Sick Thoughts [Aiden.Nesmilas & Stuffie]

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    • Sick Thoughts [Aiden.Nesmilas & Stuffie]

      Vorstellung

      @Aiden.Nesmilas

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      rppl2.jpgEs war Zeit, ihr getrautes Heim zu verlassen.
      Noch ein letztes Mal ließ Eva ihren Blick durch das kleine Zimmer streifen, welches bis zu diesem verhängnisvollen Zeitpunkt einzig und allein ihr gehört hatte. Die frühen Sonnenstrahlen schienen durch ihr geöffnetes Fenster und offenbarten den Staub, der fröhlich in der Luft tanzte. Das Bett hatte sie ordentlich hergerichtet, bereit, schon bald einen neuen Menschen umarmen zu dürfen. Ein Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen, als ihr bewusst wurde, dass es sich um einen ihrer Brüder handeln würde. Caspar und Felix, mal unzertrennlich, mal wie Feuer und Eis. Wenigstens eine gute Sache hatte Evas Auszug: Die beiden mussten sich kein Zimmer mehr teilen. Doch insgeheim wussten alle, dass die zwei Jungs mitten in der Nacht zueinander schleichen würden, weil sie es doch nicht ohne den anderen ertrugen.

      Ihre kleine Tasche fest im Griff, trat die junge Frau aus dem Zimmer und ließ die knarrende Holztür hinter sich langsam ins Schloss fallen.
      "Hast du alles, meine Tochter?", fragte ihr Vater sie sofort, während er auf sie zuging.
      Demonstrativ hielt Eva den Leinensack in die Höhe, "Alles, was eine Dienerin braucht."
      Nicht, dass die Brünette sonderlich viel mitbringen musste. Ihr wurde versichert, dass sie frische Arbeitskleidung im Schloss erhalten würde, ebenso wie Nahrung, um nicht zu verhungern. Alles, was Eva eingepackt hatte, waren Schlafkleidung, Unterwäsche und einige Erinnerungsstücke, um sich hin und wieder nach Hause träumen zu dürfen.

      "Hier, nimm noch das Brot mit!", bestand ihr Vater und drückte ihr das Gebäck in die Hand, ehe er etwas verwirrt umher sah und hastig ein gutes Stück Käse vom Küchentresen aufhob, "Und den hier. Warte, ich hole dir noch Met."
      "Vater...", Eva atmete tief durch, konnte sich aber ein leichtes Lächeln nicht verkneifen, "Ich gehe auf keine Weltreise. Du hast selbst gehört, dass für Essen gesorgt ist."
      "Ach, wer weiß, wie die da ihre Diener behandeln!", murrte der ältere Mann, entriss ihr die Tasche und steckte eigenhändig immer mehr Proviant hinein, bis der Leinensack drohte, nicht mehr zu schließen, "Das hält sich lange. Das kannst du irgendwo unter deinem Bett verstecken, für den Fall, dass sie dich hungern lassen."
      Eva war zuversichtlich, dass man ihre Tasche bei der Ankunft gründlichst untersuchen würde, doch entschied sie sich dazu, den guten Willen ihres Vater einfach hinzunehmen. Es würde ihm ohnehin nur ein schlechtes Gewissen bescheren, wenn sie es ablehnte.

      Nachdem sich alle Beteiligten dazu entschieden hatten, dass Eva nun wirklich genug Essen dabei hatte, verließ die junge frau das Haus und entdeckte ihre Brüder, die im hohen Gras saßen und gedankenverloren Unkraut zupften.
      "Ihr seht aus, als hättet ihr einen geist gesehen.", kommentierte ihre große Schwester mit hochgezogener Augenbraue, was die beiden aufschrecken ließ.
      "Eva!", Caspar und Felix sprangen augenblicklich auf und liefen zu ihr, um sie noch ein letztes Mal fest zu drücken.
      "Musst du wirklich gehen?", fragte Felix traurig, während Caspar sein Gesicht fester an sie drückte, um seine Tränen nicht zu zeigen.
      Es fiel Eva sehr schwer, ihr Lächeln aufrecht zu erhalten, "Ihr tut ja so, als würde ich auf Ewig fortgehen. Gleich an meinem ersten freien Tag kehre ich hierher zurück und bringe euch Geschenke mit, einverstanden?"
      "Wir haben jetzt schon ein Geschenk für dich!", verkündete Felix und stieß leicht die Schulter seines Bruders. Dieser wischte sich hastig mit dem Arm über die Augen und zog dann eine Halskette aus seiner Hosentasche.
      "Hier.", versuchte er möglichst emotionslos auszudrücken, was ihm überhaupt nicht gelang.

      rppl6.jpgIn seiner Hand lag eine selbstgemachte Halskette, bestehend aus Leder und einer wunderschönen Feder.
      Evas Augen weiteten sich bei diesem Anblick, "Wie hübsch!"
      Sie griff vorsichtig nach dem Schmuck und begutachtete es ganz genau, "Wo habt ihr solch eine Feder her? Das habe ich ja noch nie gesehen ..."
      "Caspar und ich haben-"
      "Sei still!", unterbrach Caspar den Jüngeren und wendete sich dann wieder an seine Schwester, "Ein Geheimnis. Jedenfalls hat die Feder eine Bedeutung."
      "Oh, und welche?", fragte Eva neugierig und legte sich die Halskette direkt um.
      "Freiheit!", antworteten die beiden nahezu zeitgleich, was die Brünette auflachen ließ,
      "Ah, ich verstehe. Frei wie ein Vogel, richtig?"
      "Ganz genau.", bestätigte Caspar, "Auch, wenn du jetzt eine Dienerin bist, deine Seele ist immer frei!"
      "Ja!", rief Felix und ballte die Fäuste, "Immer frei!"
      "Ihr seid so süß.", Evas Herz schmerzte bei dem Gedanken, ihre Lieblinge zurückzulassen, aber sie wusste, dass es für das Beste war, "Danke!"
      Sie wuschelte beiden noch einmal ordentlich das Haar durch, ehe sie jedem der beiden einen langen Kuss auf die Wange drückte, ihnen hoch und heilig versprach, sie so bald wie möglich wieder zu besuchen und sich letztendlich noch mit einer festen Umarmung von ihrem Vater verabschiedete.
      "Bis bald!", noch einmal winkte Eva ihrer Familie zu, ehe sie den Kopf nach vorne richtete und sich auf dem Weg zum Schloss machte.

      Das war doch ein gehöriger Fußmarsch, wenn man bedachte, dass der Hof ihrer Familie ein wenig außerhalb des Dorfes lag. Im Dorf selbst hatte man schließlich nicht genug freies Land, um Getreide und andere essentielle Nahrungsquellen aufzubauen. So vergingen schnell einmal eine Stunde oder sogar zwei. Zeitgefühl war noch nie eine Stärke von Eva gewesen ... schon gar nicht, wenn sie sich so leicht von den ganzen Ständen auf dem Markt ablenken ließ. Selten besuchte sie diesen Ort - meistens nur, um selbst etwas zu verkaufen - doch wie es schien, gab es mittlerweile neue Händler mit den kuriosesten Waren. Obst und Gemüse importiert aus anderen Dörfern und Ländern! Edelsteine, die so sehr glänzten, als wären es Sterne! Kleidung so samt wie seide! Oh ... und was war denn das?~
      "Na, es scheint, als würden meine Augen mich trügen!"
      Eine äußerst strenge, weibliche Stimme fuhr sie von der Seite an und ehe Eva überhaupt die Chance hatte, selbst zu schauen, um wen es sich handelte, wurde sie grob an der Schulter gepackt und zur Seite gewirbelt. Sofort sprang ihr das Gesicht einer alten Dame entgegen, die so finster drein blickte, dass Eva sich unsicher war, ob sie immer so viele Falten hatte oder es an dieser Miene lag.
      "Du bist viel zu spät!", schimpfte die Unbekannte weiter und wackelte belehrend mit ihrem Zeigefinger, "Weißt du etwa nicht, was 'kurz nach Sonnenaufgang' bedeutet?! Seid ihr Bauern mittlerweile so dumm? Es bedeutet, dass ihr gefälligst 'kurz nach Sonnenaufgang' da sein sollt - und nicht erst losgehen! Und jetzt verplemperst du deine Zeit damit, zu feilschen oder wie? Na warte, wenn das die Königin und der König hören! Gott bewahre, dass es der Prinzessin zu Ohren kommt!"
      Absolut überfordert damit, plötzlich so viele Anschuldigungen an den Kopf geworfen zu bekommen, erkannte die Brünette erst auf den zweiten Blick, dass die alte Dame die Dienstbekleidung des Königshauses trug.
      Gerade öffnete Eva ihren Mund, um etwas zu erwidern, doch da zerrte die Bedienstete sie schon rücksichtslos hinter sich her, "Ich muss dich einweisen und ich dulde keine Verspätungen, keine Unordentlichkeit und keine Respektlosigkeit. Hast du mich verstanden?!"

      Was ... zur Hölle?!
      Die junge Frau versuchte sich vergebens zu erklären, aber mit dieser Furie war wirklich nicht zu spaßen. Zwar war sie sich sicher, dass sie sie verwechseln musste - immerhin hatte man mit Eva ausgemacht, dass sie erst zur Mittagszeit erscheinen sollte - aber es hatte keinen Zweck, sich zu rechtfertigen. Das Geschwatze der Dame war wie eine undurchdringbare Steinmauer: lang, hart und ohne Erbarmen.

      Wie ein nasser Sack Reis wurde Eva schließlich ins Schloss gezerrt. Sie bekam nicht einmal die Chance, sich den Leuten vorzustellen, an denen sie vorbei kam, denn die Dame lieferte sie schnurstracks im Thronsaal ab und schubste sie vor, sodass sie nach vorne stolperte und schließlich auf ihren Knien landete.
      "Ah ...", hauchte sie leise, als sich sofort ein leichter, brennender Schmerz im Bereich ihrer Beine und Handflächen bemerkbar machte.
      Eigentlich machten ihr solche banalen Verletzungen nichts aus. Es war mehr diese ungeheure Unfreundlichkeit, die sie so schockierte. Mit zusammengezogenen Augenbrauen schenkte Eva der Dame noch einen unmissverständlichen Blick, ehe sie ihren Kopf wieder nach vorne richtete und zu der Königsfamilie blickte.
      Sollte sie sich erklären? Oder es lassen? Vielleicht war es ja ein Missverständnis ... andererseits konnten es solche hohen Tiere nicht ausstehen, eines besseren belehrt zu werden.
      Egal, ihr blieb keine Zeit, sich nun Gedanken darüber zu machen. Sie schloss ihre Augen und senkte respektvoll den Kopf, die Wut und den Frust runterschluckend.
      "Eure Majestät.", begrüßte sie jene, die von nun an jeden Schritt und Tritt von Eva bestimmen würden.
    • Alexandryn Nicholette Nyneve


      Das Licht strahlte den ganzen Tag über in den Thronsaal und warf durch die schönen Fenster, lustige Schatten auf den Boden, die die Aufmerksamkeit der Prinzessin eher auf sich zogen, als das Volk das seine Klagen mit der königlichen Familie teilen wollte.
      Alexandryn ertrug das Gejammer der Menschen langsam nicht mehr, und ihre Füße begannen zu schmerzen, während sie -so wie es sich gehörte- neben den Thron ihrer Mutter stand. Irgendwann würde die Prinzessin dort sitzen und herrschen, weswegen es wichtig war das sie lernte. Doch die Bitten von dummen Bauern anzuhören, und sich von diesen Vorschläge geben zu lassen, war der Teil den Alexandryn an ihrem Leben am meisten verabscheute. Viel lieber saß sie mit ihren Vater im Gerichtsaal und überlegte sich die Strafen für Vergehen. Sie mochte es wie Menschen versuchten sich aus ihren unheimlich dummen Vergehen heraus zu winden, oder wie sie flehten und heulten man möge sie doch verschönen. Das waren die Dinge, die Alexandryn erheiterten, nicht das hier! Das hier war in allen belangen ermüdend und ernüchternd. Noch nicht einmal die Geschenke die jeder mitbrachte konnten Alexandryns Laune verbessern.
      Ein weiter Bauer trat hervor, und selbst wenn er sich für genau diesen Anlass versucht hatte schön anzuziehen, bemerkte Alexandryn schon beim ersten Blick seine zerschlissene Kleidung, und seine schmutzigen Fingernägel, die wohl niemals sauber hätten werden können. In seinen rauen Händen trug er ein Laib Brot, und kniete sich dann nieder. "Eure Majestät! Eure Hoheit!", wandte er sich auch an die Prinzessin. In ihren Augen hatte man den Ekel sicherlich bereits erkannt, doch wagte es dieser Mann nicht auch nur eine der beiden Frauen anzusehen, noch den König der eher ein wenig im Hintergrund verschwand. Alexandryn wusste, dass auch ihr Vater sich hier sicherlich langweilte. "Meine Frau hat dieses Brot für Euch gebacken, als Dank dafür, dass ihr uns in unserer Not geholfen habt!"
      Erst jetzt sah der Bauer vom Boden auf und blickte zur Königin Eleonora. Ihre Mutter war immer viel zu gütig was diese einfachen Menschen anging, und deswegen wurde sie geliebt. Aber leider wurde sie auch eindeutig zu oft betrgen. Für einen kurzen Augenblick wanderte Alexandryns Blick zu ihrem Vater. Hm.
      Die Königin nickte sachte, und deutete mit einer kurzen Handbewegung an, dass ihre Tochter dieses Brot annehmen sollte. Für einen kurzen Moment rümpfte Alexandryn ihre Nase, trat dann jedoch hervor und der Mann übergab das Brot erfürchtig der Prinzessin. Es lag schwer in ihren Händen, und sie fühlte wie das Mehl sich von diesem Ding löste und ihre Hände beschmutzte. Es dauerte viel zu lange bis ein Diener hervortrat und es ihr abnahm. "Wir danken dir viel Mals", sprach die Königin während die Prinzessin den Bauern kalt anblickte. Natürlich, sie hätte lächeln können, doch dieser Abschaum hier verdiente es nicht. Ein anderer Diener brachte der Prinzessin auch direkt ein Tuch, und sie wischte sich ihre Hände daran ab. Mehl fühlte sich wirklich nicht schön an, und sie wusste nur zu genau das Alexandryn dieses Brot niemals in ihrem Leben essen würde. Noch nicht einmal dann, wenn es das letzte gewesen wäre was es auf dieser Welt gab.
      Mit einen weiteren Nicken entlies die Königin den Mann wieder.
      Die junge Frau nahm wieder ihren Platz neben ihrer Mutter ein, und erneut viel ihr Blick auf den sonnigen Boden und die Muster die das Fenster dort hinwarf. Wenn die Leute die hier auftauchten doch zumindest schön wären! Dann wäre das sicherlich auch noch angenehmer. Selbst Schatten war schöner als diese Menschen, was doch traurig war.
      Als nächstes trat eine Person ein, die Alexandryn wohl bekannt war. Es war die Hausmeisterin, sie kümmerte sich um die Diener, beschaffte sie, bildete sie aus und erstellte ihre Dienstpläne. Alles das wofür die königliche Familie nun einmal keine Zeit hatten. Oder sich nehmen wollten, in Alexandryns Fall. Die ältere Frau schleppte beinahe schon widerwillig eine jüngere mit sich, die sie am Ende dann zu den Füßen der Königin stieß. Ein leiser Laut kam von der Frau und Alexandryns Mundwinkel zuckten für einen kurzen Moment nach oben. Sie hatte sich wohl weh getan, und zu gerne hätte die Prinzessin gesehen, wo genau es ihr weh tat.
      Die Haare der Fremden schimmerten rötlich im Licht das auf ihr Haupt fiel, und es war wohl das erste schöne Haar das die Prinzessin an diesem Tag von diesen Leuten gesehen hatte. In ihr Gesicht konnte Alexandryn nicht wirklich blicken, da die Frau es recht schnell senkte, vermutlich um ihren Respekt der Königin gegenüber zu zollen.
      Die Hausmeisterin begann dann wieder zu sprechen, die selbst bereits einen Knicks gemacht hatte, und es wahrhaft vermied überhaupt zur Prinzessin zu blicken. "Dies hier ist Eure neue Dienerin", stellte die ältere Frau die Fremde nun vor. Ihr Name war unwichtig, selbst wenn Alexandryn sich überlegte ihr einen Männernamen zu geben, hätte sie ohne hin darauf hören müssen.
      Die Blonde hob nur eine Augenbraue. Für eine Dienerin die erst jetzt im Schloss eintraf... Das war doch recht spät, der Dienst begann doch meist schon vor der Morgenröte. Eleonora schien es nicht aufgefallen zu sein, weswegen Alexandryn sich zu ihr beugte um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Die Königin nickte sanft und richtete dann ihr Wort an die Ältere von beiden. "Es ist sehr spät um uns eine neue Dienerin vorzustellen, findet ihr nicht?" Die Ältere knickste noch einmal. "Es tut mir leid", meinte sie doch bevor sie sich in Erklärungen stürtzen konnte hob die Königin ihre Hand um diese zum Schweigen zu bringen. "Nun, sie soll die Nachtschicht übernehmen und die Kerker säubern als ihren ersten Dienst." Dabei würde sie diese Nacht wohl kein Auge zu bekommen. Eine milde Strafe für das zu Spät kommen, doch ungestraft kam selten jemand in diesem Schloss davon. Dafür trug Alexandryn die Verantwortung. Obwohl... so konnte man dies wohl kaum nennen, sie hatte Spaß daran sich Bestrafungen auszudenken.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Eva hielt ihren Kopf weiterhin gesenkt, während entschieden wurde, was mit ihr geschah. Sie verdrehte innerlich schon die Augen, als sie die Stimme der älteren Dame hörte, die sofort alles aufklären wollte, doch die Königin hatte sie ziemlich schnell zum Schweigen gebracht. Ganz vorsichtig hob Eva ihren Blick und sah zu der edelmütigen Königin hinauf, deren Miene trotz des Satzes, den sie aussprach, so sanft und friedlich wirkte, als hätte sie der Dienerin gerade angeboten, mit ihnen im Reichtum zu leben.
      Ihre Begeisterung hielt sich demnach verständlicherweise in Grenzen, als sie realisierte, dass sie die ganze Nacht damit verbringen würde, einen dunklen und kalten Kerker auf Vordermann zu bringen. Die junge Frau unterdrückte ein Seufzen und stand nach der Kundgebung ihrer Aufgabe auf, nur, um sich noch einmal zu verbeugen,
      "Natürlich. Ich danke Euch, Eure Hochheit."
      Nun richtete sie sich auf, in der Lage, den edlen Thronsaal in seiner ganzen Pracht wahrzunehmen. Für den Bruchteil einer Sekunde kam es Eva so vor, als befände sie sich in eines der Märchen, die sie als Kind vorgelesen bekommen hatte. Die Wände waren unbeschreiblich hoch, riesige Statuen blickten elegant auf sie hinab, als wären es echte Engel ... und die Pflanzen, die hier und dort dekorativ angebracht waren, sahen aus, wie aus einem Paradies gepflückt! Eher unbewusst weitete die Brünette ihre Augen und öffnete leicht den Mund.
      Sie hatte immer davon gehört, dass es im Schloss wie in einer anderen Welt sein sollte, aber nie hatte sie damit gerechnet, dass es wirklich so schön war!
      Nach einem kurzen Moment fing sich Eva wieder und richtete den Blick hastig zu der Königin, die für ihr Alter ungemein jung aussah. Sie war umhüllt von einer angenehmen Aura - es war kein Wunder, dass die Dorfbewohner nur in hohen Tönen von ihr sprachen. Den König, der sich im Hintergrund hielt, bemerkte Eva kaum, dafür zeigte die Prinzessin zu viel Präsenz. Die Zwanzigjährige konnte nicht anders, als auch diese für ein paar Sekunden zu mustern. Helles, blondes - ja, fast schon weißes, seidiges Haar, hübsch gebräunte Haut und dunkle Sommersprossen, die das zierliche Gesicht wie Schmuck verzierten. Die Prinzessin würde, und da war sich Eva sicher, wesentlich beeindruckender aussehen, wenn sie lächelte ... doch das konnte man wohl kaum von der gefürchteten Alexandryn erwarten. Die Königstochter war im ganzen Reich für ihre kalte Schulter und auch für ihren Sadismus bekannt. Und diese Art von Lächeln wollte Eva um jeden Preis vermeiden.

