer Starre zu lösen, allerdings nicht mehr nur wegen ihrem kleinen, aufgeregten Fangirl-Herzchen. Apropos Herzchen.
      Kaum hatte sie sich an sie erinnert, war es gar nicht mehr schwer sich zu rühren. Ganz selbstverständlich entspannte sich ihre Haltung und sie schaute sich zu allen Seiten um. War Coleen wohl bereits da? Sie hatte auch eine lange Anreise gehabt. Aber vielleicht war sie ja schon vor ihr los. Mit der langen Verabschiedung ihrer Eltern war sie nämlich wirklich auf den letzten Drücker erst aufgesattelt. Hoffentlich würden sie sich schnell wiedersehen. Danica hatte jetzt schon furchtbare Sehnsucht nach den Armen ihrer besten Freundin. Sie war der Ort, an dem sie sich wahrlich wohl und verstanden fühlte, mehr noch als bei ihrer Familie. Sie war sich nämlich sicher, dass sie beiden selbst in der anderen Welt fantastische Freunde geworden wären. Nachdenklich folgte sie den Instruktionen, die Anatoly ihr gegen hat, um zu dem Wohnhaus der Frauen zu gelangen. Sie war nicht gerade die Beste was ihre Orientierung anbelangte und gerade hier fürchtete Danica selbst sich zu schnell ablenken zu lassen. Daher hatte sie sich seine Worte lieber aufgeschrieben.
      Noch immer stand sie an ein und dem selben Fleck und holte jetzt aus ihrem leichten Mantel den sorgfältig gefalteten Zettel heraus. Vom Tor aus musste sie auf das Hauptgebäude zu, bis sie zu der großen Kreuzung in der Mitte kam. Danica sah auf und sah bereits die Stelle. Hier stand die drei Meter große Statue des Schutzpatron des Wissens und bewachte seine Schützlinge. Danica fühlte sich ein bisschen wie eine Touristin, riss sich aber zusammen, räusperte sich leicht und stapfte schließlich auf die Statue zu. (Sie würde definitiv wiederkommen um sie in Ruhe zu bewundern.) Von hier aus bog sie nach links ab und ging durch die bildschöne Parkanlagen mit vereinzelten Bänken, einem hübschen Teich, einigen Pavillons, an denen Rosenranken hinauf wuchsen. Alles wirkte so unglaublich friedlich hier. Märchenhaft wäre wirklich das perfekte Wort um diesen Ort hier zu beschreiben. Als sie wieder an eine Kreuzung kam bog sie rechts ab und ging vorbei an einem großen Platz für Pferderennen, von dem aus sie lautes Wieren hören konnte. Und wie auf dem Zettel beschrieben lief sie dann schon auf das Gebäude mit dem himmelblauen Anstrich zu. Erleichtert atmete sie auf.
      Immer mal wieder sah sie sich um nach ihrer Coleen, fand sie allerdings nicht. Wie gerne hätte sie ihr doch nur eine SMS geschrieben... Doch gut, sie würden sich schon finden! Spätestens im Klassenzimmer dann. Sie brachte bei der Hausmutter in Erfahrung welches ihr Zimmer gewesen ist und bewegte sich dann in die dritte Etage zu Zimmernummer 306. Vorsichtig drehte sie den Knauf herum und öffnete die Tür. Und noch bevor sie irgendwas anderes sah oder bemerkte, schaute sie direkt auf den Boden, wo ihr liebstes Gesicht auf der ganzen Welt mit einem glücklichen Grinsen auf sie wartete.
      Danica sah sie an, stand in der offenen Tür... und fing an leise lachend den Kopf zu schütteln. "Hier bist du also.", sagte sie nur, schloss die Tür hinter sich und fiel ihr dann einfach mit auf den Boden um den Hals, um sie in eine Umarmung zu ziehen. "Ich bin so froh dich zu sehen. Ich bin seit 20 Minuten hier. Und ohne dich überlebe ich es nicht.", gestand sie ihr direkt und gab ihr einen Kuss auf die Wange, ehe sie sich von ihr entfernte und sich dann wie selbstverständlich ihr gegenüber bequem hinsetzte. Dabei wanderte der Blick erst jetzt zu ihrer Kleidung und sie hätte niemals gedacht, dass sie mal überrascht wäre eine Frau in Hosen zu sehen. "Unglaublich... du siehst umwerfend aus... Wie aus einem Gemälde!"

    • Coleen van Gard
      Bei jedem Schritt, den Coleen auf dem Gang hörte, fing sie an wie nervös wie ein kleiner Welpe etwas auf und ab zu wippen, doch die Tür öffnete und öffnete sich nicht. Sie wird sich doch nicht verlaufen haben? Oder noch schlimmer... Sie wird sich doch nicht ein anderes Zimmer geben lassen!? Sie wird doch nicht-
      In diesem Moment öffnete sich die Tür und mit großen glänzenden Augen und einem kecken Grinsen sah sie ihrer geliebten Danica entgegen. "Hehe~", grinste sie nur umso breiter, als ihre Freundin sich ihr um den Hals warf und ohne zu zögern legte auch sie ihre Arme um das silberhaarige Geschöpf ihres Herzens. "Weiß ich doch, weiß ich doch~ Du liegst mir eben zu Füßen!", lachte Coleen etwas und genoß sichtlich den kleinen Kuss, den sie kurz darauf bekam. "Mhm~", schnurrte sie ihr beinahe entgegen, und drückte danach ganz aufgeregt ihre Fußsohlen aneinander, auf welche sie sich danach mit ihren Händen leicht stützte. "Sag bitte genau das mit genau diesem verliebten Blick draußen auf dem Hof, damit mein Image perfekt ist!"
      Miss van Gard richtete sich mit ihrem Zeigefinger etwas den Kragen und neigte dann ihren Kopf etwas seitlich mit einem verführerischen Grinsen, dem man gerade zu ansehen konnte, dass sie es wohl wochenlang im Spiegel geübt hatte. "Also wenn ich damit nicht das perfekte Abbild einer lesbischen Frau bin, die den führenden Männern der Welt einheizt, dann weiß ich auch nicht.", gab sie großspurig von sich und fuhr sich durch ihr Haare. Ihr Haar, das vor Selbstbewusstsein gerade zu triefte. Nun gab sie zwar einen prüfenden gespielt ernsten Blick an ihre Freundin ab, wobei sie über ihre Kleidung eben so fuhr, wie sie es zuvor bei ihr getan hatte, doch schnell verfiel sie wieder ihrem eigenen charmanten Lächeln. "Ich mag, was du mit deinen Haaren gemacht hast..", säuselte Coleen etwas leiser, bevor sie sich nach vorne zu ihrer Freundin beugte und eine Haarsträhne von ihr um ihren schmalen Zeigefinger wickelte. "Es steht dir~ Aber ich verzeihe dir trotzdem nicht, dass du mich hast warten lassen! Dafür verdiene ihm... hum...." Mit einem nachdenklichen Blick ließ sie zögerlich von ihr ab, sprang mit einem Ruck auf ihre Füße, stand auf und reichte Danica grinsend ihre Hand. "...verdiene ich ein Kompliment dafür, wie wundervoll ich Cedric die Bilder für unser gemeinsames Zimmer habe aussuchen lassen!", mit ihrer freien Hand machte sie eine kleine aber charmante Geste in Richtung der Wände mit den Stillleben von Süßigkeiten - unter anderem deutete sie auf das größte Bild: Eine Nachahmung des zurecht gemachten Bankett-Essens, das Coleens Mutter hatte zu ihrer ersten gemeinsamen Teeparty ausrichten lassen. "Ein kleines Andenken an den Anfang von unserem märchenhaften Ende." Mit diesen Worten streckte sie ihr kurz die Zunge raus, aber sehr liebevoll, wie sie eben war. Sie strahlte gerade zu voller Zuversicht. Nichts könnte jetzt noch schief gehen, mit den Gerüchten um sie, ihren charmanten Gesten und ihrer liebsten Freundin an der Hand. Coleen wusste in dieser Sekunde: Zusammen werden sie alles schaffen und niemand könnte sie aufhalten. "Anatoly ist schon vor Ort, nehme ich an, meine Teure?", fragte sie noch betont höflich, bevor sie wieder in ihr typisches Grinsen verfiel. Die Rolle einer Adligen war die eine Sache - diese Rolle vor ihrer Freundin zu spielen eine ganz andere.
    • Danica Kalsanik
      Beeindruckt beobachtete Danica genau die hervorragend einstudierten und perfektionierten Gesten ihrer besten Freundin und applaudierte sanft. Sie war sich nicht sicher wie gut diese ganze Sache letzten Endes wirklich funktionieren würde, allerdings unterstützte sie Coleen voll und ganz, erst recht, da sie sehen konnte wie unfassbar wohl sich die rot-haarige damit fühlte. Sie war so lebensfroh und begeistert. Sie wirkte glücklich und das war alles, was Danica selbst brauchte, um sich sofort zu beruhigen und zu entspannen. Mit einem entspannten Lächeln ließ betrachtete sie die Show und schloss genüsslich aufatmend ihre Augen, als Coleen ihre Haare umfasste. Sie liebte es wenn jemand sie am Kopf berührte. Vielen der Angestellten war es unangenehm ihre Haare großartig zu berühren, wegen der hellen Farbe und Danica hat noch nie jemanden gezielt darum gebeten es zu tun. Aber wenn jemand sich an sie heran traute, dann genoss sie es in ganzen Zügen.
      "Du hast viele dieser Spiele gespielt, hm?", lobte sie ihre Freundin dann, als sie wieder von ihr abließ. "Pass auf. Am Ende möchte Elisabeth dich erobern." Sie reichte ihr die Hand und ließ sich vorsichtig auf die Beine helfen. Um das Kleid kümmerte sie sich jetzt nicht mehr. Sie würde sich gleich eh umziehen und einen Satz der neuen Schuluniform anziehen und hier wird sie ganz bestimmte niemand mehr für so etwas verurteilen. Erst jetzt, als Coleen sie darauf aufmerksam machte, richtete Danica ihr Augenmerk auf ihre Umgebung. Es war unglaublich, aber so lange ihre beste Freundin hier gewesen ist fühlte es sich jetzt schon an wie ein zu Hause. Und bei den Bildern musste sie wirklich schmunzeln. Doch bei dem größten blieb ihr doch glatt der Atem weg. Was für ein nostalgisches Bild. "Nein wie schön", hauchte sie ehrfürchtig und streckte ihre Hand danach aus, um sanft mit ihren Fingerkuppen über die Rückenlehne des Stuhls zu streichen, auf dem sie an diesem Tag gesessen hat. Mit ihrer freien fischte sie sich die Finger ihrer Freundin und drückte vorsichtig.
      "Unser Märchen hat erst begonnen. Und das ist wirklich ein schönes Andenken. Danke dir." Wieder sah sie zu dem Gemälde herüber. "Ich muss mich auch bei dem armen Cedric bedanken. Es klingt, als hättest du ihm Arbeit gemacht." Danica kicherte leicht und schüttelte den Kopf. "Wirklich, ich finde es sehr, sehr schön.", nickte sie noch einmal und ließ dann von Coleen ab. "Anatoly meinte er wartet am Eingang des Männer Wohnhauses auf uns, um uns herum zu führen." Sie schaute sich im Zimmer um und erkannte ihr Gepäck auf einer Seite stehen. Das wird dann wohl ihre Seite werden. "Ich muss mich nur schnell umziehen.", warnte sie sich vor und machte sich schnell frisch, bevor sie sich eine der vielen schwarzen Uniformen aus dem Schrank zog. Man hatte im vorhinein gefragt welche Farben sie im Frühling tragen wollte. Und leider blieb ihr bei ihrem Plan wirklich nicht viel Auswahl.
      Wenig später waren die beiden Mädchen schon auf dem Weg. Raus aus dem Wohnheim und direkt nach links. Vorbei an einem Irrgarten mit Rosenbüschen, immer nur dem gepflasterten Weg entlang. Sie beide zogen ordentliche Aufmerksamkeit auf sich, doch tatsächlich hatte Danica gerade ganz andere Sorgen. "Ich bin ein bisschen aufgeregt.", gestand sie still ihrer Freundin. "Was soll ich tun, wenn sie uns begegnen?" Und kaum hatte dieser Satz ihre Lippen verlassen, wurden sie gerufen. "Ach, Danica, Coleen!" Die silber-haarige sah auf und erkannte aus dem Absatz einen jungen Mann mit strahlend blondem Haar.
      "Jean-Christophe.", nickte sie dem Jungen zu, als er sich schnell von seinem Gesprächspartner verabschiedete und bei ihnen ankam. Er steckte sofort seine Hände in die Taschen seiner Hose. "Ein Glück hab ich euch entdeckt. Ihr habt mich vor einem grässlich langweiligen Beitrag über Agrarwirtschaft bewahrt.", murmelte er direkt ein bisschen erschöpft. "Fangt ihr auch dieses Jahr an?", hakte er interessiert nach und musterte anschließend besonders Coleen eingehend. Er öffnete den Mund, um ihren Aufzug zu kommentieren, entschied sich dann allerdings gegen eine Wertung. Stattdessen nickte er anerkennend. "Spannender Aufzug. Pass nur auf, dass dir die Uniform nicht besser steht als mir." Danica schmunzelte und schaute noch einmal zu ihrer Freundin. Jean war... irgendwie ungefährlich. Sie drei kannten sich schon seit einer ganzen Weile und inzwischen konnten sie beide einigermaßen entspannt bei ihm sein. "Ihr seht beide sehr gut aus in der Uniform", sagte die silber-haarige aufrichtig und ein kleiner Stich durchzog ihre Brust. Sie beide sahen wirklich aus wie ein Kunstwerk. Machte sie das Bild mit ihrer Anwesenheit kaputt?
      Nun kam auch Anatoly bei der Gruppe an. "Hey!", bellte er direkt. "Wisst ihr wie lange ihr mich schon warten lasst? Und dann erwische ich euch, wie ihr hier dumm herum steht?" Er murrte leicht und schaute skeptisch zu Jean. Dieser erwiderte den Blick und nickte nur. "Guten Morgen, großer Bruder." Danica schmunzelte. Als sie beide sich das erste Mal getroffen hatte, hat Danica Anatoly nur mit den Worten Das ist mein großer Bruder vorgestellt. Das scheint er sich bis heute gemerkt zu haben. Knurrend legte der blau-haarige seine große Hand auf den Kopf des Blonden und zerwühlte ihm die Frisur. "Frecher Bastard, wie oft hab ich dir schon gesagt du sollst mich nicht so nennen. Unfassbar dass sie dich auch inzwischen aufgenommen haben." Er schubste seinen Kopf etwas weg und wendete sich dann an die Frauen. Erst an seine Schwester und dann an Coleen, die eigentlich sowas wie seine andere Schwester war. Auch sein erster Blick galt ihren beiden Uniformen. "Ist das euer Ernst?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue und legte sich ächzend das Gesicht in die Hand. "Ihr seid auch nur hier um mir Ärger zu machen, oder?"
      Danica störte sich überhaupt nicht an Anatolys Art. Sie bemerkte nicht einmal großartig seine Worte. Stattdessen sah sie ihn mit strahlenden Augen an, ähnlich wie damals als Kind schon, was der ältere mit einem fragenden Ton bemerkte. "Hm?" Da platzte es aus ihr heraus. "Ich sehe dich zum ersten Mal in Uniform. Ihr seht wirklich alle so gut aus... Und jetzt sind wir auf einer Schule, das erste Mal." Viel offener, als sie es sonst in der Öffentlichkeit tat fing sie an zu lächeln. "Ich bin so aufgeregt, dass ich so viel Zeit mit euch verbringen kann.", sagte sie schließlich sowohl an ihren Bruder, als auch an Coleen gewandt.