      "Was stehst du da jetzt so blöd herum?!", fing die alte Dame plötzlich wieder zu schimpfen an und trat hervor, um Eva grob aus ihren Gedanken zu reißen.
      Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie die Prinzessin so lange angestarrt hatte! Zügig wandte die neue Dienerin den Blick ab und ließ sich von der Hausmeisterin aus dem Thronsaal zerren. Kaum wurde sie hinaus geschubst, verbeugte sich die Dame zum Abschied mit den Worten,
      "Ich werde sie schnell einweihen. Vielen Dank für Eure Zeit, Eure Majestät."


      Ohne Erbarmen wurde Eva wie ein rebellischer Hund an der Leine die vielen Treppen des Schlosses hinauf gezerrt, bis sie ganz oben ankamen. Mitten im Gang riss sich die Jüngere der beiden von dem festen Griff los - es reichte!
      "Ich kann selbst laufen!", zischte sie die Hausmeisterin an, die sie kurz verwundert anblickte, dann aber aufeinmal ihren Schuh auszog und mehrmals auf Eva einschlug,
      "Was sagst du da?! Hinterfragst du meine Methoden?! Du solltest dankbar sein, dass ich mir überhaupt die Zeit für dich nehme, du dummes Bauernmädchen!"
      "Ah!", schützend legte Eva ihre Arme um den Kopf und konterte ins Gefecht hinein, "Was ist das denn für eine Methode, mich hinter dir her zu ziehen?!"
      Mit einem finalen, ordentlichen Schlag ließ die Ältere den Schuh wieder auf den Boden fallen und zog ihn knurrend an, "Meine Methode. Find dich gefälligst damit ab oder ich sorge dafür, dass du sofort wieder hier raus fliegst. Hast du das verstanden? Und außerdem ..."
      Sie packte Eva am Kragen und sah ihr bedrohlich in die Augen, "Für dich bin ich nicht 'du', sondern Madame Gerdrud."
      Feindselig verengte die Brünette die Augen. Zum Geier, am liebsten hätte sie dieser Teufelsgenossin einen giftigen Spruch ins Gesicht gedrückt, aber das war ein Kampf, den sie nicht gewinnen konnte. Nicht, wenn sie das Überleben ihrer Familie auf den Schultern trug.
      "... Verstanden.", kam es letztendlich widerwillig zwischen zusammengebissenen Zähnen aus Evas Mund.
      Schnaubend ließ die Hausmeisterin die neue Dienerin wieder los, packte sie am Arm und zerrte sie bis ans Ende des Ganges. Dort blieben sie vor einer alten Holztür stehen.
      "Hier wirst du schlafen. Du teilst dir das Zimmer mit Barbel, Käthe und Martha. Los, hinein mit dir und zieh dir die Kleidung an, die auf dem Bett liegt. Lass mich nicht zu lange warten."

      rppl5.jpgWie aufgefordert betrat Eva das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Es war äußerst gemütlich, wenn man es so sagen konnte. Dieser Raum war niemals größer als ihr eigenes Zimmer zu Hause und trotzdem sollten hier vier Leute schlafen? Die junge Frau trat weiter hinein, was die alten Holzdielen unter ihr dazu veranlassten, laut zu knarren. Als erstes entdeckte sie das große Bett, welches zwei Kissen und zwei Decken beherbergte. Nach genauerer Inspektion fand sie ebenfalls heraus, dass sich unter dem Bett .. gleich noch ein Bett befand, welches man herausziehen konnte! Erstaunt machte Eva große Augen: So etwas hatte sie ja noch nie gesehen!
      Nun .. wie es schien würde sie sich eine Matratze mit einer anderen Dienerin teilen. Keiner von ihnen war zurzeit hier .. nicht verwunderlich. Immerhin vertrieb man hier nicht fröhlich seine Freizeit, sondern musste arbeiten. Eva betete still, dass diese Frauen, mit denen sie von nun an in dem kleinen Zimmer leben würde, zumindest etwas freundlicher waren, als Gerdrud. Schon alleine dieser Name sagte aus, was für ein Mensch sie war.

      Prompt legte Eva ihre alte Kleidung ab und legte ihre neue Dienstbekleidung an. Ein helles Kleid mit einer weißen Schürze, flachen Schuhen und einer kleinen Haube für den Kopf - wofür auch immer das gut war. Sie entschied sich, es nicht zu hinterfragen und stattdessen die Halskette ihrer Brüder in einer leeren Schublade, die wohl für sie bestimmt war, sicher aufzubewahren. Es dauerte nicht lange, bis Eva fertig auf den Gang hinaus trat, doch auch diesmal war Gerdrud nicht zufrieden,
      "Zu lange!"
      Sie ließ Eva keine Zeit, etwas zu erwidern und zog sie sogleich wieder mit sich.
      "Du bist wirklich kein geduldiger Mensch ...", murmelte die Junge in sich hinein.
      "Was war das?!"
      "Ich sagte, Ihr habt sehr viel Geduld mit mir, Madame Gerdrud."
      "Wenigstens das scheint dir nicht zu entgehen."
      Kopfschüttelnd kamen die beiden in den Kerkern des Schlosses an. Einige waren zugesperrt, da sie Verbrecher oder andere, arme Tropfen beherbergten. Viele allerdings waren offen und noch verdreckter als sämtliche Kuhställe, die Eva in ihrem Leben ausgemistet hatte.
      "Hier.", Gerdrud drückte der Brünette einen alten Blecheimer und eine völlig zerfledderte Bürste in die Hände, "Wasser kriegst du gleich da vorne. Bis morgen früh sind alle freien Kerker blitzblank, klar?"
      Moment - hatte Eva sich da gerade verhört?! Sie sollte bis morgen früh putzen? Es war gerade Mittagszeit! Verstanden sie Königlichen das als Nachtschicht?! Herrgott ... wo war sie hier gelandet?!
      "Jawohl ...", entgegnete sie dann mit einem verbitterten Lächeln und machte sich sogleich an die Arbeit.
      Wenn sie zügig arbeitete, würde sie bestimmt früher fertig sein .. ganz bestimmt!

      ...
      Hahaha ... haha ... ha ... Am liebsten würde sie jetzt wahrscheinlich weinen.
      Aus einem Kerkerfenster erkannte Eva, dass der Sonnenaufgang nicht mehr fern war. Tatsächlich hatte sie die ganze Nacht geschrubbt und geschrubbt und geschrubbt ... Warum um alles in der Welt hatte man überhaupt so viele Kerker?! Und wieso waren sie so ekelhaft verdreckt? Hatte man, bevor sie einen Fuß hierher gesetzt hatte, niemals an diesem Ort geputzt?
      Erschöpft setzte sich die Dienerin auf den Boden und lehnte sich gegen die kalte Steinwand. Sie spürte, wie ihre Augenlider drohten, nachzugeben und sie in die Traumwelt zu schicken, doch wenn das jemand mitbekam, durfte sie sich wahrscheinlich auf noch etwas schlimmeres vorbereiten. Wirklich besser machte das laute Schnarchen einiger Insassen und Wächter es nicht. Wie gerne sie jetzt auch schlafen würde .. oh, und etwas essen. Ihr Magen protestierte schon seit einer ganzen Weile.
      Ganz allmählich nickte die junge Frau dann doch ein - bis ein Wächter plötzlich so laut schnarchte, dass er nicht nur Eva vor Schreck zucken ließ, sondern auch sich selbst.
      "Huh?!", kam es irritiert und verschlafen aus dem Mann, als er mehrfach um sich herum sah und dann zu der Erkenntnis kam, dass es keine Bedrohung gab, "Oh .. ja ... hm."
      Damit schlief er wieder ein.
      Wie schön für ihn.
      Frustriert griff Eva wieder nach der Bürste und arbeitete weiter. Sie war fast fertig .. fast ..!
    • Alexandryn Nicholette Nyneve


      Alexandryn bemerkte nur schwach, dass die neue Dienerin zu ihnen hinauf blickte. Noch immer konnte sie das Gesicht der Fremden nicht wirklich erkennen und doch wollte die Prinzessin unbedingt wissen, wer ihr neues Opfer hier denn war.
      Erst als die junge Frau sich aufrichtete, und ihr der Mund vor Verwunderung dümmlich offen stand erkannte Alexandryn das Gesicht der Neuen. Sanfte züge und helle Augen, die durch das Licht vermutlich heller wirkten als sie es sein sollten. Und so wie ihr der Mund offen stand, wirke sie auf die Prinzessin einfach nur dümmlich.
      Sie beobachtete die Dienerin genau, die dann begann die Prinzessin dreist anzustarren. Keiner wagte es Alexandryn anzustarren, und noch weniger wagte es sich irgendjemand so offensichtlich und lange zu ihr zu starren. Diese Dreistigkeit würde diese Frau schnell ablegen müssen, wenn sie hier lange überleben wollte. Das würde man ihr vermutlich auch noch früh genug mitteilen. Mittlerweile blickte auch die Königin selbst zu ihrer Tochter, ihre Lippen umspielte ein sanftes Lächeln. Die Königin selbst hätte ihre Tochter vermutlich auch ewig anstarren können, genauso wie sie es getan hatte als Alexandryn noch ein kleines Mädchen war, einer Königin blieb dafür jedoch nicht viel Zeit.
      Alexandryn sah der Dienerin dann nach, wie sie unsanft von der Madame weg gezogen wurde und sie kam nicht umhin sich vorzustellen das die groben Hände der alten Frau abdrücke auf der Haut der neuen Dienerin hinterliesen. Der Gedanke gefiel ihr, und sie hielt daran fest, bis sie den Thronsaal endlich verlassen durfte, da die Audienzen für diesen Tag endlich vorrüber waren.
      "Hast du dich sehr gelangweilt?", fragte die Königin ihre Tochter und blickte diese an, während der König auf der anderen Seite neben ihr herlief.
      "Ein wenig, es hätte schlimmer sein können." Immerhin hatte Alexandryn zumindest eine milde Strafe aussprechen dürfen und das erheiterte die meisten ihrer Tage doch sehr.
      "Du musst dich daran gewöhnen, es ist deine Pflicht deinen Untertanen zuzuhören. Eine Königin kann nur regieren, wenn das Volk sie liebt."
      Alexandryn sah das alles ein wenig anders, doch würde sie diese Worte gegenüber ihrer Mutter niemals erwähnen. Stattdessen nickte die Prinzessin nur. Sie wurde gefürchtet, und sie wurde gemieden. Dennoch gehorchten ihr die Menschen zu gut, sie würde niemals ausgenutzt werden. Und nur weil Alexandryn so war bedeutete es noch lange nicht, dass sie sich schlecht um ihr Volk kümmern würde... Vielleicht aus spaß wenige Dörfer, aber ein kleiner Haufen an dummen Menschen konnte einer Monarchin nicht viel anhaben.
      Ihre Mutter entlies sie dann, und Alexandryn nahm einen anderen Weg durch das Schloss. Mit einer kurzen Bewegung ihrer Hand, trat Jodan näher an sie heran, der ihr bisher wie ein Schatten gefolgt war. "Ja, eure Hoheit?", fragte er nach und lief neben ihr her.
      Jodan war ein gutaussehnder junger Mann, nur wenige Jahre älter als Alexandryn. Sie hatte ihm oft bei seinen Training zugesehen, als er noch in seiner Ausbildung steckte. Es war beinahe das einzige am Hof gewesen, dass nicht vor langeweile getrieft hatte. Als Alexandryn jünger war, war sie nur verwöhnt gewesen, sie hatte noch nichts zu sagen und hatte neben ihren Lehrplan nur ihre Hofdamen mit denen sie sich hätte unterhalten können. Viel lieber hätte sie diesen jedoch die Münder zusammen genäht da deren Stimmen ihr nur Kopfschmerzen verursachten.
      "Ich denke wir werden Morgen früh dem Kerker einen Besuch abstatten, wir haben dort doch einen Dieb?"
      "Ja, wir haben sogar zwei Diebe im Kerker, eure Hoheit", bestätigte Jodan recht schlicht. Er hatte schon eine Befürchtung was die Prinzessin vor hatte. Er kannte sie zu gut um es nicht erahnen zu können.
      "Dann suchst du einen aus, und ich werde meinen Vater mitteilen, dass ich seine Bestrafung übernehmen werde."
      Jodan konnte und durfte nicht anders als zu nicken. Er brauchte die Prinzessin auch nicht zu betrachten um das unterkühlte böse Lädcheln auf ihren Lippen deutlich vor seinen Augen erkennen zu können.

      Alexandryn war froh in ihren Gemächern angekommen zu sein. Sie hatte sich direkt auf ihren liebsten Stuhl gesetzt, ihre Füße taten nach dem langen stehen doch sehr weh. Sie würde es heute sicherlich nicht mehr verlassen, und wenn dann nur weil ihre Mutter nach ihr riefen lies.
      Die Prinzessin saß kaum eine Minute dort, als eine Dienerin mit Tee und Keksen in ihr Zimmer trat und ihr die Tasse reichte. Alexandryn nahm sie an, und als sie die Tasse an ihre Lippen setzte und einen Schluck trinken wollte, verbrannte sie sich etwas die Zunge. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, und ihre Augen selbst wurden schmal. "Komm her", befahl sie der Dienerin, welche wie aufgescheucht näher an die Prinzessin trat und sich vor ihr verneigte.
      "Eure Hoheit", murmelte sie, und Alexandryn merkte jetzt schon das sie etwas panisch wurde. Das war auch besser so.
      "Sieh mich an", befahl die Prinzessin der Frau vor ihr dann, und nur langsam richtete sich ihr Blick zur Prinzessin.
      Sobald sich das Gesicht der Dienerin ganz gehoben hatte, zögerte Alexandryn keine Sekunde und schüttete dem Weib den heißen Tee ins Gesicht. Die Frau schrie auf, und begann zu weinen, während sich ihre Hände in ihr Gesicht legten.
      "Und das hier willst du mich trinken lassen? Wolltest du das ich mir die Zunge verbrenne?", fragte Alexandryn ruhig nach während ein Lächeln auf ihren Lippen lag. Die Frau krümmte sich ein wenig vor Schmerzen und das gefiel ihr doch zu gut. Das war lustig!
      "Nein, es tut mir leid, eure Hoheit!", schluchzte die Frau und fiel vor ihr auf die Knie. "Ich bitte Euch um Vergebung!"
      Vergebung war so ein lustiges Wort, und es verlor wohl seine Bedeutung wenn man es in Zusammenhang mit der Prinzessin verbrachte.
      Alexandryn musste ein wenig lachen. "Ich will dir gnädig sein", meinte sie dann übertrieben großzügig. "Du wirst heute Nacht vor den Toren des Schlosses ohne deine Kleidung schlafen, und ab morgen werde ich so tun, als wäre dir dieser Fehler nicht unterlaufen."
      Die Frau vor ihr begann nur noch mehr zu weinen. Alexandryn vergaß niemals die Fehler der Anderen.
      "Und jetzt verschwinde und lasse mir neuen Tee bringen, der mich nicht verbrennen wird."


      Schon früh am Morgen, früher als es für die Prinzessin eigentlich üblich war, war sie aufgestanden und hatte sich ankleiden lassen. Sie hatte etwas vor und kaum jemand würde sie davon abhalten können.
      Jodan wartete vor ihren Gemächern auf sie, und gemeinsam gingen sie hinab in den Kerker, und viele der Wachen erkannten schon durch ihre lauten Schritte, dass die Prinzessin hier her unterwegs war.
      Alexandryn war extra so früh gekommen, denn sie wusste das eine Person alleine niemals so schnell den ganzen Kerker mit seinen Zellen hätte putzen können, und sie wollte das die neue Dienerin ihre Dreistigkeit vom Vortag bereute. Die Prinzessin war nicht für die einfachen Augen einer so ärmlichen Person gedacht, und auch wenn es kein offizieles Verbot gab sie anzublicken, wusste die Prinzessin wie sie keiner mehr ansehen wollte.
      Ihr wurde die Türe zum Kerker geöffnet, und langsam trat sie ein. Ihre Schuhe hätten laute Gerräusche auf den kalten Stein gemacht, wenn der Kerker nicht so eng gewesen wäre. Langsam und anmutig ging Alexandryn durch den Gang, und begutachtete jede leere Zelle. Sie hatte es weit geschafft, aber das würde dieser Dienerin auch nichts bringen. In einer Zelle sah Alexandryn sie noch auf ihren Knien schrubben, schenkte ihr jedoch nicht wirklich Aufmerksamkeit, sondern ging weiter bis ans Ende. Erst dort blieb sie stehen.
      "Jodan, bring den Verbrecher hier hin", befahl sie dann und Jodan tat es ohne zu zögern. Er würde es hassen, doch da musste er hindurch.
      Ungeduldig wartete die Prinzessin bis ihre Leibwache einen Mann aus einer Zelle zerrte, der sich lautstark wehrte. Als gäbe es in dieser Situation irgendein entkommen. Der Verbrecher wurde vor die Füße der Prinzessin geschmissen, und kam unsanft mit dem Gesicht auf den kalten Stein an. Er stöhnte vor Schmerz einmal auf und Alexandryn begann schon ein wenig zu lächeln. Das war doch ein guter Anfang. Vorsichtig sah der Verbrecher auf, und sobald er in der weiblichen Gestalt vor ihm die Prinzessin erkannte wurden seine Augen ganz groß, und er versuchte von ihr weg zu kommen. Wie eine Ratte.
      "Ich möchte, dass du ihm als erstes seine Fingernägel ausreißt", begann Alexandryn dann die erste von einigen Anweisungen. Alexandryn konnte nicht sagen was sie an dieser Sache lieber mochte. Die Schreie des Verbrechers, oder Jodans Gesicht, welches genauso schmerzerfüllt wirkte, und sogar angewidert von sich selbst. Selbsthass war etwas, das die Prinzessin auch noch nie verstanden hatte.
      Amüsiert klatschte die Prinzessin in die Hände, als der letzte Nagel aus seinen Daumen gezogen wurde. "Und nun schneidest du jeden Finger von seiner rechten Hand ab. Einzeln. Lass den Verbrecher immer ein paar Minuten um den ersten Schmerz zu verarbeiten."
      Ihr Gesicht wirkte vielleicht wirklich erfreut, doch ihre stimme war so kalt, dass die Temperatur sich in dem ohnehin schon kalten Gängen noch mehr zu senken schien.
      Der metallische Geruch lag in Alexandryns Nase, und sie konnte nicht anders als auf den bewusstlosen Verbrecher zu blicken, dessen gesamte rechte Hand nun fehlte. Die Finger lagen verteilt im Gang herum, und die anderen Insassen waren ganz still geworden in der Hoffnung, dass die Prinzessin nicht auch noch diese bestrafen würde. Doch daran hatte die Prinzessin kein Interesse, sie stieg über das Blutbad hinweg, es war lustig die Hand war eine der Regionen die am meisten blutete. Das hatte Alexandryn nach vielen Versuchen und Experimenten festgestellt.
      "Die Dienerin soll es sauber machen. Und, ich denke es wäre gut wenn jede neue Zelle frisches Stroh bekommt. Wir wollen ja nicht, dass die Ratten sich breit machen und die Gauner noch mehr beginnen zu stinken. Jodan, richte meine Befehle aus", meinte Alexandryn, und verlies nun den Kerker.
      Ihre Leibwache blieb noch kurz zurück um nach der Dienerin zu blicken. "Du hast die Prinzessin gehört, kümmere dich um den Verletzten, er muss noch ein wenig hier bleiben", meinte Jodan dann nur noch, bevor er Alexandryn folgte.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Fast wie eine leblose Leiche wiederholte Eva ihre mittlerweile energielosen Bewegungen, um den Kerkerboden relativ sauber zu kriegen, bis sie aus den Augenwinkeln einen Schatten an der Tür vorbeihuschen sah. Sofort blickte sie in die Richtung und erkannte nur noch eine Leibwache, der mit schweren Schritten den Gang entlang ging. Fragend zog die Dienerin ihre Augenbrauen zusammen und wagte es, still aufzustehen und vorsichtig ihren Kopf aus der Tür zu strecken, um herauszufinden, was hier vor sich ging.
      Und sah sah Eva sie: Die Prinzessin höchstpersönlich. Was suchte sie denn im Kerker?
      Diese Frage wurde der Zwanzigjährigen zügiger beantwortet, als es vermutlich gut war. Die Blonde bestellte einen Gefangenen zu sich und verschwand mit diesem und ihrer Leibwache im letzten Kerker des Ganges. Es dauerte keine zehn Sekunden, schon erfüllten qualvolle Schmerzenslaute den gesamten Keller. Sofort wurde Eva ganz blass im Gesicht und bemerkte, wie selbst die Wachen hochfuhren oder nervös das Gewicht von einem auf das andere Bein verlagerten.
      Was tat sie ihm an?!
      Immer wieder drängten sich ihr die Gedanken auf, dass sie sich besser nicht einmischte und weiter den Boden schrubben sollte. Und doch .. war ihre Neugierde und ihre Hilfsbereitschaft zu groß, als dass sie tatenlos herumstehen konnte! Langsam legte Eva die Bürste auf den Boden, richtete sich auf und schlich so leise wie eine Maus den Gang entlang, ehe sie neben dem Eingang der verhängnisvollen Zelle stand. Mutig presste die Brünette die Lippen aufeinander, holte tief durch die Nase Luft und linse anschließend unbemerkt hinein.
      Schlagartig weitete sie ihre hellen Augen, die Farbe aus ihrem Gesicht verschwand gänzlich und ihr wurde schwindelig, als hätte man sie mehrfach im Kreis gedreht. Das Bild, welches sich ihr bot, war erschreckend und abstrus zugleich! Selbstgefällig stand die Prinzessin mit dem Rücken zu ihr und beobachtete, wie ihr Leibwächter einem armen Mann einen Finger nach dem anderen abschnitt! Überall auf dem Boden lagen seine Finger verteilt, ebenso wie Fingernägel und ... und so viel Blut! Der metallische Geruch drang in Evas Nase und sie konnte nicht anders, als sich schnell eine Hand an den Mund zu legen und sich hastig abzuwenden. Zittrig drückte sich die Dienerin an die kalte Steinwand hinter sich und drohte, hinunter zu sinken.
      Ihr war schlecht. Ihr war wirklich, wirklich schlecht. Das war doch krank! Was rechtfertigte solch eine grauenvolle Tat?!
      Eva hatte nicht die Zeit, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, da hörte sie wieder die Stimme der Prinzessin, die davon sprach, dass die Dienerin sich um dieses Schlachtfeld kümmern sollte. So schnell sie konnte, rappelte Eva sich auf und kehrte in die Zelle zurück, in der sie ihre Putzsachen hinterlassen hatte, bevor die Zwei sie sahen. Dort ließ sie sich auf die Knie fallen und holte mehrfach tief Luft, um nicht jeden Augenblick das Bewusstsein zu verlieren. Ihr ganzer Körper zitterte unkontrollierbar, als herrschte Eiseskälte.

      >"Du hast die Prinzessin gehört"< , als sie die Stimme von Jodan vernahm, sah Eva langsam zu ihm auf.
      Im Gegensatz zur Prinzessin schien ihm diese ganze Sache weniger Freude zu bereiten und dennoch zwang Alexandryn ihn, so etwas zu machen.
      'Mein Beileid.', hauchte so leise, dass nur der Leibwächter es hören konnte, ehe er verschwand. Sie konnte es sich kaum ausmalen, wie schrecklich es sein musste, dieser Frau auf Schritt und Tritt zu folgen, ohne etwas dagegen tun zu können. Den Hauptpreis hatte er mit seiner Arbeit wirklich nicht gewonnen.

      Die junge Frau brauchte noch einen Moment, bis sie sich aufrappeln konnte. Ihr war durchaus bewusst, dass ihr wieder schlecht werden würde, sobald sie dorthin zurückkehrte, aber eine Wahl hatte sie nicht. Zum einen, weil man ihr etwas befohlen hatte ... und zum anderen, weil sie diesen armen Mann nicht einfach leiden lassen konnte.
      So stand sie dann auf, füllte frisches Wasser in ihren Eimer und machte sich auf dem Weg zur Zelle des Verletzten. Das Blutbad war ungemein größer geworden, kein Wunder - seine gesamte Hand blutete ununterbrochen wie ein Wasserfall, während er ganz in sich gekrümmt auf dem Boden lag und still winselte. Ein Anblick, der ihr das Herz brach.
      Mit ruhigen Schritten trat die Dienerin an den Verletzten heran und kniete sich zu ihm. Behutsam legte sie ihre Hände auf seinen Arm, was ihn sofort erschrocken zusammenzucken ließ.
      "Alles gut ...", versuchte sie ihn mit sanfter Stimme zu beruhigen, "Sie ist weg. Ich werde dir helfen ..."
      Der Dieb schüttelte hoffnungslos den Kopf und schluchzte, "Keiner kann mir helfen ... schau mich nur an. Ich bin hier eingesperrt und werde bis zum Ende meiner Tage solche Folter ertragen müssen..."
      Eva half dem Mann, sich aufzusetzen, damit sie sich zumindest um seine Hand kümmern konnte. Dieser ließ einfach mit sich machen, als wäre es ihm mittlerweile schon egal, was mit ihm geschah.
      "Weshalb wurdest du des Verbrechens beschuldigt?", fragte sie besonnen, während sie seine Hand ganz vorsichtig mit dem Wasser säuberte.
      Der Verbrecher schluckte, ehe er beichtete, "Ich habe gestohlen."
      "Gestohlen?"
      "Aus den Vorräten des Königshauses.", erläuterte er mit Schmerz in der Stimme, "Unsere Ernte war nach dem Sturm nicht tragbar und meine Familie drohte zu verhungern. Ich hatte keine andere Wahl ..."
      Das konnte Eva nur zu gut nachvollziehen. Der Sturm war schließlich auch der Grund gewesen, weshalb sie sich überhaupt als Dienerin angeboten hatte.
      "Du hast also Familie?", probierte sie das Thema aufzuhellen, doch das schien den Mann nur trauriger zu stimmen,
      "Eine unbeschreiblich gütige Frau und drei Töchter. Sie sind noch so jung ... viel zu jung, um zu sterben."
      "Sie werden nicht sterben!", stellte Eva augenblicklich klar, damit der Mann nicht weiter in einem schwarzen Loch versank.
      "Natürlich werden sie das.", schnaubte dieser allerdings, "Sie haben nichts zu essen und jetzt nicht einmal jemanden, der Nahrung auftreiben könnte."
      Nachdenklich beendete Eva das Säubern seiner Wunden.
      "... Wie heißen deine Frau und Kinder?"


      Ohne Schürze und mit einem zerrissenen Kleid verließ Eva die Kerker.
      Zwar hatte man ihr befohlen, sich um den Verletzten zu kümmern, allerdings hatte man ihr keinerlei Verband bereitgestellt oder ihr zumindest die Information gegeben, wo man solches finden konnte. Also hatte sie ihn eben mit ihrer Schürze und etwas Stoff ihres Kleids verbunden. Damit zog sie ungemein den ein oder anderen Blick der Wachen auf sich - zum einen deshalb, weil keine Dienerin sich wagte, so herumzulaufen und zum anderen, weil man jetzt ein gutes Stück ihres Beines sah. Aber darum scherte sie sich nicht. Nachdem sie das ganze Blut losgeworden war, musste sie jetzt nur noch Stroh besorgen und dann war sie endlich fertig!
      Ihr Weg führte sie hinaus zu den Toren des Schlosses, um zu den Ställen zu gelangen, wo sie das besagte Stroh hertreiben konnte. Doch gerade, als sie die Schwelle verließ, entdeckte sie eine nackte Frau vor dem Eingang am Boden hocken, die ihre Arme um sich geschlungen hatte und mit leerem Blick nach vorne starrte. Etwas irritiert über diesen Anblick blieb Eva stehen und musterte sie kurz, ehe sie sich zu ihr gesellte und vorsichtig fragte,
      "Ähm ... was treibst du hier?"
      Die Frau erschreckte sich und sah ganz geschockt zu Eva hoch.
      "I-Ihr .. Ihr seid doch die neue Dienerin, nicht wahr?"
      "Du musst mich nicht so formal ansprechen ...", lächelte die Angesprochene etwas und neigte dann den Kopf zur Seite, "Also .. wieso sitzt du hier nackt? Ist das eine Strafe?"
      Die andere Dienerin zögerte, antwortete dann aber eingeschüchtert, "Prinzessin Alexandryn Nicholette Nyneve befohl mir, die Nacht ohne Kleidung vor den Toren des Schlosses zu verbringen."
      "Wieso?"
      "Ich habe ihr den Tee ... zu heiß zubereitet."
      Eva starrte die Frau, die in etwa so alt war, wie sie selbst, fassungslos an. Das war ein Grund für eine Strafe? Hatte die Prinzessin wirklich nichts besseres zu tun..?!
      "Ohne Kleidung, sagst du?"
      "Richtig."
      "Gut, warte hier."
      Eva trat wieder zurück ins Schloss. Mittlerweile ging die Sonne auf und die Gänge des Königshauses füllten sich allmählich wieder mit Leben. Mit schnellen Schritten wollte die Brünette ihr Schlafsaal erreichen, als sie aus der Ferne Gerdrud erblickte, die ihr eigenes Zimmer verließ. Sofort versteckte sich Eva und wartete, bis diese fort war.
      ... Da kam ihr eine Idee.
      Eigentlich war es ihr Plan gewesen, ihre eigene Decke für die Frau vor dem Tor zu opfern, aber es würde dieser schlechten Seele nicht schaden, selbst mal eine Nacht ohne Decke auszukommen. Als die Luft rein war, schlich sich die Magd in das Zimmer der Hausmeistern - welches ungerechterweise viel größer war als das, welches Eva sich mit drei anderen teilen musste! - und stibitzte Gerdrud ihre lange Wolldecke. Als wäre nie etwas gewesen, verließ sie anschließend den Raum und kam nach wenigen Minuten wieder vor dem Tor an.
      "Hier.", sie reichte der anderen Dienerin die Decke, "Eine Decke gilt nicht als Kleidung. Deck dich damit zu, solange du noch schlafen darfst und nutze es, um nicht nackt in dein Schlafgemach zurückzukehren."
      "A-Aber...", mit großen Augen nahm sie es an, "W-Wenn die Prinzessin das.."
      "Dann sag ihr einfach, dass ich dir das gegeben habe..", Eva winkte ab und konnte ein Gähnen nicht unterdrücken. Ihre Müdigkeit hatte schon einen sehr gefährlich Grad erreicht.
      "Mein Name ist Käthe.", stellte sich die andere mit einem schwachen Lächeln vor und deckte sich zu.
      Käthe ... diesen Namen hatte sie schon einmal gehört .. aber gerade war die Brünette überhaupt nicht mehr in der Lage, sich zu konzentrieren, weshalb sie einfach nickte, "Ich bin Eva, freut mich."
      Damit verabschiedete sie sich von der anderen, machte sich auf dem Weg in den Stall und .. verflucht, das Stroh sah so weich aus ...!
      Es war noch so völlig unbenutzt und sauber und ..
      Eva hockte sich hin, um etwas zu greifen, fiel dann aber sogleich direkt darauf und konnte ihre Augen, so sehr sie sich auch bemühte, nicht mehr aufhalten. Binnen Sekunden war die Dienerin eingeschlafen.
    • Alexandryn Nicholette Nyneve