    • Coleen van Gard
      "Pass auf. Am Ende möchte Elisabeth dich erobern.", etwas nachdenklich legte Coleen ihre Finger an ihr Kinn und sah an die Decke. "Damit würde ich das Spiel sicher kaputt machen..", murmelte sie etwas vor sich hin, aber musste bald schon wieder grinsen. Die Jungen würden sie sicherlich hassen, wenn sie süße süße Elisabeth ihr verfallen würde! Einer Frau! So blöd war der Gedanke also eigentlich nicht. Als ihre Augen wieder in die Richtung ihrer Freundin fielen, bedanke sie sich bei ihr für die Mühe mit den Bildern und kam auch auf ihren Diener Cedric zu sprechen. Mit einem bösen Grinsen winkte die rothaarige Dame ab und lachte leicht. "Ach Quatsch, Cedric war gerade zu dankbar! Seit ich die Geschäfte beinahe im Alleingang übernehmen kann, ist er sicher unterarbeitet und freut sich bestimmt statt eines Beraters plötzlich ein Butler zu sein!", gab sie ironisch von sich wieder. Irgendwie hatte sie diesen Mann trotzdem fast schon lieb gewonnen. Er hatte es nicht leicht mit Coleen, vermutlich wesentlich schwieriger mit Carly-Coleen als mit der echten, doch er versuchte zumindest sich seine Verzweiflung nicht anmerken zu lassen. Es war fast schon goldig!
      Nachdem ihre Herzensdame sich umgezogen hatte, verließen die beiden jungen Frauen das Wohnheim und keine Sekunde später verstaute Coleen ihre Hand führend an Danicas unteren Rücken, um ihre Zuneigung subtil aber effizient zu verdeutlichen für jeden um sie herum. Sie hatte sich ganz genau ausgedacht, wie ihre Rolle aussehen sollte, wie sie gucken würde und Danica machte es ihr leicht. "Was soll ich tun, wenn sie uns begegnen?", gerade wollte sie ihrer Freundin ein paar beruhigende Worte zukommen lassen, als sie dem Ersten und vermutlich Unfähigsten der Love-Interests begegneten. Jean-Christophe, der Mann, der sich eigentlich selbst in die Friendzone katapultierte, aber er war süß, ohne Zweifel. Wenn Coleen ehrlich wäre, würde sie zugeben müssen beachtlich oft gerade seine Story gespielt zu haben und auch jetzt, wo sie inmitten dieses Spieles waren, gab er ihr wirklich Entspannung. "Fangt ihr auch dieses Jahr an?", mit einem Nicken und kecken Grinsen bejahte sie die Frage und kurz darauf bemerkte sie auch den musternden Blick auf ihre Kleidung. "Spannender Aufzug. Pass nur auf, dass dir die Uniform nicht besser steht als mir." Mit einem breiten Grinsen ließ sie von ihrer Freundin ab und stellte sich auf die Zehenspitzen um Jean-Christophe an seinem Kinn etwas zu sich hinunter zu ziehen. "Ich denke, dafür ist es schon zu spät, mein werter Freund. Du solltest mir also lieber vorher mitteilen, wenn du Interesse an einer Frau pflegst, ansonsten bin ich die Erste, die sie dir wegschnappt.", mit einem herausforderndem aber verspielten Zwinkern ließ sie von ihm wieder ab - vor allem weil es in diesen Schuhen wirklich merklich unbequem war auf Zehenspitzen zu stehen um auch die Wirkung zu erzielen, die sie wollte. Sie entfernte sich wieder einen kleinen Schritt und drehte sich auf einem Bein um die eigene Achse um ihm zumindest kurz den gesamten Anblick der Frau in Männerkleidern gönnen zu können. "Ich werde in diesem Outfit definitiv mehr Frauen um den Finger wickeln können als du.", gab sie noch betont selbstbewusst von sich, bevor sie ihre Hand an Danicas Hüfte legte um ihre Aussage direkt zu untermauern. Triumphal strecke sie dem Blonden noch die Zunge heraus, bis ihr Blick auf Anatoly fiel.
      "Ist das euer Ernst?", "Oh, aber absolut, liebster Master Kalsanik!", antwortete sie gestellt höflich, bevor sie seiner Schwester über die Wange strich und grinste. "Wie soll ich denn sonst als Danicas einzig wahre Liebschaft schon von Weitem erkennbar sein!?", spielte sie sich auf - aber mit einem Lachen. Wie man es von der 'neuen' Coleen van Gard erwartete. "Ich bin so aufgeregt, dass ich so viel Zeit mit euch verbringen kann.", mit einem Mal zog sie ihre Freundin nur noch näher an sich und gab ihr ein Küsschen auf die Stirn. "Du hättest jederzeit bei mir einziehen dürfen! Cedric hätte sich sicher gefreut über eine Frau wie dich, die mich zähmt und ihn nicht die ganze Nacht wach hält mit Kleinigkeiten..", kicherte sie ihr etwas entgegen, während sie sich eine Haarsträhne hinter's Ohr klemmte. Sie ließ keine Gelegenheit aus Danica nahe zu sein - einerseits für ihre Rolle, andererseits einfach weil sie so wenig Zeit dafür bisher gehabt hatte sie mit ihrer Liebe zu überschütten. Ohne auch nur daran zu denken ihre Hände von der Hüfte ihrer Freundin zu nehmen, sah sie erneut zu Anatoly. Corleen ging hier in der Schule betont mehr ran für die Show, das merkte sicherlich auch er, doch es half ja nichts. Die Rolle musste sitzen, auch vor ihrem Bruder. Auch vor dem süßen süßen Jean - eigentlich gerade vor dem süßen süßen Jean. Wenn Elisabeth auf den Schirm trat, würde er sich sicherlich wieder von ihnen entfernen, das war.. schade. Tatsächlich. Der Gedanke betrübte sie ein klein wenig, weshalb ihr Haar begann in einen seichten Lilaton sich abzusetzen, doch genauso schnell wie dieser kam, ging er auch wieder, als sie den Gedanken abschüttelte. "AALSO, Anatoly. Du bist unser Reiseführer habe ich gehört? Wo finde ich die schönsten Frauen?", grinste sie und strich ihrer liebsten Danica noch einmal über die Haare. "Natürlich nur die schönsten Frauen nach deiner Schwester. Du bist und bleibst meine Favoritin, mein Herz. ♥"
      In all den Jahren wurde Coleen offener und offener mit ihren Gefühlen gegenüber Danica. Das zeigte sich auch in der komplett fehlenden Privatsphäre, die sie ihr schenkte, doch ihre Freundin wusste ja um ihre Beweggründe und dass sie niemals den Schritt überschreiten würde zwischen ihrer liebevollen Freundschaft und mehr. Und dass sie gerade vor jemandem wie Jean - gerade vor einem Love Interest - eine Schippe drauf legen würde immer und immer wieder, war ihr sicherlich bewusst. Zumindest ging Coleen stark davon aus. Kurz wandte sich ihr Blick auch zurück zu eben erwähntem Love Interest und grinste umso breiter. "So ist man charmant gegenüber einer Frau! Schneid dir lieber eine Scheibe davon ab, wenn du nicht alleine sterben willst.~"
    • Jean-Christophe Beaumanoir
      Betont ungerührt von Coleens Nähe ließ Jean es zu, dass sie ihn zu sich herunter zog und sein Gesicht berührte. In Gegenwart von anderen Menschen würde er es zwar niemals laut aussprechen - lieber würde er wahrscheinlich seine Zunge abbeißen - doch in seinen vielen Diensten unter diversen einflussreichen Familien, ist er schon vielen Frauen begegnet, dessen Geschmack er anscheinend zu treffen schien. Demnach ist er gerade solcherlei Szenen gewohnt gewesen. Allerdings gab es doch einen Unterschied zwischen diesen anderen Frauen und Coleen. Bei ihr störte es ihn nicht im geringsten. Es kam ihm nicht in den Sinn, dass sie eine Anstrengung darstellte oder dergleichen. Sie genoss bei ihm eine Sonderstellung. So wie er bei ihr, wie es ihm gelegentlich schien.
      Belustigt von ihrer Aussage brannte sich ein wissendes Lächeln auf seine Züge und er holte eine Hand aus der Tasche, um nach ihren schönen langen Haaren zu greifen. Vorsichtig wirbelte er eine ihrer Strähnen ein wenig auf den Finger. "Wenn es das ist, was du willst, bin ich der letzte, der dir im Weg stehen wird." Damit ließ er demonstrativ ab und entspannte seiner Körperhaltung wieder mit den Händen in den Taschen und folgte ein bisschen aus dem Absatz der Konversation. Interessiert beobachtete er die beiden unzertrennlichen Frauen. Sie standen sich als Kinder schon sehr nahe, als er sie kennengelernt hatte und alle beide entsprachen vom Charakter her wirklich nicht, wie sie aussahen. Während Coleen gewöhnlich einen recht ernsten und kompetenten Eindruck gemacht hat, insbesondere, wenn er ihr im Bezug auf ihre Geschäfte begegnet ist, war sie in Wirklichkeit eine Katastrophe sondergleichen. Ein wildes Durcheinander aus dermaßen aufrichtigen Gefühlen, dass Jean gar keine andere Wahl hatte, als sie lieb zu gewinnen.
      Bei Danica verhielt es sich ähnlich. Nach außen hin trug sie eine unnahbare Miene und kleidete sich sehr dunkel, was so wenig zu ihrer erschreckend liebevollen Art passte, dass es ihn im ersten Moment entsetzt hat. Selbst für ihn nahm sie sich gerne Zeit und hörte seinen Sorgen zu. Generell, obwohl sie das jüngste Kind der Kalsaniks war, machte sie eher den Eindruck wie jedermanns große Schwester mit ihrem Hang zur Fürsorge. Das Bedürfnis sie zu beschützen, machte sich in ihm breit. "Hm?" Mit verwundertem Ton drehte Jean sich nach links zu Anatoly, der seinen Blick nicht von den beiden Frauen abwendete. Seine Haltung war ein bisschen eingespannt und sein Blick fest entschlossen. Jean grinste leicht und haute mit seinem Arm leicht gegen den jungen Mann mit den blauen Haaren. "Du hast einen gewaltigen Schwestern-Komplex, Herr großer Bruder." Sofort hatte er die Aufmerksamkeit des Kalsaniks und er giftete ihn an. Hach ja, wirklich eine amüsante Truppe, das musste er schon sagen.
      Coleen frage wo es die schönsten Frauen hier gebe und ihr Kindheitsfreund zog leicht die Augenbraue hoch. "Zunächst einmal sollten wir uns zur Willkommenszeremonie begeben. Ich habe mir sagen lassen, dass einige der Lehrer wirklich ungehalten werden, wenn man die schwänzt." Anatoly seufzte schwer. "Das ist richtig. Und sie ist jedes Jahr eins zu eins das gleiche. Also freut euch schon darauf nächstes Jahr zwei Stunden lang gelangweilt zu werden. Kommt, im Entenmarsch, Kinder."