      Alexandryn erlaubte sich einen Spaß, indem sie in die Küche ging. Alle Bediensteten, die Köche und die Dienstmägde, die Diener und Wachen die darin versammelt waren, selbst gerade frühstückten oder das Frühstück der Königsfamilie zubereiteten, wurden wahnsinnig nervös. Wenn die Prinzessin heute nicht schon etwas viel amüsanteres beigewohnt hätte, dann würde sie wohl jetzt anfangen zu grinsen. Ihr Gesicht blieb jedoch unberührt vor der Angst die sich in den meisten Anwesenden ausbreitete. Nur Jodan hatte wohl keine Angst vor der Prinzessin. Sie hatte schon oft versucht ihm welche zu bereiten, aber es half nichts. Das einzige was ihn quälte, war wenn er ihre grausamen Befehle verrichten musste.
      Eine der höher gestellten Angestellten trat auf Alexandryn um und verneigte sich tief vor ihr. "Eure Hoheit, was führt euch in die Küche?", fragte er ganz vorsichtig und wagte es nicht zu ihr aufzusehen. "Ich wollte wissen was ihr uns heute auftischen wollt. Letztes mal ist es mir nicht bekommen, und das soll sich doch nicht wiederholen oder?"
      "Nein, natürlich nicht, eure Hoheit!"
      Langsam richtete sich der Mann wieder auf, und wandte sich zu einen der Köche um, der ganz bleich geworden war bei den Worten der Prinzessin. Der Angestellte führte sie dann zu den Vorbereitungen. Das was dort zubereitet wurde sah auf den ersten Blick wirklich ekelhaft aus, dafür roch es umso besser. Das würde die Prinzessin doch niemals in ihren Leben zu geben. Sie griff dann nach einen Gewürz, sie achtete noch nicht einmal darauf was es war, und nahm eine Handvoll bevor sie es auf das Essen war.
      "So ungeschickt von mir", begann sie dann und ein sachtes Lächeln lag auf ihren Lippen.
      Der Koch sah entsetzt auf das Essen welches er mühevoll zubereitet hatte. "N-nein, nicht doch... ich mache einfach etwas anderes, eure Hoheit", meinte er nur. Niemand würde es wagen etwas gegen die Prinzessin zu sagen, egal wie grausam, gemein oder unfair sie auch war. Es war amüsant, doch leider auch irgendwie langweilig. Menschen gefielen Alexandryn eben am meisten, wenn sie vor Schmerzen schrien.
      "Nun, dann bin ich doch fast erleichtert. Ich hoffe es wird rechtzeitig fertig, bis die Königin erwacht", meinte Alexandryn wieder sehr kühl.
      "Mir ist es hier zu warm Jodan, lass und etwas spazieren gehen", meinte sie zu ihrer Wache.
      "Wir ihr wünscht, Eure Hoheit", erwiderte der Mann neben ihr, und zusammen verliesen die beiden die Küche wieder.
      Jedoch nur bis vor die Küche, dann blieb Alexandryn stehen. Sie wollte hören ob es jemand wagte etwas schlechtes über sie zu sagen. Dann hätte sie wohl Grund heute noch jemanden zu bestrafen. Doch zumindest dieses Mal sagte keiner etwas.

      Bis die Sonne aufging spazierte die Prinzessin noch im Schlossgarten. Es war sehr ruhig, und irgendwie hatte dies auch eine angenehme Wirkung auf die Prinzessin. Das einzige was die Stille immer wieder durchbrach waren Jodans Schritte.
      "Kannst du deine Rüstung nicht auslassen?", fragte sie etwas entnervt nach, aber gewiss nicht sehr böse.
      "Nein, das geht leider nicht, eure Hoheit."
      Alexandryn hatte schon oft versucht Jodan zu überreden sie bei ihren Namen zu nennen, wenn die beiden alleine waren. Vielleicht hätte sich die Prinzessin dann ein wenig normaler gefühlt, nicht ganz so unantastbar. Doch Jodan hatte sich immer geweigert, und es niemals getan. Vielleicht war es besser so. Alexandryn war nicht normal, in keiner Hinsicht. Sie würde einmal über dieses Land regieren, sie war eine Kronprinzessin und würde irgendwann eine Königin werden. Noch dazu kam, dass sie grausam war. Ob die Leute sich vor den Tod der Königin fürchteten, weil sie Alexandryn nicht auf dem Thron sehen wollten? Gut möglich.
      "Warum nicht?", fragte Alexandryn weiter, ohne ihren Leibwächter auch nur einen Blick zu schenken.
      "Weil ich vorbereitet sein muss, um euer Leben zu verteidigen, eure Hoheit."
      "Denkst du wirklich, ich könnte jeder Zeit umgebracht werden?"
      "Ja, eure Hoheit. Ihr seid nicht die freundlichste Prinzessin, und selbst wenn Ihr es wärt, wäre die Gefahr zu hoch."
      Jodan zuckte nicht einmal mit den Schultern, wenn er ihr so unverblümt die Wahrheit entgegen schleuderte. Im Grunde war er auch der einzige der es sich leisten konnte, ohne Angst vor einer Strafe haben zu müssen. Alexandryn begann zu lachen, und setzte sich dann auf eine Bank die an einen Springbrunnen stand. Er hatte wohl recht, sie war gefürchtet, es gab bestimmt mehr als genug Leute die sie tot sehen wollten.
      "Erzähl mir etwas das ich noch nicht weiß", verlangte die Prinzessin dann von ihrer Leibwache die vor ihr stehen blieb. Jodan sah sich einmal in der Gegend um, um sicher zu gehen das keine Gefahr drohte. Es war eine mühsame Aufgabe auf eine gehasste Person acht geben zu müssen.
      "Seemänner tragen Ohrringe, die ihre Beerdigung bezahlen könnten, da sie ständig an fremden Orten sind", meinte Jodan nachdem er eine Weile nachgedacht hatte. Alexandryn nickte leicht. Das hatte sie nicht gewusst, woher auch? Sie hatte noch nie einen Seemann getroffen. "Ich denke wir sollten einen Freibeuter ins Schloss einladen", meinte Alexandryn dann. Es wäre aufregend, etwas neues und es konnte nie Schaden wenn ein Freibeuter unter einem Wappen segelte. Das könnte Alexandryn viele Reichtümer einrbingen. Die Idee gefiel ihr. Jodan erlaubte es sich nur leise zu seufzen, weswegen Alexandryn noch einmal lachen musste. So ein dreiter Mann!

      Nach dem Essen mit der Königin und dem König hatte Alexandryn beschlossen, dass sie einen Ausritt antreten wollen würde. Es stand ansonsten auch nicht wirklich etwas interessantes an, oder besser gesagt nichts auf das Alexandryn an diesen Tag noch Lust gehabt hätte. Sie war zwar die Kronprinzessin, aber solange sie nicht die Königin warmusste sie sich nicht unbedingt damit beschäftigen. Die Theorie beherrschte sie ohne hin schon auswendig, selbst wenn man sie mitten in der Nacht wecken und abfragen würde.
      Jodan begleitete sie bis zu den Stallungen, und war gerade dabei einen Stallburschen aufzugabeln der zwei Pferde richten sollten.
      Alexandryn hielt ihn jedoch auf, als sie die Jungen flüstern hörte. "Da schläft ein Mädchen." - "Wer ist sie denn? Ich hab sie noch nie gesehen." - "Ich auch nicht..." - "Aber sie ist hübsch." - "Findest du? Ich find sie ist ein wenig zu knochig..."
      Oh, da schlief also jemand, mitten am Tag anstatt zu arbeiten? Dieser Gedanke gefiel Alexandryn nicht, und auch nicht das diese Jungen dieses Mädchen anscheinend sehr genau beobachteten. Sowas gehörte sich nun wirklich nicht.
      "Soll ich-", Alexandryn hob die Hand und lies Jodan somit mitten in seinem Satz verstummen. Sie selbst trat dann in den Heuboden ein. Überall lag Stroh und Heu, und es roch ganz fürchterlich. Es kribbelte unangenehm in ihrer Nase.
      Sie hatte Stroh und Heu noch nie wirklich gemocht. Das sie also nun gezwungen war hier herein zu kommen, würde sie diesem Mädchen niemals verzeihen.
      Die beiden Jungen schienen die Prinzessin noch nicht bemerkt zu haben, saßen sie über das Mädchen gebeugt nun da. Einer von ihnen hob sogar ihr Kleid an. Widerlich. Alexandryn räusperte sich, und die Jungen sahen in ihre Richtung. Es dauerte einige Momente bis sie realisierten wer da war, bevor sie aufsprangen und sich vor der Prinzessin verneigten. Erst jetzt trat auch Jodan herein.
      "Was tut ihr da?", herrschte sie die Jungen an, die beide wirklich heftig zusammen zuckten.
      "Wir... das...", sie bekamen kein Wort heraus.
      "Jodan, die Jungen gehören gescholten, ich denke sie sollten heute nichts zu Essen bekommen, und vielleicht auch noch jeder von ihnen fünf Peitschenhiebe. So lange bis sie verstehen, dass man eine Frau -selbst wenn sie schläft- mit Respekt behandeln muss."
      Jodan nickte, und sah nach draußen um eine der Wachen her zu winken. Er gab die Worte weiter die Alexandryn eben gesprochen hatten. Die Jungen begannen zu jammern, doch sie wurden weg geführt.
      Alexandryn trat dann an das Mädchen heran was dort im Stroh lag. Sie schien noch immer zu schlafen, oder zumindest tat sie so. Das hier war die neue Dienerin. Aus der Zelle, von Gestern. Sie sollte nicht schlafen. Nicht im Stroh! Oh, sie hatte wohl ihre Aufgabe nicht zu Ende geführt! Und wie ihr Kleid aussah! Alexandryn rümpfte ihre Nase.
      Mit ihren Fuß trat sie dann leicht gegen die junge Frau. Sie sollte aufwachen und sich erklären. Die Prinzessin hätte eindeutig fester zu treten können, doch eine schlafende Person die nichts mit bekam stark zu treten kam ihr nicht wirklich in den Sinn.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Eva war einer der Menschen, die fast jede Nacht etwas träumten. Es war, als stieg sie sofort in eine Traumwelt hinab, sobald sie auch nur die Augen schloss. Jetzt, so erschöpft im weichen Stroh liegend, war es nicht anders: Kaum war die junge Frau eingeschlafen, verlief sie sich in einem kunterbunten Hirngespinst, in dem das große Schloss und ihre Einwohner die Hauptrollen spielten.


      Es hatte damit angefangen, dass sie einen Fuß ins Königshaus gesetzt hatte und Gerdrud schon, wie aus einem Gewehr geschossen, auf sie zu gerannt kam.
      "Zu spät, zu spät!", krächzte die alte Frau und zog Eva plötzlich an den Haaren mit sich, "Die Sonne ging schon drei Mal auf!"
      Die Dienerin wusste selbst nicht genau, was genau die Hausmeisterin damit meinte - oder warum zur Hölle sie sich auf so eine niedere Art und Weise mitschleifen ließ - doch sie hinterfragte es nicht. Gleich im nächsten Moment waren sie im Kerker und mit einem groben Schubs stieß Gerdrud sie in das Verließ, welches bis vor kurzem noch dem armen Mann gehört hatte. Zu ihrem Entsetzen war nicht nur all das Blut wieder da, es war auch noch wesentlich dreckiger als vorher und auf dem Boden lagen mehr als abgetrennte Finger.
      Instinktiv schlug sich Eva die Hände vor den Mund, als ihr erneut dieser metallische Geruch in die Nase stieg.
      "Du hast doch hunger!", zischte die alte Frau, nun mit einer so gehässigen Stimme, dass sie der Brünette wie eine böse Hexe vorkam, "Da liegen sie: Herz, Niere, Leber .. das ist das beste Fleisch!"
      "Du bist verrückt!", schrie Eva sie an, "So sehr ich auch hungere, ich werde nicht die Überreste dieses Mannes essen!"
      Auch wenn sie keinerlei Anzeichen dafür gehabt hatte, dass diese Organe dem Dieb gehörten, war die Dienerin der felsenfesten Überzeugung, dass er gestorben war.
      "Du undankbares..!"
      Gerdrud hatte aufeinmal einen Schuh aus Holz in der Hand, mit dem sie der jungen Dame bedrohlich näher kam und ausholte, um ihr gehörig eine zu verpassen. Sofort kniff Eva ihre Augen zu und legte die Arme schützend vor sich ... aber es geschah nichts.
      Vorsichtig öffnete sie die Augen wieder und entspannte ihre Körperhaltung, als sie bemerkte, dass sie sich nicht mehr im Kerker befand. Da stand sie, auf einer riesigen Wiese, dessen weiße Blüten leicht vom hellen Mondlicht beleuchtet wurden. Es war still, der Wind angenehm, der Duft ... süß ...
      "La la la ...~"
      Eva blinzelte ein paar Mal und wirbelte herum. Sie war sich sicher, eine Stimme gehört zu haben, die eine friedliche Melodie summte.
      "La la la ...~"
      "Hallo?", fragte sie viel zu leise und wagte es, voran zu gehen. Die Grashalme kitzelten sie unter ihren nackten Füßen, die warme Brise ließ den langen Rock ihres weißen Kleides tanzen.
      "Eva."
      Als die Brünette ihren Namen hinter sich hörte, drehte sie sich sofort um und sah damit direkt zur Prinzessin, die sie mit einer unbeeindruckten Miene anstarrte. Die Dienerin wusste nicht, wie sie reagieren sollte, weshalb sie der Frau lediglich in die hellen Augen blickte, ohne einen Mucks von sich zu geben. Es schienen Minuten .. vielleicht sogar Stunden zu vergehen .. bis sich ein sanftes Lächeln auf den Lippen der Blonden legte. Das war der Moment, an dem sich ein Kribbeln über Evas ganzen Körper breit machte, als flogen Schmetterlinge durch ihre Adern.
      "Alexandryn, Ihr ..", Eva konnte dieses Gefühl gar nicht für sich behalten, "Ihr seid so ..."