      Danica Kalsanik
      Die Eröffnungszeremonie des neuen Schuljahres wurde in einer gigantischen Halle veranstaltet mit einer hohen, kunstvoll bemalten Decke, die den Lebenszyklus darstellte. Danica kannte diese Halle nur durch einen flüchtigen Einblick in die Zeremonie, doch dass es hier drin so schön und beeindruckend wäre... damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Begeistert sah sie sich um und hatte den Kopf so weit sie konnte in den Nacken gelegt. Dabei hielt sie sich an Coleen fest, um ihr Gleichgewicht zu behalten. "Coleen", murmelte sie nach einer Weile der Ehrfurcht. "Ich glaube ich muss wegen der Schönheit hier weinen.", gestand sie leise und konnte immer noch nicht fassen, dass sie hier gewesen ist. Es war voll in der Halle und es gab Einweiser, die dafür zuständig gewesen sind die Klassen zusammen zu stellen. Selbstverständlich standen alle wichtigen Menschen des Spieles zusammen für die Klasse A. Ein Umstand, der in Danica mehr Stress auslöste, als sie gerne zugeben würde. In ihrer unmittelbaren Umgebung befand sich Prinz Nikolai, der von einigen Mädchen angehimmelt wurde. Navid, bei dem etwas sehr ähnliches passierte. Carolus stand direkt hinter ihr mit seinem Waschbären im Arm und schnalzte mit der Zunge und dann das schlimmste von allem. Danicas Herz setzte aus.
      Eine laute Frauenstimme erregte ihre Aufmerksamkeit und sie und ihre beste Freundin, wie auch Jean wendeten sich um. Jean allerdings wirbelte augenblicklich wieder zurück als sie Claude erblickten. Claude George. Er war in echt sogar noch schöner, als sie ihn sich dutzende Male vorgestellt hat. Doch... irgendwas stimmte nicht. An seiner Seite war Elisabeth. Oder ein Mädchen, das Elisabeth gewesen sein sollte. Doch charakterlich hatte Danica gerade große Zweifel daran. Sie war laut, beschwerte sich in einer Tour, klammerte und zerrte an Claude herum und schien im Allgemeinen nicht Ruhe geben zu wollen. Sie waren nicht die einzigen, die sich bereits herumgedreht hatten und die junge Frau konnte sich vorstellen wie unangenehm die Situation gerade für ihn sein musste, der es so sehr hasste übermäßig im Mittelpunkt zu stehen, wenn es um gesellschaftliche Veranstaltungen ging. "Das ist unerwartet.", murmelte Danica ihrer Freundin zu, als sie sich schnell wieder wegdrehte und auch Coleens Augen von der Szene wegzog. Sie wollte nicht zu den Augenpaaren gehören, die ihm Unbehagen bescherten. Aber irgendwas war hier doch nicht ganz richtig. Hatten sie das Spiel vielleicht doch falsch im Kopf gehabt?

    • Coleen van Gard
      "Zunächst einmal sollten wir uns zur Willkommenszeremonie begeben.", enttäuscht seufzend ließ sie von ihrer Freundin ab, legte aber wie auf dem Weg hier her zuvor ihre Hand an Danicas unteren Rücken. Jetzt würde es also beginnen. Das Spiel der Heldin um das Herz eines der Love-Interests. Unweigerlich fiel ihr Blick dabei wieder in Jean-Christophes Richtung. Ein klein wenig würde er ihr vielleicht sogar fehlen. Aber wirklich nur ein wenig. Vor allem ihm gegenüber führte sie sich seit sie sich kannten immer wieder vor Augen, dass er als einer der Haupt-Akteure des Spiels sich von ihr und Danica trennen würde, sobald das Schulleben begann und Elisabeth anfangen würde sie alle zu verzücken. Doch diese Coleen würde nicht vor Eifersucht versuchen ihr im Weg zu stehen. So sehr sie sich an diesen Mann gewöhnt hatte, sie war bereit ihn abzutreten um ihm sein Happy-End zu überlassen, wenn es soweit wäre. Sie hatte niemals darüber gesprochen. Auch nicht mit ihrer Herzensdame, doch Coleen war sich fast sicher, dass Danica trotzdem wusste, wie es um sie stand und obwohl ihr ganzer Plan sich diesem Spiel zu entziehen bedeutete, dass keinen der Männer irgendwas bedeuten könnte, war es etwas ganz anderes bei Jean. Immerhin war er der Einzige, der Nebenbuhler um Elisabeth, der schon eine Weile in ihr Leben getreten war und damit vermutlich einfach... verschwinden würde. Vermutlich in so weit, dass die temperamentvolle junge Frau selbst nicht wusste, ob sie ihn mit Elisabeth sehen könnte. Würde es ihr schmerzen? Könnte sie sich für ihn freuen? Sie wusste es nicht wirklich, doch ihr war unweigerlich bewusst, dass es sie nicht völlig kalt lassen würde, wenn er kein Teil mehr dieser chaotischen Truppe wäre. Trotz ihres Selbstbewusstseins.. und trotz ihrer Motivation sich aus diesem Spiel raus zu halten... missfiel ihr der Gedanke ihn gehen zu sehen und dieser Tag - so sehr es sie auch freute ihre liebe Freundin wieder an der Seite zu haben - hatte für sie einen melancholischen Nachgeschmack.
      Ehe sie sich versah, war sie vor ihnen. Die Halle, die ihrer Freundin gerade zu den Atem zu rauben schien. "Coleen", sagte sie zu ihr und hielt sich glatt an der Angesprochenen fest, als würden ihr jeden Moment die Knie weich werden. Mit einem kleinen Lachen nickte sie nur. "Ich weiß.." Es war wirklich.. atemberaubend schön und völlig surreal nun wirklich hier zu stehen. "Ich glaube ich muss wegen der Schönheit hier weinen." Ein weiteres Kichern entlockte alleine der Gedanke daran ihr, während Coleen ihren Arm fester um Danica schlang und etwas an sich drückte. Ihr Blick wanderte dabei durch den gesamten Saal. Alle Männer waren versammelt. Alle Männer, deren Schicksal unweigerlich an die Protagonistin verknüpft sein sollte, in dem sie alle nach und nach ihr Herz an sie verlieren, doch als ihr Blick auf eben diese Protagonistin fiel, wurde auch die junge rothaarige Frau skeptisch. Es war nicht einmal diese unangenehme Art an ihr, die Coleen so misstrauisch machte - es war viel mehr die Reaktion von Claude George darauf. Irgendwie hatte sie erwartet, dass die Männer - egal wie sie sich auch verhalten würde - von ihr angetan wären. Sie war schließlich die Heldin, aber in Claudes Augen war keinerlei Zuneigung zu sehen. Viel mehr schien er unter der Belastung der Stresssituation unter zu gehen. Noch ehe sie ein erneutes Wort fand, drehte Danica sie wieder nach vorne um, wobei Coleens Blick sich erneut auf Jean fest setzte. Er hatte schon einmal Bekanntschaft mit Elisabeth gemacht, ja. Aber im Sinne der Story... Im Sinne des Spieles müsste er doch trotzdem spätestens jetzt vernarrt in sie sein, oder nicht? Alle Augen müssten sich an ihr fest setzen, aber es schien sich nichts in ihm zu rühren. "Ich dachte... Es passiert ganz automatisch..", flüsterte sie ihrer Freundin zu, bevor sie mit ihrer freien Hand, die sie nicht an Danica gelegt hatte, nach Jean-Christophes Arm griff und ihn antippte. Nachdem dieser sich ihr zu wendete, nickte Coleen etwas in Elisabeth's Richtung. "Sag. Tut sich da nichts bei dir? Keine Ahnung.. Herzklopfen? Zuneigung? Interesse? Irgendwas? Willst du mit ihr reden? Gefällt dir der Anblick mit dem anderen Mann nicht? Eifersüchtig?", fragte sie ihn mit einem Mal aus und musterte ihn neugierig. Sie erwartete einfach... Irgendetwas.