      "Mhm ...", vollkommen verschlafen öffnete die neue Dienerin ihre Augen, als etwas an ihr zu rütteln schien.
      Mit einem regelrechten Schlafzimmerblick sah sie zu der Prinzessin auf, die direkt vor ihr stand. Ihr blondes Haar schimmerte elegant in den Sonnenstrahlen, die durch einen Spalt der Scheune auf sie geworfen wurden. Diese makellose, gebräunte Haut kam dadurch gleich viel mehr zur Geltung und diese Augen ... sie wirkten, als würden sie glatt durch Eva hindurch blicken.
      "... wunderschön.", beendete sie mit einem verträumten Lächeln den Satz, den sie zuvor noch im Traum angefangen hatte.
      Und so fuhr sie fort, dieses bewundernswerte Geschöpf zu mustern ...
      ....
      - Mit einem Mal schrak die Dienerin abrupt hoch, strich sie ihr zerzaustes Haar zügig glatt und räusperte sich,
      "A-Ah.. ich .. nun .."
      Verflucht noch eins! Sie war hier eingeschlafen! Eingeschlafen! Und ausgerechnet die skrupellose Prinzessin war Augenzeugin!
      Schnell klopfte Eva sich etwas Heu vom Kleid, ehe sie ein überfreundliches Lächeln aufsetzte und so tat, als wäre nie etwas gewesen - sie musste schließlich irgendwas versuchen!
      "Eure Hoheit.", mit einem gekonnten Knicks begrüßte sie die andere nun, "Ich war gerade dabei Stroh in den Kerker zu bringen."
      Wie, um ihr Gesagtes zu unterstreichen, beugte sie sich vor und umschlang sogleich einen ganzen Ballen Heu zwischen ihren Armen, während sie die Prinzessin weiterhin künstlich anlächelte,
      "Was führ Euch zu mir? Darf ich Euch bei etwas behilflich sein?"
      Innerlich segnete Eva schon das Zeitliche - bestimmt bekam sie nun eine schreckliche Strafe. ob sie nun auch nackt vor dem Schloss nächtigen musste? Oder ob man ihr etwas abschneiden würde? Bei diesem Gedanken zog sich alles in der Brünetten zusammen. Oh .. hoffentlich wurde es nicht so schlimm! Vielleicht untersagte sie ihr lediglich das Essen, wobei ..
      Alleine bei der Erwägung, weiterhin ohne Nahrung auszukommen, gab Evas Magen ein lautes Knurren von sich. Hastig räusperte sie sich wieder, damit dieses Geräusch nicht allzu auffiel.
    • Alexandryn Nicholette Nyneve


      Es dauerte nicht unbedingt lange, bis die junge Dienerin ihre Augen öffnete und aus dem schlaf gerissen wurde. Sie schien gar nicht zu wissen was ihr überhaupt blühte, oder was sie hier eigentlich angestellt hatte. Alexandryn holte schon Luft um eine Strafe auszusprechen, da sagte die Dienerin etwas. Etwas das Alexandryn mehr als nur ein wenig verwunderte. Nein, es war sie sogar vollkommen aus der Bahn.
      Vielleicht war es auch nicht unbedingt das Wort das sie sagte, obwohl es allen Anschein nach Alexandryn galt. Vielleicht war es das Lächeln welches sich auf ihre Lippen legte.
      Es war noch nie vor gekommen, das eine Person so niederen Standes Alexandryn so ansah! Lächelnd, verträumt ohne Furcht in den Augen. Alle wussten was Alexandryn tun konnte. Und vor wenigen Stunden hatte sie es diesem dummen Ding doch vorgeführt. Und dennoch.
      Jede Strafe die Alexandryn sich eben noch ausgedacht hatte, war wie weg geblasen.
      Sie konnte gar nicht anders als der Frau dabei zu zu sehen wie sie sich aufrichtete und ihre Haare glätteten. Mit einen Mal schien sie wieder zu wissen wer hier eigentlich vor ihr stand, und vielleicht erkannte Alexandryn sogar etwas wie Furcht in ihrer Haltung. Auch das stottern wies darauf hin.
      Am liebsten hätte Alexandryn sich selbst geräuspert. Dieser Moment war zu tiefst seltsam gewesen, und selbst Jodan im Hintergrund hatte sich etwas verspannt. Er war es wohl auch nicht gewohnt das seine Herrin so lange zögerte eine Strafe auszusprechen. War sie überhaupt jemals so aus der Spur geraten, das sie nicht einmal über eine vernünftige Strafe nachdenken konnte.
      Die Prinzessin strich sich also über ihr Kleid, um Falten heraus zu bekommen, die gar nicht existierten. Der feine seidige Stoff unter ihren Fingern erinnerte sie daran, dass sie eine Aufgabe hatte. Sie hatte die Pflicht nicht nur in ihrem Schloss, sondern auch in diesem Riech für Ordnung zu sorgen, weil sie eines Tages die Herrscherin sein würde. Diese Dienstmagd hatte sie gefälligst nicht so anzusehen, und noch weniger so anzulächeln... Und schon gar nicht stand es ihr zu die Prinzessin als wunderschön zu bezeichnen! Es war ohne Frage, dass Alexandryn schön war, doch das jemand so niederes diese Tatsache aussprach, fühlte sich an als würde die Blondhaarige nach Bestätigung suchen, von einer Stelle die unwichtiger war als der Dreck unter ihren Füßen.
      Auch die Dienerin schien sich nun wieder unter Kontrolle zu haben, als sie vor der Prinzessin knickste.
      "Ich wusste gar nicht, das man 4 Stunden benötigt um frisches Stroh in den Kerker zu bringen", ertönte Alexandryns Stimme recht kalt. Sie hatte nicht nur einfach im Heu geschlafen, nein sie hatte auch noch ihre Aufgabe nicht erledigt. Die Aufgabe die sie von der Prinzessin persönlich bekommen hatte! Das zeugte von einer unerhörten Dreistigkeit. Hatte Alexandryn an dem Morgen nicht zu gut bewiesen wozu sie im Stande war? Hatte diese simple Aufführung etwa nicht ihren Zweck erfüllt?
      Wenn die Brünette nicht direkt vor Alexandryn stehen würde, hätte sie vor Wut das Gesicht verzerrt. Solche Emotionen würde sie dem einfachen Volk jedoch nicht schenken. Dafür waren sie nicht gut genug. Keiner war für Alexandryn gut genug.
      Das Lächeln das jetzt auf den Lippen der Dienerin lag, war ganz anders als das was sie vorhin noch getragen hatte. Alexandryn verabscheute dieses Lächeln, und hätte es ihr am liebsten aus dem Gesicht geschlagen.
      Doch zu so etwas würde die Prinzessin sich nicht herab lassen. Sie wank Jodan an ihre Seite. "Ich denke für so viel Faulheit steht ihr eine Ohrfeige zu", meinte sie dann zu Jodan, der diesen indirekten Befehl folge leisten musste. Egal ob er es wollte oder nicht. Ihre Leibwache hatte keine Wahl. Er holte aus, und schlug der Bediensteten ins Gesicht. Der knall lies Alexandryn für einige Sekunden zufrieden lächeln.
      "Und ich wünsche, dass du unsere Pferde sattelst. Deinetwegen werden die Stallburschen bestraft und stehen nicht zur Verfügung. Danach bringst du endlich das frische Stroh in den Kerker... Und nächstes Mal erledigst du deine Aufgabe direkt. Ich mag es nicht warten gelassen zu werden."
      Jodan blickte erstaunt zur Prinzessin. Die einzige Strafe die sie ausprach war eine Ohrfeige? Die Dienerin konnte sich wirklich glücklich schätzen! Und auch das Jodan Dienst hatte. Er war bei den Strafen immer noch am sanftesten, so hatte er auch dieses Mal nicht zu fest zu geschlagen.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Es nützte nichts, ihr zu widersprechen. Nicht nur, weil das Wort einer einfachen Dienerin niemals mit dem von Alexandryn mithalten konnte, sondern auch .. weil die Prinzessin Recht hatte. Vier Stunden für eine einfache Aufgabe waren höchst abwegig, weshalb sich Eva insgeheim auf die Zunge biss. Sich rauszureden war in dieser Situation unmöglich.
      Selbst, als die Blonde ihrem Leibwächter auftrug, ihr eine Ohrfeige zu verpassen, schwand das künstliche Lächeln nicht von ihren Lippen. Sie war zuversichtlich, dass das nur der Beginn ihrer Strafe war - immerhin hatten andere wesentlich harmlosere Fehler begannen und wurden mit abstrusen Methoden sanktioniert.
      Gerade, als Jodan mit der Hand ausholte, kniff Eva instinktiv die Augen zu. Es dauerte nicht lange - kaum eine Sekunde, da spürte sie schon einen leichten, heißen Schmerz auf ihrer Wange. Das Lächeln war ein wenig verblasst, als die Brünette ihre Augen vorsichtig wieder öffnete.
      ... Das war die Ohrfeige?
      Ganz langsam blickte Eva zu dem Leibwächter hoch und fragte sich, ob er mit Absicht so sanft zugeschlagen hatte. Nun gut, bestimmt hatte er das. Gerdruds Schläge hatten ihr vor kurzem noch viel mehr zugesetzt, als das. Aber .. wieso war er so nett? Lag es daran, dass er schon wusste, was für ein Grauen Eva gleich noch erwarten würde? Kannte er die Prinzessin bereits so gut, dass ihm bewusst war, welche Worte ihren Mund jeden Moment verlassen würden?
      Als die Königstochter wieder zu sprechen begann, blickte Eva erneut zu ihr und konnte nicht anders, als irritiert zu blinzeln.
      Moment - das war alles? Sie sollte lediglich ihre Pferde satteln, die Aufgabe zu Ende führen und darauf achten, dass es nicht wieder vorkam? Hatte sich Eva da gerade verhört?!

      Die neue Dienerin brauchte einen Moment, bis sie sich zu einer Antwort ringen konnte, "J-Ja, sicher, natürlich, Eure Hoheit!"
      Es war besser, diese Entscheidung nicht zu hinterfragen! Vielleicht war Alexandryn heute guter Laune und Eva war die letzte, die das herausfordern wollte.
      Aber .. eine Sache ließ ihr doch keine Ruhe ..
      "Doch wenn ich fragen darf, was meint Ihr damit, dass die Stallburschen wegen mir-"
      Eva wurde in ihrem Satz unterbrochen, als sie von draußen ein lautes Jammern, ja fast schon ein Schreien hörte. Die Zwanzigjährige erschrak sichtlich bei diesem plötzlichen Lärm und huschte eilig zum Ausgang der Scheune, um herauszufinden, was dort draußen vor sich ging. Nicht allzu weit weg zwang eine Wache einen der Stallburschen auf die Knie, gleich neben den anderen, der die Hände zusammengefaltet hatte und irgendetwas unverständliches winselte.
      "Bitte!", flehte Junge, der gerade zu Boden gedrückt wurde, "Wir haben nichts verbrochen! Habt Gnade!"
      Eine andere Wache kam mit schweren Schritten auf die beiden zu, eine lange, harte Peitsche in seinen Händen tragend. Bei diesem Anblick weiteten sich Evas Augen sofort - sollten diese armen Burschen etwa ausgepeitscht werden?! Sie waren gerade einmal so alt wie ihre eigenen Brüder - wahrscheinlich keine zwei Jahre älter!
      "Halt!", rief Eva laut und bestimmend genug, dass die Wachen inne hielten und ihre Köpfe zu der Dienerin drehten.
      Selbstverständlich konnte sie ihnen keineswegs den Befehl geben, ihr Handeln zu unterlassen .. es gab nur eine Person, die dem befähigt war. Ohne lange zu zögern wirbelte Eva herum und streckte gerade eine Hand aus, um sie bittend auf Alexandryns Arm zu legen, doch bevor sie sie berührte, zog sie die Hand schnell wieder weg.
      Ah ..! Da wäre es beinahe mit ihr durchgegangen. Vor ihr stand die Königstochter Dämmerwalds und keine Freundin ihres Standes...
      Eva schluckte kurz, ehe sie die Blondine ansprach,
      "Eure Hoheit ... Das .. Das muss ganz sicher ein Missverständnis sein. Ihr sagtet, dass diese Burschen wegen mir bestraft werden, doch sie taten nichts, was einer Straftat gleichkommt."
      Ihre Augen wanderten kurz noch einmal zu den Jungen, die fast schon hoffnungsvoll zu ihr herüber sahen. Niemals konnte Eva tatenlos dabei zusehen, wie unschuldige Knaben solches Leid ertragen mussten!
      "Wenn es darum geht, dass ich im Stroh lag und ...", sie sprach diesen Fehler nur ungerne aus, " .. schlief, dann bestraft bitte nicht diese Jungen. Sie können nichts dafür, dass ich mich in den Stall geschlichen habe, sie wussten wahrscheinlich nicht einmal, dass ich überhaupt da war. Diese Unrichtigkeit ist ganz allein mir verschuldet."
      Die Brünette atmete kurz tief durch, ehe sie ihren Blick langsam senkte. Bis gerade eben hatte sie der Prinzessin noch recht selbstbewusst in die Augen geschaut, doch jetzt wurde sie etwas unsicherer. Dennoch blieb ihre Stimmlage unverändert, als sie fortfuhr,
      "So solltet ihr mich auspeitschen und die Stallburschen verschonen."
    • Alexandryn Nicholette Nyneve

      Leider verstand Alexandryn die Blicke ihrer beider Untertanen nur zu gut. Diese Blicke liesen sie wahnsinnig unwohl fühlen, und es war wirklich das erste mal, das Alexandryn sich wünschte, das sie nicht sie war. Sie wusste auch nicht wirklich was sie geritten hatte. Die Strafe war viel zu schwach gewesen, und diese Magd hatte wirklich mehr verdient. Doch auch wenn sie jetzt versuchte sich eine Strafe zu überlegen, der Blick der Frau vor ihr, schien ihr denken in diese Richtung ein wenig zu blockieren. Sie sollte sie gefälligst nicht so ansehen! Sie sollte Alexandryn nie wieder ansehen! Das gefiel ihr ganz und gar nicht.
      Die Dienerin wollte dann Alexandryn direkt ansprechen, mit einer Frage die sie ihr nicht beantwortet hätte. Die Prinzessin schuldete niemanden außer ihrer Königin eine Antwort. Und sie würde sich hüten jemand unbedeutendes noch mehr ihrer Aufmerksamkeit zu schenken. Die größte Aufmerksamkeit bestand in Alexandryns Bestrafungen und das sollte es an sich auch schon wieder gewesen sein.
      Die Brünette kam auch gar nicht mehr dazu ihre Frage zu stellen, da hörte man die Stallburschen von draußen schon winseln. Das war ein Klang der Alexandryn wirklich gefiel. Der Dienstmagd jedoch nicht wirklich. Und das war gut so.
      Die junge Frau huschte an der Prinzessin vorbei, und Alexandryn erlaubte sich ihr hinterher zu sehen. Oh, vielleicht wurde es ja ihre Bestrafung bei dem Spektakel zu zu sehen. Nur die wenigsten Menschen ertrugen es dabei zu zu sehen wie jemand ausgepeitscht wurde. Es war eine von Alexandryns liebsten Bestrafungen.
      Langsam trat die Prinzessin nun auch aus dem Stall heraus. Es gehörte sich auch nicht dort zu sein, und das Kitzeln in ihrer Nase war ihr ohnehin lästig. Wenn man das Stroh und Heu nicht benötigen würde, würde sie alles davon verbrennen lassen und nichts davon auch nur noch in ihre Nähe kommen lassen. Aber jeder brauchte es, für das Vieh. Wenn die Pferde eingehen würden, wäre das schon eine Einschränkung für die Prinzessin. Und ohne das ganze Vieh auf den Bauernhöfen, würde nicht nur das Volk verhungern sondern schlussendlich auch noch die Königsfamilie. Das es auch immer so viele Dinge zu bedenken gab!
      Die freche Dienerin rief dann nach den Wachen, und Alexandryn verzog verärgert das Gesicht. Was bildete sie sich ein?! SO funktionierte das hier nicht, sie konnte nicht einfach eine Bestrafung unterbinden!
      Als sie kurz davor war Alexandryn zu berühren, riss die Prinzessin ihre Augen vor Empörung auf, und Jodan hatte seine Hand direkt an seinen Schwert. Keinem stand es zu die Prinzessin zu berühren! Nicht wenn sie es nicht wollte, und schon gar niemand von so einen niederen Stand! Zu ihrem Glück riss sich die junge Frau noch rechtzeitig zusammen. Aber damit hatte sie den Bogen nun weit überspannt. Und auch ihr flehen kam nicht zu Alexandryn durch. Alle Emotionen wichen aus ihrer Miene.
      "Wenn du ausgepeitscht werden möchtest, erfülle ich dir deinen Wunsch. Ich bin immerhin eine sehr großzügige Person. Aber die Stallburschen werden ihrer Strafe nicht entgehen. Sie wollten dich im Schlaf schänden, wäre ich nicht aufgetaucht und hätte sie bei diesem fürchterlichen Verbrechen aufgehalten."
      Nun wandte Alexandryn sich an die Wachen. "Peitscht die Dienerin fünf mal aus, und dafür bekommen direkt danach die beiden Jungen zehn schläge mit der Peitsche. Jeder. Und seit ja nicht sanft."
      Wenn die Jungs als erstes sehen würden wie sehr die junge Frau litt würden sie nur noch mehr Angst vor ihrer Strafe bekommen. Wenn diese Dienerin das unbedingt wollte, dann sei es so. Alexandryn hatte nichts dagegen, wenn diese beiden Burschen schon beinahe vor Angst starben.
      "Entblöße deinen Rücken, und sobald du genau zu gesehen hast, wie auch die Stallburschen bestraft werden, wirst du für den Rest des Tages, trotz der Schmerzen, ihre Aufgabe übernehmen. Und du wirst damit beginnen, mein Pferd zu satteln. Wegen dir habe ich nun schon genug Zeit verloren!" Alexandryns Stimme war eisig geworden, und sie sah die Dienerin auch nicht mehr an. Irgendwie hatte sie das Gefühl sie würde ihre Worte sonst zurück nehmen, und das würde sie nicht tun. Das konnte sie nicht tun. Sonst würden alle denken man konnte ihr auf der Nase tanzen!
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Für einen kurzen Augenblick hatte Eva ernsthaft gedacht, dass die Prinzessin die Stallburschen verschonen und stattdessen die Dienerin auspeitschen ließ. Natürlich war das trotz allem ein grauenhafter Gedanke, doch es war ihre eigene Entscheidung gewesen. Als Alexandryn allerdings mit eiseskälte aussprach, dass nun alle Schläge mit der Peitsche verdienten und Eva zudem auch die Aufgaben der Jungen übernehmen sollte, weitete sie schockiert die Augen,
      "Aber-"
      Sie kam gar nicht dazu, irgendetwas zu sagen, da die Frau schon ihren Blick abgewandt hatte und die Wachen somit das Signal bekamen, ihre Worte in die Tat zu wandeln. Bevor Eva noch irgendetwas versuchen konnte, trat einer der schwer ausgerüsteten Männer auf die Dienerin zu, packte sie grob am Arm und zog sie zu den anderen beiden Untertanen.
      "Prinzessin Alexandryn, bitte!", kam es flehend über ihre Lippen, ehe sie zu Boden geworfen wurde.
      Sie landete auf allen Vieren, wobei ihre Knie und erneut auch ihre Hände ordentlich aufgekratzt wurden. Die Dienerin biss sich bei diesem stechenden Schmerz auf die Unterlippe ... noch unwissend darüber, welch schreckliche Schmerzen sie sogleich erfahren würde.
      Die beiden Stallburschen stolperten etwas nach hinten, als einer der Wachen sie zurück scheuchte, um genug Platz zu haben, um mit der Peitsche auszuholen. Mit einem fordernden Blick sah die andere Wache, die Eva hergeschubst hatte, auf sie herunter,
      "Los, entblöße deinen Rücken."
      Ängstlich umklammerte die Angesprochene die Bluse ihres Kleids. Würde sie nun wirklich ausgepeitscht werden? Würde sie nun Narben erhalten, die sie nie wieder verschwinden lassen konnte?
      Die junge Frau spürte, wie trocken ihr Hals wurde und wie sehr ihre Hände zitterten. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt so viel Furcht verspürt hatte. Doch zu betteln würde nichts bringen .. das wusste sie. Das wusste jeder.
      Eva atmete tief durch, ehe sie die Schleife ihres Kleids löste und den Stoff über ihre Schultern gleiten ließ. Nun war ihr ganzer, noch komplett makelloser Rücken entblößt. Eine perfekte Leinwand für jemanden, der sich blutig verewigen wollte.
      Die Wache, die bei ihr stand, gab seinem Kumpanen ein kurzes Zeichen, beginnen zu können. In diesem Hauch einer Sekunde blickte Eva noch ein letztes Mal zu Alexandryn. In dem Blick der Dienerin lag kein Hass, aber bei weitem auch kein Respekt. In ihr lag ... einfach nur Enttäuschung. Enttäuschung darüber, wie herzlos sie solche Strafen aussprechen konnte .. und auch Enttäuschung über den eigenen Gedanken, für einen kleinen Moment tatsächlich daran geglaubt zu haben, dass die Prinzessin gnädig war.
      Eva hätte es besser wissen müssen.
      Damit drehte die Brünette ihren Kopf wieder nach vorne, schloss die Augen und wartete darauf, den ersten Schlag zu bekommen.
      Und dieser kam. Es kam so plötzlich, so schnell und ... es brannte! Eva hatte einen lauten, schmerzerfüllten Schrei nicht unterdrücken können. In diesem Moment waren ihre kleinen Wunden an Händen und Knien sofort vergessen. Solch einen Schmerz, den sie am Rücken verspürte, hatte sie noch nie erlebt. Ohne eine Pause kam auch schon der zweite Hieb und auch diesmal musste sie qualvoll aufschreien. Sie spürte, wie ihr warmes Blut aus den Wunden floss und langsam ihren Weg nach unten fanden, bis sie auf den kalten Steinboden tropften.
      Ihr kam diese Folter vor, als zöge sie sich über Stunden. Jeder weiterer Schlag drohte sie in Ohnmacht zu versetzen und spätestens beim fünften, ihren letzten Schlag, flackerte das Bild vor ihren Augen ununterbrochen. Sie nahm kaum mehr war, wie die Wache sie an den Haaren packte und zur Seite schubste, damit die Stallburschen ihre Strafe erhalten konnten.
      Fast schon ein wenig teilnahmslos sah sie zu den Jungen, die nebeneinander knieten. Einer von ihnen schrie Eva an,
      "Du blöde Dirne! Am Anfang waren es nur fünf und wegen dir kriegen wir jetzt zehn! Soll der Teufel dich holen!"
      Fünf..? Zehn..? Wieso..?!
      "Das.. wollte ich ni-", kam es mit leiser, schwacher Stimme aus der Dienerin, doch ihr Satz wurde schon mit dem lauten Schrei der Jungen unterbrochen, die schon einen Hieb abbekamen.
      Sie war gezwungen, zuzuschauen, so sehr sie auch ihren Blick abwenden wollte. Doch mit der Zeit war es ihr auch gar nicht mehr möglich, richtig zuzusehen, da sich ihre Augen so sehr mit Tränen füllten, dass ihr Blick verschwamm.
      "Es tut mir so Leid..", hauchte sie mit zittriger Stimme.

      Als die Bestrafung vollendet war und die Stallburschen sich zurück gezogen hatten, stand Eva gebrechlich auf und zog das Kleid wieder an. Ihre Wunden brannten noch immer ganz schrecklich, was der Stoff nicht verbesserte. Ihr war bewusst, dass ihre Arbeitskleidung sich nun mit Blut voll sog .. aber jetzt in diesem Moment hatte sie andere Sorgen. Unter anderem diese, jetzt weitere Aufgaben zu erledigen, trotz Übermüdung, Hunger und unerträglicher Schmerzen.
      Ohne auch nur ein Wort zu verlieren, machte sie sich daran, die Pferde zu satteln, wie es ihr befohlen wurde. Es fiel ihr unbeschreiblich schwer, die Utensilien dafür überhaupt zu tragen, so geschwächt, wie sie war, doch letztendlich hatte sie es doch geschafft. Während der gesamten Zeit sah sie weder die Prinzessin, noch Jodan an. Sie wollte nichts mit dieser Frau zu tun haben.
      "Eure Hoheit..", mit diesen leisen Worten verbeugte sie sich vor ihr, während ihre Augen auf den Boden gerichtet waren.
      Eine einfache Verabschiedung - was sollte sie denn sonst noch sagen? Nicht, dass sie 'ihre Zeit weiter verschwendete' und gleich mit der Todesstrafe konfrontiert wurde ..
      Damit ging sie wie eine leblose Leiche zum Stall, griff sich ausreichend Stroh und machte sich auf dem Weg zum Kerker.



      Der Mond stand schon am Himmel, als Eva sich auf eine Bank fallen ließ. Für einen kurzen Moment lehnte sie sich aus Versehen nach hinten und zuckte sofort zusammen - ihre Wunden waren nicht verheilt und bannten bei jeder einzelnen Berührung, egal, wie sanft diese auch war.
      Ein Seufzen entwich ihr. Mit den Fingern fuhr sie sich behutsam über die aufgeschlagene Lippe. Bei Gott, sie wollte gar nicht wissen, wie ihr Gesicht aussehen musste. Kaum hatte sie vorhin alle Aufgaben erledigt, hatte Gerdrud die Tat mit ihrer Decke erfahren und sie ordentlich zusammengeschlagen. Eva hatte zu dem Zeitpunkt nicht einmal mehr die Kraft gehabt, ihre Arme schützend vor sich zu legen .. sie hatte es einfach über sich ergehen lassen. So hatte sie jetzt nicht nur einen blutigen Rücken und eine blutige Lippe, sondern auch ein blaues Auge und diverse Platzwunden.
      Wenigstens jetzt, mitten in der Nacht, hatte sie Ruhe. Gerdrud hatte ihr nicht erlaubt, im Zimmer mit den anderen zu schlafen, weshalb sie nun draußen war und die frische Luft genoss. Heute war es nicht einmal so kalt, weshalb Eva es gar nicht als schlimm empfand.
      "Du musst hungrig sein."
      "Hm?", etwas abwesend sah Eva neben sich, "Oh .."
      Es war Käthe. Die andere Dienerin sah sie mit einem mitfühlenden Lächeln an und hielt ihr ein Stück Brot entgegen.
      "Ich habe gehört, was passiert ist.", sagte diese und fragte vorsichtig, "Hast du deine Wunden gereinigt?"
      Eva musterte das Stück Essen müde, ehe sie danach griff und langsam davon abbiss. Anschließend schüttelte sie leicht den Kopf und zwang sich zu einem Lächeln, was ihr wirklich schwer fiel,
      "Ich .. komme nicht so gut dran. Aber es wird schon nichts passieren.."
      "Das darfst du nicht sagen!", meinte die andere nun, "Komm, ich habe jetzt auch extra einen Eimer Wasser mitgebracht. Und .. es ist das mindeste, was ich für dich tun kann."
      "Ist schon gut. Geh besser zurück in den Schlafsaal, bevor dich jemand sieht."
      "Ich darf meine Schlafenszeit verbringen, wo ich will, solange ich keine Unannehmlichkeiten bereite.", versicherte Käthe, "Das ist eine Regel hier, weißt du? Da muss schon die Königin oder die Prinzessin persönlich etwas sagen, damit es nicht mehr zutrifft."
      Eva erkannte in Käthes Augen, dass sie nicht nachlassen würde, bis sie ihr helfen konnte. Offensichtlich dachte diese, dass sie eine Schuld begleichen müsste, was natürlich nicht der Fall war ... aber wenn sie sich dann besser fühle ..
      "Na gut..", Eva entkleidete sich wieder vom oberen Teil ihres Kleides und ließ die andere Dienerin machen.
      Käthe ließ sich das nicht zwei Mal sagen und begann ihre Arbeit. Hin und wieder zwickte es, macnhmal brannte es auch wieder etwas stärker, aber das war normal. Und trotzdem ..
      "O-Oh..!", Käthe hielt augenblicklich inne, als sie bemerkte, dass Eva zu weinen begann, "Tut es so sehr weh? Ich versuche, etwas behutsamer zu sein.."
      "Nein .. das ist es nicht..", Eva wischte sich eine Träne von der Wange, "Es ist einfach nur .. "
      Sie schüttelte den Kopf. Es war, als würden erst jetzt alle Gefühle, die sie über den ganzen Tag verspürt hatte, hochkommen. Es war ihr nicht einmal möglich, ihren Satz zu beenden, zu sehr überwältigte sie die Trauer, die Wut, die Hilflosigkeit..
      Käthe ließ das Tuch, mit dem sie die Wunden gereinigt hatte, ins Wasser fallen und nahm die Brünette in den Arm, damit diese sich ausweinen konnte.
      Eva war nie der Mensch gewesen, der weinte, aber sie hatte sich auch noch nie so derartig schlecht gefühlt.
    • Alexandryn Nicholette Nyneve

      Alexandryn hatte kein Interesse mehr an dieser Frau, nachdem sie ihre Strafe ausgesprochen hatte. Zumindest wollte die Prinzessin sich genau das einreden, im inneren nagte es jedoch etwas an ihr. Diese Frau hatte sie heraus gefordert, und darum gebettelt mehr Strafe zu bekommen, als Alexandryn zunächst ausgesprochen hatte. Man musste hart durchgreifen, wenn man respektiert werden wollte. Das war es was sie sich immer wieder sagte.
      "Prinzessin Alexandryn, bitte!"
      Diese Dienerin hatte viel zu wenig von der Prinzessin gehört, wenn sie wirklich glaubte das sie Gnade walten lies. Alexandryn war die Strafe, die jeder Sünder entgegentreten müsste. Alexandryn war die Bestrafung die jeder verdiente, der sich nicht an das Gesetzt hielt. Die Prinzessin war die Angst, die jeder verspürte wenn er auch nur daran dachte sie zu verärgern. Für einen kurzen Moment konnte die junge Frau nur zu gut sehen, wie sie in den Geschichtsbüchern eingehen würde. Alexandryn die Grausame, oder Alexandryn die Bestrafende. Im Grunde klangen diese Worte doch sehr verlockend. Ihre Mutter hatte jetzt schon andere Beinamen, die sich jeder in die Ohren flüsterende. Die Strahlende, die Gutmütige. Und von bösen Zungen, hörte man immer nur wie Schwach sie war. Alexandryn hatte diese bösen Zungen heraus schneiden lassen.
      Alexandryn wendete ihren Blick erst wieder zu der Dienerin, als der Mann sie aufforderte ihren Rücken frei zu legen. Und dann folgte der erste Schlag, und der erste Schrei. Auf Alexandryns ganzen Körper bildete sich Gänsehaut, und das Adrenalin schoss ihr durch die Adern. Diese Dienerin schrie... perfekt! Alexandryn konnte von hier nur schwächlich erkennen, wie das Blut über den Rücken der Frau zu rinnen begann. Fantastisch, wie sehr Alexandryn das hier gefiel. Am liebsten wäre sie mit dieser Frau alleine, um diesen Anblick mehr genießen zu können. Ohne die neugierigen Augen die auf ihr Lagen. Es herrschten Gerüchte über Alexandryn, die besagten das es sie erregte Menschen leiden zu sehen, und nun versuchten immer wieder Menschen heraus zu finden, ob es stimmte.
      Alexandryn fand dieses Gerücht lächerlich, wer erfreute sich denn auch nicht an dem Leid anderer? Sie konnte sich nicht ausmalen, wer bei solch einen wundervollen Anblick keine Freude empfand, wie jemand keine Freude empfinden konnte, wenn eine Person vor Schmerzen schrie und sich wand.
      Die Schreie der Dienerin endeten viel zu schnell, und für einen Moment wünschte die Prinzessin sich, sie hätte ihr mehr Peitschenhiebe verpassen lassen. Aber diese Frau hatte nichts getan, womit sie noch mehr Strafe verdienen würde, was Alexandryn jedoch wusste war, das sie von diesem Moment an, ein besonderes Augenmerk auf sie legen würde. Ihre Schreie klangen zu süß, und ihr Blut war so ein schöner Kontrast zu ihrer sonst so unbefleckten Haut.
      Auch als dann die Stallburschen bestraft wurde, konnte sie ihre Gedanken kaum von der Frau ablenken, und sah immer wieder zu ihr, wie sie dort lag und weinte. Ein besessenes Grinsen schlich sich auf Alexandryns Lippen. So sah sie noch schöner aus, als mit ihren gekünstelten Lächeln.

      Es hatte für Alexandryn viel zu lange gedauert, das ihr Pferd nun endlich gerichtet wurde. Sie war langsam, was wohl ihren Wunden geschuldet war. Grinsend betrachtete die Prinzessin wie sich die Klamotten mit Blut vollgesogen hatten. Am liebsten wäre es ihr, wenn sie diese für immer so tragen würde, leider war ihr auch sehr genau bewusst, das es wohl schon sehr bald anfangen würde zu stinken. Mit einen sachten Lächeln auf den Lippen erinnerte sich Alexandryn an ihre ersten Versuche, die Blut beinhalteten. Die Farbe des Blutes hatte sie schon immer fasziniert. Als Jodan sich das erste mal verletzt hatte...
      Bevor die Prinzessin in ihren Erinnerungen schwelgen konnte, hörte sie wieder die Stimme der Dienerin. Nun sah sie nur noch zu Boden, und das Gefühl des Triumphes überkam sie. Hatte es wirklich nur so wenig gebraucht, um den Willen dieser Frau zu brechen? Das sie ihre Prinzessin nicht mehr anstarrte, und sich vielleicht endlich verhielt wie es sich gehörte.
      Jodan half ihr dann auf ihr Pferd, und bestieg sein eigenes. Als die beiden nun endlich den Hof verliesen, wandte sich die Prinzessin an ihre Leibwache. "Ich möchte, das du den Namen dieser Dienerin heraus findest. Ich denke ich werde noch einiges Spaß mit ihr haben."
      Jodan nickte, was Alxandryn jedoch nicht sah, trieb sie ihr Pferd nun an schneller zu laufen. Sie hatte besseres zu tun, als sich mit weiteren Worten an Leute die unter ihr standen zu wenden.