      Claude George
      Die Zeremonie endete und der junge hochgewachsene Mann verzog keine Miene, auch wenn er innerlich am Liebsten schreien würde. Elisabeth schien ihm nicht mehr von der Seite weichen zu wollen, doch diese penetrante Art von ihr zog so viel Aufmerksamkeit auf die beiden, dass er sich sichtlich unwohl fühlte. Nach Verabschiedung griff er so höflich er es konnte nach Elisabeth's Hand und gab ihr einen kurzen Handkuss mit dem Versuch einer höflichen Flucht. "Ihr entschuldigt mich, Milady. Ich muss mich leider entziehen und mich meinen Erledigungen widmen."
      Ohne auf eine Antwort zu warten ging er schnellen Schrittes hinaus aus dem Saal, in seinem Kopf suchte er schon nach einem geeigneten Versteck vor dieser aufdringlichen Frau. Als er um die Ecke schritt, wurde er jedoch gestoppt: Eine junge silberhaarige Frau kreuzte seinen Weg und mit seinem ungeheurem Schwung warf er sie unbeabsichtigt um. Er holt erst mit beiden Händen aus nach ihr zu greifen, entschied sich dann aber dazu, dass es sie sicher nur bedrängen würde, wenn er beide nehmen würde... Weshalb er sich dazu entschied nur einen Arm um ihre Hüfte zu legen. Mit natürlich-ernster Miene sah er ihr entgegen und hielt sie im Arm, während er hinter sich schon "Claaaaaude!" von Elisabeth hörte. Nach einem kurzen deutlich verzögertem Moment, meldete er sich zu Wort. "Verzeihen Sie mir mein Ungeschick, ich war etwas.. in Eile. Seid ihr wohl auf, Miss?", fragte er, als er den bösen Blick der vermeintlichen Freundin der Fremden sah. Eine Frau in einer Männeruniform funkelte ihm gerade zu entgegen, während er die Dame hielt, worauf er gar nicht wirklich zu reagieren wusste. Hatte er etwas im Gesicht? War es sein Haar? Wie guckte er gerade? Hatte er etwas falsch gemacht? War sie so böse, weil er ihre Begleitung umgeworfen hatte? Ihr rotes Haar färbte sich plötzlich immer dunkler und dunkler bis es eine bedrohliche Farbe zwischen Rot und Schwarz angenommen hatte und an diesem Merkmal erkannte er, wer vor ihr Stand. Coleen van Gard, der letzte Spross ihrer Familie und eine durchaus bemerkenswerte junge Frau im Handelswesen. Unter diesem Umstand musste die Dame in seinen Armen.. "Miss Kalsanik, nehme ich an?", versuchte er die bedrückende Stille zu durchbrechen, seinen Blick zwischen Miss van Gard und Miss Kalsanik hin und her wendend.. Vor allem da er befürchten musste, jeden Moment von Coleen zerfleischt zu werden, so wie sie ihn ansah. "Lasst mich euch helf-"
      "Ich helfe ihr, dankeschön!", unterbrach Miss van Gard ihn direkt und zog Danica aus seinen Armen in ihre, wobei sie ihre Freundin kaum halten konnte - zumindest sagten das ihre wackeligen Beine aus, weshalb Claude entgegen Coleens Willen eine Hand an Danicas Hüfte ließ. "Claude, da bist du ja!", hörte er das zickige blonde Geschöpf hinter sich und sah sich förmlich gezwungen über seinen Schatten zu springen. Mit seinem Arm um Danica, sah er über die Schulter zurück zu Elisabeth. "Entschuldigt, meine Teure, aber ich muss Verantwortung übernehmen und diese junge Dame auf das Krankenzimmer begleiten. Immerhin bin ich der Grund für ihren Zustand, da kann ich sie ja nicht alleine ihrer.. Begleitung überlassen.. Richtig, Miss?"
      Mit einem ernsten aber durchaus etwas hilfesuchenden Blick wandte er sich wieder in Richtung von Danica, bei der er seine Chancen auf Hilfe definitiv größer sah als bei Coleen.
    • Jean-Christophe Beaumanoir
      Ja er hatte Elisabeth durchaus erkannt während der Zeremonie und es war durchaus kein Versehen, dass er so schnell er konnte den Blick wieder abgewendet hat. Im Stillen bemitleidete er den armen Spross der Georges jedes Mal, wenn ihre durchdringende Stimme bei ihm ankam. Einmal konnte er es sich nicht einmal verkneifen und schauderte ein wenig zu seiner Schande bei der Erinnerung an seine Begegnungen mit diesem Frauenzimmer. Als Coleen ihn antippte war er so in seinen eigenen Gedanken versunken gewesen, dass er kaum merklich zusammen zuckte, eher er sich räusperte und zu seiner Freundin herum drehte. Eigentlich hatte er versucht ein Lächeln aufzusetzen, doch bei ihren nächsten Worten wäre es ihm ohnehin geradewegs wieder aus dem Gesicht gefallen. Komplett verständnislos sah er ihr in die Augen, ehe sein Blick zu ihren Haaren wanderte. Meinte sie das gerade ernst? Die Farbe ihrer Haare hatte sich nicht verändert und ihre Mimik war schockierend ernst bei diesen lächerlichen Aussagen. Prüfend drehte er noch einmal den Kopf, um sich zu vergewissern, ob sie tatsächlich die gleiche Person im Kopf hatten.
      "Nein.", antwortete er ihr sehr trocken. "Nichts dergleichen und bevor das passiert..." Fast wäre es ihm heraus gerutscht. Er stand hier in mitten von sehr vielen einflussreichen Familien, jedes seiner Worte konnte auf die Goldwaage gelegt werden, wenn er nicht genau darauf Acht gab, was seine Lippen verließ. Gehässig sein konnte er nur mit den beiden allein. Schnell ermahnte er sich selbst und sah wieder nach vorne.
      "Es ist sicherlich alles eine große Umstellung für Miss Elisabeth Delcroix. Eine unbekannte Umgebung, ungeahnte Bedingungen. Alles muss auch noch ein großer Schock gewesen sein. Ich denke das letzte, was sie gerade gebrauchen könnte ist ein liebestoller Mitschüler, der aus dem Nichts auftaucht. Es gebietet die Höflichkeit, dass..." Er fand wirklich keinen Weg freundlich auszudrücken, was er sagen wollte. Daher räusperte er sich noch einmal und streckte den Rücken durch "... wir uns wieder auf die Zeremonie konzentrieren." Er würde es ihr nicht sagen. Zumindest nicht jetzt. Oder besser überhaupt nicht? Nein, besser gar nicht. Er hatte nicht das recht einfach so herumzuerzählen, was er durch seine Fähigkeiten über jemanden erfahren hat. Das war verantwortungslos. Vor allem bei dieser jungen Frau. Gefühlt die ganze Welt hat auf einen Schlag von ihrer Existenz erfahren. Jemand mit Licht Magie wurde in vielen Kulturen unterschiedlich aufgenommen, doch eigentlich für alle war es ein Segen. Und er wollte wirklich nicht derjenige sein der Welt zu erzählen, dass die erste gesegnete Frau seit Jahrzehnten ein furchtbar eigenartiger und wollüstiger Mensch gewesen ist, der davon träumte, dass alle Männer in ihrer Umgebung, die im Entferntesten in ihrem Interesse gewesen sind, ihr zu Füßen liegen.

      Danica Kalsanik
      Es hatte sie wirklich getroffen. Die Zeremonie war regelrecht an ihr vorbei gezogen. Wenn sie die Augen schloss, dann konnte sie das blass gewordene Gesicht Claudes erkennen und mit jeder quengelnden Bemerkung, die sie hörte war sie noch verwirrter. Irgendwie hatten sie beide sich auf einen bestimmten Ablauf der Dinge eingestimmt. Was sollten sie denn nun tun, wenn sich die Handlung nicht nach Plan verhielt? Waren sie dann gezwungen zu improvisieren? Konnten sie dann wirklich gar nicht ihrem schrecklichen Ende irgendwie entgegen wirken? Unsicherheit umhüllte ihren Kopf wie einen Nebel und abwesend folgte sie einfach ihren Freunden, als die Zeremonie schließlich vorbei gewesen ist.
      Sie würden gleich Anatoly wieder treffen, genau... Aber eigentlich hatte Danica es doch auch geschafft ihre Schwester Ganna vor ihrem persönlichen Unglück zu bewahren. Der Name der Kalsaniks ist rein geblieben. Dann hatten sie doch auch wirklich eine Chance auf eine Veränderung. Dann mussten sie halt ein wenig auf der Hut sein. Das konnte doch nicht so schwer sein den Love Targets aus dem Weg zu gehen. Kaum hatte sie diesen Gedanken gefasst stieß Danica gegen etwas hartes. Ihr Herz setzte einen Schlag aus und plötzlich wurde ihr sehr, sehr kalt, nur für eine Sekunde und eine grauenvolle Gänsehaut wanderte über ihren Körper. Sie erschrak so sehr, als sie sich plötzlich in Claudes Armen wiederfand, dass sie gleichzeitig vergaß wie man atmete, als auch nach Luft schnappte und sich grauenvoll verschluckte.
      "Verzeihen Sie mir mein Ungeschick, ich war etwas.. in Eile. Seid ihr wohl auf, Miss?"
      Danica wurde von einem grausamen Husten erfasst, der ihren Körper durchschüttelte. Atemlos und bereits mit glasigen Augen sah sie zu dem jungen Mann. Eine Hand hatte er an die Wand gestützt, um genug Halt für sie beide zu finden und seinen anderen Arm konnte sie in einem festen, unnachgiebigen Griff. Er schien keinerlei Probleme zu haben ihr Gewicht zu halten und gerade war sie froh um ihren Husten. Denn ihre Wangen wären so oder so rot angelaufen. Schnell nickte sie und versuchte sich zu beruhigen. "Mir... mir geht's gu..." Oh nein, was für eine unangenehme Situation. Die Leute auf dem Gang sahen herüber und Danica wollte wirklich nicht ebenfalls eine Unannehmlichkeit für diesen Mann darstellen. Sie zwang sich dazu den Mund zuzuhalten und konzentrierte sich wirklich darauf sich zu fangen.
      "Miss Kalsanik, nehme ich an?", fragte er sie plötzlich als sie gerade das Gefühl hatte wieder bei Sinnen zu sein, doch nun wollte sie am liebsten einfach in Ohnmacht fallen. Wie sollte sie damit umgehen?! Er hat in ihr Gesicht gesehen, ihr furchtbares, rot angelaufenes Gesicht, sie war so durcheinander und hat ihren Namen gesagt. Das war zu viel für sie, das war einfach viel zu viel für sie. Vorsichtig nickte sie und nahm nun endlich ihre Hand von ihren Lippen und deutete einen kleinen Knicks an. "Es ist mir eine Ehre Monsieur...", ihre Stimme kaum richtig heraus und kratzte schließlich. Ein bisschen unbeholfen legte sie die Hand an ihren Hals und musste sich einige Male räuspern, war aber immer noch ganz durcheinander und durchgeschüttelt.
      Sie bemerkte den Stillen Zwist zwischen ihrer besten Freundin und Claude erst, als Coleen sie zu sich zog. Danica konnte sich von dem Ruck nicht halten und spürte noch immer die kräftigen Finger an ihrer Hüfte, die ihr Halt gaben. Doch kaum hatte sie das Gefühl endlich wieder auf den Boden zurück zu finden, erschien Elisabeth und wie bei einem Reflex riss Claude sie wieder regelrecht in seine Arme und sie stürzte an seine Brust. Langsam aber sicher war ihr wirklich nach weinen zumute! Was war denn nur los?! Verzweifelt erwiderte sie den hilfesuchenden Blick des schwarz-haarigen. Sie sollte ihn ablehnen. Aber konnte sie ihn wirklich wieder zurück in seine persönliche Hölle schicken? Sie schluckte schwer und nickte dann leicht.
      "Ihr habt euch auch gestoßen, Monsieur." Ihre Augen wanderten zu seiner Hand, mit er im Grunde sein eigenes und noch dazu ihr Gewicht abgefangen hatte. "Man sollte Eure Hand untersuchen, nicht, dass Ihr Euch etwas gezerrt habt." Danica spürte den mordlustigen Blick ihrer besten Freundin hinter sich, der allerdings nicht ihr galt, das wusste sie. Schnell räusperte sie sich. "Ich... ich kann allerdings alleine laufen...", meldete sie sich kleinlaut und atmete so unauffällig wie möglich tief durch, als er sie losgelassen hatte. Dabei hämmerte ihr Herz wie wild in ihrer Brust. Danica sah zu der entsetzten Elisabeth, die gerade im Begriff gewesen ist zu protestieren, da machte sie einen höflichen Knicks und sah dann zu ihrer Freundin. "Lasst uns gehen." Inzwischen ist auch Jean auf der Seite des armen Mannes gewesen und während er Danica und Coleen vorgehen ließ, hängte Jean sich an den schwarz-haarigen. Als sie weit genug entfernt gewesen sind legte er ihm nur mitfühlend eine Hand auf die Schulter und nickte ihm zu mit einem Blick, der von tiefem Verständnis sprach.

    • Coleen van Gard
      Entgegen des Wunsches von Coleen nahm sich die Gruppe nun schon dem zweiten Love-Interest an. Wunderbar.. Ihre Hand legte sie wie gewöhnlich an den Rücken ihrer Freundin, bevor sie weiter um sie herum auf ihre Hüfte tanzte, nur um ihr besseren Halt zu gewährleisten. Sie tauschte ein paar fragende Blicke mit Danica aus, doch sie sagte nichts. Sie würde es sich verkneifen, solange Jearn-Christophe und Claude bei ihnen wären. Doch nichts desto trotz... Hier lief doch irgendetwas falsch. Die Männer sollten vor ihr doch nicht fliehen. Jeans Abneigung gegenüber dieser Frau war schon beinahe an der Grenze zum Hass gewesen, so abwertend wie sein Blick gewesen war. Coleen könnte zwar nicht verneinen, dass sie seine Reaktion emotional gesehen.. befürwortete, doch es war falsch. Das alles hier war falsch. Diese Frau war doch keine Heilige, keine Heldin wie sie es sein sollte. Oder war sie einfach auf einem anderen Pfad? Vielleicht waren Claude und Jean einfach die falschen Targets. Es gab genügend Theorien, das Prinz Nikolai also originales Ende für Elisabeth vorgesehen war um diese Aschenputtel-Geschichte zu vervollständigen. Aber... wieso war sie dann bei Claude gewesen und nicht beim Prinzen? Späterhin würde sie das mit ihrer Freundin ausdiskutieren müssen, doch für's Erste.. hatte die ungehaltene Reaktion ihrer Herzensdame Vorrang. Coleen hatte sich eigentlich erhofft, dass sie sich besser im Griff hätte, aber er hatte sie wohl eiskalt erwischt.
      Sie schlenderten durch ein paar Gänge bevor sie vor einer großen Tür ankamen, welche zur Krankenstation führen sollte. Gemeinsamen gingen sie hindurch - die Frauen voran, wo die ungewöhnlich stille Miss van Gard ihrer Freundin auf ein Bett half. "Zügel dich doch etwas..", sah sie ihr erst streng entgegen, musste dann aber doch Lächeln. Als wenn sie ihrer Freundin böse sein könnte, und wenn es um diesen Mister Groß-Und-Stark ging dann sowieso nicht. Mit einem kurzen Blick durch den Raum, bediente sich Coleen selbstständig an den Schränken bis sie ein paar Gläser fand, wovon sie eines nahm, es mit Wasser befüllte und ihrer Freundin reichte. "Möchtest du noch etwas? Kann ich dir irgendwas holen, oder... von Jean holen lassen?", fragte sie grinsend und streckte kurz ihrem stetigen Begleiter die Zunge heraus, bevor sie sich wieder ganz ihrer silberhaarigen Liebe widmete. Sie strich ihr ein wenig durch die Haare und über die Wangen um zumindest den Anschein zu erregen, dass sie ihre Temperatur prüfen würde, doch das sollte nicht wirklich nötig sein. Ganz klarer Fall von Manns-Fieber. Langsam ließ sie sich neben sie auf das Bett sinken und streckte sich etwas mit einem musternden Blick an den dunkelhaarigen Claude. Tatsächlich war diese Situation alles andere als... 'den Love-Interests aus dem Weg gehen'.. Sie wollten sich doch eigentlich so gut es ging raus halten und nicht die Männer vor der Heldin retten. Wieso... mussten sie das überhaupt? Diese Frau sah aus wie Elisabeth, aber sie war kein Engel. Zumindest wirkte sie eher verzogen. Was sie wieder zu dem Gespräch mit Jean brachte. "Jean, wo wir gerade dabei sind..", mit diesen Worten erhob sie sich doch wieder von dem Bett und näherte sich neugierig dem Angesprochenen. "Elisabeth.. Sie... ist nicht dein Typ?", tastete sie sich sehr unsanft heran und beobachtete sichtlich misstrauisch jegliche Emotion in seinem Gesicht. "Ich meine, uhm... kein... naja.. kein Drang.. sie.. zu beschützen? Irgendwas? Gar nichts?"
      Ihr war bewusst, dass sie sich wiederholte, aber sie war emotional schon so sehr darauf eingestellt gewesen, dass er sich an ihre Fersen heften würde, wenn die Hauptgeschichte des Spieles begann, dass sie es einfach nicht greifen konnte, dass er noch... hier war. Bei ihnen. "Und lüg mich ja nicht an!", ermahnte sie ihn noch zusätzlich mit einem prüfenden Blick, der voller Ernst strotzte, doch... So sehr sie es verhindern wollte, die Farbe eines gerade zu erleichterten Gelb legte sich von dem Ansatz an wie ein Film über ihre Haare. Sie wollte es zwar nicht zugeben, doch auch wenn es gerade falsch lief.. Es hieß, dass er zumindest für den Moment noch bei ihr und Danica blieb. Das war doch.. gut. Für sie. Nicht für Elisabeth.

      Claude George
      Ohne eine Mimik zu verziehen, folgte der Monsieur der Gruppe, doch innerlich war einfach nur unglaublich erleichtert. "Verzeiht meine Aufdringlichkeit. Ich hoffe, ich falle Euch nicht zur Last.", entschuldigte er sich, während sein Blick als erstes auf die rothaarige Dame fiel, welche sichtlich beleidigt nur einen kurzen Blick nach hinten auf ihn warf. Sie war wirklich sichtlich unbegeistert und legte Miss Kalsanik ihre Hand auf die Hüfte, auf ihrem Weg in die Krankenstation des Hauptgebäudes. Immer wieder warf er kleine Blicke nach hinten, ob Miss Delcroix ihnen nicht doch wieder folgte, doch sie war weit und breit nicht zu sehen. Miss van Gard öffnete die Tür um ihrer Freundin Einlass zu gewähren, als der stille große Mann den Weg folgte. Er beobachtete still und musternd das Schauspiel zwischen Miss van Gard und Mister Beaumanoir. Ihre Neugierde schien dem blonden Herren zu verwundern, und tatsächlich hatten ihre Fragen einen gewissen Beigeschmack von 'Wieso bist du nicht bei der anderen Frau'. Er wusste die Farbgebung ihrer Haare nicht zu deuten, doch fühlte sich sichtlich Fehl am Platz, weshalb er wieder seinen Weg zur Tür antrat und sich noch einmal entschuldigend etwas verbeugte. Seine steife Körperhaltung verriet wie unwohl ihm bei all dem war, was geschehen war und auch jetzt geschah. "Ich entschuldige mich erneut für meine... Penetranz. Miss Kalsanik, ich hoffe, es geht Ihnen bald besser, aber ich denke sie sind in..", sein Blick fiel auf den stürmischen Spross der van Gard Familie. "..guten Händen hier. Ich ziehe mich dankend zurück für Eure Diskretion bezüglich...", etwas sichtlich unbeholfen sah er durch die Gesichter seiner Gefährten, bevor er sich kurz räusperte. ".. meiner.. Gesellschaft?", fragte er beinahe mehr als das er den Satz wirklich beendete. Mit einem Nicken verabschiedete sich der dunkelhaarige Mann auch von Jean-Christoph, bevor er sich daran machte zu gehen.
    • Jean-Christophe Beaumanoir
      Der blonde junge Mann hatte sich in den Hintergrund verzogen und hatte eigentlich auch wirklich nicht vorgehabt großartig über diese ganze Situation nachzudenken. Er war in diesem Moment der Mensch, der am wenigsten betroffen gewesen ist und am wenigsten leiden musste und das fühlte sich gar himmlisch an. War für eine schöne Abwechslung, hat er sich gedacht und wollte sich einfach nur ein bisschen zurücklehnen und mit Amüsement betrachten, wie Coleen wütend, aufgeregt und was nicht alles wurde, was immer ein sehr unterhaltsames Spektakel darstellte, Danica, die für ihre Verhältnisse wirklich erschreckend hilflos und verlegen gewesen ist und nicht zu vergessen der Mensch mit der schwersten Last auf seinen Schultern; Claude George, der nicht nur Elisabeth ertragen durfte, sondern auch noch diese unangenehme Stimmung. Es war herrlich.
      Und dann entschied Coleen sich wie so oft dafür sein kurzes Glück zu zerstören. Erneut fiel ihm alle Mimik aus dem Gesicht, als sie sich zu ihm stellte und ihn schon wieder nach diesen eigenartigen Dingen ausfragte. Schon wieder wanderte sein Blick zu erst zu ihren Haaren, die sich tatsächlich begannen zu verfärben. Allerdings war das wirklich keine Farbe der Eifersucht oder dergleichen. "Hast du dir den Kopf gestoßen oder dergleichen?" Er schaute zu Danica und füllte anschließend Coleen ein Glas Wasser. "Hast du schlecht geschlafen? Soll ich dir Wasser ins Gesicht schütten, damit du wach wirst?" Jean wusste ganz genau, dass das nicht die feine Art gewesen ist mit einer Frau umzugehen. Doch er empfand es als akzeptabel, so lange es Coleen gewesen ist, die ja offen darauf bestand nicht als eine gewöhnliche Frau wahrgenommen zu werden.
      Da schien Claude endgültig genug zu haben und wollte sich verabschieden. Doch Jean unterbrach ihn direkt. "Oh nein, nein Monsieur Claude! Bleibt ruhig. Coleen und ich haben ohne hin etwas zu besprechen und wir verabschieden uns.", sagte er wieder mit seinem freundlichen Lächeln eines Geschäftsmannes und nahm einfach die Hand seiner Freundin, ehe er sie mit sich aus dem Zimmer zog. Wieder zurück im Flur dauerte es nicht lange, bis sie einen ruhigen Fleck fanden, an dem sie alleine zumindest ein kurzes Gespräch führen konnten. Dabei hielt er an einem Fenster, drehte Coleen an der Hand so, dass sie mit dem Rücken an dem Fensterbrett stand und legte seine Hände links und rechts neben sie ab, um ihr prüfend tief in die Augen zu sehen. "Und nun wirst du mir bitte verraten, warum du dich so komisch aufführst? Was für eigenartige Fragen." Er runzelte leicht die Stirn und schnaufte, ehe er ergeben ausatmete und sich ihr schließlich noch näherte, bis er bequem direkt neben ihrem Ohr gewesen ist. "Wenn du es wirklich wissen willst, du neugierige Nase, Elisabeth ist nicht unbedingt das, was ich als... angenehme Gesellschaft bezeichnen würde. Eines unserer Treffen vor ein paar Jahren hat mich stark an ihr und ihren Motiven zweifeln lassen, weswegen ich unter keinen Umständen mit ihr assoziiert werden möchte. Man wird sie nämlich - wie du heute gesehen hast - nur schwer wieder los."
      Mit einem Lächeln, das definitiv als Drohung verstanden werden konnte, lehnte er sich wieder zurück, behielt sie allerdings immer noch zwischen seinen Armen gefangen. "Könntest du also bitte aufhören in aller Öffentlichkeit und Gegenwart Dritter mich auszufragen wie einen untreuen Ehemann, der sein Auge auf die Delcroix geworfen."