      Beim Abendessen hatte Alexandryn ihre Idee geäußert, einen Freibeuter in das Schloss ein zu laden. Sie hatte ihrer Mutter erzählt, welche Vorteile so ein Mensch mit sich bringen konnte, und welche Reichtümer er dem Reich bescheren konnte. Zunächst schien die Königin zu zögern, doch als sie in das Gesicht ihrer Tochter sah, stimmte sie letzt endlich zu. "Aber, du übernimmst die Verantwortung. Du kümmerst dich um alles, und wenn etwas passieren sollte wird es deine Schuld sein."
      Alexandryn nickte. Es würde nicht passieren, Alexandryn konnte sehr gut darauf achten, das Menschen ihren Willen folgten. Alleine die Gerüchte die über sie herrschten, bescherte den Meisten schon genügend Angst um sie keinen Blödsinn in Alexandryns Nähe machen zu lassen. Und wenn es doch passierte, griff sie gerne ein. Sie überlegte sich bereits jetzt, wie man Freibeuter am besten Bestrafen konnte. Ihnen für immer ihre Freiheit zu stehlen, klang nach etwas das sie besonders Schmerzen würde.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Die Nacht verging viel schneller, als es Eva lieb war.
      Nachdem Käthe ihre Wunden versorgt und sie beide wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekommen hatten, war es wieder Zeit, sich an die Arbeit zu machen. Obwohl das Frühstück für die Bediensteten äußerst mager ausgefallen war und Gerdrud der Brünetten wirklich die unschönsten Aufgaben in die Hände drückte - diese alte Gans war noch immer wegen ihrer Decke eingeschnappt -, fühlte sich Eva gar nicht so niedergeschlagen, wie sie es selbst erwartet hatte. Noch gestern war sie ihrer wohl einzigen Freundin weinend um den Hals gefallen .. und nun? Jetzt alberte sie insgeheim mit dem ein oder anderen Bediensteten herum, während sie beispielsweise die Wäsche aufhing oder die Böden auf Knien schrubbte. Ihre Trauer war wie weggeblasen. Manchmal tat es scheinbar gut, tatsächlich mit jemandem zu reden ...
      Nachdenklich musterte die Dienerin jetzt einen anderen ihresgleichen, der allerdings vollkommen emotionslos die Fenster wischte. Sie tunkte ihre Hand in den Wassereimer vor ihren Füßen .. und spritzte den Mann dann ohne jegliche Vorwarnungen ab.
      Er erschrak und für einen kurzen Augenblick wirkte es so, als würde er von der Fensterbank fallen, weshalb Eva schon hastig ihre Arme ausstreckte, doch der Schwarzhaarige fing sich gerade noch und blickte mit einer irritierten, als auch verurteilenden Miene auf Eva herab.
      "Oh, du lebst ja.", kommentierte sie mit einem schelmischen Grinsen, "Du heißt Clas, richtig?"
      Neugierig stützte die junge Frau ihr Kinn auf die Spitze des Besenstiels, den sie in den Händen hielt.
      "Niclas.", korrigierte der Angesprochene recht kühl und wendete sich wieder seiner Aufgabe zu, "Der Boden säubert sich nicht von selbst, Neue."
      "Eva.", entgegnete die Dienerin weiterhin lächelnd, "Sei kein Frosch. Ich bin zwar nicht lange hier, aber seit ich dich kenne, habe ich dich noch nie lächeln gesehen."
      Niclas stieg von der Fensterbank und erhob sich gleich auf der nächstgelegenen, um ein weiteres Fenster zu putzen. Dabei versuchte er bemüht, die Brünette zu ignorieren, aber diese ließ nicht so schnell locker,
      "Komm schon, wir sitzen im selben Boot. Wir sollten Freunde werden."
      Der Mann schüttelte leicht den Kopf und seufzte, "Mich überkäme das Grauen, wenn ich mit jemandem wie dir in einem Boot sitzen würde. Du bist den zweiten Tag hier und hast schon eine Strafe nach der anderen erhalten."
      "Das war ja nur eine Redewendung...", Eva verdrehte die Augen und fuhr anschließend fort, den Dreck zusammenzukehren, "Außerdem wäre ich eine sehr geeignete Matrosin. Nur für deine Information."
      "Ja, natürlich.", Niclas schnaubte fast schon belustigt, "Sag das mal den Freibeutern, die bald herkommen. Die werden dir das Gegenteil beweisen."
      "Freibeuter?"
      Eva hielt in ihrer Bewegung inne und auch der Diener stockte, als er bemerkte, dass er sich verplappert hatte.
      "Das...", schnell wirbelte er zu der Frau herum und flüsterte, "Das behältst du für dich, ist das klar? Du hast nie etwas von mir gehört!"
      "Hm?", sie legte den Kopf schief, "Aber warum de-"
      Niclas sprang eilig von der Fensterbank und drückte ihr seine Handfläche gegen die Lippen, damit sie kein weiteres Wort hervor bringen konnte. Mit großen Augen sah Eva zu dem Mann auf, der still murmelte,
      "Ich habe die Königin und die Prinzessin gestern beim Abendessen darüber reden hören, aber ich darf solche privaten Gespräche nicht öffentlich machen, bis sie es selbst tun. Also .. tue mir bitte den Gefallen und versiegel deine Zunge. Oder verheimliche zumindest, dass ich es war, der etwas sagte."
      Erst, als die junge Frau mit dem Kopf nickte, ließ er von ihr ab und drehte sich wieder zu dem Fenster.
      "Also...", jetzt wurde Eva doch neugierig, weshalb sie sich aufgeregt in seine Richtung lehnte und mit leiser Stimme fragte, "Reden wir hier von richtigen Piraten? Mit riesigen Schiffen, Augenklappen und rostigen Schwertern?"
      Auf den Diener machte die Brünette plötzlich einen sehr kindlichen Eindruck, als hatte sie noch nie einen Freibeuter zu Gesicht bekommen. In der Tat war ihr solch eine Begegnung bislang erspart geblieben, weshalb sie nur alte Sagen und Legenden von Piraten kannte, die viel abenteuerlicher und ehrenhafter klangen, als sie in der Realität waren. Ihre Augen funkelten vor unschuldiger Wissbegierde, wodurch es Niclas schwer fiel, zu schweigen. Er haderte etwas mit sich, ehe er ebenso still antwortete,
      "Ja, Piraten. Aber sie sind nicht so toll, wie du sie dir womöglich vorstellst. Sie sind dreckig, ekelhaft und meistens auch krank-"
      "Echte Piraten!", Evas Vorfreude konnte man problemlos aus ihrem Gesicht lesen, "Wenn Caspar und Felix das hören könnten!"
      Der Diener hinterfragte gar nicht erst, von wem sie da sprach und huschte sie weg, "Genug jetzt. Arbeite weiter!"

      Nachdem Eva die Gänge des Schlosses auf Vordermann gebracht hatte, war sie auf dem Weg hinaus, um nach den Stallburschen zu sehen. Sie waren sicherlich alles andere als erfreut darüber, sie zu sehen, aber die Dienerin konnte dieses Verlangen, ihnen irgendwie zu helfen, nicht unterdrücken ... wenn die beiden wegen ihr schon solch eine Qual durchleben mussten. Weit kam Eva allerdings nicht - gerade hatte sie die Treppen erreicht, die hinunter ins Erdgeschoss führten, da polterte und krachte es so laut, dass sie vor Schreck zusammenzuckte.
      Zügig lief Eva die Treppenstufen hinunter und entdeckte an ihrem Ende eine weitere Dienerin, die auf dem Boden hockte und sich mit zusammengebissenen Zähnen den Knöchel rieb. Gleich neben ihr lag ein silbernes Tablett und alles, was zuvor auf diesem lag, war auf dem gesamten Boden zerstreut.
      "Ist alles in Ordnung?", schnell kniete sich die Brünette neben der anderen Frau und wollte sich das Bein näher anschauen, aber die Dienerin schüttelte schnell den Kopf und meinte ganz panisch, "Das Frühstück der Prinzessin ... Ich bin sowieso schon spät dran .. was soll ich nur tun..?!"
      Unbeholfen versuchte sie, aufzustehen, knickste aber sofort wieder ein, weshalb Eva sie schnell stützte und versuchte, sie zu beruhigen, "Du hast dich verletzt .. das kann doch mal passieren. Wir machen ihr einfach ein neues frühstück, so viel Zeit wird sie wohl haben."
      Die noch Unbekannte wurde ganz blass bei der Vorstellung, dass Alexandryn auch nur fünf Sekunden länger auf ihr Mahl warten musste.
      "N-Nein .. du verstehst nicht. Wenn ich zu spät bin, wird sie-"
      "Was bei Gottes Namen ist hier los?!"
      Gerdruds Stimme hallte zornig und unmissverständlich durch den Gang, als sie zu den beiden Damen stampfte. Keiner hatte auch nur annähernd die Zeit gehabt, sich zu erklären, da schlug die alte Frau schon mit einem Lappen auf den Kopf der unbekannten Dienerin und zischte, "Ist das etwa für die Prinzessin?! Ich hoffe nicht, dass du ihr das, was zu Boden gefallen ist, servieren möchtest?!"
      "Nein, n-natürlich nicht..!"
      Gerdruds Blick fiel auf den Knöchel der Frau und seufzte nach kurzem Überlegen, "..So kannst du dich ihr nicht zeigen. Wie sieht es denn aus, wenn ihr frühstück humpelnd überbracht wird? Außerdem kannst du es dir nicht leisten, wenn das Essen wieder hinfällt, weil du nicht richtig laufen kannst."
      Damit sah sie zu Eva, "Du! Los, geh in die Küche und bereite eurer Hoheit ein neues Frühstück vor. Und beeil dich gefälligst!"
      Eva hatte nicht die Chance, auch nur etwas dazu zu sagen, da widmete sich Gerdrud schon der anderen Dienerin mit sämtlichen Anweisungen, zum Beispiel, so bald wie möglich den Dreck, den sie veranstaltet hatte, zu säubern.
      Die Brünette musste einmal tief durchatmen, bevor ihr Weg sie in die Küche führte. Nach gestern .. wollte sie die Königstochter ehrlich gesagt nur ungern wieder sehen. Zwar hatte sie gewusst, dass sie die Frau früher oder später wieder zu Gesicht bekam, allerdings hatte sie eher auf 'spät' gehofft ...

      Gut - sie musste nur ein Frühstück abliefern! Von Gerdrud hatte sie vorhin noch so viele Aufgaben erhalten, da blieb Eva gar nichts anderes übrig, als nach der Abgabe sofort wieder zu verschwinden. Und wenn Eva alles richtig machte, würde Alexandryn hoffentlich nicht auf die Idee kommen, sie wieder auszupeitschen ...
      Bei dem Gedanken nahm sie die Verbände, die sich unter ihrem neuen Kleid an den Rücken schmiegten, deutlicher wahr. Noch immer schmerzte jegliche Berührung .. sie wollte wirklich nicht noch mehr davon haben. Ob die Narben jemals so richtig verheilen würden? Mit dem blauen Auge und den kleinen Wunden im Gesicht sah sie jetzt schon so aus, als wäre sie gerade aus einer Schlacht gekommen ..
      Ihre gute Laune drohte allmählich zu verschwinden, weshalb Eva sich eilig andere Gedanken machen wollte. Richtig - das Frühstück!
      In der Küche war nicht mehr so viel los - scheinbar waren die meisten Köche nach der Zubereitung des Frühstücks losgezogen, um Zutaten für das Mittagsmahl zu beschaffen. Die wenigen, die übrig blieben, kümmerten sich um das Geschirr oder um das Essen für die Ritter und Wachen. Keiner schenkte Eva Beachtung. Vielleicht war das auch besser so ... und vielleicht konnte sie diese Tatsache für spätere Zeitpunkte nutzen ..

      In wenigen Minuten hatte die Dienerin das neue Frühstück für die Prinzessin zusammengestellt und es ordentlich auf ein Silbertablett gelegt. Eva wusste nicht so genau, was alles zum Mahl einer Adeligen gehörte, aber von dem, was sie vorhin auf dem Boden verteilt gesehen hatte, war ihre Kreation nicht weit entfernt. Frisch geschnittenes Obst, darunter Äpfel und Weintauben, als auch ein gutes Stück Käse und Schinken. Das Beste an dem Teller war aber definitiv das Brot: Eva hatte viel zur Auswahl gehabt, aber in einer Ecke der Küche versteckt hatte sie ein typisches Bauernbrot entdeckt - diese hatten wirklich den besten Geschmack! Niemals hätte die Brünette gedacht, so etwas hier zu finden. Damals, als sie Zeit gehabt hatte, hatte sie es auch immer selbst gebacken. Es war zwar recht hell, aber voller Aroma und es passte perfekt zu den Beilagen, für die sie sich entschieden hatte. Und weil Eva während der Zubereitung absolut gedankenverloren in ihrem Element war, hatte sie das Brot auch noch hübsch zu mehreren Halbmonden geschnitten - einfach nur, weil es dann viel hübscher aussah. Und vielleicht auch, weil das Haar der Prinzessin sie ein wenig an den Mond erinnerte ..
      Das, was ihr jedoch Sorgen bereitete, war der Tee. Sie hatte vergessen, zu fragen, welchen Geschmack Alexandryn überhaupt mochte.... also war ihre Wahl einfach auf das gefallen, was sie selbst immer trank, wenn sie konnte: Schwarztee mit einem Spritzer Zitronensaft und einen Löffel Honig. Sie selbst liebte diesen Geschmack und sie kannte noch keinen, der es nicht mochte. Nunja, und im Zweifelsfall würde Alexandryn ihr das Getränk einfach ins Gesicht schleudern, so, wie sie es bei Käthe getan hatte. Das war wohl mitunter der Grund, weshalb sie ganz streng darauf geachtet hatte, es nicht zu heiß zuzubereiten.

      Mit schnellen und zielgerichteten Schritten kam Eva dann vor dem Zimmer der Königstochter an. Sie hob leicht eine Hand, um an die Tür zu klopfen, zögerte allerdings.
      Sie .. hatte wirklich keine Lust, dieser Frau ins Gesicht zu blicken. Langsam schloss die Zwanzigjährige die Augen, nahm erneut tief Luft, und atmete entschlossen aus, als sie über ihren Schatten sprang und es endlich tat.
      Drei Klopfer und ein Lächeln auf den Lippen. Diesmal war es gar nicht mal so gekünstelt - Eva erinnerte sich einfach daran, sofort wieder gehen zu können, wenn die Prinzessin das Essen annahm. Und dann konnte sie in einer freien Sekunde Niclas aufsuchen, damit er ihr mehr von den Freibeutern erzählte!
      "Eure Hoheit.", begrüßte Eva sie durch die Tür hindurch, "Ich bringe Euch Euer Frühstück."
    • Alexandryn Nicholette Nyneve


      Alexandryn begab sich mit guter Laune zu Bett, nachdem sie den ersten Brief von vielen aufgesetzt hatte. Erst einmal musste sie in Kontakt kommen mit einen Freibeuter, und wer wäre besser für die Vermittlung als ihr Cousin der Graf.
      Doch recht zufrieden mit ihren Tag, verfiel die Prinzessin schnell, in außergewöhnliche Träume, über die hübsche Bedienstete und das Blut welches den Boden unter ihr goss. Der metallische Geruch der in der Luft lag, und die Schreie die jeden der sie hörte eine Gänsehaut verursachte.
      Doch der Traum wandelte sich schnell zu etwas ungewöhnlichen, etwas das Alexandryn schon mit schlechter Laune erwachen lies. Im Normfall vergaß man seine Träume sehr schnell wieder, doch diesen Teil bekam sie nicht mehr aus den Kopf. Dieses verträumte Lächeln. Oh wie sie es hasste! Ihre Zofen waren schon am Morgen verängstigt, als sie das düstere Gesicht der Prinzessin erblickten. Gut so, besser sie hatten Angst. Das war das einzige, das diesen Morgen hätte retten können!