      Danica Kalsanik
      Endlich hatte sie es geschafft sich zu beruhigen. Das Glas Wasser brachte so viel Erholung für sie und sie konnte wieder entspannt aufatmen. Claude hatte es wirklich geschafft sie komplett aus ihrer Welt zu reisen. Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern worüber sie sich solche Sorgen vor dem Zusammenstoß gemacht hatte. Doch sie wusste, dass sie es voll und ganz verdient hatte von Coleen zurechtgewiesen zu werden. Sie hatte sie beide vielleicht damit in Gefahr gebracht, dass sie Claude dazu eingeladen hat sie zu begleiten und das aus reiner Fahrlässigkeit. Aber sie würde das schon wieder gerade biegen. Ich mach das schon, formte sie mit ihren Lippen und nickte entschlossen ehe sie dann ebenfalls mit ansah, wie... subtil ihre beste Freundin vorging in dieser Situation und beinahe hätte die geseufzt.
      Sie beide verschwanden schnell und hätte Jean den großen jungen Mann nicht davon abgehalten zu gehen, dann hätte Danica es getan. Sie sah zu ihm auf, als sie alleine gewesen sind. Ihre Mimik hatte sich wieder entspannt. Es lag höchstens noch ein zarter roter Schimme auf ihren Wangen, der an die vorherigen Geschehnisse erinnerte. Sie stand vom Bett auf und ging auf ihn zu. "Monsieur Claude, Ihr solltet es wirklich ernst nehmen.", sagte sie ruhig, als sie schließlich bei ihm ankam. Der Mann schien sichtlich verwirrt über ihre Aussage, weswegen sie einfach seine Hand nahm. "Ihr habt vielleicht Eure Hand überdehnt. Und die Rechte auch noch." Ihre Finger fuhren sanft über sein Handgelenk und an der richtigen Stelle drückte sie vorsichtig und bog seine Hand ein. "Ich bin auch Schuld gewesen an dem Zusammenstoß. Lasst mich nicht mit dem Wissen darum Euch verletzt zu haben leiden." Sie machte einen Schritt zurück, einen Arm noch immer im Griff und brachte ihn so dazu ihr zu folgen. Nun war es an ihr ihn darum zu beten sich zu setzen.
      Anschließend bediente sie sich selbst an den Notfallversorgungen. Sie nahm das Glas Wasser, das Jean aufgefüllt hatte, das aber von niemandem angerührt wurde und reichte es ihm mit einem kleinen Lächeln, ehe sie sich vor ihm hinstellte und anfing ein bisschen ungeschickt seine Hand zu verbinden.
      "Entschuldigung. Ich bin nicht gut in solchen Dingen. Ihr solltet Euer Gelenk aber wirklich schonen. Sagt mir bitte, wenn ich Euch Unannehmlichkeiten bereite." Es war so still im Raum zwischen ihnen beiden. Danica ist wieder im Begriff gewesen ein bisschen aufgeregt zu sein, allerdings entschied sie sich selbst dafür, dass es dieses eine einzige Mal schon in Ordnung gehen würde. Sie hatte so viel Mitgefühl und Zuneigung für diesen Mann in ihrem letzten Leben empfunden. Zumindest ein einziges Mal durfte sie doch bei ihm sein und seine Nähe auskosten, oder? Allerdings musste auch dieser Moment enden. Sie atmete leise durch und setzte dann ein kleines Lächeln auf.
      "Apropos, Monsieur Claude. Ich hoffe sehr, dass meine flüchtige Bekanntschaft Euch keine schlechten Erinnerungen bescheren wird.", sagte sie tapfer und mit kerzengerader Haltung, als würden ihr diese Worte nicht das geringste ausmachen. Was ja auch eigentlich der Fall gewesen ist. "Man sagt mir nach ein schlechter Einfluss zu sein. Ich bringe Unglück, müsst Ihr wissen", erklärte sie ihm eins der vielen Gerüchte, die um sie herum kursierten. Gerade knotete sie den Verband zu, den sie unbeholfen, doch einigermaßen fest hinbekommen hat, hielt aber ihre beide Hände an seiner. Nur für diesen einen Moment. Nur heute. Zum Abschied. "Daher wird es Euch sicherlich viel unangenehme Aufmerksamkeit bescheren, wenn man Euch mit mir assoziieren sollte. Ich werde versuchen Euch keine solcher Erinnerungen zu bereiten."

    • Coleen van Gard
      "Hast du schlecht geschlafen? Soll ich dir Wasser ins Gesicht schütten, damit du wach wirst?", keine Sekunde sah die aufgeregte Frau ihm böse entgegen, ganz im Gegenteil. Ein unverbesserliches Grinsen, das gerade zu aussagte 'Trau dich und du bist des Todes', das war ihre Antwort für diesen Mann. "Danke, ich bin bedient.", die plötzliche Verabschiedung von Claude unterbrach sie sogleich, noch bevor sie zu einem weiteren Wort kam. Nun, ihr sollte es recht- "Coleen und ich haben ohne hin etwas zu besprechen und wir verabschieden uns." ...sein.
      "Haben wir? Tun wir?! Warte, Jea-", sichtlich irritiert wurde sie aus dem Zimmer gezogen, ihr Schreck und ihre Verwirrung äußerten sich zwar in einem unsicheren hellen Blauton, doch es war letzten Endes Jean-Christoph. Der Friendzone-Jean-Christoph. Also ließ sie sich ohne zu Zögern mitschleifen. Wenn auch verwirrt. Er zog sie an der Hand den Gang hinunter und schien sich nicht an ihren skeptischen Blicken zu stören. "Haben wir.. ein Ziel?", fragte sie etwas betont albern, als sie an einem Fenster stoppten und ihr langjähriger Freund ihr wissentlich sehr nahe kam. Er blockierte ihr gerade zu jeglichen Fluchtweg. "O..kay, das ist neu.", kommentierte sie die Geschehnisse. Etwas irritiert blinzelte sie zwar, doch konnte sich auch nicht dagegen erwehren, seine direkte Ader zu genießen. Genau diese Art und Weise machte ihn ja so einfach umgänglich, wenn auch die aktuelle Position... für Mitmenschen zumindest fragwürdig aussehen dürfte. "Was für eigenartige Fragen...", erst in diesem Moment wurde der jungen Frau klar, wie verwirrend ihre Fragerei auf ihn wirken musste. Er wusste ja gar nicht von dem Spiel. Für ihn wirkte es nur, als würde Coleen ihn gerade zu bezichtigen ein Auge auf Elisabeth geworfen zu haben. Was... nicht zu 100% falsch war, doch genauso wenig war es richtig. Etwas ertappt verfärbten sich ihre Haare ähnlich wie ihre Wangen leicht rosa und mit einem kurzen räuspern drehte sie ihren Kopf etwas seitlich - gefolgt von einem ertappten nervösen Grinsen. Sie versuchte sich gerade eine plausible Erklärung zurecht zu legen, als er sich ihrem Ohr näherte und ihr von der Begegnung mit Elisabeth vor ein paar Jahren erzählte. Die Begegnung... sie hätte... irgendwie anders laufen sollen. Sie hätten eigentlich Freunde werden müssen, doch stattdessen empfand er sie als äußerst unangenehm. Das.. war so falsch. Doch so falsch Coleen es fand, sie konnte nicht abstreiten, dass sie diese Art an Jean äußert gern hatte. Dieses schon beinahe Freche, was er nicht vor jedem durchscheinen ließ, war einer der Gründe, weshalb sie in ihrem ersten Leben so an ihm gehangen hatte - und es genauso in ihrem zweiten tat. Ihr verlegendes rosa Haar wich kurzzeitig einem überraschen Weißton, bis es sich wieder ganz in ihrem warmen Rotton wieder fand, auch wenn es noch deutlich heller war, als ihr selbstbewusstes. Es war nur ein feiner Unterschied, doch ganz ließ sie der Gedanke an all das nicht kalt. Mit einem Grinsen legte sie ihre Arme um seinen Hals und drückte sich an ihn mit einem verspielten Lachen. "Dann sollte der untreue Ehemann mir solche Treffen doch nicht vorenthalten~", säuselte sie etwas in sein Ohr, bevor sie wieder von ihm abließ und sich entspannt auf das Fensterbrett setzte, an dem sie gefangen gehalten wurde. "Verzeih mir, ich muss von Sinnen gewesen sein. Der erste Tag hier ist sehr aufregend für mein Gemüt und...", ihr verspieltes Grinsen, das wohl nie etwas ernst zu meinen schien, wich einem sanften Lächeln, begleitet von einem kurzen Streicheln durch Jeans Haare. "... ich habe mich vielleicht dem Trugbild hingegeben, dass du mich unter allen Frauen hier vergessen würdest. Und ich dich wegen einer neuen Liebschaft nicht mehr sehen könnte.. Ich werde mich zukünftig zusammen reißen, untreuer Ehemann.", versicherte sie ihm mit einem leichten Lachen und lehnte sie sich an die Scheibe, während sie über ihre Schulter hinaus auf den Hof sah. Es war nicht gelogen. Tatsächlich war kein Wort gelogen, auch wenn es nicht so ehrlich war, wie es sein könnte. "Missversteh' es ja nicht als Eifersucht! Nennen wir es... 'Sorge'.", stellte sie zusätzlich noch klar mit ihrem typischen Grinsen, das die Situation veralbern sollte. Sie war doch nicht eifersüchtig!.. Zumindest wäre das nicht ihre Hauptemotion. Da war sie sich sicher. Es war eher.. ein gewisser Missmut?
      Eine tolle Freundin war Coleen. Danica solche ermahnenden Blicke zuzuwerfen, damit sie so fern von Claude blieb wie nur möglich, und selbst nicht wirklich bereit sein, von Jean abzulassen. Wie gerne wäre sie wieder ein paar Jahre zurück gegangen, bevor sie aktiv wieder an diese.. Handlung denken musste. An dieses Spiel.

      Claude George
      Etwas überfordert sah er den beiden Begleitungen nach und ließ das Bild kurz auf sich wirken. Ihrer Kleidung und ihrem Umgang mit Danica hatte er vielleicht zu viel zugesprochen, denn diesem Mann schien sie genauso nahe zu sein. Vielleicht war sein Schluss zu voreilig gewesen, doch letzten Endes ging es ihn auch eigentlich nichts an. Sein ernster Blick wand sich zurück zu Miss Kalsanik und erst jetzt, wo sie alleine waren, fühlte er sich als könnte er einen richtigen Blick auf sie werfen. Nun, vermutlich war dem auch so, wenn er an die bösen Blicke ihrer Freundin zurück dachte. Sie war eine liebreizende Frau, auch wenn ihre dunkle Kleidung ihrem Gemüt nicht zu schmeicheln schien - so empfand er es zumindest. "Es geht mir gut, Miss. Bitte, Ihr müsst euch nicht um mich sorgen.", versuchte er sie davon abzubringen sich um ihn zu bemühen, doch sie ließ sich nicht abhalten und er leistete keinerlei Widerstand. "Ihr solltet Euer Gelenk aber wirklich schonen. Sagt mir bitte, wenn ich Euch Unannehmlichkeiten bereite.", mit einem bestimmten Kopfschütteln wagte er dies zu verneinen. Einen Moment überlegte er, wie er ihr diese Sorge nehmen könnte, ohne ihr zu nahe zu treten. Nach mehreren probe haften Aneinanderreihungen in seinem Kopf entschied er sich für die unverfängliche Aussage "Nicht Ihr seid es, die mir Unbehagen bereitete, Miss. Die Situation im gesamten Bilde ist die Antwort, die mir etwas schwierig erscheint. Auch Eure Freunde wollte ich sicher nicht vergraulen, falls ihr Verschwinden mit mir zu tun haben sollte."
      Er gestattete ihr für ihr eigenes Gewissen seine Hände zu verbinden - ihn sollte es nicht stören den Tag über, auch wenn er keinerlei Schmerzen spürte. Tatsächlich waren diese zarten Handbewegungen auf seinen ein Gefühl, das ihn nicht abschreckte, ganz im Gegenteil. Er würde nicht so weit gehen zu sagen, dass er sie genießen würde, doch sicherlich gab es genügend weniger Annehmlichkeiten, denen er sich hingeben könnte. "Apropos, Monsieur Claude. Ich hoffe sehr, dass meine flüchtige Bekanntschaft Euch keine schlechten Erinnerungen bescheren wird."
      "Miss?", fragte er nur mit einem ebenso leicht verwirrten Blick, bevor sie davon erzählte, wie sie Unglück bränge und wie die Begegnung mit ihr ihm sicherlich Aufmerksamkeit zukommen lassen würde. "Vergebt mir meine Direktheit, Miss. Jedoch wage ich es stark zu bezweifeln, dass ihr mit dem Unglück im Bunde steht. Tatsächlich haben Sie mich vor weit unangenehmeren Unterhaltungen bewahrt als diesen.", offensichtlich spielte er auf Elisabeth an, vor der er geflüchtet war. Sein Blick fiel auf ihre Hände, die auf seinen lagen und auch hier machte er keinerlei Anstalten sich zu entziehen. "Mit Verlaub. Ich würde vielleicht sogar soweit gehen zu behaupten, dass Ihr wohl das angenehmste Gespräch seid neben all denen, die ich heute noch vor mir haben werde. Viel mehr war ich es, der Euch umstieß und damit erst in diese unangenehme Lage brachte. An Eurem ersten Tag wohl gemerkt. Stehe ich nun auch mit dem Unglück im Bunde?"
      Sein Blick war offen. Ernst. Man konnte Claude ansehen, das er jedes Wort meinte, wie er es sagte, auch wenn ihm jegliche Worte fehlten um diesem liebreizendem Geschöpf vor ihm die Aufwartung zu machen, die sie verdienen sollte.
    • Danica Kalsanik
      Seine Worte brachten ihr Herz zum flattern. Er war wirklich ihr Liebling gewesen im Spiel mit seiner vorsichtigen Art niemanden verletzen. Es war für Danica immer die größte Belohnung, wenn sie seine Route spielen konnte und es schaffte mit den romantischen Szenen seinen Gesichtsausdruck ein bisschen zu beeinflussen. Ein roter Schimmer auf seinen Wangen, große Augen der Überraschung, ein nicht zu unterdrückendes Lächeln, das waren die Dinge, für die die silber-haarige Tag für Tag durch stand und ihr Bestes gab. Ihre Leben ist wirklich traurig gewesen, unglaublich. Sie hatte jetzt schon das Gefühl viel mehr das Leben ausgekostet und genossen zu haben, seit sie hier aufgewacht ist.
      "Heute ist auch Euer erster Tag, Monsieur. Die Tage waren sicherlich sehr anstregend für die George Familie.", wechselte Danica auf ihre übliche Art das Thema mit einem kleinen, wissenden Lächeln. Sorgfältig legte sie alles, was sie gebracht hatte wieder zurück. "Es liegen viele Augen auf Euch seit Ihr die verschollene Tochter Delcroix gefunden habt." Ruhig stellte sie sich wieder vor den jungen Mann und legte ihre Arme entspannt an ihre Hüfte. "Es macht keinen Unterschied ob die Beschuldigungen wahr sind oder nicht. Für diese Schule bin ich ein schlechtes Omens. Ich wäre betrübt, wenn Euer Ruf oder der von Miss Elisabeth dadurch in Mitleidenschaft gezogen würde."
      Ihre Hände umfassten den Saum ihres Rockes und sie machte mit ehrfürchtig gesenktem Blick einen eleganten Knicks. "Ihr möchtet sicherlich noch einen Moment der Ruhe genießen, bevor der Unterricht beginnt.", stellte sie fest und drehte sich bereits um zur Tür, als sie noch einmal kurz inne hielt. Das wird das letzte Gespräch der beiden, Danica war sich sehr sicher ihren Standpunkt gut vertreten zu haben. Claude ist seine Ruhe so heilig gewesen. Die Vermeidung einer unwichtigen Nebenfigur für diese Ruhe wird ihm sicherlich kein teurer Tribut sein. Sie räusperte sich noch einmal und streckte sich eine Haarsträhne hinters Ohr.
      "Dankeschön." für so viele Dinge, dachte sie sich. Für so viel Freude, die er ihr beschert hatte. Für so viel Liebe die sie ihm zuwenden durfte. Für all die Nächte in denen sie sich wegen ihm wie eine Prinzessin fühlen konnte. "dafür, dass Ihr mich nicht als Unglücksbringer betrachtet." Und damit verließ sie den Raum, darauf bedacht niemanden hereinblicken zu lassen, sodass der große junge Mann wirklich noch einen ruhigen Moment hatte um sich zu sammeln. Ihr Herz hämmerte laut in ihrer Brust, als sie den Flur entlang ging. Sie erhielt die üblichen Blicke, doch konnte sie gar nicht darauf achten.
      Das hatte... gut getan. Ja wirklich, das hatte unglaublich gut getan... Eigentlich hatte Danica nicht vorgehabt mit jemandem hier zu sprechen von den Love Targets. Erst recht nicht Claude, eben weil sie ihn so sehr favorisiert hat. Sie war sich sicher sich nicht zusammenreisen zu können und sich augenblicklich in ihn zu verlieben, wenn sie ihm in die Augen blicken würde. Aber das lief doch eigentlich ganz gut. Sie hatte es geschafft ihm zu helfen und direkt zu erklären warum es in seinem eigenen Interesse gewesen ist sie zu meiden. Damit hatte sie es sogar geschafft sich noch einmal bei ihm zu bedanken, wenn es auch nur für ihr eigenes Seelenheil gewesen ist. Das musste doch einfach der Beginn eines erfolgreichen Tages werden in ihrem Plan hier lebend wieder aus der Akademie heraus zu kommen.

      Jean-Christophe Beaumanoir
      Aufmerksam hörte Jean seiner aufbrausenden Kindheitsfreundin zu. Nach einem kurzen Moment des Schocks schien sie sich wieder zu beruhigen und hängte sich zunächst an seinen Hals, ehe sie sich einfach auf die Fensterbank hoch hievte. Langsam nahm er seine Hände wieder herunter, als er dann zu ihr aufsah und hörte der jungen Frau aufmerksam zu. Coleen ist seiner Meinung nach nie ein wirklich ernster Mensch gewesen. Daher musste er bei all ihren Aussagen einen Moment darüber nachdenken wie aufrichtig sie gemeint gewesen sind. Dieses Probleme hatte er heute allerdings nicht. Nicht eines ihrer Worte hatte er anzweifeln können.
      Ich will nicht allein sein ist es gewesen, was ihm regelrecht unter der Haut brannte. Nun, wenn er so darüber nachdachte... Sie hatte schließlich auch schon ihre Eltern verloren und hatte plötzlich große Verantwortung mit den Geschäften ihrer Familie. Und bei all diesem Durcheinander hatte sie lediglich eine Hand voll Menschen, die sie nah an ihr Herz heran ließ. Jean schmunzelte ein bisschen bei dem Gedanken, dass er ganz unverkennbar zu diesen Menschen gehörte. Sie gestand es ihm sogar. Ergeben seufzte er auf und hob eine Hand hinauf zu ihrem Gesicht, um ihr die Haare hinters Ohr zu streichen.
      "Also, dann haben wir ja einige recht simple Lösungen für dieses Problem. Die eine Lösung wäre, dass wir mir beide zutrauen meine Freunde nicht zu vergessen, sollte ich eine Herzensdame auf dieser Akademie finden, da ich mich selbst nicht unbedingt als liebestollen Mann sehe, der sein ganzes Leben aufgibt für eine Frau. Der andere Lösungsvoschlag ist ebenso simpel. Wie es aussieht, wirst du dann einfach meine Braut, wenn es dir solche Angst bereitet.", sagte er ganz unbekümmert und zuckte die Schultern. Dabei drehte er den Kopf zur Seite und erkannte Danica, die auf die beiden zukam. "Oh, Danica, wie lief es mit-", wollte er sie gerade laut fragen, da war die silber-haarige mit drei schnellen Schritten bei ihm und legte ihm schnell beide Hände auf den Mund um ihn zu stoppen. "Still!", ermahnte sie ihn noch einmal mit geflüsterter Stimme. "Es soll nicht noch mehr Aufruhr geben." Analysierend betrachtete Jean ihr Gesicht. Sie schien aufgewühlter zu sein als sonst. Sie beide verhielten sich heute wirklich eigenartig. Er schaute aus dem Augenwinkel noch einmal herüber zu Coleen und nahm Danicas Hände von seinen Lippen.
      "Na kommt ihr beiden, lasst uns gehen. Vielleicht beruhigt ihr euch im Unterricht ja wieder.", seufzte er leicht und reichte Coleen eine Hand, um ihr herunter von der Fensterbank zu helfen, bevor sie drei gemeinsam in ihren Klassensaal gingen und das Schuljahr offiziell begann mit den Vorbereitungen eines Erstsemester Balls.