      Die Prinzessin wurde in das edelste Samt gehüllt, und war nun wieder an ihrem Schreibtisch, um noch einen zweiten Brief zu verfassen, der heute noch unbedingt abgeschickt werden müsste. Es klopfte an der Tür, und die Prinzessin gab sich nicht einmal die Mühe die Person herein zu bitten. Es war sicherlich ihr Frühstück, das doch schon recht spät dran war. Heute würde sie jedoch gnädig sein, einfach weil sie noch einiges zu tun hatte. Sie musste noch andere Briefe schreiben, und sie hatte noch Bücher die sie lesen musste, wenn sie wirklich einen Freibeuter in ihrem Schloss haben wollte. Dann würde heute auch noch hoher Besuch eintreffen den Alexandryn begrüßen musste, und vielleicht würde sie auch noch ein Geschenk organisieren, wenn ihr danach war... und dann, genau sie hatte auch noch ein Treffen mit ihren persönlichen Schneider. Sie mochte es die neueste Mode zu tragen, und sie liebte es wenn die richtigen Personen sie dafür bewunderten.
      "Tritt ein", meinte die Prinzessin nur, als die Magd sich nicht selbst ein lies. Ihr Blick wanderte zu Tür. Die Stimme kam ihr zwar bekannt vor, gehörte aber zu keiner der üblichen Dienerinnen, die sich sonst um ihre Anglegenheiten kümmerten. Was ging nur wieder vor sich? Immerhin hatte sie aus einen bestimmten Grund gewisse Dienerinnen. Nicht jede dahergelaufene Magd sollte sich um die Prinezssin kümmern müssen. Alexandryn würde sich wohl dringend mit der Hausmeisterin auseinander setzten müssen, sie schien ihre Arbeit nicht mehr wirklich ernst zu nehmen.
      Die Türe ging auf und die Magd trat ein. Alexandryns Augen verengten sich, und wieder erinnerte sie sich an dieses verträumte Lächeln! Oh, sie spürte wie der Hass wieder in ihr aufkam, als sie daran dachte. Warum hatte diese Frau sie so angelächelt, die Prinzessin konnte es einfach nicht verstehen.
      Warum brachte überhaupt sie ihr, ihr Frühstück. Sie wusste doch gar nicht was Alexandryn haben wollte, und sie wusste nicht wohin irgendetwas gehörte, oder von den anderen Pflichten die es am Morgen galt zu erledigen. Und eigentlich gehörte es sich nicht für eine Prinzessin Mägde einzuarbeiten. "Stell es dort hin", meinte Alexandryn und deutete auf einen Tisch.
      Sie wandte sich noch einmal an ihren Brief und schrieb die letzten Sätze fertig, dann verschloss sie ihn und versiegelte ihn mit dem königlichen Siegel. Erst als das erledigt war stand sie auf und begab sich selbst zu besagten Tisch. Ihre Augen lagen auf den Frühstück das sie skeptisch beäugte. Es war anders als sonst, aber gut. "Der Tee", meinte sie dann, und hielt ihre Hand hin. Sie sollte ihr diesen geben. Während Alexandryn wartete, musterte sie die Dienerin. Ihren Namen kannte sie noch immer nicht, sollte Jodan nicht ihren Namen heraus finden? Wo steckte er überhaupt! "Jodan!", rief sie dann aufgebracht, und er kam sofort durch die Türe, er selbst wirkte auch noch nicht vollkommen wach. "Ja, eure Hoheit?"
      Doch Alexandryn antwortete ihn schon nicht mehr. Er musste nur hier sein, sie traute dieser Magd noch nicht wirklich. "Du musst nachher die beiden Briefe auf meinen Schreibtisch abgeben, ich möchte dass sie bald bei ihren Empfängern ankommen. Das Geld für den Versand bekommst du bei der Hausmeisterin", befahl Alexandryn dann. Die beiden Briefe waren für heute die wichtigsten, auch wenn es nicht die letzten wären. Sie musste wohl auch nicht aussprechen was passierte, wenn einer der Briefe abhanden kamen. "Dein Rücken, erzähl mir von den Schmerzen, währned ich esse", verlangte sie dann. Sie brauchte Unterhaltung, und vielleicht war es gut, dass sie hier war... die anderen Mägde konnten diese wohl kaum eine wirkliche Unterhaltung bieten.
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Als Eva hörte, dass sie eintreten durfte, zögerte sie noch einen kurzen Augenblick, raffte sich dann jedoch zusammen und ging - so selbstbewusst, wie sie in dieser Situation konnte - in das Gemach der Prinzessin hinein. Diese schien allerdings weniger begeistert davon, dass ihr jemand anderes als ihre gewohnte Magd das Frühstück brachte. Eva versuchte, Alexandryns argwöhnischen Blick zu ignorieren und servierte das Tablett, wie befohlen, auf den nächstgelegenen Tisch.
      'Bitte sag, dass ich jetzt gehen darf. Bitte sag, dass ich jetzt gehen darf.' - Diesen Satz wiederholte die Brünette immer und immer wieder in ihrem Kopf, in der Hoffnung, dass die Prinzessin sie aus dem Blickfeld verschwinden lassen wollte. Und so wartete sie nach außen hin geduldig, innerlich allerdings recht nervös, darauf, dass diese erhoffte Aussage kam.
      "Der Tee"
      ....
      Evas Lächeln zuckte für den Bruchteil einer Sekunde, als ihr bewusst wurde, dass sie diese Frau jetzt das ganze Frühstück über bedienen musste. Wundervoll.
      Wie angeordnet reichte sie ihr das warme Getränk und überlegte sich jetzt schon, wie sie Gerdruds Aufgaben innerhalb des Tages schaffen sollte. Diese alte Hexe würde Eva niemals davon kommen lassen, selbst wenn sie genau wusste, dass die Prinzessin sie von ihrer eigentlichen Arbeit abhielt.
      Nunja .. aber solange sie Alexandryn nicht füttern musste ...
      Dass die Blonde Jodan herbei rief, wunderte das Dienstmädchen nicht. Für sie war er schließlich wie ein loyaler Hund. Eva tauschte nur kurz Blicke mit ihm, wurde dann aber wieder aufmerksam, als die Prinzessin von den Briefen sprach.
      Interessiert hob sie eine Augenbraue. Das war gar nicht mal so eine schlechte Aufgabe. Das würde immerhin begründen, weshalb sie sich zur Stadt aufmachen musste. Bei diesem Gedanken gewann ihr Lächeln ein Stück weit an Echtheit, ehe sie sich zur besagten Botschaft begab. Es würde ihr sichtlich gut tun, sich wieder unter Menschen ihresgleichen zu mischen. Auch, wenn sie nicht einmal so lange hier verharrt hatte.

      Bevor Eva die Briefe in die Hand nehmen konnte, befahl ihr die Prinzessin eine weitere Sache:
      Sie sollte ihr von den Schmerzen erzählen.
      Das Dienstmädchen wusste in diesem Moment selbst nicht, was sie empfinden sollte - Schock? Frustration? Verwirrung?
      Meinte .. Alexandryn das gerade ernst? Sie hatte ihr diese Strafe doch aufgebürdet und hatte genau gesehen - und gehört! - wie entsetzlich und grausam es gewesen war! Und dann auch noch während des Frühstücks ..
      Diese Frau war wahrhaftig ein Dämon in dem Körper eines Engels. Anders konnte Eva sich diesen Sadismus nicht erklären. Hätte sie doch nur in ihr Essen gespuckt, verdient hätte Alexandryn es alle mal.
      "Es war ..", begann die Brünette und biss sich auf die Unterlippe, als sie sich an diesen Moment erinnerte. Selbst jetzt pochte ihr Rücken noch und wenn sie so daran dachte, wurde es lediglich schlimmer.
      "... fürchterlich.", beendete sie schließlich ihren Satz.
      Eva konnte sich vorstellen, dass der Prinzessin allein das nicht ausreichte, weshalb sie etwas leiser und mit einer recht emotionslosen Miene fortfuhr, "Ich empfand jeden einzelnen Hieb wie einen Blitz, der ein brennendes, unausstehliches Feuer auf meiner Haut entfachte."
      Sie atmete tief durch und griff nun endlich nach den Briefen. Dabei kam sich nicht drum herum, einen Blick auf den Empfänger zu werfen und ...
      ...
      Kapitän? Vor diesen unbekannten und exotisch klingenden Namen stand tatsächlich der Titel 'Kapitän'!
      Sofort weiteten sich Evas Augen vor Begeisterung und ihre trübe Laune, die sie in diesem Gemach bekommen hatte, war urplötzlich wie weggeblasen.
      "Oh mein Herr im Himmel!", nun strahlte die Magd über das ganze, leicht sommersprossige, Gesicht.
      Sie wirbelte herum und hielt die Briefe unbedacht nahe an ihren Lippen, als sie mit funkelnden Augen zu Alexandryn sah, "Ihr kennt Piraten? Echte Seeräuber?"
      Niclas hatte Recht! Es war scheinbar tatsächlich die Absicht der Prinzessin, welche in das Schloss einzuladen!
      Alleine der Gedanke, so jemandem zu begegnen, ließ die Dienerin ganz aufgeregt werden.
    • Alexandryn Nicholette Nyneve

      Zögernd blickte die Prinzessin ihren Tee an. Konnte man dieser Magd denn überhaupt trauen? Was war wenn sie dort Gift hineingemischt hatte? Alexandryn roch erst einmal vorsichtig an dem Tee, bevor sie sich ihn an die Lippen führte, und vorsichtig daran nippte.
      "Was ist das?", wollte sie dann auch direkt wissen.
      Das hier schmeckte nicht wie ihr üblicher Tee. Sie schmeckte den Honig ja, aber was für eine Sorte war das. Irgendwie wollte sie unzufrieden sein, auch wenn der Tee ihr schmeckte. Das war nicht das was sie sonst bekam. Warum schickte man diese Magd, mit ihren Frühstück, wenn sie noch nicht einmal wusste was sie bringen sollte? Musste sie denn wirklich alles selbst machen? Alexandryn war sicherlich nicht dafür da, die Diener einzuarbeiten! Dafür hatten sie jemanden, und es schien Alexandryn, das das Schloss dafür wohl bald jemand neuen brauchen würde. Immerhin schien die Alte ihre Aufgabe nun wirklich nicht mehr zu erfüllen. Immerhin saß Alexandryn hier, mit einer Magd die keine Ahnung hatte was sie zu tun hatte, oder auch nur wusste wie man sich der Prinzessin gegenüber richtig benahm. So wie sie schon wieder lächelte. Alexandryn stellte den Tee dann wieder weg.
      Nein, so wollte sie das alles nicht. So schwer war das doch alles nicht. Wenn es nicht so bäuerlich wäre, hätte sie nun bestimmt vor sich hingegrummelt. Aber sie hatte einen Titel dem sie gerecht werden musste.

      Amüsiert beobachtete die Blonde wie die Magd zu stocken schien. Vielleicht hatte sie gesehen und gehört was passiert war, aber das half ihr nicht dabei zu verstehen, was es eigentlich bedeutete. Alexandryn hatte noch nie Schmerzen gehabt, keine richtigen Schmerzen. Aber es sah immer... es war immer... Wie ein Rausch wenn sie es sehen konnte. Wenn sie das Leid in den Augen der Menschen sehen konnte. Die Angst um ihr Leben, diese Macht die sie besaß, dass sie deise Leben tatsächlich beenden konnte wenn sie es nur wollte. Das alles was diesen Leuten wichtig war, nur von einem Wort aus dem Mund der Prinzessin abging.
      Die Magd begann zu sprechen, und es war zunächst nur enttäuschend. Fürchterlich beschrieb überhaupt nichts. Sie war schon kurz davor sie einfach weg zu schicken, als sie sich dann doch fing und ihr mehr erzählte.
      Ein unerträgliches Feuer auf ihrer Haut... Hm, das brachte Alexandryn auf ein paar Ideen. Diese musste sie bei Gelegenheit austesten. Am besten eine neue Reihe an Experminten starten. Vielleicht würde die Prinzessin die Magd sogar zwingen ihr zu helfen. Damit sie sehen konnte, was sie mit ihren Worten alles anrichten konnte.
      Amüsiert nahm sie eine der Speisen und kostete davon. Hm, zumindest das hatte sie richtig gemacht.

      Bei ihren erfreuten Aufruf zuckte Alexandryn etwas zusammen. Was... was war das denn? Sowas kannte sie nicht! Niemand war jemals so erfreut in ihrer Nähe. Und niemand von so geringen Stand wagte es einfach zu reden, ohne das Alexandryn es nicht angeordnet hatte.
      Sichtlich verwirrt blickte die Prinzessin zu der Magd, die wohl wahnsinnig glücklich wirkte. Was war denn nur falsch mit ihr. Hatte Alexandryn ihr denn nicht genug Angst gemacht.
      "Freibeuter, ist die bevorzugte Beizeichnung dieser Leute", meinte sie dann ganz schlicht.
      "Aber ich wüsste nicht was es dich angeht."
      Immerhin stand hier noch nichts fest, das alles sollte auch nicht zu große Wellen schlagen, andere Länder könnten sich bedroht fühlen. Andere Adelige beleidigt, oder gar neidisch, weil sie auch Schätze aus exotischen Ländern besitzen wollten.
      "Und es geht auch sonst niemanden etwas an, wenn ich dich tratschen höre, dann verspreche ich dir bei der Krone, dass die Peitschenhiebe noch ein Geschenk des Himmels waren."
      Mit einen kühlen Ausdruck musterte Alexandryn die junge Frau, wobei der kühle Ausdruck einen ebenso kühlen Lächeln.
      "Wenn die Briefe abgeschickt sind, möchte ich deinen Rücken sehen, ich denke das könnte meinen Tag versüßen. Und bring mir einen anderen Tee. Diesen möchte ich nicht."
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "

    • Eva war so aufgeregt gewesen, dass sie Alexandryns Frage, was für einen Tee sie da überhaupt in der Hand hielt, völlig außer Acht ließ.
      "Ja, richtig, Freibeuter.", kam es der Dienerin dann schon etwas demütiger über die Lippen, als sie von der Prinzessin verbessert wurde. Ihre gute Laune verbarg sie deshalb trotzdem nicht - sie grinste über beide Ohren hinweg und hibbelte aufgeregt wie ein Kind auf der Stelle.Für eine einfache Magd wie sie waren solche Neuigkeiten nunmal ein Phänomen - wann kam man denn auch schon dazu, einen waschechten Piraten zu begegnen, ohne, dass dieser einen sofort überfallen würde? Natürlich konnte Eva auch jetzt nicht wissen, was für Gestalten die Prinzessin ins Schloss einlud - wenn die Briefe denn überhaupt Einladungen waren - und ob diese friedlich waren ... aber wer wäre nicht vorfreudig, alte Kindheitshelden vor den eigenen Augen zu sehen?
      Während Eva sich schon in ihren Gedanken ausmalte, wie das erste Treffen mit solch einem Freibeuter verlaufen und was für Geschichten er ihr erzählen konnte, gab ihr Alexandryn noch weitere Anweisungen, die die Brünette nur halbherzig wahrnahm. Irgendwas davon, dass sie es nicht weiter herumerzählen und die Briefe abschicken sollte.

      "Natürlich.", bestätigte sie demnach schnell und gesellte sich hastig wieder zu der Blondine, als hätte sie ihr nie misstrauen oder gar Strafen von ihr persönlich erhalten.
      Viel mehr konnte es jetzt auf Außenstehende so wirken, als würden sich zwei Freundinnen unterhalten, wobei die eine wesentlich aufgeregter war, als die andere.
      "Doch sagt, Eure Hochheit..", Eva funkelte die junge Frau vor sich an, als sprachen sie gerade heimlich über die Männer, in die sie sich verliebt hatten, "Kennt Ihr einen von Ihnen persönlich? Also habt Ihr einen echten Pira- .. Freibeuter gesehen? Oder sogar zu Gast gehabt?"
      Eva schlug mehrfach mit den Wimpern auf, ganz gespannt darauf, was Alexandryn darauf antworten würde.
      Bevor sie Alexandryn jedoch die Möglichkeit geben konnte, zu reagieren, schlug Eva sich die Hände an die Wangen und wirkte kurz, als würde sie jeden Moment kreischen, "Oh Herr im Himmel!"
      Alleine der Gedanke!
      Normalerweise verhielt sich die lebensfrohe Dienerin erwachsener, aber das war wirklich ein Thema, mit dem man sie ködern konnte.
      "Kannst du das glauben?", fragte sie dann mit großen Augen an Jodan gewandt, als wäre es etwas ganz neues und spektakuläres, dass die Prinzessin solch eine Macht hatte.
    • Alexandryn Nicholette Nyneve

      Die Magd beantwortete ihre Frage nicht, weswegen sich ein ungutes Gefühl in Alexandryn breit machte. Nicht das sie dieses Gefühl nicht kannte, und im Grunde hatte sie nichts gegen Wut, aber eigentlich hatte sie gehofft dass dieses dumme Ding endlich verstanden hatte wie sie sich einer Prinzessin gegenüber verhalten sollte. Und nicht nur irgendeiner sondern DER Prinzessin. Der Kronprinzessin die von allen Leuten weit und breit gefürchtet wurde. Immerhin hatte sie diese Magd noch am Vortag auspeitschen lassen! Sie sollte wissen was ihr bevorstand wennn sie sich Alexandryn gegenüber so benahm.
      Die Blonde musste sich wirklich bemühen ruhig zu bleiben, sie konnte wegen so einen Menschen doch nicht einfach ihr Gesicht verlieren. Abgesehen davon, dass es Alexandryn ohnehin kaum möglich schien. Sie war einfach zu perplex von diesen Verhalten. Wie sie sich freute und ihr nicht einmal die Verbesserung der Prinzessin etwas ausmachte. Das lies sie doch glatt sprachlos. Das jemand so etwas hinbekam... Das konnten wirklich nur die wenigsten Menschen von sich behaupten.
      Dies lies den Zorn der jungen Frau nur noch mehr aufbrodeln, ohne das sie wirklich verstand woher dies kam. Eigentlich gingen ihr Diener nicht so nahe. Eigentlich würde sie diese Frau hier direkt bestrafen. Wenn sie könnte. Doch da war irgendetwas in Alexandryn das sie davon abhielt. Vielleicht hatte sie soetwas wie Mitleid, immerhin musste ihr Rücken sie noch immer umbringen... Auch wenn sie absolut nicht wo wirkte. Alexandryn sollte kein Mitleid haben. Sie war kurz davor ihren Kopf zu schütteln, strich jedoch nur leicht über die Lehne ihres Stuhles.
      Wenn sie ohnehin keine Schmerzen spürte, sollte sie so lange gequält werden bis sie nicht mehr laufen konnte. Das wäre die beste und einfachste Lösung. Doch egal wie sehr der Prinzessin genau das wollte, konnte sie es einfach nicht aussprechen. Und noch weniger als die Dienerin einfach weiter redete als wäre nichts.
      Empört sog die Prinzessin die Luft ein bei dieser Frage, und auch Jodan verspannte sich. Auch wenn man es bei ihm nicht bemerkte, wenn man ihn nicht kannte. Sie wusste gar nicht wie sie darauf reagieren sollte. Sie führte keine Gespräche mit Dienerin. Der einzige mit dem sie sich überhaupt außerhalb ihrer Familie und den Adeligen unterhielt war Jodan. Die anderen bekamen nur Anweisungen und Strafen.
      Jodan räusperte sich schon, vermutlich um die Braunhaarige in die Schranken zu weisen, doch die Blonde hob ihre Hand um ihn daran zu hindern. Sie würde nicht zeigen wie tief sie das hier beleidigte. Alexandryn würde sich die passende Strafe ausdenken und sie würde einfach leiden. Wie noch nie zuvor in ihren Leben.
      "Wir sind keine Freunde, als das du so mit mir sprechen könntest. Und die Annahme das ich mit solchen Leuten schon zuvor Kontakt hatte... Dafür sollte ich dir deine Zunge heraus schneiden lassen. Das Problem ist nur, dass du sie brauchst um deine Aufgaben zu erfüllen, also werde ich mir etwas anderes ausdenken. Also gehe nun und tu das was ich dir gesagt habe."
      "Sleep doesn't help, if it's your soul that's tired. "