    • Claude George
      Überrascht blinzelnd jedoch ohne eine wirkliche Miene zu verziehen, betrachtete er die liebreizende Dame vor sich, die nur um sein Wohl bekümmert zu sein schien, falls er ihre Worte richtig als diese deutete. Selbst stand er auf als Miss Kalsanik gehen wollte und sich noch einmal mit einem Dank zurück an ihn wandt. Still verbeugte er sich. Nur ein kurzes "Es war mir ein Vergnügen, Miss." verließ seine Lippen, während er dort stand und ihr nach sah, wie sie den Raum verließ. 'Welch wundersame junge Frau', dachte er sich. Nun, wo er wieder alleine für sich war, legte er etwas seufzend eine Hand in seinen Nacken, während er die freie Hand mit seinem Verband betrachtete. Er empfand sie wirklich nicht als Unglück. Ein gewisser Teil von ihm hatte ihre Gesellschaft wahrlich genossen - doch das konnte er sicherlich nicht so nach Außen tragen, wie er es vielleicht wollte. Es war dem jungen Monsieur zwar nur recht, der Aufmerksamkeit aus dem Weg zu gehen, doch diese zufällige Begegnung hatte seinen Tag in's positive gewandelt. Er würde sich ihr sicher nicht gegen ihren Willen nähern, immerhin schien sie sehr darauf bedacht zu sein, niemanden in ihre Misere mit hinein zu ziehen und das bedeutete unweigerlich, dass er ihr Kummer bereiten würde, wenn er erneut mit ihr sprach, doch... Das hieß, er durfte sie zwischenzeitlich ansehen, nicht wahr? Sie ansehen und an diese zärtliche Berührung denken. An diese aufopfernden Worte.
      Mit einem selbst engagierenden Nicken genoß er unweigerlich die Ruhe um ihn herum für die restliche Pause, bevor er sich wie alle anderen zum Klassensaal begann um sich keine Verspätung am Ersten Tag zu leisten. Als er dort ankam, erwischte er sich dabei, wie seine Augen die anwesende Klasse nach Danica absuchten, doch auch nachdem er sie entdeckte, hielt er sich im Hintergrund und blieb ihr fern, wie sie es von ihm verlangt hatte. Wenn auch diese Devise nicht auf jedermann zu zutreffen schien: Die wilden sich verändernden Haare ihrer Freundin in seinem Augenwinkel zwangen ihn gerade zu immer wieder erneut hinzusehen. Sie schienen zwischen einem Rosa-Ton und ihrem gängigen Rotton hin und her zu wechseln und sich nicht entscheiden zu können. Er hatte davon zwar gehört, doch diese Veränderung direkt zu sehen, hatte einen Reiz. Wenn man ihre Farben lesen konnte, würde man ihr unweigerlich in's Herz sehen können. Würde diese Fähigkeit auch ihm helfen, offener mit Menschen umzugehen? Vermutlich nicht.

      Coleen van Gard
      Ihr Blick wandte sich erneut an ihren blonden Gesprächpartner als er ihre Haare berührte. Mit offenen Blick und unverkennbar roten Haaren lauschte sie seinen Worten und grinste ein wenig, bei seiner Ausführung der simplen Lösung, ihm einfach zu vertrauen sie nicht zurück zu lassen. Nach den eigentlichen Spielzügen würde er genauso wie jeder andere sehr wohl ein liebestoller Mann werden und alles für Elisabeth aufgeben, wenn es sein musste. Doch dieser Jean war entweder.. schwieriger zu beeindrucken, oder die junge Elisabeth hatte wirklich einen sehr harschen Eindruck hinterlassen. Sie ließ ihn an ihren Motiven zweifeln? Sie wüsste zu gerne, was genau er damit meinte, doch all diese Gedanken verstummten sofort, als Jean unbekümmert als wäre es das Normalste der Welt, seine zweite Lösung anbrachte. Sein Blick wandte sich ab, doch Coleen konnte diesem nicht folgen - ihrer hing fest an ihm. Einen Moment schien das Herz der jungen Frau einen Schlag auszusetzen. Das hatte sie unvorbereitet getroffen und zwang ihr eine starke Rötung in's Gesicht, welche sich erneut von dem Scheitel bis in die Spitzen in einem Rosa-Ton ausbreitete. Er... meinte das als Scherz. Weil sie Freunde sind. Weil Jean-Christoph eben so ist. Es sollte nicht ihr solche Reaktionen abgewinnen doch es war wohl nicht zu verhindern in dieser Sekunde. Peinlich berührt wurde sie erst aus ihren Gedanken gerissen, als sie an Jeans Lippen die beiden Hände ihrer Freundin erkannte und nun auch zu ihr sah, doch... ihren Blick zu halten traute sie sich gar nicht mit ihren Haaren, die ihre Gefühle verrieten wie die wedelnde Rute eines Hundes. Sie wollte auch so stark sein, wie ihre Freundin, und durfte sich nicht dem Herzklopfen hingeben. Es würde alles komplizierter machen, aber ihr Freund hatte recht. Unterricht würde sie sicher beruhigen und wenn nicht das, dann würde der Unterricht sie zumindest ablenken. Nichtsdestotrotz ergriff sie die Hand von Jean um von dem Fensterbrett zu steigen mit einem peinlich berührten Grinsen, ehe sie diese genauso schnell wieder los ließ und ihre Hand an Danica legte. In diesem Moment weniger um ihre Show zu spielen, sondern einfach.. um sich zu beruhigen. Allerdings konnte sie nicht verhindern, dass ihre Haare ihr Herzklopfen verrieten, das dieser junge Mann in ihr verursacht hatte mit einem undurchdachten Scherz seinerseits. Ihre Haare liefen wie in Wellen einen wohligen Rotton und einen beschämten Rosaton ab, was sicherlich schön anzusehen war - ihr allerdings sehr unangenehm. Denn es hielt sich bis in's Klassenzimmer und ihre Haare konnten sich nicht fest legen, welche Stimmung in Miss van Gard überwiegte. Als peinlich berührte Reaktion darauf, tat sie etwas, was sie sich in den letzten Jahren angewöhnt hatte, wenn ihr ihre Haare zu fiel wurden: Sie zog ein Haargummi aus ihrer Tasche und band ihre wilden Haare zu einem lockeren Dutt. Sie bildete sich ein, dass die Aufmerksamkeit auf ihre Haare damit minimiert würde, auch wenn die Haare mit der Männeruniform ihr nicht wirklich halfen, die Blicke ihrer Mitmenschen abzuschütteln. Ganz besonders interessierte Blicke bekam sie von der rechten Seite, ein Freundinnen-paar, das wohl nur als eine Art NPC im Spiel vertreten war, ohne Rang und Namen. Mit einem versuchten kecken Grinsen ihnen gegenüber, sahen die zwei zwar peinlich berührt von ihr weg, was sicherlich ihrem lesbischen Auftreten zuzuschreiben war, aber umso wichtiger war es, dass sie sich beruhigte und nicht mehr an Jean dachte. Oder an seine Worte. "Du.. solltest vorsichtiger sein mit deinen Scherzen, Jean. Jemand könnte sie hören und denken, du machst einer Frau ohne Interesse an Männern deine Aufwartung.", äußerte sie sich betont verspätet zu seinen Worten an dem Fensterbrett mit einem etwas nervösen Grinsen, aber... einem Grinsen nichtsdestotrotz.
      Nein... Tatsächlich sollte sie seine Scherze nur nicht so für voll nehmen und einfach ab tun, wie sie es gewöhnlich tat. Doch das hatte sie... sehr direkt erwischt. Ein paar Momente brauchte sie noch, doch nach einem Räuspern und einem Blick zu ihrer linken senkte sich die Aufregung in ihr und ihr Haar blieb in ihrem Rot stehen. Sie sah Claude, welcher zwar zu ihnen hinüber sah, aber tatsächlich keine Anzeichen machte seinen Weg zu Danica zu machen. Sie... hatte ihn also wirklich konsequent von sich fern gehalten. Bewundernswert, ohne Frage.
      Ein älterer Herr trat in den Raum, welcher wohl oder übel für die weitere Bildung der Adeligen Schüler zuständig war. Nach einer kurzen Vorstellung mit dem Namen "Mister John Ralph" führte er sie in ihre erste Aufgabe ein. Die Ausrichtung des Balls am kommenden Wochenende, welcher keine Überraschung darstellte für die junge Frau. Das kannte sie ja schon aus dem Spiel und in diesem Moment wandelte sich ihre Unsicherheit in ein wohliges Grinsen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie ja sozusagen 'Heimvorteil' hatte und die Schulaktivitäten schon kannte. Es war als hätte man einen offenen Spickzettel für einen Test.
      Es dauerte nicht lange, ehe Groß, Blond und Gutaussehend nach vorne trat und sich mit einem charmanten Lächeln verbeugte.
      "Mein Name ist Prinz Nikolai Styrcia, ich begrüße sie alle herzlich und freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen!"

      Prinz Nikolai Styrcia
      "Mein Name ist Prinz Nikolai Styrcia, ich begrüße sie alle herzlich und freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen!", ohne zu zögern nahm er das Zepter der Klasse für diese äußerst ehrenhafte Aufgabe an sich und verzauberte direkt die Frauenzimmer mit einem Lächeln, welches gerade zu den ganzen Mann zum Glänzen zu bringen schien. "Wenn es keine Einwände gibt, würde ich gerne meine Erfahrung aus dem Königshaus höchst selbst nutzen um direkt etwas Ordnung hier hinein zu bringen. Denn es bleibt nicht viel Zeit und wir wollen doch eine mehr als nur passable Leistung abliefern. Ich würde gerne euch alle in Gruppen von zwei-drei Personen aufteilen um die fundamentalen Begebenheiten der Feier einfach und organisiert anzugehen. Ich- ... Ja, bitte?"
      Direkt erhob sich eine Hand inmitten seiner neuen Klasse. Eine Dame, welche ihm ein Dorn im Auge war auch, wenn er sein charmantes Lächeln natürlich nicht verlor. "Miss van Gard?", sprach er sie an, während er sie auch ein wenig musterte. Sie hatte sich tatsächlich auch noch eine Männeruniform geben lassen. Er wusste nicht, ob er das respektlos oder töricht finden sollte. Und dieses unverfrorene Grinsen auf ihren Lippen. Eine Plage sondergleichen. Eine Frau, die sich nicht darum scherte als solche wahr genommen zu werden und sich noch weniger dafür interessierte, sich einen ehrbaren Mann zulachen, was sie mit diesem Gesicht ohne Zweifel könnte. "Ich gruppiere mich mit Miss Kalsanik und Mister Beaumanoir zu meiner Linken und übernehme herzlichst gerne das Catering."
      Na... zumindest brachte sie sich sinnvoll ein und nahm sich eine Frau für die Aufgabe des Verkostung. Frauen und Essen mag für manche zwar altmodisch wirken, doch Prinz Nikolai empfand es nur als sehr passend. Wenn auch... er sehr skeptisch dem Mann an ihrer Seite einen Blick zuwarf. "Wenn... die beiden damit einverstanden sind, spricht nichts dagegen.", mit diesen Worten sah er bewusst den Herren an, um ihm eine Möglichkeit zu geben sich von solch einer weiblichen Aufgabe loszulösen, doch ließ jede Wertung außerhalb seiner Augen. Als er jedoch den ermahnenden Blick von Miss van Gard darauf hin an ihren Gefährten sah, als wolle sie sagen 'Red dich raus und ich werde dir mit eigenen Händen Schmerzen zufügen', konnte nicht mal Prinz Nikolai sich ein etwas skeptisches Augenblinzeln verkneifen. Er hatte die Gerüchte um sie und Miss Kalsanik gleichermaßen gehört - eine Frau, die einer anderen ihre vollste Aufwartung machte. Deshalb wunderte es ihn nicht, dass Coleen sich auch diese Frau als Partnerin hierfür wünschte, doch die Paarung mit dem Mann war ihm schleierhaft. Das Konzept von zwischengeschlechtlichen Freundschaften war für ihn zwar ein Begriff, doch selbst konnte er diese Erfahrung nicht sammeln als Prinz, der regelmäßige Liebeserklärungen bekam und sie auch mindermäßig genoss.